Restriktive Foren
Das Forum für Keuschheitsgürtel, Fetisch & Bondage

HomeRegistrierenHilfeLogout
Willkommen Gast

Live Diskutieren in unseren KGforum-Chatraum(Rocketchat)
  Restriktive Foren
  Stories über Damen (Moderatoren: bluevelvet, Neuschreiber63)
  Verfluchte Magier!
Thema löschen Druckversion des Themas
Antwort schreiben Bei Antworten benachrichtigen
 Autor Eintrag
Neuschreiber63
Story-Writer

Deutschland




Beiträge: 1003

Geschlecht:
User ist offline
  RE: Verfluchte Magier! Datum:05.02.26 22:32 IP: gespeichert Moderator melden


Funde ich auch, auch wenn mir ein bisschen der Kopf schwirrt angesichts von so vielen Gottheiten
E-MailProfil anzeigenNachricht senden Nachricht kopieren Nachricht zitieren Nachricht �ndern Nachricht l�schen
DarkO
Story-Writer

Nürnberg




Beiträge: 271

Geschlecht:
User ist offline
  RE: Verfluchte Magier! Datum:31.03.26 17:45 IP: gespeichert Moderator melden


Liebe Leser,

wie ich schon an anderer Stelle geschrieben habe: Aufgrund von beruflichen und familiären Gründen bin ich in der letzten Zeit nur wenig zum Schreiben gekommen. Tut mir leid, wenn ihr deshalb länger auf eine Fortsetzung warten musstet. Aber hier ist sie. Also, viel Spaß beim Lesen!




Rotfels – Zweite Fortsetzung

Doros Wissens nach befand sich der größte und berühmteste Achagor-Tempel in Lurgesmund, der Hauptstadt des Reiches. Dort würde man ihr mit Sicherheit helfen können. Gleichzeitig bestand bei einem Besuch in einem Tempel des Achagor im Gegensatz zu dieser Akademie oben auf dem Hügel nicht das Risiko, dass man ihr etwas Schlimmes antat oder für noch nicht erbrachte Dienste utopische Geldbeträge von ihr einforderte.

Sie hatte einen Entschluss gefasst. Ihr Problem war jetzt nur: Wie kam sie in ihrer gegenwärtigen Aufmachung dorthin?

Plötzlich formte sich in ihrem Mund wieder der Holzpflock. „Gronkch!“ Erschrocken fragte sie sich, ob es sein konnte, dass dieser zwischendurch noch länger geworden war, seit sie ihn vorhin aus ihrem Mund entfernt hatte. Wieder riss sie das runde Holz aus seiner Halterung und warf es in dieselbe Richtung wie zuvor.

Anschließend überlegte sie weiter. Wären ihre Beine nicht gefesselt und verfügte sie über geeignetes Schuhwerk, würde sie die Strecke nach Lurgesmund zu Fuß in schätzungsweise eineinhalb Wochen zurücklegen. Mit den Holzpantoffeln und den Eisen an Händen und Füßen bräuchte sie unterwegs mehrere Pausen. Dadurch wäre sie locker mindestens doppelt so lange unterwegs.

Reiten wäre theoretisch auch eine Möglichkeit. Auf einem Pferd käme sie deutlich schnell vorwärts. Eventuell könnte sie hier in Rotfels sogar günstig eines erwerben. Jedoch befürchtete sie, dass der Inhalt ihres Geldbeutels noch nicht einmal für den Kauf eines altersschwachen Maultiers ausreichte. Wieder blickte sie betrübt zu Boden. Dabei stach ihr die kurze Kette zwischen ihren Unterschenkeln ins Auge. So gefesselt würde sie allenfalls seitlich auf dem Rücken eines Pferdes sitzen können. Der Plan, auf diese Art eine so weite Strecke zu reisen, erschien ihr alles andere als angenehm.

Sie musste weiter nachdenken. Früher hatte sie sich hin und wieder als Beschützerin für Fuhrleute verdingt, wenn sie eine weitere Strecke zurücklegen wollte. Das war in ihrem gefesselten Zustand wahrlich undenkbar.

Dann kam Doro noch eine Alternative in den Sinn: Eine Reise per Postkutsche. Diese waren schnell, komfortabel und sicher. Zudem käme sie dieses Transportmittel wesentlich günstiger, als der Erwerb und die anschließende Verpflegung eines Reittiers. Natürlich hatte aber auch diese Variante einen Nachteil, nämlich die anderen Mitreisenden, die sie aufgrund des vielen Stahls an ihrem Körper zweifellos die gesamte Fahrt über anstarren würden. Aber wie sollte sie diesen Leuten das verübeln. An deren Stelle würde es ihr selbst wohl auch schwerfallen, ihren Blick abzuwenden. Ihr blieb nichts Anderes übrig, als dieses vergleichsweise geringe Übel in Kauf zu nehmen. Jetzt musste sie nur noch hoffen, dass die paar wenigen Münzen, die sich noch in ihrem Geldbeutel befanden, für die Fahrt bis nach Lurgesmund ausreichten.

Damit stand ihre Entscheidung fest. Als Nächstes galt es in Erfahrung zu bringen, wann und wo in diesem Ort die nächste Postkutsche in Richtung Hauptstadt abfuhr. Sie erhob sich, klopfte den Dreck von der Hose, zog sich die Kapuze so weit es ging ins Gesicht und verließ die schmale Gasse, um sich auf die Suche nach der Poststation zu machen.

Sie bemühte sich, sich so leise und unauffällig wie möglich zu bewegen. Ihr Glück war, dass in dieser größeren Stadt viele Leute, die auf den Straßen unterwegs waren, den Eindruck vermittelten, mit sich selbst beschäftigt zu sein. Andere wandten ihren Blick in eine andere Richtung, sobald sie sie sahen. Zuversichtlich schritt Dorothea durch verschiedene Gassen, bis…

„Uäh-gronkch!“ Auf einmal steckte wieder ein dicker Holzstab in ihrem Mund Sie unterdrückte den aufkommenden Würgereiz, befühlte seine Struktur mit ihrer Zunge. Damit war klar: Es handelte sich hierbei nicht um dasselbe Stück Holz, welches sie vorhin in der kleinen Gasse von sich geschleudert hatte, sondern um ein neues, anderes. Wieder war der neue Pflock ein Stück länger als der vorherige.

In ihr kam ein Verdacht auf: Immer, wenn sie dieses widerliche Holzstück aus ihrem Mund herauszog, blieben ihr anschließend nur ein paar Minuten, um dieses wieder dorthin zurückzustecken. Tat sie das nicht, müsste sie daraufhin mit einem noch unangenehmeren Modell zurechtkommen.

Sie lief zurück in die Gasse, wo sie die letzten beiden Holzpflöcke weggeworfen hatte, hob diese auf und hielt sie prüfend aneinander. Tatsächlich, der eine war einen Finger länger als der andere. Dann zog sie den Pflock in ihrem Mund heraus und verglich die Länge mit den beiden anderen. Offenbar wuchs das Holz jedes Mal um exakt einen Finger.

Schockiert versuchte sie, sich den kürzesten der drei Holzstäbe in den Mund zu schieben. Aber sobald sie diesen losließ, glitt er heraus und fiel zu Boden. Der mittellange ebenso.

Notgedrungen musste sie den längsten der drei Stäbe wieder in den Ring in ihrem Mund einsetzen. Wenigstens blieb dieser danach stecken.



Kurze Zeit später betrat Dorothea einen Gemischtwarenladen. Der Verkäufer war gerade dabei, für einen anderen Kunden ein Stück Käse von einem großen Laib abzuschneiden und nahm von ihr daher keine Notiz. Sie stöberte durch die Regale. In einer mit Holzschwertern, Strohpuppen, Lederbällen und anderem Kinderspielzeug gefüllten Truhe fand sie schließlich eine kleine Schiefertafel mit einem dünnen Rahmen aus Holz. An ihrer Oberseite besaß sie einen Griff und an einer daran befestigten Schnur hing ein Stück Kreide. Das war genau das, wonach sie gesucht hatte.

Sie schrieb „GELUBDE AN TOGRACH“ auf die Tafel, lief damit zum Verkäufer und legte sie auf den Tresen, während der Käufer des Käsestücks soeben das Geschäft verließ.

Der Verkäufer musterte Doro argwöhnisch, vor allem ihre Eisen. Zumindest so lange, bis er die Worte auf der Tafel gelesen hatte. Umgehend verwandelte sich seine Mine in ein freundliches Lächeln. Er erklärte ihr, dass er für sie einen Sonderpreis machte, wo sie sich doch offensichtlich freiwillig die Fähigkeit zu sprechen genommen hatte, und nannte den entsprechenden Betrag.

