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  Maria
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pfeffer
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  RE: Maria Datum:09.01.16 05:47 IP: gespeichert Moderator melden


Hallo gag_coll!

Ganz großes Kompliment für deine Geschichte! Du verstehst es, den Weg deiner Charaktere mit Liebe zum Detail gefühlvoll zu beschreiben. Die sich langsam entwickelnde Beziehung zwischen Maria und Paul hast du wunderbar dargestellt und mich mit deiner Arbeit, wie schon an anderer Stelle erwähnt, inspiriert.

Frohes Schreiben und vielen Dank, dass du deine Geschichte hier veröffentlicht hast!
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oliviasklavin_tv Volljährigkeit geprüft
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allgäu


lebe dein leben

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sklavinolivia  
  RE: Maria Datum:24.01.16 11:20 IP: gespeichert Moderator melden


Hallo gag_coll,

zuerst mal noch ein gutes neues Jahr!

Dann möchte ich mich für diese tolle Geschichte bedanken und hoffe doch es es bald wieder mal "Nerven- und Augennahrung" gibt.......deswegen schubs ich die Geschichte mal wieder nach oben...Ich bin schon drauf gespannt was mit Maria und Paul noch passiert. Auch welche fiesen Dinge dem Herzog so noch einfallen....
Bitte gib uns doch noch einen weiteren Einblick..

Demütige und verschlossene Grüße
Olivia
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Kugelfisch
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  RE: Maria Datum:23.02.16 16:04 IP: gespeichert Moderator melden


Bitte weiterschreiben. Ich habe schon Probleme die diversen Damen auseinanderzuhalten.
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der suchende Volljährigkeit geprüft
Freak





Beiträge: 116

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  RE: Maria Datum:23.02.16 17:55 IP: gespeichert Moderator melden


Auch von mir, ein großes BITTE, BITTE weiterschreiben. Hab Dank dafür.
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gag_coll
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Beiträge: 561

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  RE: Maria Kapitel 13 - In Amerika - Teil Eins Datum:24.02.16 11:57 IP: gespeichert Moderator melden


Es hat lange gedauert... sehr lange... Ich möchte mich bei euch für die Geduld bedanken. Hier ist jetzt endlich das 13. Kapitel von Maria.

Maria
Kapitel 13 - In Amerika - Teil Eins
Autor: Karl Kollar

Mittwoch, 25. August 1984

Maria blickte etwas genervt zwischen dem Kllniktelefon und der Krankenschwester hin und her. In den Jahren zuvor hatte sie sich immer sofort nach ihrer Ankunft in der Klinik ihrer Mutter bei ihrer Erzieherin in der Heimat gemeldet, um ihr von dem eigentlich immer sehr langweiligen Flug in die Staaten zu berichten. Ausgerechnet diesmal, wo sie ihren Freund daheim lassen musste, gab es mit diesem Telefonat Schwierigkeiten.

Die diensthabende Schwester wusste weder von irgendwelchen Sonderregeln, die für Maria gelten würden, geschweige denn, dass sie die Tochter der Chefin war. »Sie müssen schon entschuldigen, ich bin neu hier«, versuchte sie eine Entschuldigung. »Und seit der neue Investor hier das Sagen hat, gibt es so viel mehr neue Regeln.«

Maria wunderte sich ein wenig. Von einem neuen Investor hatte ihre Mutter ihr gegenüber bisher nichts erwähnt. Sie lehnte sich zurück und während sie auf die Erlaubnis wartete, ließ sie ihre Gedanken kreisen zu dem sehr bewegenden Abschied von Paul.


Eigentlich hatte sie gehofft, den ganzen Tag mit ihm verbringen zu können. Doch schon bald musste sie erkennen, dass auch Paul nach dem spannenden Wochenende erst einmal auspacken und seiner Oma zur Hand gehen musste. Immerhin war er bald nach dem Mittagessen bei ihnen aufgekreuzt, und er hatte die Gesamtsituation auch besser eingeschätzt, in dem er versuchte, sich nützlich zu machen.

Im Gegensatz zu Maria hatte Mrs. Potter sein ernsthaftes Bemühen durchaus zur Kenntnis genommen und hatte dem Paar im Gegenzug dafür den einen oder anderen zärtlichen Moment genehmigt. Besonders beeindruckt war Maria allerdings, als Paul ihr ihren Knebel angelegt hatte. »Damit du etwas ruhiger wirst«, hatte er noch angefügt.

Erst später hatte sie erfahren, dass Paul ihre Erzieherin vorher um Erlaubnis gefragt hatte. »Mach nur, dann ist sie vielleicht etwas ruhiger.« Das war die Antwort.


Den ganzen Flug über bis jetzt glaubte Maria den Ball im Mund zu spüren, es war fast so etwas wie ein Kuss für sie.


Etwas später hatte Mrs. Potter dann noch eine Überraschung für das verliebte Paar. »Maria darf den Handschuh tragen, wenn Paul mir etwas mit der Wäsche hilft.«

Paul brauchte nur einen winzigen Moment, dann hatte er seine Entscheidung getroffen. Noch während Maria sich noch wunderte, dass Margarethes Verbot anscheinend schon wieder aufgehoben war, war Paul schon dabei gewesen, ihr den Handschuh anzulegen.

Maria war in diese Geste geradezu verliebt. Jetzt, wo sie wusste, dass sie sowohl ihre Stimme als auch ihre Arme für längere Zeit zum letzten Mal an Paul abgegeben hatte, versuchte sie auf die ihr verbleibende Art, sich nützlich zu machen. Aber viel mehr als die Tür der Waschmaschine aufhalten oder den Eimer mit dem Wäscheklammern halten, brachte sie nicht zustande.

»So hättest du mir aber auch mal helfen können.« hatte Mrs. Potter gescherzt.

Maria war so verblüfft, dass ihr keine Antwort einfiel. Zumal diese Bemerkung auch noch ein paar andere Gedanken in ihr auslöste. Wie würde das Zusammenleben mit Paul wohl nach dem Fest aussehen? Ob sie dann den Handschuh immer noch tragen dürfte?

Sie war noch etwas in Gedanken, als auf einmal eine andere Schwester auf sie zu kam.

* * *

Paul hatte den Zettel mit den abgesprochenen Zeiten vor sich liegen, jetzt wartete er darauf, dass Maria anrufen würde. Neben ihm lagen die Bücher, die ihm seine Oma einst bereitgestellt hatte und mit denen er sich über den weiblichen Körper und auch über Marias Orgasmen informiert hatte. An manchen Stellen waren jetzt sogar Lesezeichen angebracht. Einiges von dem, was er auf Sebastians Hütte erlebt hatte, verstand er jetzt etwas besser.

Er blickte auch immer wieder auf die Erinnerungsfotos von der Hütte, die Sebastian geschickt hatte. Besonders mochte er die Bilder, die Maria zeigten. In dem Kleid von Grünbergs sah sie wirklich atemberaubend aus. Und dass ihre Arme nicht sichtbar waren, fiel erst auf den zweiten Blick auf.

Immer wieder fiel sein Blick auf das Telefon. Er erwartete Marias Anruf aus der Klinik. Sie hatte versprochen, sich sofort nach der Ankunft bei ihm zu melden. Paul wunderte sich. Nach dem Zeitplan, den sie zusammen besprochen hatten, hätte sie schon lange in der Klinik sein müssen.

Er dachte an den Montag, den ersten Tag nach der Hütte. Insgeheim hatte er ein wenig Angst vor diesem Tag gehabt. Er glaubte erkannt zu haben, dass die Fesseln für Maria sehr wichtig waren, doch auf der anderen Seite sagte ihm sein gesunder Menschenverstand, dass es wichtiger war, ihre Amerikareise vorzubereiten. Zu seiner Erleichterung kam ihm Mrs. Potter sehr entgegen, als sie den Handschuh für Maria quasi anordnete.

Es hätte ihn schon gereizt, Maria gleich wieder in Fesseln zu legen. Doch er wusste auch, wie wichtig Marias Reise war und dafür war er bereit, seine Wünsche hintenanzustellen. Zumal seine Freundin ihm erzählt hatte, was sie in den vergangenen Jahren in der Klinik so erleben und erleiden musste. Er hatte verstanden, welche großen Opfer Maria für ihre Mutter brachte. Er hatte nur nicht verstanden, warum sie das machte. Doch er hatte auch noch nicht den Mut aufgebracht, sie danach zufragen.

Wieder warf er einen Blick auf die Bilder. Auch ein Bild von Maria als stolzes Ponygirl war dabei. Und obwohl Paul von dieser Spielart bisher noch überhaupt nichts gewusst hatte, hatte ihn »sein« Pony sehr in den Bann gezogen. Immer wieder musste er an den Moment denken, als Maria in seinen Armen wieder einen Höhepunkt hatte.

Er wusste zwar noch nicht wie, aber er war sich sicher, dass er ´ja´ sagen würde, falls Maria dieses Spiel noch einmal spielen wollte. Er dachte an die vier geheimnisvollen Kisten, die seine Oma aufbewahrt hatte. Ob dort wohl auch noch eine Ponyausrüstung darin sein würde?

Er war etwas verlegen, als er daran dachte, wie seine Oma ihn auf die Ponyspiele angesprochen hatte. Zum einen schien er auf der Hütte einen sehr faszinierten Eindruck gemacht zu haben, denn genau davon hatte Sebastian seiner Oma erzählt. Zum anderen hatte ihm seine Oma »gestanden«, dass auch sie gern in die Rolle des Ponymädchens geschlüpft war, wenn ihr Rittmeister das von ihr verlangt hatte.

* * *

Endlich waren die Formalitäten geklärt. Maria durfte an dem Telefon, welches auf dem Schreibtisch stand, die lange Nummer wählen. Sie wäre bei diesem Telefonat gern allein gewesen, doch die Schwester schien keine Anzeichen zu machen, sich zu entfernen. So blieb Maria nichts anderes über als sich bei den Themen eher auf Oberflächliches beschränken.

Sie hätte ihm gern noch von dem Traum erzählt, den sie in der Nacht auf den Montag gehabt hatte, in dem sie vom Baron und seinem Neffen entführt wurde. Dabei war ihr Mund so versiegelt, wie sie es bei Christine gesehen hatte. Und sie war sehr erleichtert, als Paul sie aus dem Kerker befreit hatte. Sie hatte ihm noch davon erzählen wollen, doch es hatte sich bei den Reisevorbereitungen einfach nicht ergeben.

Sie war sehr erleichtert, als Pauls Stimme hörte. Sie berichtete zunächst von dem ereignisarmen Flug und die Fahrt zur Klinik. »Bis dahin war es wie immer. Im Flugzeug habe ich fast die ganze Zeit geschlafen« Doch dann wurde ihre Stimme etwas leiser. »Es gibt hier anscheinend einen neuen Eigentümer der Klinik. Irgendeinen Investor.« Sie erzähle von den neuen Regeln, die jetzt gelten würden. »Ich bin auch nicht in meinem Zimmer, sondern im Schwesternzimmer. Vom Zimmer aus sind keine Auslandsgespräche mehr erlaubt.«

Paul begriff sofort, was sie ihm eigentlich damit mitteilen wollte. Sie war nicht allein und musste sich auf Allgemeines beschränken.

»Aber du darfst mich auf dem Zimmer anrufen.« Mit einem Leuchten in der Stimme teilte sie ihm die lange Nummer mit. Den passenden Zeitpunkt für die Anrufe hatten sie schon ausgemacht, um die Zeitverschiebung zu berücksichtigen. »Ich vermisse dich jetzt schon.«

Paul notierte die Nummer sorgfältig. »Leonie hat sich noch nicht bei uns gemeldet.« Er erzählte, dass er den Schlüssel zu ihrem Keuschheitsgürtel immer noch in der Schreibtischschublade verwahrte. »Damit er nicht verloren geht.«

Maria war darüber nicht verwundert. »Erstens stören die Gürtel nicht wirklich... Und Leonie wird sicherlich mit der Silberhochzeit ihrer Mutter beschäftigt sein.«

Paul ging in Gedanken noch einmal die Erlebnisse auf der Hütte durch. »Weiß deine Mutter schon von dem Gebet?«

»Nein, zumindest nicht von mir«, Maria war etwas stiller. »Das wollte ich ihr Morgen beichten, auf dem Mutter-Tochter-Tag. Aber sicher hat Sebastian ihr schon etwas dazu gesagt.« Sie wurde etwas nachdenklich. »Ich kann es gar nicht in Worte fassen, aber irgendwie ist es diesmal anders als die Male zuvor. Manches ist jetzt viel pompöser, anderes geradezu spartanisch.«

Paul hörte nachdenklich zu.

»Ich bin diesmal auch nicht allein auf dem Zimmer.« Maria versuchte sich an das Namensschild auf dem Bett zu erinnern. »Sarah Princesa da Leudvica.«

»Eine Adelige?« Pauls Stimme zeigte ein wenig Ehrfurcht.

»Scheint so.« Maria klang verunsichert. »Ich weiß noch nicht, was ich davon halten soll.«

»Dann sind eure Hoheit ja standesgemäß untergebracht.« Paul lächelte.

»Jedoch mein Prinz fehlt mir.« Maria griff den Gedanken auf. »Die Schwester hat gesagt, dass sie aus Brasilien ist und eine ähnliche Behandlung bekommt wie ich. Meine Mutter wird mir noch mehr zu ihr erzählen, hat sie gesagt.«

»Ich soll ganz viele liebe Grüße bestellen. Von ihr und auch von meiner Oma.« Paul richtete die Grüße aus und berichtete, dass ihre Erzieherin auch schon beim Koffer Packen war und sich auf den Urlaub freute. »Auch der Baron lässt Grüße ausrichten und wünscht, dass du ab und zu an deine Rolle denken sollst.«

Maria bedankte sich, dann verabschiedeten sie sich. Sie legte auf und sah eher beiläufig, wie die Schwester die Uhrzeit notierte. Dann ging sie wieder auf ihr Zimmer.

* * *

Maria drückte die Tür ins Schloss und ging zu ihrem Bett am Fenster. Dabei fiel ihr Blick wieder auf das Namensschild des zweiten Bettes. »Sarah Princesa da Leudvica.«, der Name, den sie Paul auch schon genannt hatte. Ansonsten war von der Patientin nicht viel zu sehen. Auf dem Tischchen neben dem Bett standen die üblichen Utensilien, eine Medikamentenpackung, ein Glas und einige Illustrierte. Das Tischchen machte trotzdem einen sehr aufgeräumten Eindruck. Nur ein Gegenstand im Zimmer erregte ihre Neugier. Es war eine fast lebensgroße Figur, die etwas halbherzig mit einer durchsichtigen Folie abgedeckt war. Maria trat näher an die Figur heran und jetzt erkannte sie, dass es sich bei der Figur anscheinend um eine Puppe handelte, die ein atemberaubendes Korsett trug.

Sie zog die Folie etwas beiseite und jetzt konnte sie erkennen, dass es wirklich ein Ganzkörperkorsett war. Sie keuchte etwas, denn es war noch strenger als ihr Nachtkorsett, da es auch den Kopf und die Füße mit einbezog. Sie kam ins Grübeln. Würde dieses Korsett für sie sein? Dies hielt sie doch für unwahrscheinlich, denn dazu hätte ihre Mutter bestimmt schon etwas gesagt. Also dann würde es wohl der Prinzessin gehören. Doch wozu würde sie ein so strenges Korsett brauchen?

Maria hatte genügend Erfahrung, um zu erkennen, dass die Person, die darin eingeschnürt war, vollkommen bewegungsunfähig und damit sehr hilflos sein würde. Sie keuchte noch einmal, rückte die Folie wieder zurecht, und ging mit leicht zitternden Knien zum Bett zurück.

Sie setzte sich auf das Bett und griff zu ihrer großen Tasche. Sie hob sie aufs Bett und öffnete den Reißverschluss. Doch irgendwie traute sie sich noch nicht, sie auszupacken. Sie wusste so überhaupt nicht, wie sie sich gegenüber ihrer Zimmernachbarin zu benehmen hatte.

Zuoberst lag ihr weißer Monohandschuh. Sie wusste zwar, dass sie ihn hier nicht brauchen würde, weil es in der Klinik davon genug gab, doch es war ihr Lieblingshandschuh. Außerdem erinnerte sie der Handschuh sehr an Paul, denn in diesen Handschuh durfte er sie schon oft einschnüren. Sie nahm ihn zur Hand und spielte gedankenverloren damit herum. Als sie ihn so im Detail betrachtete, fiel ihr auf, dass er jetzt doch schon einige Abnutzungsspuren zeigte.


Auf dem Flur waren Schritte zu hören, die näher kamen. Maria legte den Handschuh aufs Bett und stand auf. Sie dachte sich, dass es wohl geschickter wäre, die Prinzessin gleich im Stehen zu empfangen als erst in ihrer Gegenwart aufzustehen.

Sie blickte noch einmal auf ihr Bett und hätte den Monohandschuh gern wieder zurück in die Tasche gepackt, als sich die Tür auch schon öffnet und Marias Aufmerksamkeit gefordert war.

Im Nachhinein wusste Maria nicht mehr, was sie erwartet hatte, doch ein Rollstuhl, auf dem eine junge Frau in ihrem Alter von einer sehr missmutigen Schwester in den Raum geschoben wurde, war sicher nicht dabei.

Die Schwester stellte an dem Stuhl die Bremsen fest, trat dann vor die Prinzessin und öffnete einige Schnallen, die die Prinzessin an den Rollstuhl fixiert hatten. Dabei würdigte sie Maria nicht einmal mit einem Blick. Die Schwester wartete, bis die Prinzessin sich erhoben hatte, dann löste sie die Bremsen, schob den Rollstuhl wortlos hinaus und schloss die Tür.

»Du musst Maria Beller sein, die Tochter der Chefin?« Die Prinzessin stand auf einmal vor Maria und reichte ihr die Hand.

Maria reichte ihr ebenfalls die Hand und kam trotzdem nicht umhin, noch einmal einen Blick auf das Namensschild zu werfen. »Und du bist...« Sie zögerte etwas.

»Bitte sag einfach ´Sarah´ zu mir.« Der Prinzessin war Marias Blick nicht entgangen. »Lass dich davon nicht irritieren.« Auch sie blickte kurz auf ihr Namensschild.

Marias Blick blieb am Gesicht von Sarah hängen. Dort waren deutlich zwei Schläuche zu sehen, die in ihre Nasenlöcher führten. Sarah hatte sich natürlich auch auf die Gefährtin vorbereitet, die ihr versprochen worden war. »Lass dich davon nicht stören. Das ist für die Magensonde und die Luftzufuhr.« Sie wartete Marias Reaktion gar nicht erst ab. »Das habe ich mir so gewünscht, dann muss ich bei den Mahlzeiten nicht immer befreit werden.« Ihre Augen zeigten dabei ein gewisses Leuchten.

Da Maria das außergewöhnliches Abenteuer von Christine auf der Hütte miterlebt hatte, hatte sie eine Ahnung, um was es sich bei den Schläuchen handelte könnte. Tief in ihrem Inneren regte sich ein Gedanke; ob sie ihre Mutter wohl überreden konnte, ihr so etwas auch anzulegen? Der Gedanke, sich nicht mehr um die Nahrungsaufnahme kümmern zu müssen, hatte etwas Faszinierendes. Doch dann erst begann sie zu realisieren, was die Prinzessin noch gesagt hatte. »Du bist hier gefangen?«

Sarah hatte insgeheim mit dieser Frage gerechnet und ebenso freute sie sich darüber, dass Maria sich nicht abgewandt hatte. »Das habe ich mir ebenfalls so gewünscht.« Dann fiel ihr Blick auf Marias Bett und sah dort den Monohandschuh liegen. »Ist das deiner? Darf ich mal sehen?« Sie ging zum Bett und nahm ihn in die Hand.

Maria war über diese Neugier überrascht. Sie nickte verwundert.

Doch kaum hatte Sarah den Handschuh in ihren Händen, war sie erstaunt. »Den kannst du tragen? Der ist viel enger als meiner.« Es schwang neben viel Bewunderung auch ein wenig Neid in der Stimme mit.

