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eröffnet von HeMaDo am 22.04.17 20:25
letzter Beitrag von krinlyc am 07.03.19 17:12

1. Neue Horizonte - 2

geschrieben von HeMaDo am 22.04.17 20:25

Diese Geschichte ist eine direkte Fortsetzung meiner Geschichte Neue Horizonte

Eigentlich wollte ich hier schon viel früher beginnen aber durch kleinere Problemchen und einen kurzen Osterurlaub komme ich erst heute dazu hier zu schreiben. Ich wünsche allen Lesern viel Spaß beim Lesen und freue mich auf Kommentare, Wünsche, Anregungen und Kritik.

Ich wusste anfangs nicht so recht ob diese Geschichte unter SM-Stories richtig aufgehoben ist, aber erstens würde diese Geschichte auch in die meisten der anderen Kategorien hinein passen und zweitens steht auch die Vorgeschichte in dieser Rubrik, weshalb ich denke daß sie hier gut aufgehoben ist.

In dieser Geschichte geht es mit Mara, Larissa, Frida und Rebecca weiter. Wie es mit Kim und Georgia weiter geht ist eine eigene Geschichte.


Ich wünsche allen Lesern noch ein schönes Wochenende,

HeMaDo
2. RE: Neue Horizonte - 2

geschrieben von HeMaDo am 22.04.17 20:27

1 – Neuanfang


Mara war relativ froh darüber das Herrin Julia sie gekauft hatte. Sie wusste zwar nicht, wo sie das hin führen würde aber sie war sich sicher, es bei Herrin Julia noch recht gut getroffen zu haben.
Von Straßburg aus waren sie etwa zwei Stunden gefahren. Die Stadt in der sie sich jetzt befand war nur ungefähr eine Autostunde nördlich von Wiesbaden, dem Ort an dem sie aufgewachsen war, entfernt. Doch für sie erschien es unerreichbar weit weg. Und außer Kira, ihrer Schwester, zog sie auch nichts mehr dort hin.

Nun stand sie vor einem freistehenden Haus mitten in einer Stadt mit etwa 100.000 Einwohnern. Auf der anderen Straßenseite hatte sie mehrere große Wohnblöcke gesehen doch dieses Haus inmitten in der Stadt war von Bäumen und einem großen Garten umgeben. Fast sah es aus wie in einem kleinen Park. Sie blickte die schmale Nebenstraße entlang und sah Wasser zwischen den Bäumen hindurch glitzern.
Sie betrachtete das Haus. Es war zweigeschossig und gelb verputzt. Alle Fenster des Hauses bis auf die großen Schaufenster besaßen grün gestrichene Fensterläden aus Holz.
In den zwei großen Schaufenstern zu der Nebenstraße hin standen allerlei Möbel und andere Gegenstände aus dem letzten halben Jahrtausend und es machte fast den Eindruck daß der Laden weiter hinten vielleicht sogar Julius Cäsars Lorbeerkranz beherbergen würde oder Excalibur, König Artus Schwert.

„Komm, hol deine Tasche und lass uns rein gehen.“ sagte Herrin Julia aufmunternd und deutete an dem Haus vorbei.
Mara holte ihre Reisetasche mit dem Logo der Schule aus dem Fond des Wagens und ging zu ihr. Sie folgte ihr bis zur Hausecke wo Herrin Julia auf einmal sagte „Warte, nicht erschrecken, das“ sie deutete um die Ecke „ist genau das wonach es aussieht.“ Mara fragte sich was sie nun gleich zu sehen bekommen würde was so erschreckend sein sollte das sie sie davor warnte. Sie machte sich auf irgend welche riesigen Hunde oder etwas in der Art gefasst. In diesem Parkartigen Grundstück hielt sie sogar irgend welche Fabelwesen wie geflügelte Löwen nicht für ausgeschlossen. Sie folgte ihrer Herrin um die Ecke und sah ein weiteres großes Schaufenster. Sie vermutete dort genau die selben Antiquitäten wie in den Beiden zur Straße hin und schaute erst garnicht richtig hin. Vielmehr hielt sie Ausschau nach dem was sie anscheinend so erschrecken sollte, doch dann warf sie einen flüchtigen Blick auf dieses Schaufenster. Schlagartig wurde ihr Klar was Herrin Julia meinte und sah nun genauer hin. In diesem Schaufenster standen mehrere Schaufensterpuppen, keine wies etwas auf, was man als normale Kleidung bezeichnen würde. Eine davon trug ein schwarzes Unterbrustkorsett aus Leder, von diesem ging ein breites Band nach unten zwischen den Beine der Puppe hindurch. Nach oben führten drei weitere Lederbänder, eines zwischen den Brüsten entlang welches an einem sehr breiten Halsband endete, die anderen beiden mitten über die Brüste, diese waren in Höhe der Brustwarzen mit einem weiteren Band verbunden welches in dieser Höhe anscheinend einmal herum lief. Weiter oben führten die Bänder über die Schultern. An den Armen und den Fußgelenken trug die Puppe Bänder, ebenfalls aus Leder und mit langen, spitzen Stacheln ausgestattet. Eine zweite Puppe trug ein ähnliches Geschirr, allerdings befanden sich an den Seiten mehrere breite Stahlringe. Auch der Kopf dieser Puppe war in ein Geschirr aus Lederbändern gezwängt worden. Es besaß sogar Scheuklappen und vor dem Plastikmund der Puppe hing eine richtige Trense von der zwei Zügel herab hingen. Die Arme waren unnatürlich weit nach hinten gebogen und steckten in einer einzelnen Lederhülle die beide Arme und die Hände fest umschloss. Komplettiert wurde dieses Kostüm noch durch ein paar Lederschnürstiefel die der Puppe bis zu den Knien reichten und die Füße fast senkrecht hielten. An Stelle von Absätzen besaßen diese Stiefel sogar kleine Hufeisen. Hinter dem Rücken hing sogar ein echter Schweif an der passende Stelle herab.

„Na, das scheint sich ja zu faszinieren.“ hörte sie Herrin Julias Stimme wie aus weiter Ferne. Sie riss sich von dem Anblick los und schaute auf. Die Herrin war bereits um die nächste Ecke gegangen und schaute nun hinter dieser hervor. Sie kam zurück und stellte sich neben Mara. „Das hier ist mein Laden, der andere mit dem ganzen Gerümpel gehört eigentlich meiner Schwester. Aber die hat es vorgezogen vor ein paar Jahren weg zu ziehen nachdem ihr Mann gestorben war. Jetzt führe ich beide Läden. Deshalb bin ich auch ein wenig überlastet damit.“ sagte sie. „Scheint dich ja wirklich zu faszinieren.“ sie beobachtete Mara die den Blick nicht von dieser Puppe mit dem Pferdegeschirr lassen konnte. „Ich hab im Lager einen Sulky, wenn du willst, können wir damit ja mal durch den Park fahren.“ sagte sie lachend.
Mara schüttelte den Kopf. Sie ahnte worauf das hinaus laufen würde, aber darauf als Pferd verkleidet einen Wagen und in diesem ihre Herrin sitzend zu ziehen hatte sie nicht das geringste Bedürfnis. „Ich glaube, da laufe ich lieber jeden Morgen durch den Park.“ sagte sie abwesend.
Herrin Julia lachte. „Schade eigentlich, ich glaube mit deiner hübschen roten Mähne würdest du dich als Pony sicher gut machen.“
Mara warf ihr einen ungläubigen Blick zu.
„Komm, lass uns mal rein gehen. Ich zeige dir erst mal dein Zimmer und dann trinken wir einen Kaffee bevor ich dir das Haus zeige.“ sagte Herrin Julia. Sie ging wieder in die selbe Richtung wie eben. Dieses Mal folgte Mara ihr schnell. Sie wollte auf keinen Fall daß ihre Herrin doch noch auf die Idee kam sie in solch ein Kostüm zu stecken und sich damit womöglich noch in der Öffentlichkeit zeigen zu müssen.

Sie folgte ihr in den Hintereingang des Hauses. Von einem kurzen Flur gingen mehrere Türen ab. „Da vorne geht’s zu dem Antiquitätenladen, rechts zu meinem Geschäft. Hier vorne ist das WC und die Treppe nach unten geht’s in den Keller.“ sie grinste breit als sie das sagte. Dann ging sie zu der zweiten Treppe die nach oben führte. Mara folgte ihr diese Treppe und noch eine weitere hinauf.

„So, das ist das Dachgeschoss, weiter nach oben geht’s nicht mehr.“ Sie standen in einem recht großen Raum der über die gesamte Breite des Dachgeschosses ging und bis auf einen weichen Teppich komplett leer war. „Da links ist dein Zimmer. Das Bad ist daneben.“ sie deutete auf zwei Türen der Treppe direkt gegenüber. „Hier kannst du dich ausbreiten. Ich würde sagen, du machst dich ein wenig frisch und kommst dann in einer halben Stunde runter.“ mit diesen Worten ließ sie Mara alleine in dem großen Raum.

Sie ging zu der linken der beiden Türen und fand sich in einem großzügigen Schlafzimmer wieder in dem ein Bett mitsamt Nachttisch und ein Kleiderschrank standen. Der Rest des Zimmers war leer. Auf der freien Fläche hätte man sogar noch gut tanzen können fand Mara. Sie legte ihre Tasche auf das Bett und ging in das Badezimmer. Hier gab es neben Waschtisch und Toilette eine Dusche und sogar eine Badewanne. In einem Schrank neben dem Waschtisch fand sie mehrere Handtücher. Sie wusch sich das Gesicht und die Hände und trocknete sich ab. Dann ging sie wieder nach draußen und sah sich noch einmal um. Gegenüber der Badezimmertür ging ein schmaler Gang neben der Treppe entlang. Dieser umrundete die Treppe und führte dann in ein weiteres, wesentlich kleineres Schlafzimmer in dem lediglich ein Bett und ein Schrank standen. Sie fragte sich, warum sie nicht dieses Zimmer bekommen hatte. Das andere Zimmer war doch für sie alleine viel zu groß fand sie. Aber wenn die Herrin das so wollte, war das sicher schon in Ordnung. Sie ging zurück in ihr neues Schlafzimmer und sah sich um. Dies war also von nun an ihr Zimmer. Sie hätte es wesentlich schlechter treffen können dachte sie. Obwohl das Zimmer sehr leer aus sah fand sie es schön. Sie ging zum Fenster und schaute heraus. Von hier aus konnte sie das Wasser sehen welches ihr vorhin schon aufgefallen war. Es war kein Fluss sondern ein offenbar von Menschenhand errichteter Graben, vielleicht war es einmal eine Art Burggraben gewesen. Eine Brücke führte über diesen Graben wo der Weg zwischen den Bäumen verschwand.

Sie begann damit ihre Sachen in den viel zu großen Kleiderschrank ein zu räumen womit sie recht schnell fertig war. Sie zog eine saubere, einfache Tunika an und ging wieder in das große Zimmer, wo sie ebenfalls aus dem Fenster schaute. Auf der einen Seite konnte sie den Weg vor dem Haus und einen Teil der Straße mit den großen Wohnblöcken sehen, zwischen den Bäumen hindurch konnte sie eine Art Bürogebäude oder etwas ähnliches sehen. Davor liefen trotzdem es Samstag Mittag war einige jüngere Menschen herum. Anhand ihrer Kleidung und ihres Auftretens musste sie unwillkürlich an Studenten denken. Viele von ihnen liefen mit Büchern unter den Armen herum. Aus dem anderen Fenster konnte sie in den großen Garten sehen. Dieser lief spitz zu, er folgte offenbar dem Gewässer zur Rechten. Auf der dem Wasser zugewandten Seite sah sie eine Art großen Schuppen mit mehreren breiten Toren. Dieser war, wie das Haus gelb verputzt, allerdings waren die Türen und Fensterläden an diesem in einem dunklen Braun gehalten. Nun ging sie noch zu dem letzten Fenster auf der Seite zur Straße hin. Doch hier konnte sie so gut wie garnichts sehen denn ein großer Baum stand davor so daß sie lediglich den gegenüber liegenden Wohnblock erahnen konnte.

Sie erinnerte sich daran das sie nach einer halben Stunde herunter kommen sollte. Aber sie hatte nicht die geringste Ahnung wie viel Zeit bereits vergangen war, schätzte aber daß die halbe Stunde bestimmt balde vorbei sein würde. Also beschloss sie nach unten zu gehen. Sie ging zurück zur Treppe und ging nach unten. Dort gab es auf dem Absatz zwei Türen. Wie Herrin Julia gesagt hatte, nahm sie die rechte Tür und klopfte an. Als auch nach den zweiten Klopfen keine Antwort kam, öffnete sie vorsichtig die Tür. Sie fand sich in einer großen, modern eingerichteten Küche wieder. Sie schaute sich vorsichtig um und bemerkte zu ihrer Rechten eine weitere Tür. Langsam ging sie auf diese zu und fand Herrin Julia mit Kopfhörern auf den Ohren in einem geräumigen Esszimmer. Sie trat in das Zimmer und knickste. Nun bemerkte sie die Herrin und nahm ihre Kopfhörer ab.
„Hallo Mara, das ging aber schnell.“ sagte sie freundlich.
„Verzeihung Herrin, aber ich habe keine Uhr.“ sagte Mara verlegen.
„Ich verstehe. Die sollten wir gleich mal auf die Einkaufsliste für Montag setzen. Wie gefallen dir denn deine Zimmer?“
„Sie sind sehr groß.“ sagte Mara weil ihr nichts besseres einfiel.
Herrin Julia lachte. „Findest du? Du kannst sie dir später noch einrichten. Montag kaufen wir erst mal nur die wichtigsten Sachen und aus den Geschäften unten kannst du dir alles was dir an Möbeln gefällt mit nach oben nehmen. So ein großes Wohnzimmer sollte ja nicht so leer bleiben, das sieht nur dann nicht albern aus wenn man darin tanzen will. Du kannst doch tanzen, oder?“
„Ja Herrin, das habe ich in der Schule gelernt.“ sagte Mara. Sie war durch den plötzlichen Themenwechsel etwas irritiert.
„Sehr schön, das freut mich. Dann muss ich nicht mehr dauernd irgend welche wildfremden ansprechen ob sie mit mir tanzen wollen.“ erklärte die Herrin. „Komm, dann lass uns mal Kaffee machen, dabei kannst du die Küche gleich ansehen und weißt schon mal ungefähr wo alles zu finden ist.“ Sie stand auf und ging an Mara vorbei zurück in die Küche. Mara folgte ihr und die Herrin zeigte ihr wo alles zu finden war. Mit der Zeit würde sie sich das sicher alles merken können doch im Moment war das einfach zu viel auf einmal. Sie erklärte ihr wie die vollautomatische Kaffeemaschine funktionierte und Mara kochte zwei Tassen Kaffee während die Herrin einen fertigen Kuchen aus einem Schrank nahm und diesen an schnitt.
Mara brachte den Kaffee, Teller und Gabeln an den Esstisch und holte dann den Kaffee, Zucker und Milch.
„Dann setz dich.“ sagte Herrin Julia nachdem sie sich selbst an den Tisch gesetzt hatte.“ Mara nahm Platz und wartete bis diese anfing zu essen. Sie nahm sich ein Stück Kuchen auf den Teller und begann diesen zu essen. In ihren Kaffee schüttete sie sich viel Milch und trank diesen langsam.
„Sag mal, besonders gesprächig bist du aber nicht, oder?“ fragte Herrin Julia unvermittelt nachdem sie ihren Kaffee ausgetrunken hatte.
Mara wusste nicht mehr als mit „Verzeihung Herrin“ zu antworten, was hätte sie auch sagen sollen?
„Na, ich nehme an, das gibt sich auch noch.“ Sie stand auf und begann selbst das Geschirr weg zu räumen. Mara beeilte sich das restliche Geschirr in die Küche zu bringen und gleich in die Spülmaschine ein zu räumen.
„Dann zeig ich dir mal das Haus.“ sagte Herrin Julia und ging gleich zurück ins Esszimmer. „Das hier ist die Essecke, aber ich esse lieber in der Küche, da sind die Wege nicht so weit und für mich alleine ist das praktischer. Und das muss ich jetzt auch nicht ändern.“ Mara nickte darauf hin. „Das ist das Wohnzimmer.“ sie deutete auf die Couchecke die in der anderen Hälfte des Raumes Platz gefunden hatte. „Und da geht’s in mein Bad und mein Schlafzimmer.“ Sie öffnete eine Tür in einen schmalen Flur und zeigte Mara die beiden Räume. „Wenn du magst, kannst du gerne rein kommen, das überlass ich dir.“ Mara schluckte und schaute sie ein wenig hilflos an.
Julia betrachtete Mara die in das Schlafzimmer starrte und sehr unsicher aus sah. Kein wunder wenn sie bisher noch keine Erfahrung hatte. Sie hatte von Miss Isabella zwar erfahren das es eine Art praktische Übung an sehr realistischen Puppen gegeben hatte aber das war natürlich etwas vollkommen anderes als mit einem echten Menschen. Sie konnte ihr nicht verdenken das sie im Moment so hilflos und ein wenig verängstigt aussah. ’Mal sehen, wie sich das so entwickelt,’ dachte sie und schob Mara aus dem Flur heraus zurück ins Wohnzimmer.
’Was soll diese blöde Regel mit dem Schlafzimmer eigentlich?’ Fragte sich Mara. Sie fühlte sich ziemlich unwohl. ’Das wäre doch alles viel einfacher wenn sie einfach sagen würde ich soll mit kommen. Jetzt hab ich den schwarzen Peter.“
Herrin Julia ging durch die Küche zurück ins Treppenhaus wohin Mara ihr folgte. „Da geht’s ins Gästezimmer. Aber da ist nur ein Bett drinne und ein Schrank.“ Sie ging die Treppe hinunter und öffnete die Tür links. Mara trat nach ihr in den Laden ein. In diesem standen recht ungeordnet jede Menge alter und uralter Möbelstücke, einige Vasen und zwischen den beiden Türen saß ein steinerner Löwe in Lebensgröße auf dem Boden. Wenn man den Laden durch die Vordertür betrat würde er einen direkt ansehen. Der Laden war U-förmig um das Treppenhaus herum gebaut und stand komplett voll mit Antiquitäten und offenbar auch Ramsch. In der hintersten Ecke gab es ein Regal mit Büchern aller Richtungen, davor standen Kommoden und kleine Schränke aller Art. In einem weiteren Regal befanden sich jede Menge Vasen. Es würde sicher Monate dauern hier alles auf zu räumen dachte sich Mara.

Schräg gegenüber der Eingangstür befand sich ein kleiner Tresen mit einer Kasse darauf. „Meine Schwester hat auf jedem Teil ein Preisschild angebracht. Aber der Preis ist immer um die Hälfte teurer als die Sachen wirklich wert sind. Sie meint, damit sind die Kunden zufrieden wenn man langsam mit dem Preis runter gehen kann und es freut die Kasse wenn man es nicht tun muss.“ sagte Herrin Julia grinsend. „Es wird wohl noch Jahrzehnte dauern das alles hier zu verkaufen. Und wenn das geschafft ist gibt es im Schuppen noch ein Lager das mindestens genau so groß ist.“
„Ich verstehe.“ sagte Mara. Sie vermutete, daß das die nächsten Jahre wohl ihre Aufgabe sein würde.
Wie richtig sie damit lag erfuhr sie gleich darauf. „Wenn du dich hier etwas eingelebt hast und dich etwas hier auskennst dann kannst du dich hier austoben und nebenbei die Buchhaltung machen während ich den anderen übernehme.“
Wahrscheinlich sollte hier wirklich mal dringend aufgeräumt und Staub gewischt werden überlegte Mara.
Während dessen ging Herrin Julia wieder zurück in den Flur und schloss hinter Mara die Tür ab. Den Schlüssel hängte sie an einen Haken neben der Tür. Neben der nächsten Tür hing ebenfalls ein Schlüssel an einem Haken mit dem sie diese nun auf schloss. „Das ist nur damit nicht zufällig jemand aus dem Laden nach hinten kommt.“ sagte sie und ging in den Laden. Dieser sah wesentlich aufgeräumter und sauberer aus. Dennoch fühlte Mara sich hier ein wenig unwohl. Von der Tür aus konnte sie die beiden Puppen im Schaufenster sehen. Der Boden war mit einem weichen, hellen Teppich belegt und die Wände weiß gestrichen. Links von sich befand sich an der Wand ein großes Regal mit allerlei Sexspielzeug. Bei einigen Sachen war Mara klar worum es sich handelte aber bei anderen Dingen konnte sie sich den Zweck nicht einmal vorstellen. Genau so erging es ihr mit den Dingen die sich in den beiden Regalen zu ihrer Rechten befanden. Sie ging langsam zwischen die Regale und schaute sich um. Dort fanden sich viele Dinge die sie lieber nicht gesehen hätte, unter Anderem gab es dort eiserne Ringe mit Ketten daran deren Zweck die Bilder auf der Verpackung deutlich machten, es handelte sich ganz offensichtlich um Fesseln für Hände und Füße. Etwas verunsichert trat Mara wieder zwischen den Regalen hervor und betrachtete die Objekte die auf der freien Fläche zwischen dem Schaufenster und den Regalen standen. So etwas hatte sie bei Miss Lin bereits gesehen, Es handelte sich um ein kompliziert aussehendes Teil aus schweren Stahlteilen auf dem mehrere mit Leder bespannte Polster befestigt waren. Miss Lin hatte es damals einen Strafbock genannt.
„Leg dich ruhig mal drauf.“ sagte Herrin Julia und riss sie schon wieder aus ihren Gedanken.
Mara schüttelte den Kopf und trat einen Schritt zurück. „Nun stell dich nicht so an, ich tu dir nichts.“ sagte Herrin Julia lachend doch Mara trat vorsichtshalber noch einen Schritt zurück.
„Gelegentlich wirst du auch hier mal aushelfen.“ sagte Herrin Julia ruhig „Und da ist es sicher besser, du weißt, was das alles ist.“ sie schaute Mara gelassen an. „Aber das wird wohl noch eine Weile dauern.“ Mara sah sie mit großen Augen an. Da sollte sie sich drauf legen und sich womöglich noch fesseln lassen? „Sehr wohl scheinst du dich hier ja nicht gerade zu fühlen.“ sagte Herrin Julia und lachte. „Komm, lass uns raus gehen.“

Sie schob Mara zurück in den Flur und schloss die Tür ab. „Ich hab vorhin ja schon gesagt, wenn du was an Möbeln brauchst und hier findest,“ sie deutete auf die beiden Türen der Läden „Dann kannst du es mit nach oben nehmen. Du kannst dich nachher auch gerne noch mal alleine umsehen wenn dir das jetzt peinlich ist.“ sagte sie zwinkernd.
Mara sah sie erstaunt an. „Wirklich egal was?“ fragte sie „Aus beiden Läden?“ sie schaute Herrin Julia zweifelnd an.
Diese musste lachen. „Ja, egal was aus beiden Läden. Also wenn du dir den Strafbock ins Wohnzimmer stellen willst, dann helf ich dir gerne ihn nach oben zu tragen.“ sie schaute Mara amüsiert an. „Aber ich nehme an, du meinst eher Sachen aus den Regalen.“
Mara senkte den Blick und spürte wie sie gerade rot anlief.
’Jetzt verstehe ich was Isabella damit meinte, das sie manchmal leicht verworrene Gedankengänge hat die man nicht sofort versteht.“ dachte sich Julia grinsend. Sie öffnete die Haustür und ging nach draußen. Mara war immer noch ein wenig rot im Gesicht also beschloss sie, ihr erst einmal den Park zu zeigen. „Komm, wir gehen etwas spazieren.“ sagte sie und ging ums Haus herum. Sie folgte den Weg und ging über die Brücke zwischen den Bäumen entlang. Als der Weg sich gabelte folgte sie ihm nach links am Wasser entlang. „Das hier nennt sich der Küchengraben, keine Ahnung wie man auf so einen Namen kommt.“ sagte Herrin Julia. Nachdem sie eine Weile schweigend den Weg entlang gegangen waren sagte Herrin Julia „Du bist verdammt schweigsam. Jeder Andere hätte schon längst mal gefragt was das hier für ein Park ist und so.“
Mara, die bisher ihren eigenen Gedanken nach gegangen war schaute sie kurz an. „Entschuldigung Herrin, aber das ist alles noch neu und ungewohnt und“ sie zögerte einen Moment „Ich will nichts falsch machen.“
„Ich verstehe. Aber ich hab auch keine Lust das wir uns dauernd nur anschweigen, sowas finde ich ziemlich albern.“ sie sah Mara eingehend an. „Erzähl mir einfach mal was über dich.“
Mara warf ihr einen fragenden Blick zu, was sollte sie denn über sich erzählen? „Ich weiß nicht was ich erzählen soll Herrin.“
„Weißt du, die Fakten habe ich in deiner Bewertung schon gelesen, ich weiß das du gut kochen kannst und auch in der Lage bist eine Wohnung sauber zu halten. Ich weiß das du tanzen kannst aber nicht schwimmen. Das du weißt wie man mit Gästen umgeht und sie auch bewirten kannst weiß ich auch aus deiner Bewertung. Aber über dich selbst weiß ich noch garnichts außer das du wohl deiner Familie nachtrauerst. Wie wäre es damit wenn du mir sagst, wie du dich gerade fühlst?“
„Ich weiß nicht. Ich vermisse die Anderen und meine Schwester vermisse ich auch. Und ich habe ein Bisschen Angst.“
„Ich hoffe, nicht vor mir.“ sagte Herrin Julia.
„Entschuldigung Herrin.“ Mara senkte den Blick.
„Ich verstehe. Ich werde da wohl nichts anderes tun können als dir zu versichern das dir nichts passiert und das ich ganz sicher nichts tun werde um dir zu schaden, solange du dich auch vernünftig verhältst. Aber vermutlich reicht das nicht um dir auf einmal deine Angst zu nehmen. Weißt du, mir ist durchaus bewusst, das ich dir gegenüber eine gewisse Verantwortung habe. Und ich bin nicht daran interessiert dir zu schaden. Mir ist es viel wichtiger das wir gut miteinander auskommen. Alles Andere wäre nämlich weder für dich noch für mich gut. Aber dabei musst du auch mit helfen.“
„Ja Herrin, ich weiß. Ich verspreche das ich mein Bestes tun werde.“
„Mehr kann man doch nicht verlangen finde ich.“
Sie waren gerade am Ende des Weges angekommen. Vor ihnen befand sich eine große Wiese auf der einige Leute saßen oder spazierten. Am gegenüberliegenden Ende der Wiese befand sich ein großes Schloss.
„Wer wohnt denn da?“ fragte Mara.
’Na endlich kommt mal was von ihr’ dachte Julia. „Da wohnt keiner. Das ist ein Museum. Das hat irgendein Landgraf Wilhelm der soundovielte vor ungefähr tausend Jahren oder so gebaut. Zusammen mit dem Park hier. Soweit ich weiß hast du als Serva in den ganzen Museen hier in der Stadt freien Eintritt. Und davon gibt es eine ganze Menge hier. Das hier ist ein Museum für Astronomie oder so. Da oben“ sie deutete vage in eine Richtung „ist ein Naturkundemuseum. Dann gibt es da oben“ ihr Arm wies in eine andere Richtung „noch mindestens drei Stück und irgend wo in der Innenstadt gibt es auch noch ein Stadtmuseum. Sie dozierte eine Weile über die ganzen Museen in der Stadt und welche sich lohnten sich an zu sehen. Dabei gingen sie einen anderen Weg zurück der an einem weiteren Graben entlang führte. Anscheinend befanden sie sich hier auf einer Art Insel oder zumindest einer Halbinsel.

Als sie an einer Brücke an kamen stoppte Herrin Julia. „Chinesisch oder lieber Pfannkuchen?“ fragte sie unvermittelt.
Mara sah sie nur fragend an.
Herrin Julia lachte über Maras Gesicht. „Heute wird nicht mehr gekocht aber es ist langsam Zeit was zu essen. Also noch mal, lieber was Chinesisches oder Pfannkuchen?“
Nun verstand Mara was die Herrin von ihr wollte. „Ich glaube, lieber Pfannkuchen.“ sagte sie.
„Gut, dann da lang.“ Herrin Julia deutete über die Brücke und ging vor. Mara folgte ihr durch einen anderen Teil des Parks und so kamen sie nach wenigen Metern an eine Straße. Hier sah alles ganz anders aus als in dem Park, Mara fragte sich wie zwei so verschiedene Welten so nah beieinander liegen konnten ohne das man von der jeweils anderen etwas erahnen konnte. Auf der Straße fuhren einige Autos und die Gebäude auf der anderen Straßenseite schienen alle sehr modern während es ihr in dem Park mit seinen urigen Bäumen, den vielen Statuen und der dort herrschenden Stille vorkam wie in einem früheren Jahrtausend.

Sie gingen ein paar Meter die Straße entlang und überquerten sie dann. So kamen sie direkt vor einem Restaurant an. Mara hielt ihrer Herrin die Tür auf und sie traten ein.
„Einen Tisch für Zwei?“ fragte sie der Ober.
„Nein, es kommen bestimmt noch zehn Leute.“ Julia grinste den Ober an. „Ja, nur wir zwei.“ sagte sie.
„Ach du bist das Julia. In so einem normalen Aufzug erkennt dich doch kein Mensch wieder.“
Der Ober führte die Beiden an einen Tisch. Mara hielt Herrin Julia den Stuhl während diese sich setzte und stellte sich neben den Tisch.
„Willst du da stehen bleiben?“ fragte diese.
„Entschuldigung Herrin, aber ohne Erlaubnis soll ich mich nicht setzen.“
„Ich verstehe.“ sagte Herrin Julia und nickte knapp. Darauf hin nahm Mara Platz und bedankte sich. „Also ich glaube, darüber müssen wir gelegentlich mal reden, aber nicht alles auf einmal.“
Der Ober brachte den Beiden die Karten und fragte was sie trinken wollten. Herrin Julia bestellte sich eine Limo, dem schloss Mara sich an. Die Herrin legte die Karte sofort bei Seite während Mara erstaunt war, wie viele verschiedene Pfannkuchen es hier gab. Sie wählte einen einfachen mit Schinken und Schafskäse und legte die Karte beiseite.
„Was nimmst du?“ wollte die Herrin wissen.
„Ich dachte den mit Schafskäse.“
„Klingt gut. Den nehm ich auch.“ sagte Julia grinsend. Mara hatte ohne es zu wissen anscheinend für sie beide gewählt und fühlte sich etwas überrumpelt.
Der Ober kam wieder an den Tisch und fragte was sie essen wollten. Julia bestellte zwei große Pfannkuchen mit Schafskäse.
Der Ober brachte diese nach etwa zehn Minuten an den Tisch. Er stellte zuerst Julias und dann Maras Pfannkuchen auf den Tisch. „Bitte sehr, lasst es euch schmecken.“
„Danke Markus.“ sagte Julia und begann zu Essen. Sie sah das Mara ihr Besteck noch nicht angerührt hatte und nickte ihr zu. Erst dann begann auch sie zu essen.
Während sie schweigend aßen warf Julia gelegentlich einen unauffälligen Blick zu Mara. Sie fragte sich ob sie das Richtige getan hatte, aber das würde sich wohl erst in einiger Zeit heraus stellen wenn Mara sich erst einmal im Laden auskannte und sie abschätzen konnte ob sie ihr eine Hilfe war. Andererseits fand sie sie schon bei ihrem ersten Besuch in der Schule recht sympathisch. Ihre schüchterne Art war zwar etwas gewöhnungsbedürftig, gefiel ihr aber auch. Und diese roten Haare gefielen ihr ebenso, genau wie die vielen Sommersprossen. „Doch, ich bin mir ziemlich sicher daß du in dem Ponykostüm einiges her machen würdest“ entfuhr es ihr.
Mara sah sie mit großen Augen an und verschluckte sich. Sie musste husten und trank einen Schluck.
„Entschuldigung.“ sagte Herrin Julia. „Das ist mir grad so raus gerutscht. Ich wollte dich nicht in Verlegenheit bringen.“
Mara sah sie groß an. Erst als Herrin Julia weiter aß, aß auch sie weiter.
Nachdem sie aufgegessen hatten bezahlte Herrin Julia. Mara hielt ihr auf ein Nicken hin den Stuhl und half ihr beim Aufstehen. Dann verließen sie das Restaurant und gingen zurück in den Park. Mara ging neben ihrer Herrin her und sie gingen schweigend zurück zu ihrem Haus. Dort blieb Mara noch einmal vor dem Schaufenster stehen und betrachtete sich das Kostüm.

„Komm, lass uns rein gehen, es wird frisch.“ Herrin Julia winkte sie zu sich und sie gingen ins Haus.
Sie öffnete die Tür zu dem Antiquitätenladen und verschwand darin. Mara wollte ihr bereits folgen da kam sie auch schon wieder heraus und drückte ihr einen altmodischen Wecker in die Hand. „Damit du morgen nicht verschläfst.“ sagte sie und ging nach oben. Mara folgte ihr in die Küche. „Ich werd mir noch einen Film an sehen, wenn du möchtest, kannst du mit kommen. Ist ja noch früh am Abend.“
Mara überlegte kurz. „Gerne Herrin, vielen Dank.“ Sie folgte ihr ins Wohnzimmer und kniete sich, nachdem ihre Herrin sich auf der Couch lang gemacht hatte neben diese.
„Ich frühstücke so gegen sieben. Ich denke, du schaffst es bis dahin Frühstück zu machen?“ fragte Herrin Julia nach dem der Film, ein ziemlich alter Fantasystreifen, zu Ende war.
„Ja Herrin.“ antwortete Mara.
„Gut, dann geh jetzt ins Bett. Ich wünsch dir eine gute Nacht.“
„Danke Herrin.“ sagte Mara Sie stand auf und knickste. „Ihnen ebenfalls eine gute Nacht Herrin.“ sagte sie und ging durch die Küche, wo sie den Wecker nach der Küchenuhr stellte, nach oben in ihre Zimmer. Sie wusch sich, zog ein Nachthemd an und legte sich in ihr Bett.

Der Tag war zwar ziemlich aufregend für sie gewesen aber bei weitem nicht so schlimm wie sie sich das vorgestellt hatte. Zwar hatte Herrin Julia eine etwas kühle Art, die sie schon in der Schule bemerkt hatte aber sie war trotzdem freundlich zu ihr gewesen. Sie fragte sich, was der nächste Tag wohl bringen würde. Bei diesen Gedanken schlief sie allmählich ein.

Julia machte sich frisch und ging zu Bett. Es würde sicher noch einige Zeit dauern bis Mara sich eingewöhnt hatte. Sie wollte sie nicht überfordern. Morgen würde sie noch mal versuchen sich mit ihr zu unterhalten. Ewig konnte sie ihr Schweigen doch nicht durch halten. Vielleicht fand sich ja ein Thema über das sie mit ihr reden konnte. Und bevor sie ihr erklärte was sie im Laden zu tun hatte, würde es sicher noch ein paar Tage dauern. Alles Andere würde sich sicher ergeben.

Mitten in der Nacht wachte Mara auf und schaute sich verwirrt um. Sie war in einem Zimmer, viel kleiner als der Schlafsaal und sie war alleine. Langsam erinnerte sie sich daran daß sie nun verkauft war und sich in ihrem Zimmer in Herrin Julias Haus befand. Sie fragte sich, warum sie aufgewacht war, konnte aber nichts ungewöhnliches sehen oder hören. Langsam erinnerte sie sich an diesen Traum. Sie war durch den Park gelaufen. „Schneller!“ hatte jemand immer wieder gerufen. Da war aber noch etwas gewesen. Bruchstücke von Erinnerungen fuhren ihr durch den Kopf und verblassten wieder. Sie hatte die Arme auf dem Rücken. Ein anderer Erinnerungsfetzen erschien vor ihrem inneren Auge, sie trug dieses Kostüm und konnte nur nach vorne sehen. Allmählich verblasste die Erinnerung an diesen Traum wieder und sie schlief erneut ein. Doch sie wachte kurz darauf erneut auf. Sie fühlte sich seltsam. Wieder kamen ihr Erinnerungen aus ihrem Traum, es war der selbe Traum wie schon vorhin. Sie stellte sich vor in diesem Kostüm zu stecken, wie es wäre mit diesen komischen Stiefeln und dem Geschirr. Sie stellte sich vor wie es wäre, mit auf dem Rücken fest gebundenen Armen da zu stehen wie diese Schaufensterpuppe. Sie merkte nicht einmal das ihre Hand unter der Decke unter ihr Nachthemd wanderte. Erst als ihre Hand zwischen ihren Beinen angelangt war merkte sie, was sie da tat. Irritiert setzte sie sich auf und starrte in die Dunkelheit. Langsam ging sie zu ihrem Schrank und holte mit vor Aufregung zitternden Händen die elektrische Zahnbürste heraus. Sie nahm diese und legte sich wieder ins Bett.

- - -

Larissa sog den Duft des Waldes förmlich in sich auf. Es war etwas ganz anderes als der Park in Straßburg wo sie jeden Morgen mit den anderen Schülerinnen gelaufen war und ihre Haltungen üben musste. Das war wohl jetzt vorbei dachte sie bei sich. Sie wusste nicht wie spät es war aber viel später als Mittag konnte es nicht sein so hell wie es noch war.
„Wenn du dich fertig umgesehen hast, lass uns mal rein gehen, ich habe Hunger.“ sagte ihre Herrin.
„Ja Herrin Johanna.“ sagte sie und folgte ihr zu dem mittleren Eingang des Wohnblocks. Herrin Johanna hatte sie heute morgen erst gekauft und sie wusste nicht einmal wo sie sich gerade befand. Sie war irgend wann während der Fahrt eingeschlafen und hatte nicht mit bekommen wo diese hin führte.

Sie folgte der Herrin durch eine geräumige Lobby in der einige Frauen an einem Tisch saßen und sich lautstark unterhielten während sie Karten spielten. Eine der Frauen rief „Hallo Johanna, na schon zurück?“
„Hallo Vera.“ sagte Johanna und ging zu den Frauen. „Gerade zurück gekommen. Das ist Larissa.“
Diese knickste und sagte höflich „Guten Tag.“
„Komm, lass die Gymnastik, den Quatsch brauchst du bei uns nicht zu machen.“ sagte die Frau lachend. „Ich bin Vera, das sind Nin und Trish.“ Larissa knickste noch einmal worauf hin die Beiden lachten. „Hallo Larissa“ sagten die Beiden.
„Das ist Vivian.“ sagte Vera und deutete auf eine junge Frau, ungefähr in ihrem Alter. Sie trug als Einzige eine Tunika, diese war hellgrün und hatte einen gelben Saum. Um ihren Hals trug sie ein silbernes Halsband. Sie winkte Larissa lächelnd zu. „Vivian redet nicht sehr viel.“ sagte Vera. Vivian warf ihr einen schmollenden Blick zu und erntete darauf hin einen amüsierten Blick von Vera und Trish.
„Vivian redet garnicht.“ sagte Herrin Johanna.
Larissa warf einen Blick auf die Frau, wie sie selbst hatte sie langes, blondes Haar. Sie hatte ein etwas pummeliges Gesicht und lächelte sie aus braunen Augen an. Sie legte die Karten weg und machte mehrere Gesten mit den Händen.
„Ich weiß.“ sagte Herrin Johanna lachend. „Sie sagt ’Herzlich willkommen, schön dich kennen zu lernen Larissa’.“
„Danke.“ sagte Larissa.
„Wenn sie die Hände frei hat redet sie ununterbrochen.“ sagte Trish grinsend. „Und irgend wann schaffe ich es auch mal sie wirklich zu verstehen.“
Vivian bewegte wieder schnell ihre Hände und schaute Trish vorwurfsvoll an.
„Tut mir leid, ich lerne eben nicht so schnell wie die Anderen.“ sagte Trish. Sie hatte schulterlange, rotblonde Haare und ein sehr schmales Gesicht mit spitzem Kinn, dafür aber recht große, strahlend blaue Augen.
„Wir gehen erst mal nach oben, ich hab Hunger.“ sagte Herrin Johanna. „Wie sehen uns später.“ Sie hob die linke Hand und winkte den Anderen zu. Larissa knickste und folgte ihr in den Aufzug. Dort fuhren sie in den vierten Stock und gingen in Herrin Johannas Wohnung.
Sie betraten einen kleinen Flur von dem nur eine weitere Tür ab ging. Durch diese gingen sie in ein großes Wohnzimmer mit Essecke.
„Dann mal herzlich willkommen Larissa.“ sagte Herrin Johanna. Das hier ist das Wohnzimmer. Da ist die Küche. Das ist mein Büro und hier ist der Hauswirtschaftsraum.“ Sie öffnete nacheinander die Türen und Larissa warf einen Blick in jeden der Räume. Die Küche war recht groß und sah ziemlich neu aus. In dem Büro befand sich lediglich ein großer Schreibtisch mit einem Computer darauf. Im Hauswirtschaftsraum befand sich eine Waschmaschine und einige Putzutensilien standen an der Wand und lagen in Regalen. Nun öffnete die Herrin die letzte Tür. Dort ging es in einen Flur mit drei Türen. „Das ist das Schlafzimmer, da ist das Bad und das ist das Gästezimmer. Willst du lieber im Schlafzimmer schlafen oder im Gästezimmer?“ fragte sie Larissa unverblümt.
Diese schaute sie kurz an und öffnete dann die Tür zum Gästezimmer. Entgegen ihrer Erwartung gab es dort ein Bett, einen Schrank und sogar einen Tisch mit einen Stuhl. Auf dem Tisch stand sogar ein Fernseher. So offensichtlich vor die Wahl gestellt zu werden damit hatte sie nicht gerechnet und fragte sich, wo der Haken war.
„Was denkst du denn? Daß es im Gästezimmer kein Bett gibt?“ fragte Herrin Johanna lachend.
Larissa fühlte sich ertappt. „Entschuldigung Herrin.“ murmelte sie leise.
„Ganz ehrlich?“ fragte Herrin Johanna in einem verschwörerischen Tonfall. „Ich bekomme so oft Besucht, das es da drinne bis vor drei Tagen auch noch kein Bett gab.“ Larissa atmete ein wenig erleichtert auf. Doch ihr war nun klar, warum sie hier war, so eine Wohnung brauchte nicht viel um in Ordnung gehalten zu werden, da war eine Serva eigentlich überflüssig.
„Am Besten, du packst deine Sachen erst mal da rein.“ Herrin Johanna deutete auf das Gästezimmer. „Ich geh mal was zu Essen machen, magst du Huhn?“ Larissa nickte nur. „Gut, dann mach ich mal eben was. Du kannst dich gerne überall um sehen.“ sagte sie noch und verschwand durch die Tür zum Wohnzimmer.

Larissa stellte ihre Tasche auf das Bett und begann aus zu packen. Sie hängte ihre Sachen ordentlich in den Schrank, was recht schnell ging. Dann trat sie zum Fenster und schaute hinaus. Tatsächlich befand sich dieses Haus mitten in einem großen Waldstück. Gerade aus sah sie eine Straße an der ein weiterer Wohnblock stand. Etwas weiter rechts sah sie ein großes Wohnhaus im Stil einer alten Villa und links konnte sie über den Bäumen ein großes Gebäude erkennen. Mit seinen beige verputzen Wänden und den regelmäßig angeordneten Fenstern konnte es ein Bürogebäude oder eine Schule sein. Sie betrachtete eine Weile den Wald und ging dann ins Wohnzimmer. Die Tür zu dem Büro stand offen. Die Herrin hatte gesagt, sie soll sich ruhig um sehen. Also ging sie in das Büro. Der Bildschirm auf dem Schreibtisch war ausgeschaltet aber der interessierte sie auch nicht sonderlich. Sie ging zum Fenster welches zur Straßenseite hin zeigte und schaute dort hinaus. Hier konnte sie über den Baumspitzen zwei weitere Wohnblöcke sehen und zu ihrer Rechten ein großes Gebäude mit einem mehrfach gestuften Dach. Sie konnte gerade noch erkennen daß auf einer freien Fläche neben diesem Gebäude einige Menschen herum liefen. Noch weiter entfernt sah sie die großen, flachen Dächer mehrerer Fabrikhallen.

„Na, Neugierig?“ Larissa zuckte zusammen als Herrin Johanna plötzlich hinter ihr stand. „Komm, das Essen ist fertig. „ Sie winkte Larissa zu sich und ging in die Küche. Auf dem Tisch standen Schüsseln mit Reis und Sauce. Auf einer Platte lagen mehrere große Stücke Fleisch. „Setz dich.“ sagte sie doch Larissa wartete bis sie sich setzte und wollte ihr, wie sie es gelernt hatte, den Stuhl zurecht rücken. „Lass den quatsch, ich bin keine alte Frau. Das kann ich schon selber.“ sagte sie und musste über Larissas Gesicht lachen.
„Entschuldigung.“ murmelte Larissa und setzte sich.

„Schon alles ausgepackt?“ fragte die Herrin während sie aßen. Das Huhn schmeckte ausgezeichnet und auch die Sauce war sehr lecker und passte gut zu dem dunklen Reis.
„Ja Herrin.“ sagte Larissa nachdem sie einen Bissen herunter geschluckt hatte.
„Gut. Morgen zeige ich dir hier alles. Und Montag müssen wir dich registrieren lassen damit du dein Comm bekommst und dich alleine hier bewegen kannst. Dann kannst du dich hier auch umsehen während ich arbeite und musst dich nicht in der Wohnung langweilen. Am Besten du fragst Vivian ob sie dich hier ein wenig herum führt. Sie kennt sich hier recht gut aus.“
„Ich verstehe.“ sagte Larissa. „Darf ich Sie etwas fragen Herrin?“
„Sicher doch.“
„Warum bin ich überhaupt hier? Ich meine, die Wohnung ist doch garnicht so groß das man jemanden braucht zum sauber machen und so.“
Herrin Johanna lachte breit. „Abgesehen vom sauber machen finde ich es schöner nicht alleine hier rum zu hängen. Klar, hier kann man viel machen. Sport, es gibt ein Schwimmbad eine Squashhalle, frag mich nicht, warum gerade Squash, einen großen Sportplatz und irgend wo sogar eine Kletterhalle, aber die hab ich noch nicht gefunden. Im Zentrum gibt es ein tolles Restaurant wo man eigentlich alles bekommt, was man sich wünscht, mehrere Discos mit allen möglichen Musikrichtungen, ein Kino und eine Spielhalle. Da hinten“ sie deutete vage in eine Richtung „gibt es sogar eine große Freiluftbühne und im Sommer ist es einfach herrlich im Fluss zu baden. Aber alleine ist das alles ziemlich langweilig.“
„Und das alles für die paar Wohnungen?“ fragte Larissa erstaunt.
Herrin Johanna lachte. „Die paar Wohnungen? Hier wohnen ungefähr 2500 Leute.“
„Ist das hier eine Stadt?“
„Naja, Stadt ist wohl zu viel gesagt, eher ein größeres Dorf.“ Sie schaute Larissa eingehend an und betrachtete ihre Haare und das schmale Gesicht. Sie überlegte kurz ob sie sagen sollte, was sie dachte und entschied das es wohl das Beste wäre. Irgend wann würde sie es ihr ja sowieso sagen müssen. „Weißt du, ich hab dich gekauft, weil du mir gefällst Larissa.“
„Ich verstehe.“ Larissa war klar was das bedeutete. „Dann ist es wahrscheinlich besser wenn ich meine Sachen gleich wieder aus dem Gästezimmer hole und ins Schlafzimmer bringe.“ sagte sie leise. Mit gesenktem Kopf wollte sie auf stehen um ihre Sachen ins Schlafzimmer zu bringen.
„Warte.“ sagte Johanna. Larissa setzte sich wieder und sah sie erwartungsvoll an. „Du weißt, das du das nicht machen musst.“
„Ja Herrin. Aber es läuft doch sowieso darauf hinaus das ich zu Ihnen ins Schlafzimmer kommen werde, warum soll ich denn damit noch warten?“ Larissa schaute kurz auf und senkte den Blick gleich wieder.
„Es ist deine Entscheidung Larissa. Ich kann und ich werde es dir nicht befehlen. Wenn ich ehrlich bin, reizt mich die Vorstellung. Aber wie gesagt, es ist und bleibt deine Entscheidung.“ sie fasste Larissa unterm Kinn, hob ihren Kopf und sah ihr in die grauen Augen. „Und egal wie du dich entscheidest, du wirst diese Entscheidung jedes Mal neu treffen müssen. Deshalb wirst du im Gästezimmer bleiben, oder besser gesagt in deinem Zimmer, denn genau das ist es ab jetzt, dein Zimmer. Und heute Nacht wirst du auf jeden Fall genau dort auch bleiben. Hast du das verstanden?“ Ein verwirrter Blick war Larissas Antwort auf diese Worte. Doch sie wollte Larissa ganz sicher nicht erschrecken oder ihr Angst machen. „So, jetzt gehe ich ins Wohnzimmer und lege mich etwas hin. Wenn du hier aufgeräumt hast, dann gehen wir spazieren.“ Johanna verließ ohne weitere Worte die Küche und legte sich auf die Couch. Sie schaltete den Fernseher ein und schaute sich eine Nachrichtensendung an.

Larissa stand eine Weile verwirrt in der Küche und schaute ihrer Herrin hinter her. Hatte sie sie gerade eiskalt abblitzen lassen? Das fand sie noch schlimmer als wenn sie ihr befohlen hätte ins Schlafzimmer zu kommen.

- - -

Isabella hielt fuhr vor bis zu dem Tor. Zwei Frauen kamen aus einem kleinen Häuschen welches dahinter stand und auf sie zu. Beide waren von Kopf bis Fuß schwarz gekleidet, von den schweren Stiefeln über die Hosen, die Hemden, die schweren Westen bis hinauf zu den Schildmützen. Isabella öffnete das Fenster des Wagens und eine der Beiden beugte sich hinunter. „Schönen guten Tag Miss Becker.“ sagte sie. „Ich nehme an, das ist Frida?“
„Das ist sie, ja.“ antwortete Isabella.
„Darf ich?“ die Frau hielt ein Lesegerät hoch.
„Sicher doch.“ entgegnete Isabella.
Darauf hin ging die Frau um den Wagen herum und Isabella öffnete das Fenster auf der Beifahrerseite. Die Frau beugte sich zu Frida und hielt das Lesegerät über ihren Oberarm. Es piepste kurz und sie schaute auf das Display.
„Alles klar.“ sagte sie. „Herzlich willkommen. Bitte denk dran, so lange du noch kein Comm hast, darfst du dich nicht alleine auf dem Gelände bewegen.“
„Ich verstehe.“ sagte Frida und sah Isabella fragend an.
„Das geht schon in Ordnung. Das gehört zu der Vereinbarung mit Emylia. Sie hat immer noch Angst das du irgend welche Firmengeheimnisse an deinen Vater weiter geben könntest.“ beruhigte Isabella sie.
„Ich finde das ja reichlich übertrieben, aber die Chefin hat das persönlich so angeordnet.“ sagte die Frau.
„Ich kann es ihr ja nicht mal übel nehmen.“ sagte Isabella.
Die Wache tippte auf einem Gerät welches sie am linken Unterarm trug und das Tor öffnete sich. „Dann noch einen schönen Tag.“ Sie trat einen Schritt zur Seite und Isabella fuhr durch das Tor.

Isabella lenkte den Wagen ein kurzes Stück die Straße von der aus man nur dichten Wald sehen konnte entlang bis diese einen Knick nach rechts machte. Dort fuhr sie allerdings gerade aus weiter auf eine schmale Nebenstraße. Nach ungefähr hundert Metern erreichten sie ein Gebäude. „Das hier ist die Schule.“ sagte Isabella. Frida schaute sich das moderne Gebäude an, hier sah es ganz anders aus als in der Schule in Straßburg wo die Gebäude zwar gut in Schuss aber alle recht alt waren. Die Straße führe in einem Bogen um das Gebäude herum und zwei andere Gebäude, die genau wie das Erste aussahen kamen zum Vorschein. Diese drei Gebäude, sie waren zweistöckig und recht groß, standen in einem U um einen großen, Kiesbedeckten Platz herum. Auf diesem arbeiteten mehrere Frauen in Tunika mit breiten Rechen und glätteten den Kies und rechten heruntergefallene Blätter zusammen. „Das sind nur die Wohngebäude.“ erklärte Isabella. Sie fuhr weiter den Weg entlang der hinter dem letzten Gebäude entlang wieder auf die Straße führte wo sie nach links abbog. „Das hier ist die Verwaltung der Schule und das da hinten sind Unterrichtsgebäude.“ sie deutete auf die Gebäude neben der Straße die in einem weiten Bogen nach links schwenkte. Nachdem die Gebäude aus ihrem Blickfeld verschwunden waren gab es eine Abzweigung. Isabella hielt an und schaute sich den Wegweiser an. „Sportplatz“ stand darauf. Kurzerhand bog sie nach links ab und sie erreichten einen großen Sportplatz mit Aschebahn und Grünfläche in der Mitte. Auf der anderen Seite war ein Sandbecken für Weitsprung zu erkennen und dahinter befand sich ein langgestrecktes, flaches Gebäude mit rot gedecktem Dach. Rund um den Sportplatz der mit einem niedrigen, weiß gestrichenem Zaun umrandet war standen sechs hohe Masten mit Flutlichtscheinwerfern und Lautsprechern.
„Sehr praktisch, gleich einen Sportplatz nebenan. Da macht der Morgenlauf sicher gleich noch mal so viel Spaß.“ sagte Isabella grinsend.
Frida schaute sie nur kurz an, sie war sich darüber im Klaren daß der Morgenlauf weiter fester Bestandteil ihres Tagesablaufes sein würde. „Ich weiß nicht Herrin, durch den Wald laufen stelle ich mir schöner vor.“
Isabella sah sie an und lachte. „Da hast du wahrscheinlich sogar recht.“ Sie fuhr weiter die Straße entlang die den Sportplatz umrundete und dann wieder auf der Hauptstraße endete. Sie bog erneut links ab und fuhr die Hauptstraße ein Stück weit entlang. Sie kamen an einem großen Wohnblock mit mindestens vier Stockwerken vorbei. Vor diesem standen einige Wagen. Sie bog nach Rechts ab und fuhr aber an diesem Wohnblock vorbei, nach etwa 200 bis 300 Metern tauchte der nächste Wohnblock auf während der andere bereits nicht mehr durch die Bäume zu sehen war. Hier lenkte sie den Wagen auf den Parkplatz und hielt neben einem Kleinlaster an. Vor dem mittleren der drei Eingänge stand ein leichtes aber sportlich aussehendes Motorrad an dessen Lenker zwei Helme hingen. Am Ende des Platzes stand Majas Sportwagen. Als Isabella und Frida aus stiegen, stieg auch Maja aus ihrem Wagen und kam auf die Beiden zu. Sie knickste vor Isabella und umarmte sie dann. „Hier gefällt es mir, alles ist so schön ruhig.“ sagte sie.

Die drei gingen in den mittleren der drei Eingänge des vierstöckigen Hauses und fanden sich in einer geräumigen Lobby wieder in der sogar einige Tische mit Sesseln und große Blumenkästen standen. Die Frauen verstummten als die Drei eintraten und zwei von ihnen wandten sich ihnen zu.
„Hallo Isabella, Hallo Maja.“ sagte die größere der beiden und kam auf sie zu.
„Hallo Miss Aderra, was ist das denn für eine Versammlung hier?“ fragte Isabella und deutete auf die anderen Frauen die in Arbeitskleidung herum standen und ein wenig verärgert aus sahen.
„Wir waren beim Du, schon vergessen?“ fragte diese. „Es gibt ein Problem mit euren Sachen, einer der Laster hatte eine Panne und steht jetzt in einem Nest bei Erfurt in der Werkstatt. Der Andere wird balde hier ankommen aber in dem kaputten Laster sind eure Betten und die Kisten mit euren Kleidern. Der wird nicht vor Montag Abend hier an kommen.“
Isabella sah die Frau entgeistert an. „Na fantastisch. Und was machen wir jetzt?“
„Ich lasse euch ein paar Matratzen besorgen, dann könnt ihr trotzdem in eurer Wohnung schlafen.“ sagte die Frau.

In diesem Moment lief jemand an Frida vorbei und rempelte sie dabei leicht an. „Hey, pass doch auf Larissa.“ sagte diese und schaute der Serva mit den blonden Haaren und der grünen Tunika leicht verärgert hinter her. Sie hielt es nicht einmal für nötig sich zu entschuldigen. Statt dessen knickste sie vor einer der anderen Frauen. Frida starrte ihr mit großen Augen hinter her. Sie sah von hinten tatsächlich aus wie Larissa, selbst die Größe stimmte n etwa. Doch als sie sich um drehte sah Frida, daß es nicht Larissa war sondern eine Serva die ihr nur etwas ähnlich sah. Sie hatte ein rundes Gesicht und war ein wenig kräftiger als diese. Nun kam sie zu Frida und hielt ihr lächelnd eine kleine Karte hin. „Entschuldigung“ stand darauf.
Frida sah sie verwirrt an. „Schon gut, ist ja nichts passiert.“ sagte sie und fragte sich warum sie nicht redete.
„Mein Name ist Vivian.“ stand auf der nächsten Karte die diese Frida vor die Nase hielt.
„Hallo, ich bin Frida.“
Vivian gab Frida die Hand und knickste dann vor Isabella. Sie machte einige Gesten mit ihren Händen und umarmte sie herzlich.
„Vivian?“ rief Isabella laut aus „Bist du das?“
Die Frau schaute zu Isabella und ein breites Lächeln zeigte sich auf ihrem Gesicht. Sie ging mit schnellen Schritten auf Isabella zu, knickste vor ihr und umarmte sie fest. Isabella erwiderte die Umarmung und sagte „Schön dich wieder zu sehen. Wie geht es dir denn hier?“
Anstatt zu antworten machte die Frau einige schnelle Bewegungen mit ihren Händen.
„Mensch das freut mich aber.“ sagte Isabella.
Wieder machte Vivian einige Gesten und schaute Isabella lächelnd an.
„Ja, ich habe von dem Unfall in der Zeitung gelesen. Ich hoffe es geht dir wieder gut.“ sagte Isabella.
Wieder machte Vivian einige Gesten.
„Dann werden wir uns ja demnächst öfter sehen. Dann aber schnell bevor deine Herrin sich fragt wo du bleibst.“ sagte Isabella, die Beiden umarmten sich noch einmal und Vivian knickste freudestrahlend vor Isabella. Dann verschwand sie durch die Eingangstür nach draußen. Isabella schaute ihr lächelnd hinter her.

„Wer war das denn? Und wieso spricht sie nicht?“ wollte Maja wissen.
„Das ist Vivian, eine meiner Schülerinnen. Sie kann von Geburt an nicht sprechen. Aber das hat sie nie daran gehindert ununterbrochen zu reden.“ sagte sie grinsend. „Sie hatte vor etwa zwei Jahren einen Unfall. Sie ist vor ihrem Herren weg gelaufen und vor ein Auto gerannt. Irgend jemand hat den darauf hin krankenhausreif geschlagen und sie ihm dann abgekauft. Jetzt ist sie anscheinend hier und es geht ihr offenbar ganz gut.“
„Das freut mich.“ sagte Maja.
„Mich auch. Ich hatte bei dem Mann der sie gekauft hatte gleich ein komisches Gefühl.“ sagte Isabella. Sie schaute abwesend nach draußen.
„Was hast Du?“ Maja schaute sie fragend an.
„Ich muss gerade an Kim und Georgia denken. Daß die Beiden bei dieser Baroness sind da hab ich auch ein ganz komisches Gefühl bei. Ich würde nur zu gerne wissen, warum die nicht auf einer der Sperrlisten stand.“ sagte Isabella. Noch immer war ihr Blick auf die Tür gerichtet.
„Also ich hatte das Gefühl die Beiden haben sich gefreut. Und Kim weiß doch auch schon wie das da ist.“ sagte Frida.
„Wieso das denn?“ Isabella sah sie eindringlich an.
„Na weil Kim ja damals ein paar Tage da war als wir den Probemonat hatten.“ sagte Frida. „Ich dachte, Sie wissen das Herrin.“
„Nein, das hat sie nicht erzählt. Sie hat mir nur gesagt sie war bei Konstanzes Schwester gewesen.“
„Das ist doch diese Baroness. Hat sie jedenfalls gesagt.“ erklärte Frida.
„Mir nicht. So langsam frage ich mich, was mir Miss Wilhelmina noch alles nicht gesagt hat. Aber egal. Ich habe jedenfalls ein ganz mieses Gefühl bei der Sache, jetzt noch mehr als vorher.“ Isabella kniff die Lippen zusammen.

„Dann kommt mal mit, ich zeig euch die Wohnung.“ sagte Miss Aderra.
Isabella schaute sie unverwandt an, folgte ihr aber dann in den Aufzug. Maja und Frida folgten den Beiden und zusammen fuhren sie in den sechsten Stock. Direkt aus dem Aufzug heraus kamen sie in die Wohnung.
Miss Aderra zeigte den Dreien die gesamte Wohnung. Während dessen kamen einige Frauen in Arbeitskleidung und brachten die versprochenen Matratzen. Auch der erste Laster mit einem Teil der Möbel kam kurz darauf an. Die Arbeiterinnen halfen dabei diese nach oben zu bringen und auf zu stellen. So sah die Wohnung schon mal nicht mehr ganz so leer aus. Als der Laster leer war und die meisten Schränke dort standen wo sie hin gehörten kam Isabella zu Frida. „Und, gefällt dir dein Zimmer?“
Frida überlegte kurz und legte den Kopf zur Seite. „Es ist so groß.“
Isabella fragte sich wieder einmal was in Frida so vor sich ging. Sie hatte bereits ein recht kleines Zimmer für Frida ausgesucht. Ein viel kleineres gab es außer der Abstellkammer und dem kleinen Vorratsraum neben der Küche nicht in der Wohnung. Beide waren für ihren eigentlichen Zweck recht geräumig doch sie wäre nie auf die Idee gekommen dort jemanden wohnen zu lassen, schon garnicht Frida. Also sagte sie: „Was willst du denn? Die Abstellkammer vielleicht?“ Sie war sich sicher daß Frida das nicht wollte, doch ihre Antwort überraschte sie wieder einmal.
„Warum nicht? Ein Bett passt da doch gut rein. Und so viel Kleidung das ich einen riesigen Schrank brauche habe ich auch nicht.“
Isabella sah sie einen Moment lang verwirrt an. „Also das mache ich ganz sicher nicht Frida.“ Sie nahm zwei Sitzkissen, schob Frida in ihr Zimmer und schloss die Tür. Die Kissen warf sie auf den Boden und setzte sich im Schneidersitz auf eines der Beiden. Dann deutete sie Frida, sich zu setzen. Diese kniete sich ihr gegenüber. „Mal ganz davon abgesehen das du sie eigentlich nicht hast, was würdest du tun, wenn du die Wahl hättest?“
Frida sah sie an und machte einen recht hilflosen Eindruck auf sie. Isabella versuchte ganz bei der Sache zu bleiben obwohl sie noch immer dieses seltsame Gefühl wegen Kim und Georgia hatte und ihr die Beiden nicht aus dem Kopf gehen wollten. Sie schaute ihr in die Augen und wartete auf eine Antwort.
Diese kam auch nach einer ganzen Weile „Ich weiß es nicht Herrin. Aber irgend was sagt mir das da noch was ist. Ich weiß auch nicht, was das ist. Es fühlt sich einfach manchmal komisch an.“ Frida lehnte sich vor, stützte die Ellenbogen auf die Knie und vergrub das Gesicht in den Händen.
Isabella war ein wenig ratlos und wusste nicht, was sie tun sollte. In solchen Momenten wie diesem fragte sie sich ob sie das Richtige getan hatte. Sie erinnerte sich daran das es bei Maja damals genau so war, kurz nachdem sie sie gekauft hatte und sie genau so verloren in ihrem Zimmer hockte wie jetzt Frida. Doch im Nachhinein war sie sich sicher damals das Richtige getan zu haben. Es war anfangs nicht immer leicht gewesen doch sie bereute nichts von dem was sie getan hatte.

Sie rutschte mit ihrem Kissen neben Frida und nahm sie in die Arme. Diese lehnte sich an ihre Schulter und lies einen langen Seufzer erklingen. Nach einer ganzen Weile ließ sie sie gehen und stand auf. „Am Besten du gehst jetzt nach unten und holst deine Tasche aus dem Auto. Dann räumst du deine Sachen schon mal ein. Du hast ja wenigstens deine Kleidung dabei.“
Frida schaute sie an und grinste breit als sie auf stand. Sie knickste und sagte „Vielen Dank Herrin.“. Dann ging sie nach draußen.

Isabella schaute ihr ratlos hinter her. Dann stand sie auf und verließ ebenfalls das Zimmer. Sie fand Maja in der Küche. Die Einrichtung hier gehörte zur Wohnung und so fehlte es an nichts außer vielleicht einem Tisch und Stühlen. Irgend jemand hatte die Schränke bereits reichlich mit Lebensmitteln gefüllt. Maja war dabei die wenigen Kisten mit Küchengeräten und Lebensmitteln aus zu packen und alles ein zu räumen. Sie drehte sich um als Isabella hinein kam.
„Was ist denn los Herrin?“ fragte sie und ging zu ihr.
Isabella erzählte ihr von dem Gespräch mit Frida. „Ich weiß auch nicht was mit ihr los ist. Vielleicht solltest du mal mit ihr reden. Ich verstehe einfach nicht was in ihrem Kopf so vor sich geht.“ schloss sie ab.
Maja hatte ein sehr tiefgründiges Lächeln aufgesetzt. „Das mache ich Herrin. Aber ich glaube ich sollte damit noch etwas warten.“
„Tu das. Vielleicht wirst du ja aus ihr schlau.“
In diesem Moment öffnete sich die Aufzugtür und Frida kam mit ihrer Tasche aus dem Flur. Als sie an der Küche vorbei ging sah Maja zu ihr. Ihre Blicke trafen sich und Maja lächelte ihr kurz zu.

Frida ging in ihr Zimmer und räumte ihre Sachen ein. Dann nahm sie das Betttuch welches die Arbeiterinnen die die Matratzen gebracht hatten darauf gelegt hatten und breitete es auf der Matratze aus. Sie fragte sich was mit ihr los war. Und sie fragte sich, warum Maja ihr eben so zu gelächelt hatte. Wusste sie vielleicht mehr und konnte ihr erklären warum sie sich so komisch fühlte? Sie beschloss mit ihr zu reden wenn Herrin Isabella anfing zu arbeiten. Vielleicht konnte Maja ihr ja helfen sich selbst zu verstehen. Mit hinter dem Kopf verschränkten Armen legte sie sich auf die Matratze und hing ihren Gedanken nach. Irgend wann fielen ihr die Augen zu und sie schlief ein.

3. RE: Neue Horizonte - 2

geschrieben von Friedet am 22.04.17 23:42

Hallo Hemado,
das fängt ja vielversprechend an. Nicht nur hier sondern auch im Schloss.
Du hast dir viel vorgenommen, wird nicht einfach aber ich freue mich schon auf die nächsten Folgen.

Weiter so
T.A.Friedet
4. RE: Neue Horizonte - 2

geschrieben von domtraeumer am 23.04.17 13:25

Das geht ja so schön weiter, wie der erste Teil aufgehört hat.
5. RE: Neue Horizonte - 2

geschrieben von Zwerglein am 24.04.17 00:54

Ich sage nur: einfach Klasse.

Danke HeMaDo

-----
Gruß vom Zwerglein
6. RE: Neue Horizonte - 2

geschrieben von Trucker am 25.04.17 12:52

Super das es weiter geht. Da treffen sich wohl demnächst wieder 2 Freundinnen wenn sie ihr Comm haben oder gibt es die stumme Vivian 2 mal?
7. RE: Neue Horizonte - 2

geschrieben von HeMaDo am 29.04.17 15:49

Wow,

mehr als 2000 Zugriffe in einer Woche und dann noch so viel Lob, sowas motiviert zum weiter machen.


Zitat

Du hast dir viel vorgenommen, wird nicht einfach aber ich freue mich schon auf die nächsten Folgen.

Nein, einfach wird es vermutlich nicht, aber ich denke, da die beiden Geschichten nur anfangs synchron laufen, kann ich mich in beiden nach Lust und Laune austoben ohne Probleme mit der jeweils Anderen zu bekommen.

Ob und wann sich da alte Bekannte wieder treffen werden, das lasse ich hier erst mal offen. Da möchte in nur ungern vorgreifen.

Noch ein schönes, langes Wochenende,

HeMaDo
8. RE: Neue Horizonte - 2

geschrieben von HeMaDo am 29.04.17 15:50

Ein Klingeln riss Mara aus dem Schlaf. Sie schaute sich ein wenig verwirrt um. Sie fühlte sich etwas seltsam aber gut und ausgeruht. Sie schaute sich nach der Ursache für dieses Klingeln um und sah den Wecker der sich auf dem Nachttisch kreisend bewegte. Sie nahm die Hand unter der Decke hervor und bemerkte erst jetzt das sie etwas hielt. Es war die elektrische Zahnbürste. Langsam erinnerte sie sich an letzte Nacht und an diesen Traum der ihr die Schamesröte ins Gesicht trieb. Sie legte die Zahnbürste bei Seite und stellte den Wecker aus. Er zeigte sechs Uhr. Langsam stand sie auf und ging ins Badezimmer. Dort putzte sie sich die Zähne, mit einer einfachen Zahnbürste aus der Schule. Irgend etwas fehlte ihr doch sie konnte nicht beschreiben was es war. Sie überlegte kurz und ging dann unter die Dusche. Nun fiel ihr ein was ihr fehlte, es war der Morgenlauf. Vielleicht nicht gerade das Üben der Haltungen und die Schläge der Gerte. Oder doch? Fehlte ihr das etwa auch? Oder war es gerade das was ihr fehlte? Sie schüttelte diesen Gedanken ab und beschloss Herrin Julia zu fragen ob sie morgens vielleicht im Park laufen durfte. Nach dem Duschen trocknete sie sich ab und ging nackt in ihr Zimmer wo sie eine frische Tunika an zog. Dann ging sie nach unten in die Küche, es war gerade einmal 6:20 Uhr. Sie suchte Geschirr und Besteck aus den Schränken heraus und deckte den Tisch in der Essecke. In einer Schublade fand sie einige Servietten und Tischunterleger die sie ebenfalls ins Esszimmer brachte. Dann stellte sie Aufschnitt, Marmelade, Honig und Butter auf den Tisch. Im Kühlschrank fand sie eine Flasche Orangensaft und füllte ein Glas damit das sie ebenfalls auf den Tisch stellte. Für sich selbst füllte sie ein Glas mit Wasser. Als es kurz vor sieben war kochte sie eine Kanne Kaffee und gab zwei Eier in den Topf mit kochendem Wasser welches sie eben aufgesetzt hatte. Da sie nicht wusste, wie die Herrin ihr Ei essen wollte, kochte sie eines davon vier und das zweite acht Minuten. Sie stellte noch Salz auf den Tisch und steckte vier Scheiben Toast in den Toaster. Pünktlich um sieben Uhr stellte sie die Kaffeetassen auf den Tisch und brachte den Teller mit Toast den sie mit einem Tuch zu gedeckt hatte auf den Tisch. Dann stellte sie noch die Eier auf den Tisch und stellte sich selbst neben die Tür zur Küche und wartete.

Nach wenigen Minuten kam Herrin Julia im Bademantel aus dem Wohnzimmer. Mara knickste und sagte „Einen schönen guten Morgen Herrin.“
Julia ging noch ein wenig verschlafen auf den Tisch zu und Mara rückte ihr den Stuhl zurecht. Als sie nickte setzte sie sich ebenfalls. Sie nahm das Tuch vom Toast und sagte „Guten Appetit Herrin.“
„Danke Mara, dir eben so.“ sagte Julia. Sie nahm sich eine Scheibe Toast und begann Butter darauf zu tun und es mit Schinken und Käse zu belegen. Als sie sah das Mara wartete nickte sie und diese fing ebenfalls an sich ein Brot zu machen.

Während sie aßen sagte Julia „Ich hoffe, du hast gut geschlafen.“
„Ja Herrin, sehr gut sogar.“ sagte Mara.
„Das freut mich. Ich hoffe du hast was schönes geträumt.“
Mara errötete darauf hin ein wenig.
„Weißt du, man sagt, was man in der ersten Nacht in einem Neuen Bett träumt, das geht in Erfüllung.“ Sie schaute unauffällig zu Mara die nun feuerrot im Gesicht wurde. Innerlich musste sie lachen als sie das sah. Sie konnte ungefähr erahnen in welche Richtung Maras Traum wohl ging.

Nach dem Frühstück, als Mara den Tisch ab räumte und das Geschirr in die Spülmaschine räumte ging Julia sich an ziehen und überlegte wie sie den Sonntag verbringen sollten.
„Geh du bitte schon mal nach draußen und warte da. Ich komme gleich nach.“ sagte Julia als sie in die Küche kam und sah das Mara mit dem Aufräumen fertig war.
„Ja Herrin.“ sagte Mara und knickste. Sie verließ die Küche und ging die Treppe nach unten. Sie fragte sich, was nun passieren sollte. Sie ging nach draußen und wartete. Sie schlenderte ein wenig umher und fand sich vor dem Schaufenster wieder wo sich dieses Kostüm eingehend betrachtete. Irgend etwas faszinierte sie daran. Doch sie selbst würde sowas nich tragen wollen.
„Ich stell dir die Puppe am Besten in dein Zimmer, dann kannst du sie ansehen solange du willst.“ hörte sie Herrin Julia hinter sich sagen. Sie fühlte sich ertappt und drehte sich um. Herrin Julia schien sie schon eine ganze Weile beobachtet zu haben und grinste breit.

„Komm, wir gehen ins Museum. Da war ich schon lange nicht mehr.“ sagte sie und ging zu dem Weg und über die Brücke. Mara ging links neben ihr. Julia warf ihr einen kurzen Blick zu „Erzähl doch mal was. Wie war es in der Schule so?“
Nun fühlte Mara sich etwas überrumpelt. Doch sie begann zu erzählen, von ihrem ersten Tag in der Schule, von ihren Erlebnissen dort und davon was sie alles lernen musste. Herrin Julia hörte ihr aufmerksam zu und fragte zwischendurch gelegentlich nach. Mara wurde langsam ein wenig lockerer. Als sie von der Versteigerung für den Probemonat erzählte lachten Beide als sie von Miss Isabellas sich auflösender Tunika erzählte.

Obwohl sie den Park nicht geradlinig sondern auf recht verschlungenen Wegen durchmaßen dauerte es nur gut eine halbe Stunde bis sie am Museum an kamen. Das Museum hatte eine Ausstellung über die Geschichte der Astronomie und über Technikgeschichte. Eigentlich war so etwas nicht Maras Fall aber sie hatte als Kind schon gerne Museen besucht und wollte sich deshalb nicht beschweren. Herrin Julia ging zur Kasse und bezahlte den Eintritt. Für Mara musste sie wie erwartet keinen Eintritt bezahlen, jedoch sollte diese im Planetarium, für welches Herrin Julia gleich die Karten mit besorgt hatte, nicht auf einem Stuhl platz nehmen sondern hätte sich neben sie knien müssen. Um es ihr zu ersparen eine Stunde oder länger kniend nach oben sehen zu müssen kaufte sie deshalb auch für Mara eine reguläre Karte. Da es noch eine gute Stunde bis zur nächsten Vorführung dauerte gingen sie zusammen durch die Ausstellungen und schauten sich die Ausstellungsstücke an. Als es soweit war gingen sie ins Planetarium und nahmen Platz. Mara wollte sich neben Herrin Julia knien doch diese gab ihr die Karte und ließ sie auf dem Stuhl neben sich Platz nehmen wofür Mara sich artig bedankte.

Die Vorstellung im Planetarium war schon fast wie ein Film im Kino. Der Vorführer erklärte die Sternbilder die es um diese Jahreszeit zu sehen gab und erzählte einiges über die verschiedenen Sterne die diese bildeten. Alles in allem war es sehr interessant aber auch schön fand Mara. Nachdem die Vorstellung zu Ende war gingen die Beiden noch eine Weile durch die Ausstellung. Während Herrin Julia sich grinsend in einigen verschiedenen Zerrspiegeln betrachtete las Mara auf einer Schautafel über Goethes Farbenlehre.
Als sie nach einer ganzen Weile die gesamte Ausstellung angesehen hatten verließen die Beiden das Museum wieder und schlenderten gemächlich durch den Park zurück wo Herrin Julia die Unterhaltung über Maras Schule wieder auf nahm.

Zum Mittagessen musste Mara ihre Kochkünste das erste Mal unter Beweis stellen und einen Gemüseauflauf zubereiten. Dieser war recht schnell zubereitet und im Ofen. Mara deckte wieder den Tisch und sie aßen gemeinsam zu Mittag. Danach legte sich Herrin Julia auf die Couch und sah sich einen Film an. Mara räumte während dessen in der Küche auf und räumte das Geschirr in die Schränke nachdem die Spülmaschine fertig gespült hatte. Als sie fertig war wusste sie nicht was sie tun sollte. Herrin Julia war auf der Couch eingeschlafen und sie wollte sie nicht Fall wecken. So kniete sie sich neben die Couch und sah sich den Film an. Doch so richtig interessant war dieser nicht, zumal sie den Anfang auch nicht mit bekommen hatte. So döste sie ebenfalls ein.

Julia wachte auf als der Abspann des Filmes lief den sie ansehen wollte. Sie setzte sich auf die Couch und sah Mara neben dieser knien. Sie hatte sich an die Seitenlehne gelehnt und schlief. Anstatt sie zu wecken nahm sie eine leichte Wolldecke und legte ihr diese über die Schultern. So wie sie da kniete sah es zwar nicht all zu bequem aus aber das machte ihr anscheinend wenig aus. Zum ersten Mal betrachtete sie Mara nun genauer. Sie sah richtig süß aus wenn sie schlief fand Julia. Ihre Sommersprossen bedeckten fast ihr ganzes Gesicht. Nur unter der Nase war ein schmaler Streifen heller Haut der gänzlich ohne Sommersprossen war. Kinn und Stirn waren ein wenig heller, dort befanden sich weniger Sommersprossen, fast machte es den Eindruck als wären diese auf ihre Wangen und den Nasenrücken gewandert wo sie sich häuften. Selbst auf ihren Lippen befanden sich einige. Das lockige rote Haar fiel ihr vor den Schultern herab auf die Tunika. Eine schmale Strähne hatte sich unter ihre Nase verirrt und gelegentlich sog sie diese beim Einatmen an. Dann verzog sie jedes mal das Gesicht und kräuselte die Nase.

Sie schaute auf die Uhr und sah das es Zeit zum Kaffeetrinken war. Doch so richtig Lust auf Kaffee und Kuchen hatte sie gerade nicht. Also nahm sie ihr Comm und rief ihre Schwester an. Sie stand auf und ging damit in die Küche wo sie sich einen Tee zubereitete. Wie immer würde dieses Gespräch wohl eine Weile dauern denn obwohl Andrea seit drei Jahren von dem Geld lebte welches ihr Mann ihr vererbt hatte und alleine in einem recht großen Haus lebte hatte sie immer viel zu erzählen. Auch fragte sie immer wieder wie es ihrem Laden ginge. Die Antwort darauf war wie so oft ein wenig enttäuschend, denn in den vergangenen zwei Wochen hatte sie nur wenig dort verkauft.
„Wenn du so weiter machst, verschenkst du noch alles.“ sagte Andrea lachend. „Aber bevor es dazu kommt komme ich lieber zu dir und führe den Laden selbst.“
„Ich würde mich zwar wirklich freuen wenn du her kommen würdest aber ich hoffe trotzdem das es nicht dazu kommen wird alles zu verschenken. Außerdem habe ich seit gestern eine Serva die mir im Laden ein wenig zur Hand gehen soll.“ gab Julia zurück.
„Ach? Im Laden zu Hand gehen? Wenn das alles ist, fresse ich einen Besen.“ sagte Andrea und lachte. „Aber vielleicht sollte ich mir das auch mal überlegen. Aber kaufen kommt für mich nicht in Frage.“
Die Beiden unterhielten sich noch eine ganze Weile über alles Mögliche.

Mara wachte auf und sah das der Fernseher aus war. Sie schaute sich um und sah das Herrin Julia nicht mehr auf der Couch lag. Über ihre Schulter lag eine Decke und sie hörte die Stimme ihrer Herrin aus der Küche. Sie stand auf und streckte ihre Glieder. Die Decke legte sie sorgfältig zusammen und ging dann in die Küche wo sie vor Herrin Julia knickste. Diese wedelte mit der Hand und deutete ihr leise zu sein. Sie sprach mit jemandem über das Comm und wollte anscheinend nicht gestört werden. Also ging sie zurück ins Wohnzimmer wo sie die Kissen der Couch richtete.

„Ich möchte nicht, das du so neben der Couch einschläfst wie vorhin.“ Mara drehte sich um als sie Herrin Julia hinter sich hörte. „Das ist doch sicher schrecklich unbequem. Die Couch ist groß genug. Da kannst du dich ruhig mit drauf setzen. Überhaupt, ich finde, solange wir unter uns sind, musst du nicht knien, das ist doch albern.“
„Entschuldigung Herrin, aber so habe ich das gelernt.“ sagte Mara ein wenig verlegen.
„Das weiß ich. Aber es muss dennoch nicht sein.“
„Ja Herrin.“ sagte Mara.
„Jetzt mal was anderes, ich habe noch eine Verabredung mit ein paar bekannten. Ich nehme an, ich kann dich alleine lassen?“
„Ja Herrin, ich werde so lange auf Sie warten.“
„Das wird nicht nötig sein. Ich werde erst so gegen zehn oder elf zurück kommen. Du kannst dir unten im Laden ein Buch holen und lesen oder auch einen Film an sehen.“
„Vielen Dank Herrin.“ erwiderte Mara. Herrin Julia ging ins Schlafzimmer und sie rückte noch schnell die Kissen gerade. Herrin Julia kam ziemlich schnell wieder und hatte ein Bündel Kleider unter dem Arm.
„Du musst mir jetzt nicht beim Umziehen zu sehen. Wenn du lesen möchtest, dann geh nach unten und such dir was aus.“
Mara fragte sich, warum sie sich nicht im Schlafzimmer umzog. Doch das würde wohl schon einen Grund haben. Sie knickste und ging nach unten. Sie nahm den Schlüssel des Antiquitätenladens vom Haken und schloss die Tür auf. Das Licht schaltete sich automatisch ein und sie ging bis ganz nach hinten zu dem Regal mit den Büchern. Es dauerte eine ganze Weile bis sie ein System in der Sortierung gefunden hatte und fand dann schnell einige Bücher die ihr Interesse weckten. Diese waren allerdings über das gesamte Regal verstreut da sie alphabetisch nach Titel sortiert waren. ’So kann man die doch nicht verkaufen’ dachte sie sich ’da findet doch niemand etwas.’
Sie zog zwei der Bücher heraus und begann den Klappentext zu lesen.

„Mara, ich bin jetzt weg. Ich wünsch dir eine gute Nacht. Und denk dran, morgen um sieben wieder Frühstück.“
„Ja Herrin.“ sagte Mara und ging schnell zur Tür. Doch die Haustür schloss sich gerade als sie den Flur erreicht hatte hinter Herrin Julia. Also ging Mara zurück und sah aus dem Schaufenster heraus wie das Auto der Herrin an diesem vorbei fuhr. Sie ging zurück zum Regal und suchte sich ein Buch heraus. Auf dem Weg zurück fiel ihr eine hübsche Lampe auf die auf einem kleinen Beistelltisch stand. Die Herrin hatte ihr ja erlaubt sich aus dem Laden einzurichten. Also nahm sie die Lampe und den Tisch und brachte beides zusammen mit dem Buch in den Flur. Morgen würde sie ihr sagen das sie den Tisch und die Lampe mit genommen hatte. Sie schloss die Tür wieder ab und brachte alles nach oben in ihr Zimmer. Sie stellte den Tisch neben das Bett und die zweiarmige Lampe mit dem verzierten Messinggestell und den beiden wie Blüten geformten, weißen Glasschirmen darauf. Ihren Nachttisch schob sie bei Seite und stellte auch den Wecker auf den geschwungenen kleinen Holztisch. Dieser hatte genau die richtige Höhe als Nachttisch fand sie. Den Stecker der Lampe steckte sie in die Steckdose und schaltete sie ein. Sie gab ein nicht zu helles Licht ab welches zum Lesen recht angenehm war. Dann legte sie sich auf das Bett und begann zu lesen. Irgend wann schlief sie ein und das Buch fiel ihr auf den Bauch.

- - -

„Die haben sich sogar noch darüber gefreut.“ rief Isabella plötzlich aus. Maja und Frida die hinter ihr her liefen schauten sich fragend an. Kaum außer Atem zog Isabella das Tempo ein wenig an und bog auf eine breitere Straße ab. Sie folgten dieser und kamen nach wenigen Minuten an einem langgestreckten Gebäude vorbei. Dieses war wesentlich länger als der Wohnblock und schien recht neu zu sein. Dennoch sah es unbewohnt aus. Neben dem Gebäude überquerte eine Brücke einen Fluss der unter dem Gebäude hindurch floss, besser gesagt war das Gebäude anscheinend über den Fluss gebaut worden. Sie liefen weiter bis der Weg sich gabelte. Dort blieb Isabella kurz stehen und schaute auf den Wegweiser. Dabei schafften es Maja und Frida ein wenig zu ihr auf zu schließen. Doch bevor sie sie erreicht hatten lief sie nach links weiter. Der Weg führte an zwei kleinen Gebäuden vorbei die mit ihren Schaufenstern aussahen wie kleine Geschäfte. Beim zweiten bog Isabella wieder nach links ab und zog das Tempo nochmals an. „Verdammt.“ rief sie aus. „Irgend was stimmt da einfach nicht.“ Dann machte die Straße mehrere Biegungen und Maja und Frida verloren sie aus den Augen. Auch sie liefen nun ein wenig schneller um sie nicht gänzlich zu verlieren. Doch bei einem weiteren Wohnblock zweigten zwei Wege von der Straße ab. Sie konnten Isabella nicht mehr sehen und wussten nicht wo sie lang gelaufen war. Etwas ratlos blieben sie stehen. „Was sollte das denn?“ fragte Frida.
„Du, ich habe keine Ahnung, aber sie hat die halbe Nacht kaum geschlafen. Ich hab das Gefühl, irgend etwas beschäftigt sie ziemlich. So habe ich sie erst zwei mal gesehen. Beim ersten Mal standen kurz danach meine Eltern bei uns vor der Tür, das zweite Mal war als du sie gefragt hast ob du nach der Schule zu uns kommen kannst.“ sagte Maja. „Das muss schon was ziemlich ernstes sein wenn sie sich so benimmt.“

Eine Frau trat in diesem Moment aus dem Wohnblock heraus. Maja ging zu ihr und knickste. „Einen schönen guten Morgen.“ sagte sie. „Wir haben uns glaube ich verlaufen.“
Die Frau schaute die Beiden an und grinste. „Das kenne ich. Ist mir am Anfang auch passiert. Wo müsst ihr denn hin?“
„Wir wohnen in Gebäude 28.“ sagte Maja.
„Na, das ist ja nicht weit.“ die Frau deutete auf den mittleren Weg. „Entweder da lang an den Gebäuden 24 bis 27 vorbei und als die Straße weiter oder ihr geht hier lang „sie deutete auf den linken Weg, ein schmaler Fußweg, auf jeden Fall zu schmal für ein Auto „Dann kommt ihr direkt an Gebäude 27 raus, da biegt ihr links ab und denn als gerade aus weiter. Über die Hauptstraße.“
Maja bedankte sich und knickste. Sie winkte Frida ihr zu folgen und nahm den linken Weg. Hier führte eine schmale Hängebrücke in einiger Höhe über den Fluss der in einer schmalen Schlucht sein Bett gegraben hatte und in einem Wasserfall in die Tiefe stürzte.
„Sollen wir da rüber?“ fragte Frida und betrachtete zweifelnd die Brücke. Die Gischt des Wasserfalls wurde vom Wind weit nach oben getragen und hatte die Bretter aus denen die Brücke hauptsächlich bestand mit einem feinen Wasserfilm überzogen.
„Wie können auch außen rum laufen wie ich das verstanden habe, aber hier geht’s wohl schneller.“ sagte Maja und setzte einen Fuß auf die Brücke. Sie hielt sich an den Stahlseilen des Geländers fest und ging langsam, einen Fuß vor den Anderen setzend über die Brücke. Als sie auf der anderen Seite angekommen war winkte sie Frida herüber. Diese setzte ebenfalls einen Fuß auf die schwankende Brücke. Sie klammerte sich am Geländer fest und setzte einen Fuß vor den Anderen. Dabei achtete sie immer darauf nicht den Kontakt zum Geländer zu verlieren. Es dauerte wesentlich länger als bei Maja bis sie endlich die Brücke überquert hatte und war, als sie die andere Seite erreicht hatte noch blasser als sonst. „Ich glaube das nächste Mal laufe ich lieber außen rum.“ sagte sie und schaute zurück über die Brücke.
„Dann lass uns mal weiter.“ sagte Maja. Sie liefen weiter den Weg entlang der ein wenig anstieg bis der Weg auf eine Straße mündete. Sie bogen nach links ab und erreichten die Hauptstraße. Dort führte die Straße noch ein Stück weiter. Zwischen den Bäumen hindurch sahen sie ein helles Gebäude und liefen die Straße entlang darauf zu. Am Eingang prangte ein großes Schild auf dem eine 28 stand.
Sie gingen in die Lobby und siegen in den Aufzug. Dort drückte Maja die Taste für das oberste Stockwerk doch mit einem schnarrenden Geräusch zeigte der Aufzug an das sie dieses Stockwerk nicht anfahren konnten.
„Und jetzt?“ fragte Frida.
„Ich gehe mal nach draußen und klingele, vielleicht ist sie ja schon oben.“ sagte Maja und ging durch die Lobby zur Eingangstür. Sie kam nach einigen Minuten zurück „Also oben ist sie noch nicht.“
„Und jetzt?“ Frida schaute ein wenig ratlos aus der Wäsche.
„Wir setzen uns und warten einfach. Irgend wann muss sie ja zurück kommen.“ sagte Maja und kniete sich so auf den weichen Teppich neben der Sitzgruppe daß sie den Eingang sehen konnte. Sie nahm eine Zeitung die auf dem Tisch lag und begann darin zu blättern. Frida kniete sich neben sie und wartete.

Es dauerte eine gute halbe Stunde bis Isabella die Lobby betrat. Maja und Frida standen schnell auf und knicksten als sie auf sie zu kam.
„Meine Güte, ich habe erst garnicht gemerkt das ihr weg wart.“ sagte Isabella atemlos. „Tut mir leid aber ich war so in Gedanken das ich einfach weiter gerannt bin.“ sagte sie. Sie nahm erst Maja in den Arm und dann Frida. Dann ging sie gefolgt von den Beiden zum Aufzug und drückte die Taste für das oberste Stockwerk. Der Aufzug setzte sich in Bewegung.
„Warum hat das bei mir nicht geklappt?“ wollte Maja wissen.
„Ihr beiden habt noch kein Comm. Das ist hier für alles der Schlüssel, für die Aufzüge, die Türen und ihr könnt auch damit überall bezahlen.“ erklärte Isabella und hielt ihren linken Arm hoch an dem sie ein kleines Comm, einer Armbanduhr nicht unähnlich nur größer, trug. „Passt auf, ich muss dringend zu Emylia. Ihr beiden wartet hier auf den Laster mit unseren restlichen Sachen. Achtet drauf das immer eine von Euch hier oben bleibt, sonst kommt ihr nicht mehr rein. Ich sage wenn ich zu Emylia gehe dieser Helen Bescheid das sie euch die Comms bringt.“ Mir diesen Worten ging Isabella ins Badezimmer wo sie sich duschte. Kurze Zeit später kam sie angezogen aus dem Schlafzimmer. „Ich bin bei Emylia. Geht euch duschen und macht euch Frühstück. Bei mir kann das dauern.“ sagte sie und verließ ohne weitere Worte die Wohnung.

„Was hat die Herrin denn?“ fragte Frida als frisch geduscht und angezogen mit Maja am Frühstückstisch kniete.
„Das hat sie nicht gesagt. Aber irgend was macht ihr große Sorgen.“ sagte Maja. Sie schaute ebenfalls ein wenig besorgt aus. „Ich weiß nicht genau was es ist aber es scheint wegen Kim und Georgia zu sein. Soweit ich weiß hat sie irgend was über diese Baroness gehört das ihr Sorgen macht. Aber genaues weiß ich leider auch nicht.“

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Peter schaute kurz in den Spiegel und richtete sein Haar. Trotz seiner nicht einmal 40 Jahre zeigten sich bereits einzelne graue Haare. Doch er war der Meinung ein Mann hat es einfach nicht nötig sich wegen grauer Haare sorgen zu machen. Er rückte seine Krawatte gerade und verließ den Wagen. Die letzten hundert Meter ging er lieber zu Fuß als das Auto in dieser Gegend ab zu stellen. So ging er mit schnellem Schritt durch eine schmale Gasse und klopfte an deren Ende an eine unscheinbare Tür. Eine kleine Klappe wurde geöffnet und ein Paar schwarzer Augen schaute ihn an. Die Klappe wurde wieder geschlossen und die Tür geöffnet.
„Die Sarai erwartet sie bereits.“ sagte die junge Frau die er nur unter dem Namen Yanna kannte. Wie sie richtig hieß wusste vermutlich nur sie selbst. Sie führte ihn durch einen langen Gang der nur durch einige wenige, schwache Lampen erhellt war bis vor die große Tür. Ihr Gang hatte etwas katzenhaftes. Sie schien auf jedem Schritt einen Hinterhalt zu erwarten. Zwar wusste er das diese Frau jederzeit bereit und auch in der Lage war einen Menschen umzubringen der ihre Herrin bedrohte aber er wusste nicht wie weit diese Loyalität ging.
„Herrin, Mister Kroll ist hier.“ sagte die junge Frau und kniete sich unterwürfig vor den Thronartigen Sessel. Dabei nahm sie die Hände weit nach vorne und verbeugte sich so weit das ihre Stirn den Boden berührte.
„Peter. Nimm doch platz.“ sagte eine Stimme aus dem Dunkel des Thrones. Sofort begab Yanna sich auf alle Viere. Peter setzte sich auf ihren Rücken. Er hatte jedes Mal ein schlechtes Gewissen wenn er sich so auf den Rücken der jungen Frau setzte. Doch er war sich auch darüber im Klaren daß die Sarai es nicht dulden würde wenn er ablehnte. Andererseits wusste er natürlich daß dies nur eine von vielen Vorsichtsmaßnahmen war um sie zu schützen. Denn sollte er aus dieser Position heraus versuchen ihr irgend etwas zu tun so würde Yanna ihn vermutlich sofort am Fuß zu fassen bekommen und ihm entweder eine vergiftete Nadel ins Bein stechen oder ihn mit bloßen Händen zu Fall bringen und ihm das Genick brechen.
„Wie geht es zu Hause?“ fragte die Stimme.
„Bestens. Wir haben dafür gesorgt das alle gut unter gekommen sind. Aber darum haben Sie mich sicher nicht her gebeten.“ sagte Peter. Er war sich im Klaren darüber daß er irgend wann der Polizei einen Tipp geben musste was sie hier abspielte. Doch wusste er eben so das diese Frau, die sich seit nun mehr 17 Jahren vor der Polizei zu verstecken wusste es irgend wie schaffen würde auch dieses Mal unerkannt zu entkommen. Einige andere Frauen würden zwar mit ziemlicher Sicherheit dabei gefasst werden doch jede dieser Frauen war bereit ihr Leben für die Sarai zu geben.
„Natürlich nicht Peter. Aber ich interessiere mich noch immer dafür. Und dieses Interesse wird ganz sicher auch nicht nachlassen. Du weißt, mir brennt es immer noch in den Fingern sie wieder zu sehen.“
„Ich weiß. Aber Sie wissen auch daß das nicht geht.“
„Dennoch würde ich alles in meiner Macht stehende tun um sie zu schützen. Daß auch den Anderen dabei geholfen wird ist für mich lediglich ein äußerst positiver Nebeneffekt. Der Grund warum ich dich her gebeten habe ist folgender: Gestern wurde ein Transport überfallen. Du weißt wie sehr ich es verabscheue wenn sich jemand in meine Geschäfte einmischt. Neben meiner Ware befanden sich drei Frauen in diesem Transport. Sie sind laut Polizeibericht noch auf freiem Fuß. Die Täter allerdings wurden gefasst und sitzen in Untersuchungshaft.“
„Und ich soll nun herausfinden für wen sie arbeiten?“ Peter änderte seine Sitzposition ein wenig. Sofort schoss eine Hand in Richtung seines Fußes die sich allerdings augenblicklich wieder zurück zog. Er hatte nicht einmal gemerkt das die junge Frau sich nicht mehr auf ihren Händen abstützte.
„Nein, das werde ich schon raus bekommen. Es geht mir um die Frauen. Sie haben eine neue Identität bekommen und sind nun der Meinung daß die Schule besser für sie ist als das Gefängnis. Ich möchte dich darum bitten dafür zu sorgen daß sie wohlbehalten zu einer Schule kommen um sich dort freiwillig zu melden.“
Peter war jedes mal aufs Neue erstaunt darüber wie diese Frau es schaffte nicht nur ihren eigenen Vorteil aus einer Situation zu ziehen sondern dabei auch noch dafür zu sorgen das andere aus allem heraus gehalten wurden und welche Mittel sie dafür aufwendete. Neue Identitäten waren nicht billig wie er wusste. „Ich denke, sie sollten wohl besser nicht in die selbe Schule komme.“ meinte Peter.
„Nein, eher nicht. Ich halte es auch für besser wenn keine der Drei zu deiner Schwester in die Schule kommt.“ die Sarai stand auf und trat aus dem halbdunkel ihres Thrones zu ihm. Er bewunderte ihre dunklen, langen Haare die sie wohl in den letzten 17 Jahren nicht hatte schneiden lassen. Sie ging einen langen Gang entlang und er folgte ihr. Yanna folgte den Beiden lautlos und beobachtete Peter eingehend, jederzeit bereit einzugreifen wenn es nötig wäre.
Nach einigen Metern öffnete die Sarai eine große Tür und sie befanden sich in einem hellen, großen Gewächshaus. Peter schaute sich um und sah fein säuberlich in zwei Reihen acht Rosenstöcke die gerade ihre letzten Blüten in diesem Jahr trugen. Zwischen den beiden Reihen führte ein säuberlich angelegter Weg entlang auf ein rundes Beet zu in dem eine einzelne, kleine Rose wuchs.
„Ich sehe, Sie haben nun auch die erste bekommen.“ sagte er und deutete auf das leicht erhöhte, runde Beet.
„Ja, Yanna hat mir letztes Jahr einen Ableger besorgt. Nun sind wieder fast alle zusammen.“ sagte die Sarai verträumt. „Ich wünschte mir, ich könnte auch die Menschen die zu ihnen gehören wieder alle zusammen bringen.“
„Sie wissen, selbst wenn Sie das schaffen würden, eine wird wohl immer fehlen.“ meinte Peter.
„Ja, leider. Aber ich hoffe eines Tages aus dem Dunkel treten zu können und sei es nur damit wir alle wieder zusammen sein können.“ sagte die Sarai.
Sie betrachtete eine Weile die Rosenstöcke, nahm eine kleine Schere und schnitt bei einem Stock einige trockene Blüten ab.
Peter beobachtete sie dabei und stellte fest, so sehr er auch versuchte alles zu verstehen was die Sarai tat, so wenig würde er je begreifen wie groß ihre Pläne tatsächlich waren.
„Ich lasse die drei Frauen zu dir bringen wenn du soweit bist. Es ist besser, du gehst jetzt wieder.“ sagte die Sarai. „Der letzte Ableger der mir wichtig ist, kommt auch balde nach Horizons. Es würde mich freuen wenn du mit zu gegebener Zeit einen Ableger von dem Stock bringen könntest. Aber dazu muss der Stock erst einmal wachsen.“ sie deutete auf ein letztes freies Beet in einer der beiden Reihen. Sie brachte ihn persönlich zurück in den Thronsaal.
„Ich werde mein Bestes tun, aber ich werde ihnen kein Versprechen geben Sarai.“ sagte Peter und wandte sich zum Gehen.
Er wurde von Yanna nach draußen gebracht und ging zurück zu seinem Auto.

