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  Der Mantel der Studentin (überarbeitete Fassung)
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gag_coll
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  RE: Der Mantel der Studentin - Kapitel 3 - Probleme mit der Miete - Teil Drei von Vier Datum:18.10.17 05:46 IP: gespeichert Moderator melden


Der Mantel der Studentin
Kapitel 3 - Probleme mit der Miete - Teil Drei von Vier
Autor: Karl Kollar

Die spontane Begegnung mit ihrem Bruder hatte Julia doch mehr mitgenommen, als sie es sich selbst eingestehen wollte. Sie hatte auf der ganzen Fahrt mit der U-Bahn mit den Tränen zu kämpfen, und nur langsam wurde ihr klar, was sie gerade von ihrem Bruder erfahren hatte. Ihre Brüder würden nach ihr suchen. Und sie konnten hartnäckig sein, dass wusste sie aus eigener Erfahrung.

Jetzt stand sie an der Haltestelle der Straßenbahn und wartete auf die Linie Richtung Grünwald.

Als die Tram kam, musste Julia lächeln, denn es war genau die Tram, die sie von ihrem ersten Taschengeld als Modell gekauft hatte.

Während sie einstieg und sich einen Platz suchte, dachte sie an Frauke, und sie hoffte, dass sich die Dienerin über das Geschenk freuen würde. Sie fragte sich, ob sie wieder in ihrem Zimmer stehen und aus dem Fenster sehen würde, wie sie es jetzt schon mehrmals beobachten konnte.

Julia wusste immer noch nicht, warum die Tram für Frauke so wichtig war, doch sie hoffte, dass sie ihr mit dem Modell eine Freude machen würde.


Doch es kam ganz anders. Als Julia wieder in ihrer Wohnung war und ihre Tasche ausgepackt hatte, nahm sie sich den kleinen Karton mit ihrem Geschenk und machte sich auf, um Frauke zu suchen.

Erst jetzt fiel ihr auf, dass sie immer noch nicht wusste, wo Fraukes Zimmer war. Sie sah Frau Hegel im Treppenhaus, ging auf sie zu und fragte sie nach Fraukes Zimmer.

»Was wollen sie denn von ihr?« In der Stimme ihrer Vermieterin schwang ein wenig Misstrauen mit. Doch dann ging sie zu der Treppe nach oben und rief kurz den Namen der Dienerin.

Als Frauke kurz darauf erschien, sagte sie ihr, dass Julia nach ihr gefragt hätte.

Die Dienerin kam die Treppe herunter und ging langsam auf die Studentin zu. »Was möchtest du?«

»Damit du nicht immer an mein Fenster kommen musst.« Julia überreichte ihr den kleinen Karton, bei dem durch eine Klarsichtfolie der Inhalt zu sehen war.

Statt einer Antwort brach Frauke in Tränen aus und hatte Mühe, sich auf den Beinen zu halten.

»Sie wissen, dass sie kein Geschenk annehmen dürfen?« Frau Hegel war näher gekommen.

Julia fiel wortwörtlich die Kinnlade herunter. Sie schluckte und blickte ihre Vermieterin mit Tränen in den Augen an. »Habe ich etwas falsch gemacht?«

Frau Hegel erkannte die Gesamtsituation und musste nur kurz überlegen. »Frau Wiesl darf keine Geschenke annehmen. Aber natürlich kann ich sie nicht daran hindern, das kleine Modell in ihrem Zimmer aufzustellen.«

»Danke, Frau Hegel.« Julia und Frauke sagten es fast gleichzeitig, dann blickten sie sich überrascht an und mussten lachen.

Schließlich wurde Julia ganz mutig. »Ich weiß aber nicht, wo dein Zimmer ist.« Sie blickte zwischen Frauke und Frau Hegel hin und her.

Es brauchte erst eines aufmunternten Blicks von Frau Hegel, dann drehte sich Frauke um und ging wieder in Richtung Treppenhaus. »Na, dann komm mal mit.« Sie drehte sich noch einmal zu Julia um. »Wir werden einen schönen Platz für deine Straßenbahn finden.« Das Wort 'deine' hatte sie besonders betont.


Als sie die Treppe hinauf ging, fiel ihr ein, dass sie schon einmal hier oben gewesen war, als Herr Hegel ihr ganz stolz seine kleine, aber gut sortierte Bibliothek gezeigt hatte.

»Das ist ist mein Reich.« Ein Anflug von Stolz lag in Fraukes Stimme, als sie die Tür öffnete.

Julia war insgeheim entsetzt. Der Raum war kleiner als ihr Badezimmer und maß gerade mal neun Quadratmeter. Ein Bett, ein Tisch mit einem Stuhl und ein Schrank, mehr befand sich nicht darin, aber mehr hätte auch nicht Platz gefunden.

Sie schluckte und schwieg, denn sie ahnte, dass jedes Wort von ihr überheblich und beleidigend gewesen wäre.

»Ich dachte mir, dass wir sie auf die Fensterbank stellen, was meinst du?« Frauke blickte Julia mit einer Miene an, die Julia fast das Herz zerrissen hatte. Sie fühlte, dass sie es mit dem kleinen Modell wirklich voll getroffen hatte und sie gab sich Mühe, ihren Triumpf nur im Stillen zu genießen.

Sie musste sich erst räuspern, bevor sie sprechen konnte. »Du bist aber trotzdem immer in mein Zimmer eingeladen, wenn du aus dem Fenster sehen möchtest.« Es war Julia aufgefallen, dass das einzige sehr kleine Fenster nach Westen hinaus ging, und damit war kein Blick auf die Straßenbahnlinie möglich.

Julia überlegte, ob sie nach dem Grund fragen sollte, warum Frauke keine Geschenke entgegen nehmen durfte, doch sie ahnte, dass die Antwort wahrscheinlich schmerzhaft ausfallen würde und deswegen verzichtete sie darauf. Wenn Frauke bereit war, darüber zu reden, dann würde sie es schon merken.

»Ich möchte dir Danke sagen, dass du das Modell hier aufstellen möchtest.« Frauke fiel das Sprechen schwer. Es gab so viel, was sie gern gesagt hätte, doch sie wusste, dass die Zeit dafür noch nicht gekommen war. Doch sie wollte sich wenigstens für den so schönen Ausweg, den Frau Hegel vorgeschlagen hatte, bedanken. Denn natürlich kannte sie den Grund für diese strenge Regelung.

Auf einmal war ein Klingeln zu hören, und Frauke drehte sich sofort zur Tür. Erst dann realisierte sie, dass Julia noch im Raum war. »So hört es sich an, wenn ich gerufen werde.«

Julia verkniff sich die Antwort, denn sie wusste, dass alles, was sie sagen würde, verletzend wirken würde. Langsam ging sie Frauke hinterher.

* * *

Frau Hegel wählte die Nummer, und als abgehoben wurde, fragte sie nach Herrn Buchelberger. »Elisabeth hier.«

»Was gibt es?« Der Beamte seufzte leise. Ein Aufruf aus Grünwald konnte eigentlich nichts Gutes bedeuten.

»Es geht um die Regelung, dass Frauke keine Geschenke annehmen darf.« Frau Hegel hatte sich einen kleinen Plan zurecht gelegt.

»Und was ist damit?« Herr Buchelberger hatte mit der Unterbringung von Frauke bei Hegels seine Kompetenzen schon fast überdehnt.

Frau Hegel erzählte ihm von dem Geschenk, welches die neue Mieterin ihrem Schützling machen wollte. »Ich bin natürlich eingeschritten.«

Natürlich wusste auch Herr Buchelberger, dass hier auch immer die Komponente Mensch mitspielte. Er war über die rührende Geste zwar angetan, aber dienstlich durfte er es nicht dulden.

Frau Hegel beschrieb, was sie schließlich getan hatte und erläuterte ihre Argumentation. »Ich kann Julia schließlich nicht verbieten, ihr Eigentum in Fraukes Zimmer zu platzieren.«

Der Beamte runzelte hörbar die Stirn, doch dann gab er nach. »Okay, wenn du das so siehst. Danke, dass du mich informiert hast.«

»Ich glaube, dass sich zwischen Julia und Frauke so etwas wie eine Freundschaft anbahnt.« Sie gab ihre Beobachtungen weiter. »Ich denke, dass Julia einen guten Einfluss auf Fraukes weitere Entwicklung haben könnte.«

»Warum nicht.« Herr Buchelberger machte eine Notiz in die Akte. »Halte mich auf dem Laufenden.« Er verabschiedete sich.

* * *

Julia schloss die Tür hinter sich, dann ging sie langsam zu ihrem Bett und ließ sich in die Kissen fallen. Mit dem Blick nach oben an die Decke ging sie die Ereignisse des bisherigen Tages noch einmal durch. Es war so viel passiert, und so viele unterschiedliche Eindrücke waren auf sie eingeströmt. Fraukes trostloses Zimmer und die Tatsache, dass sie nicht einmal Geschenke annehmen durfte, machte sie traurig.

Dann war da das Tagebuch, das sie jetzt endlich ganz gelesen hatte. Was mochte es wohl mit diesen Engeln auf sich haben, mit dem Handschuh und dem Gürtel? Und vor allem, was war Carolins Aufgabe, die sie laut dem Tagebuch nicht mehr erfüllen konnte?

Und dann war da auch noch die überraschende Begegnung mit ihrem Bruder, der ihr wichtige Neuigkeiten vom elterlichen Hof überbracht hatte. Sie ließ sich noch einmal die Worte von Michael durch den Kopf gehen. Ihre Brüder würden sie suchen und wollten sie mit Gewalt auf den elterlichen Hof zurückholen, damit die Familie zu dem schon vor Ewigkeiten gegebenen Versprechen stehen konnte.

Zum Glück war sie immer schon die Schnellste gewesen, und sie würde es auch diesmal schaffen, im Notfall ihren Brüdern davon zu laufen.

Doch dann fiel ihr Blick auf den Mantel, der noch über dem Stuhl hing. Auf einmal erkannte sie das Problem. Sie hatte sich dazu verpflichtet, nahezu immer den Mantel zu tragen und sie wusste mittlerweile, wie hilflos sie darin war. Hilflos und langsam. Sie wäre eine leichte Beute für ihre Brüder.

Auf einmal ergriff sie Panik. Sie sprang vom Bett auf und suchte sich aus den wenigen Papieren, die sie besaß, den Mietvertrag heraus. Dort stand es schwarz auf weiß: Sie hatte bei jeder sich bietenden Gelegenheit den Mantel zu tragen. Damit würde sie für ihre Brüder ein leichtes Opfer sein.

Sie durfte den Mantel nicht tragen, wenn sie nicht riskieren wollte, dass sie zurück auf den elterlichen Hof geholt werden würde.

Langsam wurde ihr klar, was dies in Konsequenz bedeutete. Sie wäre nicht in der Lage, ihre Miete zu zahlen. Und das nicht einmal zwei Tage nach ihrem Einzug.

Noch einmal wog sie ihre Möglichkeiten ab. Wenn ihre Brüder sie finden würden, dann würden sie sie auf den elterlichen Hof zurückbringen. Denn die Heirat mit dem Erben des größten Hofes im Dorf war sehr wichtig. Und mit dem Mantel würde sie ihnen auch nicht mehr davonlaufen können.

Bis vor kurzem gab es nur das vage Versprechen, über das Julia sich schon oft genug geärgert hatte, doch jetzt mit dem Tod des alten Bauern war die Lage auf einmal viel brisanter. Es stand die Familienehre auf dem Spiel, und Julia wusste, dass ihre Brüder keine Ruhe geben würden.

Langsam reifte in ihr ein Gedanke. Sie musste ihr Paradies wieder aufgeben, denn jetzt gab es Gründe, warum sie die bisher scheinbar so einfachen Bedingungen nicht mehr erfüllen konnte.

Sie ging zum Schrank, und während sie ihre Koffer herausnahm, dachte sie mit viel Wehmut daran, was sie alles aufgeben musste. Und viele von den Sachen hatte sie noch nicht einmal ausprobieren können.

Auf einmal fiel ihr das Tagebuch wieder ein und die Tränen schossen ihr in das Gesicht. Sie würde auch Carolin verraten, und dies tat ihr besonders weh.

Sie ging zum Bett und unter Tränen legte sie die Koffer aufs Bett, dann öffnete sie und begann, ihre wenigen Habseligkeiten in den Koffer zu packen.


»Elisabeth, kommt bitte einmal schnell her.« Herr Hegel war ungewöhnlich aufgeregt.

»Was ist denn, Winfred?« Elisabeth war gerade damit beschäftigt, mit Frauke Wäsche zusammenzulegen.

»Das musst du dir ansehen.« Herr Hegels Stimme zitterte. »Sie packt.« Er zeigte auf den kleinen Überwachungsmonitor. »Ich wollte eigentlich nur die Aufzeichnungen von letzter Nach durchsehen, da habe ich die Koffer auf dem Bett liegen sehen.«

»Ich gehe sofort zu ihr und werde mit ihr reden.« Frau Hegel war entsetzt. »Sie hat bisher so vielversprechend reagiert. Sie muss unbedingt bleiben.« Ihre Stimme zeigte eine ungewohnte Entschlossenheit.


»Julia, was denn los mit ihnen?« Frau Hegel öffnete langsam die Tür zum Zimmer ihrer Mieterin. »Sie wollen doch nicht etwas ausziehen?«

»Ich... Ich kann... « Julia war vor lauter Schluchzen fast nicht zu verstehen. »Ich kann meine Miete nicht zahlen.«

»Jetzt setzen sie sich erst einmal und erzählen mir, was passiert ist.« Frau Hegel fragte sich, wo das glückliche Mädchen geblieben war, dass gerade noch Frauke die Tram überreicht hatte.

»Der Vater ist gestorben und jetzt muss ich ihn heiraten, weil ich den Mantel trage.« Julia schluchzte wieder.

»Jetzt mal langsam und von vorn. Ihr Vater ist gestorben?« Frau Hegel reicht Julia ein Taschentuch.

Julia wischte sich durch das Gesicht, dann holte sie tief Luft. »Ich wurde schon früh dem Leo versprochen. Das ist der Sohn vom Nachbarhof.«

Nach und nach gelang es Frau Hegel, Julia die ganze Geschichte zu entlocken, obwohl die Studentin immer wieder von Schluchzen unterbrochen wurde.

»Sie haben Angst, dass ihre Familie sie entführen und auf den Hof zurückholen könnte.« Frau Hegel versuchte, das was sie eben gehört hatte, noch einmal zusammenzufassen.

»Wenn ich den Mantel oder den Rock trage, dann kann ich nicht weglaufen.« Langsam beruhigte sich ihre Stimme. »Und der Mantel ist doch Bestandteil meiner Miete.«

»Bitte bleiben sie bei uns.« Frau Hegel war ehrlich besorgt. »Ich rede mit meinem Mann, und wir finden eine andere Lösung. Wir ändern den Mietvertrag.«

»Das würden sie tun?« Julia wischte sich die neuen Tränen weg.

Frau Hegel sah auf einmal eine Chance. »Haben sie sich schon in Carolins Schränken umgesehen?«

Julia verneinte.

»Dort finden wir sicherlich etwas, was sie als Ersatz tragen können. Ich werde gleich mit meinem Mann darüber reden, und heute Abend besprechen wir das. Bitte packen sie wieder aus.« Frau Hegel stand auf. »Wir machen gleich einen Spaziergang durch Grünwald und dazu möchten wir sie einladen.«

Julia blickte mit ängstlichem Gesicht auf.

»Zu zweit werden wir wohl auf sie aufpassen können. Sie müssen nichts befürchten.« Frau Hegel ging langsam zur Tür. »In zehn Minuten?«

Julia schluchzte noch einmal, dann nickte sie und stand ebenfalls auf.


»Frauke, wir machen jetzt einen Spaziergang mit Julia, und ich möchte, dass sie mitkommen.« Frau Hegel wusste, dass ihre Dienerin nur sehr selten nach draußen kam. »Sind sie einverstanden?«

»Ja, gern.« Es war heute schon die zweite schöne Abwechslung in ihrem sonst so traurigen Leben. »Darf ich mir noch meine Jacke holen?« Frauke freute sich sehr, zusammen mit Frau Hegel draußen sein zu dürfen.

»Wir gehen in zehn Minuten los.« Frau Hegel nickte, dann ging sie kurz ins Arbeitszimmer, um ihren Mann von den Ereignissen zu berichten.

»Was hast du jetzt vor?« Herr Hegel runzelte die Stirn. »Ist jetzt ihre Anmeldung in Gefahr?«

»Ich denke nicht.« Frau Hegel lehnte sich an den Türrahmen. »Der Rock lässt sich ja auch ohne den engen Unterrock tragen, und es gibt ja auch noch den leichten Mantel.«

»Ist das wirklich zielführend?« Herr Hegel sah nachdenklich aus. »Wenn wir ihr statt dem strengen Mantel das strenge Nachthemd geben?«

»Das ist eine gute Idee.« Frau Hegel grinste. »Und in der aktuellen Situation wird sie es gar nicht ablehnen können.« Sie gab ihm einen Kuss. »Manchmal kannst du auch ganz schön hinterhältig sein.«

* * *

Julia war insbesondere von dem großen fast parkähnlichen Garten beeindruckt, der sich auf der Südseite des Hauses erstreckte, auch weil er sie an ihre frühe Jugend erinnerte. Es war so ganz anders als ihre bisherige Wohnung bei ihrer Freundin, bei der es nicht einmal einen Balkon gab. Wenn sie einmal für sich sein wollte, musste sie mit der U-Bahn in den englischen Garten fahren. Und jetzt hatte sie gefühlt den halben englischen Garten vor der Terrasse.

»Wie viel Kühe haben sie denn auf dem Hof?« Frau Hegel begann das Gespräch gleich nachdem sie das Grundstück verlassen hatten.

