Restriktive Foren

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eröffnet von herman am 09.03.15 19:08
letzter Beitrag von pardofelis am 06.04.15 22:46

1. Eine neue Welt - der Abschlußball

geschrieben von herman am 09.03.15 19:08

Ich freue mich, daß Ihr gerne die ganze Geschichte von NiT am Stück übersetzt hättet - aber dazu reichen im Moment weder meine Zeit noch mein Enthusiasmus. Und außerdem nimmt die Geschichte zu Beginn nur sehr langsam Fahrt auf...

Darum gibt es jetzt einen neuen Ausschnitt, so schnell ich tippen kann:

Eine neue Welt – der Abschlußball

Dieser Teil kommt aus New in Town 11.

Zur Vorgeschichte: In den früheren Teilen gab es ein Attentat und eine Entführung von Sherri - ihr Vater war das eigentliche Ziel. Er hat als Richter einen großen Anteil an den momentan geltenden Frauengesetzen – kämpft aber darum, Auswüchse zu beschränken, langfristig die Gesellschaft wieder zu normalisieren.
Um Sherri in Sicherheit zu wissen, falls ihm etwas zustößt, schickt er sie wieder zurück in die Finishing School, die sie schon einmal absolviert hat.
Er bedrängt John, die Vormundschaft für Sherri zu übernehmen, damit er sie sicher weiß.
John muß mehrere Voraussetzungen dafür erfüllen, bevor das Schuljahr zu Ende geht – sonst verlängert sich der Vertrag automatisch um ein Schuljahr.
Bis hierher hatte er kaum Gelegenheit, mit Sherri allein zu sein und mit ihr zu reden.
Der hier geschilderte Abschlussball ist einer der romantischsten Teile von NiT, darum gefällt er mir sehr – und hier konnte ich auch eine Menge eigener Ideen einbringen.
Hauptautor ist aber nach wie vor jkreeg.
Oh, und bevor es wieder mit Plagiatsvorwürfen losgeht:
Für die Ballszene der Auswahl der maskierten Damen ist klares Vorbild Marias Traum in Karl Kollars ´Maria’, obwohl die Handschellen beim Tanz von mir sind.
Lange, bevor Karl hier zu posten begann, gab es da auch eine Querverbindung…
Ririka ist eine von Sherris Lehrerin, und sie hat versucht, mit John zu flirten, und ihn für sich zu gewinnen – jedoch erfolglos.
Damit müsstet ihr genug wissen, um hoffentlich den folgenden Teil zu genießen.

-Herman.

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Das Taxi setzte John in der Nähe des Haupttors von St. Sybil’s ab. Ein Wächter dirigierte es in einen abgetrennten Bereich, und es fuhr schnell davon, nachdem John ausgestiegen war. John fühlte sich immer noch ein wenig unsicher in seinem neuen Frack, jedoch schon weniger, als er die anderen Gentlemen beobachtete, die in der Nähe des Tores standen. Er freute sich darauf, endlich mit Sherri zusammen zu sein, und fand, dass er es tatsächlich genoß, sich für diese Gelegenheit schick angezogen zu haben. Er dachte, er sei früh gekommen, und nach seiner Uhr war auch noch eine Menge Zeit bis zum offiziellen Beginn des Balls. So dachte er zumindest, bis er die lange Schlange vor ihm sah. Alle Altersstufen schienen vertreten, und er war ein wenig überrascht, Frauen und Mädchen in der Schlange zu sehen – wahrscheinlich Familienmitglieder der Studentinnen. Alle standen Schlange vor dem Tor. Als er sich dem Ende der Schlange näherte, bemerkte er einen leutselig aussehenden Mann mittleren Alters, wie alle Männer hier in einem Pinguin-Anzug, wie der Frack nach Johns Erinnerung auch genannt wurde; nur er ragte mit seiner dunkelroten Fliege etwas aus der Menge.
Er hatte ein deutlich englisches Aussehen, wie das Klischee eines Oxford-Gelehrten, und seine entspannte Haltung, selbst in seinem schicken Anzug, ließ ihn leicht zugänglich aussehen.
“Entschuldigen sie. Ich bin hier für den St. Sybil’s-Abschlußball. Muß ich hier anstehen, nur um hineinzukommen?” fragte John, als sie gleichzeitig das Ende der Schlange erreichten.
“In der Tat, alter Junge. Es lässt sich nicht vermeiden,” sagte der Mann unbeschwert; sogar sein Akzent paßte zu seinem Erscheinungsbild. “Nach den letzten Militantetten-Aktivitäten werden die Identitäten der Gäste doppelt überprüft und mit der Gästeliste verglichen. Selbst wir armen alten männlichen Fakultätsmitglieder, die nicht das Privileg haben, auf dem Campus zu leben, müssen diese Prozedur über uns ergehen lassen, obwohl wir hier jeden Tag lehren,” sagte er mit nur einem leichten Anflug von Verzweiflung.
“Ist das nicht ein wenig lächerlich?”
“Unglücklicherweise gibt es kaum eine Wahl. Bitte stehen sie doch mit mir zusammen an, und leisten sie mir Gesellschaft, während wir die Security ihre Arbeit tun lassen. Oh, darf ich mich vorstellen? Ich bin Professor James Pickering, Lehrer für Englisch und Literatur.” Irgendwie schaffte es der Lehrer, in einem reinen liebenswürdigen Oxfordakzent zu reden, ohne es im Geringsten versnobt klingen zu lassen.
“Erfreut sie kennen zu lernen. Ich bin John Scott, kürzlicher Dschungel-Abbrecher, und hoffentlich künftiger selbständiger Forscher,” sagte John, der schon zuvor darüber nachgedacht hatte, wie er sich selbst scherzend vorstellen konnte.
Das Lächeln dieses Mannes und seine überaus fröhliche Haltung waren ansteckend, und John bemerkte, dass er ein viel ehrlicheres Lächeln auf seinem eigenen Gesicht hatte, als er sich für lange Zeit zurückerinnern konnte.
Dieser Knabe schien tatsächlich aus einer anderen Welt kommen – genau wie ich, dachte John, und sein neuer Bekannter gefiel ihm auf Anhieb.
“John Scott? Nicht DER John Scott? Derjeneige, der eine unsere Studentinnen vor den Militantetten gerettet hat? Fräulein – äh, Fräulein Sherri Schneider, wenn ich mich nicht irre? Ja, ich erinnere mich, dass ich sie nach dem Prozeß im Fernsehen gesehen habe …”
“Ja, ich fürchte schon. Tut mir leid,” sagte John, dem seine Bekanntheit immer noch unangenehm war.
“Aber das muß ihnen doch nicht leid tun! Es ist mir eine Freude, sie kennen zu lernen, und ihnen persönlich und im Namen meiner Kollegen für ihre Rettung zu danken!”
“Also kennen sie Fräulein Schneider?”
“Wie könnte ich nicht. Sie ist eine unserer gescheitesten Studentinnen, und ein absolutes Sprachgenie.” Pickering gestikulierte mit großen Handbewegungen.
“Und was noch mehr ist, sie ist sogar eine exzellente Lehrerin für unsere jüngeren Mädchen – wir ließen sie mehrfach in St. Agnes’ aushelfen, der Mädchen-Hishschool, die mit St. Sybil’s, verbunden ist. Wir bekamen tatsächlich Ärger mit den jungen Damen, als wir sie ihnen nicht so oft schicken konnten, wie sie es verlangten – sie scheinen sie wirklich zu lieben. Sie haben uns fast einen Aufruhr verursacht, oder so nahe daran, wie es St. Agnes’s Mädchen tun würden.”
John nickte. Er erinnerte sich daran, wie er versucht hatte Sherri zu besuchen, sie aber nicht treffen durfte, dafür aber mitansehen konnte, wie sie eine Französisch-Stunde in der Mittelschule gab. “Unglücklicherweise ist Fräulein Schneider auch eine unserer rebellischsten Studentinnen, und bekommt regelmäßig Ärger, wenn sie mit den neuen Regeln nicht mehr zurande kommt, obwohl sie sich meistens gut anzupassen scheint.
Es bricht mir wirklich das Herz, daß wir die Mädchen heute unter solch strengen Bedingungen halten müssen. In den alten Tagen hätte Fräulein Schneider alles werden können, was sie nur wollte, aber jetzt… Können sie sich vorstellen, wie es ist, Literatur eines nun vergangenen Zeitalters mit klugen und intelligenten jungen Damen zu diskutieren, die unter solchen Einschränkungen gehalten werden, daß es viktorianische Frauen so befreit wie die Flower-Power-Generation erscheinen läßt? Das Leben von Männern und insbesondere von Frauen zu diskutieren, die ein freies Leben hatten, wie sie nie eine Chance haben werden, eines zu haben? Alles was ich tun kann, ist, es zu versuchen, und einen kleinen sicheren Hafen für Träume zu schaffen, und ein zeitweiliges Entkommen von ihren restriktiven Leben heute…,“ sagte der Professor mit echter Sorge in seiner Stimme.
“Das ist eine ziemlich großzügige Sichtweise, Professor. Ich habe in letzter Zeit nicht mehr so viel Sorge um die weibliche Bevölkerung gehört. Ich habe die letzten zehn Jahre hauptsächlich im südamerikanischen Dschungel verbracht, und ich versuche immer noch herauszufinden wie diese neue Gesellschaft funktioniert. Jeder scheint sich ziemlich daran gewöhnt zu haben.”
“Leider viel zu wahr.” Der Professor nickte traurig. “Bitte nennen sie mich James – John, wenn ich darf?” John nickte zustimmend.

“Ähm, können sie mir etwas erklären? – Während meiner wenigen Besuche bei St. Sybil’s, außer an den Toren, habe ich nur Frauen als Lehrerinnen, Wächter, Aufseher gesehen, oder wie immer sie genannt werden. Ich bin überrascht, daß es auch männliche Lehrer gibt?”
James seufzte. “Dieses College hat sich zu einem etwas seltsamen Ort entwickelt. Sie wissen, daß es hauptsächlich als eine Finishing School gesehen wird. So fing es vor über einem Jahrhundert an. Über die Jahre entwickelte es sich zu einem hervorragenden Frauen-College, das es mit den besten Männer – und koedukativen Institutionen aufnehmen konnte. Aber jetzt, obwohl wir auch versuchen, reguläre College-Fächer zu unterrichten, ist es zu seiner Hauptaufgabe zurückgekehrt, das heißt, jungen Damen richtiges, gesellschaftlich akzeptiertes Benehmen beizubringen.
So seltsam es klingen mag, obwohl die meisten Frauen heute ein restriktives Leben führen, und man denken könnte, daß sie zu einem gewissen Grad zusammenhalten würden, so scheint es, daß nur eine Frau wirklich streng mit anderen Frauen sein kann. Wir Männer, so erfahren wir als Lehrer sein mögen, sind offenbar einfach zu nachgiebig, wenn wir mit der weiblichen List von reizenden jungen Damen konfrontiert werden. Obwohl es die meisten der weiblichen Lehrer und der Gouvernanten wirklich gut mit ihren Schutzbefohlenen meinen, gibt es einige, die diese abgeschlossenen Welt für ihre eine und einzige Chance halten, Macht über andere Leute auszuüben – in diesem Fall über Mädchen - wie es in der Außenwelt niemals erlaubt wäre. Einige von ihnen wären sicherlich auch in der alten Schulwelt gefürchtet gewesen. Aber, um die Ehre meiner weiblichen Kollegen zu verteidigen, muß ich sagen daß die meisten diesen Drang sehr gut kontrollieren, und die Mädchen meistens gut behandeln. Streng, aber fair.
Und lassen sie mich ihnen sagen, in dieser Welt ein männlicher Lehrer zu sein ist nicht immer einfach. Besonders wenn man sich heimlich in eine Kollegin verliebt hat, und es sie nicht wissen lassen darf…
…so eine hübsche Frau, die einzige Asiatin, die wir zur Zeit haben… ”
Die Stimme des Professors erstarb langsam, wobei er einen leicht verträumten, schmachtenden Ausdruck in den Augen bekam.

“Die einzige Asiatin? Sie müssen dann Schwester Ririka meinen, oder?”
“Ja in der Tat, wie konnten sie das wissen? Haben sie sie schon einmal kennen gelernt?” fragte James mit einer seltsamen Mischung von Aufregung, Sorge, Verlegenheit, und nur einem Hauch von Eifersucht.
“Ja, sie hat mich zu einem Meerjungfrauen-Schwimmwettbewerb begleitet, wo ich Sherri teilnehmen sah. Es scheint doch wenigstens einige neue Aktivitäten zu geben, die den Damen Spaß machen.”
“Oh ja, die Meerjungfrauen-Kostüme und Wettbewerbe sind erst nach der Verschwörung entstanden. Es gibt einen richtigen Konkurrenzkampf zwischen den Schulen, und die Mädchen können einigen Dampf ablassen, nachdem sie sonst gezwungen sind, die meiste Zeit so viel Selbstbeschränkung zu üben, entschuldigen sie das Wortspiel. War ihnen Schwester Ririka eine gute Gesellschaft?” fragte der Professor,mit einem fast flehenden Ton in der Stimme.
“Sie war sehr freundlich, wenn ich darüber nachdenke, sie versuchte sogar, etwas zu flirten,” sagte John. Als er den leicht gequälten Ausdruck auf dem Gesicht des Professors sah, fügte er schnell hinzu: “aber ich bin mir sicher, daß sie nur wollte, daß ich mich wohlfühlte. Schließlich war es ja völlig klar, daß ich wegen Sherri da war.”

Der Professor schien angesichts dieser Worte etwas erleichtert, und John fragte sich, wie viele verliebte Freunde er nach John und Frank noch finden würde, und wie sie wohl in dieser seltsamen Gesellschaft ihren Weg finden würden.
“Wünschen sie mir Glück. Ich hoffe, Glück zu haben und Schwester Ririka zu wählen, wenn der Tanz beginnt. Wenn ich genug Glück habe, sie zu erkennen, kann ich vielleicht für die zweite Hälfte des Abends ihr Kavalier sein, und gewinne etwas Zeit mit ihr zusammen.”
“Warten Sie, Ich glaube, hier entgeht mir etwas. Ich kann ihr Interesse an Schwester Ririka verstehen, aber warum brauchen sie Glück, um sie zu erkennen?”