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Mara war froh heute doch die Sandalen angezogen zu haben. Es war ihr ein wenig frisch und frierende Füße konnte sie überhaupt nicht leiden. Nach dem Frühstück war sie mit ihrer Herrin los gefahren in einen Möbelladen. Nun schob sie einen großen Einkaufswagen voller Möbel und Kleinzeug vor sich her.
„Du brauchst noch eine Uhr.“ sagte Julia und deutete auf eine große Wand voller Uhren. „Such dir zwei aus. Eine für dein Schlafzimmer und eine fürs Wohnzimmer.“
„Ja Herrin.“ sagte Mara heute sicher schon zum tausendsten Male. Sie ließ den Wagen am Rand des Ganges stehen und ging zu der Wand mit den Uhren. Sie hatte schnell zwei gefunden die zum Rest der Möbel passten und suchte diese aus den Regalen heraus. Sie legte sie in den Wagen zu den anderen Sachen und knickste vor Julia.
„Gut, fällt dir noch was ein?“ fragte diese.
„Im Moment nicht Herrin.“ sagte Mara. Ihr graute schon davor die ganzen Sachen nachher ins Dachgeschoss zu bringen. Die Herrin hatte bisher keine Anstalten unternommen ihr dabei zu helfen alles auf den Wagen zu packen. Außer den Sachen die sich bis jetzt auf dem Wagen befanden hatte sie sich noch eine Couchgarnitur nebst Sessel und Tisch aussuchen müssen die sie ganz sicher alleine weder in den Transporter und erst recht nicht durch das enge Treppenhaus unters Dachgeschoss bewegen konnte. Zusammen mit dem Schreibtisch und dem dazu gehörenden Stuhl sowie dem großen Sideboard kam bereits jetzt schon einiges zusammen.

Julia beobachtete Mara eingehend während sie die Sachen auf den Einkaufswagen packte. Seit sie den Schreibtisch aufgeladen hatte schien sie immer missmutiger zu werden. Sie fragte sich wann sie bei den großen Teilen endlich um Hilfe fragen wollte doch sie hatte selbst die flachen Kisten mit dem Sideboard ohne ein Wort alleine auf den Wagen gestemmt, was ihr sichtlich schwer fiel. Nun standen sie im Bereich vor den Kassen. Sie hatte Mara gebeten kurz zu warten weil sie noch etwas holen wollte. Als sie zurück kam stand Mara vor einem Regal mit großen Plüschtieren und schaute sich diese an. Sie machte dabei eine ziemlich trauriges Gesicht.

Nachdem sie an der Kasse alles bezahlt hatte sagte Julia „Geh du bitte schon mal zum Wagen und lad alles ein. Ich kümmere mich noch darum das die Couch morgen geliefert wird.“
„Ja Herrin.“ sagte Mara. Sie knickste als Julia ihr den Schlüssel gab und zu dem Schalter ging wo man die Lieferungen beauftragen konnte. Dann schob sie den Einkaufswagen zum Transporter und begann alles ein zu laden. Zuerst die beiden Kartons mit den Teilen des Sideboards und den Schreibtisch. Damit waren die größten Teile zumindest schon mal verstaut. Die restlichen Teile waren schnell eingeladen und halbwegs gut gesichert. Sie hatte keine Ahnung davon wie man sowas zusammen bauen sollte. Aber die Herrin hatte gesagt daß das kein großes Problem wäre. Mara hoffte nur daß sie damit recht hatte.

Gerade als sie den Einkaufswagen zurück brachte kam auch Herrin Julia aus dem Laden. Sie trug eine geschlossene Plastikkiste unter dem Arm die sie auf die Ladefläche des Transporters packte. Dann setzte sie sich auf den Beifahrersitz und gab Mara den Autoschlüssel wieder.
„So, das war der erste Laden. Nur gut, das am Montag nicht so viele Leute einkaufen gehen. Ich hasse es, Samstags hier einzukaufen, da treten sich die Leute nur noch auf die Füße.“
Mara startete den Wagen und fuhr vom Parkplatz. Julia wies ihr den Weg und so waren sie nach ungefähr 15 Minuten auf dem großen Parkplatz einer großen Handelskette. Dort parkte sie den Wagen möglichst nah am Eingang. Wieder musste sie einen Einkaufswagen holen und ihn schieben. Noch war dieser leer aber sie ahnte bereits das auch dieser Wagen randvoll sein würde wenn sie zum Auto zurück kommen würden.

Sie gingen in den Laden und die Herrin dirigierte sie gleich in die Abteilung für Kleidung. „Du brauchst was zum Anziehen.“ meinte sie. Als erstes bekam sie jede Menge Unterwäsche.
„Guck nicht so entgeistert. Erstens will ich nicht, das du dich im Winter erkältest, zweitens sieht das echt schick aus an dir“ sie hielt ihr die schwarzen und weißen BHs, Strings und Hotpants unter die Nase. „Und drittens nehm ich dich so“ sie deutete auf Maras Tunika „sicher nicht mit zum Tanzen.“ sagte sie mit einem Augenzwinkern.
Sie wandte sich an eine Verkäuferin und hielt dieser eine Garnitur der Unterwäsche hin „Wo kann man das denn mal anprobieren?“
„Am Besten zu Hause wenn sie die gekauft haben. Sowas müssen sie kaufen wenn sie es einmal an hatten.“ sagte die Verkäuferin leicht pikiert.
Julia wandte sich an Mara „Weißt du deine Größen?“
Mara schüttelte nur den Kopf. Sie wusste nicht ob und wie weit sich ihre Kleidergröße in den letzten zwei Jahren geändert hatte.
„Na gut, dann können Sie uns doch sicher helfen die passende Größe zu finden nehme ich an.“ sagte Julia nun zu der Verkäuferin.
„Hören Sie gute Frau, wir sind ein Kaufhaus und kein Kleidergeschäft. Entweder sie wissen ihre Größe oder sie müssen sie selbst messen.“ sagte diese und ließ die Beiden einfach stehen.
Verärgert sah Julia ihr nach. Sie nahm den Einkaufswagen und schob ihn Richtung Eingang zurück. Mara folgte ihr in einigem Abstand. Am Eingang ging Julia direkt zur Information und packte alles was im Wagen war auf den Tresen. „Einen schönen Gruß an ihre Kollegin,“ sagte sie „die mit den dunklen Haaren und dem antiken Dutt. Wenn sie der Meinung ist, wir sollten wo anders einkaufen gehen, dann werden wir das einfach tun.“ Ohne eine Antwort ab zu warten verließ sie den Laden.
Mara hörte noch wie die Verkäuferin an der Information hinter ihnen her rief „Sie können das doch nicht so einfach hier liegen lassen.“ als sich die automatische Tür hinter ihr schloss.
Mit schnellen Schritten ging Julia zum Auto und setzte sich hinein. Als Mara wieder auf dem Fahrersitz Platz genommen hatte schaute sie sie an und begann zu lachen.
Auch Mara musste bei dem Gesicht der Frau an der Information breit grinsen. Es dauerte einen Augenblick und die Beiden kamen aus dem Lachen nicht mehr heraus.

„Die hat vielleicht ein dummes Gesicht gemacht.“ sagte Julia nachdem sie sich beruhigt hatten. Sie öffnete die Ablage und holte ein Päckchen Zigaretten heraus. Sie nahm sich eine davon und steckte sie sich an. „Auch eine?“ fragte sie und hielt Mara das Päckchen hin. Diese schaute zwar verlangend zu dem Päckchen, schüttelte aber nur den Kopf. Darauf hin packte Julia das Päckchen wieder zurück und sagte „Dann mal los. Vom Parkplatz runter und links.“
Mara fuhr vom Parkplatz herunter und folgte Julias Wegbeschreibungen. Weitere 15 Minuten später fuhren sie auf den Parkplatz eines Einkaufszentrums. Sie stiegen aus und gingen ohne einen Wagen zu nehmen hinein. Das erste Geschäft welches Julia ansteuerte war ein Laden für Damenunterbekleidung. Sie betraten den Laden in dem es nur Unterwäsche zu geben schien.
„Hallo Julia.“ sagte die Verkäuferin, „Schön dich mal wieder zu sehen, passen die Sachen von letzten mal denn?“
„Hallo Brigitte. Die passen perfekt, ich bin wie immer hellauf begeistert.“
„Das freut mich, was brauchst du denn heute?“
„Zuerst mal zwei Kaffee. Und dann braucht Mara hier mal eine gewisse Grundausstattung.“ sagte Julia und deutete auf Mara die sich ein wenig abseits hielt.
„Grundausstattung? Was hat sie denn bis jetzt?“
„Soweit ich weiß garnichts.“ gab Julia zurück.
Die Verkäuferin ging zu Mara und umrundete sie, wobei sie sie mit abschätzenden Blicken bemaß. „Welche Größen brauchst du denn Mara?“ fragte sie.
„Ich weiß es nicht Miss.“ sagte Mara ein wenig eingeschüchtert.
„Na, dann komm mal mit.“ sagte die Frau und ging in den hinteren Bereich des Ladens. Dort zog sie einen Vorhang zurück und sagte „Dann zieh dich mal aus und stell dich da drauf.“ sie deutete auf ein rundes Podest. Mara ging hinter den Vorhang und die Frau zog diesen zu. Dann legte Mara die Tunika ab und stellte sich auf das Podest. „Wenn du fertig bist, die Arme weit ausstrecken.“ Mara tat wie geheißen und kurz darauf blitzte es ein paar mal. „Danke, du kannst dich wieder an ziehen und raus kommen.“ sagte die Verkäuferin. Als Mara aus der Kabine trat saß sie mit Julia an einem kleinen runden Tisch wo die Beiden Kaffee tranken. Auch für Mara stand dort eine Tasse.
„Nimm Platz und trink erst mal einen Kaffee. So wie ich Julia, entschuldige, deine Herrin natürlich, verstanden habe dauert das hier etwas länger.“
Mara schaute zu Julia. Diese nickte leicht worauf hin Mara sich neben sie kniete und die Tasse nahm. Während sie den Kaffee tranken beschrieb Julia recht detailliert was sie sich so vorstellte. Die Verkäuferin machte sich auf einem Pad Notizen und zeigte Julia gelegentlich einige Bilder.

Nach einer ganzen Weile schien Julia zufrieden und die Beiden standen auf. Mara tat es ihnen gleich und stellte die Tasse auf den Tisch zurück. „Ich denke in einer Stunde hab ich alles zusammen.“ sagte die Verkäuferin.
„Schön. Dann sind wir in einer Stunde wieder hier.“ sagte Julia. „Nein, warte, einen einfachen BH, einen Schlüpfer und ein Paar Socken brauchen wir jetzt gleich.“
„Kein Problem, was ganz einfaches nehme ich an.“ die Frau holte schnell die Teile aus den Regalen und gab sie Mara. Zu Julia sagte sie „Bezahlen kannst du das auch nachher.“
„Prima.“ sagte Julia lächelnd. Zu Mara sagte sie „Zieh das bitte gleich an, das brauchst du jetzt sicher.“
„Ja Herrin.“ sagte Mara und ging nach hinten in den Laden, zog den Vorhang vor die Kabine und zog sich die Sachen schnell an. So etwas hatte sich schon lange nicht mehr getragen. Obwohl es nur ganz einfache Unterwäsche war kam sie sich ziemlich overdressed vor. Zudem fühlte es sich sehr ungewohnt für sie an. Sie ging zurück nach vorne und folgte Julia aus dem Laden. Sie gingen durch das halbe Einkaufszentrum in ein Bekleidungsgeschäft. Sofort angelte Julia sich eine Verkäuferin. „Schönen guten Tag, wir brauchen einige Sachen für meine Serva. Ich würde mich freuen wenn sie uns helfen könnten.“ Mara hatte den Eindruck das ihre Herrin hier mit einer ganz anderen Einstellung anfing als in dem Kaufhaus.
„Aber gerne doch.“ sagte die Verkäuferin. „Was darf es denn sein?“
„Ich weiß noch nicht so genau. Wir brauchen erst mal was, was sie im Laden anziehen kann, zu altmodisch sollte es nicht aussehen.“
Die Verkäuferin schien kurz nach zu denken dann sagte sie „Wenn Sie mir bitte folgen wollen.“ und ging in Richtung der Umkleiden. Während sie durch den Laden gingen nahm die Verkäuferin bereits einige Sachen von den Kleiderstangen. Sie musterte Mara immer wieder, hängte Sachen zurück und holte dafür andere von den Stangen. Als sie bei den Umkleiden waren gab sie Mara einige davon „Dann probier das bitte mal an“ sagte sie freundlich.
Mara ging in eine der Umkleiden und zog sich an. Als sie fertig ging sie wieder nach draußen wo Herrin Julia mit einer Tasse in der Hand auf einem Sessel saß und sie musterte. Sie ließ sich Mara einmal drehen, sich knien und sich präsentieren. Dann schüttelte sie den Kopf und redete mit der Verkäuferin die Mara sofort andere Sachen gab. So ging es eine ganze Weile. Jedes Mal wenn Mara aus der Umkleide kam nickte Herrin Julia oder schüttelte mit dem Kopf. Nach einer gefühlten Ewigkeit während der Mara sich wie eine Anziehpuppe vor kam musste sie jede Menge Kleidungsstücke anprobieren. Sie zog andere Stücke an oder bereits heraus gelegte in anderen Kombinationen und manchmal auch komplett neue Outfits. Nach mehr als zwei Stunden endlich schien Herrin Julia zufrieden zu sein. Auf einem Tisch neben ihr lagen mehrere Outfits welche Mara im Laden tragen sollte, unter anderem eines welches sie wie eine Oberlehrerin aussehen ließ. Zu einer schwarzen Strumpfhose kam ein Rock mit einem schwarz-weißen Muster, eine weiße Bluse mit engem, gestärkten Kragen der von einer schwarzen Schleife welche bis zum Rockansatz reichte gebunden wurde und Strickjacken in einem dunklen Grün und welche im selben Rot wie ihre Haare. Diese Strickjacken hatten große hölzerne Knöpfe obwohl sie offen getragen werden sollten. Das andere Outfit bestand aus schwarzen Nylonstrümpfen mit Rücknaht, einem knielangen, blauen Rock und einer Bluse mit schmalen blauen und weißen Streifen. Der weiße Kragen lag bei diesem wenigstens locker auf den Schultern, Mara beschloss, wenn sie die Wahl hatte lieber diese Bluse zu tragen, die Andere lag für ihren Geschmack viel zu eng am Hals an.
Dann gab es noch ein Outfit zum Ausgehen in mehreren Varianten, einmal war der wadenlange Rock in einem dunklen Grau gehalten und die dazu gehörende Bluse schwarz, einmal waren die Farben vertauscht. Dazu gab es helle, durchsichtige Nylonstrümpfe die bis weit über die Knie reichten. Das nächste war ein Freizeitoutfit mit schwarzer Stoffhose und schwarz-weiß gestreifter Bluse. Als letztes gab es noch ein Outfit welches aus einem bodenlangen, gelben Rock bestand der nur deshalb nicht durchsichtig war weil er so viele Falten hatte das immer mehrere Lagen des dünnen Stoffes übereinander lagen und einem weißen Oberteil mit etwa handtellergroßen, schwarzen Punkten und einem recht tiefen Ausschnitt.

Mara hoffte schon nun fertig zu sein doch Herrin Julia winkte die Verkäuferin noch einmal zu sich und redete leise mit ihr. Sie verschwand und es dauerte ein wenig länger als zuvor bis sie mit einem neuen Kleidungsstück wieder kam. Herrin Julia schaute es sich eingehend an bevor es Mara zum Anziehen gegeben wurde. Sie ging damit in die Kabine, zog sich aus und faltete dieses Teil auseinander. Es war eine schwarze Tunika. Sie zog diese an und fühlte sich sofort wohl darin. Außen war sie aus einfachem Leinen gefertigt und innen mit einem weichen Futter ausgestattet. Die Ärmel waren bis zu den Handgelenken wo sie sich wieder etwas verjüngten recht weit und es gab sogar zwei Taschen im Futter. Zusätzlich hatte sie hinten eine gefütterte Kapuze. Mit dieser Tunika ging Mara wieder nach draußen. Sie musste sich wie die letzten Male drehen, einige Schritte gehen, sich knien und sich präsentieren.
„Wie gefällt dir die?“ fragte Herrin Julia.
„Die ist schön bequem.“ sagte Mara. „Am liebsten würde ich sie gleich an behalten Herrin.“
„Das freut mich. Dann bring deine andere bitte mit, ich denke wir sind hier fertig.“
Mara holte die andere Tunika aus der Umkleide und legte sie sorgfältig zu den Anderen Sachen auf den Stapel. Die Verkäuferin kam mit einem weiteren Stapel Kleider an und legte alles in einen Einkaufswagen den sie besorgt hatte. Damit gingen sie zur Kasse und Herrin Julia bezahlte. Mara bekam einen Schrecken als sie den Betrag sah. „Herrin, das geht doch nicht, das ist doch viel zu viel.“ sagte sie leise.
Als sie den Laden mit mehreren vollen Tüten im Einkaufswagen verließen hielt Julia sie an den Schultern und drehte sie zu sich. „Mara, ich finde es schon schlimm genug, das man Menschen bei der Versteigerung so einfach ein Preisschild aufdrückt. Was denkst du denn, was du wert bist?“ Sie sah Mara eindringlich an.
„6000 Dollar?“ fragte Mara mit gesenktem Kopf.
„Scheiß auf die 6000.“ sagte Julia. Sie schien sehr verärgert zu sein. „Ich wäre noch wesentlich weiter gegangen wenn es nötig gewesen wäre. Ich habe dich nicht gekauft weil du besonders billig gewesen wärst.“ Sie nahm die Hände herunter und ballte sie zur Faust. Dann atmete sie mehrmals tief ein und wieder aus, dabei schloss sie die Augen. „Ich finde alleine schon diese Worte wenn es um einen Menschen geht entwürdigend. Ich habe dich gekauft“ sie zögerte kurz bevor sie dieses Wort aus sprach und spuckte es förmlich aus „weil du mir sympathisch bist. Ich finde es ist ja wohl das allermindeste dir vernünftige Sachen zu kaufen die ordentlich aussehen und in denen du dich wohl fühlst. Denk da mal drüber nach.“ Sie fasste den Einkaufswagen und ging langsam zum nächsten Laden, einem Schuhgeschäft. Mara folgte ihr mit gesenktem Kopf und ging ihren Gedanken zu diesen Worten nach.

„So, hier geht’s rein.“ sagte Herrin Julia. Sie schien sich wieder beruhigt zu haben wie Mara erleichtert fest stellte. Auch hier dauerte es eine Weile bis sie mit mehreren Schuhkartons den Laden verließen. Nun hatte Mara zu einem weiteren Paar Sandalen noch neue Sportschuhe, bequeme Stoffschuhe, Pumps in rot und schwarz mit Riemchen und sechs Zentimeter hohen Absätzen in denen sie ein wenig Mühe hatte zu gehen. „Das gibt sich noch, mit ein wenig Übung kannst du darin bald richtig laufen.“ meinte Herrin Julia schmunzelnd. Zudem hatte sie noch sehr bequeme, gefütterte Hausschuhe und Schnürstiefel die ihr bis zu den Knien reichten, deren Absätze allerdings wesentlich höher waren als die der Pumps. Jedes Paar Schuhe hatte Herrin Julia in zwei verschiedenen Ausführungen gekauft.

„Das ist kein Taschengeld, den Rest will ich also wieder haben.“ sagte Herrin Julia als sie an einem kleinen Imbiss vorbei kamen und ihr einen Schien in die Hand drückte. „Du bringst jetzt die Sachen ins Auto und holst uns da was zu Essen. Ich nehme eine Margarita und ein großes Wasser. Was du willst, weißt du selbst besser. Bei mir wird es mindestens eine halbe, eher eine dreiviertel Stunde dauern, also lass dir Zeit.
„Entschuldigung Herrin.“ sagte Mara wie so oft ziemlich leise „Aber ich habe keine Uhr.“
Julia schaute sie an und lachte. Dann stellte sie sich hinter sie und fasste ihren Kopf mit beiden Händen. Sie drehte in sanft zur Seite und etwas nach oben. „Da ist eine. Also bis gleich.“ sagte sie, ließ Maras Kopf los und strich ihr mit der Hand über den Arm bevor sie ging.
Mara machte sich mit dem voll geladenen Wagen auf den Weg zum Ausgang. Sie lud alles sorgsam in den Transporter und brachte den Wagen zu einem der Unterstände. Langsam ging sie zurück zu dem Imbiss. Sie hatte noch eine gute viertel Stunde zeit und schlenderte so lange an den Schaufenstern vorbei und betrachtete die Auslagen. Als es an der Zeit war ging sie zu dem Imbiss und bestellte die Pizza und das Wasser für ihre Herrin und Pizzabrötchen mit Kräuterbutter und einen kleinen Salat sowie ein Wasser für sich selbst. Als sie alles bezahlt hatte nahm sie das Tablett und setzte sich damit an einen der Tische. Es dauerte nicht einmal eine Minute da kam auch schon Herrin Julia mit einer vollen Einkaufstüte aus festem Papier an und setzte sich zu ihr.
„Sehr schön, danke dir.“ sagte sie und begann zu essen.

Die Beiden saßen sich schweigend gegenüber und aßen.
„So, noch deine Unterwäsche abholen dann können wir nach Hause fahren.“ sagte Julia nachdem sie aufgegessen hatten. „Einkaufen gehen wir morgen, dann zeige ich dir wo es Lebensmittel und so zu kaufen gibt.“ Sie stand auf und wartete bis Mara das Tablett zurück gebracht hatte. Dann ging sie zu Brigitte in den Laden und bezahlte die Unterwäsche. Zusammen gingen sie zum Auto und fuhren zurück zu Julias Haus.

„Halt mal an!“ rief Julia plötzlich. Sie griff an Maras Arm vorbei zum Lenkrad und betätigte zwei mal die Hupe. Mara trat auf die Bremse und hielt den Wagen am Straßenrand. Eine junge Frau kam auf den Wagen zu und winkte. Julia ließ das Fenster herunter und lehnte sich heraus. „Hallo Katja.“ begrüßte sie die Frau.
„Hallo Julia. Schön dich zu sehen.“
„Du sag mal, kennst du vielleicht zwei oder drei Leute die sich etwas dazu verdienen wollen? Wir haben das ganze Auto voll mit Sachen die ins Dachgeschoss müssen. Und die Möbel müssten noch aufgebaut werden.“ kam Julia sofort auf den Punkt. „Du siehst ja, wir Beide sind schwache Frauen und brauchen bei sowas ein wenig Hilfe.“
Katja sah Julia an und begann dann zu lachen. „Schwache Frauen, verstehe. Gerade du. Was bekomme ich denn für meine Vermittlertätigkeit?“
„Wie wäre es mit ein oder zwei Stunden im Keller?“ fragte Julia.
„Du kannst Gedanken lesen.“ sagte Katja und grinste breit.
„Dann seh mal zu das du jemanden findest, wir fahren schon mal vor.“ sagte Julia. Lachend. Zu Mara sagte sie „Dann weiter nach Hause.“
Mara setzte den Transporter wieder in Bewegung. Sie fragte sich, was wohl damit gemeint war als Julia den Keller erwähnte.“ Es dauerte nur wenige Minuten bis Mara den Transporter am Eingang zum Haus ab stellte und die Beiden aus stiegen. Mara holte auf Anweisung Julias die kleineren Einkäufe aus dem Wagen und brachte das Meiste nach Oben. Einige Teile nahm Julia mit in ihr Wohnzimmer.

Während Mara noch dabei war die neuen Kleidungsstücke in den Waschkeller zu bringen kam Katja mit zwei jungen Männern um die Ecke. „Hallo, der Studentische Hilfsdienst ist da.“ sagte sie lachend. „Was soll denn wo hin?“
„Die großen Sachen im Auto müssen alle unters Dach und dort aufgebaut werden.“ erklärte Julia. Die Beiden Männer schauten kurz in den Transporter und holten eine der größeren Kisten heraus. Damit gingen sie nach oben und kamen eine gute halbe Stunde später wieder herunter. Mara durfte während dessen nicht nach oben gehen. Daher nutzte sie die Zeit um die Sachen in die Waschmaschine zu stecken. Doch das war schnell erledigt und so blieb ihr nichts anderes übrig als in die Küche zu gehen und Kaffee für alle zu kochen. Dann klingelte es und Julia ging an ihr vorbei nach unten. Vor dem Haus sah Mara einen Möbelwagen stehen. Dieser fuhr kurz darauf nach hinten und Mara konnte nicht sehen was passierte. Eine Weile später ließ Julia sich von Mara sieben Tassen Kaffee auf einem Tablett geben und verschwand damit nach oben. Eine gute Stunde später fuhr zuerst der Möbelwagen wieder weg und dann gingen auch noch die beiden Männer am Haus vorbei.

„Mara, sei so gut und mach bitte Abendbrot für uns Drei.“ sagte Julia die in die Küche gekommen war.
„In der Küche oder im Esszimmer Herrin?“ fragte Mara.
„Mach mal in der Küche. Das geht schon in Ordnung.“ Julia verschwand wieder nach oben.
Mara deckte den Tisch und stellte alles für ein Abendessen auf den Tisch. Kurz nachdem sie damit fertig war kamen Julia und Katja in die Küche. Zusammen setzten sie sich an den Tisch und aßen zu Abend. Katja fragte Mara neugierig nach der Schule und wie es ist eine Serva zu sein. Darauf gab Mara bereitwillig Antwort und erzählte aus der Schule.

Nach dem Abendessen holte Julia ein Schlüsselbund aus einer Schublade und ging mit Katja nach unten. Mara sollte so lange oben bleiben und sich einen Film an sehen.

Es dauerte gute zwei Stunden bis Julia und Katja wieder nach oben kamen. Katja sah ein wenig mitgenommen aus, lächelte aber und blickte etwas abwesend. Sie tranken noch einen Kaffee und dann verabschiedete sich Katja.
Dann rief Julia Mara zu sich. „Komm, lass uns mal nach oben gehen.“
Mara folgte ihr in das kleine Wohnzimmer. Dieses hatte sich sehr verändert. Neben dem Treppenaufgang stand das Sideboard an der Wand, diesem gegenüber eine Zweisitzer Couch und ein Couchtisch. Daneben unter dem Fenster stand ein Sessel. Couch und Sessel waren mit weichem, dunklen Stoff bespannt und sahen sehr bequem aus. Gegenüber unter dem Fenster zum Garten hin stand der Schreibtisch mit dem schwarzen Lederstuhl davor und an den Wänden hingen mehrere große Bilder.
„Na, wie gefällt es dir?“ wollte Julia wissen.
„Das sieht toll aus. Vielen Dank Herrin Julia.“ sagte Mara leise.
„Das freut mich.“ sagte Julia lächelnd. „Übrigens, das Bügelbrett habe ich aus der Waschküche geholt. Es steht da hinten.“ sie deutete den schmalen Gang entlang zum Gästezimmer. Mara ging dort hin und sah das Bügelbrett unter dem Fenster stehen Dort hatte sie eine schöne Aussicht, ganz anders als in der Waschküche. So würde ihr wahrscheinlich sogar das Bügeln mehr Spaß machen dachte sich Mara.

Sie kam zurück und ging zu der Couch. Sie schaute Julia fragend an. Diese nickte und Mara setzte sich. Sie lehnte sich zurück und fand das diese wirklich sehr bequem war. „Ich gehe nach unten, wenn du magst, kannst du nach kommen, ich wollte mir noch einen Film an sehen.“
„Danke Herrin.“ sagte Mara und stand auf und knickste als Julia nach unten ging. Sie setzte sich in den Sessel und lehnte sich weit nach hinten. Sie schloss einen Moment die Augen und genoss die Stille. Dann stand sie auf und ging nach unten. Herrin Julia saß bereits auf der Couch und der Vorspann des Filmes lief gerade an.
„Komm, setz dich.“ sagte sie. Mara ging zur Couch und setzte sich auf die freie Seite.
„Wart mal.“ sagte Julia. „Du hast heute Morgen so da vor gestanden, da musste ich einfach einen kaufen.“ Sie holte ein Plüschtier, einen ziemlich großen, braunen Hund, neben der Couch hervor und gab ihn Mara.
„Vielen Dank Herrin.“ sagte sie leise. Ein ähnliches Plüschtier hatte sie zu Hause gehabt. Sie hatte den Hund zu ihrem sechsten Geburtstag bekommen und seit dem hatte sie ihn jeden Abend wenn sie schlafen ging in den Arm genommen. Sie zog die Beine an und nahm diesen Plüschhund in den Arm. Sie heilt ihn die ganze Zeit während der Film lief fest. Kurz vor Ende des Filmes, es war gerade 22 Uhr, fielen ihr die Augen zu. Als der Film zu Ende war stand Julia auf und sah das Mara schlief. Das Plüschtier hielt sie fest in den Armen. Sie wollte sie nicht wecken und deckte sie mit einer Wolldecke zu bevor sie selbst ins Bett ging.


9. RE: Neue Horizonte - 2

geschrieben von HeMaDo am 06.05.17 21:23

Rebecca drehte den Schlüssel im Schloss und setzte den schweren Wagen in Bewegung. Als sie endlich aus der Stadt heraus war und auf der Landstraße fuhr trat sie das Gas durch. Sie nahm augenblicklich den Fuß etwas zurück um nicht zu schnell zu fahren. Sie war immer noch erstaunt darüber daß ein so schwerer Wagen so beschleunigen konnte. Sie hatte das Auto letzte Woche erst für diese Fahrt gekauft weil sie das Bahn fahren nicht sonderlich mochte. Bei dem Gebrauchtwagenhändler hatte sie sich sofort in dieses eigentlich viel zu luxuriöse Auto verliebt und es mit den Worten „Man gönnt sich ja sonst nichts.“ gekauft.

Das Navi zeigte an das die Fahrt etwa drei Stunden dauern würde. Eigentlich viel zu lange für so eine Entfernung. Aber es gab für diese Strecke keine Schnellstraße, so daß sie auf der Autobahn bleiben musste. Während sie so vor sich hin fuhr dachte sie über ihr bisheriges Leben nach. Eigentlich hatte sie abgesehen von der Schule bisher ohne ein wirkliches Ziel gelebt und nichts nennenswertes erreicht. Das würde sich weder heute noch in Zukunft ändern, selbst wenn sie eine Stelle bekommen würde. Aber danach strebte sie mittlerweile auch nicht mehr. Sie wollte endlich ein ruhiges Leben ohne Dauerstress mit irgend welchen Männern oder ihren Eltern. Die einzige Person aus ihrem früheren Leben mit der sie sich noch gut verstand war Gabriel, ihr Ex-Mann. Ansonsten war sie nun von der Männerwelt nur noch abgeschreckt und wollte mit dieser am liebsten nichts mehr zu tun haben. Sie hatte auch bereits in jüngeren Jahren Erfahrungen mit Frauen gesammelt, konnte sich aber mit diesen nichts auf einer tieferen Ebene vorstellen. Ihr war schmerzlich bewusst, das ihr etwas fehlte. Sie war sich klar, was das war aber hatte keine Ahnung ob und wie sie das was ihr fehlte, nämlich Liebe und Geborgenheit und vielleicht auch etwas oder auch etwas mehr Sex, bekommen konnte.

Das blinken des Navis riss sie aus ihren Gedanken. „Ziel erreicht.“ stand auf dem Display. Sie stand vor einem großen Tor neben dem befanden sich eine Reihe Parkplätze befanden. Sie lenkte den Wagen auf einen davon und stieg aus. Draußen ordnete sie noch einmal ihre Kleidung und fuhr sich mit den Händen durch die Haare. Mit einem schnellen Griff prüfte sie, ob ihr Halsband gerade saß und ging dann auf die Wachen zu, die vor dem Tor standen. Die zwei Frauen trugen schwarze Uniformen. Ihre Füße steckten in schweren, auf Hochglanz polierten Stiefeln und die dicken Westen mit den vielen Taschen sahen alles andere als bequem aus.
„Was kann ich denn für Sie tun?“ fragte sie eine der Frauen freundlich lächelnd.
„Rebecca Winter. Ich habe einen Termin mit Miss Nin“ sagte sie.
Die Wache tippte etwas auf einem Gerät ein, das sie am linken Handgelenk trug. „Miss Rebecca Winter?“ fragte diese, was Rebecca bestätigte. „Darf ich?“ fragte die Wache und hielt einen Scanner hoch. Als Rebecca ihr den rechten Arm hin hielt scannte sie ihren ID-Chip und gab ihr eine Plastikkarte die in einer durchsichtigen Hülle steckte nachdem sie erneut etwas auf dem Gerät an ihrem Arm getippt hatte.
„Herzlich willkommen auf Horizons Miss Winter. Sie werden in 20 Minuten erwartet. Bitte kommen Sie herein.“ Die Wache hielt ihr eine kleine Tür auf welche sich in dem breiten Torflügel befand und folgte ihr. „Es holt Sie gleich jemand ab.“ sagte sie und deutete auf eine Bank die neben der Schiene einer schmalen Magnetbahn stand. Rebecca setzte sich auf die Bank und die Wache schloss von außen die Tür.

Sie schaute sich ein wenig um und wähnte sich in einer vollkommen anderen Welt. Der dichte Wald ging fast bis zu dem fast drei Meter hohen Zaun welcher das Gelände umgab. In einem Gebüsch neben sich bemerkte sie eine Bewegung. Sie schaute hin und sah einen Fuchs der sie ohne Scheu an sah. Sie hielt ihm die Hand hin doch dies schien ihn zu erschrecken und er verschwand wieder im Gebüsch.

Lautlos glitt nach wenigen Minuten ein kleiner Wagen auf der Magnetbahn heran und hielt vor Rebecca. Eine junge Serva, Rebecca schätzte sie auf höchstens Mitte 20, stieg aus, lächelte freundlich und wies sie mit einer Handbewegung ein zu steigen. Rebecca stieg in den Wagen und als die Frau sich gesetzt hatte, fuhr dieser lautlos und sanft an. Sie betrachtete die Frau die ihr nun gegenüber saß. Sie trug eine lange Tunika in einem hellen Grün und an ihrem Halsband den Ring einer unfreien Serva.
„Hallo, ich bin Rebecca“ sagte sie und hielt der Serva die Hand hin. Diese schüttelte ihr die Hand, sagte aber kein Wort. Statt dessen zog sie aus einer Tasche welche an ihrer Tunika befestigt war eine Karte in der Größe einer Spielkarte und hielt sie Rebecca hin.
sie las dort „Mein Name ist Vivian. Es tut mir leid, aber ich kann nicht sprechen.“
Dann zeigte sie auf ihren Hals und deutete dann auf Rebecca.
Diese fasste an ihr eigenes Halsband dem der Ring fehlte. Eigentlich wollte sie es nie mehr tragen aber irgend etwas sagte ihr, das es heute vielleicht nicht so schlecht war, es bei diesem Vorstellungsgespräch doch zu tragen.
„Wegen dem Ring? Ich bin freiwillig zur Schule gegangen.“ sagte sie. Vivian winkte ab, legte beide Hände vor die Brust, streckte die Finger ab und bewegte die Hände nach außen. Sie legte einen Finger an ihren Hals unterhalb des Halsbandes und zog diesen langsam hinunter.
Schnell richtete Rebecca den Kragen ihrer Bluse und schloss auch den obersten Knopf so das die breite Narbe gänzlich verdeckt war.
„Das war mein letzter sogenannter Freund.“ sagte sie. Darüber wollte sie mit einer ihr unbekannten jetzt wirklich nicht reden und schüttelte nur den Kopf. Vivian stand auf, beugte sich zu ihr vor und streichelte ihre Wange.

Der Wagen fuhr langsam an einer großen Wiese vorbei. Rebecca fragte sich, wie groß dieses Gelände wohl sein mochte als sie am Rand der Wiese eine Bewegung wahr nahm. Sie schaute genauer hin und sah zwei Frauen die sich trotz des nicht mehr all zu warmen Wetters ihrem Liebesspiel hin gaben. Nach einigen Minuten kam der Wagen vor einem großen Bürogebäude zum Stehen. Vivian stieg aus und deutete Rebecca ihr zu folgen. Sie gingen in das Gebäude und traten in eine Empfangshalle die sich auch in einem guten Hotel hätte befinden können. Der Fußboden war mit einem weichen, dunklen Teppich ausgestattet und an den Wänden hingen mehrere Bilder bekannter Künstler. Zwischen großen Blumenkästen in denen bunt blühende, kleine Bäume wuchsen standen einige Ledersessel. Hinter einem Tresen standen zwei Frauen und lächelten die Beiden an. Vivian zeigte in den hinteren Bereich und ging an den Beiden vorbei. An der Wand angekommen deutete Vivian auf einen Aufzug und zeigte drei Finger. Sie selbst ging zu einer Tür auf der ein Schild mit einem Treppensymbol befestigt war. „Fährst du nicht mit?“ wollte Rebecca wissen. Vivian schüttelte den Kopf, klopfte auf ihren Bauch und lachte. „Dann geh ich auch die Treppe.“ sagte Rebecca und folgte Vivian in den dritten Stock. Dort ging es weiter einen Gang entlang von dem viele Türen ab gingen.

Sie hielten vor einer Tür die wie alle anderen aus sah. „R308 Aderra Nin, Leiterin HR“ und „R306 Vera Kever, Sekretärin“ stand auf diesem Schild. Vivian klopfte an und trat ohne ab zu warten ein.
„Hallo mein Schatz.“ sagte jemand aus dem Zimmer heraus. Rebecca trat ebenfalls in das Zimmer. Vivian und die Frau hinter dem Schreibtisch küssten sich innig. Erst als die Frau Rebecca bemerkte, lösten die Beiden ihren Kuss. Die Frau strich Vivian über die Wange und stand auf. Vivian trat zur Seite, ging zur Wand und kniete sich dort hin. Verliebt schaute sie die Frau an.
„Schönen guten Tag, mein Name ist Vera Kever, Sie müssen Miss Winter sein?“ fragte sie.
„Rebecca Winter. Ich habe einen Termin mit Miss Nin.“ die Beiden schüttelten die Hände. Vera lächelte freundlich „Es heißt Miss Aderra. Dort wo sie her kommt wird der Familienname vor dem Eigennamen genannt. Also sprechen Sie sie besser nicht als Miss Nin an, das mag sie nicht so gerne.“ Sie lachte und deutete auf einen runden Tisch. „Nehmen Sie doch platz. Miss Aderra hat gleich Zeit für Sie.“

Vivian stand auf und stellte sich, die Hände auf dem Rücken neben Rebecca. Dann führte sie ihre Rechte zum Mund und machte eine Bewegung die das Trinken aus einem Becher andeutete. „Vivian!“ sagte Vera streng und ohne von ihrer Arbeit auf zu sehen. „Bitte sprich in ganzen Sätzen. Das habe ich dir schon dutzende Male gesagt.“ Vivian drehte sich zu Vera um, senkte den Blick hielt die Linke Hand waagerecht vor die Brust, die Rechte auf die Linke und ließ sie zweimal kreisen. „Schon gut. Vergiss es aber nicht wieder.“ sagte Vera und machte eine Geste die Rebecca sofort verstand. Vivian rollte mit den Augen, grinste und wandte sich wieder Rebecca zu. Sie machte zwei Fäuste, spreizte Daumen und kleine Finger ab und ließ die beiden kleinen Finger sich umrunden. Dann machte sie die Rechte Hand flach und tippte sich mit den Fingerspitzen zwei mal ans Kinn.
Vera, die etwas auf ihrem Computer tippte, schaute auf und grinste ebenso. „Ich geb dir gleich harmlos. Das werd ich dir nachher mal zeigen.“ Sie lachte kurz. Dann machte Vivian wieder eine Geste zu Rebecca. Sie hielt die Linke flach mit der Handfläche nach oben vor sich und legte die Rechte, ebenfalls mit der Handfläche nach oben hinein. Nun formte sie mit der Linken einen Kreis und bewegte die Rechte mit zusammen gelegtem Daumen und Zeigefinger über der Linken auf und ab, legte denn die beiden Fäuste übereinander und bewegte diese kreisend, dann bewegte sie die Rechte in Höhe ihrer Schultern, fasste etwas imaginäres und zog es hinunter. Zum Schluss machte sie wieder die Bewegung als ob sie etwas trank. „Also Tee habe ich verstanden, aber ich vermute, du meinst keinen Pfeffer. Und was das dritte sein sollte kann ich mir auch nicht denken. Tut mir leid, aber ich kann keine Zeichensprache.“ sagte Rebecca.
„Sie hat Sie gefragt ob Sie Tee, Kaffee oder Saft Trinken möchten.“ Vera lachte.
„Dann hätte ich gerne einen Saft, wenn es keine Umstände macht.“ sagte Rebecca. Vivian knickste und verschwand aus dem Zimmer.“
„Bei Vivian haben Sie jetzt schon einen Stein im Brett. Die Meisten machen sich nicht einmal die Mühe es zu versuchen.“ sagte Vera.
„Ich glaube, so schwer ist das nicht mal, wenn man etwas übt. Wir haben uns im Wagen bereits kurz unterhalten.“ sagte Rebecca.
„Unterhalten? Sie ist manchmal eine echte Quasselstrippe.“ Vera lachte.
„Sie ist Ihre Serva?“
„Serva, Vertraute, Freundin, Geliebte und noch viel mehr.“ erwiderte Vera.

Vivian kam mit einem Glas Saft und stellte es vor Rebecca auf den Tisch. Dann legte sie die Fingerspitzen der flachen Hand an ihr Kinn und bewegte diese nach unten und knickste.
„Danke sehr“ sagte Rebecca und nickte, worauf hin Vivian sich wieder neben die Tür kniete. Rebecca trank einen Schluck.
„Frauen wie Vivian werden Sie hier einige sehen. Unsere Chefin ist was das angeht ziemlich engagiert. Sie kauft auch schon mal einfach auf der Straße eine Serva die gerade von ihrem Besitzer oder ihrer Besitzerin geschlagen wird. Und dabei geht sie nur selten freundlich auf diese Leute zu. Aber vermutlich werden Sie sie demnächst ja kennen lernen.“ Vivian machte wieder einige Gesten. Zuerst spreizte sie wieder Daumen und kleine Finger von beiden Händen ab und ließ die kleinen Finger sich umrunden, dann winkelte sie die Rechte Hand ab und bewegte sie neben ihrer Schläfe vor und zurück, zum Schluss ließ sie die Rechte zur Faust geballt vor ihrer Brust kreisen. Dabei grinste sie breit.
„Ich helf dir gleich, von wegen große, böse Frau. Sei froh das sie dich da raus gehauen hat.“ sagte Vera worauf hin Vivian den Blick senkte.
„In der Schule hatte ich eine Mitschülerin die ebenfalls einen ziemlich ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit hatte.“ sagte Rebecca „Sie ging schon mal dazwischen, wenn sie meinte, eine Mitschülerin würde ungerechtfertigt bestraft. Das hat ihr mehr als einmal selbst eine gehörige Strafe eingebracht. Sie war wie ich selbst eine freie Schülerin. Sie hatte ihren Sinn für Gerechtigkeit wohl von ihrer Mutter die ebenfalls eine Serva war.“
„Sie war sie eine freie Schülerin? Wieso wurde Sie dann bestraft?“ wollte Vera wissen. Sie hatte sich mit ihrem Stuhl zu Rebecca gedreht und die Beine übereinander geschlagen.
„Wir waren damals drei freie Schülerinnen in unserer Gruppe. Die anderen haben uns natürlich geschnitten weil wir ja angeblich was besseres waren.“ sagte Rebecca und lachte „Emylia ist als sie wieder mal Mist gebaut hatte zur Schulleiterin gegangen und hat gesagt, sie wollte gefälligst genau so behandelt werden wie die Anderen auch. Als dann eine Andere Schülerin wegen etwas bestraft werden sollte, was ich getan hatte, bin ich auch dazwischen gegangen und habe zugegeben das ich das war. Dann hab ich mich einfach hinter sie gestellt und der Lehrerin gesagt, das sie endlich anfangen soll. Ich konnte zwar eine Woche nicht mehr sitzen aber das war es wert.“ Rebecca holte nach dieser Erklärung tief Luft und trank einen Schluck.
Vivian sah sie groß an und machte einige schnelle Gesten, die Rebecca unmöglich deuten konnte. „Sie fragt Sie ob Sie als freie Schülerin wirklich genau so geschlagen wurden wie die anderen.“ übersetzte Vera. Rebecca nickte. „Ja, genau so wie alle Anderen auch. Es war eine harte Zeit aber die Beste meines Lebens.“ Sie schwieg einen Moment und fügte dann leise hinzu „Danach ging es meistens Berg ab.“

„Ich glaube mit unserer Chefin würden Sie sich gut verstehen Miss Winter.“ Eine hoch geschossene Blondine mit langen, gewellten Haaren, ihr Gesicht zeigte einen leichten eurasischen Einschlag, stand in der Tür zum Nebenzimmer und lächelte Rebecca aus freundlichen grauen Augen an. Diese stand sofort auf und knickste aus einem Reflex heraus.
„Aderra Nin. Herzlich willkommen in Horizons Miss Winter.“ stellte sich die Frau vor und reichte Rebecca die Hand. „Kommen Sie doch hinein.“ Sie deutete zur Tür. Rebecca ging hinein.
„Vivian, bringst du uns bitte noch etwas zu Trinken?“ sagte sie und folgte Rebecca. „Bitte, nehmen Sie doch Platz.“ sie deutete auf eine kleine Sitzgruppe. Die Beiden setzten sich. Vivian kam mit einer Tasse Kaffee und einem Glas Saft hinein und stellte die Getränke auf den Tisch vor den beiden Frauen ab, knickste und ging.
„Wir geben keine Stellenanzeigen auf, also nehme ich an jemand hat uns empfohlen?“ wollte Miss Aderra wissen.
Rebecca nickte. „Eine Schwester hat mir im Krankenhaus ihre Karte gegeben und gemeint ich soll mich einfach mal bewerben Miss Aderra.“
„Entschuldige, aber wir haben hier recht lockere Umgangsformen, ich darf doch du sagen?“ sagte diese.
„Natürlich. Ich heiße Rebecca.“ sagte diese.
„Ich bin Nin. Das hört sich viel weniger streng an als Miss Aderra.“ erwiderte diese und lächelte freundlich. „Also ich möchte dir erst einmal etwas über uns erzählen, damit du einen Eindruck bekommst wo du dich überhaupt beworben hast, wenn das in Ordnung ist.“
„Gerne“ antwortete Rebecca.
„Dann fange ich einfach mal an. Es gibt auf diesem Planeten 4 Milliarden Menschen, davon sind mehr als zwei komme fünf Milliarden Frauen und noch nicht einmal eins komme fünf Milliarden Männer. Wir Frauen sind ganz klar in der Überzahl aber das hindert einige wenige Männer nicht daran, sich wie die Axt im Walde zu benehmen. Und genau da fängt es mit uns an. Das alles hier ist nicht irgend etwas politisches sondern einfach eine Art Rückzugsort wo wir in Ruhe leben können. Es gibt hier genau die selben Strukturen und gesellschaftlichen Zusammensetzungen wie überall sonst auch, abgesehen davon vielleicht, das wir hier alle ziemlich offen mit Allem und Allen umgehen ohne jemanden wegen irgend etwas diskriminieren. Sei es wegen ihrer Herkunft, einer Behinderung, wegen einer sexuellen Präferenz oder einer Lebenseinstellung. Das Einzige was wir hier nicht tolerieren ist Intoleranz. Abgesehen davon das hier nur sehr wenige Männer wohnen gibt es hier im Grunde genommen die selben Familiären Strukturen wie draußen auch. Hast du soweit Fragen?“ endete Nin ihren Vortrag den sie offenbar schon oft genug auf gesagt hatte und ihn auswendig kannte.
„Wieso denn der große Zaun? Sind hier alle eingesperrt?“ fragte Rebecca.
„Im Gegenteil. Ich nehme an, du hast bemerkt, das die ganzen Sicherungsmaßnahmen sich außerhalb befinden? Die dienen nicht dazu, jemanden ein zu sperren sondern zu unserem Schutz. Bevor der Zaun gebaut worden ist, hat es gelegentlich den ein oder anderen Zwischenfall gegeben wenn Wanderer hier plötzlich aufgetaucht sind oder sich irgend welche Jugendlichen aus den umliegenden Dörfern als Mutprobe herein geschlichen haben. Wenn jemand das Gelände verlassen möchte, kann sie das ohne Probleme tun. Nur rein kommt man nur wenn man jemanden besuchen will oder wenn man sich ausweisen kann.“ erklärte Nin. „Aber nun mal zu dir.“ Sie drehte sich zu ihrem Schreibtisch und nahm Rebeccas Bewerbungsmappe in der einige bunte Zettel steckten und legte diese offen auf den runden Tisch. „Du hast bis zu einem gewissen Punkt einen ziemlich beeindruckenden Lebenslauf. Mittelschule, Ausbildung zur Technikerin dann mit 18 als Freie in die Schule für Serva in Straßburg gegangen. Danach hast du Design studiert und nebenbei noch eine klassische Gesangsausbildung absolviert. Schon während deinem Studium hast du mit 23 geheiratet. Die Ehe wurde zwei Jahre später geschieden weil?“ sie sah Rebecca fragend an.
„Wir haben fest gestellt, das wir einfach nicht zusammen passten. Vielleicht auch weil wir beide noch ziemlich jung waren. Wir sind noch immer gut befreundet aber zusammen hat es einfach nicht funktioniert.“ sagte sie mit einem bedauernden Unterton.
Nin beschloss hier nicht weiter nach zu fragen. „Gut, dann hast du acht Jahre lang bei einer Transportfirma gearbeitet. Da hast du dich von einer Technikerin bis zur Pilotin hoch gearbeitet, was ich schon ziemlich beeindruckend finde. Aber warum hast du nicht in einem der Berufe gearbeitet, die du auch gelernt hast?“ fragte Nin ernst. „Ich wollte als Kind schon immer fliegen. Mein Vater hat mich damals immer mal mit genommen in seine Firma und ich durfte öfter mal mit fliegen. Das hat mich einfach fasziniert. Als ich dann die Stellenanzeige gelesen habe, habe ich mich einfach beworben und habe es ja auch geschafft Pilotin zu werden.“
„Da hast du acht Jahre lang gearbeitet und danach bis jetzt nicht mehr. Und hier wird dein Lebenslauf auch ein wenig undurchsichtig. Außerdem hast du eine 50 prozentige Behinderung angegeben, aber es steht nichts in deinen Unterlagen was für eine Behinderung das denn ist.“ Nin sah Rebecca fragend an.
Diese hielt dem Blick stand. Sie wusste, das es dazu kommen musste. „Wenn Sie möchten, zeige ich es ihnen.“ Sie wurde rot und senkte den Kopf.
Nin sah sie fragend an „Wir waren bereits beim du. Belassen wir es doch dabei. Aber ich würde dennoch gerne wissen, was du mir zeigen wolltest.“
Rebecca seufzte, stellte sich hin, öffnete die Bluse und drehte sich einmal. Nin sah mit entsetztem Blick Rebeccas von Operationsnarben übersäten Oberkörper an. Erst als sie wieder angezogen platz nahm fragte Nin „Wie ist das denn passiert? War das ein Unfall?“
„Nein, kein Unfall sondern mein letzter Freund.“ Die Erinnerungen waren noch zu frisch und so rollte eine Träne über ihre Wange als sie weiter sprach „Mit den dauernden Rückenschmerzen kann ich so weder länger stehen noch sitzen, also kann ich auch nicht als Pilotin oder Technikerin arbeiten und als Serva nimmt mich so doch auch niemand.“
Nin nickte „Gibt es sowas wie einen Medizinischen Bericht?“ Rebecca holte die gut Daumendicke Krankenakte aus ihrer Tasche und reichte sie Nin die diese überflog. Schnell fand sie, was sie suchte. „Hast du etwas dagegen, wenn ich davon eine Kopie mache und sie unserer Chefin schicke?“
Rebecca schüttelte den Kopf. „Bitte.“ sagte sie resignierend. Sie war sich sicher auch hier keine Stelle zu bekommen sondern wie so oft in den letzten Wochen abgewiesen zu werden.
Nin nahm einige Blätter aus der Akte und ging hinaus. Durch die angelehnte Tür konnte Rebecca hören, das sie mit Vera sprach. Nach einer Minute kam sie wieder ins Zimmer. Komm, wir machen einen kleinen Spaziergang, die große, böse Frau wird sich sicher gleich melden.“ sie zwinkerte.
„Wieso eigentlich große böse Frau? Das hat Vivian eben auch schon gesagt.“ wollte Rebecca wissen.
„Ich weiß es nicht so genau, ihre Frau oder auch eine ihrer Töchter hat ihr diesen Namen gegeben. Und sowas macht hier schnell die Runde. Aber nenn sie lieber nicht so. Das dürfen nur gute Freunde oder ihre Familie.“ Nin lachte herzlich und lächelte. Sie stand auf und hielt Rebecca die Tür auf. Im Vorzimmer sagte sie zu Vera „Mach auch mal Pause, ich führe Rebecca ein wenig herum.“
Zusammen verließen sie das Büro, fuhren mit dem Aufzug nach unten und gingen nach draußen. „Einen Teil der Anlage hast du ja schon gesehen, was hältst du denn so davon?“ wollte Nin wissen. „Es ist schön ruhig hier.“ sagte Rebecca. „Vorhin habe ich zwei Frauen gesehen die im Wald miteinander geschlafen haben, ist das normal hier?“ Nin lachte. „Vielleicht ein klein wenig normaler als überall sonst, und so lange sich niemand davon belästigt fühlt, warum nicht? Ich persönlich mag sowas ja nicht. Zu viele Insekten und vor allem Spinnen.“ sie schüttelte sich „Aber wer sowas mag.“ sie zwinkerte.
„Sag mal, ich habe nirgendwo etwas gefunden, was genau wird hier eigentlich gemacht?“ fragte Rebecca.
Nin gab Rebecca das Pad welches sie bisher in der Hand gehalten hatte „Das ist unser Katalog. Aber als Marke wirst du uns nirgendwo finden.“ Rebecca schaute auf das Pad und ihre Kinnlade klappte herunter als sie durch den Katalog blätterte. Jedes mal wenn sie mit einem Fingertipp eine weitere Seite öffnete staunte sie mehr.
„Guck nicht so entsetzt.“ Nin lachte herzhaft als sie Rebeccas Blick bemerkte. „Auch sowas muss ja irgend wer herstellen oder glaubst du etwa sowas wächst auf den Bäumen?“ sie runzelte die Stirn, tippte eine Seitenzahl ein und sagte „Naja, das wächst tatsächlich irgend wie auf Bäumen.“ meinte sie stirnrunzelnd „Aber das ist eher die Ausnahme als die Regel.“ sie lachte erneut.
Rebecca schloss endlich den Mund. „Ihr macht Sexspielzeuge?“ fragte sie erstaunt.
„Sexspielzeuge, Kleidung und vieles mehr. Sowas verkauft sich ganz gut. Und wer kann sowas besser machen als die Jenigen, die sie auch benutzen? Außerdem haben wir hier jede menge hochmoderner Maschinen und können so ziemlich alle Werkstoffe verarbeiten, Stahl, Kunststoffe, Holz, Textilien und wir können fast jede Art von Elektronik herstellen. Und wenn jemand eine neue Idee hat was man damit noch machen kann, dann wird das geprüft und vielleicht in unser Portfolio aufgenommen.“ erklärte Nin und lachte. „Komm, ich führe dich ein wenig herum.“

Neben dem Gebäude standen einige Elektrofahrzeuge, ähnlich wie Golfwagen. Nin wies mit einer einladenden Handbewegung auf eines davon. Rebecca setzte sich hinein während Nin auf dem Fahrersitz platz nahm. Nachdem beide angeschnallt waren setzte sie das Fahrzeug in Bewegung. „Das Ganze hier war früher mal ein Industriegelände. Da wo jetzt das Kraftwerk steht,“ sie deutete auf einen großen Gebäudekomplex zu ihrer Rechten „standen früher Hochöfen. Und in diesen Hallen“ nun wies sie nach rechts „wurde der Stahl weiter verarbeitet und Autos, Flugzeuge und Panzer gebaut. Jetzt werden hier eben Sexspielzeuge aller Art hergestellt. Ich finde ja, das ist eine große Verbesserung.“ die Wände der Hallen waren aus rotem Backstein gemauert und eine hatte sogar eine kunstvoll gemauerte Fassade mit großen, geschwungenen Toreinfahrten. Auf dem oberen Rand der Fassade waren sogar kleine Türmchen angedeutet.
„Das hier ist unser Lager. Da lagert eigentlich alles. Teile die für die Produktion gebraucht werden, fertige Teile aber auch alle Sachen die man so zum täglichen Leben so braucht wie Kleidung, kleinere Möbel, Nahrungsmittel und so weiter.“ dozierte sie als sie an einem modernem Gebäude entlang fuhren das sogar noch größer war als die Fabrikhallen. Sie fuhren gemächlich weiter die Straße entlang bis diese einen Bogen machte. Sie fuhren nun durch einen lichten Wald. „Hier wird es schöner. Hier stehen die Wohngebäude und alles Andere.“ sagte Nin. Sie hielt den Wagen nach einigen hundert Metern an und zeigte auf ein kleines Haus welches zwischen den Bäumen zu sehen war. „Da wohne ich mit meiner Freundin.“ sagte sie und fuhr dann weiter.

Sie zeigte Rebecca noch mehrere andere Wohnhäuser. Einige waren kleine Bungalows, die meisten anderen Häuser jedoch wahren mehrgeschossige Wohnblöcke mit begrünten Dächern. „Die gesamte Anlage ist etwas mehr als zweitausend Hektar groß. Der Teil mit der Fabrik hat davon nur knapp 100 Hektar. Deshalb ist hier auch alles etwas weiter voneinander entfernt und man tritt sich nicht so auf die Füße.“
„Und alle die in der Fabrik arbeiten wohnen hier auch?“ wollte Rebecca wissen.
„Ungefähr die Hälfte. Hier auf der Anlage wohnen gerade mal etwas mehr als zweitausend Frauen. Das sind die, die von der Welt draußen, von den Männern oder auch von beidem die Nase voll haben oder sich für einen anderen Lebensstil entschieden haben.“ erklärte Nin. „Einen anderen Lebensstil?“ fragte Rebecca.
„Das wirst du im Lauf der Zeit sicher selbst merken.“ Nin lachte als sie Rebeccas fragenden Blick bemerkte und fuhr weiter. Sie kamen an einer großen, von niedrigem Gras bewachsenen Lichtung vorbei. „Ich zeig dir mal den See. Dann muss ich auch wieder zurück“ sagte Nin. Während der Fahrt kamen sie immer wieder an kleinen Gebäuden vorbei die direkt an der Straße standen.
„Was sind das denn eigentlich für Häuser?“ fragte Rebecca.
„Das sind Servicestationen. Da ist eine Sanitätsstation und meistens sind auch zwei Wachen anwesend. Außerdem kann man hier alles kaufen was man so zum Leben braucht. Kleidung, Essen, Trinken und so weiter.“ erklärte Nin.
„Alles in diesen kleinen Häusern?“ Rebecca war erstaunt.
„Wir haben hier ein unterirdisches Verteilersystem. Man bestellt, was man braucht und entweder kommt es bis ins Haus oder man holt es hier ab.“ erklärte Nin. Die Straße machte einen leichten Bogen um einen Hügel herum. Rechts lichtete sich der Wald und man sah einen kleinen Fluss auf dessen abgewandter Seite mehrere kleine Häuser am Ufer standen. Auf einer Anhöhe hinter diesem Fluss stand ein großes Gebäude.
„Das ist das Zentrum.“ Nin deutete auf das zweistöckige Gebäude das in den Hügel hinein gebaut war. Die Fassaden bestanden überwiegend ganz aus Glas. „Da sind Versammlungsräume, Restaurants, ein Teil der Verwaltung, Fitnessstudio, eine Bar, Tanzclub und so weiter drin. Hinter dem Gebäude liegt der Eingang zum Bergwerk. Nachdem das stillgelegt wurde hat man dort in einer riesigen Höhle ein ganzes Opernhaus eingerichtet. Die Akustik da drinne ist wirklich einmalig. Wir haben das vor zwei Jahren wieder eröffnet. Aber eher für leichtere Unterhaltung. Eine ganz bekannte Band hat letztes Jahr extra für uns dort ein Konzert gegeben, das war fantastisch.“ Nin lächelte verträumt.

Als es irgend wo piepste hielt sie am Straßenrand. Sie zog den Ärmel ihrer Bluse etwas hoch und schaute auf ein Gerät, das ähnlich aussah wie das was die Wachen am Eingang an den Armen trugen, nur war dieses hier schmaler und eleganter. Eine gebogene, durchsichtige Kunststoffscheibe, etwa so breit wie eine Hand lag auf ihrem Unterarm, gehalten durch zwei schmale Lederbänder, offenbar ein sehr modernes Comm. Ein Text stand auf dieser Scheibe. Nin tippte einmal darauf und der Text verschwand.
„Die Chefin hat gesagt, du bist eingestellt. Ich weiß zwar noch nicht als was, aber das werden wir schon noch heraus finden.“ Nin zwinkerte ihr zu. Rebecca hatte die letzten Worte gehört. Sie konnte es kaum fassen und freute sich, endlich wieder etwas sinnvolleres tun zu können als nur dauernd zu Hause herum zu liegen, die Zeit mit Rückentraining oder endlosen, langweiligen Spaziergängen zu verbringen.
„Mach den Mund mal wieder zu.“ Nin lachte und nahm ihr das Pad aus der Hand.
„Einfach so?“ fragte Rebecca ungläubig.
„Ja, einfach so. Du bist Technikerin, Serva, Designerin, und Pilotin. Überall hast du gute bis sehr gute Noten. Anscheinend bist du ziemlich ehrgeizig.“ sagte Nin. „Allerdings offenbar nicht sehr Zielstrebig. Das könnte vielleicht ein Problem sein. Aber vielleicht erklärst du mir einfach mal, was du eigentlich selbst willst.“
„Was ich will?“ Rebecca sah sie ernst an. „Ich will wieder etwas sinnvolles machen. Das hier“ sie zog ihren Krangen etwas herunter und deutete auf die Narbe an ihrem Hals „hat mir gezeigt das es nicht viel bringt dauernd etwas anderes an zu fangen oder sich selbst bis an die eigenen Grenzen zu hetzen. Ich lag im Krankenhaus mehr als ein halbes Jahr nur bewegungslos im Bett. Da hat man viel Zeit zum Nachdenken. Ich will einfach zur Ruhe kommen.“

Nin schaute sie kurz an. „Du, mir ist da gerade etwas eingefallen. Ich lass dich hier mal raus. Geh etwas am See spazieren oder so. Ich muss grad mal was erledigen.“ sagte sie. Etwas erstaunt stieg Rebecca aus. Sollte sie hier einfach so warten? Nin setzte den Wagen wieder in Bewegung, wendete auf der Straße und fuhr den Weg zurück den sie eben gekommen waren. Rebecca ging einige Meter und setzte sich auf eine Bank.

- - -

Rebecca saß auf der Bank, die Beine übereinander geschlagen und die Arme auf der Lehne ausgebreitet. Ein wenig verträumt schaute sie über den See und beobachtete die sich kräuselnden Wellen. Über dem Wasser lag ein feiner Nebelteppich. Plötzlich kräuselte sich das Wasser in einiger Entfernung und kreisförmige Wellen gingen von diesem Punkt aus und plätscherten ans Ufer. Noch ein Mal kräuselte sich das Wasser an der selben Stelle als etwas aus dem Wasser heraus sprang und wieder verschwand. Der Schwanz dieses Fisches hatte irgend wie seltsam aus gesehen. Sie schaute eine Weile auf die Stelle und überlegte was ihr an diesem Fisch so seltsam vorgekommen war.
„Ich habe gehört, du suchst eine Stelle?“ fragte jemand hinter ihr. Sie zuckte leicht zusammen und drehte sich um. Eine hagere Frau stand hinter ihr und sah sie aus braunen Augen an. In ihren langen braunen Haaren waren bereits einige graue Strähnen zu sehen und um ihre Augen hatte die Zeit viele Falten hinterlassen. Rebecca stand auf und drehte sich zu der Frau um. Sie trug einen altmodischen, grauen Strickmantel der ihr bis zu den Knien reichte und darunter eine weite Hose aus schwarzem Leder. „Ja, Miss Aderra hat gesagt ich solle hier auf sie warten.“
„Sie wird nicht kommen. Sie hat mich angerufen und gesagt, ich soll dich hier treffen.“ sagte die Frau. „Komm, lass uns etwas gehen.“ ohne ab zu warten ging sie auf die Straße zu. Dabei stützte sie sich auf einen Gehstock der eben so altmodisch war wie ihr Strickmantel. Rebecca beeilte sich, ihr zu folgen und hatte Mühe sie ein zu holen. Trotz dem sie sichtlich hinkte und sich beim Gehen auf den Stock stützen musste legte sie ein ordentliches Tempo vor. Nachdem Rebecca sie eingeholt hatte sagte sie „Nicht so schüchtern, ich beiße nicht.“ Dabei bildeten sich Lachfalten um ihre Augen und sie zeigte strahlend weiße Zähne als sie lächelte. „Ich bin Andrea.“ stellte sie sich vor.
„Hallo, ich bin Rebecca.“
„Ich weiß, Nin hat mir von dir erzählt. Sie meinte, ich soll mal mit dir reden.“
„Hat sie das?“ fragte Rebecca. Sie fragte sich, was das alles zu bedeuten hatte.
„Ich suche eine Serva. Sie meinte, du wärst eventuell geeignet. Ich habe etwas, nennen wir es mal altmodische Ansichten. Deshalb kann ich mit diesen jungen Dingern auch nicht all zu viel anfangen welche die Chefin hier immer wieder an schleppt. Obwohl sie genau wusste, was auf sie zu kommen würde hat es das letzte Mädchen keine zwei Monate bei mir ausgehalten.“
„Altmodische Ansichten? Was meinen Sie?“ hakte Rebecca nach.
„Ich bin ziemlich konservativ und bin der Meinung daß Verfehlungen bestraft werden sollten. Helen, sie ist hier so etwas wie die oberste Serva, meint ich sei sadistisch aber das ist wohl Ansichtssache. Ich denke einfach, wenn sich jemand etwas zu Schulden kommen lässt, muss sie einfach mit einer entsprechenden Strafe rechnen.“
„Sadistisch?“ Rebecca musterte die Frau. Sie konnte sich nicht vorstellen das sie wie jemand aus sah der sonderlich sadistisch sein sollte. Aber wie sollte so jemand eigentlich aus sehen?
Statt einer Antwort blieb Andrea stehen. Sie fasste mit der Linken ihren Stock ein Stück unterhalb des Griffes und drehte diesen. Als sie daran zog löste sich der Griff vom Rest des Gehstockes und ein dünner, heller Stock kam zum Vorschein. Sie zog diesen gänzlich heraus und wedelte ein paar mal damit in der Luft wie mit einem Florett. Rebecca sah diesen Stock und konnte sich gut vorstellen wozu er gut war. Das war nichts mit dem sie besonders gerne Bekanntschaft machen würde. Andrea hielt den Gehstock nun wie eine Schwertscheide, legte den hellen Stock über ihre Rechte und zog ihn nach vorne. Sie ließ ihn im Gehstock verschwinden wie ein Samurai sein Schwert in der Scheide und drehte erneut an dem Griff. Dann ging sie weiter als sei nichts geschehen.
„Ich verstehe.“ sagte Rebecca.
„Bisher hat mir noch niemand vorgeworfen unfair zu sein. Vielleicht bin ich wirklich etwas streng aber ich habe es selbst nicht anders kennen gelernt.“
„Warum suchen sie eine Serva?“ wollte Rebecca wissen. Der Stock beeindruckte sie nicht all zu sehr, sie hatte schlimmeres erlebt als mit einem Rohrstock geschlagen zu werden. Und wenn sie Andrea richtig einschätzte dann würde sie diesen auch nicht einfach so zum Spaß benutzen.
„Mein Mann ist vor mehr als zehn Jahren bei einem Unfall gestorben. Er hat mir einen kleinen Antiquitätenladen vermacht und dazu ein nicht ganz so kleines Vermögen von dem ich seit dem recht gut lebe. Den Laden führt meine Schwester seit ich hier her gezogen bin. Aber alleine lebt es sich in einem so großen Haus wie ich es hier bewohne nicht all zu angenehm. Es gibt zwar einen Reinigungsdienst und auch für das Essen ist gesorgt aber es fehlt trotzdem etwas. Was ich suche ist auch weniger eine Serva sondern eher so etwa wie eine Gesellschafterin. Obwohl die Stellenbeschreibung tatsächlich am ehesten auf eine Serva passen würde.“ Andrea betrachtete Rebecca kurz und sagt dann „Ich denke, du wärst für diese Stelle gut geeignet. Du bist schon etwas älter und hoffentlich auch vernünftiger, und schlecht siehst du auch nicht aus. Sowas ist ja auch immer ein wenig um die eigene Eitelkeit zu nähren. Außerdem hast du, so wie Nin mir erzählt hat, das Herz am rechten Fleck. Also, was denkst du?“ kam sie ohne zu zögern auf den Punkt.
Andreas direkte Art gefiel Rebecca. Sie war ehrlich und gerade heraus. „Das ich so gut aussehe bezweifele ich ernsthaft aber ich würde Ihr Angebot gerne annehmen.“
„Wie meinst du das?“ wollte Andrea wissen.
Statt einer Antwort blieb Rebecca stehen und öffnete ihre Bluse so das Andrea ihren Oberkörper sehen konnte. Diese wandte sich ihr zu und betrachtete sich die Narben. Sie ging um Rebecca herum und hob die Bluse so das sie auch ihren Rücken betrachten konnte. „Meine Fresse siehst du scheiße aus.“ sagte sie.
’Endlich mal jemand, die sagt, was sie denkt und nicht einfach nur mitleidig herum druckst.’ dachte Rebecca. Laut sagte sie. „Ich weiß, aber damit muss ich leben.“
„Wie ist das passiert?“ wollte Andrea wissen.
„Mein letzter sogenannter Freund ist passiert. Er und ein Stuhl haben mir mehr als ein halbes Jahr Krankenhaus und eine noch längere Nachbehandlung eingebracht. Seit dem habe ich trotz Rückenschule und Gymnastik Probleme mit dem Rücken und kann weder lange sitzen noch stehen. Und gut aussehen ist eben doch etwas Anderes als sowas.“
„Papperlapapp. Du weißt wie man sich ordentlich kleidet auch wenn das was du da gerade trägst nicht für eine Serva angemessen ist. Du bist groß aber nicht so riesig das man zu dir auf schauen müsste, du kannst gerade stehen und gehen und du hast ein schönes Gesicht. Außerdem weißt du anscheinend wie du dich zu benehmen hast. Die Narben sehen zwar scheiße aus aber wen stören die? Außerdem sollst du ja nicht dauernd nackt herum laufen. Ich bin keine dieser modernen, jungen Frauen die sich eine Serva holen, nur weil sie sich mit ihr schmücken wollen.“
Rebecca wurde rot als Andrea ihr Auftreten dermaßen lobte. „Vielen Dank.“ sagte sie.
Mit einer einzigen fließenden Bewegung löste Andrea den Rohrstock aus dem Gehstock und hieb ihr damit auf den Oberschenkel.

Der Schlag war nicht all zu fest aber dennoch deutlich zu spüren. „Das heißt ´vielen Dank Herrin´ oder meinetwegen auch ´meine Herrin´. Erspare mir aber bitte diesen modernen Kram von Wegen Misstress, das kann ich garnicht leiden.“ sagte sie ohne die Stimme zu heben.
Rebecca erholte sich schnell von dem Schrecken „Ja Herrin Andrea. Vielen Dank.“ sagte sie und obwohl die Stelle an der sie der Stock getroffen hatte ein wenig schmerzte, lächelte sie.
„Ja, du gefällst mir.“ sagte Andrea. „Also wenn du die Stelle annehmen willst, dann geh zu Nin und unterschreibe den Vertrag. Ich erwarte dich dann mit angemessener Kleidung zu hause, sobald du fertig bist.“ sagte Andrea und blieb an einer Kreuzung stehen von der aus man bereits das Verwaltungsgebäude sehen konnte.
„Ja Herrin Andrea“ sagte Rebecca „Darf ich fragen, was Sie unter angemessener Kleidung verstehen?“
Andrea musterte sie von oben nach unten „Eine ordentliche Tunika in einer dezenten Farbe und einen Gürtel. Und bitte keinen Schmuck, der nicht unbedingt notwendig ist.“
Rebecca hob ihre linke Hand an der sie einen Ring trug. „Diesen Ring trage ich schon seit gut zehn Jahren, er bedeutet mir sehr viel Herrin Andrea.“
Diese schaute sich den Ring an. „Das ist ja nichts all zu auffälliges. Bitte erklär mir doch, wieso er dir so viel bedeutet.“
Rebecca schaute zu Boden. „Es ist ein Verlobungsring, den ich von meinem damaligen Mann bekommen habe. Wir sind im Guten auseinander gegangen und immer noch gut befreundet. Ich habe nach der Scheidung den Stein abnehmen lassen und trage ihn seit dem ununterbrochen Herrin.“ Sie nahm die Hände hinter den Rücken und blickte gerade aus, wie sie es vor Jahren gelernt hatte.
„Na gut, das ist in Ordnung. Dann geh jetzt zu Nin und mach alles fertig. Wo du deine Kleidung bekommst, wird sie dir sicher erklären.“
Rebecca knickste und sagte „Ja Herrin Andrea.“ Diese ging den Weg der von der Straße abzweigte entlang.

Rebecca ging ohne zu laufen Richtung Verwaltungsgebäude. Eine Freudenträne lief ihre Wange hinab. Als sie an einer Bank vorbei kam, musste sie sich setzen. Sie legte das Gesicht in die Hände und obwohl sie versuchte, sich zu beherrschen, begann sie vor Freude zu weinen. Ihr war klar, das es kein Zuckerschlecken war, bei Andrea als Serva zu dienen aber endlich hatte sie wieder eine sinnvolle Arbeit und irgend etwas sagte ihr, das es richtig war, diese Stelle an zu nehmen. Es dauerte eine Weile, bis sie sich wieder beruhigt hatte. Sie atmete tief durch, wischte sich die Tränen aus dem Gesicht und ging zum Verwaltungsgebäude zurück.

Dort angekommen betrat sie den Empfang und ging zu einer der beiden Frauen hinter dem Tresen. „Ich soll mich noch einmal bei Miss Aderra melden, wegen meinem Vertrag.“ sagte sie.
„Sie wissen ja, wo Sie Miss Aderra finden. Fahren Sie einfach nach oben.“ sagte die Frau und deutete zu den Aufzügen. Rebecca knickste und bedankte sich, ging dann zum Aufzug und fuhr in den dritten Stock. Sie klopfte an die Tür zu Veras Büro und wartete. Die Tür wurde geöffnet und Vivian stand breit grinsend vor ihr. Sie umarmte sie überschwänglich. Dann trat sie zurück und winkte sie herein. Vera saß nicht an ihrem Schreibtisch. Als sie die Tür geschlossen hatte, hielt sie ihre Rechte senkrecht nach vorne ausgestreckt in Brusthöhe und bewegte sie auf und ab, dann nahm sie die Zeigefinger beider Hände nach vorne und bewegte sie zweimal aufeinander zu. „Ich weiß leider nicht, was du mir sagen willst.“
Vivian rollte mit den Augen, holte eine Karte aus der Tasche und schrieb „Ich gratuliere dir. Bis die Drei fertig sind, das wird noch etwas dauern.“ sie deutete auf einen Stuhl.
Rebecca setzte sich und wartete.
Aus Nins Büro war eine Stimme zu hören, die immer lauter wurde. Obwohl sie nicht verstand, was gesagt wurde, war ihr klar daß dort jemand sehr verärgert war. Rebecca blickte fragend zu Vivian. Diese machte einige Gesten. Rebecca erinnerte sich was diese bedeuteten. Vivian hatte genau diese heute schon einmal gemacht. „Große, böse Frau? Die Chefin ist da drinne?“ Vivian nickte. Rebecca war sich sicher, das sie diese nicht kennen lernen wollte wenn sie gerade so gelaunt war wie jetzt. Doch in diesem Moment wurde die Tür aufgerissen und eine Frau, die tatsächlich ziemlich groß war stand in der Tür, drehte sich noch einmal um und schrie. „Sagt diesen Pfeifen, wir zahlen einen Haufen Geld für ihre sogenannten Dienstleistungen. Und wenn sie nicht spuren, kaufen wir eben den ganzen Laden.“
„Du kannst doch keine Behörde kaufen.“ erklang Veras Stimme leise.
„Das werden wir dann noch sehen.“ schrie die Frau. Sie trug eine verwaschene Jeans und ein weites, schwarzes T-Shirt auf dessen Rückseite der Schriftzug „Princess“ unter einem grinsenden Totenkopf abgebildet war. Ihre schulterlangen, dunklen Haare standen wirr ab. Als sie sich um drehte und in schweren Stiefeln zur Tür stapfte streifte ihr Blick Rebecca. Bevor Vivian, die gerade aufgesprungen war um ihr die Tür zu öffnen, diese erreichte, fiel sie auch schon hinter der wütenden Frau mit einem lauten Knall ins Schloss. Rebecca starrte ihr hinter her. Irgend wie kam ihr diese Frau bekannt vor, sie konnte jedoch nicht zuordnen wo her. Ein seltsames Gefühl war alles, was von diesem kurzen Blick zurück blieb.

„Hallo Rebecca.“ sagte Nin, die hinter ihrer Chefin aus ihrem Büro kam „Einen Moment noch bitte. Ich muss mich erst mal wieder beruhigen.“ sagte sie und ging zurück ins Büro. Von drinne hörte man ein leises Lachen. Auch Vera, die nun hinaus kam grinste breit. Sie schaute Vivan an und machte eine Geste, die Rebecca als „trinken“ wieder erkannte. Diese machte ein paar schnelle Gesten denen Rebecca nicht folgen konnte und grinste. Vera winkte sie mit dem Zeigefinger zu sich. Sie stand auf und trat neben ihre Herrin an den Schreibtisch, hob die Tunika und bekam von Vera einen festen Schlag mit der flachen Hand auf ihren Hintern. Nachdem sie sich umgedreht hatte, machte sie noch einige schnelle Gesten und ging hinaus.
„Sowas freches. Ich glaube, ich muss mal etwas mehr durchgreifen.“ sagte Vera, ihr Lachen strafte ihre Worte jedoch lügen. Rebecca war sich nicht sicher ob sie das wirklich tun würde. Als Vivian wieder herein kam und Vera aus einer Karaffe Saft eingeschenkt hatte Hakte diese einen Finger in den Ring in deren Halsband, zog sie zu sich und küsste sie innig. „Nicht mehr so Frech kleine.“ flüsterte sie. Vivian nickte lächelnd, klopfte an Nins Tür und ging mit der Karaffe in ihr Büro. „Ihr sollt hier nicht dauernd rum knutschen sonst mache ich mit.“ rief sie hinaus. „Rebecca, du kannst jetzt rein kommen.“ fügte sie noch hinzu.

Rebecca stand auf und ging in Nins Büro. „Setz dich.“ sagte diese und deutete auf den Stuhl ihr gegenüber. „Jetzt hast du die Chefin auch kennen gelernt. Leider nicht gerade von ihrer besten Seite. Aber wenn sie so eine Laune hat, dann rollen irgend wo Köpfe. Und das kann ich in diesen Fall nur begrüßen. Aber egal, jetzt mal zu dir. Andrea hat gesagt, das Sie sich freuen würde, wenn du bei ihr arbeiten würdest. Willst du das?“
„Liebend gerne, ich würde mich wirklich freuen.“ Rebecca nickte bekräftigend. „Na, dann herzlichen Glückwunsch, du bist eingestellt. Ich geb dir mal den Vorvertrag. Les ihn dir durch und unterschreib ihn. Wenn der richtige Vertrag fertig ist, sagen wir dir Bescheid. Wenn du willst, kannst du den dann auch noch deinem Anwalt zeigen. Aber hier stehen erst mal schon die wichtigsten Dinge drinne.“ sie gab Rebecca den Vertrag, den diese sich gut durch las. Ihr Mund stand weit offen als sie das Papier auf den Tisch legte. „Was ist denn? Ist etwas nicht in Ordnung?“ fragte Nin erstaunt.
Rebecca schluckte zwei mal „Also freie Kost und Logis und kostenlose Kleidung ist ja gut, aber 1100 im Monat? Ist das denn richtig?“
Nin nehm den Vertrag, strich etwas durch und korrigierte die Zahl. Wieder las Rebecca „1300?“ fragte sie leise. Nin tippte auf ihrem Computer und ein Drucker spuckte eine Blatt Papier aus. Sie zerriss den ersten Vertrag und gab Rebecca die neue Seite zu lesen. „Eintausendfünfhundert?“ sie sah Nin zweifelnd an.
„Nun ist aber mal gut. Du hast ausgezeichnete Zeugnisse und jede Menge zusätzliche Qualifikationen. Außerdem stehen dir durch deine Behinderung noch ein paar Zulagen zu. Aber du bist schon lange aus der Schule raus.“ Bevor Nin die Summe wieder in realistischere Regionen herunter korrigieren konnte, unterschrieb Rebecca lieber schnell den Vertrag und reichte ihn ihr zurück. Nin unterschrieb nun ebenfalls und legte den Vertrag in eine Ablage. „Dann herzlich willkommen auf Horizons.“ die beiden Frauen schüttelten die Hände. „Wann kannst du denn anfangen?“
„Ich müsste noch meine Wohnung räumen und ich würde auch gerne meiner Mutter noch Bescheid sagen. Aber sonst gibt es wirklich nichts, was mich daran hindern würde sofort an zu fangen.“ sagte Rebecca. „Das mit der Wohnung können wir für dich machen. Und deine Mutter kannst du ja auch von hier aus anrufen, wenn das für dich in Ordnung ist. Meinetwegen kannst du also gerne heute schon anfangen.“ Rebecca nickte. „Bist du mit dem Auto hier?“ wollte Nin wissen.
„Ja, das steht draußen an Tor drei.“
„Das ist kein Problem, den Schlüssel gibst du Vivian, die fährt es zu Andreas Haus, dann muss es nicht draußen herum stehen. Aber wenn du willst, dann fahr erst noch mal zurück, wir würden dich dann morgen oder übermorgen hier erwarten.“
Rebecca überlegte kurz und winkte ab. „Das muss nicht sein. Wenn ich meine Mutter anrufe genügt das schon, ich muss sie nicht unbedingt sehen.“ sie hatte nun einen etwas verärgerten Unterton in der Stimme.
„Na, dann gehen wir dich mal einkleiden. Im Lauf der nächsten Tage musst du dann mal bei unserer Ärztin vorstellig werden und dich untersuchen lassen. Aber im Grunde genommen steht ja alles schon in deinem Krankenbericht.“ Nin stand auf, wies Rebecca zur Tür und folgte ihr, nachdem sie aufgestanden war.
„Wir gehen mal nach unten in den Service. Dann bringe ich Rebecca zu Andrea. Mach dann einfach Feierabend.“ sagte Nin zu Vera. „Aber wenn du oder Vivian Rebeccas Wagen heute oder morgen an Tor drei abholen könntest, das wäre prima.“
Vera nickte. „Das kann Vivian machen. Was ist es denn für ein Wagen. Vivian grinste breit als Rebecca sagte um was für ein Auto es sich handelte.
„Junge Frau, du weißt, was passiert, wenn du wieder Blödsinn machst.“ sagte Vera ernst. Vivians Grinsen verschwand augenblicklich aus ihrem Gesicht und sie machte einige schnelle Gesten. „Jaja, schon gut Kleine. Mach einfach keinen Blödsinn.“

Nachdem sie sich von Vera und Vivian verabschiedet hatte, Vivian umarmte sie noch einmal herzlich, folgte Rebecca Nin. Gemeinsam fuhren sie mit dem Aufzug in den ersten Stock hinunter. Dort gingen die Beiden in einen großen Raum an dessen schmalem Ende ein Tresen stand. „Rebecca Winter.“ sagte Nin „Die Sachen sollten schon hier sein.“
Die Frau hinter dem Tresen lachte. Sie kam hinter dem Tresen hervor und gab Rebecca die Hand. „Herzlich Willkommen auf Horizons.“ sagte sie und legte einige Tuniken auf den Tresen.
„Welche soll ich denn nun nehmen?“ Rebecca sah ratlos zu Nin.
„Na alle natürlich. Und wenn du noch welche brauchst, dann bestellst du sie einfach.“ sagte diese. Rebecca suchte sich eine Beige Tunika aus welche am Saum braun abgesetzt war, zog sie an und schloss sie mit dem dazu gehörenden Gürtel. Sie hatte lange, weite Ärmel und reichte ihr bis zu den Knöcheln. Die Frau packte die anderen Tuniken in große Transportkiste aus Plastik. „Brauchst du Schuhe?“ Rebecca schüttelte den Kopf. Dennoch legte die Frau zwei Paar Sandalen in die Kiste. Sie schaute grinsend zu Rebecca. „Pyjama, Nachthemd oder Eva?“
Wieder errötete Rebecca. „Ich schlafe gerne im T-Shirt. Aber ein Nachthemd geht auch.“ die Frau legte einige verschiedene Nachthemden auf den Tresen, hier suchte sich Rebecca einige aus. Dann kamen noch zwei dicke, weiche Bademäntel, einige warme Leibchen und zwei dicke, gefütterte Umhänge hinzu. Außerdem gab es Zahnbürste und Zahncreme und andere Hygieneartikel dazu. Unter anderem auch Rasierapparat und Rasiercreme. Die Frau hole nun ein Gerät wie es alle anderen auch am Arm trugen aus einer einfachen Pappkiste. Sie tippte darauf herum und hielt es an Rebeccas rechten Oberarm. Es piepste einmal dann legte sie es Rebecca an. „Hier, dein Comm. Zwei mal drauf tippen und den Namen sagen, dann kannst du mit der Person sprechen, wenn die es auch will. Außerdem ist das dein Ausweis mit dem du auch bezahlen kannst, wenn du was kaufen willst. Alles Andere erklärt dir deine Herrin am Besten, sonst dauert das hier zu lange und irgend wann will ich auch mal Feierabend machen.“ Sie zwinkerte Rebecca zu.
„Das Gerät ist noch eine Nullserie. Das Modernste was es zur Zeit gibt. Zu kaufen bekommst du sowas frühestens in einem oder zwei Jahren. Die Familie Nyberg würde dafür töten sowas in die Finger zu bekommen.“ sagte Nin die sich auf einen Stuhl gesetzt hatte und auf einem Pad las.
„Und sowas hat jede hier?“ fragte Rebecca erstaunt.
„Na ja, fast. Wir dürfen die Dinger testen. Es hat schon so seine Vorteile wenn die Chefin die Tochter eines Großindustriellen ist.“ Nin zwinkerte ihr zu und grinste breit.

Die Frau holte noch eine Kiste hinter dem Tresen hervor und stellte ihn vor Rebecca ab. „Das ist kein Prototyp sondern robuste Serienfertigung.“ sagte sie und öffnete die Pappkiste. „Gute alte industrielle Maßanfertigung.“
„Was ist das?“ wollte Rebecca wissen und holte den Inhalt aus der Kiste heraus womit ihre Frage auch gleich beantwortet wurde. Sie hatte sowas zwar schon das ein oder andere Mal gesehen aber noch nie das zweifelhafte Glück gehabt selbst so etwas zu tragen. Es war ein stählerner Keuschheitsgürtel den sie in den Händen hielt. Sie schaute die Frau mit großen Augen an. So etwas sollte sie an ziehen?
Nin, die zu ihr gekommen war, sagte „Andrea will das halt so. Zier dich nicht, so schlimm ist das nicht.“ Damit hatte Rebecca wirklich nicht gerechnet. Doch sie war sich darüber im Klaren, das Andrea jedes Recht dazu hatte, das zu erwarten. Denn als Serva, egal ob unfrei oder nicht, hatte sie ihrer Herrin zu gehorchen. Sie fügte sich in ihr Schicksal und versuchte ungeschickt den Gürtel an zu legen. Nin half ihr dabei und nachdem sie das Schrittband auf das Schloss legte, verriegelte sich dieses mit einem deutlich vernehmbaren Klicken. Dieses Geräusch hatte etwas endgültiges an sich und eine Gänsehaut machte sich auf ihrem Rücken breit. Sie schloss kurz die Augen. Das Metall fühlte sich kühl auf der Haut an und sie musste durch das Schrittband ein wenig breitbeinig stehen. Sie befühlte das ungewohnte Kleidungsstück. Es war nicht all zu schwer und fühlte sich sogar irgend wie angenehm an.
„Na, drückt es auch nirgends?“ fragte Nin.
Rebecca bewegte sich ein wenig und fühlte unter den Kanten mit ihren Fingern. „Nein, bis jetzt nicht. Das scheint ganz gut zu passen.“
Nin sah sie breit grinsend an „Ganz gut? Das ist Maßanfertigung. Ein Hoch auf die moderne Fertigungstechnik.“
„Deine alten Sachen gib mal rüber, die schicken wir gleich los. Hier kommt nichts weg.“ sagte die Frau hinterm Tresen. Rebecca holte ihre Sachen und gab sie der Frau.
„Ist da noch irgend was drinne was du brauchst?“ fragte Nin.
Rebecca holte ihre Schlüssel aus der Hosentasche „Den sollte ich eigentlich Vera geben.“ sagte sie.
„Den gib mir, ich geb ihn ihr morgen Früh, dann kann Vivian dein Auto rein holen. Wenn du willst fährt morgen ein Trupp in deine Wohnung und räumt sie aus.“
„Ausräumen ist nicht nötig, die Wohnung gehört meiner Mutter. Aber ich würde gerne noch ein paar meiner persönlichen Sachen raus holen. Außerdem ist der Kühlschrank noch voll. Ich hatte ja nicht damit gerechnet hier überhaupt Arbeit zu bekommen.“ meinte Rebecca.
„Na um so besser, dann musst du sie nicht aus räumen. Am Besten du fährst im Laufe der Woche noch mal hin und holst deine persönlichen Sachen. Wenn du willst kommt noch jemand mit um dir zu helfen.“ sagte Nin. Sie schaute in die Transportkiste und dann zu Rebecca. „Ich glaube, wir sind hier fertig. Ich bringe dich noch zu Andrea, ist etwas weit zum Laufen.“

„Ist das eigentlich so üblich, das die Personalchefin neue Mitarbeiterinnen durch die Gegend chauffiert?“ fragte Rebecca als sie in einem der Elektrowagen saßen den Nin zügig über die Straße lenkte.
„Wenn es nur eine am Tag ist, dann schon. So komme ich auch mal aus meinem Büro raus. Ist besser als an den vielen Tagen in denen niemand kommt. Aber es gibt auch Tage an denen sich gleich drei oder vier Frauen bewerben. Ich versuche ja, die Termine für die Gespräche auf unterschiedliche Tage zu legen, aber manchmal geht das einfach nicht.“ Sie fuhren eine Strecke, die anscheinend quer über das gesamte Gelände führte. Auf einer schmalen Brücke überquerten sie den Fluss und kamen in hügeliges Gelände. Hin und wieder fuhren sie an großen, mehrstöckigen Wohnblöcken vorbei. Neben einem weiteren Wohnblock bog Nin auf einen Kiesweg ab. Sie fuhr ein paar Meter weiter und hinter einem kleinen Birkenwäldchen tauchte ein zweistöckiges Haus auf. Nin fuhr stellte den Wagen neben der Eingangstür ab. „Soll ich mit kommen?“ Erst jetzt merkte Rebecca wie nervös sie war.
„Danke, aber ich glaube, das geht schon.“ sagte sie.“
„Mach dir keine Sorgen, Andrea ist zwar ziemlich streng und manchmal auch etwas eigenwillig aber eigentlich ist sie eine ganz liebe.“ versuchte Nin sie zu beruhigen. „Dann wünsch ich dir noch einen schönen Abend. Wir sehen uns in den nächsten Tagen bestimmt noch mal.“ Nin setzte den Wagen zurück und fuhr weiter.
10. RE: Neue Horizonte - 2

geschrieben von Wölchen am 10.05.17 09:53

Hey.

Hab endlich Zeit gefunden,die Geschichte hier zu lesen.Geht interessant weiter und ich frage mich was sie alles noch erleben werden.Freu ich schon darauf wie es weiter geht und vielen Dank für deine mühe.

mfg Wölchen
11. RE: Neue Horizonte - 2

geschrieben von Blackrubberhorse am 10.05.17 10:34

Mir hat schon die erste Geschichte verdammt gut gefallen- und auch hier freue ich mich auf jeden neuen Teil..
12. RE: Neue Horizonte - 2

geschrieben von HeMaDo am 13.05.17 14:10

Als der Wagen mit Nin außer Sichtweite war betrachtete Rebecca das Haus. Die Fassade war hellgrün und glatt verputzt und die Fensteröffnungen in einem dunkleren Grün abgesetzt. Über der Tür befand sich ein Geländer, hier gab es offenbar einen größeren Balkon. Die doppelflügelige Eingangstür und die Fenster waren weiß gestrichen. Sie atmete tief durch, ordnete ihre Tunika und prüfte ob der Gürtel gerade saß, dann ging sie die wenigen Meter bis zur Haustür. Wieder barfuß auf dem Kies zu laufen war zwar ein wenig ungewohnt aber sie hatte das in der Schule und auch danach lange genug gemacht als das es unangenehm war oder gar schmerzte. Sie ging die paar Stufen hinauf bis zur Haustür und suchte eine Klingel. Statt dessen befand sich ein altmodischer Klingelzug neben der Tür. Als sie diesen zog erklang von drinne ein helles Klingeln. Einen Augenblick später öffnete sich die Tür und Andrea schaute heraus. Sie machte eine einladende Handbewegung und trat zur Seite.
Rebecca trat durch die Tür und befand sich in einer großen Eingangshalle wieder, deren Wände strahlen weiß gestrichen waren. Der Boden bestand aus hellgrauem Stein der angenehm kühl unter den Füßen war. In der Mitte der Halle lag ein großer, heller Teppich. Rechts führte eine große, geschwungene Treppe nach oben.
„Herzlich willkommen in meinem bescheidenen Heim.“ sagte Andrea und schenkte Rebecca ein breites Lächeln.
„Vielen Dank Herrin Andrea“ sagte diese und knickste vor Andrea.
„Deine Sachen sind eben angekommen, aber es ist ja noch etwas Zeit. Also zeige ich dir mal das Haus.“ Sie ging durch die Halle auf eine Tür zu. Nun befanden sie sich in einem breiten Flur, von dem mehrere Türen abzweigten. Sie führte Rebecca durch die gesamte untere Etage, zeigte ihr das Kaminzimmer in dem gegenüber des Kamins mehrere Regale mit echten Büchern standen, das Wohnzimmer und das Esszimmer. Alles war sehr hell und freundlich gestaltet und prachtvoll eingerichtet ohne jedoch protzig zu wirken.

