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gag_coll
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  RE: Maria Datum:23.01.17 16:51 IP: gespeichert Moderator melden


Ah, jetzt klappt es... nachdem ich meinen Beitrag etwas verkleinert habe...

Hier jetzt ein Teil der Leseprobe...

[...] Nach der herzlichen Begrüßung bat Selma zu Tisch. »Endlich kann ich mal wieder die großen Töpfe nutzen.«

»Es duftet phantastisch.« Frederike war über die Gastfreundschaft sehr überrascht. »Vielen Dank noch einmal für die Einladung.«

»Nehmt reichlich.« Selma sprach ein kurzes Tischgebet, dann rief sie in Richtung der Küche »Leonie, Liebes, bringst du bitte die Getränke?«

Aus der Küche war zunächst nur ein Stöhnen zu hören, dann hörte man leise Trippelschritte. Doch in der Küchentür blieb Leonie vor Schreck stehen. Es war deutlich zu sehen, dass sie sich in Grund und Boden schämte, als sie die Fremden am Tisch bemerkte.

Doch auch bei Frederike und bei Andrea war Erstaunen im Gesicht zu lesen.

»Wer ist das denn?« Andrea fand sich schnell mit ungewohnten Situationen zurecht.

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gag_coll
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  RE: Maria Datum:23.01.17 16:51 IP: gespeichert Moderator melden


»Leonie ist eine Freundin von Paul und Maria.« Selma antwortete, als sei es das Selbstverständlichste, das ein so streng gefesseltes Mädchen in ihrem Haus die Getränke servierte. »Sie hat mit ihren Wünschen alte Sehnsüchte in mir geweckt.«

»Leonie, ist alles in Ordnung mit ihnen?« Andrea wusste noch nicht, wie sie die seltsame Gestalt des Mädchens einzuordnen hatte.

»Ich wusste nicht, dass sie Besuch haben.« Leonie war sehr verlegen.

»Geht es ihnen gut?« Andrea blickte zweifelnd zwischen Selma und Leonie hin und her.

»Es geht mir gut.« Leonie realisierte, dass sie über ihre wahren Gefühle Auskunft geben musste. »Ich habe einen ganz gewissen Traum.« Sie stöhnte kurz auf. »Und Frau Mohr hilft mir, ihn zu verwirklichen.«
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gag_coll
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  RE: Maria Datum:23.01.17 16:52 IP: gespeichert Moderator melden


»Ich würde dich gern einmal interviewen.« In Andrea kam die Professionalität an die Oberfläche. Leonie versprach eine ganz heiße Story zu werden für die Zeit nach dem Fest.

»Das müsste aber gleich nach dem Mittagessen geschehen.« Leonie war einen besorgten Blick auf Selma.

»Natürlich darfst du erst dein Interview geben.« Selma gab sich verständnisvoll. »Ich warte einfach solange.« Ihr Blick fiel auf das Tablett. »Jetzt solltet ihr euch bedienen. Und falls es nicht reicht, Leonie geht gern noch einmal, nicht war, Leonie?«

»Jawohl, Madame.« Leonie stöhnte leise. Die unerwarteten Besucher an der Tafel hatten sie doch ein wenig von ihren Folterwerkzeugen abgelenkt, deren süße Quälereien sie langsam wieder zu spüren begann. Sie schämte sich, weil sie ihr Stöhnen nicht unterdrücken konnte.
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gag_coll
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  RE: Maria Datum:23.01.17 16:54 IP: gespeichert Moderator melden


Frederike blickte das Mädchen aufmerksam an, dann setzt sie ein Lächeln auf und wandte den Blick zu Selma. »Das Zufallsprogramm?«

Selma bestätigte es. »Und die Gummifinger im BH.«

»Faszinierend.« Unwillkürlich warf Frederike einen Blick auf ihre Tochter.

Maria ihrerseits suchte den Blick von Paul, dann schluckte sie ein wenig. »Wenn es sein muss, ja.« Wieder blickte sie zu Paul. »Wenn er es anschaltet.« Es fiel ihr schwer, es auszusprechen.

»Aber bitte erst nach dem Fest.« Pauls trockene Stimme zerriss die Spannung und brachte alle zum Lachen.

»Jetzt lasst es euch erst einmal schmecken.« Selma wünschte allen einen guten Appetit.

[...]
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gag_coll
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  RE: Maria Datum:23.01.17 18:28 IP: gespeichert Moderator melden


Soweit die weitere Leseprobe aus Kapitel 14

Entschuldigt bitte die Stückelei, aber ich bin auch von dem Problem betroffen, welches seit einigen Tagen im Technikforum diskutiert wird.

Viele Grüße
gag_coll
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Machtdom
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wahre Freiheit ensteht in uns

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  RE: Maria Datum:23.01.17 18:34 IP: gespeichert Moderator melden


Hallo gag_coll,

danke für die Leseprobe, auch wenn es etwas gemein ist, da ich jetzt erst recht kaum auf das vollständige Kapitel warten kann.

Aber die Leseprobe klingt wirklich appetitanregend!

Gruß
Machtdom
Meine Geschichte:
Schule für Sklavinnen
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Wölchen Volljährigkeit geprüft
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  RE: Maria Datum:23.01.17 19:07 IP: gespeichert Moderator melden


Freu mich auch schon auf die Fortsetzung.Denn deine Geschichte ist echt toll.

mfg Wölchen.

P.S. laß uns bitte nicht so lange warten,und hoffen wir das sich die Server Probleme bald legen.
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marmas71 Volljährigkeit geprüft
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HHier




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  RE: Maria Datum:23.01.17 20:46 IP: gespeichert Moderator melden


Hallo gag_coll,

danke für die Leseprobe

freue mich auch schon auf den nächsten teil


viele Grüsse

marmas71
Meine erste Geschichte über Damen mit KG und Gips. Titel : Arbeitslohn
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gag_coll
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  RE: Maria - Kapitel 14 - Das Katerinenfest - Vorwort Datum:05.02.17 15:39 IP: gespeichert Moderator melden


Maria
Kapitel 14 - Das Katerinenfest - Vorwort
Autor: Karl Kollar

Seit über zehn Jahren begleitet mich jetzt schon diese so faszinierende Geschichte von ´Maria´. Anfangs bin ich das ganze Thema noch ziemlich naiv angegangen, und ich hatte auch nie vor, daraus gleich einen Romanformat daraus zu machen. Fast jedes Kapitel wurde länger als das vorhergehende und jetzt mit Kapitel 14 bin ich doch tätsächlich bei 300 Seiten gelandet. (Für die Erbsenzähler: eine Seite definiert sich bei mir als DIN A4, Arial 10pt bei einfachem Zeilenabstand und mit einem Rand von 2cm links und rechts sowie 1 cm oben und unten)

Einige der Dialoge finden von der Logik her auf Englisch statt, ich habe mir erlaubt, diese trotzdem auf Deutsch zu schreiben, weil es dann viel leichter zu lesen ist. Es gibt nur ein paar wenige Stellen, bei denen sich damit ein paar logische Probleme ergeben (z.B. Die Szene mit der alten Frau Friedrich). Ich bitte darüber hinwegzusehen.

Die Figuren sind mir ans Herz gewachsen und wann immer ich mich in eine der Situationen hineindenke, sehe ich sie in meinem geistigen Auge vor mir. Wenn es meine Zeit erlaubt, dann wird es auch eine Folgegeschichte geben, doch dazu möchte ich in keinster Weise Termine nennen.

Danksagen möchte ich natürlich Paul VoF für den Anfang und die Erlaubnis, die Geschichte fortzusetzen und Bastian für die unermütliche Beratung und das stetige mir auf die Finger klopfen. Auch bei Moananui, Lia und Redcat sowie das Fräulein möchte ich mich für die Mitarbeit und die Ideen bedanken.

Und natürlich möchte ich auch ´Frodolin´ erwähnen, das kleine 10 Zoll Linux-Netbook, auf dem fast alle dieser Texte entstanden sind.
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M.J.
Stamm-Gast

Berlin


Lebe deinen Traum.

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  RE: Maria Datum:05.02.17 15:43 IP: gespeichert Moderator melden


UIIIIIIII! Es geht weiter!!!!!

Happiness!!!!!!
Seit über 32 Jahren SM und Faible für ungewöhnliche Klamotten.Neben Dom bin ich nun auch Sub und Pet, gehöre TexasTasha.Das Leben ist zu kurz, um graue Maus zu sein und die verschiedenen Graustufen auszuleben.Ich mag es bunt, queer, trubelig und nach vorn gerichtet.Lasse mich in keine Schublade quetschen.
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gag_coll
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  RE: Maria - Kapitel 14 - Das Katerinenfest - Teil Eins Datum:05.02.17 15:44 IP: gespeichert Moderator melden


Maria
Kapitel 14 - Das Katerinenfest - Teil Eins
Autor: Karl Kollar

»´Es´ ist passiert, genau so, wie ich es mir vorgestellt habe.« Frederike Bellers Begeisterung war durch das Telefon zu hören.

Mrs. Potter war eine erfahrende Erzieherin und wusste deswegen, dass dieses prägende Ereignis ihre Schützlinge stets etwas veränderte. Doch bezüglich Maria machte sie sich in dieser Richtung überhaupt keine Sorgen. »Paul tut ihr auch gut.«

Frederike war von der Entwicklung ihrer Tochter sehr angetan. Es hatte in der Klinik ein paar Ereignisse gegeben, die sie vermutlich mehr geprägt hatten als alles andere bisher. Sie blickte kurz auf die Liste der Sachen, die sie mit der Erzieherin ihrer Tochter besprechen wollte. »Das neue Korsett wird etwas später ankommen, es wird via Frachtflugzeug geliefert.«

»Wann soll sie es denn anziehen?« Mrs. Potter war zwar noch im Urlaub, doch mit den Themen der nächsten Tage hatte sie sich trotzdem schon beschäftigt. »Da ist doch nirgends ein freier Moment.«

»Sie könnten Recht haben.« Frederike lachte. »Obwohl ich mir einbilde, dass ich meine Tochter kenne. Wenn das neue Korsett geliefert wird, wird sie es bestimmt auch ausprobieren wollen.«

»Aber dafür wird sich doch kaum Zeit finden lassen.« Mrs. Potter versuchte so etwas wie einen Widerspruch.

»Unterschätzen sie Marias Willen nicht. Wenn sie sich einmal etwas in den Kopf gesetzt hat...« Frederike versuchte, den latent aufsteigenden Stolz auf ihre Tochter zu übersehen. »Für eine wirksame ´Schöne Nacht´ wird die Zeit bestimmt nicht reichen. Aber wenn sie das Korsett ausprobieren möchte, sollten sie ihr keine Steine in den Weg legen.«

»Sie meinen, sie wäre neugierig genug, dass sie es von sich aus tragen möchte?« Die Stimme der Erzieherin zeigte ihr Verwunderung.

»Sie hat in der letzten Zeit viele neue Erfahrungen damit gemacht.« Frederike hatte sich von dem Fortschritt der Prägung selbst überzeugen können. »Sie wird es sicher ausprobieren wollen, zumal es diesmal noch eine Nummer strenger ausgefallen ist.«

»Ich werde es ja sehen.« Mrs. Potter war bereit, die Wünsche ihres Schützlings zu berücksichtigen. »Und sonst, was ist für die nächste Zeit wichtig?«

»Das Fest hat natürlich oberste Priorität.« Frederike seufzte. »Gesundheitlich ist alles perfekt vorbereitet, und Maria schafft es, das Gebet bis zu acht Stunden zu tragen.«

»Gute Arbeit. Aber dazu wird es bestimmt nicht kommen.« Mrs Potter lächelte. »Etwas anderes, eine Reporterin Andrea Baseling möchte bei Marias Ankunft dabei sein. Sie hat sogar angeboten, uns zu fahren.«

»Was hat sie denn bisher so gemacht?« Frederike hatte bisher nicht nur gute Erfahrungen mit der Presse gemacht.

»Sie schreibt wöchentliche Artikel über das Fest und die Darsteller.« Marias Erzieherin gab ihre Erfahrungen mit der Reporterin wieder. »Sie hat bisher sehr fair geschrieben und unsere Einwände stets respektiert.«

Frederike wusste, dass die Mobilität ein schwieriges Thema war, da die Erzieherin solch lange Strecken nicht mehr gern fuhr, selbst wenn sie ein Auto gehabt hätte. Und das Taxi wäre zu teuer gekommen. »Warum nicht. Ein bisschen Öffentlichkeit schadet bestimmt nicht.«

»Was sagen denn die Herren vom Konsortium?« Mrs. Potter war an etwas Feedback durchaus interessiert. »Sind sie zufrieden mit unserer Arbeit und vor allem mit Marias Entwicklung?«

»Ich habe meinen letzten Bericht noch nicht abgeschickt.« Frederike seufzte. »Doch ich denke, ich muss den Herren etwas Wasser in den Wein gießen.«

»Warum denn das?« Mrs. Potter war über den Wandel im Tonfall verwundert.

»Wir hatten hier ein Mädchen in der Klinik, dessen Schicksal mir ein warnendes Beispiel war.« Frederike gab einen kurzen Überblick über die Ereignisse rund um Anna Kennedy, ohne allerdings den Familiennamen zu erwähnen.

»So eine arrogante Familie.« Mrs. Potter war über die Ereignisse ebenfalls empört.

»Demnächst ist mal wieder eine Besprechung vor Ort.« Frederike gab sich kämpferisch. »Für so etwas soll mein Programm nicht eingesetzt werden dürfen.«

»Aber können sie das verhindern?« Die Zweifel der Erzieherin waren deutlich zu hören.

»Vermutlich nicht.« Frederike seufzte. »Aber ich habe jetzt eine Bedingung hinein formuliert, die besagt, dass es vor Beginn des Programms eine Begutachtung durch eine unabhängige Psychologin geben muss. Und erst wenn die grünes Licht gibt, darf das Programm beginnen.«

»Das wird aber eine ziemliche Gratwanderung.« Mrs. Potter war etwas skeptisch. »Ob die Herren sich darauf einlassen werden?«

»Das ist dann aber nicht mein Problem.« Sie seufzte wieder. »Dieser Fall war mir ein warnendes Beispiel.«

»Haben sie denn schon eine Kandidatin für die Zeit nach Maria?« Mit dem Fest würde Marias Programm auslaufen, das wussten beide Frauen.