Maria war über den Kennerblick sehr verwundert.

»Musst du auch trainieren?« Sarah klang sichtlich interessiert. Sie schien endlich jemanden zu haben, mit dem sie über ihre wahren Sorgen und Gefühle reden konnte.

Maria war immer noch verwundert. Doch sie spürte, dass Sarahs Interesse ehrlich war. Aber sie wusste nicht, wie viel sie erzählen durfte.


Es klopfte. Frederike Beller trat ein und ging auf die beiden Mädchen zu. Sie gab zuerst der Prinzessin die Hand und begrüßte sie mit »Eure Hoheit«, dann erst nahm sie ihre Tochter in den Arm.

Maria war es schon von den bisherigen Aufenthalten gewohnt, dass ihre Mutter während des Klinikbetriebes wenig Zeit für sie hatte. Dafür gab es morgen den Mutter-Tochter-Tag, für den ihre Mutter wie jedes Mal einen ganzen Tag Urlaub opferte.

»Ich sehe, sie haben sich schon bekannt gemacht?« Sie blickte die beiden Mädchen kurz an. »Den Nachmittag haben sie beide frei, damit sie sich kennenlernen können.«

Sarah blickte etwas unglücklich zu Marias Mutter und schlenkerte etwas mit den Armen.

»Passt etwas nicht?« Frederike war der Blick der Prinzessin sofort aufgefallen. »Seien sie bitte ehrlich.«

Die Prinzessin war verlegen. »Ich möchte keinen ´freien´ Nachmittag.« Es war der Prinzessin anzusehen, dass sie lieber geschwiegen hätte, wenn Frederike sie nicht so bedrängt hätte. » Könnten wir nicht wenigstens unsere Handschuhe tragen?« Sie blickte auf das Bett, auf dem Marias Handschuh lag.

Frederike lächelte. Sie war erleichtert, dass es so ein ´einfaches? Problem war. »Aber natürlich dürfen sie, wenn sie möchten, Hoheit.«

Sie drehte sich zu ihrer Tochter. »Die Prinzessin möchte hier gefangen sein.« Dabei zwinkerte sie unauffällig mit den Augen. »Du kannst dich ihr gern anschließen, wenn du möchtest. Sie kennt sich in der Klinik sehr gut aus.« Dass sie auch sehr unauffällig von einer Wachmannschaft bewacht wurde, behielt sie aber für sich. Sie wusste, dass ihre Tochter sich gefahrlos der Prinzessin anschließen konnte.

Insgeheim war sie erleichtert, dass Sarah ihre Tochter so problemlos akzeptierte. Ihr zukünftiger Schwiegervater, der Herzog von Breganza aus Brasilien, hatte eine Zimmergefährtin für Sarah angefordert, die eine ähnliche Ausbildung machen würde. Und der Herzog war ein wichtiger Geldgeber für die Klinik. Sie hoffte, dass er genauso positiv auf Maria reagieren würde wie seine Tochter, denn entgegen der Anforderungen war Maria eben keine Adelige, sondern eine ganz einfache Bürgerliche. Doch insgeheim vertraute sie auf die Durchsetzungskraft von Sarah. Wenn sie sich einmal mit Maria angefreundet haben würde, dann würde der Herr Papa es sehr schwer haben, Maria abzulehnen.

In diesem Moment war eine Lautsprecherdurchsage zu hören. »Frau Beller bitte dringend in den OP.«

»Präsentieren sie Maria ruhig ihr Prunkstück.« Sie lächelte die Prinzessin an. »Sie können ihr ja dann erst mal die Cafeteria zeigen und dann vielleicht noch den Park.« Sie gab Sarah noch einmal die Hand, dann verlies sie eilig das Zimmer. An der Tür zwinkerte sie Maria noch einmal kurz zu. Sie wusste natürlich, dass ihre Tochter sich selbst gut auskannte, denn sie war schon oft in der Klinik gewesen. Doch so hatte Sarah die Rolle einer Fremdenführerin und sie könnten sich bestimmt leichter kennen lernen.


Maria wusste immer noch, nicht worauf dies hinauslaufen würde. »Was haben sie vor, Hoheit?« Ihr war aufgefallen, dass ihre Mutter die Prinzessin immer sehr formal angesprochen hatte.

Doch Sarah reagierte sofort. »Bitte bleib beim Du... und jetzt komm mit.«

Maria war die ein wenig aufdringliche Prinzessin noch etwas unheimlich.

Sarah war immerhin sensibel genug, um Marias Unsicherheit zu spüren. »Ich helfe dir mit deinem Handschuh und dann lege ich mir meinen an.« Mit dem Kopf deutete Sarah auf den Nachbarraum.

Marias Neugier wuchs. Sie hatte noch keine Idee, wie sich Sarah selbst einen Monohandschuh anlegen konnte, doch sie klang genauso zuversichtlich wie abenteuerlustig. Maria kam sich für einen Moment wie Leonie von der Hütte vor. Es klang aufregend, aber sie wusste nicht, was kommen würde.

Es war nicht das erste Mal, dass Maria von einer nahezu Unbekannten der Handschuh angelegt wurde, doch bei Sarah spürte sie sofort, dass die Prinzessin sich zum einen auskannte und andererseits auch einen gewissen Ehrgeiz mitbrachte. Mit einem Seufzer musste sie an Paul denken.

»Stimmt etwas nicht,« fragte Sarah mit besorgtem Gesicht. Sie war zwar sehr froh, dass ihre lange schon versprochene Kameradin jetzt da war, doch sie wollte sie deswegen nicht überfordern.

»Du erinnerst mich sehr an meinen Freund.« Maria seufzte. »Der ist auch immer so aufmerksam.«

»Davon musst du mir erzählen...« Sarah schien sich mit dem Anlegen des Handschuhs wirklich zu beeilen.

Maria hatte Mühe, ihr Keuchen zu verbergen. Ihre diesjährige Ankunft hatte sie sich etwas weniger spektakulär vorgestellt.

Im Nebenraum angekommen, stellte Sarah sich sofort mit dem Rücken an die Maschine und strahlte, während ein Surren von Motoren zu hören war. »Ein Ingenieur meines Vaters hat sich das ausgedacht.«


Sarah trat wieder von der Maschine weg und drehte sich stolz um. Jetzt waren auch ihre Arme in einem Monohandschuh gefangen. Dass er bei weitem nicht so eng angelegt war, wie bei Maria, übersah diese höflich.

»Das ging aber schnell!« Maria zeigte ihre Überraschung.

»Naja, du hast die Vorbereitungen nicht mitbekommen.« Sarah lächelte stolz. »Ich muss den Handschuh natürlich erst in die Maschine einspannen. Aber das habe ich vorhin schon gemacht.

Maria war mehr als fasziniert. Doch eine Frage bewegte sie. »Hast du keinen Freund, der dir damit hilft?« Sie dachte daran, wie gut und gern Paul sie in den Handschuh schnüren konnte.

Doch zu ihrem Entsetzen wurde Sarah auf einmal sehr traurig. »Ich soll ihn heiraten.« Sie berichtete, dass ihre Eltern ihren zukünftigen Ehemann für sie ausgesucht hatte und sie jetzt in der Klinik war, um das zu lernen, was für die Familie nötig war.

Maria war immer noch sehr unsicher, was sie von der Prinzessin halten sollte. Insbesondere weil sie ihr gesagt hatte, dass die Maschine den Handschuh zwar anlegen konnte, aber noch nicht wieder abnehmen. »Das habe ich von den Ingenieuren meines Vaters aber auch nicht verlangt.« Sie grinste.

Maria blieb nichts anderes über als gute Miene zum bösen Spiel zu machen.


»Hast du schon etwas gegessen?«, fragte Sarah. »Wir könnten in die Cafeteria gehen.« Sie berichtete mit einigem Stolz in der Stimme, dass sie mittlerweile fast in der gesamten Klinik eine ?Gefangene? war. »Die Schwestern haben Anweisungen, mich immer an den Rollstuhl zu fixieren, und wenn ich frei habe, dann lege ich mir den Handschuh an. Das ist aber eher selten.«

Maria war verwundert darüber, mit welcher Selbstverständlichkeit Sarah sich in der Klinik bewegte und mit welcher Ehrfurcht sie behandelt wurde, beim Aufhalten der Türen oder Benutzen des Fahrstuhls.


»Was möchtest du essen?« Sarah warf einen Blick auf die Tafel, die in der Klinik-Cafeteria ausgehängt war.

Maria war verunsichert. Sie blickte etwas auf die Riemen vor ihrer Brust, die ihre nicht vorhandene Armfreiheit andeuteten.

»Überlass das nur mir.« Sarah lachte. »Joe macht das hervorragend.«

»Stets zu Diensten, Prinzessin.« Ein offensichtlich aus Südamerika stammender junger Mann war an ihren Tisch getreten. »Das ist deine neue Freundin?« Er verbeugte sich sowohl vor Sarah als auch vor Maria.

Maria hatte trotzdem keine Idee, was sie essen wollte, zumal sie bei einigen Einträgen auf der Tafel nicht einmal wusste, was es sein würde.

»Machst du uns etwas Leichtes?« Sarah ahnte, dass sie Maria die Wahl abnehmen musste.

Joe machte sich gleich darauf in der Küche zu schaffen. Es waren Mixergeräusche zu hören.

Gleich darauf servierte er das Essen. Für Sarah gab es einen Beutel, denn er an Sarahs Schlauch anschloss, und für Maria hatte er ein großes Glas mit Strohhalm vorbereitet. »Guten Appetit.«

Als Maria sehr schüchtern aus dem Strohhalm zu ziehen begann, merkte sie doch, wie hungrig sie doch war. Erst nach einiger Zeit realisierte, was sie hier gerade machte.

Als sie sich umblickte, erkannte sie, dass auch noch andere Patientinnen vor Strohhalmen saßen. Manche trugen Schienen, andere hatte einen Arm in Gips. Aber es gab auch Frauen, die noch über ihre Arme verfügten und trotzdem den Strohhalm benutzten.

Sarah war Marias Blick gefolgt. »Das ist Joes Spezialität.« Sie blickte kurz zur Theke. »Seine Mittagsdrinks sind legendär.«

Mixergeräusche aus der Küche zeigten an, dass Joe wieder dabei war, eine Mittagsportion in einen Drink zu verwandeln.

Maria nahm den Strohhalm zur Hand. »Er ist etwas dicker als normal.«

»Natürlich.« Sarah grinste. »Sonst wäre es zu mühsam mit dem Ansaugen.«

* * *

»Lass uns in den Park gehen«, schlug Sarah vor, nach dem Joe abgeräumt hatte. »Da bin ich gern, denn dort kann ich noch ganz unbeschwert sein.«

Maria war aufmerksam genug, um den deutlichen Unterton zu hören. Doch noch fühlte sie keinen Grund, um nachzuhaken. Sie hatte Mühe, der Prinzessin hinterher zu gehen.


»Ich kriege bei fast jeder Behandlung einen Orgasmus.« berichtete Sara recht freizügig. »Am Abend bin ich dann immer sehr müde und schlafe schnell ein.« Die Stimme der Prinzessin klang sehr schwärmerisch.

»Hast du einen Freund?« Maria fand die Frage passend. Erst danach erinnerte sie sich daran, dass sie diese Frage eigentlich schon gestellt hatte.

Doch zu Marias Entsetzen blieb Sarah stehen und schaute sie mit traurigen Augen an. »Ich bin versprochen«, ließ sie erst nach einer Weile hören. Es schien, als hätte sie erst abwägen müssen, wie viel sie Maria erzählen sollte.

»Und das bedeutet genau was?« Maria fand es sehr faszinierend, an dem Leben einer echten Prinzessin teilhaben zu dürfen.

»Für mich wurde ein Ehemann ausgesucht, ich muss ihn heiraten.« Sie betonte das Wort ?muss? so stark, dass Maria nachhakte.

»Du magst ihn nicht?« Maria versuchte Einfühlungsvermögen zu zeigen.

Sarah erzählte von einem Zusammentreffen mit ihrem Verlobten. Nur durch einen dummen Zufall hatte sie gesehen, wie er seinen Diener sehr verliebt geküsst hatte. »Für mich ist eine Welt zusammengebrochen.«

Maria hatte die Zusammenhänge noch nicht verstanden. »Dann kannst du ihn ja gar nicht heiraten.«

Sarah blieb stehen und blickte Maria seltsam an. »Du verstehst das nicht. Wir sind Hochadel, ich muss ihn heiraten.«

»Aber wenn er doch...« Maria schluckte. »Aber wenn er dich doch nicht lieben kann?«

»Offiziell ist natürlich alles in Ordnung.« Sarahs Stimme war sehr traurig. »Seine Neigung wird totgeschwiegen. Homosexualität gibt es im Hochadel nicht.«

»Und was ist mit deinem künftigen Schwiegervater?« Maria begann langsam die wahre Situation der Prinzessin zu verstehen.

»Ich weiß nicht,« Sie seufzte und ihre Stimme wurde etwas leiser. »Entweder ist der Herzog total blind oder er will es einfach nicht wahr haben. Er möchte mich unbedingt als Schwiegertochter. Seinetwegen bin ich ja eigentlich auch hier.«

Maria blickte Sarah neugierig an. »Nun erzähl schon.«

Sarah ging recht zielstrebig auf einer der vielen Parkbänke zu und nahm Platz. Sie wartete, bis Maria sich ebenfalls gesetzt hatte und für ihre Arme eine einigermaßen bequeme Haltung gefunden hatte.

»Kennst du die Legende der Affen auf Gibraltar?« Sie blickte Maria fragend an.

»Die Briten können Gibraltar nur so lange halten, wie die Affen dort auf dem Felsen leben.« Maria gab wieder, was sie vor kurzem erst im Geschichtsunterricht erfahren hatte.

»In der Familie Breganza gibt es eine ähnliche Sage. Solange es in der Familie eine Frau gibt, die das Gebet auf dem Rücken tragen kann, wird es der Familie gut gehen.« Sie ließ ihre Worte ein wenig wirken. »Die letzte Frau, die es konnte, ist in den Zwanzigerjahren gestorben. Bald darauf kam die Weltwirtschaftskrise.«

»Aber das ist doch Quatsch.« Maria war zunächst über solchen Aberglauben empört. Doch dann realisierte sie, dass ihre Worte auch verletzend wirken könnten. »Bitte entschuldige, ich habe nur laut gedacht.«

»Du hast natürlich Recht, es ist Quatsch.« Sie seufzte tief. »Aber mein zukünftiger Schwiegervater ist besessen von der Idee, dass es mit seiner Familie wieder aufwärts gehen könnte, wenn ich die Erbin dieser Tradition werde.«

Maria hielt den Atem an.

»Er hat mich in der Hand.« Es fiel Sarah schwer, über diesen Teil ihrer Vergangenheit zu reden. »Bald nach meiner Geburt wurde ich der Herzogsfamilie versprochen. Und bei uns ist so etwas wie ein Gesetz.« Sie seufzte. »Mir gehören große Ländereien, die die Besitzungen der Breganzas gut ergänzen würden.«

Maria war ein gewisser Unterton aufgefallen. »Wo ist der Haken?«

»Der Herzog hat schon früh dafür gesorgt, dass mein Vater die Ländereien mir überschrieben hat.« Sie seufzte wieder. »Dann hat er ihn zu Börsenspekulationen verleitet.«

»Was ist passiert?« Maria ahnte, dass nichts Gutes kommen würde.

»Der Börsencrash.« Sarahs Stimme ließ viel Bitterkeit erkennen. »Er hat all sein Geld verloren.« Sie legte ihren Kopf auf Marias Schulter. »Er hat die Schande nicht ertragen.«

Maria spürte, dass Sarah bei ihr Halt und Trost suchte. Sie versuchte ein Streicheln, so wie sie so oft Paul gestreichelt hatte.

Sarah schien dies zu trösten. »Ich bin oft an seinem Grab.«

»Und deine Mutter?« Maria war erleichtert, dass die Prinzessin ihren Trost annahm.

»Die hat sich in eine einfache Stadtwohnung zurückgezogen und möchte von der Welt draußen nichts mehr wissen.«

Maria schwieg. Sie begriff, dass die Klinik für die Prinzessin so etwas wie eine neue Heimat geworden war.

»Ich kann es bislang nicht beweisen, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass er bei der Börsengeschichte die Finger im Spiel gehabt hat.« Sarah richtete sich wieder auf und seufzte noch einmal. »Er hat meinen Vater in den Tod getrieben.«

»Aber du fühlst dich hier in der Klinik wohl?« Maria wollte ihre Vermutung überprüfen.

»Hier habe ich mein Paradies.« Sarah verstand sofort, auf was Maria anspielte. »Ich lebe hier meinen Traum der gefangenen Prinzessin«, sie zeigte ihre Arme im Mono, »und ich komme bei fast jeder Behandlung, die er mit deiner Mutter ausgehandelt hat.«

Maria brauchte einige Zeit, bis sie den vollen Inhalt dieser Aussage begriffen hatte. Gleichzeitig erwachte auf einmal eine große Verbundenheit zu Sarah, denn sie begriff, dass sie beide ähnlich dachten. Auch Maria war es bisher so ergangen, dass sie bei den Behandlungen oft gekommen war, und auch sie hatte bisher stets ein schlechtes Gewissen deswegen gehabt. Erst Sarah zeigte ihr, dass es nicht falsch war, es zu genießen.

»Ich will ihn ja auch heiraten.« Sarahs Stimme klang jetzt fast etwas trotzig. »Wir Mädchen aus dem Hochadel wurden von je her so erzogen, dass wir gewisse Pflichten zu erfüllen haben und dafür Opfer bringen müssen. Doch ich hatte nie gedacht, wie groß dieses Opfer sein würde.«

Maria ging für einen kurzen Moment durch den Kopf, dass an ihrem Prinzessinnentraum doch einiges »richtig« war. Doch sie schwieg.

»An sich ist er ja ganz nett. Aber ich habe solche Angst vor ihm.«

Beide Mädchen schwiegen eine Weile. Sarah hing ihren Gedanken nach und Maria grübelte darüber, vor was die Prinzessin genau Angst hatte.


»Ich habe hier in der Klinik mein Paradies gefunden.« Sarah schwärmte. »Und weil der Herzog glaubt, dass keine Fortschritte da sind, wird es von Mal zu Mal strenger für mich.« Sie lächelte. »Zuletzt hat er eine Gefährtin für mich verlangt.«

Maria begriff erst nach einiger Zeit, dass sie damit gemeint war.

Sarah hatte Marias Einsicht bewusst abgewartet. »Ich finde dich toll, so wie du den Handschuh tragen kannst. Warum bist du eigentlich hier?«

»Ich muss das Gebet auch trainieren.« Maria freute sich, dass die Prinzessin auch für sie Interesse zeigte. Sie gab einen Überblick über das Katerinenfest und was sie bisher so erlebt hatte. Natürlich erwähnte sie auch Paul und das Wochenende auf der Hütte.

Nur bei dem Gedanken an ihre »schöne Nacht« war Maria etwas unentschlossen. Ob die Prinzessin dafür Verständnis haben würde? Sie war sich nicht sicher, deswegen behielt sie es erst mal für sich. Doch etwas anderes traute sie sich zu fragen. »Das große Korsett in unserem Zimmer, das ist deines?«

»Ja, das ist meines.« Sarah seufzte leicht. »Es passt in keinen der Schränke hier.«

Nur am Rande fragte sich Maria, wie wohl die Schränke der Prinzessin aussehen würden, wenn sie Platz für so ein Korsett boten. »Es sieht sehr streng aus.«

»Das sieht nur so aus.« Sarahs Stimme klang fast etwas verächtlich. »Es ist nur das leichte Trainingskorsett.«

Maria wunderte sich. »Leicht?« Sie keuchte etwas. Ihr Korsett daheim war nicht so streng.

»Nun ja, hier sind die Arme noch frei...« Sie blickte sich etwas schüchtern um. »Und die Füße lassen sich auch frei bewegen.«

Maria wunderte sich. Unter ´Frei Bewegen´ hatte sie bisher etwas anderes verstanden.