Doro bezahlte. Sie wollte sich schon zum Gehen wenden, da kam ihr eine Idee. Sie kritzelte „Wo Poststation?“ auf die Rückseite der Tafel.

Nachdem der Kaufmann ihr den Weg beschrieben hatte, verließ sie zufrieden den Laden.



Dorothea musste die halbe Stadt durchqueren, um ihr Ziel zu erreichen. Das Laufen mit der kurzen schweren Kette zwischen ihren Fußgelenken war mühsam. Ungefähr auf halber Strecke brauchte sie eine Pause.

Vor einer Hauswand erblickte sie einen Stein, auf den sie sich setzte. Ihre Tafel legte sie daneben auf den Boden. Erschöpft beugte sie ihren Oberkörper nach vorne, stützte ihre Ellbogen auf den Knien ab, schloss die Augen und atmete mehrmals tief ein und aus.

Kurz darauf hörte sie vor sich ein Klimpern. Verwundert öffnete sie die Augen und entdeckte auf dem Boden vor ihren Füßen ein paar Kupfermünzen. Ein Mann stand vor ihr und lächelte sie einen kurzen Moment lang an. Dann ging er wortlos weiter.

„Das ist interessant“, dachte Doro und entschied, ein Bisschen länger sitzen zu bleiben.

Nach etwas mehr als einer halben Stunde fühlte sie sich sehr gut ausgeruht und war nebenbei um zusammengerechnet fast viereinhalb Silbertaler reicher geworden.

Mit einem stummen Kopfnicken bedankte sie sich bei den heiligen Sieben, verstaute die Münzen in ihrem Geldbeutel und stand auf. Anschließend setzte sie ihren Weg zur Poststation fort.

Als sie einmal das Gefühl hatte, sie wäre an einer Kreuzung falsch abgebogen, zeigte sie einer Frau, die gerade dabei war, einen Strohkorb auf einen Wagen zu laden, die Tafel. Zuerst die Seite mit der Aufschrift „GELUBDE AN TOGRACH“, dann die andere – „Wo Poststation?“

Die Frau bekundete ausführlich ihre Bewunderung für Doros Bereitschaft, für ihr Gelübde derlei Einschränkungen in Kauf zu nehmen und erklärte ihr ausführlich den Weg.

Bei der Post angekommen fand Dorothea mithilfe ihrer Schreibtafel schnell heraus, dass die nächste Kutsche nach Lurgesmund bereits am darauffolgenden Morgen abfuhr. Die Reise würde in Etwa vier Tage dauern, mit Zwischenstopps in drei Städten, die auf dem Weg lagen. Wenn sie mitfahren wollte, sollte sie sich spätestens eine Stunde nach Sonnenaufgang im Hof der Station einfinden und den Fahrpreis in Höhe von neun Silbertalern, wenn möglich passend, dabeihaben, wobei die Kosten für die Übernachtungen bereits darin enthalten waren. Für Gepäckstücke würden zusätzlich je nach Größe fünf Kupfer- bis zwei Silbertaler Transportgebühr anfallen.

Doro bedankte sich für die Auskunft. Vor der Poststation zählte sie die Münzen in ihrem Beutel. Für die Fahrt reichten diese zwar aus, aber sie brauchte ja auch noch Geld, um sich unterwegs etwas zu essen leisten zu können. Außerdem war ihre Kriegsaxt inzwischen zwar wieder fest geworden, jedoch war sie komplett stumpf. Sie müsste sie wohl mehrere Stunden mit ihrem Wetzstein bearbeiten, bevor die Waffe wieder im Kampf einsetzbar war. Obwohl Reisen per Postkutsche als sicher galt, würde sie sich wohler fühlen, wenn sie sich im Notfall verteidigen konnte. Es schien ihr angebracht, die Axt von einem Schmied schärfen zu lassen, was dieser bestimmt nicht ohne Bezahlung tun würde.

Zudem ging sie davon aus, dass man von ihr im Achagor-Tempel eine kleine Spende erwartete, bevor man ihr helfen würde. Also brauchte sie dringend noch ein paar Kupfermünzen mehr. Doch wie sollte sie an diese kommen? Stehlen kam auf keinen Fall infrage. Sie war keine Diebin! – Streng genommen war sie auch keine Bettlerin, aber da sie auf dem Rückweg zu ihrer Herberge ohnehin irgendwo einige Minuten würde verschnaufen müssen, kämen währenddessen mit etwas Glück und dem Willen der Götter nebenbei erneut ein paar Geldstücke zusammen.

Abermals schienen die Götter ihr hold zu sein. Während sie unterwegs zu ihrer Unterkunft auf einer Treppenstufe sitzend eine kurze Rast einlegte, sammelten sich etliche Kupferlinge vor ihr auf dem Boden. Sie schickte ein kurzes stilles Gebet an die Sieben und lief weiter.

Mit ihrer stumpfen Waffe am Gürtel und der Schreibtafel in der Hand ging Dorothea am späteren Nachmittag erneut zu dem Schmied, den sie bereits am Morgen aufgesucht hatte.

Dieser starrte sie einen Moment lang mit großen Augen und offenem Mund an, dann schüttelte er den Kopf. „Lugosch zum Gruße. So, wie Ihr ausseht, habt Ihr wohl nicht die Art Hilfe gefunden, die Ihr gesucht hattet.“ Er lachte.“ Ich nehme wohl an, dass Euer neuer Eisenschmuck ebenfalls magischen Ursprungs ist. Also fürchte ich, dass ich Euch auch davon nicht zu befreien vermag. Aber das hättet Ihr Euch eigentlich denken können.

Doro gab ein mürrisches Grunzen von sich, löste ihre Axt vom Gürtel und streckte dem Mann die Waffe hin.

Der Schmied begutachtete die Kriegsaxt kurz, dann sah Doro fragend an.

Um dem Schmied ihr Anliegen mitzuteilen, kritzelte sie „scharf machen bitte?“ auf ihre Schreibtafel.

„Ah ja. Wird erledigt. Wartet einen Moment“, erwiderte der Mann freundlich und machte sich ans Werk. Kurz darauf gab er Dorothea die Waffe zurück.

Nachdem sie sich mit einem knappen Kopfnicken dafür bedankt und die Axt wieder an ihrem Gürtel befestigt hatte, erkundigte sich Doro mit einer entsprechenden Handgeste, wie viel sie dem Schmied für seine Arbeit schuldete.

Daraufhin sagte dieser freundlich: „Ach, dafür müsst Ihr nichts bezahlen. Aber wenn Ihr so eine gute Waffe besitzt, dann braucht ihr doch mit Sicherheit auch eine ordentliche Rüstung. Also erwarte ich von Euch, dass Ihr zu mir kommt, damit ich Euch mit einer solchen ausstatten kann. Natürlich, sobald Ihr es irgendwie geschafft habt, Euch von den Eisenfesseln zu befreien.“

Doro schrieb „Versprochen!“ auf ihre Tafel, bedankte sich stumm und ging zufrieden zurück zu der Taverne, in der sie sich einquartiert hatte. Ihr Magen knurrte und sie freute sich auf eine Schale Eintopf. Das würde sie wohl auch trotz des Rings in ihrem Mund essen können. Wenn sie es lange genug darin einweichte, ginge dazu auch ein Stückchen Brot.

Später am Abend saß Dorothea satt und zufrieden auf dem Bett in ihrem Zimmer in der Herberge und dachte nach. In den zurückliegenden Stunden war zum Glück alles nach Plan verlaufen. Wenn sie an die Münzen dachte, die die Leute ihr gespendet hatte, sogar mehr als das. Genaugenommen hatte sie in der letzten Zeit nur selten Rückschläge verkraften müssen. Abgesehen von den unheilvollen Begegnungen mit diesen verfluchten Magiern natürlich. Alleine die Götter wussten, warum sie diese fürchterlichen Erfahrungen hatte machen müssen. Aber seit ihrem Besuch bei Friedlieb Fadenschein schienen die heiligen Sieben ihr tatsächlich gewogen zu sein. Immerhin befand sich in ihrem Beutel jetzt genügend Geld, sodass sie dazu in der Lage war, dem Achagor-Tempel in Lurgesmund eine ordentliche Summe zu spenden.

