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 Autor Eintrag
kamikazekifferin Volljährigkeit geprüft
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Von nichts kommt nichts

Beiträge: 101

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  RE: Maria Datum:04.04.17 21:08 IP: gespeichert Moderator melden


Huhu Gag_Coll
Zitat
Zitat
Werden Paul und Maria jemals dazu kommen, das Korsett auszuprobieren?
Ja, das ist einer kleiner "running gag" in dieser Geschichte... "Heute" ist der letzte Tag vor der Generalprobe und dem Festwochenende...
Zitat
Das wird wohl eine andere Geschichte werden...
An letzterem ist etwas Wahrheit dran...



Ich hoffe es für dich
Sonst wird es eine lange Spanking Session für dich
Ich denke, es werden sich einige deiner Leser dem gerne anschließen *g*

Mit fesselnden Grüßen

Eure Kami

[Edit]: Dieser Eintrag wurde zuletzt von kamikazekifferin am 04.04.17 um 23:43 geändert
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gag_coll
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  RE: Maria - Kapitel 14 - Das Katerinenfest - Teil Siebenundzwanzig Datum:05.04.17 05:31 IP: gespeichert Moderator melden


Maria
Kapitel 14 - Das Katerinenfest - Teil Siebenundzwanzig
Autor: Karl Kollar

(noch Mittwoch, 22. September 1984)

»Also wenn das nicht ein Rausschmiss war.« Maria blickte sich verwundert um, als sie mit ihrem Handschuh in der Hand vor ihrem Haus stand.

Paul blickte sie an. »Es scheint etwas sehr Wichtiges zu sein.«

»Hast du alles dabei?« Betty blickte Paul fragend an. »Wir müssten noch einmal zum Hotel, um den Handschuh zu holen.« Sie lachte. »Damit haben wir nun wirklich nicht gerechnet.«

Paul zeigte die Sachen vor, die er für Maria dabei hatte. »Der Mundverschluß und das Werkzeug.«

»Liebst du es auch so, wenn du ihr die Stimme nehmen kannst?« Betty strahlte über beide Ohren.

Paul war etwas verlegen. »Jetzt kommt erst mal das Fest.«

»Er passt gut auf mich auf.« Maria blickte Betty und Sarah lächelnd an. »So richtig losgehen wird es erst nach dem Fest.« Sie warf Paul einen kurzen Blick zu. »Ich freue mich schon.«

»Hast du schon Pläne, was du alles mit ihr machen möchtest?« Betty trat auf Paul zu.

Paul fand die ehemalige Krankenschwester sehr aufdringlich. »Wir sollten uns dann für den Spaziergang fertig machen.« Er griff zu der kleinen Schachtel und holte den Mundverschluß heraus, dann wandte er sich seiner Freundin zu. »Wenn ich Madame dann bitten dürfte, den Mund zu öffnen?«

»Aber mein Herr, wie könnte ich ihnen widerstehen?« Maria gab ihm noch einmal einen kurzen Kuss, dann öffnete sie ihren Mund und schloss die Augen.



»Sarah redet ja gern auch mit Händen und Füßen.« Betty lachte, während sie ihrer Freundin ihrerseits den Mundverschluss einsetzte. »Erst wenn sie auch den Handschuh trägt, habe ich wirklich Ruhe.«

Als Antwort trat Sarah spielerisch gegen Bettys Beine.

»War bei dem Korsett nicht auch ein Monostiefel dabei?« Betty blickte ihre Geliebte verliebt an. »Ich könnte ihn jetzt gut gebrauchen.«

»Dann können wir aber keinen Spaziergang mehr machen.« Paul waren diese Dialoge noch nicht ganz geheuer. »Und wir sind doch bei meiner Oma angemeldet.« Er nahm den Handschon entgegen, den Maria ihm jetzt wortlos reichte.

»Warum das?« Betty war verwundert. »Wollten wir nicht spazieren gehen?«

»Wir holen noch jemand ab.« Paul musste kurz an die Zeit in Amerika denken. »Du wirst überrascht sein.« Er schloß die letzten Riemen an Marias Handschuh, dann gab er ihr den obligatorischen leichten Klaps, um ihr zu signalisieren, dass ihre Fesseln jetzt belastbar waren.

»Wackelt sie auch so, wenn du mit dem Handschuh beschäftigt bist?« Betty hatte dem Anlegen fasziniert zugesehen.

»Nein, Maria wartet geduldig.« Paul lächelte.

»Sarah ist da etwas rebellischer.« Betty verdrehte die Augen. »Es ist ein richtiger Kampf, bis ich sie endlich unter Kontrolle habe.«

Sarah gab ihr einen Kuss mit ihren versiegeltem Mund.

»Tja, falsch erzogen.« Paul grinste. Wo die Worte herkamen, wusste er allerdings nicht, doch die Antwort brachte ihm auch einen Kuss von Maria ein.

* * *

»Wie war dein Tag, Liebes?« Florian ließ sich etwas geschafft in den Sessel fallen.

»Heute habe ich etwas ganz Wichtiges erfahren.« Anna blickte ihn geheimnisvoll an. »Und ich habe die Frau wiedergetroffen, der wir alles zu verdanken haben.«

Florian richtete sich wieder auf. Da war ein besonderer Unterton in den Worten seiner Frau. »Wen meinst du?«

»Wem haben wir beide denn so viel zu verdanken?« Anna grinste bis über beide Ohren.

»Natürlich Marias Mutter.« Florian war sichtlich irritiert über die Fröhlichkeit von Anna. »Aber die ist doch in ihrer Klinik.«

»Ja, die meiste Zeit schon.« Anna grinste noch viel mehr.

»Jetzt mache es bitte nicht so spannend.« Florian stöhnte ein wenig.

»Sie ist hier, weil sie Maria besucht und sie auf dem Fest sehen möchte.« Anna strahlte. »Und sie hat mir etwas gezeigt. Eine kleine Karte mit schwarzem Rand, auf der mein Name steht.«

»Eine kleine Karte, auf der dein Name steht.« Florian wiederholte langsam die Worte seiner Frau.

»Mit schwarzem Rand.« Anna blieb rätselhaft.

»Das könnte eine Todesanzeige sein.« Es arbeitete heftig in Florian. »Aber du lebst und sitzt neben mir.«

»Ich bin frei.« Anna hielt es vor Anspannung nicht mehr aus. »Meine Familie hat mich für tot erklärt.«

»Mein Beileid«, murmelte Florian ein wenig betroffen, dann erst realisierte er, was Anna wirklich gesagt hatte. »Du meinst, die haben dich für tot erklärt?«

»Das sagte ich gerade.« Anna fiel ihm um den Hals. »Es ist endlich vorbei, sie suchen mich nicht mehr.«

Florian war sprachlos.

»Gleich kommen Maria und Paul sowie Betty und Sarah.« Anna blickte ihn etwas besorgt an. »Sie holen uns zu einem Spaziergang ab.«

»Deinem Blick entnehme ich, dass da noch was kommt.« Florian gab seiner Frau einen Kuss.

»Frau Beller hat mir geraten, auf dem Spaziergang den Handschuh zu tragen.« Sarah strahlte. »Erstens ist es gut für meine Gesundheit, und zweitens tragen Maria und Sarah die ihren auch.«

»Da kommt aber noch etwas.« So gut kannte Florian seine Frau mittlerweile.

»Maria und Sarah tragen auch den Mundverschluß aus der Klinik.« Anna wurde auf einmal ernst. »Ich soll mir überlegen, ob ich den meinen auch tragen möchte.«

»Dann wärst du stumm wie ein Fisch und ich muss dir die Wünsche von den Augen ablesen.« Florian sprach seine Gedanken aus.

»Du wärst einverstanden?« Anna war erleichtert. »Dann komm, wir machen uns schon fertig für den Spaziergang.«

»Wir müssen Frau Mohr fragen, ob sie ein passendes Werkzeug hat.« Florian versuchte sich an das zu erinnern, was Paul in der Klinik gesagt hatte. »Torks oder so ähnlich.«

* * *

Selma war der Meinung, dass Leonie sich nun lange genug an das neue Halskorsett und den Knebel in ihrem Mund gewöhnt hatte. Sie ging in das Zimmer, in dem sie auf dem Sofa saß und bat sie, ihr in das Esszimmer zu folgen. Sie griff wortlos an ihren Arm und zog sie hoch, dann entriegelte sie ihr die Beine.

»Ich erwarte heute einige meiner Freundinnen zum Kaffee. Ich erwarte, dass du dabei bist und mir hilfst.« erklärte sie, während sie voran ging.

Als Antwort blieb Leonie stehen und blickte ihre Gastgeberin fassungslos an. Sie versuchte etwas zu sagen, doch der Knebel in Verbindung mit dem Halskorsett unterdrückte jede vernünftige Lautäußerung.

»Ich werde dir wieder das Tablett umbinden und immer wenn meine Freundinnen etwas davon brauchen, kommst du an den Tisch.« Sie drehte sich zu Leonie um. »Und jetzt trödel nicht so.«

Von Leonie waren nur mehr oder weniger gedämpfte Stöhngeräusche zu hören. Dennoch sie gab sich Mühe, näher zu kommen. Sie wusste, dass sie jetzt wirklich keine Wahl mehr hatte.



Selma war gerade dabei das Tablett wieder an Leonies Körper zu befestigen, als sie auf einmal von Florian unterbrochen wurde. »Was gibt es denn?« Sie blickte ihn an, ohne irgendwie auf Leonie oder ihren Zustand einzugehen.

»Könnten sie uns ein ganz bestimmtes Werkzeug leihen?« Florian hoffte, dass er sich den Namen richtig gemerkt hatte. »Ich brauche einen Torks-Schraubenzieher Größe Eins. Anna möchte ihren Mundverschluss tragen.«

»Ihren was?« Selma war überrascht. »Aber in der Garage solltest du finden, was du suchst.«

»Danke. Ihren Mundverschluss.« Florian wollte schon hinaus gehen, als er noch einmal aufgehalten wurde.

»Was ist denn ein Mundverschluß?« Selma klang auf einmal sehr interessiert.

»Ein Zahnarzt hat das für Maria und Sarah angefertigt, und für Anna wurde auch einer gemacht.« Er beschrieb kurz das Prinzip.

Selma erkannte sofort, welche zusätzlichen Möglichkeiten ihr dieser Mundverschluss für Leonie bot. »Ich hätte eine Bitte.«

»Und die wäre?« Florian blickte kurz auf die Uhr. »Gleich werden wir abgeholt.« Er wollte aber nicht undankbar sein.

»Es wäre gut, wenn Leonie sehen kann, wie du Anna den Mundverschluss anlegst.« Selma hoffte, dass sie zuviel von Anna verlangte.

»Dazu ist sie sicher bereit.« Florian grinste, denn er ahnte, was Selma damit bezweckte. »Ich suche das Werkzeug und dann komme ich mit Anna ins Esszimmer.«



»Jetzt erklärt mir bitte noch einmal, wie dieses Gerät genau funktioniert.« Selma blickte auf die zwei Teile, die vor Leonie auf dem Tisch lagen.

»Ich nehme die beiden Teile in den Mund und Florian wird sie dann mit Schrauben bei mir im Mund fixieren.« Anna hatte sofort begriffen, um was es ihrer Gastgeberin in Wirklichkeit ging und sie hatte sich deswegen auch schon so hingestellt, dass Leonie es ganz genau verfolgen konnte.

»Hier ist noch Platz für die Zunge.« ergänzte Florian. »Es ist eine Maßanfertigung vom Zahnarzt aus Frau Bellers Klinik.« Er gab seiner Frau noch einmal einen langen Kuss. »Wenn sie die Teile in den Mund genommen hat und ich sie dann zuschraube, kann sie ihren Kiefer nicht mehr bewegen, sie ist dann ganz sprachlos.«

Selma war sichtlich fasziniert, genauso wie Leonie. Doch diese konnte keine Fragen mehr stellen. »Was ist mit Ernährung und Zahnpflege?«

»Es ist alles vorgesehen.« Florian berichtete, dass dieser Verschluß in der Klinik noch in Kombination mit einer Magensonde getragen wurde. »Maria und Sarah haben es auch tragen dürfen.«

»Das mit der Magensonde ist wirklich gruselig.« Anna begriff, dass jetzt ihre Erfahrungen gefragt waren. »Es kommt nur ein Schlauch aus der Nase, und damit wirst du gefüttert. Es gibt eigentlich keinen Grund, dir den Mundverschluss jemals wieder zu entfernen.« Sie hatte verstanden, welches Spiel Leonie und ihre Gastgeberin miteinander spielten.

Von Leonie war so etwas wie ein gedämpfter Schrei zu hören, der jedoch sehr leise war.

»Bist du bereit?« Florian hatte vor dem Mut seiner Frau doch noch etwas Respekt.

Als Antwort nahm sich Anna die zwei Teil des Mundverschlusses in die Hand und setzte sie sich nacheinander in den Mund. Sie achtete dabei darauf, dass Leonie alles gut sehen konnte. Zum Schluss gab sie Florian ein Zeichen, dass er ihren Mund zuschrauben konnte.

Ganz zum Schluss kniff Florian seiner Frau in den Arm. Sie zuckte heftig und gab ihm als Antwort eine Ohrfeige, doch von ihr war nur ein ganz leichtes Brummen zu hören. Dass dies vorher abgesprochen war, wusste Leonie allerdings nicht.

»Ich werde Frau Beller bitten, mir die Pläne dafür zu geben, dann lasse ich so einen Verschluss auch für Leonie anfertigen.« Sie blickte zu ihrem Schützling. »Du freust dich bestimmt schon.«

Wie erwartet, löste das Schauspiel in Leonie den nächsten wilden Gedankensturm aus. Gewiss hatte sie bei ihrer Schwester schon Ähnliches gesehen, doch in dieser Konsequenz, in der sie sich im Moment befand, hatte die Aussicht etwas erschreckendes.

* * *

»Ich bin echt verblüfft, dass man hier mit einem Monohandschuh auf der Strasse spazierengehen darf.« Betty blickte verblüfft auf die drei Mädchen, die alle ihre Arme in der Lederhülle auf dem Rücken trugen.

»Das geht auch nur, weil wir kurz vor dem Fest stehen und jeder glaubt, dass ihr für eure Rollen übt.« Paul öffnete die Haustür und geleitete Florian und die Mädchen nach draußen.

»Das mit dem Mundverschluß ist wirklich faszinierend.« Betty hielt ihre Freundin im Arm. »Man sieht nur einen geschlossenen Mund und kann doch sicher sein, dass sie ganz sicher geknebelt sind.«

»Es könnte ein wirklich ruhiger Spaziergang werden, wenn alle Frauen so etwas tragen würden.« Florian versuchte, ernst zu klingen.

Betty brauchte einen Moment, bis sie erkannte, auf was er eigentlich anspielte. »Soweit kommt es noch.«

»Wie kommst du mit Juan und Bertram zurecht?« Paul hatte sich ein paar mögliche Themen für den Spaziergang überlegt, die auch in Marias Interesse lagen. Er hatte sich klar gemacht, dass er auch für Maria sprechen musste.

»Sie sind total nett.« Betty schien ähnlich zu denken. »Manchmal helfen sie mir sogar bei Sarahs Fesselungen.«

Paul sah, dass Anna und Florian an wenig zurück blieben, was daran lag, dass sie oft kurz stehen blieben und sich küssten. Sie machten einen sehr glücklichen und verliebten Eindruck und das, obwohl Anna sowohl den Mundverschluss als auch den Monohandschuh trug. »Ihr seid sehr glücklich miteinander?« fragte er Betty.

»Ich habe es nie bereut, dass ich meinen Job aufgegeben habe.« Betty gab Sarah einen Kuss auf die versiegelten Lippen. »Fühlt sich immer wieder seltsam an«, grinste sie.

»Und wie kommt ihr mit dem Herzog zurecht?« Paul dachte daran, dass sie mit ihrem Schwiegervater zunächst noch größere Schwierigkeiten gehabt hatten.

»Er behandelt mich und auch Bertram fast wie eigene Kinder. Stellenweise kriegen wir sogar noch Unterricht, damit wir uns gut um die beiden kümmern können.« Betty strahlte. »Nur bei offiziellen Anlässen müssen wir natürlich zurücktreten.«

Paul dachte an die Fragen, die er sich für Maria und sich überlegt hatte. »Dann ist also alles bereit für die Hochzeit? Gibt es schon einen Termin?«

»Oh, eine brasilianische Hochzeit braucht viel Vorlauf.« Betty wurde auf einmal etwas traurig. »Sarahs Mutter hat sich leider völlig zurückgezogen. Sie lebt in einer kleinen Stadtwohnung und will von der Vergangenheit und Sarah nichts mehr wissen.«

»Aber bei der Hochzeit wird sie doch dabei sein?« Paul versuchte sich in Marias Gedanken zu versetzen.

»Ich fürchte nein.« Auch Betty war in diesem Moment sehr nahe bei Sarahs Gedanken.

»Das wird bestimmt traurig für sie.« Paul verdrängte den Gedanken an seine eigenen Eltern.

* * *

Leonie war erleichtert, dass der Knebel nur ein wenig aufgeblasen war. Sie hatte es früher einmal in Selbstversuchen ausprobiert, wie stark man solche Knebel aufblasen konnte, ohne dass es wirklich unangenehm wurde.

Sie blickte auf den Tisch des Esszimmers, um den herum sich einige Frauen zu einem gemütlichen Kaffeekränzchen versammelt hatten. Zuvor hatte Selma sie aufgefordert, mit Sektgläsern auf dem Tablett zu ihnen zu gehen und den Sekt anzubieten.

Was sie am meisten verwundert war, dass keiner von ihr weiter Notiz nahm. Es kam Leonie wirklich vor, als wäre sie nur ein Gegenstand, ein Tablett auf Beinen.

Und sie musste sehr vorsichtig gehen, denn sonst riskierte sie, dass die kleine Blase, die von ihrem Mund herunter baumelte, die Gläser umwarf. Sie war sichtlich erleichtert, als sie alle Gläser verteilt hatte.

Die Blase vor ihrem Mund hatte etwas Faszinierendes. Es brauchte nur einige kleiner Handgriffe und schon wäre der Knebel in ihrem Mund richtig heftig aufgeblasen. Und sie konnte sich nicht dagegen wehren.

Einige der Frauen, die neben Selma am Tisch saßen, glaubte Leonie vom Sehen her zu kennen. Eine davon war Marias Erzieherin, und die anderen glaubte sie schon mehrmals in der Nachbarschaft gesehen zu haben.

»Wo bleibt denn Holger?« Selma blickte auf die Uhr. »Hast du ihm nicht gesagt, dass hier eine Überraschung auf ihn wartet?«

»Das habe ich natürlich gemacht.« Alberta lächelte und blickte kurz zu Leonie. »Wenn er wüsste, was ihn erwartet, dann wäre schon lange hier.«

»Naja, so ein Kaffeekränzchen ist eben nicht besonders attraktiv für so einen jungen Mann.« Mrs. Potter lächelte. »Es war eine gute Idee, das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden. Es ist schon länger her, dass wir uns zuletzt so gesehen haben«

Leonie begriff erst, was es bedeutete, als es an der Tür klingelte.

Selma stand auf. »Na, dann werde ich unseren Prinzen hereinlassen.« Mit einem breiten Grinsen verließ sie den Raum.



Holger stand etwas genervt in der Tür. Wegen dieses blöden Kaffeekränzchen verpasste er das Fußballspiel im Fernsehen. »Hier bin ich, wie bestellt.« Er gab sich keine große Mühe, seine schlechte Laune zu verbergen. Er reichte Selma die Flasche Wein, die seine Mutter ihm als Mitbringsel aufgedrängt hatte.

»Stell sie bitte auf das Tablett.« Selma bat ihn ins Esszimmer.

Doch als Holger den Raum betreten hatte, wäre ihm fast die Flasche aus der Hand gefallen. Dort stand sie, seine Traumfrau. Er erkannte auf den ersten Blick fast alle der Restriktionen, denen sie unterworfen war.

Besonders fiel ihm aber das Halskorsett auf mit den erschrockenen, aber glücklichen Augen darüber. Das Haar wurde etwas durch die Riemen gebändigt, die den Kopf zusätzlich fixierten. Er wurde geradezu magnetisch von ihr angezogen. Schritt für Schritt kam er näher, bis er ganz nah vor ihr stand.

Ganz langsam näherte sich seine Hand der Pumpe, die vor Leonies Mund herab baumelte.

Leonie keuchte, als sie begriff, was passieren würde. Bedingt durch das Halskorsett würde sich die Blase nur in ihrem Mund ausdehnen und konnte nicht in ihre Wangen ausweichen. Sie vermied es zu stöhnen, denn sie wollte ihm nicht zeigen, wie sehr sie die Situation erregte.

Dass noch weitere Personen im Raum waren und das Spiel mit ansehen konnten, war ihr herzlich egal. Doch dann fragte sie sich, ob es wirklich noch ein Spiel war. Ein Spiel konnte man jederzeit unterbrechen, doch für Leonie war es jetzt ernst geworden. Sie fragte sich, welchen Status sie im Moment hatte. Sie war eigentlich nur ein lebendes Tablett, unfähig sich zu bewegen. Und diesem gutaussehenden jungen Mann völlig ausgeliefert.

Als Holger die Blase in der Hand hatte, ließ er seinen Blick langsam nach oben gleiten, bis er Leonie tief in die immer noch strahlenden Augen blickte. Er hob die Hand mit der Blase ganz langsam hoch, bis sie in beider Blickfeld war. Erst jetzt drückte er bewusst langsam auf die Blase. Deutlich war das Zischen zu hören, welches anzeigte, dass etwas Luft in den Knebel geblasen wurde.

Leonie hielt die Luft an, um nicht vor Erregung aufzustöhnen. Sie wollte ihm, einem wildfremden Mann, nicht zeigen, wie sehr sie sein Handeln berührte.

Holger drückte noch zwei Mal, bis es Leonie nicht mehr aushielt. Die Blase war jetzt deutlich in ihrem Mund zu spüren und drückte ihre Zunge fast schmerzhaft nach unten. Sie verdrehte die Augen und ließ einen leisen Protestschrei hören. Stärker durfte er den Knebel nicht mehr aufblasen.

»Holger, ich denke, es reicht jetzt.« Selma stand auf einmal neben ihm und nahm ihm die Pumpe aus der Hand. Sie ließ ein winziges bisschen Luft aus dem Knebel und ließ die Blase dann los.

Holger blieb noch lange vor Leonie stehen und blickte ihr in die Augen. Erst als seine Mutter ihn aufforderte zu gehen, konnte er sich losreißen. »Danke Holger, du kannst jetzt gehen, sonst verpasst du dein Fußballspiel.«

Holger hatte sichtlich Mühe, sich von Leonie und ihrem Anblick zu verabschieden. Selbst an der Tür schaute er noch einmal zurück und suchte ihren Blick.



Leonie war von ihm, seinen Handlungen und seinem Blick nicht minder fasziniert. So hatte sie sich ihren Traummann vorgestellt. Auch wenn er nur kurz da gewesen war, wusste sie doch, dass er der richtige war. Jetzt verfluchte sie ihre Fesselung, und sie zerrte wild an den Fesseln. Sie bedauerte es sehr, dass sie gerade erst auf ihr Recht auf Freiheit verzichtet hatte. Wenn er doch eine Stunde früher gekommen wäre. Immer wieder sah sie seine Augen, als er ihr den Knebel weiter aufblies.

»Ich glaube, der wird euch noch öfters besuchen.« Seine Mutter lächelte. Ihr Sohn hatte genauso reagiert, wie Selma es ihr versprochen hatte. Sie blickte noch einmal kurz zu Leonie, die aus ganz freien Stücken das Leben einer Gefangenen gewählt hatte, auch wenn es nur in den Semesterferien andauern würde. »Danke für deine Hilfe.«

Selma lächelte. »Immer wieder gern.«

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Machtdom
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  RE: Maria Datum:05.04.17 07:01 IP: gespeichert Moderator melden


Hallo gag_coll,

.... und wieder eine tolle Fortsetzung.
Mir gefällt, wie Du für jeden Topf den richtigen Deckel dazuschreibst, Maria und Paul, Sarah und Betty, Anna und Florian, und jetzt noch Leonie und ihr Traummann Holger, fehlt also nur noch Sophie und ihre Liebe ... ich hoffe, da auch bald mehr dazu zu lesen.

Danke für Deine Geschichte, ich freue mich jedes Mal, wenn ich vor Arbeitsbeginn einen Teil lesen kann.

Gruß
Machtdom
Meine Geschichte:
Schule für Sklavinnen
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Wölchen Volljährigkeit geprüft
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  RE: Maria Datum:05.04.17 23:34 IP: gespeichert Moderator melden


Servus gag_coll

Zu erst mal,vielen Dank für deine Geschichte.Ich lese sie immer noch sehr gerne und freue mich über jeden Teil.

Leider gibt es heute ein großes aber.

Was für ein völlig idiotisches Kind Namens Holger hast du da heute reingesetz.Das ist der große Plan von Selma die beiden zu verkuppeln?Zu erst mal was denkt der sich.Er kommt rein und sieht eine gefesselte Frau.Und was macht er,er geht hin und bläst den Knebel weiter auf.Ohne zu fragen zu sagen oder sonst was.Ohne Rückseicht zu nehmen auf Leonie.
Da ging sein Verstand nach unten zwieschen seinen Beinen.Er had was gesehen und wollte sich weiter daran ergötzen.
UND SEIN FETISH ausleben.
Er had nicht gewußt bzw. es war ihn egal ob er ihr schmerzen zu fügt.Es ging nur um sein genuß.Währe er damals auf die Hütte gekommen,hätten die anderen ihn sicher Hochkant rausgeworfen,wenn er da so was gemacht hätte.Die anderen Protakonisten versuchen die Bondagetten eher zu bremsen und sind auf ihre Sicherheit bedacht.Ihn geht das alles am Arsch vorbei.Sonst hätte er anders reagiert.Ich fürchte das die beiden es irgendwann übertreiben werden,wenn sie niemand stopt.Vor allen had er keine richtige Erfahrung,was zum Bsp. auch die Sicherheit an geht.

Und Selma,was macht die?Die greift nicht richtig ein.Die hätte sofort energisch eingreifen müssen.Weil er sich einfach an ihre Schutzbefohlele vergreift.Selbst wenn sie beide verkuppeln möchte.

Also wirklich.Die beiden gehören unter strenger aufsicht das sie sich nicht verletzen.Weder körperlich noch emozional.

Anderseits ist das ja auch Selmas Plan.Das sie ihn klar macht das er um jemand zu fesseln selbst wissen muß wie es ist gefesselt zu sein.So das sie ihn nacvh und nach zeigt wie er Leonie fesselt und auf ihre Sicherheit achted aber ihn auch immer wieder fesselt um ihn zu zeigen wie es ist,so gefesselt zu sein.Damit er die Risiken einschätzen zu lehrnt.

Naja mal schaun was wird und wie es allgemein weiter geht.Freu michs chon aufs Fest.

mfg Wölchen
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gag_coll
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  RE: Maria Datum:06.04.17 19:41 IP: gespeichert Moderator melden


Hallo Wölchen,

so schlimm finde ich das Verhalten aber nicht... und zwar aus drei Gründen:

1. Seine Mutter ist mit im Raum.
2. Selma hat das alles so geplant und bewusst so arrangiert.
3. Selma passt doch gut auf Leonie auf.

Zitat
Da ging sein Verstand nach unten zwischen seinen Beinen.Er had was gesehen und wollte sich weiter daran ergötzen. UND SEIN FETISH ausleben.
Ich muss zugeben, dass ich diese Szene auch nicht mit dem Kopf geschrieben habe...
Zitat
Er had nicht gewußt bzw. es war ihn egal ob er ihr schmerzen zu fügt.Es ging nur um sein genuß.Währe er damals auf die Hütte gekommen,hätten die anderen ihn sicher Hochkant rausgeworfen,wenn er da so was gemacht hätte.Die anderen Protakonisten versuchen die Bondagetten eher zu bremsen und sind auf ihre Sicherheit bedacht.Ihn geht das alles am Arsch vorbei.Sonst hätte er anders reagiert.Ich fürchte das die beiden es irgendwann übertreiben werden,wenn sie niemand stopt.Vor allen had er keine richtige Erfahrung,was zum Bsp. auch die Sicherheit an geht.
Wenn man ihm auf der Hütte so eine absichtliche "Falle" gestellt hätte, hätte er sicher ähnlich reagiert.
Ich würde wenn überhaupt eher Selma einen Vorwurf machen, weil sie Leonie so einer "Gefahr" aussetzt.
Zitat
Die beiden gehören unter strenger aufsicht das sie sich nicht verletzen.Weder körperlich noch emozional.
Du erlaubst aber schon, dass sie sich erst einmal kennenlernen? Selma hat schließlich schon weiter gedacht...
Viele Grüße
gag_coll
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gag_coll
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  RE: Maria - Kapitel 14 - Das Katerinenfest - Teil Achtundzwanzig Datum:07.04.17 06:52 IP: gespeichert Moderator melden


Maria
Kapitel 14 - Das Katerinenfest - Teil Achtundzwanzig
Autor: Karl Kollar

(noch Mittwoch, 22. September 1984)

Leonie wurde aus ihren Gedanken gerissen, als sie ihren Namen hörte.