“Was? Hat ihnen den niemand erklärt, wie diese Festlichkeit hier funktioniert?”
“Nein, Ich hatte nur erwartet zu tanzen, in der Hoffnung, Sherri zu sehen und mit ihr zu tanzen, und endlich Gelegenheit zu bekommen, mit ihr zu reden. In dieser Beziehung hatten wir in letzter Zeit nicht viel Glück.”
“Nun, St. Sybil’s Mädchen werden dazu erzogen, in jeder Situation die perfekte Dame zu sein, und im Allgemeinen gehorsam gegenüber Männern zu sein. Um zu beweisen, daß sie jede gesellschaftliche Situation meistern können, egal wem gegenüber oder mit wem, kommen sie alle gleich angezogen in den Ballsaal, tragen Masken und Schleier, mit einem von diesen Knebeln darunter. Sie werden in einem Kreis im Ballsaal stehen und dabei nach außen blicken. Wenn die Gentlemen vorbeilaufen, werden sie für jeden einzelnen knicksen. Alles, was sie tun können, ist etwas tiefer zu knicksen für jemanden, mit dem sie gerne tanzen würden, doch die Wahl obliegt dem Gentleman.
Es wird von ihnen erwartet, mindestens fünf Tänze mit verschiedenen Damen zu absolvieren und ihre Tanzkarten zu signieren, bevor sie ihre Dame für die erste Hälfte des Abends erwählen und in Besitz nehmen.”
“Und wie mache ich das?”
“Oh, die haben ihnen ja gar nichts erklärt. Was für ein Glück, daß wir uns getroffen haben. Wenn sie das Gebäude betreten – das heißt, wenn diese Schlange sich nicht bis in alle Ewigkeit hinzieht, und wir irgendwann einmal den Eingang erreichen – dann bekommen sie ein Paar Handschellen, oder genauer gesagt, eine Schelle des Paares um ihre linkes Handgelenk geschlossen. Wenn sie ihre Dame erwählen, dann schließen sie die andere Schelle um ihr rechtes Handgelenk, und nehmen sie so in Besitz. Die Schellen haben ein Drehgelenk an den Kettenenden, und so können sie immer noch mit ihr tanzen und sie sogar drehen lassen, nur müssen sie dann auf ihrer falschen, auf ihrer rechten Seite am Tisch sitzen. Erst wenn sie erwählt worden ist, darf die Dame ihre Maske, ihren Schleier und ihren Knebel entfernen, und den Gentleman für die erste Hälfte des Abends unterhalten. Die Handschellen können nur von einem Mitglied des Personals geöffnet werden, bevor sie sich etwa nach der Hälfte des Abends zurückziehen, um sich in ihre eigenen, individuellen Abendkleider umzuziehen. So wird natürlich jedes Mädchen versuchen, einen Gentleman mit nicht-verbalen Mitteln zu locken, um erwählt zu werden.”
“Das bedeutet also, wenn ich das falsche Mädchen auswähle, dann sitze ich mit ihr fest?”
“Aber sie ebenso. Dann müssen beide das Beste aus der Situation machen und in gegenseitiger Gesellschaft höflich miteinander umgehen. Schließlich sind dies alle St. Sybil’s-Mädchen, und es gibt keine schlechte Wahl unter ihnen.
Das ist übrigens ein Teil der Abschlußprüfung für die Mädchen.
Aber sie bekommen eine Entschädigung: Nach der ersten Hälfte des Abends – zwei Stunden oder so – wird das Personal die Handschellen öffnen, und die Mädchen ziehen sich zurück, jede, um das Abendkleid anzuziehen, das sie für sich selbst ausgesucht hat. Wenn sie das zweite Mal hereinkommen, werden sie weder Schleier noch Knebel tragen, und dieses Mal tragen die Mädchen die verschlossene Hälfte der Handschellen. Sie können es sich aussuchen, von ihrer Familie oder ihrem zugewiesenen Partner abgeholt zu werden, wenn sie einen haben, und bei ihnen sitzen, oder sie können das Angebot jedes geeigneten Gentleman annehmen oder ablehnen, sich mit ihm für den Rest des Abends zusammenzuschließen. Also wird es trotz aller Fesseln und aller Unterdrückung der Frauen heute die Frau sein, die schließlich ihren Partner erwählt. Ist das nicht eine Verdrehung?
Diejenigen Gentlemen, die keinen zugewiesenen Partner haben, müssen hoffen, daß sie ihre vorige Wahl genügend während der ersten Hälfte des Abends bezirzt haben, daß das Mädchen sie dafür bei der zweiten Runde ihrerseits erwählt.
Wünschen sie mir Glück. Ich tue das gleiche für sie!”

2. RE: Eine neue Welt - der Abschlußball

geschrieben von Dark Marvin am 09.03.15 20:45

Vielen Dank für die viele Arbeit. Die Geschichte ist wirklich spannend und gut geschrieben.
Habe am Wochenende mal probehalber den ersten Teil auf englisch gelesen. Konnte der Handlung problemlos folgen. Dummerweise kenne ich aber die meisten Worte für die Klammoten von Sherri nicht und hab daher nur den halben Lesegenuss gehabt.

Also bitte: unbedingt weiterschreiben und übersetzen.

Was ich spanned fände, wäre Sherris Sicht auf ihre gefesselte Lage. Kannst du da ein Kapitel empfehlen?

P.S. Bist du beruflich Übersetzer? Du bist schneller mit übersetzen, als viele Autoren mit Schreiben.
3. RE: Eine neue Welt - der Abschlußball

geschrieben von herman am 10.03.15 00:18

Hallo Marvin,

danke für die Mail!
Ich habe heute darüber nachgedacht, und vielleicht werde ich tatsächlich später anfangen, von Anfang an zu übersetzen.
Vorher möchte ich aber noch ein paar schöne Highlights herauspicken, die auch allein stehen können.
Wie schon gesagt: Solange die Grippewelle tobt, fahre ich Auto statt Zug, und da fehlt mir die Zeit im Zug zum Tippen.

Die ersten Kapitel (an denen ich nur als Editor mitgewirkt habe) hat jkreeg strikt aus Sicht von John geschrieben. Parallel zu Kapitel 8 gibt es im Downloadbereich der CC-Gruppe ein File namens ´Sherri´s POV´ (point of view), das aus ihrer Sicht geschrieben ist.
Erst ab Kapitel 10 (ab da habe ich auch selbst aktiv mitgeschrieben) wechselt öfter mal der Standpunkt.

Und nein, ich bin nicht Übersetzer von Beruf, aber ich muß im Beruf fließend zwischen Englisch und Deutsch hin- und herwechseln, das fällt mir mittlerweile leicht. Und da es ja die englische Vorlage schon gibt, ist das Übersetzen tatsächlich schneller als der kreative Akt des Schreibens!
Aber ich danke für das Kompliment.

Das online-Lexikon leo_org ist übrigens ziemlich gut, auch für exotische Begriffe.

Beste Grüße

Herman
4. RE: Eine neue Welt - der Abschlußball

geschrieben von M.J. am 10.03.15 16:46

Hallo herman!

Bewunderns- und bedankenswert, daß Du dir die viele Arbeit machst!

"Die neue Welt" scheint sich ja wirklich sehr interessant zu entwickeln. Jedes gute Buch und jede gute Geschichte hat ihre Längen. Ist völlig in Ordnung, so können die Fantasiebilder und Gedanken des Lesers zu der Geschichte wenigstens wieder geordnet werden.

Ich habe bisher immer die Leute belächelt, die im Zug sitzen und die Laptop-Tastatur malträtieren. Tue ich ab heute nicht mehr!
Ehrenwort!
5. RE: Eine neue Welt - der Abschlußball

geschrieben von herman am 12.03.15 11:20

Es hat ein Bißchen gedauert, Zeit für den nächsten Teil zu finden, aber dafür ist er auch sehr lang - das ließ sich nicht sinnvoll unterteilen.
Die Konditionierung oder das ´Control File Conditioning´ werde ich als nächstes nach dem Ball übersetzen.

-Herman.

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An diesem Punkt mußte ihre Unterhaltung enden, da sie die weitgeschwungenen aus schwerem Eisen geschmiedeten Tore des Haupteingangs von St. Sybil’s erreicht hatten. Sie wurden zu einem Fußgänger-Eingang gewiesen, der in eine der massiven Steinsäulen eingelassen war, die den linken Torflügel hielt. John konnte sehen, daß die Auffahrt durch ein großes Zelt blockiert wurde, das über die Straße gebaut worden war. Die Gäste wurden einer nach dem anderen durch das Tor gewiesen, und hinter dem Tor sah John den Grund für die Verzögerung. Jeder Gast mußte durch einen Metalldetektor gehen, und kleine persönliche Gegenstände wurden mit einer Röntgenanlage durchleuchtet wie auf einem Flughafen. St. Sybil’s nahm seine Sicherheitsvorkehrungen ernst. Die Schlange von Gästen war hinter John noch gewachsen, und der Professor hatte den Metalldetektor problemlos passiert. Wie John befürchtet hatte, hatte er nicht so viel Glück. Der Detektor gab ein diskretes, aber deutliches Piepen von sich, und der Wächter winkte John zur Seite in einen abgetrennten Bereich. Gerade als John dem Wächter die Situation erklären wollte, kam in anderer Mann hinter die Trennwand. ”Ich übernehme,“ sagte er dem Wächter. Der Mann trug eine viel eindrucksvollere Paradeuniform, und eine hellgoldene Marke mit dem St. Sybil’s Logo. “Herr Scott, Ich bin Captain Vergil, Chef der Sicherheit für St. Sybil’s. Schwester Elizabeth hat mich vorgewarnt, daß sie die Metalldetektoren auslösen könnten. Ich versichere ihnen, daß die Sicherheit all unserer Gäste unsere erste Sorge ist, also würden sie bitte alle Waffen abgeben, die sie bei sich tragen mögen.” Captain Vergil zeigte auf einen kleinen Tisch an der Seite des Raums. Nachdem es sein wichtigstes Anliegen war, Sherri zu sehen, schnallte John das Messer von seinem rechten Knöchel ab und legte es auf den Tisch. Der Captain betrachtete John und das Messer für einen Moment.
“Genießen sie den Ball heute Abend, Herr Scott,” sagte er mit einem Lächeln, und winkte ihn zurück in die Schlange.

John ging weiter in das angenehmerweise geheizte Zelt, wo Tische als Empfang aufgestellt worden waren. Vier männliche Sicherheitswächter standen im Hintergrund und wachten über die Gäste und drei Mädchen in was John nun als die St. Sybil’s Hausuniform betrachtete, die die Ausweispapiere mit der Gästeliste verglichen und abhakten, und dann eine Handschelle um den linken Arm der Gentlemen schlossen und ihnen ihre Karten mit ihrer zugewiesenen Tischnummer reichten. Als er sah, wie die Handschellen angelegt wurden, wandten sich Johns Gedanken kurz zu Susan, und während er einen warmen Gedanken an sie sandte, nahm er unauffällig das Ziertaschentuch aus seiner Brusttasche, tupfte sich die Stirn und stopfte es dann scheinbar gedankenverloren in seinen linken Ärmel, wie es so viele Frauen oft taten, und zog den Ärmel zu seiner Hand herunter. Als er an der Reihe war, die Handschellen angeschlossen zu bekommen, drückte das bereits gestresste Mädchen die Schelle unachtsam um seinen gestopften Ärmel zusammen anstatt direkt um sein Handgelenk. So unschuldig wie er konnte, verließ John das unaufmerksame Mädchen, das schon den nächsten Gast in der immer noch langen Schlange bediente.

Noch mehr geknebelte Mädchen in voller St. Sybil’s-Uniform fungierten als Platzanweiser und begleiteten die Gentlemen oder die Familien von den Zelten zu den wartenden Pferdekutschen, die die Gäste zu dem eine halbe Meile entfernten Gebäude mit dem Ballsaal brachten, wo noch weitere uniformierte Mädchen die Gäste zu ihren Tischen geleiteten.

John war ein wenig enttäuscht, als er herausfand, daß er nicht zusammen mit Professor Pickering sitzen würde, aber sie vereinbarten sich wieder zu treffen, wenn der offiziellen Teil der Feier mit seiner strengen Sitzordnung vorüber war. John wurde zu einem großen runden Tisch geleitet und wurde zu einem älteren Ehepaar und zwei Mädchen von vielleicht zwölf und dreizehn gesetzt.
Der Mann und seine Frau stellten sich höflich als Mark und Elisabeth Browning vor, und dann ihre Enkelinnen Sara und Charlotte. Die beiden Mädchen erhoben sich höflich und knicksten für John, bevor sie sich wieder setzten, doch sie sagten kein Wort. Beide trugen stolz lange rote Satin-Abendkleider sowie Abendsandalen mit fünf Zentimeter hohen Absätzen. Rote Stoffstreifen hielten ihre Oberarme an ihre Seiten, und beide trugen Knebelspangen mit Straßsteinen über ihren offensichtlich lächelnden Mündern. Bei näherem Hinsehen sah John, dass die Bänder weitgehend elastisch waren und ihnen so viel Freiheit gaben, dass sie überhaupt nicht eingeschränkt wurden, und damit lediglich der Zierde dienten. Die Knebel, stellte er fest, waren nicht verschlossen oder anderweitig befestigt, sie bedeckten nur leicht ihre Gesichter wie Haarreife, obwohl eine kleine Zunge in ihre Münder reichte und von ihnen festgehalten wurde, indem sie darauf bissen, und selbst die kleinen roten Pelz-Muffe, in denen sie ständig ihre Hände zu halten versuchten, schränkten sie in keinster Weise ein, wie John bemerkte, als eine von ihnen geistesabwesend eine Hand herauszog, um sich zu kratzen, während sie versuchte, unauffällig mit ihrer Schwester zu flüstern, mit einem leichten Lispeln, das durch die Plastikzunge in ihrem Mund hervorgerufen wurde.
Aber im Allgemeinen hielten beide Mädchen ihre Arme steif an ihren Seiten, ihre Hände in ihren Muffs, und ihre Münder auf ihre Knebel geklammert. Ihre Großmutter erklärte John mit einem Lächeln dass sie ihre ältere Schwester so bewunderten und geradezu anbeteten, die nun ihren Abschluß machen sollte, und sie versuchten, sich so erwachsen zu verhalten wie ihr geliebtes Vorbild. Obwohl keine von ihnen im Moment auf St. Sybil’s Schwester-Grundschule St. Maura’s ging, würden beide auf die Schwester-Highschool St. Agnes’ gehen wenn sie ein Bisschen älter wären, bekam er erklärt. John konnte die Gesichter der Mädchen bei der Ankündigung ihrer Großmutter aufleuchten sehen.
Damit wurden die Lichter dunkler, und Scheinwerfer erhellten eine kleine Bühne, wo sechs Männer saßen, und Schwester Elizabeth an einem Mikrofon stand.
Nachdem sie die allseitige Aufmerksamkeit erlangt hatte, begrüßte sie die Gäste zum einhundertsechzehnten Debütantinnenball von St. Sybil’s. Dann stellte sie das Direktorium vor. John wunderte sich über die drei leeren Stühle zu seiner Linken, aber dann erinnerte er sich an die Handschellen an seinem Handgelenk. Zwei weitere Stühle waren offenbar für die ältere Schwester und ihren Partner bestimmt, der jedoch noch nicht erschienen war.

Manche Leute liebten einfach den Klang ihrer eigenen Stimmen, entschied John als fast jedes Mitglied des Direktoriums die Gelegenheit ergriff, seine eigene ach so wichtige Willkommensrede zu halten. John erwachte ein wenig aus dem Dämmerzustand, den schon der erste Redner über das ganze Publikum auszubreiten schien, als er bemerkte, daß die zwei jungen Mädchen an seinem Tisch begannen sich zu langweilen, und obwohl sie versuchten die Fassade aufrecht zu erhalten, daß sie von ihren eleganten Kleidern gefesselt waren, wurde schnell deutlich, dass es Kinderkleidung war, da sie sich an den Händen hielten und leise miteinander flüsterten, wobei sie ihre Zierknebel kaum im Mund behielten.
Ihre Großmutter warf ihnen einen warnenden Blick zu, als sie ein wenig zu lebhaft wurden, aber sie ließ sie miteinander flüstern und spielen.