»Es war eines der Verlobungsgeschenke.« Wieder blickte sich die Prinzessin scheu um. »Aber es passt mir nicht.«

Maria fand keine Worte.

»Es wurde nur nach einem Foto von mir angefertigt. Es sollte ja eine Überraschung sein.« Sie seufzte. »Die Familie ist sehr korsettvernarrt. Die Tochter soll sogar eines aus Metall haben. Aber ich habe es bisher noch nicht zu Gesicht bekommen.«

»Ich soll ja auch ein neues Korsett bekommen«, berichtete Maria von den Plänen für sie selbst. »Aber so streng wird es nicht sein.«

»Für meine Hochzeit ist noch ein viel strengeres Korsett geplant.« Sarah stöhnte ein wenig. »Dort sind auch die Arme und die Füße mit eingeschnürt.«

»Das ist doch unmenschlich!« Maria war ein wenig empört.

»Findest du?« Sarah schaute ein wenig verwundert. »Ich freue mich schon darauf. Wenn ich da drin bin, dann kann mir nichts passieren.« Sie zögerte etwas. »Vorausgesetzt, es passt.«

Maria hakte nach.

»Das Korsett im Zimmer haben sie ja nur nach einem Foto angefertigt.« Sie verdrehte die Augen.

Maria war mehr als verwundert. »Ich wurde bisher immer komplett eingegipst, damit sie die genaue Körperform haben.«

»Es hängt wohl auch mit dem Dresscode zusammen, der bei uns üblich ist.« Sarah streckte ihre Arme ein wenig. »Es ist nicht schicklich, seine Arme zu zeigen. Ein Venuskorsett zu tragen gilt als äußerst vornehm. Aber das hat schon lange keine Frau mehr zustande gebracht.«

Maria war der Widerspruch aufgefallen. »Der Herzog setzt deswegen große Stücke auf dich. Und dass obwohl sein Sohn einen Freund hat. Weiß er das nicht?«

»Ich glaube, er will es nicht wahr haben.« Sie seufzte laut. »Er nimmt es einfach nicht zur Kenntnis. Für ihn bin ich die perfekte Schwiegertochter.«

Maria war fassungslos wegen solcher Ignoranz. »Er setzt sein Glück vor alles andere.«

»Das Glück der Familie.« antwortete Sarah mit einem Unterton, der Maria dazu brachte, das Thema zu wechseln. Sie spürte, dass sie kurz davor war, in ein großes Fettnäpfchen zu treten.

* * *

Als die Schwester bald nach dem Abendessen ins Zimmer kam und zielstrebig die Decke von Sarahs Bett nahm, kam ein S-Fix zum Vorschein. Maria erstarrte.

Die Prinzessin bemerkte Marias Verunsicherung sofort. »Er hat das angeordnet.«

Maria dachte kurz darüber nach, ob sie ihren zukünftigen Mann oder dessen Vater meinte; doch dann war ihr klar, dass nur der Schwiegervater gemeint sein konnte.

»Meine Glieder schlafen nicht ein, aber ich bin völlig hilflos.« Sarah hatte Marias sorgenvollen Blick bemerkt und wollte sie beruhigen. »Ich kann mich aber trotzdem noch bequem bewegen und gut schlafen.«

Maria war etwas neidisch. Sie hatte zwar in der Hütte auch in einem S-Fix schlafen dürfen, aber sie war an dem Abend so müde gewesen, dass sie sofort eingeschlafen war und am nächsten Morgen war sie gleich nach dem Erwachen wieder befreit worden. So richtig spüren konnte sie es bisher eigentlich nicht. Sie sah sehr fasziniert zu, wie Sarah im S-Fix auf dem Bett fixiert wurde.

Plötzlich war ein leises Brummen zu hören. Sarah war zunächst etwas erschrocken. »Ich habe das nicht abbestellt.« Sie keuchte schon ein wenig.

Maria begriff die Situation sehr schnell. Sie ahnte, dass die Prinzessin sich wohl etwas schämte, in ihrer Gegenwart zum Orgasmus gezwungen zu werden.

Maria fragte sich, wie sich an ihrer Stelle wohl reagieren und erwarten würde. Sie beschloss, einfach ruhig zu sein und so zu tun, als wäre nichts. Doch insgeheim war sie von dem Leben der Prinzessin sehr fasziniert und versuchte sogar, sich an ihre Stelle zu träumen.


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colonytzan
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  RE: Maria Kapitel 13 - In Amerika - Teil Eins Datum:24.02.16 16:13 IP: gespeichert Moderator melden


hi gag_coll:

The chapter is wait more time
hope contunus chapter is short time to see
and weiter hoffen "Schreib Neue Rosen und alte Dornen"

Danke vielmals
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kamikazekifferin Volljährigkeit geprüft
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Von nichts kommt nichts

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  RE: Maria Datum:24.02.16 22:34 IP: gespeichert Moderator melden


Huhu Gag-Coll

Eeeeeendich gehts weiter. Ich denke, ich spreche auch für alle anderen, die Geduldig auf den nächsten Teil warten, einen RIESEN Dank aus.

Ich hoffe nur, dass es für die Prinzessin eine Wendung gibt.
Aber auf der anderen Seite erkennt Maria auch, dass das Leben einer Prinzessin nicht nur Friede Freude Eierkuchen ist. Das ist für sie eine Wichtige Lektion schätze ich. Aber wir werden abwarten, wie es weiter geht.

mit fesselndem Gruß

Eure Kami
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  RE: Maria Datum:24.02.16 23:53 IP: gespeichert Moderator melden


Juhuu!!!!!!!!!!!!!!!!


Es geht weiter.Vielen Dank.
Ich wünsch den beiden viel Glück.Vieleicht findet die Prinzessin ja doch noch ihr Glück und der Herzog krieg seine gerechte Strafe wenn es stimmt das er den Vater der Prinzessin in den Ruin und Tod getrieben had.

Auf alle Fälle freu ich mich schon auf die Fortsetzung.
Bitte,Bitte laß uns nicht wieder so lange warten.

mfg Wölchen
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pfeffer
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  RE: Maria Datum:26.02.16 15:03 IP: gespeichert Moderator melden


Die lange herbeigesehnte Fortsetzung – und das Warten hat sich gelohnt.
Die Prinzessin ist mit ihrem Schicksal ein interessanter Charakter. Bin gespannt, wie dieses Drama enden wird.
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gag_coll
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  RE: Maria Kapitel 13 - In Amerika - Teil Zwei Datum:26.02.16 16:50 IP: gespeichert Moderator melden


Maria
Kapitel 13 - In Amerika - Teil Zwei
Autor: Karl Kollar

Donnerstag, 26. August 1984

Als Maria erwachte, war Sarah schon wach und hatte auch ihre Morgenhygiene schon beendet. Als sie den verschlafenen Blick ihrer Zimmergefährtin bemerkte, wünschte sie ihr einen guten Morgen.

Maria erwiderte den Gruß. Sie wunderte sich ein wenig über die Hektik, doch traute sich nicht, eine Frage zu stellen.

»Ich habe heute wieder die Eiserne Lunge fast über den ganzen Tag.« erklärte Sarah und blickte auf die Schwester, die gerade den Raum betrat. Dann ging sie zu ihrem Rollstuhl und nahm darauf Platz. Sie achtete darauf, Arme und Beine gleich so zu positionieren, dass sie sofort festgeschnallt werden konnte.

»Frühstück!« Schwester Betty strahlte irgendwie gute Laune aus. Doch als ihr Blick auf Maria fiel, wurde sie verlegen. »Für sie ist aber kein Frühstück vorgesehen«, berichtete sie, nachdem sie einen Zettel aus ihrem Kittel gezogen hatte und kurz darauf geschaut hatte.

Maria war nur in der ersten Sekunde enttäuscht, dann fiel ihr ein, dass ihre Mutter sie heute zu ihrem Mutter-Tochter-Tag abholen würde. Und dieser Tag begann stets mit einem ausgiebigen Frühstück in dem kleinen Lokal um die Ecke.

Doch was so großartig als Frühstück angekündigt war, entpuppte sich als ein weißer Beutel, der von der Schwester einfach nur neben Sarahs Bett gehängt wurde und dann mit dem Schlauch verbunden wurde, der in Sarahs Nase führte. Danach kniete sich die Schwester vor den Rollstuhl und ohne ein weiteres Wort zu sagen, schloss sie die Riemen um Sarahs Arme und Beine.

Maria schaffte es nicht, ihre Verwunderung zu verbergen. »Warum...?« begann sie schüchtern zu fragen.

Die Schwester überzeugte sich noch davon, dass der Beutelinhalt sich auf den Weg machte, streichelte der Prinzessin noch einmal über den Kopf, dann verließ sie wieder das Zimmer.

»Ich habe mir das so gewünscht, weil ich dann bei meine Behandlungen nicht für das Essen unterbrechen muss.« Sie lächelte verlegen, als sie Marias zweifelnden Blick sah. »Fürs Frühstück wäre es natürlich nicht nötig.« fügte sie hinzu. Dann wurde ihre Stimme etwas leiser. »Aber finde ich es sehr faszinierend, dass ich darauf keinen Einfluss mehr habe und es ohne mein Zutun passiert.«

Ein Lächeln glitt über Marias Gesicht. Sie musste an Christine denken, die auf der Hütte Ähnliches geäußert hatte.


Es klopfte und gleich darauf betrat Marias Mutter das Zimmer. Sie begrüßte zunächst Sarah, dann wandte sie sich an ihre Tochter. »Bist du fertig?«

Maria ging zum Schrank und holte sich ihre Jacke heraus, dann sah sie ihre Mutter verlegen an.

Frederike musste lächeln. So sah Maria jedes Mal aus, wenn sie sie zum Mutter-Tochter-Tag abholte. Sie schob jedesmal ein schlechtes Gewissen vor sich her, weil sie sich nicht immer an die Vorgaben ihrer Mutter gehalten hatte.

Diesmal war es besonders schlimm, weil sie sich auf der Hütte mehr als hatte gehen lassen. Und dann war da natürlich auch noch Paul.

»Sebastian hat mir alles erzählt.« Sie streichelte ihrer Tochter über den Kopf. »Ich bin sehr stolz auf dich.«

Marias Miene entspannte sich ein klein wenig, doch dieses Mal gab noch mehr zu beichten.

»Lass uns gehen.« schlug Marias Mutter vor.

»Einen schönen Tag.« wünschte Sarah.

Die beiden Frauen bedankten sich. Maria wunderte sich einen Moment lang, dass ihre Mutter Sarahs Fixierung überhaupt nicht zu bemerken schien. Doch dann ging ihr durch den Kopf, dass Sarah mit ihren Wünschen ja schon länger in der Klinik verweilte.

* * *

Das Cafe war keine zwei Autominuten von der Klinik entfernt. Frederike ging dort sehr gern hin, weil die Eigentümer deutsche Wurzeln hatten und sie dort auch einmal das eine oder andere Wort Deutsch hörte.

Der Chef persönlich empfing sie und führte sie zu einem Tisch am Fenster. »Ich halte ihn immer für sie frei«, flunkerte er höflich. »Heute mit der kleinen Schwester?« Natürlich kannte er Maria, aber er liebte es, solche Komplimente zu machen.

Mutter und Tochter blickten ihn lächelnd an, dann gaben sie ihre Bestellung für das Frühstück auf.


»Ich habe lange mit Sebastian telefoniert und er hat mir erzählt, was du alles gemacht hast, mein kleines Ponygirl.« Sie strich ihrer Tochter über den Kopf. »Ich wusste gar nicht, dass dir so etwas gefällt.«

»Das wusste ich auch nicht.« lächelte Maria. Sie war erleichtert, dass ihre Mutter ihr anscheinend nicht böse war. »Nach den ersten Schritten kam es mir vor, als hätte ich nie etwas anderes gemacht. Und als Paul mich dann in die Arme genommen hat...« Sie erschrak, denn auf einmal wurde ihr bewusst, dass sie ihren Freund auch noch zu beichten hatte. Sicher hatten Mrs. Potter und Sebastian ihn erwähnt, aber es zu erzählen, während sie ihrer Mutter in die Augen blickte, war doch noch etwas anderes. Sie ärgerte sich ein wenig, dass sie jetzt schon davon angefangen hatte.

Doch zu ihrer Erleichterung ging ihre Mutter gar nicht darauf ein. »Wie hat dir das Vakuumbett gefallen?«

Maria war verblüfft. Sebastian hatte scheinbar wirklich alles erzählt. Sie zögerte mit der Antwort.

»Es gäbe da nämlich eine neue Behandlungsmethode, die der Herzog für euch angefordert hat.« Frederike hatte auch ein schlechtes Gewissen, weil sie dies schon zugesagt hatte.

Doch auf einmal wurde Maria ernst. »Wir hatten eine Vereinbahrung.« Sie war etwas enttäuscht, ihre Mutter erst wieder daran erinnern zu müssen, dass ihre anstehenden Behandlungen auf ihrem gemeinsamen Tag tabu waren und sie nicht darüber sprechen wollten.

Frederike fühlte sich ertappt. »Du hast recht, entschuldige bitte.« Sie lächelte verlegen. »Wie hat es dir auf der Hütte gefallen?«

»Es war...« Sie zögerte etwas und suchte nach dem passenden Wort. »Es war faszinierend.« Das war zwar nur die halbe Wahrheit, doch Maria hatte immer noch Probleme damit, zu verarbeiten, wie heftig sie auf die einzelnen »Spiele« reagiert hatte und wie sehr sie die Atmosphäre auf der Hütte in den Bann gezogen hatte. Sie hatte aufgehört zu zählen, wie oft sie an dem Wochenende gekommen war, doch fast immer war es in Pauls Armen und oder zumindest in seiner Gegenwart. Sie spürte, wie sie gegen ihren Willen rot wurde.

»Du liebst ihn sehr?« Frederike bemühte sich, wie die beste Freundin zu klingen und nicht wie die besorgte Mutter.

Maria hob ihren Kopf und sah ihre Mutter ins Gesicht. Langsam öffneten sich ihre Lippen.

»Das Frühstück, meine Damen.« Der Chef war mit einem Tablett an ihren Tisch getreten und begann zu servieren.

Maria war froh, dass ihr die Antwort auf die Frage nach Paul erst einmal erspart blieb. Doch insgeheim ahnte sie, dass diese Beichte vielleicht doch leichter werden würde als sie ursprünglich gedacht hatte.

»Das hier ist das einzige Lokal, wo es richtige Brötchen gibt.« Frederike blickte den Chef dankbar an.

»Wir backen die selbst.« Der Chef lächelte. »Aber selbst die richtigen Zutaten zu bekommen ist hier nicht einfach.« Er freute sich über das Lob und die Wertschätzung. »Ich wünsche ihnen guten Appetit.«

Maria und ihre Mutter bedankten sich, dann machten sie sich über das Frühstück her.


»Diese Ernährung mit der Magensonde hat mich sehr fasziniert.« Maria sprach ihre Gedanken aus, nach dem sie ihren ersten Hunger gestillt hatte. »Christine sah so glücklich aus. Und Sarah ebenfalls.«

»Ich wollte es ja erst nicht glauben, aber Sebastian hat dich sehr gut eingeschätzt.« Sie legte sich noch ein Brötchen auf ihren Teller. »Die Magensonde ist eigentlich etwas sehr Demütigendes, und um das gut zu finden, muss man schon eine gewisse Veranlagung mitbringen.«

»Du würdest es erlauben?« Maria glaubte einen gewissen Tonfall bei ihrer Mutter entdeckt zu haben.

»Jetzt sprichst du aber von deinen Behandlungen.« ermahnte sie Frederike.

Maria lächelte etwas verlegen.

»Ist ja kein Problem.« Ihre Mutter lachte. »Jetzt möchte ich es aber auch sehen.«

»Was denn?« Maria war etwas verwundert.

»Na, dein Gebet auf dem Rücken, von dem Sebastian so geschwärmt hat.« Frederike strich ihrer Tochter noch einmal über den Kopf. »Er sagt, ich könne sehr stolz auf dich sein.«

Marias Blick zeigte zunächst einmal deutlich ihr schlechtes Gewissen. Sie zögerte mit der Antwort.

»Ich kenne Margarete nicht, aber Sebastian hat mir versichert, dass sie eine hervorragende Ärztin ist. Sie hätte nie zugelassen, dass ihr euch oder eure Gesundheit gefährdet.«

Maria war immer noch etwas wie gelähmt.

»Führe es mir doch bitte einmal vor.« bat Frederike ihre Tochter.

Maria musste erst einmal verarbeiten, was sie gerade von ihrer Mutter erfahren hatte. Doch dann legte sie ihre Arme auf den Rücken und nahm die Position des Backprayers ein, soweit sie es für diese doch sehr unnatürliche Haltung selbst konnte.

Die Mutter war im ersten Moment sprachlos. Sehr vorsichtig glitten ihre Finger über die Arme ihrer Tochter und drückten sie sanft zusammen und nach oben. Marias Ellenbogen berührten sich. »Das wäre das Ergebnis der ersten Woche.« Wieder streichelte sie ihre Tochter. »Wir könnten das jetzt etwas entspannter angehen.«

Maria war trotz ihrer Anspannung der Unterton in den Worten ihrer Mutter nicht entgangen. ´Könnten?´ fragte sie mit einigem Zittern in der Stimme, als sie den veränderten Gesichtsausdruck ihrer Mutter bemerkte.

Frederike ärgerte sich. Sie wollte es ihrer Tochter eigentlich erst später und etwas behutsamer beibringen. Doch vielleicht war die Schockmethode in diesem Fall sogar besser. »Dieser neue Investor ist schuld.« ihre Stimme war leise und Maria hatte fast Probleme, zuzuhören. »Und dann war der Herzog da und hielt mir den Scheck unter die Nase.«

»Was hast du gemacht?« Maria war entsetzt, denn diese Stimmung hatte sie bei ihrer Mutter noch nie so deutlich gesehen.

»Ich habe dich verkauft.« Frederike hielt den Blick gesenkt. Sie schaffte es nicht, ihrer Tochter ins Gesicht zu sehen. »Ich wollte es dir erst später sagen, doch der Herzog bezahlt mich dafür, dass du und seine Schwiegertochter genau gleich behandelt werden. Er ist mit ihren bisherigen Leistungen nicht einverstanden.«

Maria hatte ganz etwas anderes befürchtet. Jetzt war sie gerade zu erleichtert. »Ich werde auch so festgeschnallt und bekommen so eine Sonde?«

Frederike war noch vollkommen in ihrem schlechten Gewissen gefangen. »Ich habe ihm gesagt, dass ihr zwei völlig unterschiedliche Vorraussetzungen habt und dass es überhaupt nicht sinnvoll ist, doch er wollte es nicht hören.«

Maria schob ihre Vorfreude beiseite, denn sie spürte, dass es für die Skrupel ihrer Mutter gewichtige Gründe geben musste. »Was ist passiert?« Sie wusste zwar immer noch nicht, was los war, aber sie ahnte, dass es etwas wichtiges sein musste.

»Der neue Investor...« ihre Mutter schluchzte fast. »Diese unfähige Verwaltungsdirektor... Ich muss alles selbst bezahlen.«

Maria ergriff die Hand ihrer Mutter und begann sie zu drücken. »Jetzt erzähl doch mal von vorn.« Insgeheim war sie ein wenig erleichtert, dass ihre Mutter auch große Probleme hatte. So wurden ihren Sorgen wegen Paul etwas in den Hintergrund gedrängt.

Frederike wischte sich mit der freien Hand ihre Tränen weg, dann begann sie zu erzählen. Sie berichtete von dem Verwaltungsdirektor, durch dessen Fehler und Versäumnisse die Klinik in eine gewaltige Schieflage geraten war. »Durch einen Fehler in unserer Satzung war es dem Investor möglich, die Klinik aufzukaufen.« Sie seufzte. »Wir waren alle wie vor den Kopf gestoßen.«

Maria streichelte die Hand ihrer Mutter und war entsetzt über die Lage, in der sie sich im Moment befand.