Julia war noch nicht in der Lage zu antworten. Zu sehr schlugen die Gefühle in ihr Purzelbaum. Gerade hatte Frauke sie in ihren Mantel eingesperrt, nachdem Frau Hegel ihr versichert hatte, dass sie zu zweit auf Julia aufpassen würden. Und als die Dienerin nach und nach die Reißverschlüsse zuzog und Julia die zunehmende Enge spürte, hatte sie trotz allem Mühe, einen leichten Anfall von Panik zu unterdrücken.

Das Beinteil des Mantels war gar nicht geschlossen, nur die Arme wurden vom Mantel fest an ihren Körper gepresst. Sie war viel zu sehr in ihren Gedanken versunken, sonst wären ihr Fraukes leuchtende Augen aufgefallen, als sie sie langsam in den Mantel einsperrte.

Frau Hegel wiederholte ihre Frage.

Langsam realisierte Julia, dass sie antworten musste. »Oh, es sind so an die Zwanzig. Und bestimmt sind wieder ein paar Kälbchen dabei.« In ihrer Stimme klang etwas Wehmut mit.

»Die Tiere haben sie bestimmt gern gemocht.« Frau Hegel versuchte, sich in die Situation hineinzuversetzen.

»Ja, sie sind so unschuldig, und sie nehmen einen so, wie man ist.« Julia senkte ein wenig den Kopf, zumindest so weit, wie es das Halskorsett des Mantels zuließ.


Sie gingen einige Schritte schweigend weiter.

»Frau Hegel?« Julias Stimme war auf einmal etwas leiser.

»Ja, Julia?« Der Vermieterin war der veränderte Tonfall natürlich aufgefallen.

»Was passiert heute Abend?« In ihrer Stimme klangen sowohl Sorge als auch Vorfreude mit.

»Nichts, was ihnen Sorgen bereiten müsste.« Frau Hegel war bemüht, Julias Angst zu zerstreuen.

Sie gingen weiter.

Julia schwieg einige Zeit, denn sie versuchte, abzuwägen. »Frau Hegel, darf ich sie etwas zu ihrer Tochter fragen?« Ihre Stimme klang dabei bewusst vorsichtig.

»Was möchten sie denn wissen?« Frau Hegel war nicht minder nervös, und sie rief sich die zurechtgelegte Geschichte wieder ins Gedächtnis.

»Sie haben mir ja das Tagebuch gegeben.« Julia holte tief Luft. »Sie erzählt dort vom Gürtel und vom Handschuh und davon, dass sie eine Aufgabe gehabt hätte, zu der sie nicht mehr gekommen wäre.«

»Ja?« Frau Hegel wusste noch nicht, ob Julia die auf diese Weise gelegte Spur schon aufgenommen hatte.

»Ich möchte gern diesen Gürtel für sie tragen und den Handschuh auch.« Es kostete Julia einige Kraft, dies auszusprechen. Sie hoffte insgeheim, dass sie Hegels damit eine Freude machen würde.

»Willst du dir das wirklich antun?« Frauke klang verwundert.

Hinter Julias Rücken bekam die Dienerin einen ermahnenden Stupser von Frau Hegel.

Frauke seufzte darauf hin. Damit hatte sie bestimmt einen ihrer Pluspunkte wieder verspielt.

Frau Hegel hoffte, dass sie Julias Stimmung richtig einschätzte. »Sie wissen aber schon, das Carolin einen Keuschheitsgürtel bekommen sollte?«

Julia war genauso verunsichtert, wie Frau Hegel es erwartet hatte.

Sie machte Julia ein Angebot: »Sie können ihn einfach mal ausprobieren, ob er ihnen auch zusagt. Da steht keine Verpflichtung dahinter.«

Doch dann ließ sie durchblicken, dass sie sich zusammen mit ihrem Mann sehr darüber freuen würden, wenn ihre Mieterin sich dazu bereit erklären würde, den Gürtel zu tragen. »Der Gürtel hat für sie natürlich auch einige Vorteile. Er wird sie beschützen, wenn sie den Handschuh tragen.«

Sie wandte sich an ihre Dienerin. »Frauke, wie wäre es, wenn sie morgen Julia ihre 'Ausrüstung' zeigen?«

Frau Hegel legte den Arm um Julia. »Ich möchte, dass sie wissen, auf was sie sich einlassen.« Damit ging sie natürlich ein gewisses Risiko ein, doch sie war sich sicher, dass Julia sich davon nicht abschrecken lassen würde. »Und wenn sie damit einverstanden sind, dann kann Frauke auch gleich bei ihnen maßnehmen.«

»Aber den Handschuh kann ich nicht vorführen.« Frauke lächelte verlegen.

»Ja, das ist richtig.« Frau Hegel lächelte wissend. »Aber ich kann ihnen einige Fotos zeigen, damit sie wissen, um was es sich bei dem Handschuh handelt.«

»Ja, das wäre schön.« Julia hatte Mühe, ihre Begeisterung zu verbergen. Doch dann erinnerte sie sich wieder an ihre Familie. »Aber was machen wir mit der Miete? Ich hatte ihnen gesagt, dass ich den Mantel nicht tragen kann.«

»Dann gibt es einfach etwas weniger Taschengeld.« Frau Hegel dachte daran, dass Julias deutlich erkennbarer Ehrgeiz für sie teuer werden könnte.

»Wenn das möglich wäre?« Julia äußerte, dass sie nur höchst ungern ausgezogen wäre. »Ich will auch den Gürtel und den Handschuh tragen.«

Frau Hegel lächelte. »Ihr Eifer in allen Ehren, doch das sollten sie erst dann entscheiden, wenn sie wissen worum es sich handelt.«

Sie drehte sich zu Frauke und flüsterte leise: »Wenn sie es schaffen, dass Julia den Keuschheitsgürtel und den Keuschheits-BH tragen möchte, dann bekommen sie Pluspunkte für einen ganzen Monat.«

Frauke musste heftig schlucken, denn insgeheim hatte sie Mitleid mit der Mieterin.

»Ist der Handschuh eigentlich so etwas Besonderes?« Julia äußerte ihre Verwunderung darüber, dass es für nur wenige Minuten schon irre viel Taschengeld geben würde.

Frauke räusperte sich. »Ich habe es nicht geschafft, ihn zu tragen.« Sie streichelte Julia über die Wange. »Aber du könntest es schaffen.«


So langsam ließen Julias Sorgen wieder nach. »Mir gefällt die Lackkleidung sehr.« Sie erzählte, dass sie sich in Münchens Nobeleinkaufsmeile einmal bei einem Geschäft die Nase plattgedrückt hatte, weil im Schaufenster eine Lackhose ausgestellt war. »Aber die war unerschwinglich, über 1000 Euro.«

»Ja, Träumen ist schön.« Frauke klang auf einmal sehr sentimental.

»Im Haus dürfen sie anziehen, was sie möchten.« Frau Hegel hoffte, dass sie mit den Größen für Julia richtig geraten hatte.

Julia überlegte, ob sie zu dem dritten Schrank etwas fragen sollte, doch ihre Intelligenz verbot ihr, sich diese Blöße zu geben. Sie wollte am Wochenende selbst herauskriegen, wie der Schrank zu öffnen war. »Carolin hatte eine Aufgabe, zu der sie nicht mehr gekommen ist. Ich möchte sie fortführen.« Irgendwie fühlte sie sich dazu verpflichtet.

Frau Hegel erkannte, dass sie offensichtlich im Tagebuch die richtigen Worte gefunden hatte. »Jetzt schauen sie erst einmal, ob sie mit dem Gürtel und dem Handschuh zurecht kommen. Und wenn das so ist, dann können wir noch einmal über die Aufgabe reden.«

Frauke war von Julias Ehrgeiz sichtlich begeistert. »Du wirst das schaffen, da bin ich mir sicher.« Sie fühlte sich auf einmal wie die Verbündete von Hegels und nicht mehr wie ihre Gefangene.

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mpwh66
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  RE: Der Mantel der Studentin (überarbeitete Fassung) Datum:18.10.17 07:10 IP: gespeichert Moderator melden


Moin
Eine verbündete mhhh drei gegen einen oder drei die nur das beste wollen 😁
Da bin ich doch sehr gespannt wie es weitergeht
Danke gruss mpwh66
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gag_coll
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  RE: Der Mantel der Studentin - Kapitel 3 - Probleme mit der Miete - Teil Vier von Vier Datum:20.10.17 07:33 IP: gespeichert Moderator melden


Der Mantel der Studentin
Kapitel 3 - Probleme mit der Miete - Teil Vier von Vier
Autor: Karl Kollar

Als sie das Haus wieder betraten, war Julia sehr erleichtert, weil sie mit den Sorgen wegen ihrer Familie auf offene Ohren gestoßen war, und weil die Verpflichtung mit dem eigentlich sehr faszinierenden Mantel aus dem Weg geräumt war.

Dabei bedauerte Julia dies sogar, denn sehr gern dachte sie an den Moment zurück, als sie so streng in den Mantel eingesperrt war und dabei einen Orgasmus bekommen hatte. Etwas, das sie fast von den Beinen gerissen hätte.

Doch auf der anderen Seite war da die Angst vor ihren Brüdern, und sie kannte sie gut genug, um zu wissen, dass sie sie wirklich entführen würden, wenn sie wüssten, wo sie sich aufhielt.

Gedankenverloren öffnete sie den zweiten Kleiderschrank und suchte nach möglichen Kleidungsstücken für den Abend mit Hegels, doch sie wollte auch nicht den ganzen Schrank durchwühlen. Aber ein Fach zog sie besonders an, und ihre Hand zitterte, als sie einen Stapel Bettwäsche in der Hand hielt. Das Aufregende war, dass sowohl Bettbezug und Kopfkissen, als auch das Laken aus Lack waren. Sie zitterte am ganzen Körper, als sie den Stapel wieder an seinen Platz legte.


Sie empfand Hegels gegenüber eine große Dankbarkeit. Auch der Kontakt zu Frauke war schon besser geworden. Heute Morgen hatte Frauke ihr faszinierende Kleidung vorgeschlagen, sie überlegte, ob sie sie wohl auch jetzt um Rat fragen könnte?

Ob sie wohl nach ihr klingeln dürfe? Eigentlich war es ja kein Notfall.

Als Frauke hereinkam und etwas mißmutig schaute, sank Julias Herz in die Hose. Doch sie wollte ihr Vorhaben durchziehen. »Kannst du mich beraten, was ich für den Abend bei Hegels anziehen soll?«

Fraukes Miene erhellte sich sofort, denn sie sah auch für sich eine Möglichkeit, sich ein paar Pluspunkte zu verdienen. Jeder Pluspunkt, der von Herrn Buchelberger anerkannt wurde, war ein Tag weniger ihrer Strafe. »Kein Problem, ich lege dir etwas heraus.« Sie ging zum zweiten Schrank und machte die Türen auf. Dann griff sie recht zielstrebig hinein.

Julia blickte verwundert auf den Stapel, der sich jetzt auf ihrem Bett häufte. »Das soll ich alles anziehen?« Besonders war sie darüber verwundert, dass Frauke wirklich nur Lacksachen herausgelegt hatte. Scheinbar auch noch viel zu viele.

»Ich zeige dir, wie es geht.« Sie trat an das Bett und hielt als erstes einen dunkelroten Anzug in die Höhe, so wie Julia ihn noch nie gesehen hatte.

»Was ist denn das?« Julia äußerte ihr Erstaunen.

»Das ist ein sogenannter Catsuit.« Frauke öffnete den Reißverschluss. »Du könntest mir einen Gefallen tun.«

»Und der wäre?« Julia wollte nicht sofort 'Ja' sagen.

»Sage bitte bei Hegels, dass ich dir das zusammengestellt habe, dann bekomme ich vielleicht ein paar Pluspunkte.« Sie blickte Julia flehend an.

»Und was ist mit den anderen Sachen?« Julia hatte schon erkannt, dass der Catsuit fast ihren gesamten Körper bedecken würde.

»Damit allein kannst du dich bei ihnen aber nicht blicken lassen.« Frauke lächelte. »Das ist eher so etwas wie eine zweite Haut. Es sieht fast so aus, als währest du nackt.«

»Du machst mich aber neugierig.« Julia erinnerte sich jetzt, dass sie in manchen Musikvideos doch schon etwas Ähnliches gesehen hatte. Sie hatte nur nicht damit gerechnet, dass es hier einfach im Kleiderschrank liegen würde.

Frauke griff in den kleinen Stapel. »Du ziehst noch diesen Rock und diese Bluse dazu an.«

Julia begutachtete die Sachen. Der dunkelblaue Rock war wadenlang, und die weiße Bluse reichte bis über die Ellenbogen. Es wäre also ein Stück vom Catsuit noch sichtbar.

»Glaub mir, das wird Hegels gefallen, und es bringt Pluspunkte.« Sie lächelte verlegen. 'Vor allem bringt es mir Pluspunkte', dachte sie bei sich. »Damit wirst du Eindruck machen.«

»Bist du sicher?« Julia hielt sich Rock und Bluse vor den Körper und betrachtete sich vor dem Spiegel. Sie musste zugeben, dass Frauke etwas sehr Geschmackvolles herausgesucht hatte. Wenn der besondere Stoff nicht gewesen wäre, hätte sie so auch zu einem Vorstellungsgespräch gehen können. Die Bluse war hochgeschlossen und sehr schlicht. Und der Rock schwang weit um ihre Hüften, hatte keinen engen Unterrock und war wadenlang, so dass er wirklich brav aus sah.

»Ich habe dir noch ein Paar Stiefel herausgesucht, die kannst du dazu anziehen.« Frauke war angetan von Julias Unschuld.

»Kannst du mir beim Anziehen helfen?« Julia blickte Frauke verlegen an. »Ich weiß nicht, wie ich den Catsuit anziehen muss.«

»Aber gern« Jetzt reizte es Frauke, mehr von Julias Körper zu Gesicht zu bekommen.


Julia betrachtete sich vor dem Spiegel. Von dem roten Catsuit war wirklich nicht mehr viel zu sehen. Lediglich ihre rot bedeckten Unterarme ließen erahnen, was sie wohl darunter tragen würde.

Sie war begeistert von ihrem Outfit, und das eigentlich sehr strenge Büroensemble vermittelte ihr zusätzlich noch eine Spur von Sicherheit. Sie war sich sicher, dass sie Hegels so wirklich gegenüber treten konnte. Lediglich die Stiefel waren etwas zu groß. Doch sie gab sich pragmatisch. »Ich muss ja hoffentlich keine großen Strecken gehen.«

* * *

Julias Nervosität war groß, als sie jetzt in der so aufregenden Kleidung und den ein wenig zu großen Stiefeln langsam die Treppe hinunter ging, um den Abend gemäß ihrer Mietverpflichtung mit ihren Vermietern zu verbringen. Zudem kam ihr schlechtes Gewissen dazu, denn sie hatte sich heute in der Uni viel mehr mit dem Tagebuch beschäftigt, als dem Inhalt der Vorlesungen zu folgen.

Während das Ende der Treppe näher kam, dachte sie darüber nach, was sie Herrn Hegel wohl erzählen könnte. Dabei gingen ihr immer wieder die warnenden Worte von Frauke durch den Kopf, die ihr geraten hatte, nicht von selbst nach Carolin zu fragen. Immerhin fand sie es sehr spannend, dass Hegels Tochter ein Faible für diese so faszinierend glänzende Lackkleidung gehabt hatte. Auch wenn sie schon gewarnt worden war, diese Kleidung wie Carolin auch nur im Haus zu tragen. Doch Julia wollte zumindest fragen, ob sie mit der Kleidung nicht auch in den Garten gehen dürfe. Den Gedanken fand sie sehr reizvoll.

»So müssten sie einmal in der Uni aufkreuzen.« Herr Hegel war extra aufgestanden, als sie das Wohnzimmer betrat. »Ich beglückwünsche sie zu ihrem Mut.«

»Jetzt verängstige unsere Mieterin nicht.« Seine Frau kam aus dem Esszimmer dazu. »Bitte nehmen sie erst einmal Platz.« Sie zeigte auf einen bestimmten Sessel, der Julia schon wegen der besonderen Form der Rückenlehne aufgefallen war. »Dort hat Carolin immer gesessen.«

Julia ging mit vorsichtigen Schritten auf den Sessel zu und nahm langsam darauf Platz. Die besondere Lehne versuchte sie zu ignorieren.

»Ich freue mich, dass sie sich so frei in Carolins Schrank bedient haben.« Frau Hegel blickte ihre Mieterin bewundernd an.

»Frauke hat mir die Sachen herausgesucht.« Julia lächelte ein wenig verlegen. »Ich soll das extra erwähnen, damit sie einen Pluspunkt bekommt.«

Frau Hegel nahm einen kleinen Block zur Hand und schien sich etwas zu notieren. »Das ist gut«, antwortete sie etwas rätselhaft - es war nicht ganz klar, worauf sich die Antwort bezog.

»Sie werden sicher die eine oder andere Frage an uns haben?« Herr Hegel nahm auf dem sehr gemütlich aussehenden Sofa Platz.

Julia wartete noch einen Moment, bis auch Frau Hegel sich gesetzt hatte. »Was hat es mit diesen komischen Lehnen auf sich, die sich in meinem Zimmer hier und im Esszimmer befinden?« Sie drehte sich einmal kurz um, so als wollte sie ihre Worte bekräftigen. »Ich habe schon gehört, dass sie für Carolins Handschuh waren, doch ich kann mir nicht vorstellen, was für ein Handschuh das gewesen sein soll.«

Herr Hegel runzelte die Stirn. »Haben sie als angehende Innenarchitektin keine Idee, was diese besondere Lehne möglich macht?«

Die Studentin legte sich an die Lehne zurück. »Ich könnte dazu einen kleinen Rucksack tragen, und der würde nicht stören.«

»Wie kommen sie denn darauf?« Herr Hegel wollte seine Mieterin noch ein klein wenig zappeln lassen.