»Du hattest mich um die Pläne für Marias Mundverschluss gebeten.« Mrs. Potter nahm eine Mappe aus ihrer Tasche und legte sie vor sich auf den Tisch. »Frederike war so nett, sie mitzubringen.«

»Gibt es mal bitte her.« Alexandra Dortmund blätterte durch die Mappe. »Die Kasse zahlt das natürlich nicht. Aber ich denke, mein Mann macht dir einen Sonderpreis.«

»Das ist nett.« Selma blickte kurz zu Leonie. »Sie freut sich schon.«

»Das ist ja faszinierend.« Alexandra war begeistert. »Es ist ein Schlauch für die Ernährung und einer für sicheres Atmen vorgesehen. Der Mund wird damit vollständig versiegelt.«

»Ja, so etwas Ähnliches hat Paul mir auch erzählt.« Selma blickte wieder kurz zu Leonie. »Maria soll das eine Woche lang getragen haben. Und für die Mundhyginie ist auch gesorgt.«

»Und wie lange lässt sich das tragen?« Eine andere Frau schien ebenfalls sehr interessiert zu sein.

»Es gibt damit noch wenig Erfahrungen.« Mrs. Potter gab wieder, was sie von Maria und ihrer Mutter dazu erfahren hatte. »Bisher hat es nur eine Versuchsperson über zwei Monate lang getragen.«

»Zwei Monate vollständiges Schweigen.« Frau Dortmund war tief beeindruckt.

Leonie hatte bisher atemlos zugehört, doch jetzt entglitt ihr ein leises, aber trotzdem deutliches Keuchen.

»Oh Verzeichnung.« Selma stand auf. »Das hättest du noch gar nicht hören sollen.« Sie griff zu kleinen Wachsstöpseln, die sie bereit gelegt hatte, und wärmte sie ein wenig an. Dann trat sie vor Leonie. »Ich werde dir jetzt auch noch die Ohren verstopfen. Damit kann dich nichts mehr ablenken.« Sehr langsam und vorsichtig steckte sie die beiden Wachspropfen nacheinander in Leonies Ohren.



In Leonie tobten die Gedanken wild durcheinander. Sie konnte jetzt auch nichts mehr hören. Nur noch ganz leise gelang der eine oder andere Geräuschfetzen noch an ihr Ohr, doch nichts davon konnte sie identifizieren.

Ob sie ihn wieder sehen würde? Jetzt, wo sie auch keine Geräusche mehr ablenkten, waren ihren Gedanken nur noch bei ihm. Was würde sie jetzt geben, wenn sie sich jetzt noch befreien könnte. Sie würde ihm überall hin folgen.

Immer wieder gingen ihr seine leuchtenden Augen durch den Kopf, als er ihr den Knebel aufgeblasen hatte.



Jetzt hatte ihre Gastgeberin auch noch angekündigt, dass ihr Mund vollständig versiegelt werden sollte. Was würde bloß noch alles mit ihr passieren. Leonie fürchtete sich ein wenig vor dem Gedanken, denn es wäre nur konsequent, wenn sie ihr jetzt auch noch die Augen nehmen würde. Und dafür bräuchte es nicht einmal etwas Kompliziertes wie den Mundverschluß. Nein, eine einfache Augenbinde wäre genug.

Und was würde dann noch kommen? Ob er kommen würde, um sie zu retten? Oder würde er sie zu seiner Sklavin machen? Leonie war sich nicht sicher, welches ihre wahren Wünsche waren.

* * *

Franz-Ferdinand betrat die Apotheke und sah sich um. Nur noch eine Kundin war außer ihm im Laden. Geduldig wartete er, bis er an die Reihe kam. In der Zwischenzeit dachte er noch einmal darüber nach, welches Schlafmittel er genau für seinen Plan brauchte. Er wollte es über den Sekt verabreichen, deswegen sollte es geschmacklos sein. Es musste nicht lange wirken, eine halbe Stunde würde reichen, um Maria zu entführen und zu seiner Cousine in den Keller zu bringen.

Er machte sich gedanklich eine Notiz, dass er die Lebensmittel im Keller noch einmal aufstocken musste. Schließlich wollte er der Polizei erst dann den Tipp geben, wo Maria gefangen war, wenn er sich mit dem Geld erfolgreich abgesetzt hatte.

Dass sein Onkel im Moment in Untersuchungshaft saß, änderte an seinen Plänen nur ein winziges Detail. Er würde dafür sorgen, dass das Geld nicht dazu diente, die Schulden seines Onkels zu bezahlen, er würde das Geld für sich selbst verwenden. Pläne hatte er dafür schon.

»Guten Tag, Herr von Schleihthal, was können wir für sie tun?« Die Apothekenhelferin blickte ihn aufmerksam an.

Franz-Ferdinand blickte sich verschlagen um. »Ich möchte den Chef sprechen.«

»Jawohl.« Es kostete die Angestellte viel Kraft, sich nichts anmerken zu lassen. »Ich werde ihn holen.« Sie verschwand nach hinten.

Mit dem Notar hatte Franz-Ferdinand schon gesprochen, es sollten eigentlich bei der Auszahlung des Geldes keine Probleme zu erwarten sein. Während er auf den Chef wartete, fiel ihm seine nichtsnutzige Cousine wieder ein. Er hatte Michael versprochen, ihn heute wieder zu ihr zulassen. Was die beiden bloß aneinander fanden? Der Maurerssohn und die Baroness, sie passten so gar nicht zusammen.

»Franz-Ferdinand, was kann ich für dich tun?« Der Apotheker kannte den Neffen des Barons schon seit der Kindheit, da er und der Baron befreundet waren.

»Ich brauche ein Schlafmittel für einen kleinen Scherz.« Er trug sein Anliegen vor. Natürlich hatte er sich eine Geschichte ausgedacht, wofür er das Mittel brauchen würde. Die Wahrheit verschwieg er lieber.

Der Apotheker sah Franz-Ferdinand einen Moment kurz an, dann lächelte er. »Ich habe da etwas für dich. Ich muss es nur aus dem Giftschrank holen.«

Franz-Ferdinand runzelte die Stirn.

»So nennen wir hier den Schrank, wo die verschlusspflichtigen Mittel untergebracht sind.« Er drehte sich um und ging nach hinten. An der Tür drehte er sich noch einmal um. »Wie viel brauchst du denn?«

»Es muss für sechs bis acht Personen reichen.« Er hatte keine Ahnung, wer noch alles zu dem Fototermin kommen würde. Er wollte auf alles vorbereitet sein.



»Hier ist es.« Der Apotheker reichte ihm ein kleines Fläschchen. »Macht Dreizehn Mark und Sechzig.«

Franz-Ferdinand bezahlte und packte sich das Mittel in seine Jackettasche, dann verließ er die Apotheke.

Der Apotheker blickte ihm nach. Er überlegte, ob er die Polizei verständigen sollte. Dass jemand so ein Mittel kaufte, war höchst ungewöhnlich.

Doch dann verwarf er den Gedanken. Zum einen kannte er den Baron und seinen Neffen schon eine halbe Ewigkeit, und außerdem hatte Franz-Ferdinand ihm versichert, dass es nur für einen Party-Scherz sein. Er wandte sich der nächsten Kundin zu, die eben die Apotheke betreten hatte.

* * *

Frederike hatte sich erst überlegt, sich ein Taxi zu nehmen und sich zum Schloß bringen zu lassen, doch dann hatte sie den Gedanken wieder verworfen. Wenn sie den Weg zu Fuß ging, konnte sie über die Punkte, die sie mit dem Baron besprechen wollte, noch einmal in aller Ruhe nachdenken.

Vom Notar hatte sie den wahren Grund erfahren, warum Maria unbedingt das Gebet auf dem Rücken lernen musste. Es ging gar nicht um das Ansehen bei den Sponsoren, stattdessen war er hinter dem Geld her, dass irgendjemand als Preisgeld für diese außergewöhnliches Haltung ausgesetzt hatte.

Es ärgerte sie sehr, dass sie ihm schon wieder auf den Leim gegangen war. Natürlich fühlte sie sich in ihrer Ehre getroffen, und sie hatte einigen Ehrgeiz entwickelt, um ihrer Tochter diese Haltung anzutrainieren. Und das er auch noch das Konsortium mit hineingezogen hatte, nahm sie ihm gleich doppelt übel.

Und dann war da auch die alte Geschichte, die sie bisher nicht aufgeklärt hatte. Sie wusste nicht mehr, was damals auf dem Fest passiert war.

Bedingt durch ihre Mitarbeit nach dem letzten Fest war es zu einem engen Kontakt zwischen ihr und der Familie des Barons gekommen. Natürlich ging es primär um die Tochter, die Baroness, die auf dem heurigen Fest ursprünglich die Katerina spielen sollte. Was genau in jener Nacht passiert war, hoffte sie jetzt zu erfahren. Sie wusste nur noch, dass sie am nächsten Morgen mit einem gewaltigen Kater aufgewacht war.

Ein Jahr später starb die Baronin, und die Polizei sagte damals, es wäre ein Unfall gewesen. Doch Frederike hatte diese Aussage immer in Zweifel gezogen - sie glaubte, am Freitod der Baronin schuld zu sein, und das wollte sie heute ein für allemal klären. Er würde ihr hoffentlich versichern können, dass in jener Nacht nichts passiert war, und dass sie nur zu viel getrunken hatte. Der Gedanken quälte sie immer, wenn sie einmal Zeit zum Grübeln hatte. Zum Glück kam das nicht allzu oft vor.

Der Butler schien neben der Tür zu sitzen und zu warten, denn er hatte sofort nach ihrem Klingeln geöffnet. »Sie wünschen?«

»Ich möchte den Baron sprechen.« Frederike hatte Mühe, ihre Gefühle unter Kontrolle zu halten.

»Er wurde verhaftet.« Der Butler informierte Marias Mutter über die neuesten Vorkommnisse. »Seine Tochter ist auch spurlos verschwunden.«

Ingeheim war Frederike erleichtert, weil sie das sicher für sie schwere Gespräch so noch etwas aufschieben konnte. Sie bedankte sich für die Auskunft, dann verließ sie das Schloßgelände wieder.

Doch dann kam sie ins Grübeln. Was genau bedeutet die Verhaftung jetzt für sie und ihre Tochter? Hatte Maria vielleicht sogar Gefahr gedroht? Jetzt war sie auf jeden Fall erleichtert, denn mit diesen Ereignissen ging vom Baron keine Gefahr mehr aus.

Ihren Verdacht konnte sie so allerdings nicht aufklären. Sie wollte es sich irgendwann von der Seele reden. In den Staaten hatte sie es weitgehend geschafft, die Gedanken daran zu verdrängen, doch hier in der Heimat wurde sie ständig an ihre eventuelle Schuld erinnert.

Ob sie mit ihrer Tochter darüber reden konnte? Frederike zog es in Betracht. Oder sie suchte den Baron im Gefängnis auf. Doch damit würde sie seine Wichtigkeit enorm hervorheben, und das war er wirklich nicht wert.

* * *

Mit dem Schlafmittel in der Tasche als einem wichtigen Teil seines Planes machte Franz-Ferdinand sich nun auf den Weg, um das nächste Detail abzusichern. Seine Idee war, sich in die Wachmannschaft für die Katerina einzuschleusen. Er rechnete sich gute Erfolgschancen aus, denn es war bekannt geworden, dass dieses Mal auf vier Mädchen aufzupassen war.

Bei den früheren Festen wurde die Katerina von den Damen des Tanzvereines begleitet, die nur Spielzeugfesseln trugen und sich derer schnell entledigen konnten. Doch dieses Mal galt es auf vier Mädchen auszupassen, die alle mit echten Ketten gefesselt und entsprechend hilflos waren. Herr Schwertele hatte aufgrund seiner Schmeicheleien darüber bereitwillig Auskunft gegeben.

Er hoffte, dass er das Vertrauen von Carlos gewinnen könnte und im Idealfall allein auf Maria aufpassen dürfte nach der Kutschfahrt am Sonntag. Er hatte schon dafür gesorgt, dass der Fototermin bei ihm daheim im Schloß stattfinden würde, und wenn er es geschickt genug anstellen würde, dann würde Carlos ihm vertrauen, und dann hätte er sehr leichtes Spiel.

Er fand den Chef der Tanz- und Wachgruppe an seinem Schreibtisch sitzend. Es war deutlich zu sehen, dass sich dieser gerade Sorgen machte, denn er seufzte.

»Du hast Sorgen?« Franz-Ferdinand kannte Carlos zwar kaum, doch da sie gemeinsam studiert hatten, war das ´Du´ durchaus angebracht.

»Ich habe zu wenig Personal, um auf vier Mädchen auszupassen.« Er sagte es mehr zu sich selbst als auf die gestellte Frage.

»Das trifft sich gut.« Franz-Ferdinand erkannte, dass sein Plan aufgehen könnte, wenn er sich jetzt nicht zu ungeschickt anstellen würde. »Ich wollte dich gerade fragen, ob du noch Hilfe gebrauchen kannst?«

»Du?« Carlos schaute ihn zweifelnd an. Sofort fiel ihm wieder der sehr unqualifizierte Auftritt während der Vorbereitung des Festes ein.

»Okay, ich habe mich damals daneben benommen.« Auch ihm war der eher peinliche Auftritt wieder eingefallen. »Aber jetzt muss ich auch nicht mit ihr tanzen.«

»Gott sei Dank nicht.« Carlos seufzte. »Aber mir fehlt noch Wachpersonal.« Er griff zu einer Liste. »Wir haben diesmal vier Mädchen, die zudem auch alle echte Ketten tragen.«

»Was wäre denn da zu tun?« Franz-Ferdinand gab sich interessiert.

»Es geht eigentlich hauptsächlich um den Freitag, wenn die vier Mädchen durch die Stadt geführt werden.« Carlos studierte seine Liste. »Da sind wir bisher definitiv zu wenig.«

»Da könnte ich doch...« Franz-Ferdinand versuchte sich vorsichtig einzubringen, doch Carlos hielt seinen Blick immer noch auf die Liste gesenkt. »Und für den Sonntag habe ich zwei Quasi-Absagen.«

»Was sind denn Quasi-Absagen?« Er hoffte auf seine Chance.

»Naja, sie würden schon kommen, wenn ich sie wirklich brauche.« Er seufzte wieder. »Aber sie hätten auch einen anderen wichtigen Termin. Ausgerechnet an dem Wochenende.«

»Ich hätte Zeit.« Franz-Ferdinand fühlte, dass er sein Ziel so gut wie erreicht hatte.

»Komm doch bitte heute Abend zur Abschluß-Probe.« Carlos reichte ihm die Hand. »Dann kann ich dir zeigen, was alles wichtig ist.«

»Aber tanzen muss ich nicht, oder?« Franz-Ferdinand versuchte so etwas wie einen Scherz.

»Nein.« Carlos grinste. »Es reicht mir, wenn du mir beim Aufpassen hilfst.«

* * *

Frederike hatte seltsam wehmütige Gefühle, als sie nach langer Zeit wieder einmal durch das Rathaus ging. Während des letzten Festes hatte hier öfters zu tun gehabt, und sie stellte erfreut fest, dass sich in den letzten Jahren nur wenig verändert hatte. Von einigen Angestellten, die sie noch von früher kannten, wurde sie sogar mit einigen Fragen aufgehalten. Doch schließlich hatte sie das in der Einladung angegebene Besprechungszimmer erreicht.

Sie wurde herzlich begrüßt und ihr wurde ein Sitzplatz am Tisch angeboten.

Nachdem sie sich gesetzt hatte, begann Robert Greinert sofort mit der Besprechung. »Frau Beller hat um diesen Termin gebeten, weil sie eine für uns sehr wichtige Nachricht hat. Bitte sagen sie uns, was sie bewegt.«

»Gestern hat mich unser Notar Herr Schrumm aufgesucht.« Frederike berichtete von dem Treffen und den Neuigkeiten, die sie von ihm erfahren hatte. »Damit wissen sie, welche zusätzliche Last meine Tochter zu tragen hat.«

»Davon wussten wir überhaupt nichts.« Robert Greinert war wie die anderen Personen am Tisch auch relativ sprachlos. »Und die zusätzliche Bedingung ist, dass sie diese ...« Er stockte etwas. »Wie heißen die Stiefel, die sie tragen muss?«

»Man nennt sie Ballettstiefel, weil sie mit der Fußhaltung beim Spitzentanzes vergleichbar sind.« Frederike hatte sich einige Argumente zurechtgelegt, mit denen sie hoffte, die Damen und Herren überzeugen zu können. Sie hatte sogar ein Foto mitgebracht, welche sie herumgehen ließ.

»Sie bewirken eine maximale Streckung des Fußes, haben eine verstärkte Zehenbox wie echte Ballettschuhe, und der Boden wird nur noch mit den Spitzen der Zehen berührt, eben wie beim Ballett.« Sie ließ ihre Worte ein wenig wirken.

»Aber das können wir doch nicht von ihrer Tochter verlangen.« Robert Greinert war sichtlich beeindruckt. »Das wäre doch eine einzige Qual.«

»Ich kann sie ein wenig beruhigen.« Frederike hoffte, es so darzustellen zu können, dass sie eben nicht nur auf das Geld aus waren. »Maria hatte lange Ballettunterricht, und sie ist das Gehen auf Zehenspitzen wirklich gewohnt.«

»Ich kann ja verstehen, dass sie bei soviel Geld ihrer Tochter etwas abverlangen wollen. Aber reicht es nicht, dass sie schon das Gebet tragen muss? Das allein ist doch eine einzige Qual, ich bin dagegen.« Er griff sich das Foto, welche Renate Bayer ihm reichte. »Außerdem, wo sollen wir auf die Schnelle noch solche Schuhe her bekommen?« Er blickte zu seiner Nachbarin. »Ich kenne mich ja mit der weiblichen Schuhmode nicht aus, aber ich glaube, in einem normalen Schuhgeschäft gibt es die nicht.«

»Ich habe solche Schuhe noch nie gesehen.« Frau Bayer lächelte. »Aber meine Cousine war früher einmal beim Ballett, ich halte die Haltung für nicht so grausam, wie sie sie gerade dargestellt haben.«

»Danke, Frau Bayer.« Frederike war über diesen Einwand sehr erleichtert. »Maria besitzt so ein Paar Stiefel und sie ist es auch gewöhnt, darin zu gehen. Verlangt ist, dass sie den Verlobungstanz in Ballettstiefeln tanzt, und das sind weniger als zehn Minuten. Ich denke, das können wir ihr wirklich zumuten.«

»Ich werde meine Cousine auch noch einmal um ihre Meinung fragen, aber so schlimm kann es wirklich nicht sein. Schließlich stehen echte Ballerinas ganze Abendvorstellungen durch.« Frau Bayer machte sich eine Notiz.

»Da wäre noch etwas.« Frederike hoffte, dass sie den Bogen nicht überspannte. »Es wäre gut, wenn Maria zunächst nichts von allem erfährt, nichts von dem Geld und auch nicht, dass ich sie da etwas hineingedrängt habe.«

Robert Greinert blickte immer noch sehr besorgt in die Runde, doch schließlich gab er sich einen Ruck und wandte sich an Renate. »Können sie mit morgen mit Maria reden, wenn sie sie abholen?«

»Ich versuche es.« Frau Bayer seufzte. »Ich weiß aber noch nicht, wie ich ihr das beibringen soll.«

»Sagen sie ihr einfach, dass ein Sponsor sich das gewünscht hat.« Frederike hatte sich schon diverse Argumente zurecht gelegt. »Das ist letztendlich ja sogar die Wahrheit. Außerdem wird Maria sich darüber eher freuen.«

»Warum denn das?« Renate war ein wenig verwundert.

»In diesen Stiefeln wird der Körper maximal gestreckt und vor allem der Brustkorb weitet sich.« Frederike versuchte ihre Stimme neutral klingen zu lassen, obwohl es um ihre Tochter ging. »Damit lässt sich das Gebet sehr viel leichter tragen.«

»Na gut, hoffen wir, dass es so einfach wird.« Robert war noch etwas skeptisch.

* * *

Hans war sehr nervös. Bei den Motiven, die Frau Beller ihm genannt hatte, war auch ein Venuskorsett gewesen. Er war bei der Nennung dieses so faszinierenden Kleidungsstück geradezu elektrisiert, und deswegen war er auch bemüht, das Probeshooting von seiner Seite aus möglichst gut zu unterstützen. Denn er wusste, dass nicht jedes Mädchen auch das Talent hatte, sich der Kamera hinzugeben, wenn sie mehr oder weniger streng gefesselt war.

Sehr gern hätte er auch seine Freundin abgelichtet, doch er wusste von ihren Vorbehalten, und wenn er tief in sich hineinschaute, dann musste er ihr sogar recht geben. Er ahnte, dass er vermutlich zum Tier werden würde, wenn er sich nicht mehr auf die Kamera konzentrieren musste.

Als Anna und Florian auf das kleine Podest traten, wo sich normalerweise seine Kunden für Passfotos und ähnliches aufstellten, wurde er noch nervöser. Er zeigte auf den Haufen Seile, den er bereit gelegt hatte. »Ich dachte, dass wir es langsam angehen.«

Anna blickte verwundert auf den großen Haufen. »So viele Seile?«

»Das täuscht.« Hans lächelte etwas verlegen. »Allein für die Hände braucht man schon zwei Meter Seil.«

»Ist das nicht etwas übertrieben?« Florian runzelte die Stirn.

»Wartet es ab.« Hans erlebte es immer wieder, dass die Mädchen von der Menge Seil etwas eingeschüchtert waren. Doch es war ein Spleen von ihm, immer gleich alles bereit zu haben. »Ich dachte, wir fangen erst einmal mit den Händen an.« Er griff zu einer Mappe, in der er einige Skizzen eingeheftet hatte und reichte sie dem Paar. »Diese Motive hatte ich mir für heute vorgestellt.«

Anna nahm die Mappe mit zitternden Händen entgegen und blätterte sie langsam durch. Nach und nach entspannte sich ihre Miene. »Das ist ja alles harmlos«, war ihr abschließender Kommentar. Sie lächelte Florian an.

»Brauchen wir unbedingt die Kulissen?« Andrea hielt ein sehr großes Stück weißen Stoff in der Hand. »Es sind doch nur Probeaufnahmen.«

»Probeaufnahmen?« Florian war verwundert. »Ich dachte, es liegt kein Film in der Kamera?«

»So ist es auch.« Hans ärgerte sich ein wenig über seine offenbar faule Freundin. »Es soll für Anna alles so sein, wie bei einem richtigen Shooting, also bitte auch mit Kulisse.«

Andrea seufzte, dann legte sie das große Laken auf den Boden. »Na gut, dann hole ich mal die Leiter.« Sie grummelte noch etwas.

»Da wäre noch etwas, zu dem ich gern das Einverständnis aller Anwesenden hätte.« Dabei blickte er zwischen dem Paar und seiner Freundin hin und her.

»Und was wäre das?« Florian hatte erkannt, dass er für Anna handeln musste. Er blickte etwas unsicher zu Andrea, die mit der Leiter zurück kam und sich daran machte, die Wand mit dem Laken zu behängen.

»Wenn ich Anna die Fesseln anlege, muss ich sie zwangsläufig berühren.« Er wusste, dass insbesondere seine Freundin in dieser Beziehung sehr eifersüchtig werden konnte. »Ich würde gern vorher klären, dass das in Ordnung geht.«

Es brauchte er noch einen eindringlichen Blickwechsel zwischen Anna und Florian, bevor sie ihre Zustimmung gaben.

»Ich würde gern zusehen, damit ich es lernen kann.« Florian legte den Arm um seine Frau.

Anna blickte ihn verwundert an. Auf einmal wurden ihre Augen ein wenig glasig.

Es fiel ihnen gar nicht auf, dass Hans seine Freundin fragend ansah. Erst als diese auch ihre Zustimmung gab, machte er weiter. Er griff sich das erste, im Vergleich zu den anderen relativ kleine Seilbündel. »Anna, lege bitte deine Hände aneinander.«

»Ich stelle mir einfach vor, du würdest es machen.« Sie blickte Florian an und lächelte. Es diente allerdings nur dazu, ihre wachsende Nervosität zu überspielen. In der Klinik hatte sie unter den verschiedensten Restriktionen leiden müssen, hier war es freiwillig, und es fühlte sich auch ganz anders an. Sie stöhnte, als sie spürte, wie sich die Seile langsam um ihre Arme legten.

»Ist es zu fest?« Hans war hochkonzentriert, denn er wusste, dass wenn er Anna jetzt nicht verschreckte, dann würde sie ihm vielleicht einen lange gehegten Traum erfüllen können.

»Nein, es ist sehr angenehm.« Anna lächelte verlegen. »Das sind sehr weiche Seile.«

»Ja, die lasse ich mir bei einer Seilerei extra anfertigen.« Hans war froh, dass er so ein wenig ablenken konnte. »Sie sind sehr weich, aber trotzdem sehr robust.«

Florian ging zu dem Haufen mit Seilen und nahm ein Bündel in die Hand. »Oh ja, die sind wirklich weich.«

Während er die Knoten festzog, blickte Hans, mit einem leicht vorwurfsvollen Blick zu seiner Freundin, die schwer mit ihrer Eifersucht zu kämpfen hatte. »So, das war es schon.«

Er griff zu seiner Kamera. Doch schon nach wenigen Klicks legte er sie wieder beiseite. »So geht das nicht.«

»Was geht nicht?« Andrea kam sofort näher.

»Anna ist viel zu abgelenkt.« Hans hatte Mühe, sich unter Kontrolle zu halten. »Und du störst mich auch.« Er blickte seine Freundin genervt an. »Könnt ihr nicht einen Kaffee trinken gehen?«

»Nein«, Anna hatte auf einmal Angst. »Florian darf nicht weggehen.«

»Aber er lenkt dich ab.« Hans zeigte auf die Kamera. »Dorthin sollst du schauen und nicht zu ihm.« Er spürte, dass Anna trotz allem ein gewisses Talent mitbrachte.

»Und wenn wir den Paravent aufstellen?« Auch Andrea hatte ebenfalls keine Interesse daran, ihren Freund mit Anna ganz allein zu lassen.

»Würde das gehen, Anna?« Hans war über den Vorschlag seiner Freundin sehr dankbar. »Er wäre noch da, und du könntest ihn auch noch hören.«

Anna nickte vorsichtig. »Probieren wir es.«

Florian war ebenfalls einverstanden, nachdem er gesehen hatte, was passieren würde, und dass er jederzeit eingreifen konnte, falls er von Anna verdächtige Geräusche hören sollte.

* * *

Selma kam mit einem Tablett zurück, auf dem zwei Gläser mit einem milchigen Inhalt standen. In beiden steckte je ein Strohhalm.

»Ich bin mir nicht sicher, ob es so geht, Leonie«, sagte sie, doch dann grinste sie. »Du kannst ja noch gar nichts hören.«

Sie griff an ein Ohr und zog den Wachsstöpsel heraus, dann trat sie wieder vor ihre Gefangene. »In dem Knebel, den du trägst, ist ein Loch. Rein theoretisch müsstest du in der Lage sein, daran zu saugen.«

Sie blickte in Leonies Gesicht. »Aber du wirst nicht schlucken können, deswegen möchte ich dir das Halskorsett kurz abnehmen, aber nur unter der Bedingung, dass du es dir danach wieder anlegen lässt.«

Leonie hatte schon immer den Traum von einer dauerhaften Knebelung gehabt, doch stets waren da die Probleme mit der Nahrungsaufnahme und der Zahnpflege gewesen. Sie hätte auch gern das Saugen probiert, doch der Effekt wäre der gleiche gewesen wie bei einem normalen Knebel, sie hätte es nicht herunterschlucken können.

