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  Das Reich der Megara (Neuauflage)
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prallbeutel Volljährigkeit geprüft
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Licentia poetica

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  RE: Das Reich der Megara (Neuauflage) Datum:26.07.20 16:51 IP: gespeichert Moderator melden


Auf „Ledas Paradies“ begann die Erde zu beben. Die Meuterer spürten die Erschütterungen auf ihrem Felsen besonders stark. „Was ist das?“, fragte ein Soldat. Regin meinte: „Das muss ein Erdbeben sein.“ Honos sah besorgt auf die Ränder ihres Felsberges. Überhängendes Gestein brach einfach ab und fiel in die Tiefe. „Schnell alle runter vom Berg!“ Er lief los, ohne sich noch um die anderen zu kümmern. Tartaros folgte ihm mit kraftvollen und weiten Schritten. Auch der Soldat blieb ihm auf den Fersen. Die anderen sammelten erst noch Utensilien ein und verloren wertvolle Zeit. Das Beben wurde immer stärker. Bald konnte man sich kaum noch auf den Beinen halten. Große Risse entstanden auf dem Boden. Und bei diesem Gewackel mussten die Männer noch einen engen steilen Pfad an der Rückseite des Felsens hinabklettern und das letzte Stück über ein Seil hinabrutschen.

Plötzlich verlor einer der Männer das Gleichgewicht und stürzte kopfüber in die Tiefe. Fast wäre ihm der Diener gefolgt, doch er konnte sich gerade noch festhalten. Allerdings brach das Stück Fels ab und ließ den jungen Mann kreischend taumeln, da packte Tartaros seinen „Schützling“ und zog ihn wieder hoch. Anschließend schlug er ihm kräftig auf den Hintern. „Los, weiter!“

Leda, Thrym und Hagbard versuchten die Bewohner des Lagers zu beruhigen. Alle versammelten sich am Strand und legten oder hockten sich hin. „Das Beben wird bald vorüber sein“, rief Thrym beruhigend in die Menge. Trotzdem hatten einige der Soldaten Angst und flüsterten etwas von Fluch der Erdgeister, andere machten den Zorn der Alten Götter verantwortlich. Dann vernahmen sie ein tiefes Krachen aus der Ferne. Es hörte sich gewaltig an. Als stürze die gesamte Insel ein und würde in den Tiefen des Westozeans versinken.

Der gesamte Felsberg war eingestürzt. Riesige Staubwirbel bohrten sich empor. Hatte er die Meuterer begraben? Vermutlich, überlegte Leda, denn unter den tonnenschweren Steinbrocken würde niemand überleben. Doch der Schrecken war noch nicht zu Ende. Die entfesselten Naturgewalten hatten ihr schreckliches Vernichtungswerk gerade erst begonnen. Von einem Hügel am anderen Ende des Eilandes stieg starker Rauch auf. „Was ist denn das?“, wollte Hagbard wissen und zeigte aufgeregt in die Richtung. Niemand konnte sich den Rauch erklären. Von den Meuterern stammte er bestimmt nicht. Und andere Menschen waren auf dieser abgelegenen Insel sicherlich auch nicht.

Hatte sich von alleine ein Waldbrand entzündet? Leda befürchtete etwas anderes. „Ich habe mal in den alten Schriften im königlichen Palast von einem Feuer spuckenden Berg gelesen. Er wirft Felsen in die Luft und lässt Erde und Steine glühen. Es ist ein Werk der geheimnisvollen Bergriesen, die dort tief im Fels leben sollen.“ Thrym und Hagbard schauten ihre Königin zweifelnd an. Auch der Medikus glaubte nicht an die alte Sage. Aber genau in diesem Augenblick hörten sie ein markerschütterndes tiefes Grollen, dass noch viel lauter und mächtiger war, als der einstürzende Felsberg. Der Himmel verdunkelte sich. Bald war die Sonne nicht mehr zu sehen. Die Männer und Frauen umklammerten sich ängstlich. Und dann schoss aus dem fernen Hügel tatsächlich Gestein und jagte in den dunklen Himmel.

Große Panik brach los, als Felsen und Steine in der Nähe des Strandes niedergingen wie tödliche Geschosse. In Blitzschnelle war ihre Siedlung dem Erdboden gleichgemacht. Einzelne gefährliche Stücke Fels landeten am Strand und in den Wellen des flachen Wassers und bohrten sich wie überdimensionale Splitter in den Sand oder ließen das Wasser himmelwärts hoch aufspritzen. Voller Panik liefen alle auseinander. Einige suchten im Wald Schutz, andere eilten den Strand entlang. Dieses Hölleninferno dauerte mehrere Minuten an, die sich für die Anwesenden wie eine Ewigkeit anfühlten.

Als der Hügel nicht mehr spuckte, versuchte Leda wieder einen klaren Verstand zu bekommen und befahl einigen Männern, alle Leute wieder zusammenzurufen. Dem zerstörerischen Gesteinregen waren fünf Soldaten, die Köchin und drei weitere Männer zum Opfer gefallen. Plötzlich brüllte ein Gardist: „Majestät! Seht da oben!“ Alle Augen blickten in die angebende Richtung. Leda seufzte. Die Götter meinten es nicht allzu gut mit ihnen: Der Berg begann mit seiner tödlichen Glut. Orangefarben wie wütende Glut leuchteten Bäche von geschmolzenem Gestein, die sich über das Eiland fraßen und alles in ihrer Nähe verbrannten.

Für die Bewohner der Insel gab es kein Entkommen. Die brennenden Flüsse krochen unbarmherzig in alle Richtungen und würden bald die gesamte Insel bedecken und alles darauf vernichten. Leda beschloss die Flucht. „Lasst und so schnell wie möglich ein oder mehrere Flöße bauen und Wasser und das Allerwichtigste zusammenraffen. Wir müssen Ledas Paradies verlassen. Sonst sind wir des Todes. Beeilung! Wir nur wenige Stunden Zeit!“ Die Männer packten sofort an und beteten zugleich zu den Göttern des Schicksals um ihr Leben.

Megaras Majordoma überbrachte ihrer Herrscherin und Göttin die Botschaft aus dem Osten, dass Fama erfolgreich die Vogelfreien eingefangen hatte. Sie sollten für ihre Illoyalität Sühne tun. Megara genoss die Zeilen, die auf dem kleinen eng beschriebenen Pergament zu lesen waren und nahm sich vor am heutigen Abend eine besondere Feier zu veranstalten. „Megaria ist nun frei von Abschaum und Ungläubigen! Ich bin die Göttin über diesen gesamten Kontinent! Und ich werde ewig herrschen!“ Megara träumte von einer Zukunft, in der Männer gezüchtet würden: entweder zum Dienen oder zur Lust der Damen des Reiches. Die Arbeitssklaven würden in einem bestimmten Alter ihrer Männlichkeit entsagen müssen, die anderen einen Keuschheitsgürtel tragen.

Schon jetzt wuchsen überall im Reich gigantische Tempel und Statuen als Ebenbild der Neuen Göttin in den Himmel. Doch das war Megara noch nicht genug. Sie suhlte in Goldmünzen und Geschmeide, badete in den kostbarsten Flüssigkeiten, lud zu dekadenten Festen ein und eröffnete jede Woche ein großes Spielespektakel in der vergrößerten Arena, in der viele hundert Hofdamen sich am Leid der Sklaven ergötzten.

Das Umfeld der Megara hatte das Gefühl, als verliere die Herrscherin langsam den Verstand. Aber niemand wagte ein Wort. Überall herrschte große Angst vor der Tyrannin, denn eine falsche Randbemerkung konnte den Kopf kosten. Die Steuerabgaben, die auf jeder Dame lasteten, gaben diese an ihre Sklaven weiter, die schufteten bis zum Umfallen. Für Mannsbilder waren die Zeiten mehr als schlecht. Oft waren ausgemergelte Sklaven in den Straßen zu sehen, die schweres Gepäck für ihre Besitzerin trugen.

Während die Leibeigenen oft nur einen Lendenschurz oder gar nichts trugen (je nach Geschmack der Eigentümerin), waren die Ladys in sündhaft teure Gewänder gekleidet. Alle paar Schritt ließen sich viele der Damen von Sklaven ihre edlen Lederstiefel lecken, um den Glanz zu erhalten. Das dabei in die Höhe ragende Gesäß der Unglücklichen zeugte von zahlreichen Züchtigungen diverser Art. Eine Zier, die die Eigentümerinnen stolz präsentierten.

Megara saß auf ihrem kolossalen Thron und war umgeben von Gold und Edelsteinen. Sie wartete, dass die Palastwache ihren Abas brachte. Und da kam er auch schon: Er trug noch die Hölzer, die das Gemächt bis zu den Hinterseiten der Oberschenkel zwangen und eine Röhre für den Liebesstab. Auf allen Vieren kam Abas gekrabbelt. Er bellte wie ein Hündchen. In respektvollem Abstand setzte er sich vor seiner Herrin hin und hechelte mit seiner Zunge wie ein kleiner Kläffer.

Die Despotin klingelte mit einem kleinen goldenen Glöckchen. Sofort kam die Majordoma in einer dunklen Robe herbei. „Sagt dem Schwarzmagier, dass ich ihm meinen Dank entbiete. Und gebt ihm seinen Lohn“, befahl die Tyrannin. Die Majordoma verneigte sich tief und verließ die prunkvolle Halle. Megara beobachtete Abas. Sie grinste zufrieden. „Weißt du, wer du bist?“ Abas sah sie aufmerksam an und ließ ein leises Winseln vernehmen. Er konnte nicht mehr sprechen. Der Hexenbann beherrschte ihn vollkommen. Megara lachte lauthals und dreckig wie eine Straßendirne, dass es durch den Saal schallte.

Auf Ledas Paradies waren alle verfügbaren Hände im Einsatz. Die Soldaten zimmerten grob ein großes Floß zusammen. In letzter Minuten schoben sie mit vereinten Kräften das Wassergefährt in die Brandung, während hinter ihnen breite dampfende Lavaströme herankrochen und alles unter sich vernichteten. Die Gardisten und Zivilisten bauten ein weiteres Floß. Und auch eine dritte „Rettungsinsel“ zogen die Gestrandeten ins Wasser. Bald schon schwammen die Geretteten auf ihren drei Flößen im Ozean und schaukelten über die Wellen.

„Ledas Paradies“ ähnelten in keiner Weise mehr der fruchtbaren grünen Insel, die sie kennen gelernt hatten. Der spuckende Berg hatte seine Glutströme in alle Richtungen über die Vegetation geschickt und nichts am Leben gelassen. Das Eiland war eine glühende tote Landmasse. Sie hätte eigentlich in „Ledas Unterwelt“ umgewidmet werden müssen.

Trotzdem hatten Leda und ihre Berater die Hoffnung nicht aufgegeben. Sie mussten erneut den Westkontinent ansteuern. Eine andere Wahl hatten sie nicht. Wenn sie das Wasser rationierten und ein wenig Glück mit dem Wetter hatten, war das machbar. „Was wohl aus den Meuterern geworden ist?“, fragte Hagbard, der als „Kapitän“ eines Floßes agierte und auf den Horizont über den leichten Wellen des Meeres stierte. Ein Gardist antwortete: „Sie sind wohl der unheimlichen Wut der Bergriesen zum Opfer gefallen. Furchtbar!“

Auf der anderen Seite der Insel konnten sich die Meuterer in ein gebasteltes Floß retten. Allerdings fehlte ihnen Süßwasser. „Wir müssen um die Insel navigieren und hoffen, dass wir auf Leda treffen. Sonst werden wir unweigerlich verdursten!“, sagte Honos. Seine Kameraden protestierten. Sich ergeben und in Keuschheitsgürtel stecken lassen? Niemals! Aber wollten sie verdursten? Sie steckten in einem wahrhaftig bedeutenden Dilemma. Tod oder Sklaverei? Was sollten sie wählen?

Stadthalterin Fama ließ sich von zwei Sklaven die zarten Füße massieren und besprach sich währenddessen mit ihrer Adjutantin, deren Lederrüstung knarzte, sobald sie sich bewegte. „Wir werden mehr Sklaven für die Sauberkeit der Prachtalleen einsetzen. Dieser Staub! Er ruiniert die teuren Stiefel der Damen!“ „Sehr wohl, Ehrwürdige Stadthalterin“, antwortete ihre Adjutantin und kritzelte mit ihrem Gänsekiel auf einem Pergament. „Ich sollte Euch noch an die Feierlichkeiten erinnern“, ergriff sie erneut das Wort. Fama hob die Augenbrauen. „Ja! Richtig. Fast wäre es mir entfallen. Also: Wir benötigen zwei Dutzend Sklaven für den Circus. Gebt ihnen eine Grundausbildung mit der Waffe. Das reicht. Der Sieger soll die Freiheit erhalten. Das dürfte genug Motivation sein. Und besorgt mir unterhaltsame Gaukler, die ihr Handwerk verstehen. Es soll eine große Gaudi werden. Feuerschlucker, Jongleure, Artisten, Musikanten, ein buntes Treiben. Und ich will ein fulminantes Feuerwerk. Und ein Wagenrennen. Ja, mit Sklaven in den Riemen.“

Die Adjutantin schrieb eifrig mit. Ihre feuchte Zungenspitze wischte über ihre Lippen. „Moment“, sagte Fama und runzelte die Stirn. „Was ist da draußen denn für ein Krach?“ Sie stand von ihrem Sessel auf und schritt zum Fenster, öffnete die Butzenscheiben und beugte sich über den Rand des massiven Mauerwerks. Im Garten des Regierungspalastes kreischten und lachten helle Stimmen. Fama wandte sich um und zeigte auf eine Wächterin, die still neben der Tür stand. „Sorgt gefälligst für Ruhe da unten!“ Die Uniformierte verbeugte sich und salutierte zackig. Dann eilte sie hinaus.

Eine kurze Weile später kehrte Ruhe ein. Fama konnte sich wieder auf die Feierlichkeiten konzentrieren und fügte der Liste des Spektakels noch eine öffentliche Auspeitschung sowie Sklavenmarkierungen und eine Verlosung von Leibeigenen hinzu. Als die Wächterin zurückkam, fragte Fama: „Und? Was war da los?“ Die Uniformierte berichtete. „Einige Hoffräuleins haben sich mit einem Sklaven unterhalten. Sie… haben ihn nackt an eine Mauer gebunden und mit allerlei Zeug beworfen. Dreck und faule Früchte und…“ Fama unterbrach: „So genau wollte ich es gar nicht wissen.“

Vor dem Raum war ein Gezeter zu hören. „Was ist jetzt schon wieder los?“, rief Fama verstimmt. Eine Dame, die ihr langes Haar kunstvoll, zu einem Turm hochgebunden hatte, erschien und entschuldigte sich vielmals für die Störung, aber es ginge um Aurora und Vesta, die Töchter der Stadthalterin. Fama ahnte, dass ihre Früchtchen wieder etwas angestellt hatten. Die Gouvernante war außer sich, als sie von dem Streich der Edelfräuleins berichtete. Aurora und Vesta hatten darum gewettet, wer zuerst einen Haselnussstock über dem Hintern eines Sklaven zerbrechen könne. Ihr Versuchskaninchen hatten sie geknebelt, damit die Schreie nicht aus dem Raum dringen sollten, doch die Gouvernante war zufällig hereingekommen. Sofort hatte sie diese Spielerei unterbunden und harte Konsequenzen für das unziemliche Verhalten angedroht.

Fama seufzte. „Mit so etwas kann ich mich nun wirklich nicht aufhalten! Ich muss eine Stadt und den gesamten Osten von Megaria regieren. Regelt das selbst. Und seit nicht zu zimperlich mit den Gören!“ Die Gouvernante machte einen höflichen Knicks und zog sich zurück. Sie wusste schon ganz genau, wie sie den beiden jungen Damen Manieren beibringen würde.

Sie befahl Vesta und Aurora in das Strafzimmer. Die beiden jungen Damen mussten sich in ihren prachtvollen Kleidern setzen und einer Strafpredigt der Gouvernante zuhören. Dann brachten zwei Palastwachen die beiden Prügelsklaven der Fräuleins herein und banden sie fest. „Das soll euch eine Lehre sein!“, sagte die Erzieherin mit erhobenem Zeigefinger, die die beiden Damen auch in Benimmregeln, Lesen und Schreiben, Mathematik und Geografie unterrichtete. Aber heute sollten die zwei ungezogenen Wildfänge erleben, was ihre Prügelsklaven wegen ihres Fehlverhaltens erleiden mussten!

Sie ließ es sich nicht nehmen, selbst die Rute zu schwingen und den beiden Sklaven gehörig einzuheizen. Doch als sie sich nach zahlreichen Hieben umdrehte, sah sie statt Entsetzen in den Gesichtern der Fräuleins eher Erheiterung und sogar Genuss. Empört warf sie die Rute fort und schimpfte: „Ihr bleibt noch eine Stunde in diesem Raum und seht euch an, was ihr angerichtet habt!“ Damit schritt sie zügig aus dem Strafraum und ließ die Prügelsklaven mit Vesta und Aurora allein. Die geknebelten Leibeigenen brummten und grunzten in ihre Knebel, und sie blickten der Gouvernante angstvoll und panisch hinterher. Die Dame, die ihnen bereits den Rücken zugekehrt hatte, bemerkte davon nichts. Die Tür schloss sich und ein Riegel wurde knarrend vorgelegt.