»Naja, wir waren früher öfters wandern, und dabei trug ich einen Rucksack.« Sie lächelte ein wenig verlegen. »Ich musste ihn immer abnehmen, wenn ich mich hinsetzen wollte.«

»So falsch liegen sie gar nicht.« Frau Hegel griff zu einem Umschlag, der auf dem Tisch lag.

»Aber eines verstehe ich nicht.« Julia hatte die Bewegung zwar gesehen, aber sie wusste nicht, was kommen würde. »Wie kann man einen Handschuh auf dem Rücken tragen?«

»Wollen wir ihr es schon zeigen, Elisabeth?« Herr Hegel blickte seine Frau fragend an. »Meinst du, dass die Zeit reif ist?«

»Sie müssen uns versprechen, dass sie es nicht lächerlich finden.« Es wurde deutlich, dass Hegels offenbar ein wenig Angst vor dem nächsten Schritt zu haben schienen.

Julia erkannte, dass sie das Andenken an Carolin auf keinen Fall beschädigen durfte.

»Wir haben hier einige Fotos eines anderen Mädchens, welches ebenfalls einen solchen Handschuh trägt.« Frau Hegel öffnete den Umschlag und nahm ein paar Fotos heraus.

»Sie haben sich vielleicht schon gewundert, dass es keine Fotos von Carolin gibt.« Die Stimme von Herrn Hegel zitterte ein wenig. »Sie hat alle Bilder von sich vernichtet, als sie von ihrer Krankheit erfuhr.«

»Es war sicher eine Kurzschlusshandlung, doch als wir es bemerkten, konnten wir es nicht mehr rückgängig machen.« Frau Hegel reichte Julia die Fotos.

»Sie sieht sehr glücklich aus.« Julia betrachtete sich das erste der drei Fotos. Es zeigte ein lächelndes, blondes Mädchen mit strahlenden Augen. Erst beim genaueren Hinsehen erkannte sie, dass von dem Mädchen keine Arme zu sehen waren.

Auf dem zweiten Foto war sie von der Seite aufgenommen, und jetzt war deutlich zu sehen, dass ihre Arme auf dem Rücken in einer blauen Lederhülle steckten.

Auf dem dritten Foto, welches das Mädchen von hinten zeigte, war zu sehen, dass sich ihre Arme auf dem Rücken berührten.

»Jetzt wird mir einiges klar.« Julia keuchte. »Das möchte ich auch machen.« Sie blickte erst nach einiger Zeit von den Fotos auf. »Wenn sie es erlauben«, fügte sie ihren Worten hinzu, denn sie hatte allerdings etwas spät erkannt, dass sie dabei war, in Carolins Fußstapfen zu treten, und sie war sich noch nicht sicher, ob ihren Vermietern das überhaupt recht war.

»Man nennt es auch einen Monohandschuh.« Frau Hegel hatte große Schwierigkeiten, ihre Nervosität zu verbergen.

»Logisch« Julia lachte etwas gezwungen. »Ein Handschuh für beide Arme.« Wieder blickte sie auf die Fotos. »Sie sieht so glücklich aus. Es scheint ihr überhaupt nichts auszumachen.«

»Carolin war auch gern in dem Handschuh unterwegs.« Herr Hegel blickte zu Boden, damit ihn seine leuchtenden Augen nicht verrieten.

»Aber die Hände benutzen ist dann nicht mehr möglich?« Julia hatte es als Frage formuliert, doch eine Antwort erwartete sie eigentlich nicht.

»Es ist ihnen vielleicht schon aufgefallen, dass manche Sachen bei unserer Einrichtung etwas größer als normal sind, zum Beispiel die Klinken an den Türen.« Herr Hegel hielt seinen Kopf weiterhin gesenkt.

»Wenn ich ehrlich bin, nein.« Es wurmte sie ein wenig, dass sie dies als angehende Architektin noch nicht bemerkt hatte.

»So war Carolin, auch wenn sie den Handschuh trug, doch in der Lage, sich im ganzen Haus zu bewegen.« Frau Hegels Stimme zitterte immer noch ein wenig. »Sie schaffte es sogar, die Türen damit aufzuziehen.«

»Ja, unsere Tochter war mit ihrem Lieblingshandschuh schon sehr geschickt.« Er versuchte unauffällig den Druck auf Julia zu erhöhen.

Julia hatte der Ehrgeiz gepackt. »Das möchte ich auch machen.« Sie stand auf, drehte Hegels den Rücken zu und legte ihre Arme auf den Rücken. Die Ellenbogen standen nur einen Zentimeter auseinander. Dann setzte sie sich wieder in den Sessel und lehnte sich zurück. »Es passt.« Sie lächelte und ihre Augen zeigten ein wenig Kampfeslust.

»Warum können sie das?« Herr Hegel war von der Vorführung seiner Mieterin sichtlich beeindruckt.

»Viel Gymnastik und fünf Brüder.« Julia lächelte verlegen. »Als Kinder haben sie mir oft die Arme auf den Rücken gebunden, wenn sie Ruhe vor mir haben wollten. Und damit es nicht so weh tut, habe ich das geübt.«

»Es wird ihnen bestimmt leicht fallen, den Handschuh von Carolin zu tragen.« Frau Hegel gab sich etwas verlegen. »Das wird sehr teuer für uns.«

»Warum das?« Julia nahm ihre Arme wieder nach vorn und lehnte sich an die Rückenlehne an.

»Wegen der Taschengeld-Liste.« Frau Hegel erklärte, dass der Preis für den Monohandschuh eigentlich für eine Anfängerin gedacht war. »Sie schreiben bitte in Zukunft einfach auf, was sie wie lange getragen haben, und wir überlegen uns, wie viel uns das wert ist. Wären sie damit einverstanden?«

»So wichtig ist mir das Geld auch nicht.« Julia erkannte die Problematik sofort. »Aber ich freue mich schon darauf, wenn ich den Handschuh das erste Mal tragen kann.«

»Zum Beispiel mit dem engen Rock.« Die Stimme der Vermieterin war eine Spur leiser.

»Mit dem engen Rock.« Julia wiederholte die Worte mit einem leicht glasigen Blick. In Gedanken malte sie sich gerade aus, was diese Kleidung so alles mit ihr machen würde. Sie begann leise zu stöhnen.

»Julia, wie dick muss die Wand in einem zweistöckigem Familienhaus sein?«

Die Frage ihres Professors riss Julia aus ihren erregten Gedanken. Sie stutzte kurz. »Innen oder außen?«

»Bitte jetzt keine Fachgespräche.« Frau Hegel hatte natürlich erkannt, was ihr Mann tatsächlich mit der Frage bewirken wollte. Insgesamt war sie mit dem Verlauf des Gespräches sehr zufrieden.

Julia nahm noch einmal die Fotos in die Hand. »Sie sieht so glücklich aus.«

»Die Fotos dürfen sie gern behalten.« Frau Hegel lächelte. »Wir haben noch mehr davon.«

»Danke!« Julia strahlte. »Ich hoffe, ich schaffe es auch, dann ebenfalls noch so zu lächeln.«

»Wir sind sicher, dass sie das schaffen werden.« Herr Hegel zeigte ebenfalls Interesse. »Nach dem sie schon so lange trainiert haben.«

»Nur war das für einen ganz anderen Zweck.« Julia lachte. »Nämlich um nicht zu sehr unter meinen Brüdern leiden zu müssen.«

»Erzählen sie uns bitte etwas von daheim. Ist es ein großer Bauernhof.« Herr Hegel lächelte. »Es interessiert uns, wie sie aufgewachsen sind.«

Julia holte tief Luft. »Es war lange eine schöne Zeit, und ich habe mich gern um die Tiere gekümmert. Die Menschen waren mir herzlich egal, vor allem das dumme Gerede der Leute.«

»Heute hat Julia ihren Bruder getroffen.« Frau Hegel griff den Faden auf.

»Gibt es Neuigkeiten von daheim?« Herrn Hegel war der besondere Tonfall seiner Frau aufgefallen.

»Schlechte Neuigkeiten.« Julia senkte den Kopf. »Unser Hofhund, der Waldi, musste eingeschläfert werden.« Es war ihr anzuhören, wie sehr sie die Nachricht getroffen hatte.

»Aber das ist doch nicht alles.« Frau Hegel blickte Julia sowohl fragend als auch aufmunternd an.

Julia seufzte deutlich hörbar. Dieses Thema hätte sie gern ausgespart. »Ich wurde schon sehr früh versprochen. Meine Familie fand es schon immer eine gute Idee, wenn sich die beiden größten Höfe des Dorfes zusammenschließen.« Sie verdrehte die Augen. »Ein Gutes hat es allerdings gehabt. Ich hatte Ruhe vor den anderen Jungs. Dadurch, dass ich versprochen war, hat sich keiner an mich heran getraut.«

»Sie sagten doch auch, dass sie lieber im Stall waren, als auf dem Tanzboden.« Frau Hegel erinnerte an Julias Worte vom Spaziergang.

»Ja, richtig.« Julia lächelte verlegen. »Die Tiere nehmen einen so, wie man ist, und es ist ihnen egal, ob man Lippenstift aufgetragen hat oder Highheels trägt.« Insgeheim hoffte sie noch, dass das Gespräch nicht auf ihre Ängste wegen des Mantels kommen würde, denn sie wusste, dass deswegen ihre Zukunft auf dem Spiel stehen könnte.

»Aber jetzt haben sie Angst vor ihrer Familie.« Frau Hegel berichtete von Julias Verzweiflung vom Nachmittag. »Die Angst ist so stark, dass sie sogar ausziehen wollte.«

»Julia, erzählen sie mir bitte davon.« Herr Hegel klang auf einmal sehr ernst. »Ich glaube, meine Frau hat ihnen schon einen Vorschlag gemacht.«

»Ich habe große Angst, dass sie mich einfach entführen.« Julia holte tief Luft. »Und wenn ich den Rock und vor allem den Mantel trage, dann kann ich nicht vor ihnen weglaufen.«

»Ich muss darauf bestehen, dass sie ihre Miete zahlen, so wie vereinbart.« Herr Hegel gab sich streng. »Wenn es ihnen hilft, werde ich sie zur Uni begleiten. Wir haben doch ohnehin den gleichen Weg.«

Julia blickte entsetzt auf. Sie hatte eigentlich auf ein Entgegenkommen gehofft.

»Ich sehe, dass ihnen das nicht reicht.« Herr Hegel blickte seine Frau an. »Wie lautet denn dein Vorschlag?«

»Wir verlagern die Verpflichtungen ein wenig nach drinnen.« Frau Hegel lächelte Julia ermunternd an. »Sie würden im Haus ab sofort nur noch Carolins Kleidung tragen, am besten nur noch aus dem zweiten Schrank. Und in der Nacht tragen sie das ganz strenge Nachthemd.«

»Und draußen muss ich den Mantel dann nicht mehr tragen?« Julia wollte sicher gehen, dass sie es richtig verstanden hatte. Immerhin wäre sie ab jetzt dazu verpflichtet, im Haus nur noch die so faszinierende Lackkleidung zu tragen. Doch als sie die Mienen ihrer Vermieter sah, legte sie nach. »Zumindest wenn ich allein bin.«

»Ja, so sehen sie das richtig. Draußen tragen sie nur noch die Kleidung, in der sie sich gut bewegen können. Es gäbe da auch eine Jacke, bei der nur die Ärmel ein wenig fixiert sind. Die sollten sie zumindest einmal ausprobiert haben.« Herr Hegel bestätigte ihre Worte. »Es wäre auch gut für sie, wenn sie einen Schutzgürtel tragen würden.«

»So einen, wie Carolin auch einen bekommen sollte?« Julia biss sich auf die Lippen, denn sie wollte Hegels Tochter diesen Abend von sich aus eigentlich nicht erwähnen.« Doch zu ihrer Erleichterung hatten ihre Worte keine der befürchteten Konsequenzen.

»Woher wissen sie das?« Herr Hegel sah seine Frau an. »Du hast ihr das Tagebuch gegeben?«

»Ich wollte, dass sie informiert ist.« Frau Hegel legte ihre Hand auf seine Hand. »Ich hoffe, du bist mir nicht böse.«

»Nein.« Herr Hegel blickte wieder zu Julia. »Sie wären also bereit, einen Gürtel zu tragen?«

Frau Hegel unterbrach ihn. »Du bist unfair, mein Lieber.« Sie blickte Julia kurz an. »Frauke zeigt ihr morgen, um was es sich beim dem Gürtel genau handelt und was die Vor- und Nachteile sind. Und dann wird Julia sich entscheiden.«

Die Studentin nickte. Sie war sehr erleichtert, denn sie hatte befürchtet, dass ihr schöner Traum schon nach zwei Tagen wieder beendet sein könnte.

»Und was Carolins strenges Nachthemd betrifft«, ergänzte Frauke Hegel. »Ich habe Julia vorgeschlagen, dass sie erst einmal eine Nacht darin schläft und sich dann entscheidet, ob sie in Zukunft immer damit übernachten möchte.«

»Das ist ein sehr fairer Vorschlag, Elisabeth.« Herr Hegel drehte sich wieder zu Julia. »Sie werden uns also Morgen sagen, wie sie geschlafen haben. Und dann entscheiden wir, wie wir genau mit ihren Mietbedingungen weitermachen.«

Frau Hegel stand auf, ging zur Tür und drückte dort auf einen Knopf, dann nahm sie wieder Platz.

Nach kurzer Zeit waren Schritte auf der Treppe zu hören und gleich darauf erschein Frauke an der Wohnzimmertür. Ihrer Miene war anzusehen, dass sie es nicht gewohnt war, um diese Zeit noch gerufen zu werden.

»Ah, vielen Dank, Frauke, dass sie um diese Zeit noch gekommen sind.« Frau Hegel blickte kurz zu Julia. »Sie bekommen zehn Pluspunkte, wenn sie unserer Mieterin das strenge Nachthemd zeigen und ihr damit helfen. Julia möchte darin einmal zur Probe übernachten.«

»Ja, Frau Hegel, das werde ich machen.« Frauke freute sich insgeheim darüber, dass sie jetzt noch einen Grund mehr hatte, in Julias Zimmer zu gehen. »Jetzt gleich?«

»Nein«, widersprach Herr Hegel. »Wir wollen uns noch etwas unterhalten.«

»Sie können ja schon mal alles vorbereiten und warten dann in ihrem Zimmer.« Frau Hegel lächelte wissend.

Frauke verbeugte sich und verließ das Wohnzimmer in Richtung Treppenhaus. Insgeheim freute sie sich über den eigentlich so ungewohnten Auftrag, denn er gab ihr Gelegenheit, wieder einmal ausgiebig den Straßenbahnen nachzublicken. Und in der Nacht waren die beleuchteten Wagen besonders lange zu erkennen.

»Ich habe im zweiten Schrank auch Bettwäsche gefunden.« Ihre Stimme zeigte ihre Erregung, ohne dass sie wirklich etwas dagegen machten konnte.

»Natürlich können sie die auch benutzen, wenn sie möchten.« Frau Hegel freute sich insgeheim über Julias Abenteuerlust. »Bitten sie Frauke morgen, dass sie ihnen dabei hilft.« Als sie eine Spur der Enttäuschung in Julias Gesicht sah, setzte sie nach. »Morgen früh möchte ich erst einmal wissen, wie sie mit dem strengen Nachthemd zurechtgekommen sind.«

Julia fühlte sich in ihren Gedanken ertappt. »Natürlich, Frau Hegel.« So langsam ließ ihre Anspannung nach, denn sie begriff, dass der Abend eine ganz andere Wendung nahm, als sie ursprünglich erwartet hatte. Und sie war ebenfalls genauso erleichtert wie fasziniert darüber, dass sie nun geradezu verpflichtet war, diese so spannende Lackkleidung tragen zu dürfen, oder besser tragen zu müssen.

Und doch lag ihr noch etwas auf der Seele, und sie hatte sich vorgenommen, dies heute Abend ebenfalls anzusprechen. Das Tagebuch wurde jetzt schon erwähnt und dennoch war sie sich sehr unsicher, als sie von Carolins letzten Worten berichtete. »Ich fühle mich ihr gegenüber verpflichtet und ich möchte die Aufgabe antreten, zu der sie anscheinend nicht mehr gekommen ist.«

»Das können wir aber nicht von ihnen verlangen.« Herr Hegel gab sich ein wenig schroff. Insgeheim hatte er etwas Skrupel, weil ausgerechnet seine begabteste Studentin diesen Weg gehen wollte. Es hätte Julia vielleicht auffallen können, dass er dieses Mal keine schmerzlichen Gefühle zeigte, sondern sie sich eher neutral gab.

»Das wäre sehr anstrengend für sie und das möchten wir ihnen doch nicht zumuten.« Frau Hegel versuchte einen Tonfall zu treffen, der vor allem Bewunderung vermittelte. »Sie müssten dafür den Handschuh tragen, und eine gewisse Leidensfähigkeit müssten sie auch mitbringen.«

»Darf ich es zumindest einmal probieren?« Julia fühlte sich ihren Vermietern sehr verpflichtet und wenn es etwas gab, was sie für sie tun konnte, dann wäre sie auch bereit, einige Mühen auf sich zu nehmen.

»Wir werden jetzt erst einmal sehen, wie gut sie mit dem Handschuh und dem Gürtel zurechtkommen.« Herr Hegel blickte kurz zu seiner Frau. »Und nächsten Donnerstag, wenn sie wieder bei uns sind, werden wir entscheiden, ob wir ihr Angebot annehmen können. Wären sie damit einverstanden?«

Julia war zum einen sehr erleichtert, weil sie es angesprochen hatte, ohne dass sie damit eine Verärgerung ausgelöst hätte, und zum anderen schienen ihr ab sofort spannende Zeiten bevorzustehen.

