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Licentia poetica

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  RE: Regina Datum:11.10.19 18:39 IP: gespeichert Moderator melden


~ LXXV ~


Mr. Iceberg hatte ein Apartment in einem Skyhabitat in Atra-City erworben, 200 Quadratmeter groß, im 75. Stockwerk gelegen und luxuriös ausgestattet. Die Gegend war nicht die beste, aber dafür war der Kaufpreis entsprechend günstig gewesen, den der windige Makler ihm offeriert hatte. 30 der insgesamt 110 Etagen waren mit anonymen Wohneinheiten belegt. Hier konnte Artus Iceberg ein neues Leben beginnen. Und so lange er über finanzielle Mittel verfügte, würde es ihm hier an nichts fehlen. Er brauchte theoretisch das Habitat nicht mehr zu verlassen. Die Infrastruktur des Gebäudes bot jegliche Dienstleistung.

Das wie ein fünfzackiger Stern in seinem Grundriss geformte Bauwerk befand sich zwar in einem besonders zwielichtigen Außenbezirk von Atra-City, aber ein hauseigener Securitydienst sorgte dafür, das kein Unbefugter die heiligen Hallen betrat. - Inoffiziell war die Metropole in diverse Bezirke aufgeteilt, die jeweils von einer Unterweltorganisation verwaltet wurde. Hier herrschte die Noxius-Bruderschaft. Viele der hier Wohnenden gehörten ihr an oder waren geschäftlich mit ihnen verbunden. Mitglieder anderer Vereinigungen wurden nicht geduldet.

Der Ex-CEO hatte sich ein dekadentes Luxusfestmahl munden lassen, wozu auch ein 44 Jahre alter Rotwein eines Edelweingutes auf Colonia Agricultura gehörte, und bediente nun per Gestensteuerung sein großes Panoramafenster, das mit einer Zoomfunktion ausgestattet war, damit man aus seiner gemütlichen Behausung heraus auf die arme Bevölkerung vor dem Habitat blicken konnte. Zuvor hatte das Fenster eine romantische Wald- und Wiesenlandschaft voller Sonnenschein und Blumen dargestellt; jetzt zeigte es die Realität: einen düsteren Himmel, aus dem saurer Regen tropfte.

Icebergs Wohneinheit lag in einer abgerundeten Spitze der sternförmigen Bauweise, so dass er über einen 270-Grad-Panoramablick verfügte. Im Westen lag das Zentrum von Atra-City mit noch höheren Skyhabitaten. Im Norden war ein Armenviertel mit primitiven Wellblechhütten und alten Industrieanlagen zu sehen. In östlicher Richtung erstreckte sich linker Hand eine Solarplantage mit Kollektoren, rechts davon schloss sich ein Industripark an, der aus diversen Fabriken und Fördertürmen bestand, die Erze und andere Rohstoffe aus dem Boden holten.

Atra Mundo verfügte über große Vorkommen von Erdöl. Die Nachfrage danach war in der VA allerdings seit Jahrzehnten kaum noch vorhanden, aber auf Atra Mundo gab es noch industrielle Anlagen, die mit Verbrennungsmotoren angetrieben wurden, so dass ein Eigenbedarf bestand. Durch das General-Embargo gab es eh keine Im- oder Exporte. - Mr. Iceberg zoomte auf eine Magnetbahn, die ihre besten Tage wohl schon hinter sich hatte, die vollgestopft war mit Arbeitern in zerrissener Kleidung. Sie waren auf dem Weg aus ihren Slums in die Fabriken. Zwölf-Stunden-Tage waren die Norm. Leben konnten sie davon kaum. Er hatte in einer Datenbank nachgelesen, wie exorbitant hoch die Beschaffungskriminalität in den Slums war. Es ging selten um Drogen, sondern oft nur darum, den Magen mit Nahrung zu füllen.