Die zwei Ladys sprangen auf und kicherten. Vesta nahm die Rute und streichelte dem einen Prügelsklaven den lädierten Hintern. Aurora griff nach dem Schlaginstrument und zerrte daran. „Gib her! Wir waren böse. Wir müssen noch ein paar Hiebe verteilen. Ich mache das!“ Aber Vesta wollte sie nicht hergeben. Die beiden zankten lautstark um die Rute und drehten sich im Kreis. Die Sklaven zerrten und rissen an ihren Fesseln, aber der Strafbock, über den sie gespannt waren, hatte kein Erbarmen. Er war mitleidslos wie die beiden Fräuleins.

Auf dem Großen Ozean kräuselte sich das Wasser durch eine sanfte Brise. Bereits nach zwei Stunden auf See konnte Ledas kleine Flotte mit dem improvisierten Segel Kurs nach Westen nehmen. Eine Gardistin meldete bald darauf: „Floß in Sicht! Auf Nordost!“ Leda starrte auf den Horizont und konnte ein kleines Gefährt erkennen. „Die Meuterer“, entfuhr es ihr grimmig. Zum Glück hatte sie Waffen an Bord. Außerdem würde die Handvoll Verräter keine Chance gegen etwa die zehnfache Menge an Gegnern haben.

Doch das feindliche Floß kam näher und näher. Die Meuterer winkten mit den Armen und hatten so eine Art „Weiße Fahne“ gehisst. Leda traute ihnen keinen Deut über den Weg. Als sie nur auf Rufweite entfernt waren, rief ein Gardist in Ledas Auftrag hinüber: „Kommt nicht näher! Was wollt ihr?“ Honos rief laut: „Wir wollen uns ergeben. Wir stellen keine Ansprüche.“ Leda war misstrauisch. Schade, dass sie die Keuschheitsgürtel auf der Insel gelassen hatte. Nur der Stallknecht trug sein Exemplar noch.

Leda ließ einige Personen auf jedem Floß bewaffnen. Die Meuterer mussten auf ihrem Floß bleiben und einen neuen Schwur auf Leda abgeben. Als Gegenleistung erhielten sie rationierte Portionen Wasser und Nahrung. Als kleine Buße bekamen sie nur dreiviertel der normalen Menge. Zusätzlich brachte der Zimmermann mit drei Soldaten bei den Meuterern ein Segel an. So konnten die vier Flöße weiter gen Westen treiben. Der Wind war ihnen gewogen. So würden sie ihr Ziel in einigen Tagen erreichen.

Und die Tage vergingen. Die Nahrung war aufgebraucht. Das Wasser wurde knapp. Doch ein Knecht und ein Gardist entpuppten sich als geschickte Fischer mit dem Speer und versorgten alle Flöße mit Fisch. Plötzlich war eine aufgeregte Stimme zu hören: „Land in Sicht!“, rief ein Soldat. Alle tummelten sich auf der entsprechenden Seite der Flöße, so dass sie fast kenterten. Leda hoffte, dass dieses Mal weder Drachentiere noch feindlich gesinnte Völker angriffen.

Sie hatten Glück: Der Landstrich war weit und breit verlassen. Allerdings konnten die Flöße an den felsigen Riffen nicht anlanden, so dass die letzten 300 Fuß schwimmend überbrückt werden mussten. „Jetzt gibt es definitiv kein Zurück“, stellte Leda fatalistisch fest. Mochten die Schicksalsgötter ihnen hold sein!

Viele Grüße von prallbeutel
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+++ Die gemeine Miriam +++ Das Unzuchts-Komplott +++ Im Reich der Megara +++ Die Nachtschicht seines Lebens +++ Optional Genetics +++ Venus +++ Regina +++ Inkasso +++
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sheeeep Volljährigkeit geprüft
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  RE: Das Reich der Megara (Neuauflage) Datum:28.07.20 00:41 IP: gespeichert Moderator melden


Wieder toll geschrieben.....Wahnsinn, wo du die ganzen Ideen hernimmst......
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prallbeutel Volljährigkeit geprüft
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  RE: Das Reich der Megara (Neuauflage) Datum:29.07.20 19:29 IP: gespeichert Moderator melden


@ sheeeep

Danke. Ja, manchmal küsst mich die Muse halt
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AlfvM
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  RE: Das Reich der Megara (Neuauflage) Datum:29.07.20 21:48 IP: gespeichert Moderator melden


Tolle Geschichte mit deutlichen Unterschieden zur ersten Geschichte. Mach bitte weiter so. Danke.
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prallbeutel Volljährigkeit geprüft
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  RE: Das Reich der Megara (Neuauflage) Datum:02.08.20 12:54 IP: gespeichert Moderator melden


Am wichtigsten war nun, eine Süßwasserquelle zu finden. Dafür schickte Leda einen kleinen Trupp Freiwilliger los ins Landesinnere. Die Sonne war schon ein Stück weit über den Himmel gewandert, da kamen sie mit froher Botschaft zurück: Ein kleiner Bach floss in der Nähe und mündete offenbar weiter nördlich ins Meer. Immer darauf bedacht, die Meuterer im Auge zu behalten, hatten die Gardistinnen die Waffen stets in der Hand. Leda befahl, ein vorläufiges Lager am Strand aufzubauen. Sie selbst zog sich mit Gladius im Wald zurück. Als sie fröhlich zurückkam, wurde sie von einigen ihrer Untertanen kritisch beäugt. Ehemalige Königin hin oder her - aber konnte sie nicht bei der Arbeit helfen? Zumindest sollte sie doch bei ihren Untertanen bleiben und sich nicht derweil verlustieren.

In der Nacht erwachte sie plötzlich von einem abgebrochenen Schrei. Sie stürzte aus ihrem Unterschlupf und wurde sofort von einem Knüppel niedergeschlagen. Als sie erneut erwachte, schmerzte ihr Kopf höllisch. Sie hielt sich mit einer Hand die Stelle, auf der eine Beule gewachsen war, und stand auf. Sie sah sich im Lager um: Das Feuer war gelöscht, einige der aufgebauten Zelte waren zerstört. Sie schaute sich weiter um und bemerkte, dass mehrere Personen am Boden lagen. Der Medikus kam aus dem Wald gewankt und hielt sich die Seite. „Majestät! Die Meuterer haben die bewaffneten Wachen überfallen und sind geflüchtet. Ich fürchte, es sind noch mehr als bisher.“

Leda war fassungslos. Eine Gardistin kam zu ihr. Sie taumelte. „Jemand hat mir einen Knüppel auf den Kopf gehauen.“ Als die Königin alle loyalen Personen um sich versammelt hatte, waren ihr nur die Berater Thrym und Hagbard, der Medikus, zwei Gardistinnen und Gladius geblieben. Dann sah sie auch den Stallknecht. Leda schüttelte den Kopf, als wolle sie es nicht glauben. „Alle Soldaten sind desertiert? Und auch der Zimmermann? Und auch beide Knechte und beide Diener? Das ist ja…“ Sie sah sich weiter um: „Wo sind die Mägde?“ Eine der Gardistinnen sagte zerknirscht: „Auch mit unter den Verrätern. Vielleicht unter Zwang, aber ich glaube, dass es die Liebchen von drei Soldaten waren.“ „Und meine beiden Zofen?“, fragte Leda mit großen Augen voller Unglauben. Die Gardistin lächelte humorlos. Für die galt das Gleiche.

Am schlimmsten traf Leda, dass auch alle acht Gardisten und eine Gardistin übergelaufen waren. Eine der beiden loyalen Uniformierten druckste herum und meinte schließlich: „Unsere Kameradin hatte sich in einen Gardisten verliebt. Daher ist sie mitgegangen. Es tut mir aufrichtig leid, Majestät.“ Leda sank zusammen. Ihr wurde schwindelig. Mit ihr waren sie acht Personen. Gab es eine Überlebenschance auf diesem Westkontinent? Jetzt hatten sie nicht nur dieses angriffslustige Volk und irgendwelche Monstertiere gegen sich; auch die Meutererrotte schwirrte in der Umgebung herum. „Wir müssen sofort hier weg“, beschloss Leda, die gegen eine Ohnmacht ankämpfte.

Und so war der kleine Trupp bald unterwegs. Sie wanderten mit Sack und Pack am Strand entlang nach Süden. Sie hatten kein konkretes Ziel, sie wussten nicht, wo das Schicksal sie hinführte. Leda und Thrym übernahmen die vorderste Front. Ihnen folgten die anderen in loser Reihenfolge. Ganz am Schluss trottete der Stallknecht hinterher und murmelte: „Alle sind frei – nur ich trage einen Keuschheitsgürtel. Ob Leda den Schlüssel überhaupt mitgenommen hat?“ Er hatte ihr versprochen, Buße zu tun, und das würde er auch halten. Aber die Frage, ob der Schlüssel auf der Insel verblieben war, brannte ihn ihm wie Feuer. Daher nutzte er eine kleine Rast, um Leda danach zu fragen. Die Monarchin griff in das Wams und holte einen Schlüssel hervor, den sie an einem Lederbändchen um den Hals trug. Der Stallknecht atmete tief durch. Ihm fiel ein riesiger Stein vom Herzen.

Während er frohen Mutes hinter den anderen herlief, grübelte Leda vor sich hin. War es überhaupt der Schlüssel vom Stallknecht, den sie sich in der Eile um den Hals gebunden hatte? Ach, egal. Sie beschäftigten andere gewichtigere Dinge: Sie würde ihre Heimat niemals wieder sehen… Trübsal stieg in ihr auf wie ein saures Gift.

Derweil entwickelte sich Megaria bis in den letzten Winkel zu einer reinen und wahrhaftigen Frauengesellschaft. Megara ließ sich als einzige Göttin verehren und lockerte mit der Zeit ein wenig die Steuerlast der Damen, um ihnen eine luxuriöseres Leben zu ermöglichen. Die Sklaven mussten in den meisten Fällen gleich hart weiter schuften. Warum auch nicht? Mitleid war an diesen Kreaturen verschwendet - das war die vorherrschende Überzeugung der Damenwelt.

Die Tyrannin ergötzte sich an dem Anblick der Lichter: Vor ihrem prunkvollen Palast waren bis zu hundert Sklaven aufgereiht, um mit einer Fackel auf ihrem Kopfgestell die Nacht sowie die edlen Mauern der Göttin zu erhellen. Auf diese Idee hatte Senatorin Kerbera sie gebracht. Die Leibeigenen mussten von Sonnenuntergang bis –aufgang dort verharren. Während der Nachtstunden kontrollierten einige Soldatinnen die Mauern. Stand ein Sklave nicht still oder stramm genug, so wurde er gepeitscht und musste am nächsten Tag von früh bis spät Steine schleppen und in der Folgenacht erneut seine Fackel tragen. Versagte er wieder, brachten ihn die Soldatinnen voller Groll in den göttlichen Befragungsraum im Kerker der Festung. Ungehorsam galt als Gotteslästerung. Und auf die stand eine ganze Liste von Strafen. Den Strafkatalog hatten die Senatorinnen Kerbera und Alekto gemeinsam mit Megara ausgearbeitet – bei einer gemütlichen Tasse Tee. Als die Regentin eine Korbflasche mit Likör orderte und den Tee damit vermischte, wurden die Strafen der drei Damen mehr und mehr ausgefallen. Am nächsten Tag hatten sie sich köstlich über ihre schriftliche Errungenschaft amüsiert, den Inhalt aber nicht mehr ändern lassen.

Einige Soldatinnen verkürzten ihre langweilige Wache damit, einen Fackelsklaven aus dem Stillstand zu bringen, indem sie ihn zum Beispiel mit kleinen Dornen bewarfen. Die Konsequenzen für den Leibeigenen waren ihnen egal. Mitgefühl für einen Sklaven? Wer einen Käfer zertrat, der hatte ja auch kein schlechtes Gewissen. Ein wenig Vergnügung durfte sie sich wohl gönnen.

Doch bei der Finsternis des Neumonds war ihnen nicht zu Gaudi zumute. Denn eine alte Überlieferung über die bösartigen Wyvern besagte, dass sie des nachts Jungfrauen und Weiber, die sie dafür hielten, in die dunklen Lüfte entführten und bestiegen, damit sie ihre Brut gebären. So manche unvorsichtige Wächterin hatte im schwarzen Himmel die ledernen Schwingen rascheln gehört und war ihrem Schicksal nur knapp entkommen. Doch wer bereits den kalten Atem im Nacken spürte, musste sich der eisigen Umarmung des grausamen Schicksals hingeben. Die Wyvern brachten ihre Beute, die sie mit ihren langen Krallen packten, in ihr Nest, bestiegen sie und warteten bis diese ihr Gezücht neun Monde später legten. Danach gab das ausgelauchte Gerippe meist den letzten Hauch von sich oder wurde von der Bestie gemetzelt und in den tiefen Wald gebracht.

Kundige verkauften Schutzamulette gegen diese fliegenden Wesen der Nacht. Doch es kam hin und weder vor, dass trotzdem ein Weib in den Wäldern verschwand. Die meisten wurden nie wieder gefunden, einige wenige saßen leblos an einen Baumstumpf gelehnt, die Haut trocken wir Pergament, die Augen in Wahnsinn aufgerissen. Vergeblich hatten Soldatinnen versucht, die Wyvern mit einem männlichen Jüngling zufriedenzustellen. Doch das nackte Opfer, an einen Baum gefesselt, wurde abgelehnt. Sein gerstenblonder Schopf war grau geworden, und sein Geist verwirrt.

Sein Leib war unversehrt geblieben. Sein Leben endete trotzdem unglücklich, denn er galt als verhext oder vergiftet, weil die dunklen Kreaturen ihn verschmäht hatten, und so brachten ihn die Soldatinnen in ein Höhlenlabyrinth und verschlossen den Eingang mit schweren Felsen. Ob er dort elendig darbte und letzlich seinen Odem aushauchte, oder ob er von Höhlenghulen gequält und in Ketten in ihr finsteres Reich tief im Bergmassiv verschleppt wurde, darüber stritten die Ladyschaften bei ihren gesellschaftlichen Empfängen und gruselten sich wohlig bei der Vorstellung. Sie überschlugen sich dabei meist gegenseitig darin, sich ein Bild davon zu zeichnen, wie der Jüngling mit Ketten gepeitscht und glühenden Kohlen gequält wurde.

Die Tyrannin Megara hatte zunächst die Pläne für eine Nachfolgerin zu den Akten gelegt. Hochmütig stellte sie fest: Sie war eine Göttin! Und eine Göttin ist unsterblich! Sie herrscht ewiglich!, wurde ihr stolz bewusst. Zufrieden nippte sie an ihrem Kelch. Oder? Sollte sie… Ihr kam eine Idee. Ihre grausamen Gesichtszüge verzerrten sich zu einem diabolischen Grinsen.

Die Sklavenbesitzerin Ceres hatte eine neue Aufgabe gefunden. Sie handelte in großem Rahmen mit Leibeigenen aus dem Ostkontinent. Sie verkaufte sowohl erzogene Sklaven in gesamt Megaria, als auch „Rohmaterial“ an Sklavenhändlerinnen und Erzieherinnen wie Flagella. In kurzer Zeit hatte sie ihr Vermögen verzehnfacht und lebte glücklich und zufrieden und prasste mit ihrem Reichtum wie nie zuvor.

Für ihren alten Liebessklaven Aphron hatte sie kaum noch Zeit. Außerdem liebte Ceres die Abwechslung und vergnügte sich ständig mit anderen Männern. Der ausgebildete Liebesdiener fristete derweil sein Dasein in einem Keuschheitsgürtel und konnte froh sein, wenn Ceres ihm einen kurzen Aufschluss pro Jahreszeit gönnte. Wenigstens hatte sie ihn behalten und nicht an die Nächstbeste verschenkt.

War es Einbildung, oder war sein Gemächt seit dieser Zeit gediehen? Vielleicht geschwollen? Ceres kicherte bei dem Gedanken. Wie amüsant. Doch im nächsten Moment erblickte sie einen knackigen jungen Leibeigenen aus einer Gruppe, die sie heute erworben hatte, und Aphron war vergessen. Der Jüngling wäre was für heute Nacht, schwärmte sie vor sich hin. Sie leckte sich begehrend über die Lippen, als gierte sie nach einem süßen Küchlein, den es zu vernaschen galt.

Ihre Freundin Phoibe war ebenfalls geradezu imposant im Sklavengeschäft eingestiegen. Sie leitete eine kleine Flotte von vier Galeeren, mit denen sie an der Küste des Ostkontinents auf Fang ging. Sie konnte sich nichts Schöneres vorstellen: die frische Seeluft, die vielen knackigen nackten Kreaturen, die noch so wunderbar naiv und unerzogen waren. Die nie zuvor eine Peitsche gespürt hatten. Mannsbilder von so hübscher Gestalt, dass sie ein kleines Vermögen auf dem Markt erbringen würden.

