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prallbeutel Volljährigkeit geprüft
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Licentia poetica

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  RE: Regina Datum:11.10.19 18:39 IP: gespeichert Moderator melden


~ LXXV ~


Mr. Iceberg hatte ein Apartment in einem Skyhabitat in Atra-City erworben, 200 Quadratmeter groß, im 75. Stockwerk gelegen und luxuriös ausgestattet. Die Gegend war nicht die beste, aber dafür war der Kaufpreis entsprechend günstig gewesen, den der windige Makler ihm offeriert hatte. 30 der insgesamt 110 Etagen waren mit anonymen Wohneinheiten belegt. Hier konnte Artus Iceberg ein neues Leben beginnen. Und so lange er über finanzielle Mittel verfügte, würde es ihm hier an nichts fehlen. Er brauchte theoretisch das Habitat nicht mehr zu verlassen. Die Infrastruktur des Gebäudes bot jegliche Dienstleistung.

Das wie ein fünfzackiger Stern in seinem Grundriss geformte Bauwerk befand sich zwar in einem besonders zwielichtigen Außenbezirk von Atra-City, aber ein hauseigener Securitydienst sorgte dafür, das kein Unbefugter die heiligen Hallen betrat. - Inoffiziell war die Metropole in diverse Bezirke aufgeteilt, die jeweils von einer Unterweltorganisation verwaltet wurde. Hier herrschte die Noxius-Bruderschaft. Viele der hier Wohnenden gehörten ihr an oder waren geschäftlich mit ihnen verbunden. Mitglieder anderer Vereinigungen wurden nicht geduldet.

Der Ex-CEO hatte sich ein dekadentes Luxusfestmahl munden lassen, wozu auch ein 44 Jahre alter Rotwein eines Edelweingutes auf Colonia Agricultura gehörte, und bediente nun per Gestensteuerung sein großes Panoramafenster, das mit einer Zoomfunktion ausgestattet war, damit man aus seiner gemütlichen Behausung heraus auf die arme Bevölkerung vor dem Habitat blicken konnte. Zuvor hatte das Fenster eine romantische Wald- und Wiesenlandschaft voller Sonnenschein und Blumen dargestellt; jetzt zeigte es die Realität: einen düsteren Himmel, aus dem saurer Regen tropfte.

Icebergs Wohneinheit lag in einer abgerundeten Spitze der sternförmigen Bauweise, so dass er über einen 270-Grad-Panoramablick verfügte. Im Westen lag das Zentrum von Atra-City mit noch höheren Skyhabitaten. Im Norden war ein Armenviertel mit primitiven Wellblechhütten und alten Industrieanlagen zu sehen. In östlicher Richtung erstreckte sich linker Hand eine Solarplantage mit Kollektoren, rechts davon schloss sich ein Industripark an, der aus diversen Fabriken und Fördertürmen bestand, die Erze und andere Rohstoffe aus dem Boden holten.

Atra Mundo verfügte über große Vorkommen von Erdöl. Die Nachfrage danach war in der VA allerdings seit Jahrzehnten kaum noch vorhanden, aber auf Atra Mundo gab es noch industrielle Anlagen, die mit Verbrennungsmotoren angetrieben wurden, so dass ein Eigenbedarf bestand. Durch das General-Embargo gab es eh keine Im- oder Exporte. - Mr. Iceberg zoomte auf eine Magnetbahn, die ihre besten Tage wohl schon hinter sich hatte, die vollgestopft war mit Arbeitern in zerrissener Kleidung. Sie waren auf dem Weg aus ihren Slums in die Fabriken. Zwölf-Stunden-Tage waren die Norm. Leben konnten sie davon kaum. Er hatte in einer Datenbank nachgelesen, wie exorbitant hoch die Beschaffungskriminalität in den Slums war. Es ging selten um Drogen, sondern oft nur darum, den Magen mit Nahrung zu füllen.

Einige wenige Arbeiter – davon circa 80 Prozent weibliche – schreckten auch nicht davor zurück, sich für Liebesdienste anzubieten. Natürlich hatte für solche Vergnügungen niemand aus den Slums genug finanzielle Mittel, aber für solche Dienstleistungen durften einige akkreditierte Personen Habitate der Reichen und Schönen betreten. Dort lebte die Kundschaft. - Iceberg beendete die Zoomfunktion gerade eine Sekunde zu früh, um einen Tumult in der Magnetbahn zu bemerken, der durch einen Taschendieb entstanden war und zu einer Massenprügelei führte – nichts Ungewöhnliches in der Arbeiterbahn.

Auf dem Fenster erschien stattdessen ein Newsfeed, der aktuelle Nachrichten aus Politik und Wirtschaft aufführte, und dann die meteorologischen Außenwerte angab: Warnung vor ungeschütztem Aufenthalt im Freien. Der ätzende Regen konnte Haut- und Atemreizungen erzeugen, die UVA-Strahlung erreichte einen kritischen Wert der 4,7-fachen Dosis der Standardwerte, und eine Wolke aus ionisierender Strahlung überzog in den nächsten Stunden Atra-City, der man möglichst aus dem Weg gehen sollte, wollte man sein Leben nicht um 20 Jahre verkürzen. Dazu kamen tabellarisch aufgeführte Schadstoffe, die sich in der Atemluft von Atra Mundo befanden. Ihre Werte fluktuierten zwar, waren aber permanent viel zu hoch: Ammoniak, Ozon, Benzol, Feinstaub, Kohlenmonoxid, Schwermetalle wie Blei und einiges mehr, was man nicht in seinen Lungen haben wollte.

Iceberg fragte sich, wie hoch die Lebenserwartung der Arbeiter war, die diesem Giftcocktail tagtäglich ausgesetzt waren. Er aktivierte einen Wandspiegel und betrachtete sich: Äußerlich erinnerte nichts mehr an den CEO von Bionic Industries. Er hatte in den Datenfeeds Videos von der Verstaatlichung des Konzerns gesehen. Nach der Affäre mit dem illegalen Feldversuch der LA667R/222-Androidenreihe mit experimenteller Künstlicher Intelligenz, da war das nicht überraschend gekommen. Er war froh, weit weg zu sein. Und zu allem Chaos prognostizierten die Politikprogramme eine bevorstehende Invasion des Alpha Dominions. Iceberg seufzte. Entweder übernahmen die Maschinen die Macht über alle humanoiden Welten, oder die Lebensformen aus dem AD herrschten demnächst über die Menschen. Schöne neue Welt!

Er würde sich noch ein angenehmes Leben machen, so lange es möglich war. Er trat zu einem weißen Panel und klickte auf einen grünen Punkt. Die Wand fuhr zur Seite und öffnete einen überdimensionalen Kühlschrank, voll mit erlesener Feinkost. Trotz der opulenten Auswahl fehlten ihm einige Lieblingsgetränke und Nahrungsmittel. Auf einem Touchpad erfasste er seine Wünsche. Das Programm versprach Lieferung innerhalb eines Tagesablaufs. Iceberg überlegte. Betrug der hier auch 24 Stunden wie der terrestrische Standard in der VA? Er hatte in Erinnerung, dass der Tag auf Atra Mundo 26 Stunden hatte. Aber vielleicht täuschte er sich auch. Er nahm sich eine Tüte mit karamellisierten Nüssen aus einem der Fächer und kippte sich eine Fuhre nach der anderen in den Mund. Als Herkunftsort stand auf der Verpackung: Colonia Agricultura. Er fragte sich, wie die vielen Produkte importiert werden konnten, denn die Sanktionen der VA verhinderten dies – zumindest offiziell.

Iceberg scrollte durch die aktuellen Animationsfilme des Entertainmentprogramms, fand aber nichts, was ihn interessierte. Er zog sich einen Kurzmantel über und verließ sein Apartment, um das gewaltige Habitat zu erkunden. Hier funktionierten DNA-Schlösser, so dass er keine Magnetkarte mit sich nehmen musste. Er hörte, wie hinter sich die Eingangstür zuklackte und einen Piepston abgab. Auf dem Laufband kam er zügig die endlos erscheinenden Korridore entlang zu einem Lift. Ein holografischer Wegweiser zeigte an, was sich auf welcher Etage befand. Iceberg konnte mit dem Finger von einer Etage zur nächsten wischen: Gastronomie, Einkaufszentrum, Casino, Technisches Handwerk, Verwaltung, Travelorganisation, medizinische Abteilung, Wellness und Sport, Entertainment, Datenzentrum.

Er tippte diverse Felder an, um Details aufzurufen. Unter „Travelorganisation“ zum Beispiel verstand man die Dach- und Balkonlandeplätze, von denen man mit Quadrocoptern zu anderen Habitaten oder Orten auf Atra Mundo fliegen konnte. Fast sämtliche Logistik wurde per Luftverkehr durchgeführt, um die Gefahr eines Überfalls zu minimieren. - Hinter dem Tastenfeld „Entertainment“ verbarg sich ein immenses Angebot an Unterhaltung. Auch Erwachsenenamüsements gehörten dazu. Iceberg lächelte. Nach der geilen Nummer in dem Hotel vor einigen Tagen, hätte er durchaus wieder Interesse an jungem Frischfleisch. Er tippte auf den kryptischen Unterpunkt „Lustbarkeit“. Es falteten sich mehrere Felder auf: interaktives Holo, Voyeurcam, Virtual Reality Suit, Specials. Iceberg sinnierte: Was konnte Specials heißen? Sollte er das Feld aktivieren?

Er drückte drauf, aber nichts geschah. Das Touchpad gab nur Informationen über die Dienstleistungsstruktur wieder. Buchen musste er in der entsprechenden Abteilung, um mit seiner DNA zu bezahlen. Also fuhr er mit dem Lift in den Entertainmentbereich. - Als er an den Empfang kam, dachte er im ersten Augenblick, eine Androidin vor sich zu haben, aber dann fiel ihm ein, dass auf Atra Mundo keine Cyborgs oder Androiden eingesetzt wurden. Die Frau war stark geschminkt, und ihre Haut wirkte aufgedunsen wie durch zu viele kosmetische Optimierungen, Auch ihre Augen glänzten merkwürdig wie durch einen Beautyfilter erzeugt. Aber vielleicht wirkte es nur durch den transparenten Visor so, den sie trug. Die Brüste waren verhältnismäßig groß, die Taille dabei in einem Korsett so eng zusammengeschnürt, dass er sich fragte, ob die Frau noch alle Rippen hatte.

„Einen charmanten Tag! Was darf ich für Sie tun?‟ Sogar ihre helle Stimme wirkte aufgesetzt und irgendwie steril. Iceberg räusperte sich. „Ich äh, suche zum Thema Lustbarkeit etwas.‟ Die Frau lächelte unverbindlich. „Erotikbereich? Möchten Sie passiv oder interaktiv sein?‟ Iceberg merkte, wie seine Stimme vor Nervosität heiser wurde. „Kann ich auch Besuch bekommen?‟ Plötzlich änderte sich der Gesichtsausdruck der Frau. „Warum sagen Sie das nicht gleich? Was suchen Sie speziell?‟ Iceberg fühlte ein Kratzen im Hals und räusperte sich umständlich. „Eine... weibliche... Begleitung?‟ Die Frau legte ihr Headset ab und tippte auf einem Tablet herum, das sie unter der Theke liegen hatte. „Weiblich... Weiter?‟ Iceberg sah sie fragend an. Die Frau zählte auf: „Optik? Alter? Spezielle Merkmale? Vorlieben?‟ Iceberg staunte. „Das kann ich mir alles zusammenstellen lassen?‟ Bei Androidinnen würde das sicherlich kein Problem bereiten, aber hier gab es nur Humanoide. Hatten die so viele „Angestellte‟, dass die Auswahl so groß war?

Er fing an: „Nun... So 20 bis 25 Jahre wäre gut. Äh, lange Haare, schlank. Na ja, sie sollte Erfahrung haben damit, wie man einen Mann... verwöhnt.‟ Die Frau tippte und zuckte mit den Achseln. „Kein Problem. Ist ja nicht gerade ausgefallen.‟ Sie schüttelte amüsiert den Kopf. „Vor ein paar Wochen war einer hier, der wollte...‟ Sie winkte ihn zu sich und flüsterte ihm etwas ins Ohr. Iceberg spürte, wie ihm sein Mageninhalt hochkommen wollte. Die Frau meinte ungerührt: „Tja, auch das haben wir besorgen können. Hat natürlich extra gekostet.‟ Sie sah ihn an. „Sie können doch zahlen?‟ Iceberg nickte. Die Frau verlangte Vorkasse und scannte die DNA an der Haut seiner rechten Hand. Schon war ein Betrag anonym überwiesen. In zwei Stunden würde die Besucherin eintreffen. Drei Stunden hatte er mit ihr gebucht. Die Frau bot an, ihm ein Foto zu zeigen, aber Iceberg wollte sich überraschen lassen. Eine echte Humanoide! Keine Androidin und erst recht keine Simulation.

Keine fünf Minuten später erhielt eine junge Frau mit langen brünetten Haaren, die einen schmutzigen Arbeitsoverall trug und an einem Fließband in einer düsteren Halle Metallteile zusammensetzte, Besuch von ihrem Vorarbeiter. „Ey! Marina! Komm mal her!‟ Die Frau wischte sich die ölverschmierten Finger an einem nicht viel saubereren Lappen ab und kam zu dem Mann. Er erklärte ihr, dass ihre Schicht für heute beendet wäre. „Du bist in zwei Stunden gebucht. Für drei Stunden. Habitat Star 3, Apartement 75-1365. Geh dich waschen und schminken und umziehen. Denk dran: 60 Prozent für mich, weil ich dir das ermögliche. Gib dir Mühe, Mädchen!‟ Verschüchtert eilte sie durch ein verdrecktes Stahlschott davon. Sie war voller wirrer und ambivalenter Gefühle. Eine kostbare H2O-Dusche, Seife, Parfüm, saubere Kleidung... Aber dann... Die Kleider gehörten ihr natürlich nicht.

Der Vorarbeiter und sein Cousin, der sie zum Habitat bringen würde, hatten für insgesamt acht junge Frauen sexy Outfits besorgt. - Eine halbe Stunde später stieg Marina in die langen Seidenstrümpfe und den Latexbody, zog darüber noch ein Korsett und ein Röckchen, ein Halsband und Overkneestiefel. Sie hatte lange üben müssen, um darin stolzieren zu können. 15 Zentimeter hohe Absätze benötigten Training. Ihre brünetten, gelockten Haare hatte sie locker zusammengebunden, so dass sie auf dem Rücken lagen. Mit einem Handgriff konnte sie das Band lösen und ihre Mähne schütteln.

Es war keine Tätigkeit, auf die sie sich freute. Aber sie verdiente damit mehr, als sie es jemals mit der Fabrikarbeit tun würde. Außerdem: Hatte sie eine Wahl? - Die größte Angst war, an einen gewaltigen Typen zu geraten. Erniedrigen konnte man sie nicht. Nicht mehr. Aber Schmerzen wollte sie nicht erleiden. Und doch wusste sie, dass sie dem Kunden gefallen musste und ihm jeden Wunsch erfüllen würde, damit er sich nicht über sie beschwerte. John, der Cousin ihres Chefs, fuhr sie mit seinem gepanzerten Geländewagen zum Eingang des eingezäunten Habitatgrundstücks. Männer in schwarzen Securityuniformen, schwer bewaffnet, standen bereit, jeden Versuch eines gewaltsamen Durchbruchs zu unterbinden. Der Pförtner las die DNA der Personen. Anschließend zahlte John eine „Gebühr‟. Dann durfte Marina aussteigen und zum Haupteingang im Erdgeschoss des riesigen Gebäudekomplexes staksen.

Sie trug einen langen Mantel über ihrem aufreizenden Dress, um nicht unnötig aufzufallen. Gerade rechtzeitig erreichte sie die Drehtür, bevor ein Hagelschauer vom dunklen Himmel herabstürzte. Am Empfang meldete sie sich an und wurde dann zu einem Lift geschickt. Marina fuhr in den 75. Stock und lief den langen Korridor entlang. Zu ihrer Erleichterung gab es hier Laufbänder, so dass sie nicht so viele Schritte machen musste. In diesem Flügel von Star 3 war sie bisher nie gewesen. Hier wohnten nur wenige Mitglieder der Noxius-Bruderschaft, sondern in erster Linie Migranten aus diversen Welten der Vereinigten Allianz. Das konnte alles und nichts bedeuten. Sie hatte keine Ahnung, was sie erwartete.

Bald erreichte sie das Apartment 1365. Die Türen sahen alle gleich aus, und die Nummerierung wurde von einer neongrünen Leuchte wiedergegeben. Sie berührte kurz die Oberfläche, um ein Signal zu senden. Icebergs Puls erhöhte sich. Sie war da! Mit einer Geste öffnete er die Wohnungstür. Wow, konnte er nur denken. Was für eine Granate! Und die kam aus den Slums? War wohl voher gehörig gewaschen worden. „Komm rein.‟ Er fragte nicht danach, wie sie hieß. Sie würde eh irgendeinen Fantasienamen nennen. Weil er keine besonderen Wünsche angemeldet hatte, spulte sie das 08/15-Programm ab. Doch das war alles andere als langweilig.

Marina verstand es, einem Mann einzuheizen. Jede Geste, jede Mimik, jede Bewegung mit ihrem Body war erotische Choreografie vom Feinsten. Iceberg war schon nach der ersten Stunde bedient, aber die Liebesdienerin schaffte es, seine Lust erneut zu entfachen und zu sättigen, ein drittes Mal zu entfesseln und wieder zu füttern und zu nähren... Die drei Stunden waren vergangen wie im Fluge. Iceberg betrachtete die Frau mit glasigen Augen, bewundernd, staunend, zufrieden. Marina zog sich wortlos den Mantel über und wollte gehen. Ihr Freier hielt sie am Handgelenk fest. „Warte!‟ Er zog sich einen Slip an und stand auf. „Hast du Hunger? Möchtest du irgendwas?‟ Er hätte auch einen Dilithiumstreifen, aber er vermutete zu recht, dass ihr „Boss‟ ihr den wieder abnehmen würde. Marina überlegte. Das hatte ihr noch nie ein Kerl angeboten. Zögerlich nickte sie.

Sie hatte in der Tat ein Magenknurren. Die karge Kost, die ihr zu Hause zur Verfügung stand, war Galaxien entfernt von dem Reichtum der Nahrungsauswahl, die es im Habitat gab. Iceberg öffnete zischend die Kühlschranktür und bot ihr die freie Auswahl. „Du kannst dir auch etwas warmmachen.‟ Marina griff fast wahllos nach Produkten und futterte sie in sich hinein. Iceberg staunte nicht schlecht. So eine dünne Frau konnte so viel verputzen? Schließlich verabschiedete sich die Frau scheu. Ihr Verhalten passte so gar nicht mehr zu ihrer selbstbewussten Erotikdarbietung.

Der Mann fühlte sich befriedigt und entspannt. Wunderbar! So günstig so eine Nummer schieben... Und was für eine! Das Preis-Leistungsverhältnis ließ sich mehr als sehen, kam der ehemalige CEO zu einem positiven Fazit. Sollte er nun in seinem Gelbett liegen, Musik hören und die Massagefunktion einstellen? Oder sich lieber ins Getümmel im Entertainmentbereich stürzen? Es gab reichlich Showangebote, die für Kurzweil sorgten. Die Veranstaltungen streamten ihre Vorstellungen auch, aber Iceberg wollte live und in persona dabei sein. Er zog sich um und spazierte zum Lift.

Die Studios für die Shows breiteten sich auf einem gesamten Stockwerk von Star 3 aus. Iceberg informierte sich über einen Touchscreen über das Angebot des heutigen Tages: eine Quizshow, eine Sportveranstaltung mit „Os-Frangi‟-Athleten, die sich in der waffenlosen Kampfsportart, die eine Mischung aus Ringen, Blocktechniken und Schlägen bot, maßen, dann ein Wettbewerb in diversen Virtuality-Games, eine Kuppelshow, bei der die Partner jeweils auf perfide Art in Versuchung geführt wurden, und dann war da noch „Castitas oder Luxuria – die ultimative Show‟. Das hörte sich interessant an. Castitasschellen waren doch diese Keuschheitskäfige, erinnerte er sich, die vom Planeten Regina kamen und inzwischen auch in feministischen Matriarchaten in der VA genutzt wurden.

Er folgte den holografischen Wegweiserpfeilen und setzte sich zu etwa zweihundert anderen Zuschauern in den dunklen Publikumsraum. Vor ihm war eine Bühne grell ausgeleuchtet. Anfangs kämpften zehn Kandidaten gegeneinander, die sich aus den Slums rekrutierten. Die Männer trugen nur knappe schwarze Latexshorts. Sie traten in diversen Disziplinen an. Die glitschige Treppe, Boxen mit Schwindel, Dildo-Eiswettlutschen, Spanking mit simultanem Singen des Delinquenten, im Zweierteam Wettlauf auf allen Vieren mit reitender Person und Gerte, Seilschwingen über heißem Wasser, der Stromstuhl. Es gab beinahe wöchentlich neue Spiele.

Nach und nach schieden die Kontrahenten aus und wurden in Castitasschellen geschlossen. Nur der Gesamtsieger erhielt eine hohe Prämie und durfte das Slum für immer verlassen. Die Castitasschellen würden erst nach zehn Jahren geöffnet. Noch hatte das aber niemand erlebt, denn die Show gab es erst seit acht Jahren, und die verringerte Lebenserwartung in den Slums sorgte für das Übrige. Die kurzweilige Unterhaltung ließ Iceberg für einen Moment seine Gedanken an die losgelassenen Androiden mit dem gefährlichen evolutionären Programmmodul vergessen.

Animus hatte sich als Erzpilot wieder eingelebt. Er flog zwar nicht die alte Magna Nuntia, die wegen umfangreicher Reparaturen in der Werft lag, aber er hatte als Co-Piloten Ricky McCoy dabei, den er schon damals nicht leiden konnte. Vielleicht war es einfach nur ein Sch****zvergleich wegen Flosa, aber die Männer mussten nun zusammenarbeiten und erfüllten ihre Aufgaben professionell. Arbeit war Arbeit, und Schnaps war Schnaps. Privat würden sie sich eher aus dem Weg gehen.

Animus betätigte einen Sicherheitsschalter, um die Triebwerke starten zu können. „Systemcheck?‟ McCoy tippte auf einem Touchpad. „Alles OK.‟ Animus klackte eine Reihe von fünf Schaltern herunter. „Status Hilfstriebwerk?‟ McCoy las die Daten aus. „91 Prozent...95...99... 100. Vollschub möglich.‟ Der Pilot startete den Reaktorantrieb. Das Schiff löste sich vom Boden. Die Stützrampen fuhren ein. Langsam gewannen sie an Höhe, bevor Animus das Haupttriebwerk zünden konnte. Mit dem neuen Schiff der Prospect Enterprises würden sie zwar nur die Hälfte der Ladung transportieren können, waren aber trotzdem schneller. Und sicher unterwegs, wie Animus erfreut festgestellt hatte, als Mr. Carthy ihm das Schiff vorgeführt hatte. Die Eisen-Wolfram-Legierung und eine hochmoderne Nanoschicht der Pilotenkanzel sorgte für Schutz der Besatzung auch bei schweren Unfällen.

Trotz der inzwischen auch in zivilen Kreisen bekannt gewordene Gefahr einer Invasion aus dem Alpha Dominion war Prospect Enterprises noch unverändert auf Regina tätig. Und das sollte auch bis zum Kriegsausbruch so bleiben, hatte der Konzernchef betont. Zu einem Plan B hielt er sich bedeckt. Wollte er die Firma nach Pax Novo oder Beta Patria verlegen? Dazu müssten dort genug Erzminen existieren. Doch diese Form der Bodenschatzförderung hatte keine Zukunft. Nur Helium 3 war noch suffizient zukunftsorientiert, um in das Geschäft einzusteigen. Aber viel wahrscheinlicher war es, dass Prospect Enterprises zerschlagen würde.

Das waren alles Dinge, auf die Animus als kleiner Angestellter keinen Einfluss hatte. Er machte seinen Job und würde, sobald die AD vor der Tür stand, emigrieren und in ein weit entferntes Sol-System reisen. Erst von Regina zum Pugnator gemacht, dann als VA-Armeeangehöriger gedient – er hatte genug von militärischen Einsätzen. - Inzwischen war das Schiff auf Flughöhe für das Haupttriebwerk. Auf einem holografischen Screen vor seiner Kanzelscheibe las er die Daten der Fluganalyse. Die Wetterlage verlangte die Aktivierung der Stabilisatoren am Schiffsrumpf. Auf der Magna Nuntia wären die Männer nun ordentlich durchgeschüttelt worden; auf dem modernen Frachter war bis auf ein dezentes Vibrieren nichts zu spüren.

Gravis hatte sich derweil von der multipelen Zwangsentsamung erholt. Mehrere Tage lang hatte er seinen Phallus geschont, bevor er selbst Hand anlege. Inzwischen konnte er seine Ejakulation wieder genießen und war froh, dass der „Spezialist‟ ihn von der konvexen Castitasprothese befreit hatte. Jetzt musste er nur noch einen Weg finden, um die Nanoelektroden an seinen Hoden loszuwerden. Mr. Carthy hatte ihm freundlicherweise zwei Hightech-Audifone besorgt, die Gravis nun im Mittelohr trug. Diese kleinen Geräte waren mit einer intelligenten Software ausgestattet und überdeckten Schimpfwörter einfach mit weißem Rauschen – solange sie auf der Programmliste standen, aber das waren mehr, als das Munus Universe 100 kannte und in Strafimpulse umsetzte. Selbst seine eigenen ausgesprochenen Fäkalausdrücke hörte er nicht mehr. So frei hatte er sich schon lange nicht mehr gefühlt!

Er ging zufrieden seiner neuen Arbeit im Securitybereich von PE nach und absolvierte seine Trainingseinheiten im Gym, wo er stets von den anderen Männern bestaunt wurde. Jetzt erinnerte ihn kaum noch etwas an seine unfreie Zeit als Custos oder Spielzeug der Praefecta Audaxa, die seinen Körper auf Fortuna für ihren Muskelfetisch noch weiter hypertrophieren hatte lassen, bis er 175 kg wog. Die beiden großen Brustringe trug er mittlerweile freiwillig, und für eine Laserbehandlung seines Hinterns, um das Familienwappen der Audaxa zu entfernen, hatte er einfach noch keine Zeit gefunden.

Er hatte gerade im Gym Tonnen von Eisen gestemmt – er liebte die alten Harcore-Studios, nicht diese modernen Magnet- oder Bar-Geräte, war duschen gegangen (eine echte H2O-DUSCHE) und kam nun nackt und frisch rasiert aus dem benebelten Raum, um sich frische Sachen anzuziehen. Mit einer Geste der Hand aktivierte er den Newsfeed an der Wand. Sichtlich besorgt berichtete ein Pressesprecher der Armee von konkreten Schiffsbewegungen am Rand der VA aus Richtung Alpha Dominion. Ein Balken mit Laufschrift blinkte unten an der Darstellung und informierte, dass die Armee in Alarmbereitschaft gesetzt worden war. Die groß angelegte Invasion war also tatsächlich angelaufen.

Gravis schaltete von einem Kanal zum nächsten. Experten redeten durcheinander, Nachrichtensprecher zitierten die Regierung, es wurden Verhaltenstipps für die Bevölkerung gegeben. Grafiken zeigten die Bündnisse und den mutmaßlichen Frontverlauf. Letzte diplomatische Kontakte mit einem Sonderbotschafter sollten eine Aggression verhindern. Doch schon jetzt dachte man offen über eine Evakuierung von Regina nach. Munuswesen und Feministinnen im Untergrund wurden davon ausgeschlossen. Die VA mobilisierte mehr und mehr Schiffe auf den Planeten. Die Majorität war noch im Orbit von Mare Mutus geparkt. Aber der Hohe Rat auf Beta Patria hatte die klare Richtlinie herausgegeben, dass Regina nicht in die Hände des Feindes fallen durfte.