»Es ist jetzt nicht mehr meine Klinik, sondern ich habe nur noch die medizinische Leitung.« Sie seufzte wieder. »Immerhin konnte ich ihn durch meine bisherigen Leistungen überzeugen.«

»Wie lange ist das her?«

»Gerade mal eine Woche.« Frederike seufzte. »Ich war bei ihm und er hat mir die medizinische Leitung gelassen, weil er von mir überzeugt ist. Aber meine privaten Projekte muss ich ab sofort selbst bezahlen.«

Natürlich hatte Frederike sofort das Konsortium informiert und sie versprachen, sich darum zu kümmern, doch sie wusste aus der bisherigen Erfahrung, dass dies lange dauern würde. Doch von dem Konsortium wollte sie ihrer Tochter nichts berichten, zumindest jetzt noch nicht. »Ich hatte schon überschlagen, was das ungefähr kosten würde, als auf einmal der Herzog vor mir stand und mir einen Scheck unter die Nase hielt, auf dem die zehnfache Summe stand. Dafür muss ich euch beide gleich behandeln.«

Maria begriff auf einmal, was die Worte bedeuteten. Und sie war zwiegespalten. Sicher, ihre Mutter hatte sie quasi an den Herzog verkauft und darüber müsste sie eigentlich erbost sein. Doch gleichzeitig erkannte sie, dass ein erst vor kurzem entstandener Traum dabei war, sich zu erfüllen. Sie würde an dem Leben der Prinzessin teilhaben und sie würde genauso streng behandelt werden.

»Ich werde mich opfern.« war schließlich ihre salomonische Antwort, denn sie hatte erkannt, welch eine faszinierende Zeit in diesem Fall vor ihr liegen würde. Sie seufzte etwas übertrieben und hoffte, dass ihre Mutter ihr das »Opfer« abkaufen würde. Sie wusste, dass eine schöne Zeit vor ihr lag. Natürlich würde es schöner sein, wenn Paul da wäre, doch das konnte sie unmöglich verlangen. Sie begann ihrer Mutter über ihren Freund zu erzählen.


»Freust du dich schon auf das ´erste Mal´«, Frederike hoffte, dass sie so von dem ihr etwas unangenehmen Thema ablenken konnte. Dass sie damit bei Maria mittlerweile offene Türen einrannte, ahnte sie nicht.

»Wie denn?« Maria spielte die Empörte. »Noch trage ich doch diesen schönen Schutzgürtel.« Der Sarkasmus in diesem Moment war grundehrlich.

»Vom Programm her wäre es ja vorgesehen.« Frederike übersah den Einwand. Sie hatte es nicht erhofft, dass diese Möglichkeit schon so früh zur Verfügung stehen würde. »Jetzt möchtest du aber sicher erst Mal das Fest gut spielen.«

»Du hast recht.« Maria war über den Themenwechsel ebenfalls dankbar. »Die Prinzessin sollte nicht an ihren eigenen Vorteil denken.« Sie ertappte sich dabei, dass sie sich mit Sarah verglich, die allerdings ein viel größeres Opfer zu bringen hatte.

»Ich möchte noch einmal auf die Hütte zu sprechen kommen.« Frederike blickte ihre Tochter gespannt an. Es reizte sie, das Programm mit dem Thema zu verknüpfen, welches ihre Tochter gerade zu entdecken schien. »Wie gefällt dir ´Bondage´«?

Sie selbst kannte diese Spielart zwar, konnte ihr aber nicht so viel abgewinnen. Natürlich lag es vor allem daran, dass sie seit dem Unfalltod ihres Mannes keinen Partner mehr hatte, dennoch war sie sich der erotischen Wirkung auf Frauen natürlich bewusst. Spätestens als Maria mit 15 ihr erstes Korsett verlangte und bekam, war ihr als Mutter klar, was sich da entwickle würde.

Maria verschluckte sich und musste erst ein wenig husten, bevor sie antworten konnte. Das gab ihr aber Zeit, über ihre Worte nachzudenken, denn sie fühlte, dass es eine wichtige Frage war. »Ich war von dem Handschuh immer schon fasziniert, auch wenn ich ihn mehr als einmal verflucht habe. Die Hütte hat mir die Augen geöffnet.« Sie beschrieb, dass sie der spielerischen Hilflosigkeit sehr viel Lust abgewinnen konnte. »Ich hatte eher Schwierigkeiten, meinen Gefühlen zu vertrauen. Das Schönste überhaupt war das Vakuumbett...« Sie schloss kurz die Augen. »Seine Hände waren überall und ich musste es hinnehmen und genießen.«

»Sebastian war von euch auch sehr beeindruckt.« Frederike lächelte.

»Das Lebendig Begraben Werden hätte mir nicht gefallen«, lächelte Maria. »Aber es war ja alles freiwillig.«

»Wie wäre es, wenn wir aufbrechen?« Frederike winkte dem Ober. »Ich habe noch eine Überraschung für dich.«

* * *

Sie waren eine knappe halbe Stunde mit dem Auto unterwegs, als Frederike auf einen Parkplatz einbog. »Ich hoffe, es gefällt dir. Ich habe es erst vor kurzem entdeckt.«

Maria blickte sich verblüfft um. Es sah aus wie in den Alpen am Ufer eines Sees. »Wie daheim.«

»Lass uns ein wenig spazieren gehen.« schlug die Mutter vor. »Dort drüben haben sie ein »Bayrisches« Restaurant aufgemacht. Mit typisch bayerischen Gerichten.« Sie zählte auf. »Wiener Schnitzel, Hamburger und Thrüringer Bratwurst.«

Maria lachte.

»Aber der Schweinebraten ist für amerikanische Verhältnisse wirklich gut.« Sie öffnet die Tür und stieg aus.

Maria stieg ebenfalls aus und blickte sich verblüfft um. »Hier sieht es wirklich aus wie daheim.«

»Hier komme ich oft her, wenn mich die Sorgen zu sehr plagen.« Sie seufzte ein wenig. »Es lässt mich vergessen, wie weit ich von unserer Heimat entfernt bin.«

Maria seufzte nur etwas. Sie vermisste ihre Mutter auch sehr.


Einen Großteil des Weges gingen sie schweigend nebeneinander her. Beide waren ihre »großen Brocken« schon losgeworden und jetzt genossen sie die Nähe des jeweilig anderen.

Nach einiger Zeit begann Maria, ein wenig vom Katerinenfest zu berichten. Sie erzählte von den Ketten, die sie jetzt besaß und vor allem behalten durfte. Als ihre Mutter nachfragte, berichtete sie von den aufregenden Momenten in der Schmiede. Von Doris war sie besonders fasziniert, weil diese von ihrem dominanten Freund in Ketten gefangen gehalten wurde. »Sie war von der Probe so begeistert, weil sie dort ihre Ketten einmal zeigen durfte.«

Frederike hörte aufmerksam zu, auch wenn ihre Tochter von Dingen berichtete, die eine Mutter eigentlich lieber nicht hören wollte.

»Stell dir vor, sie übernachtet in einem Käfig, und nur ein Wachssiegel hält sie darin gefangen.« Marias Stimme zeigte ihre Faszination.

»Warum denn das?« auch Frederike begriff die Zusammenhänge nicht sofort.

»Sie wohnen über der Schmiede, und dort ist offenes Feuer. Viel zu gefährlich.« Maria gab die Argumentation wieder. »Schließlich hatte die Mutter die rettende Idee.«

Frederike hielt innerlich die Luft an. Die Parallele war viel zu deutlich.

»Sie hatte erkannt, dass es für ihre Tochter sehr wchtig war, von ihrem Freund gefangen zu sein.« Marias Stimme zitterte ein wenig. »Sie hatte die Wünsche wie auch das Wohl ihrer Tochter im Auge. Von ihr war die Idee mit dem Wachssiegel.« Sie beschrieb, dass Doris auf diese Weise sicher gefangen war und sich im Notfall doch ganz leicht befreien konnte.

»Ich habe auch immer von dem Fest geträumt.« Frederike übersah die Anspielungen ihrer Tochter. »Ich bin unheimlich stolz auf dich.« Sie streichelte ihr über den Kopf. »Ich wollte immer die Prinzessin sein. Doch jetzt bist du es.«

Maria wusste ob dieser so unerwarteten Offenbahrung ihrer Mutter keine Antwort. Sie schwieg.

»Wer weiß eigentlich von der Originalhaltung?« Frederike gab sich neugierig. »Außer Mrs. Potter und Paul natürlich.«

»Eigentlich nur der Baron.« antwortete Maria etwas nachdenklich. »Und natürlich die Schneiderin.«

»Die Schneiderin?« Frederike war etwas verwundert.

»Naja, sie muss ja das Kleid schneidern, wo meine Arme hinein passen.« Maria grinste.

Frederike verstand.

»Ich glaube, sie schneidert sogar zwei, eines für einen Monohandschuh.« Ihre Stimme zeigte sowohl Bewunderung als auch Vorfreude. »Ich frage mich nur, was Herr Weiterer davon halten wird, dass ich keinen Monohandschuh tragen werde.« Maria berichtete von dem faszinierenden alten Herrn. »Als er uns erzählte, dass ich wegen seines Alters wohl seine letzte Katerina sein werde, da hätte ich fast geheult.«


»Wie macht sich Paul als Prinz?« fragte ihre Mutter nach einer gewissen Pause. »Ich glaube, du spielst ja wohl viel lieber mit ihm als mit dem Neffen.«

»Ich weiß nicht, was mit dem los ist.« Maria seufzte, als sie daran erinnert wurde. »Seit Paul ausgewählt wurde, ist er bei jeder Gelegenheit dabei und schaut uns zu.«

»Vielleicht hat der Baron ihn beauftragt, auf euch aufzupassen?« spekulierte Frederike. Wie nah sie dabei an der Wahrheit war, ahnte keine von ihnen beiden.

»Aber Paul als Prinz ist toll.« Maria grinste. »Zuerst war er noch sehr zurückhaltend, aber ich glaube, die Hütte hat auch ihm die Augen geöffnet.« Sie schloss kurz die Augen und schien zu träumen. »Ich freue mich wirklich schon auf die Aufführung.«

»Du stehst dann ja mit ihm vor dem Altar.« Frederike griff den Gedanken auf. Sie dachte an eine ganz bestimmte Frage, wagte es aber nicht sie anzusprechen.

Maria schien sie trotzdem zu verstehen. »Ich möchte jetzt erst mal das Abitur schaffen und die Ausbildung hinter mich bringen. Dann sehen wir weiter.«

Sie gingen schweigend weiter.

* * *

Maria musste lachen, als die »bayrische« Gastwirtschaft in Sichtweite kam. »Der war aber auch noch nie in Bayern.« Das Haus sah so aus, wie sich ein Amerikaner ein bayrisches Haus vorstellt, ohne je eines gesehen zu haben.

»Dieser große Balkon ist hemmungslos übertrieben.« bestätigte ihre Mutter. »Aber von dort hat man einen schönen Blick auf den See.«

Sie kamen dem Haus näher. »Setzen wir uns auf den Balkon?« Es war wenig los. »Am Wochenende bekommst du hier keinen Platz.«

Maria lächelte. »Können wir machen.« Am Eingang war schon eine Speisekarte ausgehängt. Sie amüsierte sich sehr über die fast wörtliche Übersetzung der bayrischen und deutschen Gerichte.

Auf dem Balkon angekommen, musste Maria erst einmal die Aussicht genießen, bevor sie sich an den Tisch setzte. »Wirklich wie daheim.« Sie strahlte. Dann wandte sie sich der Speisekarte zu.

»Der Schweinebraten hier ist wirklich gut.« empfahl ihr ihre Mutter, »zumindest für hiesige Verhältnisse. Du solltest ihn aber mit Pommes Frites nehmen. Knödel können sie wirklich nicht.«

Sie entscheiden sich für zwei Portionen von dem Braten und bestellten sich jeweils ein Erdinger-Weißbier, welches Maria auf der Karte entdeckt hatte.

»Meine Tochter darf das.« bestätigte Frederike, als die Bedienung die Stirn runzelte. »Sie sieht nur so jung aus.«


»Hast du dich schon mit der Prinzessin angefreundet?« fragte ihre Mutter nach ihrer Zimmergefährtin.

»Auf sie wartet ja ein trauriges Schicksal.« Maria gab wieder, was sie schon von Sarah erfahren hatte.

»Der Herzog setzt große Stücke auf dich.« Frederike seufzte. »Ich weiß immer noch nicht, ob es richtig war.«

»Mir ist noch nicht klar, was er von mir erwartet.« Maria zuckte mit den Armen.

»Naja, es ist schon etwas seltsam.« Frederike seufzte ein wenig. »Unter der Woche zeigt die Prinzessin immer normale Leistungen. Aber immer, wenn ihr Schwiegervater in der Klinik ist, ist sie wie verwandelt. Dann bekommt sie kaum ihre Arme auf den Rücken.«

»Sie soll ja auch das Gebet auf dem Rücken tragen.« Maria erinnerte sich daran, wie die Prinzessin sie fast ausgehorcht hatte. »Sie war sehr erfreut, dass ich das auch trainieren muss.«

»Der Herzog hofft, dass ihre Leistungen besser werden, wenn sie eine Gefährtin hat.« Sie blickte ihre Tochter kurz an. »Er setzt große Hoffungen in dich.«

»Was kann ich denn machen?« Maria versuchte die Freude darüber, genauso wie die Prinzessin behandelt zu werden, erst einmal zu verdrängen. Schließlich war sie nicht zu ihrem Vergnügen in der Klinik.

»Sarah ist jetzt schon gut ein viertel Jahr hier. Und sie hat bestimmt die körperlichen Vorraussetzungen, um dieses Kunststück zu schaffen.« Die Stimme von Frederike zeigte einige Resignationen. »Doch immer, wenn es Ernst wird, dann scheint sie kneifen zu wollen.«

Die Bedienung brachte das Essen.

»Oh, das sieht ja lecker aus.« Maria war erfreut, auch wenn die Pommes Frites etwas befremdlich neben den Fleischscheiben lagen.

Sie ließen es sich schmecken.


»In einem halben Jahr ist die Hochzeit«, sagte Frederike, nachdem sie ihr Besteck weggelegt hatte. »Bis dahin muss sie die Haltung können.«

Auf einmal wurde Maria etwas klar. »Sie hat Angst vor der Hochzeit und möchte ?es? so lange wie möglich hinauszögern.«

»Meinst du?« Ihre Mutter blickte sie verwundert an. »Warum sollte sie das tun?«

«Du weißt das nicht?« Maria war verblüfft. »Ihr zukünftiger Mann hat einen Freund.«

»Ja und?« Frederike es verstand noch nicht. »Eine sehr innige Männerfreundschaft eben. Sagt der Herzog auch.«

»Ihr wollt es nicht sehen?« Maria wischte sich den Mund ab. »Er ist schwul.«

»Meinst du?« Ihre Mutter zeigte einige Zweifel. »Er soll sie doch heiraten.«

Maria erkannte, dass ihre Mutter in dieser Richtung wohl keine Hilfe war. Sie begriff, das sie dieses Problem selbst lösen musste.

»Ich habe noch ein Geschenk für dich.« Marias Mutter wechselte das Thema. »Es liegt im Kofferraum.«

Maria blickte ihre Mutter neugierig an. »Was ist es?«

»Lass dich überraschen.« Sie winkte dem Ober. »Zahlen bitte.«

* * *

»Aber das ist ja ein Ponygirl-Geschirr.« Marias Hände zitterten, als sie das aufregende Leder in der Hand hielt.

»Hufstiefel gehören auch noch dazu, aber die waren noch nicht fertig.« Frederike nahm ihre Tochter in den Arm. »Ich bin sehr stolz auf dich.«

»Aber ich sehe keine Armfesseln?« Maria hielt das Leder in die Höhe. »Ein Pony braucht doch keine Arme.« Sie wunderte sich ein wenig, dass sie solche Sätze von sich gab.

»Das weiß ich«, grinste ihre Mutter. »Ich darf heute ja nicht über die Behandlungen reden, aber du wirst es bald tragen dürfen.« Sie lächelte verschmitzt. »Es sind ein paar spezielle Übungen für die Prinzessin vorgesehen.«

Maria ließ das Geschirr sinken und blickte verträumt über den See. »Ich habe immer davon geträumt, eine Prinzessin zu sein. Jetzt bin ich mit einer zusammen und nehme an ihrem Leben teil. Das ist schon fast so, wie wirklich eine zu sein.«

»Ich dachte mir schon, dass dir das gefallen wird, auch wenn es ziemlich von dem Programm abweicht.« Ihre Mutter bat sie, im Auto Platz zu nehmen.

»Darf ich dann auch in diesem S-Fix übernachten?« fragte Maria, nach dem sie sich angeschnallt hatte.

»Ich dachte, das kennst du von der Hütte?« Frederike war verwundert.

»Och, dort konnte ich es gar nicht genießen.« Ihre Stimme klang etwas enttäuscht. »Ich bin sofort eingeschlafen, weil ich so müde war. Und am Morgen haben sie mich so schnell wieder befreit...« Dass sie gern von Paul geweckt worden wäre, behielt sie lieber für sich.

»Und ich hatte Angst, ich würde etwas Schlimmes von dir verlangen.« Die Erleichterung war Frederike deutlich anzumerken. »Aber du scheinst dich ja geradezu darauf zu freuen.«

Maria blickte ihre Mutter nur kurz an und lächelte etwas verlegen.

»Dir ist schon bewusst, dass die Prinzessin auf ihren eigenen Wunsch hin bei uns quasi rund um die Uhr von Fesseln und Einschränkungen umgeben ist.« Frederike hatte wieder etwas Sorgenvolles in der Stimme.

Maria bekam auf einmal einen sehr glasigen Blick. »Ja«, begann sie und ihre Stimme war sehr leise. »Ich werde diese Opfer ebenfalls bringen.«

Sie bedauerte es sehr, dass Paul nicht da war. Obwohl es eigentlich unsinnig war, machte es Maria sehr viel aus, von wem sie die Fesseln angelegt bekam. Und es war noch ein großer Unterschied, ob sie sich nur einredete, dass es seine Fesseln wären, oder ob er sie ihr tatsächlich angelegt hatte. Doch dann hielt sie in ihren Gedanken inne. War es nicht auch ein Teil ihres Traumes, sich aufopfern zu müssen? Wenn sie die nächsten Wochen als Gefangene verbringen musste, dann würde sie sich gern dafür hergeben.

Und noch etwas anderes bewegte sie. Bisher waren die Aufenthalte in der Klinik immer noch abstrakt gewesen. Diesmal hatte sie etwas Greifbares als Ziel. Sie wollte Sarah beistehen und ihr bei ihrem schweren Schicksal helfen. Und natürlich würde sie auch das Katerinenfest sehr würdevoll spielen und hinter sich bringen. Insgeheim sah sie sich und Paul schon vor dem Altar stehen. Paul in der schicken Uniform und sie in dem Kleid, von dem sie bisher nur wusste, dass es in hellem Beige gehalten war.

* * *

Frederike hatte den Wagen von der Wirtschaft auf einen Parkplatz dicht am See gefahren. Jetzt gingen sie am See spazieren. Maria berichtete von den Vorbereitungen für das Katerinenfest.

Auch ihre Mutter hatte sich über das seltsame Verhalten des Barons gewundert. »Er hat schon zweimal in der Klinik angerufen und sich nach dem Ausbildungsstand erkundigt. Es scheint ihm sehr wichtig zu sein.«

Maria war ebenfalls sehr verwundert. »Was macht das für einen Unterschied, ob ich nun meinem Handschuh trage oder das Gebet?«

Ein Klingeln war zu hören.

»Ich habe doch gesagt, dass ich Urlaub habe.« Frederike hatte sich für den Mutter-Tochter-Tag extra frei genommen. Sie kramte etwas in ihrer Handtasche und nahm etwas Längliches zur Hand und hielt es sich an Ohr. »Beller?«

»Ja, das ist richtig. Genauso wie bei der Prinzessin.« Die Ärztin blickte kurz auf ihre Tochter. »Die Kosten dafür übernehme ich persönlich.«

Maria ahnte, dass es wohl um sie ging.