Manchmal ließ sie es sich nicht nehmen, ein besonders gut bestücktes Exemplar selbst zu erziehen. Dann war sie für zwei Tage in ihrer Kapitänskajüte verschwunden. Schon mehrfach hatten ihre Offizierinnen gestaunt, mit welch widerspenstigem Wildfang sie sich zurückgezogen hatte, und mit was für einem servilen Sklaven voll devoter Manier sie wieder an Deck aufgetaucht war. „Es ist einfacher, als Sie denken, einen Sklaven zu brechen. Man muss nur die richtigen Stellen finden“, flüsterte sie ihrer Ersten Offizierin eines Tages zwinkernd zu. „Vielleicht zeigte ich es Ihnen mal.“

Voll Stolz betrat sie das oberste Ruderdeck und beobachtete, wie zwei Frauen mit ihren langen Lederpeitschen die Sklaven antrieben. Den Takt gab ein Leieigener mit Lendenschurz und eisernen Hand- und Fußreifen vor, der auf eine große Trommel einschlug. Eine Aufpasserin kontrollierte die Geschwindigkeit. Phoibe bemerkte belustigt, dass einige der Männer durch ihre Anwesenheit stark erregt wurden. Die nackten Ruderer hatten keine Möglichkeit ihr Verlangen zu verstecken. Breitbeinig waren sie an die Ruderbänke gekettet und schufteten ächzend mit dem dicken Riemen in den Händen.

Phoibe spielte die Schockierte und forderte von einer der Frauen: „Seht Euch dieses Schwein an! Peitscht ihm seinen Stab wieder klein, damit er Manieren lernt!“ Sofort prügelten beide Antreiberinnen auf den armen betroffenen Galeerenhäftling ein. Winselnd flehte er um Gnade, aber die geflochtenen Lederschnüre fanden wieder und wieder ihr fleischliches Ziel.

Die Kapitänin wippte zufrieden auf ihren Fußballen. Das Leben als Sklavenjägerin ist fast so schön wie als Megara, freute sie sich. Auf ihren Schiffen war sie wie eine Göttin! Vielleicht sollte sie sich den Kerl mit dem Monstrum zwischen seinen Schenkeln, den sie in einer Ruderreihe bemerkt hatte, in ihre Kabine holen lassen. Sie wollte den Muskelberg weinen sehen und schmunzelte bei dem Gedanken. Sie biss in einen roten Apfel und spuckte das Stück dekadent wieder aus. Es landete zwischen den Sklaven auf dem Mittelgang. Einiger der Männer schauten verstohlen zu dem saftigen Obst. Sie hatten auf der langen Reise nur den verhassten Haferschleim bekommen.

Den Sklaven lief das Wasser im Mund zusammen, aber niemand würde es wagen, seine Hand vom Ruder zu nehmen und sich nach der köstlichen Leckerei zu strecken. Im nächsten Moment trat eine der Antreiberinnen achtlos darauf und zerquetschte es unter ihrem Stiefel. Einige Leibeigenen schluckten trocken und kämpften weiter mit den Riemen, um den Takt zu halten.

Phoibe war wieder an Deck gegangen, um sich ein wenig unter einem Sonnensegel im Schatten dem Nichtstun zu widmen und das schöne Wetter zu genießen. Im Hintergrund hörte sie das Klatschen der Peitschen. Sie griff nach einem Becher mit kühlem Wein. Dann rief sie nach einer Offizierin: „Bringt mir ein paar Sklaven hoch. Sie sollen für mich tanzen.“ Die Uniformierte nickte und salutierte. Spöttisch murmelte sie: „Das ständige Sitzen ist für die Ruderer ja auch langweilig…“

Die reiche Kaufmannsfrau Dione und ihre Tochter Venus standen mit dem Verlobten der jungen Dame vor der Tür ihres imposanten Hauses. Der Versprochene bettelte auf Knien: „Bitte Herrin! Verkauft mich nicht! Ich werde eine Schmiedin finden, die meinen Keuschheitsgürtel öffnen kann.“ Aber die beiden Frauen hatten beschlossen, dass Bran aus dem Haus musste. Was sollte Venus auch mit einem Mann, dessen Männlichkeit verschlossen war! Lykos hatte den Schlüssel bei seiner Flucht gestohlen. Damit war Bran wertlos geworden – zumindest für Venus, die einen Bettgefährten haben wollte. Ein paar Münzen zahlte die Interessierte, die im Auftrag von Puffmutter Hydra gekommen war. Bran bettelte und zeterte, aber erbarmungslos zog die Käuferin ihren Neuerwerb an einer Kette auf die Straße und band ihn hinter ihre Kutsche fest. Bald trabten die Pferde an, und Bran stolperte hinterher. Venus und Dione winkten ihm ironisch zum Abschied, dann gingen sie ins Haus, um die Münzen in ihre Schatulle zu legen. Morgen wollten sie nach einem neuen Sklaven auf dem Markt Ausschau halten, dessen Gemächt zu gebrauchen war.

Einige Tage würde Bran auf seiner letzten Reise unterwegs sein. Er war für Hydra auch mit einem verschlossenen Keuschheitsgürtel nutzbar. Einige ihrer Kundinnen liebten Sklaven in eisernen Hosen und ließen sich lieber durch eine flinke Zunge verwöhnen. Oder banden sich einen Liebesstab aus Holz um die Hüften, um die Rolle des Recken zu übernehmen. Hydra hatte eine große Auswahl in ihrem gastlichen Hause - für jeden Geschmack das richtige Utensil. Doch in der ersten Nacht würde Hydra persönlich testen, wozu Bran am besten zu gebrauchen war. Und wenn er nicht zügig genug ihre Investitionskosten wieder hereinholte, dann würde sie ihm schon Feuer unter seinem Hintern machen. Da wäre er nicht der Erste.

Sie wusste nicht, dass ihre Angestellte bereits auf der Rückreise ausgiebig Gebrauch von Bran machte. Der Leibeigene lernte die Kutsche von innen kennen. Dort erlebte er, was es hieß, ein Liebessklave zu sein. Die Helferin der Hydra versüßte sich so die Abende auf der Reise, und Bran erhielt zugleich ein Bild seines zukünftigen Lebens voller Demütigung und Schmerz.

Im Haus von Dione und Venus war er gut behandelt worden. Jetzt war er nur noch eine Arbeitseinheit. Er schwor furchtbare Rache, sollte er noch jemals Lykos oder Dione oder Venus begegnen. Doch die Wahrscheinlichkeit war eher gering bis nicht vorhanden. Also stapfte er weiter hinter der Kutsche an seiner Kette her und schluckte Staub. Er ahnte nicht einmal, welche Erniedrigungen er in Hydras Heim erst noch erleben würde. Darauf konnte ihn auch die Angestellte nicht vorbereiten.

Er stolperte splitternackt hinter dem Gefährt her, denn die Frau hatte seine Kleider in die Kutsche geworfen, „damit du dich beim nächsten Mal ein wenig mehr anstrengst, mir zu gefallen.“ Sie war mit dem Vorabend nicht ganz zufrieden gewesen. Hin und wieder ließ sie die Pferde in einen leichten Trab fallen, und sah dann schadenfroh über ihre Schulter, um Bran keuchend und nassgeschwitzt laufen zu sehen. Wie lustig sein Gemächt unter der eisernen Hose hin- und herbaumelte! Vielleicht sollte sie ein Glöckchen daran festbinden…

Die Herrscherin und selbsternannte Göttin Megara stiefelte kapriziös in ihrem gigantischen Palast umher. Sie hatte es geschafft! Sie war die Göttin von Megaria!
Aber dann fiel ihr Leda ein, die vor ihr geflüchtet war. „Was würde ich darum geben, dich in meinem Kerker zu haben!“ Aber dieser Wunsch würde wohl nie in Erfüllung gehen. Vermutlich war die Göre auf dem Westozean abgesoffen wie ein junges Kätzchen im Weiher. Sie klatschte mit den Händen. Sofort kam Abas herbeigehüpft und kläffte. „Ruhe!“ befahl Megara und knallte ihm ihre Gerte über die Brust. Dann kraulte sie ihm den Haarschopf. Abas ließ es sich freudig gefallen und drehte sein Haupt mal in diese, mal in jene Richtung und schien die Streicheleinheit zu genießen.

Die allmächtige Megara stand von ihrem pompösen Thron auf und schubste Abas weg, der leise aufjaulte, als der Ruck an seinen Klöten zerrte. Die Herrscherin ging in einen Salon, der ganz in Blutrot gehalten war und verlangte nach dem Schwarzmagier. Der kleine alte Mann erschien und verbeugte sich vor der Göttin stzumm, um ihr Begehr abzuwarten. Megara forderte: „Mich langweilt Euer Hund! Mach mir einen Wurm!“ Der Magier verneigte sich erneut und hauchte: „Sehr wohl, einzigartige Göttin Megara.“

Als die Herrin eine Stunde später, in ein neues kostbares Gewand gekleidet und mit einer kunstvollen Turmfrisur in ihren Thronsaal zurückkehrte, lag Abas vor dem Thron wegen seines Gemächtholzes zusammengekrümmt auf der Seite und versuchte sich vergeblich von der Stelle zu bewegen. Er schien Arme und Beine nur unkontrolliert benutzen zu können. Megara klatschte in die Hände, aber Abas reagierte nicht. Kein Ton kam über seine Lippen. Die Tyrannin wollte es genau wissen. Sie gab den Keuschheitsschlüssel einer Wächterin und befahl: „Erregt den Wurm! Beeilt Euch!“ Die uniformierte Frau fand den Befehl zwar außergewöhnlich, gehorchte aber sofort und strich immer wieder über Abas Männlichkeit. Doch Abas reagierte kaum. Er starrte auf den Boden, als sei er blind geworden.

Schließlich entlud sich sein Samen auf dem königlichen Marmorboden. Abas zeigte weiterhin keine Reaktion. Er zuckte nur und drehte sich orientierungslos im Kreis. Megara erhob sich. „Nun benötigte ich dich Wurm nicht mehr“, lachte sie und rief nach zwei Wächterinnen, die ihn in das tiefste und finsterste Kerkerloch werfen sollten. „Und bringt dem Magier seinen Lohn!“ Die Wachposten wollten ihn nicht tragen, und daher schleiften sie seinen Körper hinaus. Megara rief lachend hinterher: „Ein Wurm lebt doch unter der Erde…?“

Der Schwarzmagier hielt seine krallenartigen Finger mit den langen, gelben Nägeln hin, als eine Wächterin ihm einen Beutel mit Goldmünzen übergab. Heiser kichernd nahm er seinen Lohn entgegen und schlurfte den langen Gang entlang, zurück in seinen Turm, der sich im Nordflügel des Palastes befand. Als Megara alleine war, ging sie neben Abas Hinterlassenschaft in die Knie und tauchte zwei Finger hinein. Mit der anderen Hand hob sie ihre Stoffe zur Seite. Dann verschwanden die benetzten Finger unter ihren Spitzenröcken. Sie stöhnte wild auf, als sei sie gerade auf dem Gipfel der Lust. Als ihre Verzückung abschwoll, stand sie auf und verließ den Thronsaal ihres Imperiums, um sich ihren göttlichen Aufgaben zu widmen. Fabelhaft. Sie hatte ihre Nachfolge gefunden.

Leda wachte mitten in der Nacht auf. Ihre Brust war nass geschwitzt. Sie konnte sich nicht mehr genau daran erinnern, was sie geträumt hatte. Aber Abas kam darin vor. In seiner Umgebung war es stockdunkel. Und er konnte sich kaum bewegen. Er wand sich wie ein Wurm. Die Königin hatte seine Angst gespürt. Panik. Tiefste Hilfslosigkeit. Aber er war nicht tot. „Abas lebt!“, flüsterte Leda. Ihr standen Tränen in den Augen. Sie schwor sich, einen Weg zurück in Megaras Reich zu finden. Irgendwie. Irgendwann.



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  RE: Das Reich der Megara (Neuauflage) Datum:13.09.20 15:14 IP: gespeichert Moderator melden


III.



Die staubige und sandige Erde im Reich der Megara gab kaum einer Flora eine Lebensgrundlage. Nur verdorrte kleine „Steppenläufer“ rollten durch die Gegend – wenn mal ein laues Lüftchen wehte. Doch das war gerade nicht der Fall. Die Luft stand und flirrte vor dem Horizont. Keine Wolke hielt die erbarmungslose Sonne davon ab, die Erde zu verbrennen. Kein Vogellaut war zu hören. Geräuschlos krabbelte ein Skorpion über den Boden; einige Ameisen fielen einem Ameisenlöwen zum Opfer, als sie in dessen trichterförmigen Bau rutschten. Eine Giftschlange wand sich durch den heißen Sand.

Das schuppige Reptil war von ungewöhnlichen Erschütterungen aufgeschreckt worden. Die stampfenden Bewegungen gehörten einem Zweibeiner. Ein Mann in verschlissenem Lendenschurz und zerrissenem Leinentuch, das er sich als Schutz vor der glühenden Sonne um den Oberkörper geschlungen hatte, lief durch die einsame menschenfeindliche Wüste. Nur sechs Fuß neben dem Bau des Ameisenlöwens brach er mit Schweiß überströmt zusammen. Sein Gesicht war rau und trocken, geschwollen wie seine Zunge, denn er hatte seit ewigen Zeiten nichts mehr getrunken. Seine Gestalt war ausgemergelt.

Der Sand spritzte in den Trichter, den das Insekt wohl neu errichten werden müsste. Der Mann sah gehetzt hinter sich und kam nur mit Mühe wieder auf die Beine. Am Horizont bildete sich eine Staubwolke: Reiter. Der Flüchtende lief weiter. Es war mehr ein Wanken. Seine Kraftreserven waren längst aufgebraucht. Er suchte hinter einer kleinen Sanddüne mit einigen Felsbrocken ein Versteck und ließ sich flach fallen. Mit seinen trockenen Händen grub er eine Kuhle, in die er sich drückte. Würden die Verfolger seine Fußspuren deutlich hier enden sehen, oder würden sie an ihm vorbeireiten? Sein erbärmliches Leben hing davon ab.

Das Pferdegetrappel war nun deutlich zu vernehmen. Wurde lauter und lauter. Eine herrische Frauenstimme rief etwas von Weitem. Bald waren sie nur noch wenige Schritt entfernt. Der Trupp, der aus drei Pferden bestand, hielt an, die Tiere wieherten, als die Reiterinnen die Zügel kräftig anzogen, dass die Tiere sich aufbäumten. Die drei Damen waren in weite Gewänder gekleidet, um sich vor den Sonnenstrahlen zu schützen. Doch unter ihren Tüchern waren sie in enge und knappe Kriegsuniformen gewandet: hohe Stiefelsandalen, kurze Hose, eine kurze Lederjacke, die vorne geschnürt war. An den Unterarmen trugen sie Lederarmbänder, die fast so lang wie ein Unterarm waren. Zu ihrer Ausrüstung gehörten ein Dolch, ein Degen und ein Reiterbogen. Eine der Frauen hatte eine mehrere mannslange Bullenpeitsche an ihren Sattelkopf gewickelt. Hinter dem Sattel transportierten die Frauen eine Decke, Proviant und einen Wasserschlauch.

„Er muss hier irgendwo stecken“, rief die erste Reiterin und drehte sich auf ihrem Ross im Kreis. Die zweite Frau stieg aus dem Sattel und suchte nach Fußspuren. „Dort!“, zeigte sie. Die drei Augenpaare blickten zu der kleinen Felsansammlung auf einer Bodenwelle. Sie kamen dem Versteck des Mannes näher und näher…

Im letzten Moment sprang der Verfolgte auf und rannte wie ein aufgeschreckter Hase und schwer keuchend davon. Doch wohin sollte er sich wenden? Es war völlig unsinnig wegzulaufen. Es gab keine Möglichkeit, dem Reitertrio hier mitten in der Einöde zu entkommen. Als würde ihm das jetzt erst klar, wurden seine Schritte schon nach kurzer Zeit immer langsamer; dann drehte er sich resignierend um und erwartete ausgelaugt sein grausames Schicksal.

„Sieh an“, lachte eine der Frauen, „das Häschen gibt schon auf. Hey, Sklave! Willst du uns den Spaß verderben?“ Der Mann sackte auf die Knie. Ob aus Schwäche oder Respekt, wusste er selbst in diesem Augenblick nicht. „Ich bin kein Sklave! Ich schwöre es! Ich bin niemandem weggelaufen! Ich bin freigelassen worden. Ich habe hart und lange dafür geschuftet. Meine Herrin hat mich freigegeben!“ Mit zittriger Hand holte er ein kleines Stück Pergament hervor, das er an seinen Gürtel gesteckt hatte und hielt es mit ausgestrecktem Arm den Damen hin.

