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  Die magische Wolle
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DarkO
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  RE: Die magische Wolle Datum:04.01.26 09:14 IP: gespeichert Moderator melden


Halt

Nach dem Essen gehen Lena und Amélie nebeneinander über den Campus, ohne Ziel, das ausgesprochen werden müsste.

Die Mensa liegt hinter ihnen, Stimmen bleiben zurück, das Mittagslicht liegt offen auf den Wegen. Lena spürt den festen Untergrund unter den Schuhen, den gleichmäßigen Rhythmus ihrer Schritte. Alles ist ruhig. Nicht still – ruhig.

Amélie geht einen halben Schritt näher als sonst. Nicht berührend, aber spürbar. Lena merkt das sofort. Ihr Körper registriert Abstände schneller, als ihr Kopf es könnte.

Eine Weile sprechen sie nicht.

Dann sagt Amélie: „Du hast dich offenbar daran gewöhnt.“

Lena blinzelt. „Was meinst du?“

Amélie hebt kurz die Hand, als würde sie etwas in der Luft nachzeichnen. „Deine Hände, die Stulpen. Du greifst ohne Nachzudenken. Als würdest du vorher wissen, wie viel Kraft du brauchst.“

Sie setzen ihren Weg fort. Ein Fahrrad fährt vorbei, irgendwo klappt eine Tür.

„In der Mensa“, fährt Amélie fort, „hast du das Besteck nicht gewechselt. Du hast es angepasst.“

Lena denkt an die Gabel, an den Druck in den Fingern, an die Art, wie sich Bewegung jetzt anfühlt. „Ich habe nicht darüber nachgedacht.“

„Eben“, sagt Amélie leise.

Sie bleibt stehen. Lena ebenfalls, sie dreht sich zu ihr.

Amélie sieht sie offen an. Kein Lächeln. Kein Spiel. Nur Aufmerksamkeit.

„Du akzeptierst Einschränkungen“, sagt sie. „Aber nicht resigniert. Du richtest dich ein. Fast so, als würdest du sie brauchen.“

Lena spürt, wie sich etwas in ihr zusammenzieht – nicht unangenehm, eher fokussiert. Sie legt das Gewicht minimal anders auf die Füße. Der Druck an ihren Beinen ist da. Verlässlich. An ihren Armen ebenso.

„Ich friere nicht mehr“, sagt sie schließlich.

Amélie nickt langsam. „Und das ist wichtiger als Bewegungsfreiheit.“

Lena überlegt kurz. Dann: „Ja.“

Sie gehen weiter.

Der Weg führt zwischen zwei Gebäuden hindurch, der Schatten dort ist kühler, aber Lena zieht die Schultern nicht hoch. Sie merkt es erst im Nachhinein.

„Du hast dich entschieden“, sagt Amélie nach einer Weile. „Mehr als einmal.“

Lena atmet aus. „Ich habe aufgehört, ständig auszuweichen.“

Amélie sieht sie von der Seite an. Der Blick bleibt einen Moment länger. Nicht fordernd. Abwägend.

„Und trotzdem“, sagt sie, „hältst du einen Bereich offen.“

Lena bleibt stehen.

„Welchen?“

Amélie kommt einen halben Schritt näher. Ihr Blick wandert kurz über Lenas Körper, nicht wertend, eher kartierend. Dann zurück zu ihrem Gesicht.

„Du lässt dir Halt geben“, sagt sie. „Aber du lässt dich nicht ganz halten.“

Lena schluckt. Sie spürt ihren Puls, ruhig, fest. „Vielleicht“, sagt sie langsam, „weil ich nicht wusste, ob ich das wirklich sollte.“

Amélies Haltung wird weicher.

„Dabei magst du es“, sagt sie ruhig, „festgehalten zu werden.“

Die Worte liegen zwischen ihnen. Klar. Still.

Lena denkt nicht lange nach. Sie spürt ihren Körper, den Druck, die Wärme, die Art, wie alles an seinem Platz ist.

„Ja“, sagt sie. „Stimmt.“

Amélie lächelt. Kein Grinsen. Kein Triumph. Ein warmes, ruhiges Lächeln. Als hätte etwas Sinn ergeben.