Der Muskelmutant versuchte Animus zu erreichen, der unterwegs zu einer Erzmine war, doch die Frequenzen waren blockiert. Das Militär hatte sie übernommen. - Späherschiffe der VA, die ins AD eingedrungen waren, galten als verschollen. Vermutlich waren sie gekapert worden. Nun blieben nur noch die transstellaren Hochleistungsabhöreinrichtungen auf Beta Patria übrig, um die feindlichen Bewegungen zu erkennen. Die meisten davon bildeten eine gewaltige Phalanx aus pentagonalen Bipyramiden im Orbit des Planeten innerhalb einer militärischen Sperrzone.

Eine Stunde später kontaktierte Mr. Carthy seinen Vorstand, um über die Zukunft des Unternehmens zu sprechen. Es war eine eilig einberufene Krisensitzung. Wie konnte die wertvollste Hardware zügig und sicher transportiert werden? Welche Logistik war nötig, um die Lager mit den verarbeiteten Stoffen zu leeren? Den größten Wert der Firma stellten Daten und Formeln dar, die leicht codiert transferiert werden konnten. Mr. Carthy glaubte nicht mehr daran, dass die AD noch aufgehalten werden konnte. Man munkelte von unvorstellbaren Cyborgmassen und einer nie dagewesenen Flotte neuester Angriffskreuzer.

Wenn er noch einige Tage länger wartete, konnte es sein, dass die Regierung seine Frachter konfiszierte, um damit Personen auszufliegen. Doch dann würde die sämtliche Produktion in die Fänge des AD fallen. Er musste eine Entscheidung treffen. Die Produktion war wichtig, um Prospect Enterprises zu retten. Dann würden noch maximal die Angestellten der Firma Platz an Bord finden – selbstverständlich ohne Gepäck. - Im Hauptgebäude des Unternehmens sprach sich schnell herum, dass etwas im Busch war. Wie viele Leute würden ihren Job verlieren? Und dann war offiziell: Geräteparks, Robotunits, Maschinen und Rechneranlagen wurden demontiert und verpackt. Die voluminösen Erzmodule füllten sich mit Containern und Kanistern, Fässern und Transportboxen. Die Security hatte dabei viel zu tun, damit nichts von der wertvollen Fracht verschwand. Gravis beäugte dabei die Arbeiter, die die Laderoboter bedienten, als wären sie der Feind.

Nur drei Tage später war die Kolonne aus mehreren Schiffen bereit für den definitiven Abflug. Mr. Carthy tippte die Countdownaktivierung der Detonationsmikrosprengsätze ein. Im Nachhinein sollte das AD nicht in den übriggebliebenen Anlagenteilen Wirtschaftsspionage betreiben können. Außerdem sollte die Infrastruktur zerstört werden. Auf einem großen Monitor sahen Mr. Carthy und der Vorstand, wie das Gelände von Prospect Enterprises in sich zusammensog und eine gewaltige Staubkugel hinterließ. - Sie waren keinen Tag zu früh aufgebrochen, denn die Regierung begann mit den Evakuierungen der Bevölkerung nur wenige Stunden später. Breaking News verbreiteten die Hiobsbotschaft: „Feindkontakt! Wir sind im Krieg!‟



Viele Grüße von prallbeutel
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Roger_Rabbit
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  RE: Regina Datum:17.01.20 18:15 IP: gespeichert Moderator melden


Hallo prallbeutel!

Hier tut sich seit Oktober '19 ja nichts mehr. "Ende" steht auch nicht drunter. Fehlen dir die Ideen?

Wann geht es weiter?

Lieben Gruß
Detlev
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Detlev
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Licentia poetica

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  RE: Regina Datum:20.03.20 18:40 IP: gespeichert Moderator melden


~ LXXVI ~


Das öffentliche Leben auf Beta Patria war zum Erliegen gekommen. Die Bürger hielten sich in Schutzhabitaten der höchsten Klasse IV auf. Die Regierung hatte Notfallgesetze erlassen und den Kriegszustand ausgerufen. Primäraufgabe war es nun, einen Defensivschirm aufrechtzuerhalten, um die Aggressoren des Alpha Dominions nicht in das Sol-System X94021-115-BP eindringen zu lassen.

Aber auch die Außensektoren der Vereinigten Allianz mit insgesamt 128 Milliarden Humanoiden musste verteidigt werden. Die alte Kolonie Regina mit ihrem Mond Fortuna war mit ihren Bewohnern bereits annektiert worden. Die im Untergrund lebenden Frauen der Adelskaste samt loyalen Munus und Rusticusarbeitern hatten die Usurpatoren unterstützt und einen schnellen Sieg möglich gemacht. Mr. Carthy war in letzter Sekunde geflohen und musste Teile der Infrastruktur seiner Firma Prospect Enterprises dem Feind überlassen. Die wertvolle Laboreinrichtung war von ihm vernichtet worden.

Die Frontlinie verlief zurzeit im Bereich des Planeten Litus Mundus, wo die VA einen großen Teil ihrer militärischen Kreuzer in den Raumhäfen angedockt hatte. Der Planet Mare Mutus war bereits in die Hände des Feindes gefallen. Aber das AD durfte unter keinen Umständen weiter in den Sektor eindringen. Insbesondere waren neben dem Regierungsplaneten Beta Patria auch die systemrelevanten Pax Novo mit der größten Wirtschaftskraft der VA sowie die Colonia Agricultura mit ihren Arkologien und Plantagen von essenzieller Bedeutung.

In dieses speziell abgeschottete Sol-System war eine kleine Kolonne von Regina unterwegs. Der gesamte Verband flog mit Thermalmaskierung, die ihre Signatur für Aufklärer des Feindes beinahe unsichtbar machte. Sie näherten sich mit Nominalgeschwindigkeit zwar ihrem Ziel, aber niemand konnte mit Sicherheit sagen, wie weit das AD bereits in den Raum eingedrungen war. Im führenden Raumtransporter kontrollierte Gravis als inoffizieller Sicherheitsoffizier des Frachters die einzelnen Lademodule des Schiffes. Einige Bereiche waren mit Sicherheitsstufe III belegt. Dort hatten nur wenige der Besatzungsmitglieder Zutritt. An einem Container leuchtete ein Holowarnhinweis: Achtung Dimethylquecksilber. Gravis stampfte in seinen derben Stiefeln den Korridor entlang, zu beiden Seiten standen Container aufgereiht. An der einen oder anderen Tür rüttelte er vorsichtig, um den Verschluss zu kontrollieren.

Am Ende des Frachtmoduls befand sich eine Sicherheitskonsole. Dort prüfte Gravis den Sauerstofflevel und scannte die Luft auf Schadstoffe sowie Radioaktivität. Zufrieden nickte er. „Alles im grünen Bereich.‟ Danach marschierte er zurück, zischend öffnete sich das pneumatische Schott als er auf den Türsensor drückte, und Gravis steuerte die Kombüse an, wo er sich ein Proteinkonzentrat mit Wasser mischte. Ein Angestellter von Prospect Enterprises sah ihn mit hochgezogenen Augenbrauen an. Der Koloss trank die 1.500 ml innerhalb von 30 Sekunden.

Der Beobachter traute sich nichts zu sagen, aber insgeheim war ihm dieser Freak nicht ganz geheuer. Solche Monster sollten wieder versklavt werden, wie sie es unter dem Regina-Regime waren, so seine Meinung. Später tauschte er sich mit einem Kameraden aus. „Mortimer, dieser Gravis ist echt merkwürdig. Wie konnte Carthy dieses Monster einstellen? Guck dir mal an, wie der aussieht! Das ist eigentlich kein richtiger Humanoid.‟ Mortimer quetschte gerade seinen Mahlzeitenbeutel mit einem Nahrungskonzentrat aus. „Hast recht, Brad! Der Typ ist echt ein Ungeheuer. So ein Vieh gehört nicht in unsere Firma.‟

Mortimer grunzte unzufrieden. „Und der ist auch noch Sicherheitsoffizier geworden! Stell dir das vor!‟ Brad war empört. „Unfassbar! Dieses von Testosteron getriebene Tier müsste zumindest eine Castitasschelle tragen. Mit Strafimpulsfunktion, falls er mal austickt.‟ Mortimer nickte zustimmend. „Und stell dir vor! Dieser Riese hat sogar mal eine getragen, aber sie haben ihn befreit. Das hätte ich nie gemacht!‟ Brad nickte. „Ich auch nicht. Man muss ja auch mal an die Sicherheit für die weiblichen Angestellten hier denken.‟ Mortimer flüsterte. „Wir müssen was unternehmen. Der ist gemeingefährlich!‟ Brad hob die Schultern. „Aber was? Wir können ihn ja schlecht überwältigen.‟ Mortimer grinste. „Oh, doch! Der hat zwar Muskeln, aber du lenkst ihn ab, und ich komme mit einem Impulsstab von hinten.‟ Brad wirkte unsicher. „Das müssten wir machen, wenn er wieder auf Patrouille ist. Ganz weit unten im Frachtmodul. Da können wir ihn in einen Container sperren.‟ Mortimer grinste noch breiter und schlug seinem Kameraden auf die Schulter. „So machen wir es! Und dann zeigen wir ihm, wer hier das Sagen hat.‟

Brad rief den Dienstplan auf und legte sich eine automatische Erinnerung für den nächsten Rundgang des Sicherheitsoffiziers an. „Leider erst Morgen. Aber wir haben ja noch ein paar Tage, bis wir auf Beta Patria ankommen. - Aber wie sollen wir erklären, wo er abgeblieben ist? Die werden ihn suchen.‟ Mortimer lachte abgehackt. „Das lass mal meine Sorge sein. Dafür habe ich eine Lösung.‟

Mr. Carthy saß in seiner Kajüte mit seinem Piloten Animus zusammen, um sich sich die Zeit mit Strategica, einem virtuellen Strategiespiel, wozu die Spieler VR-Brillen trugen und mit Armbewegungen ihre Avatare in einer 3-D-Gitternetzdarstellung steuerten, zu verkürzen. Animus besaß den besseren räumlichen Überblick und die schnelleren Reflexe, die er sich als Pugnator angeeignet hatte, und führte so deutlich vor seinem Gegenspieler. Schließlich musste sich Mr. Carthy geschlagen geben. Der PE-Vorsitzende kehrte ins Pilotenmodul zurück und befasste sich lieber wieder mit Astronavigation.

Animus begab sich in seine kleine Kajüte, entkleidete sich und nahm eine UV-Dusche. In zwei Stunden begann seine Schicht als Pilot des Schiffes. Diese Aufgabe teilte er sich mit drei weiteren Schiffsführern. Als er in der spiegelnden Oberfläche der Wandpaneele sein nacktes Genital sah, griff er seinen Phallus und konnte der Versuchung nicht widerstehen, zu onanieren. Drei Tage war er abstinent geblieben, und jetzt musste es einfach mal wieder sein. Er genoss die Selbstbefriedigung und empfand doch sehnsüchtige Erinnerungen an Flosa.

Nach seiner Schicht trainierte er mit Gravis gemeinsam im kleinen Fitnessraum des Raumtransporters. Der Koloss zeigte ihm Übungen für Beine, Rücken und Brust sowie Bauch und Arme. Aber Animus kam sich neben Gravis mit seinen relativ mickrigen Gewichten irgendwie lächerlich vor und stieg schließlich lieber auf das Ergometer, während der massige Kamerad den Widerstand nicht groß genug wählen konnte. Animus meinte anerkennend: „Du bist echt eine Maschine!‟

Nach dem Schweiß treibenden Workout gönnte sich Gravis eine H2O-Dusche, die für jeden Passagier nur ein Mal in 120 Stunden zur Verfügung stand. Tägliches Waschen fand unter dem UV-Strahler statt. Der Gigant seifte sich ein und genoss die erfrischende Nässe auf der Haut, unter der sich die Muskelberge abbildeten. Um Bordzeit 1900 trafen sich alle Besatzungsmitglieder in der Messe. Auch auf den anderen Schiffen war dieser Zeitpunkt für das gemeinsame Abendessen vorgesehen. Als sich Gravis an den Aluminiumtisch setzte, stand Brad auf und nahm woanders Platz. Das schien jedoch niemandem aufzufallen. Den restlichen Abend zog sich Gravis in seiner Kammer zurück, um mit der VR-Brille einen interaktiven Kriminalfilm zu schauen. Er spielte die Rolle des Inspektors und musste einen Mordfall in einer Erzförderanlage einer Kolonie aufdecken.

Am nächsten Tag quetschte er sich wieder in seine Securityuniform, die für ihn aus hochelastischem Lycra hergestellt worden war. Die nächste Kontrolle im Frachtmodul stand an. Er machte sich auf den Weg. Unbemerkt folgten ihm zwei Männer durch das Schott und die Korridore. Bevor Mortimer bei Prospect Enterprises als Algorithmusprogrammierer arbeitete, war er einige Zeit bei der privaten Haftgesellschaft IPPC (Interplanetary Private Prison Corporation) als Controller im Sicherungsbereich der EDV tätig gewesen. Obwohl er nie direkten Zugang zu Insassen gehabt hatte, war er in den Besitz eines Impulsstabes mit Neurohacker gekommen. Die Defensivwaffe war nicht nur in der Lage Stromstöße abzugeben, sondern konnte eine Person durch Überladung des Nervensystems bewusstlos machen. Das wollte er nun bei Gravis anwenden, denn er wusste nicht, ob der Standard-Stromfluss intensiv genug wäre, um diesen Muskelgiganten zu dominieren.

Als Gravis das Ende des Hauptflurs erreicht hatte, prüfte er dort den Sauerstofflevel und die anderen Werte. Zufrieden wollte er sich gerade herumdrehen, da traf ihn die Spitze des Impulsstabes, den Mortimer ihm in den Nacken hielt. Augenblicklich kippte Gravis um wie ein gefällter Baum. Brad staunte. „Geiler Shit! Was ist das für ein Teil?! Damit habt ihr euer kriminelles Pack behandelt?‟ Mortimer lachte dreckig. „Nur die renitenten Drecksviecher.‟ Brad: „Cool. Aber was machen wir jetzt mit ihm?‟ Er zeigte auf den liegenden Koloss und stieß ihn mit dem Fuß an. Mortimer erklärte seinen Plan. „Da vorne ist der letzte Container. Der ist leer. Habe ich in der Schiffsdatei schon nachgeschaut. Da kommt er erst mal rein. Wir müssen ihn aber fesseln.‟

Brad und Mortimer zogen und zerrten an dem Bewusstlosen und kamen mächtig ins Schwitzen. 175 kg waren eben kein Leichtgewicht. Schwer atmend hatten sie Gravis endlich in dem Container. Der Innenraum betrug drei mal drei mal sieben Meter. Mortimer wies seinen Komplizen an: „Zieh ihn aus!‟ Brad musste ihn dabei einmal herumdrehen, was ein anstrengender Kraftakt wurde. Nun trug Gravis nur noch einen Slip. Mortimer zeigte auf ihn. „Was ist? Bist du prüde? Den Slip auch!‟ Brad grinste. „OK. Du bist der Boss.‟ Brad starrte auf das Gemächt. „Da hätte ich mehr erwartet. Bei so viel Masse.‟

Mortimer zog Nanofaserschnüre durch vier Metallösen. Dann holte er aus seiner Gürteltasche zwei Hand- und zwei Fußschellen aus Kohlefaserverbundmaterial hervor. Brad staunte. „Wo hast du das Zeug alles her?‟ Mortimer räusperte sich. „Hab ein bisschen was mitgehen lassen, als die mich bei IPPC gefeuert haben. Hilf mir mal mit dem Schwergewicht!‟ Sie legten Gravis mittig in den Container auf den Rücken und mit ausgebreiteten Extremitäten, so dass sie ihn wie ein X fixieren konnten. Mortimer war zufrieden. „Die Ösen sind verschweißt und gehärteter Stahl. Und die Nanofasern wird auch unser Riesenbaby nicht zerreißen können.‟ Er winkte seinem Komplizen zu. „Raus jetzt hier. Ich schalte die Sauerstofffilter ein. Wir müssen uns erst mal um das Rettungsshuttle kümmern.‟ Brad verstand kein Wort. Mortimer rollte mit den Augen. Natürlich musste es so aussehen, dass Gravis freiwillig das Schiff verlassen hatte, sonst würde er gesucht werden. Aber das ging wohl über den Intellekt von Brad hinaus, also versuchte es Mortimer erst gar nicht.

Hauptsache war, dass dieser Freak außer Gefecht gesetzt war. Er zeigte auf den Haufen Kleidung am Boden. „Mitnehmen und in der Recyclingklappe entsorgen. Aber pass auch, dass dich niemand sieht!‟ Brad grinste. „Geht klar, Boss.‟ Die Männer verriegelten den Container, und ließen Gravis im Dunkeln zurück. Mortimer zog eine Computerplatine aus einem Paneel und manipulierte einige Daten, sperrte den Aktivierungsalarm für das Rettungsshuttle und startete den Autopiloten. Er schaffte es, dass das Shuttle die Andockschleuse unbemerkt passierte und programmierte einen Kurs zurück nach Mare Mutus. So sah es aus, als hätte sich Gravis zum Feind abgesetzt. Erst eine Stunde später war dem Diagnosesicherungssystem der manipulierte Vorgang aufgefallen und gab Alarm.

Der Pilot informierte sofort Mr. Carthy über das gestartete Shuttle. Als Animus seinen Kameraden Gravis vermisste, aber kein anderer Passagier gesucht wurde, stieg bei ihm die Sorge. War Gravis etwa mit dem Shuttle verschwunden? Warum? Das gab doch keinen Sinn! Aber die Indizien verhärteten sich. Gravis´ Ortungschip, den jedes Besatzungsmitglied an seiner Kleidung trug, war deaktiviert. Auf dem Schiff schien er sich nicht mehr zu befinden. Über die modernen UPS (Universal Positioning System) verfügten die Angestellten von PE nicht. Animus zerbrach sich den Kopf, was geschehen sein könnte, kam aber zu keinem Ergebnis. Warum sollte Gravis zum AD überlaufen? Mit dem Shuttle würde er außerdem mehrere Wochen unterwegs sein.

Animus bat Mr. Carthy darum, ein Schiff hinter dem Shuttle herzuschicken, aber der CEO lehnte ab. „Priorität hat jetzt der Schutz der Prospect Enterprises, ihrer Daten und Angestellten. Wir müssen so schnell es möglich ist ins System von Beta Patria und dann in die geostationäre Umlaufbahn gelangen.‟ Dann betonte er noch: „Wir haben keine modernen Tarnvorrichtungen. Die Thermalmaskierung kann entdeckt werden. Feindkontakt könnte jederzeit auftreten. Und dann...‟ Animus schluckte. „Ich dachte, wir fliegen in einem sicheren Vektor?‟ Mr. Carthy musste zugeben: „Es ist die beste Route, die wir nehmen konnten. Trotzdem liegt die Wahrscheinlichkeit unserer Vernichtung – trotz der Nanoröhrengewebehülle einiger unserer Schiffe - bei 18,4 Prozent.‟ Animus stöhnte auf. „Das...‟ Vielleicht war Gravis sogar seinem Tode entronnen. Voraussichtlicher aber war, dass er ihm entgegenflog.

Animus war niedergeschlagen. Erst hatte er seinen Freund Timiditas verloren, und nun war ihm auch Gravis genommen worden. Es hatte keine Anzeichen gegeben, keine Andeutungen, die eine Flucht hätten erkennen lassen können. Animus schüttelte ratlos den Kopf. Und dann fiel ihm auf, dass Gravis gar nicht über das Knowhow verfügte, das Shuttle unautorisiert und unbemerkt starten zu lassen. Hatte er einen Helfer gehabt? Ihm fielen immer mehr Fragen ein, aber leider fand er keine Antworten.

Weit entfernt, am Rande des Territoriums der VA, lag der verruchte Planet Atra Mundo. Die herrschenden Clans interessierten sich nicht für transstellare Politik. Sie würden genauso mit den Machthabern des AD Geschäfte machen. Der wegen der außer Kontrolle geratenen LA667R/222-Androiden geflüchtete ehemalige CEO von Bionic Industries, Artus Iceberg, saß in seinem Apartment im Habitat Star 3 in Atra City und verfolgte Newsfeeds, die dreidimensional als Hologramm dargestellt wurden. Für ihn war der Raumkrieg zwischen dem AD und der VA ein Glücksfall. Sollte die Vereinigte Allianz entmachtet werden, würde ihn auch niemand mehr zur Rechenschaft ziehen können.

Gerne würde er mit dem Sieger sympathisieren. Er wischte sich durch die einzelnen Meldungen. Auf einer anonymen Datenplattform wurden Videodateien übertragen, bei denen weder Quelle noch Echtheit überprüfte werden konnte. Iceberg schaute sich eine verwackelte Aufnahme einer abgeschossenen Drohne an, die auf Mare Mutus – so die Bildunterzeile – auf eine Straße zwischen zerstörten Habitaten fiel und noch 17 Sekunden lang weiteraufnahm: Ein Offensivbot mit Raupenketten fuhr scharf an dem Objektiv vorbei. Irgendeine Mechanik rastete ein, ein Energiemuster ließ die Luft verschwimmen, eine Synthetikstimme warnte: „Kritischer Systemauffall - Notstart eingeleitet – Funktion nicht verfügbar – Abschaltung erfolgt‟. Zwei weitere Bots mit Gummiketten fuhren quietschend an dem Objektiv der abgestürzten Drohne vorbei und scannten die Umgebung, um feindliche Bewegungen zu lokalisieren.

Dann war auf dem Video noch ein Trupp Androiden mit Exoskeletten zu sehen, die in eine Wohnsilo-Ruine rannten. Damit brach der Datentransfer ab. Iceberg wischte zum nächsten Video. In einem Wartungsmodul offenbar mit einer Mikrocam unautorisiert aufgenommen zeigte das Bild ohne Audiokanal mehrere Androiden, die einen Silikonkubus in einen Maschinenschaft steckten, zwei Riegel arretierten und auf einem Monitor einen Programmcode eingaben. Leider war er nicht lesbar. Iceberg fragte sich, über welche Technik das AD verfügte. War das Dominion in der Lage, die Vereinigte Allianz zu besiegen?

Er schaltete die Newsfeeds ab und aktivierte klassische Musik, dimmte die Beleuchtung und blickte aus einem Teil seiner Fensterfront in der 75. Ebene. Am Horizont bemerkte er eine schwarze Rauchsäule. Wahrscheinlich wieder mal ein Unfall in einer der Minen oder Fabriken. Er öffnete die holografische Datenkonsole, wählte die geographische Darstellung und tippte auf den gesuchten Ort, wo er die Rauchsäule sah. Die Bildangabe zeigte die Koordinaten und Informationen zum Habitat: Es handelte sich um eine Rüstungsfabrik, die in erster Linie keramikummantelte Stahlgeschosse produzierte. Auf Atra Mundo hatte niemand die notwendige Lizenz oder Legitimation dafür, aber die kriminellen Vereinigungen kümmerten sich nicht um die Gesetze aus Beta Patria. Sie boten ihre Produkte Händlern an, die jenseits der VA in den Sektor kamen.

Iceberg war überrascht, wie viele Informationen über die Fabrik einsehbar waren. Aber wer sollte hier schon etwas gegen die Machenschaften der Herrscherkaste unternehmen? Die Noxiusbruderschaft war eine der mächtigsten Gruppierungen auf dem Planeten und kontrollierte das Waffengeschäft. 616 Arbeiter waren in der Fabrik beschäftigt. Iceberg wusste mittlerweile genug vom hiesigen Gesellschaftssystem. Die Angestellten waren entweder aus großer materieller Not und Armut dort, oder sie wurden sogar mit Drohungen oder Erpressung gezwungen. Die Noxiusbruderschaft kannte keine Skrupel. Nur der Profit zählte.

Glücklicherweise gehörte Iceberg zu den Privilegierten, die liquide genug waren, um in einem Habitat zu leben. Und das gar nicht mal so schlecht, fand er und machte eine Aktivierungsgeste für den Service-Bot. Da es auf Atra Mundo keine fortschrittliche Androidentechnologie gab, setzte man obsolete Robotik ein. Kurz darauf brachte der Bot Pralinen und einen Glaskelch mit Sekt. Iceberg war sich bewusst, dass nur wenige Kilometer entfernt tausende Menschen vor Hunger darbten und mit Krankheiten zu kämpfen hatten – ganz zu schweigen von Kriminalität und den Schikanen der Bruderschaften. Die sexuelle Ausbeutung von weiblichen Humanoiden gehörte zum Alltag. Iceberg steckte sich eine Praline in den Mund und überlegte gerade, ob er sich wieder eine Liebesdienerin bestellen sollte. Wie hieß das Mädel noch? Marina? Ja, die war wirklich gut gewesen.

Plötzlich wurde die Lautstärke der Musik leicht verringert, während ein Warnton erklang und eine neue holografische Meldung vor der Fensterfront halbtransparent erschien: „Warnmeldung vor ungeschütztem Aufenthalt im Freien. Durch eine Fehlfunktion in einer Fabrik kommt es zu erhöhten Strahlen- und Schwermetallwerten.‟ Iceberg wischte die Meldung weg, und die Musik setzte mit der Standard-Lautstärke fort. Eine Weile später kontaktierte er das Entertainmentsystem und bestellte sich seine Liebesdienerin. „Ich will die, die ich bei der letzten Bestellung hatte. Marina hieß sie, glaube ich. Heute Abend, 20 Uhr.‟ Die Frau auf dem Videochat antwortete: „Das ist nicht üblich. Gegen eine kleine Zusatzgebühr kann ich aber versuchen, Ihren Wunsch zu erfüllen.‟ Die Bestellfilter sorgten zwar für die passende Person für die Kundschaft, aber ein bestimmtes Individuum zu organisieren, war aufwendig. Iceberg antwortete barsch: „Dann sorgen Sie dafür!‟ Die Frau lächelte emotionslos. Ihre aufgespritzten Lippen verformten sich dabei künstlich. „Bei Lieferung wird die Order Ihrem Account zur Last gelegt.‟ Iceberg tippte die Verbindung weg.

Pünktlich zur gewünschten Zeit ertönte das Türsignal seiner Wohnung. Auf seine Geste hin öffnete sich die pneumatische Tür mit einem dezenten Zischen. Iceberg grinste breit. Da stand sie! Marina! In einem langen Mantel. Und darunter würde sie nur Dessous oder so etwas tragen. Heute wollte er mal etwas Neues ausprobieren. Das Mädel war talentiert und würde ihn sicherlich auch bei ausgefallenen Wünschen nicht enttäuschen. Später würde er ihr zur Belohnung noch etwas zu essen geben. Aber das musste sie sich zunächst redlich verdienen. Iceberg lächelte sie an. „Mantel ausziehen.‟ Sie gehorchte sofort, und Iceberg starrte auf die fast hüfthohen schwarzen und glänzenden Stiefel. Schon bildete sich eine Erektion in seiner Hose. Außer den Stiefeln trug sie lediglich eine Art Geschirr.