Die Reiterin, die abgestiegen war, schritt auf ihn zu und riss ihm das Papier aus der Hand und sah es sich amüsiert an. „Schaut mal her!“ Sie reichte es weiter an ihre Begleiterinnen. Dann wandte sie sich wieder an den Mann: „Kannst du überhaupt lesen, Sklave?“ Der Mann versuchte zu schlucken, doch sein Rachen war knochentrocken und angeschwollen. „Nein, aber mir wurde versichert…“ Er kniete mit offenem Mund und sah bestürzt zu, wie eine Reiterin das Dokument in viele kleine Schnipsel zerriss. „NEIN!“, krächzte der Mann. Seine trockene Kehle schmerzte, aber daran dachte er augenblicklich nicht. Er kämpfte sich erst auf ein Bein, dann auf das andere. Mit ausgestreckten Armen wankte er auf die Reiterin zu. „Das dürft ihr nicht…“

Die Frauen lachten hämisch. Die zwei Damen, die noch auf ihren Rössern saßen, bewegten sich mit ihren Tieren rückwärts. Der Mann trottete weiterhin auf sie zu. Die Frau in seinem Rücken lief hinter ihm her und trat ihm mit Wucht in den Allerwertesten, so dass die geschwächte Gestalt in den Staub auf alle Viere fiel. „Mein Pergament!“, rief der Mann verzweifelt und begann, die Schnipsel aufzusammeln, die auf der Erde verstreut lagen. „Was für ein Pergament?“, fragte eine der Kriegerinnen heuchlerisch und wendete sich zu ihrer Kameradin. „Hast du ein Pergament gesehen?“ Die andere Frau grinste gehässig, zog ihren Degen und zeigte damit auf den Mann: „Lauf! So schnell deine Füße dich tragen, Sklave!“

Der Mann erhob sich mühsam und schwankend und lief in die erstbeste Richtung davon. Hinter ihm hörte er das schadenfrohe Gelächter des Trios. Die dritte Frau war wieder aufgestiegen, und gemeinsam verfolgten sie in ruhigem Trab ihr Opfer. Weit kam der Mann nicht mehr, denn die Bullenpeitsche kreiste bereits in der Luft und schoss zischend vorwärts, drehte sich scharf und knallend um einen Fußknöchel des Mannes und ließ ihn zu Boden schleudern. Der Sand spritzte auf, so dass die kleinen Körner und der Staub dem Gefallenen ins Gesicht und vor allem in den offenen Mund flogen. Noch schmerzhafter war die Fessel um sein Bein, die zubiss wie die messerscharfen Zähne einer Raubkatze.

Der Sturz vergnügte die drei Damen so sehr, dass sie sich kaum noch im Sattel halten konnten. Der Mann bekam nur irgendwas von „Sand fressen“ mit, rappelte sich auf, doch als er gerade stand, riss es ihm erneut die Beine weg. Die Peitsche war immer noch straff um seine Knöchel gewickelt. Die Reiterin hatte ihr Ross mit einem Schenkeldruck zwei Schritt zur Seite getrieben, so dass der Gefangene gestürzt war. Und nun änderte sie die Richtung und trabte los. Die beiden anderen Frauen beobachteten laut lachend, wie der Mann an einem Bein hinter dem Pferd hergezogen wurde. Dabei löste sich sein Leinentuch und blieb im Staub liegen. Die zwei Damen folgten ihrer Kameradin. Eine von ihnen spießte das verlorene Tuch beim Vorbeiritt auf und hielt es hoch wie eine Trophäe in Form eines Fahnenbanners.

Der Mann versuchte sich während seiner ungewollten Rutschpartie zu befreien und streckte sich daher mit den Händen bis zu seinem gefangenen Fußknöchel. Doch das geflochtene Leder hatte sich verwickelt und saß so fest, dass er es während des Ritts nicht lösen konnte. Stattdessen kippte er durch seine Körperhaltung mal nach links, mal nach rechts, mal hüpfte er mit dem Hintern über den Boden, mal fiel er auf den Bauch und streckte sich wieder ganz. Sein Leib war bereits von den Schleifspuren entstellt.

Nach einer halben Meile hielt die voran reitende Frau an und stieg ab. Mit geschickten Bewegungen löste sie schnell die Peitsche vom Bein des Mannes, der erschöpft und geschockt im Sand liegen blieb. „Für dich bekommen wir nicht viel, aber für einen Becher Wein sollte es reichen“, sagte sie abschätzig. Der Mann flehte die Frauen an, ihn laufen zu lassen. Er habe so hart gearbeitet, um sich endlich freikaufen zu können und wolle ein neues Leben jenseits der Grenze als Bauer oder Viehhirte anfangen, sich ein Weib suchen und… Doch seine Betteleien sorgten nur für Spott und weiteres Hohngelächter. Eine der Jägerinnen meinte: „Du bist also ein Landesverräter? Ein Grund mehr, dich auf dem Sklavenmarkt zu verscherbeln.“ Der Mann sprang mit einer Schnelligkeit auf, die die Damen ihm nicht zugetraut hätten, und rannte in irgendeine Richtung. Doch schon wirbelte die Bullenpeitsche erneut durch die Luft und knallte mit einem grausamen Geräusch auf das Gesäß des Fliehenden. Der Lendenschurz löste sich, der Gürtel war durchtrennt. Er hatte glücklicherweise die größte Wucht abgehalten, aber ein dicker, roter Striemen blühte trotzdem quer über seinen Hintern auf, der brannte wie Feuer.

Der Mann war ins Straucheln gekommen, flüchtete aber hinkend und nackt weiter. In absoluter Verzweiflung rannte er, ohne nachzudenken. Die Reiterinnen holten ihn bequem nach wenigen Schritt ein und rempelten ihn abwechselnd mit den Rössern an. Doch trotz seiner ausweglosen Situation lief er ächzend, keuchend und orientierungslos weiter, bis schließlich eine der Reiterinnen ein Lasso über dem Kopf schwang und es Richtung Beute schleuderte. Plötzlich spürte der Mann, wie sich etwas um seinen Hals zuzog. Jetzt gab er endlich auf. Er nahm sein Schicksal an.

Am frühen Morgen hatte das Unheil seinen Anfang genommen, als der Mann in einer kleinen Ansiedlung von einigen Holzhütten mit einem Fremden ins Gespräch gekommen war und vor einem Trupp Kriegerinnen gewarnt worden war, die Männer fangen wollten, um sie auf dem Sklavenmarkt zu verkaufen. Er selbst war vor den Jägerinnen geschützt, da er seiner Herrin gehörte. Aber ein freier, ehemaliger Leibeigener war ein leichtes Opfer. Vidar hatte sich bei dem Dorfbewohner bedankt und wollte diese Gegend so schnell wie möglich verlassen. Doch es war zu spät: Drei Reiterinnen tauchten bereits auf der Straße auf.

Vidar versteckte sich hinter einer Hütte und rannte schließlich im rechten Winkel zum Weg in die dürre Landschaft. Nur weg hier! Aber nach mehreren Stunden, in denen sein Durst größer und größer wurde, hatte er wieder die Nähe der Straße gesucht. Zu spät hatte er die Reiterschar bemerkt, die in Sichtweite am Horizont auf ihn zukam. Sofort war er wieder ins offene Gelände gerannt und hatte gehofft, nicht bemerkt worden zu sein – was sich als verhängnisvoller Irrtum herausgestellt hatte, wie er nun wusste.

Dabei war Vidar so kurz vor einem freien Leben gewesen! Vidar war früher Taschendieb gewesen, doch als Pluta, alias Megara, wie sie sich in diesen Tagen nannte, an die Macht kam, durfte sich ein Mann kaum noch auf die Straße trauen, wenn er nicht einer Herrin gehörte. Und so dauerte es nicht lange, bis ihn eine Miliz aufgriff und in den Kerker unter dem Palast der Herrscherin warf. Mehrere Monate hatte er dort gekauert, ohne Aussicht auf eine Entlassung. Doch dann war seine Chance gekommen: Er bekam einen Mithäftling, der sich als Abas, der Gemahl der ins Exil geflüchteten Königin Leda, herausstellte. Mit dieser brisanten Information beehrte er die Gebieterin. Und schon war er ein freier Mann.

Um einer neuen Einkerkerung zu entgehen, verdingte er sich einem Weib, die es gut mit ihm meinte. Er wurde nicht gezüchtigt und erhielt für einen Leibeigenen nur ein geringes Arbeitssoll. Doch mit der Zeit bekam er Sehnsucht nach der Freiheit und schwor sich, Megaria zu verlassen, um als freier Bauer oder Viehhirte an fernen Gestaden neu anzufangen. So vereinbarte er mit seiner Herrin, sich freikaufen zu dürfen. Nach langer Schufterei war er endlich am Ziel und erhielt als Beweis seiner Freiheit ein Pergament.

Doch er hatte die Grenze von Megaria noch nicht erreicht, als das Schicksal in einem kleinen Wüstenkaff zuschlug. Nun musste er sich von einer der Reiterinnen eiserne Hand- und Fußbänder anlegen lassen, die die Frau mit einem Metallstift einrasten ließ, so dass er sie nicht mehr entfernen konnte. Die Fesseln waren mit schweren Ketten verbunden, die ihm keine großen Schritte erlaubten. So wurde Vidar von dem Trio zurück auf die Straße und dort Meile für Meile über den staubigen, heißen Grund hinter einem der Rösser hergezerrt.

Als Vidar schon dachte, er würde vor Durst und Erschöpfung die Besinnung verlieren, hielten die Frauen an und gaben ihm aus einem Wasserschlauch zu trinken. Nach einer viel zu kurzen Pause ging es weiter. Vidars Füße schmerzten, seine Fußsohlen brannten.
Sein erzwungener Fußmarsch sollte nicht zurück in die kleine Ansiedlung führen, sondern in anderer Richtung in eine etwas größere Ortschaft, die ungefähr 15 Meilen entfernt war. Vidar wankte hinter dem Pferd her und hielt sich mit letzter Kraft aufrecht. Mechanisch setzte er einen Fuß vor den anderen. Seine Nacktheit, die ihm die Schamesröte ins Gesicht getrieben hätte, war vergessen. Er wollte nur noch auf der Stelle liegen bleiben und schlafen. Vidar erlebte daher auch nicht mehr bewusst mit, wie er hinter dem Ross durch eine Menschengasse stolperte, die auf ihn zeigte, lachte, grölte, kicherte, ihn beschimpfte und sogar faules Obst nach ihm warf.

Jenseits des großen Ozeans auf einem anderen, fremden Kontinent lebte derweil die ins Exil getriebene Königin Leda mit einigen wenigen ihr treu ergebenen Gefolgsleuten: die königlichen Berater Thrym und Hagbard, der Soldat Gladius, dessen kämpferisches Talent nicht sein einziges war, wie Leda schon vergnügt in stillen Nächten festgestellt hatte, der Medikus und zwei Gardistinnen. Außerdem gehörte noch ein Stallknecht zu der Gruppe, der allerdings noch immer einen Keuschheitsgürtel trug, den Leda ihm als Buße auferlegt hatte, weil er zuvor mit dem meuternden Teil ihrer Schiffsbesatzung sympathisiert hatte.

Die Meuterer hatten sie seit Monaten nicht mehr gesehen. Sie waren wie vom Erdboden verschluckt. Da der Kontinent offenbar von einem fremden Volk bewohnt war, konnte Leda nicht ausschließen, dass die Verräter selbst zu Opfern geworden waren. Leda hatte kein Mitleid mit den Abtrünnigen. Der Tod wäre ein gerechtes Urteil für die Untreuen gewesen. Allerdings fühlte sie sich ebenfalls verloren, denn eine Rückkehr in ihr Reich war aus zwei Gründen ausgeschlossen: Zum einen war niemand in ihrer Gemeinschaft fähig, ein Schiff zu bauen, dass sie über den Ozean nach Osten hätte bringen können; zum anderen hätte sie eine gewaltige Armee benötigt, um Megara wieder vom Thron zu stoßen.

Am bittersten an ihrem Exil empfand sie jedoch, dass sie nicht wusste, was aus ihrem Gemahl Abas geworden war. War er tot? Sie wollte es nicht glauben. „Majestät!“, sprach sie Hagbard an, denn so nannten sie noch immer alle ihre Getreuen, „Gladius hat bei der Jagd fremde Spuren entdeckt.“ Leda sah ihn fragend an: „Spuren? Von den Verrätern?“ Hagbard schüttelte den Kopf: „Nein, Majestät. Vermutlich nicht. Es sind Radspuren wie von einem großen und schweren Wagen.“ Leda wirkte überrascht. „Aber… So weit im Süden. Könnten trotzdem Kundschafter oder Wanderer dieses fremden Volkes in der Nähe sein? Wir haben Monate nichts gesehen.“ Hagbard berichtete: „Gladius verfolgt die Spuren nach Norden. Sie sind schon etwas älter. Wir sollten es wissen, wenn hier feindliche Truppen umherziehen.“ Leda nickte: „Ja, das ist wahr.“ Doch insgeheim hatte sie Angst um ihren Gladius, der schon ein wenig mehr als nur ein Bettgefährte geworden war – zum Neid von Hagbard und den anderen Männern. Vielleicht würde der Soldat ja von seiner gefährlichen Mission nicht zurückkehren…

Weit entfernt in Megaria wurden die Hoffnungen der Tyrannin auf Nachwuchs enttäuscht: Obwohl sie sich den Samen von Abas hatte einpflanzen lassen, blieb ihre Fruchtbarkeit aus. Sie wütete und schikanierte die Palastwächterinnen, die wiederum ihren Frust und Ärger an den Dienstboten und Sklaven ausließen. Megaras einzige Befriedigung war Abas, der als blindes Gewürm vor ihr kroch und sich über den Boden wandte. Wenn sie genug von ihm genug hatte, schickte sie ihn zurück in den Kerker. Durch schwarze Magie hielt sich der ehemalige Königsgemahl der Leda für einen blinden Wurm, trug einen Keuschheitsgürtel und vegetierte unter Megaras Willkür dahin – und so sollte es auch bleiben.

Die Tyrannin wollte unbedingt eine Thronfolge für die Zeit nach ihr haben. Doch wer sollte es sein? Keine Senatorin hielt sie für würdig genug. Ein Jüngling, den sie heirateten könnte, fand sich ebenfalls nicht. Außerdem sollte in Megaria niemals wieder ein Mann an die Macht kommen! Unzufrieden stolzierte die Herrscherin durch ihren Palast. Hinter ihr floss die Schleppe ihres Seidengewandes über den polierten Marmor. Auf ihrem Haupt trug sie ein Diadem mit zahlreichen Diamanten und Rubinen. Ihre eigentliche Krone setzte sie sich nur bei öffentlichen Anlässen auf, denn sie war wegen ihres hohen Goldgehaltes sehr schwer. Das pompöse Werk, das nach ihren Wünschen gefertigt worden war, ähnelte dem Gehörn eines Widders.

Manche Senatorinnen verspotteten Megara hinter vorgehaltener Hand als Teufelsfratze, wenn sie die protzigen Insignien ihrer Macht präsentierte, zu denen auch ein Zepter gehörte, der nicht weniger kostbar, aber zugleich auch scheußlich anzusehen war. Besonders die Senatorinnen Kerbera und Alekto hetzten in Megaras Rücken gegen die Despotin und planten einen Putsch. Doch behinderten sie sich dabei gegenseitig, denn beide wollten den Thron besteigen. Außerdem mussten sie extrem vorsichtig sein, mit wem sie darüber sprachen. Würde Megara davon Wind bekommen, so würde sie die beiden Damen unverzüglich aufknüpfen lassen. Oder Abscheulicheres mit ihnen anstellen…
Viele Grüße von prallbeutel
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  RE: Das Reich der Megara (Neuauflage) Datum:15.09.20 18:25 IP: gespeichert Moderator melden


Sehr schöne Fortsetzung!Herrlich zu lesen!Herzlichen Dank dafür !
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AlfvM
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  RE: Das Reich der Megara (Neuauflage) Datum:17.09.20 20:28 IP: gespeichert Moderator melden


Dem kann ich mir nur anschließen.
Vielen Dank
GLG Alf
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  RE: Das Reich der Megara (Neuauflage) Datum:26.09.20 18:50 IP: gespeichert Moderator melden


Danke für die Feedbacks, Hier geht es weiter:

Es war Mittag und Zeit für das tägliche Gebet. Megara ergötzte sich daran, wie sich das Volk auf dem Markt verbeugte, niederkniete und sie anbetete, wie es Pflicht für alle Bewohner der Hauptstadt war. Von einem Moment auf den anderen verharrten sämtliche Marktbesucher, um im Gebet zu versinken. Megara glaubte in ihrem Größenwahn, dass ihre Untertanen sie tatsächlich vergötterten. Doch in Wahrheit gingen den meisten Menschen ganz andere Gedanken durch den Kopf.

Nach dem Gebet erwachte der Markt wieder zu einem wirren Getümmel und Lärm, die Stände verkauften Obst, Gemüse, Brotwaren, Gewürze, Mehl, Zucker, Meersalz, Stoffe, Gewänder, Schmiedearbeiten, Lederprodukte, Sklaven, Schweine, Rinder, Hühner, Ziegen und vieles mehr. An einem Stand mit angepflockten nackten Männern prüfte eine Lady die Männlichkeit eines Sklaven, indem sie die dicken Bälle unter seinem Keuschheitsrohr betastete und kräftig knetete. Der Leibeigene verzog schmerzhaft das Gesicht und unterdrückte einen Schrei. Sie wollte ihn nicht erwerben, aber sie hatte von einer Freundin gehört, dass es Glück bringen sollte, wenn man von einem Marktsklaven einen gequälten Laut auf diese Weise herbeizauberte. Bald schon konnte der Mann nicht mehr widerstehen und grunzte zuckend und sah flehend zu der Verkäuferin herüber, die sich dafür jedoch nur wenig zu interessieren schien. Sie war mit anderen Dingen beschäftigt und brachte gerade bei einem Sklaven eine eiserne Halskrause an, die fast zwei handbreit hoch war und den Kopf sehr gerade und den Hals gestreckt hielt. Nun verband sie noch den Nasenring der Kreatur mit einer Öse an der Krause. Sie schmunzelte. Das sah lustig aus.