Ein Mann vom Nachbartisch rückte seinen Stuhl zu ihm heran und bewahrte John davor, die nächste Rede anhören zu müssen. “Entschuldigen sie, sie sind Herr Scott, nicht wahr?” Als John nickte, fuhr er fort.
“Ich bin Marvin Meven, der Chefpsychologe hier bei St. Sybil’s, ” sprach der Mann mit diskreter Stimme weiter.
“Ich frage mich, ob ich einen Moment ihrer Zeit beanspruchen kann. Wenn das hier wie in den letzten paar Jahren läuft, dann werden die Reden unglücklicherweise noch einige Zeit weitergehen. Glauben sie mir, sie werden nichts Wichtiges verpassen.
John sah ihn fragend an, nickte jedoch zustimmend, froh um jede Entschuldigung, das Gequassel von der Bühne ignorieren zu können.
“Lassen sie uns unsere Stühle einfach ein wenig bis zur Wand zurückschieben. Ihr Name tauchte in Verbindung mit Fräulein Schneider in mehreren Unterhaltungen auf, die ich kürzlich hatte, und als ich sie nun sah, da dachte ich, wir sollten uns ein wenig unterhalten. Ich wurde nicht falsch informiert, oder? Sie haben ein Interesse an Fräulein Schneider?”
John begann den Mund zu öffnen um etwas zu sagen, aber Dr. Meven hielt seine Hand hoch und sagte “Sie haben meine vollste Billigung, wenn es das ist, was ihnen Sorgen macht, und ich wünsche ihnen alles Glück der Welt. Aber ich dachte, ich könnte ein paar Einsichten und Informationen mit ihnen teilen, die sich als hilfreich für sie beide erweisen könnten. Nein, bitte sagen sie nichts, hören sie mir nur zu. Es ist keine Antwort nötig.”
John schloss seinen Mund wieder und dachte an Professor Estness. Er fragte sich, ob er eine weitere Lehrstunde erhalten sollte, wie er sein Leben leben sollte.
“Schauen wir einmal, wo wir anfangen sollen. Wissen sie, ich hatte das alles geplant,” sagte Dr. Meven, und schob seine Brille wieder hoch.
“Wir beobachten unsere Mädchen hier in St. Sybil’s genau. Seit der ‘Verschwörung’ haben sich die Dinge für sie drastisch verändert, und wir versuchen ihnen zu helfen, mit ihren reduzierten Freiheiten zurecht zu kommen so gut wir können. Sehen sie, Fräulein Sherri Schneider ist ein sehr starker und unabhängiger Charakter, und gleichzeitig hochintelligent. In den alten Tagen wäre sie schnell eine Lehrerin geworden, oder eine Geschäftsfrau, oder sogar eine einflußreiche Politikerin, wirklich alles, was sie nur sein wollte. Aber unglücklicherweise sind diese Tage vergangen, und sie werden wohl nicht so bald zurückkommen. Fräulein Schneider ist einfach voll von angestauter, ungenutzer Energie, die sie sehr rebellisch gegen die momentan herrschenden Umstände dieser Gesellschaft macht.
Dies alles bringt sie viel zu oft in unsere Aufmerksamkeit.
Die Aufgabe einer Finishing School, besonders so einer wie St. Sybil’s, war es immer, jungen Damen die richtigen Umgangsformen beizubringen, Haltung, Stil und Anmut, aber sie können sich vorstellen, daß unsere Aufgabe heute noch viel schwieriger geworden ist. Die momentane Gesellschaft gibt den Damen wenig Gelegenheit, ihre Talente voll erblühen zu lassen, erst recht nicht, einflußreiche Stellungen zu erreichen und das zu tun, was die meisten wichtige Arbeit nennen würden. Umso schlimmer droht das momentane politische Klima, sich in Richtung von noch mehr Unterdrückung von Frauen zu entwickeln, und daher gibt es keinen Platz für rebellisches Benehmen außerhalb von diesen Mauern, in der sogenannten ‘wirklichen’ Welt.
Ich bin nun schon seit Jahren der Hauspsychologe von St. Sybil’s und kümmere mich um die Mädchen in allen drei Schulen, schon seit der Zeit vor der ‘Verschwörung’, aber jetzt hat jede Schule ihren eigenen Psychologen, und ich habe noch mehrere zusätzliche Festangestellte, die mir bei der Arbeit helfen. Unnötig zu sagen, daß all der Druck auf diese jungen Frauen sich deutlich zeigt, und wir versuchen, die geistige Gesundheit der Mädchen genauso wie ihre körperliche zu überwachen. Bei einem Mädchen, oder einer Frau, die so… unabhängig und selbständig wie Fräulein Schneider ist, nun, lassen sie uns einfach sagen, dass sie oft meine Aufmerksamkeit erregt.
Ich weiß aus meinen Akten, daß sie Fräulein Schneider geholfen haben, ihr Control File Conditioning zu bestehen, aber ich weiß aus meinem Gespräch mit Sidney Eastman, unserem Berater von Mansom Training, dass sie den Prozeß offenbar nicht guthießen.
Bitte glauben sie mir, wenn ich ihnen sage, daß wir keine Wahl haben, wenn wir solche Konditionierungsmethoden anwenden. Wir werden natürlich per Gesetz dazu gezwungen, dies bei allen Klasse 1- und den meisten Klasse 2-Mädchen zu tun, und wir müssen einfach einige Verhaltensmuster in unseren Studenten installieren, um sie zu beschützen und ihnen zu helfen, in der Außenwelt zu überleben, wie sie zur Zeit nun einmal ist, selbst wenn wir die Methoden nicht mögen, die wir anwenden müssen.
Sie haben die Alternative gesehen, als sie Fräulein Schneider von der Erziehungsanstalt abgeholt haben, wohin sie für die Zeit zwischen ihrer Entführung und der Anhörung vor Gericht geschickt worden war. Vielleicht wissen sie nicht, was dort vorgeht, und ehrlich gesagt wissen das nur wenige, aber glauben sie mir wenn ich ihnen sage, daß Control File Conditioning im Vergleich mehr als zahm ist. Wir müssen einfach akzeptieren, daß wir den Geist unserer Studentinnen verbiegen müssen, um sie davor zu bewahren, von anderen gebrochen zu werden. Die meisten unserer Studentinnen nehmen dies kleine Verbiegen oder Konditionieren recht gut an, aber ich muß zugeben, daß Fräulein Schneider ein ganz besonderer Fall ist.
Wie viele hochintelligente Individuen sucht sie ihren Platz in dieser Welt, und auch einen wirklichen Partner, einen, der nicht nur ihr Kamerad sein muß, sondern ihr starkes Gegenstück, ein wahrer Gefährte, und, obwohl das zu sehr nach ‘Establishment’ und zu sexistisch klingt, so trifft das doch auf die meisten Frauen zu, und ganz besonders auf Fräulein Schneider, ein Beschützer. Sie wird oft auskeilen um ihre eigenen und Ihre Grenzen auszutesten, aber sie wird wollen, daß sie stärker sind als sie, sie an die Kandare nehmen und auf ihren Platz verweisen. Für all ihre Intelligenz ist sie immer noch ihrer selbst unsicher, und daher auch anderer, und braucht häufige Bestätigungen, daß sie geliebt und beschützt wird. Durch dieses Auskeilen und durch Ihre strenge Kontrolle wird sie wissen, daß sie stark genug sind, daß sie sich auf sie verlassen und sich auf sie stützen kann, und dass sie ihnen wirklich etwas bedeutet – das wird ihr Test für Ihre Liebe sein. Es wird einen starken und besonderen Mann brauchen, der imstande ist, sie unter Kontrolle zu halten, ohne so überheblich zu sein, ihr die Freiheiten vorzuenthalten, die sie ersehnt und braucht, um zu leben.

Wenn dies noch die alte Welt wäre, hätte Fräulein Schneider mit so ziemlich jedem Mann leben können, den sie sich aussuchen könnte, und hätte glücklich als die dominante Hälfte der Beziehung leben können. Nun würde das schnell das Ende ihrer Freiheiten und wahrscheinlich ihres Lebens bedeuten, und sehr wahrscheinlich auch das Ende ihres Gefährten.
Seien sie sich bewußt, wenn sie eines Tages zusammen leben werden – was ich sehr hoffe – dann werden sie der direkte Vertreter von oder zumindest die direkte Verbindung zu der Gesellschaft sein, die sie zwingt, ein streng kontrolliertes und unterwürfiges Leben zu führen, weil Sie für sie verantwortlich sein werden. Und sie wird sie unglücklicherweise dafür hassen. Das ist heute unvermeidlich, und es ist das, was geschehen muß, damit sie beide überleben können.
Sie müssen daher eine sehr delikate Balance finden, sie einerseits zu dominieren, aber andererseits ihr die Freiheit zu geben, die sie braucht, um die Frau zu sein, die sie sein muß. Sie werden sie kontrollieren müssen wenn nötig, sie in Fesseln halten und ein nach außen sichtbares Leben führen, das für diese Gesellschaft akzeptabel ist, und ihr so viel Freiheit und Unabhängigkeit wie nur möglich geben, wenn sie allein zusammen sind.
Nachdem ich sie beobachtet habe, glaube ich, daß sie ihre feminine Kleidung tatsächlich liebt, und wie sie aussieht und sich fühlt, wenn mit ihren Korsetts und High Heels aufgemacht ist. Ja, sie fühlt sich in ihren Fesseln sogar sicher, solange sie weiß, dass es jemand anderen gibt, auf den sie sich verlassen kann, sie zu beschützen, wenn sie es nicht selbst tun kann.
Ich glaube, die hohe Punktzahl, die sie bei ihrer letzten Konditionierung erreicht hat, ist ein gutes Zeichen, daß sie das verstehen, egal ob bewußt oder unbewußt.
Und sie müssen eine Herausforderung für sie finden. Geben sie ihr Verantwortung, und sei es nur, um sie von den Begrenzungen der heutigen Gesellschaft abzulenken. Wenn sie ein freier Forscher sein wollen, wie mir meine kurze Unterhaltung mit Professor Pickering nahelegt, dann beteiligen Sie sie an ihrer Arbeit, mit den allerschwierigsten Forschungsaufgaben, aber es wäre am Besten, wenn sie das vor der Welt verbergen, da die Gesellschaft dies vielleicht nicht verstehen wird.

Oh, und ich habe noch einen Vorschlag, wenn ich schon einmal hochtrabende Reden schwinge. Sie haben schon bemerkt, dass sie langsam ein Bisschen alt wird, um eine Studentin hier in St. Sybil’s zu sein. Normalerweise verlassen uns die Studentinnen in einem deutlich jüngeren Alter, aber gelegentlich müssen wir Zuhause und sicherer Hafen sein für Töchter von Leuten, die ein gefährdetes Leben führen, wie Politiker oder Geschäftsleute, die über ihre Töchter angegriffen werden könnten. Sie müssen zugeben, daß ihr das ja schon passiert ist. Aber Fräulein Schneider ist in mehreren Fächern schon mehr bewandt als die meisten unserer Lehrer, und wir haben sie gelegentlich als Ersatzlehrerein an St. Maura’s und St. Agnes’ ausgeliehen. Sie genießt es zu lehren, hat eine gute Art, ihr Wissen weiter zu vermitteln, und ganz ehrlich, die jüngeren Schülerinnen lieben sie einfach. Wenn sie interessiert ist, und natürlich mit Ihrer Erlaubnis, würden wir ihr gerne eine Stellung als Teilzeit-Lehrerin anbieten.
Nachdem sie eine Klasse 1-Frau ist, ist es ein wenig kompliziert, aber sie könnte von einem unserer Chauffeure für ihre Stunden in ihrem SSPC(*) abgeholt und wieder nach Hause gebracht werden, und falls es einmal notwendig wird, daß sie sich für kurze Zeit nicht um sie kümmern können, dann könnte sie so lange auch vor Ort wohnen.

(***Bemerkung: SSPC = St. Sybil’s Portable Classroom, eine geschützte Transportbox mit Lebenserhaltungssystemen, in der ein darin sitzendes Mädchen Lehrprogramme vermittelt bekommen und gleichzeitig auch transportiert werden kann. ***)

Als eine Klasse 1 würde sie unglücklicherweise nicht die vollen Rechte eines Lehrers bekommen, und müßte sich an etwas zwischen den Kleider- und Disziplinregeln für Lehrer und für Studentinnen halten, aber ich bin sicher, dass wir die Einzelheiten regeln könnten.
Behalten sie es im Kopf, und wenn die Zeit kommt, dann kontaktieren sie mich einfach und sagen sie mir Bescheid.”
“Mann, das ist aber erst einmal eine Menge zu verdauen. Danke. Aber warum tun sie das alles für sie, und für mich?” fragte John als Dr. Meven eine Pause machte, um Atem zu holen.
“Ich würde gerne behaupten, daß ich, oder wir, das für jede unserer Studentinnen tun würden, und außerdem würde ich es hassen zu sehen, wie solch ein schöner und starker Geist von dieser Gesellschaft gebrochen wird. Und weiterhin habe ich einfach Angst, dass all ihre aufgestaute Energie und ihr Zorn irgendwann einmal zu einem Unglück führen würden, für sie und vielleicht auch für andere, wenn sie kein produktives Ventil für sie findet. Das würde kein gutes Licht auf St. Sybil’s werfen. Sie ist nicht das einzige Mädchen, das Schwierigkeiten hat, sich an die neuen Gesetze und Restriktionen anzupassen, und diese Gesellschaft muß Wege finden, ihre weiblichen Mitglieder wieder auf durchdachtere Weise zu integrieren, oder all diese Unterdrückung wird unser aller Ende sein. Sie und Fräulein Schneider könnten bei den Wegbereitern für diese Art der Zusammenarbeit sein.“

“Und wo genau haben sie von mir gehört, und mich mit Fräulein Schneider in Verbindung gebracht?“ fragte John neugierig und plötzlich misstrauisch.
“Nun, zuletzt von Professor Pickering, mit dem ich heute Abend das Vergnügen habe zu speisen, immer wieder eine angenehme Aufgabe. Aber auch, sehen wir mal, Gouverneurin Henderson fragte nach Fräulein Schneider bei einem Alumna-Mittagessen erst letzte Woche, das erste, an dem sie seit Jahren teilnahm, und ich glaube, Ihr Name tauchte auf. Und ich gebe zu, dass ich mehr als ein flüchtiger Bekannter von Fräulein Schneiders Vater bin, welcher hauptsächlich freundliche Dinge über sie gesagt hat, was ich höchst überraschend finde,“ sagte er mit ironischen Grinsen.
“Oh, es sieht so aus, als ob der letzte Windbeutel einigermaßen fertig ist. Es ist Zeit, zu unseren zugewiesenen Plätzen zurückzukehren. Bitte enschuldigen Sie mich.”
Und bevor John ein weiteres Wort herausbrachte, war Dr. Meven aufgestanden und in dem schwach beleuchteten Ballsaal verschwunden, womit er John tief verwirrt und in Gedanken zurückließ.



6. RE: Eine neue Welt - der Abschlußball

geschrieben von pardofelis am 12.03.15 22:42

Einfach nur schön, obwohl schon verwunderlich wieviele Leute nur Sherris Bestes wünschen.

