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Thema:
eröffnet von bluevelvet am 15.08.11 09:08
letzter Beitrag von LordGrey am 19.08.11 21:04

1. Der Markt als Gott

geschrieben von bluevelvet am 15.08.11 09:08

Sprach der britische Philosoph und Ökonom Adam Smith (1723-1790) in seinem 1776 erschienen Werk "An Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations", deutsch kurz als "Der Wohlstand der Nationen" betitelt, von der "unsichtbaren Hand des Marktes", die das freie wirtschaftliche Geschehen weise lenke, so ist das Vertrauen in die Märkte inzwischen unter der Ägide des Neoliberalismus zu einer regelrechten Religion geworden. Die Märkte müssten beruhigt werden (wie weiland die Götter besänftigt), beten die Politiker uns täglich vor und die Börsennachrichten haben die alten Orakel ersetzt.

Schon im März 1999 hat der Harvard-Theologe Harvey Cox einen bemerkenswerten Vortrag mit dem Titel

The Market as God,

auf deutsch: Der Markt als Gott, gehalten. Unter dem gleichen Titel - nämlich Der Markt als Gott wurde er schon im Dezember 1999 zusammengefasst. Inzwischen gibt es dazu auch eine kleine Tabelle in deutscher Sprache. Selbst der Spiegel hat sich 2006 auf seine fast vergessene aufklärerische Tradition besonnen und dem Thema der Marktreligion den Betrag

Und der Markt ist Gott geworden

gewidmet. - Ich glaube, es ist in Bezug auf diese neue Religion Zeit für einen gesunden Atheismus.

Bluevelvet
2. RE: Der Markt als Gott

geschrieben von LordGrey am 15.08.11 18:13

Ich denke man sollte sich wieder auf althergebrachtes besinnen: Ich kann ein Bärenfell erst verkaufen, wenn ich den Bär erlegt und gehäutet habe...
3. RE: Der Markt als Gott

geschrieben von bluevelvet am 19.08.11 09:21

Dass das Marktgeschehen eher etwas von der unerforschlichen Willkür göttlicher Ratschlüsse als mit rational nachvollzieh- und vielleicht steuerbaren Prozessen zu tun hat, macht der kurze Text Der Crash und die sieben wichtigsten Feh...inanzwirtschaft sehr gut deutlich.

Blue

4. RE: Der Markt als Gott

geschrieben von nowalic am 19.08.11 10:15

Zitat LordGrey: "Ich kann ein Bärenfell erst verkaufen, wenn ich den Bär erlegt und gehäutet habe..."

Richtig! So hat eine gesunde und nachhaltige Wirtschaft von der Steinzeit bis vor wenigen Jahren noch funktioniert. Und sie hat wohl überwiegend gut funktioniert.
Aber diese Art der Wirtschaft setzt voraus, dass es a) überhaupt noch Bären (=Ressourcen) gibt, denen man das Fell über die Ohren ziehen kann und b) noch jemand existiert, der sich die Mühe und schmutzige Hände machen will, um diese Arbeit zu erledigen.

Beides wird heutzutage immer seltener und deshalb haben findige Krämer, Makler, Bankiers und Börsenfuzzys andere Möglichkeiten gefunden, wie man ganz schnell und bequem sehr viel mehr Geld verdienen kann: ob überhaupt noch Bären gehäutet werden (= Wirtschaftsgüter produziert) werden, oder nicht, spielt in der großen Finanzwelt überhaupt keine Rolle mehr. Statt dessen wird Kapital hin und her geschoben, um darauf zu spekulieren, dass a) keine Bärenfelle mehr produziert und die wenigen vorhandenen deshalb ungeahnt hohe Preise erzielen werden, und b) aus diesem Grunde bald besonders viele Bärenfelle auf den Markt geworfen werden, so dass diese in Kürze überhaupt nichts mehr wert sein werden.

Man kann ja heute auf alles spekulieren, sei es, dass eine bestimmte Ware oder Leistung besonders gut auf dem Markt einschlägt, oder auch darauf, dass diese ein absoluter Flop sein wird. Geld verdienen lässt sich - leider - heute mit beiden Versionen.

Die Krux ist nur, dass es sich immer um das gleiche Geld handelt, das auf diese Weise hin und her geschoben und von irgend jemand abgeschöpft wird und dass so kaum noch neue Werte und damit neues Geld produziert werden.
Und das muss ja eines Tages in die Hosen gehen.
Es ist wohl bald so weit und wir sind bereits bei vier vor Zwölf

meint
nowalic
5. RE: Der Markt als Gott

geschrieben von LordGrey am 19.08.11 21:04

Na ja, ganz so einfach ist das nun auch wieder nicht. Wenn man es auf einen einfachen Nenner bringen will:
Solange es Menschen gibt müssen die Essen.
Narung wächst immer wieder nach. Dabei ist sie denen Vorbehalten die für sie Arbeiten.
Geld kann man nicht essen.
Alos haben wir ein Handelsgut das immer gebraucht wird, immer neu generiert werden kann und auch bei Zeiten gebraucht werden muss da es sich nicht lange hält.

Aber wenn man anfängt, mit dem Wert, den eine Ernte einbringen könnte, zu handeln, dann ist die Katastrophe vorprogrammiert


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