Die vielen Details erkannte Megara von ihrem Fenster hoch oben in ihrem Palast, der ihr einen Blick fast über die gesamte Stadt erlaubte, nicht. „Wie süß es ist, vom eigenen Volk geliebt zu werden“, sagte sie. „Es ist mir so dankbar für das Matriarchat, das ich für meine Untertanen errichtet habe.“

Eine uniformierte und teils gerüstete Palastwache erschien. „Hoheit“, sprach die Frau ihre Herrscherin demütig an, indem sie den Kopf senkte, stramm stand und darauf wartete, dass Megara reagierte. „Sprich!“, hallte Megaras Stimme durch den großen Raum. Die Wächterin erzählte, dass in der Mine, tief unter der Burg, noch unter den Kerkern, eine ganze Kolonne Sklaven verschüttet worden war. „Vermutlich sind noch etwa 40 Arbeiter in einem Gang gefangen.“ Bei Neuigkeiten wollte Megara grundsätzlich sofort informiert werden. Doch nun meinte sie fuchsig: „Was interessiert mich das? Soll ich mich denn mit jedem unbedeutenden Sklavenschicksal befassen!?“ Die Palastwache erschrak. Hatte sie die Herrscherin verärgert? Megara hatte sich bereits in Rage geredet: „Da kommst du hier mit einem Knall hereingepoltert wie der Inhalt eines Nachttopfs, der auf die Gasse klatscht, und faselst irgendwas von 40 Sklaven…“ „Jawohl, Hoheit!“, konnte die Frau nur erwidern, deren Gesicht fast im gleichen Farbton glühte wie ihre karmesinrote Jacke. Blasiert wollte sie sich mit einer Verbeugung zurückziehen, doch Megara keifte: „Lasst sie in dem verschütteten Gang ihrem Schicksal entgegensehen. Wir können uns nicht mit Bergungsarbeiten aufhalten. Ersetzt sie gegen 40 neue. Es gibt noch so viel Silber abzubauen…“ Die Wächterin nickte ergeben und fragte: „Und die Goldader?“ Megara ruckte hoch: „Was für eine Goldader?“

Die Luft in dem Palastsaal schien zu brennen. Die Uniformierte erläuterte ihrer Herrscherin, dass in dem verschütteten Gang eine Goldader entdeckt worden war. Megara strahlte über ihr ganzes Gesicht. „Sorg dafür, dass die Sklaven freigeschaufelt werden! Schnell! Warum stehst du noch hier?“ Die Wächterin beeilte sich, die Halle zu verlassen. Megara murmelte vor sich hin: „Gold!“ Sie rief nach ihrer Majordoma: „Sorgt dafür, dass die Goldader so schnell wie möglich freigelegt wird. Egal, wie viele Sklaven benötigt werden.“ Die Majordoma verneigte sich elegant: „Sehr wohl, Hoheit. Sollen die Sklaven von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang arbeiten?“ Megara lachte grausam: „Hast du in der Mine schon einmal die Sonne gesehen? Lasst sie rund um die Uhr schuften. Sie sollten sich geehrt fühlen, dass sie ihrer Göttin dienen dürfen.“

Bereits eine Stunde später hatte eine Hundertschaft von starken Sklaven in exakten Reihen Aufstellung im Palasthof genommen. Eine kleine, zierliche Duxa schritt vor den komplett nackten Männern her und sprach mit zwei Centurias: „Und das sind die kräftigsten Exemplare, die ihr erhalten konntet?“ Die eine Centuria nickte: „Jawohl, werte Duxa. Schaut sie Euch an: beste Muskeln und starker Knochenbau.“ Sie ging zu einem der Sklaven in der ersten Reihe und tippte auf Brust, Schultern, Arme und Oberschenkel. Die Duxa beäugte den Leibeigenen. Unwillkürlich rutschte ihr Blick auch auf die ausgeprägten männlichen Geschlechtsteile. Um die Hoden trug jeder Sklave einen Ring, an dem eine Kette angebracht war, die durch seine Schenkel hindurch zu den Hoden des Hintermannes führte. So waren immer fünf Männer zusammengekettet. 20 dieser Fünfergruppen standen nebeneinander aufgereiht.

Die drei Frauen schritten bis zum Ende der Reihe, dann pfiff eine der Centurias auf einer Tonpfeife ein Signal und rief „Vorwärts!“. Die Männer trabten mit angezogenen Knien vorwärts. Ihre simultanen Bewegungen waren präzise ausgeführt – anderenfalls hätten sie sich auch ihre Bälle lang gezogen. Trotzdem erschien ein halbes Dutzend Soldatinnen mit langen Peitschen und trieb die Hundertschaft aus dem Hof. Die Duxa grummelte: „Mir wäre es lieber gewesen, wenn ich sie für den Armeedienst bekommen hätte. Dafür waren sie ursprünglich ausgewählt worden. Und nun werden sie in der Silbermine verschwendet. Angeblich ist eine Goldader gefunden worden.“ Plötzlich sah die Duxa erschrocken zu ihrer Untergebenen Centuria. Würde die Frau sie bei Megara verraten? Sie hatte gerade die Herrscherin kritisiert! Das war Gotteslästerung! Hochverrat! Dafür würde sie hängen! Aber die Centuria nickte und flüsterte leise: „Eine Schande ist das.“ Auch diese Antwort war mutig, denn nun hätte wiederum die Duxa ihre Untergebene wegen Insubordination festnehmen können. Doch nichts geschah. Beide Frauen spürten, dass Aufruhr in der Luft lag. Wie lange würde sich die Tyrannin noch auf dem Thron halten? Würde es einen Putsch geben? Niemand wusste etwas genaues, aber hinter vorgehaltener Hand sprachen einige Hofdamen von illoyalen Senatorinnen…

Megara war in ihren Harem geschlendert. Sie sah sich in der Gruppe aus zwölf nackten Schönlingen um und sagte angewidert: „Lose im Fleisch, verschnitten… Wo sind die wohlgestalteten Recken, die ich einst besaß?“ Sie rief nach einer Wächterin. „Bringt diese unansehnlichen Kreaturen wieder in Form! Wasser, Brot und Turnübungen – bis sie mir gefallen! Notfalls redet ihnen ins Gewissen!“ Damit stolzierte sie mit wehender Schleppe hinaus. Die Liebessklaven sahen sich bestürzt an. Ihre Körper waren durchtrainiert. Hatte Megara schlechte Laune? Hoffentlich hatten die Wächterinnen ein Einsehen und würden sie nicht allzu sehr peinigen. „Ins Gewissen reden“ hieß bei Megara nichts anderes als die Sprache der Geißel.

Die Tyrannin war bekannt für ihre janusköpfige Art: Im einen Moment vollführte sie mit einem Sklaven den Akt der Liebe, im nächsten schickte sie ihn zur Torturmaestra. Auch gerade in diesem Augenblick litten zahlreiche Männer in dem Kerkergewölbe unter dem Palast für ihre vermeintlichen Verfehlungen. Eine hochgewachsene Frau marschierte in ihrer Lederuniform mit den vielen Nieten an einer Gitteröffnung einer Zelle vorbei und ließ für wenige Momente das Feuer ihrer Fackel hineinscheinen: Ein Nackter, Ketten hielten seine Arme gestreckt zur Decke, hatte seinen Kopf ermattet auf die Brust fallen lassen. Zwischen seinen Beinen hing ein Felsklotz an einem Seil, der seine Männlichkeit nach unten zog. Die Wächterin hatte ihre Schicht erst begonnen und wusste nicht, wie lange der Arme dort schon vegetierte. Sie schlug mit ihrem Stiefel gegen die Gitterwand. Der Mann hob träge und apathisch den Kopf, schielte zur Decke und gab einen animalischen Laut von sich. Offenbar ging es ihm gut. Die Wächterin setzte ihren Kontrollgang fort. In einer anderen Zelle stand eine Käfigkiste, in der vier nackte Sklaven ineinander geschlungen und gequetscht hineingezwängt worden waren. Verschärfte Haft, wie die Frau wusste. Vielleicht waren sie frech gewesen oder hatten ein Kommando nicht schnell genug befolgt? Später erfuhr sie von einer Kameradin, dass die Männer in einer überfüllten Zelle gesessen hatten und gebeten hatten, sie auf die anderen leeren Räumlichkeiten aufzuteilen.

Jenseits des großen Ozeans bearbeitete der Stallknecht von Leda mit einem selbstgebauten Hobel einige Baumstämme, damit das Holz für den Hüttenbau verwendet werden konnte. Hinter seinem Rücken erschien eine der beiden Gardistinnen, die Leda die Treue gehalten hatten. Die Frau hatte längst ihre Uniform abgelegt und sich eine figurbetonte Kluft aus Wildleder genäht. „Willst du nicht mal eine Pause machen?“, fragte sie den Burschen und zeigte ihm einen geflochtenen Korb: „Schau mal, ich habe Beeren gesammelt. Lass uns davon naschen.“ Der Stallknecht legte sein Werkzeug weg. Seit einigen Tagen hatte die Gardistin scheinbar den Narren an ihm gefressen, denn sie hatte ihm bereits öfter Leckereien besorgt und ihm sogar einmal den müden Rücken massiert. Und als sei das nicht verwunderlich genug, überlegte der Stallbursche, war er ebenfalls im Fokus der anderen Gardistin, die sich neuerdings auch gern in seiner Nähe aufhielt, und der es gar nicht gefiel, wenn ihre Kameradin mit ihm sprach.

Waren die beiden Frauen etwa in ihn vernarrt? Der Stallknecht seufzte. Ach, würde er doch nur nicht in diesem Keuschheitsgürtel stecken! Aber er hatte Leda Buße geschworen, weil er sich auf der Insel zu den Meuterern gesellt hatte. Wäre seine Sühne bald abgelaufen, könnte er den Galan spielen. Ate reichte dem Stallknecht den Korb und schlug vor, sich mit ihm ins Gras zu setzen. Der junge Zelos war froh über die Abwechslung von der Schweiß treibenden Arbeit. Heimlich betrachtete er die wunderhübsche Ate, wenn sie wegsah, und spürte, wie ihre enge Lederkleidung seine Männlichkeit erregte. Und wie die Beeren zwischen ihren vollen, roten Lippen verschwanden, trieb ihn zu dem drängenden Wunsch, sie zu küssen.

Wenn diese Schönheit doch nur wüsste, wie sie mich damit quält, seufzte Zelos. Aber die Gardistin wirkte so unschuldig, so verspielt, wollte gefüttert werden und Zelos ebenso Beeren in den Mund stecken, kicherte wie eine görenhafte Jungfer und bewegte sich so unschuldig und doch so erregend vor ihm, das es in seinem Unterleib schmerzte und zugleich heiß und wohlig wurde. Zelos musste mehrfach schwer schlucken und fühlte, wie sein Keuschheitsgürtel eng und enger wurde. Seine Lenden regten sich mehr und mehr. Vielleicht sollte er das kleine Picknick beendet, doch Ate griff plötzlich nach seinem Hals. „Küss mich!“, sprach sie fordernd und voller Inbrust.

Im ersten Augenblick war Zelos starr wie eine Salzsäule. Träumte er das alles nur? War es einer der vielen grausamen und trügerischen Illusionen, in denen er von wunderbaren Venuswesen umschwärmt wurde, wie das Licht von Motten, und trotzdem keine Liebe machen konnte? Ate hatte sein Gesicht zu ihm gezogen und drückte sanft ihre sinnlichen Lippen auf die seinen - unendlich weich und verführerisch. Noch bevor Zelos aufstöhnen konnte, schlängelte sich ihre Zunge in seinen Mund. Der Bursche war keiner Abwehr fähig. Er ließ es geschehen und nahm nun auch Ate in den Arm und küsste und streichelte ihren weiblichen Leib.

Seit vielen Monden war es das erste Mal, dass er ein Weib berührte. Und das aus gutem Grund. Aber nun war das drängende Bedürfnis so groß, dass er nicht an die bittersüßen Konsequenzen dachte. Er vergrub sein Gesicht in den Brüsten der Frau, küsste ihren Vorhof, saugte zart an ihren Brustwarzen, dass Ate wohlig aufstöhnte und geradezu nach mehr gierte. Zelos spürte zunehmende Schmerzen in seiner stählernen Hose, die ihn unbarmherzig daran hinderte, diese Krone der Schöpfung zu nehmen. Und trotz alldem konnte er sich nicht mehr stoppen.

Bald wälzte sich das Paar über die Wiese. Mal lag er auf ihr, mal sie auf ihm. Zelos hatte seiner Ate das enge Lederjäckchen geöffnet und hielt ihre wunderschönen, zarten, warmen und runden Busen in Händen. Oh, was war die Weiblichkeit doch für ein Genuss! Und wie grausam war so ein Keuschheitsgürtel! War Ate so unschuldig, dass sie nicht wusste, dass er nicht…? Langsam wurde dem Stallknecht klar, dass es zu keinem guten Ende kommen konnte und griff seine Angebetete vorsichtig an den Oberarmen: „Ate! Es geht nicht. Du weißt doch… Leda hat mich versperrt.“ Ate kicherte. Lachte sie ihn etwa aus? Sie öffnete ihre Lederhose und zog sie herunter. Zelos ächzte vor Geilheit. Ein Mann würde nun sein Schwert in sie stoßen. Doch dies blieb ihm verwehrt.

Die lockende Ate winkte ihn lächelnd herbei. Sie führte seinen Kopf. Jetzt verstand er. Sie wollte, dass er sie mit seiner Zunge berührte! Ein wenig rot vor Scham tauchte Zelos mit seinem Gesicht zwischen die zarten Schenkel und genoss den Duft der Weiblichkeit. Und dann leckte er das lustvolle Fleisch – anfangs vorsichtig und zurückhaltend, doch dann immer eifriger. Auch Ate schien es sehr zu gefallen. Mehr noch, als ihre wilden Küsse. Immer, wenn er hochkommen wollte, drückte sie ihn zurück und zeigte ihm genau an, wo sie verwöhnt werden wollte. Als sie sich abrupt aufbäumte und laut stöhnte, wurde der Bursche fast verrückt vor Geilheit. Dann sackte ihr Körper zusammen. Ate seufzte zufrieden. „Ich danke dir“, sagte sie und zog sich ihre Beinkleider wieder an. Dann band sie auch ihre Jacke zu. „Vielleicht besuche ich dich morgen wieder.“

Zelos sah ihr sehnsüchtig nach und starrte auf ihr knackiges Gesäß. Der Stallknecht seufzte frustriert auf. Er saß noch lange da, doch als seine Erregung nicht abklang, stieg er in einen nahen Bach, der kaltes Wasser führte. Endlich ging seine Lust zurück. Doch vor seinem inneren Auge und nachts in seinen Träumen war Ate noch präsent: ihre Brüste, ihre zarte Haut, ihre Locken, ihre Augen, in denen die Leidenschaft glühte, ihre duftende, feuchte Scham, ihre zuckenden Lenden, ihr runden Hinterbacken…

Mehrere Meilen weiter nördlich schlich Gladius durchs Unterholz. Er hatte die geheimnisvolle Radspur verfolgt. Schließlich war er auf eine befestigte Straße aus Kopfsteinplaster gekommen und war sie entlang marschiert; doch schon nach zwei Stunden hatte er Reiter gesehen und sich verstecken müssen. Er kauerte in einer Senke am Boden zwischen Gesträuch. Acht Reiter waren an ihm vorbei getrabt und hatten sich in einer fremdländischen Sprache unterhalten. Die Männer waren schwer gerüstet und hatten mit ihrem finsteren Blick feindselig gewirkt.

Seitdem hatte sich Gladius nicht mehr aus dem Gebüsch gewagt und war parallel zum Weg durch das dichtere Buschwerk weiter gelaufen. Leider wurde das Dickicht immer undurchdringlicher und unwegsamer. Er wollte sich gerade eine andere Möglichkeit überlegen, da hörte er einen zischenden Laut, einen Augenblick später fühlte er eine Schlinge an seinem rechten Fuß, und dann riss es ihn brutal von den Beinen. Mit einem erschrockenen Laut zappelte er in der Luft, etwa zehn Fuß über dem Boden an einem hohen alten Baum. Er war in eine Falle geraten!

Nachdem der erste Schock vorbei war, zog er seinen Dolch, um das Seil zu durchtrennen. Er säbelte an dem Tau und machte sich auf einen harten Aufprall am Boden gefasst. Doch bevor er es nur zur Hälfte durchtrennt hatte, schleuderte ihm seine Klinge mit solcher Wucht aus der Hand, dass sein Gelenk schmerzte. Erst einige Momente später wurde ihm klar, dass auf ihn geschossen worden war. In der Baumkrone eines benachbarten Baumes zitterte noch der Pfeil, der ihm zuvor seine Waffe aus der Hand gerissen hatte. Hektisch zappelte Gladius an seinem Seil und suchte in allen Richtungen nach dem Schützen. Aber er blieb unsichtbar. Gladius beruhigte sich ein wenig. Wenn ihn jemand hätte töten wollen, wäre er jetzt eine Leiche. Das wurde ihm nun bewusst. Aber warum zeigte sich niemand?