Einige wenige Arbeiter – davon circa 80 Prozent weibliche – schreckten auch nicht davor zurück, sich für Liebesdienste anzubieten. Natürlich hatte für solche Vergnügungen niemand aus den Slums genug finanzielle Mittel, aber für solche Dienstleistungen durften einige akkreditierte Personen Habitate der Reichen und Schönen betreten. Dort lebte die Kundschaft. - Iceberg beendete die Zoomfunktion gerade eine Sekunde zu früh, um einen Tumult in der Magnetbahn zu bemerken, der durch einen Taschendieb entstanden war und zu einer Massenprügelei führte – nichts Ungewöhnliches in der Arbeiterbahn.

Auf dem Fenster erschien stattdessen ein Newsfeed, der aktuelle Nachrichten aus Politik und Wirtschaft aufführte, und dann die meteorologischen Außenwerte angab: Warnung vor ungeschütztem Aufenthalt im Freien. Der ätzende Regen konnte Haut- und Atemreizungen erzeugen, die UVA-Strahlung erreichte einen kritischen Wert der 4,7-fachen Dosis der Standardwerte, und eine Wolke aus ionisierender Strahlung überzog in den nächsten Stunden Atra-City, der man möglichst aus dem Weg gehen sollte, wollte man sein Leben nicht um 20 Jahre verkürzen. Dazu kamen tabellarisch aufgeführte Schadstoffe, die sich in der Atemluft von Atra Mundo befanden. Ihre Werte fluktuierten zwar, waren aber permanent viel zu hoch: Ammoniak, Ozon, Benzol, Feinstaub, Kohlenmonoxid, Schwermetalle wie Blei und einiges mehr, was man nicht in seinen Lungen haben wollte.

Iceberg fragte sich, wie hoch die Lebenserwartung der Arbeiter war, die diesem Giftcocktail tagtäglich ausgesetzt waren. Er aktivierte einen Wandspiegel und betrachtete sich: Äußerlich erinnerte nichts mehr an den CEO von Bionic Industries. Er hatte in den Datenfeeds Videos von der Verstaatlichung des Konzerns gesehen. Nach der Affäre mit dem illegalen Feldversuch der LA667R/222-Androidenreihe mit experimenteller Künstlicher Intelligenz, da war das nicht überraschend gekommen. Er war froh, weit weg zu sein. Und zu allem Chaos prognostizierten die Politikprogramme eine bevorstehende Invasion des Alpha Dominions. Iceberg seufzte. Entweder übernahmen die Maschinen die Macht über alle humanoiden Welten, oder die Lebensformen aus dem AD herrschten demnächst über die Menschen. Schöne neue Welt!

Er würde sich noch ein angenehmes Leben machen, so lange es möglich war. Er trat zu einem weißen Panel und klickte auf einen grünen Punkt. Die Wand fuhr zur Seite und öffnete einen überdimensionalen Kühlschrank, voll mit erlesener Feinkost. Trotz der opulenten Auswahl fehlten ihm einige Lieblingsgetränke und Nahrungsmittel. Auf einem Touchpad erfasste er seine Wünsche. Das Programm versprach Lieferung innerhalb eines Tagesablaufs. Iceberg überlegte. Betrug der hier auch 24 Stunden wie der terrestrische Standard in der VA? Er hatte in Erinnerung, dass der Tag auf Atra Mundo 26 Stunden hatte. Aber vielleicht täuschte er sich auch. Er nahm sich eine Tüte mit karamellisierten Nüssen aus einem der Fächer und kippte sich eine Fuhre nach der anderen in den Mund. Als Herkunftsort stand auf der Verpackung: Colonia Agricultura. Er fragte sich, wie die vielen Produkte importiert werden konnten, denn die Sanktionen der VA verhinderten dies – zumindest offiziell.

Iceberg scrollte durch die aktuellen Animationsfilme des Entertainmentprogramms, fand aber nichts, was ihn interessierte. Er zog sich einen Kurzmantel über und verließ sein Apartment, um das gewaltige Habitat zu erkunden. Hier funktionierten DNA-Schlösser, so dass er keine Magnetkarte mit sich nehmen musste. Er hörte, wie hinter sich die Eingangstür zuklackte und einen Piepston abgab. Auf dem Laufband kam er zügig die endlos erscheinenden Korridore entlang zu einem Lift. Ein holografischer Wegweiser zeigte an, was sich auf welcher Etage befand. Iceberg konnte mit dem Finger von einer Etage zur nächsten wischen: Gastronomie, Einkaufszentrum, Casino, Technisches Handwerk, Verwaltung, Travelorganisation, medizinische Abteilung, Wellness und Sport, Entertainment, Datenzentrum.