»Nein, bisher nicht.« Frederike blickte aus dem Fenster in den Himmel. »Jetzt möchte ich erst mal das Fest abwarten.«

»Maria wird es bestimmt bravourös hinter sich bringen, da bin ich sicher.« Trotz ihrer Professionalität schimmerte auch bei der erfahrenen Erzieherin so etwas wie Stolz durch.

Frederike hätte gern gefragt, wie sich Anna und Florian bei Pauls Oma machen, doch sie wusste, dass sie dann Gefahr lief, ihr Handeln nachträglich zu verraten. Es bestand die Möglichkeit, dass ihr Telefon abgehört wurde. So eine Aktion traute sie dieser Familie durchaus zu.

Immerhin war ihr angeblicher Fluchtwagen noch nicht gefunden worden, und deswegen war Annas Schicksal war im Moment noch ungeklärt. Frederike hatte schon mehrmals bei der Polizei nachgefragt, ob sie den Transporter schon gefunden hätten. Mehr konnte sie nicht tun, ohne sich verdächtig zu machen.

Die australische Polizei hatte schon mitgeteilt, dass die Einreise einer Anna Kennedy nicht stattgefunden hatte und dass sie deswegen noch in Amerika sein musste. Doch da der Flug auch einen Zwischenhalt in Singapur hatte, war die Suche nach ihr auch schon auf dieses Land ausgeweitet worden.

Das Warten kostete Nerven.

»Frau Beller?« Die Stimme von Mrs. Potter riss Frederike wieder in die Wirklichkeit zurück.

»Entschuldigung, ich war in Gedanken.« Frederike war ein wenig verlegen. » Ich habe Paul jetzt offiziell zu Marias Schlüsselherrn gemacht. Wenn etwas sein sollte, sollten sie sich an ihn wenden und nicht die Reserveschlüssel benutzen.«

»Also so wie jetzt auch.« Mrs. Potter antwortete mit einer gewissen Nüchternheit. »Er hat sie ja ohnehin die meiste Zeit bei sich.«

»Ich vergaß, sie hatten mir ja schon davon berichtet.« Frederike lachte. »Ach noch etwas. Maria besitzt jetzt eine neue Art von Mundverschluss. Bitten sie sie, dass sie ihnen bei passender Gelegenheit das Gerät vorführt. Ich habe sie schon entsprechend instruiert.«

»Für das Fest?« Mrs. Potter erinnerte an den dicken Terminkalender.

»Auf dem Fest wird sie es sicher nicht tragen.« Marias Mutter wiegelte ab. »Aber falls sie damit spielen, sollten sie sofort wissen, was los ist.«

»Falls sie dafür überhaupt Zeit haben.« Die Erzieherin wusste, was in den nächsten Tagen so alles anlag.

»Wie schon gesagt, das erste Mal hat stattgefunden.« Frederike war über diesen Punkt erleichtert und bedrückt zugleich. »Falls sich in den nächsten Tagen eine Gelegenheit bietet, können sie sie ruhig gewähren lassen.«

»Seit sie auf dieser Hütte waren, sind sie etwas verändert.« Mrs. Potter war etwas nachdenklich. »Ich habe fast den Eindruck, dass ihnen die Fesseln wichtiger sind als der Geschlechtsverkehr.«

Frederikes Grinsen war fast durch das Telefon zu hören. »Ja, so etwas soll vorkommen.«

* * *

Das Auto, welches jetzt vor Selmas Haus hielt, sah aus wie ein normaler Kleinbus. Nur wenn man sich auskannte, hätte man an wenigen Indizien erkennen können, dass es sich in Wirklichkeit ein Fahrzeug aus dem diplomatischen Dienst handelte. Der Fahrer stieg aus und öffnete die große Schiebetür, dann half er Anna und Florian beim Aussteigen.

Die Beiden warteten, bis der Fahrer ihnen die Koffer aus dem Kofferraum geladen hatten, dann ergriff Florian die Gepäckstücke, und gemeinsam betraten sie langsam das Grundstück, auf dem Paul mit seiner Oma wohnte.

Anna blickte sich immer wieder nervös um. Nach der turbulenten Flucht und dem langen Flug war sie müde, obwohl sie im Flieger geschlafen hatte. Aber es war kein tiefer Schlaf, dafür war sie viel zu aufgeregt gewesen. Immer wieder hatte sie die Nähe von Florian gesucht und sich in seine Arme gekuschelt.

Selma hatte den Bus auch schon gehört und war neugierig zur Tür gegangen, als sie sah, dass sie unbekannten Besuch bekommen würde.

Anna und Florian gingen mit unsicheren Schritten bis zur Haustür. Florian stellte kurz die Koffer ab, während Anna die Papiere zur Hand nahm, die Frederike ihnen mitgegeben hatte. Fast gemeinsam drückten sie auf den Klingelknopf.

Selma wartete noch einige Momente, dann öffnete sie die Tür und trat heraus.

Anna reichte Selma den Zettel und einen verschlossenen Brief.

Selma begann den Zettel zu überfliegen.



»Sehr geehrte Frau Mohr,

dies sind Anna und Florian, sie sprechen kein Deutsch, nur Englisch. Bitten sie sie herein und sagen dem Fahrer, dass er weiter fahren kann. Alles weitere steht in dem Brief.

Vielen Dank für ihre Hilfe.

Frederike Beller, die Mutter von Maria.«



Erst als Selma den letzten Satz gesehen hatte, glitt ein Lächeln über ihr Gesicht. »Bitte kommt herein«, antwortete sie auf Englisch.

Anna und Florian hielten sich bei der Hand, sie blickten sich noch einmal an, dann traten sie ein.

Selma winkte dem Fahrer kurz, dann schloss sie die Tür. Es war ihr sofort aufgefallen, dass Anna und Florian einen sehr angespannten Eindruck machten. Sie führte ihre Gäste ins Wohnzimmer, wo Leonie gerade dabei war, den Tisch für das Abendbrot zu decken. Sie sah sofort, dass Anna zusammen zuckte, als sie Leonie in Ketten sah und auch Florian runzelte seine Stirn.

Anna war entsetzt, denn anscheinend waren die Frauen auch hier gefangen, sogar noch stärker als in der Klinik. Außerdem bemerkte sie bei dem fremden Mädchen neben den Ketten auch so etwas wie Angst. Sie fragte sich, ob ihre Familie sie nicht doch entführt und an einen geheimen Ort gebracht hatte.



Selma ahnte, dass es besser gewesen wäre, wenn sie erst den Brief gelesen hätte, doch jetzt musste sie sich den Ereignissen stellen. »Leonie, bringst du bitte etwas zu trinken für unsere Gäste?«

Leonie nickte langsam. Sie war es mittlerweile gewöhnt, dass sie wildfremde Leute in ihrer ´Uniform´ zu Gesicht bekamen. Sie fragte sich immer wieder, in was für einem Haus sie hier bloß gelandet war.

»Bitte nehmt Platz.« Selma hatte die mehr als verwunderten, teilweise sogar verängstigen Gesichter bemerkt. »Ich werde es euch gleich alles erklären.« Sie setzte sich selbst auch und öffnete den Brief, dann begann sie zu lesen.



Leonie kam mit dem Getränke-Tablett zurück. Anna blickte sie an und als sie entdeckte, dass Leonie einen Knebel trug, wollte sie aufstehen und weglaufen. Doch Florian legte den Arm um sie. »Sie wird uns sicher erklären, was hier los ist.«

Selma blickte kurz vom Brief auf. »Leonie, setzte dich bitte neben uns.« Sie zeigte auf einen Stuhl.



Selma ließ den Brief sinken und blickte Anna und Florian lange an. »Willkommen in Europa.« Sie reichte Leonie den Brief. »Lies ihn bitte auch, damit du weißt, wer unsere Gäste sind.« Sie drehte sich wieder zu dem Paar. »Wie war der Flug?«

Florian hatte Mühe, Worte zu finden. »Danke gut.«

Selma wartete, bis Leonie den Brief ebenfalls gelesen hatte und ihn ehrfürchtig auf den Tisch gelegt hatte. »Leonie, du kannst Englisch sprechen?«

Leonie nickte. Sie hatte es auf dem Gymnasium gelernt und auch schon einen sehr interessanten Englandurlaub hinter sich.

»Du darfst dir den Knebel abnehmen.« Selma blickte kurz noch einmal auf den Brief. »Dann möchtest du Anna und Florian sicher erklären, warum du hier bist.« Selma fand es eine gute Gelegenheit zu erfahren, wie Leonie ihre Situation selbst einschätzte und was sie über ihre Zukunft sagen würde. Außerdem musste sie Leonie einmal die Wahrheit sagen, und sie ahnte, dass es jetzt vielleicht sogar der richtige Moment war.



Mit leiser Stimme begann Leonie zu erzählen. Es war ziemlich stockend, denn einerseits schämte sie sich, und andererseits hatte sie auch Probleme, die passenden englischen Begriffe zu finden.

Anna und Florian hörten aufmerksam zu. Nur als Leonie von den Ketten berichtete, die ihr dauerhaft angelegt waren, wurde Florian misstrauisch. »Erlaubst du, dass ich mal einen Blick darauf werfe?« Er kniete sich vor Leonie. »Ich habe Maschinenschlosser gelernt, und das glaube ich einfach nicht.«

Selma fragte sich insgeheim, wie Leonie wohl reagieren würde, wenn sie erfuhr, dass die Ketten abnehmbar waren.

»Hier ist eine ganz feine Naht.« Er hatte sich eine Handgelenk-Schelle von Leonie in die Hand genommen und sie ganz genau betrachtet. »Und hier ist ein winziges Loch.« Er stand wieder auf. »Eine sehr gute Arbeit.«

Leonie verstand immer weniger, was los war. »Frau Mohr, was bedeutet das alles?«

»Meine liebe Leonie«, Selmas Stimme klang sehr wichtig, als sie begann. »Du bist zu mir gekommen, um hier gefangen zu sein und ich habe dir diesen Wunsch erfüllt.« Es war ihr schon lange klar, dass sie Leonie eines Tages die Wahrheit sagen musste. Und jetzt war wohl der richtige Zeitpunkt gekommen, weil Anna und Florian für ein paar Tage bei ihnen wohnen würden. Außerdem war sie sehr gespannt, wie Leonie sich verhalten würde, wenn sie es erfuhr.

Leonie kämpfte lange mit sich selbst. Es brannte sie schon lange, mehr über ihre Zukunft zu erfahren und gleichermaßen wusste sie doch auch, dass sie es eigentlich gar nicht wissen wollte. »Was haben sie mit mir vor?«

»Meine liebe Leonie«, Selma wiederholte ihre Anrede, »Es ist schon sehr lange her, dass ich zuletzt ein Mädchen so erziehen und unter meine Fittiche nehmen durfte. Mit deinem Wunsch nach Gefangenschaft hast du alte Sehnsüchte in mir geweckt.«

Leonie blickte erstaunt auf.

»Ich hoffe, du bist mir nicht allzu böse, dass wir dir so eine Komödie vorgespielt haben.« Selmas Stimme zeigte ihre Verlegenheit.

»Komödie?« Leonie war verblüfft. »Die Ketten? Und der Käfig?«

»Ja, es war teuer.« Selma seufzte. »Doch das war es wert.«

»Sie haben das bezahlt?« Leonie blieb verwundert. »Warum?«

»Ich habe sofort gesehen, dass du von Doris und ihrer Lebensweise beeindruckt warst.« Selma machte eine bedeutsame Pause. »Ich habe dann gefragt, was so ein Käfig kosten würde und habe dann auch einen für dich anfertigen lassen.«

»Ja, es war ja auch toll.« Leonie bemerkte zu spät, was sie gerade aussprach, denn sie wurde rot. »Aber warum das alles?«

»Zum einen siehst du sehr gut aus mit den Fesseln.« Selma lächelte etwas verlegen. »Und zum anderen, erinnerst du dich an das erste Kaffeekränzchen, wo ich gefragt habe, ob sie dich nehmen würde?«

Auf einmal wurde Leonie alles klar. »Sie haben mich verkauft, um das Geld für den Käfig wieder zu bekommen.«

»Du Dummerchen.« Selma lachte. »Herr Greinert und Frau Bayer gehören zum Festvorstand. Ich habe einfach gefragt, ob du beim Festumzug mitmachen könntest.«

»Was für ein Fest?« Leonie begriff es immer noch nicht. »Und wieso mit den Ketten?«

»Das Katerinenfest.« Selma holte tief Luft. »Maria wird bei der Heimkehr von der Schlacht in Ketten als Geisel präsentiert. Du und Doris werdet sie als Dienerinnen begleiten.«

Leonie machte ein so verblüfftes Gesicht, dass sogar Anna und Florian in das Lachen einstimmten, obwohl sie der Unterhaltung nicht folgen konnten.

Doch auf einmal begriff Leonie, dass ihre gewünschte Gefangenschaft jetzt wohl zu Ende war. Sie äußerte dies.

Selma fiel dieser Gedanken in diesem Moment auch ein. Sie nahm sich noch einmal den Brief zur Hand und las einen Abschnitt noch einmal vor. »Annas Körper ist im Moment an diverse Restriktionen gewöhnt und es wäre ein Fehler, dies abrupt zu beenden. Am sinnvollsten wäre eine langsame Abgewöhnung.« Sie übersetzte es, damit Anna und Florian es auch verstanden hatten. Sie sprach auf Englisch weiter. »Wie wäre es, wenn wir ein Spiel daraus machen.«

»Was für ein Spiel?« Anna horchte auf.

»Anna und Leonie, ihr seid hier gefangen.« Sie blickte zu Florian. »Und Florian macht den ´Kerkermeister´.«

Anna erkannte auf einmal, dass Selma ihr so eine Brücke baute. Sie war zwar sehr froh, wenn sie das Korsett bald wieder ablegen durfte, doch der Monohandschuh war etwas eher Angenehmes. Sie trug ihn eigentlich gern, weil er ihre Brüste so hervorstehen ließ. Und Florian war dann auch immer besonders aufmerksam.

