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eröffnet von Rainer123 am 27.05.26 09:42
letzter Beitrag von ChasHH am 27.05.26 17:55

1. Als Anna fragte

geschrieben von Rainer123 am 27.05.26 09:42

Hier mal der Anfang einer neuen Geschichte, die mir heute spontan im Kopf herumgegangen ist und die ich unbedingt mal aufschreiben wollte.

Ich habe aktuell noch keinen festen Plan, wie es weitergeht, und arbeite eigentlich parallel noch an „Nachbarin Tina“. Deshalb kann ich auch nicht sagen, wann oder ob es schnell weitergeht. Aber heute hatte ich einfach Lust, das hier zu schreiben — also dachte ich, ich poste den Anfang direkt mal.

Feedback ist gerne gesehen.
Auch Ideen oder Wünsche, in welche Richtung sich die Geschichte entwickeln könnte, interessieren mich sehr.


Teil 1

Das tiefe Schlagen der alten Standuhr hallte durch Annas Flur. Sieben Uhr. Punktgenau.

Der letzte Ton vibrierte noch schwach in den Wänden nach, als bereits die Klingel ertönte. Kurz, präzise, beinahe vorsichtig.

Anna musste unwillkürlich lächeln.

Dienstag. Freitag. Immer dieselbe Uhrzeit. Immer derselbe Ablauf.

Draußen hing feuchte Abendluft über der kleinen Wohnstraße. Der Regen hatte vor einer Stunde aufgehört, doch der Geruch von nassem Asphalt und kaltem Stein lag noch schwer in der Luft. Als Anna die Tür öffnete, stand Felix bereits dort, die Schultern leicht hochgezogen, den dunklen Mantelkragen gegen die Kälte aufgestellt.

Seine blonden Haare waren vom Wind zerzaust, feine Regentropfen glitzerten noch darin. Er wirkte angespannt. Nicht offensichtlich — niemand Fremdes hätte es bemerkt — aber Anna kannte inzwischen jede kleine Veränderung in seiner Haltung. Die Art, wie seine Finger sich kurz bewegten. Wie sein Blick immer zuerst auf ihre rechte Jackentasche fiel.

Er sagte nichts.

Nur dieses kleine, dankbare Lächeln erschien auf seinem Gesicht. Unsicher. Erwartungsvoll.

Normalerweise wäre das der Moment gewesen.

Anna hätte in ihre Tasche gegriffen, den kleinen silbernen Schlüssel hervorgeholt und ihn wortlos in seine offene Hand gelegt. Ein unscheinbares Ding. Glattes Metall, kaum länger als ihr kleiner Finger, befestigt an einem einfachen schwarzen Band.

Und jedes Mal hatte sie beobachten können, wie sich in Felix etwas entspannte, sobald das kalte Metall seine Haut berührte. Nur minimal. Ein kaum sichtbares Nachgeben in seinen Schultern. Ein Atemzug, der tiefer wurde.

Damals, vor acht Monaten, hatte sie seine Bitte seltsam gefunden.

Sie erinnerte sich noch genau an den Nachmittag im Café. Der Duft von Kaffee und Gebäck. Das nervöse Trommeln seiner Finger auf der Tasse. Und schließlich dieser Schlüssel, den er über den Tisch geschoben hatte.

„Ich brauche jemanden, der ihn für mich behält“, hatte er gesagt, bemüht locker zu klingen. „Zweimal die Woche gibst du ihn mir für exakt drei Stunden zurück. Keine Fragen.“

Anna hatte damals gelacht und ihn gefragt, ob er heimlich spielsüchtig sei.

Felix hatte ebenfalls gelacht — etwas zu schnell.

„Eher eine Art… Selbstkontrolle“, hatte er erklärt. „Wenn ich ständig Zugriff habe, übertreibe ich es. Aber komplett darauf verzichten will ich auch nicht. Das hier ist mein Mittelweg.“

Sie hatte das nachvollziehbar gefunden. Menschen bauten sich ständig irgendwelche Systeme, um ihre schlechten Gewohnheiten im Zaum zu halten. Bildschirmzeiten. Alkoholpausen. Fitnesspläne.