Dickes Dankeschön fürs hier in deutsch vorstellen.
Bitte, bitte hör nicht so schnell damit auf.
7. RE: Eine neue Welt - der Abschlußball

geschrieben von herman am 12.03.15 23:25

Hallo pardofelis,

danke für die Ermutigung!

Sherri hat Charme und kann sehr liebenswert sein, und die Leute für sich einnehmen.
Ich gebe aber zu, ich füttere das Publikum erst mit den schönen Stellen, damit es dann die weniger schönen auch aushält...

..nach dem Ball, der eine der schönsten Szenen ist, kommt das Control File Conditioning, welches zeitlich vor dem Ball stattfindet - und viel weniger angenehm für Sherri ist.
Es wird noch viele Schattenseiten geben - die bringt diese Welt nun einmal mit sich.
Aber die werdet ihr hoffentlich auch spannend finden!

Alles Gute,

Herman
8. RE: Eine neue Welt - der Abschlußball

geschrieben von BaldJean am 13.03.15 14:12

Die Geschichten die du postest sind sehr schön, aber meine Lebenspartnerin und ich würden sie gern im englischen Original lesen. Kannst du einen Link dazu posten?
9. RE: Eine neue Welt - der Abschlußball

geschrieben von herman am 13.03.15 22:37

Hallo BaldJean,

den Link gab es schon, aber die Forenregeln verbieten direkte Links, darum wurde er gelöscht.

Such einfach nach ´confiningclothing´ und ´yahoo´, dann findest Du die Gruppe als ersten Treffer.
Du mußt Dich anmelden, dann findest Du im Downloadbereich unter ´kreeg´s stories´ die Geschichten ´New in Town´.

Wir würden uns über Feedback hier oder dort freuen!

Ich wünsche Euch viel Spaß beim Lesen.

Grüße

Herman
10. RE: Eine neue Welt - der Abschlußball

geschrieben von BaldJean am 14.03.15 04:50

Nicht nötig; wir sind schon lange Mitglied in der Gruppe Aber diese Geschichten haben wir aus irgendeinem Grund nicht gelesen.
11. RE: Eine neue Welt - der Abschlußball

geschrieben von herman am 18.03.15 14:14

Momentan fällt es mir schwer, genügend Zeit zum Schreiben zu finden - doch nun geht es endlich weiter.
-Herman.

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Endlich kam die vertraute Gestalt von Schwester Elisabeth wieder auf die Bühne, und er hörte sie allen Rednern nochmals danken, wenn auch mit einem leicht ermüdeten Ausdruck. Sie erklärte, daß die Band nun zunächst eine Auswahl von Musikstücken spielen würde, um dem Publikum Gelegenheit zur Unterhaltung zu geben, sowie für einige Aufwärmtänze, wenn es dies wünsche, bevor die Absolventinnen ihren Auftritt hatten.

Frau Browning warf ihrem Gatten einen nervösen Blick zu, nahm seine Hand und lächelte John zu. “Lieber Herr Scott, zu diesem Zeitpunkt tanzen normalerweise die Väter mit ihren jüngeren Töchtern. Nach der Verschwörung,” sie zögerte, und John bemerkte, daß sie die Hand ihres Mannes um Unterstützung drückte, “mußten wir unglücklicherweise für unsere Tochter und unseren Schwiegersohn einspringen und Sara und Charlotte selbst aufziehen. Dürfen wir es ihnen zumuten, mit Charlotte zu tanzen, während mein Mann Sara auf die Tanzfläche begleitet? Sie würde sich so darüber freuen!”
John war überrascht, doch er antwortete höflich, “Aber natürlich, es wäre mir eine Ehre. Fräulein Charlotte, darf ich um das Vergnügen dieses Tanzes bitten?”
Die ältere der beiden Mädchen errötete ein wenig, doch bot sie ihm ihre Hand, die sie aus ihrem Muff nahm. John bemerkte, daß die elastischen Bänder um ihre Oberarme sich leicht dehnten und ihren Arm hinaufrutschten als sie ihre Hand zu ihm ausstreckte, und sie keineswegs festhielten. “Vielen Dank, Herr Schcott, dasch Vergnügen ischt meinerscheitsch,” antwortete sie mit der Bißplatte im Mund, und knickste tief, nachdem sie sich erhoben hatte.
Die Band spielte zuerst einen ruhigen Slow Waltz, und John fand zu seiner Überraschung, daß Charlotte, obwohl sie gerade erst am Beginn ihrer Teenager-Jahre stand, mit erstaunlicher Selbstsicherheit auf ihren fünf Zentimeter hohen Absätzen lief und tanzte, und er machte ihr ein höfliches Kompliment, das sie erneut erröten ließ.
“Aber sagen sie mir doch, Fräulein Charlotte, ist es ihnen denn nicht erlaubt, den Knebel abzulegen? Ich dachte, es wäre für Damen ihres Alters nicht erforderlich. Jedenfalls können sie wenigstens damit reden, wie ich feststelle.”
“Aber nein, Herr Schcott, diesch ischt eine der wenigen Gelegenheiten für unsch, erwachschen auschtschuschehen, und unsch scho tschu fühlen. Wir freuen unsch scho darauf, richtige modische Kleidung tragen tschu dürfen. Schie schollten meine ältere Schweschter schehen – oh, ich glaube, dasch werden schie- , wie elegant schie ausschieht, wenn schie in ihrem feschelnden Kleid aufgemacht ischt. Und gehalten und gefeschelt tschu schein läscht einen schich scho schicher und umschorgt fühlen, alsch ob man die gantsche Tscheit umarmt würde. Nicht scho wie diesche Kinderkleidung, die wirklich nur scho tut alsch ob,” sagte sie in verschwörerischem Flüsterton, und nachdem sie sich umgesehen hatte, tat sie wieder so, als ob sie wirklich geknebelt wäre. John fand, daß er sich wirklich amüsierte, und nach einem etwas schnelleren Foxtrot führte er ein glühendes und strahlendes junges Mädchen zurück zum Tisch, wo sie neidische Blicke von ihrer jüngeren Schwester zugeworfen bekam.

Einige Augenblicke später spielte die Band einen Eingangsmarsch, die großen Türen des Ballsaals öffneten sich, und die Prozession der künftigen St. Sybil’s-Absolventinnen kam in einer einzelnen Reihe herein, angeführt von Schwester Elisabeth und mehreren anderen Mitgliedern der Verwaltung. Alle Mädchen trugen identische weiße und blaue Kleider mit großen Reifröcken, die Oberteile bis zu einem hohen Kragen zugeknöpft, und mit passenden langen Ärmeln und Opernhandschuhen war nicht das kleinste Bißchen Haut zu sehen. John verstand nun Professor Pickerings Kommentar darüber, daß man die Mädchen nicht unterscheiden könne.
Ihre Köpfe wurden von dicken undurchsichtigen Schleiern bedeckt, ihre Gesichter von weißen Porzellanmasken mit nur kleinen Augenlöchern, wobei jede Maske ein identisches sanft lächelndes weibliches Gesicht zeigte. Keine Haarsträhne war sichtbar, keine noch so kleines Detail, das eine Spur von Individualität erlaubt hätte.
Als Schwester Elisabeth die Mitte der Tanzfläche erreichte, da spaltete sich die Reihe in zwei neue auf, indem die Mädchen abwechselnd nach rechts und nach links gingen, bis sie einen vollen Kreis bildeten und nach außen schauten.
John sah wie alle Männer aufstanden und sich am Rand der Tanzfläche anstellten, und er beeilte sich, aufzustehen und dazu zu gehen. Nachdem die Mädchen einen vollen Kreis gebildet hatten, änderte die Band die Melodie und spielte den Torero-Marsch aus ‘Carmen’. John mußte an seine College-Tage denken, als einer seiner Kameraden ihm einen deutschen Reim zu dieser Melodie beigebracht hatte:

“Auf in den Kampf -
Die Schwiegermutter naht.
Siegesgewiss
Klappert ihr Gebiss!“

Irgendwie paßte es nun besser als je zuvor, und die Erinnerung half ihm, in seiner Vorstellung die Luft aus dieser pompösen Situation herauszulassen, was er beruhigend fand. Er fand die ganze Zeremonie gleichzeitig aufregend und erschreckend.
Die Gentlemen bildeten ebenfalls eine einzelne Reihe, und wie bei dem Kinderspiel ‘Die Reise nach Jerusalem’ marschierten sie um den Kreis der Mädchen herum, wobei der Abstand sowohl zwischen den Männern wie auch den Mädchen groß genug war, daß die Mädchen für jeden einzelnen Mann knicksen konnten. John beobachtet, daß die Mädchen meistens eine Art immer gleichen ‘Standardknicks’ machten, aber gelegentlich einen besonders tiefen, gar übertriebenen Knicks.
Oft, aber nicht immer, verließ dann der entsprechende Gentleman die Reihe und führte das Mädchen aus dem Kreis heraus und zur Tanzfläche. Während er um den Kreis der Mädchen herumlief, versuchte John ein Anzeichen zu finden, das ihm helfen würde Sherri zu erkennen, aber alle Kleider waren bis ins letzte Detail identisch, und benachbarte Mädchen paßten sogar in der Größe zusammen, und obendrein, so fand John sehr zu seinem Ärger heraus, waren alle Mädchen identisch und schwer parfümiert, angenehm, aber genug, um alle individuellen Düfte zu überdecken, und so war ihm sein sonst so feiner Geruchssinn keine Hilfe. In der Tat fand der den schweren, berauschenden Duft sehr ablenkend. Nach ein oder zwei zögerlichen Runden begannen die Männer ihre Wahl zu treffen, und dann wurden alle Mädchen schnell genommen.
John wählte per Zufall ein Mädchen aus, das ein wenig tiefer für ihn geknickst hatte, aber der darauffolgende Tanz zeigte ihm, daß es Eifer gab, jedoch keine Harmonie in ihren gemeinsamen Bewegungen, und so war er sich sicher, eine Unbekannte gewählt zu haben. Er verneigte sich höflich vor dem maskierten Mädchen als die Musik aufhörte, und nachdem er ihre Tanzkarte signiert hatte, wurde das Spiel noch zweimal wiederholt, aber nun waren die Gentlemen viel schneller in ihrer Wahl, und daher schaffte John keine ganze Runde mehr, um alle Mädchen zu inspizieren. Bei der vierten Runde achtete John darauf, bei den ersten Männern in der Schlange zu sein, damit er eine ganze Runde schaffen konnte, bevor alle Mädchen genommen waren. Dieses Mal machte ein verschleiertes Mädchen einen sehr tiefen, beinahe theatralischen Knicks für ihn, und John untersuchte sie näher.
Ihre Größe und Figur waren ungefähr richtig, mit einer winzigen Taille, wie er sie mittlerweile bei Sherri so bewunderte. Aber keine Haarsträhne, kein Flecken Haut war sichtbar. Und so hatte er immer noch Zweifel, da ihr Parfüm ihren individuellen Duft überdeckte. John verbeugte sich und bat sie um den Tanz, was sie gnädig akzeptierte. Das Mädchen versuchte sich in seine Arme zu kuscheln und streifte mehrmals spielerisch ihr rechtes Handgelenk gegen die freie Handschelle, die von Johns linkem Handgelenk baumelte. John fing an zu denken, er könne das richtige Mädchen haben, aber irgendetwas erschien ihm nicht ganz richtig.
Es gab einfach ein wenig zu viel Eifer, und ein gewisses Maß von nervösem Zögern, viel mehr, als er von der stolzen und selbstsicheren Sherri erwartet hätte. Als ihm dieser Gedanke durch den Kopf ging, hatte sich ein anderes Paar genähert, offenbar mehr von dem Mädchen als von dem Mann getrieben. Das andere Mädchen schien bei ihrer Bewegung rückwärts zu stolpern und rammte einen Siletto-Absatz in den Fußspann von Johns Partnerin. Das aufgespießte Mädchen stieß einen kurzen Schrei aus und wurde von John aufgefangen, als sie stolperte, aber es gelang ihr, den Knauf ihrer Maske im Mund zu behalten, da sie wußte, daß sie von dem Ball entfernt würde, wenn sie ihn fallen ließ.
Während er seine Partnerin festhielt, bemerkte John plötzlich, wie ein vertrauter Geruch des Ärgers von dem andern Mädchen über ihr Parfüm herüberwehte, ein Geruch, an den er sich nur zu gut von seinem letzten Besuch bei St. Sybil’s erinnerte.
Alarmglocken ertönten in seinem Gehirn.
Der Geruch von Sherris Ärger war ein Geruch, den er kaum jemals vergessen würde.
Sie hatte den Tollpatsch gespielt, ihre Rivalin aber meisterhaft aufgespießt, die gerade versucht hatte, Johns Handschelle um ihr Handgelenk zu schließen. Aber nun wollte John eine Bestätigung haben, und obwohl seine Partnerin noch leicht hinkte, führte er sie in mehrere Drehungen und schnelle Schritte, bis die Anstrengung sie perspirieren ließ, und während einer Neigefigur wurde ihr eigener Duft über ihr Parfüm wahrnehmbar.

Ririka!

John erinnerte sich an ihre Flirtversuche, als sie ihn begleitet hatte, um Sherris Meerjungfrauen-Wettkampf zu beobachten. Ihre Avancen waren allzu offensichtlich gewesen. Und Sherris Reaktion darauf, als sie sich das nächste Mal trafen, war ein ganz eigenes Abenteuer gewesen.
Er schaute auf die Paare, die in seiner Nähe um ihn tanzten, erspähte nach ein paar Augenblicken Professor Pickering, und begann zu ihm hin zu tanzen, während er gleichzeitig versuchte, Sherri im Auge zu behalten. Als der Professor seinen Arm hochhielt, um seine Partnerin in eine Drehung zu schicken, duckte sich John zusammen mit Ririka und tauchte unter dem hochgehaltenen Arm durch und zwischen das Paar, ließ Ririka los, so daß sie in den Armen des Professors endete, und mit den Worten “Entschuldigen sie Professor, ich habe offenbar versehentlich ihre Dame erwischt,” ergriff er die Handschelle, die von dem Handgelenk des Professors herunterbaumelte, und ließ sie um Ririkas rechtes Handgelenk zuschnappen.
In einer fließenden Bewegung ergriff er die verwirrte und leicht desorientierte, nun ‘herrenlose’ Tanzpartnerin des Professors und bewegte sie weg, wobei er gerade noch aus dem Augenwinkel sah, wie eine erregte weibliche Figur versuchte, sich von dem überraschten Professor loszureißen.

John beendete höflich den Tanz, wobei er so weit weg wie möglich von dem Professor blieb, und signierte die Tanzkarte seiner überraschten Tanzpartnerin.

Bei der nächsten Runde von der ‘Reise nach Jerusalem’ hatte sich die Zahl der Damen schon deutlich reduziert, da viele von ihnen schon in Besitz genommen worden waren. Dieses Mal stellte John sicher, daß er an der Spitze der Schlange stand, wobei er versuchte, das notwendige Schubsen und die Ellbogenstöße so höflich wie möglich zu kaschieren. Als er sich der Gestalt näherte, die er für Sherri hielt, machte sie einen sehr langsamen, sehr tiefen und sehr eleganten Knicks, der einer Königin gut angestanden hätte.
John streckte seine Hand aus, um ihr aufzuhelfen, und er vergewisserte sich, daß der immer noch erregte Geruch zu Sherri gehörte. Als er die Tanzhaltung einnahm und ihre rechte Hand in seine linke nahm, dachte er, er könne ihre Augen erspähen, die hinter den kleinen Löchern in ihrer Maske verborgen waren, und sie streckten beide synchron ihre freien Hände nach der freien Handschelle aus, die von Johns linkem Handgelenk herunterbaumelte, und schlossen sie zusammen um Sherris rechtes Handgelenk.