Andererseits wusste sie auch, dass sie es nie von ihm verlangen konnte, denn er hatte sich geschworen, ihr keine Gewalt mehr antun. Mit dem vorgeschlagenen Spiel hätten sie jedoch beide einen Weg gefunden, ihren Wünschen nachzukommen, ohne den Partner vor den Kopf zu stoßen. Denn schließlich erforderte es das Spiel so.

Und außerdem war Anna zuversichtlich, dass er sicher bald erkennen würde, dass sie den Handschuh in Wirklichkeit gern trug.

»Bis Sonntag könnten wir das Spiel auf jeden Fall spielen«, gab Selma als Ausblick.

»Und dann?« Leonie verfluchte sich, weil sie schon wieder so vorlaut war. »Entschuldigung, ich glaube, ich sollte wieder schweigen.« Sie griff zu dem Knebelgeschirr, der vor ihr auf dem Tisch lag.

»Am Montag habt ihr einen Termin im Arbeitsamt. Frau Beller hat das schon veranlasst. Bis dahin könnt ihr euch überlegen, was ihr machen wollt.« Sie blickte zu Leonie, die schon dabei war, die Riemen des Knebels festzuziehen. »Warte bitte. Wie wäre es, wenn du unseren Gästen das Haus zeigst? Ich schaue in der Zwischenzeit einmal nach frischer Bettwäsche.«

Leonie befreite sich etwas verlegen von dem Knebel und legte ihn wieder vor sich auf den Tisch, dann stand sie auf.

»Die Ketten stören dich nicht?« Anna war ebenfalls aufgestanden und stand neugierig vor Leonie. Fasziniert nahm sie das Metall in die Hand.

»Sie stören mich überhaupt nicht«, hörte Leonie sich selbst antworten. »Das ständige Klirren erinnert mich an meinen Status.« In diesem Moment klang sie fast verliebt.

»Aber du bist doch frei?« Anna war verwundert.

»Ich weiß«, Leonie war etwas verlegen. »Aber bis eben habe ich hier wirklich meinen Traum gelebt. Ich war nicht mehr für mich verantwortlich.«

Auf einmal hatte Selma eine Idee. »Wie wäre es, wenn wir uns deinen Zustand bis zum Fest sozusagen behördlich genehmigen lassen?«

»Das verstehe ich nicht!« Leonie war verwundert.

»Du wurdest sehr spät für die Rolle ausgesucht.« Selma machte eine bedeutsame Pause. »Dann hat doch sicher keiner etwas dagegen, wenn du für die Rolle trainierst und die Ketten auch draußen trägst?«

»Und das wird keinen Ärger machen?« Leonie dachte etwas verschreckt an ihre ersten Abenteuer, die oft in einem Desaster und einmal sogar bei der Polizei geendet hatten.

»Wir gehen auf die Polizei und versichern, dass du für das Fest trainieren musst.« Selma versuchte überzeugt zu klingen. Doch insgeheim war sie nicht sicher, ob ihre Idee wirklich umsetzbar sein würde. »Dann stellen sie dir sicher ein Attest oder so etwas ähnliches aus, mit dem du dich im Zweifelsfall ausweisen kannst.«

»Wenn das möglich wäre?« Leonies Stimme war auf einmal leise.

»Du wirst Anna und Florian die nächsten Tage begleiten und für sie übersetzen.« Selma blickte auf Leonies Ketten. »Mit deinem Schmuck.«

»Würdest du das tun?« Florian war erleichtert. Besonders über diesen Punkt hatten sie sich auf dem Flug schon Sorgen gemacht.

»Und das dürfte ich in Ketten machen?« Leonie wollte es nicht so richtig glauben. Auf einmal begannen bei ihr ein paar Tränen zu fließen. »Das war immer schon mein Traum. Die geheimnisvolle Frau, die in Fesseln lebt.«

* * *

Sie hatte bereut, mehr als einmal. Sophie von Harsumstal lag auf dem Bett und wartete. Es war ihr selbst nicht ganz klar, auf was sie wartete, doch es war im Moment ihre einzige Tätigkeit.

Immer wieder gingen ihr die Worte ihres Vaters durch den Kopf, als er zu Beginn ihres Martyriums neben ihrem Bett stand und sie die Augen öffnete. »So wirst du bist zum Fest bleiben, du machst mir diese Gelegenheit nicht kaputt.«

Anfangs hatte sie noch versucht, sich aus dem dicken Gipspanzer zu befreien. Doch sie musste sehr bald feststellen, dass es zwar viel Kraft kostete, sich der Gips aber keinen Millimeter bewegte.



Sie hatte viel Zeit zum Nachdenken. Zum Nachdenken und zum Bereuen.

Sie hatte sich immer als der Star der Gesellschaft gefühlt, doch keiner ihrer angeblichen Freunde hatte sie je besucht. Nur einen Besuch hatte sie bekommen, und der war auch noch von einem Mädchen, das sie gar nicht kannte. Natürlich hatte sie verstanden, wer sie da besucht hatte. Es war das Mädchen, welches an ihrer Stelle auf dem Fest die Katerina spielen würde.

Das Fest. Sophie war schon vor sieben Jahren für das Fest ausgewählt, doch seit dem Tod ihrer Mutter war es ihr zunehmend gleichgültig geworden.

Je öfter sie an ihr bisheriges Leben zurück dachte und sich an die Stelle ihrer vermeintlichen Freunde versetzte, desto mehr wurde ihr bewusst, wie schlecht sie sie behandelt hatte. Echte Freunde hatte sie auf diese Weise nicht gewonnen, dies wurde ihr nun immer deutlicher klar.

Sie begann zu begreifen, wie leer eigentlich ihr Leben bisher gewesen war, in das sie sich nach dem Tod ihrer geliebten Mutter geflüchtet hatte. Ihren Vater hatte sie nicht an sich heran gelassen, und sie hatte ihm nicht erlaubt, ihr Halt zu geben. Und schon gar nicht hatte sie ihm in seinem eigenen Kummer beigestanden, wie ihr nun bewusst wurde. Stattdessen hatte sie ihre Launen an all den Menschen in ihrer Umgebung ausgelassen.

Sie war sich sicher, wenn sie jemals hier heraus kommen würde, und dessen war sie sich nicht sicher, dann würde sie ein neues Leben beginnen. Sie würde alles Bisherige hinter sich lassen, und vor allem würde sie sich bei vielen Leuten entschuldigen. Es gab viele, denen sie bewusst oder unbewusst weh getan hatte, allen voran der Butler ihres Vaters. Er hatte wohl am meisten unter ihren Launen gelitten.

Sie hätte gern gewusst, was damals bei ihrem angeblichen Unfall eigentlich passiert war. Immer wieder gingen ihr die letzten Bilder, an die sich noch erinnern konnte, durch den Kopf. Sie hatte mit dem Cabrio an der Ampel gehalten und sich für die Männer im Nachbarauto in Position geworfen. Danach wurde es schwarz vor ihren Augen.

Als sie wieder zu sich kam, konnte sie ihren Kopf nicht mehr bewegen, und als sie die Augen öffnete, blickte sie auf die weiße Decke ihres Zimmers. Anfangs glaubte sie wahnsinnig zu werden, weil sie immer die gleiche Stelle anstarren musste, an der die Reste einer toten Mücke zu sehen waren. Deren verbleibende Beine und Flügel hatte sie nun schon oft genug gezählt.

Wenn sie sich nur verständlich machen könnte, dann würde sie eine Schwester bitten, ihr einen Spiegel über dem Kopf zu montieren. Damit könnte sie wenigstens aus dem Fenster sehen, anstatt immer nur die Decke mit der toten Mücke anstarren zu müssen. So nahm sie es als Strafe für ihr bisheriges Leben. Mit ihrer Arroganz hatte sie sicher viele Leute vor den Kopf gestoßen, es war also richtig so, dass sie jetzt dafür bestraft wurde.



Nach einigen Wochen hatten die Schwestern begonnen, sie vormittags und nachmittags bei schönem Wetter nach draußen zu fahren. Es war so angenehm gewesen, mal etwas anderes als die Zimmerdecke zu sehen. Sie blickte dann oft in den Himmel und sah den Wolken nach. Ab und zu flog ein Vogel vorbei und sie fragte sich, wie es wohl wäre, so fliegen zu können. Zum ersten Mal entdeckte sie, wie schön der Himmel und die Wolken sein konnten.

Nur bei Regen konnte sie nicht hinaus, aber dafür hatten ihr die Schwester das Fenster aufgemacht, damit sie den Regentropfen zuhören konnte. Manchmal zählte sie die Tropfen, die sie hörte.

Die andere Abwechslung war die tägliche Visite, die irgendwie immer vom Chefarzt durchgeführt wurde.

Anfangs hatte sie es noch für richtig befunden, vom Chefarzt begutachtet zu werden, doch einmal war auch ihr Vater dabei. Sie konnte den Worten nicht ganz folgen, weil sie sehr leise sprachen, doch sie begriff, dass er sie anscheinend verraten hatte.

Ein anderes Mal waren zwei Polizisten gekommen, die ihre Aussage aufnehmen wollten. Einer von ihnen hatte scheinbar die Hoffnung, von ihr eine Reaktion zu bekommen, wenn er ihr den Unfallbericht vorlas. Natürlich waren sie in Begleitung des Chefarztes.

Erst von den Polizisten erfuhr sie, was angeblich passiert sein sollte. Sie sollte an der Teufelskurve verunglückt sein sollte. Das kam ihr etwas seltsam vor, denn das Letzte, an was sie sich noch erinnern konnte, war der Halt an der Ampel, doch das war in der Innenstadt gewesen. So weit raus aufs Land fuhr sie sonst eigentlich nicht.



Die einzigen regelmäßigen Kontakte, die sie hatte, waren die Schwestern, die sie regelmäßig mit Essen über ihre Magensonde versorgten und ihre Infusionen wechselten. Und auch bei denen spürte sie zumindest am Anfang kein Mitleid.

Besonders heftig war zu Beginn der tägliche Einlauf, denn sie bekam. Doch schon bald sehnte sie sich danach, denn er war die einzige Abwechslung in ihrem traurigen Tagesablauf. Es tat zwar weh, besonders wenn sie es mit der Flüssigkeitsmenge übertrieben hatten, doch sie fand den Schmerz sogar angenehm, denn er zeigte ihr, dass es noch Leben in ihren Körper noch gab.

An der linken Hand war durch den Gips war ein medizinischer Zugang gelegt, durch den sie regelmäßig mit Medikamenten versorgt wurde.

Bald kannte sie den Dienstplan der Schwester auswendig, und sie wusste immer schon vorher, wer ihr Zimmer betreten würde. Anfangs waren die Krankenschwestern schweigsam, doch nach einigen Wochen begannen sie mit ihr zu reden, obwohl sie natürlich wussten, dass sie nicht antworten konnte.

Ein einziges Mal gab es eine wirkliche Abwechslung. Ein junges Mädchen hatte sie besucht. Sophie wusste erst nicht, wer sie war, doch sie hatte sich gleich vorgestellt. Es war das Mädchen, das an ihrer Stelle die Katerina spielen würde. Sie war lange an ihrem Bett geblieben und hatte ihr aus ihrem Leben erzählt. Es hatte so gut getan, einmal etwas Abwechselung zu erleben.

Sophie hatte sich vorgenommen, sich bei ihr zu bedanken, falls sie jemals aus dem Krankenhaus heraus kommen würde.



Sie hatte bald aufgehört, die Tage zu zählen, denn je größer die Zahl wurde, desto frustrierter wurde sie. Was war wohl bloß passiert, dass sie diesen Gipspanzer tragen musste. Einmal hatte eine Schwester, die anscheinend Mitleid mit ihr hatte, ihr mit einem Spiegel ihren Körper gezeigt und zu ihren Erschaudern sah sie nur eine weiße Gipshülle.

(Anmerkung des Autors: Das folgende Stück ist sehr christlich religiös geprägt, doch ich bin sicher, dass es mit anderen Religionen genauso funktionieren würde)

Eine der Schwestern schien echtes Mitleid mit ihr zu haben, denn sie kam oft an ihr Bett und las ihr aus der Bibel vor. Früher hätte Sophie darüber nur gelacht, doch jetzt gaben ihr die Worte der Schwester als Einziges echten Trost und die einzige Abwechslung in ihrem traurigen Alltag. Sophie war nie besonders religiös gewesen, doch in Ermangelung anderer Betätigung ließen sich ihre Gedanken nun auf die Bibelgeschichten und die dazugehörigen Bilder ein, die dabei vor ihrem inneren Augen entstanden.

Und wenn sie danach wieder einmal in den Himmel blicken konnte, dann sah sie alles vor sich. Das Paradies, das ihr wegen ihrem Vorleben sicher verschlossen blieb und die Hölle, die sicher auf sie warten würde.

Eine Stelle in der Bibel bewegte sie besonders. Es ging um die Vergebung der Sünden. Wenn Jesus sogar dieser Sünderin vergeben hatte, vielleicht gab es dann für sie selbst auch noch etwas Hoffnung. Wenn sie in Zukunft ein ordentliches Leben führen würde, vielleicht war es dann für sie doch noch nicht zu spät, und die sprichwörtliche Hölle könnte ihr doch erspart bleiben.

Sophie sehnte sich die Vorlese-Momente regelrecht herbei und bei einigen Stellen weinte sie sogar. Doch dann stellte sie sich noch eine andere Frage. Würde sie ihrem Vater vergeben? Sie war sich mittlerweile sicher, dass sie ihm alles zu verdanken hatte, und dass er sie aus dem Verkehr ziehen musste, weil sie ansonsten das Fest gefährdet hätte.

Mittlerweile hatte sie begonnen, ihre Muskeln wieder zu trainieren, indem sie sie immer wieder gegen die festhaltenden Riemen anspannte, und dabei fühlte sie außer dem zu erwartenden Muskelkater keine Schmerzen - es schien alles in Ordnung zu sein, und immer mehr argwöhnte sie, dass sie aus anderen als medizinischen Gründen hier festgehalten wurde, hinter denen ihr Vater und der Chefarzt zu stecken schienen.