Warum also nicht ein Schlüssel?

Doch heute blieb ihre Hand in der Tasche.

„Hey, Felix.“

Ihre Stimme durchschnitt die Stille zwischen ihnen.

Sofort hob sich sein Blick. Irritation flackerte über sein Gesicht. Die Routine war unterbrochen worden.

„Kann ich dich etwas fragen?“

Für den Bruchteil einer Sekunde wurde er blass.

„…Was denn?“

Anna zog langsam ihr Handy hervor. Ihr Herz schlug schneller, als sie das Display entsperrte. Sie wusste selbst nicht genau, warum sie nervös war. Vielleicht, weil sie ahnte, dass dieser Moment etwas verändern würde.

Sie drehte das Display zu ihm.

Das Bild zeigte einen Keuschheitskäfig aus Plastik. Daneben lag ein kleiner Schlüssel.

Exakt derselbe Schlüssel.

Felix erstarrte. Sein Atem stockte hörbar, und plötzlich wirkte die kühle Abendluft zwischen ihnen dichter, schwerer. Seine Finger zuckten leicht, als hätte sein Körper noch immer erwartet, dass sie ihm den Schlüssel gleich geben würde.

Anna spürte ein seltsames Ziehen im Bauch.

„Also…“, sagte sie leise. „Es geht nicht um Glücksspiel.“

Felix schluckte sichtbar.

„Nein… ich… also… ich kann das erklären.“

Seine Stimme brach beinahe beim letzten Wort.

Anna betrachtete ihn einige Sekunden schweigend. All die kleinen Merkwürdigkeiten der letzten Monate ergaben plötzlich Sinn. Seine Nervosität. Die Genauigkeit seiner Zeiten. Seine fast panische Reaktion, wenn sie einmal fünf Minuten zu spät gewesen war.

Und seltsamerweise empfand sie keinen Ekel. Keine Abwehr.

Nur Neugier. Vielleicht sogar ein kleines Prickeln.

„Felix“, sagte sie schließlich ruhiger, „du musst dich nicht rechtfertigen.“

Er blinzelte überrascht.

„Es ist okay für mich.“

Ein Moment verging.

Dann noch einer.

„Warte… wirklich?“

Sie hob leicht eine Augenbraue.

„Du trägst also ein Keuschheitsding. Na und?“

Felix atmete aus, als hätte man ihm ein Gewicht von der Brust genommen. Er fuhr sich nervös durchs Haar und lachte leise auf — halb erleichtert, halb völlig überfordert.

„Oh Gott… du hast keine Ahnung, wie viel Angst ich davor hatte.“

Anna konnte sich ein kleines Grinsen nicht verkneifen.

„Tja. Jetzt, wo die Katze aus dem Sack ist…“

Sie lehnte sich gegen den Türrahmen und verschränkte die Arme.

„…stellt sich die Frage, ob wir das Ganze überhaupt noch genauso weitermachen.“

Felix runzelte verwirrt die Stirn.

„Wie meinst du das?“

Anna bemerkte überrascht, wie sehr ihr seine Nervosität gefiel.

Nicht aus Grausamkeit.

Es war eher dieses Gefühl, plötzlich etwas in der Hand zu haben. Einfluss. Vertrauen. Kontrolle über einen Teil von ihm, den sonst niemand sehen durfte.

„Vielleicht“, sagte sie langsam, „spielen wir ab jetzt nach meinen Regeln.“

Felix starrte sie an.

„Deinen Regeln?“

Seine Stimme war leiser geworden.

Anna zuckte mit den Schultern, als wäre es nur ein beiläufiger Gedanke, obwohl ihr Puls schneller schlug.

„Zum Beispiel könnte ich entscheiden, wann du aufgeschlossen wirst.“

Felix’ Augen weiteten sich sofort.