»Wir möchten sie dann aus ihrer Verpflichtung, den Abend mit uns zu verbringen, entlassen. Schlafen sie gut mit dem strengen Nachthemd.« Herr Hegel stand auf und reichte ihr die Hand, nachdem sie sich auch erhoben hatte. »Ich wünsche ihnen eine gute Nacht... Und wilde Träume.« Letzteres hatte er etwas leiser gesprochen, fast geflüstert.

»Frauke weiß Bescheid.« Auch Frau Hegel reichte ihr die Hand. »Ich denke, sie werden eine ruhige Nacht haben.«

* * *

Wie sie es erwartet hatte, stand Frauke am Fenster und blickte hinaus. »Ich habe dir schon alles bereit gelegt. Ziehe dich bitte ganz aus, und mache dich für die Nacht fertig.« Gerade war das Geräusch einer abfahrenden Straßenbahn zu hören.

Julia lächelte, dann blickte sie auf das Bett. Sie sah einen flauschigen Bademantel und das Nachthemd. Zumindest vermutete Julia, dass es das Nachthemd war, denn zum einen war es auch glänzender Seide und sah auch so aus, wie das Nachthemd von gestern, nur das dieses hier noch ordentlich zusammengelegt war.


Sie verzichtete darauf, im Bad zu trödeln, denn sie war sehr gespannt auf das neue Nachthemd und wie sich die Strenge äußern würde.

Als Julia aus dem Bad kam, saß Frauke schon auf dem Bett und hatte das Nachthemd auseinander gebreitet. Sie sah gedankenverloren aus, denn sie bemerkte zunächst gar nicht, dass Julia mit dem Bad fertig war.

»Das ist das strenge Nachthemd?« Julia blickte fasziniert auf Frauke, die sich mit dem Nachthemd beschäftigte. »Was macht es so streng?« Obwohl Julia sich mit dem Nachthemd von gestern schon sehr gut arrangiert hatte, war sie gespannt, wie es noch strenger werden konnte.

»Siehst du das hier?« Frauke zeigte Julia einige Nähte auf dem Stoff.

»Es sieht aus wie ein Handschuh.« Julia beugte sich herab, um den Verlauf der Nähte besser sehen zu können.

»Das ist es.« Frauke konnte nicht verhindern, dass ihre Stimme vor Faszination zitterte. »Für jeden Finger ist eine eigene Hülle vorgesehen.«

Julia erkannte sofort, was dies für ihre nächtlichen Spiele bedeuten sollte, doch sie war trotzdem froh, dass der Mantel als Verpflichtung jetzt ausgesetzt war. Und den Preis dafür würde sie gern zahlen.

»Setz dich bitte auf das Bett und strecke die Beine aus.« Frauke stand auf und ließ Julia auf dem Bett Platz nehmen.

Julia streckte ihre Beine aus und sah fasziniert zu, wie Frauke ihre Beine langsam in die Seidenhülle einschloss.

»Jetzt bitte deine Hände.« Frauke blickte Julia etwas verunsichert an. »Diese Handschuhe sind sehr fummelig.«

»Jetzt schon?« Julia war ein wenig verwundert.


Es dauerte einige Zeit, bis jeder Finger seine vorgesehene Hülle gefunden hatte. Beide Mädchen waren konzentriert bei der Sache, und eine gewisse Spannung lag im Raum.

»Bist du bereit?« Fraukes Stimme war auf einmal sehr leise.

»Schließe mich ein.« Auch Julia war von der besonderen Situation sehr gefangen.

Schließlich konnte Frauke das Nachthemd bis zu Julias Schultern hochziehen und schloss dann mit der gleichen Anspannung den langen Frontreißverschluss.

»Ja, das ist wirklich etwas strenger.« Julia lächelte verlegen, doch dann begann sie umher zu hopsen. Zu ihrer beider Überraschung gelang ihr das sehr gut. »Es ist nur etwas schwieriger, weil ich mit den Armen nicht balancieren kann.« Schließlich hopste sie zu ihrem Bett und ließ sich darauf fallen.

Frauke war sichtlich fasziniert. »Mir scheint, man müsste dich wirklich auf dem Bett festbinden, wenn man Ruhe vor dir haben möchte.«

Julia wurde etwas rot. »Meine Brüder haben das auch oft gemacht. Manchmal konnte ich mich vom Bett befreien, dann bin ich ihnen hinterher gehopst, bis ich von Mutter bemerkt wurde. Doch sie hatte meistens so viel zu tun, dass sie nichts unternommen hat.« Julia seufzte. »Wenn ich Glück hatte, bekam ich ein 'Fall nicht hin' von ihr, ansonsten hat sie uns Kinder weitgehend ignoriert.«

Frauke setzte sich neben Julia ans Bett und streichelte sie zärtlich. »Weißt du, dass ich mir immer eine kleine Schwester gewünscht habe, so wie du bist?«

»Ich hätte auch gern eine Schwester gehabt.« Julia seufzte.

»Auf einem Bauernhof aufzuwachsen muss schön sein.« Frauke klang sehr wehmütig. »All die Tiere.«

»Ja, die Tiere sind schön.« Julia seufzte wieder. »Aber du musst auch bei der Ernte helfen.« Sie erzählte, dass sie sich beim Traktorfahren immer einen Hut aufgesetzt hatte, damit die Nachbarn sie für einen ihrer Brüder hielten.

»Du bist Traktor gefahren?« Frauke war erstaunt. »Du kannst Traktor fahren?«

»Ich saß schon mit Vier oder Fünf mit auf dem Bock und durfte zusehen.« Mit leiser Stimme erzählte Julia von ihrem Opa, den sie damals immer begleitet hatte. »Mit acht habe ich das erste mal das Feld bearbeiten dürfen.«

»Mit dem Traktor?« Fraukes Stimme zeigte, wie erstaunt sie darüber war.

»Natürlich durfte ich auf der Straße noch nicht fahren.« Julia lächelte. »Aber die Polizei hat da nie so genau hingesehen. Es war allgemein üblich, dass die Kinder auf dem Hof mithalfen. Spätestens mit der Firmung galt man im Dorf als volljährig, und es schwärzte einen keiner an, wenn man mit dem Traktor vom Feld auf den Hof fuhr.

»Ich bin fasziniert von dir.« Es klang so etwas wie Bewunderung in Fraukes Stimme.

Julia blickte Frauke lange an. »Wie bist du denn aufgewachsen?« Doch als sie sah, wie ein Schatten über ihr Gesicht fiel, bereute sie die Frage.

»Ich glaube, du musst jetzt schlafen.« Frauke war auf einmal sehr verschlossen. Sie wartete, bis Julia sich auf das Bett gelegt hatte, dann legte die Bettdecke über ihren Körper, strich ihr noch einmal die Haare aus dem Gesicht und wünschte ihr dann eine ruhige Nacht mit schönen Träumen.

Gleich darauf war sie aus dem Zimmer verschwunden. Sie hatte nicht einmal erneut aus dem Fenster geschaut, obwohl die Geräusche wieder eine Tram ankündigten.

Julia ärgerte sich ein wenig über Fraukes Reaktion auf ihre Frage, denn sie hatte nach soviel Offenheit ihrerseits ein entsprechendes Entgegenkommen von Frauke erwartet. Doch es schien, als habe sie den wunden Punkt der Dienerin erwischt, denn deren Miene war eindeutig gewesen. Und Julia ahnte, dass bestimmt etwas Trauriges oder zumindest etwas Unangenehmes zu Tage kommen würde, wenn sie weiter bohren würde.

Vielleicht würde Frauke später bereit sein, ein wenig aus ihrer Vergangenheit zu erzählen. Denn Julia wollte schon wissen, wem sie sich in ihrer Hilflosigkeit anvertraut hatte.
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gag_coll
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  RE: Der Mantel der Studentin (überarbeitete Fassung) Datum:20.10.17 07:39 IP: gespeichert Moderator melden


In diesem Kapitel bekommt Julia von ihren Gasteltern drei Fotos gezeigt. Diese Bilder möchte ich euch auch nicht vorenthalten.

Ihr findet sie auf meiner Homepage im Demo-Bereich unter www(Punkt)knebelreich(Punkt)de/demo/dsn/dsn_carolin.html

(Ich hoffe, das geht so...)

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christoph
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  RE: Der Mantel der Studentin (überarbeitete Fassung) Datum:20.10.17 12:28 IP: gespeichert Moderator melden


super geile geschichte, hoffe es geht schnell weiter.
gruß christoph
cb2000 träger seit 9.1.01 & Gerecke The Shut - Rondo 2.4.08

Schaut doch mal bei uns vorbei :
Christophs Stahlschmiede www.steelfetish.de
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ecki_dev
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  RE: Der Mantel der Studentin (überarbeitete Fassung) Datum:22.10.17 19:57 IP: gespeichert Moderator melden


Einfach spannend
Nur die Frau weiss was gut ist für den Mann
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  RE: Der Mantel der Studentin (überarbeitete Fassung) Datum:25.10.17 17:49 IP: gespeichert Moderator melden


Klasse Geschichte und sehr spannend - das gefällt mir sehr. Na da bin ich gespannt wie das weitergeht :)
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  RE: Der Mantel der Studentin (überarbeitete Fassung) Datum:27.10.17 02:57 IP: gespeichert Moderator melden


Gute Story , bin Gespannt wie es weiter geht . Was dass Projekt ist das erwähnt wurde :)
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mpwh66
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  RE: Der Mantel der Studentin (überarbeitete Fassung) Datum:27.10.17 06:03 IP: gespeichert Moderator melden


Moin
Es wird bestimmt spannender vielleicht erfahren wir ja auch noch etwas über Frauke ich bin sehr gespannt ein schönes Wochenende Euch gruss mpwh66
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Moira
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  RE: Der Mantel der Studentin (überarbeitete Fassung) Datum:27.10.17 11:00 IP: gespeichert Moderator melden


mysteriös, dass "uns" nur 2 von 3 Bildern gezeigt werden ... oh, jetzt hab ich das dritte doch noch gefunden noch dazu in meinem Lieblingsblau *hachmach

[Edit]: Dieser Eintrag wurde zuletzt von Moira am 27.10.17 um 11:02 geändert
FRAU und männchen verlassen gemeinsam das Haus. Sie: "Hast Du alles?" er - nimmt IHRE Hand - und sagt leise: "Jetzt - JA!"
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gag_coll
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  RE: Der Mantel der Studentin - Kapitel 4 - Schwestern - Teil Eins von Sieben Datum:10.11.17 16:11 IP: gespeichert Moderator melden


Der Mantel der Studentin
Kapitel 4 - Schwestern - Teil Eins von Sieben
Autor: Karl Kollar

Julia saß auf einem Melkschemel im Stall bei den Kühen und war dabei, Rosa von Hand zu melken, weil die uralte Melkmaschine wieder einmal ausgefallen war. Es war zwar eine Menge Arbeit, die Kühe von Hand zu melken, doch Julia machte sie gern, weil sie so einen sehr direkten Kontakt zu den Tieren hatte, und den liebte sie.

Natürlich wäre das Melken einfacher gewesen, wenn sie nicht das Nachthemd hätte tragen müssen, mit dem sie nur mühsam von Kuh zu Kuh hopsen konnte. Immerhin hatten Hegels ihr die Reißverschlüsse geöffnet, die Julias Arme ansonsten sehr streng seitlich an den Körper fixierten. Ihre neuen Vermieter waren diesbezüglich schon sehr entgegenkommend, und das Hüpfen von Kuh zu Kuh war etwas, das Julia wenig ausmachte. Natürlich war ihr klar, dasss es ohne das restriktive Nachthemd noch viel einfacher gewesen wäre, doch sie wollte die Gutmütigkeit von Hegels nicht ganz ohne Grund so überstrapazieren. Außerdem hoffte sie auf ein Entgegenkommen bei den Verhandlungen zur Miete.

Als sie wieder einmal den Kopf hob, sah sie, dass Carolin in den Stall gekommen war. Sie erkannte Hegels Tochter sofort an den blonden Haaren und dem schwarzen Top, und als diese sich suchend umblickte, erkannte Julia, dass das Mädchen auch einen blauen Monohandschuh trug. Ebenfalls fiel Julia sofort der breite rote Ledergürtel mit einer großen Schnalle in Form des Buchstabens 'K' ins Auge. Er war fast zwanzig Zentimeter breit und erinnerte Julia stark an die Art von Gürteln, die es manchmal bei den Box-Shows im Fernsehen zu gewinnen gab. Nur war dieser Gürtel außer seiner Größe und der monströsen Schnalle sehr schlicht gehalten.

Julia war sich sicher, Carolin vor sich zu haben und sie sprach sie an. »Hier bin ich.« Sie glaubte sich vorstellen zu müssen. »Ich bin die neue Mieterin von deinen Eltern.«

Carolin kam näher. »Hallo Julia, schön, dich zu sehen. Du willst also meine Aufgabe übernehmen?«

Julia ließ das Euter los und richtete sich auf. »Du hast mich darum gebeten.« Sie lächelte dabei.

»Das freut mich.« Sie blickte auf Julias Gestalt. »Ich denke, du könntest das auch schaffen, wenn du noch viel trainierst.«

Julia horchte auf. Sollte sie die Gelegenheit nutzen und fragen, was für eine Aufgabe es denn sein würde?

Doch Carolin sprach weiter. »Meine Eltern werden dir zu gegebener Zeit sagen, um was es sich handelt, wenn du dich bis dahin würdig erwiesen hast.«

»Darf ich dich etwas fragen?« Julia blickte sehr eindringlich auf die in blauem Leder verpackten Arme.

»Ja gern.« Carolin lächelte. »Was möchtest du denn wissen?«

»Der Handschuh, den du trägst.« Julia schaffte es nicht, ihren Blick davon abzuwenden. »Tut das nicht weh?«

Als Antwort lächelte Carolin. »Am Anfang tut es weh.« Sie wackelte etwas mit den Armen. »Aber wenn du es etwas trainiert hast, dann sollte es dir leicht fallen.«

Einer ihrer älteren Brüder betrat den Stall, und als er Carolin erblickte, ging er direkt auf sie zu. »Hallo schönes Püppchen, hast du nicht Lust, mit in meine Kammer zu kommen?« Er grinste sie lüstern an.

Julia ekelte es, als sie sah, wie ihr Bruder in Begriff war, Carolin in ihrer Hilflosigkeit zu betatschten.

»Hey, sei vorsichtig.« Carolin ließ sich offensichtlich nicht einschüchtern. »Nimm deine Finger weg.«

Doch der Bruder ließ sich von ihren Worten nicht aufhalten und griff ihr an ihre Schulter. Da hob Carolin ihr Bein hoch und rammte ihm ihr Knie mitten zwischen die Beine, und als er sich vor Schmerz krümmte, trat sie noch einmal wie eine Kickboxerin hinterher.

So als wäre nichts gewesen, drehte sie sich dann wieder zu Julia. »Du siehst, es geht auch ohne Arme, wenn man nur genügend trainiert hat und sich traut.« Dabei grinste sei und schüttelte sich ein wenig die Haare zurecht.

Julia war sichtlich fasziniert, weil Carolin immer noch so hübsch aussah und lächelte, wie auf dem Foto.

Auf einmal kam Frauke in den Stall und wünschte ihr einen Guten Morgen. »Hast du in dem Nachthemd gut geschlafen?«

Nur langsam erkannte Julia, dass sie gerade aus einem sehr spannenden Traum herausgerissen wurde. Sie hätte sich gern noch etwas mit der faszinierenden Carolin unterhalten, doch die war auf einmal verschwunden. Stattdessen erkannte Julia, dass sie in dem strengen Nachthemd im Bett lag und offensichtlich einen sehr seltsamen Traum gehabt hatte.

Sie überlegte kurz, ob sie Frauke von der Begegnung mit Carolin erzählen sollte, doch dann entschied sie sich dafür, die Begegnung mit Hegels Tochter doch lieber für sich zu behalten.

»Du hattest aber einen ruhigen Schlaf.« Frauke stellte fest, dass die Bettdecke noch genauso lag, wie sie Julia gestern Abend damit zugedeckt hatte.

»Mir blieb ja auch nichts anderes übrig.« Julia lächelte leicht, doch sie konnte es nicht verhindern, dass sie etwas rot wurde. Sie versuchte, ihren Kopf wegzudrehen.

Frauke blickte auf das Bett und genoss den Moment. Jetzt befand sich Julia in der gleichen Situation, in der sie vor einiger Zeit noch selbst gewesen war.

Genauso war sie von ihrer eigenen Rolle fasziniert. Sie konnte jetzt dafür sorgen, dass Julia entweder leiden würde oder sie konnte sie ins Paradies begleiten. Die Dienerin war sich unsicher, was sie selbst bevorzugen würde. Innerlich seufzte sie, denn ihre eigenen Wünsche zählten in diesem Moment nicht - sie wusste, dass sie Hegels Vorgaben zu erfüllen hatte.

Natürlich hasste sie ihre aktuelle Situation, in der sie so völlig den Launen eines Ehepaars ausgeliefert zu sein schien. Doch sie wusste genauso, dass sie hier sehr viel Freiheiten hatte und dass es auch viel schlimmer hätte sein können. Sie schob ihre dunklen Gedanken beiseite und blickte kurz aus dem Fenster, weil sie wieder eine Tram vorbei fahren hörte, dann schaute sie wieder auf das Bett. »Du kannst deine Hände nicht mehr bewegen?«

Julia war so verblüfft, dass sie trotz der Röte in ihrem Gesicht Frauke anblickte. Sie musste nicht einmal nicken. Ihr Gesicht sprach in diesem Moment Bände.

Frauke erkannte, dass sie mit ihrer Vermutung richtig lag. »Ich war auch einmal in der Situation.«

»Und was hast du dann gemacht?« Julia hatte Fraukes Frage so interpretiert, als hätte sie eine Lösung dafür gefunden. Das sie eigentlich noch viel mehr gesagt hatte, erkannte Julia in diesem Moment nicht.

