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hasenpups
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  Stefan und Jutta Datum:05.11.26 14:16 IP: gespeichert Moderator melden


Auf dem Foto vom letzten Sommer musste Jutta sich ein wenig vorbeugen, damit ihr Gesicht neben Stefans ins Bild passte. Sie hatte einen Arm um seine schmalen Schultern gelegt. Er hielt mit beiden Händen sein Glas und lächelte vorsichtig.

Jutta betrachtete das Bild, bevor sie das Handy mit dem Display nach unten auf den Küchentisch legte.

„Noch Kaffee?“, fragte Stefan.

„Gern.“

Er nahm ihre Tasse mit zur Arbeitsplatte. Mit seinen sechsundzwanzig Jahren war er fünfzehn Jahre jünger als sie. Er war ein Meter sechsundfünfzig groß, sehr schlank und blond. Neben Jutta, die mit ihren ein Meter neunundsiebzig und ihrer kräftigen Statur beinahe jeden Raum zu beherrschen schien, fiel das besonders auf.

Sie waren ein ungewöhnliches Paar. In ihrem Freundeskreis störte das niemanden. Dort gab es große Altersunterschiede, getrennte Wohnungen und Paare, deren Zusammenleben eigenen Regeln folgte. Bei gemeinsamen Abenden wurde selten danach gefragt, ob etwas normal war. Eher danach, ob es funktionierte.

Zwei Jahre lang hatte Jutta geglaubt, ihre Beziehung funktioniere.

Sie arbeitete bei einer Versicherung, sprach täglich mit Kunden und behielt auch bei schwierigen Gesprächen die Ruhe. Stefan hatte als Hilfsarbeiter in einem Lager gearbeitet. Nach Feierabend war er oft erschöpft gewesen und hatte sich gefreut, wenn sie bereits einen Plan für den Abend hatte.

Er war aufmerksam. Er merkte sich ihre Lieblingsgerichte und hörte zu, wenn sie von ihrer Arbeit erzählte. Wenn sie Kopfschmerzen hatte, stellte er das Radio leiser, ohne dass sie darum bitten musste.

Jutta mochte das alles an ihm. Trotzdem hatte sich ihr Blick auf ihn verändert.

Als er ihr die Tasse hinstellte, neigte er kurz den Kopf.

Ihr jüngerer Bruder hatte dieselbe Bewegung gemacht.

Der Gedanke überraschte sie inzwischen weniger als früher. Ihr Bruder war seit vielen Jahren tot. Stefan kannte ein paar Geschichten über ihn, mehr nicht. Von der Ähnlichkeit hatte sie ihm nie erzählt.

Schon bei ihrer ersten Begegnung war sie ihr aufgefallen: die hellen Haare, das schmale Gesicht, dieses kurze Zögern vor einer Antwort. Damals hatte sie es für eine zufällige Vertrautheit gehalten. In letzter Zeit fragte sie sich häufiger, welchen Anteil diese Vertrautheit daran gehabt hatte, dass sie Stefan so schnell in ihr Leben gelassen hatte.

Sie wusste es nicht. Solange sie selbst keine Antwort hatte, wollte sie ihm diesen Gedanken nicht aufbürden.

„Denkst du wieder über das Haus nach?“, fragte er.

Auf dem Tisch lag die Mappe vom Notar.

Mit dem Erbe waren ein großes Haus, ein weitläufiger Garten und genügend Geld gekommen, um ohne finanzielle Sorgen neu anzufangen. Jutta wollte einziehen. Sie stellte sich vor, auf der Terrasse zu frühstücken, Gäste einzuladen und nach der Arbeit durch die hohen, hellen Räume zu gehen.

Auch Stefan sollte dort leben. Nur ihre gemeinsame Zukunft stellte sie sich inzwischen anders vor als noch vor einem Jahr.

„Ja“, sagte sie. „Darüber möchte ich mit dir sprechen.“

Stefan setzte sich.

Seine Arbeit im Lager hatte er inzwischen aufgegeben. Als er die Kündigung abgab, hatte sich der bevorstehende Umzug für ihn nach einem gemeinsamen Neuanfang angefühlt. Nun fehlte ihm der feste Tagesablauf. Er merkte, wie häufig er darauf wartete, dass Jutta etwas vorschlug.

„Du willst doch, dass ich mitkomme?“, fragte er.

„Ja.“

Er atmete hörbar aus.

Jutta öffnete die Mappe, nahm aber kein Foto heraus.

„Ich möchte, dass wir als Freunde zusammenleben.“

Stefan betrachtete ihre Hände.

„Also getrennte Zimmer?“

„Ja. Jeder bekommt seinen eigenen Bereich.“

Sie ließ ihm Zeit, bevor sie weitersprach.

„Und ich möchte andere Männer kennenlernen. Mit ihnen ausgehen und vielleicht eine Beziehung haben. Dazu würde auch körperliche Nähe gehören.“

Stefan schwieg einen Moment.