Frederike packte das tragbare Telefon wieder weg, dann legte sie ihrem Arm um ihre Tochter. »Der Herzog hat nachgefragt, warum für dich kein S-Fix bereit stand.« Sie schüttelte den Kopf. »Es ist unheimlich, was für einen Druck er aufbaut.«

Maria war unsicher, welche Reaktion ihre Mutter von ihr erwartete. Insgeheim freute sie sich schon darauf, die Nacht festgeschnallt zu übernachten, auch wenn sie es bedauerte, dass Paul nicht da war. Auf einmal hatte sie eine Idee. »Ich dachte, meine ´Gefangenschaft´ fängt erst am Montag an.«

»Der Herzog zahlt eine Menge Geld dafür, dass du mit Sarah leiden musst.« seufzte Frederike.

»Bekomme ich eigentlich etwas von dem Geld ab?« Im Nachhinein wusste sie nicht, wo ihre Worte herkamen.

»Du hast recht, immerhin bist du die Hauptperson.« Sie nannte die Summe, die der Herzog auf den Scheck geschrieben hatte.

Maria blieb stehen und keuchte. »Soo viel?«

»Naja, dafür musst du zwei Wochen leiden.« Frederike zeigte einige Besorgnis.

»Es gibt Schlimmeres.« Maria hatte Schwierigkeiten, ihre Gefühle unter Kontrolle zu halten. Die Summe, die ihre Mutter genannt hatte, lag jenseits ihrer Vorstellungskraft, was ihren finanziellen Horizont betraf.

»Mit dem Geld könntest du noch locker studieren.« Frederike zeigte, dass sie sich schon Gedanken gemacht hatte über die Zukunft ihrer Tochter.

Maria wurde nachdenklich. »Wenn ich mich etwas einschränke...« Sie zögerte ein wenig. »... Dann könnte das Geld vielleicht auch für Paul reichen? So könnten wir zusammen bleiben.«

Marias Mutter hatte große Mühe, ihre Begeisterung zu verbergen. Dass Maria mit diesem Wunsch sozusagen ihrem geplanten Programm vorgriff, war weit mehr, als sie je zu hoffen gewagt hatte. Besser konnte es gar nicht kommen. »Ich glaube, das lässt sich einrichten.«

Maria ging schweigend weiter.

»Wir müssen dann zurück in die Klinik. Die Schwester, die eben angerufen hat, möchte das S-Fix an deine Größe anpassen, und sie hat schon bald Feierabend.«

Maria seufzte. Eigentlich genoss sie jede Minute, die sie mit ihrer Mutter verbringen konnte, doch die Aussicht auf die besondere Übernachtung tröstete sie über die Unterbrechung des besonderen Tages hinweg.

* * *

Als Maria zusammen mit ihrer Mutter ihr Zimmer betrat, waren die Oberschwester und Lernschwester Erica schon damit beschäftigt, die Riemen an der Matratze anzubringen.

»Da sind sie ja endlich.« Die Oberschwester blickte auf die Uhr. Es war ihr deutlich zu sehen, dass sie geschimpft hätte, wenn nicht die Chefin mit im Raum gewesen wäre.

Maria hatte das Gefühl, sich entschuldigen zu müssen. Schließlich wollte sie der Schwester nicht den Feierabend verderben.

Doch die Erica gab sich dann doch eher freundlich. »Ich soll für sie ein S-Fix anpassen.« Sie blickte Maria an, die sich gerade die Jacke auszog. »Wenn sie bereit sind, legen sie sich bitte kurz auf das Bett.«

Maria kam der Bitte nach und konnte gleich darauf zusehen, wie die Erica verschiedene Riemen auf dem Bett festschnallte.

»Die Riemen müssen an ihre Größe angepasst werden, sonst wird es sehr unbequem.« Sie schien den Umgang mit diesen Fixierungen gewöhnt zu sein, denn nachdem Marias Größe genommen war, brachte sie die weiteren Riemen ohne weitere Hilfe an.

* * *

»Seid ihr fertig?« Frederike betrat wieder das Zimmer. »Ich hätte da noch etwas vorbereitet.« Sie blickte ihre Tochter erwartungsvoll an.

»Ja, wir sind so gut wie fertig.« Erica war anzusehen, dass sie vor ihrer obersten Chefin sehr viel Respekt hatte.

Maria musste sich erst noch einmal kurz bei Erica vergewissern, dass alles bereit war, dann stand sie auf und ging zu ihrer Mutter. An der Tür blickte sie noch einmal sehnsüchtig auf ihr jetzt sehr verlockend aussehendes Bett.


In der Kantine wartete Joe schon auf sie. »Ich habe extra das Nebenzimmer geöffnet.« Mit einer einladenden Handbewegung bat er Maria und ihre Mutter herein.

»Joe«, Frederike spielte die Empörte, »ich hatte doch nur einen kleinen Imbiss bestellt.« Sie ließ ihren Blick über den so liebevoll gedeckten Tisch wandern. »Das war nun wirklich nicht nötig.«

»Wenn sich die Chefin persönlich anmeldet und auch noch einen Tisch reserviert...« Joe grinste. »Dann muss ich doch ins Zeug legen.«

Maria war von dem Arrangement ebenfalls sehr begeistert. »Sie haben extra Blumen geholt?« Es war ihr aufgefallen, dass auf den anderen Tischen keine Blumen standen.

»Ich hatte bloß keine karierte Tischdecke.« Er wartete, bis die Damen Platz genommen hatten. »Ich habe Sekt kalt gestellt.« Er griff zur bereitgestellten Flasche. »Zur Feier des Tages.«

* * *

Als Maria wieder in ihre Zimmer kam, lag Sarah schon auf dem Bett und war im S-Fix fixiert. »Oh, ich wusste nicht, dass ihr schon fertig seid.«

»Naja«, Maria grinste, »meine Mutter hat gespürt, dass ich mich auf die Nacht freue.« Sie zog sich schnell um und flitzte einmal durchs Bad, dann legte sie sich auf das Bett und griff erwartungsvoll nach der Klingel. Nach dem Klingeln dauerte es erst einige Zeit, bis die Nachtschwester kam. »Sie wünschen?«

Maria zeigte auf das S-Fix. »Ich müsste fixiert werden.« Ihre Augen leuchteten erwartungsvoll.

»Das darf ich nicht.« Die Nachtschwester schüttelte den Kopf.

Marias Miene war erstarrt. »Wie? Das dürfen sie nicht?«

»Ist sonst noch irgendwas?« Die Schwester wartete die Antwort nicht ab. Sie verließ den Raum und schloss die Tür hinter sich.

Maria ließ sich in das Kissen fallen. »Das darf doch nicht war sein.«


Sarah hörte von ihrem Bett ein leises Schluchzen. »Maria?« Irgendwie spürte die Prinzessin, das ihre Bettnachbarin Trost brauchen konnte. »Maria?«

Maria wischte sich die Tränen aus dem Gesicht. »Was ist denn?«

»Ich glaube, ich kann dir helfen.« Sarah hatte eine Idee.

»Wie denn?« Maria schluchzte. »Du bist doch schon...« Sie schaffte es nicht, es auszusprechen.

»Aber ich kann dir erklären, wie es geht.« Die Stimme der Prinzessin strahlte auf einmal Begeisterung aus.

»Du meinst, ich soll mich selbst...?« Maria wischte sich die Augen aus.

»Du musst nur vorsichtig sein.« Sarah ahnte, dass Maria ihre Idee aufgreifen würde. »Nur eine Hand wird frei bleiben. Das geht dann nicht mehr selbst.«

Irgendwie ahnte Maria, dass die Prinzessin aus eigener Erfahrung sprach. Etwas ermutigt griff sie zu den weißen Riemen und zog sie zu sich heran.

* * *

Frederike betrat am späten Abend noch einmal das Zimmer ihrer Tochter und der Prinzessin. Sie hatte das Gefühl, sich entschuldigen zu müssen. »Der Herzog hat das mit der Fixierung angeordnet. Ich kann nichts dafür.«

Maria war unentschlossen. Sollte sie zeigen, dass sie sich selbst fixiert hatte, weil die Schwester es nicht gemacht hatte? Ihre Mutter würde sie bestimmt richtig festschnallen können, aber war es auch richtig, danach zu fragen?

Sarah kam ihr zu Hilfe. »Frau Beller?«

»Hoheit?« Sie trat an das Bett der Prinzessin.

»Die Fixierung für Maria...« Sie stockte etwas.

»Ich kann ihr das nicht ersparen.« Frederikes Stimme zitterte ein wenig. »Ihr Schwiegervater hat es angefordert.«

»Nein, das meine ich nicht.« Sarah fiel das Sprechen schwer. »Maria musste sich selbst...« Sie kam ins Stocken, »weil die Nachtschwester nicht...«

Marias Mutter erkannte schnell, dass die Prinzessin Marias helfen und ihren Zustand verbessern wollte, ohne dass es wie eine Beschwerde über das Personal aussah. Auf einmal hatte Frederike eine Idee. Sie griff sich ein paar der Verschlüsse vom Nachttisch und trat an das Bett ihrer Tochter. »Ich glaube, da möchte jemand schummeln.«

Maria begriff sofort, dass ihre Mutter ein Spiel versuchte und deswegen ging sie bereitwillig darauf ein. Sie setzte eine Schmollmiene auf und versuchte ihre Hände auf die Gurte zu pressen. »Nein, bitte nicht, bitte nicht festschnallen, Frau Doktor.«

Auch Sarah erkannte recht schnell, dass Mutter und Tochter ein Spiel spielten. Sie hob den Kopf. »Sie ist schon den ganzen Tag so renitent.«

Normalerweise mochte es Maria gar nicht, wenn sich Fremde in ihre Spiele einmischten, doch für Sarah machte sie genauso gern eine Ausnahme wie für Paul.

»Na warte, du kleines Biest.« Frederike gab sich resolut und fixierte den Riemen um Marias bislang noch freie rechte Hand. »Ich werde deine Mutter informieren, wie ungehorsam du bist.«

Marias leuchtende Augen zeigten, wie sehr sie das Spiel genoss. »Die ist weit weg.« Sie grinste.

»Wer hat dich denn festgeschnallt?« Ihre Mutter gab sich erbost. »Da stimmt ja überhaupt nichts.«

»Das war Schwester Maria«, Sarah gab Empörung vor, »ich glaube, da ist eine Beschwerde fällig.«

Es waren tatsächlich ein paar Riemen, die Frederike korrigieren musste. »Ich werde dafür sorgen, dass ihnen neues Personal zugeteilt wird.«

»Bitte sagen sie meiner Mutter nichts davon, Frau Doktor.« Maria versuchte ein verlegenes Lächeln.

»Ich bin verschwiegen«, grinste ihre Mutter. »Aber ich werde mich bei der Chefin über das lausige Personal beschweren.«

Sie deckte ihre Tochter zu und ging zur Tür. »Gute Nacht, ihr Zwei.«

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Wölchen Volljährigkeit geprüft
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  RE: Maria Datum:26.02.16 17:28 IP: gespeichert Moderator melden


OLEEEEEEEEEE!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Zwei Teile in so kurzer Zeit.
Vielen Dank.
Warum hab ich nur so ein komisches Gefühl mit den Herzog und das der ein genauso falscher Typ ist wie der Baron.
Außerdem glaub ich fast das er was mit den Investor zu tun had.

Achja.Wie schön man träumen und rätseln kann bei deiner Geschichte.

Vielen,vielen Dank dafür.Ich freu mich schon darauf wie es weiter geht.

mfg Wölchen
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pardofelis
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Meck-Pom


Gehorsam benötigt keine Gewalt

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  RE: Maria Datum:26.02.16 19:53 IP: gespeichert Moderator melden


Ja, jaaa, jaaaaaaaa..... DANKE!!!!

Endlich ist wieder Maria-Zeit. Bitte lass uns nicht wieder so lange darben.
Schön auch endlich etwas mehr von Muttern zu lesen, nicht nur das sie eine Klinik leitet.
Ich hoffe auch noch etwas mehr über die Anfänge und das "Konsortium" zu lesen.
Und schön auch das Maria sich auf Anhieb mit Sarah versteht. Vieleicht ist es auch für die Mädchen zusammen leichter.

Nochmals vielen Dank. Das Warten hat sich gelohnt!


pardofelis
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Rainman
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Das Leben ist sch...., aber die Graphik ist geil!

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  RE: Maria Datum:26.02.16 21:57 IP: gespeichert Moderator melden


Hallo cag_coll!


DANKE!!!!!

Das diese Geschichte endlich weitergeht. Habe ja lange schon sehnsüchtig darauf gewartet.

Toll, was du dir da hast einfallen lassen. Wenn auch ganz anders als ich gdacht hatte, aber finde das spannend bisher und wede mit Sicherit jedem weiteren Teil entgegenlechzen.

So wie es aussieht wird Paul ja wohl eher keine Rolle bei der Amerika Sache spielen, was ich zwar schade finde, aber wer weis schon was du noch alles ausbuddelst, aus deinen Gehirnwindungen.

Bin ja mal gespannt, ob Maria doch noch den Mut findet ihrer Mutter zu beichten, das Sie lieber von Paul ihre Behandlungen/Fesselungen erhalten möchte.


Naja, kommt Zeit kommt Aufklärung.

MfG Rainman

[Edit]: Dieser Eintrag wurde zuletzt von Rainman am 26.02.16 um 21:59 geändert
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gag_coll
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  RE: Maria Kapitel 13 - In Amerika - Teil Drei Datum:28.02.16 14:21 IP: gespeichert Moderator melden


Maria
Kapitel 13 - In Amerika - Teil Drei
Autor: Karl Kollar

Freitag, 27. August 1984

Maria erwachte, als die Schwester schon fast damit fertig war, sie aus dem S-Fix zu befreien. Wieder ärgerte sie sich, denn sie hatte es schon wieder nicht geschaffte, im S-Fix aufzuwachen. Sie hatte von dem schönen Mutter-Tochter-Tag geträumt. In ihrem Traum war auch Paul anwesend und Maria konnte ihn ihrer Mutter vorstellen.

Als sie aus dem Bad kam und die Schwester ihr geholfen hatte, das Nachtkorsett gegen ihr Tageskorsett zu tauschen, legte sie legt ihre Tasche auf das Bett und beginnt sie auszupacken. Bisher war sie noch nicht dazu gekommen.

Sarah wurde auf Marias Aktivität aufmerksam. »Was hast du denn da Feines?« Sie trat an Marias Bett und griff zu dem Keuschheitsgürtel, den ihre Zimmergenossin gerade aufs Bett gelegt hatte. »Der sieht schön aus.«

»Meine Erzieherin hat ihn eingepackt.« Irgendwie war ihr das Thema unangenehm.

»Ich muss auch einen tragen.« Sarah ergriff Marias Hand und führte sie auf ihren Bauch. »Als ob ich von ihm etwas zu befürchten hätte.« Sie verdrehte die Augen, dann blickte sie zwischen Maria und dem Gürtel hin und her. »Ich habe eine Idee«, grinste sie.

Maria kannte die Prinzessin noch nicht lange, doch sie wusste schon, dass dieses Lächeln »gefährlich« war.

* * *

Es war wieder acht Uhr Ortszeit, als Maria zum Hörer griff und die lange Nummer wählte, nach dem sie bei der Schwester geklärt hatte, dass sie zu diesem Anruf in Australien berechtigt war und dass ihre Mutter die Kosten dafür übernahm.

Während sie die lange Nummer wählte, musste sie amüsiert an den ersten Freitagsanruf aus den Staaten denken. Rosalie hatte erst lange auf den Anruf gewartet und war dann schon ins Bett gegangen. Erst mitten in der Nacht hatte Maria dann ihre Freundin aus dem Bett geklingelt.

Doch jetzt hatten sie es besser im Griff. Maria rief noch vor dem Frühstück an und erwischte Rosalie nach dem Spielfilm im Abendprogramm.

Wie immer hörte sich Maria erst an, was Rosalie zu berichten hatte. Obwohl sie so weit entfernt waren, wussten sie trotzdem so gut wie alles von einander. Insgeheim war es Maria auch recht so, denn dann konnte sie sich noch etwas überlegen, wie viel sie von den Erlebnissen auf der Hütte berichten wollte. Während sie Rosalies Ärger mit dem neuen Nachbarn lauschte, fragte sie sich, wie sie ihre Verwandlung ihrer besten Freundin erklären sollte.

Doch dann lächelte sie. Rosalie hatte ihr schon länger unterstellt, dass sie fesselnden Aspekt ihres Programmes besonders mochte, und nur der Begriff ´Bondage´ war bisher so deutlich nicht gefallen.

Dann kam Maria zum Zug, und sie berichtete im Überblick über das, was sie auf der Hütte in der besonderen Gemeinschaft erleben durfte. Besonders das Vakuumbett schilderte sie sehr intensiv, denn für sie stellte es so etwas wie den Höhepunkt des Wochenendes dar, obwohl sie es vorher gar nicht gekannt hatte. »Ich hatte mir eingebildet, seine Hände zu erkennen, aber das war wohl Quatsch. Petra war genauso zärtlich zu mir.«

Rosalie lauschte gebannt.

»Erst als er allein mit mir war, war ich mir wirklich sicher.« In Marias Stimme lag großes Schwärmen. »Er hat mich wirklich überall berührt.«

»Überall?« Rosalie wollte es zunächst nicht glauben. »Auch dort?«

»Auch dort.« Marias Stimme klang fast etwas amüsiert. Es fiel ihr verblüffend leicht, über Pauls besondere Zärtlichkeit zu berichten. »So intensiv war es noch nie.« Ein Strahlen lag in ihrer Stimme.

Rosalie war schwer beeindruckt.

»Der Abschied ist mir besonders schwer gefallen.« Maria seufzte. Sie berichtete von der schweigsamen Fahrt zum Flughafen und wie sie die ganze Zeit durch ihren Handschuh seine Hand gehalten hatte. »Wir haben fast den ganzen Tag miteinander verbracht und ich wollte noch mal ´seinen´ Handschuh spüren.«

Rosalie war sich nicht sicher, ob sie sich nicht verhört hatte. »Du trugst die ganze Zeit deinen Handschuh und hattest die Arme nicht frei?«

»Ja, so war es.« Sie schwelgte etwas in der Erinnerung. »Sie haben alle gespürt, wie schwer uns der Abschied fiel und waren sehr rücksichtsvoll. Mrs. Potter und seine Oma haben sich um das Packen gekümmert und haben uns auf einen Spaziergang geschickt.«

Maria hielt inne und dachte an die Reaktionen, als sie mit angelegtem Monohandschuh durch den Ort spaziert waren. Sie bekamen fast ausnahmslos Bewunderung und Zuspruch sowie die besten Wünsche für das Fest. Dass sie eigentlich gefesselt war, schien dabei keinen zu stören. Marias Gefühle schwankten sehr zwischen Vorfreude und Abschiedsschmerz. Und sie fragte sich, was die Leute wohl zu dem Gebet auf dem Rücken sagen würden. Sie war sich mittlerweile sicher, dass sie es schaffen würde.

»Wie war der Flug?« Rosalie riss ihre Freundin aus ihren Gedanken.

»Langweilig wie immer.« Maria seufzte. »Ich habe fast die ganze Zeit geschlafen und geträumt.«

»Von ihm?« Rosalie konnte es sich nicht verkneifen.

»Von ihm, von der Hütte und vom Fest.« Maria übersah die kleine Provokation. »Ich freue mich sehr.«

»Was macht deine Mutter und wie geht es in der Klinik?« Rosalie besann sich auf die aktuelle Situation von Maria.

»Oh, sie hat sehr viel Ärger mit einem neuen Investor.« Sie berichtete, was sie schon erfahren hatte. »Ich habe diesmal auch eine Zimmergefährtin. Eine echte Prinzessin.«

Rosalie horchte auf. Da war ein besonderer Unterton in Marias Stimme, den sie schon länger nicht mehr gehört hatte. »Was heißt ´echt´?«

»Brasilianischer Hochadel, so viel habe ich schon verstanden. Der Onkel ihres Schwiegervaters wäre der König, wenn es die Monarchie noch gäbe.«

Doch Rosalie ließ sich davon nicht beeindrucken. »Waren keine anderen Zimmer mehr frei?«

Maria übersah den Spott gönnerisch und berichtete davon, dass der Herzog sie extra für seine Schwiegertochter angefordert hatte.