Die Tage vergingen, und Leda war voller Sorge um ihren Soldaten. Doch Hagbard und Thrym, ihre Berater, rieten ihr dringend davon ab, einen Suchtrupp loszuschicken. Dem Feind in die Hände laufen? Im Gegenteil: Es sei besser, das Lager zu verlassen und noch weiter nach Süden zu ziehen. „Vielleicht ist Gladius aber auch in die Fänge der Meuterer geraten“, warf Leda ein. Hagbard brummte: „Nie im Leben! Die sind gewisslich längst tot. Majestät, mit Euch und Gladius sind wir nur sieben Personen. Und die Meuterer waren etwa 40. Die konnten unmöglich so lange Zeit unentdeckt bleiben. Womöglich haben die Abtrünnigen uns sogar an die Fremden verraten.“ Leda sackte unglücklich zusammen. Erst war Abas für sie verloren, und nun war Gladius ein Opfer seines Späherdienstes geworden.

Sie zog sich zurück, und später am Tag entschied sie, noch drei Tage zu warten. Thrym und Hagbard beschworen sie zwar, schnell für einen sicheren Rückzug zu sorgen, doch Ledas Entschluss stand felsenfest. So einfach wollte sie Gladius nicht aufgeben. Aber nachdem die Wartezeit abgelaufen war, machte sich der sechsköpfige Trupp am frühen Morgen auf die Reise nach Süden, wo die „Gestrandeten“ unbewohntes Land vermuteten. Leda musste sich mit dem Schicksal, dass die Götter für sie vorgesehen hatte, abgeben.

Während des Marsches liefen die beiden Soldatinnen Ate und Nike hinter dem bepackten Stallknecht Zelos, um seine strammen Hinterbacken zu bewundern. Am späten Nachmittag erreichte die Reisegruppe einen Fluss mit kühlem Wasser, wo sie eine Pause einlegten, um zu verschnaufen und die Wasserschläuche zu befüllen. Der Medikus musste Hagbard dessen wund gelaufenen Fuß verarzten. Währenddessen sprangen Zelos, Ate und Nike in die erfrischende Flut. Wie der Bursche schon beinahe befürchtet hatte, kamen die jungen Frauen ihm sehr nahe und feixten mit ihm im kühlen Nass. Das Trio bespritzte sich gegenseitig, drückte sich unter Wasser, Ate kletterte auf Zelos, der sie auf seine Schultern setzte und sich wie ein Pferd führen ließ, und dann klammerte sich Nike auch noch an seinen Rücken.

In dem Tohuwabohu spürte Zelos plötzlich, wie eine weibliche Hand das beutelartige Gehänge seines Gemächtes ertastete. Zelos schrak hoch, doch ihm war die Situation zu peinlich, um laut zu rufen. Er versuchte Ate, wie er sie nun erkannte, wegzudrücken, doch die kecke Jungfer packte nur kräftiger zu. „Was machst du?“, raunte der Stallknecht ihr entsetzt zu. Als Antwort folgte nur ein schlitzohriges Kichern. Und dann kam auch noch Nike dazu und griff ihm von hinten zwischen die Schenkel, um ebenfalls Anteil an seiner Männlichkeit zu haben. „Hey“, drehte Zelos seinen Kopf zur Seite, „hört auf mit solchen Kindereien!“ Ate schmunzelte: „Aber, aber! Das sind doch keine Kindereien! Wir wissen genau, was wir wollen!“ Zelos sah sie die Stirn runzelnd an und seufzte. „Ihr wisst doch von meiner…“ Er wollte „Schmach“ sagen, doch fiel ihm gerade noch rechtzeitig das Wort „Umstände“ ein. Doch trotzdem kicherten Ate und Nike wie zwei junge Gören. Jetzt wurde der Knecht noch roter, aber dieses Mal eher aus Zorn. Wollten die jungen Gardistinnen ihn zum Narren halten? Eingeschnappt marschierte er aus dem Fluss und würdigte die Frauen keines Blickes mehr.

Als Ate und Nike längst nicht mehr an ihr „Spiel“ im Wasser dachten, und der Trupp sich wieder auf den Weg gemacht hatte, grübelte Zelos über sein Schicksal nach. Wie lange würde die Majestät ihn noch versperrt lassen? Er hatte doch nun seine Treue bewiesen und alles bereut! Er erinnerte sich an den Akt der Liebe, wie er ihn früher mit den süßen Mägden getrieben hatte: im Heu, auf der Wiese, im Stall. Es gab nichts Schöneres! Und ihm blieb es nun schon so lange, lange verwehrt! Sein Luststab war geweckt worden und wollte nicht mehr schrumpfen. Die reizenden Berührungen von Ate und Nike fühlte er immer noch. Sehnsüchtig gierte er nach mehr! Aber auch nach einem Aufschluss!

Ob er es wagen sollte, Leda danach zu fragen? Zelos grübelte und grübelte. Den heiß begehrten Schlüssel zu seiner Freiheit trug die Königin um den Hals wie eine Trophäe. Das war einfach unfair! Gemein! Grausam! Er unterdrückte seine Wut. Er durfte die Schuld an seiner Strafe nicht anderen geben. Er selbst war verantwortlich. Und er musste den Lohn seiner Untat annehmen. So schwer es ihm auch fiel.

Als die Gefährten in der Nacht ein kleines Lager aufschlugen, entfernte sich der Knecht in einen nahen Waldhain, um alleine vor sich hinzugrübeln. Er haderte trotz allen Überlegungen noch mit seinem harten Schicksal. Was für ein Übel war über ihn gekommen! Verzweifelt schob er seine Hose hinab und starrte auf das eiserne Gefängnis. „Von wegen Gemächt!“ jammerte er. „Ich besitze keinerlei Macht darüber! Sie ist mir genommen!“ Plötzlich verstummte er in seinem Selbstgespräch. Was waren das für ferne Geräusche im Unterholz? War der Feind ihnen etwa auf den Fersen? Oder folgten die Meuterer ihnen? Oder waren es nur Tiere der Nacht?

Der Pferdebursche nahm allen Mut zusammen und schlich leise in einem Bogen auf die Geräusche zu. Unter seinem Fuß knackte plötzlich ein Zweig. „Verflucht!“, dachte er und blieb stehen. Doch an den Geräuschen änderte sich nichts. Er war nicht bemerkt worden. Dann fiel ihm auf, dass er nicht mal eine Waffe trug. Sollte er im Lager Alarm schlagen? Nein, lieber wollte er erkunden, wer da in der Nähe war. Zelos schlich weiter. Schritt für Schritt kämpfte er sich vorsichtig vorwärts. Ein dichtes Gestrüpp verwehrte ihm die Sicht. Lautlos schob er sich in das Blätterwirrwarr. Und dann sah er in einem Steinfwurf Entfernung auf einer kleinen Lichtung, die mit Moos bedeckt war, und die vom Vollmond milchig beschienen wurde, zwei eng umschlungene Leiber. Nackt! Was führten sie im Schilde? Den Stein der Weisen suchten die Beiden da bestimmt nicht.

Zelos öffnete den Mund, und ein dünner Speichelfaden lief von ihm unbemerkt an seinem Kinn hinab. Seine Augen glotzten weit aufgerissen auf die Szenerie im Mondlicht, die vor ihm lag. War das ein Waldteufel, der eine Elfe verführte? Oder trieben es da unersättliche Geisterwesen miteinander? Vielleicht ein Sukkubus, der einen Recken bezauberte hatte? Doch die anfängliche Abscheu änderte sich schnell in Sehnsucht nach der Minne. Zelos beneidete das junge Liebespaar, das dort ihrer ungebändigten Lust nachging. Und das war es, denn für Totengeister wirkten die Leiber doch zu fleischlich.




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  RE: Das Reich der Megara (Neuauflage) Datum:11.10.20 13:41 IP: gespeichert Moderator melden


Zur gleichen Zeit marschierte eine prachtvoll und gleichzeitig militärisch gewandete Frau über den Paradehof des Regierungspalastes der Ost-Metropole. Die nach der Hauptstadt größte Ortschaft von Megaria wurde von Stadthalterin Fama regiert. Flankiert von zwei Palastwächterinnen mit jeweils einer Fackel in den Händen schritt Fama mit ihren arroganten Gesichtszügen, die wie in Stein gemeißelt waren, an einer Reihe an Kampfsklaven vorbei, die stramm Aufstellung genommen hatten. Die hohe Dame würdigte sie mit keinem Blick. In Gedanken war sie bei ihren Töchtern Vesta und Aurora, die zwar bereits Fräuleins waren, doch oft noch Unsinn und kindische Streiche verübten. Auch heute, zu so später Stunde, war Fama von der Wache gerufen worden. Doch dieses Mal hatten es Vesta und Aurora zu weit getrieben!

Fama hatte sich fest vorgenommen, die beiden Früchtchen hart zu bestrafen. Die Stadthalterin näherte sich einer schweren Tür, die in den Weinkeller führte. Rechtzeitig öffnete eine Wächterin ihr und stand stramm da, als Fama an ihr vorbei- und die Steintreppe hinuntereilte. An der Wand blakten Fackeln. Unten wurde die Oberste der Stadt bereits erwartet. Die Gouvernante der beiden Schwestern war außer sich. „Ehrwürdige Fama! Es ist schrecklich! Einfach nur schrecklich! Vielleicht solltet ihr doch nicht in das Gewölbe…“ Fama drückte die Gouvernante zur Seite. „Wo sind die zwei?“ Ihre Stimme bebte.

Und dann sah sie das ganze Ausmaß. Vesta und Aurora saßen schuldbewusst auf einer Bank und blickten beschämt zu Boden. Fama glaubte ihren Augen nicht trauen zu dürfen: Fünf Dienstboten lagen nackt auf dem Pflaster und wirkten so betrunken, dass sie sich kaum noch rührten. Doch noch viel empörender war, dass den Männern jeweils eine Weinflasche in intimer Stelle steckte. Fama war zutiefst entsetzt! „Alle raus! Alle bis auf meine liebreizenden Töchter!“ rief sie mit befehlsgewohnte Stimme. Das Wort „liebreizenden“ sprach sie geradezu hasserfüllt aus.

Im Innenhof standen noch immer die Kampfsklaven in ihren knappen Lendenschurzen aus hartem Leder und Schnürsandalen. Zu dieser Einheit gehörten ausschließlich mit Muskeln bepackte Männer, die sieben Fuß groß waren. Die vielen Fackeln beleuchteten ihre durchtrainierten Körper. Eine kleine Frau in imposanter Uniform saß auf einem Rappen mit schmuckvoll verzierter Decke und betrachtete die stehenden Männer. Auf ihr herrisches Handzeichen packten zwei der Männer einen der ihren und traten mit ihm vor. Sofort fiel der mittlere Sklave auf die Knie und senkte sein Haupt. Zwei weibliche, gerüstete Wächterinnen erschienen von den Flanken und schickten die zwei anderen Soldaten wieder zurück in die Reihe. Dem Knienden drückten die Frauen eine Eisenstange in die Kniekehlen, dann führten sie seine Arme unter der Eisenstange durch. Dabei fiel der Mann auf seinen Hintern. Vor den Schienbeinen fesselten die Wächterinnen die Handgelenke mit Ketten zusammen. Auf einen Wink erschienen nun wieder die zwei anderen Kampfsklaven und hoben die Enden der Eisenstange hoch. Der Gebundene stöhnte auf und schaukelte an der Stange. Sein Körpergewicht drückte den Metallstab gegen seine Kniekehlen.

Die Reiterin wendete ihr Ross und schritt auf dem Pferd bis zu einer Mauer. Dort kamen den beiden Kampfsklaven zwei weitere Männer zur Hilfe und hingen die Stange samt Delinquenten in Brusthöhe auf ein Gestell. Die Reiterin nahm eine Pergamentrolle zur Hand, rollte sie aus und verlas: „Im Namen unserer Gottheit Megara wird diese wertlose Kreatur für sein Versagen rechtmäßig nach dem Urteil des Hohen Gerichts der Metropole zu 20 täglichen Peitschenhieben und sechs Monaten Kerkerhaft verurteilt!“ Die zwei gerüsteten Wächterinnen kamen wieder hervor, während die Kampfsklaven sich zurückzogen. Das angetretene Heer sah von Weitem zu. Die Wächterinnen entrollten jeweils eine Lederpeitsche.

Der Verurteilte konnte nur die Mauer sehen, denn sein Gesicht hing kopfüber zur Wand. Dafür war sein Hintern schutzlos präsentiert. Der Lendenschurz war umgeklappt und bedeckte nun einen Teil des Rückens und des Bauches. Zwischen seinen Schenkeln war die Keuschheitsschelle zu sehen, die alle Kampfsklaven zu tragen hatten. Nun streckten die Wächterinnen ihren Arm mit der Peitsche aus und lockerten das lange Lederinstrument durch Schütteln. Auf einen kurzen Wink der Reiterin holte die erste Frau aus und zischte mit ihrem Leder zielgenau auf das Sitzfleisch des Delinquenten, wo sofort ein roter dicker Striemen aufblühte. Danach folgte die zweite Frau. Und so wechselten sie sich gnadenlos ab. Bald schon schrie der Sklave um Gnade, doch erst nach vollen 20 Schlägen wurde er aus seiner misslichen Lage befreit.

Als er zu Boden fiel, klebte sich der Staub des Hofes an seinem gezüchtigten Gesäß fest. Humpelnd wurde er abgeführt. Die Kampfsklaven, die die Bestrafung hatten mit ansehen müssen, waren gewarnt. Die Ausbildung war hart. Der Schwächste oder der Langsamste wurde aussortiert. Jeder der 49 Männer hatte sich fest vorgenommen, zu den 12 besten Absolventen zu gehören, die schließlich ins Heer übernommen wurden. Die Versager mussten ein schweres Los ziehen. Dabei hatten sie sogar, obwohl sie Leibeigene waren, die freie Wahl gehabt, an der Selektion zum Kriegssklaven teilzunehmen, oder stattdessen weiterhin Arbeitssklave in den Minen oder auf den Feldern zu bleiben.

Wer es einmal zum Kriegssklaven geschafft hatte, war besser dran als seine von morgens bis abends schuftenden Leidesgenossen. Es sei denn, er würde in einer Schlacht sein Leben verlieren; doch war der Kontinent großteils von Megara befriedet worden. Die wenigen autarken Landstriche, die nicht unter ihrer Herrschaft standen, waren völlig unbedeutend. Ein Kriegssklave musste also lediglich Übungsmanöver und körperliche Trainingseinheiten fürchten. Ein viel besseres Leben, als auf dem Feld oder unter der Erde dahin zu vegetieren.

Ein halbes Hundert hatte diese Chance zur Kriegsausbildung erhalten. Noch über mehrere Wochen würden die Anwärter nun beweisen müssen, wozu sie bereit waren. Am Schluss blieb nur ein Dutzend übrig. Die Stadthalterin wollte nur die Besten in der Ostmetropole. Ihr engstes Kriegerheer sollte den ausgebildeten Elitesklaven der Megara in nichts nachstehen. Zufrieden stieg die Uniformierte von ihrem Reittier, und stiefelte durch eine Tür, die ihr von einer Wächterin aufgehalten wurde. Die Frau schritt durch einen Gang und verschwand in ihrem privaten Gemach. Sie knöpfte sich die Uniform auf und warf sie aufs Bett. Das Leder knarzte dabei, und die Nieten klackerten aneinander. Nun klingelte sie mit einem Glöckchen und sofort erschien ein Dienstbote, der ihr aus den Stiefeln half. Dazu drehte er sich ihr mit dem Rücken zu und zog an einem Stiefel, während die Frau sich mit dem anderen Schuhwerk am Hintern des Dieners abstützte. Nach einem langen Tag war sie froh, dass ihre Füße endlich frei waren. Der Diener schleppte einen kleinen Holzzuber mit warmem Wasser herbei und wusch darin ausgiebig die Füße der Offizierin. Seufzend genoss sie die Behandlung.

Noch immer befanden sich Fama und ihre Töchter im Weinkeller des Palastes. „Wie konntet ihr nur!“ sprach sie vor sich hin. „Was sollen die Senatorinnen von mir denken?“ Vesta und Aurora hatten erst gar nicht versucht, ihre Posse zu rechtfertigen. Fama hatte einer Wächterin Zeichen gemacht, sie solle endlich die Flaschen aus ihrer exponierten Lage entfernen. Anschließend wurden die besinnungslos betrunkenen Dienstboten mit Decken bekleidet und weggetragen. Gehen konnten die halb Besinnungslosen nicht mehr. Fama fragte nicht nach Details. Sie wollte nichts davon wissen. Aber ihre Töchter mussten einen Denkzettel erhalten. Das stand für sie fest. Und sie würde eine so harte Strafe wählen, dass die Gören endlich zur Vernunft kamen. Für heute entließ sie sie. Aber schon am nächsten Morgen würden sie den Schock ihres Lebens bekommen. Sie würden Zeter und Mordio schreien, zappeln und quieken, als wolle man sie aufspießen. Dabei würde sie mit den verzogenen Töchtern nur eine Schmiedin besuchen – notfalls mit Verstärkung. Fama sah grimmig drein. Das hatten sie sich verdient! Vielleicht würde ihnen diese Zucht ihre Torheiten austreiben. Die Keuschheitsgürtel hatten sie sich selbst zuzuschreiben!