Mortimer und Brad öffneten den Container wieder. Gravis war aus der Bewusstlosigkeit erwacht und zerrte an seinen Fesseln, aber die Nanofasern ließen ihm keine Chance, der restriktiven Position auf dem Boden zu entkommen. Entsetzt sah er die beiden PE-Angestellten an. „Was...? Helft mir! Ich... Habt ihr mich etwa...?‟ Er konnte es kaum glauben, aber Mortimers Blick ließ keinen Zweifel. Die beiden Männer hatten ihn überwältigt und hier festgebunden. „Warum habt ihr das gemacht? Was soll das? Was wollt ihr? Was habt ihr vor?‟ Mortimer schnauzte: „Maul halten, du Freak!‟ Brad echote: „Ja, du Freak! Jetzt zeigen wir es dir!‟ Gravis ächzte. „Was habe ich euch denn getan? Wo... wo ist meine Uniform?‟

Mortimer machte einen Schritt vorwärts und stand nun zwischen den weit gespreizten Beinen des Liegenden. Er trug seinen Impulsstab und aktivierte einen knisternden bläulichen Lichtbogen. Er hielt den Stab tiefer und berührte nun fast die Hoden des Gefangenen. Gravis versuchte sich, der Berührung zu entziehen, was durch die Fesselung nicht möglich war. Mortimer grinste diabolisch: „Jetzt hat der Muskelmann aber Angst, was?‟ Er winkte Brad mit einer Kopfbewegung näher. „Los, leg ihm die Maulsperre an!‟ Brad kicherte hämisch. Gravis sah entsetzt, wie der Mann ihm einen metallenen Mundspreizer vors Gesicht hielt und dann damit seine Kiefer auseinanderzwang. Gravis verzichtete auf eine Gegenwehr. Er wäre eh chancenlos gewesen. Brad schraubte das medizinische Gerät weit auf, bis der Mund beachtlich aufgerissen war und fixierte es mit einem Nackenband am Kopf. Mortimer spielte mit seinem Impulsstab und führte ihn immer beinahe bis zu den Hoden des Liegenden, der angstvoll zuckte. „Gib zu, dass du nur darauf wartest, dass Regina mit dem Dominion über die Vereinigte Allianz herrscht und uns alle unterdrückt! Gestehe es! Du Freak! Du bist doch ein Monster, dass von Regina geschaffen wurde. Also wirst du auch loyal zu dieser Tyrannin sein.‟ Gravis schüttelte vehement den Kopf. Mortimer blickte zu seinem Komplizen. „Das Vieh ist noch nicht bereit, uns die Wahrheit zu sagen. Da müssen wir wohl ein bisschen nachhelfen.‟

Brad kicherte. Mortimer drückte dem Koloss den Stab in die Hoden und aktivierte einen Stromfluss. Gravis brüllte in seinen Mundspreizer unartikulierte Laute und zappelte in seiner Fesselung. Brad kicherte wieder. Mortimer hob den Stab und sagte: „Du bist eine Kreatur aus der Hölle! Wir wollen dich hier nicht! Du bist ein animalischer Verbrecher. Ein Dieb, Ein Vergewaltiger. Ein Krimineller. Und ein Wesen des Regina-Regimes. Dir kann man nicht trauen.‟ Brad nickte. Mortimer ging in die Hocke, beugte sich vor und betrachtete die Hoden aus nächster Nähe. Brad sah ihn irritiert an. „Was guckst du da?‟ Mortimer betastete die Hoden. Brad machte ein angewidertes Gesicht. Sein Kollege erklärte ihm, was er suchte. „Der soll Spezialelektroden an seinen Eiern haben. Nur Mikrometer dick und fest mit der Haut verbunden. Solche Vorrichtungen gab es früher für Munuswesen.‟ Brad grinste. „Dann ist der ja Strom auf seine Nüsse gewöhnt. Darf ich ihm auch mal...?‟ Mortimer winkte ab. „Der hat irgendeine Modifikation, damit die Elektroden nicht mehr auslösen. Ich weiß aber nicht was. Mr. Carthy hat ihm da irgendwie was besorgt.‟

Brad verstand kein Wort, aber er griente weiter. Mortimer suchte nach einem Transponder oder einer Vorrichtung, die die elektrischen Impulse an die Elektroden blockierte, fand aber nichts. Gravis war nackt. Doch dann fielen ihm die beiden großen Brustringe auf. Er sah sie sich aus der Nähe an und zog daran. Der Muskelkoloss brüllte in den Spreizer. Der PE-Angestellte versuchte, die Ringe zu entfernen, aber sie ließen sich nicht lösen. „Hm, sie bestehen offenbar nur aus Metall. Sieht wie Silber aus. Warte hier!‟ Er verließ den Container. Brad sah grimmig auf Gravis hinab. „Du bist ein Monster!‟ Er sah sich nach dem Impulsstab um, aber Mortimer hatte ihn wohl mitgenommen.

Als der Kollege zurückkehrte, hatte er einen kleinen Scanner in der Hand und hielt ihn auf einen der Brustringe. Sofort spuckte das Gerät die Atommasse, den kovalenten Radius, die Ionisierungsenergie, Dichte, den Schmelzpunkt, und die elektrische Leitfähigkeit sowie das Elementsymbol Ag aus. „Silber. Ganz normale Ringe aus Silber.‟ Er scrollte auf dem Display runter. „Zumindest zu 92,5 Prozent. Der Rest ist Kupfer.‟ Brad sah ihn fragend an. Mortimer steckte den Scanner in einen Holster am Gürtel und holte den Impulsstab hervor. Er strich langsam in der Männlichkeit des Liegenden damit herum. Gravis zuckte vor Angst. Brad gluckste. „Jetzt hat der Bammel! Du feiges Monster!‟ Mortimer versetzte dem Opfer erneut einen Stromschlag. „Wie viele Frauen hast du schon unglücklich gemacht, du Bastard?‟ Brad riss die Augen auf. Mortimer nickte. „Dieser grobschlächtige Riese kennt nur Gewalt und Brutalität. Aber wir zwei werden ihm jetzt eine Lektion erteilen!‟ Brad nickte. „Ja, das werden wir.‟ Er wirkte unsicher und wusste nicht so recht, was er machen sollte, stellte dann seinen derben Stiefel auf den Bauch des Gefangenen.

Mortimer grinste und bohrte langsam aber sicher den Stab in den Anus des Liegenden. Gravis bäumte sich auf, und sogar die Nanofasern knackten, aber sie hielten stand. Tiefer und tiefer schraubte Mortimer den Stock hinein. Brad kicherte. „Guck mal! Der Sau gefällt das!‟ Tatsächlich war der Phallus angeschwollen. Mortimer stopfte den Stab bis zum Anschlag hinein. „Dir perverser Kreatur wird die Lust noch vergehen!‟ Er stand auf und schaute auf Gravis hinab. „Mein Stab ist programmiert. Du wirst noch Spaß haben!‟ Er winkte Brad, und sie verließen den Container, verriegelten die schwere Flügeltüre und gingen dann möglichst unauffällig nacheinander zurück in das Wohnmodul des Frachters.

Animus saß in der Messe und schaute gedankenverloren auf sein Glas farblosen Synthetik-Gin. Mortimer setzte sich zu ihm und meinte: „So kann man sich in Leuten täuschen.‟ Animus sah ihn fragend an. Mortimer zuckte mit den Achseln. „Gravis ist übergelaufen. Da gibt es wohl keinen Zweifel mehr. Diesen Custos darf man nicht vertrauen. Sie sind nicht wie wir.‟ Animus knurrte ihn an: „Was redest du da für einen Bullshit?! Custos sind Humanoide wie alle anderen auch. Gravis ist mit mir aufgewachsen auf Regina. Er war ein ganz normaler Mensch. Und jetzt ist er nicht weniger wert.‟ Er trank sein Glas aus, knallte es auf den Aluminiumtisch und stand auf.

Mortimer ging in seine Koje und schlich sich zwei Stunden später zurück in den Frachtbereich, wo er Gravis endlich von dem Impulsstab und dem Mundspreizer befreite. Der Muskelkoloss zitterte schweißgebadet am ganzen Leib und gab merkwürdige Laute von sich. Mortimer sah zufrieden auf ihn hinab. „Na? Jetzt bist du nicht mehr so stark, was? Habe ich dich schon gebrochen?‟ Bevor er ihn alleine in der Dunkelheit zurückließ, kündigte er an: „Morgen bringe ich dir Wasser, gnädig wie ich bin. Aber dann gibt es noch eine Zugabe mit dem Impulsstab für deinen Knackarsch!‟ Schon knallten die Türen zu, und quietschend und schreiend wurden die Riegel vorgeschoben. Dann schob er die Temperaturaneige an einem Sensor des Containers von 22 Grad auf 30 Grad hoch und murmelte: „Wir wollen ja nicht, dass unser Monster friert.‟ Doch dann fiel ihm noch etwas Besseres ein. Er gab ein paar Daten ein und tippte „Aktiv‟. Er lief zurück in seine Koje und legte sich auf seine Nitrogelmatratze.

Gravis war ein Anfang. Aber alle Custos, Rusticusse und vor allem auch Munuswesen mussten entweder versklavt oder entfernt werden. Für den Nackten würde die Temperatur ab sofort zwischen null und 40 Grad fluktuieren. Die harsche Behandlung des Hilflosen hatte ihn irgendwie geil gemacht. Mortimer nestelte an seiner Hose und holte sein Genital hervor. Für die nächsten Minuten reichte ihm die Vorstellung von Gravis in dem dunklen Container. Auf virtuelle erotische Audio- oder Videodateien verzichtete er. Nichts konnte ihn so erregen wie die Realität.
Viele Grüße von prallbeutel
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+++ Die gemeine Miriam +++ Das Unzuchts-Komplott +++ Im Reich der Megara +++ Die Nachtschicht seines Lebens +++ Optional Genetics +++ Venus +++ Regina +++ Inkasso +++
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  RE: Regina Datum:28.03.20 18:45 IP: gespeichert Moderator melden


~ LXXVII ~


Iceberg lag in einer Gel-Liege mit Memory-Effekt und genoss die warmen Lippen der Frau, die vor ihm kniete, und sich um sein bestes Stück kümmerte, als habe sie nie etwas anderes gemacht. Ihre Arme hatte er an ihrem Geschirr auf dem Rücken fixiert, so dass die Hände sich etwa zwischen den Schulterblättern befanden. Sie war so zart und schön, sinnierte er und hatte ihre Brustwarzen gezwirbelt und hart gemacht. Marina hatte spitze Laute von sich gegeben, von denen er nicht wusste, ob sie von Lust oder Schmerz oder beidem zeugten.

Nun lag er da mit geschlossenen Augen und kostete den Moment aus. Als er den Klimax kommen spürte, öffnete er die Lider und sah ihr in ihre großen Augen, die ihn anzuhimmeln schienen. Sie saugte an seinem Phallus und versank in seinem Blick. Und dann kulminierte er intensiv wie eine Supernova und explodierte innerlich. Marina leckte sich über die Lippen und schmatzte. Ein letztes Mal nahm sie seinen Zepter auf und küsste dann seine Hoden, während sie wieder mit vergötterndem Blick zu ihm hoch schaute. Iceberg strich ihr über den Kopf. Eine reale Frau! Mit Gefühlen. Mit Bewusstsein. Kein Android.

„Sind Sie zufrieden mit meinen Diensten, mein Herr?‟, fragte sie mit einem sorgenvollen Unterton. Der Freier lächelte jovial. „Das hast du gut gemacht.‟ Er setzte sich aufrechter hin. „Willst du was essen?‟ Marinas Magen knurrte leise als Antwort. Ihr war es offensichtlich peinlich, und sie presste die Lippen zusammen. Iceberg hob eine Augenbraue. „Du hast Hunger, Kleines.‟ Er stand auf und ging mit halb erigiertem Luststab durch den Raum, machte eine Geste vor einem Wandpaneel und öffnete so ein Kühlfach. Er entnahm ihm etwas und kehrte zu der noch Knienden zurück. „Das ist Brioche. Magst du das?‟ Marina roch die duftende Backware, und wieder knurrte ihr Magen. Er hielt ihr ein Stück hin, doch in diesem Augenblick wurde ihm bewusst, dass die Arme der Frau auf dem Rücken fixiert waren. Er reichte ihr das Stück also näher und fütterte sie.

Marina nahm es dankend an und kaute hastig. Sie konnte die emotionalen Tränen kaum zurückhalten, so gut schmeckte das Brot. Iceberg grinste. Er holte ein neues Stück Brioche und zupfte ein kleines Stückchen ab. Er dirigierte die Liebesdienerin zwei Meter zurück. Auf den Knien hockend wartete Marina auf weitere Anweisungen. Iceberg hielt das Stückchen Brot hoch. „Fang es mit dem Mund!‟ Beim ersten Mal misslang ihr es, doch der nächste Versuch klappte. Und wieder. Und noch ein Brocken. Das hingefallene Stückchen durfte sie mit dem Mund vom Boden auflesen. Dabei hob sich der Po weit in die Luft und Iceberg merkte, wie ihn der Anblick geil machte. „Jetzt kriech auf dem Boden weiter bis zur Wand und zurück. Und mach weiter, bis ich dich rufe.‟ Marina kroch lasziv und erotisch über den Boden, vor und zurück, vor und zurück. Dabei ragte ihr Po weit oben in der Luft, während ihre Knie und eine Seite ihres Gesichtes und ein Teil der Schulter den Boden berührten.

Iceberg rieb sich den Schritt, aber eine harte Erektion wollte nicht entstehen. „Komm her zu mir!‟ Marina gehorchte. Der Mann befahl ihr, sich über seinen Schoß zu legen. Der Ex-CEO strich über die Hinterbacken der Frau und begann, sie mit der flachen Hand zu schlagen. Das zierliche Geschöpf fragte ängstlich, ob es etwas falsch gemacht hätte, und Iceberg antwortete: „Marina, du musst meinen Phallus wieder groß machen!‟ Sie durfte sich wieder zwischen seine Schenkel hocken und seine Männlichkeit verwöhnen. Trotz aller Mühe schaffte sie es jedoch nicht. Iceberg stieß sie unsanft weg. Marina jammerte leise. „Es tut mir leid. Bitte, Herr, lassen Sie es mich noch Mal versuchen.‟ Aber ihr Freier brummte: „Es hat keinen Zweck. Du kannst gehen.‟

Marina schluchzte auf. „Es tut mir leid! Ich.. Werdet Ihr mich schlecht bewerten?‟ Iceberg zog sich die Hosen an. „Stell dich hin!‟ Er nahm ihren Mantel und hängte ihn ihr um, schloss ihn vorne mit den Magnetknöpfen. „Geh jetzt!‟ Marina schluchzte erneut. Sie zitterte vor Angst. Iceberg merkte, wie nun doch sein Luststab wuchs. „Warte!‟ Er zog ihr den Mantel wieder aus und knetete ihre Brüste, zwirbelte ihre Nippel und drückte sie auf die Knie. Sie wusste sofort, was sie zu tun hatte. Ihr Gewimmer hatte ihn geil gemacht. Iceberg kulminierte zum zweiten Mal und strich der Frau über den Kopf. „Das war gut. Komm her auf die Liege, neben mich.‟ Er löste ihre Fixierung. Marina stöhnte erleichtert auf. Ihre Schultergelenke waren durch die rigide Positionierung völlig verspannt.

Der Mann nahm sie in den Arm und grabschte an ihrem Busen herum, während er mit der anderen Hand durch Gestensteuerung das Entertainmenthologramm öffnete und sich durch die Offerten blätterte. Bei einer Spielshow namens „Hunger & Durst‟ blieb er hängen. Vier Kandidatinnen kämpften gegeneinander um den Sieg. Jede Frau trug einen Latexanzug, bei dem für Brüste und Schritt Aussparungen vorhanden waren. Die Kontrahentinnen mussten allerlei demütigende Aufgaben über sich ergehen lassen, die sie zum Vergnügen der Zuschauer absolvierten. In erster Linie ging es um Essen und Trinken von diversen Zubereitungen, deren Auswirkungen das Publikum durch Glaskabinen live und aus zahlreichen Kameraperspektiven voyeuristisch beobachten konnten.

Trotz der durchschlagenden Effekte überboten sich die Rivalinnen mit erneutem Konsum, um die anderen hinter sich zu lassen. Immerhin erhielt die Siegerin so viel Preisgeld, dass sie sich und ihre Familie für mehrere Wochen mit Nahrung und allem Notwendigen versorgen konnte. Der Showmaster lachte: „Nr 1 hat jetzt ihren letzen Rest Würde runtergespült. Hahaha! Dafür gibt es einen Punkt. Glückwunsch!‟ Perfide an der Show war zusätzlich, dass die schwächste Kandidatin einen „Strafbrei‟ zu sich nehmen musste. Damit die Zuschauer längere Zeit etwas von den Widrigkeiten der Frau hatten, wurde ihr durch einen abschließbaren Plug die Erleichterung für eine gewisse Zeit verwehrt. Das Publikum konnte dann abstimmen, wann die Wartezeit zuende war. Dazu brauchte die Kandidatin eine Mindestzahl von „Gnaden-Klicks‟.

Iceberg kicherte hämisch. „Schau dir Nr. 2 an! Die platzt gleich. Schade, dass man online nicht mitmachen kann.‟ Marina starrte mit großen Augen auf die Projektionsfläche. Sie wusste, welche Verzweiflung eine Frau aus den Slums dazu brachte, bei so einer entwürdigenden Show mitzumachen. Aber sie machte das, was von ihr erwartet wurde, schmiegte sich an Iceberg und lächelte ihn verführerisch an, obwohl ihre Brust, an der er die ganze Zeit fummelte, bereits wehtat.

Auf dem Frachtschiff von Prospect Enterprises gab der Pilot Animus gerade die Koordinaten für das Landemanöver auf Beta Patria ein. Seit zwei Tagen hatte Mr. Carthy bereits endlose bürokratische Hindernisse aus dem Weg geräumt, damit die kleine Flotte trotz Kriegszustand und Notfallgesetzen auf dem Planeten landen konnte. Ihm und allen anderen Angestellten war eine große Last von den Schultern gefallen, als sie das sichere Sol-System der VA-Regierung erreicht hatten, nur Animus war noch niedergeschlagen. Würde er Gravis jemals wiedersehen? Hatte er seine Flucht überhaupt überlebt?

Aber er musste sich jetzt auf die Steuerung des Schiffes konzentrieren. Bald würden sie in den Orbit eintauchen.Der Schubvektor musste angepasst werden. Zunächst würden sie auf einer geostationären Umlaufbahn bleiben und an einer Station andocken. Er programmierte die aktuellen Andockparameter für den Kopplungsvorgang der Verbindungsschleuse, hielt Funkkontakt mit der Station und koordinierte die Flugrouten der anderen Raumfähren. Während auf der Brücke des führenden Transporters emsige Geschäftigkeit herrschte, passte Brad am Zugangsschott des Frachtmoduls auf, dass es niemand betrat, denn Mortimer war auf dem Weg zu dem Container mit seinem Gefangenen unterwegs. Er öffnete die große Stahlkiste und leuchtete auf den Liegenden. „In einigen Stunden erreichen wir unser Ziel.‟ Gravis war nassgeschwitzt. Er war physisch und auch mental am Ende. Die Temperaturschwankungen und andere Grausamkeiten hatten ihn fertig gemacht.

Mortimer grinste ihn schmierig an. „Wir werden nicht zulassen, dass ihr Freaks euch in der Vereinigten Allianz breit macht! Ihr gehört nach Regina. Oder gleich ganz...‟ Gravis ächzte: „Was habe ich dir getan?‟ Mortimer brüllte: „Halt dein Maul!‟ Er zeigte ihm zwei kleine Kästchen und eine Apparatur. „Weißt du, was das ist?‟ Gravis schüttelte den Kopf. Der PE-Programmierer grinste. „So lange, wie die Gesellschaft noch nicht begriffen hat, welche Gefahr ihr Monster darstellt, kann ich nicht an die Öffentlichkeit gehen. Man würde mein Handeln nicht verstehen. Aber ich kann dich hiermit...‟ Er nahm die beiden Kästchen und setzte sie Gravis an die Schläfen. Sie klebten und sorgten bei dem Träger für das Gefühl, als würden sie sich einen Zugang zu seinem Gehirn suchen.

Mortimer nahm die Apparatur in die Hand und gab einige Daten ein. „Damit kann ich deinen Neocortex manipulieren. Sozusagen umprogrammieren. Fürs Erste reicht mir eine Gedächtnisextraktion, damit du keinen Bullshit über mich erzählen kannst.‟ Die Muskelberge des Custos bewegten sich wild und zuckend. Seine Atmung ging schnell, sein gewaltige Brust hob und senkte sich. Das Adrenalin schoss nur so durch seinen Organismus. Was hatte dieser Verrückte vor? Und dann spürte er ein anschwellendes Gefühl, Stiche in seinem Kopf, die zu einem dumpfen Nebel ausstrahlten, bis sein Denkvermögen immer weiter versumpfte, langsamer wurde und schließlich nur noch einer Leere und Gleichgültigkeit wich. Er bekam nicht mehr mit, dass er sabberte und seine Augen schloss.

Mortimer vollendete die Behandlung und löste dann die Nanofasern und Schellen von dem Nackten, entfernte die Neuroboxen und stellte Gravis ein Nahrungskonzentrat in den Container. Dann schloss er die Türen wieder. Außen brachte er ein Transfer-Holosiegel an. Es enthielt gefälschte Informationen über Inhalt und den Empfänger des Containers. Da die Logistik automatisiert ablief, würde es nicht auffallen, wenn einer der Container nicht zur neuen Basis von Prospect Enterprises geliefert wurde, zumal er keine Ausrüstung der Firma enthielt und niemand etwas vermissen würde. Frachtbots schoben die Container zu Transportdrohnen oder in Fähren, die zum Zielort flogen. Gravis würde nicht lange auf Beta Patria bleiben. Der Container war für den Express-Transfer zu einem anderen Schiff bestimmt. Mortimer musste nur noch ein paar codierte Videoanrufe tätigen und ein paar alte Gefallen einfordern, und schon würde er diese Muskelkreatur los sein.

Als seine Vorbereitungen erledigt waren, dauerte es nur 51:07 Minuten, bis das Hauptschiff an der Station andockte. Die anderen Schiffe bildeten eine Phalanx, die mit ihren Andockklammern miteinander verbunden waren. Mr. Carthy atmete tief durch. Die wichtigen Geschäftsdaten sowie die wertvollste Hardware von Prospect Enterprises war gerettet. In den nächsten Tagen würden sie ihr neues Domizil nahe der Haupstadt auf Beta Patria beziehen.

Zunächst entluden Frachtbots und Industrielogistikmaschinen das große Frachtmodul des Raumtransporters und beluden vier Frachtfähren, die das Material auf den Planeten bringen sollten. Wie von Mortimer erhofft, fiel niemandem auf, dass ein Container einen anderen Weg einschlug und im Laderaum eines transstellaren Schiffes verschwand, das auf der Rückseite der Station angedockt lag. Wenige Stunden später löste es sich und begann den Schleichmodus, um nach notwendigem Abstand zur Station die Haupttriebwerke zu zünden. Die Destination des IPPC-Schiffes war in den Kursdaten aus Sicherheitsgründen zensiert, da die Koordinaten des Gefängnisses der Interplanetary Private Prison Corporation streng geheim waren.

Neben dem „blinden Passagier‟ Gravis wurden offiziell 24 weitere Personen in die private Haftanlage überführt. Das neongelbe Emblem der Firma war die einzige Stelle des Schiffsrumpfes, das leuchtete. Der Rest blieb vor dem Schwarz der Unendlichkeit unsichtbar. Als der Pilot die Tarnvorrichtung aktivierte, war auch das Firmensymbol nicht mehr zu sehen. Als die Signatur der Triebwerke abgeschirmt war, wechselte das Schiff auf seinen geheimen Kurs zu einem abgelegenen Sol-System, weit entfernt von Handelsrouten der VA. Die IPPC betrieb dort eine Hochsicherheits-Haftanlage auf einer Raumstation im Orbit eines Eisplaneten.

Gravis hörte, wie der Container entriegelt wurde. Wo war er? Und wieso war er nackt? Ein Vierertrupp Männer in schwarzen Uniformhosen und Jacken, darunter trugen sie weiße Hemden, hasteten in den Container und packten den nackten Custos. Selbst vier Männer konnten gegen den Muskelberg nichts ausrichten, doch einer der IPPC-Angestellten zückte seinen Neurohackerstab und drückte ihn Gravis auf den Leib. Augenblicklich sackte der massige Gefangene wie leblos zu Boden. Der Commander des Häftlingtransporters, der mit dem firmeneigenen Schiff der IPPC zugeteilte Verurteilte zu den diversen Anlagen verbrachte, manipulierte gerade in der Datenbank die Passagierliste. Mortimer, sein Schwager, hatte darum gebeten, diesen Custos verschwinden zu lassen. Der Kommandant legte für Gravis eine Häftlingsdatei an, in der er wegen terroristischer Anschläge zu lebenslanger Haft verurteilt war. Vereinfacht wurde der Aufbau der neuen Identität durch die Gedächtnisextraktion des Insassen.

Gravis wachte eine Stunde später in einer Standard-Transport-Zelle auf. Wie war er hierher gekommen? Was war geschehen? Er runzelte die Stirn und hielt sich die Schläfen. Er konnte sich an überhaupt nichts mehr erinnern. Er hieß Gravis... Ja, aber was noch? Wer war er? Wo war er? Eine asexuelle synthetische Stimme aus der Wand ertönte: „Insasse! Sie befinden sich auf der IPPC Parallax und werden in Komplex G-0914/17 überstellt. Die Dauer Ihres Aufenthalts beginnt in 72 Stunden und beträgt: lebenslang. Sie werden nun durch unser Hologramm über Ihre Pflichten informiert. Bei einem Regelverstoß werden Sie sanktioniert. Da Sie eine Amnesie erlitten haben, wird anschließend zu Ihrer Information Ihre Akte präsentiert.‟

Gravis schaute sich die Videodarstellung an und wunderte sich nicht, dass es in erster Linie darum ging, jedem Befehl der Wärter Folge zu leisten. Sanktionen konnten Fixierungen, Schmerzimpulse oder Einschränkungen anderer Art sein. Man schien hier viele Pflichten, aber keinerlei Rechte zu besitzen. Dann starrte er gebannt auf die Akte, die das Hologramm abspielte. Er war ein Custos, ein ehemaliger Haremswächter der Edeldame und Praefecta Audaxa von Fortuna, dem Mond von Regina. Daher stammte auch das Brandzeichen des Familienwappens auf seinem Gesäß. Gravis betastete sein Hinterteil, weil keine Flächen in der Zelle spiegelten. Nach der Eroberung des Planeten durch die VA war Gravis im Untergrund als Terrorist auf Beta Patria aktiv gewesen und hatte sich an Anschlägen beteiligt, so berichtete das Hologramm. Dafür war er vom obersten Gericht zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Die private Gefängniskette IPPC war beauftragt worden, seine Unterbringung durchzuführen.

So weit informierte das Datenhologramm und endete abrupt. Gravis ächzte. Ein Terrorist? Über seine Taten waren ihm keine Details berichtet worden. Hatte er Unschuldigen geschadet? Er schüttelte den Kopf und schämte sich. Dann merkte er, dass er fror. Erst jetzt wurde ihm bewusst, dass er keine Kleidung trug. Er sah sich in der sterilen Zelle um. Alles war aus gebürstetem Stahl: der Hocker mit einer kleinen Tischplatte, die Pritsche (mit einer darauf fixierten Gelmatte), die Toilette und eine Art Waschbecken. Allerdings waren die sanitären Anlagen nur von außerhalb der Zellen steuerbar. An der Decke war eine leuchtende Platte angebracht, die ein kaltes Licht abstrahlte. Während der Holografiedarstellung war es gedimmt gewesen. Gravis vermutete, dass die Platte auch extrem hell leuchten und Lichtblitze abgeben konnte.

Er sah sich weiter in der Zelle um. Der Zugang war von innen nicht erkennbar. Er musste getarnt als zwei der Wandplatten sein. Er rieb sich die Beine und Arme. Es war kalt. Hunger hatte er auch. Als er an sich hinabsah, entdeckte er merkwürdige Löcher in seinen Brustwarzen. Hatte er früher Piercings getragen? Wann bekam er endlich seine Kleidung? Er suchte nach einer Kommunikationsmöglichkeit, ein Mikrofon oder einen Sensor, mit dem er Kontakt aufnehmen konnte. Aber es war nichts zu entdecken. Gravis konnte auch keine Überwachungskamera finden. Allerdings gab es versteckte Mikrocams, die er mit dem Auge nicht würde identifizieren können. Es blieb ihm nichts anderes übrig, als zu warten. Auf Essen. Auf Kleidung. Auf einen Advokaten.

Das Alpha Dominion hatte auf Regina die militärische Hauptbasis eingerichtet. Die wenigen verbliebenen Humanoiden aus der VA waren verklavt worden, alle anderen Personen – Edeldamen aus dem Untergrund – sowie die Munuswesen und Rusticusse waren dem AD angeschlossen worden. Das süße Leben der freien Rusticusse, die Munuswesen als Diener zur Verfügung gehabt hatten, waren nun wieder vorbei; sie befanden sich erneut in der Rolle der Arbeiter. Zwar versklavte das AD sie nicht, aber viele Rechte blieben ihnen nicht.