»Die Lösung liegt in der Nachttischschublade.« Frauke konnte nicht verhindern, dass ihre Stimme in diesem Moment zitterte.

Julia drehte ihren Kopf dahin. Nur nebenbei bemerkte sie, dass dies im Augenblick die einzige sinnvolle Bewegung war, zu der sie in der Lage war.

Frauke öffnete sie und zeigte Julia einen etwas seltsam geformten Schmetterling aus rosa Plastik, an dem ein dünnes Kabel hing.

»Was ist das?« Julia gab sich in diesem Moment naiv, denn sie hatte mit dem doch recht intimen Thema so ihre Schwierigkeiten.

»So etwas war einmal meine 'Einschlafhilfe'.« Ihre Stimme wurde etwas leiser.

»Wie benutze ich die?« Es war Julia gleichgültig, dass sie in diesem Moment das naive Mädchen vom Land gab.

Frauke verdrehte zunächst nur die Augen, doch dann lachte sie. »Ich werde es dir heute Abend zeigen.« Doch dann erinnerte sie sich an Hegels Vorgaben. »Eines solltest du aber schon wissen, bevor du dich darauf einlässt... Das Ding macht es dir nicht so einfach.«

»Wie meinst du das?« Julias Augen begannen zu leuchten.

Frauke holte tief Luft. »Bis zu sieben Mal kann er ausgehen, bevor du gekommen bist.« Sie schluckte. »Spätestens beim achten Mal darfst du.«

»Das ist ja richtige Folter.« Julias Stimme zeigte eine gewisse Faszination. »Und ich kann gar nichts machen?«

»Das ist richtig.« Frauke strich ihr zärtlich über das Gesicht. »Manchmal darfst du auch schon nach dem dritten Mal kommen.«

Julia schwieg.

»Wie gesagt, zwischen drei und sieben Mal, zufällig ausgewählt.« Frauke griff zur Bettdecke und zog sie weg. »Ich wollte dich gewarnt haben.«


»Was macht Frauke denn da?« Herr Hegel blickte verwundert auf den Monitor.

Seine Frau warf ebenfalls einen Blick darauf. »Sie erklärt Julia wie abgesprochen den Schmetterling.«

»Und was redet sie da für einen Quatsch?« Herr Hegel war verwundert. »Wir steuern das Ding doch.«

»Das weiß Frauke aber auch nicht.« Frau Hegel grinste.

»Du hast es ihr nie gesagt?« Der Professor war verwundert.

»Nein, nie.« Frau Hegel setzte sich neben ihren Mann. »Sie glaubt an den Zufall.«

»Ich habe sie oft lange leiden lassen.« Er erinnerte daran, dass Frauke mit ihren Reaktionen eigentlich recht ermutigend gewesen war.

»Heute Abend solltest du es ihr leicht machen.« Sie ergriff seine Hand.

»Sorge bitte dafür, dass sie heute Abend auf dem Bett festgeschnallt wird, bis wir wissen, wie sie körperlich reagiert.« Er lehnte sich zurück. »Du erinnerst dich an das Mädchen, dass vor lauter Frust vom Bett gehopst ist?«

Sie lächelte. »Es tut mir fast ein wenig leid, dass wir Julia so foltern zu müssen.«

»Ich gebe dir recht, aber wir müssen so früh wie möglich wissen, wie sie bei diesem Thema reagiert.« Er streichelte ihre Hand. »Vor allem wenn sie uns mit dem Mantel schon so eine Steilvorlage bietet. Außerdem ist es eine süße Folter. Am Ende steht stets die Erlösung.«

»Wenn du meinst?« Sie zog ihre Hand wieder zurück, stand auf und blickte noch einmal auf den Monitor.

Herr Hegel folgte ihrem Blick. »Du solltest Frauke ein paar Pluspunkte geben, sie macht ihre Sache wirklich gut.«

»Das war aber gar nicht abgesprochen.« Sie ging langsam zur Tür.

»Trotzdem.« Er blickte ihr hinterher. »Außerdem habe ich das Gefühl, dass Julia bestimmt positiv reagieren wird.«

»Hoffen wir es.« Sie lächelte ihrem Mann noch einmal zu, dann verließ sie das kleine Zimmer.

* * *

»Und wie haben sie diese Nacht geschlafen?« Herr Hegel legte sein Besteck neben den Teller und wischte sich den Mund mit der Serviertte ab. »Können wir den Mietvertrag ändern?« Natürlich ging es ihm überhaupt nicht um die Miete, aber dass Julia jetzt schon für das strenge Nachthemd infrage kam, war ein ungeheurer Glücksfall.

»Ich habe sehr gut geschlafen.« Julia blickte zu Boden.

Frau Hegel wusste genau, was Julia gerade bewegte, und genau das passte sehr gut in ihre Pläne. Scheinbar unter einem Vorwand schickte sie ihren Mann hinaus. »Wollen sie den Schmetterling ausprobieren?« Ihre Stimme war etwas leiser.

Im ersten Moment wollte Julia fragen, woher sie das wusste, doch dann schallt sie sich eine Narrin. Der Vibrator lag in der Nachttischschublade, und das Nachthemd hatte eine Öffnung, um ein Kabel hindurchzuführen. Sie wurde rot. »Frauke hat mir davon erzählt.«

Herr Hegel kam zurück und hielt ein Blatt Papier in der Hand. »Ich habe hier die Änderung vorbereitet. Sie schauen sich das in Ruhe an, und heute Nachmittag erwarten wir ihre Unterschrift.«

Julia warf kurz einen Blick auf den Zettel, und sie sah, dass nur sehr wenige Sätze darauf standen. Trotzdem wollte sie es noch einmal durchdacht wissen. Und es ärgerte sie sehr, dass sie wegen ihrer Familie auf den so sehr faszinierenden Mantel verzichten musste.

Frau Hegel griff zu der Klingel und läutete.

Als Frauke erschien, gab Frau Hegel die Anweisung, den Tisch abzuräumen. Doch dann sprach sie Frauke in einem geänderten Tonfall an. »Frau Wiesl, ich bin sehr zufrieden mit ihnen.«

Frauke war schon dabei, das Geschirr zusammenzustellen. Sie hielt inne und machte einen Knicks.

»Ich schreibe ihnen zehn Punkte dafür gut.« Frau Hegel griff zu ihrem Block und schrieb etwas hinein.

Frauke bedankte sie fast etwas unterwürfig und blickte kurz zu Julia, die sehr verwundert her zu ihr sah.

»Pluspunkte sind wichtig.« Frau Hegel hatte den Blickwechsel bemerkt. »Julia hat die Lack-Bettwäsche entdeckt, und hat gefragt, ob sie sie aufziehen darf. Ich habe gesagt, dass sie ihr dabei helfen werden.«

»Jawohl, Frau Hegel. Das werde ich machen.« Sie selbst mochte den glatten Stoff nicht so sehr, aber der Gedanke, dass Julia darin schlafen würde, hatte auch für sie etwas sehr Faszinierendes.

»Sie haben Julia den Schmetterling gezeigt?« ihre Stimme zeigte einige Verwunderung über die Eigeninitiative.

»Ja, das habe ich.« Frauke war der Tonfall aufgefallen, und sie wurde ihrerseits misstrauisch. »War das falsch?« In Gedanken sah sie schon viele ihrer so mühsam verdienten Pluspunkte wieder verschwinden.

Auch Julia wurde hellhörig, und sie errötete, denn sie hatte Skrupel, so ein Thema in Gegenwart ihres Professors zu besprechen. Doch zu ihrer Erleichterung stand Herr Hegel auf und sagte, dass er seine Tasche packen müsste, dann verließ er das Zimmer.

»Ich habe nichts dagegen, dass sie es ausprobieren wollen.« Frau Hegel sprach etwas leiser. »Aber da wäre noch etwas zu bedenken.«

»Und das wäre?« Julia war über ihre eigene Coolness verwundert, denn eigentlich sprach sie mit Niemanden über ihr fast nicht vorhandenes Intimleben.

»Sie sind in dem Nachthemd sehr hilflos.« Sie holte tief Luft. »Und ich habe Angst, dass sie sich verletzten könnten, wenn sie zu sehr in Ekstase geraten.«

Julia war heilfroh, dass ihr Professor den Raum verlassen hatte. Zu Frau Hegel hatte sie in dieser Hinsicht schon ein anderes Verhältnis. Außerdem glaubte sie einen gewissen Unterton gehört zu haben. »Was schlagen sie vor?«

»Wir würden sie so auf dem Bett festbinden, dass sie sich nicht verletzen können.« Es fiel ihr schwer, diesen Vorschlag auszusprechen.

»Das hört sich vernünftig an.« Julia konnte nicht verhindern, dass ihre Augen strahlten. »Bleibe ich dann die ganze Nacht fixiert?«

»Wir könnten sie danach losbinden, falls sie noch wach sein sollten.« Sie blickte zu Frauke und lächelte. »Denken sie darüber nach und sagen sie uns heute Abend, wie sie sich entscheiden haben.«

»Das mache ich.« Julia war insgeheim schon sehr neugierig darauf, wie es wohl sein würde, wenn sie 'es' selbst nicht unter Kontrolle hatte.

Herr Hegel kam wieder in den Raum. »Kommen sie mit? Die Tram fährt gleich.«

Julia blickte an sich herunter. »Oh, ich muss mich erst noch umziehen.« Sie hatte schon fast verdrängt, dass sie wieder in den Lacksachen am Frühstückstisch gesessen hatte, von denen sie schon gestern so sehr fasziniert war. »Ich nehme die Nächste.« Sie drehte sich um und ging zum Treppenhaus.

Eigentlich wollte sie laufen, doch jetzt erinnerte der Rock sie daran, dass sie ihn vor lauter Ehrgeiz ganz geschlossen hatte und auch den Anfasser so fixiert hatte, dass der Gehschlitz sich nicht versehentlich öffnen konnte. Als sie mit winzigen Schritten zur Treppe schlich, drehte sie sich noch einmal um und lächelte verlegen. »Oder die übernächste.« Erst vor direkt vor der Treppe blieb sie stehen und öffnete sich den Reißverschluss.

Von ihren Vermietern hatte sie die ausdrückliche Genehmigung erhalten, in der Öffentlichkeit und überall dort, wo sie ihre Brüder vermutete, den Rock so weit wie möglich geöffnet zu tragen, und darüber war sie sehr erleichtert. Doch in Gegenwart ihrer Vermieter und vor allem im Haus fühlte sie sich sicher. Wenn sie ihn draußen offen tragen musste, dann wollte sie wenigstens im Haus seine Enge genießen.

* * *

In der Tram träumte Julia von dem Handschuh, den sie auf Carolins Fotos gesehen hatte. Natürlich wusste sie, dass diese Bilder eben nicht Hegels Tochter zeigten, doch sie hielt der Einfachheit halber an dem Gedanken fest, zumal das Mädchen mit dem Handschuh ihr sogar als Carolin im Traum erschienen war. Sie fragte sich, wie es wohl sein würde, wenn sie selbst in den Handschuh eingeschnürt würde und sie die zunehmende Enge spüren würde.

Etwas Vergleichbares hatte sie bisher nicht gesehen, und sie hatte sich sogar heimlich die Fotos eingesteckt. Natürlich vergewisserte sie sich, dass sie keiner sehen konnte, bevor sie die Fotos zur Hand nahm. Mit dem Finger strich sie über die verpackten Arme und glaubte fast, das Leder auf ihren Armen zu spüren.


Fast hätte sie ihre Station zum Aussteigen verpasst. Erst in letzter Sekunde wurde sie aus ihren Gedanken gerissen. Hastig steckte sie die Fotos wieder ein und stürmte aus der Straßenbahn. Normalerweise kam ihr die Fahrt zur Universität endlos lang vor, doch heute mit dem Blick auf die Fotos erschien es ihr, als wäre sie gerade erst eingestiegen.

Etwas wehmütig dachte sie an die seltsame Dienerin, die zu den Straßenbahnen anscheinend ein besonderes Verhältnis hatte. Für sie selbst waren die Trams nur eines von vielen Beförderungsmitteln.

* * *

Es war überhaupt nicht ihre Art, einfach zwei Vorlesungen auszulassen, doch die wichtige Vorlesung heute war ausgefallen, weil der Gastdozent kurzfristig abgesagt hatte, und danach hätte sie noch eine Freistunde gehabt, bis die beiden unwichtigen Vorlesungen an der Reihe gewesen wären.

Unter normalen Umständen hätte sie gewartet, doch heute warteten viele interessante Dinge auf sie. Und ohne dass es ihr selbst richtig bewusst war, empfand sie bei Hegels schon eine gewisse Geborgenheit. Und so fiel es ihr leicht, auf die zwei Vorlesungen zu verzichten, denn sie wusste, dass sie dann endlich einmal Zeit haben würde, um sich ausführlich in Carolins Zimmer und insbesondere in den Schränken umzusehen.

Während sie langsam zur Straßenbahn ging, rekapitulierte sie noch einmal, was sie bisher schon wusste. Der erste Schrank enthielt überwiegend normale Straßenkleidung, meist eher formal, aber nur wenig Freizeitkleidung. Trotzdem waren ihr als Erstes die wenigen Lacksachen aufgefallen, die in dem Schrank waren.

Der zweite Schrank hingegen war das Paradies, denn fast alles aus diesem Schrank war aus dem faszinierenden Material Lack, und dort hatte sie auch die faszinierende Bettwäsche gefunden. Julia freute sich schon sehr darauf, endlich einmal ausgiebig stöbern zu dürfen, denn bisher war dafür keine Zeit gewesen.

Und vielleicht würde sie auch herausfinden, wie der dritte Schrank zu öffnen war. Die ersten beiden Schränke hatten Türen, die nur durch ein Federgelenk zugehalten wurden und die man einfach aufziehen konnte, wenn sie nur mit der richtigen Tür anfing. Doch dieser Schrank hatte bisher allen ihren Öffnungsversuchen widerstanden. Und deswegen war sie um so neugieriger, was sich wohl darin befinden würde.

Alle drei Schränke hatte etwas gemeinsam, nämlich dass überhaupt keine Schlüssellöcher sichtbar waren, stattdessen befand sich jeweils nur ein übergroßer Griff daran. Seit gestern wusste Julia, dass dies die Türgriffe waren, von denen Frau Hegel gesprochen hatte, denn damit war es möglich, die Tür auch mit dem Ellenbogen zu öffnen, da der Griff dafür genügend Angriffsfläche bot. Und damit wäre es möglich, die Tür auch dann zu öffnen, wenn die Trägerin diesen faszinerenden Handschuh trug.

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  RE: Der Mantel der Studentin (überarbeitete Fassung) Datum:10.11.17 22:39 IP: gespeichert Moderator melden


Tolles Kapitel!

Von Melkschemel bis Gewissen alles dabei.

Irgendwie könnte ich gar nicht aufhören zu lesen.....
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  RE: Der Mantel der Studentin (überarbeitete Fassung) Datum:11.11.17 06:16 IP: gespeichert Moderator melden


Hallo gag_coll,

danke für diese super fortsetzung.

Was wohl im driten Schrank liegt.

Danke für's schreiben.


Gruß marmas71
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mpwh66
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  RE: Der Mantel der Studentin (überarbeitete Fassung) Datum:11.11.17 07:36 IP: gespeichert Moderator melden


Moin
Danke für diese Fortsetzung da kann man ja garnicht mehr aufhören mit dem lesen danke und ein kreatives Wochenende
Gruss mpwh66
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  RE: Der Mantel der Studentin (überarbeitete Fassung) Datum:11.11.17 09:06 IP: gespeichert Moderator melden


Wie immer ein Lesegenuss. Schönes Wochenende

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gag_coll
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  RE: Der Mantel der Studentin - Kapitel 4 - Schwestern - Teil Zwei von Sieben Datum:14.11.17 06:17 IP: gespeichert Moderator melden


Kapitel 4 - Schwestern - Teil Zwei von Sieben
Autor: Karl Kollar

Je näher das Haus kam, desto schneller wurden auch ihre Schritte. Sie sehnte sich sehr danach, sich endlich den Reisverschluss am Rock ganz zu schließen und die wohlige Enge spüren zu dürfen.

Die Haustür war noch nicht wieder ins Schloss gefallen, als Julias Rock schon wieder bis zum Boden geschlossen war und sie dazu zwang, die wenigen Schritte bis zur Treppe zu trippeln. Erst als sie direkt vor der Treppe stand, beugte sie sich wieder herunter und zog den Verschluss bis zu den Knien auf. Sie wusste schon genau, wie weit sie ihn öffnen musste, damit sie sich auf der Treppe bewegen konnte, ohne dass es lächerlich aussah. Als sie Frauke oben im Treppenhaus stehen sah, musste sie lächeln. Sie hatte vor dem Haus einen Schatten an ihrem Fenster gesehen, und es war ihr sofort klar, dass Frauke wieder in ihrem Zimmer war, um den Blick auf die Straßenbahnen zu genießen.

Oben an der Treppe blieb sie wieder stehen und machte sich den Rock wieder ganz zu.

»Lohnt sich das überhaupt?« Frauke hatte ein Lächeln in der Stimme. »Du wirst dich doch gleich wieder umziehen.«

»Stimmt.« Julia grinste. »Aber ich habe es zugesagt. Und es gefällt mir.« Irgendwie kam es ihr vor, als wolle Frauke sie zu Ungehorsam verleiten.