Sie erinnerte sich an die Worte, die sie vorhin gehört hatte. Mit dem Mundverschluß und einer Magensonde könnte sie sich ihren Traum erfüllen. Außerdem wusste sie, dass ihre Schwester auf der Hütte schon Ähnliches gemacht hatte.

»Bitte zwinkere einmal für ´Ja´ und zweimal für ´Nein´.« Selma fand die Situation nicht minder aufregend als Leonie, auch wenn sie versuchte, sich ihre Erregung nicht anmerken zu lassen.

Leonie signalisierte ein ´Ja´.

»Und ich möchte kein Wort von dir hören, verstehst du?« Selma fühlte, dass Leonie auch ohne ihre Worte nichts gesagt hätte.

Wieder zwinkerte Leonie genau einmal.

Selma trat hinter Leonie und öffnete die Schnürung des Halskorsetts so weit, dass sie Leonie den Knebel aus dem Mund ziehen konnte. Trotz Leonies Versprechens legte sie ihr den Finger auf die Lippen.

Leonie zuckte kurz zusammen, dann hatte sie sich wieder unter Kontrolle. Dankbar nahm sie den Strohhalm in den Mund und begann daran zu saugen.

* * *

Andrea hatte etwas zu trinken organisiert und stellte vier Gläser auf den kleinen Tisch, an dem sie bisher mit Florian allein gesessen hatte. Sie hatten bisher die meiste Zeit schweigend dagesessen und den Geräuschen gelauscht, die von Hans und Anna herüber kamen.

»Jetzt machen wir erst einmal Pause.« Hans legte die Kamera weg. »Kommt ihr bitte? Und bringt bitte die Stühle mit. Anna ist im Moment schlecht zu Fuß.«

Ein leises Kichern von Anna war zu hören.

Andrea und Florian staunten nicht schlecht, als sie Hans und Anna wieder zu Gesicht bekamen. Anna trug jetzt auch am Oberkörper und an Knien und Füßen jeweils eine Seilfesselung und saß auf ihrem Stuhl. Doch in ihrem Gesicht war ein einziges Strahlen zu sehen.

»Und ich soll dich wirklich nicht los machen?« Hans war ehrlich besorgt.

»Nein.« Anna lächelte. »Das kostet doch nur Zeit.« Sie blickte zu Florian. »Gibst du mir bitte mein Glas?«

Florians Hand zitterte ein wenig, als er Anna das Getränk reichte.

Anna öffnete ihre Hände und umschloss das Glas. Dass ihre Hände noch aneinander gefesselt waren, schien sie überhaupt nicht zu stören.

»Und es macht dir wirklich nichts aus?« Florian war ebenfalls sehr besorgt um seine Frau.

»Ich sage sofort, wenn es anfängt, weh zu tun.« Anna versprach es. »Aber die Seile sind so schön weich, dass es überhaupt nicht stört.«

»Du überrascht mich immer wieder.« Florian gab seiner Frau einen Kuss.

Hans hatte sich noch einmal seine Mappe zur Hand genommen und blätterte sie scheinbar suchend durch. Tatsächlich wusste er aber genau, welches Motiv er noch ablichten wollte. Schließlich legte er die Mappe beiseite. »Ein Motiv würde ich auf jeden Fall noch machen, doch das ist etwas sehr Gewagtes.« Er wurde ein wenig rot dabei.

Andrea wurde misstrauisch, denn sie kannte diese Seite von ihm nur in einem anderen nicht minder intimen Zusammenhang. »Was möchtest du denn machen? Wir hatten Nacktfotos ausdrücklich ausgeschlossen.«

Bei dem Wort ´Nacktfotos´ blickte Anna erschrocken auf.

Hans hoffte, seine Freundin beruhigen zu können und gleichzeitig Anna nicht zu sehr zu verschrecken. »Es ist ein Hogtie mit einem Schrittseil an die Hände gebunden.«

»Was ist denn ein Hogtie?« Anna schaute zunächst etwas zweifend.

»Beim Hogtie liegst du auf dem Bauch und die Hände werden mit den Füßen verbunden.« Hans versuchte, seine Stimme unter Kontrolle zu halten. Wenn Anna bei diesem Motiv auch so leidenschaftlich reagieren würde wie bisher, dann könnten es tolle Fotos werden. »Dann wird ein Seil um deinen Bauch gebunden und von vorn durch deine Beine hindurch nach hinten gezogen und dann an den Händen festgebunden.«

Florian hatte die Wirkung sofort begriffen. »Du musst deine Hände dann ganz still halten.« Er war sichtlich fasziniert. »Das ist ja eine ganz gemeine Position.«

Anna war fasziniert. »Das möchte ich auf jeden Fall probieren.« Sie blickte Florian bestimmend und verlangend zugleich an. »Du musste es mir anlegen.« Doch zugleich schien sie zu ahnen, was dieses Seil mit ihr machen würde. »Es könnte sein, dass ich vielleicht etwas stöhnen muss.«

Florian wunderte sich ein wenig, denn noch trug seine Frau noch ihren Keuschheitsgürtel. Sie schien schon etwas weiter zu denken. Er lächelte ein wenig verlegen.

»Gegen das Stöhnen hätte ich etwas.« Hans versuchte ein vorsichtiges Lächeln.

»Nein, nicht schon wieder.« Andrea wusste sofort, auf was ihr Freund anspielte. Sie widersprach sofort. »Hat dir das bei dem Kleid nicht gereicht?«

Es war Anna anzusehen, dass sie im Gegensatz zu Andrea noch nicht erkannt hatte, was kommen würde.

»Es gibt doch nichts schöneres als ein roter Ball zwischen den Lippen einer schönen Frau.« Hans lächelte verträumt. Ob er an einen Erfolg seines Vorschlages glaubte, war in diesem Moment nicht zu erkennen.

»So etwas wie beim Hochzeitskleid?« Florian zeigte sich interessiert.

Andrea erkannte, dass sie es nicht mehr verhindern konnte. »Anna muss ein Notsignal haben, mit dem sie signalisieren kann, dass sie eine Pause braucht oder es abbrechen möchte.« Sie wusste, dass sie in diesem Moment den Spielverderber machte, doch Aufbau von Vertrauen war ihr wichtiger. »Einmal kurz heißt ´Ja´, zweimal kurz heiß ´Nein´ und dreimal heißt, ´Ich brauche eine Pause.´«

Klingt gut.« Anna war einverstanden.

»Wir werden dir den Ball auch erst ganz zum Schluß anlegen, damit du sagen kannst, ob es irgendwo zwickt oder kneift.« Hans spürte die zunehmende Nervosität von Anna.

»Klingt fair und sicher.« Anna versuchte ihre Aufgeregtheit zu verbergen. Sie blickte Florian ermunternd an und lächelte geheimnisvoll. »Wir sollten das auch mal ohne Kamera probieren.«

* * *

Geradezu gierig hatte Leonie die beiden Gläser leer getrunken und danach still gehalten, als Selma ihr das Halskorsett wieder angelegt und die Ohrstöpsel wieder eingesetzt hatte.

Jetzt wartete sie etwas nervös auf das Ende des Tages, der bisher der aufregendste ihre Abenteuers war. Sie war vollkommen hilflos und völlig auf ihre Gastgeberin angewiesen. Zuletzt hatte sie ihr auch noch einen Knebel angelegt und die Ohren verstopft, sodass Leonie nur noch ihre Nase und ihre Augen hatte.

Immer wieder musste sie an den jungen Mann denken, der seiner Mutter gebracht hatte und der ihr den Knebel weiter aufgeblasen hatte. Es kam ihr vor, als hätte er sie persönlich im Mund berührt. Zugleich hatte sie erfahren, dass Selma für sie einen Mundverschluß bestellt hatte, und soweit sie es verstanden hatte, wäre es damit möglich, lange Zeit den Mund verschlossen zu halten, ohne sich um Essen oder Zahnpflege kümmern zu müssen.

Ein wenig Angst hatte sie vor der Zukunft schon, denn sie hatte schon lange den ´Point of no return´ überschritten, und jetzt musste sie sich ihren geheimsten Wünschen stellen. Denn geträumt hatte sie immer schon von so einer strengen Gefangenschaft, ohne jedoch zu ahnen, dass man es tatsächlich möglich machen konnte.

Selma trat wieder in ihr Blickfeld und dieses Mal trug sie eine Hundeleine in der Hand. Sie klinkte sie in das Halskorsett ein und zog langsam daran. Leonie blieb nichts anderes übrig, als ihr langsam und sehr wackelig zu folgen.

Der Weg ins Wohnzimmer dauerte lang, doch Selma schien alle Zeit der Welt zu haben.

Leonie stockte der Atem, als sie sah, dass neben dem bequemen Fernsehsessel ein Kissen auf dem Boden lag - und auf dem Kissen lag deutlich sichtbar eine breite Augenbinde. Der Fernseher war schon angeschaltet, und auf dem Couchtisch entdeckte sie neben der Fernbedenung für den Fernseher auch die Fernbedienung für ihre Vibratoren. Sie begann leise zu stöhnen, denn so langsam begann sie zu ahnen, wie der Abend ausklingen würde.

Selma wartete, bis Leonie passend vor dem Kissen stand, dann öffnete sie ihr die Kniegelenke und half ihr, sich auf das Kissen zu knien. Sie griff zur Augenbinde und legte sie Leonie zunächst so um den Kopf, dass sie oberhalb der Augen war. Dann ging sie noch einmal in die Küche.

Leonie blickte an sich herunter. Sie trug immer noch das Tablett und sie ahnte, dass dieses noch einmal in Benutzung kommen würde. Es war offensichtlich alles für einen unterhaltsamen Fernsehabend vorbereitet, und obwohl der Fernseher lief, hatte Leonie dafür keine Augen.

Ihr Blick war fixiert auf die Fernbedienung, die auf dem Tisch lag. Leonie war so erregt, dass mittlerweile die kleinste Berührung an der richtigen Stelle gereicht hätte und sie würde geradezu explodieren. Doch sie selbst war zu hilflos, um sich zu erleichtern.

Immer einmal wieder hatte sie sich gewünscht, diesen Zustand einmal erleben zu können, und in diesem Moment ging ihr so lang schon gehegter Traum in Erfüllung. Sie war so scharf wie noch nie und mindestens genauso hilflos. Und es war genauso schön, wie sie es sich erträumt hatte.

Selma kam mit einem Glas Rotwein zurück, welches sie demonstrativ auf Leonies Tablett abstellte, dann erst setzte sie sich in den Sessel und machte es sich gemütlich.

Leonie keuchte heftig, denn wieder hatte Selma ihr eine Möglichkeit gezeigt, wie sich ihre Hilflosigkeit noch einmal steigern konnte. Jetzt, mit dem Glas Rotwein auf dem Tablett vor ihr durfte sie sich gar nicht mehr bewegen, sonst riskierte sie, dass das Glas herunterfiel. Auch bestand die Möglichkeit, dass sie es mit der kleinen Blase, die immer noch vor ihrer Brust baumelte, umwerfen konnte.

Ganz langsam, fast schon wie in Zeitlupe, nahm Selma zuerst Leonies Fernbedienung in die Hand, dann zog sie ihr die Augenbinde vor die Augen und nahm ihr damit auch noch die Sicht.

Damit war Leonie bis auf ihren Geruchssinn vollkommen isoliert. Sie nahm das Aroma des Weines sofort war, es erinnerte sie daran, sich weiterhin nicht zu bewegen.

Selma drückte ein paar Knöpfe, dann legte die Fernbedienung wieder auf den Tisch und nahm das Weinglas vom Tablett. Sie wusste was kommen würde, und sie hatte wenig Lust, morgen die Rotweinflecken vom Teppich zu entfernen. Sie erhob das Glas und stieß auf das Wohl ihrer Gefangen an, die so schön neben ihr stöhnte und zitterte.

Auf einmal setzte sich der Vibrator heftig in Bewegung und Leonie war schon nach kurzer Zeit nicht mehr in der Lage, sich zu beherrschen. Sie war durch ihre Fesseln und die Erlebnisse des Tages so erregt, dass sie sofort explodierte.

Selma sah nur die Bilder vom Fernseher,den Ton hatte sie abgestellt. Vielmehr genoss sie die Geräusche, die Leonie in ihrer Ekstase von sich gab. Sie war gespannt, wie lange die Batterien noch halten würden.


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  RE: Maria Datum:07.04.17 23:02 IP: gespeichert Moderator melden


Hi gag_coll

Ganz großes Kino.....

und noch größeres Kopfkino bei mir!
Lob in allen Bereichen.

Gruß
Gozar
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gag_coll
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  RE: Maria - Kapitel 14 - Das Katerinenfest - Teil Neunundzwanzig Datum:10.04.17 05:40 IP: gespeichert Moderator melden


Maria
Kapitel 14 - Das Katerinenfest - Teil Neunundzwanzig
Autor: Karl Kollar

Donnerstag, 23. September 1984

Selma war mit dem Verlauf des gestrigen Tages sehr zufrieden. Zwischen dem Nachbarssohn Holger und ihrem Schützling hatte es sichtbar gefunkt, obwohl sie sich nur kurz sehen konnten. Es war deutlich zu sehen, wie sehr sie voneinander fasziniert waren.

Sie war ein wenig wehmütig, weil sie ihre ´Gefangene´ jetzt in andere Hände geben würde. Früher musste sie die Mädchen so streng behandeln, weil ihre Arbeitgeber es so erwarteten. Erst nachdem sie ihre Arbeit aufgegeben hatte, wurde ihr die Faszination bewusst, die die Mädchen in ihren Strafuniformen oft ausstrahlten.

Früher wurden die Mädchen oft gegen ihren Willen von ihr gemaßregelt, doch Leonie war zu ihrer Faszination aus ganz freien Stücken zu ihr gekommen. Sie kam aus einer sehr extrem veranlagten Familie und litt sehr darunter, dass sie keinen Partner hatte, der auf ihre besonderen Wünsche eingehen konnte.

Selma war extra auf den Dachboden gestiegen, um ein paar Sachen von ihren Erinnerungsstücken herunter zu holen. Vor allem die oberarmlangen Handschuhe hatten sie schon damals fasziniert, weil sie dazu dienten, ein Mädchen trotz einer Strafe noch in der Öffentlichkeit vorführen zu können.

Sie hätte Leonie gern noch länger damit gequält, doch heute schon war die Generalprobe für das Fest, und dort würde Leonie ihren ersten großen Auftritt haben. Sie spielte nur eine Nebenrolle, doch genau diese brachte es mit sich, dass sie die Ketten tragen konnte, die Selma für sie hatte anfertigen lassen.

Heute würde Theo noch die nachbestellten Oberarmschellen vorbeibringen, so dass Leonie auf dem Gang durch die Stadt unauffällig so streng gefesselt war, wie es gerade noch zu vertreten war.

Sie hatte ihren Schützling nach der kleinen Folter gestern abend ins Bett getragen, wobei sie dafür extra auf Paul gewartet hatte. Leonie hatte lange gegen den Vibrator gekämpft, immer im Glauben, auf dem Tablett vor ihrem Bauch würde der Rotwein stehen. Doch Selma hatte sich an Leonies Qualen ergötzt, während sie das Weinglas in der Hand hielt. Schon nach dem zweiten Orgasmus war das Mädchen so müde, dass sie einfach im Knien einschlief.

* * *

»Du bist aber früh aufgestanden.« Alberta Künzle, die Nachbarin von Pauls Oma, blickte verwundert auf ihren Sohn Holger, der sich gerade an den Frühstückstisch setzte.

»Ich habe gestern etwas sehr schönes erfahren.« Er lächelte.

»Du wirst sie wieder sehen?« Alberta grinste.

»Ich darf sie auf dem Festzug begleiten und muss auf sie aufpassen.« Er strahlte.

»Du warst gestern ja sehr beeindruckt von ihr.« Alberta wollte ihrem Sohn noch etwas für sie sehr Schwieriges beichten.

»Ja, schon.« Holger war etwas verlegen.

»Ein Mädchen nach deinem Geschmack.« Albertas Stimme zeigte auf einmal ihre Anspanung. Sie war sich immer noch nicht sicher, wie ihr Sohn auf ihre Mitteilung reagieren würde.

»Was willst du damit sagen?« Holger blickte auf.

Alberta setzte sich auf die Bank neben ihm und strich ihm über den Kopf. »Ich habe beim Saubermachen einige deiner Magazine gefunden.« Sie erzählte ihm, was sie Staubsaugen entdeckt hatte.

Er hielt unwillkürlich die Luft an.

»Ich glaube, du könntest mit Leonie glücklich werden.« Alberta erinnerte sich an die Worte, die Selma ihr eingebläut hatte.

»Du wärst damit einverstanden?« Holger riss seine Augen weit auf.

»Naja, besonders glücklich bin ich nicht darüber.« Sie strich ihm durch das Gesicht. »Aber ich möchte eurem Glück nicht im Weg stehen.«

* * *

»Leonie, wach auf.« Selma war an ihr Bett getreten und strich ihr geradezu zärtlich durch das Gesicht. »Heute ist ein wichtiger Tag.«

»Ich hatte einen wunderbaren Traum.« Leonie schlug die Augen auf und strahlte. »Ich trug seltsame Handschuhe, war völlig hilflos, und dann kam der Prinz.« Sie versuchte eine Zusammenfassung ihres Traumes zu geben. Doch dann sah sie die Handschuhe, die auf dem Nachttisch lagen.

»Das war die Wirklichkeit.« Selma war immer noch erstaunt über die Leidenschaft, mit der Leonie sich den Fesseln ausliefern konnte. »Doch jetzt solltest du dich beeilen, die Generalprobe beginnt bald.«

War sie bisher noch etwas verschlafen gewesen, so bewirkten Selmas Worte, dass Leonie jetzt aufrecht im Bett saß und sofort ihre Beine aus dem Bett schwang. Erst jetzt realisierte sie, dass sie jetzt wieder ´frei´ war.

»Frau Bayer hat deine Kostüme schon vorbei gebracht.« Selma erzählte, dass die Dienerinnen auf dem Fest ein einfaches Kleid in der damaligen Mode tragen würden. »Weil du nicht zur Anprobe kommen konntest, hat sie für dich drei unterschiedliche Größen vorgesehen.«

Leonie blickte ihre Gastgeberein verwundert an.

»Das Fest hat eine gut sortierte Kleiderkammer, die sich über die Jahrzehnte gefüllt hat.« Sie lächelte. »Wie haben dir die Handschuhe gefallen?« Selma hatte etwas Sehnsucht in ihrer Stimme.

»Aufregend.« Leonie keuchte ein wenig. »So wenig Stoff, und doch machen sie so ganz hilflos.«

»Wenn du willst, würde ich sie dir gern schenken.« Selma wusste, dass sie ihre für sie so kostbaren Erinnerungsstücke in gute Hände abgeben würde.

»Das wäre sehr schön.« Doch dann stutzte Leonie. »Ich kann sie mir aber nicht allein anlegen.« Sie seufzte.

»Ja, da hast du recht.« Es lag ein besonderer Tonfall in ihrer Stimme, der Leonie aufhorchen ließ. »Wie hat dir Holger gefallen?« Selma ahnte, dass Leonie zu stolz war, um von sich aus zu fragen.

»Wer ist Holger?« Der Name war zwar gefallen, doch Leonie hatte ihn bisher nicht gehört.

»Der junge Mann, der gestern deinen Knebel bewundert hat.« Selma hatte Mühe, ihre Stimme unter Kontrolle zu halten.

Als Antwort keuchte Leonie. Erst dann erkannte sie, dass Selma noch auf eine Antwort von ihr wartete. »Er hat weder gelacht noch war er abgestoßen.« Leonie erzählte, dass sie sofort fasziniert gewesen war von diesem Mann, der so ganz andere Reaktionen gezeigt hatte, als sie es sonst gewöhnt war.

Selma verstand sofort, was Leonie eigentlich gesagt hatte, und deswegen war es jetzt Zeit für die nächste Überraschung. »Er wird dich heute abholen.« Sie versuchte, es möglichst beiläufig zu sagen.

»Wieso abholen?« Leonie glaubte sich verhört zu haben. »Ich bin doch auf der Generalprobe.«

»Er wird dich als eine der gefangene Dienerinnen durch die Stadt führen, wenn du die Katerina begleitest.« Sie strich Leonie über den Kopf. »Ich hoffe, du bist mir nicht böse, dass ich das über deinen Kopf hinweg einfach entschieden habe.«

Auf einmal begriff Leonie, welch außergewöhnliche Chance sich für sie bot.

»Er freut sich ebenfalls auf dich.« Selma war ein wenig wehmütig.

Auf einmal brach Leonie in Hektik aus. »Wann kommt er, wie sehe ich aus?«

»Jetzt bleib mal ruhig, ich sorge schon für alles.« Selma hatte geahnt, wie Leonie reagieren würde. »Die Probe beginnt gegen halb elf, er wird dich um 10 Uhr abholen.«

* * *

Wieder wurde Sophie wach, weil sie Geräusche hörte. Noch etwas verschlafen machte sie ihre Augen auf. Wie schon vorgestern stand Michael an dem winzigen Herd und war mit dem Frühstück beschäftigt. Der Tisch war fast noch schöner gedeckt, und Sophie lächelte, als sie sah, dass er sogar die Blumen von gestern neu arrangiert hatte.

»Franz-Ferdinand kommt heute schon etwas früher, wir müssen uns beeilen.« Er lächelte etwas verlegen, als er sah, dass Sophie erwacht war. »Einen wunderschönen guten Morgen, Prinzessin.«

»Bitte sage nicht Prinzessin.« Sophie war ein wenig verlegen. »Das erinnert mich zu sehr an die Vergangenheit.« Doch dann glitt ein Lächeln über ihr Gesicht. »Dir auch einen guten Morgen.« Eine Frage lag ihr auf den Lippen, doch noch traute sie sich nicht, sie auszusprechen.

»Schon wieder so herrisch.« Michael lächelte, als er ihre Verlegenheit erkannte.

Sophie erschrak ein wenig, dann wurde sie etwas traurig. »Es ist nicht so einfach, die alten Gewohnheiten loszuwerden.« Sie seufzte.

»Heute ist die Generalprobe für das Fest morgen, und er nimmt daran teil.« Michael gab wieder, was er gestern vom Neffen des Barons erfahren hatte. »Er hat dafür noch einiges zu erledigen, und deswegen kommt er heute früher.«

Sophie grübelte, ob sie ihn nicht einfach um ihre Befreiung bitten konnte. Doch sie hatte Angst vor der Welt da draußen, und hier in diesem kleinen Raum war sie geschützt. Natürlich wusste sie, dass sie sich eines Tages ihrer jüngeren Vergangenheit stellen musste, aber im Moment war es ihr mehr als recht, dass sie es noch etwas hinauszögern konnte. Sie erhob sich seufzend. »Ich mache mich kurz frisch.« Sie hatte genügend Respekt vor Michael, um sich nicht ungepflegt an den Tisch zu setzen.

* * *

»Ich kann mich gar nicht bewegen?« Doris war sehr verwundert, als sie erwachte. Normalerweise trug sie im Bett neben ihrem Nachthemd nur das leichte und kurze Kettengeschirr. Sie blickte sich um und sah, dass sie in der ganz strengen Weise auf ihr gemeinsames Bett gekettet war.

»Dir auch einen guten Morgen.« Theo stand vor dem Kleiderschrank und blickte ein wenig besorgt auf seine Verlobte. »Wie hast du geschlafen?« Er trat auf sie zu und begann, die Ketten zu lösen, die sie auf das Bett fixierten.

»Gut.« Doris war noch dabei, wach zu werden. Fasziniert sah sie zu, wie ihr Verlobter sie langsam von dem Bett befreite.

Das Bett hatten sie sich bald nach ihrer Verlobung angeschafft und dabei darauf geachtet, dass es leicht um diverse Fesselmöglichkeiten erweitert werden konnte. Auf den ersten Blick sah es aus wie ein normales Bett aus Holz, doch wenn man genauer hinsah, entdeckte man die vielen zusätzlich eingeschraubten Metallösen auf der Seite von Doris, die es erlaubten, sie fast völlig unbeweglich auf dem Bett zu fixieren. Trotzdem nutzen sie diese Spielmöglichkeit eher selten. Meistens landeten sie wegen Müdigkeit im Bett und blieben einfach so liegen.

»Du warst so unruhig, dass ich dich einfach fixieren musste, sonst hätte ich kein Auge zu bekommen.« Theo lächelte etwas verlegen.

»Wir sollten uns öfters Zeit dafür nehmen.« Doris lächelte. »Ich habe wunderbar geträumt.«

»Das könnte aber auch mit dem Tag heute zu tun haben.« Theo schmunzelte. »Die Dienerin der Katerina wird in Ketten durch die Stadt geführt.«

Doris wartete, bis die Fixierungsketten gelöst waren, dann erhob sie sich und fiel ihrem Verlobten um die Hals. »Ich bin ja so glücklich. Alle werden meine Ketten sehen und es wird keinen stören.«

»Vergiss aber nicht, dass es nur für das Fest ist.« Es tat Theo etwas weh, dass er Wasser in den Wein gießen musste. Doch er wusste, dass die Leute die Ketten seiner Verlobten sonst sehr ablehnend betrachteten würden und für ihre Leidenschaft kein Verständnis zeigten.

»Ich weiß doch, mein Schatz.« Doris seufzte. »Trotzdem ist heute mein großer Tag.«

»Meine kleine süße Dienerin.« Er streichelte ihr liebevoll durchs Gesicht. »Jetzt lass uns frühstücken.« Er zog sie vom Bett hoch. »Ich muss die Armreife für Leonie noch fertig machen.«

* * *

»Frau Baseling macht es wirklich sehr spannend.« Frederike legte die Zeitung auf den Frühstückstisch und blickte stolz auf ihre Tochter. »Man sieht viel, und doch hat sie noch nichts verraten.«

»Es ist nur zu erkennen, dass das Kleid keine Arme hat.« Selbst Mrs. Potter hatte sich entgegen ihrer sonstigen Gewohnheiten schon mit der Zeitung befasst. Das Foto von Maria im Katerinenkleid prangte dort auf der Titelseite.

»Ich bin schon sehr gespannt.« Maria lächelte. »Aber erst muss ich die Ketten tragen.«

»Wann beginnt heute die Probe?« Frederike war über die Detailplanung noch nicht informiert.

Mrs. Potter nannte die Uhrzeit. »Eine halbe Stunde vorher werden sie abgeholt.«

»Warum muss der Umzug eigentlich geprobt werden?« Frederike war ein wenig verwundert. »War das beim letzten Mal auch?«

»Vor sieben Jahren gab es Probleme mit den Ketten.« Mrs. Potter gab wieder, was sie von Frau Bayer erfahren hatte. »Dieses Mal wollen sie auf Nummer sicher gehen.«

»Aber der Umzug findet doch nicht zweimal statt?« Der Tonfall von Marias Mutter hatte sich noch nicht geändert.

»Nein.« Mrs. Potter lächelte. »Nur die Wachmannschaft und die Katerina mit ihren Dienerinnen gehen die Route ab. Es ist quasi nur ein Spaziergang.«

»Ein Spaziergang in Ketten sozusagen.« Maria ergänzte es mit wichtiger Stimme. »Und es wird noch mal besprochen, was auf dem Marktplatz zu tun ist.«

Das Telefon klingelte.

Mrs. Potter stand gewohnheitsmäßig auf, doch dann blickte sie etwas verlegen zu Marias Mutter. Erst als diese eine Handbewegung machte, ging sie auf den Flur zum Telefon.

Doch gleich darauf war ihre Stimme zu hören. »Frau Beller, es ist für sie.«

»Nanu, woher wissen die, dass ich hier bin?« Frederike erhob sich etwas verwundert und ging zum Telefon.



Gleich darauf kam sie zurück und setzte sich wieder an den Tisch. Sie blickte Maria einige Zeit an. »Es war die Reporterin, die den schönen Artikel geschrieben hat.« Sie lächelte. »Ich habe mich schon einmal bei ihr dafür bedankt.«

»Und was wollte sie?« Maria blickte ihre Mutter neugierig an.

»Der Fotograf lässt anfragen, ob er ein Foto vom Venuskorsett machen darf.« Frederike griff noch einmal zu ihrer Kaffeetasse und nahm einen Schluck.