Einem inneren Impuls folgend rutschte Doro vom Bett herunter, senkte ihre Knie langsam auf den Boden und legte ihre Hände mit den Handflächen nach oben auf ihren Oberschenkeln ab. Diese Bewegungen wurden begleitet vom leisen Klirren und Scheppern ihrer Fesseln. An diese Geräusche hatte sich Doro inzwischen tatsächlich bereits gewöhnt. Doch in diesem Augenblick nahm sie sie bewusst wahr, spürte den leichten Druck der Eisenschellen an ihren Armen und Beinen, sowie den sanften Zug der Ketten, die diese verbanden. Das Metall an ihren Händen und Füßen, ebenso wie der Eisenkäfig auf ihrem Kopf, waren ein Teil ihres Körpers geworden, ebenso wie der Keuschheitsgürtel und die stählernen Schalen, die ihre Brüste umgaben. Mit ihrer Zunge betastete sie den Holzpflock in ihrem Mund.

Sie atmete tief ein. So tief, dass die feste Umklammerung des Stahls an ihrem Oberkörper schmerzte, und schloss die Augen. Dann ließ sie die Luft langsam wieder aus ihrer Lunge entweichen und fing an zu beten. – Sie vermochte zwar nicht, die Worte mit den Lippen zu formen, aber sie war überzeugt, dass die heiligen Sieben sie trotzdem deutlich vernehmen würden:



Ihr Sieben, die ihr alles seht, was ist – nicht nur, was gesagt wird, erhöret mein stummes Gebet!

Achagor, Herr des Lichts. Was mit mir getan wurde, das war nicht gerecht und keinesfalls rechtens. Dennoch ertrage ich es. – Nicht aus Zwang allein, sondern im Wissen darum. Wenn deine Ordnung noch gilt, dann richte darüber.

Tograch, der du über die Stille und das sichere Ende von allem wachst, erhöre, was ich nicht aussprechen kann. Ich habe es angenommen. Nicht als Bürde, sondern als Schwur. Solange dies hier an mir ist, bleibe ich gebunden, an mein Wort. Und es wird erst fallen, wenn auch der fällt, der es mir anlegte. – Seine Seele sei dein.

Nemorah, die du weißt, was verborgen ist. Lass nicht zu, dass falsches Wissen bestehen bleibt. Zeige all denen, die sehen können, was hier gewirkt wurde.

Xortam, Herr über das Wetter und den Krieg, verleihe mir sicheren Stand, wenn ich schwanke. Nicht nur im Kampf, sondern auch dann, wenn mir das Durchhalten schwerfällt.

Lugosch, der du Eisen formst und im Feuer prüfst, sieh dieses Werk an mir. Es wurde weder aus deiner Hand geboren, noch nach deinen Regeln geschmiedet. Erkenne den Fehler darin und hilf mir zu richten, was verdorben wurde.

Fribora, Hüterin des Lebens und der Liebe, bewahre in mir, was fühlt und nicht zerbrechen soll. Halte in mir, was noch ganz ist.

Gorena, du kennst alle Wege und wachst über die Reisenden. Lenke meine Schritte durch das fremde Land, das vor mir liegt. – Lass mich den Ort erreichen, an dem dies alles endet. Und halte das von mir fern, was mich davon abzubringen droht.

Ihr gütigen Sieben, ich bitte euch nicht um Erleichterung, sondern um Recht. Und um die Kraft, meine Fesseln bis zum Ende zu tragen.




Es folgten noch drei tiefe Atemzüge, bevor sie sich erhob, um gleich darauf zwischen die Felle auf ihrem Bett zu kriechen.

--Fortsetzung folgt--

DarkO

[Edit]: Dieser Eintrag wurde zuletzt von DarkO am 06.04.26 um 22:52 geändert
E-MailProfil anzeigenNachricht senden Nachricht kopieren Nachricht zitieren Nachricht �ndern Nachricht l�schen
BGlife
Freak

Sachsen




Beiträge: 113

Geschlecht:
User ist offline
  RE: Verfluchte Magier! Datum:01.04.26 12:48 IP: gespeichert Moderator melden


Tolle Fortsetzung, Danke.
E-MailProfil anzeigenNachricht senden Nachricht kopieren Nachricht zitieren Nachricht �ndern Nachricht l�schen
Thomas H
Fachmann





Beiträge: 48

Geschlecht:
User ist offline
  RE: Verfluchte Magier! Datum:06.04.26 09:59 IP: gespeichert Moderator melden


Vielen Dank für die Geschichte!

Das Fantasy-Setting gefällt mir sehr gut.

Ich bin schon gespannt, welche Abenteuer Doro noch erlebt und welche Entwicklung sie durchmachen wird.
E-MailProfil anzeigenNachricht senden Nachricht kopieren Nachricht zitieren Nachricht �ndern Nachricht l�schen
Oler
Einsteiger





Beiträge: 19

Geschlecht:
User ist offline
0  0  
  RE: Verfluchte Magier! Datum:06.04.26 21:06 IP: gespeichert Moderator melden


Tolle Story, gute Charakteren und gut zu lesen. Vielen Dank für die Fortsetzung!
E-MailProfil anzeigenNachricht senden Nachricht kopieren Nachricht zitieren Nachricht �ndern Nachricht l�schen
DarkO
Story-Writer

Nürnberg




Beiträge: 271

Geschlecht:
User ist offline
  RE: Verfluchte Magier! Datum:17.05.26 16:18 IP: gespeichert Moderator melden


Die Reise nach Lurgesmund

Der Morgen war noch grau, als Dorothea die Poststation erreichte. Etwas Feuchtigkeit hing in der Luft. Von den Stallungen drang das Schnauben eines Pferdes zu ihr, gepaart mit dem Scharren von Hufen.

Sie war vor der Einfahrt der Station stehengeblieben. Nicht, weil sie sich unsicher fühlte, sondern um ihren Körper und ihren Geist zu ordnen.

Die zurückliegende Nacht war schlimm gewesen. Zunächst hatte sie versucht, sich wie gewohnt auf die Seite zu legen – doch der Kopfkäfig hatte unangenehm gegen ihren Wangenknochen gedrückt. Zudem hatte der Pflock, der ihren Kiefer in eine leicht geöffnete Stellung zwang, bewirkt, dass ihr unentwegt Speichel aus dem Mund rann. Ein ekeliges Gefühl. Beim Liegen auf dem Rücken lastete das Gewicht ihrer Handfesseln unangenehm auf dem Bauch. Zudem hatten die Ketten an Armen und Beinen jede kleine Bewegung behindert. Mehrmals hatte sie sich mühsam hin- und hergedreht, um eine halbwegs bequeme Schlafposition zu finden, und irgendwann einfach aufgegeben.

Jetzt fühlte sich Doros Nacken steif an, ihre Schultern verspannt.

„Offenbar ist es der Wille der heiligen Sieben, dass du diese Eisen trägst. Also musst du eben lernen, damit zurechtzukommen“, sagte sie zu sich selbst und ging weiter.

Auf der gegenüberliegenden Seite des Hofes schwangen die beiden großen Torflügel auf und ein braunhaariger Knecht mit dichtem Vollbart führte zwei Pferde in den Hof, die eine gelbe Kutsche zogen. Ein großes schwarzes Horn zierte deren Tür. Darunter prangten drei rote Buchstaben: D, H und L. Doro fragte sich unwillkürlich, wofür sie standen. Ein niedriges schwarzes Eisengitter umgab das Dach, auf dem einige Holzkisten und mehrere aus grobem Hanf gewebte Säcke festgezurrt lagen.

Der bärtige Mann lief prüfend einmal um das Gespann herum. Er fluchte leise, während er bei einem der Pferde eine Lederschnalle nachzog.

Kurz darauf wurde in der linken Hauswand eine Tür geöffnet. Mit einer Wachstafel in der Hand trat ein grauhaariger Herr ins Freie und blickte sich um. Aufgrund seiner Uniform musste es sich um den Postmeister handeln. Als er Dorothea näherkommen sah, erstarrte er kaum merklich.

Gleich nach dem Erstarren kam das Starren. Zuerst starrte er auf ihren Kopf. Oder eher auf den Käfig, der diesen umgab. Dann wanderten seine Augen langsam an ihrem Körper hinab, blieben kurz an den gefesselten Unterarmen hängen. Als er schließlich bei der Kette zwischen ihren Füßen angekommen war, zuckte er mit den Schultern und schüttelte den Kopf. Mit einer knappen Geste bedeutete er ihr, stehenzubleiben. Dabei sah er sie auffordernd an.