Sie gehen weiter. Schulter an Schulter. Ohne Eile. Der Campus liegt offen vor ihnen, Wege verzweigen sich. Lena fühlt keinen Druck, keine Angst.

Nur dieses leise, feste Wissen: Sie ist gesehen worden. Und sie ist geblieben.

Der Weg zum Eingang der Hochschule ergibt sich von selbst. Die Gebäude rücken näher, Stimmen tauchen wieder auf, Schritte mischen sich unter ihre. Lena nimmt das alles wahr, aber es drängt sich nicht vor. Die Nähe zu Amélie ist noch da, nicht mehr ausgesprochen, aber nicht verschwunden.

Amélie passt ihr Tempo an, so fein, dass es fast nicht auffällt. Lena merkt es trotzdem.

„Wir sollten gleich rein“, sagt Amélie schließlich. „In zehn Minuten beginnt die Vorlesung.“

„Ja“, sagt Lena.

Sie überqueren den Platz vor dem Haupteingang. Studierende stehen in kleinen Gruppen, manche rauchen, andere blättern in Unterlagen. Die vertraute Unruhe eines Hochschulnachmittags. Lena fühlt sich darin nicht verloren. Eher eingebettet.

Amélies Hand streift beim Gehen kurz Lenas Unterarm. Kein Griff, kein Zögern. Nur ein Kontakt, der da ist, weil der Abstand klein ist. Lena spannt sich nicht an. Sie registriert es, lässt es stehen.

Vor der Tür halten sie einen Moment an.

Amélie sieht Lena an. Ihr Blick ist ruhig. Offen.

„Wir reden später weiter“, sagt sie.

Lena nickt. „Gerne.“

Sie gehen hinein. Der Geräuschpegel steigt, der Raum weitet sich. Treppen, Flure, Stimmen. Amélie biegt zu einem anderen Seminarraum ab, hebt kurz die Hand zum Abschied. Lena erwidert die Bewegung.

Als Lena ihren Platz im Hörsaal einnimmt, ist sie präsent. Sie setzt sich, legt ihre Unterlagen vor sich ab. Ihre Hände ruhen kurz auf dem Tisch, bevor sie den Stift aufnimmt.

Der Gedanke an Amélie ist da. Nicht fordernd, nicht ablenkend. Wie etwas, das dazugehört.

Als die Vorlesung beginnt, merkt Lena, dass sie zuhört. Wirklich zuhört.

Und dass sie genau weiß, warum.

--Fortsetzung folgt--

DarkO

[Edit]: Dieser Eintrag wurde zuletzt von DarkO am 04.01.26 um 09:17 geändert
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ChasHH
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  RE: Die magische Wolle Datum:04.01.26 14:51 IP: gespeichert Moderator melden


Was führt Amelie im Schilde? Sie nimmt Kontakt zu Lena auf und hält doch Distanz.
Verwirrt mich irgendwie.
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DarkO
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  RE: Die magische Wolle Datum:04.01.26 15:08 IP: gespeichert Moderator melden


Zitat
Was führt Amelie im Schilde? Sie nimmt Kontakt zu Lena auf und hält doch Distanz.
Verwirrt mich irgendwie.


Du musst dich noch ein Wenig in Geduld üben. Amélie geht eben sehr behutsam vor.
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DarkO
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  RE: Die magische Wolle Datum:05.01.26 09:06 IP: gespeichert Moderator melden


Zusammen

Nach der Vorlesung zerstreuen sich die Studierenden schnell. Gespräche bleiben an Türen hängen, Schritte entfernen sich. Lena geht nicht direkt nach draußen. Sie folgt Amélie durch den Flur, vorbei an Aushängen und Glastüren, bis sie zu einer der Sitzgruppen kommen, die etwas abseits liegen.

Zwei Sofas, ein niedriger Tisch, gedämpftes Licht. Ein Ort, an dem man bleibt, ohne es zu planen.

Sie setzen sich. Nicht gegenüber, sondern leicht versetzt. Nah genug, dass sich ihre Knie fast berühren. Lena legt die Hände in den Schoß. Ihr Körper kommt zur Ruhe, wie er es in den letzten Tagen gelernt hat.