»Und was hast du geantwortet?« Maria war noch dabei zu verarbeiten, dass sie ein ganz außergewöhnliches Kunststück beherrschte.

»Er soll uns ein Angebot machen.« Frederike war gegenüber der Presse immer etwas misstrauisch, auch wenn die bisherige Arbeit von Frau Baseling keinen Anlass zur Klage bot. »Wenn es dir zusagt, dann soll er das Foto meinetwegen machen.«

* * *

»Ich brauche eure Hilfe und eure Verschwiegenheit.« Franz-Ferdinand hatte sich mit zwei seiner Freunde aus der Burschenschaft im Schloßpark getroffen. Hier war er sicher, ungestört zu sein und auch nicht einmal aus Versehen gehört zu werden. Er erklärte seinen Freunden den Plan, den er sich ausgedacht hatte.

»Also noch einmal im Klartext.« Fritz blickte ihn verwundert an. »Wir sollen jeder eines der Mädchen belästigen und bedrängen, so dass du dich als Retter aufspielen kannst.«

»Aber bitte nacheinander.« Franz-Ferdinand präzisierte seinen Plan. »Am besten einer beim Bäcker und einer vielleicht bei der Sparkasse.«

»Und unsere Rolle sind also die Bösewichte.« Klaus war verwundert. »Was sollen wir denn machen?«

»Es sollte reichen, ihnen etwas zu nahe zu kommen und sie vielleicht anzufassen.« Er war etwas verlegen. »Spätestens dann werde ich eingreifen.« Er berichtete von den Aufgaben, die der Wachmannschaft angedacht waren.

»Und du möchtest, dass es echt aussieht?« Klaus gab wieder, was es verstanden hatte.

»Das wäre schon gut.« Franz-Ferdinand hatte sich darüber schon einige Gedanken gemacht. »Es muss zumindest glaubhaft sein, sonst wird mein Plan nicht aufgehen.«

»Das wird wieder ein paar blaue Flecken geben.« Fritz stöhnte ein wenig. »Wofür brauchst du das eigentlich?«

»Ich muss mir das Vertrauen von Carlos verdienen.« Franz-Ferdinand hoffte, dass er den Chef der Wachmannschaft richtig einschätzte.

»Und was hast du vor?« Klaus hatte begriffen, dass sie nur der erste Teil des Planes waren.

»Je weniger ihr wisst, desto weniger könnt ihr ausplaudern.« Er senkte den Kopf, um zu bekräftigen, dass seine Freunde nicht nachhaken sollten.

»Also gut. Wir machen es.« Fritz und Klaus blickten sich kurz an. »Aber dann haben wir etwas gut bei dir.«

»Aber sicher.« Franz-Ferdinand war erleichtert. »Großes Ehrenwort.«

* * *

»Jetzt sei doch nicht so nervös.« Paul blickte etwas genervt auf seine Freundin, die ständig zum Fenster lief und hinausschaute. Sie hatte sich schon umgezogen und trug die Ketten, die beim Gehen leise klirrten.

»Ich bin so aufgeregt.« Maria drehte sich zu ihm um und lächelte ihn an. »Der Prinz ist ja noch nicht dran.«

Dass das Abholen der Katerina durch den Prinzen heute nicht mehr geprobt wurde, wusste Paul. Er war erst am Nachmittag dran. Trotzdem war auch er sehr gespannt auf den heutigen Tag, an dem alle drei Tage des Festes noch einmal durchgespielt wurden, um eventuelle Probleme erkennen zu können, bevor sie das Fest stören konnten.

»Soll ich mich räuspern?« Mrs. Potter versuchte streng zu klingen, doch in Anwesenheit von Marias Mutter und den anstehenden Ereignissen gelang es ihr nicht.

»Schon gut, ich werde mich hinsetzen.« Maria hatte natürlich sofort erkannt, in welcher Stimmung ihre Erzieherin wirklich war, trotzdem nahm sie es zum Anlass, um sich etwas zu beruhigen.

Es klingelte. Wie gewohnt ging Mrs. Potter zur Tür. »Guten Tag, Frau Bayer.« Sie reichte Marias Betreuerin auf dem Fest die Hand. »Sie sind etwas früh dran.«

»Ich habe noch ein Anliegen.« Zunächst war es etwas verlegen, doch dann hatte sie eine Idee. »Vielleicht können sie mir einen Rat geben, wie ich es Maria am Schonendsten beibringen kann.« Sie trug ihr Anliegen vor.

»Ich werde ihnen helfen.« Mrs. Potter lächelte. »Im Grunde ist es ganz einfach. Folgen sie mir.«

Renate betrat hinter der Erzieherin das Esszimmer. »Guten Morgen allerseits.« Sie gab allen Anwesenden die Hand. Marias Mutter blickte sie etwas länger an.

Frederike erhob sich. »Ich muss noch etwas vorbereiten.« Sie verließ das Zimmer, gleich darauf hörte man ihre Schritte auf der Treppe.

»Was führt sie schon so früh zu uns?« Mrs. Potter zwinkerte ihr zu.

»Maria, wir haben dich verkauft.« Renate war mehr als verlegen.

Maria lächelte. »Das kommt mir doch bekannt vor.« Sie griff sich Pauls Hand und drückte sie. »Was ist es denn dieses Mal?«

»Du musst...« Es fiel Renate sehr schwer, ihr Anliegen vorzutragen. Sie zögerte etwas.

»Ein Sponsor verlangt, dass du die Ballettstiefel trägst.« Mrs. Potter erkannte, dass sie Renate bei ihrem Anliegen helfen konnte. Sie versuchte dabei keine Gefühlsregung zu zeigen.

»Und wann?« Auch Paul blieb eher nüchtern. Schließlich kannte er die Fähigkeiten seiner Freundin, auch wenn er deswegen großen Respekt vor ihr hatte. »Doch nicht bei der Heimkehr?«

»Nein, meine Güte.« Renate war erleichtert, dass es ausgesprochen war. »Gewünscht ist, dass der Verlobungstanz mit den Stiefeln getanzt wird.«

»Mehr nicht?« Maria blickte Paul verliebt an. »Weißt du noch... In der Klinik, wo wir auch dazu gesungen haben?«

»Du hast..« Renate war noch sehr verwundert. »Du hast das schon mal gemacht?«

»Naja, es war mehr aus Verlegenheit, weil ich die Stiefel sowieso gerade trug.« Maria fiel der verwunderte Gesichtsausdruck auf. »Wir sollten die Festinhalte etwas auffrischen.«

Renate war sprachlos. Dass es so einfach sein würde, hatte sie bei weitem nicht erwartet.

»Wenn ich die Stiefel trage, wird mein Körper so weit wie möglich gestreckt, und dadurch weitet sich auch der Brustkorb.« Sie gab wieder, was sie über die Haltung gelernt hatte. »Damit ist das Tragen des Gebets sogar etwas einfacher.«

»Du willst damit sagen, dass es dir überhaupt nichts ausmacht, die Stiefel zu tragen?« Renate war verwundert.

»Ich hatte schon darüber nachgedacht, die Stiefel heimlich unter das Kleid zu schmuggeln.« Sie wurde ein wenig rot dabei. Sie hätte es nicht gesagt, wenn ihre Mutter im Raum gewesen wäre.

Renate hatte ursprünglich geplant, die Schlösser, die ihr der Notar gegeben hatte, nicht zum Einsatz zu bringen, doch jetzt erkannte sie, dass sie den Wunsch des Sponsors doch eher unbesorgt äußern konnte. »Die Stiefel müssten auch verschlossen werden.« Sie legte die beiden offenen Schlösser auf den Tisch. Schlüssel waren keine dabei.

»Wer hat die Schlüssel?« Mrs. Potter spürte, dass sie sich einmischen musste.

»Die Schlüssel sind bei einem Notar hinterlegt.« Renates Stimme zeigte, wie sehr sie sich über die Absurdität dieser Forderung wunderte.

»Wieso ein Notar?« Paul war ebenfalls verwundert.

»Der Sponsor möchte sicher gehen, dass sein Wunsch auch respektiert wird.« Renate hatte sich auf einige Fragen sicherheitshalber schon Antworten zurecht gelegt.

»Die Schlüssel haben auch den Vorteil, dass mir auch sonst keiner die Stiefel ausziehen kann.« Maria blickte Paul ein wenig rätselhaft an. »Wer weiss, wer mich noch alles retten möchte.«

Paul lächelte hintergründig.

»Was ist genau verlangt?« Mrs. Potter wollte möglichst den genauen Umfang dieser besonderen Wünsche kennenlernen.

»Die Schlösser müssen vor dem Verlobungstanz angelegt werden, und danach müssen die Stiefel vorgeführt werden.« Renate berichtete, dass sie das mit dem Notar ausgehandelt hatte. »Das passiert natürlich in einem extra Raum und nicht vor allen Leuten.«

»Schade.« Maria lächelte. »Ich trage die Stiefel eigentlich gern.« Maria spürte, dass sie so Renate ein wenig die Sorgen mindern konnte. »Ich hätte nichts dagegen, sie jedermann zu zeigen.«

»Ich werde es ansprechen.« Renate kramte sich ihren Block heraus und machte sich eine Notiz. Sie wollte aber auch etwas Zeit gewinnen, um über das nachzudenken, was sie gerade erfahren hatte. Bestimmt hatte sie sich verhört. Welchen Sinn sollte es machen, ein junges Mädchen in diese Stiefel zu zwängen und sie dann auch noch darin einzuschließen? Sie nahm sich vor, Maria auf dem Ball sofort zur Seite zu sein und die Schlösser wieder zu öffnen, wenn der Notar mit ihr fertig war.

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  RE: Maria Datum:11.04.17 10:09 IP: gespeichert Moderator melden


Hallo gag-coll,

immer wenn ich das neue Kapital von Maria gelesen habe fällt mir als erste ein - gut, besser, gag-colls-Geschichten.

Ich bin schon gespannt auf die nächsten Teile. Ich hoffe auf ein Happy End aber der Neffe des Barons macht mir sorgen.

Ob die Baroness doch wieder in Ihre alten Verhaltensmuster zurückfällt. Fragen ober Fragen auf deren Lösung ich mehr als bespannt bin.

Viele Grüße

Voidhawk
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*Gozar*
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  RE: Maria Datum:12.04.17 21:12 IP: gespeichert Moderator melden


Hallo gag-coll

Wieder einmal eine hinreißende Fortsetzung.

Wenn du mein Wunschdenken erfahren möchtest.....

Wie wäre es mit einer Mehrfachhochzeit der Prinzessin mit IHREM Prinzen und der Kettenmädchen
mit ihren "Aufpassern" direkt während des Katerinenfestes. Dann würde das Fest wieder einmal in die Geschichte eingehen, Maria wäre "berechtigt" das Geld zu bekommen, Leonie und Holger......, Doris und ihr Schmied sind eh schon verlobt, wenn ich mich richtig erinnere.
Anna und ihr Flo.., Sofie und Michael und Andrea und Hans währen doch wunderbare Trauzeugen.
Ja ja ja ich weiß ich bin hoffnungsloser Romantiker. Aber die Realität ist gnadenlos genug da lese ich halt gerne was von "Friede, Freude, Eierkuchen" und goldenem happyend.
Wenn es dann noch zur Hochzeitsreise, für alle Mann, in die "Hütte" geht, würde sich für mich ein Traum erfüllen.
Leonie könnte dauerhaft Kommplettversiegelt werden. Paul könnte Maria mal morgens das Venuskorsett NICHT öffnen.
Tschuldigung ich gerate ins Schwärmen...

Danke und....Mach einfach schnell weiter und versorge mich *UNS* mit Lesestoff.

Gruß Gozar
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gag_coll
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  RE: Maria - Kapitel 14 - Das Katerinenfest - Teil Dreißig - und ein Ostergruß Datum:12.04.17 22:22 IP: gespeichert Moderator melden


(Da ich über Ostern komplett offline bin, gibt es heute drei Teile... und den nächsten Teil gibt es dann vorraussichtlich wieder am Mittwoch. In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern und Fans von Maria ein frohes und gesegnetes Osterfest)

Maria
Kapitel 14 - Das Katerinenfest - Teil Dreißig
Autor: Karl Kollar

(noch Donnerstag, 23. September 1984)

Holger war sehr nervös, als er mit einem großen Blumenstrauß vor dem Haus von Selma stand. Seine Mutter hatte ihm gesagt, welche Rolle ihm auf dem Fest zugedacht war, und jetzt klopfte sein Herz sehr laut, weil er diese sehr faszinierende Frau wiedersehen durfte. Fast etwas schüchtern drückte er auf die Klingel.

»Leonie, machst du bitte auf? Das wird Theo sein.« Selma hatte natürlich schon gesehen, wer vor der Tür stand, doch sie wollte Leonie etwas die Befangenheit nehmen.

Leonie ging seufzend zur Tür. Jetzt würde sie auch noch diese so gemeinen Armreifen bekommen, die ihren Bewegungsfreiraum so drastisch einschränkten.

Langsam öffnete sie die Tür... und erstarrte. Vor ihr stand der junge Mann, der ihr gestern den Knebel weiter aufgeblasen hatte.

»Guten Tag, Frau Wolkenberg.« Holger reichte ihr die Hand. »Ich wollte sie für den Umzug abholen.« Er gab wieder, was ihm gesagt worden war. »Ich soll auf sie aufpassen.«

Leonie war nicht zu einer Antwort fähig. Sie starrte ihn an und zitterte.

»Leonie, du bist unhöflich.« Selma stand in der Esszimmertür und hatte Mühe, ein Grinsen zu unterdrücken. »Willst du unseren Gast nicht herein bitten?«

»Entschuldigen sie bitte.« Leonie hatte Mühe, ihre Fassung zu bewahren. »Kommen sie bitte herein.«

»Führst du ihn bitte ins Esszimmer?« Selma kam näher. »Theo hat angerufen, er lässt ausrichten, dass es noch ein wenig dauert.« Letzteres war so nicht geplant gewesen, aber es kam Selma und ihrem Plan zugute. »Holger ist der Sohn der Nachbarin, ich glaube, ihr solltet euch duzen.« Sie wusste, dass sie ihnen ein wenig die Scheu nehmen musste.

Leonie reichte ihm noch einmal die Hand. »Ich bin Leonie.«

»Es freut mich sehr, dich kennenzulernen.« Holger war sehr aufgeregt. »Ich bin Holger Künzle vom Nachbargrundstück.«

»Das gestern war...« Leonie wollte sich entschuldigen. Es störte sie gewaltig, dass ihr Traummann sie in diesem Zustand gesehen hatte.

»Sehr faszinierend.« Holger setzte den Satz fort, als er bemerkte, dass Leonie zögerte.

Leonie hob ihren Kopf. »Es hat ihnen gefallen?« Sie bemerkte ihren Fehler. »Es hat dir gefallen?«

»Ketten mag ich ja weniger.« Holger wusste aus einigen Fehlversuchen, dass es gerade in diesem Umfeld wichtig war, gleich die Fronten abzuprüfen. »Ich mag lieber die Lederfesseln, Monohandschuh, Zwangsjacke und so weiter.«

Leonie war zunächst sprachlos. Nur langsam hob sich ihr Kopf. »Ich würde dir gern mal meine Kleidersammlung zeigen.« Sie wusste nicht, woher ihre Worte kamen.

»Leichte Demütigungen mag ich auch, wie zum Beispiel das Sabbern wegen eines Knebels.« Holger erging es ähnlich.

»Wir reden, als ob wir uns schon ein Leben lang kennen.« Leonie war fasziniert.

»Vielleicht ist es ja sogar so.« Holger blickte Leonie lange ins Gesicht. »Seelenverwandtschaft oder so.«

Leonie war sprachlos.

»Du magst die Ketten?« Holger glaubte immer noch zu träumen.

»Eigentlich nicht, aber sie vermitteln mir das Gefühl des Gefangenseins sehr deutlich, weil sie mich durch das Geräusch ständig dran erinnern« Leonie lächelte verlegen. »Ich habe mich einfach auf ein Abenteuer eingelassen, von dem ich nicht wusste, was es bringen würde.«

»Ich habe dich hier noch nie gesehen, obwohl wir hier schon lange wohnen.« Holger schaute immer noch sehr fasziniert auf die Frau in Ketten, die vor ihm stand.

»Das ist eine lange Geschichte.« Sie lachte nervös. »Eigentlich ist Maria schuld.«

»Die Freundin von Paul?« Holger sagte, dass er sie vom Sehen her kannte.

»Ja, genau die.« Leonie blickte kurz aus dem Fenster. »Es hängt mit einer Berghütte zusammen, aber das ist eine lange Geschichte.«

»Leonie, du wiederholst dich.« Selma stand auf einmal neben ihr und blickte das Paar ein wenig verlegen an. »Ich störe euch ja nur ungern, aber ihr müsste euch noch eine Leine aussuchen, mit der ihr am Fest teilnehmen wollt.«

Pauls Oma trat auf die Beiden zu und legte drei Hundeleinen vor ihnen auf den Tisch. Eine bestand nur aus Leder, eine war fast nur aus Ketten und bei der dritten hielten sie die Materialien die Waage. »Sucht euch eine aus.« Selma trat zurück.

»An der Leine?« Holger hatte die diesbezüglichen Äußerungen bisher für einen Scherz gehalten. Er äußerte dies.

»Das ist das Symbol für die Geisel.« Leonie strahlte. »Schließlich stellen wir Gefangene dar.«

»Das ist mit dem Festvorstand so abgesprochen.« Selma gab wieder, was sie von der letzten Versammlung wusste. »Die Katerina und ihre Dienerinnen tragen Ketten und werden an einer Leine geführt.«

»Es ist wie ein Traum.« Leonies Stimme war leise.

»Sucht euch die Leine aus, die euch am besten gefällt.« Selma zeigte noch einmal auf den Tisch, auf den sie die drei Leinen gelegt hatte.

»Das ist hochwertiges Material.« Holger streckte seine Hand aus, um die Leine komplett aus Ketten in die Hand zu nehmen.

Leonie hatte die selbe Idee, und so kam es, dass sich ihre Hände trafen und sie deswegen in der Bewegung innehielten.



»Ich unterbreche das junge Glück ja nur ungern, aber ich müsste Leonie jetzt die bestellten Fesseln anpassen.« Theo stand auf einmal im Raum, und hinter ihm wartete seine Verlobte Doris.

»Entschuldigung, dass wir so spät sind.« Doris war ein wenig verlegen. »Wir mussten uns noch umziehen, weil wir gleich zum Festplatz wollen.«

»Aber bis zum Beginn der Probe ist doch noch Zeit?« Selma blickte auf die Uhr.

»Wir haben dort vorher noch etwas zu tun.« Theo legte die neuen Ringe für Leonie auf den Tisch. »Kommst du bitte?«

»Noch strenger?« Holger war erstaunt. »Du trägst doch schon überall Ketten.«

»Aber nicht auf dem Rücken zwischen den Ellenbogen.« Theo trat vor und bat Leonie, ihre Arme auf den Rücken zu legen.

Leonie blickte einmal kurz zu Holger. »Ich hoffe, es stößt dich nicht ab.« Sie blickte verschämt zu Boden. »Ich mag es, wenn es so streng ist.«

»Aber dann kannst du die Arme kaum noch bewegen.« Holgers Stimme zeigte deutlich seine Faszination.

Leonie war verlegen. »Ich mag es, wenn ich gefangen bin.« Sie versuchte still zu halten, während Theo mit den Ringen beschäftigt war.

Nur Selma fiel es auf, dass auch Doris neben ihren Ketten auch schon eine Leine trug, die im Moment vor ihrem Körper baumelte.

* * *

»Was wirst du ihr anbieten?« Andrea und Hans waren mit dem Auto unterwegs zu Frederike Beller. Der Fotograf hatte um diesen Termin gebeten, um die Erlaubnis für einige ganz spezielle Fotos zu bekommen.

»Ich weiß es nicht.« Hans war etwas resigniert.

»Du weißt es nicht?« Andrea trat in die Bremsen. »Ich habe dir extra den Termin bei ihnen besorgt, und du hast dir nichts überlegt?« Ihre Stimme zeigte, wie wütend sie war.

»Mir ist nichts eingefallen.« Er war etwas kleinlaut. »Geld wird sie nicht haben wollen. Ich kann ihr höchstens anbieten, dass ich sie bei dem Katalog unterstütze, den sie machen möchte.«

»Sonst hast du nichts anzubieten?« Andrea war noch nicht besänftigt. Andererseits wusste sie, wie wenig sein Fotostudio abwarf. »Was willst du überhaupt mit den Fotos machen?«

»Ich kenne ein paar Leute, die für so ein Foto viel Geld zahlen würden.« Hans sprach leise.

»Und wenn du ihnen eine Beteiligung anbietest?« Andrea hatte kein Gefühl dafür, was so ein Foto einbringen konnte. »Zwanzig Prozent von deinen Einnahmen wäre doch fair, oder?«

»Meinst du?« Hans war erleichtert.

»Ich kann mir zwar nicht vorstellen, dass jemand für Unterwäsche-Fotos so viel Geld zahlt, aber eine Erfolgsbeteiligung ist doch fair.« Dass er auf diese Weise nicht in Verlegenheit kam, sich zu verschulden, behielt sie lieber für sich.

»Das ist nicht nur Unterwäsche.« Hans brauste auf. »Das Venuskorsett ist eine Legende. Maria kann das Gebet, und das ist eigentlich eine Sensation.«

»Wir sind da.« Andrea hielt an. Sie war froh, dass sie so vom Thema ablenken konnte. »Lass besser mich reden.« Sie seufzte. Ihr Freund war zwar ein begnadeter Fotograf, doch ein schlechter Geschäftsmann. Und verhandeln konnte er erst recht nicht.



Gleich nach der Begrüßung bedankte sich Frederike noch einmal für die vielen schönen Artikel, die Andrea bisher geschrieben hatte. »Eine schöne Arbeit.«

»Danke.« Andrea war ein wenig verlegen.

»Sie benutzen nicht alles Wissen, dass sie haben?« Frederike hatte gelernt, auch zwischen den Zeilen zu lesen. »Sie haben das geschickt aufgebaut.«

»Ja, ich brauchte einen Spannungsbogen, der für sechzehn Artikel reichte.« Andrea fühlte sich geehrt. »Und der eine oder andere besondere Artikel kam dann auch noch dazu.«

»Und jetzt möchten sie Bilder von meiner Tochter machen.« Frederike hatte sich schon mit dem Anliegen des Fotografen beschäftigt. Seit dem Gespräch mit dem Notar wusste sie, dass Maria in Zukunft keine Geldsorgen mehr haben würde. »Was haben sie anzubieten?«

»Uns ist nichts eingefallen.« Andrea blickte mit etwas Bedauern auf ihren Freund. »Wir könnten ihnen höchstens eine Beteilung an den Erlösen anbieten.«

»Geld interessiert uns nicht.« Frederike war ein wenig enttäuscht. »Warum wollen sie das Foto überhaupt machen?«

»Ihre Tochter ist in der Lage, ein Venuskorsett zu tragen.« Hans war auf einmal aufgeregt. »Das ist etwas ganz Außergewöhnliches. Geradezu legendär.«

»Das weiß ich.« Frederike ließ sich nicht beeindrucken. »Aber warum müssen sie es unbedingt ablichten?«

»Ich habe Kontakte zu gewissen Leuten, die diese Kunst schätzen.« Hans begriff, dass er ehrlich sein musste. »Sie würden sehr viel Geld für so ein Bild zahlen.«

»Wie wäre es, wenn wir ein Kunstprojekt daraus machen?« Frederike hatte schon eine Ahnung. »Wir machen einen Fotoband mit Hochglanzfotos, der pro Band 200 DM kostet.«

»Davon habe ich schon oft geträumt.« Hans war fast sprachlos. »Aber ich kann das nicht finanzieren.«

Andrea war über die plötzliche Wendung sehr erstaunt. »Wer würde das Risiko tragen?«

»Ich kümmere mich um alles.« Frederike wusste, dass das Konsortium ihr die Bücher sicher aus der Hand reißen würde. »Und die Erlöse teilen wir uns.«

»Das ist mehr als fair.« Andrea reichte Marias Mutter die Hand.

* * *

»Frau Bayer hat gesagt, dass ihr einfach mit gehen sollt.« Selma berichtete von dem Telefonat, das sie gerade geführt hatte. Anna und Florian hatten den Wunsch geäußert, beim Fest zu helfen, und Carlos hatte sie sofort als weiteres Wachpersonal gebrauchen können. »Die Kostüme bekommt ihr morgen Vormittag.«

»Und du mutest dir nicht zuviel zu?« Florian war wie üblich etwas besorgt um seine Frau. »Du musst doch auch noch Flöte spielen.«

»Aber das mache ich doch erst am Nachmittag.« Anna war ein wenig genervt wegen seinen übergroßen Besorgnis. »Wir müssen uns für die viele Hilfe bedanken, die wir bekommen haben.«

»Du hast ja recht.« Florian nahm seine Frau in den Arm. »Dann spielen wir also die Wächter.«

»Das hast du aber nicht richtig verstanden.« Selma war den Worten gefolgt. »Die Wächter haben auf dem Fest eine wichtige Aufgabe.«

»Und zwar?« Florian hob den Kopf.

»Sie müssen auf die hilflosen Mädchen aufpassen.« Selma blickte kurz zu Leonie. »Die Katerina und ihre Dienerinnen tragen Ketten und sind damit nicht nur optisch hilflos.« Sie gab einen Überblick über die historischen Ereignisse, die zu dem Fest geführt hatten.

»Ich bin so aufgeregt.« Leonie strahlte und versuchte, Holger zu umarmen. Doch sofort zeigten ihr die neuen Ketten ihre geringe Bewegungsfreiheit auf.

»Ihr geht auch mit?« Florian war etwas verwundert.

»Ja«, bestätigte Holger. »Frau Mohr hat dafür gesorgt.« Er streichelte Leonie über den Kopf.

»Der Bus müsste gleich da sein.« Selma erzählte von dem Kleinbus, der diesmal auch schon für die Generalprobe bestellt worden war. »Damit ihr nicht schon am Sportplatz erschöpft seid.«

* * *

»Schau mal, wer da ist.« Paul zeigte aus dem Fenster des Kleinbusses, als dieser am Sportplatz angekommen war. Als Darsteller des Prinzen hatte er bei der ´Heimkehr´ keine Rolle, doch er hatte es sich nicht nehmen lassen, trotzdem zur Probe mitzukommen.

»Wen meinst du?« Maria sah, dass schon einige Personen auf dem Sportplatz versammelt waren.

»Das sind doch Amelie und Leonhard.« Paul zeigte in die entsprechende Richtung. »Und sogar mit Kostümen.«

»Davon wusste ich gar nichts.« Maria war überrascht. »Aber es wundert mich nicht, dass sie sich so eine Gelegenheit nicht entgehen lässt.«

»Wie sie strahlt.« Paul lächelte. »Ob sie weiß, dass eigentlich ein trauriges Gesicht gefragt ist?«

Maria lachte.

»Frau von Grünberg hatte uns angeschrieben, ob es möglich wäre, auch an dem Fest teilzunehmen.« Renate berichtete von den etwas hektischen Vorbereitungen für die noch so spät dazugestoßenen Gäste. »Jetzt steigt erst einmal aus.«



»Diese Gelegenheit konnte ich mir nicht entgehen lassen.« Amelie strahlte, als die freudige Begrüßung vorbei war. »Wir sind sehr gespannt auf das Fest.«

»Kostüme habt ihr auch schon bekommen?« Maria war beeindruckt.

»Ja, wir haben wohl für etwas Wirbel gesorgt.« Leonhard war ein wenig verlegen.

»Das kann man wohl sagen.« Renate machte zunächst ein genervtes Gesicht, doch dann lachte sie. »Ihr habt mich ganz schön auf Trab gehalten.«

»Und ich habe Teile meines Sonntagsgeschirrs geopfert.« Doris trat hinzu. »In so kurzer Zeit wäre eine komplette Neuanfertigung nicht möglich gewesen.« Sie blickte verliebt zu Theo. »Er macht mir ein neues.«

»Auch von unserer Seite noch einmal recht herzlichen Dank für die so schnelle und doch auch sehr präzise Arbeit.« Amelie war auf einmal die vornehme Dame. »Es sitzt sehr gut.«

Theo verbeugte sich.