Er tippte diverse Felder an, um Details aufzurufen. Unter „Travelorganisation“ zum Beispiel verstand man die Dach- und Balkonlandeplätze, von denen man mit Quadrocoptern zu anderen Habitaten oder Orten auf Atra Mundo fliegen konnte. Fast sämtliche Logistik wurde per Luftverkehr durchgeführt, um die Gefahr eines Überfalls zu minimieren. - Hinter dem Tastenfeld „Entertainment“ verbarg sich ein immenses Angebot an Unterhaltung. Auch Erwachsenenamüsements gehörten dazu. Iceberg lächelte. Nach der geilen Nummer in dem Hotel vor einigen Tagen, hätte er durchaus wieder Interesse an jungem Frischfleisch. Er tippte auf den kryptischen Unterpunkt „Lustbarkeit“. Es falteten sich mehrere Felder auf: interaktives Holo, Voyeurcam, Virtual Reality Suit, Specials. Iceberg sinnierte: Was konnte Specials heißen? Sollte er das Feld aktivieren?

Er drückte drauf, aber nichts geschah. Das Touchpad gab nur Informationen über die Dienstleistungsstruktur wieder. Buchen musste er in der entsprechenden Abteilung, um mit seiner DNA zu bezahlen. Also fuhr er mit dem Lift in den Entertainmentbereich. - Als er an den Empfang kam, dachte er im ersten Augenblick, eine Androidin vor sich zu haben, aber dann fiel ihm ein, dass auf Atra Mundo keine Cyborgs oder Androiden eingesetzt wurden. Die Frau war stark geschminkt, und ihre Haut wirkte aufgedunsen wie durch zu viele kosmetische Optimierungen, Auch ihre Augen glänzten merkwürdig wie durch einen Beautyfilter erzeugt. Aber vielleicht wirkte es nur durch den transparenten Visor so, den sie trug. Die Brüste waren verhältnismäßig groß, die Taille dabei in einem Korsett so eng zusammengeschnürt, dass er sich fragte, ob die Frau noch alle Rippen hatte.

„Einen charmanten Tag! Was darf ich für Sie tun?‟ Sogar ihre helle Stimme wirkte aufgesetzt und irgendwie steril. Iceberg räusperte sich. „Ich äh, suche zum Thema Lustbarkeit etwas.‟ Die Frau lächelte unverbindlich. „Erotikbereich? Möchten Sie passiv oder interaktiv sein?‟ Iceberg merkte, wie seine Stimme vor Nervosität heiser wurde. „Kann ich auch Besuch bekommen?‟ Plötzlich änderte sich der Gesichtsausdruck der Frau. „Warum sagen Sie das nicht gleich? Was suchen Sie speziell?‟ Iceberg fühlte ein Kratzen im Hals und räusperte sich umständlich. „Eine... weibliche... Begleitung?‟ Die Frau legte ihr Headset ab und tippte auf einem Tablet herum, das sie unter der Theke liegen hatte. „Weiblich... Weiter?‟ Iceberg sah sie fragend an. Die Frau zählte auf: „Optik? Alter? Spezielle Merkmale? Vorlieben?‟ Iceberg staunte. „Das kann ich mir alles zusammenstellen lassen?‟ Bei Androidinnen würde das sicherlich kein Problem bereiten, aber hier gab es nur Humanoide. Hatten die so viele „Angestellte‟, dass die Auswahl so groß war?