Sie fragte sich, ob die Aufmerksamkeit des Alten wohl so sehr auf das Metall an ihrem Körper fixiert war, dass er die Person, die es trug, überhaupt nicht wahrnahm. Sie zog ruhig ihre Holztafel hervor.

„Gelübde an Tograch“, las der Postmeister laut. Leicht misstrauisch verzog er den Mund. „Na, wenn Ihr meint.“

Ohne auf den Kommentar zu reagieren, löste sie die Lederschnur ihres Geldbeutels, kramte die erforderlichen Münzen heraus und reichte sie ihm.

Er zählte das Geld nach, bevor er es in seine Jackentasche beförderte.

„Gut. Name?“

Doro schrieb ihn auf die Rückseite ihrer Tafel.

„Dorothea Tannenberg.“ Langsam den Namen aussprechend, übertrug der Postmeister ihn auf seine Wachstafel.

Anschließend betrachtete er abermals ausgiebig ihren außergewöhnlichen Eisenschmuck, bevor er sie endlich durchwinkte und links auf eine schmale Bank deutete.



Nach und nach trafen die Mitreisenden ein.

Als Erstes kam ein Händler namens Alrik Brenner – rundlich, mit wettergegerbtem Gesicht und einem langen, spitzen Bart, der nach Gewürzen roch.

Er schleppte zwei schwere, eisenbeschlagene Holzkisten, deren Deckel mit dunklem Wachs versiegelt waren. An den Kanten klebten kleine Stoffstreifen, beschriftet mit hastigen Zeichen – vermutlich handelte es sich dabei um Inhaltsangaben. Als er eine der Kisten abstellte, entwich ein feiner Duft, der sich sofort in der kalten Morgenluft ausbreitete: Zimt, Mondanis, Nelken – und etwas Scharfes, das in den Augen brannte. Das konnte Koboldpfeffer sein.

„Vorsicht damit!“, rief er einem Burschen zu, der herbeigeilt war. „Das ist mehr wert als dein ganzer Stall! Und vermutlich auch als du!“

Der Junge nickte hastig und murmelte ein paar unverständliche Worte.

Der Händler strich prüfend über die Versiegelung, hob eine Kiste leicht an, als wolle er ihr Gewicht bestätigen.

Dorothea bemerkte er erst, als er sich wieder aufrichtete.

Wie erwartet verharrte sein Blick einen Moment lang auf ihr. So lang, dass es ihr von Sekunde zu Sekunde unangenehmer wurde. Irgendwann schien er Doros Tafel zu lesen. Geräuschvoll stieß er etwas Luft aus. „Na, meinetwegen. Solange Ihr meine Ware nicht anrührt.“

Der Nächste war Tovin Hark, offensichtlich ein Soldat. Sein Waffenrock war abgetragen, aber sauber geflickt. Er trug kein Wappen, keine Farben. Die Kleidung war einzig auf Zweckmäßigkeit ausgelegt. An seiner Seite hing kein prunkvolles Schwert, sondern ein schlichtes Kurzschwert in einer ebenso schlichten dunkelbraunen Lederscheide. Auf der Schulter hatte er einen kurzen Speer, dessen Holz an den Griffstellen glatt und dunkel war, vom jahrelangen Gebrauch poliert. Während er sich der Bank näherte, hallte der Klang seiner strammen Schritte von den umliegenden Wänden wider.

Seine Aufmerksamkeit fiel auf Dorothea und blieb dort haften. Aber nicht aus Verwirrung oder Verwunderung, sondern schlicht bewertend. Als versuchte er, etwas einschätzen, das er noch nicht ganz verstand. Dann nickte er einmal und nahm neben ihr Platz.

Es folgte eine junge Frau in edlen Gewändern, die sich dem Postmeister gegenüber als ‚Liriel von Eichenhain‘ vorstellte. Ihr Kleid war schlicht geschnitten, aber mit aufwendigen Ornamenten verziert und aus feinem Stoff, sauber, kaum abgenutzt. Ihre Hände waren gepflegt, ihre Haltung aufrecht. Sie wirkte, als gehöre sie nicht hierher – und wusste es.

Als sie Dorothea sah, stockte sie kurz, ein kaum sichtbares Zögern. Dann wich sie ein Stück zur Seite, setzte sich bewusst auf die gegenüberliegende Bank. So weit weg wie möglich.

‚Merten Kahl‘ lautete der Name des jungen Mannes, der danach vor den Postmeister trat. Er mochte kaum älter sein als Doro, vermutlich sogar eher drei Jahre jünger. Auf Doro wirkte er neugierig und aufgeschlossen, vielleicht auch ein wenig unbeholfen. Jedenfalls bestätigte das schiefe Lächeln, zu dem sich sein Mund verzog, als sie seinen offenen, leicht unsicheren Blick erwiderte, diesen Eindruck.

Schließlich erschien noch Schwester Ysara. Sie war still und unauffällig, dennoch selbstbewusst. Auch sie blieb einen Moment vor der Bank stehen, sowie sie Dorothea bemerkt hatte. Allerdings weder erschrocken noch angewidert – einfach nur aufmerksam. „Nemorah zum Gruße“, sagte sie freundlich.

Dorothea bemerkte, wie Ysaras Augen auf ihr verweilten, ruhig und fest. Zu fest. Sofort wandte sie den eigenen Blick ab. Gleichzeitig regte sich erneut dieses Ziehen in ihrem Magen. Anders als bei den übrigen Mitreisenden löste es jedoch weder Beklemmung noch Abwehr aus. Stattdessen strömte eine seltsame Wärme durch ihren Körper. Für einen flüchtigen Moment schien der beständige Druck des Metalls auf ihrer Haut nachzulassen.

Derselbe Junge, den Alrik zuvor angeherrscht hatte, schob kurz darauf einen niedrigen Holzkarren über den Hof. Die Räder rumpelten über das Pflaster, während er mit erstaunlich ernster Miene rief: „Gepäck für oben! Alles, was zu groß für die Kabine ist!“

Kaum hatte er das ausgesprochen, drückte Liriel ihre große Reisetasche etwas fester an sich. Das dunkle Leder war sauber gearbeitet und wirkte beinahe zu fein für eine gewöhnliche Postreise. Offenbar stand für sie außer Frage, dass die Tasche selbstverständlich mit ins Wageninnere kommen würde.

Der Junge blieb vor ihr stehen. Unsicher deutete er auf das Gepäckstück.

„Ähm… gnädige Frau? Die müsste wohl nach oben.“

Liriel richtete sich ein wenig auf und blinzelte irritiert.

„Wie bitte?“

„Eure Tasche ist zu groß für die Kabine“, erklärte der Junge vorsichtig. „Die kommt aufs Dach.“

Für einen Moment sah Liriel ihn an, als hätte er vorgeschlagen, ihre Kleidung künftig im Pferdestall aufzubewahren. Ihr Blick glitt kurz zur Kutsche hinauf, wo bereits Hanfsäcke und Alriks Kisten lagen.

„Das kommt überhaupt nicht infrage“, entgegnete sie kühl. „Darin befinden sich Kleidungsstücke, die ich während der Reise benötigen werde.“

Nervös verlagerte der Junge sein Gewicht von einem Fuß auf den anderen und warf einen hilfesuchenden Blick zum Postmeister hinüber.

Der grauhaarige Mann hob den Blick von seiner Wachstafel und verzog leicht den Mund. Offenbar führte er diese Unterhaltung nicht zum ersten Mal.

„Zu großes Gepäck muss aufs Dach“, sagte er trocken. „Und für Eure Tasche fallen zwei Silbertaler Transportgebühr an.“

Liriels Stirn legte sich in Falten.

„Was? Zwei Silbertaler? Zusätzlich zum Fahrpreis?“, fragte sie entrüstet.

Der Postmeister zog die buschigen grauen Brauen zusammen und sah sie grimmig an.

„Ja“, erwiderte er barsch. „Zusätzlich.“

Für einen Augenblick wirkte Liriel, als wolle sie widersprechen. Dann öffnete sie mit widerstrebender Miene ihren Geldbeutel, suchte zwei Silbermünzen heraus und legte sie dem Jungen in die Hand. So als beginge sie gerade eine kleine persönliche Demütigung.

„Dann sorgt wenigstens dafür, dass ordentlich damit umgegangen wird“, sagte sie kühl, ehe sie das Gepäckstück freigab.

Kaum war Liriels Tasche auf dem Holzkarren abgestellt, trat Alrik zu dem Jungen und deutete mit ausgestrecktem Finger auf seine beiden eisenbeschlagenen Kisten.