Doch auf dem Weg in ihr Zimmer musste sie Frauke insgeheim Recht geben. Es waren wirklich nur wenige Schritte, die sie noch gehen musste, bis sie sich auf ihr Bett setzen konnte. Dort lag die Lackkleidung schon bereit, und Julia zitterte, als sie sich jetzt langsam auszog. Ihr gefiel der Gedanke, dass sie jetzt quasi zum ersten Mal den ganzen Tag in Lack herumlaufen konnte. Noch dazu durfte sie diesen faszinierenden Rock tragen, dem man die Enge zwar nicht ansah, der sie aber zu den winzigsten Schritten zwang. Und natürlich hatte Julia den Reißverschluss ganz geschlossen und den Schieber so verriegelt, wie Frau Hegel es ihr gezeigt hatte.

Sie blickte sich im Zimmer um und auf einmal erkannte sie, was sie schon die ganze Zeit gestört hatte, ohne dass sie es bisher formulieren konnte. Es gab keinerlei Hinweise auf Carolins frühe Kindheit. Kein verstaubter Teddy, der jetzt nicht mehr geliebt irgendwo in der Ecke lag und dessen Trost nicht mehr gebraucht wurde, und auch keine Puppenstube. Das Zimmer war eher nüchtern eingerichtet.

Sie fragte sich, ob Carolin schon im Berufsleben stand, ob sie noch studiert hatte oder sich in einer Ausbildung befunden hatte. Die wenigen Bücher im Regal ließen dazu keinen Schluss zu - es war Trivial-Literatur, die sich zum Teil auch in Julias Zimmer selbst hätte befinden können. Auch Puppen waren so gut wie keine vorhanden, lediglich zwei kleine Putten befanden sich links und rechts oben am Spiegel.

Hingegen kam ihr der große Schreibtisch fast etwas übertrieben vor, denn er hätte auch problemlos in einem Chefbüro stehen können. In Gedanken sah sich Julia schon ihre Raumpläne auf dem Tisch ausbreiten. Sie wäre in der Lage, alle Räume eines Hauses auf einen Blick sehen und sie gedanklich vergleichen zu können, so groß war die Tischfläche. Außerdem stand das Möbel frei im Raum und war von allen Seiten zugänglich, was ihren Plänen ebenfalls sehr zugute kommen würde.

Vorne am Rand stand eine bewegliche Schreibgarnitur, die insgesamt einen sehr altmodischen Eindruck machte und die vermutlich nur als Dekorationsstück anzusehen war. Daneben lagen immer noch die 'Perlen', die sie bisher noch nicht hatte ausprobieren können.

Sie hätte hier auch gut ihren Laptop abstellen können, wenn sie denn einen gehabt hätte. Sie sparte darauf, denn es war ihr klar, dass sie ein Exemplar mit einem sehr großen Bildschirm brauchte, und die waren entsprechend teuer. Sie wusste jetzt schon, dass sie ein Teil des Taschengeldes dafür zurücklegen wollte. Bis zu ihrem Einzug bei Hegels war an Sparen aber überhaupt nicht zu denken gewesen.

Sie war gerade im Begriff aufzustehen, als es an der Tür klopfte. Wieder dauerte es einen Moment bis sich Julia ein 'Herein' entlocken konnte.

»Sie sind heute nicht in der Uni?« Frau Hegel hatte Julias frühe Heimkehr offensichtlich bemerkt. »Ich wollte mich erkundigen, ob alles in Ordnung ist?«

»Meine Vorlesung ist ausgefallen.« Sie lächelte ein wenig verlegen, denn natürlich hatte sie auch zwei Vorlesungen geSchw***nzt, doch das wollte sie nicht ohne Not zugeben. »Ich hatte gehofft, mich endlich einmal genauer im Zimmer umsehen zu können.« Es war ihr immer noch nicht ganz klar, wie weit sie ihre Vermieterin an ihre Tochter erinnern durfte.

»Oh, sehen sie sich ruhig alles an und trauen sie sich, es anzuziehen oder es auszuprobieren.« Frau Hegel erkannte, dass Julia genau in der richtigen Stimmung war. »Und wenn sie Fragen haben oder Hilfe brauchen, trauen sie sich ruhig, nach uns zu rufen.« Sie verließ den Raum wieder, nachdem sie sich vergewissert hatte, dass Julia die Antwort verstanden hatte.


Mit klopfendem Herzen ging Julia an den zweiten Schrank, weil sie sich etwas Aufregendes zum Anziehen suchen wollte, und weil sie sehr gespannt war, was sich noch so alles in Carolins Schrank befinden würde. Schon gestern hatte Frauke ihr ein atemberaubendes Ensemble herausgelegt, und sie war sich sicher, dass sie heute etwas Ähnliches anziehen wollte.

Zu ihrer Erleichterung war der Schrank gut geordnet, und sie fand das Fach mit den Catsuits sofort. Sie war sich schon lange sicher, dass sie wieder einen Catsuit darunter anziehen wollte. Ihr gefiel der Gedanke, dass sie zwar überall mit dem faszinierenden Stoff bedeckt war, der Catsuit aber trotzdem jedes Detail ihres Körpers zeigte.

Sie entschied sich schließlich für einen Catsuit in hellem Blau, der ungefähr die Farbe hatte wie der Monohandschuh auf den Fotos von Carolin. Dazu nahm sie sich eine hellblaue Bluse und einen farblich passenden dunkeln Rock heraus. Sie hatte erkannt, das es von der Sorte Rock, die sie so gern trug, mehrere Farben gab. So konnte sie frei wählen, damit gut aussehen und trotzdem alle Verpflichtungen erfüllen.

Es kam ihr gar nicht erst in den Sinn, sich auch aus dem Fach mit den Hosen zu bedienen, denn dort gab es nur Exemplare in schwarz und weiß. Und außerdem erinnerte sie sich an Herrn Hegels Worte, dass Carolin vor allem im Haus fast immer Röcke getragen hatte.

Daraus nahm sie eine gewisse Verpflichtung. Außerdem konnte der Rock ihre Beine viel besser in ihrer Bewegungsfreiheit einschränken - ein Gefühl, dass Julia zwar bisher nicht kannte, das sie aber sehr genoss. Sie mochte es, wenn sie jeder einzelne Schritt an ihre nicht mehr vorhandene Freiheit erinnerte. Zusätzlich war ihr in jedem Moment bewusst, dass sie sich selbst diese Restriktionen auferlegt hatte. Und das Wissen, dass sie die Erlaubnis hatte, sich ihren Zustand zu erleichtern, wenn es nötig sein sollte, verstärkte sie in ihren Gefühlen.

Sie inspizierte jetzt auch die anderen Fächer und die Schubladen, und erst, als sie in einer Schublade viele Bälle mit Lederschnüren fand, fiel ihr ein, dass sie Carolins Perlen auch noch ausprobieren wollte. Doch zuvor galt es noch, die Gegenstände aus den anderen Fächern zu erkunden.

* * *

»Was macht sie gerade?« Frau Hegel lehnte in der offenen Tür und blickte zu ihrem Mann, der auf den Überwachungsmonitor schaute.

»Sie sieht sich im zweiten Schrank um.« Der Professor drehte sich zu seiner Frau. »Was hast du alles hinein getan?«

»Vieles...« Frau Hegel grinste.

»Sie hat sich umgezogen.« Herr Hegel blickte wieder auf den Monitor. »Und jetzt inspiziert sie die Halskorsetts. Aber ich denke, sie hat nicht erkannt, wie sie die benutzen muss.«

»Ich werde zu ihr gehen und ihr sagen, um was es sich handelt.« Seine Frau lächelte.

»Manchmal kannst du ganz schön hinterhältig sein«, antwortete Herr Hegel, ohne von seinem Monitor aufzusehen.

»Ich weiß.« Frau Hegel schloss mit einem verschmitzten Grinsen die Tür und ging dann mit zügigen Schritten zu Julias Zimmer.


»Kommen sie zurecht?«, fragte sie nach dem Klopfen und Eintreten.

Julia hielt gerade eines der strengen Halskorsetts in der Hand und blickte mit verwunderten Blick darauf »Was ist das hier?«

»Ein Halskorsett.« Frau Hegels Stimme zitterte vor Anspannung. »Quasi ein Korsett für ihren Hals.«

»Wofür genau ist das?« Es war Julia anzuhören, dass sie mit den wenigen Worten noch nichts anfangen konnte.

»Es bewirkt, dass ihr Kopf ruhig gehalten wird.« Sie hoffte, die Stimmung richtig gedeutet zu haben.

Julia hielt es sich vor den Hals. »Wie muss ich das tragen?« Sie war in abenteuerlustiger Stimmung.

»Darf ich es ihnen zeigen?« Die Vermieterin war näher gekommen.

»Gern.« Julia war sehr neugierig, mehr von Carolin zu erfahren.

»Kommen sie bitte mit zum Spiegel.« Frau Hegel hatte natürlich bei der Einrichtung des Zimmers darauf geachtet, dass ein großer Spiegel Platz fand und der Mieterin zur Verfügung stand.

Julia ging die wenigen Schritte zum Spiegel und blickte Frau Hegel erwartungsvoll an.

Die Frau des Professors legte das Korsett um Julias Hals, und während sie hinten langsam die Schnürung schloss, erklärte sie, was sie gerade machte, damit sich Julia auf die zunehmende Enge vorbereiten konnte.

»Es fühlt sich schön an.« Julia keuchte ein wenig. »Jetzt kann ich meinen Hals nicht mehr bewegen. Ich muss mich mit dem ganzen Oberkörper drehen.«

Als Antwort schmunzelte Frau Hegel nur.

»Das gefällt mir sehr gut.« Julia macht eine Pause. »Sie hatten eine sehr interessante Tochter.« Im ersten Moment war sie entsetzt, weil sie nicht künstlich Erinnerungen auslösen wollte.

Doch zu ihrer Erleichterung ging Frau Hegel darauf ein. »Ja, das stimmt. Wir waren oft selbst erstaunt, was sie sich alles zugemutet hatte.«

Ohne dass sie es wollte, bezog Julia aus diesen Worten noch mehr Motivation, in Carolins Fusstapfen zu treten. So langsam wurde ihr bewusst, dass sie dabei war, sehr viel von der Rolle und den Aufgaben der Tochter zu übernehmen. Und sie fühlte sich gut dabei.

Sie wollte den Kopf zu Frau Hegel drehen, doch erst jetzt bemerkte sie, was das Halskorsett bewirkte. Sie musste sich mit dem ganzen Oberkörper umdrehen, denn die Bewegung des Halses war ihr jetzt auch genommen. Doch sie fand es nicht negativ, eher spannend, noch weiter eingeschränkt zu sein. Sie war fasziniert von dem Gedanken, dass ein paar Korsettstangen und etwas glänzendes Leder eine solche Wirkung haben konnten. »Darf ich es anbehalten?« Julias Stimme war leise. »Es gefällt mir sehr gut.«

»Gern.« Frau Hegel war ebenfalls fasziniert von Julias neuer Erscheinung.

Julia ging wieder zum Schrank und griff zielstrebig in eines der Fächer. »Das hier sind dann wohl auch Korsetts? Aber wofür sind die?« Sie hielt zwei einen knappen Meter lange Röhren in der Hand, bei denen die eingearbeiteten Stangen sowie eine jetzt weit offene Schnürung zu sehen waren.

»Das sind Armkorsetts.« Frau Hegel hielt innerlich die Luft an.

Julia hielt sich eine der Röhren an ihren Arm. »Dann kann ich meine Arme auch nicht mehr benutzen?«

»Naja, es sind ja keine Handschuhe daran.« Frau Hegel kam nicht umhin zu lächeln. »Sie können damit ihre Arme nicht mehr beugen.«

Julias Augen leuchteten. Jetzt erinnerte sie sich daran, dass Armkorsetts auch auf der Taschengeldliste standen. Insgeheim begann sie schon zu überlegen, wie viel Gegenstände sie gleichzeitig tragen konnte, um die Zeit optimal zu nutzen. Selbst ein oder zwei Stunden völlige Unbeweglichkeit würden viel leichter zu ertragen sein als stundenlang in der Kneipe zu bedienen. Nur kurz schlich sich eine faszinierende Idee in ihre Gedanken: Wie wäre es, wenn sie beim Lesen ihrer Fachbücher alle diese Gegenstände tragen würde? Dann könnte sie lernen und gleichzeitig Geld verdienen. Doch so schnell wie der Gedanke gekommen war, verschwand er auch wieder.

»Sie sollten die Armkorsetts jetzt aber noch nicht anlegen.« Frau Hegel blickte scheinbar zufällig auf den Schreibtisch. »Sie möchten vorher vielleicht ein paar andere Sachen versuchen.«

Julia wurde ein wenig aus ihren Gedanken gerissen, als sie dem Blick ihrer Vermieterin folgte, denn sie erinnerte sich sofort daran, dass sie die Perlen auch noch ausprobieren wollte. »Ja, das sehe ich ein.« Sie lächelte verlegen, dann sprach sie ihren Wunsch laut aus.

»Ich schicke ihnen Frauke, damit sie ihnen mit den Perlen helfen kann.« Sie drehte sich um und ging in Richtung Tür. Sie überlegte, ob sie für das Verlassen des Zimmers eine Rechtfertigung brauchte, doch dann entschied sie sich dafür, nichts weiter zu sagen, insbesondere weil Julia in diesem Moment tief in einer in ihr bisher unbekannten Faszination gefangen war und der Moment sehr gut geeignet war, um ihr die Perlen näher zu bringen. Doch dies sollte Frauke machen.

Bisher lagen auf dem Schreibtisch streng genommen nur zwei Perlen mit ihren Riemen, doch diese hatten genügt, um Julias Neugier zu wecken. Insbesondere hatte sie sich daran erinnert, dass es in einer der Schubladen in dem Schrank noch weitere dieser Perlen gab, bei denen die Anzahl der Riemen teilweise höher war, dies hatte sie bei einem ersten prüfenden Blick schon festgestellt.

Sie wollte erst einfach in die Schublade greifen und die Bälle nacheinander auf den Schreibtisch tragen, doch dann wurde ihr ihr aktueller Zustand bewusst, und sie begann zu grübeln. Mit dem sehr engen Rock würde es sehr lange dauern, wenn sie die Bälle einzeln auf den Schreibtisch trug. Es waren auch zu viele, um sie allein mit den Händen zu tragen.

Sie fragte sich, ob es nicht vielleicht möglich war, die ganze Schublade zum Tisch zu tragen. Das wäre vielleicht etwas anstrengender zu tragen, doch dafür müsste sie nur einmal gehen. Insgeheim faszinierte es sie, dass ihre Kleidung ihr eine andere, weiter vorausdenkende Handlungsweise aufzwang. Und letzteres empfand sie nicht einmal als negativ.

Zu ihrer Erleichterung ließ sich die Schublade ganz leicht aus dem Schrank ziehen, und sie war auch nicht so schwer, wie Julia es ursprünglich befürchtet hatte. Vorsichtig ging sie zum Schreibtisch, und als sie davor stand, schüttete sie den Schubladeninhalt einfach auf die Tischplatte und stellte die Schublade neben den Tisch.

Etwas sprachlos stand sie schließlich vor einem Haufen von Lederriemen und ungefähr einem Dutzend roten sowie zwei blauen Bällen. Etwas zitternd begann sie, die Perlen zu sichten, und weil ihr nichts Besseres einfiel, sortierte sie die Bälle nach der Anzahl der Riemen, die zu einer Perle gehörten. Es war allerdings etwas mühsam, denn das Halskorsett, welches sie immer noch trug, hinter sie daran, den Kopf zu senken und so musste sie sich mit dem ganzen Oberkörper vorbeugen, um etwas sehen zu können. Doch sie war zu stolz, um sich das Korsett wieder abzunehmen. Außerdem hatte es Frau Hegel ihr angelegt, und sie wäre sicher enttäuscht, wenn sie es sofort wieder abnehmen würde.

* * *

Etwas unsicher klopfte Frauke an Julias Zimmertür. Gerade hatte Frau Hegel ihr den Auftrag erteilt, Julia die Knebel näher zu bringen und ihr dafür sogar einige Pluspunkte versprochen.

Anfangs hatte Frauke über die Regelung mit den Pluspunkten nur gelacht, denn sie hatte nicht erwartet, dass sie davon viele bekommen würde. Denn etwas Besonderes hatte die Vereinbarung. Sollte der Fall eintreten, dass sie mehr Punkte haben würde als ihre ursprüngliche Haftstrafe, dann würde sich diese selbst auch verkürzen. Doch Frauke war davon überzeugt, dass es unmöglich war, eine vierstellige Zahl von Punkten zusammen zu bekommen. In einer normalen Woche gab es höchstens Mal zehn Punkte, wenn sie besonders viel im Haus mithelfen konnte.

Doch mit der Anwesenheit von Julia hatte sich dies schlagartig geändert, und Frauke hatte die Aussicht, jetzt mehr Punkte zu bekommen als sonst in einem ganzen Monat.

Frau Hegel hatte ihr sogar noch ein paar Tipps gegeben, wie sie der Studentin die Knebel näher bringen konnte, und der wichtigste davon war, immer von Perlen zu sprechen, denn dieser Begriff war im Gegensatz zu Knebel eher positiv besetzt. Und was Frauke besonders freute war, dass sie ihr ansonsten freie Hand gegeben hatte und ihr auch noch extra das Vertrauen ausgesprochen hatte. Sie hatte ihr sogar zwanzig Punkte in Aussicht gestellt, wenn sie ihre Sache besonders gut machte.