Nach einem weiteren gegenseitigen Blick in die Augen ergriff Sherri das Ziertaschentuch, das aus seinem Ärmel herausragte, wo John es unter die Handschelle geschmuggelt hatte, als sie ihm am Eingang angeschlossen wurde, zog es heraus und stopfte es zurück in seine Brusttasche, und dann drückte sie sanft, aber fest Johns Handschelle enger zusammen. Es würde auch für ihn kein Entkommen geben.

Die Musik begann ein neues Stück - einen Tango, und John war froh, daß Lily auf den Tanzstunden bestanden hatte.
Sherri erwies sich als einfach die perfekte Tanzpartnerin. Wie bei einer Turnerin war ihr Körper erfüllt von kontrollierter Spannung - kein Vergleich zu den schlaffen Mädchen, die er durch die Gegend schieben mußte, als er während seiner College-Zeit in dem Tanzstudio gearbeitet hatte, nicht einmal zu den Mädchen bei seinen erst kürzlich genommenen Tanzstunden. Sie setzte ihm den leichten Widerstand entgegen, der für eine elegante Tanzhaltung notwendig war, gab jedoch seinem leichtesten Druck nach und folgte ihm in jede Tanzfigur, in die er sie führte.
In seinen College-Tagen hatte John das Tanzen nur als Möglichkeit betrachtet, seine sportlichen Leistungen zu verbessern und sich ein wenig körperlich zu betätigen, doch nun begann er die wahre Bedeutung des Paartanzes zu erfühlen.
Verliebt zu sein brachte eine ganz neue Einstellung zum Tanzen mit sich, und zu fühlen, wie sie ihm in perfekter Harmonie folgte, trug gewaltig zu seinem Vergnügen bei.
Im Verlauf des Tanzes erinnerte sich John an die alte Dame, die im College eine seiner Tanzlehrerinnen gewesen war, eine frühere professionelle Turniertänzerin. Genau wie sie schien Sherri die Kunst perfekt zu beherrschen, ihm das Gefühl zu geben, er habe die volle Kontrolle, und sie folge jeder seiner Launen – aber gleichzeitig gab sie ein manche Richtungen leichter nach, und leistete in andere Richtungen etwas mehr Widerstand, womit in Wahrheit sie ihn heimlich führte!
John machte sich eine geistige Notiz, in der Zukunft sehr, sehr vorsichtig zu sein.

Nach diesem Tanz, welcher der fünfte gewesen war, sah John wie die meisten Männer ihre frisch beanspruchten Damen zu den Tischen führten, während ein paar andere zurückblieben, um ihr Glück in einer letzten Runde der ‘Reise nach Jerusalem’ zu versuchen. John sah, wie die Männer, die Partnerinnen erwählt hatten, zu den Tischen gingen und ihren Damen halfen Platz zu nehmen und ihnen dann halfen, ihre Masken und Schleier abzunehmen, und so begleitete er Sherri zu seinem Tisch und zog den Stuhl zu seiner Linken für sie heraus, was mit ihren zusammengeketteten Händen ein wenig schwierig war.
Nachdem sie Platz genommen hatte, nahm er ihre Maske in seine freie Hand und zog, wobei er fühlte, wie sie den Knauf in ihrem Mund los ließ. Er nahm sein Handtuch aus seiner Brusttasche, um ein paar Spuren von Speichel von ihren Lippen zu tupfen, und sagte
“Guten Abend, Fräulein Schneider. Es scheint, ich bin ein Mann im Glück, da ich die Dame gewählt habe, nach der ich verlangte.”
Sherri warf ihm einen koketten Wimpernaufschlag zu und lächelte.
“Guten Abend, Herr Scott. Glück haben sie tatsächlich, aber wie konnten sie sich sicher sein, die richtige Dame gefunden zu haben?”
John lächelte zurück.
“Nun, nur wenige Mädchen hätten den Nerv gehabt, ihre Rivalin in so öffentlicher Umgebung aufzuspießen, aber ganz sicher nur ein einziges Mädchen konnte ihr Ziel mit solcher Genauigkeit treffen!”
John gab sich größte Mühe zu verhindern, daß sich sein Lächeln zu einem breiten kichernden Grinsen verzog.



12. RE: Eine neue Welt - der Abschlußball

geschrieben von herman am 22.03.15 10:19

Er wandte sich zu Herr und Frau Browning und sagte “Herr und Frau Browning , Fräulein Sara und Fräulein Charlotte, darf ich ihnen die Dame meines Herzens vorstellen, Fräulein Sherri Schneider.”

Da sie immer noch vorgaben geknebelt zu sein, nickten die Mädchen nur höflich. Frau Browning schaute sie nur mit offenem Mund an, aber Herr Browning stand auf und verneigte sich leicht vor ihr. “Fräulein Schneider, es ist mir eine Ehre, sie kennen zu lernen. Ich erinnere mich an ihren Namen im Zusammenhang mit den unglücklichen Ereignissen vor einer langen Zeit, aber ich erinnere mich hauptsächlich daran, dass es ihre Zeugenaussage war, die half diejenigen zu fassen, die verantwortlich für das Unglück waren, das unseren Schwiegersohn und dann unsere Tochter traf.
Ich war ihnen seitdem immer dankbar, und heute kann ich ihnen persönlich dafür danken. Sie werden an unserem Tisch immer willkommen sein, sei es hier oder bei uns zuhause.”
Sherri errötete ganz uncharakteristisch, und sie beantwortete Johns fragenden Blick mit einem kaum wahrnehmbaren Kopfschütteln. Zu Herrn Browning sagte sie “Danke für ihre freundlichen Worte, Herr Browning, I weiß sie sehr zu schätzen. Nicht jeder hätte dies gesagt. Aber lieber als über die Vergangenheit zu reden, würde ich gerne die reizenden jungen Damen kennenlernen, die heute Abend mit uns am Tisch sitzen. Und was für wunderschöne Abendkleider sie tragen, wirklich raffiniert und elegant.” Das Kompliment ließ wiederum die Mädchen erröten und lenkte sie von den Fragen ab, die sie schon trotz der Kinderknebel in ihren Mündern fragen wollten.
Als sich Herr Browning wieder setze, hatte Frau Browning ihre Überraschung überwunden und fand fließend in die Unterhaltung zurück. “Dies ist unsere mittlere Enkelin Charlotte, und unsere jüngste, Sara. Ja, beide sind so stolz auf ihre Kleider, weil sie so wunderschön und so erwachsen in ihnen aussehen. Und ich muß sagen, es war verdammt schwer, sie zu finden. Es gibt kaum Kleider für Mädchen ihres Alters, die richtig modisch und fesselnd aussehen, ohne es wirklich zu sein. Natürlich werden ihnen echte Fesseln erst erlaubt, wenn sie fünfzehn werden.” Eine reihe von Gefühlen wanderten während der Erklärung ihrer Großmutter über die Gesichter der beiden jungen Mädchen, aber die Freude über Sherris Kompliment konnte ihren Stolz nicht schmälern.
“So etwas Dummes,” antwortete Sherri geschmeidig, “ich habe vor einiger Zeit Kleider wie diese entworfen, und ich glaube, ich erkenne sogar den Schnitt als ähnlich zu einem meiner eigenen Entwürfe. Unglücklicherweise kam dieses Geschäft durch äußere Umstände zu einem Ende,” antwortete Sherri mit einer Spur von Bedauern. John hatte inzwischen den Hinweis verstanden und führte die Unterhaltung weiter weg von dem Pfad, den Sherri offensichtlich aus irgendeinem Grund vermeiden wollte.
“Vielleicht wird es in der näheren Zukunft neue Gelegenheiten geben. Bei unserem letzten Treffen schlug ich Fräulein Schneider die Aussicht auf ein neues Joint Venture vor. Ich hoffe, sie hatte inzwischen Zeit, um über mein Angebot nachzudenken.”
“Sie sind so nett, Herr Mr. Scott. Ja, ich erinnere mich daran, dass sie vorschlugen, dass wir gleiche Partner darin sein sollten. Ich würde sehr gerne dieses Joint Venture auf dieser Basis mit Ihnen beginnen.”
“So weit wie es die momentanen Gesetze erlauben, Fräulein Schneider. Sie sind sich bewusst, dass es gewisse Dinge gibt, die sie nicht selbst tun können, also muß ich im Allgemeinen unser Unternehmen für die Außenwelt repräsentieren und mit ihr verbinden, aber ich bin sicher, dass wir eine Übereinkunft finden können, mit der wir beide nach innen leben können. Wie sie wissen, will ihr früherer Vertragspartner die meisten seiner Verantwortlichkeiten übergeben, aber er will ein Minderheitsstimmrecht behalten und ein Vetorecht, das keine vernünftige Beziehung zu seiner künftigen Stellung hat. Diese Verhandlungen dauern an und können noch ziemlich schwierig werden.”
“Ich glaube, ich hätte das erwarten sollen. Ich werde sicher mit ihm darüber ein Wörtchen reden, wenn ich ihn das nächste Mal sehe. Ich vertraue darauf, dass sie einen guten Rechtsbeistand haben, um unsere Verträge so wasserdicht wie möglich zu machen, und seinen Einfluß auf das notwendige Minimum zu reduzieren.”
“Ich tue mein Allerbestes, Fräulein Sherri, um alles bis zum Zeitpunkt ihres Abschlusses fertig zu haben. Ich hoffe, dass wir dann ohne Verzögerung beginnen können.”
“Das wäre sehr schön, Herr Scott. Ich setze all mein Vertrauen auf sie, und ich freue mich so sehr darauf,” sagte Sherri mit einem Lächeln.
Die ganze Zeit hatte die Familie Browning staunend zugeschaut, wie das Pärchen offenbar trockene Geschäftsangelegenheiten besprach, während gleichzeitig Funken zwischen ihren Augen und ihren lächelnden Gesichtern zu fliegen schienen.

(Bemerkung: Sherri will tatsächlich wieder Mode entwerfen, es geht aber wirklich um Johns vorläufigen Vormundschaftsvertrag für sie, in den ihr Vater hineinzupfuschen versucht.)


Sara konnte nicht länger so tun, als ob sie geknebelt war, und platzte heraus: “Ich habe kein Wort von dem verschtanden, wasch schie da reden. Werden schie alscho jetscht mehr schöne Kleider für unsch machen, wenn schie zusammen mit unscherer Schwester ihren Abschlusch machen?”
Sherri nahem ihre Hand in die ihre, und sagte “Ja meien Liebe, ich verspreche es. Wir werden etwas Zeit brauchen, um alles einzurichten und anzufangen, aber ich glaube, wir werden bald zwei Models für unsere ersten Stücke brauchen. Wenn ich darf, dann werde ich dich und deine Schwester um Hilfe bitten. Würdest du uns gerne aushelfen, wenn es soweit ist?”
“Oh ja, dasch ware wundervoll!” Sara strahlte.
“Und würden sie alle uns nun bitte entschuldigen, Herr Scott möchte mich wieder auf die Tanzfläche führen. Es ist der letzte Tanz, bevor wir Mädchen gehen müssen, um uns für den zweiten Teil des Abends in unsere eigenen Kleider umzuziehen.” Sie sah John auffordernd an. John stand auf, und nachdem er ihren Stuhl zurückgezogen hatte, führte er sie zur Tanzfläche..

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Als John sie beim Tanzen in seinen Armen hielt und sie ein Bisschen mehr Privatheit für sich hatten, sagte Sherri, “Danke, Herr Scott, dass sie mir im Training Center geholfen haben. Ohne sie wäre ich wahrscheinlich immer noch dort. Zuerst wollte ich nicht, dass sie mich so sehen, aber nun bin ich froh, dass sie da waren. Aber sagen sie mir bitte – war es ihnen ernst, als sie mich einen Partner nannten?”
“Mit meinem ganzen Herzen, Fräulein Sherri. Aber ich muß ihnen auch etwas sagen. Ich fürchte, die Einsetze in diesem Spiel, das wir bislang gespielt haben, sind beträchtlich erhöht worden. Ihr Vater hat mächtige Feinde, und das selbe scheint auch auf mich zuzutreffen, und vermutlich auch auf sie. Ich vermute, wir beide werden unsere Kämpfe haben wie jedes andere Paar, und, nun, nach kürzlicher Erfahrung wahrscheinlich eher noch mehr, nicht dass ich es irgendwie anders haben wollte. Aber gegenüber diesen äußeren Kräften müssen wir wie Pech und Schwefel zusammenhalten, und ihnen gemeinsam entgegentreten, wenn wir unsere eigenen Leben leben wollen, vielleicht sogar, um zu überleben. Wir müssen sehr vorsichtig sein, und der Außenwelt eine perfekte Fassade ohne Risse zeigen.
Ich versteh nicht all die politischen Spielchen, die um uns herum stattfinden, aber ich habe eine Menge anständiger Männer kennengelernt, die sich um ihre Partnerinnen sorgen und sehr verliebt sind wie zu der Zeit bevor, nun, bevor sich alles veränderte, und sie mögen die nun herrschende Ordnung nicht, oder wie die Dinge nun laufen. Aber andere scheinen die Gesellschaft hin zu noch mehr Unterdrückung von Frauen und tatsächlich jedem zu treiben, und für gut oder schlecht scheinen wir in der Mitte dieses Konflikts zu stehen. Aber ich hoffe, dass wir auch etwas Zeit bekommen werden, um unsere Leben zusammen zu genießen.”
“Mein Vater hat mir kürzlich eine Nachricht geschickt, die zu bestätigen scheint, was sie sagen. Ich verspreche mich gut zu benehmen, wenigstens nach außen,” sagte sie mit einem schelmischen Grinsen. “Aber sie haben ja schon gesehen, dass ich ziemlich schwierig sein kann.” Sherri klang beinahe stolz. “Bitte versprechen sie mir, dass sie mir lieber den Hintern versohlen werden, als mich jemals wieder allein zu lassen!”
John hob bei dem Wort versohlen eine Augenbraue.
“Ich denke, das liegt an uns beiden, aber okay, ich verspreche, ihnen erst den Hintern zu versohlen, bevor ich darüber nachdenke, sie zu verlassen! ” sagte John, und grinste zurück. “Haben sie denn vor, das notwendig zu machen?” Sie warf ihn einen indignierten Blick zu und öffnete den Mund, um noch etwas zu sagen, zögerte jedoch, und lehnte sich dann vor und gab ihm einen schnellen, leichten Kuß auf den Mund.



13. RE: Eine neue Welt - der Abschlußball

geschrieben von pardofelis am 22.03.15 20:50

Hi herman,

einfach DANKE

bitte hör nicht so schnell auf.
14. RE: Eine neue Welt - der Abschlußball

geschrieben von herman am 23.03.15 19:43

Hallo Pardofelis,

vielen Dank für Deine Ermunterung - sie kam gerade zur rechten Zeit, als ich ein wenig die Lust verloren hatte.
Ich arbeite am nächsten Teil - wie immer ein Zeitproblem, aber er kommt bald.