„Und bei denen passt du gefälligst doppelt gut auf!“

„Das kostet vier Silbertaler“, sagte der Junge, diesmal etwas sicherer.

„Ja, ja, schon gut. Ich kenn den Tanz.“ Alrik ließ die Münzen in die Hand des Jungen fallen und legte noch einige Kupferstücke obendrauf. „Die hier sind dafür, dass du die Kisten nicht fallen lässt, nicht schief stellst und schon gar nichts Schweres draufpackst. Und wehe, ich riech nachher zerdrückten Mondanis oder verschütteten Koboldpfeffer!“

Der Bursche nickte hastig. Wenig später wurden die Kisten mit auffälliger Vorsicht auf das Dach gehievt und zwischen Säcken und anderem Gepäck festgezurrt, während Alrik das ganze Geschehen mit verschränkten Armen überwachte, als rechne er jeden Moment mit einer Katastrophe.

Als oben endlich alles seinen Platz gefunden hatte und unter einer gewachsten Plane gegen Nässe und Schmutz geschützt war, kletterte der Kutscher auf den Bock. Er blies zweimal kurz in sein Horn und rief: „Für die Fahrt nach Lurgesmund – über Schwarzenbrück, Falkenwacht und Silberquell – alles einsteigen!“

Liriel war die erste, die im Inneren der Kutsche Platz nahm. Natürlich erst, nachdem der Knecht zu ihr geeilt war und die Tür aufgehalten hatte. Danach stieg die andere Frau ein, Ysara. Der Gewürzhändler namens Alrik war der Nächste, gefolgt von dem Soldaten und dem jungen Mann, der so unbeholfen wirkte. Tovin und irgendwas mit ‚M‘.

Doro trat als Letzte an die Kutsche heran, den kleinen Rucksack über die linke Schulter gelegt. Doch als sie einen Fuß auf die kleine Trittstufe vor deren Tür setzen wollte, stellte sie fest, dass sie ihre Bewegungen wegen der Fesseln sorgfältig planen musste, bevor sie überhaupt den ersten Schritt hinaufsetzen konnte. Sie ging den Ablauf Schritt für Schritt im Kopf durch.

Ganz langsam. Linker Fuß auf die Stufe. Mit beiden Händen am Türrahmen festhalten –

Stopp. Moment. Mit den verbundenen Handgelenken klappte das so natürlich nicht.

Dann eben anders. Linke Hand an den Rahmen, die rechte nach innen. Gewicht verlagern. Rechten Fuß hochheben. Im Wageninneren abstellen. Bloß darauf achten, dass die Beinkette nirgendwo hängen bleibt.

Bedacht ließ Doro sich auf der freien Stelle nieder. Ihren kleinen Rucksack schob sie mit der Ferse unter die Bank. Sowie ihr Gewicht ganz auf der harten Sitzfläche ruhte, drückte der Keuschheitsgürtel — gewohnt unangenehm — gegen ihre unteren Rippen. Für kurze Zeit konnte sie das Gefühl freilich ignorieren. Allerdings würde sie bis zum ersten Zwischenhalt einige Stunden auf dieser Holzbank verbringen. Hinzu kam, dass die Enge der Kutsche kaum Möglichkeiten bot, die Sitzhaltung zu verändern. Das versprach, unerquicklich zu werden.

Sie zog den Kapuzenumhang von den Schultern, faltete ihn zusammen und legte ihn unter sich. Das machte die Sache etwas angenehmer.

Der Postmeister schloss von außen die Tür. Kurz darauf klopfte er zweimal mit der flachen Hand gegen das Holz der Kutsche.

„Hü!“

Unmittelbar danach folgte das leise Schnalzen der Zügel. Mit einem Ruck setzte sich die Kutsche in Bewegung. Holz knarzte, Räder rumpelten über das Pflaster, und für einen Moment schwankte das ganze Gefährt leicht zur Seite.

Dorothea lehnte sich zurück. Die Reise hatte begonnen. Jeder Hufschlag brachte sie ihrer Befreiung ein Stückchen näher.

Zunächst rumpelte das Gespann nur langsam durch die engen Gassen von Rotfels, bog einmal nach rechts ab, wenig später nach links. An einer Stelle mussten sie kurz anhalten, weil ein schwer beladenes Fuhrwerk den Weg versperrte.

Schließlich passierten sie das Stadttor. Dahinter wurde die Straße breiter. Als der Fahrer daraufhin den Zügeln mehr Raum gab, schien die Kutsche regelrecht einen Satz vorwärts zu machen.

Der heftige Ruck kam unerwartet, ließ ihren Kopf nach hinten kippen, ehe sie den Nacken anspannen konnte. Mit einem dumpfen ‚Tock‘ stieß ihr Kopfkäfig gegen die Rückwand der Kutsche.

Vor Schmerz verzog Doro leicht das Gesicht und ihr entfuhr ein kaum hörbares Stöhnen.

Sie richtete sich auf, beugte den Oberkörper nach vorn, stützte die Ellenbogen auf den Knien ab und legte das Kinn in die Hände. Bequem war sicherlich anders, doch mit diesem verfluchten Magierstahl am Körper wurde jede Haltung früher oder später unangenehm. Sie atmete einmal tief durch.

Der junge Mann ihr gegenüber sah sie erneut auf diese eigenartige Weise an. Wenn sie sich richtig erinnerte, lautete sein Name Merten. Sein Blick dauerte zwar immer nur kurz, doch das reichte bereits aus, um ihr lästig zu werden. Noch schlimmer war, dass er es immer wieder tat.

Was glotzt der denn ständig so komisch?, fragte sie sich genervt. Sie hatte sich inzwischen schließlich auch daran gewöhnt, mehrere Unzen Stahl mit sich herumzuschleppen. Warum schaffte der Kerl das nicht? Obwohl sie bereits am Vortag geahnt hatte, dass es passieren würde, hatte sie das ständige Gestarre irgendwann satt. Dorothea drehte den Oberkörper ein Stück zur Seite und blickte durch das kleine Fenster nach draußen.

Der Morgen war klar und überraschend mild. Die Sonne stand bereits höher über den Feldern, auf denen hier und da schon Bauern bei der Arbeit waren. Einige Blumen hatten ihre Blüten längst geöffnet, während über den Wäldern in der Ferne stellenweise noch Nebel hing.

Doro atmete mehrfach tief durch, genoss die frische Frühlingsluft.

„Also“, begann Alrik nach einer Weile und rieb sich geräuschvoll die Hände, „ich sage Euch: Wenn der Preis für Zimt noch weiter steigt, dann wird man damit bald mehr verdienen als in einer Silbermine.“

Tovin schnaubte verächtlich. „Und genau dann kommen die Räuber.“

„Dann bezahlt man eben Leute, die auf die Ware aufpassen.“

„Ha! Am Ende kosten die mehr, als der Gewinn ausmacht.“

Alrik winkte ab. „Ach was. Wer ordentlich handelt, denkt an so etwas selbstverständlich vorher.“

„Wer ordentlich handelt“, brummte Tovin und spreizte die Hände, „sitzt vermutlich auch nicht mit seinem halben Hausstand auf einer Postkutsche.“

Alrik lehnte sich zurück und grinste nur. „Neid steht Euch nicht, mein Freund.“

„Ich bin nicht Euer Freund.“

„Noch nicht.“



Das Gespräch zwischen dem Gewürzhändler und dem Soldaten ebbte nie ganz ab. Während Alrik ausschweifend von weit entfernten Handelsrouten, schwankenden Preisen oder besonders einträglichen Geschäften erzählte, ließ sich Tovin immer wieder mal zu einer trockenen Bemerkung hinreißen – eine von diesen Sticheleien fand Doro sogar so komisch, dass sie sich beinahe an ihrer eigenen Spucke verschluckt hätte.

Liriel beteiligte sich kaum. Meist blickte sie schweigend aus dem Fenster oder lauschte den Gesprächen mit nur dürftig kaschiertem Desinteresse. Ysara sagte sogar noch weniger. Dennoch fiel Doro auf, dass die junge Frau sie hin und wieder ansah — nicht auf dieselbe seltsame Weise wie Merten, sondern eher prüfend. Fast so, als versuchte sie, sich einen Reim auf sie zu machen.