Doch beim Eintreten fiel ihr ein, dass es vielleicht besser wäre, sich zunächst ein wenig schlecht gelaunt und unwillig zu geben, damit Julia nicht misstrauisch werden würde. Sie setzte also eine etwas missmutige Miene auf, und hoffte dabei, genau das richtige Maß zu treffen, um Julia in Sicherheit zu wiegen und sie trotzdem nicht zu sehr abzustoßen. »Frau Hegel hat gesagt, dass ich dir bei den Perlen helfen soll.«

Julia war über die Eröffnung sehr erleichtert, denn sie hätte sonst nicht gewusst, was sie hätte fragen sollen, um Frauke um Hilfe zu bitten. »Ja, kannst du mir bitte erklären, wie man diese Perlen trägt? Wie Schmuck?«

»Na, dann lass mal sehen.« Frauke schloss die Tür hinter sich und trat dann an den Schreitisch heran. »Du hast schon sortiert, sehe ich?«

»Ja.« Julia blickte etwas verlegen auf die vier mehr oder weniger großen Haufen, die jetzt vor ihr lagen. Es ärgerte sie ein wenig, dass sie trotz ihrer Intelligenz noch nicht selbst darauf gekommen war, wie diese komischen Kugeln zu tragen waren. Sie schob es darauf, dass sie sich noch nie für die diversen Mode-Illustrierten hatte begeistern können. »Trägt man die um den Hals?« Zumindest wenn man die Perlen von dem Haufen ganz links betrachtete, war der Gedanke naheliegend.

»Nein, etwas höher.« Frauke kam trotz ihrer Anspannung nicht umhin, ein wenig zu schmunzeln. Doch gleich darauf hatte sie sich wieder unter Kontrolle. »Willst du das Halskorsett dabei anbehalten?«

»Wenn das geht?« Julia war in diesem Moment etwas unsicher. Einerseits war es sicher eine gute Ausrede, um das Ding loszuwerden. Auf der anderen Seite wollte sie dem Alltag von Carolin näher kommen, und da diese es oft getragen hatte, war es bestimmt gut, wenn sie sich selbst ebenfalls schnell daran gewöhnte. Außerdem wollte sie auch ihre Vermieter nicht unnötig enttäuschen. »Also, wo kommt die Perle hin?«

»Sie kommt in den Mund.« Frauke konnte nicht verhindern, dass ihre Stimme bei der Antwort zitterte.

»In den Mund?« Julia keuchte leicht, denn ihr war eingefallen, dass sie doch schon einmal ein entsprechendes Bild gesehen hatte. Nur konnte sie das Gesehene damals überhaupt nicht einordnen. »Dann kann ich ja nicht mehr reden.« Was der Ball bei ihr bewirken würde, war ihr entsprechend sofort klar.

»Das ist der Sinn einer solchen Perle.« Frauke grinste. »Deswegen hat Carolin sie auch immer 'Beruhigungsperlen' genannt, sagt Frau Hegel.«

»Na, meinetwegen.« Julia nahm eine der Perlen in die Hand und hielt sie sich vor den Mund. »Die sind aber groß?«

»Naja, es kommt auch auf den Mund der Trägerin an, deswegen gibt es sie ja auch in verschiedenen Größen.« Frauke blickte Julia an. »Du solltest aber wissen, dass du damit nicht mehr schlucken kannst, weil dein Kiefer offen steht.«

»Ja und?« Julia fixierte mit ihrem Blick den Ball vor ihrem Mund. Solche anatomischen Details hatten sie bisher nicht interessiert.

»Dann sammelt sich der Speichel in deinem Mund und wird heraus laufen.« Frauke wollte dies unbedingt vorher ansprechen, weil sie selbst über diesen Punkt mehr als erschrocken gewesen war.

»Dann muss ich meine Lippen eben geschlossen halten.« Julia gab sich pragmatisch. »Außerdem kann ich es auf dem Lack wegwischen.« Julia legte die Perle wieder auf den linken Haufen und blickte auf die anderen Häufchen vor sich. »Warum haben die denn mal so viele und mal so wenig Riemen?«

Es machte Frauke insgeheim Spaß, Julia die Knebel näher zu bringen, und sie hatte ihre scheinbare Missmutigkeit schon lange aufgegeben. »Damit werden die Perlen mehr oder weniger sicher in deinem Mund befestigt.«

»Was hat Carolin denn so getragen?« Julia wollte das Unvermeidliche noch etwas hinauszögern, ohne dass es ihr wirklich bewusst war.

Frauke war in diesem Moment ehrlich verunsichert, weil sie dies weder wusste, noch dazu etwas mit Hegels abgesprochen war. Sie beschloss die Flucht nach vorn. »Das weiß ich nicht. Ich habe sie ja nicht mehr kennengelernt.«

»Stimmt, das hattest du gesagt.« Julia blickte auf die Bälle, die fast alle die gleiche Größe hatten. Auch fiel ihr erneut auf, dass fast alle Bälle eine rote Farbe hatten. Nur ein schwarzer und zwei blaue Bälle waren noch dabei. »Ich glaube, sie hat Rot bevorzugt.« Sie nahm sich wieder einen der einfachen Bälle zur Hand und hielt ihn sich vor das Gesicht. »Und wie geht das jetzt?« Ihr Blick wechselte zwischen Frauke und dem Ball hin und her.

»Komm bitte zum Spiegel, dann kannst du dir es gleich ansehen.« Frauke ging zum ersten Schrank und nahm sich ein Handtuch heraus, dann ging sie ebenfalls zum Spiegel und wartete, bis Julia zu ihr getrippelt war.

»Warte, ich helfe dir.« Mit dem Handtuch wischte sie den Ball noch einmal ab, dann hielt sie ihn von hinten vor Julias Mund. »Bitte den Mund aufmachen.«

»Wie beim Zahnarzt.« Julia lachte kurz, wollte damit aber nur ihre Nervosität überspielen. Sie blickte noch einmal kurz hinter sich, dann öffnete sie ihre Lippen.

Frauke nahm das Riemenpaar in ihre Hände und zog den Ball damit langsam in Julias Mund. »Jetzt kannst du den Mund wieder zumachen.«

Sofort spürte Julia den ungewohnten Ball im Mund und legte die Lippen darum. Fasziniert beobachtete sie ihr Gesicht im Spiegel.

»Warte bitte noch, bis ich die Riemen festgezogen habe.« Frauke war in diesem Moment sichtlich nervös und ließ die Schnalle zweimal fallen.


Schließlich war der Knebel geschlossen, und Frauke trat neben Julia. »Es sieht wirklich schön aus. Die Perle steht dir gut.« Sie streichelte ihr zärtlich über die Wange.

Julia war sehr angespannt. Sie wollte etwas antworten, doch erst jetzt bemerkte sie, dass sie kaum eine verständliche Silbe zustande bekam. Es war sehr ungewohnt für sie, nicht mehr über ihre Stimme zu verfügen, doch sie fand es von Beginn an sehr aufregend.

Frauke lachte trotz ihrer Anspannung. »Deswegen werden sie ja auch die Beruhigungsperlen genannt.«

Julia sah, dass ein erster Speichelfaden langsam aus ihrem Mund tropfte. Reflexmäßig führte sie ihre Hand zum Mund und wischte ihn ab.

»Gewöhne dich lieber daran.« Fraukes Stimme zitterte vor Anspannung. »Wenn du die Perle trägst, wirst du selten deine Hände benutzen können.

Julia drehte sich zu Frauke und blickte sie verwundert an. Sie brummelte etwas.

»Warum das so ist?« Sie lächelte. »Weil du sicher sehr oft Carolins Handschuh tragen wirst.«

Erst jetzt erkannte Julia die ganzen Zusammenhänge. Sie versuchte zu verbergen, dass sie von der sich abzeichnenden Zukunft doch etwas verunsichert war. So nach und nach realisierte sie, dass sie immer unbeweglicher und leiser werden würde, vor allem, wenn sie auch diesen rätselhaften Handschuh tragen würde oder den faszinierenden Mantel. Beide hatten die Eigenschaft, ihr die Beweglichkeit ihrer Arme zu nehmen und sie zu fixieren, wenn auch auf ganz unterschiedliche Weise.

»Soll ich dir den Ball wieder abnehmen?« Frauke wusste aus eigener Erfahrung, wie wichtig es war, dass das erste Mal nicht zu negativen Erfahrungen führte.

Julia versuchte ein Nicken, doch sie musste erkennen, dass das Halskorsett ihre Bewegungen stark einschränkte. Sie wollte mit 'Ja' antworten, doch wieder musste sie erkennen, dass sie sich jetzt auf die gewohnte Art und Weise nicht mehr äußern konnte.

Frauke hatte sie genau beobachtet und ihre vergeblichen Antwortversuche trotzdem erkannt, außerdem wusste sie noch gut, wie es sich in dieser Situation anfühlte. Sie trat wieder hinter Julia und öffnete die Schnalle, dann zog sie den Ball aus Julias Mund, um ihn gleich darauf wieder mit dem Handtuch abzuwischen.

Julia war von der Möglichkeit, ihr die Stimme auf so eine einfache Weise zu nehmen, sehr fasziniert. Sie äußerte dies, während sie langsam wieder zum Schreibtisch ging.

»Hast du schon einmal einen Engel reden hören?« Frauke sagte den Satz auf, den Hegels ihr genannt hatten.

»Nein, natürlich nicht.« Julia wurde auf Carolins Aufgabe immer neugieriger. »Streng genommen ist mir noch überhaupt kein Engel begegnet.« Sie griff zum zweiten Stapel und hob eine der Perlen hoch. »Warum sind es hier mehr Riemen?« Es war ihr anzusehen, dass sie keine Ahnung hatte, was die zusätzlichen Riemen bewirken sollten.

»Die Riemen gehören unter dein Kinn.« Frauke gab ihr den entscheidenden Tipp. »Der Kinnriemen verhindert, dass du deinen Kiefer öffnen kannst, um den Ball mit der Zunge hinauszudrücken, so sagt man zumindest. Ich glaube das aber nicht.«

»Dürfte ich denn so schummeln?« Julia war verwundert.

»Naja, es ist manchmal nötig, sich kurz einmal Erleichterung zu verschaffen.« Frauke lächelte verschwörerisch. »Aber du solltest dich dabei nicht erwischen lassen.«

Julia grinste, dann griff sie zum dritten Stapel und hob eine der roten Kugeln hoch. Deutlich waren die vielen Riemen zu sehen, die offenbar dazu gehörten. »Und wofür sind diese Bälle mit den vielen Riemen?«

»Das ist ein sogenannte Perlennetz.« Frauke wollte sich dieses Mal nicht auf Carolin beziehen, weil sie spürte, wie dünn das Eis in dieser Richtung werden würde.

»Wo kommen denn die vielen Riemen hin?« Julia nahm das Netz in beide Hände und versuchte, den Verlauf der Riemen zu verfolgen.

Frauke war erleichtert, dass Julia ihren Blick auf den Knebel mit seinen vielen Riemen gerichtete hatte, so konnte sie wie schon länger ausgemacht das Notsignal benutzen. Mit drei kurzen Blicken direkt in die Kamera signalisierte sie, dass sie nicht weiter wusste und Hilfe brauchte.

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mpwh66
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  RE: Der Mantel der Studentin (überarbeitete Fassung) Datum:14.11.17 10:29 IP: gespeichert Moderator melden


Moin
besten Dank für den neuen Teil macht ja süchtig
gruss mpwh66
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christoph
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  RE: Der Mantel der Studentin (überarbeitete Fassung) Datum:14.11.17 14:39 IP: gespeichert Moderator melden


schnell, schnell weiter.
super.
cb2000 träger seit 9.1.01 & Gerecke The Shut - Rondo 2.4.08

Schaut doch mal bei uns vorbei :
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gag_coll
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  RE: Der Mantel der Studentin - Kapitel 4 - Schwestern - Teil Drei von Sieben Datum:17.11.17 04:10 IP: gespeichert Moderator melden


Der Mantel der Studentin
Kapitel 4 - Schwestern - Teil Drei von Sieben
Autor: Karl Kollar

»Kann sie das nicht schneller machen?« Herr Hegel blickte nervös auf den Monitor. »Was reden die beiden denn da so lange?«

»Frau Wiesl macht das sehr gut.« Seine Frau musste ihn beruhigen. »Man darf es nicht überstürzen.«

»Wir haben aber nicht mehr so viel Zeit.« Er klopfte nervös auf den Tisch.

»Ja, das weiß ich.« Frau Hegel legte die Hand auf seine Schulter. »Aber gerade deswegen müssen wir es langsam angehen. Langsam und vorsichtig.« Sie seufzte. »Es ist unsere letzte Chance, und bisher reagiert Julia ausgezeichnet.«

»Was hat sie denn jetzt?« Herr Hegel hatte Fraukes Blicke in die Kamera bemerkt.

»Sie bittet uns um Hilfe.« Frau Hegel erklärte ihm das Signal. »Ich hatte dieses Signal mit ihr vereinbart.«

»Und warum braucht sie Hilfe?« Herr Hegel hatte Mühe, seine Nervosität unter Kontrolle zu halten.

»Ich vermute mal, dass sie nicht weiß, wie das Kopfgeschirr anzulegen ist.« Frau Hegel stand auf. »Ich gehe zu ihnen.« Sie verließ das Zimmer.

* * *

Erst als das Klopfen an der Tür zu hören war, konnte sich Julia von dem Perlennetz losreißen.

»Das ist eine besondere Perle, die hat Carolin immer nur zu besonderen Anlässen getragen.« Frau Hegel hatte Mühe, ihre Anspannung zu verbergen. »Möchten sie das Perlennetz einmal ausprobieren?«

»Ja, gern.« Julias Neugier war stärker als ihre Angst vor dem Unbekannten. Sie verzichtete im Moment allerdings darauf, zu fragen, zu welchen Anlässen Hegels Tochter diese spezielle Perle tragen durfte.

Frau Hegel ging zum Schreibtisch und nahm ihr das Kopfgeschirr aus der Hand. »Diese Netze werden um den ganzen Kopf geschnallt und halten so die Perle im Mund fest. Außerdem verändern die Riemen, die dann über das Gesicht laufen, das Erscheinungbild der Trägerin.«

»Bitte zeigen sie es mir.« Julias Stimme zitterte vor Anspannung und blickte Frau Hegel mit einer Mischung aus Verlangen, Furcht und Neugier an.

Frau Hegel richtete sich das Geschirr so aus, dass sie den Ball vor sich hatte, dann hob sie es in Höhe von Julias Kopf. Sie lächelte, als sie sah, dass die Studentin ihren Mund schon geöffnet hatte.

Julia stöhnte ganz leise, als sie spürte, wie der große Ball langsam in ihren Mund eindrang und dort seinen Platz beanspruchte. Wie schon bei der normalen Perle musste ihre Zunge wieder ausweichen.

»Zuerst kommt der Ball in den Mund und die beiden Hauptriemen werden am Hinterkopf geschlossen.« Die Vermieterin erklärte, was sie tat, während sie die Schnalle am Hinterkopf fixierte. »Jetzt wird der doppelte Y-Riemen, der über dem Hauptriemen baumelt nach hinten über den Kopf gezogen. Dabei legen sich die Riemen über ihr Gesicht und ihre Stirn.«

Julias Augen leuchteten, als sie sah, wie sich die schwarzen Riemen ihren Platz in ihrem Gesicht suchten.

»Der Riemen teilt sich oben auf ihrem Kopf wieder, die beiden Teile werden dann links und rechts am Hauptriemen an den dortigen Schnallen befestigt.«

Julia spürte, wie sich die Lederriemen immer weiter um ihren Kopf legten. Durch ihr Studium war sie es gewohnt, die Aussagen immer sofort nachzuvollziehen und so erkannte sie sofort, warum dieser Riemen mit 'doppelter Y-Riemen' bezeichnet war.

»Zum Schluss werden dann noch die beiden Riemen unter ihrem Kinn geschlossen und bilden ein gewisses Gegengewicht gegenüber dem Y-Riemen.« Frau Hegel hatte sich diese Sätze schon vor längerer Zeit bereitgelegt, um damit das Anlegen des Knebels ein wenig pseudo-wissenschaftlich klingen lassen zu können.

Langsam drehte sich Julia vor dem Spiegel, dann hob sie ihre Hände hoch und tastete den Verlauf der Riemen auf ihrem Kopf nach.

»Bitte denken sie aber daran, dass sie die Perlen nur innerhalb des Hauses tragen dürfen.« Frau Hegel hatte Mühe, ihre Stimme wieder normal klingen zu lassen. »Die Nachbarschaft hat dafür bisher wenig Verständnis.« Der letzte Satz war sogar ehrlich gemeint.

Julia blickte sie erleichtert an und versuchte ein schüchternes Nicken, welches das Halskorsett allerdings fast vollständig unterband.

»Wir kümmern uns dann um das Mittagessen.« Frau Hegel blickte kurz aber eindringlich zu ihrer Dienerin. »Sie können sich hier ja noch etwas umsehen.«

Julia wollte fragen, ob sie das Kopfgeschirr schon wieder abnehmen dürfte, doch jetzt erst bemerkte sie, dass sie sich nicht mehr verständlich machen konnte.

* * *

»Decken sie schon einmal den Tisch, ich schaue kurz zu meinem Mann.« Frau Hegel ging in Richtung der kleinen Überwachungskammer. »Klingeln sie dann bitte.«

»Jawohl, Madame.« Frauke seufzte innerlich. Sie wäre gern noch bei Julia geblieben, die mit dem Kopfgeschirr äußerst reizend aussah und die es offensichtlich auch bequem tragen konnte. Doch sie wagte es nicht, sich gegen die Anweisungen ihrer Herrschaften zu stellen. Mit langsamen Schritten ging sie die Treppe hinunter. Dass ihr von oben noch ein 'heute noch' zugerufen wurde, überhörte sie. Das war die einzige Form von Trotz, zu der sie den Mut hatte.

Frau Hegel öffnete die Tür und trat in den kleinen Raum. »Was hat sie bisher gemacht? Trägt sie die Perle noch?« Natürlich wussten Hegels, dass Perlen nur beschönigendes Wort für Knebel waren, doch sie hatten sich diese verharmlosende Begrifflichkeit einfallen lassen, um die eventuell in Frage kommenden Mädchen nicht sofort damit zu verschrecken.