Einen Kontinent entfernt beobachtete Zelos, der Stallbursche, wie gebannt die beiden Liebenden auf der Lichtung vor ihm. Noch hatten sie ihn nicht bemerkt. Aber er hatte sie inzwischen erkannt. Es gab ihm einen quälenden Stich ins Herz: Ate trieb es da vor seiner Nase mit Hagbard. Von wegen Sukkubus! Dieses Weib… Zelos selbst war ja nicht in der Lage… da hatte diese Unersättliche den Nächstbesten gesucht! Zelos fühlte sich gedemütigt. Und als das Luststöhnen und Keuchen lauter wurde, zog er sich leise zurück. Er lief bis ins Quartier und setzte sich neben das kleine, fast niedergebrannte Feuer. Nike schlug ihre Decke zur Seite, kam zu Zelos und setzte sich neben ihn. Im ersten Moment wollte der Stallknecht die Gardistin wegschicken, denn er war maßlos enttäuscht, verletzt und beschämt. Doch was konnte Nike für die unsensible Ate? Also schiweg er.

„Möchtest du ein Fingerbreit Trockenfleisch?“, fragte Nike. Zelos verneinte. Ihm war der Appetit vergangen. Die Gardistin schnitt sich selbst fünf Schekel ab und stopfte sie sich in den Mund. Die zwei saßen noch eine Weile in der Stille der Nacht und starrten stumm in die sterbenden Flammen. Plötzlich war ein lautes Stöhnen aus dem Zelt der Königin zu hören. Leda war die einzige der Gefährten, die während der Reise über ein Dach verfügte. Alle anderen schliefen unter dem freien Sternenhimmel. In Zelos verkrampfte sich etwas. Also litt auch die Majestät des Nachts unter ungezähmter Begierde, ging es ihm durch den Kopf.

Kurz darauf vernahmen Nike und Zelos Schritte, die vom Zelt zu einem der hinteren Schlafplätze am Rand des Lagers, etwa drei Dutzend Schritt entfernt, führten. Schemenhaft konnte der Stallbursche Thrym erkennen, der sich auf einer Decke bettete und auf die Seite drehte. Trieben es denn heute Nacht alle Mannsbilder? In was für einer frevelhaften und ausschweifenden Welt lebte er?, fragte sich Zelos. Er suchte in der Dunkelheit nach dem Medikus, der selig schlief und leise vor sich hinschnarchte. Fast hatte der Stallbursche erwartet, auch den Heiler mit einem Weib sündigen zu sehen. Die Lockungen des Fleisches! Zelos schluckte einen bitteren Kloß seine Kehle hinunter. Frustriert begab er sich zu seiner Schlafstatt. Sein Gemächt pochte. Er hatte das sichere Gefühl, dass Nike ihm nachstarrte. Würde sie sich ebenfalls der Lust hingeben, bevor ihr die Augen zufielen? Er träumte wirres Zeug: Gefesselt und in seinen Keuschheitsgürtel gekleidet, lag er auf einem Opferaltar, während um ihn herum eine Orgie aus nackten Leibern unaussprechliche Sünden begingen.

Am nächsten Morgen, als die Sonne rot am Horizont aufging und den Staub in der Luft sichtbar machte, brachen die Gefährten wegen der zu erwartenden Hitze früh auf. Die Landschaft wurde karger und bot immer weniger Schatten und Wasser. Grausam stach die Sonne grell und heiß über ihren Köpfen auf sie hinab, als wollte sie sie rösten wie Spanferkel über dem Feuer, von dem das Fett zischend in die Glut tropfte. „Hier können wir unmöglich überleben“, stöhnte Leda und wischte sich den Schweiß von der Stirn ab. Thrym meinte beruhigend: „Vertraut mir, Majestät. Südlich dieser Wüste wird wieder fruchtbarer Boden auf uns warten. Als wir mit dem Schiff südlich vor der Küste gekreuzt sind, habe ich hohe Bäume gesehen.“

In der Hauptstadt des großen Reiches Megaria sah die Tyrannin müde und gleichgültig von ihrem Thronstuhl herab auf die anderen Damen, mit denen sie an einem ovalen Tisch saß. Diese Senatssitzungen langweilten sie zu Tode. Ständig stritten sich Alekto, Kerbera und die anderen Senatorinnen wie die Waschweiber - wie Waschweiber in sehr eleganten und kostspieligen Gewändern. Im Hintergrund hörte sie das Klirren von Degen und wünschte sich, wieder einmal selbst zur Waffe greifen zu können und mit einer Offizierin einen Strauß auszufechten. Ob sie ihre Künste verlernt hatte? So ein Waffengang war anstrengend, aber eine Göttin würde solch einfache Fertigkeiten besitzen! So glaubte sie zumindest. Megara hatte nie wirklich gelernt zu fechten. Im nächsten Moment wurde ihr klar, dass sie nur deshalb „gewinnen“ würde, weil niemand gegen sie sich zu siegen getrauen würde! Megara fiel ihr längst dahin geblichener Bastard Talos ein, der vor lauter Fett so ungeschickt war wie hässlich. Zu keiner ernsthaften Riposte wäre er fähig gewesen, dieser froschfratzige Tölpel! Nichtsdestotrotz blieb er stets stolzer, eingebildeter Sieger. Nein, Megara wollte sich nicht ebenfalls zum Narren machen wie ihr Kuckuckskind! Ihr Platz war der Thron. Sollten Berufende die Klingen kreuzen.

„Majestät!“, hörte sie die Stimme von Kerbera an ihr Ohr dringen. „Was sagt Ihr dazu?“ Megara sah sie fragend an. „Wozu?“ „Zu unserem Thema: der Umstrukturierung Eurer Armee. Weniger Fußsklaven, die dafür verstärkt in den Minen arbeiten könnten, und dafür mehr Kavallerie. Edle Kriegstiere, die unsere besten Soldatinnen in die Schlacht führen.“ Megara schnaubte: „Edle Kriegstiere! Ta! Was ist an Rössern besser, als an marschierenden Sklaven? Beide fressen und scheißen.“ Aufgrund Megaras derber Ausdrucksweise atmeten einige Senatorinnen scharf durch die Nase ein. Eine offene Kritik stand natürlich außerhalb des Vorstellbaren. Megara sah fragend in die Runde: „Was denn!? Wieso begeistern sich nur immer alle für die ach so edlen Gäuler? Dabei sind Sklaven doch die vergnüglicheren Reittiere.“ Die Despotin lachte anzüglich. Sofort setzte ein Hüsteln und pflichtschuldiges Kichern ein. Doch insgeheim festigte sich bei Kerbera und Alekto der Entschluss, Megara abzusetzen. Sobald es eine Gelegenheit zuließ…

Die Frage war nur: Wer würde die Krone schließlich tragen? Es würde einen erbitterten Machtkampf um den Thron geben. Kerbera hatte die meisten hohen Offizierinnen auf ihrer Seite, doch Alekto verfügte über den größten Einfluss bei den Palastwachen und Eliteeinheiten. War erst der Palast übernommen, dann würde der Rest ein Kinderspiel werden, überlegte Alekto. Und eine ihrer ersten Amtshandlungen würde sein, den Gemahl der verhassten Leda dem Feuer zu überantworten. Befriedigt sah Alekto, wie Megara Abas zu einem blinden Wurm gemacht hatte, doch sein irdisches Leben war ihrer Meinung nach nun endgültig verwirkt.

Während Alekto noch in Gedanken war, wurde die Senatssitzung beendet, und die Senatorin stellte fest, dass sie vom Schluss der Versammlung nichts mitbekommen hatte. Sie würde die Skriptoria um eine Abschrift des Protokolls ersuchen. Entsetzt sah sie später, dass Megara verfügt hatte, die Gehälter der Duxas deutlich zu verringern, da in Friedenszeiten deren Dienste nur eingeschränkt von Nöten seien. Aber nur wenige Augenschläge später verzog sich Alektos Mund zu einem hinterhältigen Grinsen. Das würde ihren Putsch nur vereinfachen! Sollte Megara ruhig so weiter machen! Allerdings profitierte Kerbera noch mehr davon. Sollte sich Alekto mit ihr zusammen tun? Vielleicht wäre das klüger. Später konnte sie immer noch ihre Konkurrentin beseitigen. Sollte Kerbera vor ihrem Abtreten noch die Hauptarbeit machen.

Kerbera schritt in ihr Gemach und ließ sich von ihrem Liebesdiener mit warmem Öl massieren. Cain beherrschte seine Tätigkeit verzüglich. Die nackte Senatorin genoss seine geschickten Hände, wie sie über ihren Rücken, über die Hinterseiten ihrer Oberschenkel und ihren Po glitten, die Muskeln vorsichtig kneteten und drückten. Später würde sie Cain vielleicht reiten. Und wenn er sich auch dabei so gescheit anstellte, dürfte er auch seiner Lust frönen. Vielleicht…

Megaras Worte hatten sie insgeheim sehr gefreut. Mit der Neuigkeit würde sie auch die letzte Duxa auf ihre Seite ziehen. Morgen würde sie einige konspirative Gespräche führen, die das Schicksal Megaras besiegeln sollten. Vor ihrem inneren Auge trug sie schon die Regenten-Krone: Vor dem Thron kniete die gestürzte Despotin in Ketten, nackt, gepeitscht und gedemütigt. „Wachen! Schafft sie in den Kerker! Sie beleidigt meine Nase und meine Augen!“ Kerbera lachte in sich hinein bei dieser wunderbaren Vorstellung. Ihr Geist webte weitere Bilder: Die Wächterinnen zerrten die Gefangene an den Ketten hinaus, dass sie auf ihren wunden Knien über den glatten Marmor schleifte. Voller Genugtuung sah die neue Gebieterin das Ende des dicken Zepters aus Megaras Unterleib schauen…

In der Ostmetropole schrien zwei junge Damen verzweifelt, greinten, trommelten mit Händen und Füßen auf den Boden, jammerten, schluchzten… Aber für sie gab es kein Erbarmen. Fama hatte ihren Töchtern Keuschheitsgürtel anlegen lassen. „Bis ihr gelernt habt, euch standesgemäß zu benehmen, bleibt eure Weiblichkeit versperrt!“, hatte die Statthalterin bestimmt. Die Töchter hatten zwar hysterisch gekreischt, lieber in die Feuergrube geworfen zu werden, als dieses Torturgerät tragen zu müssen, aber Fama war standhaft geblieben.

Die Dienstboten des Hauses lebten in größter Sorge, die beiden tyrannischen Fräuleins würden nun ihre sadistischen Neigungen noch wilder ausleben, würden ihre Wut und Hilflosigkeit und aufgestaute Frustration verstärkt an den Leibeigenen auslassen; aber bisher waren sie nur in Selbstmitleid versunken. War das nur die Ruhe vor dem Sturm? Niemand wusste es zu sagen.

Eine Woche war vergangen.
Am späten Nachmittag kam Vesta zu ihrer Schwester: „Mir ist eine Idee gekommen. Es gibt gewöhnlich zwei Schlüssel für einen Keuschheitsgürtel. Sicherlich hat die Schmiedin das Ersatzexemplar. Vielleicht können wir es bekommen.“ Aurora sah sie fragend an: „Und wie sollte uns das gelingen?“ Vesta lächelte unschuldig: „Sie wird uns freiwillig die Schlüssel überlassen.“ Aurora zweifelte: „Wohl kaum!“ Sie hatte eine ihrer fein gezupften Augenbrauen keck gehoben. Wollte Vesta sie zum Narren halten? Doch ihre Schwester sah schmunzelnd zu ihr herüber: „Oh, doch! Es gibt da nämlich eine winzige Kleinigkeit, die ich über die Schmiedin weiß…“ In Auroras hübschem Gesicht arbeitete es. Ein Geheimnis? Langsam begriff sie, was ihr Schwesterherz ihr damit sagen wollte…
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  RE: Das Reich der Megara (Neuauflage) Datum:11.10.20 18:33 IP: gespeichert Moderator melden


Prima!Wie ich schon oft geschrieben habe : Dir gehen die Ideen wohl nie aus!! Einfach Klasse!!
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  RE: Das Reich der Megara (Neuauflage) Datum:18.10.20 16:08 IP: gespeichert Moderator melden


Danke fürs Feedback.

Fortsetzung:

Die höchste Schmiedin der Metropole und Zunftmeisterin des gesamten östlichen Reiches von Megaria wies gerade zwei Sklaven an, die Glut in der Esse zu befeuern, als eine Gesellin vor ihr auftauchte: „Werte Gerra, draußen stehen zwei Edelfräuleins, die Euch dringend sprechen möchten.“ Gerra wischte sich die Hände an einem fleckigen Tuch ab, das an ihrem breiten spröden Ledergürtel hing, der ihre dicke, lederne Schürze hielt, und antwortete: „Nimm ihren Auftrag entgegen. Ich habe zu tun. Die Folterkammer der Stadthalterin soll neue Geräte erhalten.“ Gerra wollte sich schon wegdrehen, da hielt die Gesellin sie auf: „Verzeiht, Gerra, aber die Fräuleins sind die Töchter der Stadthalterin.“

Gerra sah überrascht aus. „Was? Die Gören wollen sicherlich um die Schlüssel betteln. Du weißt doch, warum ich neulich in der Zitadelle war?“ Die Gesellin nickte schmunzelnd und wischte sich die rußigen Hände an ihrer Lederschürze ab. „Soll ich sie wegschicken?“ Doch in diesem Moment erschien Vesta in ihrem edlen Kleidchen ungefragt in der Schmiede und sagte freundlich wie der Sonnenschein: „Werte Zunftmeisterin Gerra. Erlaubt mir Euch einen Ohrring zu zeigen, den Ihr mir vielleicht reparieren könnt…“ Die Schmiedin wollte sie schon in barschem Ton rauswerfen, da erkannte sie erschrocken ihr eigenes Schmuckstück. „Lass uns allein“, sagte Gerra zu ihrer Gesellin.

„Woher habt Ihr dieses goldene Kleinod?“ Gerra wischte sich die rußigen Hände an einem Lappen ab und besah sich den Ohrring genauer. Trotz des blakenden Feuers an der Esse und der dunklen Schatten in der Schmiede, erkannte Vesta, wie die Zunftmeisterin bleich wurde. Vesta grinste nun breit: „Woher glaubt ihr denn, dass ich es habe? Woher könnte ich es denn haben? Habe ich es vielleicht im Regierungsraum der meiner Mutter entdeckt?“ Die Schmiedin verzog nervös ihre Lippen. „Und?“ Vesta: „Es steht Euer Name auf dem Schmuckstück. Ihr habt es wohl verloren, als…“ Die Schmiedin unterbrach das Edelfräulein: „…als ich die Stadthalterin Fama besucht habe. Wohl wahr. Danke, dass Ihr es mir zurückgebracht habt. Aber nun habe ich zu tun.“ Sie hielt die Hand auf.

Vesta schloss ihre Finger schnell um den edlen Gegenstand. „Nein, meine Mutter war in einer Senatssitzung. Aber seltsamerweise habe ich ihren Liebesdiener, den Raum kurz nach Euch verlassen sehen…“ Die Schmiedin kniff die Augen zusammen: „Was wollt Ihr damit andeuten? Treibt es nicht zu weit, junge Lady!“ Vesta lächelte. „Und ich habe noch eine Zeugin. Aber es hat wohl nichts zu sagen… Vielleicht sollte ich Mutter fragen, ob ihr der Ohrring gehört. Ich habe mich wohl geirrt. Euer Name steht sicherlich nur darauf, weil Ihr ihn geschmiedet habt.“ Gerra war wie erstarrt. Dieses freche Biest tat so unschuldig und war in Wahrheit die Teufelin in Person!

„Also gut, du verhextes Balg! Du willst deinen Schlüssel haben?“ Vesta nickte. „Oh, damit würdet Ihr mir eine so große Freude bereiten!“ Gerra schnaubte. „So sei es denn. Ich gehe davon aus, dass du unseren kleinen Tauschhandel geheim hältst – in deinem eigenen Interesse. Sollte Fama davon jemals zu Ohren kommen, wird es uns beiden schlecht ergehen.“ Vesta antwortete: „Oh, Ihr habt mein Wort, werte Zunftmeisterin.“ Gerra ging zu einem Schränkchen, in dem mehrere Dutzend Schlüssel aller Größen und Formen hingen und nahm gezielt ein kleines Exemplar hinaus.

Gegen den Ohrring erhielt Vesta das ersehnte Teil. „Ach, da wäre noch was“, meinte sie. „Meine Schwester Aurora…“ Gerra grummelte: „Vergiss es! Ein Ohrring gegen einen Schlüssel!“ Jetzt grinste die Schmiedin schadenfroh. „Da wird dein Schwesterchen wohl leer ausgehen!“ Sie lachte laut. „Im wahrsten Sinne des Wortes!“ Vesta wurde erst rot und dann wütend. Sie hatte ihr Faustpfand zu früh abgegeben. Wie sollte sie das nun Aurora erklären?

Mit gemischten Gefühlen verließ sie die Schmiede. Sie war froh der verrauchten Luft entkommen zu sein, aber nun hatte sie ein neues Problem. Aurora fragte sie aufgeregt: „Und? Hast du sie?“ Vesta antwortete kleinlaut: „Sie hat sich auf den Handel eingelassen. Ohrring gegen Schlüssel.“ Aurora juchzte vor Freude. „Wunderbar. Lass uns schnell heim. Ich kann es kaum erwarten.“ Vesta traute sich noch nicht mit der Wahrheit herauszurücken. Gemeinsam traten sie den Weg in die Zitadelle an. Aurora summte eine fröhliche Melodie, während Vesta in düstere Gedanken versunken schien.