Es brauchte noch die eine oder andere Bibelstelle, bis sie davon überzeugt war, dass sie sich alles selbst zuzuschreiben hatte, und dass sie mit ihrem Verhalten ihren Vater quasi zu diesen Handlungen gezwungen hatte.

Immer wieder gingen ihr auch die Worte von Maria durch den Kopf, ihrem einzigen Besuch überhaupt. Es war so selbstlos von ihr gewesen, und dennoch hatten ihr Marias Worte Kraft gegeben. Kraft, sich mit ihren Zustand abzufinden.

Sie hatte sich schon lange überlegt, was sie tun würde, falls sie jemals wieder frei sein sollte. Ihr erster Weg würde sie in eine Kirche führen und danach wollte sie sich bei Maria bedanken.

Sie fragte sich, wie sie ihrem Vater begegnen sollte. Sie wusste, dass sie ihn eigentlich wegen Freiheitsberaubung anzeigen musste, doch das würde sie vermutlich nicht übers Herz bringen. Er hatte sie zwar übel behandelt, doch das hatte sie mit ihrem bisherigen Lebenswandel sich selbst zuzuschreiben.

Wenn sie es genau bedachte, hatte er sie mit seinem Handeln erst zu dieser bewegungslosen Untätigkeit gezwungen, und damit auch zum Nachdenken. Ohne diese Gefangenschaft erst in Gips und nun in Riemen hätte sie nie über ihr Leben nachgedacht, und auch nie den Entschluss gefasst, es zu ändern. Vielleicht hatte ihr Vater damit ja letztendlich tatsächlich Gutes getan, und sie musste ihm sogar dankbar sein.

Das Gleichnis vom verlorenen Sohn bewegte sie besonders, aber dabei sah sie nicht den Baron als ihren Vater, sondern zunächst einmal Gott. Er würde sie wieder in seine Arme schließen, egal wie lästerlich ihr bisheriger Lebenswandel auch gewesen war. Dabei hatte sie seit ihrer Konfirmation keine Kirche mehr von innen gesehen. Und dann würde sie vielleicht auch wieder ein paar echte Freunde finden, für die zur Abwechslung einmal sie selbst da sein würde?

Einmal kam auch so etwas wie ein Pfarrer vorbei. Er hatte sich als der Klinikseelsorger vorgestellt. Er wollte sie eigentlich zu den Gottesdiensten einladen, doch als er ihren Zustand gesehen hatte, holte er die diensthabende Schwester zu sich und bat sie darum, zu den Gottesdienstzeiten doch das Klinik-interne Radio an zumachen, damit Sophie den Gottesdiensten wenigstens akustisch folgen könne.

Es war die eine der wenigen Abwechslungen, die es für Sophie gab, und sie fühlte, wie es ihr geistige Kraft gab. Immer wenn sie danach in dem kleinen Innenhof in den Himmel blickte, dann glaubte sie Gott nahe zu sein. Und er gab ihr Kraft, ihren Zustand zu ertragen.



Sie fragte sich immer wieder, ob sie ihrem Vater verzeihen könne. Immerhin hatte er sie letztendlich davor bewahrt, auf die schiefe Bahn abzurutschen. Und es hätte auch nicht mehr viel gefehlt. Bei der letzten Party hatten sie nicht nur geraucht, es hatte auch jemand etwas Pulver zum Schnupfen dabei gehabt. Mit Schaudern erinnerte sie sich daran, dass sie damals beschlossen hatte, sich diese Erfahrung öfter zu gönnen?



Das Katerinenfest. In den ersten zwei Jahren nach ihrer Nominierung hatte sie sich noch darauf gefreut, doch seit dem Tod ihrer Mutter war es ihr zunehmend egal geworden.

Die Baronin hatte ihrer Tochter schon als kleines Mädchen von dem Fest vorgeschwärmt, wie schön und stolz die Prinzessin immer aussahen, und wie sehr sie davon träumte, ihr kleines Mädchen dort einmal als die stolze und brave Prinzessin zu sehen. Für ihre Mutter hatte sie eingewilligt, als sie als Katerina nominiert wurde, und für ihre Mutter wollte sie Prinzessin sein.

Doch nach dem Tod ihrer Mutter gab es diese Motivation nicht mehr, und entsprechend niemanden, für den sie stolz und brav sein wollte. Den Spaß im Leben hatten schließlich nicht die braven Mädchen?



Ihre Mutter. Was würde sie wohl machen, wenn es sie heute noch geben würde?

Immer wenn Sophie mit ihrem Krankenbett in dem kleinen Innenhof stand und in den Himmel sehen konnte, dann sah sie ihre Mutter in Gedanken vor sich. Sie blickte auf sie herunter und sie war unendlich traurig über das, was aus ihrer Tochter geworden war. Sophie schämte sich deswegen.

Sie fragte schon lange nicht mehr nach dem Warum, sie hatte es durch ihren bisherigen Lebenswandel und ihre bestimmt sehr herablassende Art verdient, dessen war sich mittlerweile sicher.

Sie blickte in den Himmel und fragte sich, ob ihre Mutter ihr vielleicht schon verziehen hatte. Sie hatte ihr oft versichert, dass sie sich nun bessern würde. Sie sagte ihr gegenüber, dass sie nur durch die falschen Freunde auf die falsche Bahn gelockt wurde und sie hoffe, nun den Absprung zu finden. Und sie hatte erkannt, um wessen Freundschaft sie sich zu bemühen hatte.



Ein Moment war ihr besonders in Erinnerung geblieben. Der Chefarzt war mit einigen anderen Weißkitteln herein gekommen, und er musste über ihren Zustand berichten. Sie verstand zwar kaum etwas, doch sie erkannte an der Stimmung, dass etwas nicht in Ordnung war.

Schon am nächsten Tag wurde sie mit ihrem Bett in einen neuen Raum geschoben. Wieder dauerte es eine Ewigkeit, bis etwas passierte. Auf einmal hörte sie ein leises, aber intensives Kreischen. Später sollte sie erfahren, dass es eine Gipssäge war.

Als erstes wurde ihr Bein aus dem Gips befreit und als sie das realisierte, schlug ihr Herz hoch. Endlich würden sie sie befreien. Doch als sie ihr Bein bewegen wollte, stellte sie fest, dass ihre Muskel ihr nicht mehr gehorchten. Sie hatten sich wegen der wochenlangen Untätigkeit zurückgebildet.

Ihre Nerven hingegen funktionierten noch und diese sagten ihr, dass sie fast überall festgeschnallt wurde. Sie konnte später erkennen, dass sie alle zehn Zentimeter ein Riemen an ihr Bett fesselte.

Das gleiche passiert mit ihrem anderen Bein und auch mit ihren Armen. Sophie erschrak noch mehr, als sie realisierte, dass ihre Armmuskeln ihr auch nicht mehr gehorchten. »Sie müssen die Bewegungen erst wieder trainieren«, hatte ihr der Chefarzt gesagt. Doch auch ihre Arme wurden von den Schwestern sofort festgeschnallt. Eine Begründung gab es dafür nicht.

* * *

»Morgen kommt Maria aus den Staaten zurück.« Baron Harsumstal beugte sich über die Papiere, die vor ihm ausgebreitet waren.

»Weißt du, mit welchem Flieger?« Sein Neffe Franz-Ferdinand war sehr an Maria interessiert, seit er von seinem Onkel von dem Preisgeld erfahren hatte.

»Nein!« Es störte den Baron ein wenig, dass sein Neffe im Moment wie eine Klette an Maria hing. Andererseits ging es um viel Geld, und es war durchaus wichtig, dass auch jemand von ihrer Seite auf die Hauptdarstellerin aufpassen würde.

Er hatte mehrfach in den USA in der Klinik angerufen und sich nach Marias Fortschritten erkundigt. Was er gehört hatte, hatte ihn recht optimistisch gestimmt. Maria würde das Gebet auf jeden Fall tragen. Er könne ganz beruhigt sein.

Gleich nach dem Fest würde es passieren. Er hatte extra dafür gesorgt, dass der übliche Fototermin bei ihm im Schloss stattfinden würde. Dort sollte es ein leichtes sein, die anderen abzulenken, Maria aus dem Verkehr zu ziehen und sich dann mit dem Geld abzusetzen.

Was aus seiner verdammten Tochter wurde, war ihm mittlerweile egal, schließlich hatte er ihr den ganzen Schlamassel zu verdanken. Irgendwann würde sie bestimmt jemand in dem Keller finden und falls nicht, könnte er immer noch der Polizei anonym einen Hinweis geben.

Er wusste, dass ihm die Polizei dicht auf den Fersen war. Nur sein bisher guter Kontakt zu Kommissar Klüver hatte ihn bisher davor bewahrt, jetzt schon aufzufliegen.

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  RE: Maria - Kapitel 14 - Das Katerinenfest - Teil Zwei Datum:05.02.17 15:46 IP: gespeichert Moderator melden


Maria
Kapitel 14 - Das Katerinenfest - Teil Zwei
Autor: Karl Kollar

Mittwoch, 15. September 1984

Die Reporterin Andrea Baseling hatte sich vor allem deswegen für das Fahren angeboten, weil sie wusste, dass sie in den nächsten Tagen bei Maria keinen Interview-Termin bekommen würde. Doch wenn sie sie vom Flughafen abholen würde, könnte sie auf der langen Fahrt sicher die eine oder andere Antwort bekommen.

Und sie hatte einige Fragen. Sie hätte gern gewusst, was Maria in den fast drei Wochen wohl gemacht hatte, und warum es so wichtig war, dass es nicht verschoben werden konnte.

Bei einem ihrer letzten Interviews hatte Mrs. Potter ihr ungewollt verraten, dass ihr die Rückkehr von Maria Sorgen bereitete. Weder sie noch Pauls Oma hätten ein Auto, und so hätten sie Maria mit dem teuren Taxi abholen müssen. Der eigentlich organisierte Fahrer hatte kurzfristig absagen müssen.

Schon damals hatte Andrea ihr angeboten, für sie zu fahren, noch bevor sie überhaupt wusste, dass sie den Reaktionsbus bekommen würde. Doch sie hatte sofort die einmalige Chance erkannt.

Sie hatte sich gegenüber den beiden Familien ein gewisses Vertrauen aufgebaut, dadurch, dass sie bei weitem nicht alles, was sie erfuhr, auch wirklich in ihren Artikeln benutzte. Sie hatte sich für ihre 16-teilige Serie über das Fest und ihre Hauptdarstellerin gut vorbereitet und einige Interview-Termine ausgemacht. Zwei davon waren ihr in besonders guter Erinnerung geblieben, weil sie so krass verschieden waren.

* * *

Bei den anderen Lehrern, die Maria für das Fest unterrichtet hatten, war sie schon gewesen, und alle hatte ihr nur Gutes über Maria erzählt. Als letztes aus dieser Reihe stand jetzt ihr Besuch bei Herrn Weiterer an.

Alle hatten sie vor diesem Besuch gewarnt und ihr gesagt, dass sie nicht zu viel erwarten solle. Herr Weiterer hätte keine gute Meinung über die Vertreter ihrer Zunft, und er war auch bei den vergangenen Festen eher durch Schweigsamkeit aufgefallen.

Von Frau Bayer hatte sie einen Tipp bekommen, der ihr vielleicht helfen konnte. Sie solle erst ihr Anliegen vortragen und sich dann erst vorstellen. Es wäre vielleicht unhöflich, doch sonst würde sich Herr Weiterer sofort verschließen.

Andrea war für diese Hinweise zwar sehr dankbar, doch sie kannte den Herrn schon. Sie hatte ihn unter einem Vorwand aufgesucht und einen Monohandschuh probiert. Sie hoffte sehr, dass sie jetzt davon profitieren konnte.



Er stand in dem kleinen Vorgarten und zupfte etwas an den Rosen herum, als Andrea näher kam.

»Guten Tag, Herr Weiterer. Ich schreibe die Berichte über Maria und das Katerinenfest und würde sie auch gern etwas fragen.« Sie hoffte, dass es die richtige Wortwahl war.

Als sie Maria gesagt hatte, blickte der alte Mann zu ihr. »Frau Baseling. Richtig?«

Andrea bestätigte es. Innerlich hielt sie Luft an.

»Von ihnen ist die Serie in diesem Käseblatt?« Er hielt sich mit seiner Meinung nicht zurück.

»Ja.« Andrea holte tief Luft. »Ich arbeite für den Landsbacher Boten.«

»Ich wusste gar nicht, dass dort auch anständige Leute arbeiten.« Herr Weiterer deutete auf die Bank, die vor dem Haus stand.

Andrea war zunächst etwas empört über die ´Unterstellung´, und erst in letzter Sekunde begriff sie, dass er ihr ein außergewöhnliches Kompliment gemacht hatte. »Danke.« Sie stammelte in diesem Moment etwas. Langsam folgte sie ihm zu der kleinen Bank.

»Hier hat sie gesessen, zusammen mit ihrem Mann.« Der alte Herr sprach leise, doch er war gut zu verstehen.

Andrea brauchte erst einen Moment, bis sie erkannte, dass er Maria meinte. Doch es lag soviel Ehrfurcht in seinen Worten, dass sie nicht nachfragte. Sie spürte, dass sie ihre Worte sorgfältig wählen musste. »Sie haben sie unterrichtet?«

»Wissen sie, die Mädchen kamen sonst immer so naiv und unerfahren zu mir, und so gut wie alle konnte ich so formen, wie es die Rolle erfordert hat.« Er machte eine sentimentale Pause. »Doch Maria war ganz anders.«

»Inwiefern war sie anders?« Normalerweise hätte Andrea nur ´Inwiefern´ gefragt, doch sie spürte, dass ihr Gegenüber es schätzte, wenn sie ihre Fragen in ganzen Sätzen stellte.