Die Zeit verging nur langsam. Keine Sitzposition blieb auf Dauer wirklich bequem, weshalb Doro ihre Haltung häufig verändern musste. Mal lehnte sie sich etwas zurück, bis das Metall an ihrem Oberkörper wieder unangenehm drückte. Dann saß sie erneut nach vorn gebeugt, stützte die Ellenbogen auf den Knien ab oder verlagerte das Gewicht leicht zur Seite — solange, bis eines der übrigen Stücke Magierstahl in der neuen Position unangenehm zu drücken begann.

Gelegentlich wanderte ihr Blick nach draußen. Sie sah Felder und Waldstücke vorbeiziehen, dazwischen kleine Dörfer oder vereinzelte Höfe. Manchmal standen Bauern am Straßenrand, die bei ihrer Arbeit kurz innehielten und der vorbeifahrenden Kutsche hinterherblickten. Ab und an begegnete ihnen ein Wagen oder ein Reiter.



Irgendwann bemerkte sie, dass die Kutsche langsamer wurde. Das gleichmäßige Rumpeln ließ nach, zunächst kaum spürbar, dann deutlicher. Sie wandte den Kopf zum Fenster. Vor ihnen lag eine Kreuzung, an der sich zwei Landstraßen trafen. Dahinter stand ein Wirtshaus, daneben ein Brunnen und mehrere hölzerne Pferdetränken. Ein schwer beladener Wagen rollte vor ihnen gemächlich nach rechts davon.

Dorothea hoffte inständig, dass der Kutscher die Pferde nicht bloß seinetwegen langsamer werden ließ. Nach mehreren Stunden auf der harten Bank fühlte sich inzwischen alles an ihr unerquicklich an.

Wenige Augenblicke später hielt die Kutsche tatsächlich vor dem Wirtshaus. Draußen erklang das vertraute Geräusch von Schritten, dann öffnete sich die Tür.

--Fortsetzung folgt--

DarkO

[Edit]: Dieser Eintrag wurde zuletzt von DarkO am 18.05.26 um 08:47 geändert
E-MailProfil anzeigenNachricht senden Nachricht kopieren Nachricht zitieren Nachricht �ndern Nachricht l�schen
Thomas H
Fachmann





Beiträge: 48

Geschlecht:
User ist offline
  RE: Verfluchte Magier! Datum:17.05.26 22:13 IP: gespeichert Moderator melden


Danke, dass die Geschichte weiter geht!
E-MailProfil anzeigenNachricht senden Nachricht kopieren Nachricht zitieren Nachricht �ndern Nachricht l�schen
DarkO
Story-Writer

Nürnberg




Beiträge: 271

Geschlecht:
User ist offline
  RE: Verfluchte Magier! Datum:13.10.26 21:01 IP: gespeichert Moderator melden


Die Reise nach Lurgesmund – Fortsetzung

„Zwei Stunden Rast“, verkündete der Kutscher. „Die Pferde brauchen Wasser und Ruhe. Seht zu, dass Ihr rechtzeitig wieder hier seid.“

Zu ihrer eigenen Überraschung schaffte Doro es beinahe mühelos, aus der Kutsche zu steigen. Vermutlich lag es einfach daran, dass ihr Körper jede Gelegenheit dankbar annahm, sich endlich wieder bewegen zu dürfen.

Gemeinsam mit den anderen betrat sie das Wirtshaus. Drinnen roch es nach Eintopf, frischem Brot und Rauch. Alrik hatte kaum Platz genommen, da verwickelte er bereits den erstbesten Menschen in ein Gespräch. Tovin blieb draußen bei der Kutsche zurück. Liriel schien allein die Anwesenheit anderer Gäste schon anstrengend zu finden.

Doro konzentrierte sich lieber auf das Essen. Wenigstens konnte sie jetzt diesen schrecklichen Holzpflock aus ihrem Mund ziehen — wenn auch nur kurzzeitig. Während der Fahrt hatte sie ihn lieber drin gelassen, obwohl es sicherlich angenehmer gewesen wäre, ihn zwischendurch einmal herauszunehmen. Aber dann hätten sich die anderen vermutlich gefragt, warum sie ihn kurz darauf wieder hineinsteckte, wenn er sie doch offensichtlich störte. Bestimmt erschien sie ihnen ohnehin schon sonderbar genug. Das alles mit ihrer Schreibtafel zu erklären, wäre wohl viel zu umständlich gewesen.

Immerhin war der Eintopf flüssig genug, sodass Dorothea ihn problemlos herunterschlucken konnte. Viel mehr als kleine Schlucke waren wegen des großen Rings zwischen ihrem Ober- und Unterkiefer nicht möglich, doch das störte sie wenig. Hauptsache warmes Essen.

Sowie sie fertig war, steckte sie den Pflock notgedrungen wieder in den Mund. Erst jetzt bemerkte Doro, dass Ysara ihr von der anderen Seite des Tisches aus hin und wieder einen Blick zuwarf. Sie blickte nicht aufdringlich oder fragend zu ihr hinüber, sondern eher nachdenklich. Fast so, als beschäftigte die junge Frau etwas, das über den Anblick des ganzen Eisens an ihrem Körper hinausging.

Als sich ihre Blicke schließlich kurz trafen, lächelte Ysara vorsichtig. „Verzeiht“, sagte sie leise. „Ich würde mir gern ein wenig die Beine vertreten. Hättet Ihr vielleicht Lust, mich ein Stück zu begleiten?“

Dorothea gefiel der Vorschlag. Sie nickte zweimal.

Ysara erledigte noch rasch die Bezahlung bei der Schankmaid — offenbar gleich für sie beide, wie Dorothea erleichtert feststellte. Dagegen hatte sie nicht das Geringste einzuwenden. Währenddessen zog sie den Pflock noch einmal aus dem Mund. Der Krug Bier war inzwischen fast leer. Rasch trank sie die letzten Schlucke aus, ehe sie den Pflock zurück in den Mund steckte.

Nachdem sie das Wirtshaus verlassen hatten, deutete Doro mit einer kurzen Handbewegung in Richtung des Hinterhofs und machte dabei: „Hmmmpf.“

Ysara brauchte einen Moment, verstand dann jedoch glücklicherweise schnell ihr Anliegen und lachte kurz. „Gute Idee“, sagte sie. „Ich muss auch mal.“



Hinter dem Wirtshaus führte ein schmaler Trampelpfad zwischen einigen Sträuchern hindurch in Richtung des nahegelegenen Waldes. Während von der Straße noch Stimmen und das Schnauben der Pferde herüberdrangen, wurde es dort schnell ruhiger.

Eine Weile lang gingen sie still nebeneinander her. Nur das beständige Rasseln von Doros Ketten begleitete jeden einzelnen ihrer Schritte. Nach einem Räuspern begann Ysara das Gespräch: „Ich habe mich Euch noch gar nicht richtig vorgestellt“, sagte sie. „Ich bin Schwester Ysara, vom Orden des obsidianischen Auges. Unser Kloster liegt unweit von Silberquell. Vermutlich habt Ihr bis jetzt noch nie etwas von uns gehört.“ Sie schwieg für einen Moment, so als überlege sie, wie sie weitersprechen sollte.

Als Doro nicht reagierte, erklärte sie schließlich: „Mein Orden beschäftigt sich in erster Linie mit verborgenem Wissen. Mit alter Magie, merkwürdigen Artefakten und manchmal auch mit… weniger erfreulichen Dingen. Mit solchen Dingen, die man lieber verschlossen halten sollte, um Schaden zu verhindern.“

Sowie Doro das Wort ‚Magie‘ aus Ysaras Mund vernommen hatte, versteifte sich unwillkürlich ihr gesamter Körper. Lief sie etwa gerade neben einer verfluchten Magierin her? Und in der Kutsche, hatten sie dort nicht die ganze Zeit direkt nebeneinander gesessen? Ein kalter Schauer lief ihr über Nacken und Arme. Der schmale Pfad ließ es leider kaum zu, unauffällig Abstand zu gewinnen. Also verlangsamte sie stattdessen ein wenig ihre Schritte.

Ysara bemerkte die Veränderung beinahe sofort. Einen Augenblick lang schien sie abermals nach den richtigen Worten zu suchen. „Bitte verzeiht. Ich wollte Euch nicht erschrecken.“

Die beiden Frauen blieben stehen. Ysaras Blick glitt kurz über die Fesseln an Doros Armen.