Sie führte sie in ein Büro, in dem in einer großen Nische ein Schreibtisch stand, der etwas verlassen wirkte. Dann führte sie Rebecca in ein weiteres Büro. Dieses wurde von einem großen, geschwungenen Schreibtisch aus dunklem Holz dominiert. An der Seite standen ein kleiner runder Tisch und drei Cocktailsessel. Sie führte sie aus einer anderen Tür aus dem Büro in den kleinen Salon. Dieser war ein wenig verspielt eingerichtet. Die barocken Sitzmöbel waren mit einem bunt gemusterten Stoff bezogen der mit seinem Blumenmuster sehr prachtvoll wirkte. Aus dem Salon führte eine weitere Tür zurück in die Halle. Sie gingen durch die Büros zurück und in die Küche. Eine Treppe die auch vom Flur aus erreichbar war führte in den Keller, wo sich eine weitere Küche befand die offenbar dafür ausgelegt war eine größere Gesellschaft zu bekochen. Hier gab es auch einen Vorratsraum. Außerdem gab es eine Waschküche und einen großen Abstellraum. Von der Küche ging es in einen langen Flur durch den man ein kleines Hallenbad mit Sauna und einen voll ausgestatteten Fitnessraum erreichte. Außerdem führte am Ende dieses Flures eine Tür nach draußen. Sie gingen wieder zurück und kamen an einer Tür vorbei, die Rebecca bisher noch nicht bemerkt hatte. „Darf ich fragen was das für ein Raum ist Herrin Andrea?“ fragte sie.
Diese schaute sie an und lachte. „Das wirst du schon früh genug sehen, wenn du dir etwas zu Schulden kommen lässt.“ Sie sah Rebeccas fragenden Blick. „Ich nehme mal an, das du weißt, wie du dich zu benehmen hast und es wird dir erspart bleiben diesen Raum von innen zu sehen.“ sagte sie und tätschelte ihr die Wange.
Sie gingen wieder nach oben doch ein mulmiges Gefühl blieb Rebecca erhalten. Dann gingen sie die große Treppe hinauf. Hier zeigte Andrea ihr die beiden Gästezimmer, die aus Wohnzimmer und Schlafzimmer bestanden und eigene Bäder besaßen. Die Möbel in den Gästezimmern waren mit weißen Tüchern abgedeckt um diese vor Staub zu schützen. Dann zeigte sie Rebecca ihr eigenes Reich mit Schlafzimmer, Ankleidezimmer mit großem, begehbaren Kleiderschrank und Bad. Sie gingen zurück in den Flur von dem aus man über einen über der Eingangshalle liegenden offenen Gang mit weißem Geländer auf den Balkon gelangte. Dieser war etwa so breit wie die Eingangshalle und recht groß. Der Fußboden war mit hellen Fliesen belegt. Zurück im Haus zeigte Andrea ihr zuletzt den Dienstbotenbereich. Dort gab es eine geräumiges Wohnzimmer mit einer kleinen Kochnische, zwei Schlafzimmer und ein geräumiges Bad mit Badewanne und Dusche. „Du nimmst am Besten das große Schlafzimmer. Die Fenster gehen nach Osten. Dann hast du die Morgensonne und im Sommer wird es nicht so warm wie in dem Anderen. Rebecca nickte nur. Auf dem Couchtisch im Wohnzimmer lagen mehrere Pads und an den Wänden hingen einige Bilder von bekannten Künstlern. Nur eine Wand war frei gehalten und schien ein wenig zu schimmern.
„Ich würde sagen, du gehst in den Keller und holst die Kiste mit deinen Sachen hier her und räumst alles ein. In einer Stunde kommst du dann nach unten und machst uns einen Tee, den nehmen wir im Salon. Dann erkläre ich dir noch, was du so wissen musst.“ sagte Andrea.
„Verzeihung Herrin Andrea aber ich habe keine Uhr mehr, die habe ich vorhin abgegeben.“
Andrea sah sie an und lachte. „Hat dir niemand erklärt, was das Comm alles kann? Da ist auch eine Uhr drauf. Außerdem kannst du damit hier fast alles steuern.“ Sie tippte auf ihr Comm und sagte „Licht!“ darauf hin wurde der Raum von mehreren Lampen erhellt. „Versuch es mal, ist ganz einfach.“
Rebecca schob den Ärmel etwas zurück, tippte auf das Comm und sagte „Licht aus!“ worauf hin die Lampen wieder erloschen.
„Du kannst auch Musik hören und fernsehen.“ Andrea deutete auf die leere Wand. „Aber das findest du sicher noch selbst heraus. Wenn du nicht weißt, wie etwas geht, frag einfach den Computer.“
„Nun gehen wir mal wieder nach unten und du holst deine Sachen.“ sagte Andrea und wandte sich zum Gehen.
„Ja Herrin Andrea.“ sagte Rebecca, knickste und wollte ihr folgen.
„Ach, bevor ich es vergesse“ Andrea ging zurück in das größere der beiden Schlafzimmer, öffnete eine kleine Kiste welche an der Wand neben der Tür hing und legte einen länglichen, runden Schlüssel der viele kleine Vertiefungen aufwies, in diesen Kasten und schloss ihn wieder. „Ich nehme an, du weißt, wo für dieser Schlüssel ist?“ fragte sie.
Rebecca nickte „Ich nehme an er ist für den Gürtel den ich trage.“ Sie wurde ein wenig rot als sie das sagte.
„Richtig. Ich möchte, das du den Gürtel immer trägst wenn du dein Zimmer verlässt. Und am Besten auch nachts. Mit diesem Schlüssel kannst du den Gürtel Öffnen um dich zu waschen und um,“ sie räusperte sich „anderes zu tun. Aber sobald du aus dem Zimmer gehst, hast du ihn zu tragen.“
Rebecca sah sie groß an „Ja Herrin Andrea.“ sagte sie verschämt und folgte ihr nach unten.
Sie ging in den Keller und holte die Transportkiste in der sich ihre Sachen befanden. Mit der Kiste ging sie wieder nach oben in ihr Zimmer. Wieder oben angekommen räumte sie die Sachen in den Kleiderschrank in ihrem Schlafzimmer ein. Die Tuniken hängte sie ordentlich auf Kleiderbügel und betrachtete jede einzelne. Alle waren sauber und gerade geschnitten und keine wies Fehler wie offene Nähte oder Webfehler auf. Sie stellte fest, das es von jeder Farbe zwei Stück gab, eine mit weiten und eine mit eng anliegenden Ärmeln. Sie beschloss Herrin Andrea zu fragen welche sie wann anziehen sollte. Sie schaute auf ihr Comm und stellte fest, das sie noch etwa 45 Minuten Zeit hatte bis sie nach unten gehen und Tee machen sollte. Sie tippte auf das Comm und sagte „Wecker in 40 Minuten.“ Das Gerät vibrierte einmal kurz zur Bestätigung und auf der Scheibe lief ein Timer rückwärts.

Sie wollte ins Bad gehen und sich etwas frisch machen. Dabei blieb ihr Blick auf dem Kasten hängen in dem sich der Schlüssel zu ihrem Keuschheitsgürtel befand. Sie versuchte den Kasten zu öffnen, doch er war, wie sie es erwartet hatte, verschlossen. Sie ließ resigniert die Schultern hängen und ging ins Bad wo sie sich frisch machte. Sie fragte sich, wie sie so auf die Toilette gehen sollte, denn ihre Blase begann mittlerweile zu drücken. Und die Aussicht darauf nachher noch Tee zu trinken machte das nicht besser.
„Nunc est bibendum.“ sagte sie zu sich selbst. Diesen Spruch hatte ihre Lehrerin, Miss Wilhelmina, immer gebraucht wenn es etwas unausweichliches zu tun gab. Sie fragte sich, was wohl aus den anderen Schülerinnen geworden war. Die Einzige von der sie wusste war Isabella die jetzt irgend wo an einer Privatschule unterrichtete. Dann setzte sie sich auf die Toilette und versuchte, es einfach laufen zu lassen, was ihr nicht leicht fiel. Doch dann siegte ihre Blase und sie stellte fest, das das erstaunlich gut ging. Sie versuchte, sich mit einem Waschlappen ab zu putzen so gut es ging. Als sie sicher war, alles so sauber wie möglich gemacht zu haben trocknete sie sich ab und ging zurück in das kleine Wohnzimmer. Sie trat zum Fenster und schaute heraus. Es gab viel Wald und in einiger Entfernung konnte sie im Schein der Nachmittagssonne den Fluss sehen der sich glitzernd zwischen den Bäumen wand. Sie freute sich, das sie nun endlich eine Stelle bekommen hatte, dennoch fragte sie sich, was die Zukunft bringen würde. Dabei kam ihr ein Ausspruch in den Sinn, den Gina, eine ihrer Mitschülerinnen immer gebraucht hatte: „Als Serva brauchst du dir keine Gedanken über die Zukunft zu machen, alles was du tun muss ist deine Herrschaft zufrieden zu stellen und zu gehorchen. Du brauchst dir um nichts anderes Gedanken zu machen.“
Sie hing ihren Gedanken nach und genoss die schöne Aussicht als es an ihrem Arm vibrierte und leise piepste. Sie schaute auf das Comm, es war Zeit nach unten zu gehen. Sie verließ das Zimmer, ging die große Treppe nach unten durch die Halle und in die Küche. Es dauerte nicht lange bis sie sich zurecht gefunden hatte und setzte Wasser auf. Sie suchte nach Tee und fand mehrere sorgfältig verpackte Beutel mit verschiedenen Tees. Sie überlegte kurz und entschied sich für einen Tee den sie als Mild und fruchtig in Erinnerung hatte. Sie füllte einige Löffel der trockenen und geschnittenen Blätter in ein Teesieb und stellte dieses in die Kanne. Während das Wasser zu kochen begann stellte sie eine Schale Kandis, ein Kännchen Milch und zwei Scheiben Zitrone auf ein silbernes Tablett. Aus einem Schrank nahm sie zwei Tassen die sie ebenfalls auf das Tablett stellte.

Das Wasser kochte und sie stellte den Kocher ab, wartete kurz und goss das Wasser in die Kanne. „Drei Minuten“ sagte sie nachdem sie auf das Comm getippt hatte. Die Zeitanzeige lief nun von drei Minuten ab rückwärts. Als die Zeit abgelaufen war und es einmal kurz vibriert und gepiepst hatte, nahm sie das Teesieb aus der Kanne, stellte diese auf das Tablett und ging durch die Halle zum Salon. Dort klopfte sie und wartete. Von drinne hörte sie Andrea „Herein“ rufen. Sie trat in den Salon und knickste. „Der Tee ist fertig Herrin Andrea. Ich hoffe, ich habe den richtigen ausgewählt.“
Andrea, die in einem Buch las, sah auf und legte dieses beiseite. „Setz dich.“ sagte sie und deutete auf einen Sessel. Rebecca stellte das Tablett auf den Tisch, schenkte in beide Tassen Tee ein und stellte zuerst Andrea, dann sich selbst eine Tasse hin, bevor sie sich setzte.
„Bitte.“ sagte diese und deutete auf Rebeccas Tasse, nachdem sie sich selbst einen Löffel Zucker und einen Spritzer Zitrone in die Tasse gegeben hatte. Auch Rebecca nahm sich nun Zucker und Zitrone. Andrea rührte eine Weile in ihrer Tasse, legte dann den Löffel auf die Untertasse und trank einen Schluck. „Ich denke, für diese Uhrzeit ist das eine gute Wahl.“
„Vielen Dank Herrin Andrea.“
„Ich hatte ja gesagt, das ich dir einiges erklären wollte. Fangen wir mal mit der Anrede an. Ich weiß wie ich heiße, also kannst du dir also das Andrea sparen, wenn sonst niemand anwesend ist. Dann habe ich natürlich bemerkt, das du versucht hast, den Kasten mit dem Schlüssel zu öffnen. Selbstverständlich geht das nicht, wenn du noch in Dienst bist. Der Kasten lässt sich erst öffnen, wenn du frei hast.“ Sie schaute Rebecca an.
Diese senkte den Kopf und sagte leise „Ja Herrin Andr.. Ja Herrin.“
„Mach dir nichts draus, das hätte ich dir vielleicht sagen sollen.“ Andrea lächelte. „Ich nehme an, du weißt wie du dich reinigst, nachdem du auf der Toilette warst?“
Rebecca wurde erneut rot. „Ich weiß nicht so recht Herrin, mit dem Waschlappen geht das nicht so gut.“
Andrea lachte kurz. „Ich vergaß, das du so einen Gürtel vermutlich zum ersten mal trägst. Neben der Toilette befindet sich ein Schlauch, den du vorne anstecken kannst, damit kannst du den Gürtel spülen und danach mit warmer Luft auch trocknen.“ Sie fuhr fort ohne ab zu warten. „Ich erwarte natürlich nicht, das du alles sofort richtig machst, dazu gibt es sicher zu viel, was du noch nicht weißt. Gerade über Horizons und natürlich auch über meine Vorlieben. Aber zum Tagesablauf möchte ich dir ein wenig erklären. Ich erwarte das um acht Uhr der Esstisch zum Frühstück gedeckt ist. Wenn es Zeit zum Mittagessen, und zum Abendbrot ist, werde ich dir rechtzeitig sagen, aber um 15 Uhr trinke ich immer Tee. Übrigens stehen in einem der Schränke auch Kekse.“
„Verzeihung Herrin, daran habe ich nicht gedacht.“ sagte Rebecca.
„Das ist heute nicht so schlimm, aber für morgen weißt du es ja jetzt. Ich würde mich freuen, wenn du mir zu den Mahlzeiten Gesellschaft leistest, ich halte es nicht für nötig, das du zwei mal kochen oder decken musst. Außerdem finde ich es ziemlich unzivilisiert, alleine zu speisen, wenn noch jemand im Haus ist. Etwas anderes ist es, wenn ich Besuch habe, dann ist es deine Aufgabe zu bedienen. Hast du das soweit verstanden?“
Rebecca nickte. „Ja Herrin, Frühstück um acht, Tee um drei Uhr Nachmittags, Mittagessen und Abendbrot, wenn sie es sagen.“
„Gut, dann weiter. Einer der Vorteile, hier zu wohnen ist, das es einen Hausdienst gibt, also wirst du dich ums Putzen nur in Ausnahmefällen kümmern müssen, das Selbe gilt übrigens auch für die Wäsche. Du musst nur die Wäsche in eine Transportbox packen und diese an die Wäscherei schicken. Ich werde dir später wohl erklären müssen, wie das Transportsystem funktioniert. Dann erkläre ich dir auch, wie du Sachen bestellen kannst.“ Sie trank einen Schluck Tee und fuhr dann fort „Deine Aufgabe wird es sein, das Bett zu machen und die Wäsche zum Waschen zu schicken und wieder ein zu räumen. Außerdem natürlich zu kochen und dafür zu sorgen das die nötigsten Sachen immer im Hause sind. Ansonsten bist du hauptsächlich hier um mir Gesellschaft zu leisten. Was allerdings nicht heißt, das du die ganze Zeit um mich herum schwirren sollst, so etwas kann ich auf den Tod nicht leiden. Alles weitere werde ich dir sagen, wenn es nötig ist. Nach dem Abendessen hast du frei, wenn nichts besonderes anliegt. Das heißt auch das du, wenn noch Zeit bis zum zu Bett gehen ist, das Haus verlassen darfst und dich frei auf dem Gelände bewegen darfst. Ich wünsche das du unter der Woche und Sonntags um 23 Uhr, freitags und samstags um Mitternacht auf deinem Zimmer bist. Wenn du länger aus bleiben möchtest, bitte ich dich, mir Bescheid zu geben. Ich will dich hier nicht einsperren, schließlich bist du eine erwachsene Frau, aber wenn dadurch dein Dienst leidet, werde ich auch auf diese Zeiten bestehen müssen.“
Wieder trank sie einen Schluck Tee. „Samstags und Sonntags hast du nach dem Frühstück grundsätzlich bis zum Abendessen frei wenn nichts anderes zu erledigen ist.“ Sie leerte ihre Tasse „Ich weiß, daß das recht viel für den Anfang ist, deshalb kannst du diese Regeln und noch ein paar andere Hinweise mit einem Pad auch noch mal nachlesen. Vermutlich gibt es auch eine Anleitung für deinen Gürtel.“ Sie zwinkerte Rebecca zu und schaute dann auf ihr Comm. „Hast du sonst noch Fragen?“
Rebecca, die bisher aufmerksam und konzentriert zugehört hatte sah auf und nickte. „Ja Herrin, ich habe Tuniken bekommen mit weiten und welche mit eng anliegenden Ärmeln, welche soll ich denn wann an ziehen? Und brauche ich noch weitere Kleidung?“
Andrea grinste. „Wenn das deine einzige Frage ist. Die mit engen Ärmeln ziehst du an, wenn du arbeitest, also in der Küche oder im Büro zum Beispiel. Die anderen kannst du tragen wenn du aus gehst oder wenn wir unterwegs sind. Ich finde die sehen schöner aus, aber für die Hausarbeit sind sie einfach unpraktisch. Was andere Kleidung angeht, meinetwegen brauchst du nur die Tuniken. Aber ich stelle es dir frei, in deiner Freizeit auch andere Kleidung zu tragen. Allerdings erwarte ich, das du dich immer ordentlich kleidest, nicht so wie Emylia, die Chefin zum Beispiel. Was die so manches mal trägt finde ich für eine Frau einfach fürchterlich.“ Rebecca dachte an die Sachen die die Chefin heute getragen hatte als sie aus Nins Büro gestürmt war. „Was ist denn daran so lustig?“ fragte Andrea.
„Entschuldigung Herrin, aber ich habe sie heute in Frau Aderra Büro gesehen und weiß, was Sie meinen.“
„Ich nehme an, Sie hatte wieder mal verwaschene Hosen, ihre Stiefel und ein T-Shirt an?“
Rebecca nickte.
„Ja, so etwas trägt Sie meistens, aber das ändert nichts an der Tatsache das Sie trotz ihres jungen Alters, sie ist etwa so alt, wie du, eine großartige Frau ist die viel für andere getan hat und trotz dem vielen Geld was Sie besitzt immer auf dem Boden bleibt.“
„Viel Geld?“ fragte Rebecca ohne nach zu denken. Ihre Gedanken gingen gerade in eine ganz andere Richtung. Sie fragte sich, wie viele Frauen mit dem Namen Emylia es wohl gab.
„Wusstest du das nicht? Ihre Familie gehört zu den reichsten Familien überhaupt, sie haben Firmen auf fast allen Kontinenten. Und anstatt einfach zu faulenzen und sich auf dem Reichtum ihrer Eltern, oder besser gesagt ihres Vaters aus zu ruhen, ihre Mutter ist selbst eine Serva, ist Sie selbst auf die Schule gegangen und ist nun eine freie Serva. Danach hat Sie studiert und hat einen Doktortitel. Und vor gut zehn Jahren hat Sie eine herunter gekommene Firma gekauft, die, nun ja, Sexspielzeug herstellt, dann dieses Gelände erworben und das alles hier auf gebaut. Diese Firma ist mittlerweile eine der größten in diesem Metier. Und ganz nebenbei hat Sie zusammen mit ihrem Bruder noch eine gemeinnützige Gesellschaft gegründet, die sich um Kinder kümmert, die auf der Straße leben. Zwei ihrer drei Töchter hat Sie adoptiert, also nicht, das du denkst, das eine Frau Mitte dreißig schon drei erwachsene Kinder hat. Nur ihre einzige leibliche Tochter wird soweit ich weiß nächstes Jahr zwanzig.“ erklärte Andrea. Rebecca nickte nur. Was sollte sie auch dazu sagen?

Sie dachte über die Chefin nach, nicht nur, daß der Name Emylia wahrscheinlich nicht gerade zu den häufigsten Namen gehörte, daß sie in ihrem Alter und auch noch Serva war, wie viele Menschen mochte es geben auf die das wohl zu traf? Das Einzige was nicht passte, war eine erwachsene Tochter. Die hätte sie auch bereits gehabt haben müssen als sie in der Schule war. Sie rechnete kurz nach und war sich sicher, das ihre Mitschülerin ihr garantiert etwas von einem Kind das damals wahrscheinlich zwischen drei und fünf Jahren alt gewesen sein musste erzählt hätte. Eben so wenig hatte sie etwas davon erwähnt, daß ihre Familie so reich war. Vermutlich war es also doch ein großer Zufall daß der Rest so gut passte.
„Worüber denkst du nach?“ riss Andreas Stimme sie aus ihren Gedanken.
„Entschuldigung Herrin, ich hatte in der Schule eine Mitschülerin die ebenfalls Emylia hieß. Aber ich glaube nicht, daß es die Selbe ist. Meine Mitschülerin hatte nie etwas von einem Kind erzählt. Und reich war sie glaube ich auch nicht.“
Andrea trank nachdenklich einen Schluck Tee. „Ich würde vorschlagen, du fragst sie einfach mal wenn du sie triffst, dazu sollte sich sicher irgend wann eine Gelegenheit ergeben.“
Rebecca nickte nur und trank ihren Tee aus.
„Jetzt räum bitte den Tisch ab und sei in einer Stunde wieder hier. Dann gehen wir etwas essen.“ sagte Andrea. Die beiden standen auf und Rebecca räumte den Tisch ab und brachte das Geschirr in die Küche. Dann ging sie noch einmal in ihr Zimmer und zog sich eine andere Tunika an. Sie war genau eine Stunde später wieder im Salon wo Andrea bereits ausgehfertig gekleidet auf sie wartete. Gemeinsam gingen sie nach draußen.

„Kannst du fahren?“ fragte Andrea und deutete auf eines der Elektrofahrzeuge.
„Ja Herrin“
„Gut, dann fahren wir. Ansonsten wären wir gelaufen.“ Rebecca hielt Andrea die Tür auf und setzte sich dann selbst ans Steuer. „Wo muss ich denn lang fahren?“ fragte sie.
Andrea tippte auf ihr Comm und sagte „Zum Zentrum.“ Auf dem Bildschirm in der Mitte des Armaturenbrettes erschien ein Kartenausschnitt und ein Pfeil der die Richtung wies. Rebecca startete den Wagen und fuhr dem Navigationssystem folgend los. Es dauerte keine zehn Minuten bis sie beim Zentrum an kamen. Dort stieg Rebecca aus, hielt Andrea die Tür auf und knickste als diese aus stieg. Sie folgte ihr in das große Gebäude. In der großen, menschenleeren Eingangshalle konnte sie deutlich Musik hören die von irgend wo weiter hinten erklang. Sie kannte das Lied, es stammte von einer recht bekannten Gruppe die sie ganz gerne hörte. Die raue Stimme der Sängerin hallte deutlich vernehmbar durch das Gebäude.
„Ich finde diese Musik einfach schrecklich.“ sagte Andrea und schaute zu Rebecca, die unbewusst ihre Schritte dem Takt der Musik angeglichen hatte und beim Gehen leicht auf und ab wippte. „Anscheinend teilst du meine Meinung dazu ja nicht.“ sie lachte. „Aber das sei jedem freigestellt.“ Rebecca nahm sich zusammen und bemühte sich normal weiter zu gehen. Nach ein paar Metern erreichten sie eine große, doppelflügelige Tür mit der Aufschrift „Kantine.“ Sie traten ein und befanden sich zu Rebeccas Erstaunen in einem Restaurant wieder. Die Aufschrift auf der Tür war vollkommen untertrieben. Die runden Tische waren geschmackvoll mit weißen Tischdecken belegt und mit Tellern aus feinem Porzellan gedeckt auf denen gelbe Servietten kunstvoll gefaltet lagen. Eine junge Frau, sie trug eine schwarze, gerade Hose und glänzende, schwarze Schuhe und eine weiße Bluse deren Kragen mit einer schwarzen Fliege gebunden war kam auf die Beiden zu. „Schönen guten Abend Frau Gibbs, einen Tisch für Zwei?“ fragte sie.
„Ja Kind, wenn es geht, meinen üblichen Tisch.“
„Gerne Frau Gibbs.“ die Frau führte sie durch die Reihen der gut besetzten Tische und wies ihnen einen Tisch. Rebecca hielt Andrea den Stuhl als diese sich setzte und setzte sich dann selbst, ihr gegenüber.
„Möchten Sie die Karte oder wollen Sie gleich bestellen?“ fragte die Kellnerin. Andrea bestellte ein Filetsteak mit Herzoginnenkartoffeln und einen Salatteller, Rebecca fragte nach einem gemischten Salat. „Bist du Vegetarierin oder nur übermäßig bescheiden?“ fragte Andrea.
„Nein Herrin, ich bin keine Vegetarierin.“ sagte Rebecca, sie wollte nichts übermäßig teures bestellen, weshalb sie nur den Salat gewählt hatte.
„Also zwei mal das Filetsteak. Für mich bitte einen passenden Wein dazu und für Rebecca einen Saft.“ bestellte Andrea für sie mit.
„Also bescheiden brauchst du hier nicht zu sein. In deinem Vertrag steht „Freie Kost und Logis“ das schließt alle Restaurants hier auf dem Gelände mit ein. Wie das mit den Punkten funktioniert, erkläre ich dir später.“ sagte Andrea.
Rebecca sah sie zum wiederholten male fragend an.
„Jede Angestellte hier bekommt im Monat eine bestimmte Anzahl Punkte für verschiedene Angebote, auch für das Essen. Wenn die verbraucht sind, gibt es nur noch Standardkost. Aber darüber brauchst du dir heute keine Gedanken zu machen, heute bist du eingeladen. Und zu Hause spielt das sowieso keine Rolle, das geht sowieso alles auf meine Kappe.“ erklärte Andrea.
Während sie auf das Essen warteten, unterhielten sich die Beiden. Rebecca kam langsam aus sich heraus und so entspann sich eine angeregte Unterhaltung zwischen den Beiden Frauen, die sie während des Essens, wenn auch ein wenig verhaltener, weiterführten. Das Essen war ausgezeichnet und obwohl es wirklich reichlich war, bestellte Andrea noch einen Obstsalat als Nachtisch.

Nachdem sie aufgegessen hatten sagte Andrea plötzlich „Rutsch nicht andauernd so auf dem Stuhl herum, das sieht ja furchtbar aus.“
Rebecca spürte wie ihr das Blut ins Gesicht schoss. Ohne daß sie selbst es richtig gemerkt hatte, bewegte sie dauernd den Hintern hin und her, weil sich der Keuschheitsgürtel mal hier, bald mal da bemerkbar machte und ein unangenehmes Gefühl hinterließ.
„Verzeihung Herrin.“ sagte sie leise. „Das ist der Gürtel, er fühlt sich etwas komisch an.“
Andrea schaute sie mit festem Blick an. „Du gewöhnst dich schon daran. Und damit das etwas schneller geht, wirst du ihn die nächsten Wochen auch dann tragen, wenn du in deinem Zimmer bist. Du wirst ihn nur einmal am Tag abnehmen, um dich zu waschen.“ sagte Andrea streng.
„Ja Herrin.“ erwiderte Rebecca mit gesenktem Blick. Das hatte gesessen. Sie hatte gehofft, den Gürtel heute Abend ab nehmen zu können, denn obwohl sie es sich selbst nicht eingestehen wollte erregte sie dieser Zustand des eingeschlossen seins, nicht mehr Herr über ihre eigene Sexualität zu sein und auch noch ständig daran erinnert zu werden.
„Und wenn auch das nicht hilft, oder du versuchen solltest, den Gürtel länger aus zu ziehen als unbedingt nötig, dann werde ich andere Maßnahmen ergreifen müssen. Und sei dir sicher, ich werde das mit bekommen.“ Sie schaute Rebecca noch immer mit strengem Blick an. Diese wollte garnicht erst heraus finden, was diese anderen Maßnahmen sein würden und versuchte mit gesenktem Blick so still sitzen zu bleiben wie es nur ging.
„Nun zieh nicht so ein Gesicht.“ Andrea strich ihr mit der Hand über die Wange und riss sie damit aus ihren Gedanken. „Komm, wir wollen nach Hause. Es ist schon spät.“
„Ja Herrin.“ sagte Andrea noch immer ziemlich leise, stand auf und hielt Andreas Stuhl als diese auf stand. Sie folgte ihr durch die große Eingangshalle des Zentrums, wo noch immer laute Musik zu hören war, zurück zum Wagen, öffnete ihr die Tür und setzte sich wieder hinters Steuer. Das Navigationssystem wies ihr den Weg zurück. Als sie am Haus angekommen und ausgestiegen waren stand Andrea wartend vor der Haustür. „Worauf wartest du denn?“ fragte sie und schaute Rebecca an.
„Verzeihung Herrin, ich habe doch keinen Schlüssel.“ sagte diese und schaute sie ratlos an. „Natürlich hast du den.“ Andrea zeigte auf ihr Handgelenk. Rebecca fragte sich, ob das Comm auch der Hausschlüssel war. Und tatsächlich, als sie sich der Tür näherte, hörte sie, wie das Schloss sich entriegelte. Sie fasste die Türklinke und hielt Andrea die Tür auf.
In der Halle sagte diese „Nun geh nach oben und ab ins Bett mit dir.“
Rebecca knickste. „Ich wünsch Ihnen eine gute Nacht Herrin.“ sagte sie und ging nach oben.

In ihrem Zimmer schaute sie auf die Uhr, es war noch nicht einmal acht Uhr Abends, also beschloss sie, sich noch einen Film an zu sehen. Vorher stieg sie unter die Dusche. Immer wieder fuhren ihre Hände zwischen ihre Beine, doch jedes mal spürte sie nur das Metall des Keuschheitsgürtels. Sie versuchte mit den Fingern irgend wie hinter das Metall zu kommen und sich zu berühren doch bei dem Versuch blieb es auch. Frustriert gab sie irgend wann auf, spülte sich die Seife ab und wusch sich die Haare. Nachdem sie sich abgetrocknet und eingecremt hatte setzte sie sich, nur mit einem Handtuch bekleidet welches sie um die Brust geschwungen hatte auf die Couch und wartete darauf, das ihre Haare etwas trockneten um diese zu frisieren. Sie nahm eines der Pads vom Tisch und las sich die Regeln die Herrin Andrea ihr gegeben hatte noch einmal in Ruhe durch. Da war nichts unmögliches dabei und alles hielt sich noch im Rahmen. Erinnerungen an ihre Schulzeit kamen auf, dort waren die Regeln weitaus anspruchsvoller und rigider.

Als ihre Haare trocken waren, zog sie ein Nachthemd an, setze sich auf die Couch und deckte sich mit einer weichen Wolldecke zu. Sie tippte auf das Comm an ihrem Handgelenk und versuchte sich zeigen zu lassen, welche Filme sie sehen konnte. Nach einigen Versuchen hatte sie den Dreh raus und eine schier endlose Liste erschien auf der Wand. Sie wählte einen aus, den sie bereits kannte. Sofort verschwand die Liste und der Film erschien auf der Wand. Während sie diesen schaute, kämmte sie sich die Haare. Als der Abspann lief, tippte sie ohne den Ärmel zu heben auf ihr Handgelenk und sagte „Film aus“. Sofort war es dunkel im Raum. Sie gab den Befehl das Licht ein zu schalten und ging dann in ihr Schlafzimmer wo sie sich in ihr Bett fallen lies. Den Wecker stellte sie auf sieben Uhr und deckte sich zu. Es dauerte noch eine ganze Weile bis sie endlich ein schlief, immer wieder bewegten sich ihre Hände zwischen ihre Beine doch jedes Mal hinderte das Metall sie daran, weiter zu kommen und sich Erleichterung zu verschaffen. Irgend wann schlief sie dann ein und träumte ziemlich wilde Träume.

- - -

Larissa wachte vom leisen Vibrieren des Comms auf und öffnete die Augen. Neben ihr lag Herrin Johanna und schlief noch tief und fest. Am Liebsten hätte sie sich wieder zu ihr gekuschelt, doch die Herrin wollte das sie ihren Morgenlauf auch hier fortsetzte. Also rollte sie sich langsam und vorsichtig um sie nicht zu wecken zur Seite aus dem Bett. Erst als sie alle Viere unter der Decke hervor gekramt und auf dem Boden platziert hatte stand sie leise auf. Vom Stuhl neben der Tür nahm sie ihre Tunika und zog diese beim Verlassen des Schlafzimmers über. Nun war sie froh darüber ihre Sachen noch in ihrem Zimmer gelassen zu haben. Sie ging in ihr Zimmer in dem sie lediglich die erste Nacht verbracht hatte und zog ihre Sportsachen an. Dann verließ sie die Wohnung und fuhr mit dem Aufzug nach unten. In der Lobby wartete Vivian bereits und hielt ihr eine Karte unter die Nase. Dazu machte sie einige Gesten. „Nein, noch immer nicht. Ich weiß auch nicht was das soll. Tagsüber macht sie dauernd irgend welche Andeutungen und so und wenn ich abends in ihr Schlafzimmer gehe dann tut sie als wäre ich aus Zucker und fragt dauernd nach ob dies oder jenes in Ordnung ist und ob mir das auch ja nicht zu viel ist. Da vergeht einem doch jede Lust. War das bei dir etwa auch so.?“
Vivian sah sie an und begann zu lachen. „Ich finde das nicht so lustig. Wenn das so weiter geht bekomme ich noch ne Kuschelallergie.“ sagte Larissa ein wenig missmutig.
Statt einer Antwort bewegte Vivian nur die locker zu Fäusten geballten Hände neben sich vor und zurück, die Geste für Joggen wie Larissa mittlerweile wusste, und lief los.
Larissa zuckte nur mit den Schultern und lief hinter ihr her. Als sie nach einer halben Stunde an einem der Tore an kamen blieb Vivian stehen. Sie tippte etwas auf ihrem Comm und hielt es ihr vor die Nase. „Ich muss noch Rebeccas Auto rein holen. Bis später.“ stand dort.
Larissa nickte nur und lief weiter. Sie kam an der Schule vorbei und lief einer Gruppe Schülerinnen in die Arme die diese gerade im Laufschritt verließen. Hinter den Schülerinnen lief eine Frau mit pechschwarzen Haaren und bleicher Haut. „Hallo Helen.“ sagte Larissa und lief neben ihr her.
„Guten Morgen Larissa, so früh schon munter? Wo hast du denn Vivian gelassen? Ich dachte, ihr Beiden lauft morgens zusammen.“ fragte Helen. Die Schülerinnen schauten kurz zu ihr, liefen aber weiter. Das Tempo war nicht all zu schnell also konnte Larissa ohne langsamer zu werden antworten das Vivian noch irgend ein Auto rein holen sollte.
„Das muss wohl das von Rebecca sein. Die wohnt bei Andrea.“ sagte Helen. „Wie läuft es mit deiner Herrin? Ist alles in Ordnung?“ wollte sie wissen.
„Alles in Ordnung.“ sagte Larissa. „Meistens ist sie echt nett.“
„Meistens?“ hakte Helen nach.
„So lange ich nicht unpünktlich bin geht es. Aber bei der Pünktlichkeit da kann sie schon ziemlich streng sein.“ erklärte Larissa.
Sie lief noch eine Weile neben Helen her bis diese ihre Gruppe auf eine Wiese dirigierte und damit begann diese verschiedene Haltungen üben zu lassen, mehr als nur die Drei welche sie selbst in der Schule üben musste. Und selbst das war etwas was Larissa von der Schule sicher nicht vermissen würde und so verabschiedete sie sich und lief weiter. Sie beendete ihre Runde und lief zurück zum Haus. Sie schaute auf die Uhr und sah das sie noch eine gute dreiviertel Stunde Zeit bis zum Frühstück hatte. Also ging sie schnell unter die Dusche und zog sich danach eine frische Tunika über. Barfuß ging sie in die Küche und bereitete das Frühstück vor. Die Brötchen die sie gestern Abend bestellt hatte waren bereits mit dem Transportsystem angekommen. Sie legte sie in einen Korb und stellte sie auf den Tisch.
„Schönen guten Morgen Larissa.“ sagte Herrin Johanna als sie in die Küche kam.
Larissa knickste und wartete das sich ihre Herrin setzte. Doch statt dessen nahm sie sie in die Arme und strich ihr sanft über die Wange. Diese Geste entlockte Larissa unwillkürlich ein Lächeln. Dann erst setzte Johanna sich und nickte damit auch Larissa Platz nahm. Nachdem sie überwiegend schweigend gefrühstückt hatten wollte Larissa auf stehen um den Tisch ab zu räumen.
„Warte einen Moment.“ sagte Herrin Johanna.
Larissa setzte sich wieder und schaute sie fragend an.
„Es gefällt dir nicht bei mir, oder?“ Johanna kam ohne Umschweife direkt auf den Punkt.
Larissa starrte sie mit großen Augen an. Wie kam sie darauf, fragte sie sich. Sie hatte nichts dergleichen gesagt oder auch nur angedeutet. „Was?“ fragte sie daher nur leise?
„Ich nehme mal an, ohne Grund bist du nicht gleich Sonntag Abend in mein Schlafzimmer gekommen, oder? Aber meinst du nicht selbst, daß das viel zu früh ist?“
Larissa schaute sie eine Weile schweigend an. „Ich finde es wirklich nicht schlecht hier zu sein und wahrscheinlich hätte ich es schlimmer treffen können. Sie sind manchmal sehr streng Herrin. Aber vielleicht ist das auch gut so. Wenn früher jemand so streng zu mir gewesen wäre, wäre ich vielleicht garnicht hier.“ sie sprach immer leiser und senkte den Blick. Sie holte kurz Luft bevor sie weiter sprach „Aber Sie sind nett. Sie schimpfen nicht wenn ich zu spät oder zu langsam bin sondern sagen es einfach und ich bekomme die Strafe dafür. Da bin ich ja auch selber Schuld dran.“ wieder holte sie tief Luft „Und das ich zu Ihnen ins Schlafzimmer gekommen bin, soll ich das etwas nicht? Sie haben doch am Samstag selbst gesagt, daß Sie das gerne so hätten.“
Johanna schwieg eine Weile und dachte nach. Sie lehnte sich etwas zurück und suchte Larissas Blick. „So direkt habe ich das zwar nicht gesagt, aber es stimmt schon. Ich hätte nur nicht damit gerechnet das du so schnell an kommst. Ich glaube nicht, das du wirklich mit mir schlafen willst. Ich bin zwar wirklich keine Psychologin aber ich habe das Gefühl du willst einfach nicht alleine sein.“ Larissa hob den Blick und schaute sie unsicher an. „Weißt du eigentlich wie du nachts im Bett liegst?“ fragte Johanna. Larissa schaute sie an und schüttelte den Kopf.
„Jedes Mal wenn ich mich auch nur bewege dann rutschst du wieder zu mir und klammerst dich an mir fest das ich Angst haben muss keine Luft mehr zu bekommen. Ich glaube nicht daß das auch nur das geringste mit Sex zu tun hat.“
„Entschuldigung Herrin.“ sagte Larissa leise und fixierte mit ihrem Blick einen Brötchenkrümel auf ihrem Teller.
„Da gibt es nun wirklich nichts für das du dich entschuldigen müsstest.“ sagte Johanna. „Pass mal auf, du gehst ins Wohnzimmer, ziehst die Couch aus und holst ein paar Decken und Kissen aus dem Schlafzimmer und legst dich schon mal auf die Couch. Ich komme gleich nach.“
Larissa nickte und wollte erneut damit beginnen den Tisch ab zu räumen doch Johanna hielt sie zurück. „Ich hab nichts davon gesagt das du abräumen sollst. Das hat Zeit. Du machst mal was ich dir gesagt hab.“
„Ja Herrin.“ sagte Larissa und ging mit hängenden Schultern ins Wohnzimmer wo sie die Couch aus zog und dann Kissen und Decken auf diese legte.
Johanna holte einen kleinen Topf aus dem Schrank und goss zwei Tassen Milch hinein. Sie stellte diesen auf den Herd, nahm eine Tafel Schokolade und brach einige Stücke ab die sie in die Milch gab. Sie rieb etwas Ingwer hinein und gab dann noch eine Stange Vanille dazu. Als die Milch langsam warm wurde gab sie noch zwei große Löffel Zucker in die Milch und rührte alles bis die Schokolade geschmolzen und die Milch einen dunkelbraunen Farbton angenommen hatte. Dann nahm sie die Milch vom Herd und schüttete sie in zwei Tassen. Bevor sie ins Wohnzimmer ging tippte sie eine Nachricht in ihr Comm und nahm sich einen Tag frei.

Sie stellte die beiden Tassen auf ein Tablett und ging ins Wohnzimmer wo Larissa bereits auf der ausgezogenen Couch hockte. Sie hatte sich ganz in eine Ecke gehockt und schaute fragend zu ihr auf. Johanna stellte die Tassen auf den kleinen Beistelltisch neben der Couch und legte sich mitten auf die Couch. Sie zog eine Decke über sich und hob diese etwas an. „Komm her.“ sagte sie zu Larissa. Diese schaute sie fragend an, kam aber zu ihr unter die Decke. Sie hielt ein wenig Abstand zu Johanna doch diese fasste sie an der Schulter und zog sie zu sich. „Gut so?“ fragte sie. Larissa schaute kurz zu ihr auf und rückte noch ein Stück näher zu ihr. Darauf hin legte Johanna ein Bein über Larissas Beine. Ihre Hand legte sie in Larissas Taille und begann sie zu kraulen. Sie merkte wie Larissa langsam entspannte und sich bei ihr an lehnte. Sie nahm die beiden Tassen und gab Larissa eine davon. „Vorsicht, die ist heiß. Das ist ein Rezept meiner Großmutter.“
„Vielen Dank Herrin.“ sagte Larissa und probierte einen kleinen Schluck. „Die schmeckt lecker.“
„Danke.“ sagte Johanna. „Und nun erzähl mal, was ist mit dir los? Ich kann mir gut vorstellen daß es nicht einfach ist einfach irgend wo hin zu kommen ohne zu wissen was einen nun erwartet. Aber das ist nicht alles, oder?“
Larissa trank noch einen Schluck und nickte leicht. Dann begann sie zu erzählen, von ihrer Jugend und davon das ihre Eltern sich nie wirklich um sie gekümmert hatten, von der Schule wo sie mehrmals die Klasse wiederholen musste und nie wirklich Freunde hatte. Sie erzählte von der Schule in Straßburg wo sie das erste Mal das Gefühl hatte Freunde gefunden zu haben die sie aber wohl nie wieder sehen würde und wie einsam sie sich manchmal fühlte.
So saßen die Beiden den ganzen Vormittag auf der Couch und redeten. Larissa taute langsam auf und fasste ein wenig Vertrauen zu Johanna. Irgend wann saßen die Beiden dann schweigend nebeneinander. Johanna kraulte Larissa weiter bis ihr Atem ganz gleichmäßig wurde und einschlief. Johanna nahm ihr die leere Tasse ab und stellte sie bei Seite. Sie fasste Larissas Hand und hielt sie fest.

- - -

Am Tor Drei angekommen verabschiedete Vivian sich von Larissa und holte den Schlüssel aus ihrem Oberteil heraus. Sie ging zum Tor und grüßte die Wachen. Auf ihrem Comm tippte sie etwas ein und zeigte es der Wache. „Kein Problem, ich mach gleich auf. Geh du schon mal zum Auto.“ sagte diese.

Vivian setzte sich hinter das Lenkrad des großen Wagens und schaltete ihn mit dem Schlüssel ein. Sie musste den Sitz selbst einstellen, merkte sich aber wie alles eingestellt war. Mit einem Handgriff schaltete Sie auf Rückwärtsfahrt und setzte den Wagen vorsichtig aus der Parklücke, schaltete auf Fahren um und rollte langsam auf das Tor zu. Die Wachen öffneten dieses und ließen sie herein fahren. Vivan beschloss sehr vorsichtig zu fahren und freute sich, das Herrin Vera ihr endlich wieder erlaubte ein Auto zu fahren, auch wenn es nur den einen Kilometer bis zu Miss Andreas Haus war. Sie hatte den Vorfall vor einem Jahr und die darauf folgende Strafe noch sehr gut in Erinnerung als sie aus Veras Auto einen Totalschaden gemacht hatte weil sie auf Regennasser Straße einen Transporter überholen wollte und ins Schleudern geriet. Vera war zwar heilfroh, als sie sie nur mit ein paar Prellungen aus dem Krankenhaus abholte aber als sie erfuhr wie der Unfall passiert war waren die Prellungen Vivians kleinstes Problem. Es dauerte mehrere Tage bis sie wieder halbwegs liegen und knien konnte. Seit dem durfte sie nicht einmal mehr die Elektrowagen auf dem Gelände fahren. Also fuhr sie sehr langsam über die Ringstraße welche das Gelände einmal komplett umrundete bis sie zu der Abzweigung kam die zu Andreas Haus führte. Auf dieser Straße gab es so gut wie keinen Verkehr und es lief auch niemand hier herum, also beschloss sie, ein wenig schneller zu fahren. Die Straße machte eine leichte Linkskurve um einen Hügel herum. Vivan war vom Anblick eines Vogels auf der Wiese etwas abgelenkt und als sie wieder auf die Straße sah passierte es, ein Fuchs sprang aus einem Gebüsch auf die Straße direkt vor das Auto. Sie bremste geistesgegenwärtig doch dabei brach das Heck des schweren Wagens aus, das Hinterrad rutschte über die Bankette und das Auto kam mit einem leichten Scheppern und einem Knall zum Stehen.
Vivian saß kreidebleich hinter dem Steuer und löste mit zitternden Händen die Gurte. Sie stieg aus und schaute zu erst nach dem Fuchs. Dieser saß auf der Straße und schaute sie an. Als sie auf ihn zu ging sprang er auf und rannte zurück in das Gebüsch aus dem er eben hervor gesprungen war. Sie schüttelte die Faust hinter ihm her und stieß einige unartikulierte Laute aus. Dann ging sie um das Auto herum und sah den Schaden. Der hintere Kotflügel war gegen eine junge Birke gerutscht und wies einen langen, tiefen Kratzer auf der bis zum Heck ging wo der Baum die Verglasung der Rückleuchten heraus gerissen hatte die nun im Gras lag. Vivian kniete sich ins Gras, legte das Gesicht in die Hände und begann zu weinen. Ihr war klar, das sie nun sowohl Vera als auch Rebecca beichten musste, was passiert war. Mit zitternden Fingern tippte sie eine Nachricht an ihre Herrin auf ihrem Comm ein und schickte sie ab. Dann stand sie auf und lief zu Andreas Haus. Dort zog sie an der Glockenschnur neben dem Eingang.

Rebecca, die gerade einen Topf spülte, stellte das Wasser ab trocknete die Hände und ging durch die Halle zur Haustür. Sie öffnete sie und knickste. Als sie nach sah wer dort war erblickte sie Vivian die tränenüberströmt und zitternd in der Tür stand und ihr ein aufgeregt Zeichen machte das Rebecca glaubte zu verstehen, sie sollte mit kommen. Doch wo hin war ihr nicht klar. „Vivian, ist dir was passiert?“ Sie ging zu Vivian die jedoch zurück zuckte als sie auf sie zu kam.
„Wer ist denn da Rebecca?“ erklang Andreas Stimme aus der Halle.
„Es ist Vivian, sie sagt, ich soll mit kommen Herrin.“ antwortete Rebecca.
Andrea kam auf die Beiden zu und fragte „Vivian, was ist denn los?“ Vivian machte einige Zeichen. Doch Sie redete viel zu schnell als das Rebecca auch nur eine Chance hatte etwas zu verstehen.
„Sie sagt, etwas ist mit deinem Auto und du sollst mit kommen. Aber alles verstehe ich auch nicht. Aber sie sagt etwas von einem Tier.“ Rebecca schaute Andrea ratlos an. Diese sagte „Nehmt den Wagen und melde dich, wenn du weißt, was los ist.“
Vivian rannte auf den Elektrowagen zu und stieg ein. Rebecca folgte ihr, setzte sich und fuhr los in die Richtung die Vivian ihr wies. Diese hatte noch immer tränen im Gesicht und zitterte wie Espenlaub. Während der Fahrt schrieb sie etwas auf eine Karte die sie Rebecca reichte.
„Du, ich kann nicht fahren und zugleich lesen.“ Nach kurzer Zeit kamen sie an die Stelle wo Rebeccas Auto noch immer auf der Bankette stand. Vivian sprang aus den Wagen und zeigte auf das Heck und den großen Kratzer. Vivian gestikulierte immer wieder das selbe, was Rebecca aber nicht verstand. Sie ging auf Vivian zu, die wich zurück und zitterte noch mehr.
„Du brauchst keine Angst haben Vivian, ich tu dir bestimmt nichts. So schlimm ist das doch garnicht. Aber was ist denn überhaupt passiert und vor allem, geht es dir gut?“
Vivan schreib wieder etwas auf eine Karte „Der Fuchs ist auf die Straße gesprungen als ich gebremst habe ist das Auto gerutscht und gegen Baum gefahren tut mir leid das wollte ich nicht bitte nicht hauen.“ las Rebecca.
„Ich werde dich wegen sowas bestimmt nicht hauen.“ sagte sie, zog Vivian zu sich, nahm sie in die Arme und versuchte, sie zu beruhigen. „Hauptsache dir ist nichts passiert. Und das ein Tier aus dem Gebüsch kommt, kann jedem passieren.“ Vivian beruhigte sich langsam. Rebecca tippte auf ihr Comm und sagte „Herrin Andrea“
„Was ist denn passiert fragte diese aus dem Comm.
„Soweit ich verstanden habe wollte sie mir mein Auto bringen und ist einem Fuchs ausgewichen. Dabei ist das Auto gegen einen Baum gerutscht und hat einen kleinen Blechschaden Herrin.“ Es folgte eine kurze Stille.
„Dann kommt erst mal beide her und ich sage Vera Bescheid.“
„Ja Herrin.“ sagte Rebecca und beendete das Gespräch. „Vivian, du fährst hinter mir her. Wir fahren erst mal zu Herrin Andrea.“ Vivian nickte und wollte in den Elektrowagen steigen. Sie schüttelte energisch den Kopf als Rebecca sagte sie solle ihr Auto fahren. Also stieg sie selbst in ihr Auto und wartete bis Vivian mit dem Elektrowagen etwas vor gefahren war. Langsam fuhr sie von der Bankette und folgte Vivian bis zu Andreas Haus. Es dauerte keine Minute bis auch Vera an gekommen war. Vivian lief weinend auf sie zu, gab ihr eine Karte, kniete sich vor ihr hin und umklammerte ihre Beine. Vera zog sie auf die Beine und nahm sie in die Arme.
„Am Besten wir gehen alle erst mal rein.“ sagte Andrea die in der Haustür stand. Alle folgten ihr in den Salon. Vera setzte sich zu Andrea auf das Sofa und Vivian kniete sich neben ihre Herrin. „Rebecca, am Besten du machst erst einmal für uns alle einen Tee.“ sagte Andrea. Rebecca setzte Tee auf, stellte Milch, Zucker Zitrone und Kekse zu den Tassen auf das Tablett und goss den Tee auf. Dann brachte sie alles in den Salon, füllte die Tassen und wartete bis Andrea ihr ein Zeichen gab. Dann setzte sie sich ebenfalls.

Vivian begann zu erklären, was genau passiert war.
Andrea übersetzte für Rebecca „Sie hat das Auto am Tor abgeholt und ist über die Ringstraße gefahren bis zur Abzweigung. Dann ist sie etwas schneller gefahren weil keine anderen Wagen oder Fußgängerinnen da waren. Als sie an der Wiese vorbei kam, hatte sie dort kurz hin gesehen und dann kam der Fuchs aus dem Gebüsch und sie hat gebremst. Dabei ist das Auto ausgebrochen und gegen den Baum gerutscht.“
„Also bist du zu schnell gefahren und hast auch nicht auf die Straße geachtet?“ fragte Vera die sich sichtlich zusammen reißen musste. Vivian nickte und schaute betreten zu Boden. „Du weißt, was das für dich heißt?“ fragte Vera sie. Wieder nickte Vivian.
„Darf ich etwas sagen?“ fragte Rebecca der klar war, was Vivian blühen würde. Vera schaute sie an und nickte „Vielleicht wäre nichts passiert, wenn sie langsamer gefahren wäre oder mehr auf die Straße gesehen hätte, aber wer weiß das schon? Es ist auch nicht viel passiert. Den Kratzer kann man über lackieren und das Glas ersetzen. Hauptsache, Vivian ist nichts passiert. Und ich glaube, der Schreck war ihr schon Strafe genug.“ sagte Rebecca.
„Wie du meinst.“ sagte Vera. „Aber es ist nicht das erste Mal, das ihr so etwas wegen Unachtsamkeit passiert ist. Es war mein Fehler, zu denken, das hier auf dem Gelände nichts passieren kann, deshalb werde ich den Schaden übernehmen. Es ehrt dich, das du dich für sie einsetzt. Aber trotzdem muss das auch für Vivian Konsequenzen haben. Du hast in den nächsten beiden Tagen mehrere Termine, eigentlich wollte ich jemanden als Begleitung schicken die dir nebenbei alles zeigt. Aber das wird Vivian nun zusätzlich zu ihren normalen Pflichten übernehmen. Außerdem wird sie die nächsten drei Monate jeden Samstag dein Auto putzen.“

Rebecca fand das zwar ein wenig übertrieben angesichts des geringen Schadens an ihrem Auto doch sie verstand das es Vera ernst war und sagte deshalb „In Ordnung.“
Vera tippte etwas auf ihrem Comm und kurz darauf piepste es bei Vivian. „Das sind die Termine. Der erste ist in einer Stunde beim Arzt.“ sagte Vera.
„Dann werde ich mich am Besten gleich frisch machen und dann los fahren, wenn das recht ist Herrin.“ fragte Rebecca zu Andrea gewandt.
„Tu das. Und dann geht gleich los. Vera und ich haben noch etwas zu bereden. Du kannst nachher abräumen, wenn du wieder kommst. Mittagessen und Tee lassen wir dann heute ausfallen. Ich werde nachher essen gehen. Wenn du zum Abendessen noch nicht zurück sein solltest, melde dich bitte rechtzeitig.“
Rebecca stand auf, knickste und ging nach oben um sich frisch zu machen. Nach wenigen Minuten klopfte sie wieder an die Tür zum Salon. Anstatt einem „Herein“ kam Vivian heraus und schloss hinter sich die Tür. Die Beiden gingen nach draußen und fuhren mit der Bahn zum Verwaltungsgebäude. Vivian hob immer wieder die rechte Hand und berührte mit den Fingerspitzen ihr Kinn. „Ich nehme an, das soll danke heißen?“ Vivian nickte. „Schon in Ordnung. Sagte Rebecca und sah Vivian an. „Der Kratzer am Auto ist mir ja noch egal, aber wenn du wegen sowas schon mal ärger bekommen hast, warum hast du denn nicht besser aufgepasst?“ fragte sie streng. Vivan schaute sie groß an. Sie legte die rechte Hand flach auf die Linke und lies die Rechte kreisen.
„Ist schon gut.“ sagte Rebecca und fuhr Vivian mit der Hand über die Wange. „Du solltest wirklich besser aufpassen.“ darauf hin nickte Vivian nur.

Die Bahn hielt vor dem Verwaltungsgebäude und Vivian führte Rebecca zu einem Nebeneingang wo sie sich in einem richtigen Krankenhaus wieder fanden. Schilder wiesen den Weg zur Notaufnahme, zu mehreren Operationssälen, zur Radiologie und so weiter. Am Empfangstresen meldete Rebecca sich an und musste noch einige Minuten in einem Wartezimmer platz nehmen bis eine Ärztin herein kam und sie in ein Untersuchungszimmer führte. Doktor Edwards, wie diese hieß, sah sich Rebeccas Krankenakte an. „Also da haben Sie ja schon einiges hinter sich, drei gebrochene Wirbel, sechs Rippen gebrochen, Brüche an Armen und Beinen, Kehlkopfquetschung und jede Menge innerer Verletzungen. Wahrscheinlich können Sie keine Krankenhäuser mehr sehen. Hier steht, das Sie jemand mit einem Stuhl verprügelt hat.“
„Ja, ich weiß, ich war dabei.“ sagte Rebecca trocken.
Doktor Edwards lachte. „Ihren Humor haben Sie aber nicht verloren. Dann machen Sie sich mal frei, ich horche Sie ab und untersuche Sie, dann müsste ich ihnen noch Blut abnehmen und ein paar Abstriche machen.“

Rebecca zog die Tunika aus, mehr trug Sie außer dem Keuschheitsgürtel ja nicht und hing sie an einen Haken neben der Tür. Es dauerte eine ganze Weile bis Doktor Edwards sie untersucht hatte. Sie prüfte die Beweglichkeit der Gliedmaßen, horchte und tastete sie ab und nahm ihr auch gleich etwas Blut ab. Außerdem betrachtete sie die Narben eingehend. Nebenbei stellte sie ihr einige Fragen zu ihrer Gesundheit. Dann musste sich Rebecca auf einen Stuhl setzen wie sie ihn vom Frauenarzt kannte. „Jetzt wird es wohl etwas schwierig.“ sagte sie doch die Ärztin grinste nur und holte einen Schlüssel aus der Tasche der genau so aus sah wie der, der in dem Kasten neben ihrer Schlafzimmertür lag. „Universalschlüssel. Der passt auf alle Gürtel hier, wäre ja blöd, wenn es einen Notfall gibt und wir erst jemanden mit einem Laserschneider holen müssten. Behalten Sie die Hände bei sich oder soll ich Sie lieber fest binden?“
Rebecca sah Sie groß an und spürte wie ihr das Blut ins Gesicht schoss. „Also mich hier zu befingern wäre mir jetzt ein wenig zu peinlich.“ Doktor Edwards öffnete den Gürtel mit ihrem Schlüssel und nahm ihn ab. „Sie glauben nicht, was wir hier schon alles gesehen haben.“ Die Untersuchung war glücklicherweise schnell erledigt und Rebecca wurde wieder verschlossen. Dann durfte Sie sich wieder an ziehen und musste noch Hörtest und Sehtest über sich ergehen lassen. „Also soweit scheint ja alles in Ordnung zu sein. Die Ergebnisse von den Abstrichen und vom Bluttest bekommen wir morgen, sie bekommen dann auch noch mal alles zu geschickt.“
Damit war die Untersuchung beendet und Rebecca durfte wieder gehen. Sie ging zurück ins Wartezimmer wo Vivian wartete und ihr den nächsten Termin bei einer Frau Parker zeigte. Da dieser erst in einer Stunde satt finden sollte beschloss Rebecca etwas essen zu gehen. Rebecca bestellte sich eine Pizza und Vivian nahm nur einen kleinen Salat.

Frau Parker erklärte ihr ausführlich die verschiedenen Freizeitangebote und einige Verhaltensweisen auf dem Gelände. Danach hatte sie noch einen Termin bei einer Helen. Vivian wollte lieber auf dem Flur warten. Anscheinend mochte sie diese Frau nicht besonders. Es stellte sich heraus, das Helen der Rufname war, da sie als Serva nur diesen benutzte. Rebecca konnte auf den ersten Blick verstehen, warum Vivian lieber draußen blieb. Helen war einen guten Kopf größer als Rebecca, hatte eine helle, fast schon weiße Gesichtsfarbe, pechschwarze Haare und Augen, die auf eine seltsame Art zu leuchten schienen. Diese Augen und die langen, spitz gefeilten und säuberlich schwarz lackierten Fingernägel die schon ein wenig an Klauen erinnerten ließen sie ein wenig unheimlich erscheinen. Der dunkelrote Lippenstift den sie aufgelegt hatte verstärkte diesen Eindruck noch. Sie trug eine einfache, lange Tunika mit weiten Trompetenärmeln. Ihr ganzes Aussehen und auch ihr Auftreten ließ Rebecca unwillkürlich an Vampire aus alten Filmen denken. Sie versuchte Helen nicht dauernd an zu starren als sie ihr mit leiser Stimme erklärte das sie so etwas wie die oberste Serva hier war. Sie stellte sich als Ansprechpartnerin vor, wenn irgend welche Probleme auftauchten und war auch Lehrerin an der hiesigen Schule.
Nachdem sie Rebecca einige Regeln erklärt hatte, die nicht nur für Serva sondern auch für deren Besitzerinnen hier galten, sagte sie „Starr mich nicht so an. Manche Herren verprügeln ihre Serva mit einem Stuhl und andere finden es lustig sie zu einer Figur aus einem uralten Horrorfilm zu machen.“ Sie lachte und zeigte dabei lange, spitze Eckzähne. Nun sah sie wirklich aus wie eine Vampirin. „Im Vergleich zu dir habe ich es noch relativ gut getroffen finde ich.“ Nun musste auch Rebecca lachen, Helen hatte trotz ihres Aussehens eine offene und freundliche Art, die Rebecca zu mögen begann.

Helen schaute etwas auf einem Pad nach und blickte dann auf. „Du bist mit unserer neuen Schulleiterin auf die Schule gegangen?“ fragte sie.
Rebecca warf ihr einen fragenden Blick zu „Bin ich das? Wer ist denn die neue Schulleiterin?“
Helen hielt ihr das Pad hin auf dem ein Bild zu sehen war. „Ja, tatsächlich. Das ist Isabella. Sie hatte mir gesagt das sie balde an einer Privatschule anfangen wird. Ich wusste nicht, daß das hier ist.“ sagte sie freudestrahlend. Sie freute sich das es hier jemanden gab den sie kannte und beschloss Isabella bei nächster Gelegenheit einen Besuch abzustatten.
„Dann kennst du unsere Chefin ja auch.“ sagte Helen grinsend.
Rebecca musste nicht lange überlegen. „Dann ist sie es tatsächlich? Sie kam mir gleich so bekannt vor. Wir haben uns seit der Schule nicht mehr gesehen. Und so häufig ist der Name Emylia wohl auch nicht.“ nun grinste sie wie ein Honigkuchenpferd. „Dann sind die Richtigen Drei ja zusammen gekommen.“ sagte sie lachend.
„Wie meinst du das?“ wollte Helen wissen.
Rebecca erzählte ihr einige Geschichten aus der Schule und sie unterhielten sich noch eine ganze Weile über alle möglichen Dinge die nur wenig mit Rebeccas Besuch hier zu tun hatten. Nach einer ganzen Weile verabschiedete sich Rebecca und wurde von Helen zur Tür gebracht.

Vivian kniete auf dem Boden gegenüber der Tür und schien zu schlafen. Helen lachte und ging zu der schlafenden noch ehe Rebecca etwas sagen konnte. Sie hockte sich vor sie und tippte sie an. „Hee, Dornröschen, aufwachen. Was machst du denn hier?“ fragte sie. Vivian sah sie an, riss die Augen weit auf und sprang auf um sich hinter Rebecca zu verstecken.
„Vivian ist mit mir hier, ihre Herrin hat sie dazu verdonnert mich heute und morgen zu den ganzen Terminen zu begleiten.“
„Ich verstehe.“ sagte Helen und lachte. Dabei zeigte sie wieder ihre spitzen Zähne, worauf hin sich Vivian noch mehr hinter Rebeccas Rücken versteckte. „Dann wünsch ich euch beiden noch einen schönen Tag.“ sagte Helen und ging wieder in ihr Büro.
Vivan kam nun wieder hervor. Sie machte die Gebärden für Frau und für böse. Dann tippte sie sich mit Zeige- und Ringfinger ihrer Rechten an den Hals. „Ich glaube nicht, das sie eine böse Frau ist. Und ein Vampir?“ Rebecca wiederholte die letzte Geste. Vivan nickte „Und ein Vampir ist sie auch nicht. Sie ist wirklich ganz nett.“ Sie strich Vivian mit der Hand über die Wange. „Tut mir leid, das ich dich so lange hab warten lassen. Steht denn heute noch etwas an?“ Vivian schaute auf ihr Comm und schüttelte den Kopf. „Dann gehst du am Besten zu Vera und ich mache mich auf den Weg zu Herrin Andrea.“
Die Beiden verabschiedeten sich und verabredeten das Vivian am nächsten Tag nach dem Frühstück wieder kommen würde um Rebecca ab zu holen. Während Rebecca mit dem Aufzug nach unten fuhr, lief Vivian die Treppen in den dritten Stock wo Sie in Veras Büro ging. Als sie gerade klopfen wollte, kam eine junge Frau heraus, die Sie nicht kannte und Sie freundlich grüßte. Vera war gerade dabei, sich zu setzen und lächelte sie fröhlich an als sie sie sah, winkte sie zu sich und gab ihr einen langen, innigen Kuss.

- - -

Rebecca fuhr mit der Magnetbahn zu Andreas Haus und meldete sich zurück. „Sehr schön. Es ist balde Zeit zum Abendessen, was schlägst du denn vor?“ Andrea sah von den Papieren auf, die sie gerade las.
„Soll es denn etwas leichtes sein oder lieber was herzhaftes Herrin?“
Andrea lächelte. So stellte sie sich eine richtige Serva vor, nicht so schüchtern und zaghaft. „Mach irgend etwas mit Huhn oder Pute. Aber bitte keinen Reis.“
„Gerne Herrin.“ sagte sie, knickste und ging in die Küche. Sie schaute in den Kühlschrank, aber weder Huhn noch Pute fand sie dort. Also ging sie in den Vorratsraum und suchte im Gefrierschrank, auch dort fand sie weder Huhn noch Pute. Also ging sie zum Verteilersystem, tippte auf ihr Comm und sagte „Ich brauche Huhn oder Pute.“ Auf dem Comm stand nun eine Auswahl. Rebecca wählte Putenschnitzel und bestellte zwei große Stücke. Dann ging sie zurück in die Küche und bereitete aus Paniermehl und scharf gewürzten Kräckern eine Panade. Sie schaute in den Schränken nach, was es alles gab und beschloss eine eine Cranberrysauce zu machen und dazu Ofengemüse. Als sie die Sauce anrührte klingelte das Verteilersystem. In der großen Kiste lagen zwei vakuumverpackte Scheiben Putenfilet. Sie panierte die Filets und bereitete dann das Gemüse zu, welches sie in den Ofen schob. Während das Gemüse garte deckte sie den Tisch wie sie es schon zum Frühstück getan hatte. Dazu stellte sie für Andrea ein Weinglas und für sich selbst ein einfaches Saftglas auf den Tisch. Dann gab sie Öl in die Pfanne und briet das Fleisch bis es auf beiden Seiten goldbraun war. Während dessen rührte sie die Sauce noch einmal um. Das Fleisch legte sie auf zwei Teller, gab das Gemüse dazu und übergoss das Fleisch mit der Sauce. Das Ganze garnierte sie mit ein paar Beeren die sie dafür über gelassen hatte. Sie stellte zwei Hauben über die Teller tippte auf das Comm und sagte Andrea Bescheid, daß das Essen fertig war. Dann stellte sie die Teller auf den Esstisch und stellte sich neben die Tür.
Als Andrea herein kam, knickste sie, hielt ihr den Stuhl und hob die Haube vom Teller. „Das sieht lecker aus, setz dich.“ Rebecca knickste. „Danke Herrin.“ sagte sie und setzte sich dann. Sie begann, nachdem auch Andrea angefangen hatte, selbst zu essen. Nachdem sie aufgegessen hatten sagte Andrea „Das wahr sehr gut. Dann bring jetzt den Nachtisch.“ Rebecca wurde bleich im Gesicht. An einen Nachtisch hatte sie nicht gedacht. Doch sie fasste sich schnell wieder, nahm die Teller und brachte diese in die Küche. Dort holte sie Quark aus dem Kühlschrank den sie schnell in eine Schüssel füllte und gab etwas übrig gebliebenen Saft aus der Dose mit den Cranberries dazu, mischte etwas Zucker hinein und füllte alles in zwei Dessertschalen. Sie legte noch einige Beeren auf die Quarkspeise, stellte die Schalen auf zwei kleine Teller und legte Dessertlöffel dazu. Sie war heilfroh, das ihr die Kochlehrerin in der Schule diesen Trick beigebracht hatte. Dennoch war sie sich im Klaren darüber, das es zu lange war obwohl es keine drei Minuten gedauert hatte dieses Dessert an zu richten. Sie brachte die beiden Teller ins Esszimmer, stellte einen davon vor Andrea und den anderen auf ihren Platz und knickste. Auf ein Zeichen von Andrea setzte sie sich. Schweigend aßen sie die Quarkspeise.
„Bitte geh jetzt in die Küche und mach den Abwasch. Dann gehst du auf dein Zimmer, ziehst dich aus und kommst in die Halle.“
Rebecca schluckte, sie wusste, was nun kommen würde. „Ja Herrin“ sagte sie leise, stand auf und hielt Andreas Stuhl als diese auf stand. Sie räumte den Tisch ab und stellte das Geschirr in die Spülmaschine, die sie gleich ein schaltete. Dann säuberte sie die Küche und ging in ihr Zimmer. Sie zog die Tunika aus und ging in die Halle. Dort stellte sie sich mit dem Gesicht zur Eingangstür in die Mitte des Raumes, legte die Haare über die Schulter nach vorne, stellte die Beine etwas auseinander, verschränkte die Hände im Nacken und wartete.
Die Tür zum Salon öffnete sich nach einigen Minuten und Andrea kam heraus. Sie stellte sich neben Rebecca, die den Blick auf die Eingangstür gerichtet hatte. „Es ist keine Schande zuzugeben das du das Dessert vergessen hast. Aber jemanden unnötig lange und ohne Erklärung warten zu lassen ist ungehörig.“
„Ja Herrin, es tut mir leid. Das wird nicht wieder vorkommen.“
„Natürlich wird es das nicht. Ich nehme an, du weißt, was jetzt kommt. Ich erwarte nicht, das du mit zählst. Aber du wirst stehen bleiben ohne dich vom Fleck zu bewegen.“ ohne ab zu warten öffnete Andrea ihren Gehstock, zog den Rohrstock der am Griff befestigt war heraus und verpasste Rebecca den ersten Schlag einmal quer über den Hintern. Rebecca biss die Zähne zusammen und bewegte sich nicht. Der zweite Schlag folgte sofort. Nach dem dritten Schlag dachte Rebecca „Zum Glück nur auf den Hintern.“
Beim siebten Schlag schwankte sie etwas, blieb aber stehen ohne die Füße vom Fleck nehmen zu müssen. Auch bei den nächsten drei Schlägen schwankte sie leicht. Sie musste sich zusammen reißen um nicht vor Schmerzen zu stöhnen oder zu schreien. Als Andrea nach dem zehnten Schlag den Stock wieder zusammen steckte dachte sie sich „Wenigstens hat sie keinen Stuhl genommen.“ Sie musste unwillkürlich lächeln als sie sich mit einem „Vielen Dank Herrin, ich verspreche das es es nicht wieder vor kommt.“ bedankte.
Andrea bemerkte ihr Lächeln, beschloss aber nicht danach zu fragen. „Im Schrank in deinem Badezimmer findest du ein Badesalz, das entspannt die Haut etwas. Und danach nimmst du die Salbe, die sich ebenfalls in dem Schrank befindet. Geh jetzt nach oben.“ Rebecca nahm die Arme herunter und die Beine zusammen.
Sie knickste und sagte „Ich wünsche ihnen eine gute Nacht Herrin.“ Dann ging sie zur Treppe.
„Ich hätte vermutet, das du anfängst zu schreien oder darum zu bitten das ich auf höre. Ich glaube immer mehr, das du eine sehr gute Serva bist.“ sagte Andrea als sie gerade vor der Treppe war.
Sie drehte sich um, knickste noch einmal und sagte „Danke Herrin.“ Sie sah, das Andrea lächelte. Dann ging sie nach oben und ließ sich ein warmes Bad mit dem Badesalz ein welches sie im Schrank fand. Andrea hatte recht, die Schmerzen ließen recht schnell nach als sie in die Wanne stieg. Sie bleib eine Weile im warmen Wasser und schloss die Augen. Wieder einmal wanderten ihre Hände zwischen ihre Beine, wurden dort aber von dem Stahl des Gürtels auf gehalten. Sie wünschte sich diesen jetzt mehr als vorher weg. Sie wunderte sich über sich selbst denn die Schläge hatte sie noch mehr erregt als sie es vorher bereits durch den Gürtel und die Unmöglichkeit sich selbst zu berühren war. Frustriert lahm sie die Hände nach oben und döste irgend wann ein. Als sie auf wachte war das Wasser schon reichlich kühler geworden. Schnell stieg sie aus der Wanne, trocknete sich ab und rieb sich den schmerzenden Hintern mit der Salbe ein. Die Salbe kühlte ihre geschundene Haut, es war ein gutes Gefühl als die Schmerzen ein wenig nach ließen. Sie zog sich ein Nachthemd an und bevor sie sich ins Bett legte tippte sie auf ihr Comm und sagte „Einen Wecker, jeden Morgen um sechs Uhr dreißig.“ Das Comm vibrierte kurz zur Bestätigung. Sie legte sich ins Bett und schlief sofort ein.
13. RE: Neue Horizonte - 2

geschrieben von Trucker am 16.05.17 09:09

Super schön weiter geschrieben. Und immer so schön ausführlich,dass man sich das ganze auch super vorstellen kann. Freue mich schon auf die nächste Fortsetzung.
14. RE: Neue Horizonte - 2

geschrieben von HeMaDo am 20.05.17 18:08

Isabella stieg aus dem Aufzug und ging ohne zu klopfen in das Büro. „Hallo Linda.“ sagte sie und winkte der Frau hinter dem Schreibtisch kurz zu. Ohne auf zu sehen bearbeitete diese weiter mit verbissenem Gesicht ihre Tastatur. Sie deutete mit der Linken knapp auf die Tür hinter sich und nickte ohne auf zu sehen.
Isabella durchmaß das riesige Vorzimmer und ging auf die Tür schräg hinter Lindas großem Schreibtisch zu.

Dr. Emylia Maria Kroll
Geschäftsführerin


stand auf dem kleinen Schild neben der Tür. Isabella klopfte und ging ohne eine Antwort ab zu warten in das ziemlich kleine Büro. Ohne ein Wort zu sagen fläzte sie sich in den Sessel vor dem Schreibtisch, nahm sich einen Zigarillo aus der Schachtel die dort lag und zündete sich diesen an. Sie beobachtete die Frau hinter dem Schreibtisch die ebenfalls auf der Tastatur die vor ihr stand wild herum tippte. Heute trug sie ein dunkelblaues T-Shirt mit der Aufschrift „proud member of the mile high club“.
Als von draußen ein lauter Jubelschrei zu hören war schob Emylia die Tastatur von sich weg „Hallo Isabella. Gut eingelebt?“
„Bis auf die kleine Panne mit dem Transporter ja. Ich bin froh das wir endlich wieder in ordentlichen Betten schlafen können.“
„Das freut mich. Aber deshalb bist du sicher nicht hier.“
„Nein.“ Isabella kam sofort auf den Punkt und legte ein Pad auf den Schreibtisch. Emylia nahm es auf und schaute sich die Akten die auf diesem zu sehen waren durch. „Ich habe ein ganz ganz mieses Gefühl bei den Beiden.“ sagte Isabella und deutete auf das Pad.
„Das glaube ich dir. Aber was willst du machen?“ Emylia tippte etwas auf dem Pad und an der Wand neben dem Schreibtisch erschienen die Schulakten von Georgia und Kim. Dazu noch ein gutes Dutzend andere Akten von Frauen die Isabella nicht kannte. „Es hat nie irgend welche Auffälligkeiten gegeben. Keine dieser Frauen hat sich irgend wo beschwert und die leben offenbar alle dort.“ Sie tippte erneut auf dem Pad herum und eine weitere Akte erschien auf der Wand. „Valeria Baroness von Fähenberg.“ sagte Emylia „Es gibt nichts aussagekräftiges über sie. ’91 als Serva in das Schloss gekommen und vor neun Jahren frei gelassen worden. Als die Baronin vor sechs Jahren gestorben ist hat sie das Anwesen als Treuhänderin verwaltet. Seit drei Jahren lebt sie offiziell nicht mal mehr auf dem Schloss sondern in einer Wohnung in Dresden. Sie taucht immer mal wieder auf Auktionen auf und kauft dort meistens zwei Serva. Das letzte mal waren es deine beiden Schülerinnen und vor einem Jahr zwei in Hamburg.“
„Sie lebt nicht auf dem Schloss? Aber wer hat dann das Sagen dort?“ hakte Isabella nach.
„Das weiß ich nicht. Es gibt nur eine freie Frau dort.“ eine der Akten rückte in den Vordergrund „Merlina Hill, ehemalige Bankkauffrau aus London. Wegen Unterschlagung verurteilt und vor drei Jahren freigelassen. Sie lebt seit gut 15 Jahren auf dem Schloss. Das Einzige was ich sonst noch gefunden habe ist das hier.“ Erneut tippte Emylia auf dem Pad herum. Die Akten verschwanden und einige Zeitungsberichte und Meldungen von diversen Nachrichtenagenturen erschienen auf der Wand.
„Ponyrennen? Dressurwettbewerbe?“ Isabella schaute verwirrt über die Meldungen. „Die haben ein Gestüt?“
Emylia schaute verwundert zu Isabella und begann dann zu lachen. Als sie sich wieder gefasst hatte nahm sie sich selbst einen Zigarillo, steckte ihn an und tippte wieder auf das Pad. Nun erschienen verschiedene Bilder auf der Wand. Isabella klappte die Kinnlade herunter. Es waren allesamt Bilder von jungen Frauen die seltsame Anzüge mit Pferdemuster trugen und geschirrt waren wie Pferde, mitsamt Trense und Zügeln und gab Bilder von Frauen die stolz irgend welche Pokale in die Luft hielten.
„Das ist doch pervers.“ sagte Isabella.
Emylia schaute sie kopfschüttelnd an. „Blödsinn, da ist überhaupt nichts perverses dran. Das sind alles Agenturmeldungen die ganz offiziell in den Nachrichten kommen würden wenn es mehr Leute interessieren würde. Das sind anerkannte Sportarten. Wir haben hier auch zwei Teams die bei sowas mit machen und auf den Wettbewerben gibt es sogar Kinderbespaßung und es gibt Sponsorenverträge, Werbekampagnen und von den beliebtesten Teams gibt es sogar sowas hier.“ Auf der Wand erschienen Bilder von Plastikpuppen die eben so wie diese Frauen gekleidet waren.
„Ich fasse es nicht. Davon hab ich ja noch nie was gehört.“ sagte Isabella staunend.
„Das liegt einfach daran das sowas kaum jemanden interessiert und auch nur alle vier Jahre mal im Fernsehen gezeigt wird wenn die Weltmeisterschaften haben.“ sagte Emylia lachend.
„Dann geht auf dem Schloss also alles mit rechten Dingen zu? Ist es das was du mir damit sagen willst?“
„Das weiß ich nicht. Diese Gerüchte die im Umlauf sind gibt es ja nun nicht erst seit gestern. Und mein Vater sagt immer das hinter einem Gerücht immer auch ein Funke Wahrheit steckt.“ Emylia zog an ihrem Zigarillo und blies den Rauch in die Luft. „Wenn du willst dann schnappen wir uns einen Flieger und besuchen deine Schülerinnen mal.“
„Und du meinst das die uns so einfach alles zeigen was da so passiert? Die werden uns mit den Beiden sprechen lassen und das war’s auch schon, wenn sie uns nicht gleich wieder hochkant raus werfen.“ Isabella drückte den Zigarillo wütend im Aschenbecher aus.
„Was willst du sonst machen? In einer Nacht und Nebenaktion hin fahren, einbrechen und die Beiden da raus holen?“
Isabella sah auf „Ja, warum nicht?“
„Du bist doch verrückt. Im besten Fall ist sowas Einbruch und im schlimmsten kann sowas als Freiheitsberaubung ausgelegt werden.“ sagte Emylia.
„Wenn ich recht habe werden die garantiert nicht die Polizei rufen. Und ich bin mir sicher das die irgend was zu verbergen haben. Sonst würden sie nicht so geheimnisvoll machen. Außerdem, du willst doch selber auch wissen was da läuft, das sehe ich dir doch an. Du kannst diese Baroness doch selber nicht leiden.“
„Das hat andere Gründe. Und wenn es da nichts gibt was einen Solchen Aufstand rechtfertigen würde?“ Emylia sah sie eindringlich an.
„Dann gebe ich ganz offiziell zu das ich mich geirrt habe und verliere nie wieder auch nur ein Wort darüber.“
„Also gut.“ Emylia zuckte mit den Schultern. „Dann treffen wir uns um 16 Uhr bei mir. Zieh dir was unauffälliges an und ich sorge dafür das wir da hin kommen.“
„Ich Danke dir.“ sagte Isabella. Sie stand auf und verließ das Büro.

- - -

Nach dem Mittagessen, Maja und Frida waren gerade dabei die Küche auf zu räumen kam Isabella herein. Sie war komplett schwarz gekleidet.
„Wo willst du denn hin Herrin?“ fragte Maja erstaunt als sie ihren Aufzug sah.
„Ich will wissen was mit Kim und Georgia los ist. Ich hab ein ganz blödes Gefühl dabei das die Beiden bei dieser Baroness sind.“ gab Isabella zurück.
„Kann ich mit Herrin?“ fragte Frida.
„Nein. Du bleibst schön hier Ich muss das alleine machen.“ sie nahm Beide kurz in die Arme und verabschiedete sich mit einem Kuss von Maja. Dann verließ sie ohne noch etwas zu sagen die Wohnung. Maja und Frida schauten ihr hinterher.
„Wenn sie da hin geht, dann sicher nicht alleine.“ sagte Maja nachdem die Tür ins Schloss gefallen war „Ich wette, Emylia geht auch mit.“
Frida nickte nur und schaute sie besorgt an. „Und was sollen wir jetzt machen?“
„So wie sie aussieht wird das kein offizieller Besuch. Und soweit ich weiß war sie heute Vormittag bei Emylia.“ sagte Maja. Sie ging ins Schlafzimmer und kramte in einem Schrank herum. Frida stand schüchtern in der Tür und beobachtete sie.
„Meine Güte Frida, steh nicht wie ein waidwundes Reh in der Tür. Komm endlich rein.“ sagte Maja und holte eine längliche, flache Kiste aus dem Schrank.
„Aber ich kann doch nicht ...“ begann Frida und wurde von Maja unterbrochen.
„Natürlich kannst du. Meinst du denn ich weiß nicht, daß du schon seit Anfang der Woche jeden Abend da draußen stehst und dich fragst ob du rein kommen sollst oder nicht? Hier, leg das auf den Wohnzimmertisch.“ sagte Maja und gab Frida die Schachtel. Sie kramte noch in einem anderen Schrank und holte einen kleinen Computer hervor. „Und sie weiß das auch. Wir haben schon eine Wette abgeschlossen wann du dich endlich traust.“
Frida starrte sie ungläubig an. „Aber ich… Ich meine Du und sie…“
Maja kam aus dem Zimmer heraus und strich ihr über die Haare. „Hältst du uns denn für blind?“ fragte sie lachend. „Los, komm. Darüber reden wir ein anderes Mal.“ sagte Maja als sie ins Wohnzimmer ging. Dort stellte sie den kleinen Computer auf den Couchtisch neben die andere Schachtel und klappte ihn auf.
„Was machst du da?“ wollte Frida wissen.
„Ich handele mir den größten Ärger meines Lebens ein. Und entweder du bleibst hier und bekommst spätestens morgen genau so den Hintern voll wie ich oder du gehst in dein Zimmer und kannst ohne schlechtes Gewissen sagen du hast nicht gewusst was ich hier mache.“
Frida kniete sich demonstrativ neben Maja und schaute zu was sie tat. „Was ist denn da drinne?“ fragte sie und deutete auf die Schachtel.
„Mach auf, dann weißt du es.“ sagte Maja ohne auf zu sehen und begann auf dem Computer herum zu tippen. Frida öffnete den Deckel der Schachtel und sah zu ihrem großen Erstaunen eine aus braunem Leder geflochtene Peitsche.
„Die ist aus echtem Känguruleder. Soweit ich weiß ist die alles Andere als harmlos.“ erklärte Maja, wieder ohne auf zu sehen.
„Ich dachte, sie hätte nicht mal eine zu Hause? Was hast du damit denn vor?“
„Es ist auch nicht ihre sondern meine, mehr oder weniger. Aber ich habe nichts damit vor. Wenn sie allerdings heraus bekommt, was ich hier mache, und das wird sie auf jeden Fall, dann wird die Peitsche sicher unser geringstes Problem sein. Also denke ich, es ist am Besten du gehst so lange in dein Zimmer.“ sagte Maja. Als Frida keine Anstalten machte auf zu stehen tippte sie noch etwas auf dem Computer und auf dem Bildschirm des Computers erschienen die Schulakten von Kim und Georgia zusammen mit mehreren anderen Akten.
„Was hast du vor?“ fragte Frida.
„Ich brauche nur eine Nummer fürs Comm. Und dann rufe ich da an. Wenn man die offiziellen Nummern anruft dann geht immer nur ein Auftragsdienst ran. Das weiß ich von der Herrin. Die hat das auch schon ein paar mal versucht.“
„Wie willst du das denn schaffen? Die Nummern wirst du doch bestimmt nicht in irgend welchen offiziellen Listen finden.“
„Natürlich nicht.“ Maja warf Frida einen fragenden Blick zu „Weißt du eigentlich wo für ich dreißig Jahre bekommen habe?“
Frida schüttelte nur den Kopf.
Darauf hin tippte Maja etwas auf dem Computer ein und ihre eigene Akte erschien auf dem Bildschirm. Sie zeigte auf eine Zeile unter ihrem Bild. ’Datendiebstahl, Einbruch in gesicherte Datensysteme, Betrug mit gefälschten Daten. Handel mit Drogen, Drogenherstellung, Diebstahl.’ stand in dieser Zeile. „Ich war damals ziemlich gut und habe eine Menge Geld damit gemacht. Aber irgend wann bin ich unvorsichtig geworden und erwischt worden.“ sagte sie mit einem Schulterzucken.
Eine neue Akte erschien auf dem Bildschirm. Das Bild zeigte eine schlanke Frau Mitte dreißig mit schulterlangen, braunen Haaren und einem schmalen Gesicht. ’Merlina Fähenberg, geb. Hill’ stand unter dem Bild und weiter unten auf der Seite fand sich auch eine Commnummer. Maja schrieb diese ab und schaltete den Computer aus.
Beeindruckt schaute Frida sie an. In nicht einmal fünf Minuten hatte sie es geschafft heraus zu bekommen wer die Herrin von Kim und Georgia war und deren private Nummer gefunden.

In dem Moment als Maja auf ihr Comm tippen wollte piepste dieses. Sie tippte darauf und nahm das Gespräch an. „Hallo Miss Dana.“ sagte sie und hielt das Comm ans Ohr.
„Ja, das hab ich mit bekommen.“, „Nein, aber ich denke nicht, daß es sonderlich legal ist was die Beiden vor haben.“, „Das habe ich schon. Ich denke nicht, das es nötig ist wenn noch jemand da mit drinne steckt. Ich bekomme sowieso schon genug Ärger dafür. Da müssen Sie nicht auch noch mit drinne stecken.“, „Nein, das geht in Ordnung. Ich will nur nicht das sie Ärger mit der Polizei bekommen.“, „Ja. Vielen Dank.“
Maja beendete das Gespräch. „Das war Dana, Emylias Frau. Sie macht sich auch Sorgen was die Beiden vor haben.

Dann nahm Maja ihr Comm und wählte die Nummer die sie heraus gesucht hatte.
„Guten Tag Miss, mein Name ist Maja, meine Herrin ist die Lehrerin ihrer beiden Serva, Kim und Georgia.“
Sie sprach eine Weile mit einer Frau am anderen Ende und beendete das Gespräch dann.
„Und was machen wir jetzt?“ wollte Frida wissen.
„Ich bin für Tee.“ sagte Maja, stand auf und ging in die Küche wo sie zwei Tassen Tee kochte. Nachdem sie Wasser aufgesetzt hatte ging sie zurück ins Wohnzimmer und brachte den Computer zurück ins Schlafzimmer. Nur die Schachtel mit der Peitsche ließ sie auf dem Wohnzimmertisch liegen. Dann ging sie wieder in die Küche und machte den Tee fertig. Frida kniete während dessen noch immer neben der Couch und schaute ihr zu. Dann kam Maja mit zwei Tassen Tee aus der Küche und stellte sie auf den Couchtisch.
„Da wir sowieso gerade nichts anderes zu tun haben, wie wäre es wenn wir beiden mal über dich reden?“ sagte Maja und schaute sie aufmunternd an.
„Wo rüber sollen wir denn reden? Du weißt doch alles über mich.“
„Ach? Ich weiß zum Beispiel nicht, was du jeden Abend vor der Tür zum Schlafzimmer machst. Nein, halt, das weiß ich schon, aber mich würde interessieren warum du da stehst, hin und her läufst und immer wieder einen Rückzieher machst.“ sagte Maja während sie ihren Tee um rührte.
„Woher weißt du das? Beobachtet ihr mich etwa?“ fragte Frida erstaunt.
„Eigentlich nicht. Aber ich hab schon am Sonntag Abend den Schatten deiner Füße unter der Tür gesehen. Also hab ich die letzten Tage darauf geachtet. Ein Einbrecher kann es nicht gewesen sein denn dann hätte das Alarmsystem angeschlagen. Und wenn du nur aufs Klo gehen würdest, würdest du ganz sicher nicht jeden Abend eine Stunde oder länger vor der Tür stehen.“
Frida schaute sie überrascht an. Sie hätte nicht gedacht, daß man das so offensichtlich sehen würde.
„Also, warum bist du überhaupt hier?“ fragte Maja.
Frida sah sie kurz an und seufzte tief. „Als ich vor einem Jahr den Monat bei Euch war da habe ich mich das erste Mal irgend wo richtig wohl gefühlt.“
„Und das ist für dich Grund genug dich gleich für ganze fünf Jahre bei uns zu verpflichten? Wenn es nur das ist, wärest du ziemlich blöd.“ gab Maja unverblümt zurück.
„Dann bin ich halt ziemlich blöd.“ sagte Frida trotzig. „Ich weiß doch auch nicht, aber es fühlt sich einfach richtig an hier bei euch zu sein.“ fügte sie leise hinzu.
„Hier, trink mal deinen Tee.“ sagte Maja und gab ihr die Tasse. Frida nahm diese und trank einen Schluck. Maja lehnte sich an der Couch an und schaute sie eingehend an. „Du weißt nicht warum das so sein könnte?“ fragte Maja und sah sie ernst an. Frida schüttelte darauf hin nur den Kopf und sah sie ein wenig hilflos an.
Maja schmunzelte und sagte „Na, du hast ja noch ein paar Jahre um das heraus zu finden. Aber ich hoffe ja, du brauchst nicht so lange.“
„Was ist denn?“ Frida sah sie ein wenig beleidigt an. „Hab ich was lustiges gesagt oder warum lachst du?“
Nun brach es aus Maja heraus und sie lachte laut was ihr wieder einen beleidigten Blick einbrachte. Sie nahm Frida in den Arm und streichelte ihr die Wange „Irgend wie schon, ja.“ sagte sie.

- - -

„Fertig?“ fragte Emylia und sah Isabella an die auf dem Sitz des Copiloten saß. Diese nickte nur. „Na dann.“ Emylia drückte den Schubhebel nach vorne und der Flieger beschleunigte. Die Startbahn vor ihnen wurde immer kürzer und kurz bevor sie deren Ende erreicht hatten zog Emylia am Steuerknüppel. Der kleine Frachtflieger hob ab und gewann schnell an Höhe. Isabella sah Emylia dabei zu wie sie mehrere Schalter betätigte und spürte daß das Fahrwerk einfuhr und die Abdeckungen verriegelt wurden.
„Seit wann kannst du eigentlich fliegen?“ wollte sie wissen.
„Das ist doch nun wirklich kein großes Ding. Viel schlimmer als den Führerschein zu machen ist das auch nicht.“ gab Emylia zurück. Auf einem großen Bildschirm in der Mittelkonsole erschien eine Landkarte und darauf eine geschwungene Linie. Sie drehte den Steuerknüppel ein wenig nach rechts und der Flieger folgte dieser Bewegung. „Sag mir jetzt bitte nicht, daß du Flugangst hast.“
„Nein, hab ich nicht. Aber ich frage mich gerade ob wir das Richtige machen.“
„Du wolltest unbedingt da hin und die Beiden raus holen. Also mach jetzt ja keinen Rückzieher.“ sagte Emylia und beschleunigte den Flieger noch etwas.
„Nein nein. Aber vielleicht wäre es besser wenn du im Flieger wartest. Du musst da nicht mit rein gezogen werden.“
„Blödsinn. Ich will doch auch wissen, was da vor sich geht.“

„Warum bist du eigentlich in die Schule gegangen?“ fragte Isabella nachdem sie ein paar Minuten lang unterwegs waren unvermittelt. „Das hast du nie erzählt.“
Emylia schaute sie fragend an. „Wie kommst du denn gerade jetzt auf so was?“
„Weißt du, Kim ist freiwillig in der Schule gewesen. Sie hat auch nie erzählt, warum.“
„Ich verstehe. Aber nicht jede die freiwillig in der Schule ist hat etwas zu verbergen. Manche wollen einfach nicht darüber reden.“ sagte Emylia und schaute ein wenig abwesend aus dem Fenster.
„So wie du anscheinend.“
„Quatsch. Das ist absolut kein Geheimnis. Nur nichts, was man anderen Schülerinnen unbedingt auf die Nase binden will. Du weißt selbst wie schwer die Anderen es uns anfangs gemacht haben.“ sagte Emylia.
„Ja, ich weiß. Ich war dabei.“
„Siehst du? Und in einer solchen Situation verrät man besser niemandem das man nur deshalb in der Schule ist weil man die eigene Mutter eine Sklavin genannt hat.“
„Du hast was?“ Isabella starrte Emylia unverhohlen an.
„Ich war damals gerade mal 17 und eben mit der Oberschule fertig. Meine Mutter wollte mir mal wieder erklären wie wichtig es ist zu studieren und das ich mich nicht so gehen lassen sollte. Ich hab mich damals lieber mit anderen in der Gegend herum getrieben anstatt einen Studienplatz zu suchen. Den Satz den ich ihr dann an den Kopf geworfen habe werde ich nie im Leben vergessen. Ich hatte ihn kaum ausgesprochen da hat es mir schon leid getan ihn überhaupt gedacht zu haben.“ Emylias Blick war wieder in weite Ferne gerichtet.
„Was hast du ihr denn gesagt?“
„Weißt du, meine Mutter ist eine tolle Frau. Sie musste sich damals ja nicht nur um mich sondern auch noch um ihre damals ein Jahr alte Enkeltochter kümmern. Ich liebe sie wirklich. Aber damals, meine Güte, ich war einfach jung und eine trotzige, verzogene Göre die nur ihr eigenes Vergnügen im Kopf hatte.“ Einen Augenblick lang herrschte schweigen und Isabella schaute sie fragend an. „Ich hab sie angeschrien sie soll mich in Ruhe lassen. Ich hab gesagt ’Du hast mir doch garnichts zu befehlen, du bist doch nur eine Sklavin.’ Ich glaube, das ist das schlimmste, was eine Tochter ihrer Mutter an den Kopf werfen kann.“
Wieder herrschte eine Weile schweigen bis Isabella sagte „Autsch, ich glaube, wenn ich meiner Mutter sowas an den Kopf geworfen hätte, mein Vater hätte mich windelweich geschlagen.“
„Was denkst du denn warum ich mich eine ganze Woche kaum noch aus meinem Zimmer getraut habe. Aber irgend wann musste ich halt mal raus kommen. Ich hab gewartet bis Peter weg war und bin zu den Beiden gegangen weil ich mich bei meiner Mutter entschuldigen wollte. Ich hab geheult wie ein Schlosshund. Es hat sich heraus gestellt, das sie meinem Vater noch garnichts davon gesagt hatte. Dabei hatte ich mich schon darauf vorbereitet die erste Tracht Prügel meines Lebens zu bekommen. Und was macht mein Vater? Er sieht mich nur an, sagt kein Wort und schüttelt mit dem Kopf. Ein paar Tage später, wir sitzen alle beim Abendessen, sagt er ’In drei Tagen hast du Geburtstag. Du kannst dir aussuchen ob du danach aus ziehen willst oder ob du zwei Jahre in die Schule gehst.’ Ich brauchte nicht lange überlegen. Wofür ich mich entschieden habe, weißt du ja.“

Während dem Rest des Fluges schwiegen beide. Nachdem sie noch etwa eine halbe Stunde geflogen waren steuerte Emylia eine Wiese an und betätigte einen Hebel der die Triebwerke in eine senkrechte Position brachte. Dann hielt sie mitten in der Luft an und schwebte einen Augenblick lang in etwa 20 Metern über dieser während sie die Kameras einschaltete. Langsam ließ sie den Flieger auf die Wiese zu sinken und fuhr das Fahrwerk aus. Mit einem leichten Ruck setzten sie auf und sie schaltete sofort die Triebwerke aus.

Emylia löste ihre Gurte und stieg aus dem Pilotensitz. Isabella folgte ihr in den kleinen Frachtraum. Dort holte Emylia zwei bunte Wetterjacken und gab eine davon Isabella während sie die Andere selbst an zog.
„Willst du das wir auffallen wie bunte Gänse?“
„Es ist noch hell draußen Isa. Und wenn wir so rum laufen“ sie deutete auf Isabella „dann fällt das noch mehr auf.“ Nachdem Isabella endlich die Jacke übergezogen hatte gab sie ihr noch einen schweren Rucksack.
„Was ist da denn drinne?“ wollte Isabella wissen.
„Da ist hoffentlich alles drinne was wir brauchen werden.“ Sie öffnete ihren Rucksack und holte mehrere Handschellen heraus.
„Ernsthaft?“ fragte Isabella und sah sie zweifelnd an „Plüschhandschellen? In Pink?“
„Entschuldige bitte aber andere hab ich auf die Schnelle nicht bekommen. Wir stellen nun mal Sexspielzeug her und keine Ausrüstung für militärische Sonderkommandos.“ gab Emylia zurück. Sie holte aus den Seitentaschen des Rucksacks mehrere Rollen Klebeband heraus. „Das ist Bondagetape. Das eignet sich prima zum fesseln. Es klebt nur an sich selber, aber das ziemlich fest und zuverlässig.“ Dann holte sie mehrere Bündel schwarzes Seil heraus. „Seelenloses Baumwollseil. Keine Angst, frisch gewaschen.“
„Gewaschen?“
„Natürlich, das ist aus Danas und meinem privaten Vorrat. Damit hab ich vorgestern...“
„Danke, ich will es garnicht genauer wissen.“ unterbrach Isabella sie entnervt.
Emylia zuckte mit den Schultern und holte zwei unbeschriftete Tuben aus dem Rucksack hervor.
„Und was ist das? Plastiksprengstoff aus der Tube?“
„Blödsinn.“ sie öffnete eine der Tuben und drückte sich etwas davon in den Mund. „Das ist Huhn mit Currysauce.“ Sie verschloss die Tube wieder und legte alles zurück in den Rucksack. Aus der zweiten Seitentasche holte sie ein kleines Gerät, etwas größer als einen Kugelschreiber. Isabella nahm ihr das Teil ab und wollte auf den seitlich angebrachten Knopf drücken. Sofort nahm Emylia ihr das Gerät wieder ab „Finger weg. Das ist ein Laserschneider. Wenn du nicht gerade ein Loch in das Flugzeug brennen willst, solltest du ihn besser nicht hier drinne einschalten. Außerdem hält die Energiezelle gerade mal drei Minuten. Und wer weiß ob wir ihn brauchen werden.