Herman
15. RE: Eine neue Welt - der Abschlußball

geschrieben von M.J. am 25.03.15 10:20

Nee, jetzt bloß nicht die Lust verlieren!!!!

Weitermachen/Weiterschreiben!!!

Hier warten doch ne ganze Reihe treuer Leser auf die neueste Fortsetzung!



Ich warte schon ganz undgeduldig auf die neusten Abschlußballerlebnisse!!!
16. RE: Eine neue Welt - der Abschlußball

geschrieben von Wölchen am 25.03.15 17:51

genau nur nicht aufgeben und weiter schreiben.Wir freuen uns schon alle auf die näste Fortsetzung.

mfg Wölchen
17. RE: Eine neue Welt - der Abschlußball

geschrieben von herman am 27.03.15 14:08

Vielen Dank für Euren Zuspruch!
Da mache ich doch um so lieber weiter.

Wie gesagt, es ist hauptsächlich ein Zeitproblem...

...aber hier kommt endlich eine Fortsetzung. Und es wird auch noch mehr geben, sobald ich dazu komme.

-herman.

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Zu diesem Zeitpunkt endete die Musik, und Schwester Elisabeth kam mit dem Mikrofon in der Hand auf die Bühne um zu verkünden, dass sich die Paar nun anstellen sollten, um ihre Handschellen geöffnet zu bekommen, da die Mädchen sich nun zurückziehen mußten, um sich für die zweite Hälfte des Abends in ihre selbstgewählten Kleider umzuziehen. John und Sherri waren zufällig bei den Ersten in der Reihe, und so wurde ihre Unterhaltung unterbrochen und John kehrte zu seinem Tisch zurück, nachdem Sherri zu den Umkleideräumen gegangen war.

Nachdem er sich gesetzt hatte, sah er die leicht beunruhigten Blicke der Familie und fragte “Was ist denn mit ihrer ältesten Enkelin – hatten sie nicht erwartet, sie hier zu treffen?”
“Ja, Herr Scott,” sagte Frau Browning, “Wir haben Harriet noch nicht gesehen, aber wir vermissen auch Jack Walters, ihren Verlobten. Er ist noch nicht aufgetaucht, daher nehme ich an, dass sie von jemand anderem beansprucht wurde und nicht an unseren Tisch kommen konnte. Und die beiden waren besonders sicher gegangen, kleine Zeichen zu vereinbaren, damit er sie in der Menge der Mädchen erkennen konnte. Ich glaube, obwohl das nicht wirklich erlaubt ist, macht es doch jedes Paar so.”
John fühlte sich plötzlich ziemlich töricht, dass er kein Zeichen mit Sherri vereinbart hatte, bis ihm einfiel, dass es wirklich keine Gelegenheit gegeben hatte, vorher mit ihr zu sprechen..
“Es ist seltsam, wir haben überall herumgeschaut, ihn aber nicht entdeckt, und das sieht so gar nicht nach ihm aus. Wenigstens ist bei der zweiten Runde Damenwahl, und Harriet kann jeden anderen Tanzpartner ablehnen, und wenn Jack wirklich nicht auftaucht, kann sie mein Mann wenigstens zu unserem Tisch begleiten.”

Inzwischen war den wartenden Gästen eine leichte Mahlzeit serviert worden, gefolgt von einer Auswahl von Kuchen und Gebäck, und John mußte höfliche Dinner-Konversation mit den Brownings machen. Es hatte sogar einen Knebel-Steward gegeben mit einem kleinen Wagen mit einer Wasser-Sprühflasche und einer kleinen Schüssel. Er fragte Herrn Browning feierlich um Erlaubnis, Sara und Charlotte um ihre Knebel zu erleichtern, dann trat er nacheinander hinter die Beiden und zog vorsichtig die Zierknebel aus ihren Mündern, so dass die kleinen Plastikzungen aus ihren Mündern kamen, auf die sie mehr oder weniger gebissen hatten. Dann spülte er die Knebel mit der Sprühflasche über der Schüssel und plazierte sie auf kleine Zierteller, die neben den Speisetellern der Mädchen gedeckt waren. Beide Mädchen strahlten wieder.
John entschuldigte sich, als das Dessert serviert wurde.

Ein wenig erfrischt von dem Moment der Ruhe im Toilettenabteil, spannte sich John an als er die Toilette verließ. Etwas war nicht in Ordnung. Es war mehr als nur das Gefühl, in einer großen Menschenansammlung zu sein. Irgend etwas ging vor, die Leute schauten und waren unruhig. Ein schneller Blick, und John sah, dass Captain Vergil die Menge absuchte und gelegentlich leise in seinen Jackett-Ärmel sprach. Als er seinem Blick folgte, bemerkte John, dass es mehrere Männer gab, die scheinbar zufällig über den Raum verteilt waren. John wußte, dass etwas im Busch war, und er nahm unauffällig ein Steakmesser von einer Anrichte, bevor er wieder zurück zu seinem Tisch ging.

Nachdem der Kaffee serviert worden war, erschien Schwester Elisabeth wieder auf der Bühne und erklärte, dass die Mädchen nun bereit seien und in den Abendkleidern erscheinen würden, die sie für sich selbst ausgesucht hatten. Gentlemen konnten sich anstellen und wieder um einen Tanz bitten, doch diesmal war es Sache der Damen, einen Partner zu akzeptieren oder abzulehnen, und auch war es ihre Entscheidung, ob sie sich mit einem bestimmten Gentleman verbinden wollten. Wenn sie Familie hatten, konnten sie auch wählen ungebunden zu bleiben, entschuldigen sie das Wortspiel, sagte sie.
Die Band spielte einen weiteren pompösen Eingangsmarsch, und wiederum führte Schwester Elisabeth die Prozession der Mädchen an. Aber dieses Mal trug jede junge Dame ein Abendkleid ihrer eigenen Wahl, einige einfach aber elegant, manche raffiniert, manche sehr farbig.
John sah Sherri in einem eierschalenfarbenen schulterfreien bodenlangen Abendkleid mit einem tiefen Décolleté und einer sehr schmalen, eng geschnürten Taille, wobei das Kleid eng an all ihren Kurven anlag. Das einfache Material wurde nicht nur von Sherris Schönheit überstrahlt, sondern auch von einem funkelnden Auflage aus einem steifen goldenen Spitzenmaterial, das mit einem hohen Halsband begann und eng um ihre Taille anlag, von wo es sich bis zum Boden aufblähte und beinahe wir der Geist eines Reifrocks aussah. Schulterlange Opernhandschuhe aus dunkelbraunem Ziegenleder bildeten einen Kontrast zu ihrem Kleid, ebenso wie der gelegentliche kurze Blick auf ihre Füße auf hohen Absätzen unter ihrem Rock, als sie ihren Platz einnahm.
Ein Armband, das zu ihrem ärmellosen Spitzen-Überkleid passte, verzierte ihr linkes Handgelenk, ihr rechtes Handgelenk wurde von einem Paar Handschellen belegt, deren offenes Ende einladend herunterbaumelte.
Inzwischen erschien die Atmosphäre um die Mädchen viel entspannter als beim ersten Mal, und die Damen unterhielten sich leise fröhlich miteinander, während die Gentlemen nervös stumm und hoffnungsvoll blieben.
Als die Prozession der Gentlemen an den Damen vorüber zog, machte Sherri erneut einen sehr tiefen und eleganten Knicks für John, aber er gab vor, sie nicht zu sehen und lief einen Schritt weit an ihr vorbei.

“Herr John Scott, wagen sie es nicht! Sie kommen sofort hier her!” schalt sie ihn lachend, und die Mädchen um sie herum fielen in das Gekicher ein. John drehte sich mit einem breiten Grinsen um und spielte Überraschung vor, sie jetzt gerade erst entdeckt zu haben, und half ihr beim Aufstehen. Sherri nahm seine linke Hand in ihre rechte, und mit ihrer freien Hand schloß sie resolut die von ihrer rechten Hand herunterhängende freie Handschelle um sein Handgelenk. “Sie gehören jetzt mir, und ich werde nie mehr ein anderes Mädchen sie haben lassen. Ist das klar, Sir?”
Sie mußten beide lachen, und John führte sie auf die Tanzfläche.
Irgendwie hatte ihr kleiner Ausbruch das Eis gebrochen, und beide schienen im Tanz miteinander zu verschmelzen. John hatte in seinen Collegetagen den Rumba als einen der langweiligeren Tänze betrachtet, doch nun entdeckte er, warum er als einer der erotischsten Tänze gilt. Worte waren nicht mehr nötig, sie bewegten sich einfach in perfekter Harmonie und fühlten und genossen ihr Zusammensein.
Als die Musik endete, schaute sich John kurz um, und zu seiner Überraschung sah er in einigen Schritten Entfernung den Professor mit Schwester Ririka in seinen Armen, fest an ihn angeschlossen, ein glückliches Lächeln auf ihren beiden Gesichtern, und wie Ririka, die ein Gewand trug, das eine Mischung aus einem Kimono und einem Abendkleid zu sein schien, in Gelächter ausbrach, nachdem ihr der Professor wie ein verliebter Teenager etwas ins Ohr geflüstert hatte.

Der Professor wollte gerade Schwester Ririka zu seinem Tisch führen, als er John und Sherri erblickte. Während sich sein Gesicht noch mehr erhellte, stieß er Ririka an und führte sie zu dem anderen Paar. “John, alter Junge,“ womit er spontan zum Du überging, “wir werden nie vergessen, was du für uns getan hast. Ich werde mein Leben lang dein Freund sein! Kannst du dir vorstellen, dass diese Frau auch heimlich ein Auge auf mich geworfen hatte, und darauf wartete, dass ich die Initiative ergreife?”
Ririka machte einen sehr tiefen Knicks vor John und Sherri, wobei ihr Seidengewand wie Wasser um sie floss, und neigte ihren Kopf.
“Fräulein Schneider, obwohl ich formal ihre Lehrerin bin, möchte ich mich dafür entschuldigen, dass ich versucht habe, ihnen ihren Mann wegzunehmen. Ich danke ihnen sogar dafür, dass sie mich ‘versehentlich’ während des Tanzes mit ihrem Absatz aufgespießt haben, oder Herr Scott-san hätte mich nicht rechtzeitig erkannt, um Dr. James-san und mich zusammenzubringen.
Sehen sie, ich habe schon lange versucht, diesen dummen Gaijin hier anzuziehen,” sie schaute mit einem listigen Lächeln zu dem Professor auf, “aber er hat niemals irgendein Interesse an mir gezeigt. Sich vorzustellen, dass er einfach nur zu schüchtern war! Was für ein Bild muß ich nur für meine Kollegen abgeben! Nun, ich hatte so ziemlich aufgegeben, und versuchte stattdessen, in ihrem Teich zu fischen. Wenn ich sie beide zusammen sehe, ist mir klar, dass ich nicht die kleinste Chance gehabt hätte. Ich hoffe, sie beide werden zusammen mindestens so glücklich sein wie wir beide es sicher sein werden!”
Dieses Mal war es Sherri, die ihre freie linke Hand ausstreckte, um ihr aufzuhelfen, und da beide Frauen immer noch mit ihren Männern zusammengeschlossen waren, konnten sie sich nur einarmig umarmen.
Die Männer wurden dabei zur Seite gestoßen und konnten sich nur ein wenig verlegen über die sich umarmenden Frauen hinweg anlächeln.

Als John Sherri zurück zu ihrem Tisch führte, sagte sie “Wer hätte je gedacht, dass diese Schlampe sich bei mir entschuldigen würde.” Die Gehässigkeit in Sherris Stimme, als sie Ririka zunächst erwähne, überraschte John, aber so schnell wie sie gekommen war, wurde ihre Stimme auch schon wieder sanft.
“Ich war so wütend auf sie, weil sie versucht hatte, sie zu bekommen … aber wie könnte irgendjemand böse sein, wenn er diese zwei verliebten Turteltauben sieht?” Sie lächelte und drückte Johns Hand fester.
John nickte nur und schenkte ihr ein bedeutungsvolles Lächeln.


18. RE: Eine neue Welt - der Abschlußball

geschrieben von herman am 31.03.15 18:28

Zurück am Tisch erlebten sie, wie Herr Browning ein Mädchen von vielleicht zwanzig Jahren in einem korsettierten dunklen Abendkleid zum Tisch führte. Eine unbenutzte Handschelle baumelte von ihrem rechten Handgelenk, und Herr Browning stellte seine Enkelin Harriet vor, die alle Angebote zurückgewiesen hatte und es stattdessen vorgezogen hatte, mit ihrem Großvater zu tanzen, und damit ungebunden zu bleiben. Obwohl sie von ihren jüngeren Schwestern aufgeregt begrüßt wurde und nachdem sie beide umarmt hatte, eine fröhliche Unterhaltung begann, schaute die ganze Familie ein wenig besorgt und enttäuscht drein.
“Fräulein Sherri, wie schön, sie bei uns am Tisch zu haben. Großvater, Großmutter, ihr erinnert euch, daß ich euch über Fräulein Sherri geschrieben habe, sie ist diejenige, die mir durch Spanisch geholfen hat,“ sagte sie zu ihren Großeltern.
“Ich weiß nicht, wie ich ohne ihre Hilfe jemals durch diesen Kurs gekommen wäre.”
“Oh seien sie doch nicht albern, Fräulein Harriet, sie brauchten doch nur ein wenig Extra-Hilfe, um ein paar Punkte zu klären. Das kann doch jedem passieren,” versicherte Sherri dem Mädchen. “Auf jeden Fall war es mir ein Freude, ihnen zu helfen.”

Die nervöse Unterhaltung ging so weiter, und John wollte gerade Sherri zurück zur Tanzfläche führen, als Sara aufschaute und ausrief “Schaut, da ist er!”

Ein junger Mann in einem leicht zerzaust aussehenden Frack kam in schnellen Schritten zu ihrem Tisch gelaufen, und ein wenig außer Atem verbeugte er sich am Tisch. “Liebste Harriet, Herr und Frau Browning, es tut mir so leid. Es gab direkt vor mir einen dummen Verkehrsunfall, der die ganze Straße versperrte, und ich musste warten und dann auch noch meine Zeugenaussage für die Polizei machen. Und als ich hier ankam, war das Tor geschlossen, und der Wächter wollte mich nicht hereinlassen! Sie sagten, ich sei schon eingecheckt gewesen! Es hat etwas gedauert, sie zu überzeugen…”
Inzwischen waren alle drei Mädchen aufgesprungen und umringten ihn, und er umarmte alle drei gleichzeitig. Herr und Frau Browning, John und Sherri lächelten sich nur gegenseitig an. John ergriff die Gelegenheit, den Brownings ein wenig Zeit für sich zu lassen, und begleitete Sherri zurück zur Tanzfläche.
John brauchte einen Moment, um zu bemerken, daß die Sicherheitsmänner immer noch auf Posten waren, und er schalt sich im Geiste selbst, daß er seine Vorsicht fallen gelassen hatte. Er sollte schließlich Sherri in Sicherheit halten, obwohl er es sehr wohl genoß, sie endlich in seinen Armen zu haben.