Rosalie lachte. »Genau wie bei Johanna Spyris Heidi. Das kleine Mädchen vom Land für die Tochter aus bestem Hause.«

Maria lachte. »Naja, ein paar Unterschiede gibt es da aber schon noch.« Doch dann wurde sie ernst. »Sie hat ähnliche Sorgen wie ´Klara´, aber die lassen sich vermutlich nicht so einfach heilen.« Sie erzählte von dem Gebet auf dem Rücken, das die Prinzessin wegen der angeblichen Familientradition lernen musste und von der wichtigen Hochzeit mit dem Sohn vom anderen Ufer.

Rosalie zeigte überraschend einiges Mitgefühl. »Da werden die eigenen Probleme ganz klein.« Dann gähnte sie. »Ich bin müde.« schob sie entschuldigend hinterher.

Maria wurde sich wieder der Zeitverschiebung bewusst. »Ich glaube, dass war alles Wichtige.« Sie leitete die Verabschiedung ein.

Erst als sie aufgelegt hatte, fiel ihr noch ein, dass sie von noch von ihrer Idee berichten wollte, für Paul ein Tagebuch zu schreiben. Doch für einen erneuten Anruf war es nicht wichtig genug. Dann würde sie es eben beim nächsten Mal berichten. Sie wartete noch, bis die Schwester die Uhrzeit notiert hatte, dann machte sie sich auf zu dem kleinen Kiosk auf dem Klinikgelände. Dort gab es auch Blöcke und Schreibzeug zu kaufen. Ein richtiges Tagebuch wäre zwar schöner gewesen, doch so etwas gab es dort nicht.

Erst im Nachhinein wunderte sich Maria. Rosalie hatte sie dieses Mal gar nicht nach dem ´ersten Mal´ gefragt. Die Frage war sonst immer fällig. Maria hätte diese Frage auch sehr in Verlegenheit gebracht, denn ihre Mutter hatte ihr schon angedeutet, dass ´es´ durchaus in Reichweite liegen könnte und es war ihr klar, dass sie sich bald dem Thema stellen werden müsste.

* * *

Der Besprechungsraum füllte sich rasch. Es standen überall Namensschilder auf den Tischen, und so konnte Maria sich ein Bild davon machen, dass fast alle medizinischen Sparten anwesend waren. Manche der englischen Begriffe konnte sie sich übersetzen, bei anderen wusste sie die deutsche Entsprechung nicht.

Auf zwei Tischen lagen diverse Geräte bereit, Maria erkannte davon nur ganz wenige. Ein Halskorsett erkannte sie, und es erinnerte sie daran, wie streng diese Dinger ihren Kopf doch fixieren konnten. Andere Gegenstände erkannte sie nicht, aber die vielen Riemen und Schnallen ließen erahnen, dass sie vermutlich alle mit ihrer Behandlung zu tun haben würden.

Es dauerte keine fünf Minuten, bis alle Plätze bis auf ein paar wenige Stühle besetzt waren. Marias Mutter trat ebenfalls ein und verteilte die Unterlagen, die sie vorbereitet hatte.

Mit einigem Stirnrunzeln nahm sie zur Kenntnis, dass auch der Herzog anwesend war. Für ihn musste die Sekretärin extra noch ein Namensschild anfertigen. Auf seinen Platz legte sie das Exemplar, welches sie für sich selbst gedacht hatte. Die Blöße wollte sie sich nicht geben. Außerdem wusste sie sowieso, was auf den Seiten stand. Es waren die Berichte über Marias neueste Untersuchungen.


Der Platz des Herzogs war eigentlich Marias Platz gewesen. Doch sie spürte, dass sie das nicht reklamieren durfte. So nahm sie auf einem der wenigen Besucherstühle hinten an der Wand platz. Sie war genau genommen sogar ganz froh darüber. So konnte sie den Vorträgen folgen, ohne selbst groß aufzufallen.

»Ich freue mich, dass sie alle diesen Termin möglich machen konnten.« Marias Mutter begrüßte die Anwesenden. »Wir möchten heute beratschlagen, wie wir das Intensivtraining für Maria Beller am besten ausgestalten können.«

Sie schaltete den Projektor an. »Ich habe sie gebeten, sich entsprechende Gedanken zu machen und möchte sie nun bitten, ihre Vorschläge vorzustellen. Nach der Mittagspause werden die Stationsärztin und ich dann die konkrete Therapie beschließen.«

Sie bat Maria nach vorn zu kommen. »Bitte führe doch einmal vor, was du mir gestern gezeigt hast.« Sie blickte sie ermunternd an.

Maria kannte außer ihrer Mutter nur einige der Ärzte flüchtig, dennoch war sie etwas nervös, als sie ihre Arme soweit in die Backprayer-Position brachte, wie es ihr möglich war. Wie gestern schob Frederike ihre Arme dann weiter zusammen. Wieder berührten sich Marias Ellenbogen, ohne dass sie das Gesicht verziehen musste.

»Von diesen Fähigkeiten können wir ausgehen.« Frederike legte eine Folie auf. »Ich denke, wichtig wird vor allem alles, was zur Ausdauer beiträgt.«

Auf der Folie standen einige medizinische Begriffe, wie Maria schnell erkannte.

* * *

Die Silberhochzeit ihrer Eltern stand an und Leonie war fast die ganze Zeit zusammen mit ihrer Schwester Christine mit den Vorbereitungen beschäftigt. Nur in wenigen Momenten fand sie etwas Zeit für sich und zog sich in ihr Zimmer zurück. Meistens war sie so müde, dass sie sich auf ihr Bett legte und ein kurzes Nickerchen machte.

Nur manchmal verirrten sich ihre Hände an ihre Taille und ihren Schritt. Doch davon fühlte sie nichts, denn sie trug immer noch den Keuschheitsgürtel, den sie damals auf der Hütte mit Begeisterung angezogen hatte.

Sie hatte Paul den Schlüssel gegeben, denn insgeheim mochte sie es, wenn jemand auf sie aufpasste. Doch dann hatten sie dieses vergessen und so kam es, dass Paul immer noch den Schlüssel besaß. Und es war der einzige Schlüssel. Der Haushalt ihrer Familie war auf Trägerinnen von Keuschheitsgürteln eingestellt und im Bad gab es extra dafür eine Sitzbadewanne.

Sie hätte sich gern mal wieder so richtig berührt, doch das Metall war im Weg. Natürlich hätte sie mit gröberem Werkzeug an die Sache gehen können, doch dann hätte sie den Keuschheitsgürtel zerstört und das wollte sie auch nicht.

Sie musste diesen Paul aufsuchen und ihn persönlich um den Schlüssel bitten, doch Sebastian nach der Adresse zu fragen, diese Blöße wollte sie sich nicht geben. Den Ort wusste sie und in Landsbach würde sie sich zunächst bei Maria melden. Die Adresse hatte sie zwar auch nicht, doch die Hauptdarstellerin des Festes würde sicherlich bekannt sein und sie konnte sich durchfragen.

Ihre Tasche hatte sie schon gepackt mit den Sachen, die sie für einen kurzen Ausflug brauchen würde. Dabei war ihr auch wieder der Trainingsplan in die Hände gefallen, den die Ärztin Margarete für sie ausgestellt hatte. Optimistisch hatte sie ihn eingepackt. Vielleicht konnten Paul oder Maria ihr bei ihrem Training helfen. Von ihren Eltern konnte sie keine Hilfe erwarten, und ihre Schwester wollte Leonie nicht fragen. Mit viel Sehnsucht dachte sie an die Abenteuer auf der Hütte zurück. Es hatte ihr sehr viel Freude bereitet, sich Maria quasi zu unterwerfen und insgeheim träumte sie davon, so etwas Ähnliches in Landsbach zu wiederholen.

* * *

»Herr Kollege, ich danke ihnen für den Vortrag.« Frederike trat wieder nach vorn. »Nun bitte zur Orthopädie... « Doch ein Klopfen unterbrach sie.

Die Tür des Besprechungszimmers ging auf und ein streng aussehender Herr mit Anzug und Krawatte betrat den Raum. »Lassen sie sich nicht stören.« ließ er in den Raum hören, dann ging er zielstrebig auf Maria zu und setzte sich auf den Stuhl neben ihr.

Maria sah, dass ihre Mutter erbleichte, als sie sah, wer sich neben sie gesetzt hatte.

»Ich wollte sie kennenlernen«, begann der Herr recht unvermittelt. »Ihre Ausbildung scheint ja recht wichtig zu sein.«

Maria spürte, dass ihrer Mutter der Kontakt zu diesem Herrn nicht recht war, denn sie schaute oft zu ihnen herüber.

»Als erstes möchte ich den Orthopäden um seine Meinung bitten.« Frederike blickte ihren Kollegen auffordernd an, dann setzte sie sich auf ihren Platz und griff ebenfalls zu Stift und Papier.

Der Orthopäde stand auf und ging nach vorn. Er hatte einige Folien vorbereitet, von denen er die erste auflegte. Zu sehen war eine stilisierte Frauengestalt mit einer sehr schmalen Taille. Er begann recht unvermittelt. »Es wäre schädlich, die Taille von Fräulein Beller einfach zusammen zu quetschen, genauso können ihre Arme nicht einfach in den Backprayer gezwungen werden. Eine Lockerung von ihrem Körper, ihrer Muskulatur und vor allem ihres Brustkorbes ist erforderlich.«

Er legte die zweite Folie auf. Sie enthielt nur eine Sammlung medizinischer Begriffe, von denen Maria nur einige wenige übersetzten konnte. »Zunächst einmal sollten ihre Muskeln mit Hilfe von leichtem Reizstrom gelockert werden. Ich denke, eine halbe Stunde sollte dafür ausreichen.«

Maria blickte etwas besorgt zu ihrer Mutter, die ihrerseits aber gerade zum Herzog blickte.

»Die wichtigste Anwendung sehe ich dann in einer Kombination aus einem Grundkorsett aus Gummi und einem zweiten Korsett mit internen Luftkammern.« Er legte eine weitere Folie auf, die wieder eine taillierte Figur zeigte. Diesmal waren mit zwei farbigen Strichen die beiden angesprochenen Korsetts angedeutet.

»Die Luftkammern des äußeren Korsetts werden wellenförmig nacheinander von kräftigen Druckwellen durchlaufen, und die Taille und Brustkorb insbesondere der untere Teil, werden dabei weiter komprimiert. Dabei wird der obere Brustkorb gelockert und den inneren Organen Gelegenheit geben, sich neu zu verteilen.« Er machte eine Pause und blickte Maria kurz an.

»Diese Kompressionswellen wären aber gefährlich, wenn sie auf eine volle Blase treffen. Deswegen empfehle ich für diese Zeit dringend das Tragen eines Blasenkatheters.« Wieder suchte er Marias Blick und machte einen erleichterten Eindruck, als er bei ihr ein fast unmerkliches Nicken zu erkennen glaubte.

»Weiterhin ist die Anwendung der eisernen Lunge unerlässlich, um die vorgegebenen Ziele zu erreichen. Wir müssen erreichen, dass ihre Brustatmung ausgebaut wird und der Brustkorb geweitet wird. Damit kann sie dann auch ihre Arme weiter zurücknehmen. Mit dem Trainingsfortschritt könnten sogar Korsetts zum Einsatz kommen, die in der Taille nach innen aufblasbar sind und eine Bauchatmung vollständig unterbinden. Haben sie dazu bisher Fragen?« Er blickte erwartungsvoll in die Runde. Das Maria ein wenig keuchte, übersah er bewusst.

»Für das Gebet auf dem Rücken werden wir etwas improvisieren müssen. Sie werden einsehen, dass diese gewünschte Haltung sehr ungewöhnlich ist. Aber ich halte es durchaus für möglich, sie auch über eine längere Zeit einzunehmen, wenn dies ausführlich trainiert wurde.« Wieder warf er Maria einen eindringlichen Blick zu.

»Der Monohandschuh ist ja schon seit längerer Zeit Teil ihres Trainings; und wie uns ihre Mutter berichtet hat, können sie ihn nun schon über mehrere Stunden ganz zugeschnürt und ohne größere Beschwerden tragen?« Er hatte es zwar als Frage formuliert, aber eine Antwort erwartete er nicht. »Ich möchte darauf aufsetzen und habe mir ein Gerät ausgedacht, mit dem wir die Haltung gut einführen können.«

Er ging zum Tisch und hob ein Gerät vom Tisch. Es hatte entfernt Ähnlichkeit mit einer altertümlichen Armbrust.

»Was ist denn ein ?Monohandschuh??« Der Herr neben ihr blickte sie neugierig an. Er hatte leise gesprochen, trotzdem hatte Maria die Frage gut verstanden.

Maria musste schlucken, denn sie hatte zunächst keine Idee, wie sie das erklären sollte. »Es wäre einfacher, wenn ich es einfach vorführe, aber das geht erst nach dieser Versammlung hier.«

Der immer noch sehr freundliche Herr brummte ein wenig. »Soviel Zeit habe ich aber nicht.«

Er stand auf und ging nach vorn. »Entschuldigen sie bitte, Frau Beller, aber ich hätte eine Bitte.« Er beugte sich zu ihr herüber und sprach mit leiser Stimme weiter. Maria konnte nicht verstehen, was er sagte.

Frederike war diese Unterbrechung nicht recht, dass war ihr deutlich anzusehen. Dennoch nickte sie ihm kurz zu und bat dann ums Wort. »Wir machen eine kurze Pause.«

Sie bat Maria zu sich. »Holst du bitte deinen Handschuh?« Sie versuchte ein ermutigendes Lächeln, aber es war gequält.


Maria kannte sich in der Klinik gut aus und so hatte sie keine Probleme, schnell ihre Station zu finden. Das Zimmer war wie zu erwarten leer. Es ärgerte sie allerdings, dass sie bis jetzt noch keine Gelegenheit gefunden hatte, ihrer Mutter den Keuschheitsgürtel zu beichten. Doch sie war recht zuversichtlich, dass es in der Klinik die richtigen Schlüssel geben würde.


Der Handschuh lag noch dort, wo sie ihn gestern hingelegt hatte, nachdem Sarah ihr beim Abnehmen geholfen hatte. Sie musste immer noch lachen darüber, wie erschrocken sie war, als Sarah ihr gebeichtet hatte, dass ihre Maschine ihr den Handschuh zwar anlegen, aber nicht wieder abnehmen konnte.

Als sie dann im Schwesternzimmer waren, war nur die Lernschwester anwesend, die mauerte »Ich darf das nicht.« Maria und Sarah blickten sich sehr seltsam an. Es lag fast so etwas wie Erregung in ihrem Blicken. »Dann müssen wir eben warten.«

Sie lächelte weiter. Erst am späteren Abend hatten sie jemand gefunden, der bereit war, ihnen die Handschuhe zu öffnen. Doch als Maria glaubte, Sarah hätte daraus etwas gelernt, wurde sie eines besseren belehrt. Sie strahlte Maria an. »Das machen wir morgen gleich wieder.«

Maria hatte diese Gefangenschaft ebenfalls gut gefallen. Es war aufregend nicht zu wissen, ob und wann sie aus dem Handschuh befreit werden könnten. So etwas kannte sie bisher nicht. Bisher konnte sie sich immer auf Mrs. Potter und vor allem auf Paul verlassen. Sich der wilden und ungestümen Sarah anzuvertrauen hatte etwas sehr Aufregendes. Sie überlegte schon, ob es morgen nach dem geplanten Ausflug wohl schon wieder möglich wäre.

Maria zitterte ein wenig, als ihre Mutter ihr vor allen Ärzten, dem Herzog und dem Investor den Handschuh anlegte. Auch dieser Vorgang war natürlich schon mehrmals passiert, doch so aufregend wie dieses Mal war es noch nie.

Der Investor war von Marias Fähigkeiten sehr angetan. »Bitte darf ich das mal berühren?«

Maria nickte vorsichtig.

Während sie seine Hände recht zärtlich spürte, fragte er weiter. »Wie lange halten sie das aus?«

Maria musste sich erst mehrmals räuspern, bevor sie antworten konnte. »So zwei bis drei Stunden. Ich mache hier ein Ausdauertraining.«

»Ich verstehe.« Der Investor war ehrlich interessiert.

»Aber eigentlich trainiere ich ja das Gebet auf dem Rücken.«

Der Investor blickte sie fragend an, aber eine Frage stellte er nicht.

»Das würde ich auch lieber vorführen, aber das geht ja jetzt nicht.« Sie wackelte ein wenig mit den Armen. Dann versuchte sie die Haltung zu beschreiben. Als sie den Eindruck hatte, das ihr Gegenüber sie verstanden hatte, hörte sie auf.

»Können wir weitermachen?« Marias Mutter bemühte sich, ihrer Stimme einen freundlichen Ton zu geben, obwohl sie von der Störung und der Anwesenheit des Investors alles andere als begeistert war.

Als nächste wurde der Urologe um seinen Vortrag gebeten. Dieser hatte jedoch keine Folien vorbereitet, stattdessen bat er eine der Schwestern vorzutreten.

Maria kannte die Schwester vom Sehen her. Diesmal trug sie anstand der Schwesterntracht einen fast übertrieben kurzen Minirock. Ihre Beine waren fast in voller Länge zu sehen. Zu Erkennen war nur, dass sie eine blickdichte Strumpfhose trug.

»Wie lange trägst du das schon?« Er lächelte seine Kollegin verliebt an.

»Schon fast zwei Jahre.« Sie lächelte ähnlich zurück. »Und ich bin sehr glücklich darüber.«

Der Arzt wandte sich wieder an die Versammlung. »Sie trägt eine Neuentwicklung zur Probe. Die Firma wird das in diesen Tagen auf den Markt bringen.« Er hob den Rock hoch. Zum Vorschein kam etwas, was einem Keuschheitsgürtel ähnlich sah. »Die Strumpfhose ist doppelwandig und hat ein Fassungsvermögen von einigen Litern.«

»Ich habe eine neue Freiheit bekommen.« Die Schwester strahlte und berichtete dann von ihren bisherigen Leben, in dem sie unter einer Blasenfehlfunktion zu leiden hatte.

Marias Mutter war verblüfft. »Davon haben sie nie etwas gesagt.«

»Wir haben es geheim gehalten, weil das System noch nicht zugelassen ist.« Die Schwester wurde etwas rot dabei.

»Vor einer Woche wurde die Zulassung erteilt und wir schlagen vor, dieses System in das Training zu integrieren.« Dem Arzt war der Stolz anzusehen.

»Maria, magst du mal noch einmal nach vorn kommen?« Frederikes Stimme zeigte noch einige Zweifel. »Könnten sie meiner Tochter die Details zeigen?« Sie deutete mit dem Kopf auf das Nachbarzimmer. Doch dann fiel ihr Blick auf Maria, und als sie ihren Blick bemerkte, wusste sie, dass es keine weiteren Argumente brauchen würde. Diesen besonderen Gesichtsausdruck ihrer Tochter fürchtete sie, denn er zeigte große Entschlossenheit.


Maria war richtig froh, in den Nachbarraum verschwinden zu dürfen. Sie hatte gar kein Interesse daran zu erfahren, was die Ärzte sich für sie so alles ausgedacht hatten. Insgeheim hoffte sie, dass ihre Mutter einen Großteil davon ohnehin ablehnen würde.

Sie sah sehr interessiert zu, als die Schwester sich einmal für sich die Strumpfhose herunterzog. Maria konnte sich so genau ansehen, wie »es« funktionierte.

Die Schwester zog sich gleich darauf wieder an, doch Maria ließ sich noch von ihr berichten, wie es dazu gekommen war und warum sie sich dafür entschieden hatte. Sie hörte lieber der Schwester zu, als der Versammlung der Ärzte. Die Schwester hatte lange unter ihrer Blasenschwäche gelitten, und erst mit dieser neuen Methode hatte sie auch eine neue Freiheit bekommen.


Als Maria wieder im Besprechungsraum war, bat ihre Mutter den Zahnarzt um seinen Vortrag.