Nachdem alles wieder verpackt war setzte sie ihren Rucksack auf und hieß Isabella es ihr gleich zu tun. Dann holte sie aus einem Staufach ein Pad heraus und schaltete es ein. Auf dem Pad war eine Karte zu sehen auf der ein Pfeil ihren Standort markierte. Mit einem Druck auf einen Knopf öffnete Emylia die Frachtraumtür und stieg aus dem Flieger. Isabella folgte ihr und die Tür schloss sich wieder. Die Beiden gingen geradewegs durch den Wald auf das Schloss zu. Dabei kreuzten sie mehrere Wege und kamen nach etwa 200 Metern an einem Weinberg heraus. Sie gingen diesen einige Meter entlang und bogen dann auf einen anderen Weg ab der direkt in Richtung Schloss führte. Kurz vor dem Schloss machte der Weg eine Biegung und führte zu einem Tor in dem Zaun der das Gelände auf dem sich Schloss befand umgab.
„Ich frage mich ja, wieso jemand so einen massiven Zaun braucht, wenn er nichts zu verbergen hat.“ sagte Isabella und deutete auf das Tor.
„Da muss ich dir vollkommen recht geben Isa. Am Besten ich lasse den Zaun um Horizons gleich Montag abreißen, damit jeder rein kann wenn er will.“ meinte Emylia.
„So war das nun auch nicht gemeint.“ Isabella verzog den Mund zu einem Schmollen und folgte Emylia einige Meter den Weg zurück bis seitlich eine schmale Treppe hinunter auf einen Parkplatz führte. Auf diesem standen einige Leute herum und schienen auf etwas zu warten. Emylia ging zu der Gruppe und fragte einen Mann der etwas abseits stand „Entschuldigen Sie bitte, aber sind wir hier richtig für die Führung?“
„Ja, sind sie. Der Fremdenführer wird gleich hier sein.“ erwiderte der Mann.
Emylia bedankte sich höflich, winkte Isabella zu sich und stellte sich zu der Gruppe.
Es dauerte noch ein paar Minuten bis ein Mann zu der Gruppe kam und alle herzlich im Namen der Baroness von Fähenberg begrüßte. Er stellte sich als Justus Hardt vor und war der Fremdenführer. Nach der Begrüßung begann er sofort damit die Gruppe mit Informationen über das Gebäude neben dem sie standen zu versorgen. Nachdem er einiges über die alte Kellerei erzählt hatte bat er die Gruppe, ihm zu folgen und ging die selbe Treppe hinauf die Isabella und Emylia eben herunter gekommen waren. Er führte sie den Weinberg hinauf und bog dann nach links ab zu einem kleinen, achteckigen Gebäude. Er nannte es das Bellevue und erzählte etwas über dieses Gebäudes das früher eine Kapelle gewesen war. „Der Brunnen, den Sie von hier aus sehen können stellt den Gott Bacchus dar, den römischen Gott des Weines und des Rausches.“ erklärte er und deutete auf eine kleine Wasserfläche vor dem Gebäude. Dann erzählte er über das Schloss welches man von hier aus gut sehen konnte. Er erzählte über einige architektonische Besonderheiten und wollte dann weiter gehen.
„Entschuldigen Sie, aber kann man das Schloss denn auch besichtigen?“ fragte eine Frau. Isabella schaute zu dieser Frau und hatte das Gefühl, sie bereits irgend wo einmal gesehen zu haben.
„Nein meine Dame, das geht leider nicht. Da das Schloss bewohnt ist, ist das nicht möglich.“ antwortete Herr Hardt. „Die Baroness möchte es lieber vermeiden, das jeden Tag einige Dutzend Leute durch ihr Wohnzimmer laufen.
„Na, ich kann mir gut vorstellen daß die das nicht will. Man munkelt ja so einiges über die Baroness.“ sagte die Frau. Sie schien auf Konfrontation aus zu sein und schaute Herrn Hardt herausfordernd an.
Dieser blieb jedoch ruhig und erklärte „Ich kann mir denken, was Sie meinen, aber das sind alles nur leere Gerüchte. Wenn ich Sie nun bitten dürfte, mir weiter zu folgen.“ sagte er und ging den Weg ein Stück zurück.
Doch die Frau ließ sich nicht so einfach abwimmeln und sagte „Sie wissen doch, an jedem Gerücht ist immer auch etwas Wahrheit.“
„Und Sie wissen, das die Menschen gerne Sachen erfinden wenn sie Geheimnisse wittern.“ sagte Herr Hardt ruhig.
„Ich bin mir ziemlich sicher, daß balde an die Öffentlichkeit kommt, was hier gespielt wird. Und das dürfte ganz sicher für die ein oder andere Überraschung sorgen.“ sagte die Frau.
Herr Hardt ging nicht weiter auf die Frau ein und führte die Gruppe nun durch die Weinberge hinauf zu einem anderen, kleinen Gebäude das laut seinen Aussagen früher eine Unterkunft für Erntehelfer gewesen war. Doch nun erfolgte die Lese der Trauben mit Hilfe von Maschinen die die Trauben zur Kellerei brachten und so wurden nun weniger Erntehelfer benötigt die zum größten Teil aus den umliegenden Gemeinden kamen.
Die Frau, sie war in etwa in Emylias und Isabellas Alter und trug auffallend viel und dickes Makeup, versuchte immer wieder das Gespräch auf die Gerüchte zu bringen die über das Schloss im Umlauf waren doch Herr Hardt ging nicht darauf ein. So war die Führung bis sie bei der neuen Kellerei endete auch für Isabella und Emylia recht interessant. Doch außer das die Frau die Gerüchte über das Schloss wiederholt hatte die sie bereits kannten, erfuhren die Beiden nichts was für sie von Nutzen gewesen wäre.

Emylia nahm Isabella nach der Führung bei Seite nachdem die dem Führer, wie auch einige der anderen aus der Gruppe ein gutes Trinkgeld gegeben und sich bei ihm bedankt hatte.
„Und was machen wir jetzt?“ fragte Isabella.
„Wir gehen was essen.“ Emylia deutete auf den Eingang zum Restaurant und ging voraus.
Sie betraten das Restaurant und ließen sich einen Tisch am Fenster geben von dem aus man das Schloss sehen konnte.
„Wie kannst du jetzt ans Essen denken?“ fragte Isabella und schaute Emylia verwundert an.
„Ganz einfach.“ sagte Emylia während sie auf die Bedienung warteten „Ich habe Hunger. Und du solltest vielleicht auch etwas essen.“
„Meinetwegen.“ sagte Isabella und verzog das Gesicht.
Emylia hatte bereits eine Karte in der Hand und schaute sich diese eingehend an. Als die Bedienung endlich kam bestellte sie ohne Isabella zu fragen eine große Winzerplatte und eine Flasche Traubensaft.
Isabella wollte protestieren aber dazu war es bereits zu spät, denn die Bedienung war bereits gegangen. Sie schaute aus dem Fenster und betrachtete das Schloss. „Isabella, was ist denn, wenn wir falsch liegen?“
„Dann werde ich mich ganz offiziell bei der Baroness entschuldigen. Aber erst will ich es mit eigenen Augen sehen.“
„Du lässt nicht locker, wie?“
„Nein, was das angeht ganz sicher nicht.“
„Was hast du eigentlich gegen die Baroness? Ich meine, abgesehen von den Gerüchten gibt es doch nun wirklich nichts, was sie sich hat zu Schulden kommen lassen.“
Emylia, die ebenfalls zum Schloss herüber gesehen hatte drehte sich kurz um und sagte „Das ist eine Sache zwischen ihr und mir. Da werde ich dich ganz sicher nicht mit rein ziehen Isabella. Aber ich habe meine Gründe.“

Isabella zuckte mit den Schultern und schaute wieder zum Schloss. Nach einer Weile brachte die Bedienung zuerst eine Flasche mit rotem Traubensaft und zwei Gläser, schenkte beiden einen Schluck ein und brachte dann das Essen.

„Schön. Und jetzt?“ fragte Isabella nach dem sie gegessen hatten.
„Du, das ganze war deine Idee. Was hattest du denn vor? Wolltest du wie ein Sonderkommando mitten in der Nacht einbrechen und die beiden entführen oder lieber mit einem Panzer vor der Tür stehen und sie dir übergeben lassen? Wenn du die Baroness zur Rede stellen willst, ich hab leider keine Waffen dabei und einen Panzer müsste ich erst besorgen. Das dauert aber mindestens eine Woche.“
„Red doch keinen Blödsinn, ich will nur endlich wissen, was hier wirklich vor sich geht.“ sagte Isabella. „Ja, vielleicht war es wirklich eine sehr dumme Idee hier her zu kommen. Vielleicht habe ich wirklich überhaupt keine Ahnung was ich machen wollte wenn ich erst mal hier bin. Aber irgend was geht hier vor, da bin ich mir sicher. Und irgend was muss ich doch tun. Ich habe die beiden immerhin zwei Jahre lang unterrichtet und ob du es mir glaubst oder nicht, ich mache mir Gedanken um meine Schülerinnen. Und zwar um alle.“
„Also ich bin mir auf jeden Fall gerade sehr sicher, das du als Schulleiterin deine Arbeit gut machen wirst. Aber du kannst nicht alle zu dir nehmen so wie Frida. Aber wenn es dich beruhigt und bevor du wegen ihr auch noch ein ungutes Gefühl bekommst, diese kleine, Larissa heißt sie glaube ich, ist auf Horizons. Da brauchst du keine Geheimaktion draus zu machen wenn du wissen willst, wie es ihr geht. Bei ihr reicht es, einfach ein Haus weiter zu gehen und zu klingeln.“
„Was?“ rief Isabella aus. „Woher weißt du das denn?“
„Na was denkst du denn? Erstens bin ich die Chefin auf Horizons und weiß über alle die dort wohnen Bescheid oder kann mir zumindest wenn es nötig ist die Akten ansehen und zweitens“ sie machte eine kurze Pause „habe ich mit Johanna, ihrer Herrin, gestern erst gesprochen. Sie ist in unserer Entwicklungsabteilung. Wir treffen uns sonntags immer zum Karten spielen. Wenn du willst, dann kommst du übermorgen vorbei und kannst mit ihr reden.“
„Oh toll.“ rief Isabella aus „Wieso weißt du mehr über meine Schülerinnen als ich selbst?“
„Ganz einfach. Ich bin öfter mal bei Miss Wilhelmina. Und wir sprechen nicht nur über unser Projekt oder über das meines Bruders sondern auch mal über ganz belanglose Dinge. Außerdem, warum sollte eine Lehrerin so viel über den Verbleib ihrer Schülerinnen wissen? Die Meisten wissen, das sie sowieso nichts machen können und fragen deshalb garnicht erst. Und die Einzige, die sich so für ihre Schülerinnen einsetzt sitzt irgend wann in einem Restaurant und weiß nicht, was sie machen soll.“
„Ja, toll, werf mir das doch noch vor.“ gab Isabella beleidigt zurück. Dann sah sie Emylia an und fragte „Was denn für ein Projekt eigentlich?“
„Als ob das im Moment so wichtig ist. Das erkläre ich dir, wenn wir wieder zu Hause sind bei einem Glas Wein. Jetzt lass uns da rein gehen. Ich hab keine Lust hier zu warten bis es dunkel wird.“

„Rein gehen?“ fragte Isabella ungläubig als sie vor einem schmiedeeisernen Tor standen und Emylia auf den Klingelknopf gedrückt hatte „Einfach so klingeln? Was Besseres fällt dir nicht ein?“
Emylia wollte gerade etwas antworten als eine Stimme aus dem Lautsprecher der Sprechanlage ertönte „Ja bitte?“
„Hier sind Isabella Becker und Emylia Kroll. Wir würden gerne mit der Baroness sprechen.“ sagte sie statt dessen.
„Einen Moment bitte.“ ertönte die Stimme nach einer kurzen Pause.
„Ich finde, das klingt nach einer guten Idee. Scheint doch zu klappen.“ Emylia deutete auf die Tür des Schlosses sie gerade geöffnet wurde. Jemand kam heraus und auf sie zu.

„Bitte kommen Sie mit, wir haben Sie bereits erwartet.“ sagte die Serva, eine recht kleine Frau mit rotbraunen, schulterlangen Haaren, die ihnen das Tor geöffnet hatte. Sie ging voraus zum Schloss und deutete ihnen ein zu treten. Als sie nach den Beiden die große Eingangshalle betrat in der zu beiden Seiten eine geschwungene Freitreppe nach oben führte, schloss sie die Tür hinter sich und ging dann zu einem, großen Portrait vor dem sie knickste. Dann erst führte sie sie weiter durch einen Raum zwischen dessen Fenstern sich mehrere leere Nischen befanden in einen kleinen aber schönen Wintergarten in dem an einem kleinen Tisch zwei barocke Sofas standen.
„Bitte, nehmen Sie doch Platz, die Freifrau wird in wenigen Minuten bei Ihnen sein. Wenn Sie etwas trinken möchten?“ fragte sie.
„Danke, im Moment nicht.“ sagte Emylia die sich neben Isabella auf eines der Sofas gesetzt hatte. Darauf hin knickste die Frau und ließ sie alleine.
Die Beiden schauten sich um und betrachteten die Pflanzen die auf erhöhten Beeten rund um die Sitzgarnitur wuchsen. Alle waren sehr gepflegt und selbst der Kies welcher den Boden bedeckte war säuberlich zu Streifen gerecht worden die in einem leichten Schwung um die Pflanzen herum führten.
„Moment mal, wieso haben die uns denn erwartet?“ fragte Isabella Emylia. Diese zuckte nur mit den Schultern.

„Ihre Frau war so freundlich Sie anzukündigen Frau Becker. Offenbar hatte sie Angst, das Sie Beide etwas unüberlegtes anstellen würden und hat mich angerufen.“
Isabella drehte sich zur Tür und sah eine Frau in einer prächtig verzierten Tunika mit doppelter Knopfreihe die gerade auf sie zu kam.
Sie und Emylia standen auf und wurden von der Frau statt mit einem Knicks mit einem Handschlag begrüßt. Es war die selbe Serva die Isabella bereits auf der Auktion aufgefallen war. Sie lächelte sie aus grauen Augen freundlich an. „Guten Tag Frau Kroll, Frau Becker, mein Name ist Merle. Bitte nehmen Sie doch Platz. Der Tee wird gleich hier sein.“
Emylia und Isabella setzten sich wieder und die Serva nahm ihnen gegenüber Platz.
„Hätte ich mir ja denken können das die alte Schachtel ihr Schoßhündchen wieder vor schickt.“ murmelte Emylia und fing sich dafür einen schmerzhaften Tritt auf die Zehenspitzen von Isabella ein.
Doch die Frau hatte das gehört. „Ich denke, da Sie hier zu Gast sind sind ihre Beleidigungen unangebracht Frau Kroll.“ sagte sie und blickte Emylia streng an.
„Ich entschuldige mich für Emylia.“ sagte Isabella. „Aber in einem muss ich ihr recht geben, ich würde ebenfalls gerne mit der Baroness sprechen.“
„Ich denke, Sie Frau Becker wollen vielmehr mit ihren Schülerinnen sprechen. Dazu werden Sie gleich Gelegenheit haben. Doch zuerst würde ich vorschlagen trinken wir einen Tee.“
In diesem Moment klopfte es und die Tür wurde geöffnet. Zwei Serva kamen herein. Es waren Kim und Georgia wie Isabella sofort sah. Georgia hielt ein Tablett auf dem unter anderem eine Teekanne und Tassen standen. Die beiden kamen an den Tisch und knicksten. Schweigend aber lächelnd schenkte Kim Tee in eine Tasse, ging um den Tisch und stellte diese vor Isabella ab. Die nächste Tasse stellte sie vor Emylia ab und die letzte vor Merle. Dann stellte sie ein Kännchen mit Milch, eine Schale mit Zitronenscheiben und eine Schale mit Kandis auf den Tisch. Zuletzt stellte sie noch das Tablett mit der Kanne und einer Schale Kekse auf den Tisch. Isabella beobachtete sie dabei eingehend und stellte fest, daß beide ihre Aufgabe sehr gewissenhaft und vorbildlich schweigend verrichteten. Dennoch konnte sie deutlich erkennen daß beide sich sehr anstrengen mussten, sich ein grinsen zu verkneifen.
„Danke ihr Beiden.“ sagte Merle. „Wartet bitte draußen.“ Darauf hin knicksten die Beiden erneut und gingen wieder hinaus.
Sie wandte sich an Isabella „Ich muss sagen, die Beiden sind wirklich ausgezeichnet ausgebildet, trotz ihrer, wie ich gehört habe, recht unkonventionellen Art.“
„Danke.“ sagte Isabella knapp. Am liebsten wäre sie sofort aufgestanden und den beiden nach gegangen.
„Bitte sehr.“ sagte Merle. Sie nahm ihre Tasse und gab einen Schluck Milch hinein. „Ein typisch englischer Tee wie man ihn nur in London bekommt. Der Laden der ihn verkauft war früher königlicher Hoflieferant.“
Während Emylia ihren Tee ebenfalls mit Milch trank, nahm Isabella einen Löffel weißen Kandis und etwas Zitrone, was ihr einen amüsierten Blick von Merle einbrachte.

„Wissen Sie, diese ganzen Gerüchte gehen mir einfach nur auf die Nerven.“ sagte Merle und stellte ihre Tasse auf den Tisch zurück. „Aber ich habe mich mittlerweile damit abgefunden daß man sie nicht so einfach aus der Welt schaffen kann. Ich habe den Beiden gesagt, sie sollen ihnen wenn Sie möchten, jedes Zimmer und jeden Raum im Schloss zeigen. Ich hoffe, daß zumindest Sie Frau Becker dann überzeugt sind, daß hier wirklich niemand im Blut von Jungfrauen badet oder es sogar trinkt.“
„An sowas habe ich eigentlich auch nie gedacht.“ sagte Isabella „Aber ich glaube, in den meisten Gerüchten steckt auch immer ein Funke Wahrheit. Und wenn ich ehrlich bin, dann hatte ich bei den Beiden ein recht ungutes Gefühl als ihre Herrin sie gekauft hat.“
„Und aufgrund eines Gefühls sind Sie hier her gekommen?“ fragte Merle.
„Ja, ich gebe zu, daß das so ist.“
„Nun ihre Sorge um ihre Schülerinnen ehrt Sie. Aber ich kann ihnen versichern, daß ihnen hier garantiert weniger schlimme Dinge widerfahren als wenn sie zu anderen Herrschaften gekommen wären. Wobei, schlimme Dinge, das ist natürlich alles relativ, aber das werden Sie nachher sicher selbst sehen.“ sagte Merle.
Darauf hin sah Isabella sie fragend an. Bevor sie allerdings etwas sagen konnte warf Emylia, die der Unterhaltung zwischen den Beiden bisher schweigend zugehört hatte ein „Also ich würde auf jeden Fall gerne mit ihrer Herrin sprechen.“
Merle sah sie eingehend an und warf einen kurzen Blick zu Isabella. „Das wird nicht möglich sein. Die Freifrau ist vor sechs Jahren gestorben. Seit dem“ sie nahm ihr Halsband ab und legte es demonstrativ auf den Tisch „bin ich hier die Herrin.“ Emylia und Isabella warfen ihr einen erstaunten Blick zu. „Die Freifrau hat mich per Testament adoptiert und vor drei Jahren frei gelassen. Seit dem bin ich Eigentümerin dieses Anwesens und trage den Titel Freifrau.“ erklärte Merle.
„Und was bitte ist mit der Baroness?“ fragte Emylia.
„Die Baroness ist eine gute Freundin und war lange Zeit meine Treuhänderin. Sie Frau Kroll wissen ja, wie das heutzutage mit Adelstiteln funktioniert. Die Baroness bekam von der Freifrau den Titel verliehen um den Stand zu wahren. Seit ich meine Zeit als Serva abgeleistet habe und das Anwesen selbst führe wohnt sie nur noch gelegentlich hier. Sie begleitet mich zu offiziellen Anlässen und unterstützt mich immer noch bei verschiedenen Angelegenheiten.“
„Ich verstehe.“ sagte Emylia und nickte, Isabella hingegen sah sie fragend an.


15. RE: Neue Horizonte - 2

geschrieben von HeMaDo am 20.05.17 18:08

„Wenn Sie möchten Frau Becker, dann können Sie mit ihren Schülerinnen sprechen. Die Beiden zeigen Ihnen das Schloss und das Anwesen wenn sie möchten.“ sagte Merle, oder die Freifrau nach dem sie den Tee getrunken hatten. „Wir beide“ sie deutete zu Emylia „haben vermutlich einige Differenzen zu klären. Das hat meiner Meinung nach schon viel zu lange auf sich warten lassen.“
Isabella hatte gerade das Gefühl heraus komplimentiert zu werden. Sie stand auf und verließ den Wintergarten. In dem Raum da vor traf sie auf Kim und Georgia. Die Beiden knieten nebeneinander auf dem Teppich und sprangen auf als sie den Raum betrat. Die Beiden knicksten und begrüßten sie mit einem „Guten Tag Miss Isabella.“ jetzt versteckten sie ihre Freude, sie wieder zu sehen, nicht mehr. Sie kamen grinsend auf sie zu und umarmten sie. Besser gesagt, Georgia umarmte sie, während Kim sich kurz bei ihr an lehnte, sie hatte beide Hände mit einer kurzen Kette auf dem Rücken gefesselt.

„Ihr braucht vor mir aber nicht mehr zu knicksen.“ sagte Isabella nach dem sie die Beiden ebenfalls begrüßt hatte.
„Des gehört sich aber doch so. Des haben Sie uns doch so beigebracht.“ sagte Kim darauf hin. „Aber was machen Sie denn eigentlich hier?“
„Ja, das stimmt wohl. Ich wollte mal nach sehen, wie es euch Beiden hier so geht.“ antwortete Isabella und schaute die Beiden an.
„Uns geht es prima. Es ist toll hier.“ sagte Georgia. „Sind sie extra deswegen hier her gekommen?“
„Ja, bin ich. Aber wenn es euch hier so gut geht, wieso trägst du dann diese Handfesseln?“ fragte sie Kim
„Naja,“ Kim errötete „weil, des fühlt sich gut an und weil Georgia des gern hat wenn ich die trage. Und außerdem“ nun grinste sie verlegen „des sind doch die von Ihnen.“
„Euch gefällt das?“ fragte Miss Isabella ein wenig erstaunt. Darauf hin nickten die Beiden. Isabella sah die sie an und musste lachen „Dann fehlt ja nur noch die Leine.“ sagte sie.
Georgia sah sie an und zog die Stirn in Falten. Dann grinste sie breit und schaute zu Kim die erneut rot wurde. „Merle hat gesagt, wir sollen Ihnen alles hier zeigen wenn Sie möchten.“ sagte sie.
„Sehr gerne.“ erwiderte Miss Isabella.

Während Sie ihr das Speisezimmer und die Küche zeigten, erklärten ihr Kim und Georgia einige der Regeln und Gepflogenheiten auf dem Schloss die Isabella zwar überwiegend recht seltsam fand aber nicht so schlimm wie sie sich das vorgestellt hatte. In der Küche hingen mehrere Ketten von der Decke herab an deren Enden sich kleine Vorhängeschlösser befanden. Georgia nahm eine der Ketten und zeigte ihr das diese nach gaben wenn man daran zog und bis auf dem Boden in der hintersten Ecke reichten damit man sich an ihnen nicht verletzen konnte wenn man hin fallen sollte. Dann führte sie sie zwei Etagen nach oben wo die Beiden ihr ihr Zimmer zeigten.
„Das Bad teilen wir uns mit Eva und Alessia.“ erklärte Kim. Georgia klopfte an die zweite Tür im Badezimmer und öffnete diese als von drinnen ein „Herein.“ erklang. An einem großen Schreibtisch saß nackt eine ziemlich schlanke Frau mit rotbraunen Haaren.
„Des is Eva.“ sagte Kim. „Eva, des is Miss Isabella, unsere Lehrerin.“
Die Frau drehte sich auf ihrem Stuhl um so weit sie konnte, ihr Halsband war mit einer Kette am Tisch angebunden. Nun bemerkte Isabella das sie einen BH aus glänzendem Stahl trug und etwas das aussah wie eine Unterhose aber ebenfalls aus glänzendem Stahl bestand. Erstaunt starrte Isabella auf diese seltsame Wäsche.
„Entschuldigung das ich nicht auf stehe Miss. Aber wie Sie sehen bin ich etwas kurz angebunden.“ sagte sie und lachte über ihren eigenen Witz.
„Aber warum?“ wollte Isabella wissen.
„Damit ich mich besser auf meine Arbeit konzentrieren kann. Wenn ich dauernd aufstehe, werde ich nie damit fertig. Außerdem ist es hier üblich daß man angekettet ist wenn man nicht gerade irgend etwas erledigen muss wo das hinderlich wäre.“ sagte die Frau.
„Ich verstehe.“ sagte Isabella die langsam eine leise Ahnung davon bekam wie es hier lief. „Und das da?“ fragte sie und deutete auf die seltsame eiserne Bekleidung.
„Das hat Alessia mir angelegt weil ich am Montag einen kleinen Fehler gemacht habe.“ sagte sie. Georgia lachte darauf hin leise. „Ich bin ja gerade richtig froh das ich das alles noch nicht habe. Aber lustig war es trotzdem.“
Kim warf ihr darauf hin einen leicht verärgerten Blick zu. Doch Eva grinste ebenfalls und sagte „Ja, sei froh. Aber das kommt noch.“
Darauf hin ließen sie Eva wieder alleine und gingen den Flur entlang bis zu einer Tür an dessen Ende. Hinter der Tür führte eine Treppe nach oben auf einen riesigen Dachboden. Da es hier außer einigen Kisten und anderen Dingen die nicht so oft benötigt wurden nichts zu sehen gab gingen sie wieder nach unten und Georgia und Kim zeigten ihr das große Wohnzimmer. Hier war offenbar genug Platz für Alle, es gab mehrere Sofas, einen großen Fernseher und am Fenster stand eine Staffelei auf der ein mit einem weißen Tuch zu gedecktes Bild stand. Dieses Wohnzimmer sah, wie auch die Zimmer der Frauen, sehr gemütlich aus und erweckte nicht den Eindruck als würde hier jemand sonderlich gequält werden.

Die Beiden führten sie eine Etage tiefer und zeigten ihr die Gästezimmer und das Zimmer in welchem die Baroness schlief wenn sie im Schloss war. In allen Zimmern waren die Möbel mit Tüchern abgedeckt und alles sah unbewohnt und etwas trist aus. Die ziemlich großen Gästesuiten hatten eine eigene kleine Terrasse und über dem Haupteingang gab es noch einen großen Balkon. Nun ging es wieder ins Erdgeschoss. Den Speisesaal, die Küche und den den Festsaal kannte Isabella bereits. Ebenso wie den kleinen Saal an den der Wintergarten grenzte. Emylia und Merle waren offenbar gegangen. Statt dessen kniete eine Frau in einem der Beete und harkte den Boden um die Bäume herum.
„Das ist Antonia.“ stellte Georgia Isabella die Frau vor die lediglich eine Gärtnerschürze und leichte Handschuhe trug. Sie stand auf und knickste vor Isabella. „Das ist Miss Isabella, unsere Lehrerin.“ stellte Georgia Isabella vor.
„Hallo.“ sagte Isabella und winkte. Die Frau erwiderte freundlich den Gruß und kniete sich dann wieder in das Beet und harkte weiter den Boden und zupfte hier und dort etwas Unkraut aus dem Boden welches sie in einen kleinen Eimer legte.
Zuletzt zeigten Kim und Georgia Isabella noch den roten Salon in dem viele Gemälde an den Wänden hingen. Hier saßen Emylia und die Freifrau in einer Sitzecke und unterhielten sich lachend. Offenbar hatten die Beiden es geschafft ihre Differenzen zu überwinden.
„Miss Isabella.“ sagte die Freifrau freundlich. „Haben Sie alles gesehen was sie sehen wollten?“
„Die Beiden haben mir jetzt wirklich das ganzen Schloss gezeigt. Aber eine Folterkammer habe ich noch nicht gesehen.“ scherzte Isabella.
„Die ist im Keller. Wenn Sie möchten können Sie sich den auch an sehen. Da gibt es sicher die ein oder Andere Überraschung zu sehen.“ sagte die Freifrau und lachte freundlich.
„Es gibt hier tatsächlich eine Folterkammer?“ fragte Isabella erstaunt.
„Allerdings gibt es die. Aber am Besten zeigen sie ihnen die Beiden selbst, damit Sie sich einen Eindruck verschaffen können.“
Erstaunt nickte Isabella und Kim und Georgia führten sie zurück in die Eingangshalle. Dort gab es unter der großen Freitreppe eine schmale Tür hinter der eine weitere Treppe nach unten führte.
Die Beiden zeigten ihr zuerst die großen Vorratsräume. „Scheint so als ob ihr hier ziemlich viel Kartoffeln zu Essen bekommt.“ meinte Isabella als sie mehrere große Holzbehälter sah die randvoll mit Kartoffeln gefüllt waren.
„Eigentlich glaub ich des die eher als Strafe da sind.“ sagte Kim worauf hin Isabella sie fragend an sah.
„Merle hat ihr Montag angedroht daß es die ganze Woche Kartoffeln zu essen geben würde wenn sie sich nicht benimmt und daß sie die dann schälen muss.“ erklärte Georgia worauf hin Isabella lachte. „Vielleicht sollte ich sowas an der Schule auch als Strafe einführen.“ meinte sie.
„Wie ist es eigentlich an der neuen Schule?“ wollte Georgia wissen während sie ihr die anderen Vorratsräume zeigte.
„Ich hab bisher noch nicht all zu viel gesehen. Das wird erst nächste Woche passieren.“ sagte Isabella „Im Moment hab ich ja noch Urlaub, sonst hätte ich es nicht geschafft her zu kommen.“
„Wie geht’s Frida und Maja denn?“ fragte Georgia.
„Denen geht es gut.“ sagte Isabella. „Noch jedenfalls.“ fügte sie leise hinzu.
„Des freut mich. Bestellen Sie ihnen bitte schöne Grüße.“ sagte Kim.
„Das mach ich gerne.“ sagte Isabella. „Aber wo ist denn nun die Folterkammer?“
Kim und Georgia warfen sich einen kurzen Blick zu und nickten. Dann gingen sie weiter und zeigten ihr noch das Schwimmbad, eine kleine Werkstatt und die Waschküche. „Ich glaub, des hier soll die Folterkammer sein. Wäsche waschen is eine ganz fiese Aufgabe. Aber ich glaub sie wollen lieber die da sehen.“ sagte Kim und ging einen kurzen Gang neben der Treppe entlang. Georgia öffnete eine Tür an dessen Ende. Die Drei traten in den abgedunkelten Raum und Georgia schaltete das Licht ein. Isabella sah sich schweigend in dem Raum um. Sie fuhr mit den Händen über die Streckbank und betrachtete die gesamte Einrichtung. Alles war sauber und aufgeräumt. „Das sieht eher nach einem Spielzimmer aus.“ sagte sie grinsend. Sie ging zu einem Schrank mit mehreren kleineren Türen an denen kleine Schilder klebten. „Darf ich?“ fragte sie. Als Georgia nickte öffnete sie eine der Türen und schaute hinein. „Da ist ja garnichts drinne.“ sagte sie.
Georgia trat zu ihr und schaute selbst in den leeren Schrank. Sie schloss die Tür und schaute auf das Schild. Es war ihr eigener Name der dort stand. Dann öffnete sie die Tür daneben auf der Kims Name stand, auch dieses Fach war leer. Nun öffnete sie eine weitere Tür. „Merle“ stand auf dem Schild. Dieses Fach war voll mit jeder Menge Sexspielzeug, darunter einige Dinge von denen Georgia nicht einmal gedacht hätte das sie so etwas je zu Gesicht bekäme. „Meine Fresse ist das Teil riesig.“ sagte sie staunend.
Isabella warf einen kurzen Blick in den Schrank und schloss dann die Tür wieder. „Sei froh, das du nicht mehr meine Schülerin bist. Für so eine Indiskretion dürftest du ein paar Tage Mauerblümchen spielen.“ sagte sie lachend.
Kim schaute zu den Beiden „Ich glaube hier läufst du dafür eher ein paar Wochen so rum wie Eva.“ sagte sie mit einem breiten Grinsen im Gesicht zu Georgia.
„Wenn ich so rum laufen darf, dann darfst du das auch.“ warf Georgia ebenfalls grinsend ein.
Kim warf ihr einen kurzen Blick zu „Entschuldige bitte, ich werd es ihr sicher nich sagen.“
Georgia ließ die Schultern hängen „Nein, das werd ich wohl selbst machen.“

Die Drei verließen das Spielzimmer wie Isabella es genannt hatte wieder und wollten wieder nach oben gehen. „Was ist da denn drinne?“ fragte sie und deutete auf zwei Türen in denen sie noch nicht gewesen waren.
„Da ist glaube ich die Heizung oder so drinne.“ sagte Georgia und öffnete die erste Tür. Tatsächlich befanden sich in diesem Raum mehrere große, graue Schränke mit blinkenden Lichtern an den Türen und es gab eine Unmenge Rohre und Blechrinnen mit Kabeln unter der Decke die in alle Richtungen durch die Wände und die Decke verschwanden. Hinter der nächsten Tür befand sich ein großer, grauer Blechschrank mit einer verglasten Tür in dem sich einige dutzend bunte, dünne Kabel befanden. Auch von diesem Schrank aus verschwanden jede Menge Kabel in der Decke und den angrenzenden Räumen. Außerdem befanden sich hinter einer Glaswand mehrere ähnliche Schränke in denen einige Lichter blinkten. Sie verließen den Raum wieder und gingen zurück nach oben wo sie auf Emylia und die Freifrau trafen.
„Wie gefällt ihnen unsere Folterkammer denn?“ fragte diese.
„Ich hätte es mir tatsächlich schlimmer vorgestellt. Ich glaube, ich muss mich bei Ihnen offiziell entschuldigen.“ sagte Isabella.
„Angenommen.“ sagte die Freifrau. „Ich gebe ja zu, das die Gerüchte sicher einiges dazu beigetragen haben und ich nichts unternommen habe sie richtig zu stellen, aber das ist nun mal sehr schwer so etwas aus der Welt zu schaffen.“
„Warum zeigen Sie nicht allen wie es hier wirklich zu geht?“ fragte Isabella.
„Das hieße, das hier jeden Tag hunderte Menschen durch laufen würden bis endlich alle überzeugt sind, das es hier nicht schlimmes zu sehen gibt. Und darauf haben wir alle ehrlich gesagt keine große Lust.“
„Das kann ich verstehen. Aber irgend wie sollten Sie schon mal versuchen daß richtig zu stellen.“ meinte Isabella.
„Das wäre sicher das Beste. Vielleicht fällt mir ja auch noch ein, wie wir das schaffen sollen. Aber jetzt würde ich Sie gerne erst mal zum Essen einladen.“ die Freifrau deutete auf eine Tür und folgte Isabella und Emylia durch diese in den Speisesaal. Kim und Georgia folgten ihnen und sie stellten sich hinter zwei freie Stühle. Isabella und Emylia taten es ihnen gleich. Die Freifrau ging zu dem Stuhl am Kopfende und wartete bis eine der Frauen ihr den Stuhl hielt. Die Beiden Frauen neben ihnen hielten auch Isabella und Emylia die Stühle.

Die Freifrau eröffnete die Tafel und sie begannen zu essen. Während sie aßen sagte sie zu Isabella „Ich weiß das ihre Frau sicher nicht ganz richtig gehandelt hat, aber Sie sollten es ihr nicht all zu übel nehmen. Sie hat es gut gemeint.“
„Ich habe absolut keinen Grund, mich zu beschweren.“ sagte Emylia lachend während Isabella darauf hin ein wenig verärgert drein sah.
„Was ist denn Miss Isabella?“ fragte die Freifrau.
„Ich muss gestehen daß es tatsächlich schlimmeres gibt als ein angekratztes Ego und im Grunde genommen haben Sie vollkommen recht. Aber wie würden Sie mit einer ihrer Serva verfahren, die so etwas tun würde?“ fragte Isabella. Sie wusste das sie Maja auf jeden Fall bestrafen müsste, auch wenn es ihr schwer fallen würde.
„Wenn man es ganz genau nimmt ist so etwas, auch wenn es gut gemeint war, ein ziemlich schwerer Vertrauensbruch. Da würde sogar mir nichts anderes einfallen als der Rohrstock oder die Peitsche.“ meinte die Freifrau.

„Wenn Sie beide möchten, können sie gerne die Nacht hier verbringen.“ sagte die Freifrau nach dem Essen. „Sie Frau Becker können sich gerne mit den Anderen unterhalten. Wir Beide“ sie deutete zu Emylia „haben ja noch etwas zu besprechen.“
Isabella warf einen kurzen Blick zu Emylia die knapp nickte. „Gerne.“ sagte sie. „Aber ich habe leider keine Sachen zum Wechseln dabei.“
„Das macht nichts. Ich denke, ein Nachthemd und eine Tunika finden sich für Sie Beide schon.“ sagte die Freifrau und hob die Tafel auf. Alle standen auf und verließen das Speisezimmer. Isabella folgte Kim und Georgia in ihr Zimmer wo sie von Georgia eine Tunika bekam welche sie sich im Badezimmer an zog. Kim nahm ihre Sachen und verließ damit das Zimmer.
„Die bekommen Sie morgen früh gewaschen wieder.“ erklärte Georgia.
„Du, das ist aber wirklich nicht nötig.“
„Das macht uns nichts aus. Ich finde es toll, daß sie extra wegen uns hier her gekommen sind Miss.“ sagte Georgia ernst. „Wir können ins Wohnzimmer zu den Anderen gehen, bis es Zeit ist, ins Bett zu gehen.“ schlug sie vor.
„Gerne.“ sagte Isabella und folgte Georgia in das Wohnzimmer welches sie vorhin schon gesehen hatte. Dort saßen bereits einige der Frauen auf Sofas oder knieten davor. Eine der Frauen stand vor der Staffelei und malte. Doch was Isabella etwas überraschte war, daß die meisten der Anwesenden nackt waren. Doch sie meinte nur „Deshalb ist es überall so warm hier.“
„Nehmen Sie doch Platz.“ sagte eine der Frauen freundlich und deutete auf eine frei Couch. Sie setzte sich und Georgia nahm neben ihr Platz. Schweigend beobachtete sie die Frauen. Sie hatte den Eindruck, daß sich alle hier ziemlich wohl fühlten. Einige saßen eng aneinander gelehnt zusammen, während zwei von ihnen ganz unverblümt und ohne Scham nebeneinander lagen, sich küssten und streichelten. Isabella versuchte nicht hin zu sehen doch ihr Blick schweifte immer wieder zu den Beiden.
„Lassen Sie sich von den Beiden nicht stören.“ sagte eine der Frauen, sie stellte sich als Olivia vor. „Sowas ist hier normal. Wir sind hier ziemlich offen, was das angeht.“
„Ich verstehe.“ sagte Isabella und warf Georgia einen fragenden Blick zu. Diese zuckte mit den Schultern und grinste verlegen.
Als nach einer Weile Kim herein kam, stellte sie sich vor Georgia und gab ihr die Handfesseln, welche ihr diese anlegte, dann setzte sie sich neben sie, lehnte sich bei ihr an und schloss die Augen.
Kurz darauf kam eine andere Frau herein, sie hatte Isabella und Emylia vorhin am Tor empfangen, und stellte sich breitbeinig vor ein Regal in dem jede Menge Gesellschaftsspiele standen und fragte „Wer spielt denn mit?“ Sie zog eines der Spiele aus dem Regal und hielt es hoch. Im Nu saßen einige der Frauen um einen Tisch herum und bauten das Spiel auf. „Möchten Sie mit spielen Miss?“ fragte die Frau.
Isabella kannte das Spiel und stimmte zu. Sie setzte sich auf den letzten noch verbleibenden Platz zwischen zwei der Frauen. Sie begannen zu spielen und sich zu unterhalten. Isabella war erstaunt darüber wie selbstverständlich sie in die Unterhaltung mit einbezogen wurde. Später kamen auch Emylia und die Freifrau herein und setzten sich zu ihnen. Emylia und die Freifrau waren anscheinend zum Du übergegangen und sie bot auch Isabella das Du an.

Dann wurde es Zeit, schlafen zu gehen. Merle brachte die Beiden selbst in das Gästezimmer in dem bereits ein großes Bett fertig bezogen war. Dort lagen sogar Nachthemden und Handtücher für sie bereit.

Während Emylia sich ungeniert im Schlafzimmer um zog ging Isabella ins Bad um sich um zu ziehen. Die Beiden legten sich ins Bett und deckten sich zu.
„Fast wie damals in der Schule.“ meinte Emylia und lachte leise.
„Erinnere mich nicht da dran. Und vor Allem, erzähl das ja niemandem.“ sagte Isabella. „Außerdem war das Bett wesentlich schmaler.“ Sie drehte sich mit dem Rücken zu Emylia und schloss die Augen.

„Lass deine Griffel da weg.“ sagte Isabella nach einer ganzen Weile. „Ich bin verheiratet. Und du auch.“
„Wir könnten zusammen ziehen wir vier, dann wird es wirklich wie damals in der Schule.“
„Jaja, dann fehlen nur noch Rebecca und Sarah. Vergiss es und halt deine Finger bei dir.“ murmelte Isabella die einfach nur schlafen wollte.
„Wir könnten Rebecca ja fragen, sie ist seit dieser Woche auch auf Horizons.“
„Sie ist was?“ Isabella setzte sich gerade hin und sah Emylia an „Warum hast du davon denn nichts gesagt?“
„Weil ich es selbst erst gestern erfahren hab. Dann würde nur noch Sarah fehlen.“ sagte Emylia. Ihre Stimme wurde leise und klang etwas wehmütig.
„Danke. Jetzt kann ich nicht mehr schlafen.“
„Ich auch nicht.“
„Na du musstest ja von Sarah anfangen.“ sagte Isabella.
Die Beiden unterhielten sich noch eine Weile über ihre Schulzeit und schliefen irgend wann ein.

- - -

Am anderen Morgen wurden die Beiden von einer der Frauen geweckt. „Wenn Sie mit laufen möchten, gebe ich ihnen Sportsachen.“ sagte die Frau. Isabella nickte nur stumm und ließ sich die Sachen geben während Emylia es vor zog in der Zeit ein Bad zu nehmen. Mit leichten Kopfschmerzen folgte Isabella der Serva, sie hatte sich ihr als Alessia vorgestellt, nach unten wo bereits mehrere der Frauen in der Halle warteten. Als endlich alle anwesend waren liefen sie los.

Die frische Luft tat Isabella gut und als sie nach einer halben Stunde wieder im Schloss an kamen waren die Kopfschmerzen so gut wie fort. Als sie das Schloss betraten sah sie die Frauen vor einem Gemälde, einem Portrait einer älteren Frau knicksen bevor sie nach oben gingen.
„Das brauchen Sie nicht tun.“ erklärte Merle die ihren fragenden Blick bemerkt hatte „Das ist meine Vorgängerin, die letzte Freifrau von Fähenberg.“
Isabella schaute den Frauen zu, bei dieser Geste kam ihr Sarah wieder in den Sinn. Sie ging, nachdem die Anderen bereits auf dem Weg nach oben waren zu dem Portrait und knickste, dann ging sie selbst nach oben wo sie sich duschte und an zog. Emylia war anscheinend bereits nach unten gegangen. Also beeilte sie sich und ging als sie fertig war ebenfalls nach unten wo Emylia tatsächlich bereits im Speisesaal stand und sich mit einer Frau unterhielt. Sie sah genauer hin und erkannte die Baroness die heute statt dem barocken Kleid welches sie sonst trug in einen schlichten Hosenanzug gekleidet war.
„Es freut mich, das wir es endlich geschafft haben unsere Differenzen nieder zu legen Frau Kroll.“ sagte die Baroness gerade als Isabella zu den Beiden ging.
„Guten Morgen Miss Isabella.“ begrüßte die Baroness sie mit einem Handschlag.
„Guten Morgen Frau Baroness.“ sagte Isabella. „Ich muss mich wohl ebenfalls bei Ihnen entschuldigen. Ich habe mich davon überzeugen können das die Gerüchte die ich gehört habe nicht der Wahrheit entsprechen. Es tut mir leid, daß ich sie und die Anderen hier deswegen alle vorverurteilt habe.“
„Dann bin ich ja zufrieden.“ sagte die Baroness. „Also schwamm drüber.“
Isabella nickte lediglich und beobachtete die Frauen die herein kamen und sich hinter die Stühle am Tisch stellten. Drei der Plätze neben dem Kopfende blieben jedoch frei. Außerdem fehlte Kim, wie sie erstaunt feststellte. Hinter einen der Stühle stellte sich Merle und die Baroness ging zu dem Stuhl am Kopfende. Sie selbst und Emylia stellten sich hinter die beiden freien Stühle und setzten sich als zwei der Frauen ihnen die Stühle hielten. Auch die Baroness, der Merle den Stuhl zurecht rückte setzte sich nun und eröffnete die Tafel.
„Wo ist denn Kim?“ fragte Isabella.
Eine der Frauen, Isabella glaubte, sie hieß Eva, sagte „Kim geht es gerade nicht so gut. Alessia ist bei ihr.“
Isabella sah zu Georgia die auch einen etwas unglücklichen Eindruck machte und schaute sie fragend an. Darauf hin zuckte Georgia nur knapp mit den Schultern.

Nachdem alle gegessen hatten nickte die Baroness und mehrere der Frauen, unter ihnen auch Merle rutschten unter den Tisch. Einen Augenblick später tauchte allerdings Georgia wieder auf und setzte sich wieder. Sie sah etwas verlegen zu Isabella und zuckte mit den Schultern.
„Was passiert denn jetzt?“ fragte Isabella und schaute fragend zur Baroness.
„Warten Sie ab.“ sagte diese mit einem Grinsen im Gesicht.
Isabella schaute sich erwartungsvoll um und sah dann was gerade passierte. Die Frauen die noch saßen hatten die Augen geschlossen und einige pressten die Lippen zusammen. Isabella schaute zu Georgia die die Hände zu Fäusten geballt, still auf ihrem Platz saß. Es dauerte einen Moment bis Isabella begriff, was sie hier ab spielte. Fasziniert beobachtete sie das Schauspiel und sah das die Baroness ebenfalls zu den Frauen blickte. Emylia hingegen trank ihren Kaffee und bemühte sich aus dem Fenster zu sehen. Es dauerte nicht lange da begann eine der Frauen leise zu stöhnen. Die Anderen fielen nach und nach mit ein und als nach einigen Minuten die erste zitternd und zuckend am Tisch saß dauerte es nicht lange bis dieses Schauspiel auch wieder vorüber war und die anderen Frauen wieder unter dem Tisch hervor kamen. Sie bemerkte, das Merle Georgia an sah, ihr zu zwinkerte und sich die Lippen leckte. Diese senkte darauf hin den Blick und schaute etwas verlegen auf ihren Teller.

Nach dem Frühstück war auch Georgia verschwunden kam jedoch Hand in Hand mit Kim eine weile später in den Wintergarten wo Isabella und Emylia warteten. Beide sahen recht entspannt aus und lächelten.
„Was war denn los?“ wollte Isabella wissen.
„Wir hatten heute Morgen ein paar Probleme.“ sagte Georgia.
„Ja, des weil ich hab mich echt doof benommen vorhin.“ erklärte Kim.
„Nein, hast du nicht. Du hast dir einfach Gedanken gemacht und ich hab das nicht gemerkt.“ gab Georgia zurück.
„Ja, trotzdem hätt ich des in der Dusche nicht machen sollen.“ sagte Kim und schaute sie entschuldigend an.
„Na ihr Beiden seid mir vielleicht ein Pärchen.“ sagte Isabella lachend.

Die Beiden zeigten Ihr und Emylia noch den Garten, den Gewölbekeller und einen Teil der Kellerei. „Ohne Eva dürfen wir da nicht rein.“ sagte Georgia. „Aber ich glaube, die darf im Moment auch nicht.“ fügte sie grinsend hin zu und erntete einen bösen Blick von Kim.
„Ja, weil ihr euch betrunken habt.“ sagte Kim, den Blick noch immer zu Georgia gerichtet.
„Betrunken?“ fragte Isabella.
Georgia sah sie etwas verschämt an. „Jaaa. Eva hat mir die Kellerei gezeigt und musste den Federweißen probieren. Und das waren eben so viele verschiedene und sie hat mich auch ein Bisschen probieren lassen.“
„Von wegen ein Bisschen. Die Beiden waren richtig betrunken.“ sagte Kim.
„Soso, eine Serva die sich betrinkt.“ meinte Isabella lachend. „Ich kann nur hoffen, das euch die Freifrau dafür ordentlich bestraft hat.“
„Ja, hat sie Miss.“ sagte Georgia nun kleinlaut.
„Na, dann bin ich ja beruhigt.“ Isabella lachte noch immer als sie sich auf den Weg zurück zum Schloss machten, wo es balde Mittagessen geben sollte.

„Frau Becker, Frau Kroll,“ sagte die Baroness nach dem Mittagessen „Am nächsten Wochenende findet hier wie jedes Jahr das Weinfest statt. Ich würde mich freuen, wenn Sie und ihre Familien uns da besuchen würden.“
„Sehr gerne.“ antwortete Emylia ohne Isabella Gelegenheit zu geben etwas zu sagen.

Nach dem Essen unterhielt sich Isabella noch eine Weile mit Kim und Georgia und erfuhr von ihnen daß die Sache die am Morgen nach dem Frühstücken passiert war offenbar nicht das Einzige war was hier etwas gewöhnungsbedürftig war und das Kim sich deshalb Sorgen gemacht hatte, weshalb sie nicht zum Frühstück gekommen war. Sie unterhielten sich noch bis zum Tee mit den Beiden während Emylia noch etwas mit Merle und der Baroness besprechen wollte. Nach dem Tee verabschiedeten sie sich und machten sich auf den Weg, zurück zum Flugzeug.

- - -

Ein paar Stunden später saß Isabella nachdenklich neben Emylia im Cockpit und beobachtete sie dabei wie sie das Flugzeug startklar machte. Georgia, Merle und Paula, deren Frau, standen auf der Wiese und winkten als der Flieger ab hob. Lediglich Kim stand still neben Georgia und rührte sich kaum, sie trug wieder die Handfesseln und konnte so natürlich nicht winken.

„Was denkst du?“ fragte Isabella nachdenklich als sie in Richtung Westen flogen und die Sonne hinter dem Horizont verschwand und feuerrot leuchtende Wolken zurück ließ.
„Also ich fand es nicht mal so schlecht, wenn alles gut geht, komme ich mit Merle ins Geschäft, sie kommt in ein paar Tagen mal vorbei um sich ein paar Sachen an zu sehen.“ sagte Emylia.
„Du bist eine Krämerseele.“ erwiderte Isabella. „Ich meine wegen dem Schloss und den Gerüchten. Außerdem habe ich gerade keine Ahnung was ich mit Maja machen soll.“
„Also,“ sagte Emylia und holte tief Luft „Ich denke im Schloss geht wirklich alles mit rechten Dingen zu, gequält wird da ganz bestimmt niemand, jedenfalls nicht gegen ihren Willen. Und deine Sorge um deine Schülerinnen war vollkommen unbegründet. Was du mit Maja anstellen sollst, kann ich dir allerdings auch nicht sagen.“
Isabella schaute Emylia eine Weile an und meinte dann „Du bist furchtbar, sowie du ein Geschäft machen kannst vergisst du alles Andere.“
„Blödsinn. Das hat damit mal überhaupt nichts zu tun. Sie hat es gut gemeint und wollte nicht, das du Probleme bekommst. Wie wäre es, wenn du einfach mal mit ihr redest? Und wenn du sie unbedingt bestrafen willst, dann lass dir was einfallen. Miss Wilhelmina hat gesagt du würdest dir lieber irgend welche kreativen Bestrafungen einfallen lassen als eine Schülerin zu schlagen. Mir persönlich gefällt das wesentlich besser, was mit ein Grund war das du die Stelle bekommen hast.“

- - -

„Sind in etwa 20 Minuten zurück. Ich soll dir ausrichten, du sollst dich schon mal auf was gefasst machen.“ las Maja auf ihrem Comm. Die Nachricht war von Emylia.
Maja schluckte und zeigte Frida die Nachricht. Während sie aus dem Fenster schaute und darauf wartete das Isabella zurück kam trat sie nervös von einem Bein aufs Andere. Frida kniete mit geschlossenen Augen mitten im Wohnzimmer und machte Atemübungen um sich zu beruhigen. ’Wie ironisch das ausgerechnet Herrin Isabella mir diese Technik beigebracht hat’ dachte sie.
„Sie kommt.“ sagte Maja leise. Sie zog ihre Tunika aus, nahm die Bullenpeitsche aus dem Karton und kniete sich neben Frida. Die Peitsche nahm sie in beide Hände und hielt sie vor sich, bereit diese Isabella zu geben wenn sie herein kam. Frida öffnete die Augen und sah zu Maja. Sie zog ebenfalls ihre Tunika aus und kniete sich wieder neben sie.
„Hör mal, du musst das nicht machen. Es reicht wenn ich den Rücken voll kriege. Du hast ja außer zu sehen nichts getan.“ sagte Maja.
„Ich war dabei und ich hab dich nicht daran gehindert. Das reicht doch schon.“ gab Frida zurück.
Noch ehe Maja etwas erwidern konnte öffnete sich die Tür zum Flur und Isabella kam herein.
Sie schloss die Tür hinter sich und sah daß im Wohnzimmer Licht brannte. Als sie herein kam sah sie die Beiden nebeneinander mit den Gesicht zur Tür vor dem Couchtisch knien.
„Auch du Frida?“ fragte sie.
„Ja Herrin ich...“ sagte Frida. Doch Isabella unterbrach sie mit einem „Pssst.“
„Es ist allein meine...“ fing nun Maja an doch auch sie wurde mit einem „Pssst.“ von Isabella unterbrochen. Diese ging in die Küche und kam mit einer Flasche Bier zurück. Sie ging an den Beiden vorbei ohne ein Wort zu sagen. Sie hörten wie sie sich auf die Couch fläzte und offenbar die Füße mit samt Schuhen auf den Tisch legte, was Maja mit einem Stirnrunzeln kommentierte wie Frida aus den Augenwinkeln mit bekam. Dann schaltete sie den Fernseher ein und begann sich eine Science-fiction-Serie an zu sehen die mindestens 400 Jahre alt war. Maja hasste solche Serien. Sie fragte sich wie solche alten Kamellen es überhaupt geschafft hatten den Krieg zu überdauern. Obwohl ihr langsam die Arme schwer wurden blieb sie bewegungslos knien und hielt die Peitsche in Brusthöhe mit ausgestreckten Armen weiterhin vor sich. Frida hatte es da weitaus besser, da sie ihre Hände auf die Beine gelegt hatte doch auch sie wagte es nicht, sich zu bewegen und so schliefen ihr langsam die Beine ein.

Als der Abspann der ersten Folge lief stöhnte Maja leise auf und ihre Arme sanken langsam nach unten. Sie hob die Arme wieder an und wartete weiter. Isabella stand auf, ging in die Küche und kam mit einer neuen Flasche zurück. Als sie an den Beiden vorbei ging nahm sie Maja die Peitsche aus den Händen und fläzte sich wieder auf das Sofa. Endlich konnte Maja ihre Hände auf die Beine legen. Ein leises Klicken erklang und kurz darauf zog der Geruch von Tabakrauch mit einer starken Vanillenote durch den Raum. Als die zweite Folge der Serie zu Ende war hörten Maja und Frida das Geräusch der Bierflasche die auf den Tisch gestellt wurde.
„Die Menschen glauben gerne das, was sie wollen.“ zitierte Isabella unvermittelt Cäsar. Als die Beiden die Köpfe zu ihr drehten zuckten sie heftig zusammen als über ihnen die Peitsche knallte und etwas Putz von der Decke fiel. Sofort nahmen sie die Köpfe wieder nach vorne und rührten sich nicht mehr. „Zu eurer Beruhigung, Kim und Georgia geht es gut und ich soll euch Beiden schöne Grüße ausrichten. Es passiert auch nichts schreckliches in dem Schloss.“ sagte Isabella und schaltete den Fernseher aus. „Aber was hier noch passiert, das werde ich mir gründlich überlegen müssen. Und dein kleines Spielzeug im Kleiderschrank werde ich wohl weg schließen müssen bevor du noch mehr Unsinn damit anstellst. Du weißt genau daß du sowas nicht mehr machen darfst.“
„Ich habe doch aufgep...“ bevor Maja den Satz beenden konnte brachte ein erneuter Peitschenknall sie zum Schweigen und kleine Putzbrocken fielen auf ihre Haare.
Einige Minuten lang herrschte Schweigen. Dann hörten die Beiden direkt hinter sich Isabellas Stimme. „Ihr Beiden werdet morgen Früh alleine laufen. Ich werde lieber ausschlafen. Wenn ihr dann das Frühstück fertig habt, könnt ihr mich wecken. Ich wünsche euch Beiden ein angenehme Nacht. Schlaft gut.“ sie ging zu den Beiden, beugte sich vor und gab beiden einen Kuss auf die Wange.

Erst als sie hörten wie die Schlafzimmertür geschlossen wurde schauten sie sich an. „Ich glaube, da haben wir noch mal Glück gehabt.“ sagte Frida leise.
„Von wegen, da kommt noch was.“ meinte Maja und stand auf. Sie stöhnte leise weil ihr eben so wie Frida die Beine eingeschlafen waren. Nachdem sie ihre Beine wieder bewegen konnten begannen sie auf zu räumen. Sie brachten die leeren Flaschen und den Aschenbecher in die Küche und Frida wischte den Couchtisch während Maja mit einer Bürste die Putzbrocken vom Teppich fegte.
„Gute Nacht Maja.“ sagte Frida und ging zu ihrem Zimmer. Maja erwiderte den Gruß und ging zum Schlafzimmer.
Nur einige Augenblicke später trafen sich die Beiden wieder im Wohnzimmer und setzten sich auf die Couch. „Dein Zimmer hat sie also auch zu geschlossen?“ fragte Maja.
Frida nickte und zog sich die einzige Wolldecke über die Schultern. Maja wollte ihre Tunika an ziehen doch diese hatte Isabella genau wie Fridas anscheinend mit genommen. Frida schaute kurz zu ihr, nahm die Decke von den Schultern und wollte sie Maja geben.
„Lass gut sein. Nimm du die Decke, ich sehe zu das ich es mir irgend wie anders bequem mache.“ sagte Maja doch Frida schüttelte energisch den Kopf und legte sich dann hin, zog die Beine an und schlang die Arme um diese.
„Kommt garnicht in Frage“ sagte Maja. Sie legte sich zu Frida und deckte sich und sie zu.
„Das ist mir ganz schön peinlich.“ sagte Frida leise.
Darauf hin rutsche Maja noch etwas näher zu ihr so das sie direkt hinter ihr lag und legte die Arme um sie. „Wie peinlich wird dir das denn, wenn du dich doch mal traust, ins Schlafzimmer zu kommen?“ fragte Maja kichernd.
„Sie hätte uns wenigstens die Tuniken da lassen können, dann hätten wir was zum Anziehen.“ brummelte Frida.
So lagen sie eine Weile wach bis Frida endlich die Augen schloss. Sie spürte die Wärme von Majas Haut auf ihrem Rücken und genoss ihre Nähe. So würde sie am liebsten jeden Abend einschlafen dachte sie. Doch dann riss Maja sie aus ihren Gedanken und rief laut „Verdammter Mist, das hätte ich ihr nicht zugetraut.“
„Was ist denn?“ wollte Frida wissen.
„Wo sind deine Sportsachen denn?“ fragte Maja.
„Na in meinem Schrank, wo denn sonst?“ gab Frida zurück. Es dauerte einige Sekunden bis sie die Erkenntnis traf wie ein Schlag. „Mist.“ sagte sie leise als sie sich ausmalte wie sie morgen Früh nackt joggen gehen würden.
Sie umfasste Majas Arme die vor ihrem Bauch lagen und sie hielten und rutschte ein Stück näher zu ihr. Es dauerte eine ganze Weile bis die Beiden eingeschlafen waren.


16. RE: Neue Horizonte - 2

geschrieben von domtraeumer am 20.05.17 23:38

Hallo HeMaDo
Du hast einen erfrischenden Schreibstil. Bitte weiter so.
17. RE: Neue Horizonte - 2

geschrieben von HeMaDo am 27.05.17 18:40

Als Larissa aus dem Aufzug stieg und in die Lobby trat war Vivian bereits dort und wartete wie jeden Morgen auf sie. Sie machte einige Gesten die Larissa bereits auswendig kannte. Doch dieses mal nickte sie breit lächelnd und mit noch immer etwas verklärtem Blick. Darauf hin sprang Vivian vergnügt auf und ab. Anstatt etwas zu sagen nahm sie sie in den Arm und drückte sie fest. Dann hielt sie ihr eine Karte hin auf der sie nur „Und?“ geschrieben hatte.
Statt einer Antwort grinste Larissa breit und lief los. Auf der Straße begegneten sie Helen. Sie folgten ihr und schlossen schließlich zu ihr auf. „Heute ohne Schülerinnen?“ fragte Larissa vergnügt.
„Ja, ich hab heute noch was zu erledigen.“ sagte Helen. „Ich hab ja keine eigene Klasse, da kann ich mir das erlauben.“
Vivian achtete ständig darauf Helen nicht zu nahe zu kommen und schaute gelegentlich eingeschüchtert zu ihr.
Während sie weiter liefen kamen sie am nächsten Wohnblock vorbei und sahen zwei Gestalten vom Parkplatz herunter auf die Straße laufen. An der Straße blieben die Beiden stehen und sahen sich um. Dann liefen sie in die entgegengesetzte Richtung.
„Sind die nackt?“ fragte Helen und deutete auf die Beiden.
Larissa schaute genauer hin und sah daß die Beiden tatsächlich nichts an hatten. „Sieht ganz danach aus.“ meinte sie.
Im Laufen fiel es Vivian etwas schwer zu reden, also hielt sie kurz an, wartete bis Helen und Larissa ebenfalls stehen geblieben waren und zu ihr schauten und gestikulierte etwas, was Larissa nicht verstand. „Sie fragt, ob das nicht zu kalt ist.“ übersetzte Helen und beantwortete die Frage auch gleich als sie weiter liefen: „Dann schau dich doch mal an. Was hast du denn mehr an, als die Beiden da hinten?“
Vivian schaute an sich herab und zuckte mit den Schultern. Sie trug wie auch Larissa eine recht knappe Sporthose und ein eben so knappes Sportoberteil. Dann deutete sie auf ihre Füße und grinste.
„Ob die Beiden Schuhe an hatten, hab ich nicht gesehen, so gut sind meine Augen auch nicht.“ meinte Helen.

Nachdem sie eine Weile gelaufen waren und Helen sich beim Zentrum von den Beiden verabschiedet hatte liefen sie zurück zu ihrem Wohnblock. Die Beiden gingen hinein und verabschiedeten sich. Larissa fuhr mit dem Aufzug nach oben und ging in die Wohnung. Zu ihrer Überraschung saß Herrin Johanna bereits am fertig gedeckten Küchentisch. „Schönen guten Morgen Herrin Johanna.“ sagte Larissa fröhlich.
„Dir auch einen guten Morgen Larissa.“ sagte Johanna lächelnd. „Geh dich schnell duschen, bis da hin ist der Kaffee fertig.“
„Ja Herrin.“ sagte Larissa, knickste und ging schnell ins Bad wo sie sich duschte, die Haare wusch und sich fertig machte. In ihrem Zimmer zog sie eine frische Tunika an und ging dann in die Küche. Sie stellte sich neben ihren Stuhl und wartete.
„Setz dich.“ sagte Johanna.
Larissa knickste und nahm Platz. Als Johanna anfing zu essen nahm auch Larissa sich ein Brötchen und begann zu essen. Sie saßen eine Weile schweigend am Tisch und aßen.
„Wie geht’s dir?“ fragte Johanna nach dem Frühstücken während sie noch am Tisch saßen und noch eine Tasse Kaffee tranken.
„Gut Herrin.“ sagte Larissa lächelnd.
„Das freut mich.“ meinte Johanna. Sie trank noch einen Schluck Kaffee. „Übrigens, Trish hat gestern Nachmittag angerufen und mich gefragt ob du im Lauf der Woche mal etwas Zeit hast und zu ihr kommst.“
„Wenn ich darf, gerne.“ sagte Larissa „Aber warum hat sie mich denn nicht selbst angerufen?“
Johanna schaute sie einen Moment lang an. „Du warst noch nicht bei ihr, oder?“
„Nein Herrin, bisher noch nicht.“
„Na, dann wirst du ja die eine oder andere Überraschung erleben wenn du zu ihr gehst.“ sagte Johanna und lachte. „Sie ist sowas wie unsere Haus und Hofkünstlerin hier. Ihre Kunstwerke sind manchmal etwas, ich würde mal sagen ungewöhnlich. Sie wollte dich etwas fragen, und da es eine Sache ist, zu der ich als deine Herrin auch mein Einverständnis geben muss, hat sie mich angerufen.“
„Was ist das denn für eine Sache?“
„Das sollte sie dir am Besten selbst zeigen. Aber jetzt was Anderes. Ich hab eine Einladung bekommen eine Runde Paintball zu spielen. Die Anderen erwarten uns in einer Stunde. Das ist nur ein kleines Match, sechs gegen sechs, also eher was für Einsteiger.“ sagte Johanna.
„Paintball?“ Larissa sah sie ungläubig an „Ich kann das doch garnicht.“
„Das macht nichts. Vera und Vivian sind bei uns im Team und im anderen Team sind sogar drei Spielerinnen dabei die noch nie gespielt haben. Allerdings ist Emylia bei denen dabei, das könnte Haarig werden. Aber dafür ist Dana, Emylias Frau bei uns, das gleicht das wieder etwas aus.“
„Muss das wirklich sein Herrin?“ fragte Larissa und schaute sie groß an. Paintball war etwas was sie noch nie gespielt hatte und sie mochte es nicht unbedingt draußen im Wald herum zu laufen und womöglich noch im Dreck zu liegen.
„Sieh es als gesellschaftliche Einführung der Neuen hier.“ meinte Johanna lachend. „Und sowas gehört sich nun mal einfach, also ja, es muss sein.“
„Ja Herrin.“ sagte Larissa und ließ die Schultern hängen. „Soll ich etwas bestimmtes an ziehen?“
„Das ist nicht nötig. Wir bekommen die Ausrüstung beim Spielfeld.“
„Ich verstehe Herrin.“ Larissa fügte sich in ihr Schicksal. Sie war sich ziemlich sicher keine zehn Minuten durch zu halten.

Als sie eine halbe Stunde später am Spielfeld an kamen warteten Vera und Vivian bereits fertig angezogen auf sie. Trish kam direkt nach ihnen an und zog sich gleich die Ausrüstung an. Auch Johanna und Larissa bekamen von einer Aufsicht ihre Ausrüstung. Diese bestand aus gepolsterten Hosen und Jacken, leichten Stiefeln und Handschuhen sowie einem Helm mit Lederschild im Nacken und einem Gesichtsschutz aus dickem, klaren Kunststoff. Sie bekamen noch blaue Bänder um beide Oberarme gelegt, das andere Team würde an grünen Bändern zu erkennen sein. Als auch Dana, eine Mittzwanzigerin mit rotblonden Haaren und sehr weiblichem Körperbau, an kam und eingekleidet war erklärte die Aufsicht ihnen das Spiel. „Das ganze Feld ist 500 mal 300 Meter groß und mit rot-weißem Band begrenzt, wer es verlässt ist automatisch ausgeschieden. Wer getroffen ist, egal von welchem Team, ist raus und kommt wieder hier her. Es werden keine Ortungsgeräte und auch keine Comms benutzt. Also auch keine elektronischen Karten. Und weil es bei gewissen Personen in letzter Zeit schon ein paar mal vorgekommen ist,“ sie sah eindringlich zu Dana die lediglich breit grinste „es werden auch keine Sichtgeräte verwendet. Noch fragen?“
Niemand hatte noch Fragen dazu. Die Frau erklärte Larissa den Marker, sie zeigte ihr wo man die Farbkugeln einfüllte und wie man den Gastank wechselte.
Larissa wollte wissen wo das Zielfernrohr war doch die Frau erklärte ihr daß sowas nicht erlaubt sei. Nach einigen Probeschüssen auf eine Zielscheibe sagte die Frau „Also, wenn alle fertig sind, dann viel Spaß.“ und schickte sie nach draußen. Larissa hielt sich bei Herrin Johanna und folgte ihr durchs Unterholz nach Osten, wo das andere Team startete, während Vera mit Vivian nach Nordosten und Trish und Dana nach Südosten gingen. Als sie an eine Senke kamen zog Johanna sie hinter einen umgefallenen Baum und sagte ihr sie solle warten. Sie schaute an der Wurzel des großen Baumes entlang und plötzlich schlugen hinter ihnen mehrere grüne Farbkugeln an den Bäumen ein und zerplatzten. Johanna kam zu ihr zurück und grinste breit „Eine weniger. Ich glaube, das war Nin. Jetzt du, da hinten“ sie deutete vage in eine Richtung auf der anderen Seite des Baumstammes „sind noch mindestens zwei.“
Larissa nickte und schaute vorsichtig hinter der Wurzel hervor. Sofort schlugen zwei grüne Farbkugeln neben ihr in den Baum. Sie erkannte eine Bewegung, hielt auf diese und drückte mehrmals hintereinander ab. Jemand schrie laut auf und rief laut „Verdammt.“ Eine Frau stand auf, winkte und verließ aufrecht gehend das Spielfeld in Richtung Osten. Larissa schaute erstaunt hinter ihr her denn sie trug keine gefütterte Kleidung sondern außer dem Helm mit Gesichtsschutz offenbar nur eine reichlich dünne Hose und eine eben so dünn erscheinende Jacke. Auf ihrem Rücken konnte Larissa mehrere blaue Farbkleckse erkennen, zwei davon sogar auf dem Hintern. Ohne Schutzkleidung musste das ganz schon weh getan haben.
Es dauerte eine Weile bis sie sich durch die Senke vor gearbeitet hatten, und auf Trish und Dana trafen. Dabei lief eine von ihnen zu einem Baum und dann folgte die Nächste, bis alle Vier auf der anderen Seite der Senke waren und sich hinter mehreren Bäumen versteckten. Dort fanden sie eine Kuhle vor der ein kleiner Erdwall aufgeschüttet war. Doch in dieser Kuhle war niemand mehr.
„Da lang.“ sagte Trish und deutete in eine Richtung. Larissa lief schnell zum nächsten Baum doch auf dem Weg stolperte sie und fiel der Länge nach in das feuchte Laub. Als sie sich wieder aufrichtete sah sie das der Baum neben ihr gleich mehrere grüne Punkte aufwies von denen die Farbe noch herunter lief. Offenbar hatte sie Glück gehabt das sie gefallen war. Sie kroch weiter auf einen Erdhügel zu und legte sich bäuchlings da hinter, als ihr Comm vibrierte. Sie schaute darauf und sah daß auf diesem in blau und grün zwei zahlen standen. In Blau stand dort eine vier und in grün eine fünf. Sie vermutete völlig richtig, daß das sie verbleibenden Spieler waren. Wer ausgeschieden war, konnte sie allerdings nicht sehen.
„Au verdammt.“ sagte Johanna die gerade zu ihr gekrochen kam. Sie hatte einen großen, grünen Fleck auf dem Gesichtsschutz. „Tja, dann noch viel Spaß.“ sagte sie grinsend, stand auf und ging zurück Richtung Start. Larissa sah ihr etwas ratlos hinter her. Dana kam zu ihr gekrochen und deutete hinter den Erdhügel. „Da vorne ist Emylia. Du rechts, ich links, beide zugleich kann sie nicht aufs Korn nehmen.“ sagte sie. Larissa nickte und auf ein Zeichen von Dana hin schaute sie um den Hügel herum in die Richtung die Dana ihr gezeigt hatte. In diesem Moment wurde sie von ihrem Comm abgelenkt das wieder vibrierte. Sie schaute kurz darauf und sah das nur noch vier Spieler auf jeder Seite im Spiel waren. Plötzlich schlugen vor ihr mehrere grüne Kugeln auf und sie versteckte sich schnell wieder hinter dem Hügel.
„Tja, Pech gehabt.“ meinte Dana und stand auf. Larissa schaute um den Hügel herum und sah eine Frau durch den Wald gehen, sie hatte mehrere blaue Farbkleckse auf dem Rücken. Auch Dana hatte am Arm einen grünen Fleck. Nun war sie also alleine auf sich gestellt, dachte sie. Sie war etwas ratlos und wusste nicht, was sie nun tun sollte. Also blieb sie hinter dem Hügel und beschloss langsam zurück zum Startpunkt zu gehen. In diesem Moment sah sie hinter sich eine Bewegung. Sie drückte mehrmals ohne zu zielen ab.
„Bist du denn verrückt?“ rief Trish und zeigte ihr einen Vogel. „Wir sind im selben Team.“
„Entschuldige, ich wusste nicht, das du das bist.“ sagte Larissa.
„Na, das nächste Mal passt du gefälligst besser auf.“ sagte Trish und stapfte ebenfalls zurück. In diesem Moment vibrierte es wieder und auf dem Comm stand eine blaue drei und eine grüne zwei.
Sie blieb noch eine Weile hinter dem Hügel und lief dann so schnell sie konnte zurück zu der Senke wo sie sich wieder hinter dem umgefallenen Baum versteckte. Sie hatte keine Ahnung ob sie sich nicht ein besseres Versteck suchen sollte, also blieb sie eine Weile hinter dem Baum hocken und wartete ab. Wieder vibrierte das Comm, jetzt waren in jedem Team nur noch zwei Spielerinnen dabei. Sie fragte sich warum es so lange dauere bis die Zahlen sich änderten, Trish war ja schon vor fünf Minuten getroffen worden. Doch dann wurde ihr klar, das nur die gezählt wurden die wieder am Ausgangspunkt waren.
Sie überlegte, was sie tun sollte, ein Blick auf ihr Comm zeigte ihr, das sie bereits über eine Stunde lang spielten. Sie könnte einfach abwarten bis alle Anderen ausgeschieden waren oder sie jemand aus dem anderen Team hier fand, doch beides würde vermutlich noch lange dauern, also schaute sie um die Wurzel herum und sah eine Bewegung hinter einem Baum in einiger Entfernung. Sie zielte und drückte mehrmals auf den Abzug doch nichts passierte. Der Marker zeigte an, daß das Gas alle war. Also verkroch sie sich wieder hinter ihrem Baum und ersetzte den Gastank. Dann hob sie den Kopf über den Baum und zielte erneut auf den Baum. Sie drückte mehrmals ab und sah wie mehrere blaue Farbkleckse an dem Baum auftauchten, offenbar hatte sie recht gut gezielt. Aber nun sah sie etwas weiter links eine Bewegung. Offenbar war die Person hinter dem Baum wo anders hin gelaufen. Sie stand auf und lief geduckt durch die Senke wobei sie mehrmals in die Richtung zielte und abdrückte in der sie die Bewegung gesehen hatte.

Offenbar war sie nicht die Einzige die diese Idee hatte denn hinter einem Busch stieß sie mit jemandem zusammen und fiel unsanft ins Laub. Sie sah nur ein grünes Band, und wollte abdrücken. Doch die andere Frau stand einfach da und starrte sie an. „Larissa?“ fragte sie. Nun sah Larissa sich die Frau genau an und sah in ein ihr nur zu gut bekanntes Gesicht. „Frida?“ rief sie erstaunt. Die Beiden sahen sich eine Weile schweigend an.
Plötzlich spürte Larissa etwas an ihrem rechten Arm. Sie schaute herab und sah einen grünen Fleck. Als sie wieder auf sah bemerkte sie einen blauen Farbfleck auf Fridas Gesichtsschutz der eben noch nicht da war. Beide sahen sich an und lachten. Sie fielen sich in die Arme und drehten sich dabei im Kreis.

„Darf ich mal fragen, was das wird? Du sollst hier nicht mit unserem Gegner rum tanzen sondern sie ausschalten.“ ertönte neben ihnen eine Stimme. Die Beiden sahen auf und schauten in Majas Gesicht. „Larissa?“ fragte Maja erstaunt. „Wo kommst du denn her?“
„Das wollte ich auch gerade fragen.“ sagte Larissa freudestrahlend. Endlich lösten die Beiden ihre Umarmung und strahlten Maja an.
„Herrin Isabella arbeitet demnächst doch hier an der Schule.“ sagte Frida. „Und was machst du hier?“
„Herrin Johanna wohnt hier. Sie arbeitet in der Fabrik.“ sagte Larissa. Sie schaute die Beiden an, sie trugen ebenfalls keine gepolsterten Sachen sondern nur dünne Tuniken.
„Warum habt ihr denn eure Tuniken an?“ fragte sie erstaunt.
„Wir haben was angestellt. Deshalb mussten wir heute Morgen nackt laufen gehen und durften keine Schutzkleidung an ziehen.“ erklärte Frida.
„Ihr wart das?“ fragte Larissa und begann laut zu lachen.
„Jaa, das waren wir beide. Da bin ich ja echt froh, das du uns nicht erkannt hast.“ sagte Frida verlegen.
„Das wäre sicher witzig gewesen, ist ja nicht das erste Mal.“ erwiderte Larissa. „Und wer war das andere ohne Schutzkleidung?
„Das war Herrin Isabella.“ sagte Maja grinsend. „Sie war selber Schuld an dem, was wir gemacht haben und hat deshalb auch nur ihre normalen Sachen an.“
„Au weh.“ sagte Larissa. „Ich glaub, ich hab sie ziemlich oft getroffen. Ich glaub, wenn sie erfährt, daß ich das war, wird sie ziemlich sauer auf mich sein.“
„Ach wo. Aber ich frag sie nachher mal.“ sagte Maja breit grinsend. Larissa sah sie entsetzt an und malte sich aus, wie Miss Isabella reagieren würde wenn sie erfahren würde, wer ihr die Treffer verpasst hatte.

„So, es freut mich ja wirklich für euch, das ihr euch hier wieder getroffen habt, aber jetzt macht erst mal, das ihr zurück kommt zum Start. Ihr könnt euch nachher unterhalten wenn ihr uns zum Essen einladet.“ sagte Maja breit grinsend.
Die Beiden umarmten sich noch einmal und wollten zu ihren Startpunkten zurück gehen. In dem Moment als die Beiden gehen wollten schrie Maja laut auf und schaute an sich herab. Sie hatte nun zwei blaue Flecken auf ihrer Jacke, genau über dem Bauchnabel. „Verdammt, tut das weh.“ sagte sie. Sie öffnete ihren Gürtel und schaute unter die Tunika wo sich bereits zwei blaue Flecke bildeten.
„Ich glaube ja eher, das ihr uns einladet.“ sagte Larissa lachend.
„Das war unfair. Dafür fordere ich eine Revanche.“ sagte Maja und verzog das Gesicht. Sie und Frida gingen nach Osten während Larissa sich in die entgegengesetzte Richtung auf machte und den Startpunkt suchte. Es dauerte eine Weile bis sie die kleine Hütte gefunden hatte. Etwa auf halbem Weg vibrierte ihr Comm und zeigte 1:1 an. Erst als sie die Hütte erreichte zeigte das Comm endlich 1:0 an, sie hatten also gewonnen.

Breit grinsend erreichte Larissa die Hütte und trat ein. Nur einen Augenblick später kam auch Vivian herein die einen Freudentanz aufführte.
„Ihr freut euch ja anscheinend riesig darüber das wir gewonnen haben.“ meine Dana lachend.
Noch immer breit grinsend schüttelte Larissa den Kopf. „Frida ist hier.“ sagte sie fröhlich. „Und Maja und Miss Isabella.“
„Deine Lehrerin ist hier?“ fragte Johanna.
„Ja Herrin.“ Larissas Laune hatte sich in den letzten Minuten sehr verbessert und sie fand die Idee Paintball zu spielen nun wesentlich besser als noch vor zwei Stunden.
„Na, das freut mich aber. Dann weiß ich ja, wen ich anrufen kann, wenn du dich mal daneben benehmen solltest.“ sagte Johanna schmunzelnd.
Larissa sah sie schmollend an „Ich benehme mich doch Herrin.“
Nun lachte Johanna und auch Dana und Vera fielen in das Gelächter mit ein und auch Vivian und Trish grinsten breit.
„Du grins mal nicht so junge Frau.“ sagte Vera „Sie war auch deine Lehrerin. Und die Idee ihr zu erzählen was du so alles anstellst finde ich garnicht so schlecht.“
Vivian schaute sie mit großen Augen an und verzog den Mund ebenfalls zu einem Schmollen. Sie gestikulierte etwas worauf hin Vera lachte und sagte „Ich glaube, wenn ich ihr alles erzähle, was du bisher so angestellt hast, dann wird sie dir sicher mal ein paar Takte erzählen.“ Sie nahm Vivian in die Arme, zog sie zu sich heran und gab ihr einen Kuss.

Nachdem sich alle umgezogen hatten meinte Dana das es Zeit sei um zum Zentrum zu fahren und sich die Siegesprämie ab zu holen. Also stiegen sie zusammen in die Bahn und fuhren zum Zentrum. Dort trafen sie auf die andere Gruppe die bereits auf sie wartete.
Larissa lief auf Frida zu und die Beiden umarmten sich noch einmal. Amüsiert schaute Isabella zu ihnen. „Ihr seid seit gerade mal einer Woche aus der Schule und wisst anscheinend beide nicht mehr, was sich gehört und wen man zuerst begrüßt.“ sagte sie lachend. „Ich glaube, ihr braucht beide noch mal ein paar Stunden um euch daran zu erinnern.“ Sofort lösten die Beiden ihre Umarmung und begrüßten zuerst die Herrinnen indem sie vor ihnen knicksten. Darauf hin lachten die Anderen.
Zusammen gingen sie in die Kantine im Zentrum und nahmen an einem großen Tisch platz der bereits für sie reserviert war. Larissa und Herrin Johanna gegenüber saßen Isabella, Maja und Frida. Während sie auf das Essen warteten welches von dem anderen Team bezahlt wurde entspann sich eine angeregte Unterhaltung und alle amüsierten sich trotz Isabellas Androhung einiger zusätzlicher Unterrichtsstunden. Nach dem Essen gingen sie noch in eine Tanzbar die sich im Keller des Zentrums befand. Bis in den Abend hinein unterhielten sie sich und tanzten. Es war Larissa anfangs etwas unangenehm mit Herrin Johanna zu tanzen doch wurde sie mit der Zeit lockerer und sie fand, als sie und Herrin Johanna sich auf den Heimweg machten, daß es nicht nur wegen dem Wiedersehen mit Frida ein sehr gelungener Tag gewesen war.

Da es noch nicht all zu spät war, gingen sie nach dem Duschen noch ins Wohnzimmer und schauten sich einen Film an. Während Herrin Johanna sich lang hin legte setzte Larissa sich ans andere Ende der Couch. Johanna schaute grinsend zu ihr, legte ihre Füße auf Larissas Beine und wackelte mit den Zehen. Als Larissa sie fragend an sah grinste sie nur und hob die Augenbrauen. Dann verstand Larissa und drehte sich in ihre Richtung. Sie fasste Johannas Fuß und begann diesen zu massieren. Nach einer Weile wechselte sie den Fuß und massierte auch diesen.
Johanna schloss die Augen und genoss diese Massage. ’Daß sie eine sehr geschickte Zunge hat, hat sie gestern Abend ja schon bewiesen. Ich frage mich, wie weit ich bei ihr gehen kann.’ fragte sie sich. Doch sie beschloss, es heute erst mal bei der Massage zu belassen um Larissa nicht gleich zu überfallen. Es war ja genug Zeit dazu. Außerdem hielt sie nichts davon so etwas zu einseitig an zu gehen. Nach einer Weile zog sie ihre Füße zurück und stand auf. Sie fasste Larissas Hand und zog sie zu sich. Als sie mit dem Rücken zu ihr stand legte sie die Arme um ihren Bauch und begann ihren schmächtigen Körper zu streicheln.
„Herrin ich...“ sagte Larissa. Doch Johanna unterbrach sie „Soll ich aufhören?“ Darauf hin schüttelte Larissa den Kopf. „Dann mach die Augen zu und bleib einfach stehen.“ sagte Johanna sanft.
„Ja Herrin.“ erwiderte Larissa flüsternd und schloss die Augen.
Johanna hielt eine Hand um ihren Bauch und zog sie nah zu sich heran. Mit der Anderen streichelte sie ihre Seite und den Arm. Sie ließ ihre Hand zu Larissas Nacken wandern und fuhr mit den Fingerspitzen über ihren Hals. Als sie die Hand wieder nach unten führte spürte sie ihre Rippen selbst durch den Stoff der Tunika hindurch. ’Meine Güte, wie kann man nur so dünn sein?’ fragte sie sich.

Larissa lehnte sich bei ihrer Herrin an und genoss die Berührungen. Sie spürte wie sie ihren Gürtel öffnete und langsam, Stück für Stück ihre Tunika öffnete und sie ihr aus zog. Als diese auf den Boden gefallen war wollte Larissa sich um drehen doch die Herrin verhinderte das mit sanftem Druck und streichelte sie weiter. Widerstandslos lies sie sich zur Couch ziehen und saß kurze Zeit später zwischen Johannas Beinen, hatte den Kopf an ihre Schulter gelegt und driftete langsam in ihre eigene Welt ab in der nur noch die sanften Berührungen wichtig waren mit denen ihre Herrin sie am ganzen Körper bedachte. Sie spürte die Hände an ihren Knien und wie diese mit sanftem Druck auseinander gezogen wurden. Die Hände wanderten langsam wieder höher und trafen sich in ihrer Mitte wo sie sie sanft aber fordernd streichelten. Es dauerte nicht lange da wand sie sich in ihrer Lust in den Armen ihrer Herrin.

Nachdem Larissa mit einem letzten Stöhnen zusammen gesackt war und sich kaum noch rührte stand Johanna auf und stellte sie vorsichtig auf die Beine, fasste sie und trug sie ins Bett. Nun lag sie neben ihr und betrachtete die Schlafende. Sie legte ihr eine Hand auf die Wange und fuhr ihr mit dem Daumen sanft über die Lippen, was dieser ein Lächeln entlockte.
’Ich denke, wir werden in der nächsten Zeit beide unseren Spaß haben’ dachte Johanna während sie das schmale Gesicht betrachtete und ihr eine blonde Strähne nach hinten schob. ’Ich bin mal gespannt, was dir so alles gefällt.’ Sie betrachtete sie noch eine ganze Weile und schlief dann selbst ebenfalls ein.

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„Es tut mir leid, dazu kann ich nichts sagen.“ Mara schaute auf das riesige Buch auf dem Tresen welches der Mann eben dort hin gelegt hatte.
„Zu schade. Kommt denn ihre Chefin heute noch einmal in den Laden?“ wollte der Mann wissen. Sie musste ihn eben schon wegen eines anderen Buches vertrösten zu dem er eine Frage hatte.
„Es tut mir leid, das weiß ich nicht. Aber ich denke, Montag ist sie wieder hier.“ erklärte Mara. Der Mann nickte knapp und verließ den Laden.
’Was haben denn alle mit diesem komischen Buch?’ fragte sie sich. Das war heute schon der Zweite der sie danach gefragt hatte und angesichts des Preises abgeschreckt war. Dabei kamen ihr 5000 Dollar wirklich nicht viel vor für solch ein altes Buch. Sie drehte es um und öffnete es vorsichtig an einer Stelle. Sie wusste mittlerweile das man dieses Buchformat einen Folianten nannte. Sie warf einen Blick auf die Seite und sah daß es in einer seltsamen Schrift geschrieben war die zu keiner Sprache gehörte die sie kannte. Zwar waren viele der Buchstaben in ganz normaler Schrift, andere jedoch gehörten ganz sicher nicht zum normalen Alphabet. Es war ganz sicher nicht Chinesisch oder Japanisch. Latein schloss sie ebenfalls aus, dann würde die Schrift zumindest aus normalen Buchstaben bestehen. Vielleicht war das russisch oder eine andere Sprache aus Osteuropa. Was sie aber verstand war die Abbildung auf dieser Seite. Die Skizze eines Menschen mit Pfeilen auf verschiedene Körperteile und einer Beschriftung zu jedem dieser Pfeile. Vielleicht war das ein altes Buch über Anatomie. Sie blätterte die Seite um und sah ein seltsames Symbol welches eine gesamte Seite umfasste. Ein Kreis, ausgefüllt mit einem Stern, sie zählte 13 Zacken und in den Zacken wieder diese seltsame Schrift.

Mara zuckte mit den Schultern und blätterte gleich auf die letzte Seite. Dort fanden sich sieben Bilder von Personen die in diesem Buch irgend wie fehlplatziert wirkten, sie sahen einfach zu echt aus, beinahe wie alte Fotografien oder sehr gute Bleistiftzeichnungen. Unter jedem der Bilder stand etwas, vermutlich der Name der betreffenden Person. Besonders das letzte Bild faszinierte sie, denn es schien ihr noch wesentlich echter als die anderen. Es zeigte eine Frau mit fast weißer Haut, langen, schwarzen Haaren und feuerroten Lippen. Ihre Augen schienen regelrecht zu leuchten, während die der Anderen ihr irgend wie blind erschienen, eher sogar leblos.
Der Name dieser Frau bestand aus nur fünf Buchstaben von denen sie lediglich den ersten als ein großes E und den vorletzten als ein kleines v erkannte. Die Anderen Drei sahen eher seltsam aus, passten aber zu den anderen Buchstaben in diesem Buch.

Ein lautes Klopfen riss sie aus ihren Gedanken. Beinahe wäre sie vor Schreck von ihrem Stuhl gefallen. Sie schaute auf und sah eine Frau vor der Tür die ihr zu winkte und nach nebenan zeigte. Schnell stand Mara auf und öffnete die Tür. „Gehen Sie bitte schon mal rüber, ich bin gleich da.“ sagte sie. Die Frau nickte und verschwand um die Ecke. Schnell schloss Mara die Tür ab und drehte das Schild in der Tür um. „Bitte nebenan melden.“ stand nun auf diesem. Sie ging aus dem Laden in den Flur, schloss die Tür ab und öffnete die Tür zu Herrin Julias Laden. Die Frau stand bereits vor der Eingangstür und wartete. Schnell schloss Mara auf und hielt der Frau die Tür auf. Als sie eintrat knickste Mara und ließ die Tür ins Schloss fallen.
„Wie kann ich ihnen helfen?“ fragte sie höflich.
„Oh, ich würde mich nur gerne mal um sehen.“ sagte die Frau und ging zu den Regalen auf der linken Seite in denen, wie Mara mittlerweile wusste, Vibratoren und Dildos in allen möglichen und auch unmöglichen Formen und vor allem auch Größen lagen. Mara stellte sich hinter den Tresen und schaute gelegentlich zu der Frau die zwischen den Regalen herum ging und unentschlossen Verpackungen heraus nahm, sie betrachtete und wieder zurück legte.
„Entschuldigung.“ sagte die Frau.
Mara ging um den Tresen herum und zu der Frau. „Ja? Wie kann ich ihnen helfen?“
„Wissen Sie, es ist so, ich habe keine all zu große Erfahrung mit so Etwas. Könnten Sie mir vielleicht etwas empfehlen?“ fragte die Frau und hielt zwei Schachteln hoch.
„Es tut mir leid, aber ich habe selbst auch keine große Erfahrung mit sowas.“ sagte Mara. „Ich bin normalerweise im anderen Laden und helfe hier nur aus.“
„Oh, zu schade.“ sagte die Frau.
Mara wollte gerade zurück zum Tresen gehen als jemand sie an den Schultern fasste, zur Seite schob und sagte „Darf ich Sie denn fragen, was genau sie suchen?“

Mara drehte sich um und schaute in Herrin Julias Gesicht die ihr einen amüsierten Blick zu warf. Mara knickste und ging wieder zurück in den Antiquitätenladen. Sie war erleichtert, das die Herrin gerade im richtigen Moment zurück gekommen war. Sie hätte der Frau selbst ziemlich sicher nicht weiter helfen können.

Auf dem Tresen lag noch immer das große Buch. Vorsichtig schloss Mara es und brachte es zurück in das Regal in dem es normalerweise lag. ’Eigentlich sollte man so ein teures Stück wohl besser nicht so offen herum liegen haben sondern es lieber irgend wo einschließen damit es nicht Jeder an grabbeln kann.’ dachte Mara und schaute sich kurz im Laden um. Dort in der Ecke stand eine Tischvitrine. Mara schaute sie sich an und trug das Buch kurzentschlossen zu dieser. Sie hob den Deckel ab und legte das Buch hinein. Dann legte sie den Deckel wieder auf die Vitrine und ging zurück zum Tresen wo sie sich wieder auf den Stuhl setzte und in dem Buch las welches sie sich heute morgen aus dem Regal heraus geholt hatte.

Es war kurz vor 18 Uhr als Julia den Laden ab schloss und die Kasse. Die Kundin hatte am Ende nicht nur zwei Vibratoren gekauft sondern auch gleich noch etwas Reinigungsflüssigkeit und zwei Stoffbeutel in der sie ihre neuen Spielzeuge aufbewahren konnte. Das musste sie Mara wohl noch beibringen. Laut Kasse hatte diese heute Nachmittag zwar einige Teile verkauft aber das kleine Drumherum fehlte ihr wohl noch. Obwohl, im Antiquitätenladen hatte sie in den drei Tagen in denen sie sie dort alleine gelassen hatte bereits mehr Umsatz als sie selbst in einer ganzen Woche. Vermutlich lag das einfach daran, das Mara einen recht guten Geschmack hatte und ein Auge dafür, ob etwas zusammen passt. Doch diese recht intuitive Begabung half ihr hier nicht weiter, da würde wohl nur eigene Erfahrung helfen. Und so lange sie diese nicht hatte, war sie zwar eine offenbar ziemlich gute Aushilfe, konnte aber die Beratung wegen der viele der Kunden und Kundinnen hier her kamen sicher nicht leisten. Sie schaute sich kurz im Laden um und betrachtete die Auslage. Kurzentschlossen nahm sie eine der neutralen Papiertüten aus dem Fach unter der Kasse und ging durch die Regale wo sie eine kleine Auswahl verschiedener Spielzeuge und Zubehör nahm und in den Beutel legte.

Mara schaute auf die tickende Pendeluhr neben der Tür. Einige der Verzierungen fehlten noch. Diese hatte sie abgenommen und lagen nun in einer kleinen Schachtel unter der Kasse und warteten darauf daß sie sie säuberte. Aus der Hosentasche holte sie das einfache Comm welches sie am Sonntag von Herrin Julia bekommen hatte und verglich die beiden Uhren. Sie stand auf, ging zu der Pendeluhr, öffnete die Tür und stellte diese nach. Dann hielt sie das Pendel an und drehte an der kleinen Schraube welche das Gewicht verstellte bevor sie das Pendel wieder an schubste und die Uhr auf zog. Sie schloss die Uhr wieder und ging zur Tür welche sie gleich ab schloss. Sie ging zurück zur Kasse und setzte sich auf den Stuhl um die Einnahmen heraus zu nehmen und nach zu zählen. Sie verglich diese und bestätigte auf dem Pad den Betrag der auf den Cent genau mit dem Bargeldbestand übereinstimmte. Sie wusste, das Herrin Julia diese selbst noch einmal überprüfen würde, was sie ihr aber auch nicht verübeln konnte.

„Und, wie viel hast du heute eingenommen?“ Herrin Julia hatte es wie so oft in den letzten Tagen geschafft, lautlos hinter ihr auf zu tauchen. Doch das erschreckte sie mittlerweile nicht mehr.
Mara legte das Geld in die kleine Stahlkassette und verschloss diese, dann nannte sie der Herrin die Summe und wollte ihr die Kassette geben.
„Lass mal eben und setz dich.“ sagte Herrin Julia.
Mara setzte sich auf den Stuhl während die Herrin sich in den Sessel fläzte der vor dem Tresen an der Wand stand und zu ihr auf schaute. Es war Mara etwas unangenehm so auf ihre Herrin herab zu schauen doch dieser war das anscheinend egal so lange der Sessel bequemer war als ihr hoher Stuhl.
„Wenn du so weiter machst, ist der Laden in einem Jahr leer.“ sagte Herrin Julia lächelnd. „Aber in meinem Laden scheint es dir etwas schwer zu fallen den Leuten genau so gut zu helfen.“
Mara schaute sie etwas betreten an. Sie hatte einfach nicht so viel Ahnung von den Sachen die im anderen Laden verkauft wurden, was konnte sie denn dafür?
Noch immer lächelnd fuhr Herrin Julia fort „Deshalb habe ich für das Wochenende eine kleine Aufgabe für dich.“ sagte sie. Mara schaute sie erwartungsvoll an. Sie deutete auf die Papiertüte die sie neben dem Sessel auf dem Boden abgestellt hatte. „Hier drin sind einige Sachen mit denen du dich mal gelegentlich auseinander setzen solltest, so für den Anfang.“ sie hob die Tüte auf, stellte sie vor Mara auf den Tresen und zwinkerte ihr zu.
Mara öffnete die Tüte und schaute hinein. Was sie dort fand war in etwa das, was sie nach dieser Ansage erwartet hatte, mehrere verschiedene Vibratoren und andere kleine Spielzeuge. Sie hatte einen hochroten Kopf als sie diesen wieder aus der Tüte nahm worauf hin Herrin Julia sie schmunzelnd an sah.
„Soll ich das alles am Wochenende ausprobieren?“ fragte sie verlegen.
Herrin Julia schaute sie stirnrunzelnd an. „Ich hab eine Kunden, als die das erste Mal her kam, das war an einem Freitagnachmittag, da ist sie mit einer ähnlich vollen Tüte gegangen und kam am Abend wieder weil sie alles ausprobiert hatte und mehr wollte. Und am Samstag Morgen kam sie noch mal her und hat sich Nachschub geholt. Jetzt brauch ich ihr eigentlich nur eine kurze Nachricht schicken wen es was neues im Programm gibt und sie ist kurz danach hier. Also sollte es eigentlich kein großes Problem sein, das alles an einem Wochenende auszuprobieren.“
Maras ziemlich entsetzter Blick sprach Bände. Bevor sie allerdings etwas erwidern konnte fuhr Julia fort : „Nein, du musst das nicht alles an einem Wochenende ausprobieren. Und ich kann es auch garnicht von dir verlangen sondern es dir nur anbieten und dich allerhöchstens darum bitten. Außerdem, wenn du das alles an einem Wochenende ausprobieren wolltest, ich glaube dann kannst du die nächsten Tage nicht mehr richtig gehen.“
Mara schaute weiterhin stumm zu Herrin Julia. „Weißt du was, du gehst in dein Zimmer und schaust dir die Sachen einfach mal an. Wenn du fragen hast, kannst du gerne zu mir kommen, auch wenn ich ja eher glaube, das du das lieber mit dir selbst aus machst. Aber denk dran, um sieben möchte ich doch gerne zu Abend essen.“
„Ja Herrin.“ sagte Mara. Essen war ein Thema welches ihr bei weitem nicht so peinlich war wie der Inhalt dieser Tüte voller Spielzeuge die da vor ihr stand. „Was soll ich denn machen?“
„Ich würde sagen, du machst die Nudeln von gestern Mittag warm. Die waren doch echt lecker und ich finde es ist zu schade die weg zu werfen weil sie schlecht werden. Wenn du noch einen Salat dazu machst, dann reicht das auch noch für uns Beide.“
„Gerne Herrin.“ sagte Mara und folgte Julia, die nun auf stand und den Laden verließ nach oben. Sie ging auf ihr Zimmer und schaute auf die Uhr. Bis 7 Uhr Abends war es noch etwas Zeit. Sie stellte die Tüte auf dem Bett ab und zog ihre Sachen aus. Es fühlte sich gut an diese Sachen los zu werden. Zwar wollte sie nicht undankbar sein aber in dieser Hose und der Bluse fühlte sie sich sehr eingeengt. Sie holte tief Luft und fühlte sich befreit als sie, nur in Unterwäsche, zum Schrank ging, eine Tunika heraus nahm und diese anzog. Natürlich hatte die Herrin jedes Recht von ihr zu verlangen jederzeit Unterwäsche zu tragen aber soweit es ging beschränkte Mara das auf Unterhose und Hemd. Sie ging zurück zum Bett und hing die restlichen Kleider auf die Kleiderbügel. Als sie diese an den Schrank hängen wollte blieb die Hose an der Papiertüte hängen so das diese um fiel und ihren Inhalt auf dem Bett verteilte.