Er fing an: „Nun... So 20 bis 25 Jahre wäre gut. Äh, lange Haare, schlank. Na ja, sie sollte Erfahrung haben damit, wie man einen Mann... verwöhnt.‟ Die Frau tippte und zuckte mit den Achseln. „Kein Problem. Ist ja nicht gerade ausgefallen.‟ Sie schüttelte amüsiert den Kopf. „Vor ein paar Wochen war einer hier, der wollte...‟ Sie winkte ihn zu sich und flüsterte ihm etwas ins Ohr. Iceberg spürte, wie ihm sein Mageninhalt hochkommen wollte. Die Frau meinte ungerührt: „Tja, auch das haben wir besorgen können. Hat natürlich extra gekostet.‟ Sie sah ihn an. „Sie können doch zahlen?‟ Iceberg nickte. Die Frau verlangte Vorkasse und scannte die DNA an der Haut seiner rechten Hand. Schon war ein Betrag anonym überwiesen. In zwei Stunden würde die Besucherin eintreffen. Drei Stunden hatte er mit ihr gebucht. Die Frau bot an, ihm ein Foto zu zeigen, aber Iceberg wollte sich überraschen lassen. Eine echte Humanoide! Keine Androidin und erst recht keine Simulation.

Keine fünf Minuten später erhielt eine junge Frau mit langen brünetten Haaren, die einen schmutzigen Arbeitsoverall trug und an einem Fließband in einer düsteren Halle Metallteile zusammensetzte, Besuch von ihrem Vorarbeiter. „Ey! Marina! Komm mal her!‟ Die Frau wischte sich die ölverschmierten Finger an einem nicht viel saubereren Lappen ab und kam zu dem Mann. Er erklärte ihr, dass ihre Schicht für heute beendet wäre. „Du bist in zwei Stunden gebucht. Für drei Stunden. Habitat Star 3, Apartement 75-1365. Geh dich waschen und schminken und umziehen. Denk dran: 60 Prozent für mich, weil ich dir das ermögliche. Gib dir Mühe, Mädchen!‟ Verschüchtert eilte sie durch ein verdrecktes Stahlschott davon. Sie war voller wirrer und ambivalenter Gefühle. Eine kostbare H2O-Dusche, Seife, Parfüm, saubere Kleidung... Aber dann... Die Kleider gehörten ihr natürlich nicht.

Der Vorarbeiter und sein Cousin, der sie zum Habitat bringen würde, hatten für insgesamt acht junge Frauen sexy Outfits besorgt. - Eine halbe Stunde später stieg Marina in die langen Seidenstrümpfe und den Latexbody, zog darüber noch ein Korsett und ein Röckchen, ein Halsband und Overkneestiefel. Sie hatte lange üben müssen, um darin stolzieren zu können. 15 Zentimeter hohe Absätze benötigten Training. Ihre brünetten, gelockten Haare hatte sie locker zusammengebunden, so dass sie auf dem Rücken lagen. Mit einem Handgriff konnte sie das Band lösen und ihre Mähne schütteln.

Es war keine Tätigkeit, auf die sie sich freute. Aber sie verdiente damit mehr, als sie es jemals mit der Fabrikarbeit tun würde. Außerdem: Hatte sie eine Wahl? - Die größte Angst war, an einen gewaltigen Typen zu geraten. Erniedrigen konnte man sie nicht. Nicht mehr. Aber Schmerzen wollte sie nicht erleiden. Und doch wusste sie, dass sie dem Kunden gefallen musste und ihm jeden Wunsch erfüllen würde, damit er sich nicht über sie beschwerte. John, der Cousin ihres Chefs, fuhr sie mit seinem gepanzerten Geländewagen zum Eingang des eingezäunten Habitatgrundstücks. Männer in schwarzen Securityuniformen, schwer bewaffnet, standen bereit, jeden Versuch eines gewaltsamen Durchbruchs zu unterbinden. Der Pförtner las die DNA der Personen. Anschließend zahlte John eine „Gebühr‟. Dann durfte Marina aussteigen und zum Haupteingang im Erdgeschoss des riesigen Gebäudekomplexes staksen.