»Sie ist perfekt.« Herr Weiterer war sichtlich bewegt. »Schon als sie zu mir kam, spürte ich sofort, dass sie etwas Besonderes ist.«

»Das haben sie auch gleich beim ersten Mal gespürt?« Andrea biss sich nachträglich auf die Zunge, denn diese Frage wollte sie ihm eigentlich nicht stellen.

Doch zu ihrer Erleichterung lächelte ihr Gegenüber. »Sie sind sehr gut informiert.« Er sah ihr kurz ins Gesicht, dann wandte sich sein Blick wieder in die Ferne. »Bei ihrem ersten Besuch habe ich sie doch wirklich mit diesem Luder verwechselt. Ich hatte einfach nicht mitbekommen, dass die Darstellerin ausgewechselt wurde.«

»Und dann haben sie sie unterrichtet?« Andrea tat, als würde sie sich etwas notieren.

»On nein!« Er seufzte leicht. »Ich konnte ihr nichts mehr beibringen. Sie hatte schon mehrere Jahre Training hinter sich und ihre Muskulatur war an die Haltung gewöhnt.«

Andrea erinnerte sich, dass sie auch von anderen Seiten ähnliches gehört hatte.

»Sie ist so talentiert, sie könnte sogar die Originalhaltung tragen.« Seine Stimme hatte etwas Schwärmerisches.

Andrea hielt innerlich den Atem an. Schon oft war im Zusammenhang mit Marias Auftritt der Begriff ´Originalhaltung´ gefallen, doch sie hatte bisher nie in Erfahrung bringen können, was dies wirklich bedeutete.

Natürlich kannte sie diverse Tricks, um Leute aushorchen zu können, doch sie spürte, dass sie diese in diesem Moment verbaten. »Was ist denn die Originalhaltung?« Sie versuchte ihre Stimme ganz banal klingen zu lassen, doch innerlich war sie zum Bersten angespannt.

»Die Haltung ist über die Jahre in Vergessenheit geraten.« Herr Weiterer erzählte mit ruhiger Stimme, dass er die Beschreibung und eine Zeichnung dazu in den Unterlagen des Festes gefunden hatte. »Aber ich glaube, diese Papiere gibt es nicht mehr.«

Andrea hielt innerlich den Atem an. Sie wusste, dass sie jetzt nichts fragen durfte.

»Es sieht ungefähr so aus.« Er hob seine Arme vor den Körper und legte seine Ellenbogen aneinander. Seine Hände lagen dabei flach aufeinander. »Und das auf dem Rücken.«

»Auf...« Andrea war sprachlos. »Auf dem Rücken?«

»Sie kennen die Geschichte, die zu dem Fest geführt hat?« Herr Weiterer hatte seine Arme wieder heruntergelegt.

»Ich kenne sie nur ein wenig.« Es fiel Andrea schwer, immer in ganzen Sätzen zu antworten, doch sie spürte, dass dies von dem alten Herrn geschätzt wurde.

»Der alte Herzog wollte nicht, dass sein Sohn die Grafentochter heiratet.« Er gab den Inhalt der Geschichte wieder. »Und mit dieser grausamen Armhaltung wollte er seinem Sohn die Hochzeit vermasseln.«

Andrea war in diesem Moment sehr von der Geschichte als auch von dem alten Herrn fasziniert. »Aber es hat nicht funktioniert?« Was sie erfuhr, füllte einige Lücken in ihrem Wissen über das Fest.

»Genau aus diesem Grund wird Maria mit ihrem Mann bald vor dem Altar stehen.« Fast unauffällig brachte der alte Mann Andreas Gedanken wieder in die Gegenwart.

»Und sie haben Maria unterrichtet.« Andrea wollte zurück zum eigentlichen Zweck ihres Besuches kommen.

»Oh nein! Es gab nichts, was ich ihr noch hätte beibringen können.« Der alte Mann schüttelte den Kopf. »Aber ich rechne es ihr hoch an, dass sie trotzdem zu den vereinbarten Stunden gekommen ist.«

Andrea begriff, wie sehr der alte Herr von Maria beeindruckt war.

»Was werden sie nun über mich schreiben?« Herr Weiterer blickte sie fragend an.

Fast hätte Andrea ihre Selbstbeherrschung verloren, erst im letzten Moment hatte sie sich wieder unter Kontrolle. Sie wollte eigentlich nur einen allgemeinen Artikel über Marias Ausbildung schreiben, doch die letzte Frage bewirkte, das sie ihr Konzept änderte. »Erzählen sie mir etwas von den Mädchen, die sie ausbilden durften. Was waren die schönsten Momente?«

»Ich freue mich schon sehr, wenn Maria vor dem Altar stehen wird.« Er seufzte. »Das ist für mich immer der Höhepunkt.« Mit leiser Stimme begann er zu erzählen.

* * *

Mit einem Kloß im Hals musste sie daran denken, dass er ihr Angebot, den Artikel zu lesen, bevor sie ihn in den Druck gab zu lesen, abgelehnt hatte. »Sie werden das schon richtig machen«, hatte er ihr geantwortet. »Sie sind anders als ihre sonstige Zunft.«

Sie lächelte und während sie an der Ampel auf Grün wartete, musste sie an den anderen Besuch denken, der ebenso kurz wie seltsam gewesen war.

* * *

Sie hatte die Baroness in der Klinik besuchen wollen. Und nachdem sie wusste, dass die Presse in der Klinik äußert ungern gesehen wurde, hatte sie ihr Äußeres etwas auf mondän geändert, inklusive einer blonden Perücke und einer Sonnenbrille. Sie hoffte, so als einen der vielen Freundinnen von Sophie durchzugehen und problemlos Zutritt zu bekommen.

Doch schon als sie an der Auskunft nach der Zimmernummer der Baroness fragte, begannen die Seltsamkeiten. Die diensthabende Schwester griff sofort zum Telefon und wählte eine Nummer. »Chef, hier ist eine Frau, die die Baroness besuchen möchte.« Die Schwester musterte Andrea sehr auffällig. »Sie sagt, sie wäre eine Freundin von ihr.«

Die Schwester lauschte der Antwort, dann wandte sie sich an Andrea. »Gehen sie bitte auf die Station fünf und melden sie sich im Schwesternzimmer. Es wird sie dort jemand abholen und zur Baroness bringen.«

* * *

Der Chefarzt Albert Vogel legte auf und verständigte zunächst das entsprechende Schwesternzimmer. »Unternehmen sie bitte nichts, ich werde mich persönlich um sie kümmern. Bieten sie ihr einen Kaffee an und versuchen sie heraus zukriegen, wer sie wirklich ist.« Er holte tief Lust. »Bisher hat sich noch keine ihrer angeblichen Freundinnen hier blicken lassen.«

Er legte auf und wählte die nächste Nummer. Er wartete, bis der Butler des Barons seinen Herrn an das Telefon geholt hatte. Er hielt sich nicht mit Höflichkeiten auf. »Albert hier. Friedrich, du musst deine Tochter hier herausholen. Jetzt ist jemand da, der vorgibt, ihre Freundin zu sein.«

Der Baron wischte sich den Schweiß von der Stirn. »Wimmle sie ab.«

»Da wäre noch etwas, was du wissen musst.« Albert sprach etwas leiser. »Wir mussten ihr gestern den Gipsverband abnehmen. Es ist bei einer Routineprüfung aufgefallen.«

»In welchem Zustand ist sie jetzt?«

»Sie ist auf dem Bett fixiert und trägt einen Mundverschluss.« Er blätterte kurz in den Unterlagen. »Sie hat versucht, eine Schwester zu beißen. Zumindest habe ich das in den Bericht geschrieben, deswegen wurde ihr der Maulkorb angelegt. Hole sie bitte hier heraus, ich kriege sonst großen Ärger.«

»Wie soll ich das machen, ohne das es auffällt?« Der Baron stöhnte. Noch mehr Probleme konnte er eigentlich nicht brauchen.

»Ich stelle dir Papiere aus für die Verlegung in eine andere Klinik, ihr müsst sie dann nur noch abholen.«

»Ich werde mich darum kümmern.« Der Baron legte auf, dann drehte er sich zu seinem Butler. »Sagen sie meinem Neffen, dass ich ihn jetzt brauche.«

* * *

Andrea wunderte sich. Beim letzten Besuch lag die Baroness auf einer anderen Station. Sie ging ins Schwesterzimmer, wie es ihr die Dame vom Empfang gesagt hatte. Zu ihrem Erstaunen war es leer.

Ihrem Reporterinstinkt folgend blickte sie sich um und fand nach kurzer Zeit die Patientenliste mit den jeweiligen Raumnummern. Sie suchte sich das Zimmer der Baroness und prägte sich die Raumnummer ein, dann verließ sie das Schwesternzimmer wieder.

Es war das Zimmer am Ende des langen Ganges, und zu ihrer Überraschung war es verschlossen.

»Was machen sie hier?« hörte Andrea eine energische Stimme hinter sich.

»Ich wollte die Baroness besuchen.« Andrea drehte sich um und erblickte die Oberschwester. Ihr Namensschild wies sie als solche aus.

»Die Baroness bekommt keinen Besuch, Anweisung vom Chef«, antwortete die Oberschwester mit kalter Stimme. Sie musterte Andrea von oben bis unten.

»Aber...?« Andrea versuchte zu widersprechen.

»Welchen Teil von ´keinen Besuch´ haben sie nicht verstanden?« Die Oberschwester zeigte mit ihrem Arm zum Ausgang.

Andrea blieb nichts anderes über, als die Klinik wieder zu verlassen.

* * *

Die Reporterin hatte zuerst Marias Erzieherin abgeholt, jetzt hielt sie vor dem Haus von Pauls Oma. Mrs. Potter stieg aus und kam gleich darauf mit Selma zurück.

»Danke, dass sie uns fahren wollen.« Selma schnallte sich an. »Wir hätten uns sonst ein Taxi nehmen müssen.«

»Das ist doch selbstverständlich.« Andrea tat dies natürlich, um Stoff für ihre nächsten Artikel zu bekommen. Für die Rückkehr aus Amerika hatte sie sogar einen eigenen Artikel geplant.

»Aber sie machen das doch nicht nur aus reiner Nächstenliebe?« Mrs. Potter sprach ihre Gedanken aus.

Andrea spürte, dass sie für Gut-Wetter sorgen musste. »Ja, sie haben recht.« Sie war in diesem Moment ehrlich etwas verlegen. »Ich möchte über die Ankunft von Maria und vor allem über ihre Zeit in Amerika einen eigenen Artikel schreiben.«

»Ich habe ihre bisherige Serie verfolgt.« Selma schnallte sich an. »Sehr gute Arbeit, und vor allem fair geschrieben.«

»Danke.« Andrea war über das Lob sichtlich irritiert.

»Ich will mich ja nicht in ihre Arbeit einmischen«, Mrs. Potter hoffte, den richtigen Ton zu treffen. »Doch sie nutzen nicht alles Material, was sie haben?«

»Sie haben recht.« Andrea war verwundert. »Ich möchte einen Spannungsbogen aufbauen, der über alle Artikel reicht. Und dafür muss ich mein Wissen gut verteilen.« Andrea startete den Motor und fuhr los.



An der ersten roten Ampel griff sie in ihre Jackentasche und fühlte nach ihrem Diktiergerät. Sie nahm es heraus und zeigte es den beiden Damen, die auf der ersten Rückbank saßen. »Erlauben sie, dass ich das Gerät anschalte? Ich kann mich dann leichter auf den Verkehr konzentrieren.«

Sowohl Selma als auch Dorothea hatten nichts dagegen.

Andrea war erleichtert. Sie hätte ein schlechtes Gewissen gehabt, wenn sie das Gerät ohne Wissen ihrer Mitfahrerinnen genutzt hätte, oder wenn sie sich die Unterhaltung hätte einprägen müssen. So würde sie alles Wichtige nach hören können.

»Was wollen sie wissen?« Mrs. Potter blickte kurz auf das Diktiergerät.

»Eigentlich habe ich gar keine Fragen.« Andrea war immer noch etwas verlegen. »Ich wollte einfach bei Marias Ankunft dabei sein. Das Gerät macht es mir nur leichter, mir auch Details zu merken.« Sie spürte das Misstrauen der beiden Damen und sah sich deswegen gezwungen, sich etwas zu öffnen. »Ich verfolge gerade eine heiße Spur rund um die Baroness.«

»Man hat schon lange nichts mehr von dem Partyluder gehört.« Selma mischte sich ein.

»Das liegt daran, dass sie angeblich einen Unfall hatte und jetzt im Krankenhaus liegt.« Andrea bog ab auf die Autobahn.

»Sie meinen, das war gar kein Unfall?« Mrs. Potter war der Zweifel in der Stimme von Andrea aufgefallen.

»Es gibt im Zusammenhang mit ihrem Unfall so viele Ungereimtheiten.« Andrea berichtete, dass sie an der Stelle gewesen war, an der sich der Unfall ereignet haben soll. »Es gab weder Bremsspuren noch zeigte der betreffende Baum irgendwelche Beschädigungen. Ich habe extra unter einem Vorwand bei der Straßenmeisterei nachgefragt, sie wussten auch nichts von einem Unfall.«

»Aber warum sollte dieser Unfall nur fingiert sein?« Selma war verwundert. »Das macht doch überhaupt keinen Sinn.«

»Irgendjemand hat großes Interesse daran, dass die Baroness auf dem Fest nicht auftritt.« Andrea war mit ihren Äußerungen bewusst vorsichtig.

»Ich kann mich noch an den Termin von damals erinnern.« Mrs. Potter erzählte von der ersten Begegnung in dem Zusammenhang mit dem Fest. »Der Baron war bei uns und hat gefragt, ob Maria die Stellvertretung für seine Tochter sein könnte. Und gleich am Tag nach unserer Zusage hatte Sophie den Unfall.«

»Ich habe einen Verdacht gegen ihren Vater, doch bislang kann ich es nicht beweisen.« Andrea fühlte, dass sie den beiden Frauen vertrauen konnte. »Aber es wäre eine Ungeheuerlichkeit. Mir ist bisher kein Motiv eingefallen, warum er so etwas tun sollte.«

»Naja.« Selma spekulierte. »Vielleicht ist er ja zur Einsicht gekommen, dass seine Tochter ein Partyluder ist und damit für das Fest nicht mehr geeignet ist.«

»Er hat große Geldsorgen.« Andrea drehte kurz ihren Kopf nach hinten.