„Das Eisen an Euch. Ich denke, ein skrupelloser Zauberer hat Euch das angetan“, sagte sie leise. Es war keine Frage, eher eine Feststellung. „Bitte sorgt Euch nicht. Ich kann keine Magie wirken.“

Einen Moment musterte Doro Ysara schweigend. Dann zog sie ihre Schreibtafel hervor und schrieb zwei knappe Sätze darauf: „Ihr denkt, die Ketten seien schlimm? Ihr kennt noch nicht alles.“ Noch bevor Ysara etwas erwidern konnte, deutete Doro zunächst auf ihren Oberkörper, anschließend ein Stück tiefer.

Ysara musterte Doros Kleidung für einen Moment. Sie hob überrascht die Augenbrauen. „Da ist noch mehr?“

Als Ysara leicht den Kopf wandte, glitt ein Sonnenstrahl über das Silberdiadem auf ihrer Stirn und ließ den dunklen Stein in dessen Mitte für einen flüchtigen Augenblick im Licht schimmern. Fast wirkte es, als besäße er mehr Tiefe, als ein gewöhnlicher Edelstein besitzen sollte — tief genug, dass Doro glaubte, etwas sehe daraus zurück.

Doro nickte. Erst klopfte sie gegen ihre Brust. ‚Tock. Tock.‘ Dann gegen ihre Taille. ‚Tock.‘

Ysaras Augen wurden noch ein gutes Stück größer. „Um Nemorahs Willen!“, rief sie erschrocken. Gleich darauf hob sie die Hand an den Mund und sagte deutlich leiser: „Oh. Bitte verzeiht. Aber ich beginne endlich zu verstehen.“ Die Ordensschwester ließ den überraschten Ausdruck langsam sinken. Stattdessen lag nun etwas anderes in ihrem Gesicht — Nachdenklichkeit, gepaart mit einer seltsamen Form von Gewissheit. Fast wirkte es, als hätten sich in ihrem Kopf plötzlich mehrere lose Fäden miteinander verknüpft. Sie blinzelte und führte eine Hand an das Silberdiadem auf ihrer Stirn. Ihre Fingerspitzen strichen kurz über den dunklen Stein in dessen Mitte.

„Das obsidianische Auge unseres Ordens ist nicht bloß Schmuck“, erklärte sie leise. „Es hilft uns, Dinge wahrzunehmen, die sich dem gewöhnlichen Betrachter entziehen. Düstere, verborgene Magie. Verdorbene Strukturen, Dinge, die nicht so sind, wie sie sein sollten.“

Ja. Dinge wie dieser verfluchte Stahl an mir. Der sollte da nicht sein.

Nach einer kurzen Pause fuhr Ysara fort: „Bereits an der Poststation in Rotfels hatte ich ein seltsames Gefühl, als ich Euch sah“, erklärte sie und schüttelte leicht den Kopf. „Jetzt weiß ich, dass dieses nicht direkt Euch galt. Es war wegen all des Eisens an Eurem Körper. Vor allem dem unsichtbaren.“ Ihr Blick glitt kurz zu Doros gefesselten Händen.

„Und vorhin in der Kutsche, als Ihr Euch anders hingesetzt habt und dieses Eisen an Eurem rechten Handgelenk dabei kurz meine Hand streifte, wurde dieses Gefühl plötzlich noch viel deutlicher.“ Unwillkürlich rieb sie sich über den rechten Unterarm. „Es fühlte sich beinahe an wie kleine Stiche. Nicht schmerzhaft. Eher wie eine Warnung.“

Nun deutete sie erst auf Doros Oberkörper, dann etwas tiefer. Auf die Stellen, an denen beim Draufklopfen dieses dumpfe ‚Tock‘ ertönt war. „Jetzt verstehe ich, weshalb.“ Ihre Stimme wurde noch eine Spur leiser. „Skrupellose Zauberer haben verbotene Magie gegen Euch eingesetzt.“

Ja, schönen Dank, Schwester Obsidianauge. Dass mein Leben komplett kaputtmagisiert wurde, ist mir bereits aufgefallen. Die wichtigere Frage wäre, ob Ihr mir dabei helfen könnt, diesen ganzen Stahl wieder loszuwerden.

Ysara spreizte die Hände. „Falls ich mich nicht täusche… kam Euer Gelübde erst danach.“

Doro musterte Ysara einen Moment lang mit unverhohlen finsterer Miene. Dann zog sie ihre kleine Schreibtafel hervor und schrieb mit etwas kräftigeren Kreidestrichen als nötig gewesen wäre: „Könnt Ihr das nur sehen oder auch was dagegen tun?“

Ysara las die Zeilen und hob den Blick dann wieder zu Doro. Sie wirkte nicht gekränkt, sondern nur nachdenklich. „Alleine sicherlich nicht“, gestand sie offen. „Aber ich kenne Menschen, die sich mit solcher Magie entschieden besser auskennen als ich.“

Doro zögerte keine Sekunde. Kaum hatte Ysara ausgesprochen, zog sie die Schreibtafel erneut hervor und schrieb: „Ich wollte zum Achagor-Tempel. Wisst Ihr etwas Besseres?“

Nachdem sie das gelesen hatte, wirkte Ysara ernsthaft beeindruckt. Dann begann sie, zaghaft zu lächeln. „Nein, etwas Besseres fällt mir gerade nicht ein.“ Ihr Lächeln wurde etwas breiter. „Aber ich biete Euch zur Unterstützung ein paar zusätzliche Augen und etliches Wissen über verbotene Magie und verdorbene Artefakte an.“

Ysara schloss für einen Moment die Augen. Als sie sie wieder öffnete, nickte sie knapp. Für einen Augenblick verlor sie ihre sonstige Zurückhaltung und grinste unverhohlen. „Womöglich sind wir heute Morgen nicht ohne Grund gemeinsam in diese Kutsche gestiegen.“

Ihr Blick wanderte kurz zum Waldrand — offenbar dorthin, wo irgendwo das Wirtshaus lag. Von dort drang das entfernte Stimmengewirr der übrigen Reisenden zu ihnen. Sie wurde wieder ernst und sagte: „Wir sollten zurückgehen. Ich fürchte, der Kutscher wartet nicht ewig auf uns.“



Als die beiden Frauen zum Wirtshaus zurückkehrten, stand der Kutscher unweit der Pferde, die inzwischen erneut vor die Kutsche gespannt waren, und wirkte nicht gerade so, als wolle er noch sonderlich lange warten.

Liriel, Alrik und Tovin hatten ihre Plätze bereits wieder eingenommen. Noch bevor Doro und Ysara in die Kabine gestiegen waren, drang ihnen Alriks Stimme entgegen: „…und genau deshalb solltet Ihr niemals Gewürze aus der Südmark kaufen, wenn Euer Gegenüber dabei äußerst freundlich lächelt.“ Tovin schnaubte nur leise.

Diesmal setzte sich Ysara beinahe selbstverständlich wieder auf den Platz neben Dorothea. Zu ihrer eigenen Überraschung fiel es Doro nun deutlich leichter, sich etwas entspannt hinzusetzen. Nicht nur, weil sie wusste, dass die junge Ordensschwester offenbar weder Angst vor ihr hatte noch sie seltsam anstarrte. Vor allem aber, weil nun zumindest eine Person in unmittelbarer Nähe saß, bei der sie nicht das Gefühl hatte, sich ständig vorsehen zu müssen. Vielleicht würde Ysara ihr tatsächlich helfen können.

Gerade als der Kutscher draußen hörbar Anstalten machte, endlich aufzubrechen, erklang plötzlich hastiges Schnaufen vom Hof. Dazu ertönte der Ruf: „Wartet!“

Noch bevor jemand reagieren konnte, erschien Merten in der geöffneten Tür der Kutsche. Schwer atmend blieb er auf der unteren Stufe stehen, ein Schreibbrett unter den Arm geklemmt. Sein Haar wirkte leicht zerzaust, als wäre er die letzte Strecke deutlich schneller gelaufen, als gut für ihn gewesen war. „Entschuldigt“, brachte er zwischen zwei schnellen Atemzügen hervor. „Ich wollte dies hier unbedingt noch fertigstellen, bevor wir weiterfahren.“

Mit leicht zitternden Händen löste Merten vorsichtig ein Blatt von seinem Schreibbrett und hielt es Doro entgegen. Anschließend stieg er ein und ließ sich ihr gegenüber erschöpft auf die Sitzbank fallen. Noch leicht außer Atem wartete er auf ihre Reaktion.