In Auroras Gemach angekommen verlangte sie ihren Schlüssel und streckte ihr manikürtes Händchen aus. Vesta gab ihr das Exemplar. Aurora schlüpfte aus ihrem Seidenkleid und steckte ihn in das Schloss. Nur drehen ließ er sich nicht. „Was… Wieso öffnet sich der Keuschheitsgürtel nicht?“, fragte sie verwirrt. Vesta sank auf einen Diwan aus dunkelrotem Samt. Aurora sah ihre Schwester verwundert an. „Wie kann das sein? Und wo ist dein Schlüssel?“ Vesta seufzte tief, dann sagte sie: „Gerra hat nur einen einzigen Schlüssel herausgegeben, weil ich nur einen einzigen Ohrring hatte.“ Aurora öffnete ihren Mund weit. Empörung zeigte sich in ihrem feinen Gesicht. „Was!? Und du hast etwa deinen Schlüssel genommen?“ Vesta verneinte. Leicht ging ihr von der Zunge: „Aber nicht doch! Sie hat mir den erstbesten gegeben. Es ist reiner Zufall…“ Ihre Stimme ging schließlich in einem Murmeln unter. Aurora schluchzte. „Was mache ich denn jetzt nur?“ Tränchen liefen ihre zarten Wangen hinab.

Für die zarte Lady ging die Welt unter. Vesta legte ihre Hand auf die Schulter der Unglücklichen. „Ich habe eine Idee: Wir fragen Gerra, ob wir den Schlüssel gegen den anderen austauschen können.“ Aurora sah hoffend zu ihrer Schwester hoch: „Und das würdest du tun? Oh, Schwesterlein!“ Vesta lächelte. Dann wurde sie ernst. „Aber lass mir ein paar Tage, damit ich meinen Keuschheitsgürtel auch eine Weile öffnen kann.“ Aurora schlug vor: „Lass ihn doch einfach auf. Dann gibst du den Schlüssel ab und…“ Vesta: „Unsinn! So törricht wird Gerra nicht sein. Sie wird den Schlüssel nur eintauschen, wenn mein Gürtel verschlossen ist.“ Aurora seufzte tief: „Nun gut. Aber nur ein paar Tage. Ich halte es nicht mehr aus. Ein Sklave kann die Keuschheit lange ertragen, aber ein edles Fräulein wie ich doch nicht!“

Vesta ging in ihr eigenes Gemach und öffnete den eisernen Lendenkerker. Wohlig seufzte sie und warf sich auf ihr Himmelbett. „Hmmmmm“, stöhnte sie lustvoll und berührte sich an ihrer zarten Weiblichkeit. Wie hatte sie das vermisst! Diese süßen Berührungen, ihrer Venus, ihrer Knospe, die so sehr nach einer Erlösung gefleht hatte. Wie wundervoll die Welt doch war. Trunken vor Glück lag sie da und genoss das wohlige Kribbeln in ihrem Unterleib, das sich ausbreitete wie eine warme Flut aus Honig.

Auch in den nächsten Tagen genoss sie heimlich ihre Freiheit. Aurora dagegen litt weiterhin unter ihrer strengen Keuschheit und hoffte nur, dass die Tage schnell vorbei gingen, bis Vesta endlich den Schlüssel austauschte. Dazu kam die aufsteigende Eifersucht. Der Neid. Anfangs war Vestas Vorschlag durchaus ehrlich gemeint gewesen, aber je näher der Zeitpunkt kam, an dem sie ihre Freiheit wieder aufgeben sollte, umso nachdenklicher wurde sie. Es musste eine andere Lösung geben! Sie grübelte und sinnierte und fand doch keinen Ausweg.

Doch auf dem Weg zu Gerra fiel Vesta plötzlich etwas ein. „Warte du hier“, sagte sie zu Aurora. „Ich gehe die Schlüssel tauschen.“ Aurora rief einen Sklaven heran, der gerade die Straße fegte, und befahl ihn auf alle Viere vor die Schmiede. Dann raffte sie ihr Kleid und nahm sie auf dem Rücken des Leibeigenen Platz und pfiff aufgekratzt vor Aufregung heiter vor sich hin. Sie malte sich in Gedanken bereits aus, wie sie in ihrem Bett lag und sich unter dem Rüschenrock berührte…

Nach einigen Minuten erschien Vesta wieder. Aurora sprang auf und versetzte dem Sklaven einen Stiefeltritt in den Allerwertesten. „Putz weiter!“ Sie sah Vesta erwartungsvoll an. Doch was war da in den Gesichtszügen ihrer Schwester zu lesen? Irgendwas stimmte nicht. Vesta sah unglücklich zu Boden. „Was ist denn geschehen?“, fragte Aurora. Vesta schüttelte den Kopf. „Ich erzählte es dir auf dem Heimweg.“

Aurora wollte ihren Ohren nicht trauen, als Vesta ihr berichtete, dass Gerra mit dem Tausch frühestens in zwei Wochen einverstanden sei. Ein ständiges Kommen und Gehen komme nicht in Frage, so zitierte Vesta die Schmiedin. Zumindest behauptete sie das.
Aurora spürte, wie ihr Keuschheitsgürtel enger zu werden schien. „Noch… zwei… Wochen!“, stammelte Aurora. Eine Träne lief über ihre Wange. Wie grausam konnte das Schicksal sein!

Zu Hause verzog sich Aurora in ihre Stube und warf sich bäuchlings auf ihr Bett. Schluchzend bemitleidete sie sich und trommelte mit ihren Händchen fest auf das Nachtlager. Vesta dagegen lächelte mit glasigem Blick in ihrem Gemach, stellte sich Auroras Qualen vor und spürte, wie ihre Weiblichkeit dadurch nur noch feuchter wurde. So feucht, dass ein dünner Rinnsal ihre Schenkel hinab lief. Bald darauf strichen ihre Finger forschend über ihren Venushügel und ihren gierigen Schoß.

Später ging Vesta gutgelaunt in den Lustgarten. Aurora hatte sich in ihr Gemach zurückgezogen und schmollte. Aber Vesta war nach ihrem Aufschluss geradezu übermütig geworden und rief den erst besten Sklaven herbei, der gerade eine Hecke stutzte. „Ich verbinde dir damit die Augen“, sagte sie wie aus heiterem Himmel und nahm einen Seidenschal in die Hand. „Ehrenwerte junge Dame, ich muss die Hecke schneiden. Wenn die Wächterin kommt, und ich noch nicht fertig bin, wird sie mich züchtigen.“ Vesta meinte gleichgültig: „Aber zuerst spielen wir ein Spiel. Das wird lustig. Versprochen.“

Der Sklave ließ sich zwangsläufig die Augen verbinden und wartete. Vesta erklärte die Regeln: „Du musst auf dem Boden meinen Lederball finden. Das ist schon alles. Ich gebe dir mit Hilfen wie -heiß- oder -kalt- Tipps, ob du nah oder weit entfernt bist. Und damit du schnell wieder an deine Arbeit kommst, beeilst du dich einfach.“ Dem Sklaven blieb keine andere Wahl, als dem jungen Fräulein zu Willen zu sein. Er begab sich auf alle Viere und tastete auf dem Boden herum. „Kalt“, sagte Vesta, die überhaupt keinen Ball versteckt hatte.

So ließ sie den blinden Mann durch den Garten kriechen – mit Vorliebe in Brennnesselbüsche, zwischen Dornengestrüpp und schließlich sogar bis in einen Haufen Mist. „Heiß“, behauptete Vesta fidel hinter vorgehaltener Hand. „Ganz heiß. Such schön! Tiefer! Du musst schon hineingreifen.“ Vor spitzbübischem Vergnügen frotzelnd krümmte sie sich und konnte ab und zu ein Kichern nicht unterdrücken. „Weiter links“, navigierte sie. „Mehr rechts“, sagte sie darauf. Der Sklave war bereits voll mit Mist. Heu und Stroh klebten an ihm, und Dreck bedeckte seinen Leib. „Weißt du, woran du mich erinnerst?“, fragte Vesta lachend. „An ein närrisches Schwein, das in der Jauche suhlt.“

Als Vesta das Interesse an dem Sklaven verlor, ging sie einfach weg und überließ ihn seinem Schicksal. Als der Mann längere Zeit nichts mehr von dem Edelfräulein gehört hatte, wagte er es, sie anzusprechen. Als auch nun keine Antwort kam, nahm er die Augenbinde ab und sah blinzelnd die Bescherung. Die Dame war weg, und er war völlig verschmiert und stank erbärmlich. Hastig versuchte er, sich zu reinigen.

Kurz darauf konnte Vesta beobachten, wie eine Palastwächterin den Sklaven mit der Spitze ihrer Hellbarde durch den Garten trieb und schimpfte: „Du wirst jetzt im Wassergraben den Schmutz abwaschen und danach deine Arbeit beenden. Und glaube ja nicht, dass das kein Nachspiel hat!“ Vesta schmunzelte. Das würde endlich wieder eine schöne Auspeitschung geben. Die durfte sie auf keinen Fall verpassen. Der Po des Leibeigenen hatte es ihr angetan. So saftige Backen. Wie schön sähen sie erst aus, wenn ein Dutzend Striemen auf ihnen aufblühten!

In der Ostmetropole lief das politische Geschäft genau nach Famas Nase. Sie regierte die Stadt und alle umliegenden Landstriche bis zum Ostmeer und hatte damit auch Einfluss über den Sklavenmarkt, denn die meisten Leibeigenen kamen vom Ostkontinent. Mittlerweile fühlte sie sich unverletzbar und übermächtig. Megara war in der Hauptstadt im Westen weit weg. Fama konnte hier tun und lassen was sie wollte. Sie hatte ein Reich in einem Reich. Und eines Tages würde sie vielleicht sogar… Ein Militärputsch könnte sie zur Alleinherrscherin und Göttin machen. Der Tag würde kommen, da Megara fallen würde.

Wenn die Stadthalterin gewusst hätte, wie nah dieser Tag vielleicht bereits war! Aber anders, als sie dachte, denn auch die Senatorinnen Alekto und Kerbera waren machthungrige Furien. Senatorin Kerbera saß gerade mit einer Sklavenhändlerin aus dem Osten zusammen und feilschte mit ihr einen Kontrakt über tausend Leibeigene aus. Der Großauftrag war von Megara angeleiert worden, obwohl der Senat von einem vergrößerten Sklavenheer abgeraten hatte.

Für die Händlerin Ceres war dies das Geschäft ihres Lebens, das ihr viele Beutel mit Goldstücken versprach. Und sie kündigte an: „Wenn ihr noch mehr Sklaven benötigt, kann ich ohne Weiteres Nachschub beschaffen.“ Sie arbeitete mit ihrer alten Freundin Phoibe zusammen, die als Kapitänin ein Sklavenschiff im Ostmeer befehligte. Unwillig unterschrieb Kerbera den Vertrag, obwohl sie Megaras Anweisung, noch mehr Sklaven ins Heer zu schleusen, für falsch hielt. Schlecht gelaunt verabschiedete sie die Sklavenhändlerin. Ceres dagegen konnte glücklicher nicht sein. Tausend Sklaven auf einen Schlag zu verkaufen… Das war schon ein wonniger Erfolg! Sie schickte einen Briefraben nach Osten, um die Ware herbeischaffen zu lassen.

Zufrieden und freudestrahlend betrat sie ihre Unterkunft: eine luxuriöse Herberge. Ihr Liebessklave Aphron wartete devot auf den Knien auf sie und zog ihr sofort die Stiefel aus, um ihre Füße zu massieren. „Oh, Aphron, das tut gut“, gurrte Ceres. „Sag mir, wann habe ich dich das letzte Mal aus deinem Keuschheitsgürtel befreit?“ Aphron erinnerte sich genau: „Vor drei Monaten und zwei Tagen, Herrin.“ Ceres hob eine Augenbraue. „Na, dann wäre ein Aufschluss doch wieder an der Reihe. Oder sollte ich dich wieder den Holzstab aufschrauben lassen?“ Aphron sah sie bekümmert an. Ceres lachte. „Wie drollig! Nein, sei unbesorgt. Zur Feier des Tages sollst du in mich tauchen dürfen, Aphron. Du hast mir so viele süße Stunden bereitet. Da werde ich mich erkenntlich zeigen.“

Sie nahm ihren Waffengurt ab und legte ihn beiseite. Auch das lederne Wams zog sie aus, schlüpfte aus den Beinkleidern und trug nun nur noch einige wenige seidene Spitzenwäsche. Und wie versprochen durfte Aphron seinen Keuschheitsgürtel ablegen, die beiden badeten in einem riesigen Zuber, in dem mühelos eine Handvoll Personen Platz gefunden hätten, und liebkosten sich wie ein junges Paar, bis die Leidenschaft loderte und sie nicht mehr von sich lassen konnten. Schließlich vereinten sie sich in dem heißen Wasser wie Mann und Weib und erreichten beide traumhafte Höhen der Lust…

Später ruhten sie entspannt nebeneinander auf einer weichen Liege, auf der Dutzende kleiner Kissen lagen. Ceres schmiegte sich in Aphrons Arme wie eine Geliebte und spielte gedankenverloren mit seiner Brustwarze, in die sie einen kleinen Ring hatte stechen lassen. „Flagella wird toben. Sie ist meine stärkste Konkurrentin und wollte den Sklavenauftrag ebenfalls bekommen.“ Sie griff nach einer Schale mit Erdbeeren und steckte eine Frucht in den Mund. Aphron schmeichelte seiner Herrin: „Ihr seid eben die begnadetere Sklavenhändlerin.“ Ceres kniff ihm in den Nippel. „Du willst mir wohl Honig um den Mund schmieren? Dein Keuschheitsgürtel wird trotz deiner Huldigung an mich noch heute wieder verschlossen werden. Aber… Wenn du noch nicht satt bist… Ich bin es auch nicht.“ Die letzten Worte hauchte sie ihm entgegen. Im nächsten Augenblick stürzte sie sich geradezu auf Aphron und setzte sich rittlings auf ihn. Unter ihr spürte sie das erwachende Glied. Ceres grinste. Sie tastete nach dem prallen Gemächt. Das konnte eine lange Nacht mit ihrem Pläsiersklaven werden…

In weiter Ferne reiste eine Gruppe durch die Lande. Die Prophezeiung, bald wieder Wälder zu erblicken, war bisher nicht eingetroffen. Leda und ihre Gefährten schleppten sich durch die Öde, die mittlerweile zu einer richtigen Sandwüste geworden war. Bei jedem Schritt rutschte der Fuß ein wenig zurück, die Sonne brannte so heiß und grausam wie bisher noch nie und alle waren vom Wassermangel erschöpft. Viele Gepäckstücke hatten sie zurücklassen müssen. Hagbard war trotz allem entschlossen: „Wir müssen weiter! Zurück würden wir es sowieso nicht mehr schaffen.“ Und auch Thrym meinte: „Majestät, wir werden den Wald im Süden erreichen. Glaubt nur fest daran! Es kann nicht mehr weit sein.“ Leda nickte grimmig.

Während die Gardistinnen Ate und Nike noch fast unvermindert kräftig marschierten und sich nur an das langsamere Tempo der anderen angepasst hatten, waren die Schritte der übrigen schon recht wackelig. Besonders der Medikus schien sich kaum noch vorwärts zwingen zu können. Hin und wieder musste der Stallbursche ihm unter die Arme greifen, um ihn zu stützen, und stöhnte: „Was für ein fröhlicher Reigen durch die Hölle! Ich glaube inzwischen nicht mehr an ein fruchtbares Südland. Wir werden alle krepieren. Unsere Gebeine werden von der Sonne ausgeblichen anderen Wanderern als Warnung dienen. Wir werden…“ „Ruhe!“, befahl Leda tadelnd, die sich in der Gruppe hatte zurückfallen lassen. „Ich will solche Worte nicht hören! Das bringt nur Unglück!“ Kleinlaut verstummte der Mann. „Wasser!“ brüllte Hagbard plötzlich aus rauer Kehle. „Wasser! Dort!“ Er zeigte mit gestrecktem Arm nach vorne. Leda eilte wieder zu ihm nach vorne und beschattete die Hand. „Tatsächlich. Ein See!“ Zelos brummelte miesepetrig: „Wahrscheinlich das Meer.“ „Nein“, meinte der Medikus. „Das kann nicht sein. Der Ozean liegt in anderer Richtung.“ Zelos fragte: „Und du weißt noch, ob wir überhaupt richtig laufen?“ Der Trupp setzte sich beschleunigt in Bewegung und mobilisierte die letzten Kräfte. Endlich Wasser!

Doch auch nach mehreren Stunden kamen sie dem Wasser nicht näher. Thrym fiel aufgezehrt in den Sand. „Das ist eine Fata Morgana.“ Leda fragte: „Eine was?“ Bald war allen klar, dass sie einem Trugbild aufgesessen waren. Die Enttäuschung und aufgebrauchten Kraftreserven ließ sie resignieren. Vermutlich würden sie in dieser Wüste zu Tode kommen…
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