»Woher wissen sie das?« Die beiden Frauen fragten es fast gleichzeitig. Für Klatsch auf hohem Niveau waren sie auch empfänglich.

»Eine meiner Freundinnen arbeitet...« Die Reporterin stutzte. »Ich sollte meine Informanten nicht verraten.« Sie lächelte etwas verlegen. »Ich habe verlässliche Quellen.« Es war Andrea unangenehm, dass sie kurz davor gewesen war, eben diese Quellen zu verraten. Sie versuchte eine Ablenkung. »Ich war vor kurzem noch mal bei Schwerterles. Ich wollte einen Artikel über Marias Ausrüstung geschrieben und wollte den Hersteller der Ketten interviewen.«

Selma schmunzelte ein wenig. »Die Tochter Doris ist wirklich faszinierend.«

»Ertappt.« Andrea lachte. »Ich war sehr gespannt, ob sie die Ketten immer trägt und bin extra ohne Anmeldung hingegangen.«

»Die Ketten sind gar nicht so teuer.« Selma berichtete, dass sie vor kurzem selbst ein Set in Auftrag gegeben hatte. »Und sie arbeiten schnell.«

Andrea stöhnte leise.

»Und wenn sie etwas Werbung für sie machen, dann könnten sie sie bestimmt billiger bekommen.« Selma ahnte, was die Reporterin wirklich bewegte. »Ihren Hans wird das bestimmt freuen.«

Andrea wurde auf einmal knallrot. Wieder versuchte sie einen Themenwechsel. »Mein Bekannter bei der Polizei hat mir berichtet, dass es auch bei der Aufnahme des Unfalls sehr seltsam zuging. Laut Bericht war das Auto schon abtransportiert und Sophie lag bewusstlos und blutüberströmt im Sanker. Sie konnten nur noch die Zeugenaussagen der Sanitäter aufnehmen.«

»Sie meinen, es hätte den Unfall überhaupt nicht gegeben.« Mrs. Potter griff den Gedanken auf. »Und Sophie sollte nur aus dem Verkehr gezogen werden?«

»Alle Indizien, die ich habe, deuten daraufhin.« Andrea seufzte. »Aber ich finde kein Motiv. Warum sollte der Baron einen solchen Aufwand treiben, wenn er Sophies Auftritt verhindern wollte? Das macht einfach keinen Sinn, zumal er in großen Geldsorgen steckt.«

* * *

»Gleich sind wir am Flughafen.« Andrea verließ die Autobahn. »Wann soll die Maschine landen?«

Mrs. Potter nannte die Uhrzeit. »Wir haben noch etwas Zeit. Dürfen wir sie noch auf einen Kaffee einladen?«

»Danke, gern.« Andrea nahm die Einladung gern an.

* * *

»Es wäre dann soweit.« Die Stewardess Frau Baer war neben die Sitze von Paul und Maria getreten. »In Kürze werden wir landen.«

Maria blickte ihren Freund aufgeregt an. Auf diesen Moment hatten sie sich gemeinsam schon lange gefreut. Maria würde den Flieger mit einem kleinen Triumph verlassen. »Seht her, ich habe es geschafft.«

Ursprünglich wollte sie vor allem Paul damit überraschen, doch jetzt saß er schon neben ihr. Ihr Plan war, mit dem Gebet zu landen und es sich dann in der Halle gleich nach der Begrüßung wieder abnehmen zu lassen. Sie hatte diesen Traum schon immer gehabt, seit sie regelmäßig in der Klinik gewesen war, damals aber noch mit dem Monohandschuh.

Dieses Jahr hatte sie endlich den Mut gehabt, mit ihrer Mutter darüber zu reden, obwohl sie ahnte, dass es nicht möglich sein würde. Doch zu ihrer Überraschung hatte es der Herzog Breganza möglich gemacht, als er von dem Wunsch erfahren hatte. Er hatte die nötigen Kontakte und konnte die Verbindung zur Fluggesellschaft herstellen. Frederike musste der Stewardess dann nur noch das Korsett vorstellen und erklären.

Paul war einerseits skeptisch, weil dieser Wunsch so außergewöhnlich war, andererseits wusste er, dass Maria seit ihrem Intensivtraining dazu problemlos in der Lage war. Seine Hände zitterten etwas, als er die Riemen herauskramte, während Maria in ihrem Handgepäck das eigentliche Venuskorsett transportiert hatte. Als sie seine zitternden Hände sah, musste sie schmunzeln. »Bekommst du das Gebet angelegt oder ich?«

Paul war etwas verlegen. »Es ist trotzdem etwas Aufregendes, vor allem vor ganz fremden Leuten.« Er blickte sich kurz um und blickte auf die wenigen Leute, die auch in der ersten Klasse flogen.

»Es ist wie im Traum.« Maria stand auf und platzierte das Korsett auf ihren Sitz, dann legte sie ihre Arme auf den Rücken. »Kannst anfangen.«

Sie hatten alle nötigen Handgriffe ausführlich geübt, dennoch war Paul etwas verunsichert, als er Marias Arme auf dem Rücken fixierte. Frau Baer assistierte ihm dabei und beruhigte nebenbei auch die anderen Passagiere. »Es ist eine Überraschung für ihre Verwandten, die sie abholten.«

Während ihre Arme langsam unter dem Korsett verschwanden, bemerkte Maria, wie sie von einem Mädchen beobachtet wurde, die offensichtlich mit ihren Eltern unterwegs war. Maria schätzte, dass sie nur ein wenig jünger war als sie selbst. »Tut das nicht weh?« fragte schließlich ihre Mutter, die ihrerseits ihre Tochter beobachtet hatte und deren Interesse festgestellt hat.

Maria hatte einige Schwierigkeiten, Worte zu finden. »Ich habe das lange trainiert.«

»Und wofür braucht man das?« Die Mutter zeigte ebenfalls etwas Neugier.

Maria wollte schon davon schwärmen, dass sie es für das Katerinenfest brauchte, doch dann besann sie sich. In den Staaten war es egal gewesen, wem sie davon erzählt hatte, doch auf dem Flug nach München wollte sie sich lieber etwas zurückhalten. »Es ist für die Rolle, die ich in einen Historienspiel spiele.« Sie blickte Paul warnend an. »Wir waren in einer Klinik, um die Haltung zu trainieren.«

»Und warum tragen sie sie jetzt?« Die Mutter zeigte ebenfalls einiges Interesse.

»Ich möchte jemand überraschen.« Sie blickte zu Paul und lächelte ihm zu. »Eigentlich sollte es ja dir gelten.«

»Der Prinz fühlt sich geehrt.« Paul lächelte zurück.

»Und wie lange müssen sie das tragen?« Frau Baer fragte interessiert, während sie Paul bei den Riemen assistierte.

»Ich hoffe, dass ich im Auto wieder frei bin.« Sie blickte Paul herausfordernd an.

»Mal sehen.« Paul zwinkerte und gab sich etwas geheimnisvoll.

Über Marias auf dem Rücken fixierte Arme wurde dann das Korsett geschnürt. Es war in Weiss gehalten, so dass es unter der dazu passenden Bluse nicht auffiel. Die Bluse war noch ein Geschenk ihrer Mutter gewesen; es war ganz spezieller Schnitt ohne Ärmel, passend für das Korsett gemacht.

Frau Baer hielt das Korsett in Position und Paul schnürte es zu.

Gerade als sie fertig waren, leuchtete das Anschnallzeichen auf. »Bitte nehmen sie Platz und schnallen sie sich an, der Landeanflug beginnt.« Gleich darauf erkannte sie, dass Maria dieser Bitte nicht mehr nachkommen konnte. »Darf ich sie festschnallen?«

Maria hatte einige Mühe, ihre Erregung zu verbergen. Sie zeigte ein leises Zittern, während sie verlegen nickte.

* * *

»Willkommen in München.« Die Stimme des Piloten ertönte aus dem Lautsprecher. »Bitte bleiben sie noch einen Moment sitzen, es müssen vorher noch ein paar Formalitäten geprüft werden.«

Kaum hatte er es ausgesprochen, als Paul neben dem Flugzeug einen Streifenwagen herankommen sah. Zwei Beamte stiegen aus und kamen die herangerollte Treppe hinauf. Gleich darauf öffnete sich die Bord-Tür. Die beiden Beamten, eine davon war eine Frau, traten ein und wurden von der Chefstewardess begrüßt.

»Wir suchen Maria Beller.« Die Beamtin sprach, während ihr Kollege seinen Blick durch das Flugzeug gleiten lies. »Führen sie uns bitte zu ihr.«

»Sie sitzt hier gleich in der zweiten Reihe.« Frau Baer war sichtlich verunsichert.

»Frau Beller?« Die Beamtin blickte Maria ernst an.

Maria bestätigte es mit einem Zittern in der Stimme.

»Bitte kommen sie mit uns«, forderte sie die Beamtin im gleichen Tonfall auf.

»Paul, machst du mich bitte los?« Maria hatte etwas Ängstliches im Blick.

Ihr Freund kam der Aufforderung nach und betätigte den Gurt, dann löste er auch seinen Gurt und wollte aufstehen.

»Sie bleiben bitte sitzen.« Die Beamtin blickte ihn ernst an.

»Wo bringen sie Maria hin?« Seine Stimme zitterte vor innerer Erregung.

»Zu uns auf die Wache.« Die Beamtin blickte ihn ernst, aber nicht unfreundlich an.

Maria erhob sich unsicher und trat auf den Gang, dann ging sie der Beamtin wortlos hinterher. An der Flugzeugtür blickte sie stehen und blickte noch einmal zu Paul zurück, doch die Polizistin schob sie sanft aus dem Flugzeug auf die Treppe.

Aus dem Fenster konnte Paul sehen, wie Maria zu dem Streifenwagen geführt wurde und einstieg. Nach einer kurzen Diskussion beugte sich die Beamtin hinein und kam gleich darauf wieder heraus, um vorn Platz zu nehmen.

Paul ahnte trotz seiner Verzweiflung, dass die Beamtin Maria erst anschnallen musste. Gleich darauf ging das Blaulicht an dem Wagen an und er fuhr mit hoher Geschwindigkeit davon.

Paul sank fast traumatisiert in den Sitz zurück. Maria trug das Gebet, und er konnte sie nicht schützen. Erst als die Stewardess ihn an stupse, kam er wieder zu sich. »Sie müssen jetzt aussteigen.«

»Ja, natürlich.« Paul musste sich erst innerlich schütteln, dann konnte er der Aufforderung nachkommen.

»Hier, nehmen sie bitte auch Marias Handgepäck mit.« Frau Baer reichte ihm die Sachen, die Maria liegengelassen hatte.
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marmas71 Volljährigkeit geprüft
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  RE: Maria Datum:05.02.17 18:00 IP: gespeichert Moderator melden


Hallo gag_coll,

Endlich ist die Maria lose Zeit vorbei.

Mein Sonntagnachmittag ist gerettet.

Danke für´s schreiben und Posten.

Mir ist aufgefallen das Selma sich zwei mal angeschnallt hat.....

Ok sicherheit geht vor.

Und im Text sind zwei Fragezeichen versteckt.

Am Ende des zweiten Teils hast du den Spannungsbogen ganz schön gespannt.

Danke nochmal, ich freue mich auf den nächsten Teil

Bis dahin

Gruß marmas71
Meine erste Geschichte über Damen mit KG und Gips. Titel : Arbeitslohn
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Machtdom
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  RE: Maria Datum:05.02.17 20:12 IP: gespeichert Moderator melden


Hallo gag_coll,

auch ein großes Danke von mir, verbunden aber mit einer Ungeduld wegen der Fortsetzung.
Du lässt uns mit der Frage zurück, was jetzt passiert und warum die Polizei Maria abgeholt hat.

Spanne uns bitte nicht all zu lange auf die Folter!

Gruß
Machtdom
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gag_coll
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  RE: Maria Datum:05.02.17 20:41 IP: gespeichert Moderator melden


Zitat
Mir ist aufgefallen das Selma sich zwei mal angeschnallt hat.....
Ja... stört hoffentlich nicht...
Zitat
Und im Text sind zwei Fragezeichen versteckt.
Habe ich gefunden und korrigiert.

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Wölchen Volljährigkeit geprüft
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  RE: Maria Datum:05.02.17 21:28 IP: gespeichert Moderator melden


Vielen Dank für die Fortsetzung.

Ich freue mich sehr,das es weiter geht.Auch wenn es bedeuted,das das Ende naht.Anderseits,vieleicht kriegen wir dich ja dazu überredet das du due Geschichte weiter schreibst.BNis zur Hochzeit von Paul uind Maria.Vieleicht kannst du ja noch ein Spin Off von Leonie einfügen.Hoffen wir mal das wir dich dazu überredet bekommen.

Das Ende dieses Teil ist ja echt gemein.Hoffen wir mal das es gut endet.Und den Anderen im Auto nichts passiert ist.Denn ich glaube darum geht es,anderseits kann ich mich ja auch irren.Warten wir es ab und lassen uns überraschen.

mfg Wölchen
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  RE: Maria Datum:06.02.17 00:40 IP: gespeichert Moderator melden


Zitat
Vielen Dank für die Fortsetzung.

Ich freue mich sehr,das es weiter geht.Auch wenn es bedeuted,das das Ende naht.Anderseits,vieleicht kriegen wir dich ja dazu überredet das du due Geschichte weiter schreibst.BNis zur Hochzeit von Paul uind Maria.Vieleicht kannst du ja noch ein Spin Off von Leonie einfügen.Hoffen wir mal das wir dich dazu überredet bekommen.

Das Ende dieses Teil ist ja echt gemein.Hoffen wir mal das es gut endet.Und den Anderen im Auto nichts passiert ist.Denn ich glaube darum geht es,anderseits kann ich mich ja auch irren.Warten wir es ab und lassen uns überraschen.

mfg Wölchen


Ja Wölchen spricht mir aus dem Herzen.