Sie trug einen langen Mantel über ihrem aufreizenden Dress, um nicht unnötig aufzufallen. Gerade rechtzeitig erreichte sie die Drehtür, bevor ein Hagelschauer vom dunklen Himmel herabstürzte. Am Empfang meldete sie sich an und wurde dann zu einem Lift geschickt. Marina fuhr in den 75. Stock und lief den langen Korridor entlang. Zu ihrer Erleichterung gab es hier Laufbänder, so dass sie nicht so viele Schritte machen musste. In diesem Flügel von Star 3 war sie bisher nie gewesen. Hier wohnten nur wenige Mitglieder der Noxius-Bruderschaft, sondern in erster Linie Migranten aus diversen Welten der Vereinigten Allianz. Das konnte alles und nichts bedeuten. Sie hatte keine Ahnung, was sie erwartete.

Bald erreichte sie das Apartment 1365. Die Türen sahen alle gleich aus, und die Nummerierung wurde von einer neongrünen Leuchte wiedergegeben. Sie berührte kurz die Oberfläche, um ein Signal zu senden. Icebergs Puls erhöhte sich. Sie war da! Mit einer Geste öffnete er die Wohnungstür. Wow, konnte er nur denken. Was für eine Granate! Und die kam aus den Slums? War wohl voher gehörig gewaschen worden. „Komm rein.‟ Er fragte nicht danach, wie sie hieß. Sie würde eh irgendeinen Fantasienamen nennen. Weil er keine besonderen Wünsche angemeldet hatte, spulte sie das 08/15-Programm ab. Doch das war alles andere als langweilig.

Marina verstand es, einem Mann einzuheizen. Jede Geste, jede Mimik, jede Bewegung mit ihrem Body war erotische Choreografie vom Feinsten. Iceberg war schon nach der ersten Stunde bedient, aber die Liebesdienerin schaffte es, seine Lust erneut zu entfachen und zu sättigen, ein drittes Mal zu entfesseln und wieder zu füttern und zu nähren... Die drei Stunden waren vergangen wie im Fluge. Iceberg betrachtete die Frau mit glasigen Augen, bewundernd, staunend, zufrieden. Marina zog sich wortlos den Mantel über und wollte gehen. Ihr Freier hielt sie am Handgelenk fest. „Warte!‟ Er zog sich einen Slip an und stand auf. „Hast du Hunger? Möchtest du irgendwas?‟ Er hätte auch einen Dilithiumstreifen, aber er vermutete zu recht, dass ihr „Boss‟ ihr den wieder abnehmen würde. Marina überlegte. Das hatte ihr noch nie ein Kerl angeboten. Zögerlich nickte sie.

Sie hatte in der Tat ein Magenknurren. Die karge Kost, die ihr zu Hause zur Verfügung stand, war Galaxien entfernt von dem Reichtum der Nahrungsauswahl, die es im Habitat gab. Iceberg öffnete zischend die Kühlschranktür und bot ihr die freie Auswahl. „Du kannst dir auch etwas warmmachen.‟ Marina griff fast wahllos nach Produkten und futterte sie in sich hinein. Iceberg staunte nicht schlecht. So eine dünne Frau konnte so viel verputzen? Schließlich verabschiedete sich die Frau scheu. Ihr Verhalten passte so gar nicht mehr zu ihrer selbstbewussten Erotikdarbietung.

Der Mann fühlte sich befriedigt und entspannt. Wunderbar! So günstig so eine Nummer schieben... Und was für eine! Das Preis-Leistungsverhältnis ließ sich mehr als sehen, kam der ehemalige CEO zu einem positiven Fazit. Sollte er nun in seinem Gelbett liegen, Musik hören und die Massagefunktion einstellen? Oder sich lieber ins Getümmel im Entertainmentbereich stürzen? Es gab reichlich Showangebote, die für Kurzweil sorgten. Die Veranstaltungen streamten ihre Vorstellungen auch, aber Iceberg wollte live und in persona dabei sein. Er zog sich um und spazierte zum Lift.

Die Studios für die Shows breiteten sich auf einem gesamten Stockwerk von Star 3 aus. Iceberg informierte sich über einen Touchscreen über das Angebot des heutigen Tages: eine Quizshow, eine Sportveranstaltung mit „Os-Frangi‟-Athleten, die sich in der waffenlosen Kampfsportart, die eine Mischung aus Ringen, Blocktechniken und Schlägen bot, maßen, dann ein Wettbewerb in diversen Virtuality-Games, eine Kuppelshow, bei der die Partner jeweils auf perfide Art in Versuchung geführt wurden, und dann war da noch „Castitas oder Luxuria – die ultimative Show‟. Das hörte sich interessant an. Castitasschellen waren doch diese Keuschheitskäfige, erinnerte er sich, die vom Planeten Regina kamen und inzwischen auch in feministischen Matriarchaten in der VA genutzt wurden.