Sie wollte alles wieder ein räumen doch dabei fiel ihr Blick auf die Uhr. Es war bereits kurz nach halb sieben, also beschloss sie, die Sachen liegen zu lassen und erst einmal in die Küche zu gehen. Weglaufen würden sie ihr sicher nicht. Sie ging schnell ins Bad um sich frisch zu machen und die Hände zu waschen bevor sie in die Küche ging wo sie die Plastikdose mit den Nudeln aus dem Kühlschrank holte. Sie schaltete den Ofen an und gab die Nudeln in eine kleine Auflaufform. Viel war das nicht mehr, da musste sie dann schon etwas mehr Salat machen. Zum Glück waren noch zwei ganze Salatköpfe im Kühlschrank. Einen davon nahm holte sie heraus, schnitt den Strunk heraus und zerkleinerte den Salat. Dann wusch sie ihn unter fließendem Wasser und trocknete ihn in der Salatschleuder. In eine große Schüssel gab sie einen Becher saure Sahne, etwas Öl, Essig und einen Löffel Milch. Das Ganze schmeckte sie mit Dill, Pfeffer und Salz ab und verrührte es.

Dann deckte sie den Tisch in der Küche und stellte noch eine Schale mit Zucker auf den Tisch, Herrin Julia aß den Salat am liebsten mit einer Unmenge Zucker. Da noch genug Zeit war, schnitt sie zwei Scheiben Toast in kleine Würfel, legte diese auf ein Backblech und schob dieses zu den Nudeln in den Ofen. Pünktlich um Sieben kam Herrin Julia in die Küche und setzte sich an den Tisch. Mara drehte sich zu ihr und knickste. Dann holte sie zuerst die Croutons aus dem Ofen und füllte sie in eine kleine Schüssel die sie auf den Tisch stellte. Die Nudeln teilte sie in zwei Portionen auf und gab sie gleich auf Teller. Zum Schluss schüttete sie noch den Salat in die Schüssel mit dem Dressing und stellte diesen ebenfalls auf den Tisch. Als Herrin Julia nickte, setzte sie sich und sie begannen zu essen.

„Hast du nicht etwas vergessen?“ fragte Herrin Julia nachdem sie bereits angefangen hatten zu essen.
Mara warf einen Blick auf den Tisch. Sofort sprang sie auf und holte zwei Gläser und eine Flasche Sprudelwasser. Sie schenkte dieses ein. „Entschuldigung Herrin. Das hatte ich ganz vergessen.“ sagte sie mit gesenktem Kopf. Es war das erste Mal, seit sie hier war, das sie etwas wirklich vergessen hatte. Das war ihr sehr peinlich und so setzte sie sich mit rotem Gesicht wieder an den Tisch. „Es tut mir leid Herrin. Das Wasser hatte ich ganz vergessen.“
„Komm schon, so schlimm ist das ja nicht. Aber das nächste Mal achte bitte darauf nichts mehr zu vergessen sonst muss ich dich wohl oder übel daran erinnern besser darauf zu achten.“ sagte Herrin Julia. Sie war überhaupt nicht verärgert sondern beugte sich sogar noch über den Tisch und streichelte Maras Wange. „Komm schon, so schlimm ist das nun wirklich nicht. Etwas zu vergessen kann jedem mal passieren.“ sagte sie. „Aber eins muss ich ja sagen, so ein rotes Gesicht sieht richtig süß bei dir aus.“ fügte sie schmunzelnd hinzu, worauf hin Mara spürte wie ihr noch mehr Blut ins Gesicht schoss und das Schmunzeln der Herrin wich einem breiten Grinsen. Schnell senkte sie den Kopf und aß weiter.

Als Mara dabei war ab zu räumen sagte Herrin Julia „Wir gehen heute Abend aus. Wenn du mit der Küche fertig bist, zieh dir bitte was passendes an.“
„Ja Herrin“ sagte Mara und knickste, was ihr ein erneutes Grinsen von Herrin Julia einbrachte.
„Das machst du aber bitte nicht den ganzen Abend.“ sagte diese. „Da wo wir hin gehen ist das etwas fehl am Platze.“
„Ich verstehe. Was soll ich denn an ziehen?“ wollte Mara wissen.
Herrin Julia warf ihr einen kurzen Blick zu. „Ach Herr je. Daran habe ich ja garnicht gedacht als wir einkaufen waren.“ Sie musterte Mara von unten nach oben und bemerkte ihr Grinsen. „Grins nicht so frech. Ich bin die Herrin, ich darf das.“ auch Julia grinste nun breit. „Warte mal.“
Herrin Julia ging in ihr Zimmer während Mara weiter die Küche auf räumte und das Geschirr in die Spülmaschine stellte. Als sie mit einer Hose, einem Hemd und einem Paar Schuhe zurück kam stellte Mara gerade die Spülmaschine an. Die Küche sah nun genau so sauber aus wie vor dem Essen.
’Respekt. So schnell hab ich das nie geschafft alles wieder auf Vordermann zu bringen’ dachte sich Julia. Sie gab Mara die Kleider „Hier, das kannst du an ziehen. Das nächste Mal wenn wir einkaufen fahren, besorgen wir dir was passendes.“
Wieder knickste Mara und ging unter Julias grinsendem Blick nach oben wo sie sich um zog. Die Tunika hing sie zurück in den Schrank und breitete die Sachen auf dem Bett aus. Sie zog die Hose an die aus schwarzem Wildleder bestand und ihr gut passte aber an den Beinen ziemlich weit war da es sich offenbar um eine Herrenhose handelte. Sie suchte den Reißverschluss, fand aber statt dessen nur eine Schnur mit der sie verschlossen werden musste. Sie zog den Verschluss so weit zusammen wie es ging und zog dann den Gürtel durch die Schlaufen und schloss ihn. Auch das schwarze Hemd aus Leinen hatte keine Knöpfe sondern wurde am Kragen geschnürt, war aber sonst vorne geschlossen. Auch an den Ärmeln befanden sich Schnürungen die fast von der Schulter bis zu den Manschetten reichten. Sie zog das Hemd einfach über und betrachtete sich im Spiegel. So konnte sie unmöglich irgend wo hin gehen. Das Hemd hing wie ein Sack an ihr herunter und reichte bis zur Mitte der Oberschenkel. Doch dann bemerkte sie einen weiteren Gürtel der auf dem Bügel hing auf dem das Hemd gehangen hatte. Sie nahm diesen und wand ihn sich um die Taille. Das sah schon besser aus. Aber er hatte keinen Verschluss sondern nur einen einzigen Ring am Ende. Etwas ratlos betrachtete sie den Gürtel und versuchte, diesen zu schließen, was ihr aber nur mit einem recht unansehnlichen Knoten gelang.

Sie beschloss die Herrin zu bitten, ihr mit dem Knoten zu helfen und betrachtete sich nochmals im Spiegel. Dabei fragte sie sich, wo hin man mit so einem Aufzug aus gehen sollte. Doch Herrin Julia würde ihr sicher schon nichts gänzlich unpassendes gegeben haben. Sie wollte die Schuhe an ziehen doch wollte sie diese nicht ohne Socken tragen, also suchte sie noch ein Paar schwarze Socken heraus und zog dann die Schuhe an. Bei denen handelte es sich eher um Stiefel als um Schuhe und wurden an der Seite geschnürt. Die gut acht Zentimeter hohen, sehr breiten Absätze bereiteten ihr beim Gehen kaum noch Probleme, da sie sich in den letzten Tagen an das Tragen von Schuhen mit Absätzen bereits gewöhnen musste.

So gekleidet ging sie nach unten und wartete im Wohnzimmer auf Herrin Julia. Als diese aus dem Schlafzimmer heraus kam traute Mara sie ihren Augen nicht. Sie trug, genau wie sie selbst ein komplett schwarzes Outfit, dieses aber komplett in schwerem, mattem Leder. Der Faltenrock reichte bis zum Boden und die Bluse mit den weiten Ärmeln ließ mehr sehen als das sie verdeckte. Jemand der von oben in ihr Dekolletee sah würde vermutlich bis zum Boden schauen können vermutete Mara. Viel wahrscheinlicher würde man so aber die Schuhe sehen können die sie trug. Diese schwarzen Schuhe oder Stiefel, so genau konnte Mara das wegen dem Rock nicht sehen, waren rund herum mit glänzendem Metall besetzt und klapperten laut auf dem Boden so das Mara vermutete, daß dieses Metall auch unter den Sohlen war. Ihre blonden Haare bildeten einen extremen Kontrast zu der schwarzen Kleidung. Ihre Augen und ihre Lippen hatte sie pechschwarz geschminkt was einen ebenso starken Kontrast zu ihrem hellen Makeup bildete.

„So geht das aber mal garnicht.“ sagte Herrin Julia als sie einen Blick auf Mara warf. „Das Unterhemd zieh bitte mal aus.“
Mara nickte nur knapp und zog das Hemd aus. Dazu musste sie die Schnürung der Ärmel wieder lösen und bis zu den Ellenbogen auf ziehen. Während sie das Unterhemd aus zog verschwand Herrin Julia wieder im Schlafzimmer und kehrte kurze Zeit später wieder zurück. Sie half Mara beim Schnüren der Ärmel und des Kragens, den sie aber weit offen ließ. Dann gab sie ihr eine silberne Halskette mit einer Art Amulett als Anhänger der genau unter der Schnürung zum liegen kam. Zum Schluss half sie ihr noch dabei den Gürtel richtig zu schließen indem sie das lose Ende einmal durch den Ring zog, unter dem Gürtel entlang führte und dann durch die dabei entstandene Schlaufe zog. So blieb ein guter halber Meter des Gürtels neben ihrer Hüfte hängen.
„So sieht das schon besser aus.“ sagte Herrin Julia und schaute sie zufrieden an. Sie gab ihr einen schweren Ledermantel der über einem Stuhl in der Essecke hing.
„Du fährst. Ich werde heute sicher was trinken.“ sagte Herrin Julia. „Und nimm unten deinen Schlüssel mit, man weiß ja nie.“ sie zwinkerte Mara grinsend zu.

Als die beiden im Auto saßen zeigte Julia Mara den Weg. „So wie wir beide aussehen wäre es doch gelacht, wenn wir alleine nach hause fahren.“ Julia grinste breit „Wenn du das Auto brauchen solltest, im Zweifelsfall fahre ich nachher mit dem Taxi heim.“
Mara wandte sich zu ihr und warf ihr einen entsetzten Blick zu. Dabei achtete sie für einen Moment nicht auf die Straße und wäre beinahe einem anderen Auto aufgefahren, was sie nur durch starkes Bremsen verhindern konnte.

Statt zu schimpfen lachte Herrin Julia lauthals. „Schau nicht so entsetzt. Ich bin zwar über 50 aber ich bin trotzdem eine Frau. Und dir würde das wahrscheinlich auch mal gut tun. Dann bist du vielleicht nicht mehr so verklemmt.“ Wieder zwinkerte Herrin Julia ihr vielsagend zu. „Da vorne dann links und als gerade aus.“
Mara konzentrierte sich auf die Straße. Sie war das letzte Mal vor mindestens sechs Jahren aus gegangen und da war an so etwas für sie noch nicht zu denken, während ihre Freundinnen bereits ziemlich aktiv waren was Jungs betraf. Sie fühlte wie nervös sie war, was durch die Ankündigung von Herrin Julia, nicht alleine nach hause fahren zu wollen, nicht besser wurde, zumal sie kaum eine Vorstellung hatte was das wohl für ein Laden sein sollte in dem man in so einem Outfit jemanden kennen lernen sollte.

Es war bereits 21 Uhr und dunkel als sie in ein Gewerbegebiet in der Nähe eines großen Bahnhofes ein bogen. Langsam fuhr Mara die Straße entlang bis Herrin Julia ihr sagte, sie solle hier mal einen Parkplatz suchen. Diesen fand sie recht schnell und lenkte den Wagen in die recht breite Parklücke. Die Beiden stiegen aus und gingen einige Meter zurück zu einer flachen Halle. Neben dieser war durch eine Hecke hindurch ein gemütlicher Biergarten zu erkennen. Es standen zwar ein paar Grüppchen im Bereich des Einganges aber es gab keine Schlange die auf Einlass wartete. Vermutlich weil es einfach noch zu früh war vermutete Mara. Herrin Julia ging geradewegs auf den Eingang zu und trat ein.

„Hallo Julia.“ wurde diese von dem Türsteher begrüßt.
„Hallo Mario.“ grüßte sie diesen zurück. Die Beiden umarmten sich und der Riese von einem Mann, er war bestimmt zwei Meter groß und so breit, das er vermutlich gerade so durch eine normale Tür passte, beugte sich zu Julia herunter so das sie ihm ein Bussi geben konnte. Seine Unterarme waren dicker als Maras Oberschenkel und seine Muskeln konnte man selbst durch das Hemd hindurch welches er trug noch deutlich erkennen.

Er hielt Julia die nächste Tür auf und diese verschwand durch diese.
„Und wer bist du?“ fragte der Mann und musterte Mara eingehend.
„Sie gehört zu mir.“ rief Herrin Julia hinter der Tür.
„Ich bin Mara.“ sagte diese eingeschüchtert.
„Du gehörst ihr oder gehörst du nur zu ihr?“ fragte der Riese im Plauderton.
„Ich gehöre ihr.“ sagte Mara. Sie war immer noch etwas eingeschüchtert von diesem Berg von einem Mann.
„Na, dann.“ sagte der Mann. „Ich bin Mario.“ der Mann reichte ihr die Hand und gab ihr einen Händedruck wie ein Schraubstock und lächelte dabei breit, so das seine strahlend weißen Zähne zum Vorschein kamen.
Mara wollte gerade weiter gehen doch Mario hielt sie zurück. „Halt, du brauchst noch was, sonst kommst du nachher nicht wieder rein.“ er ließ ihre Hand nicht los sondern hielt sie weiterhin fest. Von einer Ablage nahm ein einen Stempel und drückte ihn ihr auf den rechten Handrücken.
„Wenn du den an der Theke zeigst, bekommst du dein Trinken gratis. Rechts ist die Garderobe. Aber ich würde dir raten, lass den Mantel an, der macht ordentlich was her.“ sagte er und ließ endlich ihre Hand los.
„Danke.“ sagte Mara und ging durch die nächste Tür hindurch. Mario klopfte ihr noch auf die Schulter, was sich anfühlte als würde er sie dabei einen Meter in den Boden drücken wollen.

„Lass dich von Mario nicht einschüchtern. Er ist ein ganz lieber. Seine Töchter müssten ungefähr in deinem Alter sein.“ Mit diesen Worten empfing Herrin Julia sie hinter der Tür und ging dann geradewegs weiter bis zur nächsten Tür. Hinter dieser erklang das laute Wummern lauter Bässe und das hohe Kreischen einer E-Gitarre. Julia öffnete die Tür und laute Rockmusik dröhnte ihnen entgegen. Schnell folgte Mara ihr und schaute direkt in blinkende, bunte Spotlights. Dadurch war sie für einen Moment geblendet und bemerkte nicht, das Julia bereits weiter gegangen war. Als sie wieder richtig sehen konnte suchte sie ihre Herrin die nach rechts zu einer Theke gegangen war und sich mit der Frau dahinter unterhielt. Schnell ging Mara zu ihr.
„Hallo Mara.“ begrüßte die Frau sie laut rufend, anders konnte man sich hier kaum unterhalten.
Mara erwiderte den Gruß. „Hallo Katja.“ sagte sie.
„Ich nehm das übliche. Mara kannst du alles geben außer Alkohol.“ sagte Herrin Julia.
Mara nahm eine Limo und folgte Herrin Julia die geradewegs an der Theke vorbei ging, an einer Tanzfläche vorbei und zu einer schmalen Treppe die einige Stufen nach oben auf eine Art Empore führte. Dort standen einige kleine, runde Tische mit je vier Stühlen. Hier war es seltsamerweise wesentlich leiser als vor und neben der Tanzfläche so das eine normale Unterhaltung möglich war. Herrin Julia setzte sich an einen der Tische und deutete Mara, sich ebenfalls zu setzen. Diese schaute sich nun um. Sie saßen ungefähr mittig etwa einen Meter oberhalb der Tanzfläche. Nur noch drei weitere Leute saßen auf dieser Empore. Alle drei trugen ähnliche Sachen wie sie gerade. Die Frau hatte sich mit Ketten, nieten verzierten Armbändern und anderen martialisch aussehenden Schmuckstücken behangen. Rechts neben der Tanzfläche, direkt an der Wand befand sich ein langer, mit einem Geländer gesicherter Lauf und auf diesem eine Art Bank die über dessen gesamte Länge ging. Auch dort saßen nur zwei Leute und wippten im Takt der Musik mit den Füßen. Hinter der Tanzfläche, neben der großen Theke standen mehrere runde Stehtische. Die Tanzfläche war komplett leer.
„Das wird nachher noch voller hier.“ sagte Herrin Julia und deutete auf die Tanzfläche. In einem Zug trank sie ihr Glas aus und winkte damit in Richtung der Theke.
„Was macht Katja denn eigentlich hier?“ fragte Mara.
„Na, was denkst du denn? Sie arbeitet hier. Sie finanziert sich damit ihr Studium.“ erklärte Herrin Julia.
Mara nickte verstehend.
„Dieser Laden hier existiert schon eine ganze Weile. Als ich jung war hab ich hier fast jeden Abend verbracht. Aber vor ungefähr 20 Jahren hat der Besitzer pleite gemacht und die neuen Besitzer hatten die grenzdebile Idee, einen Techno-schuppen aus dem Laden zu machen. Aber die haben zehn Jahre später eine andere, größere Halle gekauft und ihren Laden da auf gemacht. Vor fünf Jahren sind die dann pleite gegangen. Jedenfalls hat die Tochter des alten Besitzers zusammen mit zwei Freunden den Laden hier gekauft als er wieder frei war und alles wieder so eingerichtet wie früher. Seit dem läuft der Laden hier richtig gut.“ erklärte Herrin Julia Mara die nur verstehend nickte.

Katja brachte zwei neue Getränke und stellte sie vor den Beiden ab. Mara leerte darauf hin schnell ihr Glas das Katja gleich mit nahm. Herrin Julia schaute sie an, hob ihr Glas und sagte Prost. Auch Mara nahm ihr Glas und prostete ihr zu. Die Beiden setzten die Gläser an und tranken. Mara hatte ziemlichen Durst und trank gleich einen großen Schluck. Sie schaute Herrin Julia entsetzt an und fing an heftig zu husten. Julia hatte ebenfalls einen Schluck getrunken, hielt in der Bewegung inne und schaute mit einem leicht angeekelten Blick auf ihr Glas. Mara stellte unter Husten und mit tränenden Augen das Glas ab. Es dauerte eine ganze Weile bis ihr brennender Hals sich beruhigte. „Was ist das denn?“ fragte sie heißer und sah zu Julia während ein warmes Gefühl von ihrem Magen aus in ihren ganzen Körper bis in den Kopf zog.
Diese fing an zu lachen und klopfte ihr auf den Rücken. „Ich glaube, Katja hat unsere Gläser vertauscht.“ sagte sie lachend und tauschte diese aus. Sofort nahm Mara das Glas, roch vorsichtshalber daran und trank einen großen Schluck. Sofort beruhigte sich ihr Magen ein wenig und das Brennen hörte auf. „Was ist das?“ fragte sie erneut. Ihre Augen tränten noch immer.
„Das war Whiskey.“ sagte Julia. „Sag nur, du hast sowas noch nie getrunken?“
Mara schüttelte energisch den Kopf.
„Du hast noch nie Alkohol getrunken?“ fragte Julia erstaunt.
„Doch, schon. Aber sowas noch nicht.“
„Ist vielleicht auch besser so.“ sagte Herrin Julia noch immer mit einem breiten Grinsen im Gesicht. „Komm, trink aus, wir gehen tanzen.“ Julia stand auf, fasste sie an der Hand und zog sie mit sich.
Sie gingen zu der kleinen Kanzel neben der Bühne wo Julia die wenigen Stufen hinauf ging und dem DJ auf die Schulter tippte. Der drehte sich zu ihr um und die Beiden unterhielten sich eine ganze Zeit lang bis das Lied zu Ende war. Er drehte sich um und tippte etwas auf einem Pad, sofort erklang ein anderes Lied und Julia zog Mara zur auf die Tanzfläche und begann sich im Takt der Musik zu bewegen. Auch Mara begann, wenn auch ein wenig unbeholfen, zu tanzen.

So verging eine ganze Weile während der auch Mara ein wenig lockerer wurde und langsam Gefallen daran fand zu tanzen. Doch beide tanzten eher nebeneinander her als miteinander.

Nachdem ein weiteres Lied endete gingen Beide zurück zu dem Tisch an dem sie gesessen hatten. Doch dieser war bereits wieder besetzt, also ging Julia zuerst zur Theke wo sie noch einmal Getränke bestellte und Katja ermahnte die Gläser nicht wieder zu vertauschen, dann verließen die den Raum und gingen in einen Nebenraum in dem zwar die selbe Musik spielte wie in dem Anderen, hier jedoch wesentlich leiser so das man sich problemlos unterhalten konnte. Mara schaute sich in dem Raum um in dem es ebenfalls eine, wenn auch kleinere Theke gab und in kleinen Gruppen große Sofas und Sessel um niedrige Tische herum standen.

Julia steuerte auf eine dieser Sitzgruppen zu und trat einem Mann der sich auf einer der Sofas lang hin gelegt hatte gegen die Füße. „Hey, mach dich mal nicht so breit.“ sagte sie.
Der Mann drehte den Kopf zu den Beiden und schaute ohne eine Regung erkennen zu lassen lange aus stechend blauen Augen an die aus einem Gesicht mit einem stattlichen Vollbart heraus schauten. Als sein Blick Mara traf, trat sie einen Schritt zurück und versteckte sich hinter Julia. Diese stemmte die Arme in die Hüften und schaute dem Mann direkt ins Gesicht. Er stand langsam auf und stellte sich drohend vor Julia. Er überragte sie um mindestens einen Kopf.

Die Anderen die mit ihm an dem Tisch saßen beachteten die Beiden garnicht sondern unterhielten sich einfach weiter als sei nichts geschehen. Der Mann ballte die Rechte zur Faust und hielt diese in Julias Richtung. Mara hatte schon Angst daß es hier zu einer Schlägerei kommen würde und ihr war klar, das Julia, und sie selbst eben so, wenn sie mit in diese hinein gezogen werden würde, ganz sicher den Kürzeren ziehen würde. Nun ballte Julia ebenfalls die Hand zur Faust. Sie bewegte sie auf die Faust das Mannes zu und als sich die Fäuste berührten, öffneten beide die Hände und zogen sie zurück. „Na Kleiner? Heute alleine hier?“ fragte Julia.
„Flo kommt später. Und bloß weil ich fünf Minuten jünger bin, musst du mich nicht auch noch dauernd Kleiner nennen.“ sagte der Mann.
Julia grinste breit und sie Beiden setzten sich auf das Sofa. Julia deutete Mara, sich ebenfalls zu setzen. Sie suchte sich sich einen freien Platz in einem Sessel und setzte sich schüchtern auf dessen Kante. „Das ist Rolf.“ sagte sie zu Mara gewandt. „Rolf, das ist Mara.“
Mara nickte und deutete im Sitzen einen Knicks an. Rolf beugte sich zu ihr und reichte ihr die Hand. „Hi, freut mich, dich kennen zu lernen.“ sagte er.
„Pass mal auf Kleiner, ich hab da eben was gesehen. Ihr passt mir schön auf Mara auf.“ sagte Julia und stand auf. Sie wandte sich zu den Beiden Männern die ihr gegenüber auf dem Sofa saßen „Das gilt auch für euch Beide. Verstanden?“ fragte sie. Einer der Beiden, er hatte schulterlanges, blondes Haar, streckte ihr die Hand mit erhobenem Daumen entgegen und nickte. Darauf hin ging sie und ließ Mara mit den drei Männern alleine.

„Soso, hat sie also tatsächlich eine Serva gekauft.“ Rolf sah Mara und und unter seinem etwas struppigen Bart war sowas wie ein Grinsen zu sehen. „Hätte nicht gedacht, das sie das tatsächlich macht. Lass dich von ihr nicht einschüchtern. Sie ist schwer in Ordnung.“ sagte er.
Mara schaute ihn ein wenig verwirrt an. Es war nicht Herrin Julia die sie im Moment einschüchterte sondern Rolf. Doch offen zugeben wollte sie das nicht gerade. Doch es stellte sich heraus, das auch Rolf entgegen seinem Aussehen recht nett war und nach einer Weile während meistens er redete wurde auch Mara ein wenig lockerer und es entspann sich eine lockere Unterhaltung zwischen ihnen in die auch die beiden anderen Männer, sie hießen Jens und Volker und waren ehemalige Kommilitonen von Rolf, mit ein fielen.

„Was trinkst du denn?“ fragte Rolf. Er war auf gestanden um sich etwas zu trinken zu holen und hatte Mara gefragt, ob er ihr etwas mit bringen sollte. Mara sagte ihm das sie Limo trank, worauf hin er allerdings nicht zur Theke sondern in den Tanzsaal ging. „Sextanerblase.“ sagte Jens grinsend als Rolf verschwand. „Wenn dir hier jemand was zu trinken ausgibt oder du mal dein Glas irgend wo stehen lässt, dann schau dir das hier an.“ sagte er und deutete auf sein Glas, genauer gesagt auf einen gelben Streifen der sich fast am Boden einmal rund um das Glas zog. „Wenn das da rot ist, dann sind da irgend welche Schlafmittel drinne. Am Besten schüttest du ihm das Zeug dann direkt ins Gesicht und gehst mit dem Glas zum Türsteher, die verstehen bei sowas nämlich keinen Spaß.“ erklärte er redselig.

„Mach mal Platz, das ist mein Sessel.“ sagte jemand hinter Mara. Sie schaute auf und sah Rolf der ein sie ein wenig unwirsch an sah.
„Hey, mach hier keinen Aufstand Großer. Sie gehört zu Julia. Da ist doch noch genug Platz.“ sagte Volker, worauf hin Rolf und seine beiden Begleiterinnen, es waren offenbar Zwillinge, denn abgesehen davon das sie absolut identisch gekleidet waren, sie trugen kurze Lederjacken, verwaschene Bluejeans und Heels mit extrem hohen Absätzen, sahen sie auch noch genau gleich aus.
Rolf und die beiden Frauen setzten sich auf das Sofa während Volker sie einander vorstellte. „Das ist Flo. Und das sind Anke und Heike. Ich kann dir leider nicht sagen, wer von den Beiden Anke und wer Heike ist.

Flo? Fragte sich Mara. Langsam begriff sie das Flo und Rolf offenbar auch Zwillinge waren. Und als dieser mit zwei Gläsern zurück kam und eines davon vor Mara ab stellte, hatte sie darüber Gewissheit, denn die Beiden sahen tatsächlich genau gleich aus. Rolf schaute Anke und Heike nacheinander tief in die Augen, fasste eine der Beiden dann im Nacken, zog sie zu sich heran und küsste sie. „Hi Süße.“ sagte er und setzte sich neben sie, so das es auf dem Sofa ziemlich eng wurde. Doch das schien den Vieren nichts aus zu machen.

„Wie kann man euch denn auseinander halten?“ fragte Mara zu Rolf gewandt.
Darauf hin sahen sowohl er und auch Flo sie an und lachten. „Ist doch ganz einfach.“ sagte Flo „Ich bin der ältere, das sieht man doch.“
„Dafür bin ich der schönere.“ fiel Rolf ein. Worauf hin alle, auch Mara, anfingen zu lachen.
„Mal ganz im Ernst, wenn man sie ’ne Weile kennt, dann sieht man die Unterschiede irgend wie.“ erklärte Jens. „Und bis man das raus hat, der mit der Narbe über dem Auge, das ist Flo.“
Nun sah Mara genauer hin und erkannte das Flo tatsächlich eine Narbe über dem rechten Auge hatte.
„Er ist als Kind vor einen Tisch gelaufen. Seitdem hat er die Narbe und den Dachschaden.“ erklärte Rolf lachend.

Mara entspannte sich immer mehr und auch Anke und Heike stellten sich als ziemlich nett heraus. Sie tranken und unterhielten sich noch eine ganze Weile und gingen dann noch mal in den Tanzsaal. Während die Anderen sofort anfingen zu tanzen blieb Mara neben der Tanzfläche stehen und beobachtete sie, bis Jens auf sie zu kam, sie an der Hand fasste und einfach mit sich auf die Tanzfläche zog. „Bei dem Gedränge merkt keiner wenn du nicht so gut tanzen kannst.“ rief er ihr zu. Sie begann sich zur Musik zu bewegen und machte den Anderen einfach die Bewegungen nach. Das schien ganz gut zu funktionieren und klappte auch bei den etwas schnelleren Stücken ziemlich gut. Zum ersten Mal seit zwei Jahren, wenn nicht sogar noch viel länger, fühlte Mara sich richtig entspannt und genoss einfach die Musik, den Lärm der Menschen und sogar das Gedränge auf der Tanzfläche. Mit halb geschlossenen Augen bewegte sie sich immer wilder zur Musik und war irgend wann reichlich erschöpft.

„Na, dir scheint es ja zu gefallen.“ rief eine Stimme und sie öffnete die Augen. Sie sah direkt in Herrin Julias Gesicht die sie anlächelte und an der Schulter hielt.
„Ja, Herrin, mir gefällt es hier.“ sagte Mara.
„Das freut mich.“ sagte Julia und schaute sie dann eindringlich an. „Aber übertreib es nicht. Mach bitte mal eine viertel Stunde Pause und trink was.“
Mara nickte „Ja Herrin.“ sage sie und verließ die Tanzfläche. Als sie sich umdrehte war Julia bereits nicht mehr zu sehen. Nun merkte sie selbst wie erschöpft und verschwitzt sie war. Sie ging zur Theke und bestellte dort eine Limo.
„Macht zweifuffzig.“ sagte die Frau die ihr die Limo hin stellte. Mara schaute sie groß an, sie hatte nicht einen Cent in der Tasche. Doch dann fiel ihr der Stempel ein und sie hielt der Frau die Hand hin. „Alles klar.“ sagte diese und bediente den nächsten Gast.

Mara ging in das Nebenzimmer wo Rolf, oder war es Flo mit Anke oder Heike auf dem Sofa saßen und sich mit Jens unterhielten der mit im Nacken verschränkten Armen auf dem anderen Sofa lag. Als er Mara sah, stand er sofort auf und machte ihr Platz.

Wieder unterhielten sie sich eine Weile. Heike, Flos Frau, wollte wissen, wie es ist, Serva zu sein und wie die Schule gewesen war, was Mara bereitwillig beantwortete. Sie ging später noch einmal tanzen und als sie ebenso erschöpft wie vorhin zurück kam, saß Julia am Tisch, hinter ihr stand ein Mann auf den Sessel gelehnt und schien auf etwas zu warten. Mara knickste vor Julia und setzte sich neben Jens auf das Sofa.
„Auf mich brauchst du nicht zu warten Mara.“ sagte Julia. „Ich fahre mit Max und du spielst nachher Aschenputtel.“ sie wandte sich an Rolf und Flo „Und ihr Beide passt auf sie auf und sorgt dafür, das sie rechtzeitig heim fährt.“
„Alles klar.“ sagte Rolf, oder war es Flo? mit einem breiten Grinsen unter seinem Bart.
Julia, die aufgestanden war, hakte sich bei Max unter und ging mit ihm zum Ausgang.
Mara schaute ihr ein wenig ratlos hinter her. „Was heißt denn ich soll Aschenputtel spielen?“ fragte sie in die Runde.
„Kennst du das Märchen nicht? Aschenputtel war auf dem Ball des Prinzen und musste um Mitternacht gehen weil das verzauberte Kleid und ihre Kutsche dann verschwanden.“ erklärte Volker.
„Verstehe.“ sagte Mara lachend. „Also soll ich um Mitternacht zu Hause sein.“
„Nein, du sollst um Mitternacht gehen.“ berichtigte Rolf sie. „Und wo wir schon mal dabei sind, Tunfisch, Salami oder Hawaii?“ fragte er.
Mara schaute ihn fragend an.
„Na, deine Pizza. Willst du sie mit Tunfisch, Salami oder Schinken und Ananas? Was anders gibt es hier nämlich nicht.“
„Ich habe eigentlich gar keinen Hunger.“ sagte Mara.
„Macht nichts. Sie hat gesagt, du sollst was essen und trinken. Und wenn ich dich so ansehe, muss ich ihr mal recht geben.“ erwiderte Rolf.
„Dann nehme ich Salami.“ sagte Mara.
„Alles klar.“ Rolf stand auf und kam eine ganze Weile später mit mehreren Pizzen und einem Tablett voller Gläser zurück. Obwohl sie meinte keinen Hunger zu haben aß Mara die allerdings recht kleine Pizza komplett auf.

Während sie aßen setzte sich eine Frau auf einen Sessel am Nebentisch und schien auf jemanden zu warten. Sie hatte lange, dunkle Haare und ein recht markantes, kantiges Gesicht mit vorstehenden Wangenknochen. Irgend etwas kam Mara an dieser Frau komisch vor, oder war es die Tatsache, das sie ziemlich oft zu ihnen herüber schaute?
„Sagt mal,“ sagte Rolf ziemlich laut, „Was ist eigentlich mit Frank? Den hab ich schon eine ganze Weile nicht mehr hier gesehen.“ In diesem Moment wandte die Frau sich ab und schien die Wand an zu starren.
Volker nickte Rolf kaum merklich zu und sagte „Nee, seit diese Sabine ihn mit diesem Studenten verarscht hat, kommt er kaum noch her, kann ich ihm auch nicht verübeln.“ er sprach genau so laut wie Rolf.
„Ich hab ihn aber danach noch ein paar mal hier gesehen. Ist aber auch schon wieder eine Weile her.“ fiel Jens ein.
Mara schaute ein wenig verwundert in die Runde. Flo bemerkte ihren Blick und erklärte, eben so laut wie die Anderen „Frank war eine ganze Weile mit dieser Sabine zusammen, haben jedenfalls alle geglaubt. Aber sie hatte die ganze Zeit lang schon was mit diesem Studenten, so einem blonden, langhaarigen Bombenleger.“ er strich sich grinsend durch seine eigenen, mehr als schulterlangen Haare. „Er war am Boden zerstört und wir durften uns das damals alle anhören. Wegen ihr hatte er damals sein eigenes Studium ziemlich vernachlässigt und musste zwei Semester wiederholen.“
„Wenn ich die erwischen würde, ich glaube, ich würde ihr die Augen aus kratzen.“ fiel Heike, es konnte aber auch Anke gewesen sein, ein.
„Lass gut sein Schwester.“ sagte die andere der Beiden. „Die wird schon bekommen, was sie verdient. Ich hab gehört, die beiden wollen heiraten. Sie wird balde Kinder bekommen, fett werden und er wird sich eine Geliebte suchen, dann weiß sie wie es ist, so verarscht zu werden.“

Mara, die dieser Unterhaltung schweigend zugehört hatte bemerkte am Nebentisch eine Bewegung. Die Frau war aufgesprungen und schrie „Das stimmt doch alles garnicht, ich bin ihm nicht fremd gegangen. Und außerdem ist Frank ein Weichei. Mit so jemandem will doch sowieso keine freiwillig zusammen sein. Damit der überhaupt eine Frau ab bekommt, muss er sich schon eine Sklavin kaufen, sowas wie die da.“ sie zeigte mit dem ausgestreckten Finger auf Mara.
Sofort herrschte eisiges Schweigen am Tisch und alle sahen sie ziemlich verärgert an.Auch einer der Türsteher der wegen des Geschreis her gekommen war, schaute sie mit eisigem Blick an. „Ich denke, Sie sollten jetzt besser das Haus verlassen.“ sagte er zu der Frau „Sowas wollen wir hier garnicht erst anfangen.“ Er fasste sie recht unsanft am Arm und führte sie nach draußen.

„Autsch, das ging mal tief unter die Gürtellinie.“ brach Jens das Schweigen. „Tut mir leid. Das die so ausrastet hätte ich nicht gedacht. Aber die war schon immer ganz schön zickig.“
Mara schaute ein wenig betreten drein und schüttelte den Kopf. „Schon gut.“ sagte sie leise.
„Nein, das ist nicht gut.“ erwiderte Jens „Sowas ist einfach das aller Letzte. Dich so zu beleidigen, bloß weil du dieses Halsband trägst, das wäre genau das Selbe wie wenn wir sie so beleidigen würde, weil sie schwarze Haare hat.“
„Dann würden dir aber einige ganz gehörig aufs Dach steigen.“ sagte Heike und warf ihre schwarze Mähne mit einer Kopfbewegung nach hinten.
„Eben. Und sowas intolerantes will kein Mensch haben.“ sagte Jens.

Der Türsteher kam in diesem Moment zurück und ging zu Mara. „Das was eben passiert ist tut mir leid. Dafür möchte ich mich bei Ihnen entschuldigen. So etwas wird hier nicht geduldet. Diese Frau wird die Nacht über in der Ausnüchterungszelle verbringen und die nächsten zwei Jahre hier nicht mehr auftauchen.“ Mara schaute zu ihm auf, wobei sie sich ein wenig unwohl fühlte und bemerkte ein breites Pflaster auf seiner Wange. „Wenn Sie oder Ihre Herrschaft Anzeige gegen sie erstatten wollen, wir haben die Personalien aufgenommen und ich stehe ihnen gerne als Zeuge zur Verfügung.“
„Vielen Dank.“ sagte Mara. Sie schaute noch immer ein wenig betreten drein.
„Außerdem möchte ich Ihnen das hier im Namen des Hauses geben.“ sagte der Mann und reichte Mara eine kleine Plastikkarte.
„Vielen Dank.“ sagte Mara und schaute sich die Karte an. Auf dieser stand, das sie ein Jahr lang freien Eintritt hatte und für die Getränke in dieser Zeit nur die Hälfte bezahlen musste. Sie wollte sich noch mal bei dem Türsteher bedanken, aber dieser war bereits wieder verschwunden.

„Wenn du heim willst, dann begleiten wir dich.“ sagte Flo zu Mara. „Aber ich finde es schade, wenn du dir wegen sowas den Abend vermiesen lässt.“
Mara schüttelte den Kopf. Sie wollte sich durch diesen Zwischenfall ihre Laune nicht verderben lassen und den Abend so lange es nur ging auskosten.
Jens stand auf und holte noch eine Runde Getränke. Danach wollten alle noch einmal tanzen gehen.

„Entschuldigung, habt ihr meine Freundin gesehen? Sie wollte hier auf mich warten.“ Ein Mann war zu ihnen getreten und hielt zwei Gläser in der Hand. „Sie hat lange, schwarze Haare und ist etwa so groß.“ er hielt eine Hand etwa in Schulterhöhe wobei das Glas welches er in dieser hielt bedenkliche Schräglage bekam. Der Mann hatte langes, blondes Haar welches er scheinbar beim letzten mal duschen vergessen hatte mit zu waschen.
Mara bemerkte das Volker einen Blick zu Rolf und Flo warf und leicht grinste. „Ziemlich kantiges Gesicht und dunkle Augen?“
„Ja, genau.“ sagte der Mann.
„Die war bis eben noch hier und ist dann gegangen.“ erklärte Volker und hatte einen mitfühlenden Blick aufgesetzt.
„Na toll, sie wollte hier auf mich warten, hat aber etwas länger gedauert.“ sagte der Mann. „Na, der werd ich was erzählen wenn ich heim komme.“
„Das ist genau die richtige Einstellung.“ sagte Flo. „Weißt du, so ein Angebot mache ich nicht jedem, aber wenn du ein paar Hilfsmittel brauchst um ihr zu zeigen, wer der Herr im Haus ist, dann kann ich dir einen Laden empfehlen, unten am Park. Sag, das du von mir kommst und du bekommst da einen ordentlichen Rabatt.“
Mara hörte fasziniert dem Gespräch zu welches Flo und Rolf mit dem Mann führten. Es lief darauf hinaus, das man eine Frau in der Beziehung ordentlich disziplinieren musste und ihr zeigen musste, wer das Sagen hat. Anke und Heike vermittelten während dieses Gespräches den Eindruck, als würde genau das, was die Beiden Männer sagten, jeden Tag bei ihnen zu Hause passieren und das sie wegen jeder Kleinigkeit bestraft würden und das sie das auch noch vollkommen richtig fanden.
„Sagt mal, wolltet ihr Drei nicht noch mal tanzen gehen?“ fragte Rolf.
Heike und Anke nickten und machten dabei einen sehr unterwürfigen Eindruck. Sie standen auf, winkten Mara zu mit zu kommen und gingen mit ihr zusammen in den Tanzsaal.
„Das klingt ja schlimmer als in der Schule.“ sagte Mara als sie den Nebenraum verließen. „Stimmt das? Machen die Beiden das tatsächlich mit euch?“
„Quatsch.“ sagte eine der Beiden lachend. „Die Beiden sind lammfromm. Ab und zu mal ein wenig den Hintern verhauen oder Fesseln und knebeln, mehr passiert da nicht.“
„Den Hintern verhauen?“ fragte Mara ungläubig.
„Naja, manchmal auch etwas mehr als ein Bisschen.“ sagte die Andere der Beiden zwinkernd und ging zur Tanzfläche.
Mara, der gerade klar wurde, wo hin das Gespräch führen sollte, welches die Männer mit dem Anderen führten, ging ebenfalls auf die Tanzfläche und begann zu tanzen.

„So Aschenputtel.“ hörte Mara eine Stimme hinter sich. Es war Rolf, wie sie bei genauerem hin sehen erkannte. „Wir haben versprochen, dich um Mitternacht heim zu schicken.“
Mara nickte und ging mit Rolf zusammen in den Nebenraum wo Flo, Heike und Anke bereits ihre Jacken an zogen. Er bestellte Mara noch ein Glas Limo welches sie schnell aus trank.
„Sag mal, kannst du uns vier noch heim bringen? Wir haben alle genug getrunken. Und wenn du schon mal Julias Auto hast, wäre das echt klasse.“ fragte eine der beiden Frauen, Mara hatte noch nicht erkannt, woran man die Beiden auseinander halten konnte.
Mara stimmte zu und so gingen die Fünf zusammen an dem Türsteher vorbei zum Parkplatz wo Mara vorhin das Auto abgestellt hatte. Da zwei andere Autos ziemlich nah neben Julias Auto stand, quetschte Mara sich auf den Fahrersitz und setzte den Wagen ein Stück zurück damit die Vier einsteigen konnten. Die beiden Frauen setzten sich auf die Rückbank, Rolf zwischen sich nehmend und Flo nahm auf dem Beifahrersitz Platz. Mara fuhr los und Flo erklärte ihr den Weg. Dieser führte aus der Stadt heraus in einen kleinen Vorort. Dort hielt Mara vor einen modernen Bungalow und ließ die Vier aussteigen.
„Ich danke dir fürs heim Fahren. Eine gute Nacht und bis Morgen.“ sagte Flo und schloss die Tür hinter sich. Mara tippte im Navi die Adresse von Julias Haus ein und fuhr los. Erst als sie schon halb zu Hause war stutzte sie. Wieso hatte Flo ’bis morgen’ gesagt? Sie war sich ziemlich sicher, das Herrin Julia morgen Abend nicht noch einmal tanzen gehen würde, denn Montag früh würde sie wohl wieder im Laden stehen müssen. Oder hatte Katja noch einen zweiten Job als Verkäuferin im Laden? Aber auch das konnte nicht sein, denn Montag würde diese wieder in die Uni gehen müssen. Sie dachte noch kurz darüber nach, entschied sich aber einfach ab zu warten. Zu Hause angekommen stellte sie den Wagen ab und sah einen Kleinwagen neben dem Haus stehen den sie nicht kannte, der würde vermutlich dem Mann gehören mit dem die Herrin so schnell gegangen war, dachte sie sich. So leise wie möglich ging sie ins Haus und sofort nach oben in ihr Zimmer wo sie sich aus zog und kurz wusch. Duschen würde sie morgen früh nach ihrem Morgenlauf den die Herrin ihr erlaubt hatte. Sie legte die Sachen ordentlich auf den Stuhl, zog ihr Nachthemd an und legte sich ins Bett. Dabei fielen ihr die ganzen Spielzeuge die sie vorhin bekommen hatte in die Hände. Sie legte diese auf den Tisch und legte sich dann endgültig ins Bett. Einige Minuten später stand sie auf, ging zum Tisch und schaute sich kurz die Spielzeuge an. Sie nahm sich eines davon und legte sich wieder hin und löschte das Licht. Leicht aufgeregt und mit zitternden Händen nahm sie das Spielzeug, nahm ihre Beine auseinander und führte es unter der Decke nach unten.

- - -

„Ich hasse diese Nachtschichten. Die fühlen sich immer an als würden sie ewig dauern.“ Claudia kippte mit dem Stuhl nach hinten bis er an der Wand lehnte und legte die Füße auf den Tisch. „Ich könnte jetzt mit meinem Mann im Bett liegen und kuscheln.“
Nadine warf ihr einen kurzen Blick zu bevor sie wieder die große Anzeigetafel beobachtete „Wenn dein Sohn nicht wieder mal Monster unter seinem Bett findet.“ sagte sie feixend.
„Jaja, mach dich nur lustig. Wie oft hast du dich denn schon beschwert das du alleine bist? Wenn du dich nur für Nachtschichten einteilen lässt, wie soll sich das denn jemals ändern?“
„Ich schlafe eben morgens gerne mal aus. Außerdem bin ich nun mal ein Nachtmensch.“ Nadine tippte auf eine Pad herum und holte sich einen Ausschnitt des Schaltplans auf den großen Bildschirm. In dessen Mitte blinkte eine Anzeige orange auf. „Hey, was soll das denn?“ fragte sie „Ich dachte, der Schalter ist mittlerweile ausgetauscht worden.“
Nun sah auch Claudia auf den Bildschirm. Sie nahm die Füße vom Tisch und rutschte mit dem Stuhl vor die Anzeigetafel. „Das ist beim Wasserfall. Da wird sicher wieder irgend wo Wasser reingekommen sein. Das sollten wir uns mal ansehen.“
„Wenn du wir sagst, meinst du doch eher mich.“ Nadine warf Claudia einen vorwurfsvollen Blick zu.
„Eine von uns muss schließlich hier bleiben. Aber das nächste mal fahre ich los.
„Jaja, und dann passiert drei Wochen lang wieder nichts und du hast das wieder vergessen.“ sagte Nadine. Sie stand auf, holte ihren Werkzeuggürtel vom Haken, schnallte ihn sich um und ging ohne ein weiteres Wort aus der Zentrale. Sie stieg in eines der bereit stehenden Elektrofahrzeuge und fuhr aus der kleinen Halle heraus. Hinter sich sah sie noch wie sich das Tor wieder schloss als sie auf die Ringstraße ab bog. Fünf Minuten später kam sie an der schmalen Brücke an die sich über den Fluss spannte. Sie stellte den Wagen auf den Parkplatz und ging zu der Stahltür welche in die Felswand eingelassen war. Sie zog den Hauptschlüssel aus der Hosentasche, schloss die Tür auf und ging hinein. Sie folgte dem in den massiven Fels gehauenem Gang gute 20 Meter bis sie zu der Treppe kam. Diese wand sich rund um den Schacht in dem die Versorgungsleitungen von oben nach unten verliefen. Unter sich hörte sie das Rauschen des unterirdischen Baches welcher irgend wo mehrere Kilometer außerhalb des Geländes wieder ans Tageslicht kam. Sie zuckte mit den Schultern und ging die Treppe aus schweren Gitterrosten hinunter. 13 Stufen, dann ein Absatz, wieder 13 Stufen und ein weiterer Absatz. Nach zehn Absätzen, also nach 130 Stufen oder ungefähr 30 Metern war auf dem großen Absatz angekommen von dem eine weitere Tür in den Felsen führte. Sie öffnete auch diese Tür mit dem Hauptschlüssel. Sie schaute noch kurz nach oben wo nun eine einzelne Notleuchte den Ausgang markierte. ’Nachher wieder nach oben, was für ein Spaß. Das nächste Mal kann Claudia laufen’ beschloss sie.

Hinter der Tür schaltete sich automatisch das Licht ein. Der Gang führte noch weitere zehn Meter in den Felsen, dieses Mal parallel zum Fluss, bis zu dem gut einen Meter durchmessenden Generator der einen Teil des Stromes für das Gelände erzeugte. Sie wusste, das der Generator um diese Jahreszeit, kurz nach dem Sommer, nur auf ungefähr halber Leistung lief. Erst in einigen Wochen, wenn die Herbststürme den Fluss mit mehr Wasser versorgten würde der Generator mit voller Leistung laufen. Sie ging den Gang entlang bis in die Kaverne in der der Generator nahezu lautlos seinen Dienst verrichtete. Die dicken Kabel führten zur Decke und dort einige Meter weiter bis zu der Steuerung die die Turbine die sich gute zehn Meter weiter unten im Berg befand steuerte um sie dem Wasserdurchfluss anzupassen. An der gegenüberliegenden Wand standen mehrere Mannshohe Schaltschränke in denen sich die Schalter befanden die die sich hier kreuzenden Kabel des Stromnetzes mit einander verbanden. An einem der Schaltschränke leuchtete ein gelbes Licht auf und zeigte eine Überlastung des daran angeschlossenen Kabels an. Sie warf einen Blick auf das Messgerät welches den gerade fließenden Strom anzeigte. Dieses zeigte einen Strom an der für das angeschlossene Kabel nicht einmal annähernd an dem Grenzwert lag. ’Doch wieder mal Wassereinbruch.’ dachte sie sich und öffnete mit einem Schlüssel den Schaltschrank um sich das Messgerät an zu sehen und auszutauschen wenn es sein musste. Doch das Messgerät schien in Ordnung. Es war trocken und schien auch nicht defekt zu sein. Das Einzige was nicht stimmte, war die Einstellung des Messgerätes. Diese war auf einen Strom eingestellt der garnicht zu dem armdicken Kabel passte welches von hier zu einer weiteren Station in der Nähe des Zentrums führte. Nun wurde sie neugierig und öffnete mit dem Schraubenschlüssel eine weitere Abdeckung. Nun sah sie hinter der nächsten Abdeckung aus durchsichtigem Plastik das Kabel. Sie warf ungläubig einen zweiten Blick durch das Plastik. Das Kabel welches hier laut Plan angeschlossen sein sollte war garnicht angeschlossen. Statt dessen führte ein wesentlich dünneres Kabel von den Anschlüssen des Schalters nach hinten zur Wand und verschwand dort in einem Loch.

Bevor Nadine Claudia anrief, wollte sie wissen wo hin das Kabel ging. Also schloss sie wieder alle Abdeckungen und verriegelte den Schaltschrank. Sie ging zu der Tür in der Seitenwand der Kaverne und öffnete diese. Ein lautes Rattern, welches sich schnell entfernte tönte ihr entgegen weil gerade ein Wagen des Verteilersystems vorbei fuhr als sie die Tür öffnete. Sie ging in den drei mal drei Meter großen Gang dessen eine Hälfte mit Metallgittern abgetrennt war damit man nicht in die Schienen des Verteilsystems kam und durch die Wagen verletzt wurde die in zwei Ebenen hier entlang fuhren. Sie ging ein paar Meter bis zu der Stelle an der sich auf der anderen Seite der Wand die Schalter befanden. Tatsächlich, durch ein Loch in Kniehöhe welches noch nicht einmal ordentlich verschlossen war kam ein Kabel aus der Wand und lief offen auf dem Fußboden den Hauptgang entlang. Sie folgte dem Kabel bis es in einem etwa einen Meter breiten Durchbruch verschwand. Nadine arbeitete seit gut fünf Jahren hier und kannte die unterirdischen Tunnel und Gänge wie ihre Westentasche, doch diesen Durchbruch hatte sie noch nie zuvor gesehen. Mit der Taschenlampe leuchtete sie in diesen hinein und erkannte roh behauenen Felsen wie er weiter östlich in dem alten Bergwerk oft zu sehen war, anscheinend war dies hier ein weitere Ausläufer dieses Bergwerkes. Sie fragte sich, warum man hier nicht einfach Strom von den Kabeln die durch das Bergwerk liefen abgezweigt hatte sondern einen solchen Aufwand trieb. Sie ging durch den Durchbruch und folgte dem Kabel weiter bis zu einem provisorischen Verteiler von dem ein gutes Dutzend dünner Leitungen weg führte. Einige Meter weiter konnte sie im Schein von mehren Strahlern die auf Stativen standen einige große Kisten sehen. Diese waren etwa einen mal einen Meter groß und gut zwei Meter hoch. Zu jeder dieser Kisten führte eine Leitung und an der Front jeder Kiste befand sich ein kleiner Bildschirm der mehrere Werte anzeigte.
’Sauerstoffsättigung, Puls, Blutdruck, Muskelaktivität’ las sie auf dem Bildschirm. Darunter noch einige weitere Werte die offenbar ebenfalls irgend welche medizinischen Daten anzeigten.
„Meine Fresse!“ rief sie laut aus und pfiff durch die Zähne. Sie wollte sich um drehen um zurück in die Zentrale fahren um Claudia mitzuteilen, was sie hier gerade gesehen hatte. Da nahm sie aus dem Augenwinkel eine Bewegung wahr, spürte einen heftigen Schmerz am Hinterkopf und ihr wurde schwarz vor Augen.
18. RE: Neue Horizonte - 2

geschrieben von Friedet am 27.05.17 21:00

Hallo HeMaDo,
Also die Geschichte wird ja richtig toll. Es ist zwar manchmal schwer, nicht die Übersicht zu verlieren. Aber das macht es auch so spannend.
Meine persönliche Favouritin ist Mara, aber die anderen Personen sind dir auch gut gelungen. Und nach diesem Kapitel gibt es mindestens zwei große Fragen.
Du schreibst echt toll und ich bin beeindruckt, wie produktiv du bist. Da kann man nur hoffen, dass es so bleibt. Nachher muss ich noch Schloss Fähenberg lesen und die ganzen Verbindungen nachvollziehen. So langsam muss ich mir mal ne Planskizze machen.
Mach so weiter, ich genieße jeden Teil
Viele Grüße
Friedet


Honi soit qui mal y pense!
Kontakt hier im Forum oder [email protected]
19. RE: Neue Horizonte - 2

geschrieben von HeMaDo am 27.05.17 22:33

Hallo Fridet,

danke für das Lob.

Ich muss zugeben, das es in dieser Geschichte wirklich mehr als genug Handlungsstränge gibt, diese aber zu trennen war mir leider nicht möglich, da sie im Endeffekt alle irgend wo zusammen laufen.

Im Moment schreibe ich ungefähr 20 Seiten in der Woche pro Geschichte. Die Größe der Teile die ich hier einstelle liegt bei 10 bis 15 Seiten, so habe ich immer einen gewissen Vorsprung vor dem was veröffentlicht ist, was ich mir als Puffer frei halten möchte.

Was die Verbindung zwischen dem Schloss und dieser Geschichte angeht, kann ich dich beruhigen, diese hat sich mit dem Teil von letzter Woche aufgelöst. Es wird zwar vielleicht noch die ein oder andere Situation geben in der auf die jeweils andere Geschichte Bezug genommen wird aber das werden keine Situationen sein, in denen irgend wo vorgegriffen wird.


Zitat

Meine persönliche Favouritin ist Mara

Auch wenn sie nie als Hauptperson geplant war, hat sie es doch irgend wie geschafft, sich in den Vordergrund zu drängen.
Von ihr wird zwar in absehbarer Zeit nicht mehr zu lesen sein als bisher aber das wird sich im Laufe der Zeit noch ändern.


Viel Spaß beim Lesen und einen schönen Sonntag,

HeMaDo
20. RE: Neue Horizonte - 2

geschrieben von der suchende am 27.05.17 22:44

Hallo HeMaDO, ich kann mich nur Friedet anschließen. Es sind beides tolle Geschichten.
Ein herzliches Dankeschön an alle Autoren und noch einen schönen Sonntag.
21. RE: Neue Horizonte - 2

geschrieben von Ihr_joe am 28.05.17 13:34

Hey HeMaDo,

ich finde Deine Geschichte auch lesenswert!
Hab doch Deine Fingerübungen als Anreiz gesehen mehr von Dir lesen zu wollen.

Ich werde auch weiter mitlesen, seh das als besonderes Kompliment an, da sie weder meiner Veranlagung entspricht noch "böse" genug ist.

Ich werde es auch selten kommentieren, Du sollst nur wissen, dass Du mich als Leser gewonnenen hast.

Es gibt hier viele Geschichten, zu denen ich mehr schreibe, das hängt vom Thema ab. Es gibt hier nur wenige Autoren, die so hochwertig schreiben.

Genug gelobt, liebe Grüße nach Kassel,
da sah ich den ersten Star Trek-Film (1979) im Kino, nach dem Besuch der Dokumenta, zusammen mit meiner Herrin,
vielen Dank an Dich Ihr_joe


22. RE: Neue Horizonte - 2

geschrieben von HeMaDo am 03.06.17 20:56

Da ich Probleme mit meinem Rechner hatte, ist es heute etwas später geworden und ich werde es auch nicht schaffen, heute die Geschichte über das Schloss Fähenberg fortzusetzen.

Ich möchte mich hier auch mal bei allen bedanken die die Geschichte kommentiert haben. Das Lob welches ich hier bekommen habe spornt natürlich an weiter zu schreiben.


@Ihr_joe,
Zitat

Ich werde auch weiter mitlesen, seh das als besonderes Kompliment an, da sie weder meiner Veranlagung entspricht noch \"böse\" genug ist.

Das freut mich zu lesen. Vielen Dank.

Die Dokumente ’79, da bin ich gerade in der Schule gekommen. Das war, wenn ich mich richtig erinnere die, wo Boys diesen riesigen Haufen Basaltsteine auf dem Friedrichsplatz liegen hatte, die auch heute noch überall in der Stadt herum stehen und immer noch gelegentlich für Diskussionen sorgen.


HeMaDo

23. RE: Neue Horizonte - 2

geschrieben von HeMaDo am 03.06.17 20:56

Besuche


Vivians Comm begann leise eine Melodie zu spielen und zu vibrieren. Sie öffnete die Augen und räkelte sich wohlig in Veras Armen. Sie genoss diese paar Minuten am Morgen zwischen Schlafen und Wachen, wenn sie die Nähe ihrer Herrin spürte, sich an sie schmiegte, ihren Duft auf nahm und ihren Atem auf ihrer Stirn spürte. Vorsichtig und leise, um Vera nicht zu wecken, stand sie auf, ging ins Nebenzimmer wo sie ein Handtuch auf den Sitz des Ergometers legte und sich darauf nieder ließ. Nackt wie sie war begann sie zu treten. Nach einer guten halben Stunde stand sie verschwitzt auf und hatte beinahe das Eineinhalbfache ihres Solls abgearbeitet. Zufrieden ging sie ins Bad, wo sie sich die Zähne putzte und sich duschte. Nachdem sie sich abgetrocknet hatte nahm sie Veras Zahnbürste aus dem Schrank und legte diese auf deren Becher. Die Tube mit der Zahncreme stellte sie daneben. Zwar hatte ihr die Herrin schon mehrmals gesagt, sie brauchte das nicht zu tun doch Vivian mochte solche kleinen Gesten und wollte darauf auch nicht verzichten.

In der Küche deckte sie den niedrigen Frühstückstisch und drapierte einige der bunten, getrockneten, nach Vanille duftenden Holzstücke auf dem Tisch, die sie aus der Schale von der Fensterbank genommen hatte und wartete auf Vera. Als diese verschlafen aus dem Schlafzimmer kam stand sie auf und gestikulierte „Schönen guten Morgen meine Herrin.“ und lächelte sie an.
Vera nahm sie in die Arme, gab ihr einen Kuss und nahm auf ihrem Sitzkissen Platz. „Dir auch einen guten Morgen meine Süße.“ sagte sie. Vivian kniete sich neben sie und sie begannen zu essen.
„Ich hab gesehen wie viel du heute geradelt hast. Nimm dir doch noch ein halbes Brötchen.“ sagte Vera und strich ihr über die Wange. Vivian bedankte sich, lehnte aber ab. Sie wusste, das sie nur noch fünf Pfund abnehmen musste und wollte das bis zum Ende des Jahres geschafft haben.

„Was hast du denn heute vor?“ fragte Vera.
Vivian sah auf und erklärte ihr das sie sich mit Rebecca verabredet hatte um ihr das Gelände zu zeigen. Sie wollten Trish besuchen und vielleicht noch zum See gehen.
Vera war froh darüber das Vivian den Tag über mit Rebecca zusammen war. Sie mochte es nicht sonderlich wenn Vivian alleine unterwegs war, da sie sich immer ein wenig Sorgen um sie machte. Sie war zwar schon 25 aber war manchmal einfach zu sorglos und vergaß oft die Zeit wenn sie anfing sich mit jemandem zu unterhalten. Besonders bei Trish passierte das regelmäßig. Daher hatte sie Vivians Comm vor einem halben Jahr so eingestellt, daß sie es jederzeit orten konnte, nachdem sie zusammen mit mehreren Anderen einen ganzen Abend lang nach ihr gesucht hatte. Sie hatten sie mitten im Wald auf einem Baumstumpf sitzend gefunden, wo sie einige Vögel dabei beobachtet hatte wie diese ihre Junge fütterten.

Kurz vor zehn verabschiedete Vivian sich von Vera und verließ die Wohnung.

- - -

Vom Vibrieren ihres Comms wachte Rebecca auf und schaute sich verschlafen um. Die Oktobersonne schien durch die Vorhänge des Fensters und tauchte das Zimmer in ein goldenes Licht. Langsam stand sie auf und ging ins Badezimmer. Mittlerweile hatte sie den Dreh raus, wie sie den Keuschheitsgürtel nach dem Toilettengang reinigen und trocknen musste, so daß ihr dies keine großen Probleme mehr bereitete. Sie ging in ihr Zimmer zurück, wo sie das Nachthemd aus zog und den Schlüssel für den Gürtel aus dem Kasten neben ihrer Tür heraus nahm. Auf ihrem Comm begann ein Timer 15 Minuten rückwärts zu zählen. Schnell zog sie den Gürtel aus und ging duschen. Als sie sich gründlich abgetrocknet hatte zog sie den Gürtel wieder an, der sich mittlerweile garnicht mal mehr so ungewohnt anfühlte und steckte den Schlüssel zurück in den Kasten. Der Timer war bei genau 5 Minuten stehen geblieben, genau wie die letzten zwei Tage auch.

Sie zog eine beige Tunika mit eng anliegenden Ärmeln an, trocknete ihre Haare und schaute im Spiegel ob auch alles richtig saß. Sie rückte den Gürtel der Tunika gerade und ging dann nach unten in die Küche wo sie das Frühstück zubereitete und Kaffee aufsetzte. Im Esszimmer deckte sie den Tisch und holte dann die Brötchen aus dem Verteiler. Ein paar Minuten vor acht stellte sie die Kaffeekanne auf den Tisch und stellte sich neben die Tür zum Flur.

Pünktlich um acht kam Andrea im Morgenmantel hinein. Rebecca knickste und begrüßte sie mit einem „Schönen guten Morgen Herrin.“
„Danke, dir auch einen schönen guten Morgen Rebecca.“ sagte Andrea „Wie hast du geschlafen?“
„Danke gut Herrin, es war nur ein wenig, nun ja, frustrierend.“ Frustrierend war gar kein Ausdruck. Zwar hatte sie sich mittlerweile halbwegs an den Gürtel gewohnt doch würde sie ihn zumindest nachts liebend gerne aus ziehen können.
Andrea lachte kurz „Das kann ich mir vorstellen. Aber du sollst ihn ja auch nicht auf Dauer die Nacht über tragen, nur so lange, bis du dich daran gewöhnt hast.“
„Ja Herrin.“ sagte Rebecca und hielt ihr den Stuhl.
Sie frühstückten gemeinsam und unterhielten sich während dessen über verschiedene Dinge, überwiegend Belanglosigkeiten. „Nach dem Abräumen lässt du mir bitte ein Bad ein und legst meine Kleider heraus. Während dessen kannst du mein Bett machen. Danach hast du Frei.“ sagte Andrea. „Weißt du schon, was du heute tun wirst?“
„Ich habe mich mit Vivian verabredet. Sie wollte mir das Gelände zeigen. Sie sagte mir das der See ziemlich interessant ist. Außerdem wollten wir zu Trish gehen.“
Andrea lachte kurz. „Ja, der See kann ziemlich interessant sein. Aber von Trish lass dich besser zu nichts überreden, sie ist manchmal ein wenig exzentrisch.“
„Ich verstehe.“ sagte Rebecca. Sie frühstückten fertig, dann stand Rebecca auf und räumte den Tisch ab während Andrea nach oben ging.

Nachdem sie den Tisch abgeräumt und das Geschirr in die Spülmaschine geräumt hatte, ging Rebecca nach oben und ließ Andrea ein heißes Bad ein. Dann ging sie in den großen, begehbaren Kleiderschrank und suchte deren Sonntagsgarderobe heraus. Sie hoffte, alles richtig gemacht zu haben als sie die Sachen auf den stummen Diener hängte. Doch Andreas Anweisungen diesbezüglich waren recht klar und so fand sie schnell alles nötige. Sie klopfte an die Schlafzimmertür und wartete bis Andrea heraus kam. Sie hielt ihr die Badezimmertür auf und knickste. Dann ging sie ins Schlafzimmer und begann das Bett zu machen. Sie nahm die Decke vom Bett, zog das Laken glatt und schüttelte die Kissen auf die sie ordentlich aufs Bett zurück legte.

Als sie die Bettdecke aufschüttelte polterte es als etwas zu Boden fiel und unters Bett rollte. Nachdem sie die Decke aufs Bett gelegt hatte, fand sie einen großen, blauen Vibrator unterm Bett. Eigentlich wäre es wohl ihre Aufgabe gewesen diesen sauber zu machen und in den Nachttisch oder wo auch immer Andrea ihn aufzubewahren pflegte zurück zu legen. Doch das ging ihr ein wenig zu weit. Also holte sie ein kleines Handtuch aus dem Ankleidezimmer, bückte sich unters Bett, fische den Vibrator mit dem Handtuch heraus und legte ihn eingewickelt in dieses auf den kleinen Tisch im Ankleidezimmer. Sie warf noch einmal einen Blick auf die Kleidung die sie zurecht gelegt hatte und ging dann zurück in ihr Zimmer wo sie sich frisch machte und zog sich dann um.

Obwohl die Sonne heute vom Himmel strahlte, fehlte dieser die Kraft die Luft großartig zu erwärmen. Also zog sie ein langes Unterhemd an bevor sie eine Safrangelbe Tunika mit weiten Ärmeln aber recht Engen Bündchen an zog. Dann schlüpfte sie in ihre Sandalen und ging nach unten. Sie verließ das Haus und ging die wenigen hundert Meter zu dem Wohnblock in dem Vivian wohnte. Als sie die Lobby betrat, wurde sie von zwei strohblonden Serva beinahe umgerannt.

„Entschuldigung.“ sagten die Beiden nachdem sie ihr Platz gemacht hatten und hinaus gehen wollten. Eine der Beiden, sie war einen halben Kopf kleiner als sie selbst und hatte ein ziemlich schmales Gesicht, kam ihr irgend wie bekannt vor.
Sie schaute den beiden hinter her und überlegte, wo sie diese Frau schon mal gesehen hatte. Sie beschloss Vivian zu fragen ob sie sie kannte.

Ein Blick auf die Uhr sagte ihr, das sie noch ein wenig Zeit hatte, also setzte sie sich in die Lobby, nahm ein Pad. Als sie es einschaltete zeigte es neben einem Eingabefeld zwei Logos. Das eine davon, den Kreis mit den drei geschwungenen Linien und dem H kannte sie bereits, das zweite Logo einer Firma namens MarEmy hingegen war ihr vollkommen unbekannt. Sie tippte darauf und bekam sofort einen Katalog angezeigt. Es standen mehrere Produktgruppen zur Auswahl die Namen wie vestis, alligo oder orbis trugen. Anscheinend hatte jemand einfach Begriffe in eine andere Sprache übersetzt. Vermutlich spanisch, italienisch oder vielleicht auch Latein. So gut kannte sie sich mit Sprachen nicht aus. Sie selbst sprach nur englisch, wie beinahe jeder auf der Welt und deutsch sowie einige Bruchstücke französisch die sie damals in Straßburg in der Schule aufgeschnappt hatte. Sie musste leise lachen als sie an Miss Wilhelmina, ihre Lehrerin dachte, die oftmals in Inuipaq, der Sprache der Inuit in Alaska, ihrer Heimat, zu sprechen begann wenn sie besonders wütend war.

Als sie sich die Produkte in dem Katalog an sah, bemerkte sie, das es der selbe Katalog war, den Nin ihr an ihrem ersten Tag hier gezeigt hatte. Sie blätterte ihn durch und betrachtete die dort gezeigten Sexspielzeuge eher oberflächlich. Als sie jedoch die Kategorie „obsera“ auswählte, schaute sie aufmerksam die dort gezeigten Produkte an. Es handelte sich um Keuschheitsgürtel, wie sie selbst einen trug. Dabei stellte sie fest, daß sie selbst offenbar nur das Basismodell trug und war erstaunt darüber, was es dort alles für Zubehörteile gab. Einige schienen ihr sehr interessant, während sie bei anderen inständig hoffte, das Andrea nicht auf die Idee kam diese in ihren Gürtel einbauen zu lassen.

Sie bemerkte vor sich eine Bewegung und schaute auf. Vor ihr stand Vivian und begrüßte sie indem sie „Guten Morgen“ gestikulierte.
„Hallo Vivian.“ sagte sie und stand auf. „Bevor ich es wieder vergesse, ich bin hier gerade von zwei Blondinen umgerannt worden. Eine der beiden kam mir irgend wie bekannt vor. Vielleicht ein Stückchen kleiner als du, ziemlich dünn.
Vivian machte die Geste für Serva. „Ja.“ sagte Rebecca.
Vivian seufzte und holte eine Karte und einen Stift aus der Tasche ihrer Tunika. „Das könnte Larissa gewesen sein.“ nachdem Rebecca gelesen hatte wischte Vivian das geschriebene weg und schrieb „Sie gehört zu Johanna. Sie ist letzten Samstag aus Straßburg gekommen.“
Rebecca dachte einen Moment lang nach bis ihr tatsächlich ein fiel wo sie diese Frau gesehen hatte. Es war tatsächlich in der Schule gewesen als sie unter großem Protest der Ärzte einfach einen Tag lang das Krankenhaus verlassen hatte und in die Schule gefahren war wo sie sich einen Ableger von Sarahs Rosenstock geholt hatte, der leider nicht angegangen war. Sie saß dort mit einer anderen Frau zusammen auf einer der Bänke im Garten. An diese andere Frau konnte Rebecca sich aus irgend einem Grund allerdings besser erinnern. Ob das an deren kupferroten Haaren gelegen hatte oder den Sommersprossen, konnte sie allerdings beim besten Willen nicht sagen. Sie erinnerte nur, das diese Frau irgend etwas an sich hatte, was damals ihre Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatte und dafür sorgte daß sie sich auch jetzt noch recht gut an dieses Gesicht erinnern konnte.

Rebecca kniff kurz die Augen zusammen und richtete ihre Aufmerksamkeit wieder auf Vivian. Diese hielt ihr gerade grinsend eine Karte vors Gesicht auf der stand „Ich hab gestern meine Lehrerin getroffen. Sie wohnt auch hier“ stand auf der Karte.
„Das freut mich.“ sagte Rebecca. „Unterrichtet sie hier an der Schule?“
Vivian schrieb einen neuen Text auf die Karte „Sie ist hier Schulleiterin.“
„Schulleiterin?“ fragte Rebecca „Isabella?“
Nun schaute Vivian sie überrascht an und nickte. Darauf hin grinste Rebecca breit. „Wir waren zusammen in der Schule.“ erklärte sie lachend.
Auch Vivian lachte nun, machte aber schnell wieder ein ernstes Gesicht. „Erzähl ihr bitte nicht, das ich dein Auto kaputt gemacht hab. Herrin Vera hat schon gesagt sie will ihr erzählen was ich alles anstelle.“ schrieb sie auf die Karte und hielt sie Rebecca hin.
Nun lachte Rebecca laut los. „Keine Angst, ich erzähle ich nichts davon. Ich werde ihr sagen das du dir nie etwas zu Schulden hast kommen lassen und die anständigste Serva überhaupt bist.“ sagte sie.
Darauf verdrehte Vivian die Augen und streckte ihr die Zunge heraus.
„Auch nicht recht?“ fragte Rebecca belustigt.
Vivian schrieb „Lieber nicht, das glaubt sie nie.“
Lachend ging Rebecca aus der Lobby und Vivian folgte ihr. „So, du wolltest mir doch den See zeigen und zu Trish wollten wir auch gehen. Am Besten wir gehen wohl zuerst zu Trish.“
Vivian nickte, steckte den Stift und die Karten ein und ging die Straße entlang voraus.

Während sie gemütlichen Schrittes die Straße entlang spazierten versuchte Vivian Rebecca etwas zu erklären, was diese aber nicht verstand, da sie die Gesten einfach noch nicht kannte. Vivian wollte wieder Stift und Karte heraus holen doch Rebecca meinte das es besser wäre, wenn sie versuchen würde es ihr so zu erklären. „Dabei lerne ich wahrscheinlich besser dich zu verstehen, auch wenn es sicher anstrengender ist.“
Darauf hin nickte Vivian und versuchte ihr zu erklären was sie meinte. Bis Rebecca begriffen hatte, das der Weg der auch zu Andreas Haus führte der Weg war auf dem man zum Sportplatz kommt, standen die Beiden gerade vor einer Brücke durch die Schlucht unter der leise der Fluss entlang floss. Nun holte Vivian doch die Karte hervor und schrieb etwas darauf.
„Herrin Vera hat gesagt, das du singen kannst.“ las Rebecca.
„Ja, kann ich. Und ich soll dir was vor singen?“ fragte sie schmunzelnd.
Vivian nickte heftig.
„Was soll ich denn singen? Die Susanne aus Figaros Hochzeit oder vielleicht etwas von Puccini?“ Vivian runzelte die Stirn und schüttelte den Kopf. Sie wischte die Schrift auf der Karte weg und schrieb „Halleluja?“
„Von Händel?“ fragte Rebecca amüsiert. Sie war von der beinahe kindlichen Begeisterung fasziniert die Vivian für manche Dinge aufbrachte.
Diese schüttelte energisch den Kopf und schrieb nur „Cohen“ auf die Karte.
Rebecca überlegte kurz, sie kannte mehrere Versionen von dem Lied und entschied sich für die bekannteste. Sie stellte sich in die Mitte der Brücke, räusperte sich und sang ein lang gezogenes A.
Nun wurde ihr klar, warum Vivian gerade hier gefragt hatte. Die Akustik in dieser Schlucht war zwar alles Andere als optimal aber ziemlich einzigartig. Der Ton hallte von den Felswänden in einem lang gezogenen Echo zurück und wurde zudem vermutlich weit durch die Schlucht getragen. Sie atmete einmal tief durch und begann zu singen.

Sie sang laut und obwohl Sie schon länger nicht geübt hatte erklang ihre Stimme voll und klar durch das Tal. Sie schloss die Augen und konzentrierte sich voll und ganz auf das Lied. Nachdem Sie das letzte Halleluja gesungen hatte öffnete Sie die Augen. Vivian stand mit offenem Mund neben ihr und schaute sie an. Eine Träne war ihre Wange herunter gelaufen.
„Ich hoffe, es hat dir gefallen, ich habe schon länger nicht mehr geübt.“ Vivian nickte begeistert und gestikulierte ein „Danke.“
„Gern geschehen.“ sagte Rebecca lächelnd worauf hin Vivian Sie umarmte. Dann gingen sie langsam weiter.

- - -

„Also wenn ich das richtig sehe, dann ist Frau Renger gegen 23 Uhr 30 alleine los gefahren um eine Störung zu beseitigen. Frau Holtz hat bestätigt, das die Störung gegen 23:50 beseitigt war. Frau Renger hat sich darauf hin allerdings nicht bei ihr gemeldet, wie sie es eigentlich hätte tun sollen. Darauf hin ist Frau Holtz gegen 0 Uhr 15 selbst los gefahren um nach ihr zu suchen. Sie hat vorher ihre Vorgesetzte Frau Milo angerufen und ihr den Vorfall gemeldet. Frau Holtz hat Frau Renger allerdings nicht gefunden und wollte darauf hin wieder nach oben gehen. Dabei hat sie Frau Rengers Werkzeuggürtel gefunden der auf dem Geländer der Treppe hing.“ fasste der Kommissar seine Notizen zusammen. Er stand zusammen mit Emylia und Danielle vor der Stahltür in der Felswand. Emylia schaute ihn mit unbewegtem Blick an während Danielle, die Vorgesetzte von Nadine, aufgelöst von einem Bein aufs Andere trat und eine Zigarette nach der anderen rauchte.
„Die Spurensicherung hat neben dem Bachlauf das Comm von Frau Renger gefunden. Außerdem gab es Blutspuren die offenbar von ihr stammen, aber das muss im Labor noch überprüft werden. So wie ich das sehe, ist sie auf der Treppe ausgerutscht als sie nach oben gehen wollte und dabei mit dem Gürtel am Geländer hängen geblieben. Der Gürtel ist aufgerissen und sie ist den Schacht herunter gefallen, neben dem Bachlauf aufgeschlagen wo sie ihr Comm verloren hat und dann in den Bach gerutscht und in die Höhlen getrieben.“ Er warf dem anderen Mann der bei ihnen stand einen fragenden Blick zu.
Dieser sagte darauf hin „Also ob wir die Frau je finden werden bezweifele ich. Die Höhlen erstrecken sich über mehrere Quadratkilometer und der Bach kommt irgend wo weiter nördlich wieder ans Tageslicht. Aber wo genau kann man nicht sagen. Ich vermute, er ist genau so weit verzweigt wie die Höhlen. Das Gebiet auf dem er an die Oberfläche tritt könnte 20 ungefähr Kilometer weit entfernt sein. Da gibt es zig kleinere Quellen, aber keine groß genug als das ein Mensch durch die Öffnungen passen würde.“

„Gibt es denn garkeine Möglichkeit sie zu finden?“ fragte Emylia. Sie hatte, seit man sie um ein Uhr nachts aus dem Bett geholt hatte nicht geschlafen und so mischte sich eine tiefe Müdigkeit zu ihrer Bestürzung über den Unfall.
„Wenn man einen Marker hier ins Wasser gibt, könnte man vielleicht sehen, wo genau der Bach überall ans Tageslicht kommt, aber wenn sie irgend wo in einem unterirdischen Becken oder an einer Verengung fest steckt, wird sie selbst dann nicht wieder an die Oberfläche kommen, wenn es eine größere Quelle geben sollte. Außerdem dauert es vermutlich mehrere Wochen bis das Wasser von hier bis zu dem Gebiet geflossen ist, wo es wieder ans Tageslicht kommt. Zudem gibt es zwischen hier und diesem Gebiet mehrere Brunnen aus denen Trinkwasser gewonnen wird.“ erklärte der Mann, ein von der Polizei dazu gerufener Geologe der sich mit den Höhlen in dieser Gegend recht gut auskannte.

„Dann müssen Sie die Taucher noch mal da rein schicken. Sie kann doch nicht einfach so verschwunden bleiben verdammt noch mal.“ rief Emylia aus.
„Frau Kroll, die Taucher waren insgesamt fast acht Stunden da unten. Aber diese Höhlen sind so verzweigt, das man Jahre lang tauchen könne, ohne jemanden zu finden der hier in den Bach fällt.“
„Verdammt!“ schrie Emylia und schlug mit der Faust fest gegen die Stahltür so das zwei der Polizeitaucher die gerade heraus kamen zusammenzuckten.
„Frau Kroll,“ sagte der Kommissar „so wie ich das sehe, war das ein bedauerlicher Unfall. Soweit ich das beurteilen kann sind alle Vorschriften eingehalten worden. Der Staatsanwalt wird wohl sicher noch eine Untersuchung einleiten aber dabei wird wohl auch nichts anderes bei heraus kommen.“
Emylia nickte nur knapp und wandte sich dann an Linda, ihre Sekretärin die die ganze Zeit über still in der Nähe gestanden hatte. „Ich will das da morgen Abend überall Fangnetze hängen.“
„Hör mal, das entspricht alles den Vorschriften. Sie ist ausgerutscht, sowas kann einfach passieren.“ sagte Linda ruhig.
„Die Vorschriften sind mir doch scheiß egal!“ schrie Emylia sie an „Wenn ich da Fangnetze haben will, kommen da Fangnetze hin, hast du das verstanden? Und bis die da hängen will ich da niemanden mehr drinne sehen!“
Linda nickte nur knapp, sie wusste, das es im Moment sinnlos war mit Emylia zu diskutieren. Sie machte sich Notizen auf einem Pad und ging dann zurück zu dem Wagen mit dem sie her gekommen war.

Sie fuhr ein Stück weit und hielt, als sie außer Sichtweite war am Straßenrand an. Aus ihrer Tasche holte sie ein Comm und tippte eine Nummer ein. Es dauerte etwas bis der Anruf angenommen wurde. „Bis morgen muss der neue Durchgang zu sein. Und seht zu, daß das Kabel verschwindet das euch verraten hat ihr Amateure. Wenn sowas noch mal passiert, können wir hier einpacken,“ sagte sie und beendete das Gespräch ohne auf eine Antwort zu warten und fuhr dann weiter. In ihrer Wohnung machte sie sich einen Kaffee und ein paar Brote zum Frühstück. Sie legte sich auf die Couch und sah sich in aller Ruhe einen Film an.

- - -

„Wie siehst du denn aus?“ Julia schaute Mara amüsiert an während diese den Frühstückstisch deckte. Sie selbst war im Gegensatz zu Mara hellwach und ausgeruht. Den Mann den sie gestern Abend mit nach hause genommen hatte, hatte sie gleich nach dem Aufstehen hinaus komplimentiert.
„Entschuldigung Herrin.“ sagte Mara leise „Aber ich bin ziemlich spät eingeschlafen.“
„Soso. Hatte ich nicht gesagt, das du um Mitternacht los fahren solltest?“
„Das bin ich doch Herrin. Aber Heike und Anke und Rolf und Flo haben mich gebeten, sie noch nach hause zu fahren.“
„Ich verstehe. Ich kenne die Strecke, dann dürftest du so gegen halb eins hier gewesen sein und hast wahrscheinlich um eins im Bett gelegen. Eigentlich sollte man wegen drei Stunden Schlaf die einem fehlen nicht so dermaßen müde sein.“
„Ja Herrin, ich habe ungefähr um eins im Bett gelegen. Aber da habe ich noch nicht geschlafen.“ sagte Mara. Es war ihr klar, das es nichts brachte irgend etwas ab zu streiten.
„Und wann bist du dann eingeschlafen?“
„Das weiß ich nicht so genau.“
„Also wenn du noch so lange gelesen hast, dann sollte ich dir das wohl besser verbieten.“
Mara setzte sich ihr gegenüber an den Tisch „Ich habe nicht gelesen.“ sagte sie leise und senkte den Kopf.
„Und was bitte hast du dann gemacht?“ Julia schaute sie nun streng an worauf hin Mara leise und unverständlich etwas murmelte. „Entschuldige bitte, aber ich habe dich nicht verstanden Mara.“
Mara schaute sie verzweifelt an worauf hin Julia fragend den Kopf hob.
„Ich habe die Spielzeuge die Sie mir gegeben haben ausprobiert.“ sagte Mara noch immer sehr leise und mit rotem Kopf.
„Welches?“ wollte Julia nun wissen. Sie fragte sich, womit Mara sich wohl dermaßen lange hatte amüsieren können. Sie nahm ihre Tasse und trank einen Schluck Kaffee.
„Alle.“ sagte Mara nun noch leiser worauf hin Julia sie mit großen Augen an sah und zu lachen begann. „Du machst keine halben Sachen, oder?“ fragte sie, noch immer lachend.

Den Rest des Frühstücks über schwieg Mara und vermied es Julia an zu sehen. Diese schaute gelegentlich schmunzelnd zu ihr. Eigentlich tat sie ihr ja leid, wie sie so verschämt und mit roten Ohren da saß. Schuld war sie ja im Endeffekt selbst gewesen als sie ihr diese Spielzeuge gegeben und ihr gesagt hatte, sie sollte sie mal ausprobieren. Aber daß sie es so übertreiben würde, konnte sie ja nicht ahnen.

Nachdem sie fertig gefrühstückt hatten und Mara die Zeitung aus dem Briefkasten geholt hatte, trank Julia noch eine Tasse Kaffee und las die Zeitung während Mara den Tisch ab räumte und alles sauber machte.
„Eigentlich wollte ich dir heute ja frei geben.“ sagte Julia als Mara fast fertig war mit Spülen. „Aber ich glaube, es ist besser, wenn du dich noch mal hin legst und ausschläfst.“
Mara nickte nur und wollte nach oben gehen. Sie hätte sowieso nicht gewusst, was sie an einem freien Tag tun sollte. Da kam es ihr gerade recht, daß sie noch etwas ausschlafen konnte.
Julia stand auf und ging zu ihr. „Du brauchst dich nun wirklich nicht zu schämen. Sowas passiert jedem mal. Das ist überhaupt nichts schlimmes. Nur übertreib es einfach nicht so.“ sagte sie und nahm Mara in den Arm. „Und wenn du jetzt hoch gehst, dann wird auch wirklich geschlafen. Und von den Spielsachen lässt du so lange die Finger. Verstanden?“
Mara nickte und ging nach oben nachdem Julia die Umarmung gelöst hatte.

- - -

„Guten Morgen.“ rief Rebecca durch die offen stehende Tür doch es kam keine Antwort. Sie schaute sich in dem Raum um und betrachtete die Bilder an der Wand. Alle zeigten Figuren die aus irgend welchen japanischen Comics zu stammen schienen aber keines davon hätte sie als Jugendfrei eingestuft. Auf vielen der Bilder waren Tentakel ein Hauptelement. Vivian schaute sich kurz um, fasste sie am Ärmel und deutete grinsend auf eines der Bilder. Rebecca betrachtete es etwas genauer als ihr lieb war. Auch auf diesem Bild sah sie eine junge Frau, gezeichnet im Mangastil und mehrere Tentakel „Bist du das etwa?“ fragte sie erstaunt worauf hin Vivian grinsend nickte.
Vivian machte einige Gesten von denen sie nur wenige verstand. Trotzdem konnte sie den Sinn erraten. „Harmlos?“ fragte sie „Und was bitte ist dann nicht mehr harmlos?“ wollte sie wissen.
Vivian zog sie mit sich durch die nächste Tür in einen schmalen Flur. Dort schlug sie fest mit der geballten Faust gegen eine Tür und öffnete diese. Sofort schlug den Beiden das laute Kreischen eines Werkzeuges entgegen. Der ganze Raum war in Staub gehüllt und eine Gestalt saß an einem Tisch und bearbeitete irgend etwas mit dem Werkzeug. Vivian hob ein Stück Plastik auf, welches auf dem Boden lag und warf es nach der Gestalt. Darauf hin wurde das Werkzeug aus geschaltet und die Gestalt stand auf und drehte sich zu ihnen um.
„Ach du Schande.“ entfuhr es Rebecca als die Gestalt auf sie zu kam.
Die Gestalt, Rebecca konnte unmöglich beurteilen ob es sich um einen Mann oder eine Frau handelte, trug einen dunkelblauen, aufgeblähten Gummianzug und eine Maske die den gesamten Kopf umhüllte. Zu dem Anzug führte ein dicker, von der Decke hängender Schlauch und um den Sichtschirm der Maske herum leuchteten mehrere helle, weiße Lampen die offenbar dazu dienten das Gesichtsfeld auszuleuchten.
Bei jedem Atemzug der Gestalt konnte man deutlich hören daß es der Person in diesem Anzug recht schwer zu atmen.
Sie bewegte die Hände und machte einige Gesten worauf hin Vivian Rebecca zurück zog und die Tür wieder schloss.

„Was bitte war das denn?“ fragte Rebecca erstaunt.
„Das ist Trish. Sie zieht sich um und kommt dann.“ schrieb Vivian auf eine Karte und zog Rebecca mit sich in einen anderen Raum. Hier gab es einen Tisch und einige Stühle sowie eine kleine Küchenzeile. Vivian deutete Rebecca, sich zu setzen und setzte Wasser auf. Sie holte eine Kanne aus einem Schrank, gab einige Löffel Tee in ein Teesieb welches sie in die Kanne legte. Als das Wasser kochte, goss sie den Tee auf und holte drei Tassen aus dem Schrank welche sie auf den Tisch stellte. Sie wartete eine Weile ab, holte das Teesieb aus der Kanne heraus und stellte diese auf den Tisch.

Die Beiden tranken Tee und warteten. Gute Zehn Minuten später öffnete sich eine Tür und eine junge Frau kam herein. Sie ging zu Vivian und baute sich mit in die Hüften gestemmten Armen vor ihr auf. „Wie oft muss ich dir noch sagen, das du nicht einfach so da rein kommen sollst. Der Staub ist nicht gesund verdammt noch mal. Du sollst klingeln wie jede Andere auch!“ fuhr sie Vivian an.
Diese machte einige Gesten von denen Rebecca nur wenig verstand.
„Red keinen Blödsinn. Lucy ist nicht böse. Bloß weil du einmal mitbekommen hat, wie sie mir den Hintern versohlt hat heißt doch nicht, das sie böse ist. Und das sie damals mit dir geschimpft hat, daran bist du doch selber Schuld.“

Die Frau hatte feuerrot gefärbtes, schulterlanges, glattes Haar mit weißen Strähnen und ein schmales Gesicht. Sie trug, wie Rebecca erstaunt fest stellte, lediglich einen Keuschheitsgürtel, der aber nicht aus Stahl sondern aus einem schwarzen Material mit einem Gewebemuster gefertigt war. Um ihren Hals trug sie ein breites Halsband aus Leder mit mehreren Ösen daran. Die Ringe um ihre Hand- und Fußgelenke waren aus dem selben Material gefertigt wie der Keuschheitsgürtel und wiesen ebenfalls mehrere Ösen auf. Von ihrem Halsband führte eine Kette zum Boden wo sie an einem Wagen befestigt war der in einer Schiene im Fußboden lief. Diese Schiene, so stellte Rebecca fest, führte durch den Raum und verzweigte sich an mehreren Stellen so das die Frau sich, wenn auch etwas umständlich im gesamten Raum bewegen konnte.

Vivian machte noch einige Gesten und schien sich zu entschuldigen.
„Schon gut. Aber tu das einfach nicht mehr. Das ist absolut nicht gesund. Ich trage diese Maske nicht ohne Grund wenn ich da drinne arbeite. Verstanden?“ sagte die Frau.
Nachdem Vivian nickte wandte sie sich zu Rebecca. „Entschuldige bitte. Aber das musste einfach sein. Ich bin Trish.“ sagte sie weitaus freundlicher und reichte Rebecca die Hand.
„Hallo, ich bin Rebecca.“ sagte diese und schaute unverhohlen auf die nackten Brüste die sich genau in ihrer Augenhöhe befanden.
„Entschuldige.“ sagte Trish. „Aber ich merke das garnicht mehr.“ Sie trat einen Schritt zurück und setzte sich auf den freien Stuhl. „Lucy lässt mich im Haus nichts an ziehen.“ Sie nahm die dritte Tasse, füllte sich Tee ein und trank einen Schluck. „Du, der ist ganz schön stark.“ sagte sie zu Vivian. Diese zuckte mit den Schultern und trank ebenfalls einen Schluck.
„Und du bist Lucys Serva?“ fragte Rebecca
„Nein, ich bin Lucys Sub wenn man es genau nimmt.“ sagte Trish lachend.
Rebecca schaute sie ungläubig an. „Und das alles?“ sie deutete auf Trishs spärliche Kleidung.
„Wir haben eine Übereinkunft getroffen mit der wir beide gut leben können. Das ist eben unsere Art.“
Während Rebecca noch immer etwas ungläubig zu Trish sah machte Vivian einige Gesten.
„Ja, das machen wir noch irgend wann. Aber jetzt holst du bitte noch mal zwei Tassen, es kommt noch jemand.“ sagte Trish. Sie stand auf und stellte sich vor die Tür während Vivian zum Schrank ging und zwei weitere Tassen heraus holte. Die Tür öffnete sich und drei Frauen kamen herein. Trish ließ sich vor einer der Drei auf die Knie fallen und küsste deren Füße. Vivian wich vor dieser Frau zurück und stellte sich neben Rebecca an die Wand. Nachdem Trish wieder aufgestanden war kam die Frau zu Rebecca und begrüßte sie mit einem Handschlag. „Hallo, ich bin Lucy.“ sagte sie freundlich. Dann ging sie zu Vivian und reichte ihr ebenfalls die Hand. Vivian nahm zögernd die Hand und begrüßte sie ebenfalls.
„Dann macht ihr mal. Ich lass euch wieder alleine.“ sagte Lucy und ging wieder hinaus.
Sowohl Rebecca als auch die beiden Frauen, es waren die beiden Blondinen die sie vorhin beinahe umgerannt hatten, schauten etwas erstaunt zu Trish.
„Was denn?“ fragte diese lachend. „Wenn schon pervers, dann auch richtig.“

Sie gab den beiden Frauen die Teetassen und stellte alle miteinander vor. Die Beiden hießen Frida und Larissa. Es stellte sich heraus, das Frida Isabellas Serva war. Rebecca bat sie, Isabella von ihr zu grüßen, was diese gerne tun wollte.

Die Fünf plauderten miteinander während sie den Tee tranken und erzählten sich von der Schule die sie alle, außer Trish miteinander verband. Diese übersetzte Vivians Gebärden für die Anderen da sie die einzige war, die sie wirklich verstand. Als sie den Tee ausgetrunken hatten sagte Trish „So, ihr seid ja nicht zum Kaffeekränzchen hier sondern weil ich euch um etwas bitten möchte.“ Während Vivian breit grinste schauten die Anderen sie fragend an. „Ich bin Künstlerin und verdiene damit meine Brötchen. Und ich wollte euch bitten, Teil eines Kunstwerkes zu werden.“
„Wie meinst du das denn?“ wollte Frida wissen und sprach damit aus, was alle dachten.
„Ganz einfach. Es gibt ungefähr 200 Serva hier auf dem Gelände. Und außer denen die noch neu hier sind, also auch euch, sind bis jetzt alle Teil dieses Kunstwerks.“
„Du willst uns malen?“ fragte Larissa worauf hin Vivian anfing zu lachen und den Kopf schüttelte.
„Nicht direkt malen, eher etwas anderes.“ sagte Trish. „Ich will eure Körper. Oder besser gesagt einen Teil davon.“ Sie stand auf und führte sie durch den Flur in einen großen, hellen Raum der mehrere Schaufenster hatte die sich zur Straße hin öffneten. Sie steckte einen Stecker in die Steckdose neben der Tür und kurz darauf begann es hinter einem Vorhang zu plätschern.Sie ging zu dem Vorhang und hielt ihn mit einer Hand „Das ist mein großes Kunstwerk, das soll in zwei Jahren auf einer großen Kunstausstellung ausgestellt werden. Bis da hin will ich so viele Serva wie nur möglich sammeln und mit ein bauen.“ erklärte sie nicht ohne Stolz.
Angesichts der Bilder in dem anderen Raum vermutete Rebecca daß es irgend etwas mit Tentakeln sein würde und war auf alles gefasst. Doch als Trish den Vorhang zur Seite zog blieb ihr, wie auch Frida und Larissa der Atem weg.

Staunend betrachteten die Drei Trishs Kunstwerk mit offenen Mündern.
„Sind die echt?“ fragte Larissa die als Erste ihre Sprache wieder gefunden hatte.
„Genau so echt, wie die, die man im Laden kaufen kann.“ sagte Trish. „Fast naturgetreu, lebensgroß und aus garantiert lebensmittelechtem Silikon.“ erklärte sie. Frida trat vor das etwa einen Meter hohe und gut zwei Meter breite Kunstwerk und betrachtete es eingehend. In quadratischen Kunststoffplatten steckten künstliche Vaginas wie es sie in jedem Sexshop zu kaufen gab. Aus jeder plätscherte Wasser heraus welches nach unten hin immer mehr wurde und in einem regelrechten Wasserfall schließlich in einem Becken landete in dem bestimmt eben so viele Dildos herum schwammen.
Rebecca begann zu lachen. Sie hatte zwar eher Tentakel erwartet, aber so etwas überraschte sie nun auch nicht mehr besonders.
„Und du willst unsere auch da dran hängen?“ fragte Frida ungläubig.
„Ich mache einen Abguss und davon werden dann genau 50 Stück hergestellt. Das lässt Frau Kroll in der Fabrik machen. Eine kommt an die Wand und die restlichen werden während der Kunstausstellung verkauft.“ erklärte Trish. „Und wenn die 50 nicht reichen sollten, werden noch mehr hergestellt. Und am Ende gibt es eine Rangliste, welche sich am besten verkauft hat.“
„Verkauft?“ fragte Frida ungläubig. „An Männer?“
Nun begann auch Larissa zu lachen. „Ich finde das eine gute Idee.“ sagte sie „Die sind jedenfalls nicht so verklemmt wie du.“ Sie hatte Mühe den Satz zu Ende zu bringen und lachte dann lauthals weiter.
„Und wenn ich das nicht möchte?“ wollte Frida wissen.
„Deine Herrin hat schon ihr Einverständnis dazu gegeben. Also liegt es nur noch an dir.“
„Na, die hat ja gut reden, sie ist ja die Herrin und hängt nicht da. Die sehen nicht tausend Leute auf irgend einer Ausstellung.“ sagte Frida.
„Deine Herrin ist auch eine Serva. Sie hat schon zugestimmt, genau so wie Maja. Außerdem sind das garkeine tausend Leute.“ sagte Trish worauf hin Frida sie erleichtert ansah, bis Trish fort fuhr „Vor ein paar Jahren waren ungefähr eine Million Besucher auf der Ausstellung.“ Nun schaute Frida sie skeptisch an.
„Und Emylia hängt auch an dieser Wand?“ wollte Rebecca wissen.
„Sie hat mir schlimmste Strafen angedroht für den Fall daß das an die Öffentlichkeit kommen sollte.“ sagte Trish lachend.
Rebecca musste lachen und sagte „Na dann. Was muss ich machen?“
„Jetzt garnichts. Ich muss das erst vorbereiten. Ich würde euch dann anrufen.“
„Also ich bin auch dabei.“ sagte Larissa und schaute grinsend zu Frida.
„Na, meinetwegen. Aber wehe das erfährt jemand.“ sagte Frida nun.
„Das erfährt niemand. Nur jemand der weiß, das du hier wohnst wird sich das denken können, wenn er die Ausstellung besucht. Wo die Originale her kommen steht auf einer großen Schautafel.“ sagte Trish grinsend.