Eine Weile sagen sie nichts.

Amélie lehnt sich zurück, betrachtet Lena von der Seite. Nicht prüfend, nicht neugierig. Eher aufmerksam, als würde sie etwas abwarten, das sich von selbst zeigt.

„Du denkst schon wieder zu viel“, sagt sie schließlich.

Lena lächelt, kaum sichtbar. „Das ist mein Markenzeichen.“

„Dann hör kurz damit auf.“

Es klingt nicht wie ein Befehl. Eher wie eine Einladung.

Amélie zieht sie einfach zu sich. Ohne Zögern, ohne Ankündigung. Der Kuss ist ruhig, sicher, selbstverständlich. Kein Suchen, kein Abtasten. Nur Nähe.

Als sie sich lösen, bleibt Lena dort, wo sie ist. Sie lehnt den Kopf an Amélies Schulter, als hätte ihr Körper diese Entscheidung längst getroffen.

„Das wollte ich schon seit dem Ball tun“, sagt Amélie.

„Warum hast du es nicht?“

Amélie lächelt schief. „Weil ich wollte, dass du bleibst. Nicht, dass du fliehst.“

Lena hebt den Kopf nur kurz, sieht sie an. Dann legt sie ihn wieder an Amélies Schulter.

„Ich bin noch da.“

„Gut.“ Amélie streicht ihr durch die Haare. „Dann bleiben wir das jetzt. Zusammen.“

Sie sitzen eine Weile so. Der Flur bleibt ruhig. Irgendwo fällt eine Tür ins Schloss, Schritte entfernen sich. Nichts drängt.

Als sie schließlich aufstehen, ist nichts entschieden. Und doch ist etwas klar.

Später fährt Lena allein nach Hause. Nicht, weil sie muss. Sondern weil sie weiß, was sie tun will. Wolle dafür hat sie noch ausreichend.

--Fortsetzung folgt--

DarkO
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DarkO
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  RE: Die magische Wolle Datum:06.01.26 11:22 IP: gespeichert Moderator melden


Geschlossen

Die Busfahrt verläuft ruhig. Draußen ziehen vertraute Strecken vorbei, Häuser, Bäume. Lena sitzt am Fenster, die Hände im Schoß, den Blick nach außen gerichtet, ohne wirklich etwas zu fixieren. Die Unterhaltung mit Amélie klingt noch nach, aber nicht als Gedanke. Eher als Haltung. Sie fühlt, dass sich etwas gesetzt hat.

Mit ihrem Handy prüft sie ihren Posteingang. Sie hat eine neue Mail bekommen, der Absender ist derselbe wie beim letzten Mal. Ihre Anfrage wurde an die zuständige Abteilung weitergeleitet. Weiter nichts. Das heißt, sie muss noch etwas länger warten. Doch das stört sie nicht.

In der Wohnung zieht sie Jacke und Schuhe aus, stellt den Rucksack ab. Die Stille ist dieselbe wie immer. Kein Kontrast, kein Bruch. Sie kocht Wasser für einen Tee.

Während das Wasser heiß wird, holt sie aus dem Regal ihre Stricksachen hervor und legt diese aufs Bett. Das kleine Buch liegt obenauf. Sie schlägt es auf, blättert kurz. Für das, was sie vorhat, gibt es tatsächlich eine Anleitung.

Lena brüht den Tee auf, setzt sich wie gewohnt mit der heißen Tasse in der Hand auf ihre Bettdecke und liest ein paar Zeilen, studiert Skizzen, Maße, Hinweise zur Konstruktion. Dann legt sie das Buch zur Seite. Sie weiß, was sie tut.

Die Wolle gleitet durch ihre Finger. Masche folgt auf Masche, gleichmäßig, sicher. Der Ablauf ist vertraut, beinahe automatisch. Sie prüft zwischendurch den Verlauf, hält das Gestrickte kurz an, korrigiert den Winkel, setzt neu an. Alles greift ineinander.

Irgendwann legt sie eine Pause ein, steht auf, macht sich etwas zu essen. Nichts Aufwendiges. Sie isst, ohne Eile, und setzt sich danach wieder hin. Draußen ist es längst dunkel geworden. Das Licht in ihrem Zimmer bleibt warm, konstant.