»Wenn ich das richtig beobachtet habe, dann hat sie nach eurem Weggang das Netz nicht einmal berührt«, antwortete ihr Mann, ohne vom Bildschirm aufzublicken. »Im Gegenteil, sie macht den Eindruck, als würde es sie überhaupt nicht stören.«

»Sie wollte bestimmt fragen, ob sie es wieder abnehmen darf, und dann hat sie gemerkt, dass sie nicht mehr reden kann.« Frau Hegel setzte sich neben ihren Mann. »Ich glaube, sie ist schon gut geprägt.«

»Sie ist doch gerade mal vier Tage bei uns.« Herr Hegel blickte auf und widersprach. »Ich denke, du überschätzt die Situation.«

»Ja, du könntest Recht haben.« Sie seufzte. »Warten wir ab, wie das Wochenende verläuft.«

»Wirst du Frau Wiesl eigentlich ein paar Vorgaben machen?« Er wandte sich wieder dem Monitor zu. »Sie werden immerhin den ganzen Tag allein sein.«

»Nein, das hatte ich nicht vor.« Frau Hegel stand wieder auf. »Ich habe lediglich die Nachbarn über unsere Abwesenheit informiert. Sie werden aufpassen.«

* * *

Ein wenig fühlte Julia sich überrumpelt, weil sie das Perlennetz trug und nicht mehr fragen konnte, ob sie es wieder abnehmen durfte. Es ärgerte sie, weil sie sonst etwas mehr Weitblick zeigte. Andererseits gefiel ihr der Gedanke, so auf Carolins Spuren zu wandeln, und wenn Hegels Tochter im Haus diese Perlen getragen hatte, dann war es für sie selbstverständlich, dies auch zu tun.

Sie nahm die Anregung von Frau Hegel auf und sah sich noch einmal im Zimmer um. Die zwei offenen Schränke hatte sie bis jetzt schon untersucht, und sie hatte auch viel darin gefunden, was ihr bis jetzt noch unbekannt geblieben war. Ihr Blick fiel auf den dritten Schrank. Bisher hatte er ihren Öffnungsversuchen widerstanden. Von außen sahen die Schranktüren gleich aus, doch während die bisherigen Türen einfach an dem großen Griff aufzuziehen waren, ging dies bei dem dritten Schrank nicht.

Eigentlich sahen die großen Griffe lächerlich aus, doch Julia hatte mittlerweile verstanden, dass die Größe den Zweck hatte, den Schrank auch dann noch öffnen zu können, wenn Carolin oder auch sie selbst diesen Handschuh trug. Dank der Fotos hatte Julia jetzt eine Vorstellung, um was es sich dabei handelte, und sie hatte auch nicht mehr so viel Angst davor, denn die für den Handschuh nötige Haltung hatte sie in ihrer Kindheit oft trainiert, um die Gemeinheiten ihrer Brüder leichter ertragen zu können.

Von Carolins Kindheit wusste Julia bisher nicht viel. Im Zimmer gab es darauf nur sehr wenige Hinweise, und auch im Tagebuch war diesbezüglich nicht viel zu erfahren.

Wieder fiel ihr Blick die ihr bisher verschlossen gebliebenen Türen des dritten Schrankes, und jetzt, wo sie etwas Ruhe hatte, begann sie, es systematisch zu durchdenken. Die Türen hatten keine Schlüssellöcher, aber die gleichen pompösen Griffe, also mussten sie trotzdem leicht zu öffnen sein.

Sie trat auf die Türen zu, und als sie dabei ins Stolpern kam, stützte sie sich reflexartig an der Tür ab. Dabei erst entdeckte sie, dass sich die Tür ein kleines Stück eindrücken ließ. Auf einmal war sie wie elektrisiert. Jetzt hatte sie eine Spur, der sie nachgehen konnte.

Sie trat näher an den Schrank heran und sah sich die Türen noch einmal genauer an. Jetzt fiel ihr ein, dass Carolin im Tagebuch einmal einen Kugelschreiber-Verschluss erwähnt hatte.


Es dauerte nicht lange, bis Julia herausgefunden hatte, wie der Schrank zu öffnen war. Zuerst hatte sie entdeckt, dass es zwei Mal klickte, wenn sie die Tür eindrückte. Und auf einmal machte es bei ihr selbst ebenfalls 'Klick', denn diese Art von Schlösser waren gerade erst in einer Vorlesung behandelt worden. Grinsend stellte sie sich vor den Schrank und drückte die Tür so wenig, dass nur ein Klick zu hören war, dann ließ sie sie wieder los. Die Türen gingen auf, und Julia blickte atemlos in das Innere des Schrankes.

Julia blickte auf ein weißes bodenlanges Lackkleid, welches sie als erstes heraus nahm und vor sich hielt. Sie war sich über den Zweck des Kleides nicht im Klaren. Für ein Nachthemd war es zu aufwendig gearbeitet, für ein Brautkleid wiederum war es zu schlicht. Sie blickte wieder in den Schrank und sah, dass gleich neben dem Kleid ein großes Paar Flügel hing.

Auf einmal wurde ihr klar, was sie gerade in der Hand hielt. Dies musste Carolins Engelskostüm sein. Eine andere Erklärung gab es offensichtlich nicht. Besonders war sie von den Flügeln fasziniert, denn es schienen lauter echte Federn zu sein. Die Flügel machten einen sehr kostbaren Eindruck, und Julias Ehrfurcht wuchs. Sie beschloss, dass Kleid wieder an seine Stelle zu hängen. Und in Gedanken sah sie sich schon in dem Kleid.

In dem Fach oberhalb des Kostüms fiel ihr ein kleines Kästchen auf, weil es scheinbar aus Gold gefertigt war und von außen lauter stilisierte Engel zeigte. Sehr neugierig nahm sie das Kästchen zur Hand und öffnete es. Sie keuchte, als sie den Inhalt erblickte.

Das Kästchen war mit roten Samt ausgeschlagen und sah damit sehr edel aus. Doch alles wurde überstrahlt von der weißen Perle mit weißen Riemen, die in dem Kästchen aufbewahrt wurde.

Julia ahnte sofort, dass sie noch nicht berechtigt war, eine weiße Perle tragen zu dürfen. Sie klappte das Kästchen wieder zu und stellte es wieder an seinen Platz. Sie hielt einen Moment inne, denn ein Bild formte sich vor ihrem inneren Augen. Ein weißer glänzender Engel mit großen Flügeln und mit der Perle im Mund.


Auf der rechten Seite gab es einige Fächer, und ein Fach fiel ihr sofort auf, weniger wegen seines Inhaltes, sondern mehr, weil direkt oberhalb des Faches ein kleines Schlüsselbrett angebracht war, auf dem ihr die Beschriftungen sofort ins Auge fielen. 'Engelsuniform: Bluse' stand bei dem ersten Schlüssel, daneben das gleiche für 'Rock' und 'Hose'.

Julias Neugier wuchs ins Unermessliche. Eine Engelsuniform, für die es auch noch Schlüssel gab? Ohne dass sie es direkt steuern konnte, nahm sie sich das weiße Kleidungsstück zur Hand, und wie sie es schon vermutet hatte, entpuppte es sich als eine Bluse.

Julia war aus mehreren Gründen sehr fasziniert von dieser Bluse. Zum einen war es eines der wenigen Kleidungsstücke aus normalem Stoff und fiel schon allein deswegen ins Auge. Dann sah sie, dass die Bluse Schulterklappen hatte, wie es bei Uniformen üblich war, weil dort der Rang der Trägerin ablesbar war. Sie hatte dies schon bei Polizistinnen gesehen. Und wieder staunte sie, denn auch auf diesen Schulterklappen gab es eine Art Abzeichen, die ihr nur deswegen nicht sofort auffielen, weil sie ebenfalls in Weiß gehalten waren. Ein kleiner in weiß gestickter Engel war hier aufgebracht und in Julias Kopf begann sich ein Bild zu formen, und auf einmal machte das Wort 'Oberengel' auch einen Sinn. Das würde dann wohl einer Bluse mit zwei oder drei solchen aufgestickten Engel entsprechen.

Julia blickte sich um. Auf dem Schreibtisch wäre genug Platz, wenn sie die Perlen wegräumte. Erst in diesem Moment erinnerte sie sich wieder daran, dass sie noch das Perlennetz trug, doch im Moment machte es ihr überhaupt nichts aus. Mit kurzen, aber eiligen Schritten ging sie zum Schreibtisch und schob die Perlen beiseite, dann legte sie die Bluse vorsichtig auf den Tisch und begann, sie auseinander zu falten. Sie machte es vorsichtig, denn sie wollte später in der Lage sein, sie wieder so zusammenzulegen, wie sie war.

Dabei gab es die nächste Überraschung, als sie entdeckte, dass bei dieser Bluse die Ärmel bis zum Ellenbogen fest mit dem Seitenteil verbunden waren. Falls sie die Bluse einmal tragen müsste, dann würde sie nur noch ihre Unterarme bewegen können.

Und noch eine Besonderheit entdeckte sie. Die Bluse würde mit einem Reißverschluss geschlossen, und darüber gab es dann noch einmal eine Knopfliste, die offensichtlich nur Zierde war. Der Schieber des Reißverschlusses war ungewöhnlich groß, doch als Julia das kleine längliche Loch entdeckte, wusste sie, dass es das Loch für den Schlüssel war, der an dem Schlüsselbrett hing.

Sie ließ die Arme sinken und starrte verwundert auf die Bluse, die vor ihr lag. Sie sah so harmlos aus, und doch würde die Trägerin darin eingesperrt sein und hatte wegen der Ärmel auch wenig Bewegungsfreiraum. Noch dazu waren die Schlüssel mit 'Engelsuniform' beschriftet gewesen. Julia wusste immer weniger, was sie davon halten sollte. Aber eines war ihr klar - es würde eine unbekannte, aber sehr faszinierende Zukunft auf sie warten, wenn sie wirklich Carolins Erbe antreten würde.

Langsam und sorgfältig legte sie die Bluse wieder zusammen und trug sie wieder in den Schrank. Dort gab es noch zwei weitere Schubladen, in die sie noch hineinschauen wollte. Sie legte die Bluse wieder auf den Stapel und zog die mittlere Schublade auf.

Noch einmal fiel ihr Blick auf das Fach mit der Engelsuniform, und ein wenig fragte sie sich, auf welche Weise der Rock und die Hose zu verschließen sein würden. Doch sie verzichtete darauf, sie herauszunehmen, denn sie ahnte irgendwie in ihrem Unterbewusstsein, dass sie es bald erfahren würde.

Sie blickte in die Schublade, die sie gerade aufgezogen hatte und hielt inne. Was sie sah, konnte sie zunächst wieder überhaupt nicht einordnen. Sie blickte auf unterschiedlich gefärbtes Leder, Blau, Rot und Schwarz leuchteten ihr entgegen. Sie blickte einige Zeit darauf, doch sie konnte zunächst nicht erkennen, was sie da vor sich hatte. Langsam traute sie sich und sie griff in die Schublade, um einen der Ledergegenstände in die Hand zu nehmen. Erst als sie ihn vor sich hielt und eine längliche Tütenform sah, die seitlich zu schnüren war, machte es auf einmal Klick, und Julia wusste, was sie in den Händen hielt, weil sie sich an Carolins Fotos erinnerte. Dies waren die Monohandschuhe, die sehr viel Geld bringen würden und die Hegels Tochter so gern getragen hatte.

Julia zitterte, als sie realisierte, dass sie diese Handschuhe demnächst auch zu tragen hatte. Sie war sich sicher, dass sie mit der ungewöhnlichen Armhaltung keine Probleme haben würde, ihre Brüder hatten sie unabsichtlich gut darauf vorbereitet. Doch etwas anderes machte ihr ein wenig Angst. Der Handschuh würde ihr die Arme nehmen, und die würde sie brauchen, um ihre Bücher umzublättern, etwas zu notieren oder um sich eine Perle anzulegen. Sie seufzte. Sie würde ihre Zeit sehr gut planen müssen, wenn sie den Handschuh tragen wollte.

Seufzend legte sie den Handschuh zurück und schloss die Schublade wieder. Sie zog die dritte Schublade auf, doch zu ihrer Überraschung befand sich dort sehr wenig darin - nur ein halbrundes schmales Blech mit einem Schlitz sowie etwas, dass sie im ersten Moment an einen Tannenbaum erinnerte, obwohl es aus Kugeln bestand, die aufeinander gestapelt waren. Ganz hinten entdeckte sie vier Ringe aus Metall die ungefähr die Größe von Armreifen hatten. Sie schloss die Schublade wieder, denn sie wollte überhaupt nicht darüber nachdenken, wofür diese Sachen wohl sein konnten.

Im untersten Fach stand noch etwas, dass ihre Hände zittern ließ. Es war ein Paar Stiefel aus glänzendem weißen Leder, die sehr lang zu sein schienen. Julia nahm sich einen heraus und hielt ihn vor sich hin. Der Stiefelschaft würde bis zur Mitte ihrer Oberschenkel reichen, und sie entdeckte auch sehr hohe Blockabsätze.

Langsam stellte sie den Stiefel zurück und wunderte sich ein wenig, denn bisher gab es zu diesen Stiefeln keinen Hinweis. Insbesondere hatte Carolin sie in ihrem Tagebuch nicht erwähnt. Das konnte zweierlei bedeuten. Entweder sie war nicht mehr dazu gekommen, die Stiefel zu tragen oder es war etwas so Selbstverständliches, dass sie es nicht für erwähnenswert hielt. Julia hoffte insgeheim auf Letzteres, denn von solchen Stiefeln war sie schon immer sehr begeistert gewesen, nur hatte ihr bisher der Mut gefehlt, sie auch zu tragen. Das sie sich überhaupt nicht leisten konnte, kam noch erschwerend hinzu.

Sie ließ die Türen auf, ging zu ihrem Schreibtisch und setzte sich so auf den Stuhl, dass sie auf den offenen Schrank blicken konnte. Sie begann zu grübeln. Alle anderen Schuhe und Stiefel befanden sich in den anderen beiden Schränken, nur diese außergewöhnlichen Stiefel standen im dritten Schrank. Auf einmal glaubte sie die Zusammenhänge zu verstehen. Sie war sich ziemlich sicher, dass sie die Stiefel unter dem Engelskostüm zu tragen hatte, und ihr gefiel der Gedanke, denn die langen Schäfte würden ihr sicherlich Halt geben bei den Aufgaben, die so ein Engel haben würde. Und das lange Kostüm würde von den Stiefeln gerade einmal ihre Füße zeigen.

Vorsichtig öffnete sich die Tür zu Julias Zimmer und Frauke räusperte sich. »Hegels bitten dich zum Mittagessen.« Gleich darauf schloss die Dienerin wieder die Tür.

Julia brauchte einen Moment, bis sie sich aus ihren Gedanken befreit hatte, dann erhob sie sich und ging langsam zur Tür.

* * *

Als sie das Esszimmer betrat, sah Julia, dass Hegels schon am Tisch saßen und sie erwartungsvoll anblickten. Unwillkürlich versuchte sie noch etwas schnellere Schritte, und ihre Gesichtsfarbe wurde schon etwas röter. Ohne weiteres Zögern setzte sie sich an das noch freie Gedeck und blickte verlegen vor sich auf ihren Teller.

Herr Hegel räusperte sich, und als Julia es bemerkte, befürchtete sie einen Tadel, weil sie zu spät zum Essen gekommen war. Doch zu ihrer Überraschung hatte er ein anderes Anliegen. »Ich freue mich ja sehr über ihren Ehrgeiz, aber meinen sie nicht, dass sie sich mit dem Essen leichter tun, wenn sie Carolins Perle wieder ablegen?« Er verzog dabei keine Miene.

Erst jetzt realisierte Julia, dass sie immer noch das Perlennetz mit der Perle in ihrem Mund trug. Sie hatte es schon wieder vergessen. Einfach so - obwohl sie es jetzt deutlich in ihren Kiefermuskeln spürte. Sie wurde so rot, wie es nur ging. Etwas nervös fasste sie sich an ihren Kopf und versuchte, die Schnallen zu finden, mit denen es an ihrem Kopf befestigt war.

Doch erst jetzt erkannte sie, dass sie gar nicht wusste, wie und eventuell in welcher Reihenfolge die Schnallen zu öffnen waren. Und auch wo sie sich überhaupt befanden.

»Elisabeth, ich glaube, du musst ihr helfen.« Der Professor hatte große Mühe, ernst zu bleiben. Insgeheim war er sehr erleichtert über Julias Fähigkeit, sich so vergessen zu können.

Frau Hegel stand auf und trat hinter Julia, dann öffnete sie die Schnallen. Sie bat Julia eine Serviette zur Hand zu nehmen, dann zog sie ihr langsam den Ball aus dem Mund und legte ihn in Julias Hand, um ihr gleich darauf einen Finger auf die Lippen zu legen. »Bitte sagen sie jetzt nichts.«

»Wir freuen uns sehr darüber, dass sie sich schon so schnell mit Carolins Perlen vertraut gemacht haben.« Herr Hegel blickte aus dem Fenster.

»Aber?« Julia ahnte, dass der Satz noch weiter gehen würde.

»Bitte üben sie den Umgang damit.« Die Stimme des Professors zitterte leicht. »Sie sollten in der Lage sein, sich das Netz selbst anzulegen und auch wieder abzunehmen.«

Auf einmal war in Julia wieder ein schlechtes Gewissen geweckt. Sie hatte von ihrem Professor einen Tadel bekommen und das ärgerte sie sehr. Dass sie die Perle beim Stöbern ganz vergessen hatte, kam als Last auf ihr Gewissen noch hinzu.

»Jetzt lassen sie uns essen.« Er griff zu der kleinen Klingel, die auf dem Tisch stand und läutete.


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christoph
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  RE: Der Mantel der Studentin (überarbeitete Fassung) Datum:17.11.17 07:07 IP: gespeichert Moderator melden


super. bin mal gespannt was da noch alles kommt.

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