Er folgte den holografischen Wegweiserpfeilen und setzte sich zu etwa zweihundert anderen Zuschauern in den dunklen Publikumsraum. Vor ihm war eine Bühne grell ausgeleuchtet. Anfangs kämpften zehn Kandidaten gegeneinander, die sich aus den Slums rekrutierten. Die Männer trugen nur knappe schwarze Latexshorts. Sie traten in diversen Disziplinen an. Die glitschige Treppe, Boxen mit Schwindel, Dildo-Eiswettlutschen, Spanking mit simultanem Singen des Delinquenten, im Zweierteam Wettlauf auf allen Vieren mit reitender Person und Gerte, Seilschwingen über heißem Wasser, der Stromstuhl. Es gab beinahe wöchentlich neue Spiele.

Nach und nach schieden die Kontrahenten aus und wurden in Castitasschellen geschlossen. Nur der Gesamtsieger erhielt eine hohe Prämie und durfte das Slum für immer verlassen. Die Castitasschellen würden erst nach zehn Jahren geöffnet. Noch hatte das aber niemand erlebt, denn die Show gab es erst seit acht Jahren, und die verringerte Lebenserwartung in den Slums sorgte für das Übrige. Die kurzweilige Unterhaltung ließ Iceberg für einen Moment seine Gedanken an die losgelassenen Androiden mit dem gefährlichen evolutionären Programmmodul vergessen.

Animus hatte sich als Erzpilot wieder eingelebt. Er flog zwar nicht die alte Magna Nuntia, die wegen umfangreicher Reparaturen in der Werft lag, aber er hatte als Co-Piloten Ricky McCoy dabei, den er schon damals nicht leiden konnte. Vielleicht war es einfach nur ein Sch****zvergleich wegen Flosa, aber die Männer mussten nun zusammenarbeiten und erfüllten ihre Aufgaben professionell. Arbeit war Arbeit, und Schnaps war Schnaps. Privat würden sie sich eher aus dem Weg gehen.

Animus betätigte einen Sicherheitsschalter, um die Triebwerke starten zu können. „Systemcheck?‟ McCoy tippte auf einem Touchpad. „Alles OK.‟ Animus klackte eine Reihe von fünf Schaltern herunter. „Status Hilfstriebwerk?‟ McCoy las die Daten aus. „91 Prozent...95...99... 100. Vollschub möglich.‟ Der Pilot startete den Reaktorantrieb. Das Schiff löste sich vom Boden. Die Stützrampen fuhren ein. Langsam gewannen sie an Höhe, bevor Animus das Haupttriebwerk zünden konnte. Mit dem neuen Schiff der Prospect Enterprises würden sie zwar nur die Hälfte der Ladung transportieren können, waren aber trotzdem schneller. Und sicher unterwegs, wie Animus erfreut festgestellt hatte, als Mr. Carthy ihm das Schiff vorgeführt hatte. Die Eisen-Wolfram-Legierung und eine hochmoderne Nanoschicht der Pilotenkanzel sorgte für Schutz der Besatzung auch bei schweren Unfällen.

Trotz der inzwischen auch in zivilen Kreisen bekannt gewordene Gefahr einer Invasion aus dem Alpha Dominion war Prospect Enterprises noch unverändert auf Regina tätig. Und das sollte auch bis zum Kriegsausbruch so bleiben, hatte der Konzernchef betont. Zu einem Plan B hielt er sich bedeckt. Wollte er die Firma nach Pax Novo oder Beta Patria verlegen? Dazu müssten dort genug Erzminen existieren. Doch diese Form der Bodenschatzförderung hatte keine Zukunft. Nur Helium 3 war noch suffizient zukunftsorientiert, um in das Geschäft einzusteigen. Aber viel wahrscheinlicher war es, dass Prospect Enterprises zerschlagen würde.