Die fünf unterhielten sich noch eine ganze Weile bis Frida gehen musste. Larissa blieb noch eine Weile und musste dann ebenfalls gehen.

„Wenn ihr wollt, können wir noch einen Tee trinken. Dann muss ich zum Essen kommen.“ sagte Trish. Rebecca stimmte zu und so setzte Vivian noch einmal Tee auf, während Trish den Raum verließ. Beim gehen zog sie den kleinen Wagen in der Schiene hinter sich her, was sie kaum zu behindern schien. Als Vivian das Teesieb aus der Kanne nahm kam auch Trish wieder. Sie trug großen, flachen, länglichen Pappkarton bei sich den sie auf den Tisch stellte. „Der Prototyp ist fertig.“ sagte sie zu Vivian. Ich hab ihn gestern bekommen. Funktioniert genau so wie wir das haben wollen. Vivian sah sie an und hüpfte begeistert auf und ab während sie darauf wartete, das Trish den Karton öffnete. Diese hob den Deckel und Vivan wollte den Inhalt heraus holen doch Trish klopfte ihr auf die Finger „Vorsichtig. Das ist nur der Prototyp. Der ist ein wenig empfindlich.“ Sie schlug das weiße Seidenpapier bei Seite und gab so den Blick auf den Inhalt des Kartons frei.
Rebecca schaute in den Karton und obwohl sie hier bereits mit vielem rechnete war sie doch ein wenig erstaunt jetzt tatsächlich einen ungefähr eineinhalb Meter langen, schwarzen Tentakel mit Saugnäpfen an einer Seite zu sehen.
„Das gehört wahrscheinlich auch zu irgend einem Kunstwerk?“ fragte sie.
„Nein, das gehört zu einem Kostüm.“ sagte Trish. „Damit wollen wir auf eine Convention gehen. Das ist eine Messe bei der es um Comics geht, hauptsächlich um japanische Mangas und alles was dazu gehört.“
Vivian gestikulierte etwas doch wieder verstand Rebecca nur einen Teil dessen was sie sagen wollte. Vivian rollte mit den Augen als Rebecca sie fragend an sah und Trish erklärte „Wir wollen da nächstes Jahr zusammen hin gehen und uns verkleiden. Das gehört zu unseren Kostümen.“ Sie nahm den Tentakel aus dem Karton und legte ihn auf den Tisch. Mit einer Klemme befestigte sie das Ende am Tisch und wickelte ein Kabel ab welches aus diesem heraus ragte. Am Ende dieses Kabels befand sich eine Art Spange die sie sich auf den Kopf zog wie eine Haarspange. Darauf hin erwachte der Tentakel zum Leben und begann sich lautlos zu bewegen. Das Ende bewegte sich auf Rebecca zu und wand sich um deren Arm. Es zog sich immer enger um ihr Handgelenk, so das sie schon angst hatte, er würde tiefe Abdrücke hinterlassen. Rebecca schaute zu Trish und schüttelte den Kopf. Sofort zog sich der Tentakel zurück und fiel schlaff und leblos auf den Tisch, als diese die Spange vom Kopf nahm.
„Und der kommt an eure Kostüme dran?“ wollte Rebecca wissen.
„An jedes Kostüm kommen acht Stück davon, zwei Meter lang und mit funktionierenden Saugnäpfen. Aber bis die fertig sind dauert es noch eine Weile. Aber mit dem hier können wir schon mal maß nehmen für die Kostüme und auch ausprobieren wie sie funktionieren.“ erklärte Trish.
Vivian gestikulierte wieder etwas. Darauf hin gab Trish ihr die Spange. „Aber vorsichtig. Das braucht ein wenig Übung.“
Sofort als Vivian die Spange auf dem Kopf hatte erwachte der Tentakel wieder zum Leben. Er begann wild hin und her zu schlagen und traf eine leere Teetasse die darauf hin vom Tisch rollte und laut klirrend zerbrach. Vivian nahm die Spange vom Kopf und legte sie mit spitzen Fingern auf den Tisch. Sie warf Trish einen entschuldigenden Blick zu. „Macht nichts. Das ist mir auch passiert als ich es das erste Mal probiert habe.“ sagte diese.

„Und damit wollt ihr auf eine Messe gehen auf der auch kleine Kinder rum laufen?“ fragte Rebecca ungläubig.
„Kleine Kinder? Höchstens Jugendliche. Außerdem ist das hier die Jugendfreie Version.“ gab Trish grinsend zurück.
„Ach? Und wie sieht die nicht jugendfrei Version aus?“
„Die sieht etwas anders aus. Weniger Saugnäpfe, glibberiger und sie kann eine Flüssigkeit abgeben.“ sagte Trish lachend.
„Na, ich kann mir denken, was man damit macht.“ sagte Rebecca und schüttelte den Kopf. „Das ist wohl eher was für Leute mit ganz speziellen Vorlieben.“
„Für Leute wie mich?“ Trish lachte als sie das sagte. „Vielleicht, wer weiß.“ sie zwinkerte Rebecca zu.
Vivan gestikulierte etwas und Trish sagte „Ja, ich weiß. Auch für Leute wie dich. Sie findet es schade, das Vera damit nichts anfangen kann.“
Vivian nickte und machte einen Schmollmund.

Sie tranken den Tee aus und verabschiedeten sich von Trish. Dann gingen sie in Richtung Zentrum.
„Also das war wirklich eine ganz schön seltsame Vorstellung. Sowas hätte ich jetzt nicht erwartet.“ sagte Rebecca „Ich glaube, jetzt brauch ich erst mal was ordentliches zu Essen.“
Vivian gestikulierte etwas wo von Rebecca nur „Essen“ und „dort“ verstand. Sie konnte sich den Zusammenhang zusammenreimen und fragte „Du willst im Zentrum was essen gehen?“ Darauf hin nickte Vivian. Sie kamen kurze Zeit später beim Zentrum an wo sie in die Kantine gingen. Sie setzten sich an einen Tisch am Fenster und sahen sich die Karte an. Für Vivian bedeutete ordentlich daß sie sich einen großen gemischten Salat und ein Mineralwasser mit Zitrone bestellte während Rebecca sich, nicht ohne schlechtes Gewissen ihr gegenüber, Empanadas und eine große Limo bestellte.

Nach dem Essen war es bereits zu spät um noch zum See zu gehen. Vivian hatte Rebecca erklärt, daß es dort wohl ganz sicher länger dauern würde. Also beschlossen die Beiden den See beim nächsten Mal zu besuchen. Rebecca fuhr mit der Bahn zurück zu Andreas Haus während Vivian beschloss noch etwas zu laufen.

Sie lief zuerst zum See, bog dann auf eine schmale Nebenstraße ab und lief diese mit gutem Dauerlauftempo entlang. Die Straße ging etwas unterhalb des Zentrums vorbei und folgte von dort aus dem Fluss bis zum Wasserfall. Dort bog sie wieder auf eine größere Straße und folgte dieser bis kurz vor die Rückseite des Wohnblocks. Sie umrundete diesen einmal und wurde dann langsamer um wieder zu Atem zu kommen. Vor dem Eingang sah sie zwei Frauen stehen die sich unterhielten und lachten. Eine davon war ihr gänzlich unbekannt, sie trug ein langes, weites Kleid mit großem Blumenmuster. Als die Beiden auf standen und sich herzlich umarmten erkannte sie, das die andere Frau ihre Herrin war. Mit großen Augen sah sie die Fremde in einen Kleinwagen steigen den sie hier noch nie gesehen hatte und davon fahren. Ihre Herrin winkte der Fremden hinter her und ging dann ins Haus. Vivian ging nun ebenfalls langsam zum Haus, lief die vier Stockwerke im Treppenhaus nach oben und betrat die Wohnung, wo sie von Vera freudig begrüßt wurde.
„Hallo mein Schatz, schon fertig?“ fragte Vera.
Vivian gestikulierte „Ja Herrin, wir waren nur bei Trish und Rebecca ist schon nach Hause gefahren. Ich bin noch etwas gelaufen.“
„Das freut mich. Ich bin stolz auf dich. Balde hast du es ja geschafft.“ Sie hakte einen Finger in den Ring an Vivians Halsband, zog sie ins Wohnzimmer wo leise Musik lief, öffnete langsam den Gürtel ihrer Tunika und schob ihr diese von den Schultern. Dann küssten Sie sich lange und innig während Vera sich ihrer Kleider entledigte ohne den Kuss zu unterbrechen. Sie schob Vivian auf die Couch und begann sie zu streicheln und zu liebkosen. Es dauerte nicht lange, da hatte Vivian die Frau die sie eben mit Vera zusammen gesehen hatte vergessen und die Beiden fielen in ein lang andauerndes Liebesspiel.

- - -

„Aufwachen.“ sagte eine Stimme direkt neben ihrem Kopf sanft. Mara öffnete die Augen und sah in das Gesicht von Anke. Oder war es Heike?
Sie richtete sich schnell auf, legte sich dann sofort wieder hin und zog sich die Decke bis an den Hals. „Wie kommst du denn hier her?“ fragte sie erstaunt.
„Wir sind zum Essen hier.“ sagte die Frau. „Ich soll dich fragen, ob du mit essen willst oder weiter schlafen möchtest. Julia hat gesagt, das du nicht so gut geschlafen hast. Wenn du nicht willst, dann lassen wir dir was übrig.“
„Danke. Ich glaube, ich hab jetzt lange genug geschlafen.“ sagte Mara und wollte auf stehen. Doch dann besann sie sich eines Besseren und blieb lieber unter der Decke.
„Prima. Dann zieh dich an und komm dann runter.“ sagte die Frau und verließ das Zimmer.

Mara wartete bis sie die Schritte auf der Treppe hörte und stand dann auf. Sie hatte sich heute Morgen einfach aus gezogen und nackt ins Bett fallen lassen. Sie war sofort eingeschlafen und konnte sich nicht daran erinnern, sich zugedeckt zu haben. Auch die ganzen Spielzeuge die sie nicht einmal aus dem Bett geräumt hatte, lagen nun auf dem Nachttisch. Sofort schoss ihr das Blut ins Gesicht, denn ihr war bewusst, daß Anke, oder Heike, diese gesehen haben musste. Schnell zog sie ihre Tunika an und ging dann ins Bad um sich frisch zu machen. Dann ging sie nach unten. Als sie die Küche betrat hörte sie Stimmen und Lachen aus dem Wohnzimmer. Als sie dieses betrat rief jemand „Ahh, es lebt.“ Alle Anwesenden lachten darauf hin. Am Esstisch saßen neben Julia auch Rolf, Flo, Heike und Anke. Alle waren im Gegensatz zu gestern Abend eher brav gekleidet. Rolf und Flo trugen zu ihren weißen Hemden sogar Krawatten und sahen nicht mehr aus wie Rocker sondern eher wie brave Söhne. Auch Heike und Anke machten in ihren adretten Kleidern eher den Eindruck artige Töchter zu sein als Rockerbräute.

Mara ging zum Tisch, knickste und sagte „Guten Tag.“
„Mensch, den Quatsch lass bei uns aber mal.“ sagte Rolf, Mara erkannte ihn an der fehlenden Narbe. „Setz dich einfach und gut ist.“
„Na, ausgeschlafen?“ fragte Julia.
Mara nickte nur. Sie war noch immer etwas erstaunt darüber die Vier hier zu sehen und vor Allem war sie über deren Kleidung erstaunt.
„Dann lasst uns mal anfangen.“ sagte Julia und hob den Warmhaltedeckel von einer Platte. Darunter kam ein großer Braten zum Vorschein um den herum jede Menge Gemüse lag. „Kleiner, würdest du bitte?“
Rolf nahm ein großes Tranchiermesser und schnitt den Braten. Er legte jedem eine große Scheibe auf den Teller während Flo, der ihm schräg gegenüber saß das Gemüse auf den Tellern verteilte. Selbst Mara musste sich nichts selbst nehmen, da Heike, oder Anke, die Kartoffelspalten verteilte und die Andere der Beiden die Soße herum reichte.
„Dann lasst es euch schmecken.“ sagte Flo und alle begannen zu essen.
Während sie aßen entspann sich eine angeregte Unterhaltung. Irgend wann führte diese Unterhaltung zum gestrigen Abend und Julia erfuhr so auch von dem Vorfall mit dieser Sabine. Sie war nicht sehr begeistert von dem was passiert war, fand aber Gefallen daran wie die Männer deren Freund betrunken gemacht und ihm einige Ratschläge gegeben hatten die dieser offenbar sehr interessiert aufgenommen hatte.

Nach dem Essen schlug Julia vor, ein Spiel zu spielen und fragte Mara, ob sie dieses kannte. Als diese verneinte sagte Rolf „Dann räumt ihr Drei Frauen ab und wir beide erklären Mara wie das geht.“
„Ja ja,“ sagte Julia „Ihr erklärt ihr wahrscheinlich auch gleich wie man am besten mogelt.“
„Ach Mama, wie kommst du denn darauf, wir würden mogeln? Wir sind einfach besser als ihr.“ sagte Flo lachend.
„Mama?“ fragte Mara als Julia zusammen mit Anke und Heike den Tisch ab räumte und sie zusammen mit Flo einen großen Holzkoffer vom Schrank holte.
„Hast du das nicht gewusst?“ fragte Flo, was Mara verneinte.
„Ja, sie ist unsere Mutter.“ sagte Rolf lachend. „Hast du denn die Ähnlichkeit nicht bemerkt?“
„Naja, ihr Bart ist nicht so voll wie unserer, da sieht man das nicht so gut.“ sagte Flo mit todernstem Gesicht, worauf hin Mara laut lachen musste.

Mara hatte sich bereits gefragt, was wohl in diesem Koffer sein könnte den sie jedes mal sah, wenn sie im Wohnzimmer war. Nun erfuhr sie es. Es waren jede Menge sechseckige Holzteile aus denen sich das Spielfeld zusammen setzte, welche allesamt geschnitzt oder auf ähnliche Weise bearbeitet und bemalt waren. Dazu jede Menge verschiedene Spielfiguren und eine große Menge unterschiedlicher Karten. Während die Beiden das Spiel auf dem Esstisch aufbauten den Julia mit ihren beiden Schwiegertöchtern abgeräumt hatte erklärten sie Mara die Regeln und nebenbei auch, daß sie das gesamte Spiel in der Firma in der sie arbeiteten selbst hergestellt hatten.

Es dauerte eine ganze Weile bis Mara die Regeln begriffen hatte, obwohl die Beiden ihr diese anhand von Beispielen erklärten. Diese waren recht umfangreich aber im Grunde genommen doch ziemlich einfach und als die drei Frauen aus der Küche kamen war das Spielfeld aufgebaut und Mara hatte die Regeln wie sie hoffte begriffen.

Als alle wieder am Esstisch saßen begannen sie zu spielen. Das dauerte bis in den frühen Abend. Zwischendurch holte Heike eine Art Pudding mit vielen unterschiedlichen, gehackten Nüssen aus der Küche und gab jedem eine große Schüssel davon. Rolf und Flo langten ordentlich zu und ließen sich sogar noch einen Nachschlag geben während die Frauen bereits nach der ersten Schüssel mehr als satt waren.

„Ihr habt ihr doch eure fiesen Tricks bei gebracht.“ schimpfte Julia und sah Rolf und Flo böse an.
„Das würden wir doch nie machen Mama.“ erwiderte Flo. „Entweder du bist einfach zu schlecht oder Mara ist zu gut.“
„Anfängerglück.“ sagte Mara und schaute entschuldigend zu Julia.
Diese grinste breit „Nicht schlimm, dann gibt es noch jemandem dem ich dabei nicht das Wasser reichen kann. Ich habe mich damit schon abgefunden. Aber das du gleich so gut abschneidest hätte ich nicht erwartet.“
Mara hatte den zweiten Platz hinter Rolf belegt. Heike und Anke belegten zusammen den vierten Platz und Julia war das Schlusslicht.

Zusammen räumten sie das Spiel in den Koffer und beendeten den Abend. Rolf und Flo sowie die beiden Frauen, Mara glaubte sie mittlerweile auseinander halten zu können, verabschiedeten sich.
„Machst du bitte noch die Küche bevor du ins Bett gehst?“ fragte Julia. Das war natürlich trotz der Formulierung als Frage eine Anweisung die keine Widerrede duldete und so ging Mara in die Küche, räumte die Spülmaschine aus und auch gleich wieder ein. Sie wischte noch alles und ging dann ins Wohnzimmer um Julia zu sagen, das sie fertig war und nun hoch ging.

Julia hatte den Fernseher eingeschaltet und sah sich einen Film an. Erst als Mara neben der Couch stand bemerkt sie, was dort für ein Film lief. Es war ein ziemlich harter Porno bei dem sich mehrere Frauen und Männer miteinander vergnügten, was auch in Großaufnahme gezeigt wurde.
„Raus!“ rief Julia gepresst vom Sofa her.
Mara lief wie so oft in letzter Zeit rot an, knickste und stotterte eine Entschuldigung. Schnell verließ sie das Wohnzimmer und ging nach oben.
’Das wird bestimmt ärger geben’ dachte Mara als sie unter die Dusche ging.

Als sie nackt, nur mit einem Handtuch bekleidet, aus der Dusche kam saß Julia auf dem Sessel und schaute zu ihr herüber.
„Hallo Mara, setz dich bitte.“ sagte sie und deutete auf die Couch.
„Ja Herrin.“ sagte Mara leise mit schuldbewusster Mine und setzte sich.
„Das, was du eben gesehen hast, solltest du eigentlich nicht sehen. Ich dachte, du wärst schon längst hoch gegangen.“ sagte Julia und schaute sie direkt an.
Mara senkte den Blick „Entschuldigung Herrin. Das wird nie wieder vorkommen.“
„Ach? Wird es das nicht?“ Julia schaute sie nun ein wenig belustigt an. „Interessant. Wie willst du das verhindern?“
Mara hob den Blick und schaute sie nun fragend an.
„Mara, das wird sicher noch öfter passieren. Deswegen bin ich hier, um mit dir darüber zu reden. Mir war das nämlich mindestens genau so peinlich wie dir. Und dein Bedröppeltes Gesicht sagt mir, daß das richtig war. Was hast du denn gedacht, was jetzt passiert?“
„Das… das sie mich bestrafen weil… weil...“
„Blödsinn. Warum sollte ich? Weil du ins Wohnzimmer gekommen bist? Hab ich dir das irgend wann verboten? Das wäre mir neu.“
Mara schüttelte nur den Kopf.
„Ich meine, wenn du das willst, wir können meinetwegen gerne in den Laden gehen, da liegt alles rum, was dafür nötig ist.“ nun warf Julia ihr einen fragenden Blick zu.

Mara schaute sie nur an und schüttelte den Kopf. Sich freiwillig bestrafen zu lassen obwohl ihre Herrin das anscheinend garnicht vor hatte wäre ihr nie in den Sinn gekommen. In der Schule war sie gerade zwei mal wirklich bestraft worden. Beide Male hatte sie die eigentlichen Strafen nicht als wirklich schlimm empfunden. Viel schlimmer fand sie, was dabei in ihr selbst vorgegangen war. Anstatt daß die Schmerzen sie übermannten fühlte sie sich seltsam frei und leicht, ganz so als ob sie in ihrem Eigenen Körper nur Zuschauerin war. Was sie als noch viel verwirrender empfand war die Erregung die sie danach empfunden hatte. Das erste Mal, als sie ausgepeitscht worden war weil sie mehrere Bilder von Miss Vitória zerstört hatte, hatte sie es sogar fertig gebracht sich als sie im Krankenzimmer alleine war, selbst zu befriedigen obwohl ihr der Rücken unerträglich schmerzte. Vielleicht auch genau deswegen. Doch diese Seite in ihr selbst machte ihr Angst. Sie wollte diesen Teil von sich selbst am liebsten nie wieder sehen. Doch jetzt, bei dem Gedanken daran von Herrin Julia bestraft zu werden, machte sich wieder diese Erregung in ihr breit. Sie fragte sich, ob sie verrückt war und wieso das passierte. Vor Schreck über sich selbst schloss sie die Augen und versuchte diese Gedanken ab zu schütteln. Sie kniff die Augen fest zusammen. Doch es blieb das unbestimmte Gefühl sich selbst fremd zu sein.

„Mara?“ Julias Stimme brachte sie in die Realität zurück. „Mara? Ist alles in Ordnung?“
Erstaunt registrierte sie, das Julia ihr gegenüber auf dem Tisch saß, ihre Hand auf ihrer Schulter hatte und sie schüttelte.
„Ja Herrin. Es ist alles in Ordnung.“ sagte sie, noch immer etwas verwirrt.
„Mensch Mara, jag mir doch nicht so einen Schrecken ein. Ich kann ja verstehen das du Angst hast, bestraft zu werden. Aber dafür bestimmt nicht.“ sagte Julia. „Aber damit das klar ist, wenn du wirklich was anstellst wird dir das bestimmt nicht erspart bleiben.“
„Ich verstehe Herrin.“ sagte Mara mit rauer Stimme. Ihr Hals fühlte sich entsetzlich trocken an und sie musste einige Male schlucken bis das besser wurde.

Julia schüttelte den Kopf. Isabella hätte ihr ruhig erzählen können daß Mara solche Angst vor Strafen hatte. „Pass auf, es wird sich nicht vermeiden lassen, daß du das gelegentlich zu sehen bekommst. Ich bin eine Frau und wir machen das einfach gelegentlich, auch mal im Wohnzimmer, in der Küche oder wo anders. Und wir beide sind erwachsene Menschen, daher denke ich nicht, das es nötig ist, meine Gewohnheiten was das angeht zu ändern. Rücksichtnahme beruht immer auf Gegenseitigkeit. Ich werde damit nicht anfangen wenn du in der Nähe bist, aber dafür erwarte ich von dir, das du, wenn du das doch mitbekommen solltest, einfach wieder gehst und später noch mal kommst. Und umgekehrt gilt das eben so. In Ordnung?“
Mara dachte kurz darüber nach. Sie würde sicher nicht anfangen, an sich herum zu spielen, wenn die Herrin in der Nähe wäre. „In Ordnung Herrin.“ sagte sie.
„Prima. Dann geh jetzt langsam mal ins Bett.“ Julia stand auf und ging die Treppe herunter.
Mara blieb noch einige Minuten so sitzen und ging dann in ihr Schlafzimmer wo sie sich ein Nachthemd anzog und sich ins Bett legte.

- - -

Obwohl sie eigentlich noch frei hatte, hatte Rebecca zum Abendessen Gulasch gekocht zu dem es Rotkohl und Kartoffeln gab und auch den Nachtisch nicht vergessen. Dies würde ihr sicher nicht noch einmal passieren. Danach ging sie auf ihr Zimmer und beschloss etwas Musik zu hören und zu lesen.
Doch sie konnte sich nicht richtig auf das Buch konzentrieren. Zwar rutschte sie nicht mehr dauernd hin und her aber richtig an den Keuschheitsgürtel gewöhnt hatte sie sich noch immer nicht. Zwar drückte er nirgendwo und störte sie auch nicht beim Gehen aber es war immer noch ein ungewohntes Gefühl und die Tatsache das sie durch diesen dauernd erregt war machte es nicht besser. Zu gerne würde sie sich nun selbst berühren, sich streicheln und ihre Lust endlich befriedigen doch jedes mal wenn ihre Hände zwischen ihre Beine wanderten verhinderte der Stahl des Gürtels dies. Frustriert ging sie ins Badezimmer wo sie sich kalt duschte. Das half jedoch auch nur für kurze Zeit. So nahm sie ein Buch, ging ins Bett und las etwas. Dabei ließ sie beide Hände wie ein artiges Mädchen über der Bettdecke. Ungewohnt früh schlief sie ein. Das Buch fiel auf den Boden und blieb offen dort liegen.
24. RE: Neue Horizonte - 2

geschrieben von HeMaDo am 11.06.17 14:02

Nadines Kopf schmerzte infernalisch und sie fühlte sich als sei sie komplett in Watte gepackt. Alles fühlte sich irgend wie unwirklich an. Sie versuchte sich zu erinnern, was passiert war. Nur langsam kam die Erinnerung wieder. Sie wollte nach dem fehlerhaften Schalter sehen. Dann erinnerte sie sich an das Kabel welches von diesem weg führte. Sie war diesem Kabel gefolgt und hatte diese seltsamen Kisten gesehen und irgend etwas hatte sie am Kopf getroffen.

Lag sie auf der Krankenstation? Sie öffnete die Augen doch sie konnte nichts sehen. Nur ein schwacher Lichtschein am unteren Rand ihres Sichtfeldes war zu erkennen. Sie versuchte sich zu bewegen doch weder ihre Arme noch die Beine wollten ihr gehorchen. Sie spürte einen Widerstand gegen die Bewegungen. War sie etwa an ein Bett gefesselt? Was sie bewegen konnte, waren ihre Finger und die Zehen, aber selbst den Kopf konnte sie weder drehen noch nicken. Ihr war kalt und sie hatte das dringende Bedürfnis auf die Toilette gehen zu müssen.
„Hallo?“ rief sie. Ihre Kehle schmerzte dabei. „Ist da jemand?“
Niemand antwortete. Sie rief noch einmal. Wieder schmerzte ihre Kehle. Dann hörte sie Schritte näher kommen. Diese hörten sich nicht an als ob sie in einem Krankenzimmer war, eher wie in einer Halle oder einem anderen, großen Raum. „Hallo?“ fragte sie in die Dunkelheit.

„Na, da ist wohl jemand wach geworden.“ hörte sie eine Stimme neben sich.
„Ja, wo bin ich hier? Was ist passiert?“ fragte sie mit rauer stimme.
„Scheint so.“ sagte eine andere Stimme von der anderen Seite. „Schau mal, ich glaub, wir müssen sie mal leer machen.“
„Ja, scheint so. Machst du das noch schnell?“ fragte die erste Stimme.
„Hallo?“ fragte Nadine „Was ist denn hier los.“
Wieder ertönte die erste Stimme. „Wenn sie nicht die Fresse hält, dann knebel sie einfach.“
„Ja, mach ich gerne.“ sagte die zweite Stimme.
„Das kann ich mir vorstellen daß dir sowas Spaß macht. Aber spiel nicht zu doll mit ihr. In drei Stunden kommt der Transporter. Dann will ich, das sie fertig verpackt ist damit sie hier weg kommt und der Platz wieder frei ist. Wir bekommen danach noch eine neue Lieferung.“
„Keine Angst, ich mach nicht lange, nur bis es mir reicht.“
„Dann viel Spaß.“ Schritte entfernten sich und es war wieder Still.

’Spielen? Verpacken? Transporter? Was soll das alles?’ Nadine bekam es mit der Angst zu tun. War sie garnicht in einem Krankenhaus? „Hallo?“ fragte sie leise.
Sie spürte eine Berührung am Kopf und wollte zurück weichen doch das ging nicht. Ihren Kopf konnte sie keinen Millimeter bewegen. Irgend etwas wurde ihr von den Augen genommen und sie sah im hellen Schein einer Lampe den Umriss eines Kopfes direkt vor ihrem Gesicht.
„Nur damit das klar ist, du gehörst jetzt uns. Und nachher wirst du weg gebracht und für uns arbeiten. Du kannst nichts dagegen machen. Also finde dich damit ab. Und bis du weg gebracht wirst, werden wir beide vielleicht noch ein wenig Spaß haben.“ sagte die Frau. Langsam gewöhnten ihre Augen sich an das Licht und sie konnte die Frau vor sich erkennen. Zumindest konnte sie sehen, das es eine Frau war. Doch sie konnte nur ihre Augen und die Lippen sehen, der Rest des Gesichtes steckte in einer glänzenden, schwarzen Maske die den ganzen Kopf bedeckte.
„Meine Kollegin weiß wo ich bin. Es dauert nicht lange und dann wird jemand nach mir suchen.“ begehrte Nadine auf und zerrte an ihren Fesseln.
„Meinst du?“ fragte die Frau und lachte höhnisch. „Vergiss es. Die Polizei ist gerade weg gefahren. Man hat deinen Werkzeuggürtel am Geländer gefunden und dein Comm beim Bach. Du bist ausgerutscht, in den Bach gefallen und mitgerissen worden. Und aus den Höhlen in die der Bach fließt, wird deine Leiche nie wieder auftauchen und deine Familie ist über deinen tragischen Unfall informiert worden. Warum musstest du auch so neugierig sein? Dein Pech würde ich sagen.“
Nadine sah die Frau entsetzt an. Was war hier los? Das kann doch nicht wahr sein.
„Was passiert jetzt mit mir?“ fragte sie nun ängstlich.
„Was soll ich sagen?“ wieder dieses höhnische Lachen „Du wirst für uns arbeiten und außerdem werden wir unseren Spaß mit dir haben. Mehr brauchst du nicht zu wissen. Und wenn du jetzt noch ein Wort sagst, dann...“
Nadine schrie laut auf weil ein stechender Schmerz durch ihren Unterleib fuhr. Sie zuckte und wand sich vor Schmerzen in ihren Fesseln hin und her.
„passiert das. Und wenn du nicht tust, was wir dir sagen, passiert das ebenfalls. Also sei schön artig, dann passiert dir auch nichts.“
Tränen liefen ihre Wange herab und sie zitterte am ganzen Körper vor Angst und schmerzen.
Wieder dieser brennende Schmerz. Wieder bäumte sie sich auf.
„Tut mir leid, das war glatt gelogen. Wenn wir Lust dazu haben, passiert das auch wenn du artig bist. Und mit wir meine ich in den nächsten zwei Stunden mich. Also, tu was ich dir sage, dann könnte es sein, daß mir andere Sachen mehr Spaß machen, die nicht so unangenehm für dich sind.“ und wieder dieses höhnische Lachen.

„Aber jetzt mache ich dich erst mal sauber.“ sagte die Frau. „Denk dran, kein Ton.“
ohne ab zu warten wandte die Frau sich von Nadine ab und ging fort. Nadine blinzelte die Tränen weg und versuchte sich um zu schauen. Während sie sich aufgebäumt hatte, hatten sich offenbar die Fesseln gelöst die ihren Kopf hielten. So konnte sie diesen ein klein wenig heben und schaute an sich herab. Das erste was sie sah, waren ihre Brüste. Nein, eigentlich konnte sie diese nicht sehen, denn sie steckten in Schalen aus einem schwarzen Material und nur ihre Nippel schauten heraus. Sie drehte den Kopf ein wenig und konnte sehen, das ihre Arme mit breiten Bändern irgend wo fest gemacht waren. Weiter unten, an ihren Handgelenken sah sie ebenfalls dieses schwarze Material. Es lag wie ein sehr breite Armbänder um ihre Handgelenke und hielt diese unverrückbar fest.

„Na, ist da jemand neugierig?“ Da war wieder diese Frau. Sie zog das breite Band welches um ihre Stirn lag fester so das ihr Kopf wieder fest auf die Unterlage gezogen wurde. Dann schob sie einen Monitor auf einem Gestell in ihr Blickfeld und neigte ihn so, das sie ihn gut sehen konnte.
„Wenn du so neugierig bist, dann zeige ich dir mal ein wenig.“ Die Frau hielt nun eine Kamera in der Hand und richtete sie auf Nadine. Auf dem Monitor konnte sie nun sich selbst sehen wie sie mit weit abgespreizten Armen und breitbeinig auf dem Gestell lag. Ihre Brüste steckten in einem BH aus schwarzem Material der, wie sie eben schon gesehen hatte, nur ihre Nippel frei ließ. Sie trug eine Art Unterhose aus dem selben Material welche ihre Scham komplett umschloss. Mehrere Schläuche kamen aus dieser Unterhose heraus und führten irgend wo hin. Auch um ihre Fußgelenke trug sie breite Bänder aus diesem Material.

„So. Genug gesehen.“ sagte die Frau. Sie legte die Kamera bei Seite und ging an eine Art Schaltpult. Sofort spürte Nadine wie etwas in ihren After floss. Auch der Druck auf ihre Blase nahm nun noch mehr zu. Wimmernd lag sie da und konnte dem nichts entgegen setzen.
„Du bekommst jetzt einen Einlauf und deine Blase wird gespült. Das ist vielleicht ein klein wenig unangenehm.“ sagte die Frau mit einem breiten Grinsen. „Aber das ist nicht mein Problem. In den nächsten Tagen wirst du dich daran gewöhnen.“
Plötzlich begann der Gürtel zu vibrieren, wodurch der Druck in ihrem Darm und ihrer Blase noch verstärkt wurde. Doch noch etwas passierte, ohne daß sie sich dagegen wehren konnte, sie spürte daß dieses Vibrieren sie über alle maßen erregte. Diese Erregung baute sich immer weiter auf bis sie es kaum noch aus hielt ohne sie jedoch zum erlösenden Höhepunkt zu bringen.
Genau so plötzlich wie es begonnen hatte, hörte dieses Vibrieren auf und auch der Druck in ihrer Blase und ihrem Darm verschwand.
„Das scheint dir ja richtig zu gefallen.“ ertönte die Stimme der Frau wie aus weiter Ferne. „Dann machen wir das am Besten gleich noch mal.
Wieder spürte sie wie sich in ihr der Druck aufbaute und dieses Vibrieren begann. Dieses Mal trat die Frau neben sie und berührte ihre Seite. Sie beugte sich zu ihr und drückte ihren Lippen auf Nadines. Die Erregung machte sich wieder in ihr breit und so wehrte sie sich nicht als die Zunge der Frau zwischen ihre Lippen drang und mit ihrer eigenen zu spielen begann. Doch dann zog diese sich zurück und wieder löste sich der Druck in ihr und das Vibrieren hörte auf. Sie spürte nur noch eine Leere in ihrem Unterleib als alles wieder aufgehört hatte.

„Wie du gesehen hast, kann der Gürtel nicht nur bestrafen sondern auch belohnen. Und da du dich ja so für unsere Transportkisten interessierst, gebe ich dir jetzt die Gelegenheit, diese einmal genauer zu betrachten. Natürlich von innen.“ die Frau trat zwischen Nadines Beine und zog die Schläuche aus der Unterhose, die sie eben als Gürtel bezeichnet hatte. „Wenn du artig bist und tust, was ich dir sage, dann wird dir nichts passieren, solltest du allerdings auch nur den Versuch machen weg zu laufen oder eine andere Dummheit anstellen wollen, dann weißt du ja, was passiert.“ Nun löste die Frau das Band welches Nadines Kopf hielt. „Hast du das verstanden?“
Nadine schaute sie mit tränen in den Augen an und konnte nur nicken. Auf keinen Fall wollte sie noch einmal diesen Schmerz spüren müssen.
„Dann mache ich dich jetzt los. Du bleibst liegen.“ nun löste die Frau die Bänder um ihren Oberkörper und die Arme, ging dann nach unten und löste auch die Beinfesseln.
„Aufstehen!“ befahl sie ihr. Nadine versuchte langsam auf zu stehen. Sie setzte einen Fuß auf den Boden und dann den anderen. Sie richtete sich auf und stand nun mit zitternden Beinen neben der Liege. Die Frau fasste sie unsanft am Arm und zog sie mit sich. Nach wenigen Schritten kamen sie an eine Kiste. Diese war etwa zwei Meter lang und gut einen Meter breit und hoch. Die Oberseite war zur Seite geklappt und neben der Kiste stand eine Art Podest.
„So, rein mit dir.“ befahl die Frau doch Nadine schüttelte nur mit dem Kopf. Sie wollte nicht in diese Kiste. Doch dir Frau hob mit der feien Hand drohend eine Art Fernbedienung. Sofort kletterte Nadine auf das Podest und schaute in die Kiste. In dieser gab es eine Einlage aus gelbem Schaumstoff der einen Ausschnitt in Form eines Menschen hatte. Zögernd setzte Nadine einen Fuß in die Kiste, dann den anderen und legte sich in diese Aussparung. Flehend sah sie die Frau an doch diese nahm vollkommen unbeeindruckt einen Schlauch, den sie an dem Gürtel befestigte.
„Ich wünsche dir eine angenehme Reise.“ sagte die Frau mit einem sarkastischen Ton in der Stimme und schloss den Deckel der Kiste. Dieser senkte sich über Nadine. Sie konnte noch sehen, das in dem Deckel ebenfalls gelber Schaumstoff war der sich nun auf sie nieder senkte und dann umgab sie Dunkelheit. Sie hörte das Klicken von Verschlüssen und ein leises Brummen setzte ein. Voller Verzweiflung versuchte sie sich zu befreien. Sie versuchte den Schaumstoff weg zu kratzen doch so weich dieser war, so stabil war er auch. Sie hörte ein Klopfen auf dem Deckel und spürte wie sie in die Senkrechte gebracht wurde. Dann hörte sie ein leises Zischen und sie spürte ihre Sinne schwinden.

- - -

„Schon wieder.“ sagte Isabella leise und deutete zur Tür. Durch den schmalen Spalt zwischen Boden und Tür war ein Lichtschein zu sehen und ein Schatten, der sich hin und her bewegte.
Maja richtete sich auf und schaute ebenfalls zur Tür. „Ich frage mich ja immer noch, was in ihr vor geht.“
„Ach? Das fragst du mich? Du hast das fast ein halbes Jahr lang gemacht bevor du dich rein getraut hast, da solltest du das doch besser wissen.“ sagte Isabella noch immer leise.
„Willst du sie nicht einfach rein holen?“
„Und dann? Sollen wir uns die Kleider vom Leib reißen und eine wilde Orgie veranstalten?“
Bei diesen Worten musste Maja sich ein Lachen verkneifen. „Besser nicht. Aber mich würde ja interessieren, was du damals gedacht hast.
Isabella sah sie nachdenklich an. „Ich habe mich gefragt, wann du dich endlich traust.“
„Und du hast dir nicht manchmal gewünscht, mich einfach rein rufen zu können?“ Maja sah Isabella eindringlich an.
„Natürlich habe ich mir das. Aber mit Freiwilligkeit hat das dann garnichts mehr zu tun.“
„Blödsinn. Ich hätte immer noch nein sagen können, wenn du von dir aus irgend was versucht hättest.“
„Werd mal nicht frech.“ Isabella setzte ein breites Grinsen auf.
„Sonst was? Versohlst du mir dann den Hintern?“ Maja richtete sich auf, kniete sich auf alle Viere und streckte ihr den nackten Hintern entgegen und wackelte provozierend mit diesem vor ihrem Gesicht herum.
„Komm, lass den Quatsch. Lange kann ich das da“ sie deutete zur Tür „nicht mehr mit ansehen.“
„Wenn es ja nur das wäre.“ sagte Maja als sie sich wieder hin legte und bei Isabella ankuschelte.
„Du hast es also auch gesehen?“
„Die verstohlenen Blicke und die verheulten Augen morgens?“ Isabella sah sie nun ernst an „Das ist doch wohl kaum zu übersehen. Sie kann so stark tun wie sie will aber das ist so offensichtlich, das sie das kaum verstecken kann.“
„Sie kann einem ja schon ganz schön leid tun.“ Maja seufzte leise.
„Ist es nur das?“ fragte Isabella mit hochgezogener Augenbraue.
„Und bei dir?“ Maja lehnte den Kopf an Isabellas Schulter.
„Los, sag ihr, sie soll rein kommen.“
„Ich denke, es ist besser, wenn du das machst. Immerhin bist du die Herrin hier.“
„Manchmal habe ich das Gefühl, daß das irgend wie an mir vorbei gegangen ist.“ sagte Isabella grinsend. Dann atmete sie einmal tief ein, stand auf und ging leise zur Tür. Fridas Schatten war schon seit einer Weile genau vor der Tür zu sehen und bewegte sich nicht.

Frida lehnte am Türrahmen, hatte die Knie bis unters Kinn angezogen und wusste mal wieder nicht, was sie tun sollte. Wie schon die Tage zuvor überlegte sie, ob es nicht einfach besser war zurück in ihr Zimmer zu gehen und sich ins Bett zu legen. Sie bemerkte nicht, das sich die Klinke lautlos herunter bewegte. Erst als sich die Tür langsam öffnete und ihr den Halt nahm, so das sie beinahe in den Raum fiel, sah sie auf. Sie sah Isabella die ihr die Hand entgegen streckte. Sie wischte sich die Tränen aus dem Gesicht und hob langsam ihre Hand. Zitternd griff sie nach der ihr entgegengehaltenen Hand und stand auf.



Überraschung mit Hindernissen


Während der nächsten zwei Wochen lebte Rebecca sich langsam ein und sie wurde im Umgang mit all den Neuen Dingen die sie noch lernen musste immer sicherer. Nach einer Weile hatte sie begriffen wie alles funktionierte und auch daran daß sie den Keuschheitsgürtel nur morgens zum Duschen ablegen durfte hatte Sie sich gewöhnt. Sie wurde immer entspannter und mit der Zeit fand Sie sich gut in die Routine ein, die Herrin Andrea ihr abverlangte. An den Wochenenden ging sie viel spazieren und schloss auch einige Freundschaften, unter anderem mit Larissa und Frida. Auch mit Trish verstand sie sich blendend und sie konnte Vivians Gebärdensprache immer besser verstehen und mittlerweile auch selbst, wenn auch noch recht holprig, in Gebärden reden.
Das Einzige was weniger erfreulich war, war das Gespräch mit ihrer Mutter, welches sie viel zu lange aufgeschoben hatte. Als sie ihr erklärte, das sie eine Stelle als Serva angenommen hatte reagierte diese nur mit Unverständnis und Rebecca beendete wütend das Gespräch als ihre Mutter ihr vorwarf ihrer Tochter egal zu sein. Rebecca lief lange in ihrem Wohnzimmer auf und ab, bis Herrin Andrea herein kam die sich im Kaminzimmer aufgehalten hatte und über die dauernden Schritte wunderte die sie von oben hörte.

Es klopfte an der Tür und Herrin Andrea trat ein. Rebecca knickste und wunderte sich, warum ihre Herrin sie um diese Zeit noch aufsuchte, denn diese hatte Rebeccas Räume bisher nur einmal in der Woche betreten um sich davon zu überzeugen das hier alles ordentlich und sauber war. Sie fragte Rebecca, was denn los sei. Diese war noch immer ziemlich aufgewühlt und erzählte, den Tränen nahe vom Gespräch mit ihrer Mutter.
„Ich kann dich nur zu gut verstehen Rebecca.“ sagte Andrea. Rebecca schaute sie verständnislos an. Wie sollte eine Herrin verstehen was in ihrem Kopf vor ging? Woher wollte sie denn wissen, was eine Serva fühlte?

Andrea bemerkte Rebeccas zweifelnden Blick. „Komm mit, ich möchte dir etwas zeigen.“ sie ging aus dem Zimmer und Rebecca folgte ihr in ihr Schlafzimmer. „Setz dich.“ sagte Andrea und wies auf den Stuhl vor ihrem Frisiertisch. Rebecca knickste und setzte sich wortlos. Andrea öffnete den Schrank in den Rebecca morgens nach dem Bettenmachen mittlerweile des Öfteren diverse Spielzeuge einräumen musste. Sie fragte sich, was nun passieren würde und befürchtete schon, das Andrea nun von ihr verlangen würde mit ihr zu schlafen. Andrea stützte sich auf ihren Stock, ging vor dem Schrank in die Knie und holte von ganz unten etwas heraus. Es war eine einfache, flache Pappschachtel, etwa 25 mal 25 Zentimeter groß und gut fünf hoch. Andrea stand auf und legte die Schachtel auf den Frisiertisch.
„Das ist es, was ich dir zeigen möchte. Mach sie auf.“
Rebecca hob den Deckel der Schachtel an, legte diesen bei Seite und schlug das Seidenpapier auf welches den Inhalt schützte. Mit offenem Mund betrachtete sie den Inhalt der Schachtel. Es war das Halsband einer Serva. Es hatte vorne einen Ring der zeigte, das seine Trägerin unfrei war. Der Verschluss war offenbar mit einem Laserschneider oder etwas ähnlichem geöffnet worden.
„Ich sagte doch, ich verstehe, wie es dir geht.“ sagte Andrea.
„Sie waren eine Serva Herrin?“ Rebecca sah sie fragend an.
„Nein Rebecca. Ich bin eine Serva.“ sie betonte das „bin“ eindringlich. „Wenn man das Halsband einmal getragen hat, begleitete es einen immer, auch wenn man es irgend wann einmal ablegt, so wie ich. Ich bin noch immer stolz darauf, was ich bin, auch wenn ich es nun nicht mehr trage.“
Rebecca schaute verwirrt zu ihrer Herrin.

Mit ruhiger Stimme begann Andrea zu erklären. „Ich bin, wie jede andere Serva zur Schule gegangen und wurde versteigert wie jede andere Serva. Der Mann der mich kaufte verliebte sich in mich und auch ich verliebte mich in ihn. Eines Tages bat er mich, ihn zu heiraten, ich sagte natürlich sofort ja. Und obwohl, oder vielleicht auch gerade weil ich noch immer eine Serva war führten wir eine glückliche Ehe. Irgend wann fuhren wir zusammen zu seinen Eltern. Es war schon spät am Abend und kurz bevor wir dort an kamen, kam uns ein anderes Fahrzeug entgegen. Der Fahrer war betrunken und kam ins Schleudern.“ sie seufzte leise „Mein Mann lag mehrere Wochen lang im Koma aus dem er nicht mehr aufgewacht ist. Der andere Fahrer starb noch in seinem Auto.“ sie seufzte traurig bei der Erinnerung an diesen Abend. „In seinem Testament hatte mein Mann verfügt, das ich frei gelassen werden soll. Er hat mir ein kleines Vermögen hinterlassen von dem ich seit dem gut lebe und mir das hier“ sie deutete mit einer ausladenden Bewegung vage in den Raum „alles leisten kann.“
„Das tut mir leid Herrin.“ sagte Rebecca leise.
„Papperlapapp. Du bist die letzte der das leid tun müsste. Ich wollte dir das erzählen, damit du weißt, das ich verstehe, wie es dir geht.“ sie kam auf Rebecca zu und umarmte sie herzlich. „Jetzt geh in dein Zimmer und schlaf. Morgen hast du dich wieder beruhigt und es geht dir sicher besser. Und wenn du jemanden zum Reden brauchst, kannst du jederzeit zu mir kommen.“
„Vielen Dank Herrin.“ Rebecca stand auf, knickste und ging zurück auf ihr Zimmer.

- - -

Rebeccas Laune besserte sich bald wieder und nach ein paar Tagen war das Gespräche mit ihrer Mutter vergessen. Es hatte sich ergeben das sie sich jeden Sonntag nach dem Mittagessen mit einigen anderen Frauen traf, unter anderen gehörten auch Vivian und Trish, die schon eine Weile befreundet waren zu dieser Runde. Sie trafen sich an diesem Sonntag im Zentrum, wo sie sich zum Tanzen verabredet hatten. Rebecca, die wieder einmal Probleme mit ihrem Rücken hatte, saß am Tisch und schaute den Anderen zu als Trish zu ihr kam. „Sag mal, kommt ihr eigentlich auch zur großen Feier in zwei Wochen?“ fragte sie Rebecca.
„Was denn für eine Feier?“ sie schaute Trish fragend an.

„Na ja, zum Oktobervollmond natürlich.“ die anderen Frauen kamen zum Tisch und setzten sich.
„Was ist denn daran so besonders? Und was passiert da?“ wollte Rebecca wissen.
Trish schaute sie ernst an „Die Winternacht ist ein Fest der modernen Hexen. Alle Frauen versammeln sich splitterfasernackt um ein riesiges Feuer, tanzen und feiern und geben sich einer einzigen, großen Orgie der Lust einander hin.“ erklärte sie mit geheimnisvoller Stimme.
Rebecca starrte sie unverwandt an „Also ich glaube nicht, daß das was für mich ist und ob ich bei sowas mitmachen möchte.“
Neben ihr begann Vivian laut zu lachen. Auch die Anderen fielen in das Gelächter mit ein. Auch Trish konnte nicht mehr an sich halten und fiel in das Gelächter mit ein.
Kelly beruhigte sich als erste wieder. „Die Winternacht ist eines der drei großen Feste die wie hier feiern. Einige Bands machen Musik und alle tanzen, sind fröhlich und es gibt ein riesiges Buffet. Und die Chefin hält eine Ansprache. Das Fest geht bis zum nächsten Morgen. Es kommen auch viele Freunde und Verwandte. Also nichts mit großer Orgie.“

„Stimmt, die findet zur Walpurgisnacht auf dem Berg statt.“ gestikulierte Vivian und grinste breit.
„Nehmt die Neue doch mal ordentlich auf den Arm.“ sagte Rebecca und machte einen Schmollmund. Aber auch sie musste lachen.

„Es gibt hier drei große Feste. Das eine ist das Sommerfest, dann die Winternacht und der Neujahrsball, der ist etwas formeller, da kommen alle in tollen Abendkleidern und es wird Walzer und Tango getanzt und so. Aber dazu muss man eine Einladung bekommen.“ fügte Trish hinzu. „Ich war da noch nie.“ sie machte ein bedauerndes Gesicht.
„Na, als Serva werd ich doch wahrscheinlich auch nicht dazu eingeladen, oder?“ Rebecca sah sie fragend an.
„Wieso denn nicht? Das hat damit nichts zu tun, man muss aber jemanden haben, von der man eingeladen wird. Und das sind nur die Chefin und die Abteilungsleiterinnen. Und die Meisten werden auch nicht zwei mal hintereinander eingeladen. Außerdem kommen viele Gäste, meistens Kunden der Firma und so“ sagte Kelly.
„Ich glaube, die Winternacht ist auch viel lustiger als der Ball, da freu ich mich riesig drauf.“ gestikulierte Vivian. Rebecca musste kaum noch nachfragen wenn sie redete.

Die Frauen redeten und tanzten noch eine Weile und als es Zeit wurde, zu gehen, verabschiedeten sie sich von einander. Trish und Rebecca hatten ein Stück weit den selben Weg und unterhielten sich noch bis sie sich an der Abzweigung die zu Andreas Haus führte verabschiedeten.

„Ich bin wieder zu Hause Herrin.“ Rebecca meldete sich bei Andrea zurück, die im Salon saß und las.
Andrea musterte sie und fragte „Was amüsiert dich denn so?“ als Rebecca unwillkürlich an Trishs Beschreibung der Winternacht denken musst und sich vorstellte wie Andrea nackt um ein großes Feuer tanzte.
„Verzeihung Herrin, aber Trish hatte mir eine ziemlich alberne Geschichte über die Winternacht erzählt, daran musste ich gerade denken.“
„Ich verstehe, Vermutlich hat sie mal wieder die Geschichte erzählt, das alle nackt ums Feuer tanzen und eine große Orgie begehen.“ Auch Andrea lächelte nun.
„Ja Herrin, genau das war es was sie gesagt hatte.“
„Geh jetzt zu Bett, morgen muss ich in die Stadt und ich möchte, das du mich fährst.“
Rebecca knickste „Gerne Herrin. Ich wünsche Ihnen eine gute Nacht.“ obwohl sie gerne hier war freute sie sich darauf, mal wieder raus zu kommen und andere Leute zu sehen. Sie ging in ihr Zimmer, duschte sich und las noch etwas im Bett.

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Vivian hatte einen weiteren Weg zu gehen als die anderen Frauen. Als sie zu Hause an kam, klopfte sie wie üblich um Vera zu sagen, das sie zurück war. Aus der Küche hörte sie gerade noch, wie ihre Herrin sagte „Du, ich muss Schluss machen, Vivian ist grade heim gekommen.“ eine fremde Frauenstimme sagte noch „Dann bis bald Süße.“
Vivian war sich sicher das Vera sie über alles liebte, sie hörte es von ihr beinah jeden Tag und war überzeugt das sie es auch genau so meinte, doch dieser Gesprächsfetzen machte ihr Sorgen. Sie ging in die Küche, wo sie mit Staunen sah daß Vera am Herd stand und kochte, der Tisch war bereits gedeckt und eine Schüssel belgische Pommes Frites stand darauf.
„Guten Abend meine Herrin“ gestikulierte Vivian.
„Hallo mein Schatz.“ sagte Vera fröhlich. „Nimm Platz, das Fleisch ist gleich fertig.“
Vivian kniete sich auf ihren Platz und tatsächlich stellte Vera eine Schüssel Buttergemüse und einen Teller mit Schnitzel auf den Tisch. Dann setzte sie sich zu Vivian. „Herzlichen Glückwunsch, du hast es tatsächlich geschafft. Du hast nicht nur die zehn Pfund abgenommen sondern sogar fünfzehn. Und das auch noch viel früher als ich dachte. Und zur Feier des Tages gibt es heute mal was anständiges für dich.“ Sie schaute Vivian lächelnd an. Ihr Blick verriet, wie stolz sie auf Vivian war und wie sehr sie sich darüber freute.
Vivian freute sich ebenfalls darüber und lächelte ihre Herrin an. Sie aßen gemeinsam und Vivian genoss es, endlich wieder etwas richtiges essen zu dürfen. Es schmeckte herrlich doch sie hatte schon lange nicht mehr so viel gegessen. So war sie bereits satt nachdem sie ein halbes Schnitzel, eine Hand voll Pommes Frites und eine große Portion Gemüse gegessen hatte.
„Was ist denn? Schmeckt es dir nicht? Es gibt noch Nachtisch.“ Vivian schaute sie gespielt beleidigt an.
„Tut mir leid Herrin, aber ich bin wirklich satt. Das war für mich ganz schön viel.“ gestikulierte Vivian.
Vera streichelte ihre Wange. „Dann gibt’s den Rest eben morgen. Komm, wir räumen noch schnell auf und gehen dann ins Bett.“
Vivian nickte und half ihr ab zu räumen. Dann gingen sie gemeinsam ins Bett. Vera nahm Vivian von hinten in die Arme und zog sie ganz nah zu sich.
Vivian lag noch wach als ihr Veras gleichmäßiges Atmen verriet, das diese schon schlief. Sie dachte über das nach, was sie gehört hatte als sie herein gekommen war. Sie schlief nach einer ganzen Weile ein, hatte aber einen ziemlich unruhigen Schlaf.

- - -

Drei Wochen nach ihrem ersten Besuch bei Trish lud diese Rebecca ein um wie besprochen die Abgüsse zu nehmen. Dazu hatten sich auch Frida und Larissa bei ihr eingefunden. Sie standen in einer Werkstatt in Trishs Atelier um einen Stuhl herum wie es ihn auch beim Frauenarzt gab.
„So, wer will denn nun zuerst?“ fragte Trish in die Runde.
„Bei mir wirst du wohl Probleme haben.“ sagte Rebecca lachend, öffnete ihre Tunika und zeigte ihr ihren Keuschheitsgürtel.
Trish beugte sich herunter und betrachtete diesen. „Gut, dann fangen wir mit dir an.“ sagte sie grinsend und deutete auf den Stuhl.
Rebecca legte ihre Tunika ab und setzte sich in den Stuhl. Die Beine legte sie in die dafür vorgesehenen Schalen und auch für die Arme gab es solche Schalen.
„Das ist vielleicht jetzt ein bisschen doof, aber ich hab es Andrea versprochen.“ sagte Trish und trat neben Rebecca. Sie legte ein sehr breites Band welches an der Schale befestigt war um Rebeccas Arm und ehe diese protestieren konnte, war sie auch schon um den Stuhl herum gegangen und fixierte auch ihren anderen Arm mit einem Band.
„Hee, was soll das denn?“ rief Rebecca erstaunt aus.
„Ich sag ja, ich musste es Andrea versprechen.“
„Und was bitte? Erstens habe ich diesen Gürtel an und zweitens werde ich ganz bestimmt nicht anfangen mich hier vor euch allen zu befingern!“ rief Rebecca aus.
Doch Trish fixierte nun auch ihre Beine auf die selbe Weise. Dann holte sie eine kleine Schachtel aus einer Schublade und holte daraus einen Schlüssel hervor. Sie trat zwischen Rebeccas Beine und schloss den Gürtel auf. „Das ist wie im Krankenhaus. Ich hab einen Generalschlüssel.“ sagte Trish grinsend als sie Rebecca den Gürtel ab nahm.

Diese fühlte sich ein wenig überrumpelt und schämte sich, nun so nackt vor Frida und Larissa zu liegen und sich dermaßen zu präsentieren. „Na warte, das zahl ich dir irgend wann heim!“ drohte sie Trish.
„Damit muss ich wohl leben.“ sagte Trish fröhlich und ging zum Tisch wo sie zwei Eimer öffnete die dort standen. Mit zwei Schöpfkellen füllte sie die Masse die sich darin befand in eine Schüssel. Sie rührte die Masse kräftig mit einem Holz um und stellte die Schüssel dann in einen runden Behälter. Sie drückte einen Knopf und ein Zischen kam aus dem Behälter. Eine Minute später ertönte ein Piepsen. Sie öffnete den Behälter und holte die Schüssel heraus. Sie nahm diese, setzte sich auf einen Hocker und rollte damit zwischen Rebeccas Beine. „Bereit?“ fragte sie.
„So bereit wie es eben geht.“ sagte Rebecca und konnte nicht anders als über diese für sie ziemlich groteske Situation zu lachen.
„Prima. Das Zeug ist zwar vorgewärmt aber immer noch etwas kühl.“ sagte Trish und begann damit, die Masse sorgfältig auf Rebeccas Scham und darum herum zu verteilen. Sie achtete darauf, die Masse überall zu verteilen, auch zwischen ihren großen und kleinen Schamlippen, um den Kitzler herum und auch in ihre Vagina drückte sie die Masse. Rebecca war das recht unangenehm und die Masse war tatsächlich recht kühl. Als Trish die Masse überall verteilt hatte verteilte sie den Rest der Masse noch gleichmäßig und lehnte sich dann zurück. „Das muss jetzt zehn Minuten aushärten, dann kann ich es abnehmen.“ sagte sie.
„Und was soll ich so lange machen?“ fragte Rebecca.
„Das Selbe wie ich. Abwarten. Ich kann auch nichts machen bis die fest ist. So bekomm ich das Zeug nicht von den Händen ab.“ sagte Trish, rollt mit dem Hocker zur Wand und lehnte sich dort an.
Frida und Larissa, die das alles interessiert angesehen hatten kicherten und setzten sich dann auf den Tisch.
„Na lacht ihr beide nur, ihr kommt auch noch dran.“ sagte Rebecca.

In diesem Moment öffnete sich die Tür und eine Serva kam herein. Sie war etwas kräftig gebaut, hatte kurzes, rotes Haar und leuchtend grüne Augen. Sie knickste und sagte „Schönen guten Morgen zusammen.“
Die Anderen begrüßten sie freundlich und sie setzte sich neben Frida auf den Tisch die sich bei ihr an lehnte. Rebecca sagte „Hallo, ich bin Rebecca, tut mir ja leid, das ich dich nicht begrüße aber irgend wie sind mir gerade die Hände gebunden.“
„Hallo Rebecca, ich bin Maja.“ sagte die Frau und winkte ihr zu.

„Na, das ich dich mal so sehe hätte ich auch nicht gedacht.“ sagte eine Stimme in der Tür.
Rebecca drehte den Kopf und sah in ein breit grinsendes Gesicht. „Isabella?“ rief sie aus.
„Wen hast du denn erwartet? Den Schneemann?“ fragte Isabella grinsend. „Also dich so zu sehen ist ja irgend wie verlockend.“
„Na, danke. Musstest du ausgerechnet jetzt kommen?“ fragte Rebecca.
Larissa war zu Isabella getreten und begrüßte sie mit einem Knicks und einem „Guten Morgen Miss.“
Isabella erwiderte den Gruß und umarmte Larissa.

Eine Weile herrschte Schweigen bis es von irgend wo her piepste. Nun setzte Trish sich wieder auf und begann damit sich die Masse von den Händen zu ziehen. Als sie die erste Hand frei hatte, hatte sie einen extrem gut sitzenden Handschuh in der Hand. Die Masse war nun offenbar fest aber sehr dehnbar und auch ziemlich weich. Auch von der anderen Hand löste Trish nun die fest gewordene Masse. Auf ihren Händen blieb nichts davon zurück. „So, ich ziehe jetzt einfach mal dran.“ sagte sie und beugte sich wieder zwischen Rebeccas Beine. Sie löste den Abguss von den Rändern her und zog vorsichtig daran. Mit einem leisen Schmatzen und einem „Plopp“ löste sich der Abguss, was Frida und Larissa mit einem Kichern quittierten.
„Jaja, lacht ihr nur.“ sagte Rebecca trocken. „Mal sehen wer gleich lachen wird.“
„Genau, hört auf zu gackern ihr Hühner und gebt mir lieber mal den Gürtel.“ sagte Trish lachend. Larissa reichte ihr Rebeccas Gürtel den diese ihr wieder an legte.
„Sag mal, kannst du nicht vergessen, den abzuschließen?“ fragte Rebecca.
„Tut mir ja leid, aber sowas mach ich nicht.“ meinte Trish grinsend und verschloss den Gürtel mit einem druck aufs Schloss welches mit einem deutlich hörbaren Klicken einrastete, worauf hin Rebecca leise seufzte. Trish packte den Schlüssel zurück in die Schachtel und diese in die Schublade. Dann löste sie sie die Fesseln und Rebecca stand auf und zog ihre Tunika wieder an. Sie ging zu Isabella und die Beiden umarmten sich.
Isabella fasste Rebecca an den Schultern und schaute sie von oben bis unten an. „Siehst ganz schön fertig aus.“
„Na, danke auch, sowas will man von seiner Mitschülerin hören die man ewig nicht mehr gesehen hat.“ sagte Rebecca und verzog das Gesicht.
„Ja, seit ungefähr einem halben Jahr nicht mehr.“ antwortete Isabella lachend.

„Wer ist denn als nächstes dran?“ unterbrach Trish die Unterhaltung der Beiden.
„Das bin ich.“ sagte Isabella. „Dann können wir erwachsenen raus gehen und die Kinder allein spielen lassen.“ sie grinste breit in die Runde, zog ihre Hose und die Unterhose aus und setzte sich in den Stuhl. Trish wollte ihr die Arme fesseln doch Isabella sagte „Das lassen wir mal besser. Ich werd garantiert nichts machen.“
„Na gut, wie Sie meinen.“ sagte Trish „Aber die Beine wären wirklich hilfreich.“
Isabella nickte. Widerstandslos ließ sie sich die Beine fest binden und Trish mischte erneut eine Schüssel voll von der Masse an. Feixend beobachtete Rebecca nun wie sie diese zwischen Isabellas Beinen verteilte.

Nachdem auch Isabellas Abguss fertig war stand diese auf, zog sich wieder an und die Beiden gingen nach draußen und stellten sich unter dem Vordach unter, da es seit mittlerweile drei Tagen ununterbrochen nieselte. Die Beiden unterhielten sich über die Schule, über Isabellas neue Stelle und über Rebeccas Anstellung bei Andrea.
„Weißt du was? Komm uns doch morgen besuchen.“ Isabella holte ein Päckchen Zigarillos aus der Tasche und hielt es Rebecca hin. Diese nahm sich einen und ließ ihn sich von Isabella anstecken.
„Wie war das? Eine Dame raucht nicht?“ fragte Rebecca mit einem süffisanten Grinsen im Gesicht.
„Wenn es unbedingt sein muss, dann Zigarillos.“ beendete Isabella den Satz den sie von Miss Wilhelmina des Öfteren zu hören bekommen hatten, wenn diese sie mal wieder im Garten hinter dem Schuppen erwischt hatte.

- - -

„Du siehst so nachdenklich aus.“ Kira hatte ihren Vater schon die ganze Zeit über nicht aus den Augen gelassen. Irgend wie spürte sie, das ihn etwas sehr beschäftigte.
Bernd sah von seinem Teller auf und blickte in die fragenden Augen seiner Tochter. Er straffte sich ein wenig und schaute sich kurz um. So früh an diesem Sonntag Morgen waren sie noch die einzigen Gäste in dem kleinen Café, welches sich ein wenig abseits der Innenstadt befand. „Ich sollte dir das eigentlich nicht sagen.“ er sah sich noch einmal um. „Paul und Inge, das sind Kollegen von mir. Sie haben einen Fall bei dem sie ein paar Probleme hatten. Jedenfalls, bei ihren Nachforschungen sind sie auf etwas gestoßen was sie sich nicht erklären konnten. Bei bestimmten Richtern bekommen gerade junge Frauen oft eine ziemlich hohe Strafe. Es geht meistens nur um Kleinigkeiten wie Gelegenheitsdiebstähle und solche Dinge. Aber als wir uns gemeinsam mal die Strafmaße von diesen und anderen Richtern angesehen haben, ist uns aufgefallen, das sie im Schnitt eineinhalb mal so hohe Strafen verhängen als die Anderen. Manchmal ist es weniger aber in manchen Fällen auch fast doppelt so viel.“
„Warum erzählst du mir das alles? Ich dachte, du darfst nicht über deine Arbeit mit mir reden.“
„Ich darf keine Einzelheiten über konkrete Fälle ausplaudern. Aber das hier ist gar kein Fall sondern eine Auffälligkeit, sonst nichts. Aber warum ich dir das überhaupt erzähle,“ er machte eine kurze Pause und seufzte leise „der Richter der Mara verurteilt hat, gehört auch zu diesen Richtern.“
Nun war es an Kira, ihren Vater erstaunt anzusehen. Sie brachte kein Wort heraus.
„Es gibt da noch eine andere Auffälligkeit. In den letzten zehn Jahren sind mehrere Frauen verschwunden, die von diesen Richtern verurteilt wurden.“
„Wie? Verschwunden? Sie können doch nicht einfach so weg sein.“ Kira war deutlich verwirrt.
„Nein, nicht einfach so weg. Es waren ausnahmslos Frauen die das Gefängnis gewählt haben. Nachdem sie ihre Strafen abgesessen hatten, hatte sich keine dieser Frauen bei ihren Sozialhelfern gemeldet. Und es gab auch keine Hinweise darüber, wo hin sie gezogen sein konnten.“
„Vielleicht wollten sie einfach nur irgend wo anders neu anfangen?“ fragte Kira.
„Wenn es nur ein paar wenige Frauen wären, wäre das sicher nicht auffällig. Bei etwas mehr könnte ich noch an einen Zufall glauben, aber bei gut der Hälfte?“
Kira musste schlucken. „Was ist mit den Frauen die Serva geworden sind?“
Bernd sah die Besorgnis in Kiras Blick „Da scheint es nichts Außergewöhnliches zu geben.“ versuchte er sie zu beruhigen. „Die wenigen Frauen die jetzt bereits frei sind, haben sich alle bei ihren Sozialhelfern gemeldet. Und auch die Herrschaften derer die es noch nicht sind, sind sauber.“ versuchte er sie zu beruhigen. Er hatte selbst Angst gehabt auch in dieser Richtung etwas auffälliges zu finden und war selbst erleichtert gewesen als er nach einigen Anrufen nichts Auffälliges heraus finden musste.
„Ich verstehe.“ sagte Kira. Sie schien etwas beruhigt zu sein. „Ich dachte schon...“
Bernd unterbrach Kira indem er seine Hand auf ihr Handgelenk legte und schaute aus dem Fenster.

Auf dem Gehweg, genau vor dem Fenster sah er einen Mann und eine Frau die sich offenbar heftig stritten. Nun hob der Mann seine Rechte und schlug fest auf die Frau ein. Diese hob die Hände vor das Gesicht um sich zu schützen.
„Ruf sofort die Polizei“ sagte Bernd als er bereits aufgesprungen war und aus dem Café stürmte.
Kira sah fassungslos nach draußen und sah, was dort passierte. Die Frau war in die Knie gegangen und versuchte noch immer sich mit den Händen vor den Schlägen zu schützen. Kira nahm ihr Comm aus der Tasche, tippte darauf und sagte „Notruf Polizei.“ Das Wappen der Polizeibehörde erschien auf dem Bildschirm und eine Stimme fragte nach der Art des Notfalles. Kira berichtete, was sich gerade zutrug und nannte die Adresse.
„Bleiben Sie, wo Sie sind.“ sagte die Stimme und das Gespräch war beendet.
Draußen holte der Mann erneut aus, doch Bernd fasste seine Hand als diese weit nach hinten gestreckt war und zog sie kräftig nach unten so das der Mann das Gleichgewicht verlor und rücklings auf dem Boden landete. Mit einer schnellen Handbewegung drehte er den Mann auf den Rücken und drückte sein Knie zwischen dessen Schulterblätter.
Kira stand auf und ging zur Tür.
„Hey, Sie müssen noch bezahlen.“ sagte der Kellner als Kira das Café verlassen wollte. Doch diese deutete nur nach draußen.
„Was ist das denn?“ fragte der Kellner entgeistert.
„Ich weiß nicht genau, aber der Mann hat die Frau geschlagen. Ich habe gerade die Polizei gerufen.“ sagte Kira.
„Bleib drinne!“ rief ihr Vater ein wenig außer Atem. Der Mann wehrte sich offenbar heftig.
Der Kellner lief an Kira vorbei nach draußen und setzte sich kurzerhand auf die Beine des Mannes. Nun, da dieser offenbar Bewegungsunfähig war, ging Kira nach draußen zu der Frau die zusammengekauert auf dem Gehweg hockte und half dieser auf. „Kommen Sie mit.“ sagte sie, fasste ihren Arm und zog sie in das Café.
„Sind Sie verletzt?“ fragte sie die zitternde Frau.
Diese schüttelte den Kopf und begann zu weinen. Kira schob sie zu einem der Tische und setzte sie auf einen Stuhl. Sie setzte sich neben sie und legte den Arm um ihre Schultern.
„Bitte, ich will nicht wieder zu ihn müssen. Ich kann doch nichts dafür, das ich nicht kochen kann.“ sagte die Frau schluchzend. Nun erst bemerkte Kira das Halsband der Frau.
Sie schaute nach draußen und sah wie zwei Polizeiwagen eintrafen. Sie legten dem sich noch immer heftig wehrenden Mann Handschellen an und begannen erst dann Fragen zu stellen als dieser endlich still blieb. Statt dessen schien er nun die Beamte, Kiras Vater sowie den Kellner anzuschreien und deutete mit einer abfälligen Bewegung auf das Fenster hinter den die beiden Frauen gerade saßen.

Während die Polizisten draußen offenbar die drei Männer befragten, kam eine Polizistin herein und begann Kira und die Frau zu befragen, was passiert wer und scannte ihre ID-Chips. Die Frau, sie hieß Melissa und war die Serva des Mannes, konnte nicht kochen, was der Mann allerdings immer wieder ignorierte und sich danach über das Essen beschwerte. Dieses Mal war er offenbar sehr wütend darüber und so hatte der Streit begonnen. Es stellte sich heraus, das er auch sonst recht gewalttätig war.

Draußen sah Kira, daß die Polizisten dem Mann etwas zur Unterschrift vorlegten und ihr Vater schüttelte einem von ihnen die Hand, während die anderen Beiden den Mann noch immer fest hielten.

Die Polizistin hatte alles aufgenommen und ging nun nach draußen, wo sie sich mit ihren Kollegen unterhielt. Darauf hin wurde der Mann recht unsanft in eines der Polizeiautos gesetzt. Als diese wieder ab fuhren kamen Bernd und der Kellner zurück ins Café wo dieser hinter seinen Tresen ging, zwei Gläser mit einer goldgelben Flüssigkeit füllte und mit Bernd anstieß. Der Kellner machte, während sich die Beiden unterhielten, vier Tassen Kaffee und kam dann mit Bernd zusammen an den Tisch.

Melissa sah auf als sich die Beiden setzten und schaute dann nach draußen. „Vielen Dank.“ sagte sie leise und schaute auf. Sie schien sichtlich erleichtert, das ihr Herr nicht mehr zu sehen war. Wortlos legte Bernd einen Zettel auf den Tisch und die beiden Frauen begannen zu lesen. Was dort stand war offenbar ziemlich eilig geschrieben worden und am Ende befanden sich vier Unterschriften, eine davon war die von Bernd. Es handelte sich um einen Kaufvertrag in dem der Mann Melissa offenbar an Bernd verkauft hatte. Zwei der Polizisten hatten als Zeugen unterschrieben.

„Was ist das?“ fragte Melissa leise.
Bernd, der sich langsam beruhigt hatte, erklärte das der Mann so wütend über den Vorfall war, das er Melissa, die er als Auslöser für diesen Vorfall sah, nicht mehr haben wollte und daraufhin gesagt hatte : „Wenn Sie sie so in Schutz nehmen dann plagen Sie sich doch mit ihr rum.“ Bernd hatte daraufhin nicht lange überlegt sondern sich von einem der Polizisten etwas zu Schreiben geben lassen und einen Kaufvertrag aufgesetzt. Auf die Frage nach dem Preis hatte der Mann nur geschrien : „Von mir aus können Sie sie geschenkt haben.“ Bernd hatte darauf hin als Kaufpreis 100 Dollar eingesetzt und ihm diese in die Hand gedrückt. Er hatte den Polizisten auf die Frage ob Melissa nicht eine Anzeige erstatten sollte erklärt, daß das nicht nötig sei, da das Schlagen einer Serva ein sogenanntes Offizialdelikt sei und sie daher sowieso ermitteln müssten.

Melissa, die nun langsam begriff, was passiert war, schaute Bernd an, stand auf und kniete sich vor diesen. Aus ihrer Tunika holte sie etwas hervor und hielt es Bernd auf ihren flach ausgestreckten Händen hin. Bernd schaute fragend auf den Gegenstand bis Kira sich zu ihm beugte und ihm zuflüsterte „Ich glaube, sie erwartet, daß du sie ihr anlegst.“
„Eine Leine? Ich glaube nicht daß das wirklich nötig ist.“ sagte Bernd ein wenig erstaunt. Sowas hatte er weder irgend wo gelesen noch hatte Kira ihm davon erzählt.
„Nein, ist es wohl auch nicht.“ sagte Kira leise.
Melissa schaute zu ihm auf und bedankte sich noch einmal leise. Bernd deutete ihr, sich wieder zu setzen. Nachdem sie den Kaffee getrunken hatten, machte er sich mit Kira und Melissa auf den Weg nach Hause nachdem der Kellner darauf bestanden hatte, daß das Frühstück, der Whisky und der Kaffee aufs Haus gingen.
25. RE: Neue Horizonte - 2

geschrieben von Friedet am 12.06.17 14:27

Hallo HeMaDo,
Also ich muss schon sagen, dass ich von Deinen Geschichten beeindruckt bin. Sie entwickeln sich langsam, aber es baut sich ein Geflecht auf. Das gilt für beide Geschichten. Die Arbeit, die dahinter steckt, zwei Geschichten parallel zu entwickeln kann ich gut beurteilen. Und die dann noch zu verbinden, das ist toll. Dazu bist Du echt produktiv.
Natürlich bin ich gespannt, wie es mit Mara weitergeht, besonders, was es mit dem Buch auf sich hat. Dazu die neue Entwicklung bei Kira. Und welche Rolle spielt die Saray, von der ich vermute, dass es Isabellas verschwundene Klassenkameradin Sarah ist. Das Geschehen unter Horizons dürfte auch spannend werden. Wie passt die Verräterin Linda da rein?
Der einzige Punkt, den ich nicht verstanden habe ist, warum Isabella und Emilia ein Flugzeug Richtung Fähenberg genommen haben. Horizons ist bei Leipzig und Fähenberg bei Dresden. Das sind kaum 100km.
Wie lange muss Maja eigentlich noch Serva bleiben, oder habe ich das überlesen? Wenn sie 30 Jahre bekommen hat, sind das sicher noch 15 - 18 Jahre. Ne lange Zeit

Aber das wird sich sicher alles klären. Ich freue mich auf jede weitere Folge. Bitte mach weiter so.

Dein
Friedet.
26. RE: Neue Horizonte - 2

geschrieben von HeMaDo am 12.06.17 21:16

Hallo Fridet,



Zitat

Die Arbeit, die dahinter steckt, zwei Geschichten parallel zu entwickeln kann ich gut beurteilen. Und die dann noch zu verbinden, das ist toll. Dazu bist Du echt produktiv. 

Hier muss ich ganz ehrlich gestehen, das ich den aktuellen Teil von Schloss Fähenberg unter einem gewissen Zeitdruck geschrieben habe, da ich vorletzte Woche gewisse Probleme mit dem PC hatte und in der letzten Woche auch privat mehr als üblich eingebunden war. Aber zwei Teile wollte ich auf keinen Fall ausfallen lassen.


Zitat

Sie entwickeln sich langsam, aber es baut sich ein Geflecht auf. Das gilt für beide Geschichten.

Für „Neue Horizonte 2“ gibt es eine Hintergrundhandlung, die irgend wann auch zum Abschluss kommen wird.
Wie ich das mit dem Schloss mache, habe ich noch garnicht wirklich vor Augen. Aber auch da habe ich gewisse Ideen für eine Rahmenhandlung, die allerdings noch garnicht richtig ausentwickelt ist.
Im Grunde genommen hatte ich mir vorgenommen, dort unabhängige Geschichten aufzubauen die sich um verschiedene Ideen drehen, die auf Horizons und Umgebung so nicht möglich sind, ohne noch wesentlich mehr Charaktere mit einzubringen.


Zitat

Natürlich bin ich gespannt, wie es mit Mara weitergeht, besonders, was es mit dem Buch auf sich hat. Dazu die neue Entwicklung bei Kira. Und welche Rolle spielt die Saray, von der ich vermute, dass es Isabellas verschwundene Klassenkameradin Sarah ist. Das Geschehen unter Horizons dürfte auch spannend werden. Wie passt die Verräterin Linda da rein?

Dazu möchte ich hier eigentlich nichts sagen, denn das würde sicher darauf hinaus laufen, einiges vorweg zu nehmen


Zitat

Der einzige Punkt, den ich nicht verstanden habe ist, warum Isabella und Emilia ein Flugzeug Richtung Fähenberg genommen haben. Horizons ist bei Leipzig und Fähenberg bei Dresden. Das sind kaum 100km. 

Google Maps sagt mir daß es auf der Straße knapp 190km sind. Horizons liegt (laut meiner Karte) ein gutes Stück südwestlich von Leipzig. Luftlinie sind das ungefähr 140km.

Es hat zwei Gründe, das die Beiden geflogen sind: zum Einen ist Emylia ein wenig exzentrisch wenn es um sowas geht und zum Anderen wollte ich das Flugzeug einfach schon mal probefliegen, da es wohl nicht zum letzten Mal benutzt wird. (Ich wollte es einfach mit rein bringen )


Zitat

Wie lange muss Maja eigentlich noch Serva bleiben, oder habe ich das überlesen? Wenn sie 30 Jahre bekommen hat, sind das sicher noch 15 - 18 Jahre. Ne lange Zeit

Hier hast du mich echt kalt erwischt. Ich habe zwar Karten von Horizons, Grundrisspläne von diversen Gebäuden und eine mittlerweile riesige Exceltabelle in der alle nötigen und zum Teil auch unnötigen Fakten zu dem Charakteren, der Handlung und den Schauplätzen stehen, aber das Alter, wann die Frauen Serva geworden sind, steht da garnicht drinne…
Das werde ich gelegentlich verbessern müssen.

Ich habe das jetzt gerade einfach festgelegt und sage, sie muss noch 21 Jahre lang Serva bleiben.


HeMaDo



27. RE: Neue Horizonte - 2

geschrieben von HeMaDo am 17.06.17 18:25

Wie lange sie bereits hier war wusste Nadine nicht zu sagen. Sie saß auf einer Pritsche die sie mit zwei anderen Frauen teilte und aß ihre Ration Brei mit bloßen Fingern. Längst hatte sie sich damit abgefunden, ebenso wie mit dem Loch im Boden das allen 60 Frauen hier in diesem Stollen für ihre Notdurft diente und an die Tatsache daß sie sich nur mit dem Wasser welches an den grob aus dem Gestein gehauenen Wänden herab floss, notdürftig waschen konnte.

„Im Grunde genommen tun wir der Gesellschaft sogar einen Gefallen wenn wir euch hier her bringen, dann liegt ihr niemandem auf der Tasche und tut sogar noch was nützliches.“ hatte die Aufseherin gesagt als man sie zusammen mit neunzehn anderen Frauen in den Aufzug gesteckt und in das Bergwerk gebracht hatte. Seit dem hatte sie kein Tageslicht mehr gesehen.

Man hatte sie aus der Kiste gezerrt in der sie hier her gebracht worden war und sie musste sich zusammen mit mehreren anderen Frauen in einer alten Fabrikhalle in einer Reihe aufstellen. Die meisten Scheiben der Halle waren zerbrochen und einige Scheinwerfer tauchten die ganze Szenerie in ein gespenstisches Licht. Der nackte Betonboden war mit Schmutz und Scherben übersät und die Stahlträger welche die Halle stützten waren mit einer dicken Schicht Rost überzogen.

„Wo bin ich hier? Ich sollte doch entlassen werden.“ rief eine der Frauen und wollte weg laufen. Doch die Aufseherinnen packten sie an den Haaren und zerrten sie zu einem der Stahlträger wo sie sie mit Hilfe schwerer Ketten anbanden. Sie schlugen mehrmals mit einer Peitsche auf sie ein bis sie zitternd und wimmernd an dem Träger stand.
„Wenn nicht nicht wollt, daß mit euch das selbe passiert, dann haltet ihr alle den Mund!“ hatte eine der Aufseherinnen gesagt.
Sie waren an der Reihe der Frauen vorbei gegangen und nachdem sie sich alle angesehen hatten, wurden zwei von ihnen weg gebracht. Die Anderen wurden einzeln in einen kleinen Raum geführt der früher vermutlich einmal eine Umkleide gewesen war. Nadine hatte in Anbetracht des eben gesehenen nicht einmal über die Möglichkeit nachgedacht sich zu wehren, ihre Angst davor ebenso ausgepeitscht zu werden war größer als der Drang einen wahrscheinlich erfolglosen Fluchtversuch zu unternehmen.

Als Nadine in den Raum hinein gestoßen wurde, kamen sofort zwei andere Aufseherinnen auf sie zu, zerrten sie unsanft auf eine Liege und hielten sie fest. Eine weitere Aufseherin hatte ihr den Keuschheitsgürtel abgenommen. „Den brauchst du nachher nicht mehr.“ sagte sie lachend und warf ihn in eine große Kiste in der bereits mehrere davon lagen. Dann hatte man ihr einen Overall gegeben den sie anziehen musste und ein Paar dicke Wollsocken. Zum Schluss bekam sie noch ein Paar Arbeitsschuhe und wurde dann durch eine andere Tür in einen weiteren Raum gebracht wo man ihr eine Eisenschelle um das linke Handgelenk legte an der ein Halbring angeschweißt war. Mit einer Zange wurde die Schelle dann vernietet. Als man sie aus diesem Raum heraus stieß wurde sie wieder von zwei Aufseherinnen gepackt und zu einer Reihe Frauen gebracht die an einer Wand standen. Eine der Aufseherinnen nahm das Ende einer Kette und hake es in den Ring an der Schelle ein.

Sie stand nun mit neun anderen Frauen angekettet in einer Reihe die alle die selben Sachen trugen wie sie selbst. An der gegenüberliegenden Wand standen ebenfalls zehn Frauen genauso zusammengekettet an der Wand. Eine Aufseherin ging an der Reihe auf und ab und schlug mit einer Peitsche eine der Frauen die fragte, was das denn alles sollte.
„So, alle zusammen, dann lasst uns mal anfangen.“ sagte eine der Aufseherinnen. Sie nahm eine Sprühdose von einem Tisch und ging zu der ersten der angeketteten Frauen. Unsanft fasste sie diese an der Schulter und drehte sie so, das sie mit dem Gesicht zur Wand stand. Mit der Sprühdose sprühte sie eine Nummer auf den Overall. Dies wiederholte sie bei allen Frauen in der Reihe.

0487 stand auf ihrem Overall wie sie mittlerweile wusste. Hier unten machte sich niemand die Mühe, die Frauen irgendwo anzuketten oder einzusperren. „Wenn ihr weglaufen wollt, tut euch keinen Zwang an. Es gibt nur den einen Weg nach oben und der ist gut bewacht. Aber wer nicht arbeitet, bekommt auch kein Essen, es ist also eure Entscheidung.“ hatte die Aufseherin gesagt, als man sie in den Stollen gebracht hatte in dem die Betten standen.

Nadine legte sich auf die Pritsche und drehte sich mit dem Gesicht zur Wand. In acht Stunden würden die Aufseherinnen kommen, sie wecken und zusammen mit den Anderen wieder in den Stollen bringen in dem sie mit schweren Bohrgeräten Löcher in die Schachtwand bohren mussten. Während sie schliefen wurden die Löcher mit Sprengstoff gefüllt und das Stück Wand wurde weg gesprengt. Während der nächsten Schicht mussten sie das Gestein mit Schaufeln auf flache Transportwagen laden und dann weitere Löcher bohren.

Es war ihnen verboten worden miteinander zu reden. Und jede, die sich nicht daran hielt machte Entweder mit der Peitsche oder mit dem Viehtreiber, einem etwa 20 Zentimeter langen Stab der äußerst schmerzhafte Elektroschocks austeilte, Bekanntschaft.
Obwohl sie sich jeden Tag auf Neue vornahm, sich nicht klein kriegen zu lassen, begann sie leise zu weinen als das Licht ausgeschaltet wurde. Sie wusste nicht, wie lange sie das hier noch durchhalten würde. Doch lange würde sie es wohl nicht mehr schaffen stark genug zu bleiben um das alles zu überstehen. Wenn sie wenigstens mit jemandem reden könnte. Das erzwungene Schweigen war für sie das Schlimmste hier. Die Arbeit in dem Stollen war zwar schwer aber auszuhalten und das Essen war ausreichend und schien auch genug Kraft zu geben. Sie hatte vor zwei Schichten erstaunt festgestellt, daß sie sogar kräftiger geworden war und sich die Muskeln an ihren Armen gefestigt hatten, die früher kaum vorhanden waren. Doch das Schweigen, sich nicht mit anderen unterhalten zu können war es was sie nicht mehr lange aushalten würde.

Nun lag sie weinend auf der Pritsche und wartete darauf endlich einzuschlafen als sich jemand neben sie setzte. Sie hörte ein „Pssst“ und jemand fasste sie an die Schulter. Sie zuckte unter der Berührung leicht zusammen. Doch dann begann die Person damit ihren Arm zu streicheln und drehte sie mit sanftem Nachdruck um. Die Person zog sie weiter zu sich bis ihr Gesicht an etwas weichem lag. Sie roch etwas, was sie seit langem nicht mehr gerochen hatte. Seife. Die Person war frisch gewaschen oder trug zumindest saubere Wäsche. Sie wollte sehen wer das war doch die absolute Dunkelheit hier in dem Stollen ließ nicht zu, daß sie etwas erkennen konnte. Doch sie genoss die Berührungen und die Nähe zu einem anderen Menschen.

Nadine war unfähig sich zu bewegen. Sie hatte Angst davor, was nun passieren würde doch die Person legte nun ihre Hand in Nadines Nacken und begann sie sanft dort zu kraulen. So lag sie eine ganze Weile da und wagte es nicht, sich zu bewegen.
„Iss das“ flüsterte ihr jemand ins Ohr und drückte ihr etwas vor die Lippen. Nur zögernd öffnete sie den Mund und etwas wurde ihr in diesen hinein gesteckt. Schokolade. Zartbitterschokolade stellte sie erstaunt fest. Mit geschlossenen Augen ließ sie das Stück Schokolade in ihrem Mund zergehen. Sie war dankbar für die Abwechslung und wollte diesen Geschmack auf jeden Fall so lange genießen wie es nur ging. Die Person kraulte weiter ihren Nacken und irgendwann schlief sie erschöpft ein.

Als sie aufwachte weil das Licht eingeschaltet wurde, fühlte sie sich ungewohnt gut. Ein leichtes Lächeln umspielte ihre Lippen als sie die Papierschüssel mit ihrer Ration Brei von der Aufseherin bekam. Der Geschmack der Schokolade stieg in ihrer Erinnerung hoch und sie stellte sich vor wie es wäre, wenn dieser Brei danach schmecken würde.

- - -

’Nur noch diese paar Bücher einräumen dann sieht das schon viel besser aus.’ dachte Mara und begann die letzten Stapel von den den Tischen zum Regal zu bringen und einzuräumen. Sie hatte versucht die Bücher so gut es ging thematisch zu sortieren. Dazu war sie gestern den halben Tag über in der Unibibliothek und hatte sich dort die Themenbereiche notiert nach denen dort sortiert wurde. Einige konnte sie gleich wieder verwerfen denn Bücher über so wissenschaftliche Themen wie Quantenphysik oder neurolinguistische Programmierung gab es im Antiquitätenladen nicht. Dafür jedoch gab es Bücher über verschiedene esoterische Themen wie Kartenlegen oder Astrologie. Doch auch solche Themenbereiche gab es in der Bibliothek der Uni, welche zum Glück nur wenige Minuten Fußweg von Julias Haus entfernt lag.

Da Sonntag war, befanden sich nur wenige Studenten in der Bibliothek und so nutzte Mara auch die Gelegenheit um ein wenig zu stöbern. Um so mehr wunderte sie sich, das eine junge Frau sie nach einigen Stunden ansprach. „Sie sehen nicht so aus als wollten Sie ein Buch ausleihen.“ sagte die Frau zu Mara die erschrocken zusammen zuckte, da sie sich gerade in einen der Kataloge der Bücherei vertieft war. Mara drehte sich herum und blickte in die strahlend blauen Augen der jungen Frau. Die blonden Haare hatte sie zu einem streng wirkenden Knoten zusammengebunden. Mara war ein wenig verwirrt denn sie war so in den Katalog vertieft, daß sie nicht einmal bemerkt hatte wie die Frau näher gekommen war.
„Nein, ich bin eigentlich hier weil ich die Bücher im Laden sortieren will.“ sagte sie, nachdem sie ihre Fassung wiedererlangt hatte.
„Ich verstehe. Also wollen Sie hier nur kiebitzen.“ sagte die Frau.
Mara nickte wortlos und fürchtete bereits daß die Frau sie hinauswerfen würde. Doch diese lachte und sagte „Das kommt öfter vor als Sie denken. Wenn Sie möchten, kann ich ihnen ja eine Liste mit allen Themengebieten geben. Wir haben zwar bei weitem nicht alle hier aber die vereinheitlichte Liste mit allen Erklärungen braucht man doch gelegentlich mal.“
„Gerne, vielen Dank.“ sagte Mara schüchtern.
„Kein Problem, Übrigens, ich bin Astrid.“
„Hallo, ich bin Mara.“
„Freut mich, dich kennen zu lernen. Komm, wir gehen ins Büro, da hab ich die Liste.“
Astrid begann damit, Mara die Vor- und Nachteile der verschiedenen Sortierungen zu erklären. Sie erklärte, das es vor Erfindung des Buchdrucks üblich war, die handgeschriebenen Bücher nach Größen zu sortieren, was es natürlich nur für Eingeweihte überhaupt möglich machte, ein bestimmtes Buch halbwegs schnell zu finden. Später wurden Bücher dann alphabetisch nach Titel sortiert und erst später kam eine Sortierung nach Kategorien und Genres auf, die im Laufe der Zeit vereinheitlicht wurden. „Die Gutenbergbibel ist so wahrscheinlich ziemlich oft im Regal hin und her gewandert. Erst stand sie ziemlich weit links weil sie so groß war und heute steht sie in der Kategorie ’Fiktion’.“ erklärte sie lachend als sie das Büro erreichten. Astrid holte ein dickes Buch aus einem Regal und gab es Mara.
„Das ist die Liste?“ fragte diese erstaunt über das recht große und dicke Buch.
„Ja. Da stehen zu allen Themenbereichen, Kategorien und Genres ausführliche Erklärungen. Aber keine Angst,“ sie schlug zielstrebig eine Seite auf „hier ist die eigentliche Liste. Die Erklärungen brauchst du wahrscheinlich nur, wenn du ein Buch nicht einordnen kannst.“
Mara nickte verstehend.
„Warte, ich mach uns mal einen Kaffee. Ich interessiere mich sehr für alte Bücher. Das Meiste was je geschrieben wurde ist ja mittlerweile digitalisiert und niemand braucht mehr Papier in die Hand zu nehmen. Aber ein Buch in der Hand zu halten ist, finde ich, viel schöner als es auf einem Pad zu lesen.“ sie machte einen recht verträumten Eindruck bei diesen Worten.

Während Astrid den Kaffee kochte schaute Mara sich die Liste genauer an.
„Was mache ich denn, wenn ich ein Buch habe, das ich nicht lesen kann? Ich habe einige bei denen ich nicht mal die Schrift kenne.“ fragte Mara als Astrid ihr den Kaffee hingestellt hatte und sich zu ihr setzte.
„Was ist es denn für eine Schrift?“ fragte Astrid interessiert.
„Ich weiß nicht. Sie sieht komisch aus. Zum Teil ganz normale Buchstaben aber auch ganz komische Zeichen.“
„Kannst du mal ein Beispiel aufschreiben?“ Astrid schien sehr interessiert und gab Mara einen Zettel und einen Stift.
„Ich kann mich nur noch an dieses eine Wort erinnern.“ sagte Mara und schrieb auf : ’Εyένη’
Astrid schaute eine Weile auf die Buchstaben. „Bist du sicher, daß der zweite Buchstabe richtig ist?“ fragte sie „Wenn das kein gamma sondern ein lambda wäre, würde es sogar einen Sinn ergeben.“
Mara schaute sie fragend an. „Ich weiß nicht, aber es kann sein, daß es etwas anders aussah.“
Astrid schrieb das Wort noch einmal auf : ’Ελένη’ und Mara schaute es sich an. „Ja, ich glaube, so könnte das sein.“
Astrid lachte. „Das ist Griechisch. Was da steht heißt buchstabengetreu Eleni. Es könnte entweder Ellen heißen oder eher Helénē , vielleicht auch Helena oder Helen.“
„Woher weißt du sowas?“ fragte Mara erstaunt.
„Ich habe alte Sprachen studiert.“ erklärte Astrid. „Ist das der Titel von einem Buch?“ fragte sie interessiert.
„Nein, das steht unter einem Bild. Ganz hinten auf den letzten Seiten.“
„Ich verstehe. Was ist das denn für ein Buch?“ irgend etwas schien Astrids Aufmerksamkeit zu erregen.
„Ich glaube, das Format nennt man Foliant. Es ist ziemlich dick und mit Leder eingeschlagen. Es sieht ziemlich alt aus.“ Mara meinte ein Funkeln in Astrids Augen zu erkennen.
„Das würde ich mir gerne mal ansehen, wenn ich darf. Wo sagtest du, ist dein Laden?“ fragte sie.
„Oh, das ist nicht mein Laden. Er gehört meiner Herrin. Ich bin nur gerade dabei die Bücher zu sortieren weil sie alle vollkommen ungeordnet in den Regalen stehen.“ Mara erklärte Astrid, wo der Laden war.

Sie tranken den Kaffee aus und dann musste Astrid wieder an die Arbeit gehen. Sie trug das Buch welches sie Mara gegeben hatte noch auf einem Pad ein und scannte ihren ID-Chip. Dann verließen sie das Büro und Mara ging zurück nach Hause.

- - -

Die Hälfte der Bücher war eingeräumt und nach der Liste die sie von Astrid bekommen hatte sortiert. Mara hatte sich dazu entschlossen, die Bücher nach den Kategorien zu sortieren und entsprechende Schilder aus dickem Papier angefertigt die sie mit Reißzwecken an die Regale heftete. Sie räumte gerade einen Stapel Bücher ein als sie draußen ein Auto hörte. Ein blick auf die Uhr ließ sie erstarren. Es war bereits nach 18 Uhr und eigentlich sollte jetzt schon das Essen auf dem Tisch stehen. Sie schaute nach draußen und erkannte daß Julias Auto auf der Straße stand. In diesem Moment hörte sie auch schon die Haustür und kurz darauf die Schritte ihrer Herrin auf der Treppe.

Mara erbleichte als sie ihren Namen hörte der laut ins Treppenhaus gerufen wurde. Sie schloss den Laden ab und ging mit zitternden knien in den Flur. Als sie die Treppe hinauf ging stand ihre Herrin mit in die Hüften gestemmten Händen und ziemlich wütendem Blick auf dem Absatz.
„Kannst du mir mal sagen, was mit dem Essen ist? Warum ist das noch nicht fertig?“ schrie sie Mara an. „Ich habe den ganzen Tag über kaum was gegessen und habe Hunger. Ich habe dir extra gesagt, das ich gegen 18 Uhr zurück bin und dann auf jeden Fall etwas essen will.“
Mara schaute sie entsetzt an. So wütend hatte sie Julia noch nie gesehen. „Ent… Entschuldigung Herrin. Ich… ich… ich habe die Zeit vergessen weil ich die Bücher eingeräumt habe.“ sagte sie leise und mit gesenktem Blick.
„Stotter hier nicht so rum. Wenn du einen Fehler gemacht hast, steh gefälligst dazu.“ schrie Julia mit hochrotem Kopf. „Von irgend welchen Entschuldigungen werde ich auch nicht satt.“
Mara schaute mit Tränen in den Augen zu ihr hoch. „Es tut mir leid Herrin.“
„Ach hör auf dich dauernd zu entschuldigen. Besorg uns lieber was zu essen.“ Julias schien sich langsam zu beruhigen. „Geh in den Imbiss an der Ecke. Ich nehme ein großes Schnitzel mit Rahmsauce und Bratkartoffeln und dazu einen gemischten Salat. Was du willst, musst du selber wissen. Und jetzt steh hier nicht so rum sondern beeil dich lieber.“
Mara knickste, drehte sich auf dem Absatz herum und lief knapp 200 Meter bis zu dem Imbiss. Sie bestellte Julias Schnitzel und für sich selbst einen großen Salat und die Bratkartoffeln die hier wirklich sehr gut schmeckten. Nach einer viertel Stunde war sie wieder zurück.