Auch als die Uhr anzeigt, dass es schon spät ist, strickt sie weiter. Der Gedanke ans Schlafengehen taucht auf, verschwindet wieder. Noch nicht. Nicht, bevor sie fertig ist.

Ihr ist bewusst, dass sie dieses Kleidungsstück, wenn sie es einmal angezogen hat, eine Weile wird tragen müssen. Also sorgt sie dafür, dass an den notwendigen Stellen Löcher im Stoff sind. Vorne ein langes schmales und hinten ein größeres rundes.

Das Kleidungsstück wächst. Schließt sich. Wird vollständig.

Als es schließlich fertig ist, legt sie es vor sich auf das Bett. Sie betrachtet es eine Weile. Die Form stimmt. Der Sitz wird stimmen. Trotzdem fehlt etwas.

Sie greift nach den bunten Garnen. Rot. Gelb. Blau. Mit ruhigen Stichen stickt sie ein einzelnes „A“ auf die Vorderseite. Keine Verzierung, kein Muster. Nur dieser Buchstabe, klar und sichtbar.

Dann legt sie die Jeans und ihren Slip ab.

Langsam steckt sie einen Fuß nach dem anderen in die entsprechenden Öffnungen. Sie steht auf. Stück für Stück zieht sie das wollene Kleidungsstück immer weiter nach oben. Über ihre Knie, die Oberschenkel, bis zu ihrem Bauchnabel. Sie spürt ein sanftes Kribbeln in ihrem Bauch.

Das Wollhöschen passt, ohne Nachjustieren, ohne Spielraum. Sie fühlt, wie sich das Material allmählich enger um ihre Hüften legt, wie es Halt gibt, ohne zu drücken. Alles sitzt dort, wo es soll. Geschlossen. Stabil.

Lena bleibt einen Moment stehen. Atmet. Lässt das Gefühl wirken.

Dann macht sie sich für die Nacht fertig und legt sich hin. Der Tag klingt aus, ohne Nachhall, ohne Zweifel.

Etwas ist abgeschlossen, vollständig. Und etwas anderes beginnt.

--Fortsetzung folgt--

DarkO
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Neuschreiber63
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  RE: Die magische Wolle Datum:06.01.26 15:56 IP: gespeichert Moderator melden


"A" für Amelie?
Ob der guten Lena nicht kalt wird mit 2 Löchern im Höschen?
Meine Geschichten:
Studentin unter Kontrolle
Auswanderin unter Kontrolle
Prinzessin Bella
Sklavin in Ostafrika (Auswanderin unter Kontrolle II)
die geheime Bondage-Cheerleader-Gruppe
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DarkO
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  RE: Die magische Wolle Datum:07.01.26 10:02 IP: gespeichert Moderator melden


Kontrolle

Der Hochschultag beginnt unspektakulär. Lena ist früh da, setzt sich wie immer nach vorne. Die Bewegungen ihres Körpers sind ruhig, eingespielt. Schal, Stulpen, das Höschen – alles ist da, alles sitzt. Es gibt kleine Umwege in ihren Abläufen, minimale Anpassungen. Aber sie denkt nicht darüber nach. Sie öffnet das Buch, nimmt den Stift, schreibt. Die Dinge geschehen, weil sie geschehen.

Zwischen zwei Vorlesungen stehen sie vor dem C-Gebäude der Hochschule Furtwangen auf der kleinen Brücke, die über die Breg führt, jede einen Becher in der Hand. Der Kaffee ist heiß, der Wind kühl, aber beides bleibt im Hintergrund.

Amélie lehnt sich locker neben ihr an die Balustrade, schlägt einen Fuß über den anderen. „Und?“, fragt sie, fast beiläufig. „Warst du gestern noch fleißig?“

Lena antwortet nicht sofort. Sie hebt den Becher, nimmt einen Schluck. Dann grinst sie nur.

Amélie sieht sie einen Moment an. Das reicht.

Der Nachmittag ist frei. Amélie fährt mit ihr mit, ohne großes Absprechen.

In Lenas Wohnung zieht sie die Jacke aus, stellt sich ans Fenster, lässt den Blick kurz durch den Raum wandern.