Das waren alles Dinge, auf die Animus als kleiner Angestellter keinen Einfluss hatte. Er machte seinen Job und würde, sobald die AD vor der Tür stand, emigrieren und in ein weit entferntes Sol-System reisen. Erst von Regina zum Pugnator gemacht, dann als VA-Armeeangehöriger gedient – er hatte genug von militärischen Einsätzen. - Inzwischen war das Schiff auf Flughöhe für das Haupttriebwerk. Auf einem holografischen Screen vor seiner Kanzelscheibe las er die Daten der Fluganalyse. Die Wetterlage verlangte die Aktivierung der Stabilisatoren am Schiffsrumpf. Auf der Magna Nuntia wären die Männer nun ordentlich durchgeschüttelt worden; auf dem modernen Frachter war bis auf ein dezentes Vibrieren nichts zu spüren.

Gravis hatte sich derweil von der multipelen Zwangsentsamung erholt. Mehrere Tage lang hatte er seinen Phallus geschont, bevor er selbst Hand anlege. Inzwischen konnte er seine Ejakulation wieder genießen und war froh, dass der „Spezialist‟ ihn von der konvexen Castitasprothese befreit hatte. Jetzt musste er nur noch einen Weg finden, um die Nanoelektroden an seinen Hoden loszuwerden. Mr. Carthy hatte ihm freundlicherweise zwei Hightech-Audifone besorgt, die Gravis nun im Mittelohr trug. Diese kleinen Geräte waren mit einer intelligenten Software ausgestattet und überdeckten Schimpfwörter einfach mit weißem Rauschen – solange sie auf der Programmliste standen, aber das waren mehr, als das Munus Universe 100 kannte und in Strafimpulse umsetzte. Selbst seine eigenen ausgesprochenen Fäkalausdrücke hörte er nicht mehr. So frei hatte er sich schon lange nicht mehr gefühlt!

Er ging zufrieden seiner neuen Arbeit im Securitybereich von PE nach und absolvierte seine Trainingseinheiten im Gym, wo er stets von den anderen Männern bestaunt wurde. Jetzt erinnerte ihn kaum noch etwas an seine unfreie Zeit als Custos oder Spielzeug der Praefecta Audaxa, die seinen Körper auf Fortuna für ihren Muskelfetisch noch weiter hypertrophieren hatte lassen, bis er 175 kg wog. Die beiden großen Brustringe trug er mittlerweile freiwillig, und für eine Laserbehandlung seines Hinterns, um das Familienwappen der Audaxa zu entfernen, hatte er einfach noch keine Zeit gefunden.

Er hatte gerade im Gym Tonnen von Eisen gestemmt – er liebte die alten Harcore-Studios, nicht diese modernen Magnet- oder Bar-Geräte, war duschen gegangen (eine echte H2O-DUSCHE) und kam nun nackt und frisch rasiert aus dem benebelten Raum, um sich frische Sachen anzuziehen. Mit einer Geste der Hand aktivierte er den Newsfeed an der Wand. Sichtlich besorgt berichtete ein Pressesprecher der Armee von konkreten Schiffsbewegungen am Rand der VA aus Richtung Alpha Dominion. Ein Balken mit Laufschrift blinkte unten an der Darstellung und informierte, dass die Armee in Alarmbereitschaft gesetzt worden war. Die groß angelegte Invasion war also tatsächlich angelaufen.

Gravis schaltete von einem Kanal zum nächsten. Experten redeten durcheinander, Nachrichtensprecher zitierten die Regierung, es wurden Verhaltenstipps für die Bevölkerung gegeben. Grafiken zeigten die Bündnisse und den mutmaßlichen Frontverlauf. Letzte diplomatische Kontakte mit einem Sonderbotschafter sollten eine Aggression verhindern. Doch schon jetzt dachte man offen über eine Evakuierung von Regina nach. Munuswesen und Feministinnen im Untergrund wurden davon ausgeschlossen. Die VA mobilisierte mehr und mehr Schiffe auf den Planeten. Die Majorität war noch im Orbit von Mare Mutus geparkt. Aber der Hohe Rat auf Beta Patria hatte die klare Richtlinie herausgegeben, dass Regina nicht in die Hände des Feindes fallen durfte.