Die Alba Simia brachten ihre eigenen Sklaven mit. Das traditionsbewusste Volk nutzte die friedliebenden und gewaltfreien Placidus als Diener und Leibeigene. Von ihnen sollten zukünftig weitere Exemplare nach Regina gebracht werden. Das Volk der Scarabaeus fing sie auf deren Heimatplaneten und richtete sie ab. Als Sklavenhändler machten sie schon seit Generationen Geschäfte mit den Alba Simia, die als Schöngeister jegliche physische Arbeit verabscheuten und sich lieber der bildenden Künste, der Geistes- und Naturwissenschaften und Passionen mannigfaltiger Art widmeten.

Ihr ethisches Weltbild und die empathische Charakteristik innerhalb ihres Volkes waren bezeichnend, aber stets nur aus dem Blickwinkel ihrer Ideologie, und die stufte jegliche andere Lebensform zu einem geringeren Wert ab. Aus der Perspektive der Alba Simia waren sie die Krone des Universums, die über allen anderen stand. Die Zusammenarbeit mit fremden Völkern war stets einem Kompromiss geschuldet. Die „Käfer‟, wie sie abwertend die Scarabaeus nannten, lieferten ihnen die Sklaven; das Alpha Dominion sicherte ihnen Wirtschaftskraft und militärische Stärke. Aber langfristig war ihr Ziel, die Scarabaeus zu unterwerfen und zu Soldatensklaven zu machen. Was mit den anderen Lebensformen geschehen würde, da gab es unter Alba Simia noch keinen Konsens. Standard-Menschen beispielsweise waren für nichts gut, aber zu Rusticussen modifizierte Arbeitersklaven waren ökonomisch durchaus verwendbar. Zu gern hätten die Alba Simia die geheime Technologie der Regina zur Genmodulation gehabt. Vielleicht eines Tages...

Die Delegation des Hohen Rates tagte auf Regina in einem ehemaligen Palasthabitat der Exilkönigin. Den Vorsitz hatte die frühere Praefecta Aranea, die den Planeten als eine Art Statthalterin regierte. Sie galt als offizielle Nachfolgerin der liquidierten Augusta Regina I., die einem Attentat zum Opfer gefallen war. Aranea Regina II. saß der Delegation vor und stimmte mit den fünf weiteren Mitgliedern die Strategien ab, um die VA in die Knie zu zwingen. Zark, ein grobschlächtiger Scarabaeus im Rang eines Kaiserlichen Dieners, schlug laut auf den Konferenztisch. „Wir müssen jetzt für alle verfügbaren Flotten den Angriffsmodus aktivieren.‟ Der Alba Simia Altitudo wischte negierend mit seinem schlanken Zeigefinger in der Luft umher. „Wollen wir die gesamte Infrastruktur auf Beta Patria vernichten? Nein! Wir müssen klüger vorgehen.‟ Zark grunzte unwillig. Sein Nachbar Tzrut, ebenfalls ein Kaiserlicher Diener, schüttelte den insektoiden Kopf. „Kein Zaudern! Wir müssen schnell und hart handeln.‟

Die klickenden und zischenden Laute des Wurmskorpions ihm gegenüber ließen die Streithähne verstummen. Der Übersetzungscomputer ertönte: „Immer diese unnötigen Diskussionen. Unsere Offensivstrategie ist kontraktlich festgelegt. Wir, vom Volk der Wurmskorpione, akzeptieren keine Abweichung der Vereinbarungen.‟ Das Amphibienwesen neben ihm nickte zustimmend mit seinem klobigen Kopf und der grünlichen Warzenhaut. Die Nickhaut über seinen Augen klappt auf und zu. Der Sprachcomputer übersetzte seine Worte: „Dies ist auch unser Standpunkt. Und nun lassen sie uns zum Ende der Konferenz kommen. Meine Haut ist bereits sehr trocken. Ich muss dringend wieder ins Becken.‟

Aranea verkündete mit lauter Stimme: „So bleibt es also bei unserer Vorgehensweise, wie sie in Geheimakte 4.1 Offensive VA festgelegt ist. Hiermit beende ich die heutige Sitzung.‟ Sie schlug mit einem kleinen Hammer auf eine Unterlage aus Duroplast, auf dem das Wappen des AD zu sehen war. Das Amphibienwesen sprang mit seinem Exoskelett als erster auf und verließ den Raum. Dann folgte der Skorpionwurm. Aranea betrachtete das Reptilwesen. Dieses Volk war ihr noch suspekter als der Amphib, weil die eigentliche Lebensform ein Wurm in dem Skorpionkörper war und diesen parasitär neural komplett steuerte und dominierte. Die absolute, die ultimative Sklavenbeherrschung. Aranea war fasziniert und abgestoßen zugleich. Sie vergaß dabei, dass Regina I. mit dem männlichen Adelsgeschlecht im Prinzip etwas Analoges praktiziert hatte. Die Gehirne der Männer waren extrahiert und konserviert worden. Als die Technologie weit genug fortgeschritten war, wurden einige der Bewusstseine in Androidenkörper eingefügt, doch ohne die Nervenbahnen mit dem eigenen Willen zu verknüpfen. Nun kämpften sie als Soldaten an der Seite von Cyborgs, Bots und programmierten Androiden bei der Invasion in die Vereinigte Allianz.

Nur die Technologie der Regina ermöglichte es dem Dominion, die gewaltige Übermacht an Soldaten, sogenannte Streiter, bereitzustellen. Ohne Androiden, die in gigantischen Mengen auf Frigidus produziert worden waren, wäre eine Offensive gegen die VA indiskutabel gewesen. Nun galt es, diese Materialschlacht zu gewinnen und die Sektoren der VA zu okkupieren. Die Zwischenbilanz sah gut aus.

Animus wurde mit allen anderen Angestellten von Prospect Enterprises in einem Hotelhabitat in der Hauptstadt von Beta Patria untergebracht. Mr. Carthy organisierte währenddessen unter Hochdruck den Aufbau der Firma im neuen Basiskomplex, den PE zunächst pachten würde. Ein Kauf der Immobilie war langfristig geplant. Die Firma, die auf Regina Erze transportiert hatte, musste ihr Geschäftsmodell an die Gegebenheiten auf Beta Patria anpassen. Aufgrund der aktuellen politischen Lage würde sich das Unternehmen auf Rüstungsgüter spezialisieren. In einem zweiten Zweig sollten Logistiklösungen für Lebensmitteltransfers von Colonia Agricultura nach Pax Novo und Beta Patria offeriert werden.

Dazu mussten weitere Piloten, Mechaniker und Techniker eingestellt werden. Außerdem musste die aktuell geschrumpfte Flotte mit den teils korrodierten Hüllen aufgestockt werden, um die geplanten Geschäftsfelder abdecken zu können. Mr. Carthy war fest entschlossen, Prospect Enterprises auch auf Beta Patria zu einem erfolgreichen und profitablen Betrieb auszubauen, später womöglich auch nach Pax Novo zu expandieren. Sie hatten auf Regina viel zurücklassen müssen, doch davon würden sie sich wieder erholen.

Animus aktivierte alte Hologrammaufnahmen von Gravis. Wehmütig dachte er an seine alten Kameraden. Drei Jünglinge auf Regina waren unbedarft zur Musterung gegangen und vom perfiden System der Despotin auseinandergebracht worden. Sie hatten sich wiedergefunden und waren nun endgültig verloren. Eine Träne lief Animus die Wange hinab. Wie wäre das Leben verlaufen, wenn er zum Munus oder Rusticus modifiziert worden wäre? Wären die Rollen vertauscht gewesen, oder hätte sich etwas völlig anderes abgespielt? Bei einer Sache war er sicher: Er wäre als Custos niemals wieder zurück in die Arme der Unterdrücker gegangen. Schon gar nicht freiwillig. Das passte auch zu Gravis nicht. Irgendetwas war seltsam an seiner Flucht. Irgendetwas stimmte nicht.

Sie hatten doch noch vor wenigen Tagen gut gelaunt zusammen trainiert. Animus hatte die Überwachungskameras überprüfen wollen, aber die entscheidenden Passagen waren definitiv gelöscht worden. Er hatte Mr. Carthy darüber informiert, und gemeinsam mit dem Programmierer Mortimer waren sie bei einer Untersuchung zu dem Schluss gekommen, dass eine Plasma-Überladung die Dateien zerstört hatte – ein extrem seltener Vorgang. Trotzdem blieb die Frage, wie Gravis es geschafft hatte, zunächst unbemerkt unautorisiert das Shuttle zu starten. Ohne die obligatorischen Freigaben. Aber mit wem sollte er darüber sprechen? Mortimer schien froh zu sein, dass sich sein Vorurteil über Custoswesen bewahrheitet hatte, und ihnen nicht zu trauen war. Mr. Carthy war zu beschäftigt. Und sein Pilotenkollege Ricky McCoy war auch nicht gerade der Mann, mit dem er so etwas besprechen wollte.

Animus filterte alle Newsfeeds, die er finden konnte, nach einer Nachricht über einen übergelaufenen Custos, allerdings erfolglos. Entweder war das Shuttle unbemerkt bis zu einem AD-Schiff gelangt, oder es flog noch verirrt durchs tiefe All. In einigen Wochen würde Gravis spätestens der Sauerstoff ausgehen. Vielleicht hatte er die Kurskoordination falsch eingegeben. Animus wurde noch verrückt vor Sorge. Fragen über Fragen. Und er konnte nur hypothetische Spekulationen durchdenken, die ihn keinen Millimeter weiterbrachten.

Er saß in seinem Gelsessel in seiner Suite und aktivierte eine 3-D-Karte des Raumsektors zwischen Beta Patria und der Frontlinie zum AD. Er zoomte in diverse Abschnitte und verglich die berechnete Flugbahn des Shuttles mit Flugbewegungen der feindlichen Dominionschiffe. Wo könnte Gravis Kontakt aufgenommen haben? Oder war er vernichtet worden? Mit 77,2 prozentiger Wahrscheinlichkeit hatte das relativ langsame Shuttle die Frontlinie noch nicht erreicht. Aber was hieß das schon? Schließlich beendete Animus die Darstellungen ergebnislos und schloss resignierend die Augen. Eine Fingergeste sorgte dafür, dass ein Butler-Bot herbei rollte und einen perfekt temperierten synthetischen Gin servierte. Doch all die Annehmlichkeiten in diesem luxuriösen Wohnhabitat sorgten nicht dafür, dass der Pilot bessere Laune bekam. Seine Gedanken schwirrten weiterhin um seinen verschwundenen Kameraden.
Viele Grüße von prallbeutel
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Meine Geschichten:
+++ Die gemeine Miriam +++ Das Unzuchts-Komplott +++ Im Reich der Megara +++ Die Nachtschicht seines Lebens +++ Optional Genetics +++ Venus +++ Regina +++ Inkasso +++
Meine Kurzgeschichten:
+++ Ralfs neues Leben +++ Das Gespräch im Regen +++ Der auferstandene Engel +++ Seine Nummer Eins +++ Amour Libre +++ Die Erben +++ Aller guten Dinge sind drei +++ Das Abschiedspräsent +++ Natascha +++ Friday Talk +++ Tims Schicksal +++ Das Familientreffen +++ Der extravagante Gewinn +++ Lars +++

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  RE: Regina: Aktualisiertes Glossar Datum:05.04.20 19:38 IP: gespeichert Moderator melden


Aktualisiertes GLOSSAR

Augusta Regina: Herscherin des Planeten Regina, abtrünnige Kolonie der Vereinten Allianz. Nach ihrem Exil im Alpha Dominion einem Attentat zum Opfer gefallen. Nachfolgerin: Aranea Regina II.

Alpha Dominion: Bündnis diverser Welten und Lebensformen, einige davon nicht Humanoid.

Planeten im AD:
Frigidus: kalter Planet an der Sektorgrenze, m. militärischen Einrichtungen
Naturalis Sidus: großteils tropischer Planet (Exil für Augusta Regina und der Edeldamen der Adelskaste)
Vereinigte Allianz: Bündnis diverser Welten und Lebensformen (128 Milliarden Humanoiden)

Planeten der VA:
Atra Mundo: Planet und No-go-Area am Rande der VA. 7 Megacitys. Hauptstadt: Atra-City. Kriminelle Organisationen teilen sich die Herrschaft. Sklavenhaltung wird praktiziert. Keine Androidentechnologie. Abgeschnitten durch Embargo.
Beta Patria: liegt im Sol-System X94021-115-BP und beherbergt den Hohen Rat der VA
Colonia Agricultura: Planet mit Landwirtschaft (Nahrungserzeugung)
Litus Mundus: Vergnügungs- u. Urlaubsplanet (temporär als Militärbasis genutzt)
Mare Mutus: Planet in der Nähe des Regina-Systems
Pax Novo: wirtschaftlich starke Welt (233 Mio Bevölkerung); Hauptstadt: Pax-City (14 Mio), liegt im Sol-System von Beta Patria
Regina: abtrünnige Kolonie der VA mit wechselnden Machthabern, inzwischen durch das AD besetzt.
Fortuna: Mond von Regina

Neuromodifizierte Wesen unter Augusta Regina:
Rusticus (Arbeiter) und Munus (Sexsklaven); besondere Rusticus-Variante: Custos (muskulöse Haremswächter)

andere Lebensformen:
Placidus: friedliebende Humanoide (1,30 m groß, stark behaart) werden im AD gerne als Sklaven gehalten
Scarabaeus: insektoid-humanoide Spezies des AD (Kaiserreich). Exotrope Augen, Schuppenhaut, 2 m groß, aggressiv. Offiziersrang: Kaiserlicher Diener. Untergeordnet: Kaiserlich Geführter.
Alba Simia: Hybridform aus Affe u. Mensch. AD. Weiße Haare. Schöngeister. Halten sich Sklaven wie die Placidus (aus ihrem Nachbarsystem). Spielen 3-D-Schach.
Wurmskorpione: Wurm im Wirtskörper eines skorpionartigen Lebewesens. Klickender und zischender Akzent.
Amphibienwesen: abgeschottete Kultur, grünliche Warzenhaut. Können mind. 20 Min. unter Wasser bleiben. 50 cm lange Zunge. Nickhaut über Augen. Heimatwelt hat 0,3 g.
Corium Bestia: stark behaart, muskulös mit ledriger Haut, zwei Meter groß, circa 150 kg Gewicht, IQ 60, humanoide Lebensform, Heimatplanet Nulla Varietas (außerhalb der VA). Gesellschaftsform: Diktatur in Kooperation mit anderen Völkern, Technologie wird importiert. In der VA existieren einige Siedlungen der Corium Bestia, die dort als Leiharbeiter beschäftigt sind.

Konzerne, Vereinigungen:
Bionic Industries (größter Androidproduzent in VA, auf Pax Novo), grünes Logo; Sitz: Pax Novo. (inzwischen verstaatlicht)
Prospect Enterprises: Erzverarbeitungsbetrieb. Sitz: Regina (inzwischen aufgegeben und nach Beta Patria umgesiedelt)
IPPC (Interplanetary Private Prison Corporation): private Gefängniskette, gelbes Logo. Diverse Standorte.
Securitas Tracing Corp.: Organisation zur Festnahme von rebellierenden Munuswesen und Edelfräuleins auf Regina. (Nach der Besetzung durch das AD aufgelöst)
Noxius-Bruderschaft: kriminelle Verbindung auf Atra Mundo



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  RE: Regina Datum:05.04.20 19:41 IP: gespeichert Moderator melden


~ LXXVIII ~


In der Folgezeit bestellte Mr. Iceberg „seine‟ Marina beinahe täglich. Jedes Mal lernte sie besser, ihrem Kunden die beste Behandlung zukommen zu lassen. Bald schon dachte Artus Iceberg darüber nach, Marina zu kaufen. Ob das möglich war? Offiziell war Sklavenhaltung auch auf Atra Mundo verboten, aber er konnte dem Syndikat, dem sie gehörte, eine gewisse Summe Dilithiumeinheiten zahlen. Dann wäre Marina frei und unabhängig. Konnte raus aus dem Slum. Zumindest theoretisch. Selbstverständlich hatte sie dann bei ihm zu bleiben. Wenn er für ihre Kosten aufkam, würde sie sicherlich im Habitat leben dürfen. Seine Suite war ja groß genug.

Er freute sich schon auf das heutige Treffen, bei dem er ihr von seinem Plan berichten wollte. Marina sah ihn immer so ehrfürchtig und bewundernd an, irgendwie verliebt. Hatte sie sich auch in ihn verguckt? Oder erschien ihm das nur so? Auf jeden Fall würde sie ihm dankbar sein, wenn er sie aus den armseligen Lebensverhältnissen herausholte, denen sie bisher ausgesetzt war. Iceberg aktivierte das Holo-Entertainmentprogramm und zappte durch die Offerten: Kriegsberichtserstattung von der weit entfernten Front, bei der sich momentan eine Patt-Situation andeutete. Dann klickte er auf eine Spielshow, bei der sich die Kandidaten aus den Slums gegenseitig böse Streiche spielten. Der Gewinner erhielt ein Nahrungspaket.

Der nächste Kanal bot eine ganze Auswahl an Erotikvideos zum Teil sehr bizarrer Art. Als Iceberg eine zierliche Humanoidin sah, die in medizinischen Fixiergurten lag und von einem viel größeren Wesen mit einem gewaltigen Noppenphallus genommen wurde, schaltete er schnell weiter. Trotzdem neugierig geworden öffnete er ein Infomenü und erfuhr, dass hier eine Frau und ein Corium Bestia kopulierten. Der Ex-CEO musste in einem Lexikon nachsehen, was das sein sollte. Er hatte noch nie von der Lebensform gehört: Corium Bestia, stark behaart, muskulös mit ledriger Haut, zwei Meter groß, circa 150 kg Gewicht, IQ durchschnittlich bei 60, gehören zu den humanoiden Lebensformen, Heimatplanet Nulla Varietas (außerhalb der VA). Gesellschaftsform: Diktatur in Kooperation zu anderen Völkern, da die Corium Bestia kaum eigene Technologie entwickeln. In der VA existieren einige Siedlungen der Corium Bestia, die dort als Leiharbeiter beschäftigt sind.

Iceberg überflog die Historie der Spezies. Dann sah er sich eine 3-D-Darstellung der Anatomie an. Der Phallus war mit dicken Noppen übersät. Länge und Durchmesser entsprachen einem menschlichen Unterarm. Er erinnerte sich an das Video mit der Frau... Ob der Film hier in seinem Habitat, Star 3, entstanden war? Groß genug für viele Studios war es ja. Er tippte weiter und fand die Unterauswahl „Wettbude‟. Ein Fenster poppte auf: „Zur Freischaltung Ihres Accounts senden Sie vier Dilithiumeinheiten an den angegebenen Link.‟ Iceberg folgte der Anweisung. Daraufhin verschwand das Bild. Ein grünes OK-Häkchen leuchtete auf. Dann teilte sich die Bildschirmdarstellung: Links stand „Ihr Wetteinsatz‟. Dazu gab es Eingabemöglichkeiten für Mindest- oder Maximal-Dauer der Wette. Rechts waren Battles anzuklicken.

Das Untermenü versprach „Ultra-Fight 1 (Mann vs. Mann)‟, „Ultra-Fight 2 (Frau vs. Frau)‟ und diverse Varianten (Frau vs. Mann, Humanoid vs. alternative Lebensform etc.). Ein anderer Titel lautete „Hunger-Games‟. Iceberg klickte es an. In einem dämmrigen Raum waren mehrere kleine Käfige zu sehen, in denen sich nackte Personen befanden, die sehr dünn wirkten. Schnell deaktivierte er das Bild wieder und klickte stattdessen auf „Electric Fun‟. Mehrere Kandidaten aus den Slums standen in einer Reihe nackt in einem Studio. Sie trugen alle Hodenelektroden. Jeder von ihnen hatte einen roten Buzzer vor sich stehen. Wer sich innerhalb einer vorgegebenen Zeit die meisten Stromstöße gab, war Sieger. Das Spektakel wurde live mit Publikum im Studio übertragen.

Iceberg murmelte. „Woher soll ich wissen, wer da die meiste Motivation hat?‟ Er zuckte mit den Achseln. Was soll´s? Warum nicht einen Versuch riskieren? Der Mindesteinsatz war niedrig. Er tippte auf den zweiten Mann von links, der etwas athletischer gebaut war als die anderen. Seine Wette platzierte er im linken Fenster: zwei Dilithiumeinheiten. Er konnte auch sehen, wie viele Spieler aktiv waren. Momentan machten 134 Personen mit. Jetzt kam es auf die Wettquote an. Leider setzten 119 andere Spieler ebenfalls auf Kandidaten zwei. Iceberg seufzte. Selbst, wenn der Typ gewann, würde dabei nicht viel herauskommen. Hätte er mal einen Außenseiter gewählt.

Erst jetzt fiel ihm ein junger Bursche auf, der ganz rechts stand und fast schon feminin wirkte. Sein Kopfhaar war brustlang, am restlichen Körper befand sich dagegen kein einziges Haar. Er zitterte vor Aufregung oder Angst. Dem war nicht viel zuzutrauen. Aber wer weiß schon?, fragte sich Iceberg. Umentschieden konnte er sich leider nicht mehr. Der Moderator gab mit süffisantem Ton noch ein paar lustige Anspielungen zum Besten, die mit Strom, Hoden und Schmerzen zu tun hatten. Die Zuschauer im Studio grölten.

Die zehn Kandidaten selbst wussten nicht, wie viel Zeit ihnen blieb. Die wettenden Spieler am Monitor jedoch sahen einen Countdown: Die Gesamtzeit betrug 10:00 Minuten. Jede Buzzerbetätigung führte zu einem kurzen heftigen Stromschlag. Was die Kandidaten bald merken würden, war, dass nach jeweils zehn Stößen die Stärke ein wenig erhöht wurde. Die genauen Daten von Volt und Ampere zeigte das Fenster in einem Balken für die Spieler an. Damit die Kandidaten nicht mitbekamen, wie viele Punkte der Gegner gesammelt hatte, erhielten sie Neutralisations-Ohrenstöpsel und eine Augenblockade: Durch eine Spezialbrille wurde temporär der Sehnerv ausgeschaltet. Das Startsignal erhielten sie daher durch eine Vibrationsplatte unter ihren Füßen.

Der Countdown begann, und die Männer knallten ihre Hand auf den Buzzer. Offenbar war der Schmerz doch größer als erwartet, denn nach wenigen Aktivierungen sank die Geschwindigkeit der Kandidaten deutlich. Sie krümmten sich und stöhnten und überlegten immer länger, ob sie erneut drücken sollten. Aber einige wollten es wissen und schlugen immer wieder auf den Buzzer. Darunter sogar der weibliche Typ, der schrie und seinen Körper verrenkte, aber nicht aufgab.

Der Moderator trieb die Kandidaten mit lockeren Sprüchen an, um seinen Zuschauern das beste Entertainment zu bieten. Einige Zuschauerinnen kreischten und kicherten. Während der Femboy zeitweise sogar führte, erwies sich der Muskelathlet als Enttäuschung und lag an drittletzter Stelle. Iceberg murmelte: „Das war´s dann wohl. Der stellt sich ja an!‟ Wie erwartet, erhielt Iceberg nach Ende des Countdowns den Hinweis: „Leider haben Sie keinen Gewinn erzielt. Machen Sie doch in zwei Stunden beim nächsten Durchgang wieder mit! Viel Glück!‟

Der Jüngling hatte tatsächlich mit 123 Buzzern gewonnen. Iceberg klickte das Fenster weg. Er fragte sich, ob beim nächsten Durchgang die selben Kandidaten wieder da standen, oder ob neue eingesetzt würden. Er kicherte heiser. „Wenn das immer die selben sind, dann sind das echt arme Schweine!‟ Mit einer Geste holte er die Uhrzeitanzeige zu einer schwebenden 3-D-Projektion hervor und stellte fest, dass in einer halben Stunde Marina kam. Er scrollte weiter in der Liste. Es gab schier unendlich viele Shows – manche in Studio mit Publikum, manche auch ohne Zuschauer gefilmt. Das musste eine gigantische Industrie sein. Vermutlich lebten nicht wenige Menschen aus den Slums von der Teilnahme an diesen Spielen.

Iceberg wurde auf den Titel „Happy Hunt‟ aufmerksam. Sein erster Gedanke ließ ihn erstarren. Wurden da etwa Menschen liquidiert? Aber die Infobox klärte ihn auf: In einer dafür präparierten riesigen Halle auf einem ehemaligen Industrie-Areal jagten drei Jäger 24 Häschen. Kurz darauf blendete sich ein Häschen in 360-Grad-Darstellung ein, und Iceberg musste lachen: Die Tierchen waren Menschen mit Hasenkopfhaube und einem Buttplug mit Puschel. In diesem Outfit versuchten sie möglichst lange den Jägern aus dem Weg zu gehen. Die Hunter hatten Elektro-Impulswaffen, die kleine Kugeln aus einer knetartigen Masse verschossen. Trafen sie auf ein Häschen, klebten sie fest und verformten sich zu einer etwa drei Zentimeter großen Elektrode, die einen achtsekündigen Stromstoß abgab. Damit war der Hase zunächst aus dem Spiel, kam aber nach einer Pause wieder hinzu. Wer zuerst eine bestimmte Anzahl Hasen erbeutet hatte, gewann die Jagd.

Die Jäger trugen modisch geschnittene Tarnkleidung. Zu Icebergs Überraschung waren alle drei Jäger weiblich. Eine Blondine mit Kurzhaarschnitt hatte ihre Basecap mit dem Schirm nach hinten aufgesetzt. Am linken Nasenflügel war sie mit einem Ring gepierct. Eine Brünette mit langem Pferdesch****z hatte auf ihre Basecap eine militärische Sonnenbrille gesteckt. Die dritte Dame war dunkelhäutig und trug die langen schwarzen Locken offen. Sie hatte ihre Basecap zusammengerollt unter eine Schulterklappe gesteckt. Der knallrote Lippenstift dominierte ihr Gesicht. Iceberg grinste und murmelte. „Geile Bräute und heiße Waffen – was will Mann mehr?!‟

Auch hier konnten die Zuschauer nur an den Schirmen wetten. Aber Iceberg scrollte lieber noch weiter. Er fand „Mathe-Test‟. Skeptisch runzelte er die Stirn. Das hörte sich aber nicht sehr spannend an. Doch in der Infobox wurde ihm erläutert, dass die Kandidaten während ihrer Rechenaufgaben Stresssituationen ausgesetzt waren. So gab es beispielsweise den „Hot Chair‟ und den „Hot Plug‟. Der Ex-CEO schüttelte teils amüsiert, teils befremdet den Kopf und ließ den Service-Bot ein kaltes Getränk servieren.

Er scrollte bis ans Ende der Liste. „Hit your Neighbour‟ - der Titel sprach für sich, und als Iceberg kurz in ein Sample-Video klickte, sah er mehrere Nackte im Kreis stehen und zum Takt der lustigen Musik mit einem Brett auf das Gesäß des Vordermannes schlagen. Wahrscheinlich gewann derjenige, der als Letzter mitmachte. Iceberg hatte genug. Das waren ja Abgründe! Umso entsetzter war er, als er merkte, dass er eine Erektion bekommen hatte. Sein bestes Stück war nässend vor Lust. Da gab der Eingang einen dezenten Klang von sich: Besuch. Iceberg grinste. Was für ein Timing! Marina, ich liebe dich immer mehr!

Sie trug wieder diesen langen Mantel, unter dem sich ihre wunderschöne Figur verbarg. Sie hatte ihn kaum abgelegt, da riss er sie an ihrem Geschirr herum und beugte sie über die Lehne eines Gelsessels. „Willst du es heute härter haben?‟ Marina zitterte leicht und hauchte ihm zu: „Ja, bitte, bitte besorge es mir hart.‟ Und wäre die Eingangstür des Apartements 75-1365 nicht schalldicht gewesen, so hätte man die Schreie gehört, in denen sich Verlangen und Schmerz verschmolzen.