»Wir haben ihnen viel Unannehmlichkeiten bereitet. Wir möchten uns dafür bedanken und sie auch zu unserer Hochzeit einladen.« Er reichte Theo und Renate jeweils einen Umschlag. »Wir würden uns über euer Kommen sehr freuen.«

»Hast du die Einladung für Paul und Maria auch dabei?« Amelie blickte ihren Verlobten verliebt an.

»Ich füchte, die habe ich im Hotel vergessen.« Leonhard wurde auf einmal etwas rot. »Das holen wir noch nach. Aber ihr seid auf jeden Fall auch eingeladen.«

»Und, habt ihr euch schon über den Handschuh zum Kleid einigen können?« Paul erinnerte sich an das Gespräch auf dem Schloß der Grünbergs.

»Sehr viel besser.« Amelie strahlte. »Es ist ein Kleid, bei dem der Monohandschuh im Kleid integriert ist.«

»Es geht auf den Entwurf eines Holländers zurück.« Leonhard berichtete, dass sie durch Zufall auf den Korsettschneider gestoßen waren. »Herr van der Klis hat uns sogar bei der Anfertigung des Kleides unterstützt.«

»Und die Verwandtschaft ist damit einverstanden?« Maria hatte ein gewisses Leuchten in den Augen.

»Danke, dass du sie überzeugen konntest.« Amelie gab ihrem Verlobten einen Kuss.

»Das Kleid ist im Rücken quasi doppelt gearbeitet.« Leonhard versuchte das Konzept zu erklären. »Zunächst mal kann sie es anziehen und ihre Arme sind noch frei.«

»Schließlich müssen wir in der Kirche ja die Ringe tauschen.« Amelie strahlte bis über beide Ohren. »Und ich möchte auch mit dir tanzen und natürlich auch würdevoll essen.«

»Aber in der Zeit dazwischen trägt sie die Arme auf dem Rücken in der Monohandschuh-Haltung.« Leonhard erklärte fasziniert, dass die zweite Rückenlage dann einfach mit einem Reißverschluß geschlossen werden konnte. »Es ist aus Seide und sieht sehr elegant aus.«

»Und der Brautstrauß steckt vorn in einer extra Tasche dafür.« Sie gab ihrem Verlobten wieder einen Kuss.

»Ich bin sehr gespannt.« Maria warf einen kurzen Blick zu Paul.

»Ich glaube, es geht los.« Renate sah, dass Carlos mit dem Rest der Wachmannschaft auf sie zu kam. Anna und Florian waren in der Gruppe dabei und stachen ein wenig hervor, weil sie noch kein Kostüm trugen. In ihrer Mitte waren Leonie und Holger, die sichtlich voneinander fasziniert waren.

»Ich möchte euch noch einmal daran erinnern, dass ihr die Geiseln darstellt und deswegen ein trauriges Gesicht zu machen habt.« Renate war es natürlich bewusst, was dieser Auftriutt den Mädchen wirklich bedeutete. »Und nun viel Spaß auf dem Weg.«

* * *

»Ich denke, wir waren erfolgreich.« Selma lächelte, als sie ihrer Nachbarin Aberta Künzle von ihrer Verkuppelungsaktion berichtete.

»Jetzt komme erst einmal herein.« Alberta bat die Freundin in ihr Wohnzimmer. »Und du meinst, es hat bei den beiden gefunkt?«

»Ich bin mir ziemlich sicher.« Selma gab sich zuversichtlich. »Im Moment sind sie auf der Generalprobe für das Fest, und Holger muss Leonie an der Leine führen.« Sie beschrieb, wie Leonie und die andere Dienerinnen zurecht gemacht waren.

»Ich wusste gar nicht, dass Holger auch auf Metall steht.« Alberta war verwundert.

»Tut er auch nicht.« Selma lächelte. »Aber dass er ein gefesseltes Mädchen an der Leine führen darf, gefällt ihm trotzdem.«

»Das Fest ist ein außerordentlicher Glücksfall.« Die Nachbarin blickte etwas nachdenklich aus dem Fenster. »Schade, dass es schon bald wieder vorbei ist.«

»Sie werden zusammen bleiben.« Selma gab wieder, wie sie die beiden Akteure einschätzte. »Außerdem habe ich noch eine Überraschung für die beiden.«

»Was ist es denn?« Alberta war verwundert.

»Ich habe ein altes Ballkleid von früher reinigen und überarbeiten lassen. Das wird Leonie auf dem Ball tragen.« Selma erzählte ein wenig aus ihrer Vergangenheit als Erzieherin. »Es war eines der Strafkleider für die Töchter von Baron Grünberg. Sie mussten es immer dann tragen, wenn sie eine Strafe abzuleisten hatte und doch aus gesellschaftlichen Gründen anwesend zu sein hatten.«

»Das klingt spannend.« Alberta schmunzelte neugierig.

»Die Arme werden mit in das Kleid eingeschlossen und zur Tarnung kommen zwei Arm-Atrappen dazu, deren Hände vorn in einem Muff stecken.« Selma berichtete von früher. »Aber ich habe es etwas umarbeiten lassen. Ein Arm wird mit einem Reißverschluß längs am Körper befestigt und den kann Holger ihr dann bei Bedarf frei machen, dann können sie zum Beispiel miteinander tanzen.«

»Das klingt echt spannend.« Alberta war begeistert.

»Und sie wird von mir in das Kleid eingenäht.« Selma beschrieb, wie das Kleid zu schließen war. »Damit war es nicht möglich, dass die junge Dame einfach einem Diener befahl, sie aus dem Kleid heraus zu lassen.«

»Von der Kaiserin Sissi hat man ja ähnliches berichtet.« Alberta schmunzelte. »Ich glaube, das wird ihnen gefallen.«

»Auf alle Fälle.« Selma war zuversichtlich. »Ich bin sicher, dass du schon die Ringe aussuchen kannst.« Sie lächelte.

»Es wäre so schön.« Die Nachbarin schwärmte.

»Wärst du auch bereit, dass Spiel mitzuspielen?« Selma wurde auf einmal etwas ernster.

»Was meinst du?« Alberta hatte den leichten Stimmungswechsel bemerkt.

»Leonie träumt davon, immer gefangen zu sein.« Selma blickte kurz aus dem Fenster. »Irgendwann wird der Traum mal vergehen, aber bis dahin könnte es vorkommen, dass du dich auch mal um sie kümmern musst.«

»Daran habe ich noch gar nicht gedacht.« Die Nachbarin begann die Konsequenzen zu begreifen. »Wird sie das überhaupt zulassen?«

»Es wäre ein großer Vertrauensbeweis, und du solltest dich verständnisvoll zeigen.« Selma erzählte ein wenig aus Leonies aktuellem Alltag. »Sie mag es besonders, wenn man ihren hilflosen Zustand gar nicht bemerkt und ganz normal mit ihr umgeht.«

»Oh je, auf was habe ich mich da eingelassen.« Alberta keuchte. »Ich als die böse Schwiegermutter.«

»Ihr werdet euch gut verstehen, da bin ich ganz sicher.« Selma lehnte sich zurück. »Und beim Umgang mit den Fesseln kannst du dir von mir Tipps holen.«

»Danke.« Albertas Stimme zitterte leicht.


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  RE: Maria - Kapitel 14 - Das Katerinenfest - Teil Einunddreißig Datum:12.04.17 22:24 IP: gespeichert Moderator melden


Maria
Kapitel 14 - Das Katerinenfest - Teil Einunddreißig
Autor: Karl Kollar

(noch Donnerstag, 23. September 1984)

»Bitte immer schön traurig schauen.« Renate wurde nicht müde, die Dienerinnen und die Katerina an ihre Rolle zu erinnern.

Sie waren auf dem Weg durch die Stadt auf der Strecke, die sie morgen am Freitag bei der Heimkehr von der Schlacht auch gehen würden. Beim letzten Fest hatte es eine unschöne Szene gegeben, weil die Ketten einer Dienerin zu scheuern begonnen hatten, deswegen wollte man dieses Jahr auf Nummer sicher gehen und eventuelle Probleme schon vorher feststellen.

Vorweg fuhr ein Streifenwagen, und eine Beamtin ging in der kleinen Gruppe mit. Maria hatte mit etwas Wehmut erkannt, dass es genau das Auto war, das sie auch in München vom Flughafen abgeholt hatte.

Die Tänzer bildeten einen Rahmen um die vier Mädchen, die mit ihren Aufpassern in der Mitte gingen. Es war ursprünglich so nicht geplant gewesen, doch da drei Herren die Dienerinnen an der Kette führten, wurde kurzerhand beschlossen, dass Paul als Prinz seine Geisel auch an der Kette zu führen hatte.

»Es ist zwar historisch nicht ganz korrekt, aber so sieht es besser aus.« Renate hatte es kurzerhand beim Festvorstand vorgeschlagen. Doch nach einigen kritischen Blicken fügte sie hinzu: »Wir besprechen das heute Abend noch einmal.«

Die Damen aus der Tanzgruppe waren erleichtert, denn in den Jahren zuvor hatten sie immer die Dienerinnen darstellen müssen. Jetzt liefen sie in den Kostümen der Wachmannschaft mit und waren darüber auch eher erleichtert. Alle trugen schon das Kostüm von Morgen, nur Anna und Florian trugen noch ihre Zivilkleidung. Sie hatten morgen früh einen Termin in der Kleiderkammer.



»Und ihr lebt das wirklich im Alltag aus?« Holger sprach leise, damit es nur die Umstehenden hören konnten.

»Ja, das machen wir.« Theo antwortete mit der gleichen Lautstärke. »Es ist schon sehr praktisch, wenn das eigene Haus auch gleich der Arbeitsplatz ist.«

»Und was sagen Vater und Mutter dazu?« Holger war von dem außergewöhnlichen Leben sehr fasziniert.

»Rainer ist es egal.« Theo berichtete aus dem Alltag in der Schmiede. »Ihm ist nur wichtig, dass die Arbeit gemacht wird.«

»Und die Mutter?« Holger dachte an seine eigene Lage. »Ich könnte mir vorstellen, dass sie damit etwas Probleme hat.«

»Hatte sie anfangs auch.« Doris hatte bisher der Unterhaltung nur zugehört, jetzt mischte sich ein. »Aber nachdem sie erkannt hatte, wie viel es mir bedeutete, hat sie sich damit abgefunden.«

»Es gab ein langes und ernsthaftes Gespräch mit ihr.« Theo erzählte aus der Vergangenheit. »Sie hat mir deutlich gemacht, dass sie sich zwar um ihre Tochter sorgt, doch dass sie deren Glück auch nicht im Weg stehen wolle.«

»Davon weiß ich ja gar nichts.« Doris spielte die Empörte. »Wann war das denn?«

»Du darfst zwar alles essen, aber nicht alles wissen.« Theo zog kurz an der Kette, die er in der Hand hielt. »Es war am Vorabend unserer Verlobungsfeier.«

»Ich mag das Eisen ja weniger.« Holger war etwas nachdenklich. »Ich mag lieber die Lederfesseln.«

Leonie stöhnte bei den Worten auf, doch sie vermied es, sich zu ihm umzudrehen.

»Oh, ich kann dir die Adresse eines Kunstsattlers geben.« Theo blickte kurz zu Leonie, dann wandte er sich wieder Holger zu. »Er kennt sich mit sehr gut mit Kleidungsstücken für junge ungehorsame Damen aus und ist sehr kreativ. Ich glaube, erstellt hier auf dem Markt sogar aus.«

Leonie begann auf einmal zu stöhnen, und es war sogar so laut, dass Carlos aufmerksam wurde. Sofort kam er auf die Dienerin zu und fragte sie nach ihrem Wohlergehen. Leonie blickte ihn erschrocken an. »Nein, es ist alles in Ordnung.«

»Aber du hast laut gestöhnt.« Carlos nahm seine Aufgabe sehr ernst. »Ich will wissen, warum.« Er warf einen kritischen Blick auf Holger.

»Ich war sehr in Gedanken und habe mich etwas gehen lassen, weil ich geträumt habe.« Leonie wurde dabei sehr rot. »Es ist wirklich alles in Ordnung.«

»Ach so!« Auf einmal erkannte Carlos die Zusammenhänge. »Na dann will ich das junge Glück nicht länger stören.« Er lächelte. »Aber bitte immer an das traurige Gesicht denken.«

»Mach dass du weg kommst, du Scheusal.« Plötzlich war die sehr energische Stimme von Franz-Ferdinand zu hören. Carlos drehte sich um und konnte gerade noch erkennen, dass der Neffe des Barons einen anderen Mann grob zur Seite schubste.

Sofort eilte er dazu. »Was ist passiert?«

»Der Kerl wollte die Mädchen belästigen.« Franz-Ferdinand berichtete, dass der Fremde auf einmal in die kleine Gruppe gestürmt war und begonnen hatte, die Mädchen zu betatschen. »Ich bin sofort dazwischen gegangen und habe ihn zurecht gewiesen.«

Carlos blickte kurz zu dem Mann, der jetzt auf dem Boden lag und sich die Hand vor das Schienenbein hielt. Sein Gesicht war schmerzverzerrt. Dann drehte er sich wieder zum Neffen. »Gute Arbeit.«

Er wollte ihn eigentlich erst noch darüber belehren, dass sie eigentlich nicht sofort zu körperlicher Gewalt greifen würden, doch dann besann er sich. Er musste froh sein, dass er überhaupt genügend Wachpersonal bekommen hatte, und dass sogar der Neffe des Barons ihm helfen wollte, hatte ihm insgeheim imponiert.

* * *

»Ihr seid schon hier?« Andrea war überrascht, die kleine Gruppe schon auf dem Marktplatz anzutreffen. Sie wollte eigentlich nur einen Platz für das Gruppenfoto suchen. »Ich dachte, es geht um elf Uhr los?«

»Die Aufstellung zur Probe war um 10 Uhr.« Renate zeigte einen Zettel vor.

Andrea drehte sich wütend zu ihrem Freund um. »Warum sagst du mir, wir hätten noch Zeit?«

»Damit ich ausschlafen kann.« Hans grinste seine Freundin an. Ihm waren ihre Sorgen weniger wichtig.

»Und deswegen ruinierst du mir meine Story?« Andrea hätte ihren Freund am liebsten in der Luft zerrissen.

»Rege dich ab, sie sind doch gerade erst angekommen.« Hans packte langsam seine Ausrüstung aus. Bestellt waren nur ein paar wenige Erinnerungsfotos, doch er machte auch solche kleinen Aufträge am liebsten mit der großen Kamera.

»Wir haben nicht mehr so viel Zeit, weil wir die Kutschenszene auch noch einmal proben wollen.« Renate war ein wenig verlegen, als sie ihr Anliegen vortrug. »Können sie die Bilder auch spontan machen, ohne dass wir uns aufstellen müssen?«

»Ja, das kann ich machen.« Hans war wenig begeistert, doch er wollte gute Miene zum bösen Spiel machen. Heute nachmittag zur Ballprobe würde es das Motiv geben, auf das er es eigentlich abgesehen hatte. Maria würde mit dem Gebet tanzen, und er fieberte schon darauf, es wieder ablichten zu dürfen.

Renate ging zu der kleinen Gruppe, die jetzt ein wenig verloren auf dem sonst sehr belebten Marktplatz stand. »Wollen wir gleich die Sachen durchsprechen?« Sie wartete die Antwort gar nicht erst ab, sondern griff gleich zu ihrer Liste und bat die Mädchen, mit ihr zu kommen. Die Wächter blieben in kurzer Entfernung stehen, so dass sie notfalls noch gut eingreifen konnten.

Auf dem Boden waren im einem großen Halbkreis nur mehr oder weniger große Rechtecke aufgezeichnet, die zeigten, wo morgen die Stände der Handwerker und Händler stehen würden. Vor dem Rechteck mit der Nummer Eins blieb Renate stehen und wartete, bis die Katerina und ihre Dienerinnen neben ihr standen. »Dies ist der Stand der Bäckerei Friedrich.« Sie blickte kurz in ihre Unterlagen. »Hier musst du ein Brot aus dem Ofen holen.«

»Wie passend.« Maria lachte.

* * *

»Sind sie nicht toll, unsere Mädchen?« Leonhard strahlte eine gewisse Begeisterung aus.

»Es bedeutet Doris sehr viel, einmal so in ihren Ketten auftreten zu dürfen.« Auch Theo zeigte, wie sehr ihn das Glück seiner Verlobten berührte.

»Amelie hat alle Hebel in Bewegung gesetzt, um hier mitlaufen zu dürfen.« Mit viel Schmunzeln in der Stimme berichtete ihr Verlobter von den vielen Telefonaten und einem persönlichen Vorstellungsgespräch. »Sie hat gekämpft wie ein Löwin um ihre Jungen.«

»Ich weiß.« Theo grinste. »Wir sind mit eurer Bestellung gerade so noch fertig geworden.«

»Ich habe Leonie gestern erst kennengelernt.« Holger gab sich ein wenig kleinlaut. »Aber ich glaube, sie mag die Fesseln auch.«

»Wir sollten auf jeden Fall die Adressen austauschen, damit wir uns später mal wieder treffen können.« Leonhard war immer bemüht, seinen diesbezüglichen Bekanntenkreis weiter auszubauen.

»Das könnten sehr interessante Treffen werden.« Theos Stimme hatte etwas Schwärmerisches.

»Wie bist du eigentlich auf Leonie gestoßen?« Leonhard wollte noch nicht zugeben, dass er dieses Mädchen schon kannte.

»Sie war bei meiner Nachbarin.« Holger blickte zu der kleinen Gruppe, die jetzt vor dem dritten Rechteck stand. Mitlerweile hatten sich einige Passanten angesammelt, die dem seltsamen Treiben zuschauten. Leonie stand bei den anderen Mädchen und schien es mehr als zu genießen, ihre Eisen-Fesseln zeigen zu dürfen. »Paul wohnt dort mit seiner Oma.«

»Wo ist eigentlich der Prinz?« Leonhard hatte sich ein wenig über den Inhalt des Festes informiert.

»Der wartet auf seinen Auftritt.« Theo wusste es, weil er vor kurzem noch auf Wunsch des Festvorstandes die Kutsche untersucht hatte und entgegen den Erwartungen geraten hatte, an den Manschettenattrappen nichts zu ändern. Alles andere wäre den Aufwand nicht wert gewesen. »Er kommt mit der Kutsche.«

* * *

Paul drehte sich in die Richtung, aus der er das Geklapper der Hufe hörte. Sofort sah er das beeindruckende Pferdepaar, das vor der Kutsche eingespannt war. Dahinter auf dem Kutschbock sah er auch Kerstin Richards, die Darstellerin der Katerina vom letzten Fest.

»Du hier«, fragte er erstaunt, als die Kutsche näher gekommen war.

»Ja, wie du siehst.« Kerstin lachte. »Das wusste ich gestern auch noch nicht.« Sie berichtete, dass sie für den ursprünglichen Kutscher eingesprungen war. »Er hatte kurzfristig absagen müssen.« Sie brachte die Pferde zum Stehen und zog an der Kutsche die Bremse an. »Du siehst schick aus in deiner Uniform.«

Paul blickte etwas verlegen an sich herunter. Er trug eine rote Hose zu schwarzen Stiefeln, dazu eine blaue Jacke und einen Zweispitz. »Danke, du aber auch.« Er hatte natürlich auch ihre schicke Reituniform bemerkt.

»Das ist die Kleidung, die ich gleich für das Tunier brauche.« Sie lächelte. »Ist das Preußisch?«

Paul blickte noch einmal an sich herunter. »Das hatte ich auch erst gedacht. Aber die Preußen trugen weiße Hosen.«

»Die Österreicher trugen rote Hosen, aber dazu weiße Jacken.« Kerstin stieg vom Kutschbock herab.

»Ich glaube, es geht auf eine französische Uniform zurück.« Paul strich sich über die Jacke.

»Willst du dir den Thron schon mal ansehen?« Kerstin öffnete die Tür der Kutsche und klappte die Stufen aus.

Paul war dankbar über die Ablenkung, deswegen verzichtete er darauf zu sagen, dass er ihn eigentlich schon kannte. Er stieg in die Kutsche und ging zu dem Platz hinter dem Thron, auf dem er auch später stehen würde, wenn sie die Katerina abholen würden.

In Gedanken ging er noch einmal den Text durch, den er zu sagen hatte. Es waren heute nur wenige Sätze, doch da es ihm um die Ehre ging, wollte er es auch gut machen.

Er nutzte die Wartezeit, um sich noch einmal die Fesselattrappen auf dem Thron anzusehen. Aus der Nähe sah man sofort, dass sie zwar aus Eisen waren, aber es fehlte der Verschluss. Wenn Maria ihre Arme hinein legen würde, könnte sie sie einfach durch ein heben der Arme wieder öffnen. Und doch hatten sie auf diese Weise etwas Faszinierendes, denn bedingt durch das Spiel würde Maria gezwungen sein, ihre Arme ganz still zu halten, da sie sonst die Illusion zerstören würde. Es waren auf diese Weise eine ganz andere Art von Fesseln, aber nicht minder faszinierend.

Zum Glück würde der Auftritt nur kurz sein, da er als Prinz die hochherrschaftliche Geisel nur auf dem Marktplatz abholen und zu sich nach Hause holen würde.

Dabei wurde in der Darstellung allerdings bewusst etwas geschummelt, denn die Kutsche nahm nicht den Weg zum Schloß, wie es korrekt gewesen wäre, sondern fuhr direkt ins Rathaus. Und wenn sich die Flügel des Rathausportals hinter ihnen schlossen, war der erste Teil des Spieles vorbei.

»Halte dich fest, es geht los.« Kerstins Stimme riss ihn aus den Gedanken. Sie wartete noch einen Moment, dann gab sie den Pferden die Zügel und die Kutsche setzte sich in Bewegung.

* * *

»Wir haben noch ein kleines Problem.« Renate bat die drei Dienerinnen zu sich, nachdem alle Aufgaben an den Stände besprochen waren. Sie wartete, bis die drei Mädchen neben ihr standen. »Früher hatte die Katerina nur eine Dienerin, die ihr in die Kutsche geholfen hat. Wer wird das jetzt machen?«

Amelie erkannte die Lage als Erste. »Ich bin hier nur zu Gast, ich kann gern zurücktreten.«

Auch Doris zierte sich ein wenig. »Ich kenne Maria ja kaum. Ich möchte mich da auch nicht unbedingt vordrängeln.«

»Leonie, was ist mit dir?« Renate blickte zu der dritten Dienerin, die sich bisher noch nicht geäußert hatte. »Würdest du es machen?«

»Ich möchte mich aber nicht aufdrängen.« Ihr Blick wechselte zwischen Renate und den anderen Dienerinnen hin und her.

»Du machst das.« Amelie legte ihr die Hand auf die Schulter. »Schließlich kennst du Maria am besten.« Dabei zwinkerte sie kurz.

Erst als Leonie den Wink bemerkte, willigte sie ein. »Gut, dann werde ich den Part übernehmen.« Sie blickte auf die Kutsche, die gerade auf den Marktplatz rollte. »Was habe ich denn genau zu tun?«

Renate hatte in ihrer Mappe die entsprechende Seite schon heraus gesucht. »Du musst nur die Tür der Kutsche öffnen und die Stufen herausklappen. Kerstin wird es dir einmal zeigen.« Sie bat Leonie, ihr zur Kutsche zu folgen. »Geht das denn mit deinen Ketten?«

Leonie lächelte etwas verlegen. »Ich bin das gewöhnt.« Sie hoffte sehr, dass Renate ihre Antwort nicht hinterfragen würde.

* * *

Maria war sehr erfreut, als sie Paul auf der Kutsche stehen sah. In der Uniform sah er wirklich aus wie ein Prinz, und sie fühlte sich ein wenig in die Zeit von Sissi zurückversetzt. Natürlich wusste sie, dass es nicht zu ihrer Rolle passte, doch sie winkte ihm kurz zu, was Paul auf die gleiche Weise beantwortete.

Doch Renate intervenierte sofort. »Bitte morgen keine Begrüßung durch Winken. Das passt nicht zum Spiel.«

Leonie trat auf Maria zu. »Darf ich die Prinzessin dann zur Kutsche bringen?« Das war der einzige Satz, den sie als die ´erste´ Dienerin zu sagen hatte und doch strahlte sie dabei neben einer gewissen Unterwürfigkeit auch eine Menge Stolz aus.

Maria reichte Leonie ihre Hand, und gemeinsam schritten sie den kurzen Weg zur Kutsche. Zusammen blieben sie vor der Kutsche stehen und blickten zu Boden, so wie es die Rolle vorsah.

»Ich erlaube der Prinzessin, die Kutsche zu besteigen.« Paul sagte den Text auf, den er gelernt hatte. Das die Katerina eigentlich eine Gräfin war und deswegen der Titel eigentlich Comtesse gewesen wäre, hatte sich im Laufe der Jahre etwas verwässert.

»Danke, eure Hoheit.« Erst jetzt durfte Maria den Kopf heben.

Leonie ging zur Kutsche, um die Tür zu öffnen und die Stufen herauszuklappen. Eigentlich hätte Kerstin ihr das erst zeigen sollen, doch Leonie kannte sich mit dieser Art von Kutschen aus. So konnte Kerstin gleich auf dem Kutschbock sitzen bleiben, was ihr wegen ihres baldigen Turniers auch ganz recht war.

Der Prinz reichte der Katerina die Hand und half ihr zunächst in die Kutsche, dann bat er sie, auf dem für sie hergerichteten Thron Platz zu nehmen.

Nachdem Maria sich gesetzt hatte, griff Paul zu den Manschetten und klappte sie nacheinander auf. »Sei ganz vorsichtig. Sie sind können nicht verriegelt werden«, flüsterte er leise, so dass es selbst die Umstehenden nicht hören konnten.

»Ich weiß.« Maria lächelte kurz, dann setzte sie wieder die Miene auf, die zu ihrer Rolle gehörte. Sie legte ihre Arme in die beiden Eisenhüllen und klammerte sich an der Armlehne fest. Sie wusste, dass die Kutsche etwas wackeln würde, und so konnte sie am besten den Schein waren, an den Thron gefesselt zu sein. Der Thron mit den Fesseln stand symbolisch für die Rolle, die sie im Spiel verkörperte. Sie war einerseits die hochherrschaftliche Prinzessin, andererseits aber auch die Geisel, die als Friedensgarant dienen sollte.

Paul klappte die Manschetten vorsichtig zu, dann stellte er sich hinter den Thron und gab der Kutscherin das Zeichen. Gleich darauf setzte sich die Kutsche in Bewegung und fuhr nach einer Extrarunde über den Marktplatz in das Rathaus.

* * *

»Danke, dass sie doch noch so kurzfristig einspringen konnten.« Renate bedankte sich bei Kerstin, dann verabschiedete sie die Kutscherin.

Auch von Paul, Maria und den anderen erhielt sie noch viele gute Wünsche für das Turnier, das sie heute noch zu reiten hatte.

Im Innenhof des Rathauses wendete sie die Kutsche und mit einem kurzen Winken fuhr sie die Kutsche wieder hinaus zu der Stelle, wo der Pferde-Transporter schon wartete.

»Wir gehen dann noch einmal vor das Rathaus und verbeugen uns.« Renate erklärte den letzten Teil des heutigen Teiles. »Aber das müssen wir jetzt nicht üben oder?« Sie bekam allgemeines Kopfschütteln. »Dann folgt mir bitte, ich habe etwas zu Essen organisiert.«

* * *

Judith, die Tochter der Schneiderin saß im Wohnzimmersessel und blätterte in einem Buch.

»Mein Schatz, bist du fertig?« Ihre Mutter Roswita Bartels stand mit einem großen Korb und zwei ebenso großen Taschen in der Tür und schaute zu ihrer Tochter.

»Was ist denn?« Judith ließ ihr Buch langsam und etwas gelangweilt sinken.

»Ich bin auf dem Weg in die Stadthalle, um Maria das Kleid zu bringen.« Roswita hatte Mühe, ihre Stimme unter Kontrolle zu halten.

»Viel Spaß.« Die Tochter nahm das Buch wieder hoch, um zumindest so zu tun, als würde sie interessiert lesen.

»Willst du nicht mitkommen?« Sie lächelte. »Vielleicht brauche ich deine Hilfe.«

Judith ließ das Buch wieder sinken. »Du macht Witze.«

»Nein, ernsthaft. Ich möchte dich mitnehmen.« Sie wusste natürlich, was diese Gelegenheit ihrer Tochter bedeutete.