Der Muskelmutant versuchte Animus zu erreichen, der unterwegs zu einer Erzmine war, doch die Frequenzen waren blockiert. Das Militär hatte sie übernommen. - Späherschiffe der VA, die ins AD eingedrungen waren, galten als verschollen. Vermutlich waren sie gekapert worden. Nun blieben nur noch die transstellaren Hochleistungsabhöreinrichtungen auf Beta Patria übrig, um die feindlichen Bewegungen zu erkennen. Die meisten davon bildeten eine gewaltige Phalanx aus pentagonalen Bipyramiden im Orbit des Planeten innerhalb einer militärischen Sperrzone.

Eine Stunde später kontaktierte Mr. Carthy seinen Vorstand, um über die Zukunft des Unternehmens zu sprechen. Es war eine eilig einberufene Krisensitzung. Wie konnte die wertvollste Hardware zügig und sicher transportiert werden? Welche Logistik war nötig, um die Lager mit den verarbeiteten Stoffen zu leeren? Den größten Wert der Firma stellten Daten und Formeln dar, die leicht codiert transferiert werden konnten. Mr. Carthy glaubte nicht mehr daran, dass die AD noch aufgehalten werden konnte. Man munkelte von unvorstellbaren Cyborgmassen und einer nie dagewesenen Flotte neuester Angriffskreuzer.

Wenn er noch einige Tage länger wartete, konnte es sein, dass die Regierung seine Frachter konfiszierte, um damit Personen auszufliegen. Doch dann würde die sämtliche Produktion in die Fänge des AD fallen. Er musste eine Entscheidung treffen. Die Produktion war wichtig, um Prospect Enterprises zu retten. Dann würden noch maximal die Angestellten der Firma Platz an Bord finden – selbstverständlich ohne Gepäck. - Im Hauptgebäude des Unternehmens sprach sich schnell herum, dass etwas im Busch war. Wie viele Leute würden ihren Job verlieren? Und dann war offiziell: Geräteparks, Robotunits, Maschinen und Rechneranlagen wurden demontiert und verpackt. Die voluminösen Erzmodule füllten sich mit Containern und Kanistern, Fässern und Transportboxen. Die Security hatte dabei viel zu tun, damit nichts von der wertvollen Fracht verschwand. Gravis beäugte dabei die Arbeiter, die die Laderoboter bedienten, als wären sie der Feind.

Nur drei Tage später war die Kolonne aus mehreren Schiffen bereit für den definitiven Abflug. Mr. Carthy tippte die Countdownaktivierung der Detonationsmikrosprengsätze ein. Im Nachhinein sollte das AD nicht in den übriggebliebenen Anlagenteilen Wirtschaftsspionage betreiben können. Außerdem sollte die Infrastruktur zerstört werden. Auf einem großen Monitor sahen Mr. Carthy und der Vorstand, wie das Gelände von Prospect Enterprises in sich zusammensog und eine gewaltige Staubkugel hinterließ. - Sie waren keinen Tag zu früh aufgebrochen, denn die Regierung begann mit den Evakuierungen der Bevölkerung nur wenige Stunden später. Breaking News verbreiteten die Hiobsbotschaft: „Feindkontakt! Wir sind im Krieg!‟



Viele Grüße von prallbeutel
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Meine Geschichten:
+++ Die gemeine Miriam +++ Das Unzuchts-Komplott +++ Im Reich der Megara +++ Die Nachtschicht seines Lebens +++ Optional Genetics +++ Venus +++ Regina +++
Meine Kurzgeschichten:
+++ Ralfs neues Leben +++ Das Gespräch im Regen +++ Der auferstandene Engel +++ Seine Nummer Eins +++ Amour Libre +++ Die Erben +++ Aller guten Dinge sind drei +++ Das Abschiedspräsent +++ Natascha +++ Friday Talk +++ Tims Schicksal +++

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