Der Arzt war zunächst sehr verwundet. »Das ist etwas sehr Demütigendes und wir setzen es nur im äußersten Notfall ein.«

»Aber deswegen können sie es doch vorstellen.« Frederike wollte den Kollegen ermutigen. Insgeheim wusste sie schon, was ihre Tochter von dem Vorschlag halten würde. Dennoch war sie hin- und hergerissen. Als Ärztin war es eine tolle Gelegenheit für sie, mal einige außergewöhnliche Gerätschaften auszuprobieren - als Mutter zerbrach es ihr fast das Herz bei dem Gedanken an all die Zumutungen, die sie ihrer Tochter antat. Und dass es ihrer Tochter sogar gefiel, tröstete sie nur minimal.

»Länger als fünf Tage sollte es nicht angewendet werden, weil es sonst zu Beeinträchtigungen bei der Stimme und auch bei der Verdauung kommt.« Der Arzt hatte sich erhoben und begann mit seinem Vortrag.

Maria hörte ihm so gut wie überhaupt nicht zu, denn ihre Aufmerksamkeit galt dem Gerät, welches er mitgebracht hatte. Sie hatte es sofort als einen dieser Mundverschlüsse erkannt, wie Christine ihn auf der Hütte getragen hatte. Sie wäre gern aufgestanden und hätte es gern in die Hand genommen, doch das traute sie sich nicht.

»Fräulein Beller?« Die Stimme des Arztes riss sie aus ihren Gedanken.

»Entschuldigung, ich habe nicht zugehört.« Maria war verlegen. »Könnten sie die Frage wiederholen?«

»Möchten sie nach vorne kommen und sich den Mundverschluß ansehen?« Der Arzt blickte sie ermutigend an.

Maria suchte erst noch den zustimmenden Blick ihrer Mutter, bevor sie der Aufforderung nachkam. Ihre Hände zitterten, als sie das Modell in die Hand nahm. Sie war etwas verwundert über die Größe.

»Dieses Modell ist etwas größer angefertigt, damit sich die Details leichter zeigen lassen.« Der Arzt war anscheinend Marias Gedanken gefolgt. »Der Mundraum wird soweit ausgefüllt, dass wir für die Zunge einen Platz vorsehen mussten.« Er bat Maria, einmal die Rückseite des Modells zu zeigen. »Die beiden Hälften werden einzeln angefertigt und werden dann im Mund zusammengeschraubt.« Er ließ seine Worte etwas wirken. »Die Anschlüsse für die Magensonde und die sichere Luftzufuhr werden durch die Nase geführt.«

Maria schaffte es nicht, ein Keuchen zu unterdrücken. Das mit den Schläuchen hatte sie schon bei Sarah gesehen.

»An der Seite sind die Anschlüsse für die Zahnpflege.« Er drehte sich zu einer Schwester, die ebenfalls im Raum war. »Wie waren deine Erfahrungen?«

»Es war schrecklich, vier Tage nicht reden zu können.« Die Schwester stand auf und ging nach vorn.

Im Besprechungsraum war ein unterdrücktes Lachen zu hören.

»Es lässt sich sehr gut tragen.« Sie blickte Maria in die Augen. »Und nach kurzer Zeit hat man es schon vergessen.«

Maria lächelte verlegen.

»Aber jegliche Äußerung wird sicher unterbunden.« Die Schwester stöhnte etwas und verdrehte die Augen.

»So ruhig war es schon lange nicht mehr auf der Station.« Der Arzt lächelte, doch dann wurde er ernst. »Ich möchte noch einmal darauf hinweisen, dass dieses Gerät nur im äußersten Notfall eingesetzt werden sollte, weil seine Auswirkungen schon sehr extrem sind.«

Maria zuckte kurz zusammen, dann hatte sie sich wieder unter Kontrolle. Sie wollte sich vor der Versammlung keine Blöße geben. Aber sie überlegte schon, wie sie ihre Mutter überreden konnte, den Mundverschluß zum Einsatz zu bringen. Und vielleicht konnte sie ihn sogar behalten. Sie träumte schon davon, sich von Paul so zum Schweigen zwingen zu lassen.

»Danke Herr Kollege«, Frederike erhob sich. »Ich denke, wir haben dann alles besprochen.« Sie gab das Signal, die Besprechung zu beenden.

Maria war erleichtert, als die Besprechung vorbei war. Zumindest bei den Gegenständen, bei deren Vorstellung sie dabei gewesen war, waren keine schlimmen Sachen. Im Gegenteil, mit dem Modell der Strumpfhose würde ihr dieses Mal vielleicht sogar die sonst so demütigende Windel erspart bleiben.

* * *

»Ich dachte, sie hätten heute noch einen wichtigen Termin?« Frederike hatte Mühe, ihren Ärger zu verbergen.

»Den habe ich verschoben.« Der Investor stellte sein Tablett neben das von Maria. »Ich darf mich doch zu ihnen setzen?« Er lächelte gewinnbringend.

Da er schon so gut wie Platz genommen hatte, machte Marias Mutter nur eine müde Handbewegung.

»Maria erinnert mich sehr an meine Enkeltochter.« Er seufzte. »Aber meine Tochter kommt viel zu selten mit ihr zu Besuch.«

»Liegt es nicht auf daran, dass sie ständig irgendwo auf Geschäftsreise sind?« Frederikes Stimme klang etwas gereizt.

Doch der Investor übersah das bewusst. »Ich wünsche ihnen und ihrer netten Tochter guten Appetit.«

Frederike blieb nichts anderes über, als gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Sie hätte ihm gern gesagt, dass er sie und ihre Tochter in Ruhe lassen solle und dass dies ihr privates Projekt sei, doch sie wusste, dass sie damit wirklich alles riskieren würde. Innerlich seufzend griff sie zum Besteck und wünschte ebenfalls guten Appetit.


»Sie sagten, dass sie für ein Historienspiel trainieren? Ist das so etwas wie die Landshuter Hochzeit?« Der Investor wischte sich den Mund ab und blickte Maria neugierig an.

»So ähnlich. Es geht um einen Grafen, der die Hochzeit seiner Tochter...« Doch dann hielt sie inne. »Woher kennen sie das Fest in Landshut?«

»Ich habe deutsche Wurzeln.« Robert Brown lächelte. »Und als ich sie bei der letzten Dienstreise in Europa besuchen wollte, waren gerade alle in Vorbereitung auf das Fest.«

Maria versuchte ebenfalls ein Lächeln, obwohl sie deutlich die Ablehnung ihrer Mutter fühlte.

»Und um was geht es bei ihrem Fest?« Er schien Frederikes Miene nicht zu bemerken.

»Im Gegensatz zur Landshuter Hochzeit findet unser Fest nur alle sieben Jahre statt.« Maria begann vom Fest zu erzählen. Sie berichtete über fast alles, lediglich das Gebet auf dem Rücken erwähnte sie nicht.

Robert Brown hörte mit echtem Interesse zu. »Und sie spielen die Hauptrolle und trainieren dafür?«

»So ist es!« bestätigte Maria, »und Paul spielt den Prinzen.« Als sie den fragenden Blick des Investors bemerkte, fügte sie ein »Paul Mohr« hinzu. Nach einem etwas verunsichertem Blick ergänzte sie, »Das ist mein Freund.«

»Es ist wohl was Ernstes, wenn sie auch vor dem Altar stehen?« Herr Brown grinste ein wenig.

»Nein, das ist ja nur in dem Spiel.« Doch dann wurde sie etwas wehmütig. »Es wäre viel leichter, wenn er hier wäre.«


Bei all dem Schwärmen über das Fest hatten sie die Zeit vergessen, und erst als die Stationsärztin an den Tisch kam, erinnerte sie Frederike daran, dass sie den nächsten Termin hatten. »Ich muss uns jetzt leider entschuldigen«, erklärte sie mit fester Stimme, nachdem sie sich geräuspert hatte. »Wir wollen jetzt den konkreten Behandlungsplan ausarbeiten.«

»Selbstverständlich, meine Damen. Lassen sie sich von mir nicht aufhalten.« Der Investor griff zu seinem Tablett. »Es war eine Freude für mich, ihre reizende Tochter kennen zu lernen.« Er reichte Frederike zum Abschied die Hand.


»Was hast du gegen ihn?« fragte Maria ihre Mutter, als sie außer Hörweite vor dem Lift standen. Ihr war die ablehnende Haltung ihrer Mutter durchaus aufgefallen. »Er war doch sehr nett?«

Doch zu Marias Verwunderung seufzte ihre Mutter. »Er hat jetzt das Sagen. Ich leite diese Klinik quasi unter ihm.« Sie schwieg bis der Lift kam. Beim Eintreten seufzte sie noch einmal. »Ich würde gern Privates und Berufliches trennen.«


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Wölchen Volljährigkeit geprüft
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  RE: Maria Datum:28.02.16 15:44 IP: gespeichert Moderator melden


Man,das geht ja jetz Schlag auf Schlag.Vielen Dank dafür das es jetz weiter geht.

Irgendwie wirft der Teil immer mehr Fragen auf.
Aber welche mich am meisten interessiert,um was für ein Projekt geht es bei Maria jetz genau?
Irgendwie ist das noch nicht geklährt.Nur was sie dafür erleiden muß bekommt man immer mehr mit.

mfg Wölchen
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  RE: Maria Datum:28.02.16 17:48 IP: gespeichert Moderator melden


Zitat
Man,das geht ja jetz Schlag auf Schlag.Vielen Dank dafür das es jetz weiter geht.

Irgendwie wirft der Teil immer mehr Fragen auf.
Aber welche mich am meisten interessiert,um was für ein Projekt geht es bei Maria jetz genau?
Irgendwie ist das noch nicht geklährt.Nur was sie dafür erleiden muß bekommt man immer mehr mit.

mfg Wölchen


So weit ich das verstanden habe geht es um neue Erziehungsmaßnahmen, die Ihre Mutter mit ihr zusammen entwickelt. Dabei spielt es im Rahmen, dass Maria als Prinzessin "Leiden" muss. Vielleicht als Rollenspiel

gruß kami
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gag_coll
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  RE: Maria Kapitel 13 - In Amerika - Teil Eins Datum:28.02.16 19:35 IP: gespeichert Moderator melden


Zitat
and weiter hoffen \"Schreib Neue Rosen und alte Dornen

Hallo colonytzan,
ja, die Geschichte "Neue Rosen und alte Dornen" wird auch fortgesetzt, allerdings wird das noch etwas dauern...
gag_coll

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colonytzan
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  RE: Maria Kapitel 13 - In Amerika - Teil Eins Datum:29.02.16 10:59 IP: gespeichert Moderator melden


Zitat
Zitat
and weiter hoffen \"Schreib Neue Rosen und alte Dornen

Hallo colonytzan,
ja, die Geschichte "Neue Rosen und alte Dornen" wird auch fortgesetzt, allerdings wird das noch etwas dauern...
gag_coll


Hi gag_coll
gute Nachrichten!
Ich hoffe, dass mehr Mädchen tragen
Monohandschuh oder Zurückhaltung unter dem cape sind.
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gag_coll
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  RE: Maria Kapitel 13 - In Amerika - Teil Vier Datum:29.02.16 19:01 IP: gespeichert Moderator melden


Maria
Kapitel 13 - In Amerika - Teil Vier
Autor: Karl Kollar

(noch Freitag, 27. August 1984)

»Ich würde dich gern untersuchen, bevor wir den Therapieplan ausarbeiten.« Die Stationsärztin stand von ihrem Schreibtisch auf und stellte sich vor Maria. »Ziehst du dich bitte aus?«

»Nein« rief Maria zunächst erschrocken, doch dann erkannte sie ihre Situation und beschloss die Flucht nach vorn. »Ich habe wohl eine Dummheit gemacht.« Sie zog sich zunächst die Bluse aus, dann die Hose.

»Seit wann trägst du den?« Frederike musste schmunzeln, als sie Marias stählernes Höschen sah. »Damit bist du doch sicherlich nicht geflogen.«

Maria musste noch einmal schlucken, bevor sie antworten konnte. »Als ich heute morgen meinen Koffer ausgepackte, habe ich gesehen, dass Mrs. Potter ihn eingepackt hat. Sarah hat es auch gesehen und sie hat mir gezeigt, dass sie auch einen tragen muss.« Sie seufzte wieder. »Ich weiß nicht, was mich geritten hat, aber ich habe ihn mir angelegt und erst als ich ihn wieder ablegen wollte, habe ich festgestellt, dass sie mir die falschen Schlüssel mitgegeben hat.« Sie schaute sehr schuldbewusst.

Frederike lachte zunächst und streichelte ihrer Tochter über den Kopf. »Eigentlich ist es doch gut so.«

Maria blickte ihre Mutter etwas empört an.

Doch dann griff Frederike zum Telefon und wählte. Es dauert lange, bis sich etwas tat. »Guten Tag, ich hätte gern die 354.« Sie wartete.

»Wie, da ist keiner mehr?« Ihre Miene wurde länger. »Ja, ich verstehe. Montagmorgen erst wieder.« Sie legte auf.

»Was hast du vor?« Maria begann zu ahnen, dass jetzt eine schlechte Nachricht kommen würde.

»Nun ja, nach dem deine Gürtel alle aus unserem Haus stammen, stehen auch die passenden Nachschlüssel zur Verfügung.« Sie machte eine Pause, die nichts Gutes verhieß. »Aber wegen der neuen Dienstzeiten hat die Versorgungsstelle schon zu.«

»Notdienst?« fragte die Stationsärztin, entsprechend der Situation ebenfalls etwas besorgt.

»Ist nicht vorgesehen.« Frederike blickte ihre Tochter verlegen an. »Ausserdem könnten wir ohne die Unterlagen ohnehin nichts finden. Ich fürchte, du musst es bis Montag so aushalten.«

»Das bin ich ja gewöhnt.« Maria nahm es mit etwas Galgenhumor auf.

»Darf ich dich dann mal untersuchen?« fragte sie Ärztin etwas unsicher. »Deine Unterlagen kenne ich, doch ich möchte mir auch ein persönliches Bild von deinen Fähigkeiten machen.« Die bisherige Stationsärztin hatte die Klinik bei der Übernahme verlassen.

Während sie Maria abtastete, gab sie sich sehr beeindruckt von Marias Vorführung gegenüber dem Investor. »Ich wusste gar nicht, dass es in der Klinik auch Monohandschuhe gibt.« Sie blickte ihre Chefin etwas verwundert an.

Frederike schaffte nur ein verlegenes Lächeln. »Fangen wir mit dem Plan an?« Sie hoffte, dass sie darüber hinweg täuschen konnte, dass sie die Stationsärztin immer noch nicht über Marias tatsächliche Vorgeschichte informiert hatte.

Es klopfte. Der Herzog trat ein. »Entschuldigen sie, man hat mir gesagt, dass ich sie hier finden kann.«

Maria hob reflexmäßig ihre Arme vor die Brust und drehte sich um.

»Wir arbeiten gerade den Behandlungsplan für Maria aus.« Frederike war aufgestanden. Den zweiten Teil des Satzes, dass er sie dabei störte, behielt sie lieber für sich.

»Ich mache es auch kurz.« Der Herzog ließ seinen Blick kurz über die Unterlagen gleiten, die auf dem Tisch ausgebreitet waren. »Ich möchte, dass alle heute vorgestellten Maßnahmen auch wirklich angewendet werden. Und ich möchte, dass alles, was für Maria geplant ist auch an Sarah angewendet wird.« Sein Ton machte deutlich, dass er keinen Widerspruch akzeptierte. »Sarahs Leistungen müssen unbedingt besser werden, egal wie.«

»Das geht nicht.« antwortete Frederike schwach, obwohl sie bereits spürte, dass ihr Widerstand aussichtslos sein würde.

»Ist es eine Geldfrage?« Der Herzog schien damit gerechnet zu haben. Er legte einen unterschriebenen Blankoscheck auf den Tisch. »Tragen sie die Summe selbst ein. Meine Bank weiß Bescheid.«

»Aber,« die Stationsärztin suchte nach Worten, »aber... aber es geht doch gar nicht um Sarah, sondern um Maria?«

»Eben«, antwortete der Herzog, »beide Mädchen sollen lernen einen Backprayer zu tragen. Wo ist das Problem?«

»Aber die Mädchen haben doch ganz unterschiedliche Voraussetzungen«, erwiderte Frederike schwach.

»Mag ja sein.« Der Herzog war nicht bereit zu diskutieren. »Aber das Ziel ist das gleiche.«

Auf dem Weg zur Tür drehte er sich noch einmal um. »Sie schaffen das, da bin ich mir ganz sicher.« Dann verließ er das Zimmer.


Erst als seine Schritte im Flur verklungen waren, fand Frederike wieder Worte. »Was machen wir nun?« Sie sah ratlos aus.

»Auf jeden Fall erst mal den Scheck einlösen«, sagte die Ärztin, doch dann wurde auch sie ernst. »Maria?«

»Also die Magensonde und der Mundverschluß habe ich schon auf der Hütte sehr bewundert.« Maria drehte sich langsam wieder um. »Das möchte ich unbedingt ausprobieren.«

Frederike überblickte die Zusammenhänge als erstes. »Du übersiehst nur eine wichtige Kleinigkeit.«

»Die wäre?« Irgendwie spürte auch Maria den Ernst der Situation.

»Auf der Hütte war es ein Spiel, und du konntest dort jederzeit aussteigen.« Frederikes Stimme war ungewohnt ernst. »Hier gibt es keine Erleichterungen, keine Unterbrechungen und vor allem kein Safeword.«

»Das weiß ich doch.« Maria dachte an ihre bisherigen Aufenthalte in der Klinik. »Es wird mich schon nicht umbringen.« Trotzdem zitterte ihre Stimme etwas.

»Wenn alle vorgestellten Maßnahmen angewendet werden sollen und sie aber nur zwei Wochen hier sind...« Die Ärztin schien es in Gedanken zu kalkulieren. »Das geht doch rein zeitlich gar nicht.«

»Das kommt noch dazu.« seufzte Frederike.

»Und wenn die Behandlungen kombiniert werden?« fragte Maria mit einer Mischung aus Besorgnis und Vorfreude.

»Das eigentliche Problem ist doch Sarah.« Die Ärztin überhörte Marias Vorschlag. »Jedes Mal, wenn wir eine vom Herzog angesetzte »Prüfung« veranstalten, dann zeigt Sarah schlechte Leistungen. Egal wie gut sie vorher schon war.«

»Du meinst, sie spielt ihm schlechte Leistungen vor?« Frederike hatte bisher mit Sarahs Behandlung wenig zu tun gehabt, doch jetzt, wo ihre Tochter involviert war, änderte sich alles.

»Bei allen Untersuchungen sind ihre Werte optimal und sie würde das Gebet problemlos schaffen, doch bei den Prüfungen mauert sie. Es ist fast, als wolle sie sich vor etwas drücken.«

»Aber damit schadet sie sich doch selbst, wenn der Herzog jedes Mal eine Verschärfung ansetzt.« Frederike war verwundert.

»Oh, ich habe den Eindruck, dass Sarah die strengen Behandlungen genießt.« Die Ärztin schmunzelte. »Bei der einen oder anderen Gelegenheit habe ich gesehen, wie sie vor mir einen Orgasmus verstecken wollte.«

»Es muss für ihr Verhalten aber einen Grund geben.« Frederike nahm den Scheck zur Hand. »Selbst wenn wir darauf eingehen, wird sie ihr Verhalten nicht ändern.«

Maria musste sich erst räuspern, bevor sie antworten konnte. »Ich habe einen Verdacht, warum sie das macht und vor was sie Angst hat.«

»Du kennst sie doch erst zwei Tage?« Ihre Mutter hatte Zweifel.