Doro nahm das Blatt Papier entgegen und betrachtete die Zeichnung, die darauf zu sehen war. Diese stellte zweifellos sie dar. Ihre Fesseln waren jedoch nur vage angedeutet, ebenso der seltsame Käfig um ihren Kopf. Stattdessen schien Merten etwas anderes festgehalten zu haben — etwas Vertrautes, das unter all dem Stahl beinahe verloren gegangen war. Langsam hob Dorothea den Blick und nickte anerkennend. Dann reichte sie die Zeichnung an Ysara weiter. Anschließend zog sie ihre Schreibtafel hervor und schrieb in großen Buchstaben „Danke!“ darauf.

Mertens Gesicht hellte sich augenblicklich auf.

Ysara betrachtete das Bild kurz mit sichtlichem Interesse, ehe sie es den übrigen Mitreisenden zeigte.

Kurz darauf setzte sich die Kutsche rumpelnd wieder in Bewegung.

Die restliche Fahrt verlief deutlich ruhiger, als es am Vormittag der Fall war. Natürlich ließ sich Alrik auch weiterhin zu allerlei ausufernden Geschichten über gefährliche Handelsstraßen, fragwürdige Geschäftspartner und überaus erfolgreiche Verhandlungen hinreißen, während Tovin hin und wieder eine seiner trockenen Spitzen einwarf. Merten wirkte derweil erstaunlich zufrieden und warf Doro hin und wieder einen beinahe stolzen Blick zu. Insbesondere, sobald sein Bild erneut zur Sprache kam.

Schon nach kurzer Zeit bemerkte Doro, dass es ihr nun deutlich leichter fiel, die Nähe der jungen Ordensschwester auszuhalten. Zum ersten Mal seit Langem saß jemand direkt neben ihr, vor dessen Berührungen oder neugierigen Blicken sie sich nicht ständig in Acht nehmen musste. Gelegentlich wechselten sie einige Worte über die Schreibtafel — meist kurze Fragen, manchmal vorsichtige Vermutungen darüber, was sie in Lurgesmund erwarten mochte.



Gegen Abend erreichten sie Schwarzenbrück. Der Ort schien deutlich kleiner zu sein als Rotfels. Dennoch vergingen nach dem Durchfahren des Stadttores noch einige Minuten, ehe die Kutsche in einem ummauerten Innenhof anhielt.

Die Poststation lag unweit der Hauptstraße. Hinter einem breiten Torbogen befanden sich ein paar Stallungen, ein Lagerhaus und genügend Platz für mehrere Wagen. Direkt gegenüber hing über einem zweistöckigen Gebäude ein hölzernes Schild, auf dem in verblassten Buchstaben „Zum alten Posthorn“ stand. Aus einem der Fenster fiel warmes Licht auf die Straße.

Kaum war die Kutsche zum Stehen gekommen, kletterten die Reisenden einer nach dem anderen aus der Kabine. Der Kutscher sprang vom Bock und begann umgehend damit, die Pferde auszuspannen. Noch währenddessen trat ein Postbediensteter aus der Tür auf der rechten Seite. Er wirkte nicht mehr ganz jung, trug eine schwere Wollweste und hatte den Gesichtsausdruck eines Mannes, der jeden Abend dieselben Fragen beantwortete. „Zimmer bekommt Ihr dort drüben“, erklärte er und deutete auf das Wirtshaus gegenüber. „Warmes Essen gibt’s da vermutlich auch noch, wenn Ihr Euch beeilt. Weiter geht’s dann morgen früh.“

Alrik blieb dennoch einen Moment unschlüssig neben der Kutsche stehen. Sein Blick wanderte über die dunkle Plane auf dem Dach, als könne allein ein kurzes Wegsehen bereits den Untergang seines Handelsgeschäfts bedeuten. „Ihr seid wirklich sicher, dass meine Waren hier niemanden auf dumme Gedanken bringen?“

Der Postbedienstete hob kaum die Augenbrauen. „Seid unbesorgt. Das Tor wird nachts geschlossen. Und draußen läuft die Stadtwache regelmäßig Streife. Wenn jemand hier hineinwill, braucht er also schon etwas mehr als nur dumme Gedanken.“

Für einen Moment wirkte Alrik, als überlege er, vorsichtshalber trotzdem neben seinen Kisten zu schlafen. Dann nickte er langsam.

Tovin hatte sein Gepäck bereits geschultert. „Kommt“, sagte er trocken. „Bevor der Händler noch anfängt, allen seinen Gewürzen eine gute Nacht zu wünschen.“

Das Alte Posthorn erwies sich als ein schlichtes, aber gut besuchtes Wirtshaus. Im Schankraum war es angenehm warm. Zwischen dicht gestellten Tischen saßen Händler, Reisende und einige Handwerker beim Abendessen, während sich Gespräche überschnitten und irgendwo Geschirr klapperte. In der Luft hing der Geruch von frischem Braten.

Nach den langen Stunden in der Kutsche tat es gut, auf etwas Weicherem Platz zu nehmen. Über den Sitzbänken lagen abgewetzte Felle, die zumindest einen Teil der Härte des Holzes verbargen. Noch ehe sich die übrigen um den Tisch verteilt hatten, streifte Dorothea unter der Bank bereits die Holzpantoffeln ab, streckte die Beine aus und bewegte ihre Zehen. Für einen Moment genoss sie schlicht das Gefühl, die Füße aus den unbequemen Dingern befreit zu haben.

Ysara setzte sich ohne Zögern neben sie. Kurz darauf ließ sich Merten ihr gegenüber nieder, das Schreibbrett sorgfältig unter den Arm geklemmt.

Alrik hatte sich kaum hingesetzt, da begann er bereits damit, sich über die Qualität der örtlichen Küche zu erkundigen, während Tovin einfach das Essen bestellte, das gerade verfügbar war – ohne die Absicht, daraus eine Wissenschaft zu machen.

Liriel blieb wie meist eher still. Sie saß etwas abseits und beteiligte sich kaum am Gespräch, schien diesmal jedoch zumindest nicht vollkommen desinteressiert.

Als der Wirt wenig später an ihren Teil des Tisches trat, stockte Doro kurz. Doch noch ehe sie nach ihrer Schreibtafel greifen konnte, warf Ysara ihr einen kurzen Blick zu – erst fragend und gleich darauf verstehend. „Für uns beide bitte jeweils einen Teller Eintopf“, sagte sie freundlich zum Wirt. „Und dazu zwei Krüge Bier.“

Der Wirt ließ den Blick einen Moment über Doros seltsame Vorrichtung an Mund und Kopf wandern. Seine Stirn legte sich in Falten.

Ysara schien seine Irritation zu bemerken. „Falls möglich“, ergänzte sie ruhig, „den Eintopf nicht zu grob. Das wäre sehr hilfreich.“

Der Wirt nickte langsam. „Ja. Krieg ich hin.“

Als der Eintopf schließlich gebracht wurde, zog Doro den Holzpflock aus dem Mund und legte ihn neben ihren Teller. Vorsichtig schöpfte sie etwas von dem dampfenden Eintopf auf den Löffel und schob ihn sich in den Mund. Autsch! Ist der heiß! Ungewollt verzog sie das Gesicht. Wegen dieses blöden Rings zwischen meinen Kiefern kann ich nicht einmal pusten. Höchstens albern rumsabbern. Für einen Moment blieb sie mit dem Löffel in der Hand sitzen und warf dem dampfenden Teller einen finsteren Blick zu.

Wortlos zog Ysara den Teller ein Stück zu sich herüber und pustete einige Male über den Eintopf. Anschließend schob sie ihn zurück. „Versucht es jetzt noch einmal.“

Es war ein seltsames Gefühl. Noch am Morgen hatte Doro niemanden in dieser Kutsche gekannt. Jetzt saßen dort plötzlich Menschen, in deren Gegenwart sie sich zumindest nicht ständig anspannen musste.

--Fortsetzung folgt--

DarkO
E-MailProfil anzeigenNachricht senden Nachricht kopieren Nachricht zitieren Nachricht �ndern Nachricht l�schen
Seiten(2) «1 [2] »
Antworten Bei Antworten benachrichtigen
Jumpmenü
Google
Suche auf dieser Seite !!


Wir unterstützen diese Aktion
Jugendschutzbeauftragter
Kristine Peters
Kattensteert 4
22119 Hamburg
Tel. 0180-5012981
(0,14 EUR/Min. aus dem dt. Festnetz, max. 0,42 EUR/Min. aus den Mobilfunknetzen)
[email protected]
https://www.erotik-jugendschutz.de

Impressum v 1.2
© all rights reserved, 2026

Status: Sessionregister
Der Aufruf erzeugte 23 locale und 1 zentrale Queries.
Ladezeit 0.03 sec davon SQL: 0.00 sec.