„Aber ich soll bleiben.“

„Ich möchte dich in meinem Leben behalten. Ich bin gern mit dir zusammen, auch wenn ich mir unsere Partnerschaft so nicht mehr vorstelle.“

„Freunde“, wiederholte er.

„Ja. Wobei ich jede körperliche Nähe zwischen uns nicht ausschließen möchte“, ergänzte Jutta. „Ich kann mir vorstellen, weiterhin mit dir zu schlafen. Aber nur, wenn ich es selbst möchte.“

„Und wenn du gerade keine Lust hast?“

„Dann möchte ich nicht darüber diskutieren müssen. Genauso darfst du ablehnen, wenn du nicht möchtest.“

Stefan nickte langsam. Er hatte mit einer endgültigen Trennung gerechnet und versuchte nun zu verstehen, was sie ihm stattdessen anbot.

Jutta schob ihm ein Foto hinüber. Es zeigte ein helles Zimmer mit Blick in den Garten.

„Das hier hatte ich für dich gedacht. Daneben ist ein kleines Bad.“

Stefan nahm das Bild in beide Hände.

„Da würde mein Sessel hinpassen.“

„Und dein Radio auf die Fensterbank.“

Er nickte. Dann fragte er: „Was mache ich dort den ganzen Tag?“

„Wir könnten uns die Aufgaben im Haus teilen. Ich arbeite weiter bei der Versicherung. Du könntest Einkäufe übernehmen, etwas kochen oder dich um die Blumen kümmern. Wir schauen, was dir liegt.“

„Ich könnte mehr kochen lernen.“

„Gern.“

Er sah wieder auf das Bild. „Ich bin nur unsicher, wie das wird.“

„Das bin ich auch“, sagte Jutta.

Diese Antwort schien ihn mehr zu beruhigen als die Zusicherung, dass alles ganz einfach werden würde.

Eine Weile blätterten sie gemeinsam durch die Fotos. Stefan fragte nach dem Keller, dem nächsten Supermarkt und danach, ob der alte Gartentisch stehen bleiben sollte. Erst als Jutta die Mappe schließen wollte, hielt er sie auf.

„Eine Sache noch.“

Sie wartete.

„Den Keuschheitskäfig trage ich jetzt seit sechs Wochen. Was ist damit?“

Jutta ließ die Mappe offen liegen. Sie hatte diese Vereinbarung damals vorgeschlagen, und Stefan hatte zugestimmt. Nun, da sie ihr Zusammenleben neu ordneten, brauchte er auch darüber Klarheit.

„Ich würde unsere bisherige Vereinbarung gern fortsetzen“, sagte sie. „Ich wünsche mir, dass du außerhalb unserer gemeinsamen Intimität den Keuschheitskäfig trägst und nicht masturbierst. Ich bestimme, ob und wann du einen Orgasmus hast. Sei es mit mir oder wenn ich dir erlaube, dass du wichst. Ich könnte mir auch vorstellen, dass du mir zuschaust, wenn ich mit anderen Männern intim bin. Möglicherweise könntest du auch teilhaben, wenn du es möchtest und zur Belohnung quasi würde ich dir kurz deinen Keuschheitskäfig abnehmen.

Stefan blickte auf seine Tasse. Er hatte vermutet, dass sie das sagen würde. Trotzdem war es etwas anderes, ihren Wunsch ausdrücklich zu hören.

„Ist das eine Bedingung dafür, dass ich mitkommen darf?“

„Nein. Es ist mein Wunsch. Du sollst mir sagen, ob du ihn teilen möchtest.“

„Und wenn ich mich später anders entscheide?“

„Dann sprechen wir darüber. Dein Zimmer hängt nicht davon ab.“

Er dachte einen Moment nach.

„Ich möchte es vorerst weiterführen“, antwortete er schließlich. „Aber wir müssen darüber reden können, wenn es soweit ist. Ich weiß nicht, ob ich zum Beispiel zusehen möchte oder einen Blowjob erledigen könnte “

„Ja“, sagte Jutta. „Das gehört zu unserer Vereinbarung.“

Stefan strich eine Ecke des Fotos glatt. Anschließend legte er es vor sich auf den Tisch.

„Wenn du Besuch bekommst, sagst du mir vorher Bescheid?“

„Natürlich.“

„Dann kann ich entscheiden, ob ich mit euch esse oder lieber etwas für mich mache.“

„So machen wir es.“

Draußen fuhr ein Bus vorbei. Stefan sah zum Fenster und anschließend wieder auf das helle Zimmer. Zum ersten Mal begann er, sich darin mehr als nur ein Bett und seinen Sessel vorzustellen.

„Grüne Vorhänge wären schön.“

Jutta lächelte.

„Am Samstag nehmen wir ein Maßband mit.“

Stefan stand auf, holte einen Stift aus der Küchenschublade und schrieb auf die Rückseite eines Briefumschlags: Fenster ausmessen.

Darunter setzte er nach kurzem Überlegen: Platz für Bücherregal.
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