»Ich bin sofort bei dir.« Judith schmiss das Buch auf den Tisch und rannte in ihr Zimmer, um sich ihre Jacke zu holen.

Roswita war noch nicht an der Haustür, als ihre Tochter neben ihr stand und sie anstrahlte. »Kann ich dir beim Tragen helfen?« Sie griff sich den Korb, damit ihre Mutter eine Hand für den Schlüssel frei hatte.

* * *

»Seid ihr fertig mit dem Essen?« Renate fragte es höflich, obwohl sie sah, dass alle Teller leer waren und keiner mehr kaute. »Wir gehen dann in die Stadthalle.« Sie versuchte zu verbergen, dass das erst vor drei Jahren neu eröffnete Haus ihr jetzt die meisten Sorgen bereitete.

Bisher hatte das Fest immer im eigentlich viel zu kleinen Festsaal des Schlosses stattgefunden und alle nötigen Handgriffe waren darauf abgestimmt. In den Vorbesprechungen zu dem Fest war die Vorbereitung der Stadthalle, die wesentlich mehr Platz für Akteure und Besucher bot, als eines der größten Risiken eingestuft worden. Allerdings hatte sie auch die Anweisung, davon den Hauptdarstellern nicht zu sagen.

»Du bist bestimmt schon aufgeregt.« Amelie lächelte zu Maria.

»Es geht eigentlich.« Pauls Freundin gab sich bewusst gelassen. »Ich hatte in den Staaten schon so eine ähnliche Veranstaltung.«

»Aber doch nicht mit den Armen im Gebet, oder?« Leonhard war ebenfalls sehr verwundert.

»Doch.« Paul mischte sich ein. »Es war die Abschlussprüfung nach Marias Intensivtraining.«

»Erzählt doch bitte.« Amelie war begierig darauf, von Marias neuesten Abenteuer zu hören.

Doch Maria winkte ab. »Vielleicht auf dem Weg zur Halle.« Sie zeigte kurz auf Renate, die schon etwas nervös an der Tür stand.

»Na meinetwegen.« Amelie gab sich damit zufrieden. »Aber ich will später jedes Detail wissen.«

Leonhard griff in die Tasche und zeigte kurz einen schwarzen Gegenstand vor, dann steckte er ihn wieder ein.

Amelie hatte den Gegenstand natürlich sofort erkannt. Es war der Knebel, den sie für Aussenstehende unsichtbar im Mund tragen konnte und der sie sehr konsequent zum Schweigen verurteilte. »Ich bin ja schon ruhig.« Sie lächelte etwas verlegen.

Leonhard drehte sich kurz zu Paul. »Manchmal reicht es, damit zu drohen, dann wirkt es auch so.« Er grinste.

Paul grinste zurück, doch dann legte er den Arm um Maria und zog sie zu sich heran. »Sind wir bereit für den Aufbruch?«

Doch Maria befreite sich aus der Umarmung und stand langsam auf. »Lasst uns Renate nicht unnötig warten.«

* * *

Die kleine Gruppe von Frauen befand sich vor dem Künstlereingang der Stadthalle und wartete auf die Darstellerinnen, die auf dem kurzen Weg vom Rathaus zur Ballprobe zu Fuß unterwegs waren. Selma hatte die Idee gehabt, ins Freie zu gehen. »Es ist so schönes Wetter, da müssen wir nicht in diesen stinkigen Garderoben warten.«

»Das war eine gute Idee, zumal sie hier auch ein paar Bänke aufgestellt haben.« Frederike hatte die Damen hergefahren und hatte sich auf eine der sehr einladend aussehende Bänke gesetzt.

Die Schneiderin, die Marias Kleid für den Ball angefertigt hatte, war mit ihrer Tochter gekommen und hatte sich dazu gesellt. Gemeinsam warteten sie auf die Ankunft der Darstellerinnen.

Frederike blickte unauffällig auf Judith, die schon jetzt hoch konzentriert neben ihrer Mutter stand. Marias Mutter war ein wenig wehmütig zumute. Die Tochter war jetzt in dem Alter, in dem es mit ihrer Tochter und dem so strengen und einschneidenden Programm losgegangen war. »Ich bin schon sehr auf das Kleid gespannt.« Frederike blickte die Schneiderin mit einem gewissen Stolz an.

»Ich wusste nicht, dass sie in Europa sind, sonst hätte ich sie natürlich auch zur Anprobe eingeladen.« Frau Bartels war ein wenig verlegen.

»Das ist schon in Ordnung.« Frederike winkte ab. »So ist die Überraschung um so größer.«



»Ich habe für Leonie ein altes Erziehungskleid umgearbeitet.« Selma unterhielt sich mit ihrer Nachbarin Frau Alberta Künzle, die mitgekommen war, weil ihr Sohn Holger überraschend noch eine kleine Rolle auf dem Fest bekommen hatte.

»Und du meinst wirklich, es hat schon gefunkt zwischen den Beiden?« Alberta hatte bisher noch wenig von ihrem Sohn erfahren.

»Sie sind ja heute und Morgen auch noch zusammen.« Selma gab sich zuversichtlich. »Das wird ganz sicher klappen.«

»Verkuppelt ihr hier jemanden?« Frederike stand wieder auf. »Es hört sich zumindest so an.«

Selma lächelte. »Wir glauben, dass Leonie und Holger sehr gut zueinander passende Interessen haben.« Sie gab einen kurzen Überblick über die bisherigen Ereignisse.

»Na dann viel Erfolg.« Marias Mutter lachte, doch dann stutzte sie. »Was ist ein Erziehungskleid?« Insgeheim hoffte sie, noch einige Ideen für ihr Programm in Erfahrung zu bringen.

Pauls Oma beschrieb die Eigenschaften des Kleides. »Heute werde ich das Kleid nur mit Sicherheitsnadeln verschließen.« Sie war wegen des Interesses ein wenig geschmeichelt. »Aber morgen wird sie von mir in das Kleid eingenäht, und ein Arm wird ganz mit eingeschlossen.«



»Sie warten auch auf die Probe?« Eine fremdes Ehepaar kam auf sie zu. »Wir sind Schwerterles, die Eltern von Doris.« Ruth Schwerterle trug einen Kleidersack über den Arm. »Wir bringen das Kleid für unsere Tochter.«

»Sie ist ja schon so aufgeregt.« Rainer Schwerterle freute sich sichtlich über das Glück seiner Tochter. »Es bedeutet ihr sehr viel.«

Frederike seufzte mit einem Lächeln in der Stimme. »Das kommt mir irgendwie bekannt vor.«

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Maria
Kapitel 14 - Das Katerinenfest - Teil Zweiunddreißig
Autor: Karl Kollar

(noch Donnerstag, 23. September 1984)

»Hier ist dein Platz.« Fritz, der Leiter der kleinen Musikgruppe, zeigte den Stuhl, auf dem Anna sitzen sollte. »Wir sollten uns beeilen, die Probe fängt gleich an.« Er hielt einen Zettel in der Hand. »Morgen haben wir etwas mehr Zeit.«

»Kannst du gut sitzen?« Karin, seine Frau, kümmerte sich sehr um Anna, die so kurzfristig eingesprungen war. Sie baute ihr sogar den Notenständer auf, soweit das mit ihrer verletzten Hand ging.

»Ein wenig nervös bin ich schon.« Anna lächelte verlegen, dann erst erkannte sie, dass sie noch eine Frage zu beantworten hatte. »Danke, es geht gut so.«

»Ich gebe noch einmal die Reihenfolge der Stücke bekannt.« Fritz nahm einen anderen Zettel zur Hand. »Bitte prüft noch einmal, ob ihr die Stücke in der richtigen Reihenfolge in der Mappe habt.«

Anna hatte kaum Zeit, mit ihrem Blick Florian zu suchen. Er hatte sich unter die Handwerker gemischt, die noch dabei waren, die Dekoration aufzubauen, um die doch recht moderne Stadthalle ein wenig in ein Barockschloß umzubauen.



Auf der anderen Seite hatte das örtliche Blasorchester Platz genommen und bereitete sich ebenso auf die Probe vor.

Gemeinsam würden sie den Ball auf dem Fest am Samstag bestreiten. Das Fest bildete für beide Gruppen einen Höhepunkt, zudem ergänzten sie sich gut. Fritz´ kleine Gruppe beherrschte die alten Tänze fast im Originalklang und das Orchester konnte mit Trompeten und Pauken für die festlichen Stimmung sorgen. Doch eine gewisse Nervosität war in beiden Gruppen zu spüren.



»Warum machst du denn jetzt Fotos?« Andrea war etwas verwundert über ihren Freund. »Es gehört nicht zum Fest, und die Mädchen tragen auch nicht das richtige Kostüm.« Sie verdrehte sie Augen. Wenn sie Fotos von etwas brauchte, dann war ihr Freund selten zur Mitarbeit zu bewegen, dafür knipste er manchmal ganz verrückte Sachen.

»Ich möchte für schöne Erinnerungen sorgen.« Hans hatte insgeheim die Idee, sich mit einem kleinen Album mit Fest-Erinnerungen für die Arbeit mit dem Venuskorsett zu bedanken, doch das wollte er seiner Freundin noch nicht sagen.

»Aber sie gehen nur vom Rathaus zur Stadthalle.« Andrea war fassungslos. »Auf der Generalprobe.«

Hans lächelte nur kurz.

»Aber wenn ich einmal Fotos brauche, hast du immer eine Ausrede.« Andrea war ein wenig angesäuert.

* * *

»Hier hinten war ich noch nie.« Paul sprach aus, was viele der Laien-Schauspieler dachten. »In den Künstlergarderoben.«

»Maria, für dich ist die Solisten-Garderobe.« Renate hielt ihre Mappe in der Hand und las daraus vor. Dann wandte sie sich an die drei Mädchen, die die Dienerinnen darstellten. »Ihr geht bitte hier hinein.« Sie zeigte auf eine Tür, die mit ´Garderobe I´ beschriftet war. »Die anderen beiden Garderoben sind für die Tänzer und Tänzerinnen.«

»Normalerweise darf mir beim Umziehen keiner zusehen.« Amelie lächelte etwas verlegen. »Ich habe immer Angst, dass jemand meine Fesseln zu Gesicht bekommen könnte und dann dumme Fragen stellt.« Sie war im ersten Moment etwas irritiert, weil sich die drei Dienerinnen in der zugegeben geräumigen Garderobe zusammen umzuziehen hatten.

»Wir schauen weg und helfen euch dann nur beim Schließen der Fesseln.« Leonhard sprach für die drei Herren, die auf Wunsch von Renate ihre Damen zu begleiten hatten und deswegen den Raum ebenfalls betreten hatten.

»Außerdem geht es ja um ganz was anderes.« Selma war mit einer großen Tüte herein gekommen und bat Leonie sofort, sich bis auf die Unterwäsche auszuziehen. »Holger, hilfst du mir bitte?« Sie griff in die Tüte und zog das Kleid heraus, welches sie für Leonie mitgebracht hatte.

»Das ist ja toll.« Leonie war überrascht über den Berg von Seide, der jetzt vor ihr auf der Bank lag. Sofort begann sie, sich zu entkleiden.

»Langsam, mein Kind.« Selma lächelte. »Das Kleid ist strenger als es auf den ersten Blick aussieht.« Sie drehte sich zu Theo und Doris um. »Könntest du Leonie bitte die Ketten öffnen?«

»Das geht nicht.« Der Schmiedegeselle drehte sich langsam zu Leonie um. »Die sind doch verschweißt.«

Leonie wurde es auf einmal schwarz vor den Augen. Langsam sank sie zu Boden.

Sofort erkannte Theo, dass er etwas zu weit gegangen war. »Das sollte doch nur ein Scherz sein.« Er kniete sich neben Leonie und begann, sich um sie zu kümmern. »Ich war einmal ein paar Jahre beim Roten Kreuz und kenne mich aus.«

»Es ist vielleicht sogar besser so.« Selma lächelte. »Dann können wir ihr das Kleid leichter anziehen.« Sie drehte sich zu Holger. »Fasst du bitte mit an?«

* * *

Frederike begann in der Garderobe sofort, ihre Tasche auszupacken, nachdem sie ihre Tochter gebeten hatte, sich in der Toilette noch etwas frisch zu machen. Eigentlich waren nur Marias Ballettstiefel in der Tasche, doch letztere waren so sperrig, dass die große Tasche gut gefüllt aussah.

»Was sind denn das für Stiefel?« Die Stimme von Frau Bartels zitterte, als sie die Stiefel entdeckte.

»Das sind Marias Schuhe.« Frederike hatte sich schon einige Erklärungen zurecht gelegt, wie sie die ungewöhnlichen Stiefel erklären konnte. »Es ist der Wunsch eines Sponsors.«

»Affengeil.« Judith hatte die Stiefel ebenfalls entdeckt. »Wie beim Ballett.«

»Judith, bitte.« Frau Bartels ermahnte ihre Tochter, dann wandte sie sich wieder Frederike zu. »Ich wusste nicht, dass Maria so hohe Absätze tragen würde. Ich hätte dann das Kleid etwas länger gemacht.«

»Oh je.« Auch Frederike erkannte erst jetzt die Zusammenhänge. Bisher hatte sie insgeheim gehofft, die Ballettstiefel ließen sich unter dem langen Rock verstecken. Es war dieses Mal ganz anders als die Jahre zuvor. Vom Zuschauerraum, der etwas tiefer lag als die Bühne, würde jeder die Stiefel sehen können. Sie sah sich jetzt schon mit Fragen bombardiert und fragte sich, ob es nicht besser wäre, einfach die Flucht nach vorn zu ergreifen und selbst auf Marias besondere Stiefel hinzuweisen.

Sie würde sich zwar trotzdem Anfeindungen und Vorwürfen ausgesetzt fühlen, weil sie ihrer Tochter so etwas zumutete, doch das Opfer war es wert, denn wenn Maria es gut machen würde, dann lag eine glänzende Zukunft vor ihr.

»Können wir dann anfangen?« Maria stand auf einmal im Raum und blickte verträumt auf die Stiefel, ein wenig in der Sonne glänzten.



»Sind sie sicher, dass wir da hinein dürfen?« Notar Schrumm stand mit seiner Tochter Sonja neben der Tür der Solistengarderobe und blickte Renate Bayer unsicher an.

»Aber Vater, das hatten wir doch schon diskutiert.« Sonja verdrehte die Augen. »Außerdem wissen sie, dass ein Notar bei der Anprobe dabei sein wird.«

»Ja, morgen.« Dem Notar war seine stürmische Tochter etwas unheimlich. »Aber heute, bei der Generalprobe?«

»Du musst es einfach gesehen haben.« Sonja drückte einfach auf die Klinke und steckte den Kopf in den Raum. »Dürfen wir hereinkommen?«

Frederike hatte bisher zugesehen, wie Frau Bartels dabei war, Maria das leichte Unterkleid überzuziehen. Erst als sie sich überzeugt hatte, dass von Marias stählerner Unterwäsche und dem Taillenkorsett nichts mehr zu sehen war, gab sie ihre Zustimmung.

»Was machen sie denn hier, Herr Schrumm?« Rudolf Steinhagen, der Direktor der Sparkasse kam in den Gardrobengang und war über die Anwesenheit des Notars sehr verwundert.

»Ich habe einen dienstlichen Auftrag.« Es kam dem Notar selbst schon sehr verwunderlich vor, dass er jetzt zu prüfen hatte, ob ein junges Mädchen ein ganz bestimmtes Kleidungsstück mit einer ebenso außergewöhnlichen Armhaltung trug. Dieser Auftrag war gemessen am Alltagsgeschäft sehr außergewöhnlich, wenn nicht sogar etwas verrückt. Doch da es um eine Menge Geld ging, wusste er, dass professionelle Nüchternheit mehr als angebracht war.

»Und was wollen sie bei Maria?« Herr Steinhagen war über die geplanten Abläufe des Festes bestens informiert und wusste, dass jetzt die Anprobe des Kleides an der Reihe war. »Sie erlauben, dass ich mitgehe?«

»Wie schon gesagt, es ist rein dienstlich.« Er schob die Tür auf und trat ein.

Maria schlug sich reflexartig die Hände vor die Brust und drehte sich weg.

Doch ihre Mutter beruhigte sie. »Entschuldige, mein Schatz. Ich habe es dir nicht gesagt, aber Herr Schrumm möchte dabei sein, wenn du das Korsett und das Kleid angezogen bekommst.« Dann sah sie, dass noch ein Herr hinter dem Notar die Garderobe betreten hatte. »Und was wünschen sie?« Sie kannte den Herrn nicht, doch sein Äußeres erheischte ein wenig Respekt.

Maria drehte sich bei den Worten ihrer Mutter wieder um und blickte zur Tür. Sofort erkannte sie den Direktor der Sparkasse, der ihr schon mehrmals so deutlich geholfen hatte. »Bleiben sie bitte auch.« Sie wandte sich kurz an ihre Mutter. »Das ist Herr Steinhagen. Er hat mich bei der Polizei befreit.« Sie drehte sich wieder zur Tür. »Sie möchten bestimmt auch sehen, wie es darunter aussieht.« Sie lächelte dankbar.

»Aber mein Kind?« Frederike war empört über den plötzlichen Ansturm in der Garderobe.

»Darf ich dich kurz einmal allein sprechen, Mama?« Maria deutete auf die Tür zu dem kleinen Bad. »Wir haben doch noch Zeit?« Die Antwort von Renate wartete sie allerdings nicht ab.

* * *

»Wo bin ich?« Leonie schlug die Augen auf. Sofort bemerkte sie, dass sie von vielen Augen sorgenvoll beobachtet wurde. »Was ist passiert?«

»Du bist kurz ohnmächtig geworden.« Selma strich ihr über das Gesicht.

»Und wo bin ich?« Leonie wiederholte ihre Frage, während sie sich ängstlich umsah.

»Wir sind in der Stadthalle in der Künstlergarderobe.« Selma wollte ihrem Schützling etwas Orientierung geben. »Gleich beginnt die Probe zum Ball der Katerina.«

»Und warum kann ich meine Arme nicht bewegen?« Leonie war immer noch etwas verwundert. »Was ist mit den Ketten, die verschweißt sind?«

Theo trat hervor. »Das war ein schlechter Scherz von mir.« Er kniete vor ihr nieder. »Ich bitte dich um Entschuldigung.«

»Vor mir hast du aber noch nicht gekniet?« Doris war ein klein wenig eifersüchtig.

»Natürlich habe ich das, mein Schatz - als ich um Deine Hand angehalten habe«, korrigierte Theo seine Verlobte. »Aber du bist jetzt gerade nicht dran«, wischte er ihren Einwand beseite und wandte sich an Selma. »Möchten sie es erklären?«

»Wir haben dir das Kleid angezogen, welches du auf dem Ball tragen wirst.« Selma streichelte ihr zärtlich über die Wange.

»Ein sehr faszinierendes Kleid.« Amelie von Grünberg drängte sich an ihrem Verlobten vorbei. »Dein linker Arm ist in das Kleid mit eingeschlossen, ein innerer Ärmel sozusagen.«

»Und der rechte Arm ist mit einem Reißverschluß längs am Körper befestigt, so dass ich ihn dir losmachen kann, wenn wir tanzen müssen.« Holger blickte verliebt auf die jetzt sehr verwunderte Leonie.

»Aber wie, aber was?« Leonie war immer noch sehr verwirrt.

»Wir haben dir die Ketten abgenommen.« Selma zeigte auf die Ablage vor dem großen Spiegel, wo jetzt ein Haufen Ketten und Manschetten lag. »Und ich habe mir erlaubt, dir ein Kleid anzuziehen, das früher die ungehorsamen Töchter anziehen mussten, wenn sie trotz einer Strafe in der Öffentlichkeit zu erscheinen hatten.«

Leonie blickte an sich herunter. »Und was sollen die vielen Sicherheitsnadeln?«

»Morgen werde ich dich in das Kleid einnähen.« Selma blickte fasziniert auf Leonies Gestalt. »Heute reicht die Zeit dafür nicht.«

»Eingenäht?« Leonie wiederholte, was sie gerade gehört hatte. »Warum denn das?«

»Zum einen gab es damals noch keine Reißverschlüsse.« Selma lächelte Leonie an. »Vor allem aber sollte so verhindert werden, dass die ungehorsamen Dame einfach einer Dienerin befehlen konnte, sie aus dem Kleid zu befreien.«

»Faszinierend.« Leonie versuchte aufzustehen, doch sie musste erkennen, dass sie sich nicht mehr abstützen konnte. »Ich komme nicht hoch.«

»Holger, hilf ihr bitte.« Selma wurde auf einmal etwas wehmütig.

Der Nachbarssohn kam der Aufforderung nach und ermöglichte Leonie so, sich in dem großen Spiegel zu betrachten.

»Ich sehe zwar zwei Arme.« Leonie war verwundert. »Aber es fühlt sich ganz anders an.«

»Der eine Arm ist eine Attrappe.« Selma lächelte leicht. »Die Leute stellen dann weniger Fragen.«

»Und der andere Arm?« Leonie wackelte ein wenig mit der Hand, die etwas nutzlos neben ihrer Hüfte baumelte.

Selma lächelte. »Zwischen deinem Arm und deinem Körper habe ich einen Reißverschluss eingearbeitet, er kann dir den Arm frei machen, wenn ihr miteinander tanzen wollt.« Doch dann wurde sie auf einmal sehr nachdenklich. »Meine liebe Leonie, du bist mit ganz außergewöhnlichen Wünschen zu mir gekommen und ich habe versucht, sie dir so gut wie möglich zu erfüllen.«

Leonie hatte den Stimmungswechsel sofort bemerkt. »Es geht zu Ende?« Sie hatte sich immer schon gefragt, wie lange dieser so schöne Traum noch anhalten würde.

»Du hast alte Sehnsüchte in mir geweckt, und es war schön, alles noch einmal erleben zu dürfen.« Selma konnte es nicht verhindern, dass eine Träne über ihre Wange lief. »Aber jetzt ist ein Wechsel vonnöten.«

»Ein Wechsel?« Leonies Blick zeigte, dass sie noch nicht ahnte, was gleich passieren würde.

»Holger, magst du dich in Zukunft um diese so ehrgeizige Gefangene kümmern und ihr eine fesselnde Zukunft bereiten?« Selma ergriff seine Hand und legte sie auf Leonies Schulter.

Leonie drehte sich langsam zu Holger hin, bis sie ihm ins Gesicht sehen konnte. Nur ganz am Rande bemerkte sie, dass in dem Kleid unauffällig auch ein sehr strenges Halskorsett eingearbeitet war, das sie zu dieser Bewegung zwang. Zu Worten war sie nicht fähig.

Zwischen Selma und Holger war nichts abgesprochen, trotzdem fand er genau die richtigen Worte, und seine Stimme zitterte nicht. »Meine liebe Leonie, möchtest du auch nach dem Fest meine Gefangene bleiben, egal was passiert, und egal wie lange?«

Wieder wurde es Leonie schwarz vor Augen und sie sank in seine Arme.

Langsam legte Holger ihren Körper auf die Bank. »Ich hoffe, dass das ein ´Ja´ war.« Er beugte sich zu ihr herunter und fühlte ihren Puls.

* * *

»Ich danke ihnen sehr für alles.« Frederike reichte Herrn Steinhagen die Hand. »Für alles, was sie für meine Tochter getan haben. Natürlich dürfen sie auch sehen, wie das Gebet angelegt wird.« Sie gab Paul ein Zeichen.

Paul war zu seiner eigenen Verwunderung eher ruhig, als er die bereitgelegten Riemen ergriff und auf Maria zuging. Doch dann fiel sein Blick auf die Stiefel und er hielt inne. »Sollten wir nicht besser mit den Stiefeln anfangen?«

Marias Mutter lächelte, dann ging sie auf die Spiegelwand zu und nahm die Stiefel in die Hand. Sie reichte sie Paul und blickte sich um. »Ein Sponsor besteht darauf, dass Maria in diesen Stiefeln tanzt.«

Es war dem Sparkassendirektor anzusehen, wie sehr er über diese Forderung empört war. »Wer ist dieser Sponsor, und warum weiß ich davon nichts?«

»Darf ich ihnen das später erläutern?« Mit einer weiteren Störung hatte Frederike nicht gerechnet. »Wir haben nicht mehr so viel Zeit.« Sie sah, dass Paul inne hielt, daher gab sie ihm ein ermutigendes Zeichen zum Anziehen der Stiefel.

Die Stiefel hatten eine Schnürung und einen Reissverschluß, doch für einen optimalen Sitz war es nötig, erst den Reissverschluss zu schließen und dann die Schnürung fest zu ziehen. Das hatten sie zu Hause schon probiert. Allerdings dauerte es so etwas länger.

Renate wurde auf einmal etwas nervös. »Ich habe nur die zwei offenen Schlösser bekommen. Soll ich die heute schon anlegen?« Sie blickte den Notar verlegen an.

»Ich denke, heute geht es auch ohne. Von einer Probe steht nichts in den Unterlagen.«

* * *

Robert Greinert, der erst am Dienstag den Posten des Vorsitzenden übernommen hatte, öffnete mit zitternden Händen die Tür zur Bühne. Genau wie er es befürchtet hatte, waren die Handwerker noch fleißig dabei, die Dekoration für das Schloss aufzubauen. Er hatte gehofft, dass sie wenigstens bis zur Probe fertig werden würde, doch zu seiner Enttäuschung musste er erkennen, dass dieses Ziel beim besten Willen nicht zu erreichen war.

Mit besorgter Miene suchte er den Handwerksmeister auf. »Werden sie bis Morgen noch fertig?«

Der Meister stöhnte, als er den nicht ausgesprochenen Vorwurf in der Frage bemerkte. »Gestern war hier noch eine Veranstaltung.« Er machte mit der Hand einen großen Bogen. »Wir konnten erst heute morgen hier herein.«

Es war heuer das erste Mal, dass der Ball in der neuen Stadthalle stattfand. Bisher musste dafür immer der kleine Saal im Schloss herhalten. Und die für das Schloss passende Dekoration musste hier noch angepasst und teilweise sogar umgearbeitet werden. In den Vorbereitungen zum Fest war dieses als ein ganz kritischer Punkt angesehen worden.

»Besonders der Höhenunterschied zwischen Bühne und Zuschauerraum machen uns Sorgen.« Der Handwerker zeigte auf die fast einen Meter hohe Stufe. »Die Tänzer müssen aufpassen, dass es hier keine Unfälle gibt.«

Robert Greinert bemerkte, dass zwei Meter vor dem Bühnenrand eine rote Linie aufgemalt war. Er zeigte darauf.

»Eine Hilfe für die Tänzer«, erklärte der Handwerker. »Damit sie wissen, dass sie nicht weiter hinaus tanzen dürfen.«

* * *

»Und in diesen Mörderstiefeln können sie wirklich gehen und vor allem tanzen?« Beide Herren hatten interessiert zugesehen, wie Marias Beine langsam in den Lederschäften der Stiefeln verschwunden waren.

Maria überlegte fieberhaft, welches die bessere Reaktion war. Sollte sie Unsicherheit vorspielen oder sich ganz sicher auf den Stiefeln bewegen? Sie war sich überhaupt nicht sicher, inwiefern sich das Programm von ihrer Mutter auf die Wirklichkeit übertragen ließ.

»Steh auf, Liebes.« Frederike hatte die Unentschlossenheit ihrer Tochter bemerkt und hoffte, ihr die richtigen Hinweise zu geben. »Zeige bitte den Herren, dass die Stiefel für dich kein Problem sind.«

Maria erkannte sofort, welche Variante ihr ihre Mutter vorgegeben hatte. Sie stand auf und nahm dabei bewusst ihre Hände nicht zur Hilfe, dann ging sie ein paar Runden in dem kleinen Raum hin und her, bis sich die Mienen der Herren entspannten.

»Sie sind eine faszinierende junge Frau.« Der Notar war sehr beeindruckt von Marias Fähigkeiten.

»Ich denke, wir machen jetzt mit dem Gebet weiter, sonst reicht die Zeit nicht.« Frederike gab Paul das Zeichen, Maria das Gebet anzulegen.

Paul griff sich die Riemen, dann drehte er sich zu seiner Freundin. »Wenn ich die Prinzessin dann bitten dürfte, sich bereit zu machen.« Er grinste ein wenig, um seine Nervosität zu überspielen.