Auch von mir ein herzliches DANKESCHÖN!!!

-----
Gruß vom Zwerglein
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Rainman
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  RE: Maria Datum:07.02.17 23:54 IP: gespeichert Moderator melden


Hallo gag_coll.

Boah, was für ein Anfang.
Toll geschrieben und echt mal wieder spannend.

Aber wie lange willst du uns noch mit dem Cliff-Hanger schmoren lassen??

Mann, Mann. Will endlich wissen wie es weitergeht. Aber da wird wohl eh die Kennedy Familie hinterstecken.
Ob Maria wohl doch früher als erwartet entführt werden soll, nachdem Anna veschwunden ist und die jetzt Ersatz brauchen??

Und da Leonie ja jetzt die 2. Dienerin von Maria bei dem Fest ist, wird wohl Amelie doch das nachsehen haben.

Bitte las und nicht mehr so lange warten.


MfG Rainman
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gag_coll
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  RE: Maria - Kapitel 14 - Das Katerinenfest - Teil Drei Datum:10.02.17 17:13 IP: gespeichert Moderator melden


Maria
Kapitel 14 - Das Katerinenfest - Teil Drei
Autor: Karl Kollar

( noch Mittwoch, 15. September 1984 )

»Kann ich dich mal einen Moment sprechen? Anna schläft gerade.« Florian hatte bei Leonie angeklopft, und nach ihrem ´Herein´ war er eingetreten.

Leonie räkelte sich etwas in ihrem Käfig, dann blickte sie auf. »Was ist denn, Florian?«

»Ich mache mir etwas Sorgen um Anna.« Seine Stimme klang in der Tat sehr besorgt. »Sie lässt sich zwar nichts anmerken, aber ich habe das Gefühl, dass sie sich immer noch gefangen fühlt.«

Leonie musste lächeln. »Ich glaube, da bin ich wohl auch ein schlechtes Vorbild.« Sie lachte ein wenig über ihre Selbstironie.

»Wir sind beide sehr dankbar für die große Hilfe.« Er flüsterte nur. »Aber hier ist sie doch auch gefangen, wenn auch ganz anders.« Er berichtete über das, was Anna und er bisher erlebt hatten.

»Ich glaube, ich weiß, was du meinst.« Sie kroch vor zur Tür ihres Käfigs und öffnete sie. Als sie Florians verwunderten Blick sah, lächelte sie verlegen. »Ich glaube, das ist wichtig genug.« Nur nebenbei fiel ihr auf, wie leicht es ihr fiel, sich auf Englisch zu unterhalten.

Ganz zu Beginn ihres großen Abenteuers war ihr Käfig tatsächlich mit einem echten Schloss verschlossen. Doch schon am nächsten Tag hatte Frau Mohr sie auf die Gefahren aufmerksam gemacht, die so ein verschlossener Käfig mit sich brachte. Seitdem war der Käfig nur durch ihr Ehrenwort verschlossen, und Leonie fühlte damit nicht weniger eingesperrt damit.

Sie kroch aus dem Käfig, stand auf und räkelte sich etwas. »Komm, wir gehen zu ihr.« Ihre Ketten klirrten fast liebevoll.

»Zu deiner Oma?« Florian kam aus dem Staunen nicht heraus.

»Sie ist nicht meine Oma.« Leonie stutzte. »Aber das ist eine lange Geschichte, die erzähle ich später mal.«

Doch Selma war nicht da. Erst als Leonie es bemerkte, fiel ihr ein, dass sie mit zwei anderen Frauen auf dem Weg nach München waren, um Maria vom Flieger abzuholen. Sie äußerte dies.

»Schade.« Florian blickte etwas ratlos auf das leere Wohnzimmer.

Leonie dachte kurz nach. »Und wenn wir in den Garten gehen? Ich glaube, etwas Sonne könnte mir auch gut tun.«

»Das ist eine gute Idee«, sagte Florian, »ich gehe Anna wecken.«



»Der Rasen müsste aber dringend gemäht werden.« Florian strich mit der Hand über die Grashalme. Anna schmiegte sich an ihn.

»Ich glaube, das macht Paul.« Leonie dachte nach. »Und manchmal der Nachbar.«

»Weißt du, wo der Rasenmäher ist?« Florian hatte eine Idee. »Ich denke, deine Nicht-Oma wird nichts dagegen haben.«

»In dem kleinen Schuppen müsste einer sein.« Leonie zeigte mit der Hand in den Garten, zumindest soweit es ihre Ketten erlaubten.

»Ich schaue mal nach.« Florian löste sich von Anna und ging zu dem kleinen Schuppen, dessen Tür nur angelehnt war. »Hier ist einer.« Er schob einen alten mechanischen Rasenmäher heraus.

Leonie war zusammen mit Anna näher gekommen. »Es müsste auch noch einen mit Motor geben, aber der wird wohl im Haus sein.«

»Macht nichts, etwas körperliche Betätigung tut mir auch gut.« Florian lachte, doch dann hielt er kurz inne. »Warte mal.« Er ging noch einmal zurück zum Schuppen und holte einen Rechen heraus. Er reichte ihn Anna. »Magst du mir helfen?«

»Gern.« Anna war noch etwas zögerlich. »Was muss ich tun?« Sie wollte nur ungern zugeben, dass sie bisher so gut wie noch nie arbeiten musste.

»Ich mähe, und du fegst mit dem Rechen den losen Rasen auf einen Haufen.« Er betätigte kurz den Rasenmäher, um ihr zu zeigen, was er meinte.

Doch kaum hatten sie zusammen begonnen, als Anna regelrecht aufblühte. »Seit ewiger Zeit tue ich endlich einmal etwas sinnvolles.«

Leonie war erleichtert. Annas schien wirklich etwas fröhlicher als bisher. Die Luft tat ihr gut und auch das Arbeiten schien ihr Freude zu machen.

* * *

Tausend Gedanken gingen Paul durch den Kopf, während er am Transportband stand und auf die zwei Koffer wartete. Was würde die Polizei wohl von Maria wollen? Würde Maria in ihrer Hilflosigkeit zurecht kommen? Und was würde passieren, wenn sie Marias gefesselte Arme entdecken würden?

Etwas traurig nahm er seine Koffer vom Band, dann ging er langsam zum Ausgang.

Mrs. Potter, Andrea und Selma sahen sofort, dass etwas Einschneidendes passiert sein musste.

»Maria wurde von der Polizei aus dem Flieger geholt.« Paul ließ die Koffer neben seiner Oma sinken. »Wir hatten das so schön geplant, und Maria wollte euch mit der richtigen Armhaltung auf dem Rücken überraschen.«

»Was ist damit gemeint: Mit der ´richtigen´? Trägt sie den Handschuh?« Andrea war sofort hellwach. Die Ankunft von Maria verlief anscheinend mit viel mehr Dramatik, als sie erwartet hatte.

Paul realisierte nicht, dass die Reporterin auch dabei war. »Sie trägt die Arme in der Originalhaltung, wir wollten euch überraschen, und dann hätte ich sie wieder befreit.« Er schluckte heftig. »Jetzt wurde sie von der Polizei abgeholt.«

Andrea spürte, dass hier ihre Hilfe gefordert war. Ihren Artikel stellte sie hinten an. »Beschreibe mir bitte noch mal, was sich im Flugzeug abgespielt hat.«

Paul versuchte, alle Einzelheiten genau wieder zu geben, obwohl die ganze Aktion nicht mehr als zwei Minuten gedauert hatte.

»Lassen sie uns zur Flughafen-Polizei gehen.« Andrea hatte auf einmal eine grimmige Miene. »Die müssten doch Bescheid wissen.«

Auf dem Weg zur Polizeistation fiel Paul auf, dass er seine Oma noch gar nicht begrüßt hatte. Doch das konnte warten. Jetzt war erst mal wichtig, herauszukriegen, was mit Maria passiert war.



Die Beamtin am Schalter der Flughafenpolizei war nett und freundlich, doch in der Sache hart. »Ja, wir wissen über den Vorgang Bescheid.«

»Und wo ist Maria jetzt?« Pauls Stimme war sehr aufgebracht.

»Es tut mir leid, darüber dürfen wir ihnen keine Auskünfte geben.« Es war der Beamtin anzusehen, dass sie es wirklich bedauerte.

»Ich möchte sofort ihren Vorgesetzen sprechen.« Andrea zeigte auf die Tür zum Nachbarzimmer. »Ist er dort drin?«

»Ja, aber sie ...« Die Beamte stockte im Satz, denn Andrea war schon in den Raum gestürzt und hatte die Tür hinter sich geschlossen.



Gleich darauf kam sie wieder heraus, und an der Tür drehte sie sich noch einmal nach innen. »Vielen Dank für ihr Verständnis und ihr Entgegenkommen.« Dann wandte sie sich an Paul und seine Begleiterinnen. »Kommen sie bitte mit, ich muss dringend telefonieren.«

»Wo ist Maria?« Pauls Tonfall hatte sich noch nicht verändert.

»Sie wird nach Landsbach gebracht, auf die dortige Wache.« Andreas Stimme zeigte ihre Empörung.

»Wie haben sie das herausgefunden?« Mrs. Potter war von den Ereignissen noch sehr erschüttert.

»Ich habe ihnen gesagt, dass Maria dringend medizinische Hilfe braucht und dass wir wissen müssen, wo sie hingebracht wird.« Andrea lächelte. »Wenn ich das mit den Armen richtig verstanden habe, dann ist das ja nicht mal gelogen.«

Erst jetzt realisierte Paul, dass es ja die Reporterin Andrea Baseling war, die sich mit einiger Energie auf die Suche nach Maria gemacht. »Warum helfen sie uns?«

»Das erkläre ich euch später.« Andrea keuchte vor innerer Anspannung. Das erste Mal konnte sie ihre Kontakte wirklich sinnvoll einsetzen und war nicht nur auf der Jagd nach Informationen.

Sie ging sehr zielstrebig zu einer Telefonzelle. Sie wartete, bis die anderen sie erreicht hatten, dann warf sie ein paar Münzen ein und wählte eine Nummer. »Ich weiß, ich soll hier nicht anrufen, aber es ist ein Notfall.« Sie schilderte, was sie von Paul erfahren hatte. »Seid ihr über den Vorgang informiert?«

Es dauerte lange, bis eine Antwort kam. Andrea keuchte. »Und was wird ihr vorgeworfen?« Ihre Stimme war mehr als empört. Sie lauschte. »Aber das ist doch hanebüchener Unsinn.« Sie knallte den Hörer auf die Gabel und warf neues Geld ein.

»Herr Steinhagen bitte. Sagen sie ihm bitte, es sei dringend.« Andrea wartete.

»Maria Beller wurde aus dem Flugzeug heraus verhaftet.« Andreas Stimme überschlug sich fast. »Ihr wird vorgeworfen, die Baroness aus dem Weg geräumt zu haben, damit sie die Katerina spielen kann.«

Nach kurzer Pause sprach sie weiter. »Offiziell darf ich das nicht wissen, aber ich habe meine Kontakte.«

»Ich danke ihnen.« Sie legte auf und blickte sich um. »Er wird das Nötige veranlassen. Jetzt sollten wir schleunigst nach Landsbach zurück fahren.«

* * *

»Woher haben sie eigentlich so einen guten Kontakt zu Rudolf, ich meine Herrn Steinhagen?« Mrs. Potter fragte es, nachdem Andrea mit dem Bus wieder der Autobahn war.

»Das ist schnell erzählt.« Andrea lachte kurz. »Ich hätte aber nicht gedacht, dass ich es so bald brauchen würde.«

Sie schaltete hoch, dann begann sie zu erzählen. »Ich war bei ihm, weil er als größter Sponsor des Festes sicher sehr wichtig ist.« sie holte tief Luft. »Und ich wollte den Mann kennenlernen, der meinen Chef umgedreht hat hat. Das haben bisher nur ganz wenige geschafft.«

Ein Schmunzeln ging durch den Bus.

»Bei ihm war mein erster Interview-Termin, und ich habe ihm gegenüber damit begonnen, dass ich Marias Leistungen bewundert habe.« Andrea hatte etwas Verträumtes in der Stimme. »Das hat bei ihm einige Türen geöffnet und später auch bei anderen.«

»Und dann?« Paul blickte interessiert neben sich auf die Reporterin.

»Dann sind wir ins Schwärmen gekommen, weil wir beide von einer Tochter wie Maria träumen. Und am Ende hat er mir versichert, dass er mir helfen würde, wenn ich einmal in eine Notlage geraten würde.« Ihre Stimme zeigte in diesem Moment sehr viel Stolz. »Er sagte, er hätte sehr viel Einfluss.«

»Ja, das ist wahr.« Mrs. Potter seufzte. »Wir sind ihnen zu sehr viel Dank verpflichtet. Ohne sie wüssten wir nicht, was wir hätten tun sollen.«

»Werden sie daraus auch einen Artikel schreiben?« Selmas Stimme hatte etwas Sorgenvolles.

»Mit dieser Frage habe ich schon lange gerechnet.« Andrea lächelte. »Aber dass die Ankunft von Maria soo spektakulär verläuft, ist doch einen Artikel wert, meinen sie nicht?« Das ihr die Gelegenheit, einmal einen Blick auf die Originalhaltung zu werfen, entgangen war, behielt sie aber für sich. »Aber bevor ich das schreibe, möchte ich gern mehr über die ganzen Hintergründe erfahren.«

* * *

Die Beamtin hatte sich sehr liebevoll um Maria gekümmert, als sie erfahren hatte, dass Maria im Moment nicht über ihre Arme verfügen konnte.

Trotzdem machten die Uniformen und die Waffen Maria klar, dass sie im Moment in Obhut der Polizei war.

Auf der Fahrt nach Landbach wurde im Streifenwagen nur geschwiegen, erst bei der Ankunft erkundigte sich die Beamtin, ob Maria Hilfe beim Aussteigen brauchte.

Sie wurde sofort in einen Vernehmungsraum geführt und musste dort warten.



»Das ist sie?« Kommissar Klüver blickte durch den Halbspiegel in den Vernehmungsraum.