Und genau in diesem Augenblick verstand Anna etwas Entscheidendes:

Der Gedanke erschreckte ihn.

Und er wollte es trotzdem.

Vielleicht gerade deswegen.

„Das wäre…“, begann er heiser, „eine ziemlich große Veränderung.“

„Nur wenn du das willst.“

Sie meinte es ehrlich. Trotz des Spiels, trotz der Spannung wollte sie ihn nicht drängen. Aber sie konnte nicht leugnen, dass die Idee sie faszinierte.

Felix senkte kurz den Blick. Anna ahnte, wie sehr seine Gedanken und Gefühle in ihm arbeiteten. Nervosität. Scham. Hoffnung.

Dann nickte er langsam.

„Ja“, sagte er schließlich. „Okay.“

Ein warmes, echtes Lächeln breitete sich auf Annas Gesicht aus.

„Gut.“

Sie trat einen Schritt zur Seite, ließ ihn eintreten und schloss die Tür hinter ihm. Sofort umfing sie beide die Wärme des Hauses. In der Luft lag der Geruch von Kaffee, Holz und der Zimmerpflanzen.

Felix zog seinen Mantel aus, etwas unbeholfen, als wäre er sich plötzlich seines ganzen Körpers zu bewusst.

Anna führte ihn ins Wohnzimmer. Das weiche Licht der Stehlampe tauchte den Raum in goldene Wärme, während draußen der Wind gegen die Fenster strich.

Felix setzte sich auf die Couch, aber er konnte nicht ruhig sitzen. Seine Hände waren ständig in Bewegung. Sie spielten mit den Fingern.

Anna nahm gegenüber Platz und hob ihre Kaffeetasse an.

„Dann erzähl.“

Felix atmete tief durch.

„Keuschhaltung war… nicht der Anfang.“

Anna beobachtete aufmerksam, wie seine Wangen langsam rot wurden.

„Sondern?“

Er zögerte lange genug, dass sie beinahe glaubte, er würde es doch nicht aussprechen.

„Ich habe Fantasien“, murmelte er schließlich. „Darüber… weiblicher zu sein.“

Anna legte den Kopf leicht schief.

„Weiblicher?“

Felix nickte hastig.

„Kleider. Schminke manchmal. Bestimmte Rollenbilder.“ Er zwang sich weiterzureden. „Ich… mag den Gedanken, eine Sissy zu sein.“

Das Wort hing einen Moment zwischen ihnen.

Anna hätte erwartet, irritiert zu sein. Stattdessen versuchte sie lediglich, das Bild neu zusammenzusetzen.

Felix wirkte plötzlich verletzlich auf eine Weise, die sie noch nie bei ihm gesehen hatte.

„Und die Keuschhaltung gehört dazu?“

„Ja.“

Seine Stimme war kaum mehr als ein Flüstern.

„Es verstärkt das Gefühl. Kontrolliert zu sein. Unterwürfig zu sein.“

Anna nahm einen langsamen Schluck Kaffee.

Interessant.

Nicht nur der Inhalt des Geständnisses faszinierte sie, sondern die Intensität seiner Gefühle dabei. Die Scham. Die Erleichterung. Dieses fast verzweifelte Bedürfnis, verstanden zu werden.

„Wie oft machst du das?“

Felix starrte auf seine Hände.

„Früher ständig, wenn ich allein war.“ Er lachte nervös. „Bevor du den Schlüssel hattest, habe ich praktisch jeden Tag masturbiert. Irgendwann war es nur noch Gewohnheit. Nichts Besonderes mehr.“

Anna nickte langsam.

Jetzt verstand sie sein ursprüngliches System viel besser.

Es ging nie nur um Selbstdisziplin.

Es ging darum, Grenzen zu brauchen.

Vielleicht sogar jemanden, der sie setzte.

„Dann war es wahrscheinlich die richtige Entscheidung, dass ich den Schlüssel bekommen habe“, sagte sie ruhig.