„Zeigst du‘s mir?“, fragt sie dann.

Lena nickt. Keine Erklärung. Sie öffnet die Jeans, zieht sie ein kleines Stück nach unten. Gerade so weit, dass das bunte A sichtbar wird. Rot, Gelb, Blau. Klar platziert.

Amélie lächelt. Nicht überrascht, nicht belustigt. Eher… zufrieden. Als hätte sie genau das erwartet.

„Ein ‚A‘ für Amélie? Das ist lieb.“

Lena antwortet mit einem Lächeln.

Amélie geht ein paar Schritte auf Lena zu.

„Ich würde mir deinen neuen Slip gerne genauer ansehen. Darf ich?“

„Sicher.“ Lena zieht ihre Jeans runter bis zu den Knien.

Einen halben Meter von Lena entfernt geht Amélie in die Hocke. „Sieht toll aus. Drehst du dich bitte mal?“

Lena dreht sich langsam einmal im Kreis. „Genug gesehen?“

„Ja. Danke. Auf die Toilette gehen kannst du damit also noch.“ Amélie erhebt sich wieder. Sie grinst. „Aber mehr ist wohl nicht drin.“

Lena zuckt mit den Schultern. „Das ist der Sinn, oder?“, erwidert sie amüsiert und zieht ihre Hose wieder hoch.

Sie stehen sich gegenüber, sagen eine Weile nichts. Dann nimmt Amélie Lenas Hände. Es ist eine beiläufige Geste, fast selbstverständlich. Ein kurzer Druck, wie man Dank oder Nähe zeigt, ohne Worte.

In diesem Moment spürt Lena es. Nicht Schmerz. Kein Ziehen. Sondern Widerstand.

Verwundert versucht sie, die Hände wieder auseinanderzubewegen. Es geht nicht.

Sie schaut hin. Die Armstulpen haften aneinander. Fest. Glatt. Als wären sie eins.

„Amélie“, sagt sie ruhig. „Meine Hände. Sie kleben irgendwie zusammen.“

Amélie blickt hin, runzelt kurz die Stirn. Ihre Finger gleiten langsam über die Armstulpen, untersuchen das Material, das Lenas Hände festhält. Ohne Zwischenraum.

Sie legt sie ihre Hände um Lenas Handgelenke und zieht sie auseinander. Ohne Mühe. Die Stulpen lösen sich sofort.

„Interessant“, sagt sie. Sie probiert es ein weiteres Mal, drückt Lenas Hände sanft aneinander. Wieder verbinden sich die Stulpen und scheinen eins zu werden.

Prüfend fährt sie erneut mit der Hand über die Wolle. Sie hebt die Augenbrauen.

„C’est chaud“, sagt sie leise.

Daraufhin trennt sie Lenas Armstulpen wieder voneinander.

Lena dreht die Arme, bewegt ihre Finger. Alles wie vorher. „Das ist neu.“

Amélie nickt langsam. „Vielleicht reagiert die Wolle auf Druck. Oder auf Nähe.“

Lena sieht ihr in die Augen. „Oder beides.“

„Und wie fühlt sich das für dich an?“

„Seltsam, aber nicht unheimlich.“

Sie setzen sich. Reden noch ein Wenig. Über das Garn, über das Gefühl, über Dinge, die sie nicht genau benennen können. Es ist kein Problem, das gelöst werden muss. Nur etwas, das jetzt da ist.

Lena lehnt sich zurück, atmet ruhig aus. Ihre Hände liegen in ihrem Schoß. Alles fühlt sich an wie zuvor. Und doch weiß sie jetzt: Das Material reagiert auf Berührung, auf das, was sie zulässt. Nicht eigenständig, nicht willkürlich – sondern nachvollziehbar. Es tut, wofür es gemacht ist. Und das fühlt sich richtig an, genau hier, genau jetzt.

Sie spürt, dass Kontrolle nicht bedeutet, alles zu bestimmen. Sondern Dinge zuzulassen.

--Fortsetzung folgt--

DarkO

[Edit]: Dieser Eintrag wurde zuletzt von DarkO am 07.01.26 um 13:18 geändert
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