“Fräulein Sherri?” fragte er, und sie hob ihren Kopf von dort, wo sie ihn während dieses langsamen Tanzes angelehnt hatte. “Haben sie während der ersten Hälfte des Abends jemanden bemerkt, der nicht hierher zu gehören scheint?”
“Nicht hierher gehört? Warum?”
“Der junge Jack war schon eingecheckt worden. Wenn die St. Sybil’s-Mädchen nicht gerade so schlampig mit ihren Aufzeichnungen sind, dann vermute ich, daß ein Hochstapler hier im Saal ist. Wenn sie sich umschauen, können sie all die zusätzlichen Sicherheitsleute sehen, die Captain Vergil aufgestellt hat.” Sherri löste sich ein wenig aus ihrer innigen Umarmung und betrachtete den Raum, während sie langsam herumtanzten. Nachdem ihr John die ersten beiden Wächter gezeigt hatte, identifizierte Sherri schnell einige der anderen.
Sie tanzten weiter zur nächsten Melodie, und John fand es sehr ablenkend, Sherri in seinen Armen zu haben.
“Ja!” sagte Sherri. “Da war ein Mann, der nicht recht hierher zu passen schien, er wollte keine Tanzpartnerin wählen, aber er mußte natürlich. Mir fiel auf, dass er auch nicht gut tanzen konnte. Aber wie kann er immer noch hier sein, wenn Fräulein Harriets Zukünftiger nun da ist, alle Mädchen Partner haben und kein einzelner Mann herumhängt?”
Sie tanzten ein wenig weiter.

“Bring uns zu Captain Vergil!” zischte sie schnell in Johns Ohr, als sie sich nach einer Drehung wieder umarmten. John tat wie ihm geheißen, obwohl er mehr Antworten von dem Mädchen wollte, aber die Konzentration auf den Tanz und die Richtung auf der überfüllten Tanzfläche ließ ihm keine Zeit für Fragen.
“Der Kellner bei Tisch zwölf ist ihr Hochstapler,” sagte Sherri zu Captain Vergil, als sie hinter das Podest für die Band traten, von wo er seine Ausschau hielt.
“Hochstapler?” fragte der Captain ruhig, obwohl seine Augen sofort zu dem Tisch wanderten, den Sherri genannt hatte.
“Er kam erst als Gast herein, aber er muß sich umgezogen haben,” insistierte Sherri, und bedeutete, dass John sie zurück zur Tanzfläche führen solle.
Als die Musik endete und die Tänzer zu ihren Tischen zurückkehrten, bemerkte John, dass die Wächter den fraglichen Kellner leise umzingelt hatten und ihn unauffällig aus dem Saal entfernten.
Sherris natürliches Talents zur Konversation brachte alle am Tisch zusammen und flatterte von einem Thema zum nächsten, als ein Kellner ein großes Tablett mit schokoladenüberzogenen Erdbeeren brachte und vor ihr abstellte. Alle sahen ihn an, aber er lächelte nur und ging. Sherri öffnete den kleinen Umschlag oben auf dem Tablett und bot die Köstlichkeiten allen am Tisch an, während sie die Notiz las.
Sherris Gesichtsausdruck von erfreuter Überraschung weckte Johns Interesse, aber die Notiz besagte einfach:

Fräulein Schneider:
Eine erfreuliche Wendung.
Danke für ihre Hilfe.
Captain Vergil.

Obwohl er verstand, warum der Captain für Sherris Hilfe dankbar sein mochte, wunderte er sich doch über die Anspielung auf eine Wendung. Er wollte gerade nachfragen, als Sherri ihm bedeutete, dass zu dem nächsten Tanz gehen sollten, und sie entschuldigten sich von dem Tisch.
Ein weiterer langsamer Tanz, und Sherri schmiegte sich an John und legte ihren Kopf schwer auf seine Brust. Er genoß ihre Nähe, doch er bemerkte, daß Sherri seiner Führung nicht mehr ganz so leicht wie bisher folgte. Der nächste Tanz war ein schwingender Slow Fox, und John sah in Sherris Gesicht. Offensichtlich hatte sie in ihrer Aufmerksamkeit nachgelassen und zeigte ihre Erschöpfung, die sie beinahe überwältigte. Als sie sein besorgtes Gesicht sah, lächelte sie, und ihre Miene hellte sich auf, doch John konnte immer noch die Erschöpfung in ihren Augen sehen.
“Wollen wir den nächsten Tanz auslassen, Fräulein Sherri?” schlug John vor, als er sie zurück zum Tisch begleitete. Sherri setzte sich willig, als John ihr den Stuhl hielt, nachdem er nun langsam besser an die Manöver gewöhnt war, die ihre zusammengeschlossenen Handgelenke erforderten.

Harriet und Jack tanzten weiter, und Sherri verwickelte den Tisch in eine Unterhaltung. Ihre Erschöpfung schien verschwunden, als die Brownings zu der Unterhaltung hinzustießen. Sie blieben noch einige Minuten, nachdem Jack und Harriet von ihrem Tanz zurückgekehrt waren, bevor Sherri John mit sich zog, um ihn weiteren Klassenkameradinnen vorzustellen.

Als die letzte Tanzrunde begann, führte Jack Walters eine glückliche Harriet Browning zum Tanz, nun fest mit ihr zusammengeschlossen.
Während eines weiteren langsamen Walzers begann Sherri, “Herr Scott, bitte sagen sie meinem Vater und ihrem Rechtsbeistand, daß ich ihrem Vormundschaftsvertrag freudig zustimmen werde. Aber da ich weiß, wie die Dinge sein werden, sagen sie ihnen bitte auch, dass ich auf einer VTKG-Klausel bestehe. Nein, bitte fragen sie mich jetzt nicht, vertrauen sie mir einfach, so wie ich ihnen vertraue, und seien sie versichert, dass es in unser beider Interesse sein wird!” sagte sie mit einem wissenden Lächeln beim Anblick seines fragenden Gesichtsausdrucks.

“Oh, und noch etwas. Bitte stellen sie es absolut sicher, rechtzeitig zu der Abschlußzeremonie nächsten Samstag zu erscheinen, Verkehrsunfall oder nicht, denn ich kann nur von meinem Vormund abgeholt werden. Wenn sie nicht da sind, um mich abzuholen, dann muß ich noch ein Semester dableiben!”
John versprach es, und viel zu früh endete der letzte Tanz, und nach ein paar Minuten für Verabschiedungen rief Schwester Elizabeth die Paare auf, ihre Handschellen öffnen zu lassen, und die Mädchen, sich zur Abschiedsparade aufzustellen.
Sie dankte allen Gästen und erinnerte sie an die Abschlußfeier am kommenden Samstag.
John blies Sherri einen letzten Kuß zu, als sie mit den anderen Mädchen hinausmarschierte, und verließ den Ball in glücklicher, doch auch nachdenklicher Stimmung, die ein wenig überschattet wurde von dem Gedanken an seinen bevorstehenden Konflikt mit Herrn Schneider über den Vormundschaftsvertrag.


19. RE: Eine neue Welt - der Abschlußball

geschrieben von pardofelis am 31.03.15 20:11

Und nochmals Dankeschön.

Und auch für die Anspielung und Nennung einiger (der?) wichtiger (wichtigsten?)Abkürzungen.

Dazu aber woanders mehr.
20. RE: Eine neue Welt - der Abschlußball

geschrieben von herman am 04.04.15 19:54

Danke wiederum für das Feedback.
Ich hatte ein wenig Zeit - hier kommt der vorletzte Abschnitt von diesem Stück.

-Herman.

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John lehnte die Benutzung einer Kutsche auf dem Weg zurück zum Tor ab, denn er wollte lieber laufen. Es gab eine wenig Betroffenheit darüber, dass er unbegleitet über das Schulgelände laufen wollte, doch Captain Vergil nickte zustimmend, und Professor Pickering entschied, mit ihm zusammen zu laufen.
“Ah, was für eine Nacht.” Der Professor seufzte. “Ich kann einfach nicht glauben, dass ich so viele Gelegenheiten mit Fräulein Ririka verpasst habe!”
“Ja, du und Schwester Ririka gebt ein sehr schönes Paar ab,“ sagte John, wobei sein Lächeln in der Dunkelheit des Abends verborgen blieb. Der Wind war eingeschlafen, und selbst mit der Wolkendecke war es für die Jahreszeit ungewöhnlich warm, oder wenigstens nicht so kalt wie sonst, in Johns Fall. Vielleicht gewöhnte er sich langsam an die Kälte des Nordens.
“Genau wie du, mein Freund.” Der Professor lachte und klopfte John auf die Schulter. “Fräulein Schneider scheint in deinen Armen zum Leben zu erwachen.” Die Dunkelheit verbarg Johns knallrotes Gesicht.
“Ja, vielleicht stimmt das. Sie ist eine faszinierende Frau,” antwortete John ein wenig sehnsüchtig, immer noch ein wenig gerührt von dem Abend.
“Ich kann mir vorstellen, dass es ein Mann mit deinem Hintergrund gewohnt ist, mit wilden und gefährlichen Tieren umzugehen,” sinnierte der Professor, offenbar immer noch ein wenig verzaubert von seinem Abend mit Ririka.

Sie liefen einige Sekunden lang in Schweigen weiter, während John über diesen Kommentar grübelte. Sherri erschien in der Tat eine seltsame Mischung zu sein aus vollendeten Manieren und gesellschaftlichen Umgangsformen zusammen mit ungezähmter Wildheit und Leidenschaft. Er fragte sich erneut, ob er der Herausforderung gewachsen war. Diese neue Welt war so ein seltsamer Ort, gefährlich auf so viele neue und verschiedene Weisen verglichen mit dem Dschungel, in dem er so lange gelebt hatte. Als er davon lief, ja, Professor Estness hatte recht, er war wirklich nach Norden vor den Gefahren und der Verantwortung davongelaufen, die er im Süden gehabt hatte, da hatte er nie erwartet, dass sein Leben so ähnlich sein würde, obwohl es so verschieden war.
Die Dinge waren gefährlich hier, obwohl er nicht glaubte, dass viele Leute realisierten wie gefährlich. Vielleicht war es so ähnlich wie mit den Vorsichtsmaßnahmen, die er normalerweise und ganz automatisch im Dschungel treffen würde, die Leute hier waren so gewöhnt an die Gefahren, dass sie sie gar nicht bemerkten. Und dann sein Davonlaufen vor der Verantwortung, die ein Zusammensein mit Sherri mit sich bringen würde, das hatte ihn wieder davonlaufen lassen, ohne Rücksicht auf den Schaden, den er damit anrichten würde, oder die Verantwortung, die er längst übernommen hatte. Er schüttelte den Kopf, zufrieden, dass er wenigstens schlau genug gewesen war, oder das Glück gehabt hatte, jemanden aufzusuchen, der ihm helfen konnte, seine Fehler zu sehen. Er, nein, sie beide würden in ihrer künftigen Beziehung viel Hilfe benötigen.
“Und wie kommt es, dass ein Fakultätsmitglied zu diesem Ball kommen kann als, nun, als Gast wäre wohl der beste Ausdruck.”
“Du meinst, wie Ririka und ich hier als Single-Tanzgäste hier sein können? Nun, ein unverheiratetes Fakultätsmitglied zu sein bringt gelegentlich doch einige Privilegien mit sich. Obwohl mit ein Bisschen Glück das mit dem ‚unverheiratet’ nicht mehr allzulange gelten wird,” antwortete der Professor, wobei er John mit dem Ellbogen in die Rippen stieß, mit einem gewaltigen Lächeln im Gesicht.
“St. Sybil’s will immer, dass diese Bälle große Ereignisse sind, und je mehr Teilnehmer, desto besser. Jedes unverheiratete Fakultätsmitglied kann teilnehmen, solange es eine gleich große Zahl des anderen Geschlechts gibt. Es gab tatsächlich zwei weibliche Fakultätsmitglieder unter den Mädchen für diesen Ball, Schwester Ririka, und Schwester Frances, die unser neuestes Fakultätsmitglied ist. Ein sehr angenehmes, wenn auch schmerzlich schüchternes Mädchen, obwohl sie es endlich lernt, ihre Klasse in den Griff zu bekommen. Jedenfalls gibt es eine Liste von heiratsfähigen Junggesellen, die eine offene Einladung für den Ball haben, obwohl nur wenige öfters kommen. Ich hatte wirklich Glück, dass ich dieses Jahr als Teilnehmer kommen durfte, obwohl ich die Ehre auch in der Vergangenheit schon hatte. Ich kann mein Glück immer noch nicht fassen, dass ich dich getroffen und deine Hilfe bekommen habe, Fräulein Ririka einzufangen. Ich kann dir nicht genug danken. Auch wenn es nun die ganze peinliche Geschichte einer Beziehung am Arbeitsplatz geben will, mit allen Augen auf uns, in jeder Minute.“
Er seufzte. “Nun, das wird es allemal wert sein,” schloß er, und das Grinsen kehrte auf sein Gesicht zurück.
Inzwischen hatten sie es bis zum Haupttor geschafft, und John holte unter den staunenden Blicken des Professors sein Messer ab. “Das ist eine ordentliche Waffe, die du da trägst, John,” kommentierte der Professor als sie in der Taxi-Schlange standen. “Möchtest du in Taxi mit mir teilen? Es würde es den anderen Gästen ein wenig leichter machen.”
John stimmte zu, und begleitete Professor Pickering zu seinem bescheidenen Heim in einer nahe gelegenen Wohngegend. Zuerst lehnte er das Angebot des Professors ab, auf einen Drink hereinzukommen. John hatte zwiespältige Gefühle – einerseits war er erschöpft davon, unter so vielen Leuten gewesen zu sein, neue Leute kennen zu lernen war anstrengend, andererseits war er noch viel zu aufgedreht, um auch nur an Schlaf denken zu können.
Nachdem er sich endlich entschlossen hatte, das Angebot des Professors anzunehmen, fand sich John in einem kleinen, doch gemütlichen Zimmer wieder. Der Geruch von Leder und altem Papier erfüllte Johns empfindliche Nase, da die Wände und auch viele der Tische und Stühle von Büchern bedeckt waren.
“Das Mädchen hat heute frei,” erklärte der Professor, als er für John einen Platz zum sitzen frei räumte. “Darf ich dir ein Betthupferl anbieten, oder vielleicht ein Tasse Tee?”
“Einfach nur Wasser, außer, du hast einen Fruchtsaft?” fragte John.

John untersuchte den Raum näher, während der Professor die Getränke holte.
Das Zimmer war zwar ein wenig ein Durcheinander, aber sehr sauber, und John betrachtete ein paar der persönlichen Bilder, die an der Wand hingen. James Pickering war offensichtlich früher viel auf Reisen gewesen, da es Bilder von ihm vor mehreren berühmten Sehenswürdigkeiten auf der ganzen Welt gab, obwohl John bemerkte, dass die meisten im Orient waren.
Noch etwas mehr orientalisches Flair zeigte sich in den wenigen Kunstwerken und Skulpturen, die den Raum zierten.