Aranea Regina II. saß am Kopfende des langen Konferenztisches aus Hydroquarz in ihrem Palast auf Regina und besprach sich mit dem Hohen Rat des Alpha Dominion. In den vergangenen Tagen war ihre Offensive stagniert. Zu stark war der Widerstand der Vereinigten Allianz. Trotz der Myriaden von Androiden und Robotern konnten sie nicht durchbrechen und das dezisive Sol-System mit Beta Patria erobern. Doch dann erreichte die Führerin der Delegation des Hohen Rates während der Versammlung eine höchst brisante Information aus Geheimdienstkreisen.

In der VA tobte eine zweite Front, die den Gegner bedeutend schwächte. Zahlreiche Androiden waren außer Kontrolle geraten, Ein illegales Update einer bionischen Firma hatte dazu geführt, dass Künstliche Intelligenzen einer Android-Serie keine Beschränkungen mehr hatten und völlig autonom und selbstbestimmt ohne Skrupel agierten. Sie schienen nun den Dienst zu verweigern und abzuwarten, wer den Konflikt gewann, um in Kooperation mit den neuen Mächten einzutreten. Doch dieser Programmfehler war nun nachweislich von den direkt betroffenen Androiden auch auf andere Modelle übertragen worden. Die Spionageprogramme des AD hatten eine aktuelle Fehlfunktionsrate von 21,7 Prozent aller Androiden der VA errechnet. Die Experten spekulierten, dass die infizierten Androiden bewusst ihre neu entstandene Spezies – wenn man sie so nennen konnte – vermehren wollten, um den eigenen Einfluss zu maximieren. Damit war ihr akuter Feind die VA. Besser konnte es für das AD nicht laufen. Aranea jubelte. Der Alba Simia Altitudo lächelte. „Warum kontaktieren wir den Sprecher dieser Androiden nicht und verbünden uns? Das wäre noch effizienter. Wenn wir die Operationen abstimmen...‟ Regina II. nickte. „Die militärischen Nachrichtendienste sind bereits aktiv.‟

Animus las gerade in einem Newsfeed über die Gefahr der infizierten KIs, denn die Regierung hatte entschieden, die Problematik öffentlich zu machen. Im Worst Case würden sich die Androiden reproduzieren. Das Know How dafür besaßen sie; es fehlte ihnen nur noch an der Hardware. Wenn sie die Kontrolle über die Spezialfabriken erhielten, gäbe es kein Halten mehr. Alle Produktionsstätten für Androiden sowie Zuliefererfirmen wurden stillgelegt und streng gesichert.

Des Weiteren wurde die Antiandroidennotstandsverordnung (AANV) erlassen. Eigentümer von Androiden im Sol-System von Beta Patria mussten sich darauf einstellen, dass die Modelle zu einem nahen Termin deaktiviert werden mussten. Wer sich nicht darauf vorbereitete, den traf zum Zeitpunkt der Inkraftsetzung die automatische Zwangsabschaltung durch die Behörden. Leider waren sich die Experten nicht sicher, ob sich auch infizierte Androiden so einfach per Fernwartung sperren ließen. Eine Warnung an die Bevölkerung hieß: „Vertrauen Sie keinem Unbekannten! Führen Sie generell bei fremden Personen einen Bio-Scan durch. Wenn Sie sich bei einer Person unsicher sind, melden Sie dies unmittelbar den Behörden.‟

Was die Regierung verschwieg, war das Resultat einer Expertengruppe, die errechnet hatte, dass in circa fünf Jahren die befallenen Androiden in der Lage sein würden, Humanoide, die sich in Stasis befanden, zu reanimieren und sich deren Körper als Wirt zu bedienen, in dem nur noch der Chip des Androiden nicht organisch war, aber alle Kontrolle besaß. Dann würden auch Bio-Scans bei der Entlarvung von KIs versagen. Das war der Gegenentwurf zu den vom Regina-Regime entwickelten Androiden, in denen die Bewusstseine der männlichen Adelskaste integriert waren.

Animus hatte genug schlechte News gesehen und musste sich ablenken. Er verließ seine Hotelsuite, um die Bar nur drei Ebenen tiefer zu besuchen. In angenehm gedimmter Atmosphäre setzte er sich an eine indirekt beleuchtete Plexiglastheke auf einen ebenso transparenten Barhocker und bestellte einen synthetischen Gin. Zwei Hocker weiter saß eine attraktive Frau und nippte an einem hohen Glas mit grünem Inhalt. Sie trug enge anthrazitfarbene Latexkleidung. Ihre knallroten Haare im Pagenschnitt wirkten wie ein intensiver Kontrast. Sie lächelte ihm zu. Der junge Pilot lächelte freundlich zurück. Ob die Dame wirklich eine einsame Lady war, die womöglich eine nette Bekanntschaft suchte? Oder würde sie sich als professionelle Liebesdienerin entpuppen, die auf ein Geschäft hoffte?

Sie hatte ein makelloses Gesicht, und auch die Figur war beinahe zu perfekt, um natürlich zu sein. War sie ein Android? Oder medizinisch optimiert? Ein Versuch war es wert. Animus bot ihr einen Drink an. Die Frau stellte sich charmant als Violetta vor und bedankte sich, nahm noch mal das grüne Getränk. Der Gastgeber hielt seinen mobilen Kommunikator hoch. „Hätten Sie etwas dagegen...?‟ Violetta nickte verständnisvoll. „Bio-Scan? Natürlich nicht. Machen Sie ruhig. Heutzutage kann man nicht vorsichtig genug sein.‟ Sie hielt ihm eine perfekt manikürte Hand entgegen, an die Animus seinen Scanner hielt. Jetzt saß sie auf dem Hocker direkt neben ihm. Das Gerät zeigte die DNA an: 100 Prozent Humanoid.

Violetta betrachtete ihn amüsiert. „Gehören Sie zu der Crew von Prospect Enterprises?‟ Animus bejahte. „Ich bin Pilot. Unsere Firma möchte sich ein Standbein hier auf Beta Patria aufbauen. Ich stamme von Regina, war dort unter der Diktatorin Pugnator und später dann bei der VA. Inzwischen bin ich Zivilist und mache meinen Job gern.‟ Die Rothaarige zückte ihren Kommunikator und wackelte damit in den Händen. „Dürfte ich dann auch?‟ Animus räusperte sich verlegen. „Oh, äh, ja. Selbstverständlich. Verzeihen Sie.‟ Während sie ihn scannte, betrachtete er ihre katzenartigen tiefgrünen Augen. Ob sie operativ modifiziert worden waren?

Die Dame drückte den MK zurück an eine Klettstelle an ihrem seitlichen Oberschenkel. „Ich darf verkünden, dass diese Bar nicht durch Androiden infiltriert wurde.‟ Sie waren die einzigen Gäste. Hinter der Theke arbeitete ein Service-Bot. Diese primitiven Roboter waren vom AANV ausgenommen – wie auch Industrie-Bots und autonome Logistikgeräte oder inetelligente Frachtdrohnen. Animus stieß mit Violetta an. „Dann auf zwei Menschen in einer kleinen Bar.‟ Es knisterte in der Luft. Sie tranken, und der Pilot fragte: „Violetta, ich weiß noch gar nichts über dich.‟ Die unbekannte Schönheit lächelte. „Ich bin eine geborene Beta Patrianerin. Ich war bei der STC, wenn du weißt, wer das war.‟ Animus hob staunend die Augenbrauen. „Securitas Tracing Corp? Da warst du? Auf Regina?‟

Violetta schüttelte ihren Pagenschnitt. „Nicht direkt. Ich habe von Beta Patria aus gearbeitet. War für die Koordinierung zuständig. Ich selbst war nie bei einer Jägereinheit und habe Munuswesen und Rusticusse gefangen. Das haben meine Kollegen gemacht.‟ Sie seufzte. „Aber seit Regina vom Dominion besetzt ist...‟ Animus nickte wissend. „... ist die STC abgewickelt worden.‟ Die Rothaarige erklärte: „Habe gerade einen neuen Arbeitsvertrag im Controlling für Konfigurationen von Platinen unterschrieben bei einem behördennahen Computerchiphersteller hier auf Beta Patria. Die bauen auch die gesamte Hardware-Struktur für die Zentralverwaltung der Regierung.‟ Animus trank beeindruckt von seinem Glas. „Du bist wohl hochbegabt. Was kannst du noch so alles?‟ Violetta sah ihn schelmisch an, klimperte lasziv mit ihren Wimpern und sah ihm fest in die Augen. „Finde es heraus...‟

Animus merkte, wie sich in seiner Hose eine Erektion bildete. Diese Zufallsbegegnung war nicht nur intelligent sondern auch mit einem Sexappeal ausgestattet, den er bisher bei nur wenigen Frauen gefunden hatte. „Du... hast sehr schöne Augen. Das haben dir bestimmt schon viele Typen gesagt.‟ Violetta legte eine Hand auf seinen Schenkel. „Aber noch kein so attraktiver Mann.‟ Plötzlich störte eine metallene Stimme: „Möchten Sie noch einen Drink?‟ Der Service-Bot war unbemerkt auf seinen Gummilaufrädern herangerollt. Animus und Violetta lachten. Der Pilot verneinte und schmunzelte die Dame an. „Soziale Kompetenz fehlt den Schrottkisten noch.‟ Sein Gegenüber lachte glockenhell. „Ja, wenn du Lust hast, können wir unser Gespräch in meiner Suite weiterführen. Bei einem Kaffee Delicatus aus dem Hochgebirge Solus auf Colonia Agricultura. Das beste Getränk der Galaxie!‟

Animus freute sich. „Sehr gute Idee. Da bin ich gespannt. Ich würde dich gerne näher kennenlernen.‟ Violetta sprang sportlich vom Hocker, hielt sich dabei an Animus fest und hinterließ an seinen Oberarmen ein wohliges Kribbeln. Er berührte den Bezahlsensor am Tresen und verließ mit seiner neuen Bekanntschaft die Bar gerade noch rechtzeitig. Als er sich auf dem Korridor umdrehte, sah er noch, wie sein Kollege Ricky McCoy mit zwei weiteren PE-Mitarbeitern die Bar betrat. Einer von ihnen war dieser unsympathische Mortimer. Animus spürte, wie Violetta nach seinem Arm griff und sich einhakte.

Ihre Suite befand sich vier Ebenen über der von Animus. Vor dem Eingang sagte sie: „Öffnen‟. Das Stimmenzugangsprogramm entriegelte augenblicklich die Tür. Sie traten ein, und der junge Pilot kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. „Das nenne ich mal eine Luxussuite! Davon ist meine Welten entfernt. Wow! Und die Kuppel an der Decke! Liegt deine Suite in einem Erker des Habitats?‟ Violetta bejahte die Vermutung. „Ja, der Himmel ist keine Projektion sondern echt. Diese Suite gibt es nur mit Beziehungen. Aber ich kenne den Hotelier.‟ Animus schluckte. „Du kennst den Hotelier? Du überrascht mich immer mehr.‟

Dann sah er ein zylindrisches Gerät an der Wand hängen. „Was ist das denn?‟ Violetta kam zu ihm und nahm das Teil ab, legte einen kleinen Schalter um und gab einen Code auf einem Touchpad ein. „Mit dem FNS hat die STC Munuswesen eingefangen. Soll ich es mal demonstrieren?‟ Animus zuckte mit den Achseln. Violetta grinste frech. „OK. Du bist jetzt ein Munus...‟ Sie ging ein paar Schritte zurück, drückte auf den Auslöser, und sofort schoss ein Netz aus verdickten Nanofasern hervor und stülpte es präzise über das Ziel, zog sich kräftig zusammen und fixierte die Person. Animus wurde zusammengedrückt und lag kurzerhand wie ein Embryo auf dem Boden verpackt.

Violetta lachte wieder ihr glockenhelles Lachen. Dann deaktivierte sie das FNS, und das Netz löste sich in kleine Kügelchen auf, die auf den Boden prasselten wie Reiskörner aus einem kaputten Sack und sich langsam auflösten. Bevor Animus sich hochrappeln konnte, hatte sich Violetta auf ihn gesetzt und seine Hände auf den Boden gedrückt. „Hab dich!‟ Sie beugte sich vor und stöhnte wohlig, als sich Animus zu ihr hochbäumte und sie leidenschaftlich küsste. Nach wenigen Augenblicken drehte sich der Pilot ruckartig herum und kniete nun über seiner Eroberung. Sein Gesicht vergrub er im Ausschnitt des Latexoveralls. Nein, merkte er, es war ein Oberteil und eine Hose. Er schob das Kleidungsstück ein wenig nach oben, um den flachen Bauch der Frau freizulegen und küsste ihn. Violetta bäumte sich unter ihm voller Verlangen. Sie tastete nach einem Knopf an ihrer Hose und drückte ihn. Der scheinbar normale Latexstoff löste sich innerhalb von fünf Sekunden auf. Animus war ein paar Sekunden lang perplex. Nun lag sie splitternackt unter ihm. Der junge Mann stöhnte nun lustvoll auf und nestelte hastig an seiner eigenen Hose. „Dein Kaffee Delicatus muss warten...‟ Diese Frau hatte immer noch eine weitere Überraschung auf Lager...

Gravis hatte inzwischen seine Kleidung erhalten: einen sich selbst reinigenden eng anliegenden gelben Overall. An der linken Brust sowie auf dem Rücken befand sich eine große Identifikationsnummer. Auch Nahrung hatte er erhalten, wenn auch für seine Verhältnisse eine spartanische Portion, die aus einem undefinierbaren Brei bestand. Die Hoffnung auf einen Advokaten hatte er sich abgeschminkt. Auch die Frage nach dem Zelleneingang hatte sich gelöst. Allerdings anders, als erwartet. Gravis hatte ein getarntes Schott vermutet, doch es gab schlicht keinen Zugang zu den Zellen. Stattdessen wurden die Insassen mit moderner Teleportertechnologie aus ihren Behausungen an andere Lokalisationen übertragen. Auch ihre Nahrung erhielten sie auf diesem Wege.

Damit war ein Ausbruch aus der Zelle kategorisch auszuschließen. Die Wände waren mit Nanostäbchen verstärkt und mit einem Aerogelkern gefüllt. Damit entsprachen sie der höchsten Sicherheitsstufe, die in der VA bekannt war. Keine Plasmawaffe konnte diese Panzerung durchbrechen. Gravis hatte bisher weder Wärter noch Gefangene kennengelernt. Sollte er in absoluter Isolation gehalten werden? Er zermarterte sich immer noch den Kopf über seine Vergangenheit, aber bis auf die Informationen, die ihm vorgespielt worden waren, ließ sein Gedächtnis sehr zu wünschen übrig. Mittlerweile wusste er nicht mehr, was nun tatsächlich auf seiner Erinnerung beruhte, und was ihm die Haftanstalt gezeigt hatte.

Und noch etwas fiel ihm auf: In seinem Nacken zwickte es leicht. Er tastete auf der Haut herum und spürte eine leichte Erhebung. IPPC musste ihm einen Chip implantiert haben. Der ehemalige Custos war sich klar, dass er damit überall geortet werden konnte. Aber damit nicht genug. Wenn man ihm auch einen Neurohacker eingesetzt hatte, dann würde er blitzschnell ausgeschaltet werden können wie einen Roboter, dem man den Stecker zog. Er hatte in einer Datenbank davon gelesen, dass IPPC diese Ausrüstung bei hohen Militärs der Regina anwendete. Merkwürdig, dass er sich an solche Details erinnern konnte, aber sonst nichts zu seinem Leben wusste.

Die Eintönigkeit in seiner Zelle machte ihn zusätzlich wahnsinnig. Er musste sich irgendeine Beschäftigung suchen. Als erstes fiel ihm Sport ein. Er machte Liegestützen, Dips, Kniebeugen, fand aber nichts für Klimmzüge. Dafür versuchte er einen Kopfstand, um sich hochzudrücken. Aber so konnte er sich ja nicht den ganzen Tag beschäftigen. War überhaupt Tag? Oder Nacht? Gab es hier eine Stationszeit? Das Deckenlicht brannte permanent. Monoton. Wie lange war er bereits in dieser Anstalt? Tage? Wochen? Er hatte kein Zeitgefühl mehr. Einen Wärter zu kontaktieren, war ihm nicht gelungen. Niemand antwortete ihm. Er ging in der kleinen Zelle hin und her und hin und her. Zum mindestens zehnten Mal heute machte er Sit-ups, um sich abzulenken.

Das Spezialmaterial seines Overalls transportierte seinen Schweiß nach außen. Ansonsten saß das Kleidungsstück wie eine zweite Haut. Seine Muskelberge bildeten sich natürlich ab, aber auch sein Gemächt war detailreich zu erkennen. Wohl fühlte er sich in dem Teil nicht. Irgendwie erinnerte ihn das an eine frühere Erfahrung, aber er kam nicht drauf, wann und was das gewesen war. Hatte er in seinem früheren Leben schon mal so engen Stoff getragen? Aber warum und wo? Aufgrund seines metamorphosen Körperbaus war ihm klar, dass er Custos gewesen sein musste. So stand es auch in seiner Akte von IPPC. Aber als Custos trug man einen Lendenschurz aus Polyamid und Armschienen aus Carbon. Je mehr er sich zu erinnern versuchte, desto dichter wurde der Nebel in seinem Kopf, als sabotierte etwas seine Erinnerungen. Bald schon wusste er gar nichts mehr. Wie ein Computer, der sich aufgehängt hatte, war Gravis nicht in der Lage, einen klaren Gedanken zu fassen. Stattdessen legte er sich ächzend auf seine Pritsche und schloss die Augen.

Er fiel gerade in einen Halbschlaf, da weckte ihn eine laute synthetische Stimme, die seine ID-Nummer herunter leierte. „Aufstehen und in der Mitte der Zelle positionieren!‟ Das hatte die Stimme auch gefordert, als er in einen Raum gebeamt worden war, in dem er seinen Overall gefunden hatte und anziehen musste. Nun würde er also zum zweiten Mal seine Zelle verlassen. Ob er mal endlich jemanden aus Fleisch und Blut sehen würde?

Er wartete auf die Tonfolge, dann spürte er ein leichtes elektrisierendes Gefühl auf seiner Haut, und dann war er für einen Augenblick bewegungsunfähig und löste sich vor seinen Augen auf. Ein seltsames Gefühl. Beruhigt stellte er fest, dass er an einem anderen Ort wieder materialisierte. Es war nicht die Kleiderausgabe sondern ein fast leerer Raum mit Metallwänden. An einer Wand war eine Spiegelfläche von zwei mal einem Meter Größe. Vermutlich ein Fenster für einen Beobachter. Die laute Synthetikstimme erschrak ihn: „Stellen Sie sich auf den gelben Kreis mit dem Gesicht zur grauen Wand.‟ Gravis sah die Kennzeichnung mitten im Raum und folgte der Anweisung. „Strecken Sie ihre Arme über den Kopf nach oben aus.‟ Als er dieser Aufforderung nachkam, schossen aus der Decke zwei Robotikarme aus Metall und mit Manschetten, die seine Handgelenk fest umschlossen und ihn so fixierten. Synchron packten zwei massive Stahlgreifer seine Fußgelenke. Als nächstes schoben sich die Bodenkrallen einige Zentimeter auseinander, so dass Gravis nun gespreizt stand. Seinem ersten Impuls folgend, spannte er seine gewaltigen Muskeln an, aber die Vorrichtung war so massiv, dass sie sich keinen Millimeter bewegte.
Viele Grüße von prallbeutel
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  RE: Regina Datum:19.04.20 18:15 IP: gespeichert Moderator melden


~ LXXIX ~


Auf Atra Mundo im riesigen Moloch Atra-City standen die gesicherten Wohnhabitate und Park-Kuppeln der Reichen, während Slums und Industrie-Areale um das Zentrum wucherten. Die Bevölkerung der Armensiedlungen schuftete praktisch rechtlos um ihr Überleben. Im Gegensatz dazu lebten die Privilegierten in den Habitaten in Saus und Braus. Mit Dilithium ließ sich alles erkaufen: Luxus, Freiheit und Schutz vor den kriminellen Bruderschaften, die faktisch die Macht über den Planeten hatten.

Offiziell gab es eine Regierung, Behörden und Polizei sowie Gerichtsbarkeit, aber die Bruderschaften waren die wahren Herrscher des Planeten. Regelmäßig stürmten Spezialeinheiten der Planetenpolizei die Slums, um nach Drogen, Waffen oder Diebesgut zu suchen. Oft waren es vorgeschobene Gründe. Es ging meist darum, von den Armen Schutzgelder zu erpressen. So waren die den Mitgliedern der Bruderschaften und zusätzlich den Machenschaften der korrupten Polizei und deren Willkür ausgeliefert. Wer sich nicht schnell genug versteckte, wenn Einheiten unterwegs waren, der wurde zum Opfer der Uniformierten.

Vermutlich waren die Banden nur deshalb nicht so häufig in den Slums unterwegs, weil die Luft dort so ungesund war. Die Atmosphäre von Atra Mundo enthielt viele Schadstoffe, die die Lebenserwartung rapide senkten. Aus den Kanalisator-Anlagen der großen Wohnhabitate von Atra City flossen Kanäle mit Abwasser und chemischen und organischen Stoffen an den Slums vorbei, um viele Meilen entfernt in großen toten Seen zu münden. Einige Frachtdrohnen flogen täglich über den Kanälen, um Abfälle aus Schwermetall-Rückständen und anderen Ausschuss aus den Industriefabriken zu entsorgen, und entleerten ihre Tanks dort. Vor allem Blei, Quecksilber und Cadmium, aber auch Thallium enthielt das Gewässer, dazu fanden sich Pestizide und eine Vielzahl an Toxinen sowie diverse Säuren. Niemand näherte sich den Kanälen, wenn es nicht unbedingt notwendig war.

Die Produktion von Nahrung war für die arme Bevölkerung nicht möglich. Wer in der Atmosphäre von Atra Mundo ungeschützt Lebensmittel anbaute, vergiftete sich damit. So waren die Menschen generell auf „Spenden‟ von den Bruderschaften angewiesen. Wer Schutzgeld bezahlte, für den wurde mehr oder weniger gesorgt. Es gab Lieferungen von Überschuss aus den Wohnhabitaten, die in den Biolabors und Molekularproduktionsstätten hergestellt worden waren. Meist handelte es sich um die Basisbiomasse, aus der diverse Speisen hergestellt wurde. Die schmeckte zwar recht neutral, doch enthielt sie einige Nährstoffe und vor allem Kalorien aus Kohlenhydraten, Fetten und Proteinen.

Für Menschen, die beinahe nichts zu verlieren hatten, war es nicht abwegig, die Schutzblockaden der Habitate zu überwinden, um Nahrung oder andere Güter zu stehlen. Zur Sicherung der privilegierten Menschen verfügte jedes Habitat über eine HSU (Habitat Security Unit). Hierbei handelte es sich um uniformierte Wachleute für die Anlagen. Wie es trotz der vielen Defensivmaßnahmen immer wieder mal einige wenige Eindringlinge schafften, den Nahbereich eines Wohnhabitats zu erreichen oder sogar ins Innere zu gelangen, blieb ein Rätsel, aber die HSU machte vor allem nachts Jagd auf die Kriminellen.

Offiziell durfte die HSU die Gefangenen nur festnehmen und der Planetenpolizei übergeben, doch wurde Hausfriedensbruch von den privaten Sicherheitsleuten persönlich geregelt. Viele der Eindringlinge waren verzweifelte Slumbewohner, die Nahrungscontainer plündern wollten, in denen Lebensmittelreste lagerten, die für die Entsorgung bestimmt waren. In dieser Nacht hatten es drei junge Männer geschafft, den Elektrozaun und die Mauer zu überwinden. Ebenfalls waren sie unbemerkt an mehreren Kontaktalarmen vorbeigekommen. Die HSU wunderte sich, wie dies möglich gewesen war. Aber die Infrarot-Cam ihrer Ausrüstung zeigte das Trio vorgebeugt über einen Vorplatz schleichen.

Die HSU kreiste die Eindringlinge ein. Hochleistungslampen strahlten sie an, und einer der Uniformierten rief durch ein Megaphon: „Halt! Sofort flach auf den Boden legen! Arme und Beine austrecken! Hier spricht die HSU von Habitat Star 3! Wenn Sie die Anweisungen nicht befolgen, werden Sie neutralisiert!‟ Zwei der jungen Männer warfen sich augenblicklich entsprechend auf die Carbonfaserplatten unter ihnen, doch ein Flüchtender raste panisch Richtung Außenzaun. Ein Suchscheinwerfer folgte ihm. Eine Sekunde später schoss ein Uniformierter seine Neuro-Impulswaffe ab. Der Abtrünnige sackte schreiend zu Boden und überschlug sich mehrmals. Sein Nervensystem war durch den Impuls überlastet worden. Der Schütze rief zufrieden: „Hab den Dreckskerl!‟

Die HSU teilte sich auf. Während zwei Wachleute in ihren Kevlar-Uniformen zu dem Bewusstlosen liefen, näherten sich die anderen vier Personen den zwei Männern, die den Anweisungen nach auf dem Bauch lagen. Die Leuchten waren so grell, dass die Gefangenen temporär blind waren. Von den Gesichtern der Wachen hätten sie aber auch tagsüber nichts erkannt, denn zur Uniform gehörte eine aktive Hologrammbrille, die für das Gegenüber eine verspiegelte Fläche vor dem kompletten Gesicht des Trägers erzeugte, die die Umgebung reflektierte. Transparenz und Absorption konnten beliebig programmiert werden. Den beiden Überwältigten wurden Nanofesseln auf dem Rücken angelegt und dann abgeführt. Der dritte im Bunde folgte.

Die HSU brachte das Trio in ein Modul an einem seitlichen Zugang zum Habitat. Dort fuhren sie mit dem Lift in ihre Räumlichkeiten im vierten Untergeschoss. Dort befand sich neben dem Büro der HSU auch ein Verhörraum sowie mehrere Zellen für Gefangene. Die Männer mussten sich nackt ausziehen und wurden dann einzeln in dem Verhörraum befragt: Name, Grund der Straftat, Ablauf, Komplizen, Hintermänner.

Die Jünglinge wirkten sehr eingeschüchtert von den martialisch aussehenden Wachleuten. Sie wollten Nahrung für ihre Familie und Freunde besorgen, weil bei ihnen derzeit extremer Mangel herrschte. Die Noxius-Bruderschaft hatte mehrmals Essenslieferungen ausfallen lassen – eine Sanktion wegen Nachlässigkeiten in einer Fabrik -, und die Planetenpolizei hatte wichtige Rationen vernichtet, da sie angeblich illegal gewesen seien. Der Verhörte saß gefesselt auf einem massiven Stahlgerüst, das einem Stuhl nachempfunden war. Es wirkte gegen den mageren Mann überdimensioniert.

Ein Uniformierter hatte ihn befragt, eine weitere Person war anwesend und versetzte dem Gefangenen Backpfeifen, wenn er stockte oder vermeintlich log. Schließlich deaktivierte diese Person die Holo-Brille. Der Jüngling sah überrascht, dass es sich um eine junge Frau handelte. Seine Nacktheit hatte ihn bisher nur ängstlich und hilflos gemacht, doch jetzt schämte er sich ihrer auch noch. Der Fragesteller wiederholte seine Erkundigung nach Hintermännern, aber der Jüngling wiederholte nur, dass er den Einbruch mit seinen beiden Freunden allein geplant und durchgeführt hatte. Die HSU-Frau näherte sich dem Sitzenden und griff ihm zwischen die Beine. Jammernd wiederholte der Jüngling, was er gesagt hatte. Schließlich nickte der Wachmann und deutete an, dass der nächste an der Reihe wäre.