Felix hob vorsichtig den Blick.

„Vielleicht.“

Anna spürte erneut dieses aufregende Kribbeln in ihrer Brust.

„Vielleicht“, sagte sie langsam, „sollte ich die Kontrolle tatsächlich übernehmen.“

Sein Atem stockte erneut.

„Du… würdest das wirklich wollen?“

Sie lächelte leicht.

„Ich kenne mich damit nicht aus. Aber ehrlich gesagt,“ Sie stellte ihre Tasse ab. „es klingt ziemlich spannend.“

Felix wirkte, als könnte er noch immer nicht glauben, dass sie ihn nicht verurteilte.

„Und… was jetzt?“

Anna lehnte sich zurück und musterte ihn.

„Zuerst“, sagte sie, „will ich sehen, was du normalerweise machst, wenn du den Schlüssel bekommst.“

Sofort wurde Felix wieder rot.

„Oh.“

Anna grinste.

„Wir fahren zu dir.“

Einige Sekunden sagte er nichts.

Dann nickte er langsam.

„…Okay.“

Er stand auf, etwas zu hastig, beinahe unsicher auf den Beinen.

Anna folgte ihm zur Tür.

Während sie ihren Mantel anzog, bemerkte sie überrascht, wie aufgeregt sie selbst geworden war. Sie hatte sich nie für dominant gehalten. Nie geglaubt, Freude daran zu empfinden, Macht über jemanden auszuüben.

Aber irgendetwas an Felix’ Nervosität, an seinem Vertrauen, an dieser vorsichtigen Dynamik zwischen ihnen, zog sie unwiderstehlich hinein.

Draußen war die Luft kühl und roch nach Regen.

Anna unterdrückte ein Grinsen.
2. RE: Als Anna fragte

geschrieben von Rainer123 am 27.05.26 13:24

Teil 2

Die Fahrt zu Felix’ Wohnung verlief deutlich ruhiger, als Anna erwartet hatte.

Das monotone Rauschen der Reifen auf dem noch feuchten Asphalt erfüllte immer wieder die Stille zwischen ihnen. Draußen spiegelten sich die gelblichen Straßenlaternen in den nassen Straßen, zerzogen vom Regen zu langen, flimmernden Lichtstreifen. Der Scheibenwischer bewegte sich in gleichmäßigem Takt über die Windschutzscheibe, obwohl es längst aufgehört hatte zu regnen.

Felix saß neben ihr auf dem Beifahrersitz, die Hände ineinander verschränkt, den Blick meist auf die vorbeiziehenden Häuser gerichtet. Er wirkte angespannt — aber nicht panisch. Nicht unglücklich.

Eher wie jemand, der begriffen hatte, dass gerade etwas begonnen hatte, das sich nicht mehr vollständig zurückdrehen ließ.

Und seltsamerweise ging es Anna genauso.

Vor wenigen Stunden war Felix einfach nur der etwas zurückhaltende Freund gewesen, der ihr zweimal pro Woche einen Schlüssel anvertraute.

Jetzt saß er neben ihr im Auto, und sie fragte sich ernsthaft, wie er wohl in Kleidern aussehen würde.

Allein der Gedanke ließ ein warmes Kribbeln durch ihren Bauch ziehen.

Als sie vor seinem Wohnhaus hielten, blieb Felix einen kurzen Moment regungslos sitzen, bevor er ausstieg. Anna bemerkte sofort das leichte Zögern in seinen Bewegungen.

Im Treppenhaus roch es nach kaltem Stein, Staub und irgendwo entfernt nach frisch gekochtem Essen. Die Neonbeleuchtung summte leise über ihnen.

„Du musst das übrigens nicht machen“, sagte Anna ruhig, während sie die Stufen hinaufgingen.

Felix warf ihr einen kurzen Blick zu.

„Ich weiß.“

Seine Stimme klang ehrlich. Ruhig.

„Ich glaube nur… ich muss herausfinden, wie viel davon ich wirklich will.“

Anna nickte langsam.