In der Küche nahm sie das Essen von den Plastiktellern und legte es so ordentlich es ging auf richtige Teller. Sie nahm Besteck und Gläser die sie ins Wohnzimmer an den Esstisch brachte und stellte mit zitternden Händen den Teller vor Julia, die die Ellenbogen auf den Tisch gestützt und das Gesicht in die Hände gelegt hatte. Dann stellte sie sich neben Julia und knickste „Bitte sehr Herrin.“ sagte sie leise und mit belegter Stimme.
„Setz dich Mara.“ sagte Julia leise. Sie richtete sich auf und wischte sich mit den Händen übers Gesicht. Sie begann zu essen und gab Mara ein Zeichen ebenfalls anzufangen.
Das Essen verlief ungewöhnlich schweigsam und Mara war deutlich anzumerken daß sie angst hatte. Sie stocherte mehr in ihrem Essen herum als das sie es aß. Selbst die Bratkartoffeln die sie sonst so gerne aß schmeckten ihr im Moment nicht.

„Es tut mir leid, das ich dich vorhin so angeschrien hatte.“ sagte Julia nachdem sie endlich fertig gegessen hatte. „Ich hatte heute einen wirklich schlimmen Tag und bin einfach nur fertig. Dauernd haben die mich warten lassen und das für Untersuchungen die immer nur ein paar Minuten gedauert haben. Und dann kamen auch noch laufend irgend welche Notfälle rein die sie vorgezogen hatten. Und das alles auf leeren Magen und ich durfte nicht mal was essen. Dreimal haben die mir Blut abgenommen.“
„Sie waren im Krankenhaus?“ fragte Mara mit belegter Stimme und schaute Julia groß an.
„Komm du mal in mein Alter, dann geht dir das auch nicht besser. Wenn man alle Vorsorgeuntersuchungen zusammenlegt, braucht man wenigstens nur einmal im Jahr sowas mitzumachen.“ gab Julia zur Antwort.
Mara nickte nur wortlos, worauf hin Julia sich vorbeugte und Mara über die Wange streichelte. „Ich wollte dich wirklich nicht so erschrecken, aber ich war wirklich ziemlich sauer. Ich hatte dich deswegen heute Morgen extra gebeten das Essen für 18 Uhr fertig zu machen.
„Entschuldigung Herrin, es tut mir leid.“ sagte Mara. Es stimmte, Julia hatte ihr heute Morgen nicht nur einmal eingeschärft das Essen für 18 Uhr fertig zu machen und sogar noch einmal gesagt, daß das heute wirklich wichtig war, bevor sie weg gefahren war. Sie schluckte bevor sie weiter sprach Ihr war klar, daß sie einen großen Fehler begangen hatte. „Das hätte nicht passieren dürfen.“
Julia sah auf und schaute ihr in die Augen. Mara versuchte dem Blick auszuweichen und senkte den Blick so das sie auf ihren leeren Teller schaute.
„Auch wenn es mir bei dir nicht leicht fällt.“ sagte Julia leise und mehr zu sich selbst. Dann hob sie die Stimme „Geh bitte in den Keller. Ich komme gleich nach.“

Mara stand auf, knickste wortlos und ging langsam die Treppe hinab. Im Keller ging sie in den Raum den Julia als ihr Spielzimmer bezeichnete. Sie war bisher nur zweimal hier gewesen um zu putzen und Staub zu wischen. Dieser Raum mit seinen verschiedensten Möglichkeiten jemanden zu fesseln und den vielen Schlaginstrumenten die an den Wänden hingen bereitete ihr großes Unbehagen, gerade jetzt wo sie ahnte, was ihr blühte. Sie öffnete mit zitternden Händen die Tür und stellte sich in die Mitte des Raumes, drehte sich zur Tür, kreuzte die Hände im Nacken und wartete.

Julia wartete bis die Tür hinter Mara ins Schloss fiel und legte das Gesicht in die Hände. Sie atmete tief ein und aus und schloss die Augen während sie langsam von 100 an rückwärts zählte. Dann stand sie langsam auf und ging in den Keller. Bevor sie die Tür zum Spielzimmer öffnete, straffte sie sich und atmete noch einmal tief durch.

Mara stand in der Mitte des Zimmers und wartete auf sie. Sie ging zum um sie herum zu dem Strafbock der im hinteren Teil des Raumes stand und brachte die Platte auf der der Oberkörper zu liegen kam in die Waagerechte und schob die beiden Beinstützen zusammen. So fixierte sie alles und rief Mara zu sich. Diese kam mit zögernden Schritten auf sie zu.
„Zieh dich bitte aus und knie dich dann hier her.“ Julia musste sich sehr bemühen, ihre Stimme fest und energisch klingen zu lassen. Sie beobachtete Mara wie sie die Bluse, den Rock und zum Schluss die Unterwäsche ablegte und übertrieben sorgfältig auf die Querstange des Fesselgestells legte. Zwar war Julia klar, das Mara zeit Schinden wollte, doch sagte sie nichts und blieb geduldig stehen bis Mara nackt vor ihr stand. Sie deutete auf den Strafbock und Mara kniete sich auf die Beinstützen. Langsam beugte sie sich vor bis ihr Oberkörper auf der mit weichem Schaumstoff und Leder bespannten Platte lag. Julia bewunderte Mara insgeheim dafür wie gefasst sie schien als sie sich auf den Bock legte.

Sie überlegte kurz ob sie Mara mit zählen lassen sollte doch entschied sich dagegen. Sie wollte es ihr nicht noch schwerer machen, immerhin war dies das erste Mal, daß sowas überhaupt nötig war. Mara drehte den Kopf zur Seite und legte ihn auf das Leder der Platte. Nach kurzem überlegen entschied Julia sich dagegen Mara zu fesseln, statt dessen nahm sie ihre Hände und führte sie zu den eisernen Griffen welche sich an den mittleren Stützen befanden. Dann holte sie eine fingerdicke Rolle aus Gummi und hielt sie Mara vor den Mund. Mara öffnete den Mund und nahm die Rolle zwischen die Zähne. Dann wollte sie den Kopf zur Wand drehen doch Julia wollte ihr dabei ins Gesicht sehen, also fasste sie sie sanft aber nachdrücklich am Kopf und drehte ihn zurück in die andere Richtung.

Nun ging Julia zum Schrank und suchte nach einem bestimmten Teil. Sie fand es in einer Schublade und rollte den breiten Riemen, den sie sich extra hatte anfertigen lassen aus. Er war etwas länger als einen Meter und hatte die Breite einer Hand. Er besaß keine Schnallen und bestand nur aus weichem Leder und Polstermaterial. Als sie sich umdrehte fiel ihr Blick auf Maras Kleider. Sie wollte nicht, daß sie diese wieder anziehen musste, aber sie auch nicht nackt durchs Haus laufen lassen, also holte sie noch schnell ein großes Handtuch aus einem anderen Schrank welches sie auf dem Tisch zurecht legte. Nun stellte sie sich neben Mara und warf ihr einen fragenden Blick zu den diesen mit einem leichten Nickten beantwortete und dann die Augen fest zusammen kniff.

Julia hatte lange geübt um diesen Riemen so zu halten das er gerade und flach auftraf. Ohne weiter abzuwarten holte sie aus und schlug, zuerst nicht all zu fest, auf Maras Rücken, knapp unterhalb der Schulterblätter. Diese zuckte zusammen und kniff die Augen noch fester zusammen. Ein leises Stöhnen war von ihr zu hören.

Mara lag angespannt auf dem Bock und erwartete den nächsten Schlag. Langsam spürte sie wie sich ihre Gedanken auflösten und ein wohliges Gefühl durchflutete sie. Sie spürte die nächsten Schläge wie durch Watte gedämpft und ihre Anspannung wich einer tiefen, inneren Ruhe. Sie entspannte sich und ihre Angst löste sich auf und zerfaserte wie Nebel unter der Sonne. Ihr wurde warm und sie hörte auf zu denken, sie spürte nur noch diese Wärme.

Nach dem fünften Schlag, sie hatte bei jedem Male ein wenig fester geschlagen, bemerkte Julia eine Veränderung bei Mara. Die Anspannung die sie eben noch gezeigt hatte war gewichen und es schien ihr als sei Mara nun sehr entspannt. Maras Augen waren nun ebenfalls nicht mehr ängstlich zusammengekniffen sondern sogar leicht geöffnet und ihr Gesicht machte, genau wie der Rest ihres Körpers, einen sehr entspannten Eindruck. Julia schaute einen Moment in Maras Gesicht als ihr klar wurde, was hier vor sich ging.
Der nächste Schlag war scheinbar zu lange ausgeblieben und sie sah, das Mara die Augen langsam öffnete. Dabei bemerkte sie einen verklärten Blick der in weite Ferne zu schweifen schien. Sofort setzte sie zum nächsten Schlag an der Mara eine leises Keuchen entlockte. Sie schlug weiter und wollte nach dem zehnten Schlag aufhören. Sie fand, daß das mehr als genug war doch offenbar war Mara in eine andere, ganz eigene Welt abgedriftet und ihre Augen waren glasig.

Mara fühlte sich leicht und frei, fast so als ob sie schweben würde. Sie spürte wie das Leder ihren Rücken sanft streichelte und jede dieser Berührungen brachte sie weiter weg von dem was sie umgab. Sie spürte das Leder auf dem sie lag schon eine ganze Weile nicht mehr sondern nur noch das Streicheln des Riemens auf ihrem Rücken. Und noch etwas spürte sie. Mit jeder Berührung auf ihrem Rücken floss eine sanfte Welle der Erregung durch ihren ganzen Körper. Diese bisher ungekannte Erregung staute sich um sie herum auf, war so dicht, daß sie sie beinahe greifen konnte doch zu weit entfernt als das sie sie erreichen konnte.

Julia änderte ihr Konzept als sie Sah wie Mara auf die Schläge mit dem weichen Lederriemen reagierte. Sie schlug nun nur noch sehr locker zu und verlangsamte den Rhythmus ein wenig. Jedes fünfte Mal schlug sie ein wenig fester zu, was Mara jedes Mal ein leises Stöhnen entlockte. Innerlich grinsend machte Julia weiter. Mittlerweile war sie bei dreißig Schlägen angekommen und machte sich langsam Sorgen, doch Maras stöhnen wurde immer intensiver und fordernder, also machte sie trotz ihrer leichten Bedenken weiter. Nach fünf weiteren Schlägen war sich Julia klar, daß sie das hier langsam zu einem Ende bringen musste. Zwar zeigte Maras Haut nur eine starke Rötung aber sie hatte keine Ahnung, wie oft diese sowas schon erfahren hatte. Sie setzte den nächsten Schlag nun ein wenig fester an und steigerte die eingesetzte Kraft mit jedem weiteren Schlag ein wenig.

Die Welle baute sich immer weiter um sie herum auf, es kam ihr vor als würde sie in einem tiefen Tal liegen und diese glitzernde welle um sie herum türmte sich immer höher auf. Langsam kroch die Welle immer dichter auf sie zu, schlug über ihr zusammen und senkte sich dann auf sie herab, nahm sie in sich auf und drang in sie ein, riss das letzte Stück ihrer selbst weit von ihr weg und ließ sie mit ihrer Lust und ihrer Erregung alleine in ihrem Körper zurück, die sie übermannten und auch noch den letzten Gedankenrest fort trugen.

Mara reagierte wie Julia es erwartet hatte und stöhnte und keuchte immer lauter. Beim vierzigsten Schlag war es endlich soweit das sie mit einem lauten, anhaltenden Stöhnen und verdrehten Augen ganz deutlich erkennbar einen Höhepunkt hatte. Julia schlug noch zwei mal fest zu, was Mara zu einem weiteren Höhepunkt trieb und ließ das Leder danach ein paar Mal nur noch ganz leicht auf ihren Rücken klatschen.

Wieder strömte die Welle auf sie ein, schneller und mächtiger als die Erste, riss sie mit sich und raubte ihr alle Sinne. Sie bestand nur noch aus ihrer eigenen Lust und ihrer Erregung die sich in ihr ausbreiteten und sie übermannten bis ihr schwarz vor Augen wurde und ihre Sinne sie mit sich alleine ließen.
Nur langsam kamen ihre Gedanken zurück. Die glitzernde Welle verebbte und brachte sie langsam zurück, ließ sie auf dem nun nicht mehr kalten Leder liegen. Ihre Sinne kehrten zurück, einer nach dem Anderen. Sie spürte das Leder unter sich, die Wärme die von diesem ausging. Sie nahm dessen Geruch in sich auf, hörte das leise Ticken der Uhr an der Wand, das leise Knistern des Leders unter sich. Sie sah verschwommene Umrisse des Raumes, spürte einen leichten Lufthauch auf ihrem Rücken. Sie spürte wie die feinen Härchen auf ihren Armen sich aufrichteten. Sie schmeckte das Gummi in ihrem Mund und spürte wie etwas an ihrem Kinn entlang lief.

Julia legte den Riemen bei Seite und zog sich einen Hocker heran. Sie setzte sich neben Mara und beobachtete sie ganz genau. Es dauerte eine ganze Weile bis sie endlich die Augen öffnete und blinzelte. Doch anstatt etwas zu sagen beobachtete Julia sie einfach weiter und wartete. Dann nahm sie ein Tuch aus der Tasche und wischte Mara sanft den Speichel ab der aus ihrem Mundwinkel lief. Sie fasste die Gummirolle und nahm sie ihr aus dem Mund. Dabei schaute sie in Maras Augen die ein zufriedenes Leuchten ausstrahlten.

„Na, wieder da?“ fragte Julia leise. Mara wollte sich aufrichten doch Julia hielt sie an der Schulter und sagte „Bleib noch etwas liegen. Ich hole dir ein Glas Wasser.“ Sie stand auf, ging zum Schrank in dem immer eine Flasche Wasser stand und schenkte etwas davon in ein Glas welches sie Mara vorsichtig an die Lippen setzte. Diese trank ein wenig davon wobei das Meiste jedoch daneben ging. Mit dem Tuch wischte Julia das daneben geflossene Wasser weg.
„Wie geht’s dir?“ fragte sie.
Mara sah sie lächelnd an „Gut Herrin.“ sagte sie leise.
„Das dachte ich mir.“ meinte Julia „Also eine Strafe war das wohl nicht.“ Sie holte eine Sprühflasche und begann Maras Rücken einzusprühen. „Das ist gut für die Haut.“
„Danke Herrin.“ sagte Mara noch immer sehr leise. Langsam richtete sie sich auf und setzte sich.
Julia holte das Handtuch und legte es ihr vorsichtig um die Schultern. Dann half sie Mara aufzustehen und führte sie langsam nach oben.

Sie setzte sie auf die Couch im Wohnzimmer, legte ihr eine Decke über und setzte sich neben sie. Mit einem leichten Grinsen musterte sie Mara. „Sag mal, war daß das erste Mal?“
Mara schüttelte den Kopf und begann von der Schule zu erzählen wo sie wegen einiger Bilder die sie zusammen mit zwei Mitschülerinnen heruntergeworfen hatte bestraft worden war und etwas ähnliches erlebt hatte. Langsam kehrte sie komplett in die reale Welt zurück und schaute Julia fragend an. „Was war das?“ fragte sie.
„Du bist geflogen.“ begann Julia zu erklären.

Bis in den späten Abend hinein unterhielte sich die Beiden und Julia versuchte Mara so gut es ging zu erklären, was passiert war und das sie sich davor nicht zu fürchten brauchte. Sie erkannte, das Mara eine gewisse Angst davor hatte, was in ihr vorging und versuchte ihr diese zu nehmen. Irgend wann fielen Mara die Augen zu und Julia legte sie auf die Couch, deckte sie zu und ging selbst ins Bett.

- - -

Am Freitag vor dem Fest, kurz nach dem Mittagessen, rief Andrea Rebecca zu sich in den Salon.
„Ich habe hier etwas für dich.“ sie zeigte auf eine Pappschachtel, etwa doppelt so groß wie ein Schuhkarton.
„Vielen Dank Herrin, was ist es denn?“
„Mach doch auf, dann siehst du es.“ sagte Andrea schmunzelnd.
Rebecca knickste, kam zum Tisch und öffnete die Schachtel. Sie faltete das Seidenpapier zur Seite und fand eine königsblaue Tunika. Diese war mit weißen Stickereien reich verziert. Staunend betrachtete sie den schönen Stoff.
„Probier sie bitte einmal an.“ sagte Andrea.
Dies ließ sich Rebecca nicht zwei mal sagen, entkleidete sich und zog diese Tunika an. Sie besaß vorne eine breite, doppelte Reihe weißer Knöpfe die vom Hals bis zur Hüfte reichte. Die untere Hälfte war weit geschnitten wie ein Abendkleid. Der Kragen lag eng an ihrem Hals und besaß eine weiße, breite Ziernaht. Die Ärmel waren bis zu den Ellenbogen eng geschnitten und weiteten sich von da ab bis zu den Handgelenken so das die Spitzen fast bis zu den Knien reichten. Schmale Bänder, welche an den Handgelenken befestigt wurden, hielten die Ärmel am Platz. Ein ebenfalls reich bestickter Gürtel vervollständigte die Tunika.
„Vielen Dank Herrin, aber wo für denn?“ fragte Rebecca erstaunt.
„Morgen ist doch Winternacht. Und da sollst du doch nicht in einer einfachen Tunika herum laufen. Gefällt sie dir?“
„Vielen Dank Herrin, sie ist herrlich.“ Sie schaute an sich herab und strich über den weichen Stoff der sich an ihre Haut schmiegte.
„Es freut mich, das sie dir gefällt. Aber nun zieh sie wieder aus. Sie ist für deine Arbeit hier etwas unpraktisch und außerdem soll sie ja nicht schmutzig werden.“
„Ja Herrin.“ Rebecca knickste lächelnd, nahm den Gürtel ab und öffnete bedächtig die beiden Knopfreihen. Sie legte die Tunika sorgfältig zurück in die Schachtel und schloss diese wieder. Dann zog sie die andere Tunika wieder an.
„Bring sie nach oben und komm dann bitte ins Büro, ich habe etwas zu Schreiben.“ Obwohl es viel länger dauerte als jemandem Nachrichten zu schicken bevorzugte Andrea Briefe auf Papier. Diese schrieb sie auf einem Pad und Rebecca schrieb sie sauber in ihrer klaren und deutlichen Handschrift auf Papier. Dann unterschrieb Andrea und Rebecca faltete sie, steckte sie in Umschläge und verschickte sie.

Nach dem Abendessen, nachdem Rebecca den Tisch abgeräumt hatte, sagte Andrea „An deinen Gürtel scheinst du dich ja bereits sehr gut gewöhnt zu haben.“
Rebecca war ein wenig verwirrt über diese Aussage und drehte sich zu ihr. „Ja Herrin, ich merke ihn kaum noch, aber es ist immer noch sehr unangenehm, dauernd so erregt zu sein und nichts dagegen tun zu können.“
„So unangenehm scheint es dir ja nicht zu sein.“ Andrea schmunzelte als sie das sagte.
„Wie meinen Sie das Herrin?“
„Wenn es dir wirklich so unangenehm wäre, wäre dir aufgefallen, das seit gut einer Woche jeden Abend das grüne Licht an dem Kasten leuchtet in dem sich der Schlüssel befindet.“ Andrea lachte als sie Rebeccas erstaunten Blick sah. „Räum noch die Küche auf und geh dann auf dein Zimmer. Ich wünsche dir eine gute Nacht.“ sie zwinkerte Rebecca zu.
„Vielen Dank Herrin, ich wünsche Ihnen auch eine gute Nacht.“ Rebecca knickste und ging in die Küche. Es dauerte nicht lange dann war diese wieder ordentlich aufgeräumt. Das Geschirr würde sie morgen früh aus der Maschine nehmen und einräumen. Sie tippte noch die Bestellung für morgen in ein Pad. Sie hatte sich angewöhnt, alle Bestellungen zusammen mit frischen Brötchen für den nächsten Morgen zu ordern, so daß alles zum Frühstück da war. Als sie fertig war ging sie auf ihr Zimmer.

Dort angekommen zog sie sich aus, ging ins Bad und duschte sich ausgiebig. Dann setzte sie sich im Bademantel auf ihre Couch und suchte einen Film aus den sie sich ansehen wollte. Wie jeden Abend in der letzten Zeit begann sie sich zu streicheln, fuhr mit den Händen über ihre Brüste und zwirbelte ihre Knospen. Dabei stöhnte sie leise auf, fuhr mit den Fingern über ihren Bauch nach unten und wurde von dem kalten Stahl des Gürtels daran gehindert sich Befriedigung zu verschaffen. Ihre Erregung war heute stärker als die Tage zuvor. Sie stand auf, ging in ihr Schlafzimmer und tatsächlich leuchtete dort an dem Schlüsselkasten das grüne Licht. Zögernd öffnete sie den Kasten und nahm den Schlüssel heraus. Mit diesem ging sie zurück ins Wohnzimmer. Sie öffnete den Gürtel und legte ihn ab.
Es war ein ungewohntes Gefühl ohne den Gürtel auf der Couch zu sitzen, sonst nahm sie ihn ja nur ab, wenn sie morgens duschte und das war nur für zehn Minuten.
Wieder begann sie sich zu streicheln und stellte fest, das es zwischen ihren Beinen feucht wurde. Sie rieb sich über die Schamlippen und kostete dieses Gefühl aus, welches ihr nun schon so lange vorenthalten war. Langsam ließ sie ihren Finger zwischen die Schamlippen gleiten und streichelte sich weiter. Mit der anderen Hand streichelte sie abwechselnd ihre Brüste. Es dauerte nicht lange und sie kam laut stöhnend in einem heftigen Höhepunkt, der ihr die Sinne raubte. Sie schrie ihre Lust heraus und rollte den Kopf von einer Seite zur Anderen. Doch sie hörte nicht auf sondern streichelte sich weiter und stöhnte laut auf als ein weiterer Höhepunkt sie überrollte den sie laut heraus stöhnte. Erschöpft aber glücklich und entspannt blieb sie noch eine weile mit geschlossenen Augen liegen bis ihre Beine nicht mehr zitterten.

Dann setzte sie sich wieder auf die Couch und schaute sich den Film weiter an von dem sie die erste Hälfte kaum mitbekommen hatte. Doch sie musste feststellen, daß ihr etwas fehlte. Sie war über sich selbst erstaunt als sie feststellte, daß es der Gürtel war. Sie hätte ihn sicher die Nacht über nicht anlegen brauchen doch es war tatsächlich so, daß sie das Metall auf ihrer Haut vermisste. Sie legte den Gürtel wieder an, verschloss ihn und legte den Schlüssel zurück in den Kasten. Das grüne Licht erlosch und sie fragte sich, wann es das nächste mal wieder leuchten würde.

Erst jetzt wurde ihr bewusst, das Herrin Andrea vermutlich mit bekommen hatte, das sie den Schlüssel genommen hatte. Bei dem Gedanken daran das diese genau wusste, was sie gerade getan hatte spürte sie wie ihr das Blut ins Gesicht schoss. Sie sah sich den Film zu Ende an und legte sich dann ins Bett wo sie schnell einschlief.

- - -

Am Samstag Morgen wachte Vivian früher als sonst auf, weil irgend etwas ungewöhnlich war. Es dauerte ein paar Sekunden bis sie bemerkte das sie alleine im Bett lag. Sie schaute auf ihr Comm und sah, das sie noch eine halbe Stunde Zeit bis zum Aufstehen hatte. Doch sie wurde unruhig und konnte nicht mehr schlafen. Also stand sie auf und verließ das Schlafzimmer. Aus der Küche hörte sie Veras Stimme. Auch eine andere Stimme konnte sie hören, es war die Stimme der fremden Frau welche sie schon mehrmals gehört hatte. Die Beiden unterhielten sich fröhlich und sie hörte, das an Veras Stimme etwas anders war, konnte sich allerdings nicht erklären, was das war. Sie wollte nicht lauschen doch sie hörte das die fremde Frau ihre Herrin immer wieder „Süße“ nannte. Leise ging sie zurück ins Schlafzimmer und von dort ins Nebenzimmer wo sie sich auf das Ergometer setzte und begann sich wie eine Wilde ab zu strampeln. Ein seltsames Gefühl machte sich in ihrer Brust breit und einige Tränen liefen ihre Wangen hinab. Als sie hörte wie die Schlafzimmertür geöffnet wurde wischte sie schnell ihre Tränen ab und trat in ihrem gewohnten Tempo weiter.
„Du bist schon wach?“ fragte Vera sie als sie sie auf dem Ergometer strampeln sah.
„Guten Morgen Herrin.“ gestikulierte Vivian ohne mit dem Treten aufzuhören, dann schaute sie wieder nach vorne und Biss die Zähne zusammen. Nachdem sie ihre Zeit abgestrampelt hatte ging sie ins Schlafzimmer wo Vera bereits auf sie wartete. Sie nahm Vivian in die Arme und gab ihr einen langen Kuss. „Ich habe etwas für dich mein Schatz.“ sagte sie und zeigte aufs Bett. Dort lag eine herrliche Tunika. Sie war lang und schwarz, vorne rot abgesetzt und hatte weite Trompetenärmel. Der Gürtel war auf einer Seite schwarz und auf der anderen rot. Außerdem hatte sie einen breiten Kragen der fast bis zu den Schultern reichte.
„Für mich Herrin?“ fragte Vivian.
„Na, für wen denn sonst? Geh dich duschen und dann ziehst du sie mal an. Ich will doch sehen wie meine Liebste darin aus sieht.“ sie stellte sich hinter Vivian, legte die Arme um sie und küsste ihren Nacken. Vivian schloss die Augen und genoss die Berührungen. Langsam beruhigte sie sich wieder.
„Du sollst doch heute die Schönste sein auf dem Fest.“ flüsterte Vera ihr ins Ohr. Vivian hielt ihre Hände fest und lehnte ihren Kopf an Veras.
„So mein Schatz, jetzt ab unter die Dusche.“ Vera gab Vivian einen leichten Klaps auf den nackten Po als diese ins Bad ging.

- - -

Rebecca war noch ein wenig aufgewühlt von gestern Abend. Sie stellte fest, daß die Erlösung nach so langer Zeit in diesem Gürtel sehr schön war und die Wirkung dessen was sie gestern Abend getan hatte noch immer anhielt.

Nachdem sie einige Briefe für Andrea geschrieben hatte machte sie einige Brote zu Mittag und brachte sie ihrer Herrin ins Büro.
„Leg mir bitte das silberne Kleid und passende Wäsche dazu heraus. Ich würde ja gerne auch die passenden Schuhe an ziehen aber ich glaube mit hohen Absätzen sollte ich besser nicht herum laufen. Ich bin sicher, du findest welche, die zu dem Kleid passen.“ sagte Andrea.
Rebecca knickste und ging nach oben um die Sachen heraus zu legen. Es dauerte nicht lange bis Andrea nach oben kam. Rebecca half ihr wie gewohnt beim Anziehen. „Jetzt geh nach oben und zieh dich um, wir wollen doch nicht zu spät kommen.“
„Ja Herrin“ sagte Rebecca, sie war ein wenig aufgeregt als sie sich umzog und ihre Haare kämmte. Sie war schon lange nicht mehr auf irgend einem Fest gewesen. Sorgfältig kämmte sie ihre Haare und prüfte mehrmals im Spiegel ihr Aussehen. Als sie zufrieden mit sich war ging sie in die Halle wo Andrea bereits auf sie wartete. Rebecca öffnete ihr die Tür. Auch die Tür des Elektrowagens hielt sie ihr auf, setzte sich ans Steuer und sie fuhren zum Zentrum. Dort angekommen gingen sie gleich in den großen Festsaal, in dem sich bereits einige Leute versammelt hatten. An der hinteren Wand stand eine große Bühne und in einem kleineren Nebenraum war ein großes Buffet aufgebaut. Auch einige Stehtische standen dort bereit. Alles war sehr liebevoll mit Blumen und bunten Bändern dekoriert und überall leuchteten kleine Lämpchen die alles in ein gemütliches Licht tauchten.

- - -

„Vivian, geh bitte noch mal nach oben und hol mir meinen blauen Schal.“ sagte Vera als sie bereits im Foyer waren. Vivian knickste und lief noch einmal nach oben. Es dauerte eine Weile bis sie den Schal fand. Sie nahm ihn und lief wieder nach unten. Vor dem Haus stand ein Kleinwagen und ihre Herrin unterhielt sich mit der fremden Frau, die sie schon einmal gesehen hatte. Sie gab der Frau einen Blumenstrauß, umarmte sie lange und gab ihr einen Kuss. Dann setzte sich die Frau in den Kleinwagen und fuhr fort.

Vivian starrte entsetzt zu ihrer Herrin, und spürte heiße Tränen ihre Wangen hinab laufen. Ohne nach zu denken rannte sie los, warf den Schal auf den Boden und lief so schnell sie konnte die Straße entlang. Sie achtete nicht darauf, das Vera hinter ihr her rief sondern lief einfach weiter. Nachdem die Straße eine Biegung machte bog sie auf die Ringstraße ab und rannte zum nächsten Tor. Als sie dort angekommen war hatte sie es geschafft die Lederbänder zu öffnen die ihr Comm an ihrem Arm hielten. Sie warf es auf den Boden als sie durch das offene Tor rannte. Die Wachen riefen ihr etwas hinter her doch sie lief einfach weiter.
28. RE: Neue Horizonte - 2

geschrieben von HeMaDo am 24.06.17 19:04

Während Andrea sich lachend mit einer anderen Frau unterhielt und den schön geschmückten Saal lobte stand Rebecca neben ihr und schaute sich um. In einer kleinen Gruppe sah sie Trish, Larissa und Johanna, die ihr zuwinkten. Sie winkte zurück und schaute sich weiter um.

Plötzlich spürte sie wie jemand von hinten ihre Schultern fasste und sie schüttelte. Sie drehte sich um und sah Vera an die atemlos vor ihr stand. Ihr Makeup war durch ihre Tränen verlaufen und auch sonst machte sie einen schlimmen Eindruck denn sie zitterte am ganzen Körper und ihr Gesicht sah ein wenig eingefallen aus. „Vera, was ist denn los?“ fragte sie besorgt.
„Hast Du Vivian gesehen?“ fragte Vera atemlos.
„Nein, bisher noch nicht.“ entgegnete Rebecca. Sie sah wie aufgeregt Vera war und sie wusste sofort, daß irgendetwas nicht stimmte. „Was ist denn passiert?“ fragte sie.
Auch Andrea hatte nun gemerkt das etwas nicht stimmte und sich um gedreht. Sie fasste Vera an den Schultern, schüttelte sie und fragte energisch „Vera, was ist denn los?“
„Meine Schwester hat mir den Ring meiner Großmutter gezeigt und ich hab ihr den Strauß gegeben. Und dann ist Vivian runter gekommen und weg gelaufen. Und jetzt finde ich sie nirgendwo.“ sagte Vera wobei sie immer wieder von lautem Schluchzen unterbrochen wurde. Rebecca holte ein Glas Wasser und gab es Vera.
„Wo war sie denn zuletzt?“ fragte Andrea.
„Ich weiß es nicht. Sie ist nach Süden gelaufen, aber dann habe ich sie aus den Augen verloren.“ Vera bekam nun kaum noch Luft.
Andrea fuhr Vera mit der Hand über die Wange. „Beruhige dich erst mal.“ sagte sie. Dann tippte sie auf ihr Comm und sagte „Wo ist Vivian?“ Auf dem Comm erschien eine Karte des Geländes und ein Punkt markierte die Stelle wo Vivian sich auf hielt.
„Rebecca, sie ist an Tor zwei. Fahr da bitte hin und schau nach, was los ist.“
„Ja Herrin.“ sagte Rebecca, hob den Saum ihrer Tunika und ging so schnell sie konnte nach draußen. Vor dem Eingang standen mehrere Elektrowagen. Sie setzte sich in den erst besten hinein und fuhr zum Tor. Dort war Vivian jedoch nicht zu sehen. „Herrin Andrea,“ sagte sie in ihr Comm „Hier ist sie nicht.“
„Sie muss aber da sein. Das System hat sie doch genau da geortet.“
Rebecca sah sich um und fand auf der Straße ein Comm liegen. „Hier liegt nur ihr Comm.“ sagte sie und beendete das Gespräch. Dann ging sie zu den Wachen am Tor.
„Habt ihr Vivian gesehen?“ sie beschrieb sie so gut es ging.
„Hier ist vor einer halben Stunde ein Mädchen durch gekommen, sie ist da lang gerannt. Schwarze Tunika und sah ziemlich verheult aus.“ sagte eine der Wachen.
„Warum habt ihr sie nicht auf gehalten?“ schrie Rebecca sie an.
„Entschuldige mal, wir passen auf, das keiner rein kommt und nicht das niemand raus geht.“
Rebecca seufzte, setzte sich in den Wagen und fuhr durchs Tor in die Richtung die die Wache ihr gezeigt hatte.
Sie überlegte wie viel Vorsprung Vivian wohl haben konnte. Sie wusste, das Vivian ziemlich schnell und ausdauernd laufen konnte und schätzte ihren Vorsprung auf ungefähr vier bis fünf Kilometer. Also sollte sie sie mit dem Elektrowagen in ungefähr sechs bis sieben Minuten eingeholt haben.
Sie tippte auf ihr Comm „Herrin Andrea, Vivian hat ihr Comm weg geworfen und ist durchs Tor raus. Ich fahre ihr hinter her.“

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’Sie hat eine Freundin’ diese Worte waren es, die Vivian die ganze Zeit durch den Kopf gingen. Nachdem sie an den Wachen vorbei gelaufen und außer deren Sichtweite war hatte sie sich auf einen Stein am Straßenrand gesetzt, den Kopf in die Hände gelegt und hemmungslos geweint.

Sie fragte sich, wie es nun weiter gehen sollte. Sie war sich sicher, das Vera sie demnächst wohl verkaufen würde. Wenn sie eine andere Freundin hatte, würde sie wohl nicht bei ihr bleiben dürfen. Außerdem wollte sie das auch garnicht. Sie wollte nicht mit ansehen müssen, wie ihre Herrin eine andere Frau küsste und mit ihr ins Bett ging. Nach einer Weile stand sie auf und ging mit zitternden knien einfach weiter ohne zu wissen, wo hin sie eigentlich gehen sollte.

Nach gut einem Kilometer kam sie an den Parkplatz. Sie kannte diesen Ort. Hier war sie zusammen mit Vera oft gewesen. Im Sommer waren sie von hier aus wandern gegangen. Sie bog von der Straße ab und ging über den Parkplatz zu dem Wanderweg. Diesen ging sie weinend entlang und kam nach hundert Metern zu der Brücke. Hier hatten sie im Sommer oft zusammen gestanden und hatten das Wasser beobachtet welches unten in der Schlucht über die großen Felsen floss. Langsam setzte sie sich mitten auf der Brücke vor das Geländer und ließ die Füße hindurch hängen, wie sie es jedes Mal getan hatte wenn sie mit Vera hier gewesen war.

Der Fluss war der selbe der auch durch das Gelände floss, hatte Vera damals erklärt. Es war der Selbe Fluss der auch durch den kleinen See floss an dessen Strand sie damals gelegen hatten. Die Erinnerung traf sie wie ein Messer in die Brust.

- - -

Sie hatten damals am Strand in der Sonne gelegen und sich gegenseitig mit Sonnencreme eingecremt. Vera hatte ihr dabei besonders gründlich das Gesicht eingecremt. Mit geschlossenen Augen hatte sie die Berührungen ihrer Herrin genossen als sie merkte daß ein Schatten auf ihr Gesicht fiel. Als sie die Augen geöffnet hatte, sah sie Veras Gesicht nur wenige Zentimeter vor ihrem eigenen. Diese näherte sich ihr ganz langsam. Als sich ihre Lippen an diesem Tag das erste mal trafen hatte sie vor Aufregung gezittert und nicht gewusst, was sie tun sollte.
Sie hatten sich an diesem Tag noch viele Male geküsst. Als sie dann eng umschlungen im Wasser standen und sich Veras Hand ihren Weg in ihren Bikini gebahnt hatte, hatte sie es einfach zugelassen und die Berührungen und die Gefühle die diese Berührungen bei ihr auslösten mit geschlossenen Augen genossen. Atemlos und mit zitternden Knien hatte sie eine ganze Weile in Veras Armen gelegen und sich im Wasser treiben lassen.

Nun brach ihr diese Erinnerung das Herz. Nie wieder würde sie Veras Lippen auf ihren eigenen spüren, nie wieder ihre Hände auf ihrem Körper fühlen. Sie hielt sich mit zitternden Händen an den Stäben des Geländers fest während ihre Beine in Richtung Wasser hingen. Den Kopf hatte sie an eine der Stangen gelehnt und folgte mit dem Blick ihren Tränen die in Richtung Fluss fielen bis sie so klein waren, das sie sie nicht mehr sehen konnte.

- - -

Rebecca fuhr so schnell es ging die Straße entlang. Selbst wenn Vivian die ganze Zeit über gelaufen wäre, hätte sie sie schon längst eingeholt haben müssen. Als die Straße auf die Landstraße mündete war sie sich sicher, daß Vivian es nicht geschafft haben konnte in dieser Zeit bis hier her zu laufen.
Sie tippte auf ihr Comm und sagte „Herrin Andrea“
„Hallo Rebecca, hast du sie gefunden?“ meldete diese sich.
„Nein, ich bin jetzt an der Einmündung zur Landstraße. Aber so weit kann sie garnicht gekommen sein. Aber ich habe vorhin einen Parkplatz gesehen. Da werde ich mal nachschauen.“
„In Ordnung. Ich habe Emylia Bescheid gesagt. Sie hat schon die halbe Wachmannschaft losgeschickt.“ Dann fügte sie ganz leise „Ich hoffe, daß ihr nichts passiert ist.“ hinzu.
„Das hoffe ich auch Herrin.“ sagte Rebecca. Sie wendete den Wagen und fuhr die Straße zurück bis zu dem Parkplatz. In der Ferne sah sie auf der Straße die Lichter mehrerer schwerer Wagen näher kommen. Das musste die Wachmannschaft sein. Doch auf diese wollte sie nicht warten. Also fuhr sie auf den Parkplatz und stieg aus. Sie sah sich um und sah einen Wanderweg der vom Parkplatz aus in Richtung Wald führte. Sie überlegte kurz ob sie nach Vivian rufen sollte. Doch das würde wohl kaum Sinn machen. Zum Einen hätte Vivian sowieso nicht antworten können und zum Anderen wusste Rebecca auch nicht, ob diese das überhaupt wollte.

Nach gut hundert Metern sah sie, das der Weg über eine lange Brücke führte. Mitten auf der Brücke sah sie eine Gestalt an deren Rand hocken. Sie ging näher und erkannte Vivians blonde Haare sofort wieder. Entsetzt ging sie auf sie zu bis sie erleichtert feststellte, daß sie vor dem Geländer saß und nicht herunter fallen konnte. Langsam ging sie auf Vivian zu die sie nicht zu bemerken schien und kniete sich neben sie.

Sie weinte Herzzerreißend, schaute sie an und deutete auf das Wasser welches weit unter ihnen durch die Schlucht floss. Sie wusste sofort, was sie ihr mit dieser Geste sagen wollte und faste sie fest an den Schultern. „Wenn du das machst, werde ich nie wieder ein Wort mit dir reden.“ sagte sie energisch. Erleichtert stellte sie fest daß diese Worte offenbar Wirkung zeigten. Vivian drehte sich zu ihr um und fiel ihr schluchzend in die Arme.

„Kannst du mir mal sagen, was eigentlich los ist?“ fragte sie so ruhig es ihr möglich war.
Vivian machte einige Gesten, doch diese waren zu schnell und zu undeutlich als das Rebecca sie hätte deuten können.
„Bitte Vivian, langsamer. Ich verstehe kein Wort.“
Vivian wiederholte ihre Gesten doch Rebecca verstand nur „Herrin“ und „andere Frau“ sowie „Blumen“.
„Sie hat einer anderen Frau Blumen gegeben?“ fragte sie, worauf hin Vivian nickte und ein weiterer Weinkrampf sie schüttelte.
„Komm, wir fahren zurück. Dann will ich wissen, was los ist.“
Vivian schüttelte energisch den Kopf und gestikulierte lange. Wieder verstand Rebecca nur die Hälfte aber sie konnte sich ungefähr zusammen reimen was sie ihr sagen wollte.
„Vera hat sich mit einer anderen Frau getroffen?“ Vivian nickte „Und sie hat sie umarmt?“ Wieder ein Nicken. „Und die Frau hat sie Süße genannt?“ Wieder nickte Vivian. „Und heute hat sie ihr Blumen gegeben und sie geküsst?“ Wieder ein nicken und ein weiterer Weinkrampf.
Rebecca tippte etwas in ihr Comm. Sie hatte nach dem was Vera und Vivian gesagt hatten eine ungefähre Ahnung, was passiert war.
Die Antwort, die kurze Zeit später auf ihrem Comm erschien bestätigte ihre Vermutung zum größten Teil.

„Du Dussel.“ sagte sie zu Vivian, die sie mit großen Augen an sah. „Die Frau ist Veras Schwester.“ Sie nahm Vivian in die Arme und streichelte ihr den Rücken. Langsam beruhigte Vivian sich und schaute sie mit großen Augen an. Nur langsam hörte sie auf zu weinen. „Ich sage schnell Bescheid und dann fahren wir wieder zurück. In Ordnung?“ daraufhin nickte Vivian nur.

Rebecca stand auf, fasste Vivian an den Händen und half ihr ebenfalls auf. Sie ließ Vivians Hand erst los, als diese im Wagen saß und angeschnallt war.

Rebecca ging ein paar Meter vom Wagen weg und tippte auf ihr Comm.
„Vera, wir kommen jetzt zurück. Ich hab ihr nur gesagt, das es deine Schwester war. Den Rest erzählst du ihr am Besten selbst. Und sei ihr bitte nicht böse.“
„Nein, das bin ich sicher nicht.“ Veras Stimme war schwach und leise. „Ich bin so froh, das ihr nichts passiert ist.“
„Das sind glaube ich alle. Bis gleich.“ Rebecca ging zurück zum Wagen, setzte sich ans Steuer und fuhr zurück. Während der Fahrt gab sie Vivian ihr Comm, das sie aufgesammelt hatte. „Zieh das lieber wieder an.“
Vivian nickte und legte das Comm wieder an.
Auf dem Rückweg hielt Rebecca neben einem der Wagen der Wachmannschaft er ihnen gerade entgegen kam und sagte Bescheid, daß sie Vivian gefunden hatte. Die Wache sagte ihren Kolleginnen Bescheid und sie beendeten die Suche.

Als die Beiden zurück ins Zentrum kamen war nur noch Andrea zu sehen. „Vera und ihre Schwester sind da hinten, sie macht sich gerade frisch.“ sagte sie.
Rebecca ging zu Andrea und flüsterte ihr etwas ins Ohr. „Entschuldigung Herrin.“ sagte sie laut.
Andrea lachte. „Schon in Ordnung, dafür erlaube ich dir das mal. Wir warten da vorne. Sag du Judith noch Bescheid.“
Rebecca ging zu Vera und ihrer Schwester. „Hallo, du bist Judith?“ Diese nickte und sah ziemlich erleichtert aus. Auch ihr flüsterte sie etwas ins Ohr. Judith strahlte und nickte aufgeregt.

Danach ging Rebecca auf die Bühne. Dort war eine junge Frau gerade damit beschäftigt einige Instrumente aufzubauen, Rebecca schätzte sie auf höchstens Anfang 20. Diese Frau trug eine schwarze Jeans, nietenbesetzte schwere Stiefel, ein schwarzes T-Shirt und darüber ein kurzes, pinkes Tutu. Um ihre Hüfte hatte sie eine eiserne Kette geschwungen und trug auch an den Handgelenken eben solche Ketten. Ihre pechschwarzen Haare standen ihr wild vom Kopf. „Du spielst Gitarre?“ fragte sie die Frau. Dieses nickte nur und sah sie fragend an.
„Kennst Du Halleluja?“
„Von Händel?“ fragte die Frau erstaunt.
Rebecca war überrascht, daß diese Händel überhaupt kannte und musste lachen „Nein, Cohen.“
„Ja, das kenne ich. Wieso?“
„Weil du das gleich spielen wirst. Singen werde ich.“
„Wieso das denn?“
„Das siehst du gleich.“ Rebecca deutete auf Andrea die mit Vivian von der einen Seite vor die Bühne ging und auf Vera die mit ihrer Schwester von der anderen Seite kam. „Darum.“
Die Frau winkte eine zweite Frau herbei und flüsterte ihr etwas ins Ohr. Diese grinste breit, hüpfte aufgeregt herum, und ging zu einem Koffer aus dem sie eine eine Violine hervor holte.

Vivan ließ sich von Herrin Andrea einfach führen. Diese hatte sie fest an den Schultern gefasst und schob sie einfach vor die Bühne. „Hier bleibst du einfach stehen Mädchen.“ Vivian nickte nur und gehorchte. Sie sah das ihre Herrin mit einem Strauß roter Rosen auf sie zu kam. Sie trug kein Makeup mehr und hatte offenbar geweint. Die fremde Frau ging hinter ihr her und hielt etwas hinter ihrem Rücken. Dann stand Vera vor ihr, kniete sich vor ihr nieder und gab Vivian den großen Blumenstrauß. „Vivian, ich bin dir nicht böse daß du weg gelaufen bist. Ich hab einiges falsch gemacht und deshalb hast du geglaubt, ich hätte eine andere Freundin.“ Darauf hin nickte Vivian schwach. „Das tut mir so leid. Ich liebe dich doch über alles. Und ich weiß auch nicht, ob ich das jemals wieder gut machen kann.“ Vera zitterte und eine Träne lief ihre Wange hinab. „Vivian, ich liebe dich über alles.“ sie schluckte und machte eine lange Pause. Bevor sie weiter sprach schluckte sie noch einmal. „Vivian, willst du mich heiraten?“ sie schaute ihr in die Augen und sah ein sehr ängstlich aus. Vivian wurde schwindlig und sie schwankte, doch jemand hielt sie an den Schultern fest. Tränen liefen ihr übers Gesicht. Sie wolle etwas sagen doch ihre Arme waren wie gelähmt. Sie sah Vera an und konnte nur nicken.
Die Frau die Vera ebenfalls an den Schultern fest hielt, gab ihr eine kleine Schachtel die sie öffnete und einen Ring heraus nahm. Vera fasste Vivians Linke und schob ihr den Ring auf den Finger.
Die Frau half Vera auf und einen Moment später lagen sich die Beiden weinend in den Armen.
Jemand begann laut zu klatschen, andere fielen ein und einen Moment später klatschten alle umstehenden laut.

Musik begann zu spielen und jemand sang. Vivian erkannte das Lied, es war Halleluja. Die Beiden drehten sich zur Bühne und lauschten Arm in Arm Rebeccas Stimme.
Als das Lied zu Ende war sagte Rebecca „Es gibt vieles, was man auf der Schule lernt, aber auch einiges, was man dort nicht lernt. Und was ich dort nicht gelernt habe ist, ob es sich gehört, das ich Euch Beiden als Erste gratuliere, aber das ist mir gerade recht egal. Deshalb gratuliere ich Euch Beiden ganz herzlich und wünsche Euch viel Glück und das Eure Ehe nicht so holprig wird, wie Eure Verlobung.
Wieder klatschten alle. Auch Herrin Andrea und Judith gratulierten den Beiden. Diese umarmte Vivian und sagte „Hallo Vivian, ich bin Judith, Veras Schwester. Es tut mir leid, daß wir so geheimnisvoll getan haben, aber Vera wollte dich heute überraschen. Ich glaube ja, das ist ihr trotzdem noch ganz gut gelungen.“ Vivian nickte. „Ich hoffe, du bist Vera und mir nicht böse.“ Vivian schüttelte den Kopf, sah sie an und umarmte sie noch einmal.

Die Meisten hatten mitbekommen, was passiert war und waren erleichtert, daß alles ein so gutes Ende gefunden hatte. Alle unterhielten sich blendend, Musik spielte und das Buffet wurde eröffnet. Es herrschte eine ausgelassene Stimmung. Vera und Vivian setzten sich etwas abseits und redeten lange.
Rebecca folgte Andrea und bediente sie. Als sie gerade mit einem Glas Sekt zurück kam sagte Andrea „Jetzt ist mal genug, du musst nicht dauernd um mich herum schwirren wie eine Gouvernante. Geh tanzen oder etwas essen. Du hast genug Freunde hier. Unterhalte dich und werd etwas lockerer.“
Rebecca knickste „Ja Herrin, vielen Dank.“ sie ging zu erst zum Buffet und bediente sich dort.
„Du hast vorhin wirklich großartig gesungen.“ sagte Judith, die auf einmal neben ihr stand.
„Vielen Dank. Ich wusste, das Vivian dieses Lied sehr gerne mag. Und die Freude wollte ich den Beiden einfach machen, nach dem, was heute passiert ist.“
„Ich glaube, das ist dir gelungen.“ sagte Judith lächelnd. „Die Beiden haben sich wirklich sehr gefreut. Kennst du sie schon länger?“
„Wie man´s nimmt. Vivian war nach den Wachen die Erste, die mich begrüßt hat als ich hier angekommen bin“ Rebecca sah zu den Beiden die noch immer auf der Bank saßen und sich unterhielten. Sie seufzte leise. „Ein schönes Paar.“
„Ja, das sind sie.“ Judith lächelte. „So einen romantischen Antrag hätte ich auch gerne bekommen. Mein Mann hat in einem Fastfoodrestaurant um meine Hand angehalten. Den Ring hatte er in einem Burger versteckt und mir ist ein Stück vom Zahn abgebrochen als ich darauf gebissen habe.“
Rebecca sah sie einen Moment lang an, fiel dann aber in ihr Lachen mit ein.
„Aber egal, wir sind jetzt seit gut zehn Jahren glücklich verheiratet.“ fügte Judith hinzu.
Rebecca seufzte tief „Den Antrag hat Gabriel mir auf einer Feier zum Semesterende auf dem Campus gemacht. Er hatte nichtmal an einen Ring gedacht.“
„Du bist verheiratet?“ Judith sah sie erstaunt an.
„Nein, schon lange nicht mehr. Wir haben festgestellt, daß wir einfach nicht zusammen passten. Aber wir verstehen uns noch immer recht gut.“ erklärte Rebecca.

Judith merkte, daß ihr das Thema nich sehr behagte. „Sag mal, singst du heute noch mehr?“ fragte sie um das Thema zu wechseln.
Rebecca schüttelte den Kopf. „Nein, das vorhin war ja auch nicht geplant.“

„Warum eigentlich nicht? Die Freude könntest du uns ruhig machen. Du hast so toll gesungen, da wollen alle sicher noch mehr hören.“
Rebecca drehte sich zu der Frau um die sich hinter sie gestellt hatte und musterte sie von oben bis unten. Sie trug ein elegantes Abendkleid und ihre braunen Haare waren streng nach hinten und zu einem langen Zopf gebunden Sie grinste Rebecca aus ihren rehbraunen Augen an.
„Wie siehst du denn aus? So ordentlich angezogen erkennt man dich ja fast garnicht wieder.“ auch Rebecca grinste nun breit und ging um die Frau herum während Judith zum Buffet ging.

Nachdem sich die Beiden eine Weile umrundet hatten ging Rebecca auf die Frau zu und umarmte sie herzlich und fest, was die Frau erwiderte. „Schön dich wiederzusehen.“ sagte Rebecca und gab Emylia ungeniert einen Kuss auf den Mund.
„Lass das, ich bin immerhin verheiratet.“ sagte Emylia lachend.
Rebecca löste die Umarmung und trat einen Schritt zurück. „Aber Isabella vorschlagen das wir zusammen ziehen sollen. Was soll deine Frau denn dazu sagen?“
„Das hat sie dir erzählt?“
„Wo ist sie eigentlich?“ fragte Rebecca.
Emylia schaute sich kurz um und deutete auf die Tanzfläche wo Isabella mit einer ziemlich jungen Blondine eng umschlungen tanzte.
„Das ist aber nicht ihre Frau, oder?“ fragte Rebecca erstaunt.
„Das ist Frida Nyberg, die zukünftige Erbin des Nybergkonzerns. Sie ist Isas Serva.“ erklärte Emylia lachend. „Irgendwie scheinen die Drei sich arrangiert zu haben.“
„Ich glaube ich habe sie letztens bei Trish gesehen.“ sagte Rebecca nachdenklich.
„Hat sie dich auch überredet, für ihr Kunstwerk Modell zu stehen?“
„Ja, hat sie. Du sollst ja auch irgendwo da verewigt sein.“
„Ich habe ihr angedroht, das ich ihr persönlich den Kopf abreiße wenn jemand erfahren sollte, wo ich da hänge.“
„Ich schau das nächste Mal genauer hin, wenn ich da bin.“ Rebecca setzte ein breites Grinsen auf „Vielleicht erkenn ich dich da ja wieder, wer weiß.“
„Wenn du das schaffst, dann bekommst du von mir eine ganze Kiste 28 Jahre alten Scotch.“
„Ich trinke sowas zwar nur selten aber das Angebot nehme ich an. Hand drauf.“
Emylia schlug grinsend ein.

Das Fest dauerte noch bis in die frühen Morgenstunden hinein und alle tanzten, aßen und tranken und hatten ihren Spaß. Rebecca tanzte sowohl mit Vera als auch Vivian die sich beide herzlich bei ihr bedankten. Erst gegen drei Uhr morgens machte Rebecca sich auf den Weg nach Hause wo sie sich umzog und sofort ins Bett fiel.

Schlechte Nachrichten


Mara war auf dem Weg zur Bibliothek und hielt das Buch, welches Astrid ihr geliehen hatte unter dem Arm. Sie betrat die Bibliothek und ging zum Tresen.
„Hallo, was kann ich denn für Sie tun?“ fragte die ältere Frau zwar freundlich aber ein wenig enerviert.
„Hallo, ich wollte zu Astrid. Sie hat mir das Buch hier geliehen. Ich wollte sie noch etwas dazu fragen.“ sagte Mara.
„Zu Astrid? Das wird nicht gehen. Aber vielleicht kann ich Ihnen ja weiterhelfen.“
„Ist sie heute nicht hier?“ hakte Mara nach. Diese Frau war ihr nicht sehr sympathisch. „Wann ist sie denn wieder da?“
„Astrid wird nicht mehr her kommen.“ sagte die Frau und beugte sich zu Mara bevor sie leise weiter sprach. „Eigentlich darf ich das ja garnicht verraten, aber am Dienstag war die Polizei hier und hat sie mitgenommen, einfach so.“ die Frau sah sich kurz um bevor sie weiter sprach „Sie soll irgendwo eingebrochen sein. Sie ist soweit ich das mitbekommen habe gestern schon verurteilt worden. Man hat sie auf die Schule geschickt.“ wieder schaute die Frau sich kurz um „Wenn Sie mich fragen, irgend was stimmt da nicht. So schnell geht das doch normalerweise garnicht. Außerdem kann ich mir nicht vorstellen daß sie irgend wo eingebrochen sein soll. Das traue ich ja vielen zu, aber Astrid niemals.“
„Auf die Schule?“ rief Mara aus.
Die Frau hielt einen Finger vor die Lippen. „Leise.“ sagte sie energisch „Am Mittwoch waren dann jede Menge Polizisten hier und haben das Büro durchsucht. Einen der Beamten kenne ich recht gut. Er hat mir verraten, das sie irgend ein bestimmtes Buch suchen. Irgend einen uralten Folianten den sie gestohlen haben soll. Aber bisher ist der wohl noch nicht aufgetaucht.“
Wieder wollte Mara etwas sagen. Doch dieses Mal hatte sie sich unter Kontrolle „Einen Folianten?“ fragte sie leise.
„Das ist ein Buch, etwa so groß,“ sie zeigte Mara mit den Händen die Größe „meistens auf Pergament geschrieben und in Leder eingebunden.“
Mara wusste nur zu genau, was ein Foliant war. Doch das wollte sie der Frau nicht auf die Nase binden. Deshalb gab sie einfach das Buch zurück. Die Frau trug es aus und Mara verabschiedete sich. Auf dem Heimweg dachte sie über Astrid nach. Zwar hatte sie sie nur einmal gesehen und mit ihr gesprochen und kannte sie sie nicht wirklich, doch daß sie irgendwo eingebrochen sein sollte, konnte sie sich nicht vorstellen. Sie fragte sich, was für einen Folianten die Polizisten wohl gesucht hatten. Ihr fiel das Buch ein, welches im Laden in der Vitrine lag, doch das konnte ja nicht sein, dieses Buch war ja schon lange Zeit im Laden gewesen.

- - -

„Mara, selbst wenn sie hier wäre, darf ich dir das nicht sagen.“ Chris Stimme hatte sich kaum merklich verändert. „Ich darf ja nicht einmal ihrer Familie sagen, daß sie hier ist, dir darf ich das erst Recht nicht sagen, du kennst die Regeln doch genauso wie ich.“
„Ich verstehe.“ sagte Mara nachdenklich. Also war sie tatsächlich in Straßburg. „Hast du von den Anderen etwas gehört?“ wechselte sie das Thema.
„Nein, leider nicht. Du bist die Erste die sich mal meldet. Aber in ein paar Wochen muss ich das erste Mal auf eine andere Schule. Du weißt schon, für die Ausbildung zur Lehrerin. Miss Wilhelmina hat dafür gesorgt das ich auf Miss Isabellas Schule komme. Wenn du möchtest, grüße ich sie und Frida von dir.“
„Sehr gerne.“ sagte Mara. „Wie ist es denn so als Lehrerin?“ wollte sie wissen.
„Eigentlich ganz in Ordnung. Aber ich kann jetzt verstehen warum Miss Isabella so ungern andere Schlägt. Das ist wirklich nicht leicht.“ Chris seufzte leise „Aber wenn ich Frida erwische, der würde ich gerne mal eine gehörige Tracht verpassen.“ fügte sie grimmig hinzu.
„Wieso das denn?“ fragte Mara ein wenig erstaunt.
„Du erinnerst dich daran daß sie immer Hundefutter gegessen hatte? Sie hat das in Näpfe getan und in den Schränken versteckt. Und die neuen Schülerinnen haben das natürlich beim Einräumen gefunden. Du glaubst garnicht, was ich für Probleme hatte denen das zu erklären.“
Mara lachte laut auf als sie das hörte.
„Mir war garnicht so zum Lachen.“ sagte Chris. „Florentine, eine meiner Schülerinnen hat das gesehen und ist schreiend weggelaufen. Wir haben sie gerade noch am Tor erwischt. Also wenn ich Frida in die Finger bekomme, dann kann sie vielleicht was erleben.“
Chris beruhigte sich schnell wieder „Und wie geht es dir? Ich hoffe, du bist wenigstens immer anständig.“ Mara konnte Chris grinsen beinahe durchs Comm hören.
„Naja, bis jetzt musste mich Herrin Julia nur einmal bestrafen.“ gab Mara ein wenig geknickt zu.
„Oha, was hast du denn angestellt?“ wollte Chris wissen.
„Ich hab das Abendessen vergessen.“ sagte Mara ein wenig verlegen.
„Ohje. Was ist passiert?“
„Sie hat mich geschlagen.“ sagte Mara noch immer ziemlich kleinlaut.
„Das war doch wohl zu erwarten.“ Noch immer war Chris deutlich hörbar am Grinsen. „Aber mach dir nichts draus, was sind schon ein paar Schläge? Da bist du ja auch selbst Schuld. Und ich denke mal, daß du das so schnell nicht wieder vergessen wirst.“
„Nach den 50 Schlägen mit dem Lederriemen sicher nicht.“ sagte Mara. Sie war ein wenig abwesend als sie an diesen Abend dachte.
„Fünfzig?“ rief Chris entsetzt aus. „Wegen einem vergessenen Abendessen? Ist deine Herrin so streng? Das geht doch mal garnicht. Am Besten ich sage das Miss Wilhelmina. Die kann dir da raus helfen.“
„Was?“ rief Mara. Chris Worte brachten sie schlagartig ins Hier und Jetzt zurück. „Nein. So war das nicht. Sie ist garnicht so streng. Sie ist sogar ganz nett. Und es gefällt mir hier.“ Mara versuchte Chris zu erklären, was Julia ihr vor fast einer Woche erklärt hatte und das sie ihr eigentlich gerade mal zehn Schläge geben wollte, bis sie gemerkt hatte, was mit ihr passiert ist.
„Sie hat mir angeboten, wenn ich das nochmal haben möchte, dann brauch ich sie nur zu fragen. Und wenn ich mir wieder was zu Schulden kommen lasse will sie mich statt mich zu schlagen lieber im Geschäft auf den Pranger binden.“ schloss Mara ihre Erklärung ab.
„Sie hat einen Pranger im Geschäft? Was ist das denn für ein Laden?“ fragte Chris erstaunt.
„Sie hat einen Sexshop. Und ich hab den Antiquitätenladen, da kann ich machen was ich will hat sie gesagt.“
„Du hast einen eigenen Laden?“
„Naja, eigentlich gehört der ihrer Schwester. Aber die ist weggezogen und ich verkaufe da und bin dafür verantwortlich. Aber wenn sie nicht da ist, muss ich in dem anderen Laden auch aushelfen.“ erklärte Mara.
„Au weh.“ sagte Chris. Wieder war sie deutlich hörbar am Grinsen „Schmerzgeil und dann in einem Sexshop arbeiten. So gut hätte ich das auch mal.“
„Ich finde das garnicht so toll. Das macht mir ganz schön Angst.“
„Das gibt sich schon mit der Zeit.“ sagte Chris lachend.
Mara verabschiedete sich von Chris und bat sie noch einmal alle zu grüßen die sie sehen würde, dann beendete sie das Gespräch. Sie hatte erfahren, was sie wissen wollte und mit Chris zu sprechen hatte ihr gut getan. Nachdenklich schlug sie einen Nagel in die Wand und hängte eine der Uhren auf.

- - -

„Auch du brauchst garnicht so zu grinsen.“ Isabella schlug mit der Gerte fest auf den Tisch der neben der Eingangstür stand. Die acht Frauen standen in einer Reihe vor ihr im Schlafsaal und kicherten und grinsten. Bis auf Frida trugen alle noch Alltagskleidung.
Schlagartig kehrte Ruhe ein. Wenigstens bemühten sie sich alle sich ordentlich hin zu stellen. Sie schauten mehrmals zu Frida und versuchten sich genau so wie sie hin zu stellen.
„So, und jetzt wo wir alle in dieser intimen Runde zusammen sind, da sind eure Schränke.“ Isabella deutete mit der Gerte auf die Reihe Schränke an der Wand neben sich. „In zehn Minuten sind alle eure Sachen da eingeräumt.“ rief sie. Sofort kam eine gewisse Unruhe auf und die Frauen begannen ihre Taschen auszupacken. Lediglich Frida tat, was Isabella erwartet hatte, zog ihre Tunika aus und stellte sich nackt vor ihr Bett.
„Soso, es gibt also nur eine hier, die weiß, was ’alle Sachen’ bedeutet.“ rief Isabella und musste ein Grinsen unterdrücken. Genau so hatte sie sich das vorgestellt.
Die Frauen sahen alle mehr oder weniger entsetzt zu Frida die mit hinter dem Rücken verschränkten Armen und leicht auseinandergenommenen Beinen vor dem Bett stand. Auch Frida schien sich sehr zusammen reißen zu müssen um nicht zu grinsen. Isabella zwinkerte ihr zu. „Na los, was ist denn? Die Sachen die ihr an habt auch noch.“ rief sie den Anderen zu.
Es dauerte einige Sekunden bis sie begriffen hatten, was sie von ihnen wollte. Dann gingen sie zögernd zu ihren Schränken, zogen sich aus und räumten auch die Sachen die sie bis eben noch getragen hatten in die Schränke ein und stellten sich vor ihre Betten. Doch anstatt sich ordentlich hin zu stellen versuchten die Meisten ihre Scham und ihre Brüste mit den Händen zu bedecken. Isabella ging langsam die Reihe ab und schaute die Frauen eindringlich an. Außer Frida hatte nur eine sich ordentlich hingestellt und grinste breit.
„Was gibt’s den da zu grinsen Kira?“ fragte sie drohend.
„Entschuldigung Miss.“ sagte die Frau und versuchte ein ernstes Gesicht zu machen.
Isabella nahm das wohlwollend zur Kenntnis. Doch ganz so einfach wollte sie sie nicht davon kommen lassen. „Was soll das denn sein?“ fragte sie und deutete mit der Gerte auf Kiras Haare. „Ich hoffe ja, das lässt sich raus waschen, das sieht einfach furchtbar aus.“ Während der Ansatz einen natürlichen blonden Ton hatte, war der Rest ihrer Haare in einem grellen feuerrot gefärbt.
„Nein Miss, leider nicht.“ sagte Kira.
Isabella schüttelte den Kopf und korrigierte Kiras Haltung indem sie mit der Gerte ihre Beine ein Stück weiter auseinander drückte und ihre Arme etwas nach unten wies. Dann ging sie weiter zu der nächsten Frau. Mit der Gerte schob sie mit sanftem Nachdruck die Arme der Frau nach unten „Ich nehme an, alle Anwesenden hier haben schon mal eine nackte Frau gesehen. Du kannst also die Arme ruhig nach hinten nehmen. Es wird dir niemand etwas wegschauen.“
Als die Frau nur zögernd die Arme nach hinten nahm, holte Isabella mit der Gerte aus und ließ sie schnell gegen ihre Tunika schlagen. Ihr Bein nahm sie genau im richtigen Moment zur Seite so das es ein recht lautes Geräusch gab als die Gerte auf den Stoff traf. Sofort nahm die junge Frau die Arme hinter den Rücken. „Na also, geht doch.“ sagte sie. „Das sieht doch schon ganz gut aus. Aber da“ sie deutete mit der Gerte auf die Scham der Frau „will ich in einem halben Jahr keinen Urwald mehr sehen.“
Die nächste Frau nahm zögernd die Hände hinter den Rücken als Isabella sich vor sie stellte.
„Was ist das denn?“ fragte Isabella laut „Da hat wohl jemand einen Juwelier überfallen.“ Sie deutete mit der Gerte auf die Scham der Frau. In den Schamlippen steckten je vier silberne Ringe und auch am Kitzler blitzte ein Ring hervor. Die Umstehenden begannen zu kichern und schauten zu der Frau.
„Ruhe! Da gibt es nichts zu lachen.“ rief Isabella und warf einen Blick zu Frida die gerade genauso rot im Gesicht wurde wie die Frau vor Isabella und einen Blick nach unten warf. Auch bei ihr blitzten mehrere Ringe zwischen den Schamlippen hervor. „Auch sowas will ich später hier nicht mehr sehen.“ ein leichter Schmerz erinnerte sie beim Gehen daran daß sie seit zwei Tagen ebenfalls solche Ringe trug.

Eigentlich hatte sie sich vehement weigern wollen aber Frida hatte es irgendwie geschafft sie doch dazu zu überreden. Als sie bei Trish waren und sie gesehen hatte, daß es Frida anscheinend überhaupt nicht weh tat, hatte sie sich von den Beiden breit schlagen lassen und seit dem selbst sechs Ringe zwischen den Beinen.
„Maja gefällt sowas. Ich glaube sie würde sich freuen wenn wir ihr die auf ihrem Geburtstag zeigen.“ hatte Frida gesagt. Natürlich hatte sie selbst schon mitbekommen wie Maja sich entsprechende Bilder angesehen hatte. Trish hatte gute Arbeit geleistet und sie hatte kaum etwas gespürt als sie ihr die Löcher gestochen hatte. Doch nun spürte sie einen leichten Schmerz beim Laufen. „Das geht balde weg. In zwei bis drei Wochen ist das komplett verheilt. Früher hätte das doppelt so lange gedauert.“ hatte sie gesagt.

Sie räusperte sich. „Serva sollten sowas nur tragen wenn das mit ihren Herrschaften abgesprochen ist und die das auch erlauben.“ sagte sie und ging zur nächsten Frau.

Als sie bei Frida an kam lächelte diese sie an. Hier hatte sie erwartungsgemäß nichts zu bemängeln. Die Piercings konnte sie kaum ansprechen, war sie selbst es doch gewesen, die diese erlaubt hatte. Also ließ sie sich Fridas Hände zeigen. Auch ihre Fingernägel waren blitzblank sauber und die Haare ordentlich gekämmt. „Sieht ja alles ganz gut aus.“ sagte sie.
„Vielen Dank Herrin.“ sagte Frida lächelnd.

Isabella stellte sich in der Mitte der Reihe vor die Frauen. „So, die nächsten drei Tage werdet ihr hier nicht behandelt wie Schülerinnen sondern ihr seid Schülerinnen. Ihr werdet genau das Selbe machen wie alle Anderen auch. Ihr werdet das selbe Essen, ihr werdet die selben Übungen machen und ihr werdet euch genauso kleiden. Wenn ihr nach den drei Tagen immer noch Serva werden wollt, dann werden wir uns in ungefähr einem halben Jahr wiedersehen. Aber eines möchte ich noch dazu sagen. In anderen Schulen ist es üblich, das freie Schülerinnen“ sie schaute zu Kira und der neben ihr stehenden Frau „anders behandelt werden. Statt der Gerte gibt es andere Methoden um jemandem zu zeigen das sie etwas falsch macht.“ sie machte eine kurze Pause „Hier gibt es das nicht.“ sagte sie, wobei sie zwischen den Worten eine kurze Pause machte. „Jede Schülerin, egal ob sie freiwillig hier ist oder nicht, selbst wenn sie oder ihre Eltern dafür bezahlen das sie hier ist oder sie ein Stipendium bekommen hat, muss dazu einwilligen genauso behandelt zu werden wie jede Andere auch. Das heißt, wenn jemand was ausgefressen hat, ist die Strafe der Wahl die Peitsche oder in ganz schlimmen Fällen der Keller. Es wird hier niemand geschont werden bloß weil ihre Eltern eine Menge Geld dafür bezahlen daß sie hier ist. Also richtet euch schon mal drauf ein, daß es in den nächsten drei Tagen genauso gehandhabt wird. Wer das nicht möchte weiß wo die Tür ist. Aber denkt immer daran, es gibt genug Frauen, die es sich nicht aussuchen können ob sie hier sein wollen, die sich nicht aussuchen können ob sie die Gerte zu spüren bekommen wollen oder nicht. Und auch die haben es bisher alle überstanden.“
Sie drehte sich zur Tür und ging hinaus. Doch als sie bereits in der Tür stand, winkte sie Frida noch mal zu sich.

„Danke daß du das machst.“ sagte sie als Frida bei ihr auf dem Flur stand.
Frida winkte ab. „Das mach ich doch gerne. Hauptsache ich bin auf Majas Geburtstag wieder zu Hause. Ich will doch wissen, wie sie darauf reagiert.“
„Na, das interessiert mich allerdings auch. Ich frage mich ja immer noch, wie du es geschafft hast, mich dazu zu überreden.“
Frida beugte sich zu ihr und flüsterte ihr etwas ins Ohr.
„Ich dich auch.“ sagte Isabella. Bevor sie ging hob Frida den Kopf und schürzte die Lippen, woraufhin Isabella zu ihr ging und ihr einen Kuss gab.
„Danke Herrin.“ sagte Frida lächelnd.
Auch Isabella musste nun lächeln. „Ich wünsch dir noch einen schönen Abend. Lass dir keine Löcher in den Bauch fragen.“
„Ich versuche es.“ sagte Frida und wollte gerade wieder zurück in den Schlafsaal gehen.
„Warte, ich hab hier noch was für dich.“ sie nahm eine Papiertüte die bisher neben der Tür gestanden hatte und gab Frida diese.
Diese schaute hinein und holte eine verschweißte Plastiktüte heraus. Grinsend öffnete sie diese und roch an den kleinen, bunten Getreidebröckchen in Form kleiner Knochen. „Sind die echt oder gekauft?“
„Das sind die echten aus Straßburg. Die hat Chris dir geschickt. Sie kommt in ein paar Wochen her weil sie einen Kurs hier belegt. Ich soll dich schön grüßen. Du wüsstest schon an was die dich erinnern sollen.“ Ohne eine Antwort abzuwarten gab Isabella Frida noch einen Kuss und ging dann.

Mit nachdenklichem Blick schaute sie hinter Isabella her. Sie zuckte mit den Schultern, nahm sich eine Hand voll von den Getreidebröckchen und steckte sich einige davon in den Mund. Kauend und mit der Tüte unter dem Arm ging sie in den Schlafsaal zurück.

„Was isst du denn da?“ fragte eine der Frauen „Ich hab seit heute Morgen kaum was gegessen. Der Speisewagen in der Bahn hat gefehlt und ich hab auch keine Zeit gehabt, wo anders was zu essen.“
Frida hielt ihr die Tüte hin. „Bitte, bedien dich.“ sagte sie kauend. „Sind echt lecker.“ Sie genoss den Geschmack der Stückchen den sie schon vermisst hatte.
Die Frau nahm sich eine kleine Hand voll der Stückchen aus der Tüte und steckte sich einige davon in den Mund. Dann erst schaute sie auf die restlichen Stückchen in ihrer Hand und ihr Gesicht wurde bleich. Sie schaute sich hektisch um und wollte irgend wo hin laufen.
„Da hinten.“ sagte Frida und deutete auf die Tür zum Waschraum. Sofort lief die Frau los und man konnte hören wie sie spuckte. Danach war die Toilettenspülung zu hören.

Eine andere Frau kam auf Frida zu. „Wir haben uns schon mal gesehen.“ sagte sie. „Ich bin Kira.“
Frida überlegte kurz und reichte ihr die Hand. „Du hast mir damals einen ganz schöne Schrecken eingejagt. Ich hatte echt Angst, das Mara wegen dir etwas blödes macht.“ sagte Frida vorwurfsvoll. „Wie kommt’s daß du jetzt hier bist?“
„Miss Isabella hatte mich damals auf einen Kaffee eingeladen und mit mir geredet. Ich weiß jetzt, daß das eine ganz schöne Dummheit war. Sie hat mir angeboten, nach der Oberschule hier her zu kommen.“
„Verstehe. Hast du Mara denn schon getroffen?“
„Nein, sie wollte mir die Nummer ihrer Herrin erst nach einem Jahr geben.“
Frida wollte noch sagen, das sie dann selbst in der Schule wäre, schwieg aber lieber. Sie hatte von Isabella erfahren, wie sehr Kira sich darauf freute, ihre Schwester wieder zu sehen.

Die anderen Frauen kamen nun zu ihr und alle stellten ihr Fragen die Frida eine nach der Anderen beantwortete.
Die Toilettenspülung ging noch einmal und man hörte Wasser im Waschbecken rauschen. Die Frau die eben dort verschwunden war kam mit bleichem Gesicht heraus und ging zu Frida „Danke, jetzt hab ich wirklich Hunger.“ sagte sie und schaute Frida resigniert an.
Frida schaute auf die Uhr „In einer halben Stunde gibt’s Abendessen.“
„Bis dahin bin ich verhungert.“ sagte die Frau und seufzte theatralisch. „Wie kannst du sowas überhaupt essen?“ sie deutete auf die Plastiktüte die Frida auf dem Tisch abgestellt hatte.
„In Straßburg in der Schule haben wir das alle gegessen. Die Herrin auch.“ erklärte Frida, woraufhin die Umstehenden entsetzte Gesichter machten.
„Immer?“
„Nein, nur einmal. Außerdem, ich find es schmeckt lecker.“ sagte Frida und nahm sich noch eine Hand voll, woraufhin die Frau sich abwandte.

Als es Zeit wurde zum Essen zu gehen ging Frida zur Tür und wollte gerade voran gehen als eine der Frauen fragte „Sollten wir uns nicht lieber etwas anziehen?“
Frida schaute an sich herab, zuckte mit den Schultern, ging zum Schrank und zog ihre Tunika an. Sie wartete bis die anderen ihre Tuniken und Schuhe angezogen hatten und ging selbst barfuß voran.

29. RE: Neue Horizonte - 2

geschrieben von HeMaDo am 01.07.17 22:37

„Das sind Nicky und Maxine, meine Töchter.“ sagte Emylia und deutete auf die große Bühne. Sie war gerade dabei Rebecca und Isabella das Bergwerk zu zeigen. Sie standen in einer riesigen Kaverne in der vor einer großen Bühne einige dutzend Stuhlreihen aufgebaut waren. Auf der Bühne waren zwei junge Frauen gerade dabei mehrere Instrumente aufzubauen. Es waren die selben beiden Frauen, welche drei Tage zuvor Gitarre und Violine gespielt hatten als Rebecca für Vivian und Vera gesungen hatte.

„Das ist der Konzertsaal“ hatte sie erklärt. Nun gingen sie zwischen den Stühlen hindurch zur Bühne.
„Du hast Kinder? Wie alt warst du da?“ fragte Isabella erstaunt. Sie kannte die Beiden Mädchen aus der Schule und wusste, das sie gerade erst wieder zurück gekommen sein mussten.
„Ja, ich habe Kinder. Drei an der Zahl. Als die Beiden geboren wurden war ich wahrscheinlich 16.“ sie nahm demonstrativ die Finger zu Hilfe „Ja, genau 16.“
Rebecca schaute sie fragend an.
„Ich habe die Beiden adoptiert. Ich hab sie dabei erwischt, wie sie mir meine Tasche klauen wollten. Nicky habe ich noch festhalten können. Aber Maxine wollte ihre Schwester nicht alleine lassen und ist zurück gekommen. Ich hab dann versucht sie von der Straße zu bekommen, hat ja auch geklappt.“ erklärte Emylia den Beiden.
Rebecca schaute sie eindringlich an und wartete vergeblich darauf daß sie den fehlenden Teil ihrer Erklärung noch hinzufügte. „Hast du nicht gerade was von drei Kindern gesagt?“ fragte sie schließlich.

Emylia warf ihr einen verlegenen Blick zu bevor sie weiter sprach. „Ich war damals gerade mal 16 und eine verzogene Rotzgöre ohne jedes Gefühl für Verantwortung und nur auf mein eigenes Vergnügen bedacht. Ich weiß nicht mal wer der Vater ist. Ich war stockbesoffen und hätte mich wahrscheinlich nicht mal an meinen eigenen Namen erinnert. Bettina ist bei meinen Eltern aufgewachsen und studiert mittlerweile Medizin. Leider hat sie voll mitbekommen was für ein Arschloch ich damals war. Und als ich gemerkt habe, was ich alles für Fehler gemacht habe, war es schon zu spät. Das hat dazu geführt, das wir bis heute kein all zu gutes Verhältnis zueinander haben.

„Verstehe.“ sagte Isabella und schaute sich in dem riesigen Raum um. „Was ist eigentlich so besonderes hier?“ fragte sie um von dem Thema abzulenken.
Nun war es an Emylia ein wenig erstaunt zu wirken. Sie musste sich auf den plötzlichen Themenwechsel erst einstellen. „Stell dich doch mal auf die Bühne und sing was.“ sagte sie nach ein paar Sekunden zu Rebecca.
Rebecca überlegte nicht lange und ging die schmale Treppe zur Bühne hinauf. Sie stellte sich vor das Mikrofon welches dort stand und klopfte darauf. Doch anscheinend war dieses nicht eingeschaltet.
„Nee, ohne Verstärkung.“ rief Emylia ihr zu.
Rebecca überlegte einen Moment und begann die Königin der Nacht aus Mozarts Zauberflöte zu singen.

Sie bemerkte nicht, das die beiden jungen Frauen hinter ihr sich zuwinkten. Maxine nahm ihre Gitarre und Nicky setzte sich an das Schlagzeug welches halb aufgebaut da stand.
Rebecca konnte deutlich hören wie die Akustik in dieser Kaverne ihre Stimme selbst ohne Mikrofon bis in die hinterste Ecke trug und als leises Echo zurück warf. Sie war nur einen kleinen Moment lang verwirrt als das Mikrofon eingeschaltet und ihre Stimme nun wesentlich lauter durch die Kaverne schallte. Als Emylia grinsend nickte wurde ihr klar, daß diese etwas im Schilde führte. Doch in diesem Moment klangen drei Akkorde in A-dur durch die Kaverne. Bereits nach diesen drei Akkorden erkannte sie ’Highway to Hell’, sie versuchte noch etwas weiter zu singen, gab aber nach den nächsten Akkorden auf und wartete auf den Einsatz. Sie nahm das Mikrofon aus dem Ständer und begann zu singen.

„Mama, ich glaube, du bist raus.“ rief Nicky von der Bühne nachdem der Schlussakkord verklungen war.
„So einfach werd ich ausgebootet?“ rief Emylia gespielt beleidigt.
„Wenn sie jetzt noch ein Instrument spielt, wirst du es schwer haben.“ fiel Maxine ein.
„Mach jetzt ja keinen Mist Rebecca.“
„Lasst mal gut sein, ich habe nicht vor, in einer Band zu singen. Ich hab genug Anderes zu tun.“ sagte Rebecca. „Außerdem lässt mich Herrin Andrea bestimmt nicht dauernd bei euch mit singen.“ Rebecca ging von der Bühne und stellte sich zu Isabella und Emylia. „Tut mir leid, aber ihr werdet noch eine Weile mit Emylia zurecht kommen müssen.“
„Schade, hat trotzdem Spaß gemacht mal einen echten Profi zu hören.“ sagte Maxine, woraufhin Nicky einen Tusch auf dem Schlagzeug spielte.
„Na, wartet, wir sehen uns heute Abend ja noch ihr Beiden.“ sagte Emylia.

Die Drei verließen den Konzertsaal und gingen zurück zu dem Elektroauto mit welchem sie gekommen waren. Sie stiegen ein und Emylia fuhr weiter in den Stollen hinein.
„Hier ist unser zweites Lager.“ sie deutete zu einer schweren Stahltür durch die ohne Probleme zwei LKW hindurch gepasst hätten.
„Und das hast du alles aufgebaut?“ wollte Isabella wissen.
„Wo denkst du hin? Das Meiste war schon fertig als wir das Gelände übernommen haben. Wir mussten lediglich ein wenig Farbe nehmen und alles wieder hübsch machen.“
„Und wo geht’s da hin?“ Isabella deutete auf einen nur spärlich beleuchteten Stollen.
Emylia trat auf die Bremse „Das zeig ich euch nachher. Du weißt doch, das Beste kommt zum Schluss.“ sagte sie geheimnisvoll und fuhr weiter. Vor einem weiteren schweren Stahltor blieb sie stehen und stieg aus. Sie ging zu einer einfachen Stahltür, hielt ihr Comm vor das Schloss und öffnete diese. „Das hier ist einer der wichtigsten Bereiche auf dem ganzen Gelände.“ Nachdem sie eingetreten waren schloss sich die Tür hinter ihnen und eine weitere Tür öffnete sich. Sie standen in einem großen Raum in dem unzählige Schaltschränke standen. In jedem der Schränke leuchteten und blinkten mehrere kleine Lämpchen. „Das ist unser Rechenzentrum. Wir kaufen keine Rechenleistung von anderen ein sondern halten alles nötige selbst bereit.“ langsam ging sie zu einer Reihe Schränke die zwar bis unter den Rand mit Geräten voll gestellt waren, die aber alle noch ausgeschaltet schienen.

„Rebecca, als du an deinem ersten Tag hier warst, erinnerst du dich daran als Nin gesagt hatte, ich könnte keine Behörde kaufen?“
Rebecca nickte. Nur zu gut erinnerte sie sich daran als Emylia aus Nins Büro gestürmt war. „Ja, Ich wusste damals allerdings nicht, daß du das warst. Anscheinend warst du mir da einen Schritt voraus.“
„Entschuldige, ich war damals wirklich sauer. Ich hatte dich zwar sofort erkannt, aber so wollte ich dir auf keinen Fall gegenüber treten.“ nun deutete sie auf die noch ausgeschalteten Rechner „Das dürfte euch beide interessieren. Ich habe es tatsächlich geschafft, eine Behörde zu kaufen. Jedenfalls einen Teil davon. In drei Wochen werden wir anfangen alle Datenbestände über alle Serva hier her zu überspielen und zum Jahreswechsel werden wir alle Verwaltungsaufgaben die Serva betreffen übernehmen. Die eigentlichen Vorgänge bleiben zwar weiterhin beim Amt aber die Datenverarbeitung und alles was nach außen hin passiert übernehmen wir ab nächstem Jahr.“
„Wozu das alles?“ wollte Isabella wissen.

„Wozu? Um die Vorgänge in den Ämtern zu modernisieren. Damit man nicht eine Stunde im Amt sitzen muss um eine Serva anzumelden. Und damit man nicht drei Tage lang warten muss bis endlich eine Adressänderung erfolgen kann. Wir haben einen Beratervertrag mit dem Zentralamt abgeschlossen und gehen nach und nach jedes einzelne Amt durch, sehen wo neues Personal nötig ist und wie sich die einzelnen Vorgänge verbessern lassen. Das alles spart dem einzelnen Bürger jede Menge Zeit und dem Staat einen Haufen Geld. Außerdem, Isabella, wann war das letzte Mal jemand bei dir und hat nachgesehen ob es Maja und Frida auch gut geht? Und wann sollte das eigentlich passieren?“
„Eigentlich sollte das einmal im Jahr passieren, aber bisher war noch niemand bei mir.“ antwortete Isabella.
„Siehst du? Genau sowas wollen wir damit abstellen. Wenn die Vorgänge selbst schneller werden, bleibt Personal frei welches diese Aufgaben übernehmen kann. Und wo es nötig ist, haben wir durch den Beratervertrag die Möglichkeit zusätzliches Personal einzustellen. Dann müssen wir hoffentlich weniger Schlagzeilen über Serva lesen die von ihren Herrschaften verprügelt oder misshandelt werden. Ich meine, zum Glück kommt sowas ja doch nicht all zu oft vor, aber selbst die wenigen Fälle sind zu viel.“
“Du meinst, meine Chefin darf mich dann nicht mehr misshandeln und muss mir ein ordentliches Gehalt zahlen?“ fragte Isabella grinsend.
Emylia schaute zu ihr und bedachte sie mit einem verärgerten Blick. „Ich misshandele dich gleich mal. Du bist frei und kannst selbst auf dich aufpassen. Außerdem kannst du dich über dein Gehalt ja wohl nicht beschweren. Wenn du dir zwei Serva leisten kannst, kann das ja so schlecht nicht sein.“ Auch Emylia musste nun grinsen.
„Hey, ich werd es dieses Jahr nicht mal schaffen dreimal Urlaub zu machen. Wir müssen uns auf zweimal beschränken.“
„Wenn es dir darum geht, meine Familie hat ein paar Ferienhäuser an ziemlich schönen Ecken. Die stehen sowieso die meiste Zeit leer, wenn du willst, kann ich dir da aushelfen. Du müsstest nur den Flug zahlen. Aber wenn dir das noch zu viel ist, du weißt ja wo du eine Pilotin findest, die dich hin bringen kann.“ sagte Emylia. „Und wenn ich keine Zeit habe, Rebecca kann auch fliegen.“
Isabella und Rebecca sahen sich grinsend an und mussten dann lachen
Nun erst begriff Emylia. „Komm, hör auf mich zu verarschen.“ sagte sie ein wenig verärgert. Ihr war anzusehen daß sie dieses Angebot ernst meinte und nicht gemerkt hatte, das Isabella sie auf den Arm genommen hatte.

„Und wo geht’s da hin?“ fragte Rebecca als sie wieder im Wagen saßen. Sie deutete auf das große Stahltor. Es machte den Eindruck bereits seit geraumer Zeit nicht mehr geöffnet worden zu sein.
„Das ist ein Bereich vom Bergwerk der noch leer steht. Da ist im Moment garnichts drinne. Und weiter hinten geht es zum Wasserkraftwerk, aber das ist von der anderen Seite aus auch zugänglich.“ Emylia machte ein recht besorgtes Gesicht.
„Was ist los?“ fragte Rebecca die Emylias Stimmungswandel bemerkt hatte.
„Vor ein paar Wochen hat es einen Unfall gegeben. Eine Technikerin ist beim Wasserkraftwerk verunglückt. Sie ist auf einer Treppe ausgerutscht und in einen unterirdischen Bach gefallen. Wir haben sie nicht mehr gefunden. In den Höhlen kommen selbst Taucher nur langsam voran und es kann niemand sagen wie groß diese Höhlen überhaupt sind.“ Sie schaute einige Sekunden Lang auf das große Tor und schüttelte dann den Kopf. „Kommt, lasst uns weiter fahren.“ sagte sie. In ihrer Stimme war so etwas wie Trotz zu hören.
Isabella und Rebecca sahen sich kurz an. Sie konnten sehen, wie sehr dieses Thema Emylia belastete.

Emylia wendete den Wagen und fuhr zurück. Es dauerte einige Minuten dann schien sie sich wieder gefasst zu haben. Sie fuhr jedoch nicht direkt zurück zum Ausgang sondern lenkte den Wagen in den spärlich beleuchteten Stollen „So, jetzt kommt das Beste.“ sagte sie geheimnisvoll und hielt vor einem weiteren Tor. Sie tippte auf ihrem Comm und dieses öffnete sich. Dann fuhr sie weiter und hinter ihnen fiel das Tor mit einem durchdringenden, dumpfen Geräusch ins Schloss. Einige Meter weiter gab es ein weiteres Tor welches sich gerade öffnete. Auch dieses schloss sich hinter ihnen.
„Während des Krieges wurden hier Panzer gebaut. Absolut Sicher gegen Luftangriffe und wenn beide Tore geschlossen sind ist das Ganze hier eine uneinnehmbare Festung. Hier haben an die 3000 Leute gearbeitet. Es gab sogar eigene Unterkünfte und Vorräte für ein ganzes Jahr.“ erklärte Emylia während sie an mehreren großen Durchgängen vorbeifuhren.
Sie fuhren eine ganze Weile weiter. Einmal bog Emylia in einen der Durchgänge ein und blieb in einer riesigen unterirdischen Halle stehen. Die Halle war so groß, das die Scheinwerfer des Wagens nicht bis ans andere Ende reichten.
„Was passiert mit den Räumen hier?“ wollte Isabella wissen.
„Garnichts. Wenn der Lagerraum mal nicht mehr reichen sollte, dann können wir hier her ausweichen. Aber das Lager auf der anderen Seite sieht genauso aus wie dieser Teil und ist noch nicht mal zu einem Bruchteil voll. Und so wie es aussieht, wird sich das in absehbarer Zeit auch nicht ändern. Aber der Vorteil ist, daß das Ganze hier massives Grundgestein ist und dadurch so gut wie keine Wartungskosten anfallen. Selbst wenn man nichts hier macht, sieht es in hundert Jahren noch fast genauso aus wie jetzt.“ Emylia wendete den Wagen und fuhr dann weiter den Stollen entlang.

„Wir sind jetzt einen guten Kilometer weit vom Eingang entfernt.“ sagte Emylia und hielt vor einem vergleichsweise kleinen Tor. „Das hier ist mein ganz privater Spielplatz.“ erklärte sie und öffnete das Tor mit einem ganz normalen Schlüssel. Sie trat ein und Isabella und Rebecca folgten ihr in einen dunklen Gang von dem lediglich drei Türen abzweigten. Sobald die Tür hinter ihnen ins Schluss fiel, schaltete sich die Beleuchtung ein und sie öffnete die linke Tür.
Der Raum in dem sie sich befanden war gut zehn Meter lang und breit und an der gegenüberliegenden Wand befanden sich eine Unmenge Bildschirme, Rebecca zählte zwölf kleinere Monitore die um einen riesengroßen Monitor herum gruppiert waren. In der Mitte des Raumes standen auf einfachen Tischen mehrere Computer. Emylia schaltete einen davon an und setzte sich. Sie deutete Isabella und Rebecca, sich ebenfalls zu setzten. Es dauerte einen Augenblick bis der Computer bereit war. Sie tippte auf ein Symbol auf dem Bildschirm und sofort erwachten die Monitore an der Wand zum Leben. Jeder von ihnen, zeigte das Bild eines Raumes. Jeder dieser Räume war anscheinend unterschiedlich ausgestattet. Es gab Räume die einem Krankenzimmer glichen, solche die wie Umkleiden aussahen aber auch Räume in denen irgendwelche Maschinen standen. Besonders ein Raum fiel Rebecca ins Auge. In diesem war eine Treppe zu sehen die zu eine Art Graben führte der am Ende des Blickfeldes eine Biegung machte und durch die Wand führte.

„Was ist das alles?“ fragte Isabella erstaunt.
Statt einer Antwort tippte Emylia auf dem Bildschirm des Computer herum und auf dem größten Monitor an der Wand erschien das Bild eines Raumes in dem sich mehrere Waschbecken und Duschen befanden. Ein paar Handgriffe später begann sich in dem Raum hinter einer vorgezogenen Wand etwas zu bewegen. Mehrere riesige Tentakel schossen hinter der Wand hervor und bewegten sich tastend und suchend im Raum umher.
„Die sehen aus wie der den Trish für ihr Kostüm hatte.“ sagte Rebecca nachdem sie den ersten Schreck überwunden hatte.
„Die Technik ist die selbe. Aber für Trishs Tentakel mussten wir uns schon was einfallen lassen. Die müssen über Batterien versorgt werden, während die hier direkt am Stromnetz hängen. Aber dafür sind die hier auch ungleich stärker.“ erklärte Emylia und tippte erneut auf dem Bildschirm herum worauf hin die Tentakel sich wieder zurückzogen.
„Und was bitteschön soll das Ganze?“ hakte Isabella noch einmal nach.
„Das ist wie gesagt mein privater Spielplatz. In jedem Raum gibt es ein oder mehrere solche Überraschungen. Selbst wenn du weißt, daß das Ganze nur eine Art Geisterbahn ist, wenn du einmal da drinne bist und den Ausgang suchen musst, ist das ziemlich aufregend. Außerdem sind da drinne mehrere Entwicklungen verbaut die noch im Prototypenstadium stecken.“ Emylia drehte sich auf ihrem Stuhl zu Isabella um „Das Ganze ist eine Art Geisterbahn der perversesten erotischen Spielarten.“ sagte sie grinsend. „Die Tentakel waren übrigens Trishs Idee. Der Schleim“ sie tippte noch einmal auf dem Bildschirm herum und auf dem Monitor erschien der Raum mit dem Graben in Großaufnahme „war Johannas Idee. Sie mag sowas anscheinend.“ Plötzlich begann der Graben sich mit einem leuchtend grünen, zähflüssigen Schleim zu füllen der immer höher stieg. „Mit schwachen elektrischen Feldern kann man die Viskosität von dem Zeug einstellen. Von fast wie Wasser bis Wackelpudding. Da durch zu kommen kann ganz schön anstrengend sein.“

Mit einer Mischung aus Faszination und Entsetzen starrten Isabella und Rebecca auf den großen Bildschirm und beobachteten wie der Schleim in mehreren Bodenabflüssen wieder verschwand.
„Und wer geht da freiwillig rein?“ wollte Rebecca wissen.
„Ich zum Beispiel. Oder Trish. Helen war auch schon mal drinne. Und einige Andere ebenfalls. Das ist zwar alles vermutlich ziemlich seltsam aber wer auf solche Sachen steht, dem macht das schon Spaß.“
„Das scheint mir aber nur ein recht einmaliges… ähm, vergnügen zu sein.“ sagte Isabella. „Wer einmal da drinne war, weiß doch wie es weiter geht.“
„Überhaupt nicht. Je nachdem, wer hier sitzt, ist das jedes Mal anders. Wer von Euch möchte denn mal?“ Emylia schaute die Beiden mit einem breiten Grinsen im Gesicht an.
„Danke, aber nein danke.“ sagte Rebecca. Auch Isabella schüttelte den Kopf und lehnte das Angebot ab.
„Ihr wisst ja garnicht, was euch entgeht.“ sagte Emylia lachend.
„Danke, aber ich habe erstens gerade ein paar Schülerinnen zur Probe hier und außerdem, in drei Tagen hat Maja Geburtstag, da will ich schon wieder zu Hause sein.“ sagte Isabella.

Emylia schaltete mit einem Tippen die Bildschirme aus und die Drei machten sich auf den Weg zurück zum Ausgang. Während der Fahrt über schwiegen Isabella und Rebecca und ließen sich das gerade gesehene noch einmal durch den Kopf gehen.

„Sie ist verrückt geworden.“ sagte Isabella als sie und Rebecca nach Hause gingen.
„Wieso?“ wollte Rebecca wissen. „Mal ganz ehrlich, so schlimm finde ich das nun auch wieder nicht. Und sie ist damit ja anscheinend nicht alleine. Solange sie niemanden dazu zwingt, lass sie doch. Außerdem, ich darf dich mal an deine eigenen Worte erinnern: ’Pervers bist du erst, wenn du niemanden mehr findest, der mit machen will.’ oder irre ich mich da?“ Sie schaute Isabella grinsend an.
„Jaa jaa. Schon gut, erinnere mich nicht mehr daran. Was ich nur komisch finde ist, daß sie ein so großes Gebäude mitten in einem alten Bergwerk nur dafür gebaut hat.“
Rebecca musste wieder lachen „Ich gehe mal stark davon aus, daß sie das nicht nur aus reinem Eigennutz gebaut hat. Wahrscheinlich ist das sowas wie der Giftschrank der Entwicklungsabteilung hier. Vermutlich kommt sowas in ein paar Jahren auf den Markt. Und dann kannst du davon ausgehen, daß das ziemlich viele Leute kaufen werden.“

Sie kamen an dem Wohnblock vorbei in dem Isabella wohnte „Wie auch immer. Hier wohne ich. Mal sehen, ob Maja zu Hause ist. Seit wir hier wohnen ist sie ziemlich oft unterwegs. Heute steht glaube ich, der Kochclub auf dem Programm. Dann gibt’s immer irgend welchen exotischen Gerichte zu essen. Bin gespannt, was es heute gibt.“ sagte Isabella schmunzelnd.
„Sag mal, Emylia hatte mir erzählt, daß du noch eine Serva hast? Kommt da keine Eifersucht auf?“
„Warum denn? Wir haben uns lange drüber unterhalten und uns arrangiert. Das einzige Problem ist im Moment, daß das Bett zu klein ist.“ sagte Isabella grinsend. „Aber so kuschelig find ich das eigentlich viel schöner.“
„Na, dann wünsch ich euch viel Spaß.“ Rebecca lachte. Sie verabschiedeten sich und Rebecca ging weiter zu Andreas Haus.