Maria drehte sich überrascht zu ihm um. »Aber gern mein Prinz.« Sie brachte ihre Arme in Position und blickte fasziniert in den Spiegel. »Von vorn sieht man sie gar nicht.« Doch dann ließ sie die Arme wieder sinken und blickte ihre Mutter fragend an. »Ich habe das Gebet noch nie gesehen. Ob es wohl möglich wäre, dass ich mir das mal ansehe?«

Frederike wollte ihr Tochter nicht mit den Herren allein lassen. Sie blickte etwas verlegen zur Schneiderin.

Frau Bartels erkannte sofort, was nötig war. »Man braucht noch einen zweiten Spiegel, am besten einen auf Rollen.«

»Ich weiß, wo einer ist.« Judith stürmte aus der Garderobe, noch bevor ihre Mutter etwas antworten konnte.



Paul stand etwas unsicher hinter Maria und zögerte noch. Doch Frederike gab ihm das Signal, mit dem Gebet anzufangen.

Gleich darauf war ein Rollen zu hören und ein Angestellter der Stadthalle stecke nach einem Klopfen den Kopf zur Tür herein. »Sie brauchen einen Ganzkörperspiegel?« Ohne die im Raum befindlichen Personen auch nur zu bemerken, schob der Angestellte den Spiegel herein.

Hinter ihm betrat Judith wieder die Garderobe. »Vielen Dank für die Hilfe.« Sie machte gegenüber dem Herrn einen Knicks.

»Woher kennst du dich denn hier aus?« Frau Bartels war über ihre Tochter verwundert.

»Wir waren neulich mit der Schulklasse hier wegen der Theateraufführung.« Judiths Gesicht zeigte ihren Stolz, so helfen zu können. »Und der Mann hat mir beim Schieben geholfen.« Sie blickte sich im Raum um. Sofort erkannte sie, was gewünscht war. Sie rollte den Spiegel schräg hinter Maria. »Geht es so?«

»Ein Stückchen noch.« Maria war etwas angespannt. Das Gebet hatte sie bis jetzt zwar schon oft getragen, aber sie hatte es bisher noch nie ansehen können.

Judith drehte ein wenig am Spiegel.

»Nein, die andere Richtung.« Ihre Atem ging ungewöhnlich hastig.

Judith drehte wieder an dem Spiegelgestell.

»Jetzt steht Paul im Weg.« Marias Stimme zeigte neben ihrer Ungeduld eine gewisse Anspannung.

»Ich bin ja gleich fertig.« Paul war über die große Zahl wichtiger Zuschauer sehr irritiert. Es wäre ihm lieber gewesen, wenn er mit Maria allein gewesen wäre. »Und bitte wackel nicht so.«

»Entschuldige bitte.« Maria erkannte, dass sie sich beherrschen musste.

»Sonst müsste ich mich räuspern.« Paul wusste nicht, voher die Worte kamen, die er gerade aussprach.

Doch bei Maria hatten sie die richtige Wirkung. Sie bekam einen etwas glasigen Blick und blickte etwas verlegen zu ihrer Mutter. Es war so zwar überhaupt nicht abgesprochen, doch sie realisierte, dass Paul dabei war, einige Aufgaben ihrer Erzieherin zu übernehmen. Würde sie sich ihm genauso unterwerfen wollen, wie sie es mit der Erzieherin so widerspruchslos gemacht hatte?

»Du musst dich nicht räuspern.« Ihre Stimme war auf einmal sehr leise. »Ich halte auch so still.«

Paul war erleichtert über Marias Reaktion. Er hatte es eigentlich als Scherz gemeint, doch er spürte sofort, was es bei Maria bewirkt hatte. Sie war bereit, sich ihm wirklich unterzuordnen, und er begriff, dass er dieses große Geschenk anzunehmen hatte. Genauso erkannte er aber auch die große Verantwortung, die es mit sich brachte.



»Das ist wirklich faszinierend.« Der Notar war ein paar Schritte näher gekommen.

»Habe ich dir zuviel versprochen?« Seine Tochter lächelte ihn an. »Maria ist etwas Außergewöhnliches.«

»Ja, du hast recht.« Der Notar blickte sehr gebannt auf die Arme von Maria, die mit jeder Bewegung von Paul etwas fester in die eigentlich so grausame Haltung gezwungen wurden. Und doch war ein Lächeln auf ihrem Gesicht zu sehen.

»Das Korsett ist eigentlich stark genug gemacht, um es auch ohne vorhergehende Fixierung der Arme tragen zu können.« Frederike versuchte, möglichst neutral zu sprechen, doch ein leises Zittern zeigte, wie sehr sie die Leistung ihrer Tochter beeindruckte. Das Venuskorsett hielt sie bereits in den Händen.

»Aber dann ist es viel schwerer anzulegen.« Paul gab Maria das übliche Zeichen, dass er fertig war und trat einen Schritt zurück.

Maria nutzte den Moment, um sich ausgiebig im Spiegel zu betrachten. »Es sieht sehr elegant aus.« Ihre Stimme war sehr leise.

Paul nahm das Korsett entgegen, welches Frederike ihm gereicht hatte. Er trat wieder an Maria heran, doch dann zögerte er ein wenig. Er hatte bemerkt, dass Maria immer noch dabei war, sich im Spiegel zu betrachten und Bewegungen ihrer Muskeln im Spiegel zu verfolgen.

»Es sieht sehr beeindruckend aus.« Maria war von ihrem Spiegelbild noch sehr verzaubert, doch dann realisierte sie, dass Paul und die anderen Personen im Raum auf sie warteten. »Du kannst weitermachen.« Sie lächelte Paul verlegen an.

»Nach dem Fest probieren wir das mal ohne Riemen.« Paul flüsterte es, während er das besondere Korsett um Marias Oberkörper legte und mit der Schnürung begann.

»Ich habe genug gesehen.« Notar Schrumm drehte sich bewusst von Maria weg. »Ich möchte sie zu ihrer Tochter beglückwünschen. Eine wirklich außergewöhnliche Frau.« Er reichte Frederike die Hand.

Auch Herr Steinhagen wollte nicht länger stören. »Ich freue mich sehr auf das Wochenende.« Er verabschiedete sich ebenfalls.



»Jetzt möchte ich aber trotzdem gern wissen, was es mit diesen Mörderstiefeln auf sich hat. Warum ist es so wichtig, dass Maria sie tragen muss?« Herr Steinhagen war anzusehen, dass er Maria sehr bedauerte.

»Darf ich ihnen das kurz erklären?« Notar Schrumm führte den Sparkassendirektor aus dem Raum. »Es ist Folgendes...« Danach schloss sich die Tür.



»Das war nur der Anfang.« Maria seufzte ein wenig. Es wurde deutlich, dass sie eine klare Vorstellung davon hatte, wie ihre ersten Tage als Katerina mit dem Gebet wohl ablaufen würden. »Bitte bleib immer an meiner Seite.« Sie blickte Paul mit einer Mischung aus Liebe und Sorge zugleich an.

Paul war noch dabei, dass Korsett weiter zuzuschnüren. Er wollte eine passende Antwort geben, doch ihm fiel nichts Passendes ein. Schließ rang er sich zu einem ´Du kannst dich immer auf mich verlassen.´ durch.

Frederike stand schweigend dabei und hatte Mühe, ihre Gefühle unter Kontrolle zu halten. Natürlich waren in dem Venuskorsett innen noch einige Riemen angebracht, um den Armen der Trägerin etwas Halt zu bieten, doch sie verzichtete darauf, ihre Tochter und deren Freund jetzt darauf aufmerksam zu machen. Zum einen würde es die Stimmung trüben, und außerdem traute sie es den Beiden durchaus zu, dass sie diese Details auch selbst finden und ausprobieren würden.

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  RE: Maria Datum:12.04.17 23:45 IP: gespeichert Moderator melden


Hallo gag_coll, Danke für die tollen Fortsetzungen; auch dir ein frohes Osterfest und danke fürs Schreiben.

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Machtdom
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  RE: Maria Datum:15.04.17 07:33 IP: gespeichert Moderator melden


hallo gag_coll,

Danke für die tollen Kapitel.

Schöne Feiertage.
Gruß
Machtdom

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*Gozar*
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  RE: Maria Datum:15.04.17 07:48 IP: gespeichert Moderator melden


Hi gag.

Ich zerfließe gerade in deinen Zeilen.
"Ganz ganz großes Kino"
Mach weiter so.

Dir und den Deinen auch ein schönes Osterfest
und viele dicke *hüstel* B U N T E Eier

Liebe Grüße

Gozar
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gag_coll
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  RE: Maria - Kapitel 14 - Das Katerinenfest - Teil Dreiunddreißig Datum:19.04.17 18:17 IP: gespeichert Moderator melden


Maria
Kapitel 14 - Das Katerinenfest - Teil Dreiunddreißig
Autor: Karl Kollar

(noch Donnerstag, 23. September 1984)

»Du must mir die Frage noch beantworten.« Holger kniete vor Leonies Liege und blickte sie erleichtert an.

»Welche Frage?« Leonie war noch dabei, nach der erneuten Ohnmacht wieder in die Realität zurück zu finden.

»Ich hatte dich gefragt, ob du meine Gefangene werden möchtest?« Holger setzte alles auf eine Karte, weil er wusste, dass er die Gelegenheit nutzen musste. Außerdem hatten ihn seine Mutter und die Nachbarin entsprechend ermutigt.

»Der Traum wird weiter gehen?« Leonie liefen ein paar Tränen über das Gesicht. Dann erst bemerkte sie, dass ER vor der Liege kniete und auf eine Antwort wartete. »Sehr gern, Holger, sehr gern.«

Er griff ihr an die Schulter und half ihr, sich hinzusetzen. »Wenn das Fest vorbei ist, dann besuchen wir diesen Kunstsattler. Ich habe schon ein paar sehr schöne Ideen für dich.« Sein Gesicht näherte sich, doch er achtete darauf, dass er ihr noch genügend Raum zum Ausweichen bot. Auch das hatte ihm Frau Mohr angeraten. Doch Leonie war von seiner Nähe fasziniert und auch sie beugte sie zu ihm hin. Schließlich trafen sich ihre Lippen und sie versanken in den ersten langen Kuss.

* * *

»Passt es soweit?« Frederike blickte genau so stolz wie aufmerksam auf ihre Tochter. »Können wir mit dem Kleid weitermachen?«

Maria blickte noch sehr verträumt in die beiden Spiegel und bewunderte ihre Arme, die jetzt vollständig vom Korsett umhüllt waren. Nur am Hals schauten noch ein wenig die Finger heraus. »Ja, es kann weitergehen.«

»Ich hoffe, es wird passen.« Frau Bartels war sichtlich nervös. »So etwas habe ich noch nie gemacht.« Sie ging zu der Schneiderpuppe und nahm das Kleid herunter. »Es ist in einem Stück gearbeitet, ich werde es dir über den Kopf ziehen.«

Maria blickte die Schneiderin sehr fasziniert an. Auf diesen Moment hatte sie schon lange hingefiebert.

Es zeichnete sich sofort ab, dass der Rock etwas kurz war. Wer sich auch nur ein wenig hinab beugte, konnte sehen, welch merkwürdige Stiefel Maria trug. Und wenn sie auf der Bühne tanzen würde, war es für alle im Zuschauerraum zu sehen. Doch alle wussten, dass es jetzt für Änderungen zu spät war. Maria hatte sich den Stiefeln zu stellen.

»Ich habe das Kleid so gearbeitet, dass sie nur vorn den einen Reißverschluss schließen müssen.« Frau Bartels zeigte Paul und Frederike die Bedienung dieses außergewöhnlichen Kleides. »Das geht natürlich nur, weil sie ausdrücklich keinen Ausschnitt gewünscht hatten.«

Paul grinste. »Und der Verschluß ist vor deinen Fingern sicher.«

»Komm du mir nach Hause.« Maria gab sich zunächst etwas empört, doch dann lächelte sie und drehte sich zur Schneiderin. »Vielen Dank für dieses tolle Kleid. Wie kann ich ihnen danken?«

»Es gäbe schon etwas, was sie für uns tun könnten.« Frau Bartels war auf einmal etwas verlegen.

»Was ist es denn?« Maria wollte sich für die viele Arbeit erkenntlich zeigen.

»Meine Tochter hat gerade einen Tanzkurs gemacht.« Die Schneiderin lächelte stolz zu ihrer Tochter. »Und sie wünscht sich sehr, einmal mit dem Prinzen tanzen zu dürfen.«

»Aber Mama...« Judith wurde auf einmal knall rot.

»Den Wunsch erfüllen wir sehr gern.« Maria drehte sich zu Paul und gab ihm einen Kuss.

»Vielen Dank.« Judith strahlte auf einmal bis über beide Ohren.

* * *

»Seid ihr soweit?« Renate blickte fasziniert auf Marias Kleid. »Wir müssten dann zur Aufstellung.« Es war ihr anzusehen, wie sehr sie von Marias Erschienung fasziniert war.

»Von mir aus kann es losgehen.« Die Schneiderin trat zurück und umarmte ihre Tochter. »Danke für deine Hilfe.«

Judith lächelte verträumt und schmiegte sich stolz an ihre Mutter. Auch sie war von Maria und dem Gebet sehr beeindruckt, und sie rechnete es ihrer Mutter auch genauso hoch an, dass sie sie zur Anprobe mitgenommen hatte. Denn natürlich war ihr klar, dass ihre Mutter es auch allein geschafft hätte.

»Der Prinz bitte noch nicht.« Renate hatte noch einmal in ihre Unterlagen gesehen, jetzt ging sie auf Paul zu. »Du kommst später auf mein Zeichen, wenn die Mädchen verhüllt sind.«

»Alles Gute, mein Liebling.« Paul streichelte Maria noch einmal durch das Gesicht. »Ich warte auf dein Zeichen.« Er war in seinen Gedanken auch schon tief in dem Spiel, so wie es heute gespielt wurde.

Wie viel von dem in der Vergangenheit tatsächlich passiert war, war nicht mehr so genau bekannt. Langsam ging er zum Fenster und blickte hinaus.

»Dann kommt.« Renate öffnete die Tür und stellte sich daneben.

Marias Herz klopfte laut. Sie hatte die Entwürfe für das Kleid schon öfters gesehen, doch erst jetzt war es ernst. Wie würden die anderen auf ihre so außergewöhnliche Armhaltung reagieren?

Sie blickte noch einmal zurück zu ihrer Mutter und lächelte ihr zu. Sie hätte gern gewinkt, doch sie hatte sich schon lange daran gewöhnt, von Zeit zu Zeit auf ihre Arme verzichten zu müssen. Ihr letzter Blick ging zu Paul, der in seiner schicken Uniform am Fenster stand und auf seinen Auftritt wartete.

Was ihre Dienerinnen tragen würde, wusste Maria gar nicht. Das wurde ihr aber erst bewusst, als sie sie auf dem langen Korridor erblickte.

Doris trug ein schickes Kleid und dazu die Ketten, die sie seit längerem immer trug. Renate hatte sich dafür extra eine Begründung einfallen lassen, die nicht allzu sehr an den Haaren herbei gezogen war. Die Betreuerin ahnte, wie viel es der Schmiedetochter bedeutete, hier einmal ihre Ketten zeigen zu dürfen.

Amelie trug ein Kleid aus rotem Samt, bei dem die Arme nicht sichtbar waren. Sofort fiel Maria ein, was sie über den Entwurf für ihr Brautkleid gesagt hatte. Dieses Kleid schien der gleiche Grundentwurf zu sein.

Doch am interessantesten sah Leonie aus. Auf den ersten Blick sah es aus, wie ein altmodisches Tanzkleid, doch als Maria genauer hinschaute, erkannte sie, dass Leonie ihren rechten Arm sehr steif am Körper trug. Und auch der linke Arme wirkte seltsam steif. Auch der hohe Spitzenkragen fiel Maria auf, weil er fast bis ihr Kinn reichte. Doch am meisten war Maria fasziniert von Leonies glücklichen Augen.

»Du strahlst, als wenn du einen Heiratsantrag bekommen hättest.« Maria war von ihrem glücklichen Blick geradezu angezogen.

»So etwas ähnliches ist auch passiert.« Leonie drehte sich mit dem ganzen Körper zu Holger um. »Er hat mich etwas ganz Schönes gefragt.«

»Na dann herzlichen Glückwunsch.« Maria hatte eine Ahnung, welches Band die beiden Verliebten ab sofort verband. Sie äußerte ihre Vermutung. »Du bist ab sofort seine Gefangene?«

»Ja, genau das hat er mich gefragt«, wiederholte sie und strahlte dabei bis über beiden Ohren. »Und ich habe ja gesagt.«

»Was trägst du denn für ein tolles Kleid?« Maria wollte weiter ihre Neugier stillen.

»Seit ihr bereit für euren Auftritt?« Renates Stimme schallte durch den Korridor und erinnerte die Mädchen an ihre eigentliche Aufgabe.

»Ein ganz strenges.« Leonie kam nicht umhin, Maria noch eine kurze Antwort zu zuflüstern, dann setzten sich die Mädchen langsam in Bewegung.

»Jeder bitte auf seinen Platz.« Renate sah, dass Maria sich etwas unsicher umblickte. »Die Katerina kommt gleich nach mir.« In dem Spiel hatte Renate außerdem die Rolle als Zeremonienmeisterin. Früher wurde dieses Amt natürlich immer von einem Mann besetzt, doch in der jüngeren Zeit sah man das nicht mehr so genau.

Maria ging die wenigen Schritte zu der Stelle hinter Renate, dann stellte sie sich erwartungsvoll auf.

»Doris, du stellst dich bitte gleich hinter Maria.« Sie blickte zu der Schmiedstochter. »Du wirst Maria mit den Türen helfen. Du hast wenigstens noch die Arme frei.«

Doris blickte sich verwundert um. Nachdem sie die Kleider der anderen Dienerinnen gemustert hatte, lächelte sie ein wenig verlegen. »Das werde ich machen.« Sie war sich immer noch sehr unsicher, wie die Leute auf ihre Ketten reagieren würden, doch zumindest Renate tat so, als wären sie etwas ganz Selbstverständliches.

* * *

»Ah, sie kommen.« Hans packte die kleine Kamera weg. »Warum wolltest du denn Fotos von der leeren Stadthalle haben?« Er blickte etwas verwundert auf seine Freundin.

»Das hatte einen ganz banalen Gund.« Andrea lächelte ein wenig verlegen. »So bist du nicht auf den Gedanken gekommen, dich heimlich in Marias Garderobe zu schleichen.«

»Du bist ein Biest.« Hans stand der Mund auf. »Wir rechnen zu Hause ab.« Es war ihm deutlich anzusehen, dass er diese Möglichkeit, an Fotos für sein Venuskorsett zu kommen, übersehen hatte. Und jetzt ärgerte er sich doppelt über die verpasste Gelegenheit.

»Jetzt sieh zu, dass wir schöne Fotos von den Tänzen bekommen.« Andrea blickte sich in der jetzt etwas umgestalteten Stadthalle um. Ein paar Elemente der Dekoration vermittelten wirklich den Eindruck, als würden sie sich in einem Barockschloss befinden. Doch es war auch deutlich zu sehen, dass die Handwerker bei weitem noch nicht fertig waren. Doch letzteres war für die Generalprobe nicht ganz so wichtig.

* * *

Robert Greinert kam in den Garderobengang und bat um etwas Ruhe. »Wir werden jetzt den Beginn des Balles proben.« erklärte er nach der Begrüßung der Teilnehmer. »Es geht nur darum zu klären, ob Morgen alles glatt gehen wird. Gibt es soweit noch Fragen?«

Jemand fragte nach dem konkreten Ablauf.

Robert Greinert wandte sich an Renate. »Wollen sie es noch einmal erklären? Ich glaube, sie haben den besseren Überblick.«

»Sobald die Musik ertönt, werden wir einziehen. Zunächst Herzog und Herzogin, dann das Gefolge. Wenn alle auf ihren Plätzen sind, wird die Katerina mit ihren Damen hereingeführt.« Renate blätterte in ihren Unterlagen. »Und dann wird der Prinz hereinkommen, die Katerina auswählen und dann den Verlobungsball tanzen.«

Maria suchte den Blick von Paul. Er lächelte zurück.

»Danach proben wir noch die anderen Tänze.« Auf einmal wurde Renate rot und ließ die Mappe sinken. »Scheibenkleister. Ich habe die Tanzproben für die Dienerinnen vergessen.«

Robert spürte, dass er helfen musste. »Können wir das morgen früh noch nachholen?« Er blickte fragend in die Runde.

Die drei Mädchen realisierten erst nach einiger Zeit, dass er auf eine Antwort von ihnen wartete. »Von mir aus gern.« Doris war die Erste, die antwortete. Danach stimmten auch die anderen zu.

»Die genaue Uhrzeit gebe ich noch bekannt.« Renate blätterte immer noch in ihrer Mappe. »Wie konnte ich das nur übersehen.« Sie war sichtlich verlegen.

»Was müssten wir denn machen?« Doris war im Moment noch am Wenigsten abgelenkt.

»Es geht eigentlich nur darum festzustellen, ob die Kostüme in Ordnung sind und ob es sich damit tanzen lässt.« Er blickte etwas skeptisch zu Leonie. »Ich denke, es reicht, wenn sie heute etwas Walzerähnliches zeigen.« Er räusperte sich kurz.

»Ich bitte noch mal um Aufmerksamkeit.« Er sprach jetzt deutlich lauter. »Auf der Bühne ist eine rote Linie aufgemalt. Bitte achten sie alle darauf, dass sie diesen Strich beim Tanzen nicht überschreiten. Es soll sie immer daran erinnern, dass gleich danach der Zuschauerraum kommt und sie sonst hinab fallen würden.«

»Sind alle bereit?« Renate war erleichtert, dass sich ihr Fehler noch so einfach korrigieren liess. »Ich würde dann der Musik das Zeichen geben, dass es losgehen kann.«



Herzog und Herzogin betraten als erste den Saal, nachdem ihnen die Türen geöffnet wurde. Unter den sehr feierlichen Klängen des Orchesters gingen sie zielstrebig auf die beiden Stühle zu, die vor Jahren schon von einem sehr detailverliebten Handwerker in den Thron für das Herrscherpaar verwandelt wurden und nahmen darauf Platz.

Unter den Klängen eines alten Triumpfmarsches nahm danach auch das Gefolge Platz und gemeinsam warteten sie auf das Ende des Musikstücks.

Wieder trat Robert Greinert vor an die Bühne, doch dieses Mal drehte er sich zu den Schauspielern auf der Bühne. »Der Moderator musste heute kurzfristig absagen, weil er seine Frau ins Krankenhaus bringen musste.« Er warf Renate einen besorgten Blick zu. »Morgen wird er wie in den Jahren zuvor durch das Schauspiel führen und die einzelnen Teile erläutern.«

»Hier wären die Texte, die er vortragen wird.« Sie reichte Robert ein paar Blätter. »Ich hatte ihn gebeten, seine Moderation zumindest stichwortartig aufzuschreiben.«

Der Vorsitzende war einen kurzen Blick darauf. »Als nächstes kommt die Begrüßung der Ehrengäste.« Er blickte zum Bühneneingang, neben dem ein paar Stühle aufgebaut waren. »Wir werden heute ein paar Zuschauer haben, die sich vom Verlauf der Proben ein Bild machen wollen.« Er stellte den Notar und seine Tochter sowie den Sparkassendirektor vor.

Renate machte ihn darauf aufmerksam, dass auch Pauls Oma und Marias Erzieherin im Zuschauerraum anwesend waren.



»Das fängt ja gut an.« Selma lächelte ihre Freundin Mrs. Potter an. »Hoffentlich tanzen sie wenigstens ordentlich.«

Dorothea lächelte nur. »Maria wird das schon gut machen.«



Maria zitterte ein wenig, denn in wenigen Momenten würde sie sehr vielen Leuten ihr Kunststück zeigen. Sie empfand es überhaupt nicht mehr als eine Fesselung, sondern eher wie eine besondere Gymnastikübung. Sie wusste, dass Paul dann, wenn sie das Gebet trug, nicht von ihrer Seite weichen würde und sie notfalls sogar auf die Toilette begleiten würde, um ihr dort zu helfen. Er erst gab ihr die Kraft, trotz dieser so grausam aussehenden Armhaltung selbstbewusst und glücklich aufzutreten.

Doch jetzt war er noch nicht da. Sie stand allein mit ihren Dienerinnen in der noch leeren Stadthalle am Bühneneingang und wartete auf ihren Auftritt. Natürlich standen die Mitglieder der Wachmannschaft um sie herum und vermittelten ihr die nötige Sicherheit, doch sie sehnte sich nach der Nähe von Paul, ihrem Prinzen; nicht nur im Spiel, sondern auch im richtigen Leben.

Neben sich sah sie den Neffen des Barons stehen und mit Schaudern dachte sie daran, dass sie ursprünglich mit ihm das Fest hätte spielen sollen. Ein wenig verwunderlich war es schon mit ihm. Als er für die Rolle nominiert war, interessierte es sich überhaupt nicht dafür, doch seit Paul die Rolle bekommen hatte, wich er quasi nicht von ihrer Seite.

Beim vorvorletzen Spiel war es einmal vorgekommen war, dass der Prinz die falsche Dame ausgewählt hatte, da ja für seine Wahl alle Damen mit weiten Umhängen bis über den Kopf verhüllt waren, so dass nicht einmal ihre Kleider sichtbar waren. Seitdem war ausgemacht worden, dass jede der Damen, wenn der Prinz vor ihnen stand, kurz ihren Namen zu flüstern hatte, damit eine solche Verwechslung ausgeschlossen war. Doch Maria war sich sehr sicher, dass Paul sie auch so erkennen würde.



Die Musik der Barock-Pfeiffer setzte ein und auf ein Zeichen von Renate setze sich die Katerina mit ihren drei Dienerinnen in Bewegung in Richtung auf das kleine Podest, auf dem sie dann mit dem Gesicht zum Publikum hinstellten. Sofort kamen einige der Damen aus der Wachmannschaft und verhüllten sie über den Kopf bis zum Boden mit weiten Tüchern.

Renate trat vor das noch nicht vorhandene Publikum und las aus den Moderationsnotizen vor. Es waren nur Stichworte, aus denen der Moderator erst die richtigen Texte machte. Inhaltlich ging es darum, dass sich als nächstes der Prinz seine Braut auszusuchen hatte und gemäß der Überlieferung wollte der Vater verhindern, dass er sich die Katerina aussuchen und mit ihr tanzen konnte, um so die Verlobung rechtsgültig zu machen.



Paul hatte ein wenig Lampenfieber, als er jetzt als letzter an dem Bühneneingang stand und auf seinen Auftritt wartete. Es war für den Prinzen die wichtigste Stelle im ganzen Spiel und er war entschlossen, sie auch mit Bravour hinter sich zu bringen. Er fragte sich, wie wohl dem echten Prinzen zumute war, als er kurz davor war, sich seine Katerina aussuchen zu müssen.

Die Überlieferung besagte, dass eine mitleidige Dienerin das Liebespaar die Intrigen des Herzogs verraten hatte und das Liebespaar ein Erkennungszeichen ausgemacht hatte.

Auf einmal wurde Paul siedendheiß bewusst, dass er und Maria eben noch kein Zeichen ausgemacht hatten. Die Sage berichtete von einer Dreiecksbewegung mit dem Kopf, doch er war sich nicht sicher, ob Maria sich daran noch erinnern würde, was ihnen seine Oma vor einigen Wochen über das Spiel erzählt hatte.



Das Blasorchester spielte eine kurze Fanfare, welche im Spiel den Prinzen ankündigte.

Paul bekam von Renate noch schnell ein ´toi-toi-toi´ zugeflüstert, dann setzte er sich in Bewegung.

Schon auf den ersten Blick sah er, dass Maria auf dem Podest die zweite von links war. Erst konnte er gar nicht so genau sagen, woran er sie erkannte, doch obwohl alle vier Mädchen durch die Seidentücher verhüllt waren, war ihm sofort klar, wer wo stand.

Doch dann wurde ihm klar, dass nur ein einziges Mädchen selbst unter den Tüchern so aufrecht und gerade stand, wie es nur die Balletstiefel bewirken konnten. Und als er genauer hinsah, konnte er auch die Spitzen vom Marias Stiefeln unter den Tüchern erkennen.