Das gefiel ihr.

Nicht seine Unsicherheit.

Sondern dass er sie daran teilhaben ließ.

Seine Wohnung war klein, ordentlich und überraschend gemütlich. Nichts wirkte chaotisch oder improvisiert. Eine warme Stehlampe tauchte das Wohnzimmer in sanftes Licht, irgendwo stand noch eine halbleere Kaffeetasse, und in der Luft lag der Geruch von Waschmittel, Kaffee und etwas Süßem — vielleicht Vanille.

Anna zog ihre Schuhe aus und sah sich neugierig um, während Felix sichtbar versuchte, seine Nervosität unter Kontrolle zu halten.

„Also“, sagte sie schließlich und lehnte sich leicht gegen den Türrahmen des Schlafzimmers. „Zeigst du mir jetzt deine Sachen?“

Sofort färbten sich Felix’ Wangen rot.

Für einen kurzen Moment dachte Anna, sie wäre vielleicht zu weit gegangen. Doch dann nickte er langsam.

Er trat an den Kleiderschrank, öffnete ihn zögerlich und zog eine mittelgroße Aufbewahrungsbox hervor. Allein die vorsichtige Art, wie er sie festhielt, verriet Anna, wie persönlich das alles für ihn war.

Er stellte die Box auf das Bett.

Anna trat näher.

Oben lagen sauber gefaltete Kleidungsstücke. Weiche Stoffe. Feine Strümpfe. Schlichte Oberteile. Ein dunkler Rock.

Nichts daran wirkte lächerlich.

Nur verletzlich.

Felix stand neben ihr, die Hände angespannt ineinander verschränkt.

„Du kannst ehrlich sein“, murmelte er leise. „Falls es seltsam aussieht.“

Anna hob langsam eines der Oberteile an. Der Stoff fühlte sich weich zwischen ihren Fingern an.

„Tut es aber nicht.“

Und sie meinte es ehrlich.

Während sie weiter durch die Kleidung ging, blieb ihr Blick plötzlich an etwas Schwarz-Weißem hängen.

Rüschen.

Eine kleine weiße Schürze.

Anna hob überrascht eine Augenbraue.

„Okay“, sagte sie langsam grinsend. „Damit habe ich jetzt wirklich nicht gerechnet.“

Felix stöhnte leise auf und vergrub das Gesicht in beiden Händen.

„Oh Gott… das ist so peinlich.“

Anna lachte leise.

Nicht spöttisch.

Eher überrascht davon, wie unfassbar niedlich seine Reaktion war.

Sie hob das Maid-Outfit leicht an und betrachtete es genauer.

„Weißt du“, sagte sie nachdenklich, „eigentlich könnte dir das sogar ziemlich gut stehen.“

Felix blinzelte verwirrt zwischen ihr und dem Outfit hin und her.

„Gut stehen?“

„Mhm.“

Anna legte den Kopf leicht schief.

„Vielleicht solltest du das irgendwann mal mitbringen.“

Ein kleines Grinsen huschte über ihr Gesicht.

„Dann kannst du darin meine Wohnung putzen.“

Felix starrte sie mehrere Sekunden sprachlos an.

Und Anna konnte praktisch dabei zusehen, wie sein Gehirn verzweifelt versuchte zu verarbeiten, dass sie das gerade wirklich gesagt hatte.

„Du meinst das ernst“, brachte er schließlich heiser hervor.

„Vielleicht.“

Sie genoss seine Reaktion auf dieses eine Wort deutlich mehr, als sie sollte.

Danach wurde es wieder ruhiger.

Anna begann langsam einige Kleidungsstücke auszuwählen. Nichts Übertriebenes. Ein schlichtes dunkles Kleid. Weiche Strümpfe. Dezente Unterwäsche.

Immer wieder bemerkte sie dabei Felix’ Blick auf ihren Händen.

Darauf, was sie auswählte.

Was sie zurücklegte.

Und was nicht.