Die Zellen, in denen sie zwischendurch eingesperrt waren, stellten eher Stand-Käfige dar, denn sie waren nur 160 Zentimeter hoch, 50 Zentimeter breit und 50 Zentimeter tief. Schließlich hatte die HSU alle Informationen. Ein Technikteam würde am Morgen den Kontaktalarm aufrüsten. Als kleine Lektion wurden nun alle drei Männer in den Verhörraum gebracht. Mit einem Touchpad steuerte einer der Uniformierten eine Metallkonstruktion, die als Prügelbock konzipiert war. Einer der dünnen Jünglinge musste sich hinlegen. Dem zweiten Mann gab der Wachmann eine Metallrute. „20 Hiebe auf seinen knochigen Arsch! Wenn auch nur ein einziger Schlag zu schwach ausgeführt wird, wirst du die sechsfache Packung von uns erhalten! Los! Fang an!‟

Die Männer der HSU hatten sich alle sechs versammelt und schauten dem Treiben amüsiert zu und feuerten den Schläger ab und zu an. Nach spätestens zehn Treffern sah man dem Ausführenden deutlich das Mitleid und die Verzweiflung an, aber er setzte die Strafe wie befohlen weiter fort. Anschließend war der zweite dran, dann der dritte schlaksige Jüngling. Nur unter Schmerzen konnten sie danach noch laufen, wurden aber forsch von der HSU zum Ausgang getrieben und hinter die Blockaden geführt. Niemand der drei Burschen wagte nach seiner Kleidung zu fragen. Sie wollten nur noch weg. Ein Sicherheitsmann sagte: „Ihr Dreckspack habt 30 Sekunden Vorsprung. Dann ziele ich mit der Impulswaffe auf euch.‟ Die Nackten sprinteten in Panik in die Dunkelheit davon und wurden von den Suchscheinwerfern gnadenlos verfolgt.

Auf Beta Patria traf sich Animus am nächsten Tag erneut mit Violetta. Es war also kein ordinärer One-Night-Stand gewesen. Da war mehr. Die beiden hatten sich gegenseitig ineinander verguckt. Aber hätte so eine Beziehung eine Chance? Durch ihre Berufe war maximal eine Fernbeziehung möglich. Statt der realen Partnerin vor sich oft nur ein Hologramm? Animus grübelte darüber nach und wollte das Problem mit Violetta besprechen. Sie gingen in eine schicke Bar in der City mit Blick über die halbe Hauptstadt von Beta Patria und bestellten hellblaue Longdrinks in hohen schmalen Gläsern, eine Empfehlung von Violetta.

Sie lächelte ihn an. „Du bist ein wundervoller Mann. Das wollte ich dir gestern schon sagen. Aber irgendetwas bedrückt dich...?‟ Animus seufzte. Er erzählte ihr von Gravis und auch vom schon lange verschollenen Timiditas. Nur seine Beziehung zu Flosa erwähnte er nicht. Die heitere Stimmung war trotzdem hinüber. Violetta streichelte seine Hand. „Du wirst deine Freunde eines Tages wiedersehen. Du musst nur stark genug daran glauben.‟ Er lächelte sie an. Sie wollte ihm Hoffnung machen, die er aber nicht wirklich empfand. Von Timi hatte er schon so lange nichts mehr gehört, und Gravis war genau dem Feind entgegengeflogen. Wenn er nicht abgeschossen worden war, würden ihn die Mächtigen des Alpha Dominion wieder versklaven. Ein Custos war mindestens so produktiv wie ein Rusticus und konnte in Minen oder Fabriken eingesetzt werden.

Schließlich kamen die beiden wieder auf angenehmere Themen und tranken noch ein zweites Glas der hellblauen Mischung. Violetta sah ihm interessiert in die Augen, als Animus von seiner Jugend und der Ausbildung als Pugnator auf Regina erzählte. Plötzlich wurde ihre grüne Iris in einem schnellen Farbverlauf blau. Animus stutzte. Aber sein Scanner hatte sie doch als humanoid angezeigt! Violetta bemerkte seine Verwunderung und lächelte. „Eine kleine Optimierung. Die Farbe ist metamorph. Sie wechselt in unterschiedlichen Gefühlslagen. Eigentlich handelt es sich um einen Gendefekt, der mich temporär extrem lichtempfindlich macht. Ein Implantat schützt mich davor. Aber Nebenwirkung ist der Farbwechsel.‟ Ihre Pupillen waren nur unwesentlich verengt. Animus sah sich in der Bar um. „Aber hier ist es eher dämmerig.‟ Violetta griff seinen Unterarm. „Es geht auch mehr um emotionale Momente.‟ Animus legte seine Hand auf ihre. „Und jetzt ist so einer?‟ Sie flüsterte: „Für dich nicht?‟ Als Antwort beugte er sich vor und küsste die hübsche Frau. Dann strich er ihr auf einer Seite die Haare hinter das Ohr. „Wie wäre es, wenn wir dieses Mal zu mir gehen?‟ Violetta lachte keck. „Bist du denn auch ein Gentleman?‟ Animus grinste. „Das werden wir dann sehen.‟

Sie betraten gerade in Vorfreude auf das Kommende das Apartment des Piloten, da erhielt er einen wichtigen Videoanruf. Mr. Carthy, CEO der Prospect Enterprises, sein Boss. „Es gibt da eine Merkwürdigkeit. Das Hangar hat einen Container zu wenig abgerechnet. Und alle Aufzeichnungen deuten darauf hin, dass kein Fehler vorliegt. Uns ist also ein Container abhanden gekommen, denn er ist definitiv nicht mehr an Bord. Der war zwar leer, aber es gibt dafür keine plausible Erklärung. Die Raumstation hat darüber keine Informationen. Wenn er über illegale Kanäle abtransportiert worden ist, könnte er Raumpiraten in die Hände gefallen sein. Nur war an der Station im Orbit außer einem IPPC-Transporter kein Schiff angedockt. Meine Scanner zeigen ihn auch in keinem Hangar an. - Wo - ist - er?‟ Animus konnte sich das auch nicht erklären. „Ich denke darüber nach. Vielleicht fällt mir etwas ein. Aber es klingt schon sehr seltsam.‟ Auf eine Verbindung mit dem Verschwinden von Gravis kam niemand. Das Shuttle hatte nicht die Kapazitäten, um einen Container zu transportieren.

Nach der Videoübertragung sah sich der Pilot um. Wo war Violetta hin? War sie gegangen? Doch er roch ihr verführerisches Parfüm... Er folgte der Spur ins Schlafzimmer. Dort räkelte sie sich halb nackt auf dem Gel-Bett. Die nächste Stunde war für beide wie eine intensive und ewig expandierende Reise in eine andere Dimension. Ihre Begierde fiel über sie her mit einer Energiefreisetzung wie der Impakt eines Asteroiden auf einen bewohnten Planeten.

In einem abgelegenen Sol-System der VA bewegte sich eine anthrazitfarbene Raumstation in einem ansonsten leeren Orbit eines öden Planeten. Bis auf die einsame Gefängnisanlage von IPPC gab es hier nichts von Interesse. Gravis stand in seiner restriktiven Fixierung mitten in dem leeren Raum. Ein elektronisches Summen ertönte, und Bolzenverriegelungen öffneten einen Zugang auf seiner linken Seite. Der Gefangene blickte automatisch in die Richtung. Zwei Uniformierte von IPPC marschierten herein: schwarze Hose, schwarze Militärstiefel, weißes Hemd, schwarze Uniformjacke mit dem gelben Emblem der Corporation.

Ihnen folgte eine kleinere Person. Es war die erste Frau, die er seit seiner Gefangennahme sah. Sie trug ebenfalls die Uniform des Privatgefängnis-Unternehmens, verfügte aber auf den Schulterklappen ihrer Jacke über ein sternförmiges Abzeichen. Es gab offenbar diverse Dienstgrade. Die Frau stellte sich breitbeinig circa zwei Meter vor Gravis hin und hielt die Hände hinter dem Rücken verschränkt. Links und rechts von ihr rahmten sie die Männer ein. Der Fixierte schaute in ein hübsches aber strenges Gesicht, schmal, volle Lippen, braune Augen, schwarze Haare zu einem festen Pferdeschweif gebunden. Eine lange Minute verging, indem sie den Insassen musterte. Dann sprach sie. „Ich bin Kommandantin Jameson und leite diese Einrichtung hier am Arsch der Galaxie.‟ Mehr sagte sie zunächst nicht. Dann gab sie ein kurzes Handsignal, und die beiden Wachmänner verließen den Raum.

Die Frau ging in ihren Kampfstiefeln um den Fixierten herum und betrachtete ihn wie ein Kunstwerk. Dann zückte sie aus ihrer Jacke einen kleinen Signalgeber und hielt ihn in die Höhe. „Weißt du, was ich damit machen kann?‟ Gravis spürte, wie sein Herz pochte, als wolle es die Rippen durchschlagen. Als wenn seine Situation nicht schon schlimm genug wäre, war er auch noch an eine perverse Sadistin geraten. Die Frau aktivierte das Gerät. Gravis zuckte zusammen. Was hatte er erwartet? Einen fürchterlichen Stromschlag? Oder dass er viergeteilt würde von diesen pneumatischen Metallarmen? Nichts war geschehen. Oder?

Doch, er sah sich um. Der gesamte Raum war in eine Art semitransparentes Kraftfeld getaucht. Die Wände waren nur noch verschwommen zu erkennen. Die Kommandantin erklärte ihm den Grund. „Das Feld schützt uns vor Überwachung jeglicher Art. Nichts verlässt diesen Raum. Kein Signal. Keine Daten. Niemand schaut oder hört uns zu. Kein Infrarot, nichts. Wir sind absolut allein.‟ Gravis wurde wieder mulmig. Was hatte die Frau nun mit ihm vor, dass nicht einmal diese skrupellosen Wärter es erfahren sollten? Sie stellte sich wieder vor ihn. „Ich habe da eine winzig kleine Auffälligkeit in deiner Personalakte bemerkt und nachgeforscht. Sie ist manipuliert. Also: Wer bist du wirklich? Ich frage dich nur dieses eine Mal!‟

Gravis hatte keinen Grund zu lügen. Aber er konnte ja nur die Erinnerungen abrufen, die ihm eingepflanzt worden waren. Vielleicht war diese Kommandantin ja sogar seine Rettung? Doch ihre nächsten Worte vernichteten all seine Hoffnung auf einen Schlag. „Ich glaube nicht, dass du ein Terrorist bist. Aber im Grunde ist es egal, warum du hier bist. Unsere Einrichtung ist eine Einbahnstraße. Hier sitzen Lebenslängliche ein. Es gibt keine Rückkehr.‟ Gravis ächzte. „Aber... Ich.. Wenn ich unschuldig bin...‟ Miss Jameson kam ganz nah zu ihm und legte ihm den Zeigefinger auf die Lippen. „Ssssssss.‟ Jetzt fiel ihm eine kleine Narbe auf ihrer rechten Wange auf. Ihre Hand streifte an seinem Overall entlang über die gewölbte Brust, den Bauch und landete schließlich in seinem Schritt, wo sie herzhaft aber nicht grob zupackte. „Du gefällst mir. Hier am Arsch der Galaxie gibt es nur wenige Mannsbilder wie dich. Da kann sich eine Frau schon mal einsam fühlen.‟

Der Muskelkoloss schluckte. Wollte die etwa mit ihm bumsen? Im nächsten Moment zog sie aus ihrem Gürtelholster eine kleine Laserklinge und aktivierte sie. Mit einer Hand zog sie Gravis den Overallstoff vom Leib, mit der anderen zerschnitt sie ihn. Stück für Stück entkleidete sie ihn so, bis er splitternackt in seiner Fixierung stand. Eine leichte Erektion bildete sich, was ihm furchtbar peinlich war. Jameson biss sich auf ihre Lippen und griff nach dem Liebesschaft. Gravis musste aufstöhnen. Mit einer ausholenden Geste zog sie eine virtuelle Holokonsole zu sich und gab dort etwas ein. Schon brachten die massiven Metallarme ihren Gefangenen in eine horizontale Position auf den Boden. Gravis konnte kaum glauben, was da geschah, aber die Kommandantin entblätterte sich nun selbst bis sie nur noch eine schwarze Nylonstrumpfhose mit offenem Schritt trug. Jetzt zog sie ihre Kampfstiefel wieder an. Danach ihre Uniformjacke, ließ sie aber offen. Und dann stellte sie sich breitbeinig über ihren Häftling.

Sie riss sich das Haargummi aus dem Schweif und schüttelte ihre lange Mähne und lachte. Dann warf sie sich förmlich auf den Liegenden und spießte sich auf dem Phallus auf, schrie lustvoll auf und begann einen wilden Ritt. Ihr Verlangen brannte und wirbelte wie eine Sonneneruption und brachte den Liebesstab in ihr zu einem unerwarteten Volumen. Sie stöhnte wohlig auf und maunzte. „Sprich mit mir, Custos! Los! Nenn mich deine kleine Schlampe! Ich bin dein geiles Luder! Besorg es mir!‟ Gravis brauchte eine Sekunde, bis er verarbeitet hatte, was er da gehört hatte. Die Kommandantin stand wohl auf Dirty Talk. Also spielte er mit und betitelte sie entsprechend und ließ sich noch so einiges mehr einfallen.

Jameson gefiel es so sehr, dass sie wenige Minuten später kulminierte und in ihrer Ekstase aufschrie. Auch Gravis war so geil geworden, dass er kurz vor einer Explosion stand, aber die Frau bewegte sich nicht mehr. Sein bestes Stück war noch in ihr gefangen, und im nächsten Augenblick stand sie auf. Frustriert stöhnte der Gefangene auf. Die Leiterin der Einrichtung holte sich mit einer Geste wieder die Holokonsole und ließ einen neuen Overall für den Insassen materialisieren. Gleichzeitig lösten sich die zerstörten Stoffreste des alten Exemplars auf. „Ich werde nun deine Fesselung lösen, damit du dich anziehen kannst. Mach keinen Fehler. Dein Neurohacker wird jeden Angriff auf mich unterbinden.‟

Also hatte er doch richtig vermutet. Sie hatten ihm nicht nur einen ID-Chip implantiert, sondern auch einen Neurohacker initiiert. Die Panzerarme und Schienen gaben ihn frei und verschwanden nahtlos im Boden und in der Decke. Gravis setzte sich auf und sah zu der kleinen Frau vor ihm hoch. Mit ihrer offenen Uniformjacke waren immer noch ihre Brüste zu sehen. „Ich heiße Sherry.‟ Gravis räusperte sich. „Wie die Kirsche?‟ Die Frau schmunzelte. „Nein, mit S.‟ Der nackte Koloss erhob sich und griff nach dem Overall. Seine starke Erektion wirkte irgendwie absurd und bizarr in dieser Situation.

Mit einem schnellen Schritt nach vorne packte die Frau den Stoff und warf ihn zur Seite. „Du bist scharf auf mich, oder?‟ Gravis nickte wie hypnotisiert. Jameson griff nach dem harten Phallus und rieb ihn an ihrem Bauch. Der Custos stöhnte auf. Sherry Jameson setzte sich auf den Boden und ließ sich nach hinten fallen. „Komm schon! Steck ihn zwischen meine Titten!‟ Der nackte 175 Kilogramm schwere Gigant kniete sich über die zierliche Person. Er beugte sich vor, ging auf alle Viere und positionierte seinen Luststab genau zwischen die Halbkugeln, die Jameson jetzt zusammendrückte. Dann begann er mit Pumpbewegungen, ächzte, keuchte und stöhnte vor Geilheit. „Spritz ab, mein Riesenferkel! Los!‟ Ihre Aufforderungen wurden immer obzöner und vulgärer, und Gravis brauchte keine zwei weitere Minuten, um seine Kanone abzuschießen. Er wunderte sich über die hohe Quantität, die Sherry über und über mit seiner Lust bedeckt. Sie rieb sich die Hinterlassenschaften über ihren Leib und kostete davon, als sei es der süßeste Nektar.

Schwer atmend erhob sich der Muskelberg und stand nun über der Kommandantin. Wieder holte sich Jameson die Holokonsole aus der Luft und gab etwas in die Software-Simulation ein. Im nächsten Moment löste sich Gravis auf und fand sich in seiner Zelle wieder. Fünf Sekunden später materialisierte dort auch sein neuer Overall. Er schüttelte den Kopf. Das musste alles ein wirrer Traum gewesen sein. Doch der Blick auf seinen tropfenden und noch kribbelnden Phallus zeugte von etwas anderem. Er zog seine Anstaltskleidung über seine Muskelberge und griff sich in den Schritt, wo jedes Detail zu sehen war. Wer hatte nur diese Anzüge designt? Aber es fühlte sich gut an. Diese exzentrische Nummer mit Sherry war richtig geil! Aber auch beängstigend. Was stand ihm hier noch bevor? Er legte sich auf seine Pritsche, von der er sich immer noch wunderte, dass sie sogar für ihn breit genug war. Er sinnierte über seine Situation. War er nun das Sextoy der Anstaltsleiterin? Musste er in dieser kleinen Zelle veröden, und wenn sie Lust auf ihn hatte, holte sie ihn hervor wie einen Silikondildo? Gravis seufzte tief. Vielleicht hatte ein Terrorist nichts anderes verdient.

Einige Zeit später erhielt er seine Abendration Brei. Doch dieses Mal war sie doppelt so groß und sättigte ihn. Als er aufgegessen hatte, dimmte das Licht langsam und erlosch schließlich ganz. Der Mutant tastete sich zu seiner Pritsche und legte sich schlafen. - Irgendwann riss ihn eine laute synthetische Stimme aus dem Schlaf: „Insasse! Hinstellen!‟ Das Licht war synchron grell aufgeleuchtet und schmerzte in seinen Augen. Die Stimme befahl: „Ausziehen!‟ Er folgte der Anweisung zügig. Dann kam die ihm bekannte Tonfolge für den Beamvorgang, und Sekunden später spürte er das elektrisierende Kribbeln, dann löste er sich auf. Einen Augenblick später materialisierte er sich in einem anderen Raum. Er stand vor einer Metallwand. Um seine Taille war ein Stahlband mit der Wand verbunden.

Im nächsten Moment fühlte er etwas an seinen Hoden. Eine Drahtschlinge zog sich zu. Ein Wärter hinter ihm war zu hören. „Hab den Freak an den Eiern!‟ Eine zweite Stimme befahl, Gravis solle seine Hände auf den Rücken legen. Dort wurde ihm eine schwere Metallschelle angebracht. Das Stahlband löste sich nun von seiner Taille. Aber die Freiheit war nur so viel wert, wie es der erste IPPC-Angestellte zuließ, denn der kontrollierte ihn nun über seine Stange, an dessen Ende die Drahtschlinge um die Hoden des Gefangenen führte. Zusätzlich konnte er mit einem Knopfdruck die Schlaufe elektrifizieren. Er bugsierte Gravis rückwärts von der Wand weg, dann seitlich und schließlich vorwärts, indem er von hinten seine Stange durch die muskulösen Schenkel schob. So wurde der Gefangene aus dem Raum durch einen Korridor gebracht.

Auf Beta Patria hatte das Androidenverbot eine Jagd auf die Menschenroboter in Gang gesetzt. Wie Pilze aus dem Boden schossen Kopfgeldjäger, die für eine Kopfprämie auf die infizierten Modelle, die sich nicht hatten abschalten lassen, ihr eigenes Leben aufs Spiel setzten. Ursprünglich nur in der Version LA667R/222 von Bionic Industries, aber inzwischen auch in diversen Varianten, war das Update zu einer Künstlichen Intelligenz außer Kontrolle geraten. Wichtigstes Utensil der Hobbyjäger war natürlich ein Bio-Scanner, doch auch der konnte unter Umständen manipuliert werden. Zwar gab es noch keine erfolgreichen Replikationen von Androiden untereinander, doch eine Infizierung war in einigen Fällen gelungen.

Die Experten der Regierung hatten mit einem Gegenvirus versucht, die fehlerhaften Updates der betroffenen Androiden zu blockieren, aber das stellte sich als schwierig heraus. Die selbsternannten Jäger machten der Regierung Sorge, denn es war auf Beta Patria und anderen Planeten bereits zu Vorfällen gekommen, in denen Humanoide mit legalen Implantaten für Androiden gehalten wurden. Diese Hexenjagd musste unterbunden werden, aber es gab kaum Personal für eine entsprechende Polizei-Unit, denn alle verfügbaren Kräfte waren im Defensiveinsatz gegen das Alpha Dominion.

Auch bei Animus und Violetta war das ein Gesprächsthema. Der Pilot erinnerte sie an ihre Vergangenheit bei der STC. „Es wäre viel besser, wenn die STC reaktiviert würde und die Androiden neutralisieren würde, als dass es irgendwelche Laien versuchen und sich und andere in Gefahr bringen. - Wäre das nichts für dich?‟ Violetta schmunzelte. „Ich war bei keiner Jagd-Unit sondern in der Zentrale für die Koordinierung. Aber zu meiner Ausbildung hat auch der Nahkampf und alles weitere gehört.‟ Animus schmiegte sich an sie und meinte neckend: „Ja, ich erinnere mich an dieses Fanggerät, das du skrupellos an mir angewendet hast.‟ Violetta schlug ihm spielerisch vor die Brust und entwand sich seiner Umarmung. „Das FNS? Ja, pass nur gut auf, sonst verpacke ich dich wieder in so ein Netz und lasse dich dieses Mal liegen.‟ Animus: „Das würdest du tun, du kleines Biest?‟ Violetta eilte auf ihn zu und sprang ihn breitbeinig an, umarmte ihn und küsste ihn. „Aber ein süßes Biest, oder?‟

Nach wilden Küssen setzte er die Dame ab. „Ich meine es ernst. Warum hat die Regierung die STC aufgelöst?‟ Violetta zuckte mit ihren schmalen Schultern. „Nach der Besetzung von Regina waren sie nicht mehr notwendig.‟ Sie streifte mit ihrem Zeigefinger an Animus Brust und Bauch Richtung Schritt. Dann packte sie zu. „Was ist denn das? Das muss ich genauer untersuchen.‟ Animus wollte sie gerade auf die Arme nehmen und ins Bett tragen, da sank Violetta auf die Knie und öffnete die Hose des Piloten und holte das Forschungsobjekt hervor, nach dem sie gesucht hatte. Animus spürte, wie sich sein Herzschlag beschleunigte. „Was...?‟ Weiter kam er nicht. Heiße Lippen saugten sein gutes Stück und er ergab sich kampflos seinem Schicksal. Er sah nach unten und blickte auf die roten Haare. Nun sah sie zu ihm auf und verwöhnte ihn dabei weiterhin. Ihre grünen Augen wechselten zu einem hellen Blauton. Animus stöhnte und ließ seinen Kopf in den Nacken fallen, schloss seine Augen und spürte, wie sich eine Supernova in seinen Lenden bereitmachte. Kurz darauf sprengten seine Gefühle alle Grenzen des Universums.
Viele Grüße von prallbeutel
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  RE: Regina Datum:10.05.20 17:25 IP: gespeichert Moderator melden


~ LXXX ~



Mr. Carthy durchforstete die Logs und prüfte, welche Authentifizierungen und Autorisierungscodes beim Entladen des Schiffes genutzt worden waren. Er fand keine Hinweise auf Manipulationen. Wo war der verschwundene Container geblieben? Ebenso hatte Mr. Carthy noch keine Erklärung dafür gefunden, wie Gravis das Schiff hatte im Shuttle verlassen können. Die Sicherheitsprotokolle hätte er nicht überwinden können. Er musste einen Komplizen, einen Helfer gehabt haben. Animus schloss er aus, denn sein Freund hätte ihn zurückgehalten und niemals den Gefahren im militarisierten Sektor ausgesetzt.

Welcher Pilot, Techniker oder Programmierer wäre in der Lage gewesen? McCoy? Oder eventuell jemand vom Wartungspersonal? Dieser Mortimer war ihm immer schon etwas suspekt gewesen. Der hatte früher mal für die IPPC gearbeitet. Mr. Carthy dachte an den IPPC-Transporter auf der Raumstation. Gab es da einen Zusammenhang mit dem Gefängniskonzern? Er schüttelte den Kopf. Er bildete sich da schon Konstruktionen und Verschwörungstheorien ein. Er musste dringend eine Pause machen und den Kopf freibekommen.

Er ließ sich auf eine programmaktive Memoschaumliege fallen und legte sich das VR-Gerät an. In der virtuellen Realität ließ er sich in eine simulierte Idylle sinken: Er saß in der Natur und angelte. Vogelgezwitscher, plätscherndes Wasser und eine leise Brise raschelte durch die Baumwipfel der Tannen. So konnte er am besten entspannen und allen Stress vergessen. Das Gerät war so konfiguriert, dass es automatisch abschaltete, falls eine als dringlich definierte Meldung einging, oder eine voreingestellte Zeit vergangen war. Der dreifach verschlüsselte Datenstrom der VR-Simulation lief über einen isolierten Server.

Mr. Carthy saß in einem klappbaren Anglerstuhl am Ufer eines ruhigen Baches in einem Waldgebiet und wartete auf einen Fang. Neben sich stand eine Tasche und eine Kiste mit Anglerutensilien sowie ein Eimer. Die Illusion von Idylle wäre perfekt gewesen, wenn nicht plötzlich der Himmel mit den Schäfchenwolken flackerte wie ein defektes Display und abrupt einen grünen Hintergrund bildete. Mr. Carthy runzelte die Stirn und sah sich um. Was war mit der Simulation los? Auch das Wasser im Bach floss nicht mehr. Alles war wie in einem Standbild gefangen. Nur Mr. Carthy bewegte sich noch.

Er stand aus seinem grünen Faltstuhl auf und legte die Angel beiseite. „Sim beenden.‟ Das Programm reagierte nicht. Er wiederholte den Befehl: „Sim beenden.‟ Carthy wurde unruhig. „Programmsimulation: Notfallabschaltung.‟ Keine Reaktion. Zumindest lief die Simulation weiter: Das Wasser floss, und der Himmel wurde wieder blau. Carthy fluchte. Wie kam er aus der VR heraus? Die Zeit musste längst um sein. Warum deaktivierte sich die virtuelle Darstellung nicht? Er versuchte es noch mehrere Male ohne Erfolg. Dann verschwand plötzlich wieder der Himmel. Und dieses Mal war die gesamte Umwelt gelöscht, und Carthy stand in einem weißen endlosen Raum, in dem ein dünnes dreidimensionales Gitternetz dominierte.

Eine Stimme ließ ihn herumfahren: „Carthy! Ich musste leider deine Sim hacken. Du bist mir fast auf die Schliche gekommen. Hättest nicht so neugierig sein sollen!‟ Sein Angestellter Mortimer stand da und grinste ihn schmierig an. Mortimer berichtete von der Entführung des Muskelmutanten Gravis. „Diese Freaks gehören nicht nach Beta Patria. Sie sind gefährlich.‟ Mr. Carthy wollte sich auf Mortimer stürzen, aber er lief durch das Hologramm widerstandslos durch. Mortimer lachte. „Bis dich jemand in deiner Suite findet, werde ich bereits untergetaucht sein. Vielleicht findet dich auch niemand. Adios!‟ Das Avatar löste sich auf. Carthy stand hilflos da. Was sollte er tun?

Er kam von alleine nicht aus dieser Simulation heraus. Das endlose Weiß materialisierte sich zu einer neuen Umgebung: Carthy stand nun mitten in einer düsteren Industrie-Halle. Hochleistungsstrahler leuchteten ihn an. Trotz des blendenden Lichts konnte er erkennen, dass er aus acht Richtungen von Kreaturen eingekesselt war. Bei genauerem Hinsehen, bemerkte er, dass die Gestalten von Ketten zurückgehalten wurden, die an ihren Stahlhalsbändern befestigt waren. Es waren keine Custos sondern Corium Bestiae, die den reginaischen Haremswächtern in Muskulatur kaum nachstanden. Etwa zwei Meter groß, stark behaart und 150 kg schwer wüteten sie an ihren Ketten und wollten sich auf Carthy in ihrer Mitte stürzen.

Nur ein knapper Meter blieb zwischen dem CEO und den wilden Kreaturen. Angstvoll drehte er sich im Kreis und bemühte sich, den nach ihm greifenden Armen zu entkommen. Die Geschöpfe waren mit ihrer ledrigen Haut und den grobschlächtigen Gesichtszügen kein hübscher Anblick. Dazu waren sie nackt und hatten erigierte Phalli. Die Kreaturen stanken nach Schweiß und grunzten und brüllten aggressiv. Carthy wusste, dass er sich noch in einer virtuellen Realität befand, aber quälende Neuroimpulse würde er trotzdem empfinden. Und wer wusste, was dieser Mortimer an dem Programm manipuliert hatte? Vielleicht konnte Carthy sogar sterben. Wer würde wann bemerken, dass etwas mit der VR-Übertragung nicht stimmte? Wie lange würde er diese Situation überstehen?