“Nun, was für eine Nacht,” sagte der Professor, als er sich setzte, nachdem er die Getränke serviert hatte. “Ich kann es immer noch nicht fassen, dass sich Ririka für mich interessiert. Was für ein Narr bin ich doch gewesen.” Er schüttelte den Kopf. “Bitte entschuldige John, ich rede daher wie ein Teenager, der zum ersten Mal verknallt ist.”
“Das ist völlig in Ordnung, Profes… James.” John korrigierte sich. “Es ist seltsam, aber ich habe das mehr als einmal erlebt, seit ich zurück bin. Ich habe mich gefragt, wie nur Männer und Frauen in dieser Gesellschaft zusammenkommen, so streng und getrennt wie alles zu sein scheint.”
“Ja, ich sehe deinen Punkt, und wenn ich mit einigen meiner jüngeren Kollegen traf, bemerkte ich oft, dass viele von ihnen noch Singles sind. Soweit ich gehört habe, gibt es sogar eine Zunahme von arrangierten Hochzeiten,” überlegte der Professor.
“Sag mir, wie haben sich du und Fräulein Schneider denn getroffen? Ihr zwei seht nicht so aus, als ob ihr in der Vergangenheit in den selben Kreisen verkehrt hättet, und wenn ich mich nicht irre, dann warst du noch nicht lange in der Stadt vor ihrer Entführung durch die Militantetten und ihrer Rückkehr zu St. Sybil’s.”
“Ähm, nein, es war wirklich ein Zufall, oder so viel Zufall, wie mir zuzustoßen scheint,” sagte John ein wenig kryptisch, während er an Lily und Wilkerson dachte.
“Ich bin in das selbe Apartmenthaus eingezogen wie Sherri, und, nun, man kann wohl sagen, dass wir immer wieder aufeinander stießen. Es stellte sich heraus, dass ich mich bei dem selben Fitbness-Club angemeldet hatte, und nun, sie ist eine attraktive Frau, und wir haben einfach eine Unterhaltung angefangen. Ich glaube inzwischen, dass sie mir nach unserer ersten Begegnung ein wenig nachgelaufen ist,” sagte John mit einem Lächeln. “Sie scheint ziemlich durchsetzungsfähig dabei zu sein zu bekommen, was sie will, oder wenigstens das, von dem sie denkt, dass sie es will.”
“Ja, ich denke, das beschreibt Fräulein Schneider ziemlich gut. Ich erinnere mich an sie von ihren ersten Jahren bei St. Sybil’s. Eine ziemlich wilde, und nicht leicht in die Form von St. Sybil’s zu bringen. Was für ein anderes Mädchen sie geworden ist. Sie war damals in mehreren von meinen Kursen, und ich habe versucht, allen Mädchen zu helfen, aber Fräulein Schneider war seltsam. Bei all ihren Disziplin-Problemen waren gute Noten, jedenfalls in den mehr akademischen Fächern, nie ein Problem für sie, ganz besonders in den Sprachen, wie du sicher schon weißt, aber auch sehr versiert in Literatur, Geschichte und den Geisteswissenschaften, in Mathematik und den meisten naturwissenschaftlichen Fächern. Sie ist sogar eine brauchbare Pianistin und Künstlerin, nach dem, was ich gesehen habe. Ich habe weniger von Fräulein Schneider gesehen, als ihre Ausbildung voranschritt, und sie die meiste Zeit damit verbrachte, sich auf die Kurse zu konzentrieren, die sich mit Etikette und Kultiviertheit befassen, bei denen St. Sybil’s so gut ist. Ich war erfreut zu sehen, dass sie, wenn schon nicht gerade auf Linie gebracht, wenigstes so weit gebracht wurde, dass sie den Anschein erweckte, für diese neue Gesellschaft akzeptabel zu sein.”
Der Professor unterbrach sich für einen Moment und nippte an seinem Drink.
“Aber was ist mit dir? Ich erinnere mich darin, dass ich etwas über dich gelesen habe, und über deine Abenteuer, wie du Fräulein Schneider vor den Militantetten gerettet hast. Ich nehme mal an, dass es eine Rettung war, und nicht wie einige der mißgünstigeren Artikel berichtet haben. Ich finde es seltsam, wie wenig Presse du für deine Handlungen bekommen hast. Von dem wenigen, was ich erfahren konnte, kann ich nur annehmen, dass sie ziemlich weitreichend waren. ”
“Ich stehe nicht gerne im Licht der Öffentlichkeit,” erklärte John.
“Was wir gerne haben und was wirklich passiert sind oft zwei verschiedene Dinge.”
“Ich glaube, ich hatte dabei ein wenig Hilfe. Ein Freund der Familie ist Anwalt, und Richter Schneider hat auch einiges von seinem Einfluß verwendet, um die Dinge ruhig zu halten.”
“Ich habe gelesen, dass du schwer verletzt wurdest.”
“Ich glaube das kann man so sagen,” antwortete John, wobei er unbewußt sein Bein rieb und die Augen schloß.
“Ich habe ein Bißchen mehr Kampf und Tod gesehen, als ich jemals wollte, aber es scheint mich überall hin zu verfolgen.”
“Nun, du mußt ein interessantes Leben führen…”
“Manchmal war es interessant im Sinne des chinesischen Fluchs,” versicherte ihm John.
“Ich nehme an, das ist der Grund für das große Messer.”
“Ja. Es ist schon seit langer Zeit mein Freund,“ sagte John, und spürte das beruhigende Gewicht an seinem Bein. “Was mich erinnert.” Er zog das Steakmesser heraus und überreichte es dem Professor. “Kannst du das St. Sybil’s für mich zurückgeben?”

“Ich entschuldige mich dafür, dass du dich in der Schule nicht sicher gefühlt hast. Ich kann dir versichern, St. Sybil’s einer der sichersten Orte in der Stadt ist, wenn nicht im ganzen Land,” sagte der Professor etwas bestürzt, und starrte auf das Messer.
“Ich bin sicher, dass es das ist, und ihr habt Captain Vergil dafür zu danken.”
“Hm. Captain Vergil. Ein Bißchen ein Prinzipienreiter mit seinen Sicherheitsprozeduren,” sagte James mit etwas Abneigung. John lächelte. Er hatte den Mann schon genug verteidigt.
“Ich danke dir für deine Gastfreundschaft, aber ich glaube, es ist Zeit für mich zu gehen. Vielleicht kann ich ein Taxi rufen, bevor ich Deine Gastfreundschaft überstrapaziere.”
“Ich könnte dich heimfahren,” erbot sich der Professor.
“Nein, du hattest selbst auch einen langen Tag, James.”
Ein Taxi kam kurze Zeit später, und John wurde schnell zurück zu seinem Hotel und dem lang ersehnten Schlaf gebracht.



21. RE: Eine neue Welt - der Abschlußball

geschrieben von herman am 06.04.15 12:42

Bemerkung: Frank Charters ist Freund der Familie und Johns Anwalt. Ein FAC ist ein ‚Female Auto Carrier’, eine verschlossene, geschützte Transportbox, in der Frauen darin sitzend im Auto transportiert werden können.

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“Du siehst heute morgen nicht gerade frisch und munter aus, John,” sagte Frank mit überaus erfreuter Stimme. “Hast du dich auf dem Ball letzte Nacht gut amüsiert? ”
“Ich glaube, ich war länger als sonst auf,” antwortete John. “Es war…”
“Nein, erzähle es mir nicht.” Frank unterbrach ihn abrupt, als er mit dem Wagen etwas zu schnell in die Auffahrt zum Country Club einbog.
“Kaitlin wird alles hören wollen, und sie würde mich umbringen, wenn ich ein saftiges Detail vor ihr erfahre.”

Wie beim letzten Mal wurde Kaitlin aus ihrem FAC und von ihrem Mantel befreit, doch blieb sie geknebelt, bis sie Platz genommen hatten, ein Tatsache, die sie gerade so eben noch ertragen konnte.
“Also John, erzähl mir von dem Tanz,” verlangte sie, nachdem der Knebelsteward gegangen war.
John folgte ihrer Aufforderung und ließ dabei nur den Hochstapler und Sherris Rolle bei seiner Ergreifung aus.

“Oh, und Sherri bat darum, dass du eine VTKG-Klausel in den Vertrag aufnimmst,” sagte John gerade als Frank dabei war, seinen Orangensaft auszutrinken. Der folgende Tumult brachte mehrere Kellner an ihren Tisch, die den verschütteten und versprühten Orangensaft von den Tischen und Gästen putzten, der jedoch zum Glück Kaitlins engen Sweater größtenteils verfehlt hatte. John hatte schon ihre Figur bewundert, die sich unter dem engen, in Herbstfarben gehaltenen Top abzeichnete, die sie vorzuziehen schien. Das im Rücken geknöpfte Top verdeutlichte ihre Brust und ihre schmale Taille und schien doch ihre Oberarme eng an ihren Seiten zu halten. Als sie durch die Eingangshalle zum Speisesaal gelaufen waren, hatte er bemerkt, dass sie wieder einen Lederrock trug, vielleicht den selben wie damals, als sie sich das erste Mal getroffen hatten.
Mit ihren hochhackigen Stiefeln stellte sie eine attraktive Figur zur Schau.
“Glaubst du nicht, dass du die Dinge ein wenig überstürzt, John?” fragte Kaitlin, während Frank versuchte, seine Fassung wiederzuerlangen.

“John, weißt du, was ein VTKG ist?” fragte Frank, während er sich von seinem Hustenanfall erholte und die Kellner davon winkte.

“Ähm. Nein, nicht wirklich. Sie hat es mir nicht gesagt, hat mich nur darum gebeten, ihr zu vertrauen,” sagte John leise. Das Aufsehen und die damit verbundene Aufmerksamkeit machten John nur umso nervöser. Frank und Kaitlin tauschten ein wissendes Lächeln aus.
“Mein Lieber, es steht für einen Verlobungstyp-Keuschheitsgürtel,” sagte Kaitlin ruhig mit gedämpfter Stimme.
John schaute sie einen Moment fragend an.
“Keuschheitsgürtel?” fragte er, dann weiteten sich seine Augen.
“Verlobung?!?” fragte er viel lauter, als er wollte.
“Ich hätte nie gedacht, daß ich mit dir einmal das Gespräch über die Blumen und die Bienen führen müssen würde," sagte Frank mit einem gepressten Lächeln.
“John, erinnerst du dich daran, wie ich dir sagte, daß du keine ehelichen Rechte bei Fräulein Schneider haben würdest?” John nickte.
“Das Recht einer Frau auf Fortpflanzung …”
“Und auf ihren ganzen Körper,” fügte Kaitlin säuerlich hinzu.
“Ja.” Frank lächelte matt. “Vielleicht sollte ich den Knebelsteward zurückrufen?”
Kaitlin runzelte die Stirn, senkte den Blick und schüttelte kurz den Kopf.
“Jedenfalls wird jedes Mädchen, oder jede Frau vom Status von Fräulein Schneider einen Schutz tragen, ja, einen Keuschheitsgürtel, wenn auch nicht eines von diesen mittelalterlichen Dingern.” John konnte sehen, dass Kaitlin hier etwas hinzufügen wollte, doch Franks Drohung ließ sie stumm bleiben, “Sie sind ziemlich effizient. Ein VTKG gibt einem Paar ein paar Möglichkeiten mehr. Obwohl kein Verkehr möglich ist, sind andere, ähm, Stimulationen möglich, die sonst nicht gestattet wären,” sagte Frank ein wenig vage. “Äh, ich weiß nicht, wie Herr Schneider diese Änderung ohne weitere, äh, Verpflichtung von deiner Seite aufnehmen wird.”
“Also denkt Sherri, dass sie einen Keuschheitsgürtel zum Schutz vor mir tragen muß?” fragte John geschockt.
Kaitlin schaute kurz auf Frank und sprach erst, als er nickte.
“John, Lieber, es geht nicht um dich, ganz im Gegenteil, wirklich. Alle Klasse Eins-Mädchen tragen eine Art von Keuschheitsgürtel.“ Er sah zu, wie sie errötete.

“Das ist auch für mich hier ein Erfordernis,” sagte sie noch leiser, “obwohl Keuschheit kaum das richtige Wort für die Gürtel ist. Seit ich Herrn Charters Mündel geworden bin, finde ich mich meist einen Gürtel tragen, wenn ich das Haus verlasse. Ich denke, man könnte sagen, dass eine gut angezogene Dame nicht ohne einen Gürtel erwischt werden kann, etwa wie mit einem Korsett.”
“Nun, das ist wahr,” fügte Frank hinzu. “Sie stellen auch eine Methode zur Verfügung, die hilft, Frauen zu kontrollieren. Ich habe einen Controller,” Frank fischte ein kleines Gerät mit mehreren Knöpfen aus seiner Tasche, “der es mir erlaubt, gewisse Funktionen von Kaitlins Gürtel zu kontrollieren.” John bemerkte, daß Kaitlin das Gerät mit Unbehagen betrachtete.
“Bitte steck das weg Frank,” wisperte Kaitlin. “Es tut mir leid, John; dies ist einfach kein Thema für eine höfliche Unterhaltung. Aber du verstehst jetzt, dass Sherri anstelle vor dir geschützt sein zu wollen, soviel Freiheit wie möglich innerhalb der ihr auferlegten Begrenzungen haben will,” sagte sie ihm, während sie sich in dem Raum umschaute. Sie bekamen immer noch gelegentliche Seitenblicke nach Franks Ausbruch, wurden jedoch im Allgemeinen ignoriert.
“Ja, ich denke, das wäre in einem privateren Rahmen besser, aber diese Klausel wird einige Diskussionen mit Richter, ich meine Herrn Schneider hervorrufen,” fuhr Frank fort, während er den Controller wieder in seine Tasche steckte.
“Würde das bedeuten, dass wir verlobt wären, um zu heiraten?” fragte John. Verwirrung herrschte in seinem Kopf. Und wie mit den meisten Dingen mit Sherri erschreckte und erregte ihn der Gedanke zugleich. Er schob die Idee zurück in den Hintergrund seiner Gedanken, um später darüber nachzudenken, jedoch zu seiner eigenen Überraschung mit viel weniger Widerstreben, als er erwartet hatte.
“Nun, nein, das ist der schwierige Teil, und ich weiß nicht, was Fräulein Schneider damit erreichen will. Siehst du, der VTK...” Frank brach nach einem warnenden Blick von Kaitlin ab. “Also, wir werden später mehr über die Einzelheiten reden, aber Fräulein Schneider muß wissen, wie ihr Vater über ihren Schutz denkt, und naja, du hast nicht um ihre Hand angehalten, oder?” John schüttelte nur den Kopf und versuchte zu verstehen, was er gesagt bekam. “Ich weiß nicht, was Sherri denkt, und ich werde nicht einmal versuchen, es zu erraten. Vielleicht ist ihr Vater in diesen Dingen liberaler, als ich dachte.”



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Damit ist dieser Ausschnitt zu Ende.
Falls es weitergeht, werde ich an anderer Stelle wieder einspringen - dann mit ein paar weniger angenehmen Abenteuern von Sherri, denn es ist ja nicht alles schön in dieser Welt.

Gibt es noch Interesse?

-Herman.
22. RE: Eine neue Welt - der Abschlußball

geschrieben von pardofelis am 06.04.15 22:46

Hallo herman,

was soll denn diese Frage?
Logisch ist hier Interesse. Hier entwickelt sich eine genauso schöne Geschichte wie "Dina" und du fragst?
Ich weis ja, das diese Geschichte für dich schon älter ist, aber ich bin immernoch Deutscher,
kein Denglender und kein Engropäer. An mir geht diese Geschichte oder der Roman sonst vorbei.

Mach weiter wann, wie, und wo du willst, aber mach weiter.

Bitte. Bitte. Bitte.


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