Schließlich hielt sie ihm die Sachen entgegen.

„Zieh dich um.“

Sofort spannte sich sein Körper wieder leicht an.

Anna bemerkte es sofort.

„Ich warte draußen“, ergänzte sie deshalb ruhiger.

Die Erleichterung in seinem Gesicht war klein, aber eindeutig.

„Danke“, sagte er leise.

Anna schloss die Schlafzimmertür hinter sich und lehnte sich danach langsam gegen die Wand im Flur.

Ihr Herz schlug schneller, als sie erwartet hatte.

Nicht nur wegen Felix.

Sondern wegen sich selbst.

Weil sie spürte, wie natürlich sich das alles plötzlich anfühlte. Wie selbstverständlich sie angefangen hatte, Entscheidungen für ihn zu treffen. Ihn zu lenken. Seine Nervosität mit wenigen Worten zu beeinflussen.

Und sie konnte nicht leugnen, wie sehr sie dieses Gefühl faszinierte.

Nach einigen Minuten öffnete sich die Tür vorsichtig wieder.

Felix trat heraus.

Und blieb sofort unsicher stehen.

Anna sagte zunächst nichts.

Das dunkle Kleid schmiegte sich überraschend weich an seinen Körper. Die dunkle Farbe ließ seine hellen Haare noch blasser wirken. Die Strümpfe betonten seine schmalen Beine, und obwohl seine Nervosität fast greifbar war, lag gleichzeitig etwas Erleichtertes in seinem Gesicht.

Als dürfte ein Teil von ihm endlich sichtbar sein.

„Wow“, sagte Anna leise.

Felix wurde augenblicklich rot.

„Lach bitte nicht.“

„Ich lache nicht.“

Und tatsächlich konnte sie den Blick kaum von ihm lösen.

Nicht weil er perfekt feminin aussah.

Sondern weil er echt wirkte.

Verletzlich. Nervös. Hoffend.

Und unglaublich aufmerksam gegenüber jeder einzelnen ihrer Reaktionen.

Anna trat langsam näher.

„Du siehst hübsch aus“, sagte sie ruhig.

Felix schluckte sichtbar.

Für einen kurzen Moment sagte keiner von ihnen etwas.

Dann griff Anna langsam in ihre Jackentasche.

Sofort wanderte Felix’ Blick zu ihrer Hand.

Sie zog den kleinen silbernen Schlüssel hervor und hielt ihn locker zwischen zwei Fingern.

„Möchtest du ein bisschen Erleichterung?“, fragte sie leise.

Felix’ Atem stockte hörbar.

Wieder spürte Anna dieses warme Ziehen tief in ihrem Bauch.

Nicht wegen des Schlüssels selbst.

Sondern wegen der Wirkung, die sie inzwischen auf ihn hatte.

Sie ging an ihm vorbei und legte den Schlüssel auf den Badezimmerwaschtisch.

„Fünfzehn Minuten“, sagte sie ruhig.

Felix nickte langsam.

Fast ehrfürchtig.

Dann verschwand er wortlos im Badezimmer.

Als die Tür hinter ihm ins Schloss fiel, setzte Anna sich langsam auf die Couch im Wohnzimmer.

Draußen strich der Wind gegen die Fenster.

Während sie wartete, dachte sie über den Abend nach. Über Felix’ Nervosität. Sein Vertrauen. Diese beinahe verzweifelte Dankbarkeit in seinen Augen, als sie ihn nicht abgestoßen hatte.

Aber sie dachte auch über sich selbst nach.

Über dieses unerwartete Kribbeln in ihrer Brust. Über die aufregende Wärme, die sie gespürt hatte, als er ihren Anweisungen gefolgt war. Über diese intensive Faszination für eine Form von Kontrolle, nach der sie nie bewusst gesucht hatte.

Ihre Gedanken wurden erst unterbrochen, als sich die Badezimmertür wieder öffnete.

Felix trat heraus.