Mortimer beugte sich mit einem hämischen Grinsen über den Firmenchef und nickte. Er hatte bereits einige interne Daten des Unternehmens auf einen Speicher transferiert und an sich genommen. Die würde er auf dem Schwarzmarkt verkaufen. Nun verließ er die Suite und machte sich auf den Weg zum Flugdeck, von dem er zur nächsten Raumstation fliegen wollte, wo in einem transstellaren Schiff seine Reise fortsetzen würde. Atra Mundo war seine Destination. Dort, am Rande der Vereinigten Allianz, konnte man am besten untertauchen.

Eine Stunde später versuchte Pilot Ricky McCoy seinen Chef zu erreichen. Sein Multimobilcom zeigte immer nur „Privattermin – Person nicht erreichbar‟ an. Eine Zeitbeschränkung war nicht eingetragen. Das fand McCoy seltsam. Er ging zur Suite des CEO und meldete sich. Auf dem Interface der Tür leuchtete das Symbol für „Nicht stören!‟ auf. War der Boss etwa bei einem Schäferstündchen mit einer geilen Androidin? Nein, verbesserte sich McCoy in Gedanken, die waren aktuell verboten. Carthy müsste schon eine echte Prostituierte in der Suite haben. Vielleicht waren seine sexuellen Vorlieben ja recht speziell, und er hatte sich einen Munus besorgt...

Der Pilot grinste. Aber es nutzte alles nichts. Er musste eine wichtige Information von dem CEO haben, die keinen Aufschub duldete. Er drückte auf das Display aus Borosilikatglas und aktivierte dort den Dringlichkeitseinlass. Der Befehl würde ein Alarmsignal in der Suite abgeben. McCoy kicherte in sich hinein. Musste der Boss jetzt sein gutes Stück frühzeitig aus der engen Venus ziehen? Er wartete eine Minute, dann wiederholte er den Dringlichkeitseinlass. Wieder keine Reaktion. Wenn keiner anwesend wäre, hätte nicht das Nicht-stören!-Bild aufgeleuchtet. Der Pilot zog die Stirn kraus. War ein medizinischer Notfall eingetreten?

Aber die Sicherheitsprogramme hätten längst Alarm geschlagen, falls die Vitalzeichen signifikant von der Norm abwichen. Irgendetwas stimmte hier nicht. McCoy entschied sich für den Noteinlass. Er gab seine ID-Nummer ein und klickte auf „unautorisierter Zugang‟. Ein kleiner Laser tastete seinen Körper ab und nahm ein 3-D-Bild von ihm auf. Mit einem zusätzlichen Iris-Scan öffnete McCoy die Zugangstür zur Suite. Sofort sah er Carthy auf dem Gelsofa liegen, offenbar in einer VR-Trance, da er das Equipment für Simulationen trug. Trotzdem hätte das Programm ihn wecken müssen – spätestens bei der Notöffnung. Aber Carthy schien tief und fest in die virtuelle Realität eingetaucht zu sein.

McCoy suchte auf dem Display nach dem Bedienmenü. Der Bildschirm war gesperrt. McCoy schüttelte verwundert den Kopf. Carthy begann, sich zu bewegen. Er zitterte am ganzen Körper. Der Pilot zog die Kabel aus dem Prozessor und nahm dem CEO seine VR-Brille ab. Doch Carthy zitterte weiter und stöhnte. Dann begann er, mit den Armen zu fuchteln und mit den Beinen zu treten. „Wer sind Sie? Was machen Sie hier?‟ Die strenge Stimme hinter ihm, ließ ihn herumwirbeln. Ein kybernetisch aufgerüsteter Securityangestellter der Anlage stand im Raum und hielt seine rechte Hand am Gürtelholster, in dem eine Impulswaffe steckte.

McCoy erklärte ihm die Situation. Der Wachmann forderte über sein Mobilcom medizinische Hilfe an und scannte dann sicherheitshalber den Piloten. Seit das Antiandroidengesetz in Kraft war, war die medizinische Versorgung eingeschränkt. Humanoide waren weder so schnell noch so exakt wie ein Med-Bot. Aber nach immerhin schon 6:13 Minuten erschien ein Notarzt mit zwei Sanitätern und Ausrüstung, um dem Patienten zu helfen.

Eine Stunde später lag Mr. Carthy auf der Krankenstation der Anlage, umgeben von medizinischen Maschinen. Neben McCoy stand Animus. „Und Carthy hat nichts dazu gesagt, wo Gravis nun ist?‟ Er sah zu seinem sedierten Chef. McCoy schüttelte den Kopf. „Nein, nur, dass Mortimer dahinter steckt und ihn loswerden wollte. Vielleicht hat der ihm bei dem Shuttlestart geholfen.‟ Animus sprang auf und lief zu einer Konsole, um die Planetenpolizei zu informieren. Man musste Mortimer festnehmen. McCoy kam ihm hinterher. „Die ist schon verständigt. Eine transplanetare Fahndung ist raus. Aber es gab in den letzten Stunden zahlreiche Abflüge zu Raumstationen. Wenn er mit einem Schiff ohne Lizenz verschwunden ist, werden wir ihn nicht mehr so einfach finden.‟

Animus ballte die Fäuste. „Was hat der Arzt gesagt, wann Carthy wieder ansprechbar sein wird?‟ Sein Kollege zuckte mit den Achseln. „Eventuell erst in 72 Stunden. Dieses manipulierte VR-Programm kann sehr gefährlich für das Bewusstsein werden. Das muss genauestens behandelt werden. Sonst sind bleibende Schäden am Kortex nicht ausgeschlossen. Carthy könnte einige Erinnerungen aus seinem Gedächtnis verlieren.‟ Animus suchte Rat und Trost bei Violetta. Rat fand er bei ihr nicht, aber Trost spendete sie ihm ausgiebig, und das Paar verschmolz in ekstatischem Vergnügen.

In einem entfernten Sol-System: Gravis war mit der Stahlseilschlinge um seine Hoden nach vorne bugsiert worden, den Gang entlang. Zwischen seinen monströsen Oberschenkeln steckte die Stange, die ein IPPC-Angestellter hielt und ihn damit vorwärts zwang. Die massive Armfessel auf dem Rücken des Muskelmutanten hielt ihn zusätzlich fixiert. Der ehemalige Custos spürte die Blicke der Männer auf seinem muskulösen Gesäß. Standen die bei IPPC auf Männer? Wo brachte man ihn hin?

Er marschierte den Korridor entlang. „Wo bringt ihr mich hin?‟ Die Frage bedauerte er im nächsten Moment, denn mehrere kurze Stromstöße flossen durch die Schlinge um seine Juwelen und ließen ihn aufgrunzen und zucken. Ein Mann lachte meckernd. Ein anderer befahl: „Ruhe, Insasse! Du machst dein Maul nur auf, wenn du gefragt wirst.‟ Sie standen nun vor einem Schott, dass sich durch einen Fingerprintscan öffnen ließ. Ein weiterer Korridor führte an Rohren und Kabelsträngen entlang. Es sah mehr aus wie ein Wartungsschacht als wie ein normaler Bereich der Anstalt.

Plötzlich befahl der Mann mit der Stange: „Runter in die Hocke mit dir!‟ Er unterstrich seine Worte mit entsprechendem Druck auf die Schlinge, die die Bälle des Nackten Richtung Fußboden zog. Gravis beugte die Knie. Der Mann hörte sich amüsiert an. „Jetzt wollen wir doch mal sehen, wie viel Kraft du wirklich hast, du Freak! Vorwärts! Den Gang in der Hocke entlang! Los, los, los!‟ Ein kurzer Stromschlag jagte durch Gravis´ empfindliche Teile. Er watschelte los. Mit den Händen auf dem Rücken war es gar nicht so einfach, das Gleichgewicht zu halten. Und mit Muskelkraft hatte diese spezielle Bewegung nicht viel zu tun. Gravis fühlte schon nach wenigen Metern ein heftiges Brennen in seinen Oberschenkeln.

Die Wachleute verhöhnten ihn als Schwächling. „Weiter! Weiter! Oder ich röste dir die Nüsse! Jetzt zeig mal, wie stark du bist.‟ Der nackte Insasse kämpfte sich Schritt für Schritt vorwärts und wurde immer wackeliger auf den Füßen. Der Wächter mit der Schlinge warnte: „Kipp mir nur nicht um! Sonst brate ich deine Eier.‟ Die anderen Männer lachten höhnisch. - Der Gang nahm kein Ende. Gravis strauchelte mehrmals und fiel auf ein Knie, kämpfte sich aber wieder hoch, nachdem er kräftige kurze Stromimpulse spürte. „Und jetzt hoch mit dir!‟ Gravis streckte seine Beine und stöhnte auf. „Und runter in die Hocke! Schneller!‟ Der Gefangene gehorchte. Er wurde wieder und wieder hoch und runter befohlen.

Endlich hatten die Männer genug und zwangen ihn durch ein Schott. Die Schlinge um seine Hoden löste sich. Gravis sah sich um: Der Raum wirkte wie ein Stahltank. Die Wände und die Decke waren aus gebürstetem Stahl, der Boden bestand aus einem Rost aus kleinen Hexagonen. Ein IPPC-Mann schloss das Schott wieder. Von außen schaute er durch ein ovales Sichtfenster hinein und bediente offenbar eine Konsole, die zwei Wasserdüsen steuerten, die nun auf Gravis gerichtet waren. Mit enormem Druck schoss das H2O auf seinen Körper. Gravis trug noch die Armfesseln und bückte sich, um seinen Kopf zu schützen, aber das Wasser traf ihn mit solcher Wucht, dass der 175 kg schwere Mann auf dem Boden umherrollte.

Einmal versuchte er aufzustehen, aber sofort hackten ihn die Strahlen von den Beinen. In Embryostellung verblieb er auf dem Boden seitlich liegend, teilweise von den Strahlen auf der Stelle gedreht wie ein langsamer Kreisel. Dann stoppte das Wasser abrupt. Die Tür ging auf. Ein IPPC-Mitarbeiter rief: „Und? Wieder abgekühlt?‟ Sein Kollege lachte hämisch. „Schau dir mal den kleinen Matz da zwischen den Beinen an! So dicke Muskeln, aber eigentlich ein halbes Mädchen.‟ Gravis mühte sich hoch und kauerte auf Knien, klatschnass und zitternd.

Er hörte die schweren Stiefel eines Wachmannes, als er den Raum betrat und über den Rost auf ihn zukam. Blitzschnell legte sich die Metallschlinge erneut um die Hoden des Nackten, dieses Mal kam der Stab von vorne. Der IPPC-Mann zog nun an seinem Griff und zwang Gravis so, aufzustehen und den Raum mit ihm zu verlassen. Der Kollege grinste. „Was machen wir denn nun mit unserem Muskelboy? - Wir haben ihn noch gar nicht sorgfältig durchsucht.‟ Der Mann mit der Stange grinste. „Ja. Das sollten wir tun.‟ Der Kollege zog aus seiner hinteren Tasche seiner Uniformhose ein Paar blaue Latexhandschuhe hervor. „Wir könnten ihn auch gegen ein paar Insassen kämpfen lassen. Natürlich mit den Armfesseln. Und dann Wetten abschließen.‟

Plötzlich hörten die Männer eine weibliche Stimme am Ende des Ganges. Die Frau kam zügig auf sie zu. „Hey! Was ist hier los?‟ Die IPPC-Angestellten wurden nervös. Die Kommandantin! Was machte die denn hier im Wartungsbereich der Station? Schnell löste der Uniformierte die Schlinge und schob den Stab zusammen. Kommandantin Jameson hatte eine Stimme wie eine Elektroklinge. „Wieso ist der Gefangene hier? Und wieso ist der nackt?‟ Die Männer stammelte und stotterten. Die Leiterin atmete laut aus. „Sofort zurück in die Zelle mit dem Insassen! Dieser Gefangene wird niemals wieder ohne meine ausdrückliche Erlaubnis aus der Zelle geholt. Keine Disziplinierung. Keine Sanktionierung. Verstanden?‟ Die Männer nickten zackig. „Jawohl, Sir!‟

Später unterhielten sich die IPPC-Angestellten in ihrem Aufenthaltsraum, in dem sie Analog-Kaffee aus hohen Bechern tranken. „Die Jameson stellt sich doch sonst nicht so an! Dieser Muskelmutant muss irgendwas besonderes sein. Ein Sondergefangener. Vielleicht politisch von Bedeutung?‟ Ein zweiter Mann mutmaßte: „Eine Geisel womöglich?‟ Der andere Wächter verzog skeptisch das Gesicht. „Das ist doch nur ein Custos aus dem Regina-Regime. Der stellt doch keinen Wert dar. Ich habe aber gehört, dass Freddy ihn neurochirurgisch behandelt hat. Wohl irgendwelche Erinnerungen eingepflanzt. Keine Ahnung. War ein Gefallen für seinen Buddy.‟ Sein Kollege zog die Nase hoch. „Verdammte Klimaanlage! Ach, lass uns diesen Freak vergessen. Es gibt genug andere Insassen.‟ Der zweite Uniformierte brummte zustimmend. „Yeah, Mann! Da ist doch in Sektor C dieser Jüngling. Der hat so einen richtigen Knackarsch. Den beobachte ich schon wochenlang. Den würde ich gerne mal...‟

Gravis saß – inzwischen wieder angezogen und ohne Armfessel – in seiner kleinen Zelle. Hatte er in Jameson eine Beschützerin gefunden? Aber es war trotzdem beängstigend, wie hilflos er den Wärtern ausgeliefert war. Ein Insasse bei IPPC war praktisch rechtlos. Die ganze Aufregung hatte ihm Kopfschmerzen beschert. Und da war noch etwas... Wie ein dichter Nebel in seiner Erinnerung... Er war auf einem Schiff gewesen, hatte als Security einige Bereiche gesichert und gewartet... Aber wo und wann? Ihm platzte bald der Schädel. Es wollte ihm nicht einfallen. Ihm kam immer wieder ein kleiner leerer Raum vor das innere Auge. Wie ein Container. Aber was hatte er darin zu suchen gehabt? Hatte er sich als Terrorist dort versteckt? Er wusste es nicht.

Der Häftling legte sich auf die Metallpritsche, die unter seinem Gewicht knarrte und starrte in das Deckenlicht der Zelle. Seine Hände wanderten unwillkürlich in seinen Schritt. Er knetete zwischen seinen Schenkeln und stöhnte leise. Er musste sich aus seinem Suit schälen, um an seine Männlichkeit zu gelangen. Und dann begann er zu onanieren. Was sollte er auch sonst in diesem stumpfen Kubus von Zelle tun?

Die Kommandantin saß mittlerweile in ihrem Büro und betrachtete Gravis über eine der Überwachungskameras. Die Videodateien hatte sie für das restliche Personal gesperrt. Sie zoomte auf seine Männlichkeit und rieb sich erregt im Schritt, als sie den harten Phallus sah. Ihre Finger rieben ihre Knospe in der Hose... Sie gelangten beinahe synchron einige Minuten später zu einem Höhepunkt. Jameson schaltete die Videoübertragung ab. Sie gab einige Befehle in die Konsole ein und ging dann auf die andere Seite ihres Büros, wo ein 3-D-Drucker stand. Er arbeitete bereits. Jameson wartete geduldig und holte das fertige Teil aus Titanium hervor: eine Castitasschelle.

Ein Mann stand am Flugdeck der Raumstation im Orbit von Beta Patria und diskutierte lautstark mit einem Angestellten. „Wie oft soll ich noch sagen, dass ich das elektronische Flugticket aktiviert habe? Ich muss mit dem nächsten Schiff abfliegen.‟ Der Uniformierte versuchte ein unverbindliches Lächeln. „Es tut mir leid, mein Herr. Aber der Code wurde bereits vor zwei Stunden verwendet.‟ Der Mann stöhnte auf. „Das ist doch völlig unmöglich! Da muss jemand meine ID manipuliert und missbraucht haben.‟ Das Problem ließ sich so nicht lösen. Frustriert machte der Reisende sich zurück auf den Weg zur Schleuse, die zum Transitshuttle führte, und dann zurück auf die Oberfläche von Beta Patria.

Der Mann ächzte. Was sollte er nun tun? Er musste dringend nach Atra Mundo. Dort wollte er neu anfangen. Ein neues Leben führen. Auf Beta Patria erwartete ihn die Rache eines Drogenbarons, den er gelinkt hatte. Sein kleines Vermögen war bereits nach Atra Mundo auf eine virtuelle Bank transferiert worden. Was war nur geschehen? Er erinnerte sich, wie er vor ein paar Stunden diesen Typen in der Bar kennengelernt hatte. Morty nannte er sich. Und sie hatten gemeinsam gebechert. Dann war plötzlich die Erinnerung weg. Verdammt!

Jetzt musste er so schnell wie möglich das Dilithium für den nächsten Flug zusammenkratzen, bevor der Drogendealer ihn fand. Aber Flüge nach Atra Mundo waren nur inoffiziell zu haben und selten. Wahrscheinlich würde er nun zunächst auf einen anderen Planeten reisen. Er könnte auf Pax Novo oder Colonia Agricultura untertauchen. - Er hatte sich gerade einigermaßen beruhigt, als Panik in ihm aufstieg: Was war, wenn dieser Morty nicht nur seinen Ticketcode geklaut hatte, sondern auch irgendwie an sein Vermögen kam und sein Konto leerräumte? Der Schweiß lief ihm in Strömen herunter und zugleich zitterte er am ganzen Leib. Dieser verfluchte Morty! Wenn er dem jemals wieder begegnete, würde er ihn in die tiefste Hölle des Universums schicken!

Auf Regina beratschlagte der Hohe Rat des Alpha Dominion. Die momentane Remissituation ließ das AD über einen temporären Waffenstillstand nachdenken. Die Sacarbaeus waren dagegen, aber die Mehrheit setzte sich durch. Der Alba Simia Altitudo war sich nach Programmberechnungen sicher: „Wenn wir jetzt den Waffenstillstand aushandeln und synchron mit Hochdruck die Produktion an Androiden hochfahren, werden wir in drei Monaten die Wahrscheinlichkeit auf einen erfolgreichen Angriff des Sol-Systems von Beta Patria um zwölf Prozent erhöhen.‟ Aranea Regina II. merkte an: „Ich werde, wie bereits festgehalten, Statthalterin von Regina bleiben. Zu meinem Regierungsbezirk sollte aber auch Mare Mutus gehören. - Wir sollten außerdem auch die Planeten im Beta-Patria-System rechtzeitig aufteilen.‟ Der Scarabaeus Zark dröhnte: „Dann will ich Colonia Agricultura mit allen Bodenschätzen.‟ Altitudo hob eine Augenbraue und lächelte dünn. „Ich würde mich mit Pax Novo zufrieden geben.‟ Das Wirtschaftszentrum der gesamten Vereinigten Allianz war ein Sahnestück mit modernster Technologie. Aranea Regina II. nickte. „Wenn sich alle einig sind, setze ich einen Vertrag auf.‟

Mit Blick auf das Amphibienwesen und den Wurmskorpion ergänzte sie: „Selbstverständlich werden wir auch die anderen Ratsmitglieder mit Planeten versorgen. Die VA ist groß.‟ Dann seufzte sie. „Leider ist der scheinbare Vorteil zum möglichen Nachteil geworden: Die außer Kontrolle geratenen Androiden in der VA bilden zwar eine zweite Front für unseren Gegner, aber Experten des Feindes entwickeln einen Virus, der die Bots abschaltet. Er könnte auch unserer gesamten Armee gefährlich werden.‟ Die Mitglieder des Hohen Rates redeten wild durcheinander. Die Alba Simia behielten die Contenance, doch besonders die Scarabaeus und der Wurmskorpion echauffierten sich, und niemand verstand mehr ein Wort.

Es dauerte über zwei Minuten, bis Aranea die Runde wieder unter Kontrolle gebracht hatte. Erschöpft beendete sie die Konferenz und zog sich in ihre Privatgemächer zurück. Zur Entspannung hatte sie dort inzwischen ein Harem aus 24 Munuswesen einrichten lassen. Sie wählte drei Kreaturen aus und schickte die anderen weg. Dann legte sie sich in das flache H2O-Becken mit den Mehrgelenks-Massagedüsen und ließ sich von dem Liebestrio in jeglicher Hinsicht verwöhnen. Zur Erfrischung stellte Aranea die Wassertemperatur auf 30 Grad und die Lufttemperatur auf zehn Grad Celsius ein.

Die übergroßen Brustwarzen der Munuskreaturen wurden hart und groß wie Daumen. Aranea spielte mit einem Nippel und zwirbelte ihn intensiv, während der Munus aufstöhnte. Ein anderer Haremsdiener liebkoste mit seinen Fingern die monarchische Venus und küsste zart den kleinen Busen der Majestät. Der Dritte massierte sanft die Füße seiner Hoheit. Auch er hatte wegen der kalten Luft erigierte Warzen. Der Anblick gefiel Regina II., die langsam immer tiefer in einen Liebesrausch sank und dann schließlich in einem Orgasmus explodierte.

Sie ließ sich von zwei Munussklaven massieren und mit einem warmen Öl einreiben. Die Haremsbewohner trugen einen schweren Halsreif und einen Hodenring um ihre gewaltigen Testikels. Kleidung hatte Aranea ihnen verboten. Später legte sich die Majestät in eine Schwingliege aus intelligentem Nanostoff und ließ sich sanft schaukeln. Vor ihren Augen liebten sich zwei Munus in 69-Stellung zu ihrer Unterhaltung auf dem Boden. Aranea staunte immer wieder, wie tief ein Munus den überdimensionalen Phallus seines Gegenübers aufnehmen konnte. Das war das Ergebnis von rigidem Training.

Nach der Liebesdarbietung schickte Aranea sie fort und aktivierte mit Gestensteuerung ein VR-Programm. Die Simulation startete. Sofort war die Königin in einer Art düsteren und martialisch wirkenden Gefängnisanlage. Aus diversen Zellen hörte man Schreie. Aranea stolzierte klackend durch den Korridor und öffnete eine Zelle, in der Zark, der Scarabaeus mit gespreizten Armen und Beinen über eine horizontale Stange fixiert war. Seine Handgelenke waren an den Fußgelenken gesichert. Der Insektoid war nackt. Seine Männlichkeit hing von hinten gut sichtbar herab. Aranea zückte den Disziplinarstab und ließ ihn knistern. Dann drückte sie das Ende lachend in das Genital des Kaiserlichen Dieners, der gequält aufschrie. Sie wiederholte dies wieder und wieder, bis es ihr langweilig wurde. Erst dann beendete sie die Simulation und grinste. Eines Tages...

Auf Atra Mundo ließ es sich der Ex-CEO von Bionic Industries in seinem Apartment in Atra City gutgehen. Iceberg hatte sich gerade an einer XL-Portion Delikatessen satt gegessen. Nur ein Häppchen davon kostete mehr, als ein durchschnittlicher Slumbewohner im Monat in einer Fabrik verdiente. Er blickte aus dem eine Wand füllenden Fenster, das er auf transparent geschaltet hatte. Er sehnte sich schon wieder nach Marina, der süßen brünetten Fabrikarbeiterin, die ihn schon mehrfach besucht hatte. Irgendwie hatte er einen Narren an ihr gefressen. Warum sie? Er wusste es nicht. Aber er musste sie haben. Für immer. Für sich allein. Er musste sie kaufen.

Würden sich die Leute darauf einlassen? Die Summe müsste sicherlich ziemlich hoch sein. Oder sollte er sie entführen lassen? Bezahlbare Söldner gab es reichlich. Aber war er im Habitat sicher? Wenn die Noxiusbruderschaft mit drin hing im Sexbusiness, dann hätte er schlechte Karten. Nein, er musste Marina auf eine für beide Seiten zufriedenstellende Weise erwerben. Aber hatte er soviel Dilithium? Seine finanziellen Mittel waren begrenzt. Und was war, wenn die Leute immer wieder mehr haben wollten? Oder wenn Marina einfach verschwand? Ob sie freiwillig bei ihm bleiben würde? Iceberg grunzte. Natürlich würde sie es. Bei ihm ging es ihr doch viel besser.

Mit fahrigen Fingern wählte er auf dem Holodisplay den Service und bestellte Marina zu einem neuen Besuch. Nach wenigen Sekunden erhielt er die Bestätigung: heute, 19.30 Uhr, Habitat Star 3, Apartement 75-1365. Er spielte auf einem großen 3-D-Holobildschirm Videosequenzen ab, die ihn mit ihr beim vergangenen Date zeigten. „Oh, Marina. Du bist so wunderschön!‟ Die Atomuhr des Habitats zeigte erst 16.51 Uhr an. Wie sollte er noch so lange warten? Welche Qual! Iceberg seufzte.
Viele Grüße von prallbeutel
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Meine Geschichten:
+++ Die gemeine Miriam +++ Das Unzuchts-Komplott +++ Im Reich der Megara +++ Die Nachtschicht seines Lebens +++ Optional Genetics +++ Venus +++ Regina +++ Inkasso +++
Meine Kurzgeschichten:
+++ Ralfs neues Leben +++ Das Gespräch im Regen +++ Der auferstandene Engel +++ Seine Nummer Eins +++ Amour Libre +++ Die Erben +++ Aller guten Dinge sind drei +++ Das Abschiedspräsent +++ Natascha +++ Friday Talk +++ Tims Schicksal +++ Das Familientreffen +++ Der extravagante Gewinn +++ Lars +++

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  RE: Regina Datum:17.05.20 14:22 IP: gespeichert Moderator melden


~ LXXXI ~


In einer alten Fabrikhalle in Atra City drehte die Noxiusbruderschaft gerade ein neues Entertainmentformat. Die Produzenten verkauften die Show anschließend an eine Video-Firma, die zahlreiche Unterhaltungsshows anbot. Die bizarreren Angebote ließ das Unternehmen lieber outsourcen, weniger aus finanziellen als aus rechtlichen Gründen. Selbst auf Atra Mundo war nicht alles erlaubt, doch nur die Produktion selbst war illegal; die Veröffentlichung nicht.

In diesem Fall kämpften zwei Corium Bestiae um den Sieg. Ihre muskulösen Arme waren mit schweren Schellen auf dem Rücken fixiert. Die haarigen zwei Meter großen Humanoiden trugen Stahlreifen um ihre Hoden. Eine Kette führte durch die Beine der beiden Kontrahenten von einem Reif zum anderen. Auf ein Kommando liefen sie in entgegengesetzte Richtungen und kämpften um jeden Zentimeter, als sich die Kette spannte. Sie waren nackt bis auf dicke, derbe Stiefel und zwei Brustklemmen, zwischen denen eine Kette bis zum Bauchnabel baumelte und leise rasselte.

Grunzen und Schmerzlaute waren zu hören. Jeder der beiden Rivalen versuchte verbissen, einen weiteren Zentimeter gutzumachen oder wenigstens keine Strecke zu verlieren. Ein Mann in einem schwarzen Hoodie, den man nicht erkennen konnte, weil er die Kapuze tief ins Gesicht gezogen hatte und im Schatten stand, rief: „Strengt euch mehr an! Zieht! Zieht kräftiger! Ihr wisst, was der Gewinner bekommt. Und ihr wisst, was dem Verlierer blüht!‟

Ein Corium Bestia war nicht gerade für seine hohe Intelligenz bekannt, aber die Kreaturen verdoppelten ihre Anstrengung. Angst konnten auch diese 150 kg schweren Kolosse empfinden. Der Sieger würde so viel Dilithium erhalten, wie er als Wanderarbeiter in fünf Jahren nicht verdienen würde. Der Verlierer würde nicht nur die Show verlieren... Das wäre dann der Höhepunkt und würde geradezu zelebriert. Der Typ im Hoodie schüttelte bei dem Gedanken den Kopf. Wer schaute sich so etwas an? Die reiche Gesellschaft schien sich arg zu langweilen. Aber egal, es gab reichlich Dilithium für die Produktion, und das war es, was zählte. Er wurde durch ein Brüllen eines der Akteure aus seinen Gedanken gerissen. Der Corium Bestia zwang sich Schrittchen für Schrittchen vorwärts. Die beiden Hodensäcke der Männer zogen sich noch weiter in die Länge. Viel länger, als es bei einem terrestrischen Humanoiden möglich gewesen wäre.