Gemäß der Rolle hatte er sich zunächst vor dem Herzog zu verbeugen, dann auf eine Handbewegung des Herzogs hin, trat er auf die vier verhüllten Gestalten zu und schritt an ihnen vorbei. Es diente natürlich auch dazu, um sie gegebenenfalls noch an ihrem Flüstern zu erkennen. Doch für Paul bedeutete es nur, dass seine Wahrnehmung richtig war. So blieb er schließlich vor Maria stehen.

Die Diener nahmen jetzt die Hülle von Maria herunter und Paul führte sie auf die Tanzfläche, nachdem er ihr von dem Podest herunter geholfen hatte.

Nach einem gemeinsamen Blick zu den Barock-Pfeiffern setzte die Musik ein und das Paar begann mit dem so lange erwarteten Tanz.



Nach ungefähr einer Minute unterbrach Renate den Tanz. »Ich muss ein wenig auf die Zeit achten.« Sie gab der Musik das Zeichen für den nächsten Tanz. »Wir müssen die anderen Tänze auch noch proben, und es ist gleich vier Uhr.«

Paul und Maria blickten gespannt auf die drei Mädchen, die sich jetzt mit Herzklopfen auf ihren großen Auftritt vorbereiteten. Obwohl es dafür nicht unbedingt ein historisches Vorbild gab, wurde es doch schon seit vielen Jahren so gehandhabt, dass der zweite Tanz der Katerina und ihrer Dienerin gehörte. Dieses Mal tanzten vier Paare diesen Tanz, und alle acht Darsteller strahlten vor Freude.

Renate stand an der Seite und war sichtlich erleichtert, dass alles so gut verlaufen war. Bis auf die vergessene Tanzprobe gab es keine weiteren Pannen, und alle Mädchen hatten gezeigt, dass sie in ihren Kleidern in der Lage waren, die Tänze aufzuführen, auch wenn der Tanz der Dienerinnen mit der historischen Vorlage wenig gemeinsam hatte.



Franz-Ferdinand stand die ganze Probe über am Rand der Bühne und schaute dem Historienspiel gebannt zu. Auch er war von Marias Fähigkeiten mehr als begeistert, und vor allem deswegen hatte er Bedenken, ob sein Plan oder besser der Plan seines Onkels mit der Entführung von Maria wirklich richtig war.

Es war zwar alles vorbereitet, der Sekt und das Schlafmittel standen bereit, und er war sich auch sicher, dass Maria ihm in diesen Mörderstiefeln auch nicht weglaufen konnte. Er wäre sicher in der Lage, sie einzuholen. Aber ob es wirklich richtig war?

Es war ein gefährliches Spiel, das er vorhatte, doch er musste es riskieren, um das Schloss seines Onkels zu retten. Er konnte als Mitglied der Wachmannschaft immer in Marias Nähe sein und er hatte auch den Eindruck, als würde sie ihm zumindest in diesem Aspekt vertrauen. Er hatte schon mit dem Notar gesprochen, doch die Bedingungen des Testaments waren erst erfüllt, wenn Maria auf dem Fest getanzt hatte und nicht nur auf der Generalprobe. Dass hatte Herr Schrumm ihm auf seine Nachfragen hin mehrmals deutlich mitgeteilt.



»Herr Steinhagen bittet um Gehör.« Renate hatte die vier Paare nach einer kurzen Verschnaufpause zu sich gebeten und übergab das Wort jetzt an den Sparkassendirektor.

»Ich möchte ihnen zunächst für ihre gute Leistung danken.« Er blickte vor allem auf die vier Darstellerinnen. »Ich bin mir ziemlich sicher, dass es nicht einfach ist, sich mit diesen Einschränkungen so elegant zu bewegen.«

Er applaudierte und die anwesenden Herren setzen ein.

»Meine Frau und ich möchten sie, die vier Paare heute Abend zum Essen in die goldene Traube einladen.« Er blickte in die Runde. »Und natürlich haben wir Verständnis dafür, wenn sie weiterhin für ihre Rolle üben möchten.« Er blickte sowohl Maria als auch Doris deutlich an.

Doris war kurz davor, in Ohnmacht zufallen. Theo musste sie festhalten. »Wir bedanken uns sehr für die Einladung.«

Auch die anderen Paare bedankten sie sehr für die Ehre, schon wieder in das teuerste Restaurant der Stadt eingeladen zu werden.

»Meine Frau ist auch sehr gespannt auf das Gebet.« Er wandte sich direkt an Paul und Maria. »Sie würden uns eine große Freude machen, wenn sie es noch einmal vorführen würden.«

»Aber nicht zu lang.« Paul fühlte sich dazu berufen, Maria zu verteidigen. »Erst einmal braucht sie eine Pause.«

Maria wollte widersprechen, doch dann sah sie den strengen Blick von Paul und schluckte ihre Worte ungesagt herunter. Sie war ein wenig genervt von seiner übertriebenen Fürsorge, doch natürlich wusste sie auch, dass er es gut mit ihr meinte und nur das Beste für sie wollte.

»Jetzt gibt es erst mal Kaffee und dann gehen wir hinüber zur Kirche.« Renate hatte wieder ihre Mappe in der Hand. »Die Pfarrerin erwartet uns um fünf.«

* * *

Andrea und Hans waren auf dem Weg zur Redaktion. Die Reporterin hatte es eilig, weil sie vor Redaktionsschluss ihren Artikel noch fertig haben wollte.

»Warum musste ich mit dir kommen?« Hans keuchte fast ein wenig, als er versuchte, mit seiner Freundin Schritt zu halten. »Die Fotos sind doch etwas später dran.«

»Ich wollte dich dort nicht allein lassen.« Andrea kannte ihren Freund nur zu gut. »Damit du nicht noch auf dumme Gedanken kommst.«

»Du verstehst das nicht.« Hans war empört.

»Aber du hast doch sogar einen Termin bekommen.« Andrea schüttelte den Kopf.

Hans schwieg einen Moment. »Es ist das Jagdfieber, verstehst du?«

»Und dafür ruinierst du das Leben eines Mädchens.« Andrea blieb kurz stehen. »Lass ihr doch den Triumph.«

»Das verstehst du nicht.« Hans wiederholte seine Worte.

»Ich verstehe, dass du exklusive Fotos möchtest.« Andrea blickte ihn ernst an. »Aber dafür machst du den Traum eines jungen Mädchens kaputt. Lass ihr doch die Freude, das Gebet zu zeigen.« Sie ging weiter.

»Ich glaube, du hast Recht.« Hans tiefer Seufzer zeigte, wie sehr er innerlich zerrissen war.

* * *

Robert Greinert trat an Renate heran. »Was meinen sie, sollten wir von den Musikern Stillschweigen verlangen? Es haben jetzt ja doch viele das Gebet gesehen.«

»Meinen sie?« Renate war skeptisch. »Die meisten von ihnen haben doch nur in die Noten geschaut.«

»Sie meinen, sie hätten das gar nicht mitbekommen?« Der Vorsitzende war verwundert.

»Es war ohnehin nicht viel zu sehen.« Renate versuchte ihn zu beruhigen. »Ich denke, wenn wir von ihnen Verschwiegenheit verlangen, machen wir sie erst recht darauf aufmerksam. Landsbach ist in der Beziehung ein Dorf.«

»Na gut.« Robert sah es ein. »Wir werden also keine schlafenden Hunde wecken.« Er blickte kurz auf seinen Notizzettel. »Weiß die Schmiedetochter schon von ihrer großen Aufgabe?« Es war nicht herauszuhören, ob er das ´groß´ ironisch meinte oder nicht.

»Ich wollte als nächstes mit ihr sprechen.« Renate blickte suchend durch den Saal. »Da drüben stehen sie.«

* * *

»Doris, hättest du einen Moment Zeit?« Renate hielt ihre Mappe in der Hand und war auf die Schmiedetochter zugekommen. »Auf dich kommt in der Kirche noch eine ganz besondere Aufgabe zu.«

Theos Verlobte war erstaunt. »Was ist es denn?«

»Die Katerina wird in der Kirche die ganze Zeit das Gebet tragen.« Renate holte tief Luft.

»Dann kann sie ihre Arme nicht benutzen.« Doris setzte den Gedanken fort.

»Richtig«, bestätigte Renate. »Und deswegen sollst du dem Prinzen den Ring an den Finger stecken.«

Jetzt war es an Doris, tief Luft zu holen. »Dazu würden die Ketten ja gar nicht passen.« Sie war ein wenig verlegen. »Aber das wird Theo nie erlauben.«

»Ich werde mit ihm reden«, bot Renate an.

»Ich habe meinen Namen gehört?« Theo stand nur ein wenig abseits und kam jetzt näher.

»Doris soll am Sonntag als Dienerin der Katerina dem Prinzen den Ring an den Finger stecken.« Renate bemühte sich um einen sachlichen Tonfall.

Theo lächelte. »Und dafür soll ich dir die Ketten abnehmen.« Er streichelte ihr zärtlich über den Kopf.

Doris hielt den Blick zu Boden gesenkt. Zu einer Antwort war sie nicht fähig.

»Das machen wir schon.« Theo ahnte, in welcher Zwangslage sich seine Verlobte gerade befand. Er wollte sie nicht unnötig demütigen, stattdessen legte er den Arm um sie. »Du wirst eine gute Dienerin sein.«

Doris blickte ihn verliebt an. Sie war erleichtert, dass sie nicht von sich aus um ihre Freilassung bitten musste. Sie rang sich ein schüchternes ´Danke´ heraus.

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*Gozar*
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  RE: Maria Datum:19.04.17 20:53 IP: gespeichert Moderator melden


Hi gag

Ich bedanke mich bei Dir für die nächste tolle Fortsetzung.
Kopfkino auf vollen Touren. Und zwar ganz ganz großes Kino.
Ich warte gespannt auf die nächsten Teile.

Gruß
Gozar
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gag_coll
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  RE: Maria - Kapitel 14 - Das Katerinenfest - Teil Vierunddreißig Datum:21.04.17 06:58 IP: gespeichert Moderator melden


Maria
Kapitel 14 - Das Katerinenfest - Teil Vierunddreißig
Autor: Karl Kollar

(noch Donnerstag, 23. September 1984)

»Wo kommen sie denn her?« Mrs. Potter war erstaunt, als sich auf einmal Marias Mutter neben sie und Frau Mohr setzte.

»Ich war oben auf der Empore«, erklärte Frederike mit sehr bewegter Stimme. »Ich wollte die Probe verfolgen können, ohne dass sie mich sieht.«

»Warum muss Maria gerade diese Stiefel tragen?« Selma war ein wenig aufgebracht. »Ich weiß zwar, dass sie es kann, aber ist das Gebet nicht schon Anstrengung genug? Außerdem ist das Kleid viel zu kurz.«

»Sie haben Recht, es sieht sehr nach Schikane aus.« Frederike machte eine Pause, weil sie ihre Argumentation überdenken wollte. Doch dann verwarf sie ihren Plan. »Wenn sie mir versprechen, Maria und Paul nichts davon zu sagen, sage ich ihnen den wahren Grund.«

Selma und Dorothea blickten Marias Mutter nur mit großen Augen an.

»Es handelt sich um Folgendes.« Frederike machte noch einmal eine Pause, dann erläuterte sie mit bewusst leiser Stimme die wahren Hintergründe des diesjährigen Festes.

»Das ist allerdings ein sehr guter Grund.« Selmas Stimme zeigte, wie beeindruckt sie war.

»Aber was sollen wir den Leuten erzählen, wenn sie Fragen stellen?« Mrs. Potter war von der Nachricht ebenfalls tief bewegt. »Und was wissen Paul und Maria darüber?«

Frederike hatte sich mit dieser Fragestellung schon länger befasst. »Den Leuten sagen sie einfach, dass die Stiefel Maria bei dem Gebet helfen. Das ist ja schließlich auch die Wahrheit.« Sie gab noch einmal die Argumente wieder.

»Und für unsere zwei Verliebten?« Selma blieb zunächst skeptisch.

»Sie wissen, dass ein Sponsor sich das so gewünscht hat.« Frederike lächelte ein wenig verlegen. »Das ist ja nicht einmal gelogen.«

»Dünnes Eis.« Mrs. Potter gab wieder, was sie dachte. »Das ist aber ganz dünnes Eis.«

»Ich möchte einfach, dass sie das Fest ganz unbeschwert hinter sich bringen können.« Frederike erläuterte ihre Linie. »Sonst haben sie die ganze Zeit nur das Geld im Kopf und verderben womöglich noch das Spiel.«

»Und wann werden sie es erfahren?« Selma war mit der Argumentation einverstanden.

»Gleich Sonntag Nachmittag, wenn alles vorbei ist, wird Notar Schrumm es ihnen bekannt geben.« Marias Mutter berichtete von dem Besuch des Notars bei ihr. »Ich habe ihm diesen Termin vorgeschlagen, weil sie vorher noch mit dem Fest beschäftigt sind.«

»Das ist ein guter Plan.« Mrs. Potter revidierte ihre vorhin geäußerte Meinung.

»Jetzt lassen sie uns in die Kirche gehen.« Frederike stand auf. »Ich bin schon sehr gespannt, wie Maria vor dem Altar aussehen wird.« Sie lächelte verträumt.

* * *

»Nettes Outfit, so mit den Ketten.« Christine Wolkenberg war sehr erstaunt, als sie ihrer Schwester Leonie über den Weg lief. »Hast du endlich jemand gefunden, der dich gefangen hält?« Der Spott war deutlich in ihren Worten zu hören.

Leonie blieb der Mund offenstehen. »Wo kommt ihr denn auf einmal her?« Sie stand auf einmal ihrer Schwester mit ihrem Freund sowie ihren Eltern gegenüber.

»Du siehst gut aus, mein Schatz.« Leonies Mutter Anna Wolkenberg begrüßte ihre Tochter. »Du machst einen sehr glücklichen Eindruck.«

Leonie war immer noch sehr verwundert. »Was wollt ihr denn hier?«

»Wir freuen uns auch, dich wieder zu sehen.« Franz, der Mann von Anna, war ebenfalls recht erfreut, seine zweite Tochter gesund wieder zu sehen. »Frau Mohr hat uns von dir berichtet und dass du bei diesem Historienspiel mitmachen wirst. Deswegen sind wir hier.«

»Wir haben uns Hotelzimmer genommen und wollten dich besuchen.« Christine berichtete, dass Pauls Oma sie für den Abend eingeladen hatte. »Aber möchtest du uns nicht deinen Begleiter vorstellen?« Sie grinste wissend.

Leonie war auf einmal sehr verlegen. Sie blickte mit hochrotem Kopf zwischen ihrer Familie und Holger hin und her.

»Ich passe auf die Dienerin der Prinzessin Katerina auf.« Holger war ebenfalls etwas verlegen, trotzdem ließ er die Leine, an der er Leonie führte, nicht los.

»Das sind echte Ketten, wo sind die her?« Franz begutachtete Leonies Fesseln mit einem gewissen Kennerblick.

»Frau Mohr hat die für mich machen lassen.« Leonie berichtete mit leiser Stimme von ihrer so außergewöhnlichen Gastgeberin.

»Ja, sie hat uns berichtet, dass du bei ihr gefangen sein wolltest.« Anna strich ihrer Tochter über den Kopf. »War es schön?«

»Es ist schön.« Leonie blickte etwas schüchtern zu Holger, doch etwas Weitergehendes traute sie sich nicht zu sagen.

»Ich glaube, wir müssen weiter gehen.« Holger wollte nicht unhöflich sein, aber er sah, dass fast alle anderen Beteiligten des Festes schon am Kirchenportal waren.

»Wir sehen uns ja heute Abend bei Frau Mohr.« Franz blickte zu Holger. »Werden sie auch kommen?«

Holger zuckte mit den Achseln. »Sie hat mich nicht eingeladen.«

Leonie ahnte, dass sie jetzt ihre Chance nutzen musste. »Du kommst mit.« Sie blickte ihn bestimmt an.

»´Topping from the bottom´ ist böse.« Christine lachte. »Du bist immer noch die Alte.«

* * *

Die Pfarrerin Tanja Reger öffnete das große Kirchenportal und bat die Anwesenden in die Kirche. »Bitte kommen sie herein.«

Renate hatte wieder ihre Mappe in der Hand, als sie mit den Anderen vorn am Altar angekommen war. »Wir müssen vor allem besprechen, was wir dieses Jahr anders machen müssen.«

Doch die Pfarrerin musste passen. »Es ist mein erstes Katerinenfest.«

»Aber sie kannten sich doch aus.« Renate erinnerte sich an die Szenen vom Probenwochenende.

»Meine Vorgänger haben alles gut notiert.« Frau Reger berichtete, dass sie sich über die bisherigen Feste in den Archiven der Kirche informiert hatte.

»Es ist eigentlich wie eine normale Trauung.« Renate gab wieder, was sie aus ihren Unterlagen entnehmen konnte. »Nur dass die Braut nicht über ihre Arme verfügt.«

»Also ein normaler Gottesdienst mit einer Trauung. Ich habe mich schon etwas mit dem Fest befasst.« Die Pfarrerin lächelte. »Was müssen wir denn alles proben?«

»Die Ringszene sollten wir auf jeden Fall einmal durchspielen.« Renate blickte in ihre Unterlagen. »Es sollte jeder wissen, wo er sitzt und den Auszug aus der Kirche sollten wir auch noch proben.«

»Dann besprechen wir als erste die Sitzverteilung und machen dann den Auszug.« Pfarrerin Reger verfolgte einen bestimmten Plan. »Dann können wir die anderen schon nach Hause schicken.«



Die Verteilung der Plätze in der Kirche war schnell erledigt, und so konnte Renate vor die Gruppe treten und das weitere Programm bekannt geben. »Wir stellen uns jetzt für den Auszug auf und gehen mit Musik hinaus. Alle bis auf das Prinzenpaar und Doris sind dann fertig.«

Sie warf einen Blick auf die Barock-Pfeiffer, die sich ihren Platz gesucht hatten und jetzt auf ihren Einsatz warteten. Fritz signalisierte, dass die Musiker bereit waren.

Renate las aus ihrer Mappe die Reihenfolge des feierlichen Auszugs vor und bat die Anwesenden, sich entsprechend aufzustellen.

Als alle auf ihren Plätzen standen, gab sie der Musik das Zeichen. Unter feierlichen Klängen schritten die Schauspieler auf das Portal zu. Zwei Mitglieder aus der Wachmannschaft öffneten die Tore und die Gruppe betrat den Platz vor der Kirche.

Es hatte sich schon ein wenig herumgesprochen, dass Maria das Gebet tragen würde und so wurden sie jetzt schon von einigen Schaulustigen begrüßt, die bei Marias Erscheinen sofort in Applaus und Jubel ausbrachen.

»Ein kleiner Vorgeschmack auf Sonntag«, flüsterte Paul leise.

Maria seufzte leise.

Vor der Kirche würde am Sonntag die Kutsche stehen, mit der sie durch die Stadt fahren würden. Heute standen auf dem Vorplatz nur zwei Stühle auf einem Podest.

»Die Pferde fehlen.« Maria hatte ein Lächeln in der Stimme. »Soll ich Wildfire rufen?«

»Das wäre eine tolle Idee.« Paul musste ebenfalls schmunzeln. »Das würde einen gewaltigen Aufruhr geben.«

»Schau mal, wer das ist.« Maria blickte auf die Zuschauer, während sie sich auf ihren Stuhl setzte. »Winkst du mal für mich?«

Paul war Marias Blick gefolgt und hatte die Familie Wolkenberg ebenfalls entdeckt. Doch bevor er Marias Bitte nach kam, vergewisserte er sich, dass Renate gerade wegschaute. Das Winken gehörte an dieser Stelle nicht zum Spiel.



»Wir müssen jetzt nur noch die Ringszene proben.« Pfarrerin Reger blickte sich um, als die verbliebenen Darsteller wieder in der Kirche versammelt waren. »Wie habt ihr euch das gedacht?«

Renate legte ihre Mappe beiseite. »Doris steckt der Prinzessin den Ring zwischen ihre Finger, und Maria steckt ihn dann dem Prinzen an den Finger. So hatten wir uns das überlegt.«

Frau Reger blickte etwas unsicher zwischen Maria und Doris hin und her. »Mit den Ketten?« Es war ihr deutlich anzusehen, dass sie über Doris´ Erscheinung irritiert war.

»Am Sonntag wird sie keine Ketten tragen.« Theo antwortete schnell auf die gestellte Frage. Er wollte Nachfragen nach den Ketten vermeiden.

»Hier sind die Ringe.« Renate holte sie aus ihrer Jackentasche und reichte sie Doris und Paul.

»Wartet einmal.« Pfarrerin Reger hatte sich hinter Maria gestellt und brachtete ihre Arme. »Das geht doch so gar nicht.«

»Was geht nicht?« Renate schreckte auf. Hatte sie schon wieder etwas übersehen?

»Marias Hände sind doch gar nicht sichtbar.« Frau Reger blickte fasziniert auf die Ausbuchtung des Kleides. Von Marias Händen war wirklich nicht viel zu sehen.

»Doch, das geht.« Frederike kam hinter eine Säule hervor und ging zu ihrer Tochter.

»Mama, wo kommst du denn jetzt her?« Maria war mehr als verwundert.

»Aus dem Hintergrund.« Frederike lächelte geheimnisvoll. »Ich habe mit deiner Schneiderin noch ein paar Details ausgemacht, und ich bin sehr gespannt, ob sie es umsetzten konnte.« Sie griff am Halsansatz an das Kleid. »Hier sollte ein kurzer Reißverschluss eingearbeitet sein.« Sie wartete, bis auch Paul neben sie getreten war.

»Davon wussten wir nichts.« Er war ein wenig verlegen.

»Hier lässt sich das Kleid soweit öffnen, dass man an das Korsett heran kommt.« Sie ignorierte Pauls Einwand und öffnete das Kleid an der entsprechenden Stelle. »Und dort ist der gleiche Verschluss eingearbeitet.«

»Das hatten wir noch gar nicht entdeckt.« Das Paar war verwundert.

»Sonst würde das mit den Ringen doch gar nicht gehen.« Frederike öffnete auch das Korsett, dann strich sie ihrer Tochter über die Wange. »Jetzt probiert es einmal.«

Für Paul war es ein leichtes, den Ring über den Finger seiner Freundin zu streifen. Auch Doris hatte wenig Probleme, Maria den Ring zwischen die Finger zu stecken. Doch dann wurden sie von Renate unterbrochen. »So geht das nicht. Maria kann doch überhaupt nicht sehen, was sie macht.«

»Außerdem verliert es sehr an Würde.« Pfarrein Reger stimmte Renate zu. »Können wir dafür nicht eine andere Lösung finden?«

Maria hatte sich insgeheim über diesen Punkt auch schon ihre Gedanken gemacht. »Wie wäre es, wenn Doris den Ring gleich an Pauls Finger steckt?« Nachdem es nur ein Spiel war, bedeutete es ihr ohnehin nicht so viel.

»Man müsste das natürlich vorher erklären, aber es könnte gehen.« Die Pfarrerin war von Marias Idee angetan. »Wärst du damit einverstanden, Doris?«

»Dann müsste ich ja mit vor dem Altar stehen.« Doris dachte laut. »Wenn das in Ordnung wäre?«

»Ich denke, das ist eine gute Lösung.« Renate war erleichtert.

»Erst muss ich dir die Ketten abnehmen und dann steckst du einem fremden Mann den Ring an den Finger?« Theo war neben seine Verlobte getreten und hatte Mühe, sein ernstes Gesicht zu halten.

Doris blickte ihn verschrocken an. Sie wurde auf einmal sehr klein.

»Es sollte ein Scherz sein.« Theo nahm sie in den Arm. »Du wirst das ganz toll machen.«

»Du bist einverstanden?« Doris hatte den Einwand ihres Verlobten zunächst ernst genommen, doch jetzt war sie erleichtert. »Ich freue mich so.«

* * *

»Ich möchte mich auf jeden Fall noch einmal mit den beiden Brautleuten unterhalten.« Die Pfarrerin blickte kurz zu Paul und Maria. »Ich möchte wissen, was sie über das Historienspiel denken und ob sie die Realität vom Spiel unterscheiden können. Das wäre mir sehr wichtig.«

»Also so eine Art Traugespräch?« Paul erinnerte sich daran, dass Anna so etwas ähnliches erzählt hatte.

»Nicht direkt.« Pfarrerin Reger schien kurz nachzudenken. »Aber das möchte ich euch erklären, wenn wir allein sind.«

»Gern.« Maria ahnte auch, worum es gehen würde.

»Außerdem hätte ich noch eine ganz andere Bitte, aber die wäre ganz privat.« Ohne dass sie es wollte, wurde sie ein wenig rot dabei.



»Was wird sie wohl wollen?« Paul flüsterte, als er zusammen mit Maria auf dem Weg zum Pfarrhaus war.

»Na was wohl.« Maria gab sich gelassen. »Sie wird das Gebet sehen wollen.«

Insgeheim dachte er darüber nach, dass es ja immerhin das ´Gebet´ auf dem Rücken genannt wurde, und damit war ein gewisser religiöser Bezug gegeben. Doch er wagte nicht, dass zu äußern. »Du hältst es noch so lange aus?« Ausnahmsweise sorgte er sich mal nicht um Maria, sondern wollte nur vom Thema ablenken.

»Du nervst.« Maria äußerte ihre Meinung. »So lange trage ich es doch noch gar nicht.«

Die Bitte der Pfarrerin, dass sie das vermeintliche Traugespräch mit dem angelegten Gebet führen wollte, weil es für das Spiel wichtig wäre, war leicht zu durchschauen. Und doch hatte Maria kein Problem damit, Frau Reger diesen Wunsch zu erfüllen. Doch einen anderen Gedanken versuchte sie weit von sich weg zu schieben. Wie würde es wohl sein, wenn sie zu ihrem echten Traugespräch gehen würden?

* * *

»Weißt du, wo wir hingehen müssen zu dieser Nachbesprechung?« Maria ließ die Kirchentür los und ging neben Paul her.

»In den Ratskeller, so war es angesagt.« Paul war froh, dass er Maria endlich das Gebet hatte abnehmen dürfen. Sie hatte zwar keinerlei Anzeichen von Unbehagen gezeigt, doch sein Gefühl sagte ihm, dass es jetzt genug war.

»Weißt du, wo der ist?« Maria blickte sich um. So oft war sie noch nicht in dieser zentralen Gegend gewesen.

»Ich war mit meiner Oma ab und zu mal dort.« Paul zeigte in die Richtung. »Er ist im Keller vom Rathaus.«

»Wie der Name schon sagt.« Maria lächelte.

»Hast du gesehen, was das für ein billiger Schmuck war? Nur Plastik und nicht mal besonders hübsch.« Paul gab seine Gefühle wieder, während sie auf dem Weg zur Nachbesprechung waren.

»Du hast recht.« Maria stimmte ihm zu. »Das hat mir auch überhaupt nicht gefallen.«

»Ich habe eine Idee.« Paul war etwas zurückhaltend.. »Wenn du nichts dagegen hast, den Schmuck meiner Mutter zu tragen.«

»Das würdest du tun?« Maria war sehr gerührt. Bisher hatte sie noch nie nach den Eltern von Paul gefragt, und sie spürte, dass auch jetzt nicht die richtige Gelegenheit war. Das Angebot, den Schmuck der Mutter zu tragen, ließ vermuten, dass etwas Schmerzhaftes zutage treten würde. Und darauf konnte sie im Moment gut verzichten. Sie würde ihn später einmal zu seinen Eltern befragen.

»Sie hätte bestimmt nichts dagegen.« Paul ergriff Marias Hand. Den Rest des Weges bis zum Rathaus gingen sie schweigend.

Maria hätte liebend gern tausende von Fragen gestellt, doch sie ahnte, dass mit den Antworten bestimmt einige traurige Erinnerungen verbunden waren, und die wollte sie ihrem Freund jetzt ersparen. Später würde dafür sicher auch noch Zeit sein.

Denn natürlich wollte sie auch etwas über seine Eltern erfahren. In gewisser Weise waren sie auch darüber verbunden, denn auch Maria hatte ihren Vater kaum kennengelernt und war allein bei ihrer Mutter aufwachsen.

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  RE: Maria Datum:21.04.17 08:34 IP: gespeichert Moderator melden


Hallo gag_coll, vielen Dank für die wie immer klasse Fortsetzung. Ich bin schon auf die weitere Entwicklung gespannt. Noch ein schönes, erholsames Wochenende.
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