»Sarah ist einsam und sie hatte bisher keinen, dem sie sich bisher so richtig anvertrauen konnte.« Maria konnte das Argument ihrer Mutter nicht entkräftigen. Sie berichtete trotzdem einfach davon, was sich bisher ereignet hatte. »Sie weiß, dass ihr künftiger Ehemann homosexuell ist und sie fürchtet sich sehr vor ihrer Hochzeit.«

»Das würde so ziemlich alles erklären.« Die Stationsärztin hatte aufmerksam zugehört. »Damit wären ihre Handlungen plausibel.«

»Der Herzog hat mir versichert, dass mit der Hochzeit alles in Ordnung ist und dass vor Sarah eine glänzende Zukunft liegt.« Frederike begann, an ihren Worten zu zweifeln. »Wenn du wirklich recht haben solltest....« Sie wusste aber nicht, wie sie den Satz vollenden sollte.

»Wir machen einfach weiter wie geplant, schreiben aber etwas anderes in unsere Berichte, die der Herzog bekommt.« schlug die Ärztin vor.

»Das wollte ich auch vorschlagen, aber«, Frederike seufzte laut. »Ab morgen ist der Herzog mit seiner Frau in der Klinik. Sie bereiten die Geburtstagfeier ihrer Tochter vor und haben nebenbei ein Wellness-Programm bestellt. Er würde die Berichte sofort als falsch entlarven. An die weiteren Konsequenzen mag ich gar nicht denken.«

»Was machen wir da nur?« Die Ärztin zeigte ihre Ratlosigkeit.

»Wir müssen Sarah die Angst vor ihrer Hochzeit nehmen, das ist wohl das wichtigste.« Frederike spielte nervös mit ihrem Stift. »Nur dann wird der Herzog Ruhe geben. Ich denke, die Behandlungen sind dann zweitrangig.«

»Aber wie soll das gehen?« Es war der Ärztin anzuhören, dass sie keine Idee hatte.

»Getrennte Schlafzimmer, in der Hochzeitsnacht betrunken und ein persönlicher Diener.« Marias Stimme war leise, doch ihre Worte waren im Raum deutlich zu hören. »Im Hochadel müssen die persönlichen Interessen öfters mal zurücktreten.« Ihre Worte zeigten, dass sie sich mit dem Leben der Prinzessin und des Adels schon intensiv befasst hatte. »Ich werde mal mit ihr reden.« Sie griff sich eines der noch leeren Formulare auf dem Tisch. »Was ist jetzt mit meinem Behandlungsplan?« Sie blickte abwechselnd ihre Mutter und die Ärztin fragend an.


Die beiden Blätter auf dem Tisch füllten sich schnell. Maria zeigte dabei großes Interesse und brachte viele Ideen selbst ein. Sie kannte die einzelnen Behandlungen von den bisherigen Aufenthalten und entwickelte ein Gefühl dafür, was sie sich zutrauen konnte.

Frederike zeigte ein sorgenvolles Gesicht. »Willst du dir das wirklich zumuten?«

»Wir machen jeden Mittag und Abend eine kurze Besprechung, bei denen wir korrigierend eingreifen können.« Die Ärztin machte sich eine Notiz. »Ich denke, dann wird sogar der Herzog verstehen, wenn wir den Plan kurzfristig ändern.«

Maria blickte auf die ausgefüllten Blätter, die vor ihr lagen. Es war ein Gemisch aus Vorfreude und Sorge, und sie hätte nicht einmal sagen können, welches der Gefühle überwog. Dabei wurde dies aber von etwas viel Wichtigerem überlagert. Sie musste einen Weg finden, wie sie Sarah die Angst vor der Zukunft nehmen konnte. Gewiss, für sie selbst hatte es keine Bedeutung, aber sie fühlte sich sowohl ihrer neuen Zimmernachbarin als auch ihrer Mutter sehr verpflichtet. Besonders freute sie darauf, dass mehrmals eine Übernachtung im Vakuumbett vorgesehen war. Auch wenn sie Pauls Hände sehr vermissen würde.


»Und jetzt möchte ich dich gern noch röntgen.« Die Ärztin nahm eine neue Liste zur Hand und zeigte sie den beiden vor.

Maria war einen Blick darauf. »Um drei habe ich mich mit Sarah in der Cafeteria verabredet.« Sie blickte kurz zur Uhr. »Ich wusste nicht, dass es so viel ist.«

»Drei Uhr wird etwas sportlich.« Frederike blickte die Ärztin zweifelnd an. »Ich sage der Prinzessin, dass es später wird.« Sie blickte noch einmal auf die Liste. »Sagen wir um vier?«

Maria war erleichtert, dass ihre Mutter neben dem medizinischen Programm auch noch ein Auge für das Privatleben ihrer Tochter übrig hatte.

»Vier Uhr ist gut.« Die Ärztin blickte Maria ermutigend an. »Das sollten wir schaffen.«

Maria kannte diese Untersuchung schon von den letzten Malen. Doch diesmal kam auch noch eine Gelenkigkeitsprüfung dazu. Mit dem konkreten Ziel des Gebetes waren weitere Untersuchungen nötig.

Auch das Röntgen würde aufwendiger werden. Dass Maria mit ihren Korsetts geröntgt wurde, kannte sie. Diesmal kamen auch noch die Haltungen für das Gebet dazu. Doch Maria liebte das Röntgen, weil sie für eine kurze Zeit wirklich alles tragen musste oder besser durfte. Es begann schon mit den Ballettstiefeln, dann natürlich beide Korsetts, das große und das Ganzkörperkorsett wegen der Verteilung der Organe. Und natürlich war auch die Armhaltung im Monohandschuh wichtig.

Erst als sie schon den Raum verlassen hatte, fiel ihr ein, dass sie gegenüber ihrer Mutter vielleicht etwas Angst hätte zeigen sollen. Doch insgeheim ahnte sie, dass ihre Mutter sie in dieser Richtung schon durchschaut hatte.

* * *

Sie hatten sich in der Cafeteria verabredet. Maria war gleich nach ihrer großen Untersuchung dorthin gegangen, während Sarah etwas später kam. Sofort fiel Maria der veränderte Gesichtsausdruck der Prinzessin auf. Sie musste gar nicht fragen.

»Sie kommen schon morgen.« Es tat Sarah offensichtlich sehr gut, endlich mit jemand ihre Probleme teilen zu können.

Maria überlegte erst, ob sie aus den bisherigen Erzählungen der Prinzessin schließen konnte, wen sie meinte, doch dann beschloss sie, doch nachzufragen. »Wer kommt?«

»Mein baldiger Schwiegervater mit seiner Frau.« Sarah seufzte. »Ich dachte, sie kommen erst nächste Woche, doch jetzt haben sie noch eine Woche ´Wellness´-Programm dazu gebucht.« Sie begann zu weinen.

»Was ist denn so schlimm daran?« Maria verstand die heftige Reaktion nicht.

»Sie könnten meine Behandlungen beobachten.« Sarah schluchzte ein wenig.

»Und was ist so schlimm daran?« Maria verstand Sarahs Beweggründe noch nicht.

Sarah stutzte einen Moment. Maria war es, als fiele ein Schatten über ihr Gesicht. »Ich möchte nicht darüber reden.« Sie versuchte, sich die Tränen wegzuwischen.

Maria ahnte, um was es Sarah ging, doch wenn sie jetzt nachhaken würde, dann würde sich die Prinzessin vermutlich ihr gegenüber auch verschließen, und das wollte Maria auf keinen Fall. Außerdem, dass musste Maria sich selbst eingestehen, wusste sie selbst auch noch nicht, auf wessen Seite sie eigentlich stand. Sie ahnte, dass die Doppelrolle ´Tochter der Chefin´ und ´Freundin der Prinzessin´ nur schwer einzunehmen war.

»Schließen wir uns wieder in die Handschuhe ein?« Sarah blickte sie geradezu flehend an.

Maria wollte im ersten Moment ´nein´ sagen, denn sie hatte noch vor dem Abendessen noch zwei Dinge vor, bei denen sie auf ihre Arme nicht verzichten wollte. Doch als sie die traurigen Augen der Prinzessin sah, brachte sie es nicht übers Herz, ihr abzusagen.

Sarah sprang auf und griff Maria bei der Hand. »Dann komm«, grinste sie und zog sie von ihrem Platz.

Auf dem Weg in ihr Zimmer dachte Maria darüber nach, wie sie das Tragen des Handschuhs ihrer Mutter gegenüber erklären sollte. Immerhin stand noch eine Besprechung mit der Schwester an, die die komische Strumpfhose vorgeführt hatte. Naja, ihre Mutter würde sicher Verständnis dafür haben, wenn sie noch etwas »trainierte«. Doch dann blieb sie kurz stehen und flüsterte »Paul!«

»Was ist los?« Sarah blickte ihre Freundin ungeduldig an.

»Ich wollte doch ein Tagebuch für ihn schreiben.« Maria ahnte, dass ihre Argumente nicht stark genug waren. »Mit dem Mono geht das nicht.«

»Dann schreibst du es eben morgen,« antwortete Sarah mit etwas Pragmatismus. »Ich brauche jetzt etwas Ablenkung.«

Maria seufzte, dann gab sie dem Drängen der Prinzessin nach.

* * *

»Sag mal, du nimmst dein Training aber sehr ernst.« Frederike lächelte, als ihre Tochter etwas verlegen das Zimmer betrat. »Ist dir die Rolle so wichtig?«

»Ich habe es Sarah zuliebe gemacht.« Maria übersah den Spott ihrer Mutter. »Sie war so traurig, als sie von der Ankunft des Herzogspaares erfuhr.«

»Für die Klinik ist es etwas Besonderes, so hohe Gäste beherbergen zu dürfen.« Stolz war in ihren Worten zu hören. Doch dann realisierte sie, was ihre Tochter gerade gesagt hatte. »Warum ist Sarah traurig?«

»Sie wollte nicht darüber reden.« Maria gab einen kurzen Überblick über das Gespräch. »Aber ich habe einen Verdacht.«

»Und zwar?« Frederike war über die Bemühungen ihrer Tochter sehr erfreut.

»Meiner Meinung nach hat sie Angst, dass der Herzog sie bei den normalen Behandlungen sehen könnte und dann merkt, dass sie ihm in den Prüfungen etwas vorspielt.« Maria hatte unbewusst etwas leiser gesprochen.

»Das wäre auch der Klinik nicht recht.« Marias Mutter erklärte, dass unter normalen Umständen Sarahs Ausbildung schon lange vorbei gewesen wäre, und nur weil der Herzog immer wieder Verschärfungen forderte, sei sie noch da.

Maria erkannte den tieferen Inhalt der Aussage sofort. »Die Klinik würde auf viel Geld verzichten, wenn es herauskäme.«

»Naja, der Investor macht schon sehr viel Druck bezüglich der Gewinne.« Frederike seufzte, »und Sarah bringt sehr viel Geld herein.«

Maria begriff sofort, was sie damit zwischen den Zeilen auch sagte. Ihre eigene Ausbildung war jetzt nur noch ein Kostenfaktor, der nichts einbrachte.

Es klopfte, und gleich darauf traten der Orthopäde und die Schwester ein. Der Arzt trug eine große Tasche bei sich. Er grinste, als er sie auf den Tisch stellte. »Es ist kaum etwas darin, aber ich möchte kein dummes Gerede.« Er packte die Tasche aus und wandte sich an Frederike. »Ich habe um diesen Termin gebeten, weil es doch noch einige recht intime Details zu besprechen oder zu klären gäbe.«

»Gewiss, die doppelwandige Strumpfhose trägt schon ziemlich auf.« Die Schwester griff sich das Exemplar, welches auf dem Tisch lag. »Aber den Preis zahle ich gern.«

Diese Variante fand Maria sehr aufregend. Bei den bisherigen Aufenthalten hatte sie immer die Beutel am Bein getragen und traute sich damit nicht aus dem Zimmer. Oder sie trug eine Windel, und das war noch viel schlimmer.

* * *

»Ach da bist du ja endlich« Sarah stand auf, als Maria ihr Zimmer betrat. »Ich habe uns schon angemeldet.«

Maria seufzte innerlich. Sie hätte jetzt gern ein paar Worte in das Tagebuch für Paul geschrieben, doch der Prinzessin zuliebe verzichtete sie auf ihre Arme. Und selbst, wenn sie einen Stift hätte halten können, waren ihre Arme doch auf dem Rücken und sie konnte nicht sehen, was sie schreiben würde. Außerdem hatte sie noch sehr mit dem zu kämpfen, was sie soeben von ihrer Mutter erfahren hatte.

Ihre Mutter hatte, als sie wieder mit ihrer Tochter allein war, ein ganz heikles Thema angesprochen, welches für Maria aber bald wichtig werden könnte, die Verhütung. Die Pille kam nicht in Frage, denn Maria würde oft nicht in der Lage sein, sie zu nehmen. Wegen der Korsetts, die sie trug, kam auch eine Spirale nicht in Frage. Ein Implantat wäre die Lösung, und dafür wollte Frederike ihre Zustimmung. Bis Montag müsse sie sich entschieden haben.

»Was ist denn jetzt schon wieder?« fragte Maria und ärgerte sich gleichzeitig, weil sie einen gewissen genervten Unterton nicht unterdrücken konnte.

»Ich habe mir etwas ausgedacht.« Sarah strahlte. »Und Erica ist einverstanden.«

Maria hatte den Namen Erica noch nicht gehört, doch sie hatte nicht die Kraft, nachzuhaken. So trottete sie einfach hinter der Prinzessin her.

Im Schwesternzimmer stand die Lernschwester schon an der Tür und hielt einen Block in der einen und einen Stift in der anderen Hand. »Ich habe aber nicht viel Zeit.«

Als sie Sarahs verwunderten Blick sah, ergänzte sie. »Die Oberschwester hat mich heute mit für das Abendessen-Ausgabe eingeteilt.« Sie seufzte. »Sonst darf ich immer nur zuschauen, und wenn ich mal was Spannendes zu tun hätte, dann gibt sie mir Arbeit.« Sie blickte Maria und Sarah an. »Wo gehen wir hin?«

Als sie in zwei verwunderte Gesichter blickte, fügte sie hinzu. »Hier im Schwesternzimmer kommt sie immer vorbei und scheucht mich auf.«

»Im Aufenthaltrsaum?« Maria erinnerte sich daran, dass er um diese Uhrzeit meists leer war.

»Warum nicht? Probieren wir es.« Sarah ging wie üblich voran.

»Um was geht es eigentlich?« fragte Maria, als sie im Aufenthaltsraum Platz genommen hatten.

»Du wolltest doch Tagebuch schreiben.« Sarahs Augen funkelten. »Du diktierst und Erica schreibt es auf.«

Maria seufzte innerlich. So hatte sie sich das nicht vorgestellt. Doch sie spürte auch, dass Sarah ihr helfen wollte.

Auch Erica blickte sie erwartungsvoll an. »Nun mach schon, wir haben nicht viel Zeit.«

Maria seufzte noch einmal, dann begann sie. »Liebes Tagebuch, heute war ein spannender Tag...«

* * *

»Deine Tochter ist aber sehr abgeklärt.« Die Stationsärztin blätterte noch einmal in ihren Unterlagen. »Aber warum macht sie das alles?«

»Ja, sie ist sehr reif, mehr als es einer Mutter recht sein kann.« Sie seufzte. »Du musst noch einiges zu Marias Vorgeschichte wissen.«

»Ich habe mich schon gefragt, warum so ein junges Mädchen solche Fähigkeiten hat.« Sie schlug die Mappe zu und blickte auf. »Hängt das nur mit diesem Fest zusammen?«

»Nein, das Fest war nur ein ungeheurer Glücksfall, ebenso der Junge, mit dem sie sich angefreundet hat.« Frederike grinste. »Die Trennung von ihm ist ihr sehr schwer gefallen. Aber es dient einer höheren Sache.«

»Lass hören« Die Stationsärztin blickte sehr gespannt auf ihre Chefin.

* * *

»Und jetzt trage ich schon wieder den Handschuh und stelle mir vor, Paul hätte ihn angelegt.« Maria diktierte den letzten Satz für ihr Tagebuch. »Das war es für heute.« Sie blickte Erica dankbar an. »Vielen Dank dafür.«

»Immer wieder gern.« Erica riss das Blatt, welches sie eben beschrieben hatte, vom Block herunter und reichte es Maria. Erst jetzt bemerkte sie, dass Maria ihre Arme nicht benutzen konnte. »Ist das nicht schwer, die Arme nicht benutzen zu können? Was habt ihr denn ausgefressen?«

»Oh, die haben wir uns selbst angelegt.« Sarah strahlte bis über beide Ohren.

Erica war sehr verwundert. »Warum denn das?«

Maria grinste. »Das ist eine lange Geschichte.«

Die Tür ging auf und die Oberschwester stand im Raum. »Ach hier sind sie.« In ihrer Stimme klang etwas Ärger mit. Doch dann fiel ihr Blick auf Marias und Sarahs Arme und ihre Stimmung schien sich zu ändern. »Wenn sie mit der Patientenbetreuung fertig sind, kommen sie bitte zum Austeilen des Essens.« Sie drehte sich um und schloss die Tür hinter sich.

»Wer sind sie und was haben sie mit der Oberschwester gemacht?« Erica grinste über das ganze Gesicht. »So freundlich war sie noch nie zu mir. Sonst schimpft sie immer nur herum, und ich kann ihr kaum etwas recht machen.« Sie stand auf. »Ich muss dann, die Pflicht ruft.« Erst jetzt bemerkte sie, dass sie den Zettel mit Marias Diktat immer noch in der Hand hielt. »Ich lege ihn dir auf den Nachttisch.«


Ein wenig später kam Erica wieder in den Raum. Sie trug ein Tablett. Hinter ihr kam die Oberschwester und trug ebenfalls ein Tablett. »Ich versorge Sarah mit dem Beutel und sie helfen Maria, damit sie ihre Therapie nicht unterbrechen muss.«

Bei dieser Ankündigung hätte Maria sich fast verschluckt. Sie und Sarah tauschten kurz ein paar intensive Blicke aus. »Erica, kennen sie sich mit diesen Armhaltern aus? Sie werden sich in Zukunft darum kümmern.«

Erica blickte etwas hilflos zwischen den Mädchen und der Oberschwester hin und her.

Sarah kam der Lernschwester zu Hilfe. »Wir zeigen ihr alles, was wichtig ist.«

Damit war die Oberschwester zunächst zufrieden. »Aber bitte informieren sie sich auch in der Literatur. Es kann nicht angehen, dass wir von den Patienten gesagt bekommen, wie wir unsere Arbeit zu tun haben.«


»Sie weiß es selbst auch nicht, da bin ich mir sicher.« sagte Erica noch etwas ärgerlich, als die Oberschwester den Raum wieder verlassen hatte.

Maria und Sarah lachten.

Doch dann wurde Erica etwas verlegen. »Ich weiß nicht, was ich jetzt machen muss. Es ist das erste Mal, dass ich jemand ohne Arme...« Sie stotterte etwas.

Maria hatte ein seltsames Kribbeln im Bauch, als sie Erica erklärte, wie sie ihr helfen konnte. Irgendwie war es sehr aufregend. Sie trug ihren Handschuh, und ganz fremde Leute kümmerten sich um ihr Wohlergehen.

* * *

Noch zwei Tage würde es dauern, bis ihre Behandlungen begannen. Sie blickte etwas wehmütig auf ihr Bett. Über das Wochenende war weniger Personal in der Klinik, und deswegen kam in den drei Nächten über das Wochenende eine Fixierung nicht in Frage. Sarah litt darunter ebenfalls, und obwohl der Herzog deswegen schon interveniert hatte, blieb es bei den Nächten ohne S-Fix. »Die Klinik ist doch kein Gefängnis.« hatte Frederike argumentiert, und dem hatte der Herzog nichts entgegen zu setzen.


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  RE: Maria Datum:29.02.16 20:05 IP: gespeichert Moderator melden


Vielen Dank.gag_coll

MAn dich had ja jetz zu unseren Glück die Schreibwut gepackt.

Aber du bist so was von gemein uns einfach Marias Vorgeschichte zu verschweigen.Also wirklich.

Der Satz:Sarah litt darunter ebenfalls, war da mit gemeint das sie immer zu nachts gefesselt ist oder weil sie es am Wochenende nicht ist.

Noch mals vielen Dank dafür und hoffentlich bleibt es bei deiner schreibwut,wir werden da auf keinen Fall meckern.

mfg Wölchen
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