Das Kleid trug er noch immer, doch Anna erkannte sofort, dass etwas anders war. Seine Haltung war lockerer geworden. Sein Gesicht ruhiger. Die Wangen noch leicht gerötet, aber nicht mehr vor Nervosität.

„Fertig?“, fragte Anna leise.

Felix nickte.

„Dann komm her.“

Langsam trat er näher.

Anna streckte ihre Hand aus.

„Der Schlüssel.“

Wortlos legte Felix den kleinen silbernen Schlüssel zurück in ihre Handfläche.

Anna schloss die Finger darum und steckte ihn anschließend ruhig zurück in ihre Jackentasche.

„Setz dich zu mir“, sagte sie sanft.

Felix setzte sich neben sie auf die Couch.

„Und jetzt erzähl mir alles, was ich über deine Keuschhaltung wissen muss.“

Felix holte tief Luft.

Dann begann er zu erklären.

Anna hörte aufmerksam zu, während er von seinen Gewohnheiten erzählte. Von seinen Routinen. Davon, wie er den Käfig reinigte, wie lange er ihn normalerweise trug und was er dabei empfand.

Ab und zu stellte sie eine Frage oder nickte langsam.

Meistens beobachtete sie ihn einfach nur.

Seine Nervosität war deutlich schwächer geworden. An ihre Stelle trat vorsichtige Erleichterung. Das beinahe verzweifelte Bedürfnis, verstanden zu werden.

Als er geendet hatte, nickte Anna langsam.

„Ich glaube, ich habe eine Idee“, sagte sie.

Sofort sah Felix sie aufmerksam an.

„Welche?“

Anna lehnte sich leicht zu ihm.

„Kannst du mir zeigen, dass dein Käfig verschlossen ist?“

Felix schluckte sichtbar.

Dann nickte er langsam.

Anna beobachtete schweigend, wie er den Stoff des Kleides leicht anhob und ihr den kleinen Kunststoffkäfig zeigte.

Sie nickte ruhig.

„Gut.“

Einen Moment zögerte sie.

„Darf ich ihn anfassen?“

Felix hielt kurz den Atem an.

Dann nickte er erneut.

Anna streckte vorsichtig die Hand aus und ließ ihre Fingerspitzen sanft über das Plastik gleiten.

Felix sog scharf die Luft ein.

Sie zog ihre Hand wieder zurück.

„Danke“, sagte sie ruhig.

Felix atmete tief aus.

Anna streckte sich leicht und blickte kurz zur Uhr.

„Es wird spät“, sagte sie beiläufig. „Ich sollte dich langsam zurückfahren, damit du dein Auto holen kannst. Zieh dich wieder um.“

Felix zögerte kurz.

Dann nickte er.

„Okay.“

Anna lächelte leicht.

„Gut.“

Wenig später kam Felix wieder in seinen normalen Sachen aus dem Schlafzimmer.

Anna stand auf und griff nach ihrem Mantel.

„Dann los.“

Die Rückfahrt verlief stiller als zuvor.

Doch diesmal fühlte sich die Stille anders an.

Wärmer.

Dichter.

Als sie wieder vor ihrer Wohnung hielten, blieb Felix kurz unsicher sitzen.

„Also…“, begann er vorsichtig. „Bis zu unserem normalen nächsten Termin?“

Anna legte den Kopf leicht schief.

„Ja“, sagte sie ruhig. „Aber bring das Maid-Outfit mit.“

Felix starrte sie mehrere Sekunden schweigend an.

Dann nickte er langsam.

„Okay.“

Anna lächelte.

„Gut.“

Felix stieg aus dem Wagen.

Anna sah ihm noch nach, wie er zu seinem eigenen Auto ging.

Und tief in ihrem Inneren wusste sie bereits, dass sich heute etwas zwischen ihnen verändert hatte.
3. RE: Als Anna fragte

geschrieben von ChasHH am 27.05.26 17:55

Vielversprechender, süßer Anfang, der Appetit auf mehr macht.
Annas Toleranz ist bemerkenswert.


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