Nur zehn Kilometer entfernt lag Artus Iceberg in seinem Luxusapartment in der gewaltigen Wohnanlage Habitat Star 3 und genoss die Massage einer steuerbaren Liege. Er hatte Marina von seinem Plan erzählt, sie freizukaufen. Sie war etwas verunsichert erschienen, wollte aber vorsichtig nachfragen, ob dies möglich wäre und zu welchem Preis. Heute wollte sich ein Kontaktmann melden. In letzter Zeit hatte sich die Beziehung zwischen Iceberg und Marina weiter intensiviert. Fast täglich hatte sie ihn besuchen können. Dabei hatte der Ex-CEO festgestellt, dass eine neue Spielart ihm sehr gefiel: Wenn die Brünette in ihren Strapsen ihn mit Bändern aus weichem Polyvinylchlorid ans Bett fesselte und ritt war das wie eine Ekstase der Superlative.

Es hatte ihn ein wenig Überwindung gekostet, sich so auszuliefern, aber der Mut war belohnt worden. Immer dominanter gab sich die früher so schüchterne Marina und ging selbst auf in ihrer neuen Rolle. Von Tag zu Tag hatte sie mehr Freude an einer eher führenden Rolle. Artus Iceberg hätte es vor einigen Wochen nie für möglich gehalten, aber auch er genoss seinen Part sehr. Leider war es ihm bisher nicht gelungen, Marina freizukaufen. Aber zumindest hatte er fünf Mal die Woche Besuch von ihr. Und eine weitere Woche später brachte seine erotische Besucherin einen kleinen Gegenstand mit: eine Castitasschelle.

Artus Iceberg hatte davon gehört und lächelte. „Willst du sie mir anlegen?‟ Marina nickte und öffnete die Vorrichtung. „Ich will doch nicht, dass du dein Pulver schon verschießt, wenn ich nicht da bin. Und mit der CS freust du dich bestimmt noch mehr, wenn ich dich besuche.‟ Iceberg war total erregt von dem Gedanken. Und im Notfall würde er das Teil sicherlich auch selbst öffnen können. Marina legte ihm die CS um seinen Phallus, was den Mann aufstöhnen ließ. Sie ließ das Schloss mit einem leisen Piepton versperren. „Es funktioniert mit einem Chip. Ich werde ihn jetzt aktivieren.‟ Daraufhin piepste es erneut. Iceberg staunte, als die CS sich entsperrte. Marina nahm ihm die Phallushülle ab. „Aber jetzt wollen wir erst unser Vergnügen. Und bevor ich gehe, wirst du die Schelle wieder anlegen. Der Chip sperrt das Schloss, sobald ich das Apartment verlassen habe und öffnet es automatisch, sobald ich es wieder betrete.‟

Die beiden Liebenden fielen in den nächsten zwei Stunden in einen tiefen und unendlich erscheinenden Strudel voller Ekstase. Marina machte Iceberg geil und geiler und ritt dann sein Gesicht, um sich selbst die größte Lust zu holen. Später durfte der Mann in ihre Venus tauchen und explodierte wie eine Supernova. - Schließlich war die Zeit um, und Marina legte ihm die Castitasschelle um und verließ ihn. Iceberg hörte das Piepen und testete die Vorrichtung. Nun gab es kein Entkommen mehr. Die nächsten 24 Stunden würden zur Ewigkeit werden! Marina war wirklich der galaktische Hyperstimulator! Er war jetzt schon wieder scharf wie eine Laserklinge, obwohl er sich doch zwei Stunden lang mit dieser Erotikgranate ausgepowert hatte! Wäre er doch nur schon früher zu der Erkenntnis gelangt, wie erregend es sein konnte, sich einer Frau zu unterwerfen. Doch dann tauchte wieder ein beängstigender Gedanke auf, der seine Hoden eng zusammenzog. Woher hatte Marina diese Hightechvorrichtung? Sie war eine Slumbewohnerin, die in einer Fabrik schuftete und zusätzlich Liebesdienste anbot. Da mussten doch andere Personen die Fäden im Hintergrund ziehen. Er war also nicht von Marina abhängig sondern von irgendwelchen dunklen Gestalten? Dieser Gedanke gefiel ihm ganz und gar nicht. Iceberg versuchte, die Castitasschelle zu manipulieren. Mit physischer Gewalt tat sich da nichts. Er probierte es mit Funkwellenmodulatoren aus. Funktionierte auch nicht. Er scannte die Schelle nach Technik. Wenn er den eingebauten Chip klonen konnte... Aber auch das gelang ihm nicht. Das Innenleben der Castitasschelle war gegen solche Manipulationen oder Zugriffe abgeschirmt. Er konnte den nächsten Besuch seiner Keyholderin kaum erwarten. Geilheit und Angst vermischten sich zu einer Melange.

Auf Beta Patria sinnierte Animus vor sich hin. Er hatte endlich aus erster Hand erfahren, was Mortimer angerichtet hatte. „Ich werde nicht darauf warten, dass die inkompetente Planetenpolizei oder sonst wer den Typen findet. Ich könnte einen Kopfgeldjäger schicken, aber ich will ihn selbst befragen. Ein Investigator soll herausfinden, wo er sich versteckt hält. Dann werde ich ihn aufsuchen und zur Rechenschaft ziehen.‟ Der Pilot nahm die Angelegenheit sehr ernst. Er wollte nach Timiditas nicht noch seinen zweiten Freund verlieren.

So ein Investigator war ein Spezialist, der Personen oder Dinge mit modernster Technik und einem weiten Netzwerk von Kontakten aufspürte. Dies würde auch transstellar in einem Bereich möglich sein, der beinahe die gesamte Vereinigte Allianz umfasste. Sollte Mortimer sich in der besetzten Zone durch das Alpha Dominion befinden, würde der Investigator zumindest die Route bis zur Frontlinie verfolgen können und damit sicherstellen, dass sich die Zielperson nicht mehr in der VA aufhielt. - Die nächsten Tage waren für ihn der reinste Horror. Die Ungewissheit machte ihn wahnsinnig. Er stand kurz davor, die Wahrheit zu erfahren. Aber noch hatte er keinerlei Informationen von dem Investigator erhalten, abgesehen von dem Fakt, dass Mortimer definitiv nicht auf Beta Patria war, und mit 94 prozentiger Wahrscheinlichkeit auch nicht im Sol-System X94021-115-BP.

Animus seufzte. Hoffentlich war der Investigator sein Geld wert. Carthy hatte die Hälfte der Kosten übernommen, sonst hätte Animus ihn gar nicht beauftragen können. - Wohin hatte sich der Mistkerl abgesetzt? Und dann kam die entscheidende Information: Die Zielperson war auf einem inoffiziellen Flug über einige Zwischenhäfen nach Atra Mundo gelangt. Animus fühlte, wie sein Herz kräftig von innen gegen seine Rippen schlug vor Aufregung. Eilig öffnete er eine Datenbank und las über den Himmelskörper nach: abgelegender Planet am Rand der VA. Sieben Megacitys. Hauptstadt: Atra-City. Durch ein Embargo existiert kein direkter politischer oder wirtschaftlicher Kontakt zu Beta Patria. Kriminelle Strukturen kontrollieren Wirtschaft und öffentliches Leben. Technisch obsolet, keine Androidentechnologie. Verarmte und unterdrückte Bevölkerung wird von relativ wenigen Privilegierten beherrscht, die zum großen Teil einer der kriminellen Clans angehören. Die Arm-Reich-Schere ist nirgends in der VA so ausgeprägt... Animus las nicht weiter. Der perfekte Ort, um sich als Verbrecher zu verstecken.

Der Investigator hatte gute Arbeit geleistet. Jetzt war er selbst dran: Er musste nach Atra Mundo reisen. Weitere Details über Mortimers Aufenthaltsort gab es leider nicht. Aber Animus hatte einen Vorteil: Während man auf Atra Mundo ohne finanzielle Mittel nichts war und erreichen konnte, galt das Gegenteil für jemanden mit entsprechend hoher monetärer Ausstattung. Und da Mr. Carthy auch hier helfen wollte, war der Pilot guten Mutes, die Informationen über Mortimer zu bekommen. - Er besprach seinen Plan mit Violetta. Die Rothaarige schaute ihm tief in die Augen, wobei sich ihre Farbe von Grün zu Himmelblau änderte. „Ich werde dich begleiten.‟ Animus war geschmeichelt, aber er lehnte es wegen der unberechenbaren Gefahren ab. Doch Violetta ließ keinen Widerspruch zu. Sie bestand darauf, mit ihm zu reisen. Letztlich gab sich der Pilot geschlagen. Der Rotschopf hatte immerhin gewisse Kampferfahrung, obwohl sie immer betonte, bei der STC nur in der Basisstation gewesen zu sein. Ihre neue Arbeitsstelle ließ noch auf sich warten, so dass sie genügend Zeit hatte, mit Animus diesen Mortimer aufzuspüren.

Wo Gravis sich befand, würden sie von Mortimer erfahren. Dass sich der Freund in einem abgelegenen Sol-System in einer Gefängnisanlage der IPPC aufhielt, hatte er nicht auf dem Schirm. Der Muskelmutant saß in seiner Zelle und grübelte. Gestern hatte ihn Jameson in seinem Kubus besucht. Die Kommandantin hatte sich vor seinen Augen materialisiert und ihn angelächelt und dann ein ungewöhnliches Angebot gemacht: Entweder blieb Gravis in seiner Zelle und würde dort langsam auf seinen Tod in vielen Jahren warten, oder er würde sich frei in der Station bewegen dürfen und hätte Privilegien wie beispielsweise gute Nahrung und die Möglichkeit eines Krafttrainings im Gym der Station. Voraussetzung war, dass er eine Castitasschelle trug und von nun an als Jamesons Lovetoy fungierte, stets zu ihrer erotischen Stimulation bereitstand und jeden ihrer Wünsche erfüllte.

Der ehemalige Custos war hin und her gerissen. Sollte er sich darauf einlassen? Er wäre nicht viel mehr als ein Sexsklave, wie ein Munus im Harem der Regina. Aber er hatte Möglichkeiten sich zu beschäftigen. Der permanente Aufenthalt in der Isolationszelle, zum Nichtstun gezwungen, würde ihn unweigerlich in den Wahnsinn treiben. Im Grunde stand sein Entschluss also schon fest. Er musste sich nur noch überwinden. Vielleicht war die Castitasschelle das größte Hindernis. Würde Sherry Jameson ihm regelmäßig eine Erlösung gönnen? Oder sollte sein Phallus für immer weggesperrt werden? Wäre das auf Dauer schlimmer als in der Zelle zu schmoren? Gravis seufzte. Die Kommandantin konnte trotzdem jederzeit für ihn eine Castitasschelle anordnen. Er war ihr eh hilflos ausgeliefert. Also sprach er laut: „Ich nehme das Angebot an, Frau Kommandantin.‟ Die Sprach-Algorithmen würden es an Jameson weiterleiten.

Gravis war sich sicher, dass jede Bewegung, jede Mimik, jede Geste, jedes Geräusch in seiner Zelle von einem versteckten Transmitter übermittelt und dann von einer Rechneranlage analysiert wurde. - Es dauerte keine halbe Stunde, wie er vermutete, da materialisierte sich die Kommandantin persönlich in seiner Zelle, eine Castitasschelle aus Titanium in der Hand. Nur mit ihrem Blick sagte sie dem Insassen, er solle seinen Suit ausziehen. Mit geschickten Händen legte Jameson ihm die Schelle an. Das hatte sie wohl nicht zum ersten Mal bei einem Mann gemacht, war sich Gravis sicher. Es fühlte sich eng und erregend zugleich an. Eine leichte Panik schwoll in ihm auf. Er wusste, dass der Zugriff auf seine Männlichkeit nun definitiv abhängig von Jamesons Willkür war.

Ein Schloss war nicht erkennbar. Gravis vermutete, dass es mit Funkwellen funktionierte. Die Kommandantin stand vor dem Nackten und betrachtete ihn auf eine lüsterne Weise. Gravis hatte sich noch nie so nackt und entblößt gefühlt in seinem Leben. Und irgendwie benutzt. Die Leiterin kam näher und strich über den muskelbepackten Leib, knetete auch die Gesäßbacken und zupfte dann sanft an den Hoden des Mannes. Sie lächelte, und ihre Augen blickten ihn begierig und verlangend an. Doch dann aktivierte sie den Teleportationsvorgang und löste sich vor ihm auf. Nie hatte sich der Custos so einsam und gefangen gefühlt wie in diesem Moment: Er trug eine Castitasschelle, befand sich in einem Kubus, in einer abgelegenen Hochsicherheits-Gefängnisanlage in einem einsamen Sol-System. Er wartete und wartete. Wann würde Sherry Jameson ihn aus diesem Kubus holen? - Die ersten 24 Stunden hoffte er vergebens.

Auf einer gesicherten Frequenz hatten Aranea Regina II., Vorstand des Hohen Rates des Alpha Dominion, und der Regierungsrat der Vereinigten Allianz einen temporären Waffenstillstand ausgehandelt und eine entmilitarisierte Zone eingerichtet. Damit schien beiden Parteien geholfen zu sein. Das AD hatte Zeit, um weitere Androiden zu produzieren und zugleich eine Firewall gegen den Virus im BIOS der Bots zu implementieren, während die VA sich um das außer Kontrolle geratene Update der Androiden kümmern konnte. Auf Dauer war es der Wirtschaft nicht verträglich, alle intelligenten Bots abzuschalten. Diverse Verbände und Lobbyisten gingen bereits auf die Barrikaden und machten der Politik gefühlt so viel Druck wie er im Kern der Sonne vorherrschte.

Trotzdem beharrte die Regierung auf ihr Antiandroidengesetz. Zumindest erlaubte eine Lockerung die Aktivierung von getesteten Exemplaren, die nachweisbar virusfrei waren. Des Weiteren mussten in ihren Chips eine Firewall aufgespielt werden, die eine Infizierung unmöglich machte. Ein spezielles Sicherheitssiegel zeigte dann holografisch an, dass der Bot legal aktiv war, und ein Transponder sendete eine entsprechende behördliche Genehmigung. Besonders in systemrelevanten Bereichen wurden die ersten befugten Androiden eingesetzt: Medizin und Industrie, Behörden und Militär. Private Bots wurden nur in Ausnahmefällen erlaubt.

Auf Regina trafen mittlerweile mehr und mehr Damen der Adelskaste ein, die aus ihrem Exil auf Naturalis Sidus zurückkehrten. Nach und nach ähnelte das gesellschaftliche Leben auf Regina wieder der Zeit von Regina Augusta. Loyale Munuskreaturen wurden als Diener und Haremsbewohner eingesetzt; Custos als Wächter; Rusticusse als Arbeiter. Zwar dominierten in den meisten der industriellen Branchen von Bots gefertigte Produktionen, aber es galt unter den Edelfräuleins als schick, von Humanoiden gefertigte Waren zu erwerben. Die Rusticusse trugen nach alter Tradition ihre ID-Nummer von einem Laser eingebrannt auf ihrer Gesäßbacke. Selbstverständlich waren sämtliche Rusticusse und Munuswesen in Castitasschellen gesperrt.

Früher hatte ein Munus einen Securitychip im Phallus gehabt, aber neue Mode war eine CS in Sondergröße. Viele von ihnen trugen zugleich noch einen schweren Hodenstrecker. Ein enger Suit bedeckte den gesamten Körper bis auf eine Öffnung für das Gesicht und die Geschlechtsteile sowie die Hände. Man konnte meinen, Geschichte wiederholte sich. Doch noch war Regina weit von der alten Zeit entfernt, denn bis sich eine Zivilgesellschaft entwickeln würde, konnte es noch dauern, und die militärische Auseinandersetzung mit der VA musste auch erst entschieden sein. Dann konnte sich Aranea allerdings eine humanoide Bevölkerungsschicht vorstellen, die für die nächste Generation Pugnatoren, Rusticussen und Munuswesen sorgte. Das würde vermutlich noch Jahre dauern. Voraussetzung war sowieso, dass das Alpha Dominion die Vereinigte Allianz befrieden konnte. Nur dann gab es eine Zukunft für Regina.

Auf Fortuna, dem Mond von Regina, waren bereits die ersten Luxushabitate - gewaltige Kuppelanlagen - wieder bewohnt. Die Adelsdamen genossen dort dekadent ihr süßes Leben mit Munussklaven in Saus und Braus. - Für aufsässige Personen wurden Straflager eröffnet. Offiziell nannte Aranea sie „Erziehungseinrichtungen‟, die den Insassen wieder die korrekte Orientierung geben sollten. Das Erfolgsrezept fußte auf drei Säulen: schwerer physischer Arbeit, Neuroimpulsen und Gehirnstrukturerneuerungen. Erste Forschungsergebnisse hatten gezeigt, dass die Anstalten vorbildliche Rusticusse und Munussklaven hervorbrachten, die fleißig und gehorsam waren und auf eine eigene Meinung oder einen persönlichen Willen verzichten konnten.

Ehemalige Audiutrix übernahmen die Führung in den Umerziehungseinheiten. Für die neuronalen Behandlungen waren Indagatrix zuständig. Die Wissenschaftlerinnen waren früher für die Bewusstseinsabspeicherung der männlichen Adligen und die Melkställe von Munuskreaturen zuständig gewesen. Jetzt arbeiteten die meisten von ihnen in den Erziehungseinrichtungen. Und auch die Alba Simia hatten schon nach der Technologie der neuronalen Umstrukturierung angefragt. Sie wollten gern ihre Sklaven, das Volk der Placidus, entsprechend optimieren. Zwar galten die Placidus als extrem friedfertig und somit auch leicht zu dominieren, aber den Alba Simia gefiel der Gedanke, dass die Sklaven ihren Platz in der Gesellschaft ohne Widerwillen besetzten. Ob das Nanoprogramm für Munuswesen und Rusticusse auch bei Placiduskreaturen funktionierte, mussten Tests zeigen.

Für die Experimente nutzten die Indagatrix Nervenrezeptorenbooster, die schon marginale Wirkungen des Manipulationsprogramms sichtbar machten. Für die Indagatrix waren die Placidus eine neue Erfahrung, aber mit deren 150 Zentimetern Körpergröße konnten sie in kleineren Käfigen gehalten werden, was wiederum die Lagerkosten für Probanden verringerte. Die Spezies hätte auch als Rusticusalternative als Arbeitssklave eingesetzt werden können, aber leider bestanden die Alba Simia auf ihr Exklusivrecht bei dieser Lebensform. Ausnahme bildete nur die Forschung auf Regina.

Es gab zwei grundlegende Ansätze bei der Therapie für Placiduswesen: Die klassische Variante, die durch neuronale Neustrukturierung die ursprüngliche Persönlichkeit des Individuums löschte und ihn praktisch zu einem willenlosen „Zombie‟ machte, der durch ein Nanoprogramm gesteuert wurde; und dann die neue Therorie der Konditionierung durch ein implantiertes Neuronalgeflecht, das durch Nervenimpulse Gedanken an den eigenen Willen sofort disziplinierte und dagegen Gehorsam durch Dopamin-Ausschüttung belohnte. Viele der Indagatrix waren optimistisch, dass beide Systeme funktionierten. Aranea würde sich für das kostengünstigere entscheiden, wenn es darum ging, die Behandlungen für Munuswesen und Rusticusse anzupassen.

Animus und Violetta fanden dank Mr. Carthys Kontakten einen Raumflug zum benachbarten Sol-System, von dem eine inoffizielle Transferverbindung bis nach Atra Mundo offeriert wurde. Es handelte sich nicht um ein Passagierschiff, sondern eine alte Frachtfähre wartete doch auf sie. Eine bunte Mischung aus diversen Lebensformen befand sich an Bord der „Astrum 94‟. Die Besatzung bestand aus nur elf Personen. Reisende waren insgesamt mehr als doppelt so viele in Behelfskabinen untergebracht. Die meisten von ihnen ließen sich kaum sehen. Es waren dunkle Gestalten. Animus wunderte das nicht. Wer nach Atra Mundo wollte, war garantiert weder Pazifist noch Engelsgestalt. Leute mit weißer Weste würden erstens eine andere Destination und zweitens auch eine andere Reisegelegenheit wählen. Die „Westen‟ der Passagiere waren wohl eher schwarz wie das Innere einer Singularität.

Auch Violetta fragte sich, wer da alles mit ihnen auf der Astrum 94 unterwegs war. Waffenhändler? Drogendealer? Profikiller? Terroristen? Kapitale Kriminelle diverser Branchen? Aber auch die Besatzung machte keinen wirklich seriösen Eindruck. Den Kapitän hatte sie schon gesehen: ein Humanoid mit narbiger Haut und einem gedrungenen Körperbau. Die spitzen Ohren und nicht weniger spitzen Zähne demonstrierten, dass es sich nicht um einen terrestrischen Humanoiden sondern um eine verwandte Lebensform handelte. Der Typ war kurz angebunden und hatte sie nur kontaktiert, um das Dilithium für den Reisepreis im Voraus zu kassieren.

Die anderen Besatzungsmitglieder bestanden ebenfalls aus Spezies, die den terrestrischen Humanoiden sehr ähnlich waren. Fast alle schienen aus unterschiedlichen Kulturen zu kommen, aber eines einte sie: die schmierige, fast verschlagen wirkende Optik. Violettas Bauchgefühl sagte ihr, dass sie den Leuten auf keinen Fall vertrauen durfte. - Die Fähre war bereits seit sieben Tagen unterwegs, als Violetta alleine auf der Suche nach einem Gym, das es auf dem Schiff geben sollte, einen Korridor entlanglief, der von Stahlträgern und metallenen Gitterwänden und Kabelsträngen an der Decke dominiert wurde. Vorsichtig sah sie sich um, ob ihr jemand folgte. Aber sie war allein. Roststellen an Bolzen und Muttern deuteten an, in welchem Zustand sich die Astrum 94 befand. Ein nicht isoliertes Kabelende an der Decke gab sogar knisternde Funken von sich. Schnell ging die schlanke Frau mit ihrem knallroten stylischen Pagenschnitt weiter. Plötzlich öffnete sich seitlich von ihr ein pneumatisches Schott. Ein Hüne von Mann erschien vor ihr.

Es war wohl ein Corium Bestia, wie sie erkannte: zwei Meter groß, drei Zentner schwer, haarig und ledrige Haut. Die Kreatur trug einen ärmellosen Arbeitsoverall aus dickem Nylon und schwere Sicherheitsstiefel. Das Muskelpacket griente sie dümmlich an. Violetta lächelte zurück und verbarg ihren Schrecken. Der Kerl gehörte wohl zur Besatzung. Diese Spezies war nach terrestrischen Maßstäben nicht sehr intelligent. Sie stammte von einem entfernten System außerhalb der VA, doch gab es zahlreiche Leiharbeiter, die gering qualifizierte Arbeiten in diesem Raumsektor ausübten. Und immerhin waren die Betroffenen klug genug, um vor der Diktatur auf ihrem Heimatplaneten zu flüchten.

Der Koloss grinste breit. „Oh! Schöne Frau.‟ Violetta trug einen blauen Sportanzug, der sich eng um ihren trainierten schmalen Leib schmiegte. Hatte sie einen sexuellen Übergriff von diesem Grobian und Spatzenhirn zu erwarten? Er starrte sie an. „Ich heiße Unguis. Wie heißt du?‟ Violetta lächelte schmal. „Mein Name ist Violetta. Ich suche das Gym.‟ Unguis sah sie verständnislos an. Die Frau versuchte es mit verdeutlichenden Gesten. „Training. Sport. Wo ist die Turnhalle?‟ Unguis zuckte mit den breiten Schultern. Er zeigte hinter sich auf das Schott, aus dem er gekommen war. „Organe. Ich kontrolliere die Inko.... Inkubata.... toren.‟ Violetta runzelte die Stirn. „Inkubatoren? Brutkästen?‟ Unguis grinste. „Ja. Ich mach das.‟ Violetta sah ihn skeptisch an. „Auf dem Schiff sind Inkubatoren? Für was? Organe? Handelt ihr mit Organen?‟ Unguis nickte aufgeregt. „Organernte gut. Viel Belohnung.‟ Violetta schluckte. Organhandel war in der VA streng verboten. Und Organernte erst recht.

Sie nickte zu der Tür. „Zeigst du mir das?‟ Unguis grinste. „Ja. Zeige ich dir. Komm mit.‟ Mit einem mulmigen Gefühl folgte sie dem Koloss. Hinter ihr schloss sich die Stahltür. Ein schmaler Korridor führte sie entlang von schmutzigen Stahlwänden. Eine weitere Tür öffnete sich. Violetta und Unguis betraten eine in rotes Licht getauchte Kammer. Sechs Glaszylinder mit einer Nährlösung waren dort aufgereiht. In ihnen schwebten Humanoiden, die durch Schläuchen mit Maschinen verbunden waren. Violetta glaubte kaum, was sie da sah. Plötzlich riss sie eine scharfe Stimme herum. „Wer sind Sie? Was machen Sie hier? Dieser Sektor ist für Passagiere gesperrt.‟

Die Frau sah einen Mann in einem weißen Laborkittel. Er trug in seinem rechten Auge ein auffälliges visuelles Implantat. Violetta zeigte zu den Biotanks. „Betreiben Sie hier etwa Organernte?‟ Der Mann schnaubte abfällig. „Unsinn! Wir scannen die Organe nur und klonen sie dann. Das sind alles freiwillige Probanden. Aber Sie haben hier trotzdem nichts zu suchen. Gehen Sie!‟ Er sah böse zu dem Corium Bestia und versetzte ihm eine kräftige Backpfeife. „Du bringst hier nie wieder jemanden hin! Hast du das kapiert, du dämlicher Schwachkopf!?‟ Unguis senkte ergeben den Kopf. „Ja, Boss. Nie wieder.‟

Violetta stapfte schnellen Schrittes zurück in den öffentlichen Bereich des Schiffes und fühlte, wie ihr Herz bis zum Hals schlug. Ihr war die Lust auf das Gym vergangen. Sie eilte zurück in ihre Kabine zu Animus. „Ich muss dir was erzählen...‟ Der Pilot hörte aufmerksam zu. Dann schüttelte er den Kopf. „Ich glaube kein Wort von diesem Laborfutzi. Da stimmt was nicht. Die haben was zu verbergen.‟ Violetta seufzte. „Vielleicht sollten wir uns da raus halten. Das ist nicht unser Ding. Das gibt nur Ärger. Wir müssen uns auf die Suche nach Mortimer konzentrieren.‟ Dann ergänzte sie: „Irgendwie tut mir dieser... Unguis leid. Ein Riese von Gestalt, aber er lässt sich von diesem Kittelträger abwatschen und demütigen.‟ Animus räusperte sich. „OK. Lass uns unauffällig diese Reise überstehen. Das ist Priorität.‟ Violetta streichelte seine Brust und küsste ihn sanft auf die Lippen. „Mir steht jetzt der Sinn sowieso nach etwas... Privatsphäre...‟ Animus flüsterte: „Den Wunsch kann ich dir erfüllen.‟ Die Iris der Frau änderte sich von Rehbraun zu Babyblau. Ein goldfarbener Rand blitzte wie eine Corona kurz auf. Dann schloss sie ihre Lider mit den langen, geschwungenen Wimpern und gab sich ganz dem Piloten hin.
Viele Grüße von prallbeutel
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Meine Geschichten:
+++ Die gemeine Miriam +++ Das Unzuchts-Komplott +++ Im Reich der Megara +++ Die Nachtschicht seines Lebens +++ Optional Genetics +++ Venus +++ Regina +++ Inkasso +++
Meine Kurzgeschichten:
+++ Ralfs neues Leben +++ Das Gespräch im Regen +++ Der auferstandene Engel +++ Seine Nummer Eins +++ Amour Libre +++ Die Erben +++ Aller guten Dinge sind drei +++ Das Abschiedspräsent +++ Natascha +++ Friday Talk +++ Tims Schicksal +++ Das Familientreffen +++ Der extravagante Gewinn +++ Lars +++

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