Die Beamtin bestätigte es. »So haben wir sie aus dem Flieger geholt.«

»Was ist mit ihren Armen?« Klüver war verwundert. »Hat sie keine?«

»Das ist Maria Beller, sie geht hier aufs Gymnasium.« Die Beamtin gab ihre Verwunderung wieder. »Ich habe sie bisher nicht oft gesehen, aber da hatte sie immer Arme gehabt.«

»Naja, wie auch immer.« Klüver drehte sich um. »Ich werde sie jetzt verhören. Immerhin hat sie das stärkste Motiv.«

Er betrat das Verhörzimmer und setzte sich Maria gegenüber. »Sie sind Maria Beller, wohnhaft in Landsbach und die heurige Darstellerin der Katerina?«

Gerade als Maria bestätigen wollte, ging die Tür auf und ein paar Herren im schwarzen Anzug betraten das Zimmer. Einer von ihnen ging zu Maria und flüsterte ihr etwas ins Ohr. »Sie sagen ab sofort nichts mehr.«

Zunächst bewirkte dieser Auftritt, dass Maria noch ängstlicher wurde, doch dann sah sie in der Tür ein bekanntes Gesicht. Sie erkannte den Sparkassendirektor sofort.

»Was wird Maria Beller vorgeworfen, dass sie sie wie eine Verbrecherin aus dem Flugzeug holen?« Herr Steinhagens Stimme zeigte, dass er ehrlich erbost war über diese so drastische Maßnahme.

»Frau Beller ist verdächtig, die Baroness aus dem Weg geräumt zu haben, um selbst die Rolle spielen zu dürfen.« Klüver versuchte noch, sich nicht einschüchtern zu lassen.

»Haben sie dafür irgendwelche Beweise?« Der Ältere der drei Anwälte sprach weiter.

»Der Unfall war fingiert.« Klüver verwies auf die bisherigen Untersuchungsergebnisse.

»Das wissen wir.« Der Anwalt setzte nach. »Haben sie konkrete Beweise gegen Frau Beller?«

»Sie hat das stärkste Motiv. Der Baron hat mich darauf aufmerksam gemacht.« Klüver war für den Hinweis recht dankbar gewesen.

»Frau Beller, sie können gehen.« Der Anwalt wandte sich an Klüver. »Wenn sie von Maria eine Zeugenaussage brauchen - sie wissen ja, wo sie wohnt. Ansonsten warten wir auf ihre Beweise.«

Maria stand langsam auf und ging zur Tür.

»Rechnen sie mit einer Dienstaufsichtsbeschwerde wegen völlig überzogener Maßnahmen.« Herr Steinhagen drehte sich an der Tür noch einmal um und verließ dann als letzter der fünf Personen den Raum.

Klüver lies sich in den Verhörstuhl sinken. Das war komplett daneben gegangen. Dabei war er sich so sicher gewesen, als er von dem Baron den Tipp bekommen hatte.



»Geht es ihnen gut?« Herr Steinhagen sah, dass bei Maria ein paar Tränen über die Wange rollten.

»Ach!« Sie schluchzte etwas. »Ich hatte mir die Ankunft in München ganz anders vorgestellt.«

»Darf ich sie in den Arm nehmen?« Herr Steinhagen fühlte sehr sich an seine eigene Tochter erinnert.

»Oh ja, bitte.« Maria blickte ihn mit verweinten Augen an.

Die Umarmung tat Maria gut. Sie beruhigte sich etwas.

»Die werden sie nicht mehr belästigen.« Der Sparkassendirektor streichelte leicht über Marias Rücken und bemerkte dabei die verpackten Arme. »Ist das die Haltung, die sie auf dem Fest tragen werden?«

Maria zuckte auf einmal heftig zusammen. »Das hätten sie gar nicht sehen sollen.« Sie schluchzte wieder. »Es sollte die große Überraschung werden.« Wieder lehnte sie sich an ihn und weinte. »Es ist wirklich alles schief gegangen.«

»Nun machen sie sich mal keine Sorgen, ich bin verschwiegen und habe nichts gesehen.« Er hielt sie weiter in der Umarmung fest. »Denken sie nach vorn. Jetzt kommt das Fest, und dort müssen sie strahlen.«

»Sie haben recht.« Maria löste sich langsam aus seiner Umarmung. »Würden sie mir vielleicht die Augen auswischen, ich glaube, da sind ein paar Taschentücher in meiner Tasche.« Doch dann stutzte sie. »Ach nein, die ist ja noch im Flugzeug.« Wieder rollten Tränen über ihr Gesicht.

Doch zu ihrer Erleichterung sah sie, dass Herr Steinhagen ein Taschentuch in der Hand hatte und diese sich ihren Augen näherte. Maria nahm es dankbar an und lies sich die Augen auswischen.

»Was machen wir nun?« Herr Steinhagen blickte an Maria herunter. »So kann ich sie ja nicht allein lassen.«

Erst jetzt wurde Maria ihre aktuelle Situation bewusst. Sie stand mit dem Sparkassendirektor vor der Polizeiwache in Landsbach und ihre Arme waren im Gebet auf dem Rücken gefangen. »Ich weiß nicht.« Sie war ratlos.

»Wir könnten dort drüben in dem Café etwas trinken und auf die Ankunft der anderen warten. Ich habe Frau Baseling gesagt, dass wir auf der Wache sein werden. Von dort können wir sehen, wenn sie kommen.« Herr Steinhagen stutzte etwas. »Wie lange tragen sie die Arme schon so?«

»Wie spät ist es denn?« Maria fiel auf, dass sie durch die Ereignisse den Überblick verloren hatte.

»Es ist jetzt fast 14 Uhr.« Der Direktor hatte ein etwas sorgenvolles Gesicht.

»Also ein paar Minuten halte ich das noch aus.« Maria versuchte ein vorsichtiges Lächeln. »In den Staaten habe ich ein Intensivtraining absolviert.«

»Erlauben sie, dass ich ihnen mein Jackett umhänge?« Herr Steinhagen zog sich es aus. »Es könnten sonst Fragen zu ihren Armen kommen.«

Maria hatte nichts dagegen.

»So gefallen sie mir schon besser.« Herr Steinhagen machte eine einladende Handbewegung. »Wie wäre es mit einem Kaffee oder einer Apfelschorle?«

»Aber nur mit Strohhalm.« Maria versuchte etwas mit ihren Armen zu wackeln, wovon aber nur wenig zu sehen war.



Das Café war fast leer und es nahm kaum jemand Notiz von ihnen.

»Irgendwann möchte ich einmal sehen, wie es darunter aussieht.« Herr Steinhagen lächelte. »Erzählen sie mir etwas von Amerika? Es klingt unwahrscheinlich, aber ich war noch nicht drüben.«

»Viel gesehen habe ich nicht.« Maria lächelte verlegen. »Ich war ja die meiste Zeit in irgendwelchen Behandlungen.« Sie erzählte etwas von der Zeit, vermied es aber, die Herzogsfamilie oder Anna zu erwähnen.

* * *

Anna ließ sich in den frisch zusammen geharkten Grashaufen fallen. »Das hat gut getan.«

»Das musst du aber wieder zusammenrechen.« Florian runzelte die Stirn.

»Das ist mir egal.« Anna strahlte. »Das war seit langer Zeit das erste Sinnvolle, was ich tun durfte. Danke dafür.«

»Bedanke dich bei Leonie. Sie hatte die Idee.« Florian zeigte auf das Kettenmädchen, welches es sich auf der Terrasse bequem gemacht hatte.

»Anderen Leuten bei der Arbeit zuzusehen, kann auch schön sein.« Leonie grinste und rasselte etwas mit den Ketten.

»Jetzt sei mal ehrlich, magst du die Ketten wirklich?« Florian wollte es noch mal hören.

»Naja«, lachte Leonie. »Als ich noch nicht wusste, was Frau Mohr vorhat, war ich schon ziemlich verunsichert. Aber jetzt, wo ich es weiß, und ich auch erfahren habe, dass diese Ketten doch abnehmbar sind, sieht es schon anders aus.«

»Moment!« Florian bremste sie. »Wir kennen den Mechanismus noch nicht.«

»Das ist ja auch nicht so wichtig.« Leonie war es egal. »Irgendwer wird mich irgendwann schon befreien.«

»Was ist so schön daran, gefesselt zu sein?« Anna mischte sich ein.

»Ich mag es, wenn ich nicht für mich verantwortlich bin und mir alle Entscheidungen abgenommen werden.« Leonie klang schwärmerisch.

»Genau vor so einem Leben bin ich geflohen.« Anna seufzte etwas. »Ich muss Fesseln tragen, weil mein Körper daran gewöhnt ist und ich es nicht abrupt beenden darf. Sagte zumindest die Ärztin.«

Leonie runzelte die Stirn.

»Die Mutter von Maria.« fügte Florian hinzu.

»Oh, dann wird es stimmen.« Leonie bereute ihre Zweifel. »Darf ich euch etwas zu trinken bringen? Nach der anstrengenden Arbeit...«

»Oh ja gern.« Beide nannten ihre Getränkewünsche.

Anna wartete, bis Leonie im Haus verschwunden war. »Florian, ich hätte da eine Frage, und ich möchte, dass du sie ehrlich beantwortest. Versprichst du mir das?«

»Ich...« Er wusste noch nicht, was kommen würde. »Ich verspreche es.«

»Wie gefällt dir der Monohandschuh, wenn ich ihn trage?« Anna blickte ihm ins Gesicht.

Florian wurde rot und geriet ins Stammeln.

»Ich habe mich lange mit Maria darüber unterhalten...« Anna schwieg einen Moment und blickte Florian an.

Es kostete Florian viel Kraft, ihrem Blick stand zuhalten.

»Hier sind die Getränke für die fleißigen Gärtner.« Leonie kam mit einem Tablett aus dem Haus. Sie bemerkte sofort die Spannung, die gerade in der Luft lag. »Störe ich?«

»Nein, du störst nicht.« Anna lachte trotz der Spannung. »Ich suche gerade Argumente, warum ich dennoch den Handschuh tragen möchte.«

»Aber Anna, denk doch daran, was deine Familie dir angetan hat.« Er war etwas aufgebracht.

Wegen der Anwesenheit von Leonie bekam er von Anna einen bösen Blick. Sie hatten unter sich ausgemacht, die Familie in Gegenwart von Fremden nicht mehr zu erwähnen.

Leonie erkannte langsam, dass sie sie als Vermittler brauchten. Sie hatte eine Idee, bei der sie ihre Worte aber sorgfältig wählen musste. »Florian, du magst es, wenn Anna ihre Brüste so hervorstreckt, was du aber nie zugeben würdest, weil der Handschuh euch viel zu sehr an die Vergangenheit erinnert.«

Florian stutzte.

»Du musst nicht antworten.« Sie wandte sich an Anna. »Du magst den Handschuh ebenfalls, weil er deine Brüste so präsentiert, und weil Florian dir alle Wünsche von den Augen abliest, wenn du ihn trägst?« Sie machte eine kurze Pause. »Du musst auch nicht darauf antworten. Denkt einfach etwas über meine Worte nach.« Leonie blickte beide abwechselnd an. »Es ist immer eine Befreiung, wenn man den eigenen Sehnsüchten nachgeben darf.« Sie wackelte etwas mit den Ketten. »Glaubt mir, ich weiß, wovon ich rede.«

»Das hast du schön gesagt.« Selma stand auf einmal in der Terrassentür. »Anna und Florian, hier wird euch niemand zu irgend etwas zwingen.« Sie blickte kurz zwischen ihnen beiden hin und her. »Tut einfach das, wozu ihr beide Lust habt. Und seid ehrlich zueinander.«

»Frau Mohr?« Leonie war überrascht. »Sind sie wieder da?« Etwas Besseres fiel ihr nicht ein. Sie stand auf und ging zu ihr. »Florian hat mir gesagt, dass Anna sich im Haus gefangen fühlt, und ich habe ihnen geraten, auf die Terrasse zu gehen.« Sie war etwas verlegen.

»Hast du ihnen auch gesagt, dass sie den Rasen mähen sollen?« Frau Mohr blickte Leonie streng an.

Florian hatte zwar nicht verstanden, was Selma gefragt hatte, doch ihre Handbewegung und ihre Blicke sprachen Bände. »Es war meine Idee.« Er war ebenfalls aufgestanden und kam verschwörerisch näher. »Ich glaube, das Arbeiten hat Anna gut getan. Wir wussten nur nicht, ob wir den Schnitt auf den Kompost tun dürfen.«

»Es wäre richtig gewesen.« Frau Mohr blickte auf den Terrassentisch. »Es war eine gute Idee, nach draußen zu gehen.«

»Anna, komm.« Florian zog Anna aus dem Gartenstuhl. »Wir räumen den Rasenschnitt noch weg.«



Kaum waren sie außer Hörweite, als Selma weiter sprach. »Das hat du gut gemacht, Leonie. Ich denke, die Beiden haben noch etwas zu besprechen.« Doch dann hielt sie inne. »Ich glaube, ich habe gerade eine schöne Idee. Warte hier auf mich.«

Sie ging zum Telefon und wählte eine kurze Nummer. »Selma hier. Wie wäre es, wenn wir die verkorkste Rückkehr jetzt hinter uns lassen und einen Spaziergang durch Landsbach machen?« Sie wartete einen Moment.

»Ihr seid einverstanden? Schön.« Sie schien erleichtert. »Ach ja, Maria soll bitte mit ihrem Handschuh kommen. Bis gleich.«

Sie wandte sich wieder an Leonie. »Dorothea und Maria werden uns gleich zu einem Spaziergang abholen. Ich denke, Anna und Florian werden mitgehen wollen. Ich glaube, die beiden brauchen noch so etwas wie einen Anschub.« Sie spürte, dass Leonie etwas zögerte. »Du wirst natürlich auch mit gehen.«

Leonie zeigte auf einmal leuchtende Augen.
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hallo Karl,

nur ein Satz: Wunderbare Geschichte, wunderbar geschrieben ... ich will mehr davon!

Danke.

Gruß
Machtdom
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