- - -

„Los aufstehen faule Bande“ schrie Isabella in den Schlafsaal. Keine der Frauen hatte den Gong zum Wecken gehört. Sie ging an der Reihe Betten vorbei und hieb kräftig mit ihrer Gerte auf die Bettdecken, was jedes mal einen lauten Knall verursachte. Die Frauen schreckten bei dem Geräusch auf und waren schnell aus ihren Betten gesprungen. Lediglich Frida war bereits von dem Gong aufgewacht und stand in ihren Sportsachen vor dem Bett. Amüsiert beobachtete sie die anderen Frauen die hektisch in ihren Schränken nach den Sportsachen suchten.
„Oh Mann, muss das sein?“ fragte eine der Frauen verschlafen während sie sich die Turnhose anzog.
Isabella ging zu ihr und schrie „Es ist fünf Minuten nach dem Aufstehen. Alles Andere interessiert nicht.“
Die Frau kniff die Augen zusammen und beeilte sich mit dem anziehen. Keine drei Minuten später standen alle mehr oder weniger munter vor ihren Betten und Isabella ging die Reihe entlang bis sie vor einer Frau stehen blieb. „Ich weiß ja nicht, wo man eine Turnhose so anzieht, aber hier solltest du sie schon mal richtig herum anziehen. Das sieht einfach albern aus.“ sagte sie trocken. Schnell zog die Frau die Hose aus, krempelte sie um und zog sie wieder an.
„Nachdem es endlich alle geschafft haben sich auch richtig anzuziehen, können wir ja los gehen.“ sagte sie und öffnete die Tür. Die Frauen folgten ihr und liefen ihr hinterher.

Nachdem sie eine gute halbe Stunde gelaufen waren kamen sie an einem Wohnblock vorbei. Isabella lief voran und blieb vor der Wiese neben dem Parkplatz stehen. Die Frauen ließen sich erschöpft auf die Wiese fallen und wollten sich ausruhen doch Isabella rief „Was wird das denn wenn´s fertig ist?“ rief Isabella. „Hier wird sich nicht ausgeruht. Jetzt will ich ein paar Liegestütze sehen.“ Die Frauen begannen zögernd mit Liegestützen. Nach einer Weile rief Isabella „Das müssen wir aber noch üben. Jetzt alle aufstehen und macht mir den Hampelmann.“
Die Frauen stöhnten leise, standen auf und machten Hampelmänner.
„Körperliche Fitness ist als Serva einfach wichtig.“ begann Isabella zu dozieren. „Aber auch, das ihr eure Haltungen kennt und beherrscht. Abgesehen vom normalen Knien, welches bei einer Serva das Sitzen ersetzt, gibt es drei Grundhaltungen.“ sie erklärte den Frauen der Reihe nach die drei Grundhaltungen und die Handzeichen die die Herrschaften machen konnten um sie dazu aufzufordern, diese einzunehmen. Die erste war das Knien mit soweit wie möglich gespreizten Beinen, wobei die Hände mit der Handfläche auf den Beinen liegen mussten, diese Haltung mussten sie einnehmen wenn die Herrschaft auf den Boden zeigte. Die zweite Haltung, das Stehen mit leicht gespreizten Beinen und hinter dem Rücken verschränkten Armen musste bei erhobenem Zeigefinger eingenommen werden. Wenn Zeige- und Mittelfinger erhoben wurden, mussten sie sich präsentieren, was wie das Stehen war, nur daß die Hände im Nacken verschränkt wurden.

Diese Haltungen ließ Isabella die acht Frauen mehrmals üben bis sie bei Allen halbwegs zufrieden damit war.
„Hier werdet ihr zu den drei Grundhaltungen auch noch zwei weitere Haltungen lernen, nämlich Knien mit hinter dem Rücken verschränkten Armen.“ sie deutete mit drei Fingern auf den Boden und die Frauen knieten sich hin. Wieder ging Isabella die Reihe ab und korrigierte die Haltung. Auch bei Frida musste sie hier korrigierend eingreifen indem sie ihre Schultern mit der Gerte soweit es ging nach hinten drückte.
„Das Präsentieren und das Knien mit den Armen auf dem Rücken, hat jemand eine Ahnung, warum das so gemacht wird?“ fragte Isabella in die Runde, doch keine der Frauen antwortete.
„Ganz einfach, wenn ihr eure Schultern so weit es geht nach hinten nehmt, werden eure Brüste weit nach vorne gedrückt und stehen schön vor.“ sagte sie „Das hilft zwar nicht bei allen, aber bei denjenigen die mehr als nur Körbchengröße A haben sieht man deutlich den Unterschied.“
Einige der Frauen kicherten leise.
„Ruhe, hier wird nicht über Andere gelacht. Und die Einzige, die hier Witze macht, bin ich!“ sagte sie in etwas schärferem Tonfall. Dann deutete sie mit dem Finger auf den Boden. Die Frauen begriffen schnell was sie wollte und nahmen die Hände auf die Beine. „In den meisten anderen Schulen lernen Serva, daß das Präsentieren auch dazu da ist, eine Strafe zu empfangen. Aber warum sollte man so eine eigentlich recht ansehnliche Position mit sowas belasten, wenn es dazu eine eigene gibt?“ sie hielt die Hand, flach ausgestreckt, nach unten. Wieder war es Frida, die die neue Position zuerst einnahm. Sie beugte sich so weit nach vorne, bis ihre Stirn den Boden berührte und kreuzte dann die Hände vor sich auf dem Boden. So kniete sie mit weit nach oben gestrecktem Hintern und fast flachem Rücken vor Isabella. Auch hier bemühten sie die Anderen es ihr nachzumachen.

Isabella stellte sich neben Frida und flüsterte so leise, daß nur sie es hören konnte „Denk dran, keinen Ton.“ Darauf hin nickte Frida kaum merklich und Isabella hieb ihr mit der Gerte auf den ausgestreckten Hintern. Frida zuckte zwar leicht zusammen, gab aber keinen Ton von sich. Auf ihrem Hintern hatte sich sofort ein roter Striemen gebildet.

Nun ging Isabella zu der nächsten Frau und schlug ihr ebenfalls auf den Hintern, aber bei weitem nicht so fest wie bei Frida. Dennoch schrie die Frau laut auf und wollte aufstehen.
„Schön so bleiben.“ sagte Isabella ruhig und hielt ihr die Gerte in den Nacken und drückte sie wieder zu Boden. Dies wiederholte sie bei den anderen sechs Frauen ebenfalls. Sie mussten alle Positionen noch mehrmals üben, wobei jede der Frauen beim einnehmen der Strafposition einen leichten Klaps auf den Allerwertesten bekam. Lediglich Frida hatte, als sie zurück zur Schule liefen mehrere deutlich sichtbare Striemen auf dem Rücken und dem Hintern. Als sie im Schlafsaal angekommen waren warf Isabella Frida einen fragenden Blick zu, den diese lächelnd mit einem Nicken beantwortete.

„Was war das denn?“ wollte eine der Frauen, sie hieß Nora, von Frida wissen.
„Was meinst du?“ fragte Frida nach während sie in den Waschraum gingen.
„Na, sie hat dich ja ganz schön ran genommen. So wie du sieht von uns Anderen keine aus.“
„Ach das meinst du. Ich kenne das nicht anders. Wahrscheinlich wollte sie euch nicht verschrecken.“ sagte Frida lachend.
„Nicht verschrecken? Machst du Witze? Das hat weh getan.“ fiel Grace ein die sich gerade unter die Dusche stellte.
„So schlimm kann das doch garnicht gewesen sein.“ sagte Frida und lachte „Bei euch sieht man ja nicht mal was. Aber ihr habt euch ganz schön angestellt. Als ich in der Schule war, durften wir die Positionen so lange üben bis keine mehr einen Ton von sich gegeben hatte.“

Die Frauen duschten sich und gingen zurück in den Schlafsaal wo sie ihre Tuniken anzogen. Gemeinsam gingen sie in den Speisesaal und frühstückten. Danach ging es zurück in den Schlafsaal wo sie auf Isabella warteten.

- - -

„Ich muss heute in die Stadt um etwas zu erledigen.“ sagte Andrea nach dem Frühstück.
„Soll ich Sie fahren Herrin?“ fragte Rebecca.
„Das ist nicht nötig. Ich fahre heute selbst. Aber du hast heute einen Termin bei Johanna und Doktor Valen.“ Sie holte etwas aus ihrer Tasche und gab es Rebecca. Es war der Schlüssel zu ihrem Keuschheitsgürtel. „Den wirst du nachher brauchen. Ich gehe davon aus, daß ich mich auf dich verlassen kann.“ sagte Andrea schmunzelnd.
Rebecca schaute sich den Schlüssel an „Ja Herrin, Sie können sich auf mich verlassen.“ sagte sie und steckte den Schlüssel ein. Dann begann sie damit, den Tisch abzuräumen.

Für den Weg zur Fabrik hatte sie sich einen Elektrowagen genommen und hielt vor dem Tor welches das Fabrikgelände vom restlichen Gelände trennte. Die Wache kam auf sie zu und fragte, was sie wollte.
„Ich habe einen Termin bei Doktor Valen und Frau Davids.“ sie zeigte der Wache den Eintrag auf dem Comm.
„Stellen Sie den Wagen da vorne ab. Es kommt gleich jemand um sie abzuholen.“ sagte die Wache freundlich.
Rebecca bedankte sich und stellte den Wagen in einer Parkbucht ab, dann ging sie zurück zum Tor. Es dauerte nicht lange, dann kam Johanna mit einem Wagen angefahren und Rebecca wurde hineingelassen. Sie stieg zu Johanna in den Wagen und begrüßte sie mit einem „Guten Morgen.“
„Dir auch einen guten Morgen Rebecca.“ sagte Johanna.
„Was soll denn heute passieren?“ wollte Rebecca wissen.
„Das weißt du nicht?“ Johanna schmunzelte. Sie kannte Andrea gut genug um zu ahnen, daß sie Rebecca nichts gesagt hatte. Diese schüttelte lediglich den Kopf und stieg zu ihr in den Wagen. Sie fuhren an der Verwaltung und einer der großen Hallen vorbei zu einem kleineren, dreistöckigen Gebäude.

Sie betraten das Gebäude und kamen in einen kleinen Empfangsbereich den sie schnell durchschritten und in einen kurzen Flur gingen. Der Raum den sie nun betraten sah aus wie eine Mischung aus einem Behandlungszimmer bei einem Arzt, einem Chemielabor und einer Schreinerwerkstatt. Auf diversen Labortischen lagen verschweißte Beutel mit unbekanntem Inhalt, auf einem anderen Tisch lag eine Stichsäge und ein elektrischer Schrauber neben einigen Holzlatten.
„Was ist das denn hier?“ fragte Rebecca erstaunt. Sie betrachtete einige Mischbehälter und eine Bohrmaschine an der ein großer Quirl befestigt war, wie man ihn in der Küche benutze.
„Das hier ist mein Labor. Hier entwickele ich alles Mögliche. Aber bei dir geht’s um was anderes. Komm, zieh dich schon mal aus. Rosalie ist gleich hier. Hast du deinen Schlüssel dabei?“
Rebecca gab Johanna den Schlüssel welchen sie von Andrea bekommen hatte und zog ihre Tunika aus.

Nun musste sie sich auf ein kleines Podest stellen und sich an zwei Stangen festhalten die neben diesem in Reichweite ihrer Arme in Boden und Decke befestigt waren. Johanna kam mit einem länglichen Plastikteil zu ihr und drückte es vorne auf die Oberseite des Hüftbandes ihres Keuschheitsgürtels. Mit einem Klicken rastete es dort ein. Nun holte sie ein zweites Plastikteil welches ähnlich aussah und ließ es auf der Rückseite des Keuschheitsgürtels einrasten. Sie richtete es noch etwas aus und schien dann zufrieden zu sein.
Nun kam sie mit einer großen Sprühflasche zu Rebecca. „Keine Angst, das ist nur Babyöl. Das brauchen wir damit die Formenmasse sich leichter ablösen lässt. Die hält sich sonst an jedem noch so kleinen Härchen fest und das tut beim Abnehmen tierisch weh. Glaub mir, das weiß ich aus Erfahrung.“ Anstatt sie jedoch mit dem Öl einzusprühen stellte sie die Flasche neben sie auf den Boden. In diesem Moment öffnete sich die Tür und eine Mittfünfzigerin in einem weißen Kittel kam zu ihnen.
„Hallo, Ich bin Rosalie Valen. Du bist Rebecca?“
„Rebecca Winter. Hallo“
„Schön. Du kannst mich Rosalie nennen. Wo tut’s denn weh?“ fragte sie.
„Im Moment nirgendwo. Ich bewege mich im Moment eigentlich genug und habe keine monotonen Belastungen.“ sagte Rebecca.
„Schade eigentlich.“ sagte Rosalie.
„Bitte?“ Rebecca sah sie leicht verärgert an.
„Entschuldige. Aber das würde es ein wenig einfacher machen, die richtigen Stellen zu finden.“ erklärte sie.
„Was denn für Stellen?“ wollte Rebecca wissen.
Rosalie schaute sie kurz an. „Dir hat niemand gesagt, worum es geht?“
„Leider nein. Ich würde das allerdings gerne wissen.“

Rosalie warf Johanna einen kritischen Blick zu. Dann begann sie zu erklären, daß sie ein Stützkorsett anfertigen wollten, welches Rebeccas Rücken bei eintöniger Belastung entlasten aber auch die Muskeln trainieren sollte und diese dazu zu bringen sich nicht zu versteifen. Dazu mussten an bestimmten Stellen an Rebeccas Rücken Luftpolster angebracht werden die nachher in das Korsett eingearbeitet werden würden.

Sie begann damit, Rebeccas Rücken zu untersuchen und abzutasten. Dabei ließ sie sich von ihr die Stellen zeigen an denen es schmerzte. Mit Hilfe der Krankenakte und einer anatomischen Tafel wurden dann kleine, verschiedenfarbige Markierungen aus Kunststoff auf ihren Rücken und ihre Vorderseite geklebt. Sie schaute sich alles noch einmal genau an und schien mit ihrer Arbeit zufrieden zu sein.
„Sag mal, wo wir schon mal dabei sind, möchtest du auch eine schmalere Taille haben? Oder etwas mehr Oberweite?“ fragte sie mit ernstem Gesichtsausdruck.
„Wie soll das denn gehen?“ wollte Rebecca wissen. Sie fühlte sich so zugeklebt nicht gerade sonderlich wohl.
„Naja, für die Oberweite könnten wir ein paar Polster mit einarbeiten. Dann hat zumindest das fertige Stützkorsett eine halbe Körbchengröße mehr. Und für eine Schmale Taille können wir noch Luftpolster mit einarbeiten die man langsam so anpassen kann, das deine Taille mit der Zeit schmaler wird.“ sagte sie grinsend.

Nun musste auch Rebecca lachen. „Lieber nicht. Ich habe so schon genug Ärger mit meinem Rücken, da muss das nicht auch noch sein.“
„Dann eben nicht.“ Auch Rosalie musste nun lachen. Sie holte zwei Klebepads von einem Tisch und kam damit zu Rebecca zurück. „So, jetzt muss ich dir mal an die Brüste gehen.“ sagte sie und begann zog die Klebefolie von einem der Pads ab. Ohne abzuwarten hob sie Rebeccas linke Brust und klebte das Pad darunter so das diese ein wenig angehoben wurde.
„Muss das sein?“ fragte Rebecca überrascht.
„Tut mir leid, aber ja, das muss sein. Wenn wir das nicht machen, werden die nachher eingequetscht. Das tut nach einer Weile dann ziemlich weh.
„Verstehe. Aber kann ich das bitte selbst machen?“
„Nein, das geht nicht. Wenn du dich jetzt bewegst, dann verrutscht alles wieder und wir können noch mal von Vorne anfangen. Und ich glaube nicht, daß du dazu große Lust hast.“
„Ehrlich gesagt nicht. Bitte.“ Rebecca gab sich geschlagen und ließ die Ärztin machen.
Diese klebte nun auch unter ihre rechte Brust ein Klebepad und trat zwei Schritte zurück. „Johanna, was denkst du? Ist das gerade?“ fragte sie.
Johanna trat zu ihr und schaute sich Rebecca eingehend an. Dann zog sie ein Gerät von der Decke herunter welches aussah wie eine Lampe. Sie schaltete es ein und auf Rebeccas Körper erschienen mehrere rote Linien. Sie richtete das Gerät aus und drehte an mehreren Einstellknöpfen so das die Linien genau waagerecht und senkrecht liefen.

„Sieht gut aus. Ich denke das können wir so lassen.“ sagte Rosalie.
„Prima. Dann die noch.“ sagte Johanna, nahm zwei runde Plastikteile vom Tisch und ging zu Rebecca. „Die müssen auch noch angebracht werden.“ sagte sie und hielt die Teile Rebecca hin, so daß sie sie genau sehen konnte.
„Na meinetwegen. Wenn es sein muss.“ sagte Rebecca, worauf hin Johanna ihr die beiden Teile, sie waren kreisrund, flach und etwa 5 Zentimeter im Durchmesser, auf die Brustwarzen klebte.
„So. Das war’s jetzt aber wirklich.“ sagte Johanna. „Aber jetzt kommt der unangenehme Teil.“
„Wie? Das war noch nicht unangenehm genug?“ Rebecca musste wieder lachen. Diese ganze Situation kam ihr reichlich grotesk vor.

„Jetzt müssen wir das Ganze noch fixieren und abnehmen. Danach bist du fertig. Aber sei froh, daß du schon den Gürtel trägst. Sonst müssten wir dir den auch noch anpassen.“ erklärte Johanna. Sie nahm nun die Sprühflasche und begann Rebeccas Oberkörper mit dem Öl einzusprühen. Dann holte sie ein Gerät aus einer Ecke hervor das aussah wie ein riesiger Staubsauger. Sie schaltete das Gerät ein und es fing leise an zu brummen. Sie nahm den Schlauch von einem Halter herunter und richtete ihn auf Rebecca.
„So, wenn ich es dir sage, dann musst du leicht einatmen und die Luft 30 Sekunden lang anhalten.“ sagte sie „Und jetzt bitte nicht erschrecken. Das wird laut und ein wenig kalt.“ Sie drückte auf einen Schalter am Ende des Schlauches. Darauf hin spritzte eine grünliche Masse aus diesem heraus auf Rebeccas Oberkörper. Diese Masse war wirklich reichlich kühl doch da sie vorgewarnt war blieb sie ruhig stehen. Johanna sprühte Rebeccas gesamten Oberkörper vom Kinn bis zum Hüftband des Gürtels dick mit dieser Masse ein und achtete darauf auch wirklich jede Stelle zu erreichen. Dann schaltete sie das Gerät aus und sie sagte „So, jetzt bitte einatmen und die Luft anhalten.“ Rebecca atmete ein und hielt die Luft an. Johanna drückte auf eine Stoppuhr die quälend langsam die 30 Sekunden zurück zählte. Als die Zeit abgelaufen war durfte Rebecca wieder atmen. Nun drückte Johanna einige Holzleisten zur Stabilisierung der Form auf die ausgehärtete Masse und trug eine weitere Schicht auf.

Johanna erklärte ihr, daß die Masse nun noch einige Minuten aushärten muss und sie sie ihr dann abnehmen würden. Nach ungefähr zehn Minuten holten sie eine Art Messer und einen dünnen Blechstreifen aus einer Schublade. „So, jetzt schön stillhalten bitte.“ Sie führte den Blechstreifen unter ihrem Arm hinter die nun gummiartige Masse und legte dann das Messer darauf. Sie zog langsam das Messer bis zum Ansatz des Keuschheitsgürtels durch die Masse und zog den Blechstreifen heraus. Das Selbe wiederholte sie auf der anderen Seite und schnitt dann mit einem anderen Messer die dort überstehende Masse ab.

Mit Rosalies Hilfe zog Johanna einmal kräftig an der Stelle wo der Schnitt entlang lief und die hintere Hälfte löste sich von Rebeccas Rücken ab. Sie nahm den Schlüssel und steckte ihn in das Schloss des Gürtels. Mit einem Klicken öffnete sich die Verriegelung mit der das Plastikteil im Hüftband verriegelt war und die Beiden konnten die hintere Hälfte abnehmen. Auf die selbe Weise nahmen die Beiden auch die vordere Hälfte ab. Alles was die Ärztin auf Rebeccas Körper geklebt hatte, befand sich nun im inneren der Form.

„So, eine Rebeccaform.“ sagte Johanna lachend als sie die beiden Hälften zusammen hielt. „Wenn du willst, kannst du dich wieder anziehen.“
Dies ließ Rebecca sich nicht zweimal sagen und zog ihre Tunika wieder an.
„In zwei Tagen ist alles Fertig zur Anprobe.“ sagte Johanna und Rebecca verabschiedete sich.

- - -

Johanna nahm noch einige Maße und brachte die Form dann zu Weberei. Dort würde sie zuerst ausgegossen werden und dieses Positiv dann an bestimmten Stellen mit einem weichen Schaum beklebt werden. Darauf kamen dann die Luftpolster und zum Schluss würde alles mit Kohle- und Kevlarfasern umwebt werden. Diese würden dann mit einem Harz laminiert werden welches unter einem Vakuum aushärten musste.

Morgen würde sie das fertige Korsett abholen und die letzten Kleinigkeiten anpassen können. Sie schaute auf die Uhr, nahm ihre Sachen und ging dann nach Hause wo Larissa anscheinend gerade dabei war, das Wohnzimmer auf den Kopf zu stellen. Die Sessel lagen verkehrt herum auf der Couch und diese war zusammen mit dem Couchtisch an die Wand geschoben während die Hälfte des Teppichs unter einer dicken Schicht Schaum verschwunden war. Larissa war allerdings nirgendwo zu sehen, allerdings konnte Johanna aus Richtung Schlafzimmer den Staubsauger hören. Sie rief ein paar Mal laut Larissas Namen in Richtung des Durchgangs, diese reagierte allerdings nicht. Wahrscheinlich war der Staubsauger zu laut. Also stellte sich Johanna in die Tür zum Wohnzimmer und wartete. Es dauerte eine gute viertel Stunde bis Larissa mit dem Staubsauger bewaffnet aus dem Flur kam. Sie sah Johanna und stellte den Staubsauger ab.
„Was wird das denn, wenn’s fertig ist?“ fragte Johanna lachend und deutete auf den eingeschäumten Teppich.
„Entschuldigung Herrin.“ stammelte Larissa „Ich hätte nicht gedacht, daß Sie so früh nach Hause kommen. Ich mache das sofort weg.“
„Kein Grund zur Panik Larissa. Wäre nur schön, wenn du mir den Weg ins Büro frei machst.“
„Ja Herrin. Ich beeile mich.“ sagte Larissa und bevor Johanna noch etwas sagen konnte, hatte Larissa auch schon den Staubsauger eingeschaltet und begann sich einen Weg durch den Schaum zu bahnen. Es dauerte einige Minuten bis der Weg vom Eingang an der Küche vorbei ins Büro vom Schaum befreit war. Larissa stellte den Staubsauger aus und kniete sich vor sie hin. „Tut mir leid Herrin. Aber ich dachte, ich könnte mal den Teppich richtig sauber machen. Immer nur saugen ist doch auch nicht das Wahre.“ sagte Larissa mit gesenktem Kopf.
„Ist doch in Ordnung. Du konntest ja nicht wissen, das ich so früh heim komme.“ Johanna ging ins Büro und schaute noch mal zur Tür heraus. „Mach alles wieder ordentlich Kleine. Aber lass dir Zeit und mach es lieber ordentlich als schnell. Wäre doof, wenn du das nochmal machen müsstest, bloß weil du jetzt hektisch wirst. Wenn du fertig bist, sag mir Bescheid, dann gehen wir essen.“

„Ja Herrin.“ sagte Larissa und knickste. Als Johanna die Tür hinter sich geschlossen hatte, begann sie damit, den Teppich gründlich abzusaugen und stellte danach die Möbel wieder an ihre ursprünglichen Plätze. Nach gut zwei Stunden stand sie mitten im Wohnzimmer und betrachtete ihr Werk. Die Hälfte des Teppichs die sie heute fertig gemacht hatte unterschied sich deutlich von der noch unbehandelten Hälfte. Aber das würde wohl bis morgen warten müssen. Sie brachte den Staubsauger zurück in den Abstellraum und klopfte dann an die Tür zum Büro.
„Herein.“ sagte Johanna von drinnen und Larissa trat ein und stellte sich neben die Tür. Sie wartete, bis Johanna sie ansprach.
„Fertig?“ fragte Johanna.
„Ja Herrin, den Rest werde ich morgen machen müssen.“
„Dann komm bitte noch mal fünf Minuten her. Dann gehen wir essen.“
„Gerne Herrin.“ sagte Larissa Sie kniete sich neben Johanna und wartete bis diese sich mit ihrem Schreibtischstuhl zu ihr drehte. Sie hatte die Schuhe und die Socken bereits abgestreift, also fasste Larissa ihren Fuß und begann diesen zu massieren.
Johanna schloss die Augen und genoss diese Massage.

Larissa massiere Johannas Fuß so wie diese es gerne hatte. Ein lächeln glitt ihr übers Gesicht als sie die Füße betrachtete und sie erinnerte sich an gestern Abend als die Herrin ihr nur mit den Füßen wahre Freudenstürme bereitet hatte. Langsam aber fest fuhr sie mit den Händen den Fuß entlang über die Waden bis zum Knie und wieder zurück. Sie legte den Fuß der Herrin vorsichtig auf ihr Bein und fasste den anderen Fuß.

Larissa wusste, daß ihre Herrin gerne etwas ganz anderes als nur diese Massage hätte, aber bisher hatte sie sich noch gescheut das zu tun. Noch musste sie mit sich kämpfen, doch sie fragte sich, was eigentlich so schlimm daran sein sollte. Sie wusste, das ihre Herrin es gerne hätte, sie aber nie dazu zwingen würde. Wahrscheinlich würde sie sie nicht einmal mehr danach fragen, nachdem sie es vor drei Wochen so vehement abgelehnt hatte. Doch was sprach eigentlich dagegen? Sie wusste genau, worauf das hinauslaufen würde und sie musste vor sich selbst zugeben, daß sie sich das insgeheim ja sogar wünschte. Sie hatte sich lange darüber mit den Anderen unterhalten und wusste daher das die Meisten fast gleichberechtigt von ihren Herrinnen behandelt wurden. Lediglich Trish war bei ihrer Freundin noch unfreier als jede Serva es sein könnte. Und das was Trish erzählte faszinierte sie mehr als sie es vor sich selbst zugeben wollte.

Sie hatte in den letzten Wochen nicht nur die gesamte Wohnung von oben bis unten gründlich geputzt sondern hatte auch viel Zeit zum Lesen gehabt. Und das, was sie gelesen hatte, hatte sie zunehmend fasziniert und je mehr sie darüber las, umso mehr wusste sie, daß sie es selbst so wollte. Nicht nur in ihrer Phantasie sondern sie wollte es wirklich erleben. Sie wollte Johanna gehören. Nicht nur als Serva. Sie hatte die letzten Tage mit sich selbst gerungen und immer wieder Argumente gefunden die dagegen sprachen. Doch mit jedem Gegenargument wurde ihr Wunsch nur noch stärker.

Während sie den anderen Fuß von Herrin Johanna, ihrer Herrin, massierte fasste sie einen Entschluss. Sie hatte vor ein paar Tagen dieses Bild gesehen was sie nicht mehr los ließ. Sie war sich vollkommen sicher, das Richtige zu tun. Langsam beugte sie sich vor und öffnete ohne zu zögern ihren Mund. Sie legte die Lippen um die Zehen ihrer Herrin und begann diese mit der Zunge und den Lippen zu massieren und zu liebkosen. Sie fragte sich, was daran denn nun so schlimm sein sollte, daß sie sich vor ein paar Wochen so standhaft dagegen ausgesprochen hatte. Sie schloss die Augen und sog langsam den Duft ihrer Herrin ein. Dieser war zwar ungewohnt aber überhaupt nicht so unangenehm wie sie es sich vorgestellt hatte. Langsam fuhr sie mit der Zunge zwischen den Zehen ihrer Herrin entlang als diese plötzlich den Fuß zurück zog.

„Was bitte soll das denn Larissa?“ fragte Johanna leise. Sie hatte gespürt, daß etwas anders war und ihre Augen geöffnet. Als sie sah, was Larissa da machte hatte sie sofort den Fuß zurück gezogen und sah nun in ihrem Gesicht eine gewisse Enttäuschung. Sie spürte, daß sich etwas verändert hatte.

„Bitte Herrin.“ sagte Larissa leise, fast flehentlich und schaute sie aus ihren Stahlgrauen Augen an.
Johanna spürte daß in diesem Moment irgend etwas mit Larissa passierte. Zwar konnte sie noch nicht erkennen, was das war und was diese Veränderung überhaupt verursacht hatte, doch im Grunde genommen war es ja genau das, was sie sich selbst ja wünschte. Aber in diesem Moment wusste sie nicht, ob sie es begrüßen sollte oder ob es nicht viel zu schnell ging. Dennoch ließ sie sich auf diesen Moment ein und legte den Fuß sacht auf Larissas Bein. Diese fasste langsam, fast zögernd ihren Fuß und hob ihn mit beiden Händen an. Dann beugte sie sich vor und legte die Lippen erneut um ihre Zehen. Johanna ließ es einfach geschehen und beobachtete mit welcher Hingabe Larissa ihren Fuß mit dem Mund verwöhnte. Nach einer Weile ließ sie jedoch von ihrem Fuß ab. Sie beugte sich noch weiter vor bis ihr Kopf auf dem Boden lag. Larissa fasste ihren Fuß und hob ihn an. Johanna ließ auch das geschehen. Auch als Larissa ihren Fuß auf ihrem Kopf absetzte und die Hände auf den Boden legte und diese kreuzte wagte sie sich nicht zu bewegen. Sie sah das Lächeln auf Larissas Gesicht, war sich aber nicht sicher ob das, was hier passierte richtig war. Natürlich, das war genau die Richtung welche sie selbst auch wollte, aber Larissa war gerade einmal sechs Wochen hier und hatte sich noch nicht einmal richtig eingelebt.

Nach einer Weile fiel es Johanna immer schwerer den Fuß der auf Larissas Gesicht lag soweit zu halten, daß er nicht mit dem vollen Gewicht auflag. Also nahm sie ihn herunter und setzte ihn auf den Boden. Sie befahl ihr aufzustehen und sich fertig zu machen. Als Larissa das Zimmer verlassen hatte, zog sie sich die Socken und die Schuhe wieder an und ging ins Wohnzimmer wo sie wartete. Als Larissa aus dem Schlafzimmer kam, verließen sie zusammen die Wohnung, fuhren mit dem Aufzug nach unten und gingen ins Zentrum wo sie zu Abend aßen.

- - -

„Was habt ihr denn erwartet?“ Frida saß im Schneidersitz auf ihrem Bett und sah den Anderen zu wie sie sich reichlich erschöpft die noch schmerzenden Beine mit einer klaren Flüssigkeit einrieben. Die letzten zwei Stunden lang hatten sie alle bewegungslos vor einer langen Wand voller Spiegel gekniet und sich dabei selbst betrachten können.
„Na du hast ja anscheinen keine Probleme gehabt.“ sagte Kira „Das geht ganz schön in die Beine.“
„Reine Übungssache. Und die bekommt ihr genug wenn ihr wirklich Serva werden wollt.“ sagte Frida ruhig. Sie hatte eine Plastiktüte neben sich liegen und knabberte die kleinen Getreidestückchen in Knochenform.
Während die Anderen sich stöhnend in die Betten legten und die Beine bewegten hatte Kira sich zu Frida gesetzt. „Wie war Mara in der Schule?“ fragte sie unvermittelt.
„Ich habe ihr Zeugnis nicht gesehen, falls du das meinst. Aber sie hat durchgehalten und sich vor nichts gedrückt. Ich glaube, sie ist ziemlich zäh.“
Kira hob nur kurz den Kopf.
„Warum willst du in die Schule?“ wollte Frida wissen.
„Ich weiß auch nicht so genau. Aber ich denke, es ist das Richtige. Studieren kann ich danach doch immer noch.“
„Erinnre mich nicht daran.“ sagte Frida. „Wenn das neue Semester anfängt soll ich auch studieren.“
„Was ist daran denn so schlimm? Sei doch froh, des deine Herrin dir das erlaubt.“
„Erlaubt? Das war die Bedingung dafür daß ich überhaupt hier sein darf.“ Frida schaute ein wenig resigniert aus.
„Das verstehe ich nicht. Ich dachte, sie hätte dich gekauft.“
Frida schüttelte den Kopf „Nein. Ich bin an die Schule gegangen damit ich nicht studieren musste. Und als ich im Probemonat bei ihr und Maja war, da habe ich mich das erste Mal wirklich wohl gefühlt. Also hab ich sie gefragt ob sie mich als ihre Serva nehmen will. Ich hab mich für fünf Jahre sozusagen verpflichtet. Aber ich wusste nicht, das sie mit meinen Eltern gesprochen hat. Und jetzt muss ich doch noch anfangen zu studieren.“
„Sowas nenne ich dumm gelaufen.“ Kira konnte sich ein leichtes Grinsen nicht verkneifen.
„Ja. Aber so macht mir das eigentlich nicht mal was aus. Das ich hier bin ist das Beste, was ich mir denken kann.“


30. RE: Neue Horizonte - 2

geschrieben von HeMaDo am 09.07.17 19:51

Nadine wachte auf als das Licht eingeschaltet wurde. Schweigend ging sie zum Eingang des Stollens wo die Aufseherinnen in ihren schwarzen Anzügen und den Gesichtsmasken aus dünnem Stoff mit dem Wagen standen und holte sich ihr Frühstück ab. Wie immer bestand es aus einem zähen, geschmacklosen Brei und einer Flasche Wasser die ziemlich seltsam schmeckte. Sie setzte sich auf ihr Bett und aß den Brei wie schon die ganze Zeit zuvor mit bloßen Fingern. Sie trank einen Schluck Wasser und holte dann den Stein unter ihrem Bett hervor um einen weiteren Strich an der Wand zu machen. Vierzig Schichten lang war sie bereits hier. Wenn jede Schicht aus acht Stunden arbeiten und acht Stunden Ruhe bestand, war das fast ein ganzer Monat den sie bereits hier war. Sie hatte mittlerweile die Hoffnung aufgegeben das jemand nach ihr suchen würde und fragte sich, wie lange sie hier bleiben musste und was danach mit ihr geschehen würde. Sie war sich sicher das sie noch ewig hier würde arbeiten müssen. Wahrscheinlich würde nicht einmal ein Unfall sie erlösen können. Sie hatte vor etwa zehn Schichten mitbekommen wie eine der Frauen einen Unfall hatte bei dem sie von einem Stein getroffen wurde, der sich beim Bohren gelöst hatte. Ihr Arm sah ziemlich schlimm aus aber die Aufseherinnen hatten sie weg gebracht und nach drei Schichten kam sie frisch gewaschen und mit einem Verband am Arm wieder zurück. Sie hatte mehrere Schichten lang nur leichte Arbeiten übernehmen müssen und als der Arm anscheinend ganz verheilt war wurde sie noch einmal weg gebracht, war aber zum Anfang der nächsten Schicht wieder zurück gebracht worden.

Gelegentlich kam es vor, das eine der Frauen eine oder zwei Schichten lang fehlte. Die Aufseherinnen schienen das nicht zur Kenntnis zu nehmen oder davon zu wissen. Jedoch waren alle diese Frauen zu Beginn der nächsten Schicht wieder in ihren Betten, waren frisch gewaschen und trugen saubere Overalls.

Sie ging zu dem Loch im Boden um ihre Notdurft zu verrichten und wusch sich dann mit dem Wasser welches die Felswand herab lief und putzte sich die Zähne. Dann war es soweit. Die drei Pritschenwagen fuhren vor und die Aufseherinnen kamen in den Stollen um sie zur Arbeit zu scheuchen.

Während der letzten Schicht hatten die Frauen die letzten Löcher in den Felsen gebohrt und mussten nun das heraus gesprengte Gestein auf die Loren laden. Sie trugen einfache Staubmasken und eine der Frauen war dazu abgestellt, das Lose Gestein mit einem Wasserschlauch zu befeuchten um den Staub wenigstens etwas einzudämmen. Nach Ende der Schicht war gut die Hälfte des Gesteins weggeschafft und sie wurden zurück in ihren Stollen gebracht. Müde aß Nadine ihren Brei und trank das Wasser. Kurz nachdem sie gegessen hatte rief die Aufseherin in den Stollen hinein, daß in fünf Minuten das Licht ausgehen würde. Sie ging noch einmal zum Loch in der Ecke. Gerade als sie zum Bett zurück kam, ging das Licht aus. Sie legte sich hin und deckte sich mit der stinkenden, kratzigen Wolldecke zu.

„Keinen Ton.“ flüsterte ihr jemand ins Ohr nachdem sie bereits fast eingeschlafen war. Die Decke wurde ihr weggezogen und jemand fasste sie am Arm und zog sie aus dem Bett. Sie wollte fragen, was das alles sollte, doch sie wollte nicht schon wieder Bekanntschaft mit dem Viehtreiber machen, also schwieg sie während sie durch den Stollen geführt wurde. Mehrere Türen wurden geöffnet und wieder verschlossen. Nach kurzer Zeit änderten sich die Geräusche der Umgebung und es kam ihr vor, als sei sie in einem wesentlich kleineren Raum. Sie hörte ein kratzendes Geräusch und kurz darauf einen dumpfen Schlag hinter sich.

„Mach die Augen zu.“ sagte die Stimme.
Wieso sollte sie die Augen schließen? War es denn nicht schon dunkel genug hier? fragte sie sich.
In diesem Moment wurde es hell um sie herum und sie nahm die Hände vors Gesicht um nicht geblendet zu werden. Langsam öffnete sie die Augen wieder und nahm die Hände herunter. Langsam gewöhnten sich ihre Augen an das Licht und sie erkundete mit ihren Augen den Raum in dem sie sich befand. Er war gut zehn Meter lang und halb so breit. An einer der Längswände standen mehrere Stühle, sie zählte zehn Stück die dicht beieinander standen. Davor gab es einen Tisch der aussah als hätte er schon mal bessere Zeiten gesehen. Die Platte wies einige tiefe Kratzer und riefen auf. Auf der anderen Seite standen drei Betten. Nur auf einem davon gab es Bettzeug welches sogar ziemlich sauber aussah. Ihr gegenüber, im hinteren Bereich des Raumes gab es eine kleine Nische welche mit einer Plastikfolie verschlossen war. Dahinter konnte sie das Plätschern von Wasser hören. Sie drehte sich um und sah eine schwere Stahltür welche mit zwei schweren drehbaren Griffen verriegelt waren. Einer dieser Riegel war mit einer Latte verkeilt. Neben der Tür standen rechts und links zwei Stahlschränke.

Vor sich sah sie eine Gestalt die einen schwarzen Overall trug und ein seltsames Gerät auf dem Kopf hatte. ’Ein Nachtsichtgerät’ schoss es ihr durch den Kopf.
„Hallo 487, ich bin 102. Du kannst mich Kati nennen.“ sagte die Gestalt und nahm das Nachtsichtgerät vom Kopf.
Nadine wollte etwas sagen, doch es kam ihr nur ein Krächzen von den Lippen. Sie räusperte sich und versuchte noch einmal zu sprechen. „Hallo. Ich bin Nadine.“ sagte sie noch immer krächzend. Obwohl ihr die Kehle beim Sprechen schmerzte, war es eine Wohltat, die eigene Stimme wieder hören und benutzen zu dürfen.
„Du stinkst.“ sagte Kati. „Am Besten, du gehst dich erst mal duschen.“ sie schob Nadine durch den Raum, zog die Plastikfolie beiseite und schob sie dann in die Nische hinein.
„Tut mir leid, aber es gibt hier unten kein warmes Wasser.“ hörte sie Katis Stimme.

’Duschen. Nichts lieber als das.’ dachte sich Nadine und zog sich aus. Sie schaute sich um. Gegenüber der Folie stand ein niedriger Stahlschrank auf dem einige kleine Handtücher lagen und in der Ecke gab es eine Dusche. Es war keine richtige Dusche sondern lediglich ein Eimer mit einigten Löchern am Boden der an der Decke hing. Mit einigen Blechstücken wurde das Wasser welches aus der Decke floss in diesen Eimer geleitet aus dem es heraus tropfte.

Im Moment war ihr egal wie die Dusche aussah und daß das Wasser recht kalt war. Sie ging unter die Dusche und begann sich zu waschen. Auf einem Vorsprung lag ein Stück Seife mit welchem sie sich gründlich wusch. Es war eine richtige Wohltat endlich den Dreck der letzten 40 Schichten abwaschen zu können.

Nach einer gefühlten Ewigkeit verließ Nadine die Dusche. Sie nahm einige der Handtücher und trocknete sich ab. Dann ging sie aus der Dusche heraus.
„Wie fühlt es sich an?“ fragte die Frau die an einer Wand lehnte und hielt ihr einen sauberen Overall hin, den Nadine schnell anzog.
„Sauber.“ sagte Nadine leise. „Wo bin ich hier eigentlich?“
„Setz dich bitte.“ sagte die Frau, Nadine schätzte sie auf höchstens Mitte 20. Sie war einen Kopf kleiner als sie selbst und hatte kurze, braune Haare. Unter ihrem schwarzen Overall konnte Nadine eine beeindruckende Oberweite erkennen.
Es war ihr bewusst daß egal was diese Frau von ihr wollte, sie kaum eine Chance gegen sie haben würde. Vermutlich hatte sie irgendwo einen Viehtreiber versteckt, also verzichtete Nadine auf jede Widerrede und setzte sich auf einen der Stühle.

Die Frau gab ihr eine Tasse und setzte sich ebenfalls. „Tut mir leid, ich habe weder Milch noch Zucker, aber dafür ist der Kaffee auch nicht besonders stark. Ich klaue mir ab und zu zwar etwas frisches Pulver aber normalerweise muss ich mit dem Kaffeesatz aus den Maschinen der Aufseherinnen leben.“ sagte sie.
„Ich verstehe nicht ganz?“ sagte Nadine. „Wer sind Sie? Und was haben Sie mit mir vor?“
„Du kannst mich Kati nennen. Bevor ich dir alles erkläre, kann ich dir noch was anbieten? Kekse, Brot, Obst, Sex, Dosenfleisch oder Wodka? Jedenfalls denke ich, daß es Wodka ist.“
„Was?“ entfuhr es Nadine laut.
„Ich weiß nicht, ob es wirklich Wodka ist. Auf jeden Fall ist es ziemlich stark.“
„Was?“ wiederholte Nadine sich und schaute verwirrt zu Kati. „Hast du mir gerade Sex angeboten?“
Kati vermied es Nadine anzuschauen. „Schau dich mal an. Du bist einen guten Kopf größer als ich und hast die letzten paar Wochen Muskelaufbauende Präparate bekommen und die Muskeln auch trainieren können. Bevor du über mich herfällst biete ich es dir also lieber freiwillig an.“
„Wieso sollte ich das tun?“ nun war Nadine endgültig verwirrt. Diese Frau hatte sie eben mit einem Nachtsichtgerät aus ihrem Bett geholt und hatte Angst daß sie über sie herfallen würde. Sie fragte sich wer hier eigentlich das Sagen hatte. Doch aus irgend einem Grund schien ihr das Angebot sogar recht verlockend.
„Du wärst nicht die Erste. Die Meisten hier unten sind schon mehr als ein halbes Jahr hier und irgendwie ist das eine Nebenwirkung der Muskelpräparate die hier alle bekommen. Ich muss mir mein Essen von den Aufseherinnen klauen, da ist das Zeug nun mal nicht drinne. Und wenn ich frage, habe ich wenigstens auch was davon.“ Kati grinste verlegen.
„Ich frage mich gerade, wer von uns Beiden hier verrückt ist.“ sagte Nadine und schaute sich Kati genauer an. Trotz ihrer wirklich beeindruckenden Oberweite erschien sie ihr eher schmächtig und schwach. Vermutlich war sie tatsächlich ein leichtes Opfer. „Was willst du eigentlich von mir?“
„Ich brauche Hilfe.“ Kati schaute sie nun beinahe flehend an. „Ich will hier raus und alleine schaffe ich das nicht.“
„Und wie soll ich dir dabei helfen? Ich habe doch selbst keine Chance hier raus zu kommen.“
„Vielleicht nicht alleine. Aber wenn ich jemanden finde, der das hier lesen kann, gibt es immerhin eine kleine Chance.“ Sie reichte Nadine eine zerfledderte Mappe mit Papieren. „Ich kann das nicht lesen. Für mich ist das alles komplett sinnloses Gekritzel. Und die Anderen die ich in den letzten vier Monaten aus dem Stollen geholt habe hatten auch keine Ahnung von sowas.“
Nadine öffnete die Mappe und schaute sich die Papiere an. „Das sind Schaltpläne von irgend welchen Maschinen.“ sagte sie nach einem kurzen Blick auf die Papiere.
„Du kannst das lesen?“ Katis Gesichtsausdruck änderte sich schlagartig. Sie wirkte beinahe euphorisch. „Das habe ich bei dem zweiten Förderschacht gefunden.“
Nun wurde Nadine hellhörig. Doch irgend etwas in ihr riet zur Vorsicht. Sollte es so einfach sein, hier heraus zu kommen? Sie fragte sich, ob das Ganze nicht vielleicht eine Falle war.

„Ich weiß nicht, ob ich das wirklich so genau lesen kann.“ log Nadine. „Aber bevor ich mir das ansehe will ich wissen, was für ein Spiel du hier spielst und was du alles weißt. Und ich will wissen, wieso du gerade mich geholt hast.“ Langsam kam ihr Gehirn welches sie die letzten Wochen kaum gebraucht hatte wieder in Gang und sie begann zu überlegen was das alles sollte.

Kati begann zu erzählen und Nadine versuchte aufmerksam zuzuhören. Kati war vor acht Monaten aus dem Gefängnis entlassen worden wo sie vier Jahre wegen kleineren Delikten verbracht hatte. Sie wollte nicht in die Schule, da sie Angst davor hatte acht Jahre als Serva dienen zu müssen. Der Richter hatte sie zu acht Jahren verurteilt aber nach vier Jahren sollte sie bereits entlassen werden. Der Transporter brachte sie allerdings nicht in ihre Heimatstadt sondern hier her und sie musste im Bergwerk arbeiten. Sie wollte fliehen und hatte sich im Dunkeln aus dem Stollen geschlichen. Sie hatte sich mehrere Tage lang vor den Aufseherinnen versteckt und sich bei diesen ein wenig zu Essen gestohlen. Dann hatte sie diesen Raum hier entdeckt der ziemlich weit abseits lag. Der Raum war offenbar früher eine Art Schutzraum gewesen in dem die Bergleute im Notfall Schutz suchen konnten. Außerdem gab es genug Lebensmittel um eine ganze Weile hier aushalten zu können.

Von hier aus hatte sie das Bergwerk durchstreift und war dabei auf einen zweiten Förderschacht gestoßen bei dem sie auch die Pläne gefunden hatte. Doch sie hatte nicht die geringste Ahnung, wie man diesen Förderkorb zum Laufen bringen konnte.
„Und wieso denkst du, jemand von den Gefangenen könnte dir helfen?“ wollte Nadine wissen „Und was passiert, wenn die Aufseherinnen merken, das jemand fehlt?“

„Ich habe bei den Aufseherinnen ein Pad geklaut. Ich dachte, ich kann damit Hilfe rufen, aber es hat keine Verbindung zum Netz. Aber damit kann ich jemanden für ein paar Tage krank melden. Und bei 180 Frauen hier unten muss doch irgendjemand dabei sein, der diese Pläne lesen kann.“ Sie machte eine kurze Pause und schaute Nadine mit einem hoffnungsvollen Blick an „Bitte, wenn du mir hier raus helfen kannst, ich tue alles was du willst. Aber ich will nicht mehr hier unten eingesperrt sein.“ Sie schaute Nadine eindringlich an „Bitte, ich tue wirklich alles was du willst wenn wir hier raus kommen. Wenn du willst, gebe ich dir das auch schriftlich.“

Aus irgend einem Grund ahnte Nadine, daß sie es wirklich ernst meinte. Doch sie war immer noch ein wenig misstrauisch. „Gibt es noch ein Nachtsichtgerät?“
„Nein, ich habe nur das eine.“
In Nadines Kopf begann es zu Arbeiten. Sie überlegte fieberhaft ob sie Kati helfen sollte und ob es das Risiko eventuell entdeckt zu werden wert war. „Wie lange noch bis meine Schicht wieder anfängt?“ fragte sie.
„Was?“ Kati schaute sie verwirrt an.
„Wann muss ich wieder aufstehen?“
„In ungefähr vier Stunden.“ sagte Kati nachdem sie auf ein Pad geschaut hatte welches bisher auf dem Tisch gelegen hatte.
„Ich muss nachdenken. Wie lange kannst du mich hier behalten ohne daß es auffällt?“
„Höchstens vier Schichten.“
„Ich weiß nicht, ob das reicht. Am Besten du bringst mich zurück in den Stollen und holst mich in drei Schichten nochmal hier her. Bis dahin habe ich lange genug Zeit gehabt zum Nachdenken.“
„Ich soll dich zurück bringen? Aber ich dachte, wenn du diese Pläne lesen kannst, könnten wir versuchen hier raus kommen.“
„Ich hatte auch mal gedacht, ich könnte alles sofort und ohne nachzudenken machen. Aber genau das hat mich hier her gebracht. Du bringst mich zurück und holst mich in drei Schichten wieder her. Und solange hältst du dich zurück und passt auf, nicht erwischt zu werden. Verstanden? Du bist schon viel länger hier als ich. Da wirst du dich noch so lange gedulden können.“ Nadine fragte sich, woher sie die Energie nahm, so energisch zu sein. Sie wollte sich keine falschen Hoffnungen machen doch alleine die Hoffnung daß es eine Möglichkeit geben könnte hier raus zu kommen gab ihr neue Kraft.

Sie ging zu der Dusche und holte ihre Schuhe. Kati gab ihr noch ein Paar saubere Socken und brachte sie ohne Zwischenfall zurück in den Stollen und in ihr Bett. Der Gestank den sie in den letzten Wochen garnicht mehr wahrgenommen hatte stieg ihr in die Nase. Doch sie zwang sich dazu sich mit der speckigen Decke zuzudecken und die Augen zu schließen. ’Ich hätte das Angebot annehmen sollen. So schlecht sieht sie nicht aus und ihre Oberweite ist wirklich beeindruckend.’ dachte sie sich noch bevor sie einschlief.

- - -

Rebecca hatte sich mittlerweile sehr gut eingelebt und sie bereute es nicht im Geringsten diese Stelle angenommen zu haben. Nur gelegentliche Gespräche mit ihrer Mutter trübten ihre Laune. Doch diese besserte sich jedes mal nach wenigen Tagen wieder.
Alles was passierte, geschah mittlerweile in einer ruhigen Routine die Rebecca sehr genoss. Sie musste sich über nichts große Gedanken machen. Bald würde der Winter kommen und alles unter einer tiefen Schneedecke begraben, doch im Moment wollte die Sonne anscheinend allen noch einmal eine Freude machen und strahlte an diesem Morgen zwischen den grauen Wolken hindurch, die am Himmel hingen wie eine Androhung des kommenden Winters.

Sie stützte sich auf den Besen und hielt sich den Rücken. Seit sie hier war hatte sie kaum noch Schmerzen. Nur ihr Bein tat hin und wieder weh wenn sie sich bückte. Anscheinend tat es ihr gut das sie immer wieder zwischen stehenden und sitzenden Arbeiten wechselte. Aber das Fegen der Einfahrt bereitete ihr jede Woche aufs Neue einige Probleme.
Sie schaute die Einfahrt hinauf, den größten Teil hatte sie bereits geschafft. Es waren nur noch ungefähr fünf Meter bis zur Straße zu fegen. Sie streckte den Rücken durch und setzte ihre Arbeit fort.
Es dauerte nicht all zu lange bis sie es endlich geschafft hatte die Einfahrt komplett zu fegen. Sie ging zurück zum Haus und betrat dieses durch die Kellertür. In dem Raum hinter dieser lehnte sie den Besen an die Wand. Dann zog sie Mantel und Stiefel aus. Sie ging die Treppe hinauf in die Küche. Dort beschloss sie die Spülmaschine noch aus zu räumen und schon mal die Bestellung für den morgigen Tag auf zu geben. Als sie damit fertig war traf sie in der Halle auf Andrea. Sie knickste und sagte „Die Einfahrt ist fertig. Ich würde dann im Kaminzimmer die Bücher abstauben.“
„Warte einen Moment.“ hielt Andrea sie auf.
Rebecca blieb stehen, drehte sich zu Andrea und fragte „Ja Herrin?“

„Rebecca, wir werden in einer Woche für ein paar Tage verreisen.“ sagte Andrea. „Außerdem habe ich hier etwas, was du dir ansehen musst.“ sie gab Rebecca ein Pad. Rebecca nahm das Pad und schaute sich das teilweise ausgefüllte Formular an.
„Ich möchte, daß du damit heute noch zu Alia gehst um das fertig zu machen. Außerdem hast du heute Nachmittag einen Termin bei Johanna.“
„Zur Anprobe nehme ich an?“ wollte Rebecca wissen.
„Genau.“ sagte Andrea. „Seh bitte zu, das für nächste Woche das violette Abendkleid fertig ist. Ansonsten brauchen wir nur einfach Alltagskleidung.“

Rebecca ging nach oben um Andreas Garderobe schon mal zu sichten. Einige Teile, unter anderem Andreas Abendkleid und auch einige ihrer Tuniken, schickte sie zur Reinigung. Dann zog sie sich um und ging zu Andrea um sich abzumelden. Diese war gerade im Salon und sprach lachend mit jemandem am Comm. Sie nickte lediglich als Rebecca zu ihr kam. Diese ging nach draußen wo es mittlerweile leicht nieselte und fuhr mit dem Elektrowagen zu dem Flugfeld am südlichen Rand des Geländes. Dort suchte sie Alias Büro und klopfte.

Es dauerte nicht einmal eine Stunde bis sie zusammen mit Alia die Formalitäten erledigt hatte. Nun durfte sie ganz offiziell die hier untergebrachten Frachtflugzeuge fliegen und hatte einen fertigen und genehmigten Flugplan auf dem Pad. Zusammen schauten sie sich noch das Flugzeug an. Es war zwar ein Frachtflugzeug aber im Frachtraum waren fünf sehr große und bequeme Sitze eingebaut worden. Es gab sogar eine kleine Küche und eine Bar sowie ein kleines aber voll ausgestattetes Bad samt Dusche. Auf dem Boden lag ein weicher Teppich und selbst die Kabinenwände waren mit weichem Stoff verkleidet. Das Ganze war sogar noch luxuriöser als ein Privatjet.
„Fehlt nur noch ein Pool.“ sagte Rebecca lachend als sie das Flugzeug betrachtete.
„Das ist keine so gute Idee. Als wir die Maschine umgebaut hatten, gab es den sogar. Aber dann gab es Turbulenzen und das ganze Wasser mitsamt der Chefin drinne ist im Passagierabteil herum geschwappt. Wir mussten die Maschine dann auf Sizilien abholen weil die Bordelektronik versagt hatte. So sauer wie damals hab ich die Chefin selten erlebt.“ berichtete Alia breit grinsend. „Und seit dem gibt es keinen Pool mehr in Flugzeugen.“
„Ich verstehe.“ sagte Rebecca lachend. Sie stellte sich Emylia vor wie sie nass und nackt mitsamt mehreren hundert Liter Wasser in der Kabine herum flog.

Die beiden unterhielten sich noch eine ganze Weile. Als es dann Zeit zum Mittagessen war verabschiedete Rebecca sich von Alia. Als sie aus dem Hangar kam in dem das Flugzeug stand, war aus dem leichten Nieselregen ein kräftiger Dauerregen geworden. Sie lief so schnell es ging zum Wagen und fuhr ins Zentrum wo sie in der Kantine eine Kleinigkeit aß. Danach fuhr zur Fabrik wo sie wieder von Johanna am Tor abgeholt wurde.

„So, alles fertig hoffe ich mal.“ sagte Johanna als sie Rebecca das Stützkorsett zeigte welches auf einem Ständer in ihrer Werkstatt stand.
Rebecca schaute sich das riesige Teil gründlich an. Es war mattschwarz lackiert und hatte an allen Rändern schmale Streifen aus Edelstahl.
„Das sieht ja ganz schön furchteinflößend aus.“ meinte Rebecca und klopfte auf das Plastik.
„Wenn man es so hier stehen sieht muss ich dir recht geben. Zieh dich bitte mal aus, dann kannst du es anprobieren.“
Rebecca legte die Tunika ab und ließ sich von Johanna erklären, wie sie es anzulegen hatte. Zuerst musste sie die Rückenhälfte in das Hüftband des Keuschheitsgürtels einhängen und sich dann an die Wand lehnen. Dann gab Johanna ihr das Vorderteil welches sie ebenfalls in das Hüftband einrasten musste. Die beiden Hälften mussten nun einfach zusammengedrückt werden. Mit einem Klicken rasteten die Verschlüsse ein die die beiden Hälften zusammen hielten.
„Das fühlt sich garnicht mal so schlimm an.“ sagte Rebecca nachdem sie sich ein wenig bewegt hatte und in der Werkstatt herum gelaufen war. Sie ging nun zu einem großen Spiegel der in einer Ecke des Raumes stand und betrachtete sich eingehend.

Das Vorderteil reichte ihr bis knapp unters Schlüsselbein so daß ihre Brüste komplett von dem Plastik umschlossen waren. Irgendwie erschienen ihr diese ein wenig größer. Auch ihre Taille erschien ihr nun ein wenig schmaler, aber sie hatte nicht das Gefühl daß diese irgendwie eingeengt war. Selbst ihr Nabel war in dem Kunststoff abgebildet. Darunter gab es drei leicht eingerückte Felder.

Das Rückenteil reichte ihr in die selbe Höhe wie das Vorderteil und die Arme waren recht knapp ausgeschnitten, ohne daß jedoch deren Bewegungsfreiheit eingeschränkt war. Am oberen Rand des Korsetts gab es mehrere kleine Vertiefungen. Rebecca wollte wissen, wofür diese waren.
„Warte, ich zeig es dir. Ist wahrscheinlich sowieso am Besten, wenn du es gleich komplett anprobierst.“ sagte Johanna und ging zu einem Tisch auf dem noch zwei Teile lagen. Diese waren ebenfalls mattschwarz lackiert. Sie holte die beiden Teile und drückte das Erste hinten auf Rebeccas Schultern die nun hinten mitsamt ihrem Nacken komplett verdeckt waren. Das zweite Teil legte sie ihr vorne auf die Schulter. Es reichte ihr bis übers Kinn, so das gerade einmal die Lippen noch frei lagen. Auch diese beiden Teile mussten angedrückt werden bis die entsprechende Verschlüsse mit einem Klicken einrasteten. Nun war Rebecca von der Taille an aufwärts bis zum Kinn komplett in Plastik verpackt. Lediglich die Arme waren noch frei beweglich. Sie konnte den Oberkörper keinen Millimeter weit bewegen und auch den Hals konnte sie weder drehen noch neigen. Selbst sprechen fiel ihr etwas schwer, wie sie feststellen musste.

„Eigentlich wollte ich dir ja ein anderes Oberteil anfertigen lassen. Da geht das Halskorsett bis über die Nase. Aber Andrea hat gemeint, das würde so reichen.“ erklärte Johanna grinsend.
„Na, danke, sowas muss ich nicht haben. Aber wo hast du denn die Maße überhaupt her? Die Form hast du doch nur bis zur Schulter genommen.“
„Wir haben den Scan aus deiner Akte genommen. Normalerweise machen wir das immer so. Aber bei dir mussten noch die ganzen Luftpolster mit rein, da ging das nicht.“ erklärte Johanna. Sie bat Rebecca, sich zu setzen und holte ein Pad vom Tisch. „So, jetzt müssen wir ausprobieren ob alles funktioniert.“
Sie tippte auf dem Pad herum und Rebecca spürte daß die Luftpolster in ihrem Rücken sich vergrößerten. „Uff.“ da bekomme ich ja kaum noch Luft.“ stöhnte sie.
„Das ist gleich vorbei. Entschuldige bitte. Aber das muss leider sein. Morgen passt Rosalie die Programme an und dann kannst du das Teil anziehen.“ Mit einem leisen Zischen entwich die Luft aus den Polstern.
„Nun noch das EMS. Das sind leichte Elektroschocks, die deine Muskeln aktivieren. Wenn es anfängt, weh zu tun, sag bitte Bescheid. Das sind jetzt sieben Muskelgruppen die wir testen müssen.“ Johanna tippte wieder auf dem Pad herum und sofort machte sich ein leichtes Kribbeln in Rebeccas Schulterbereich bemerkbar das jedoch stetig stärker wurde.
„Au.“ sagte sie. „Jetzt fängt es an, weh zu tun.“
„Gut, das war Nummer eins.“ sagte Johanna. Es folgten noch sechs weitere Bereiche die so getestet werden mussten. Der Ablauf war jedes Mal der Selbe, zuerst spürte Rebecca nur ein leichtes Kribbeln, dann fühlte sie die Muskeln in diesem Bereich zucken bis es schließlich schmerzhaft wurde.

„So, das war’s aber auch schon. Jetzt können wir dir das Teil schon wieder ausziehen. Wie gesagt, Rosalie macht noch alles fertig, dann ist das Korsett bereit.“
Rebecca war erleichtert, diese Prozedur hinter sich zu haben und war froh als Johanna ihr das Korsett ab nahm. Sie zog ihre Tunika an und fragte, ob sie fertig war.
„Ja, wir sind heute fertig. Wie hat sich das angefühlt?“ wollte Johanna wissen.
„Es geht. Anfangs war es ja noch angenehm. Aber nachher hat es richtig weh getan. Und ob mir diese Luftpolster gefallen weiß ich ehrlich gesagt nicht so recht.“
„Das ändert sich. Die werden nachher auch nicht alle zur gleichen Zeit aktiviert. Die sollen nur deinen Rücken stützen und deine Muskeln unterstützen und aktivieren. Vor allem, wenn du lange sitzen musst. Und die Stromstöße werden auch bei weitem nicht so stark werden.“ versuchte Johanna sie zu beruhigen. „Übrigens, wenn du möchtest, das kann man auch in den Keuschheitsgürtel einbauen, da haben die Stromstöße noch eine ganz andere Wirkung. Wenn du willst, red ich mal mit Andrea.“

Rebecca schaute sie mit leicht zusammengekniffenen Augen an. „Danke, aber das lassen wir mal besser. Mir langt der den ich habe schon.“
Johanna lachte. „So schlimm ist das doch garnicht, oder? Vermutlich hast du dich doch schon dran gewöhnt, oder?“
„Ehrlich gesagt schon. Jedes Mal wenn ich ihn abends ausgezogen hab, hat mir später irgendwas gefehlt und ich hab ihn wieder angezogen. Das Einzige was mich eben stört ist, daß ich nicht selbst bestimmen kann, wann ich ihn ausziehen kann.“
„Verstehe. Aber ich denke, da will Andrea sich auch nicht reinreden lassen.“
„Nein, vermutlich nicht. Aber ich hab mich dran gewöhnt. Und irgend wie find ich das auch garnicht mal so schlimm.“ Rebecca wunderte sich über ihre eigenen Worte. „Aber wenn du das Herrin Andrea erzählst, kannst du was erleben.“ fügte sie schnell hinzu.
„Willst du mir drohen?“ fragte Johanna lachend.
„Ich hab es zumindest versucht.“ gab Rebecca zu. „Aber tu mir den Gefallen, das muss sie wirklich nicht wissen.“
„Keine Angst, ich schweige wie ein Grab.“

Die Beiden unterhielten sich noch ein paar Minuten, dann verabschiedete Rebecca sich und ging nach Hause wo sie damit anfing, das Abendessen zuzubereiten. Nach dem Abendessen ging Herrin Andrea in den Salon während Rebecca noch die Küche in Ordnung brachte und alles aufräumte. Sie machte nun endlich die Bestellung für den nächsten Tag fertig und klopfte dann an die Tür zum Salon. Nach einem „Herein.“ trat sie ein, stellte sich neben die Tür und wartete.

Andrea führte über ihr Comm ein Gespräch mit irgend jemandem. Sie sah kurz auf und fragte Rebecca was sie wollte.
„Ich bin soweit fertig Herrin. Ich gehe jetzt nach oben.“
„Tu das Rebecca.“ sagte Herrin Andrea und schien leicht abwesend. „Ich wünsche dir eine gute Nacht.“
„Ihnen auch eine gute Nacht Herrin.“ sagte Rebecca und ging in ihr Zimmer. Dort sah sie, das die grüne Lampe an der Kiste leuchtete, in der der sich Schlüssel für ihren Keuschheitsgürtel befand.

Sie hatte einige sehr eindeutige Filme in der Liste gefunden. Einen davon sah sie sich an. Zwar hatte dieser Film im Gegensatz zu den meisten Anderen sogar eine richtige Handlung doch von dieser hatte sie nur wenig mit bekommen. Als der Film zu Ende war ging sie äußerst befriedigt ins Bad und duschte ausgiebig. Bevor sie jedoch ins Bett ging, legte sie den Gürtel wieder an. Es war wirklich sehr ungewohnt für sie diesen nicht zu tragen. Sie hatte einmal versucht, ohne diesen zu schlafen doch dies fühlte sich so seltsam an, daß sie Probleme hatte einzuschlafen.

Wenn sie genauer darüber nachdachte, musste sie vor sich selbst zugeben, daß sie es sogar ziemlich erregend fand, den Gürtel zu tragen und nicht zu wissen, wann sie ihn wieder einmal ausziehen durfte.

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Als Rebecca die Werkstatt verlassen hatte, schickte Johanna die Daten von ihrem Pad zu Rosalie und schob den Tisch mit Rebeccas Korsett zur Seite. Morgen würde sie die fertigen Programme aufspielen und noch einmal testen.
Nun holte sie einen anderen Tisch vor, der bisher an der Wand gestanden hatte. Sie zog das Tuch von dem Korsett welches auf dem Gestell stand und betrachtete es sich eingehend. Sie überlegte, ob das Schwarz wirklich so passend war, doch dann sagte sie sich, daß sie das später noch ändern könnte. Dieses Korsett und der dazugehörende Vollkeuschheitsgürtel, der nicht nur aus Hüft- und Schrittband bestand sondern Scham und die Pobacken komplett umschließen würde und nur eine ovale Öffnung im Bereich des Afters hatte, waren wesentlich kleiner und schmaler als Rebeccas. Sie holte das Teil welches vorhin aus der Weberei gekommen was und befestigte es auf den Schultern des Korsetts. Dieses Halskorsett reichte vorne bis über die Nase. Hinten ging es in einer sanften Rundung bis in die Höhe der Ohren, die wie auch die Augen frei bleiben würden. Sie holte ein kleines Schleifgerät aus dem Schrank, setzte sich die fremdbelüftete Staubmaske auf und schaltete die Absaugung über der Werkbank ein. Mit einem weißen Stift zeichnete sie die Konturen von Larissas Lippen nach und gab mit einem Zirkel rundherum einen Zentimeter dazu. Dann schnitt sie diesen Bereich sorgfältig aus und entgratete ebenso sorgfältig die scharfen Kanten. Als der Ausschnitt keinerlei scharfe Kanten und Ecken mehr aufwies, rührte sie ein wenig Harz an und pinselte die Kanten des Ausschnittes damit ein.

Es würde mindestens eine Stunde dauern bis das Harz ausgehärtet war und sie das weiche Silikonprofil einkleben und die Druckknöpfe für den Mundverschluss anbringen konnte. Also setzte sie sich an den Schreibtisch und schaltete den Computer ein. Auf dem Bildschirm erschien Larissas Scan und sie öffnete die Dateien des Keuschheitsgürtels, des Korsetts und des Halskorsetts.

Emylia wollte neue Ideen haben. Und die hatte sie. Sie vergrößerte einen Ausschnitt und begann im Bereich der Schulter eine Lage Kunststoff über den Scan zu legen. Es dauerte wesentlich länger als eine Stunde bis sie das Schultergelenk so an das Korsett und das Halskorsett angepasst hatte daß es sich frei bewegen ließ. Sie kopierte die Konstruktion und fügte sie spiegelverkehrt auf der anderen Seite ein. Langsam näherte sie sich dem, wie sie ihre Idee im Geiste vor sich sah. Morgen würde sie die Gelenke für die Ellenbogen konstruieren. Diese waren wesentlich einfacher hoffte sie, da diese normalerweise ja nur in eine Bewegungsrichtung zuließen.

’Hoffentlich gefällt das Larissa genauso gut wie mir.’ dachte sie sich. Zwar würde sie es für eine Vorführung sicher anziehen werden doch es wäre schade um die ganze Arbeit wenn sie es danach nicht wenigstens gelegentlich tragen würde. Aber bis es soweit ist, wird noch eine ganze Menge Arbeit einfließen müssen.

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„Habe ich etwas falsch gemacht Herrin?“ Mara stand neben dem Esstisch und hatte das Abendessen aufgetischt. Doch Julia hatte nur ein kleines Stück Huhn gegessen und den Reis und das Gemüse nur probiert.
„Tut mir leid Mara, aber ich habe heute keinen großen Appetit. Es schmeckt wirklich köstlich aber ich kann im Moment nichts essen. Tu mir den Gefallen und pack es in den Kühlschrank wenn du gegessen hast. Dann geh bitte in dein Zimmer.“
„Ja Herrin.“ sagte Mara leise. Sie war ein wenig enttäuscht weil sie sich heute wirklich große Mühe gegeben hatte. Sie wollte auf keinen Fall noch einmal dafür bestraft werden daß das Essen nicht fertig war wenn Herrin Julia aus der Klinik kam. Doch sie sah, das es ihrer Herrin wirklich nicht gut zu gehen schien.
„Kann ich irgend etwas für Sie tun Herrin?“ fragte Mara als Julia aufstand und ins Wohnzimmer gehen wollte.
„Nein Mara, wirklich nicht. Ess bitte und räum hier auf. Und dann geh bitte in dein Zimmer.“ Julia ging ohne sich um zu drehen ins Wohnzimmer und setzte sich auf die Couch.

Mara nahm sich ein Stück Fleisch, etwas Reis und Gemüse und begann zu essen. Sie fragte sich, was mit Herrin Julia los war. Sie hatte vor nicht ganz zwei Wochen noch gesagt, daß sie nur einmal im Jahr in die Klinik zur Untersuchung müsste, doch heute war sie schon wieder den ganzen Tag dort gewesen und war vor zwanzig Minuten recht niedergeschlagen wieder gekommen.
Mara räumte den Tisch ab und packte das Essen in Plastikdosen die sie in den Kühlschrank stellte. Dann reinigte sie die Arbeitsplatte und die Spüle. Im Wohnzimmer sprach Herrin Julia mit jemandem über das Comm. Doch Mara bekam von dem Gespräch nichts mit, da sie ziemlich leise redete. Mara klopfte laut an die offene Tür und wartete bis Herrin Julia sich ihr zu wandte.
„Ich gehe nach oben Herrin.“ sagte sie „Ich wünsche Ihnen eine gute Nacht.“
„Danke Mara, die wünsche ich dir auch. Bis morgen.“ sagte Julia und wandte sich wieder ihrem Gespräch zu. Mara knickste und ging nach oben. Sie duschte sich und zog das Nachthemd an. Dann ging sie in ihr Zimmer. Auf dem Nachttisch lag ein neues Spielzeug aus Herrin Julias Laden, Vermutlich hatte diese es heute morgen bereits dort hin gelegt, wie sie es schon mehrmals getan hatte. Doch heute hatte Mara nicht die geringste Lust, es auszuprobieren. Ihr ging der Gesichtsausdruck ihrer Herrin nicht aus dem Kopf als diese nach Hause gekommen war. Sie versuchte sich abzulenken und nahm das Buch welches sie heute Mittag angefangen hatte zu lesen als sie im Laden war. Irgendwann schlief sie ein und das Buch blieb aufgeschlagen auf der Bettdecke liegen. Sie schlief diese Nacht sehr unruhig und hatte sehr beunruhigende Träume die sie mehrmals aufschrecken ließen.

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„Guten Morgen Peter.“ Yanna verbeugte sich tief vor ihm nachdem sie ihm die Tür des Autos aufgehalten hatte.
„Guten Morgen Yanna. Wie kommt es, das wir uns hier treffen und nicht im Palast?“ fragte Peter und hielt der jungen Frau die Hand hin um ihr auf zu helfen.
„Irgend wann werde ich die Sarai bitten müssen, mich dafür zu bestrafen. Aber nicht heute. Sie darf von diesem Treffen nichts erfahren. Noch nicht.“ sie ging voraus, am Brandenburger Tor vorbei zu einem kleine Café. Sie führte ihn in die hinterste Ecke und hielt ihm den Stuhl während er sich setzte.
„Also, warum bin ich hier?“ wollte Peter wissen, nachdem auch Yanna Platz genommen hatte.
„Die Polizei sucht nach etwa 250 Frauen die zwar aus dem Gefängnis entlassen wurden aber nie bei ihren Sozialhelfern angekommen sind.“ begann Yanna ohne Umschweife.
„Und was hat sie damit zu tun?“
„Nichts. Naja, fast nichts. In einigen der Transportern, welche die Frauen nach Hause bringen sollten, war unsere Ware. Wir nutzen einige der Gefängnisse als Verladestellen. Da sucht niemand nach solchen Dingen. Aber die Polizei hat auf ihrer Suche nach den Frauen auch einen Teil unserer Ware gefunden. Jetzt sind sie auch uns auf der Spur.“
Eine Kellnerin kam an den Tisch und Yanna bestellte sich ein kleines Frühstück. Peter nahm dies ebenfalls.
„Außerdem haben wir erfahren das einige Anwälte ebenfalls etwas herausgefunden haben. Einer davon ist der Vater einer von Isabellas Schülerinnen. Ich habe jemanden bei ihm eingeschleust. Die Frau muss noch sieben Jahre als Serva dienen. Sie wird, wenn bei uns alles den Bach runter geht, dort bleiben. Da ist sie in Sicherheit und außerdem, kann sie auch für den Schutz des Mannes sorgen.“
Die Kellnerin brachte die Teller mit dem Essen und einen Korb frischer Brötchen. Peter belegte sich eines davon mit Schinken und begann zu essen. Nach ihm fing auch Yanna an zu essen.
„Das ist ja alles schön und gut, aber was habe ich damit zu tun? Ich bin Politiker. Und wenn man herausfinden sollte, das ich mit der Sarai in Verbindung stehe, ist meine Karriere zu Ende, bevor sie überhaupt richtig angefangen hat.“
„Das weiß ich. Und sie weiß das ebenfalls. Was denken Sie denn, warum wir uns so lange schon nicht mehr gemeldet haben? Die Sarai ist nur um das Wohl derer besorgt die ihr am Herzen liegen. Wir wollen niemanden in irgend etwas hinein ziehen.“ sagte Yanna leise.
„Um das wohl derer die ihr am Herzen liegen?“ wiederholte Peter Yannas Aussage „Und was ist mit gewissen Gegenständen die unter das Gesetz über Waffen und Technik zur Kriegsführung fallen?“
„Von irgend etwas muss man leben. Die Sarai würde niemals mit Waffen oder Drogen handeln. Und diese Gegenstände sind nunmal die Grundlage unserer Geschäfte.“ sagte Yanna ruhig.
„Eine recht zweifelhafte Doppelmoral wie ich finde. Aber gut, ich nehme an, das wird irgendwann einmal ein Ende haben.“ sagte Peter.
„Ich weiß. Und wir wissen auch, das Sie dieses Ende irgendwann herbeiführen wollen. Und genau darum möchte ich Sie bitten. Sie wollen der Polizei sowieso irgend wann einmal einen Tipp geben, wo sie uns finden können.“ Yanna warf einen kurzen Blick zu Peter. „Schauen Sie nicht so, wir wissen, daß sie das irgend wann tun müssen. Uns ist vollkommen klar, daß Sie uns bisher nur deshalb decken weil wir einige Leute in Sicherheit bringen konnten und das auch tun werden, so lange es geht. Ich möchte Sie darum bitten, genau das zu tun, nämlich mich an die Polizei ausliefern.“
„Bitte?“ Peter ließ das Brötchen sinken in welches er gerade hinein beißen wollte. „Jetzt?“
„Nein, nicht jetzt, erst wenn wir genug Beweise gegen diese Bande haben und auch deren Hintermänner kennen. Und erst dann, wenn die Sarai ebenfalls in Sicherheit ist.“
„Die Sarai? Wenn das alles passiert, sollte sie eine der ersten sein, die im Gefängnis verschwindet.“ sagte Peter. Seine Stimme klang härter als er das eigentlich gewollt hatte.
„Das werde ich nicht zulassen. Wenn ich dafür töten muss, daß das nicht passiert, ist mir das genauso recht, wie wenn ich dafür selbst sterben muss. Entweder Sie helfen mir dabei meine Herrin in Sicherheit zu bringen oder ich muss das selbst tun. Und ich fürchte, wenn ich das tue, wird es mehr unbeteiligte treffen als wenn Sie das tun.“
Peter dachte einen Moment lang nach. „Und wie soll das passieren? Wenn sie einfach so verschwindet, wird es früher oder später irgend jemanden geben, der Fragen stellt und sie zu suchen beginnt.“
„Es gibt keine Sarai, wie Sie sich denken können. Und Sarah Martino ist vor 18 Jahren in Straßburg im Rhein ertrunken. Es gibt lediglich eine Unbekannte, die einen großen Schmugglerring anführt. Und diese Frau wird in ihrem Palast verbrennen wenn die Polizei ihr auf die Schliche kommt. Sobald meine Herrin in Sicherheit ist, wird die Polizei mich gefangen nehmen. Ich werde gestehen, daß ich ihre Stellvertreterin bin und ins Gefängnis gehen. Vielleicht auch in die Schule, wenn die Richter das zulassen, aber nicht bevor sie in Sicherheit ist.“
„Ich verstehe. Und wie soll das nun passieren? Und vor Allem, wann?“
„Das wie, kann ich ihnen noch nicht genau sagen. Aber es wird passieren, nachdem der Palast abgebrannt ist.“
„Ich verstehe. Und wann genau soll ich der Polizei Bescheid geben?“ Pater trank einen großen Schluck Kaffee.
„Ich werde ihnen rechtzeitig Bescheid geben.“
„In Ordnung, ich werde tun, was ich kann, aber versprechen werde ich nichts. Aber eine Frage noch, warum soll die Sarai nichts von diesem Gespräch wissen?“
„Können Sie sich das nicht denken? Sie würde genauso handeln wie ich. Sie würde zuerst versuchen ihre Dienerinnen in Sicherheit zu bringen bevor sie an sich selbst denkt. Und genau das will ich nicht. Ich will nicht, daß sie sich für uns opfert. Sie hat nicht nur für Mich sehr viel getan.“
Peter nickte lediglich und die Beiden beendeten schweigend ihr Frühstück. Es war alles gesagt, was gesagt werden musste. Nachdem sie aufgegessen hatte, verließ Yanna das Café.

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„Hattest du nicht gesagt, daß du nicht kochen kannst?“ Kira schaute verschlafen zu Melissa die gerade die Brötchen aus dem Ofen holte und in einen Korb legte.
„Brötchen aufbacken ist ja noch lange nicht kochen.“ sagte Melissa und stellte Kira eine Tasse Kaffee auf den Tisch. „Hier, bitte sehr, mit viel Milch.“
„Danke.“ sagte Kira und trank einen Schluck.
„Erzähl, wie war es in der Schule?“ fragte Melissa neugierig.
„Es war schon ein wenig anstrengend. Aber es hat mir gefallen. Nicht das wir jeden Morgen eine ganze Stunde laufen mussten und das wir mit einer Gerte geschlagen worden sind war auch nicht so toll. Aber ich glaube schon, daß es das Richtige für mich ist. Ich werde da auf jeden Fall hin gehen. Ganz ehrlich? Ich finde daß so eine Tunika schon ziemlich schick aussieht.“ Kira grinste als sie den letzten Satz sagte.
„Ich möchten ja am liebsten nichts anderes mehr anziehen. Alleine im Winter mit Unterwäsche herumlaufen finde ich schon ziemlich komisch.“ sagte Melissa und zwinkerte ihr zu „Aber du hast Recht, daß ich nicht mehr jeden Morgen laufen muss, finde ich garnicht mal so schlimm.“
„Schade, ich hatte gedacht, wir könnten morgens zusammen laufen gehen bis ich in die Schule gehe.“ sagte Kira.
„Willst du schon mal Trainieren?“
Kira nickte und trank einen weiteren Schluck Kaffee. Sie nahm sich ein Brötchen und schmierte es sich mit Marmelade.
Melissa lachte erneut „Dann kannst du ja auch gleich die Haltungen üben. Kontrollieren kann ich sie ja, aber das mit der Gerte werde ich ganz bestimmt nicht machen.“
„Das kann ja Papa machen.“ sagte Kira und musste lachen.

„Was soll ich machen?“ Bernd war gerade die Treppe herunter gekommen und setzte sich im Bademantel an den Tisch.
Kira beobachtet ihn einen Moment und verdrehte die Augen „Kannst du das nicht lassen? Dazu habt ihr doch die ganze Nacht Zeit gehabt. Beim Essen muss das doch wirklich nicht sein.“
„Was meinst du denn?“ fragte Bernd leicht verwundert. „Ich mache doch garnichts.“
„Na, du ziehst Melissa mit den Augen aus. Und erzähl mir nicht, ihr hättet heute Nacht das Licht ausgemacht.“
Bernd schaute verlegen auf sein Brötchen und widmete der Butter die er darauf schmierte sehr große Aufmerksamkeit. „Ich weiß garnicht, wovon du redest.“
Kira grinste breit und schaute zu Melissa die von ihrem Brötchen auf sah und sagte „Was hast du denn dagegen? Das ist doch ganz normal. Jeder tut das.“
„Schon. Aber muss das unbedingt so laut sein daß ich nicht schlafen kann? In einem Halben Jahr bin ich in der Schule, dann stört mich das nicht mehr, aber ich muss mich auch mal auf meine Prüfungen vorbereiten. Und dazu gehört halt, das ich nachts ausschlafen kann.“ sagte Kira leicht pikiert.
„Ich verstehe. Auf deine Prüfungen vorbereiten. So nennt man das also.“ sagte Bernd und verkniff sich ein breites Grinsen.
„So nennt man was?“ wollte Kira wissen.
„Na, wenn ihr euch so auf die Prüfungen vorbereitet, wenn Dominique hier ist, dann hoffe ich ja, daß du vorher schon genug gelernt hast.“
Nun wurde Kira rot im Gesicht. „Du hast das mitbekommen? Du lauschst doch nicht etwa an meiner Tür? Oder?“
„Nein.“ sagte Bernd. Nun schaffte er es nicht mehr, sein Grinsen zu verbergen. „Aber wenn hier im Wohnzimmer fast die Lampen von der Decke fallen wenn ihr Beiden in deinem Zimmer seid und lernt, dann ist das doch schon offensichtlich.“
„Oh Mann, das war einmal.“ sagte Kira. „Wir sind vom Bett gefallen. Sowas passiert halt mal.“
„Ach ja? Einmal? Eine ganze Woche lang? Jeden Nachmittag? So oft kann man doch garnicht vom Bett fallen.“
„Schon gut, ich sage ja schon nichts mehr.“ Kira lehnte sich in ihren Stuhl, kreuzte die Arme und sah ihren Vater beleidigt an. Dieser grinste nur und aß sein zweites Brötchen.
31. RE: Neue Horizonte - 2

geschrieben von jonnyf am 10.07.17 12:16

Hallo HeMaDo,

wie immer verschlinge ich Deine Stories.

Gib mir doch einen Tipp, wo ich die Werkstatt von Johanna finde.
Ich möchte auch mal so ein Korsett tragen und die Enge spüren.....

Danke auch an die anderen Autoren!

Bis zum nächsten Teil
jonnyf
32. RE: Neue Horizonte - 2

geschrieben von HeMaDo am 10.07.17 18:31

Hallo jonnyf,

freut mich, daß dir meine Geschichten gefallen.


Zitat

Gib mir doch einen Tipp, wo ich die Werkstatt von Johanna finde.

Ich fürchte, diese Werkstatt gibt es so nicht. Aber die Abläufe sind schon halbwegs realistisch.
Jeder geschickte Modellbauer der mit Glas- oder Kohlefaserlaminat arbeitet, könnte sowas theoretisch hin bekommen. Eventuell könnte sowas auch ein Bootsbauer, die arbeiten auch viel mit Laminaten.

Ich selbst habe sowas früher auch mal gemacht, allerdings in wesentlich kleinerem Maßstab und nicht am lebenden Objekt.

Aber das jetzt genau zu erklären bedarf eher eines neuen Treads (wohl am Besten unter der Kategorie "selbstgebaut")


HeMaDo

33. RE: Neue Horizonte - 2

geschrieben von jonnyf am 11.07.17 11:30

Hallo HeMaDo,

deine Erfahrungen habe ich im Flugmodelbau auch gemacht.

Da stell ich mir mal vor was passiert wenn "versehentlich" das Korsett am "Model" nicht mehr abzulösen ist.

Ich denke wir sollten jetzt die anderen Leser nicht unbedingt dazu animieren.

Ich freu mich schon auf den nächsten Teil
jonnyf
34. RE: Neue Horizonte - 2

geschrieben von HeMaDo am 15.07.17 21:15

Frida lag neben Maja und hatte das Bein über Majas Knie gelegt. Ihr Fuß lag zwischen Majas Füßen und Isabellas Fuß lag auf ihrem eigenen.
„Das ist ein ganz tolles Geburtstagsgeschenk.“ sagte Maja. Sie hatte die Ringe die sich Isabella und Frida hatten stechen lassen ausgiebig bewundert und auch sehr intensiv ausprobiert. Nun lagen alle Drei reichlich erschöpft aneinander gekuschelt im Bett.
„Wir haben noch eine Überraschung für dich.“ sagte Isabella. Sie drehte sich kurz zu ihrem Nachttisch. Sie nahm die kleine Schachtel aus der Schublade und gab sie Maja. Diese nahm ihre Arme unter den Köpfen der Beiden heraus und rutschte etwas nach oben. Sie lehnte sich an den Kopfteil des Bettes und schaute sich das Päckchen an. „Was ist das?“ fragte sie.
Isabella beugte sich über Majas Bauch und gab Frida einen Kuss, bevor sie sich aufrichtete. „Mach es doch auf.“ sagte sie.
Auch Frida richtete sich auf. Sie wollte unbedingt Majas Gesichtsausdruck sehen wenn sie das Päckchen öffnete. Sie warf einen grinsenden Blick zu Isabella als Maja die gelbe Schleife aus Stoff öffnete und den Deckel von der Schachtel hob.
„Sind die für mich?“ fragte Maja. Man konnte deutlich sehen, wie sehr sie sich über die sechs kleinen silbernen Ringe freute, die in der Schachtel lagen.
„Natürlich sind die für dich.“ sagte Frida. „Wenn du willst, können wir heute noch zu Trish gehen.“
Auch Isabella grinste breit.
„Schade, das wird wohl nicht gehen. Bis nachher die Gäste kommen, sind nur noch drei Stunden und wir müssen doch noch alles fertig machen. Der Tisch muss gedeckt werden und außerdem muss das Essen vorbereitet werden. Es sind noch nicht alle Kuchen fertig und Kaffee muss auch gekocht werden.“ sagte Maja leicht enttäuscht.
„Dann geht ihr Beiden doch zu Trish, ich mache das schon.“ sagte Frida.
„Kommt doch garnicht in Frage.“ sagte Maja bestimmt. „Ich möchte daß du auch dabei bist.“
„Maja hat recht.“ sagte Isabella. „Das sollten wir schon zusammen machen. Du gehörst schließlich genauso dazu.“
Beide beugten sich zu Frida und zogen sie zu sich heran. Die Drei legten die Köpfe zusammen und küssten sich eine ganze weile bis es an der Tür klingelte.
„Jetzt schon?“ fragte Frida und schaute auf den Wecker der gerade mal halb zwölf Uhr Mittags zeigte. „Ich dachte die kommen alle erst gegen drei?“
„Gehst du bitte aufmachen?“ fragte Isabella „Es ist sowieso Zeit aus dem Bett zu kommen.“
„Ja Herrin.“ sagte Frida. Sie gab beiden noch einen Kuss und stand auf. Sie zog sich schnell eine Tunika über und ging zum Aufzug. Ohne zu fragen drückte sie den Knopf um diesen freizugeben.
Als sie sah, daß der Aufzug nach oben kam, stellte sie sich neben die Tür und wartete bis dieser angekommen war. Die Tür öffnete sich und eine Stimme sagte ein wenig schüchtern „Schönen guten Tag, ich soll hier die Schulleiterin treffen.“
„Heute?“ fragte Frida ein wenig missmutig. Sie war froh gewesen das ihre Herrin an Majas Geburtstag nicht arbeiten musste. Sie wusste, das Maja sich sehr darauf gefreut hatte, daß sie den Tag zusammen und mit ihren Freunden und ihrer Familie verbringen würden und nun kam irgend jemand und wollte etwas von ihrer Herrin als Schulleiterin.

Eine Frau mit schulterlangen, braunen Haaren kam aus dem Aufzug. Sie trug eine beige, einfache Tunika, hatte eine Reisetasche in der Hand schaute sich etwas schüchtern um. Frida musterte die Frau und trat einen Schritt zurück.
„Chris!“ rief sie laut und umarmte ihre ehemalig Mitschülerin kräftig.
„Frida.“ rief Chris. Sie erwiderte die Umarmung ebenso kräftig und schien recht erleichtert sie zu sehen.
„Chris, schön dich zu sehen.“ sagte Frida „komm rein. Die Tasche lass einfach im Flur stehen.“ sie fasste Chris an der Hand und zog sie ins Wohnzimmer. In diesem Moment kam Isabella nackt aus dem Durchgang zum Schlafzimmer. „Ach du meine Fresse.“ sagte sie, drehte sich auf dem Absatz um und ging zurück ins Schlafzimmer.
Chris schaute ihr ungläubig hinterher. „Sag mal, hatte sie eben wirklich da unten Ringe oder hab ich mich da verguckt?“
Frida musste laut lachen. „Wo schaust du denn auch hin?“ Sie trat einen Schritt zurück und öffnete ihre Tunika. Chris schaute sie noch ungläubiger an, nachdem sie diese wieder korrekt geschlossen hatte. „Du auch?“
Frida nickte lachend.
„Wo bin ich hier denn hin geraten?“ fragte sie und schüttelte den Kopf.
„Das ist Majas Geschenk.“ sagte Frida noch immer lachend. „Sie hat heute Geburtstag.“
„Heute?“ fragte Chris.
„Ja. Heute.“
„Ohje. Ich hab nicht mal ein Geschenk. Ich hab bloß dir was mit gebracht.“
„Was? Mir? Wieso denn das? Ich freue mich auch so, dich wieder zu sehen.“ gab Frida zurück.
„Das geb ich dir besser später.“ meinte Chris grinsend. „Wir Beide müssen uns sowieso noch unterhalten.“
„Wieso? Was ist denn los?“ fragte Frida neugierig.
„Ich sage nur Hundefutter.“ meinte Chris.
Darauf hin brach Frida in lautes Gelächter aus.
„So witzig haben meine Schülerinnen das nicht gefunden. Es hat ganz schön gedauert, bis ich sie wieder beruhigt habe und ihnen klar machen konnte, das sie kein Hundefutter an der Schule bekommen.“ sagte Chris ernst.

„Das habe ich ihr auch gesagt, als sie mir das erzählt hat. Da mische ich mich aber nicht ein. Du bist jetzt Lehrerin und kannst das selber.“ sagte Isabella, die nun angezogen aus dem Schlafzimmer kam.
Chris ging zu ihr, knickste und sagte „Guten Tag Miss Isabella.“
„Hallo Chris. Das brauchst du hier nicht zu machen. In der Schule ist es angebracht, aber nicht hier.“ sie ging zu Chris und umarmte sie „Schön dich wieder zu sehen.“

„Was wird das denn hier? Ich dachte, ihr Beiden wolltet anfangen den Kuchen fertig zu machen und den Tisch decken. So wir das nie alles rechtzeitig fertig.“ Maja war aus dem Schlafzimmer gekommen und schaute grinsend in die Runde.
„Sei du mal bloß froh, daß du heute Geburtstag hast.“ sagte Isabella grinsend. „Außerdem wären wir schon längst fertig, aber du musstest ja unbedingt dein Geschenk ausprobieren.“
Maja lachte, knickste vor Isabella und sagte „Entschuldige Herrin. Aber das war einfach zu verlockend. Und euch hat es ja auch Spaß gemacht, oder wollt ihr das etwa abstreiten?“
„Ich streite garnichts ab.“ sagte Isabella noch immer grinsend. „Du kennst Chris noch?“
„Sicher doch.“ sagte Maja und wandte sich zu Chris. „Hallo Chris, schön dich wieder zu sehen.“
„Hallo Maja. Ich wünsch dir alles gute zum Geburtstag.“ sagte Chris und knickste vor ihr. „Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich dir ein Geschenk mit gebracht.“
„Das macht doch nichts. Ich nehme an, du willst dich mit Isabella unterhalten. Frida und ich gehen solange in die Küche. Wir müssen uns langsam mal beeilen, sonst wird das heute nichts mehr bis der Besuch kommt.“ Sie fasste Frida an der Hand und ging mit ihr in die Küche, wo die Beiden sofort anfingen alles vorzubereiten. Frida holte eine Schale Erdbeeren aus dem Kühlschrank und wusch diese, bevor sie diese halbierte und auf einen fertigen Boden legte.
„Hee, die sind für den Kuchen, wenn du dauernd welche klaust, hab ich ein Problem.“ sagte Frida und zog die Schale aus Majas Reichweite.
„Was denn? Erdbeeren im Winter bekommt man nun mal nicht so einfach. Und ich liebe Erdbeeren.“ sagte Maja lachend.
„Was meinst du denn, warum ich die sonst besorgt habe? Ich hätte mehr kaufen sollen, jetzt hab ich wirklich nicht mehr genug für den Kuchen.“ sagte Frida schmollend und holte eine Banane aus dem Obstkorb. Sie schälte diese und schnitt sie in fingerdicke Scheiben die sie in die Mitte des Bodens legte. Sie nahm eine der letzten Erdbeeren und hielt sie Maja hin. Diese schnappte danach doch Frida zog sie schnell zurück und steckte sie sich mit einem provozierenden Blick zwischen die Zähne. Mit offenem Mund und der Erdbeere zwischen den Zähnen grinste sie Maja an. Diese kam zu ihr und legte ihre Hand fest in Fridas Nacken. Sie zog sie zu sich heran und drückte ihre Lippen auf Fridas. Dabei biss sie ein großes Stück der Erdbeere ab und gab Frida einen langen Kuss. „Dankeschön.“ sagte sie nachdem sie das Stück gegessen hatte. „So schmecken die sogar noch viel besser.“
„Stimmt.“ sagte Frida und leckte sich die Lippen. Dann ließ sie einige Blätter Gelatine aufquellen und gab nebenher etwas Wasser und einige Löffel Zucker in einen kleinen Topf. Dazu gab sie einige Tropfen Zitronensaft, etwas rote Lebensmittelfarbe und die Flüssigkeit von den Erdbeeren die sie gestern Abend schon gezuckert hatte.
„Was wird das denn? Warum nimmst du nicht einfach fertigen Tortenguss?“ fragte Maja als sie mit einem Stapel Teller an ihr vorbei ging.
„Das schmeckt so viel besser.“ erklärte sie Maja. Sie drückte die Gelatine aus und gab sie ebenfalls in den Topf. Nachdem der Inhalt des Topfes warm war und sich alles aufgelöst hatte, nahm sie einen Löffel und gab den nun fertigen Guss über den Erdbeer-Bananenkuchen und stellte diesen in den Kühlschrank.
„Wie viele von den Rührkuchen brauchen wir eigentlich?“ wollte sie wissen.
„Ich denke, zwei reichen.“ gab Maja zurück.
Frida holte die Zutaten aus den Schränken und rührte zwei Portionen Teig an, in eine davon gab sie einen Löffel Kakaopulver um ihr einzufärben. Dann schüttete sie jeweils die Hälfte des Teiges in zwei Backformen und gab dann den restlichen Teig aus der jeweils anderen Schüssel dazu. Die beiden Formen stellte sie in den Ofen und räumte dann wieder auf.

„Hee, Finger weg. Die sollten auf die Sahneschüsseln.“ sagte Frida als Maja sich eine weitere Erdbeere stibitzte.
„Tja, dann hat der Besuch eben Pech gehabt.“ sagte Maja grinsend und nahm die letzte Erdbeere aus der Schale. „Möchtest du auch eine?“ fragte sie Frida und hielt ihr diese hin.
„Ess du die mal. Ich weiß doch wie sehr du sei magst.“
„Ach komm schon, ich wette, du hast noch garkeine davon gegessen.“ sagte Maja und hielt ihr die Erdbeere hin.
„Danke.“ sagte Frida und wollte mit dem Mund nach der Erdbeere schnappen. Doch dieses Mal zog Maja die Hand zurück so das Frida nun ins Leere biss. Schnell nahm sie die Hand herunter, nahm diese unter ihre Tunika und zeigte Frida demonstrativ die nun leere Hand.
„Komm, hol sie dir.“ sagte sie lachend.
Frida schaute sie kurz an, grinste, kniete sich vor Maja auf den Boden und steckte den Kopf unter ihre Tunika. Mit der Zunge fischte sie die Erdbeere zwischen Majas Schamlippen hervor.

„Na, so ungefähr hab ich mir euer Backen ja vorgestellt.“ sagte Isabella die auf einmal mit Chris in der Küche stand.
Frida kam sofort unter Majas Tunika hervor und hielt Isabella die Erdbeere hin, die sie zwischen den Zähnen hielt.
„Da sag ich nicht nein.“ sagte Isabella und legte die Lippen auf Fridas. Sie schnappte sich die Erdbeere mit der Zunge und zerbiss sie demonstrativ.
„Lecker, Erdbeere mit Maja. So gefällt mir das.“ sagte sie, holte das Kaffeebesteck und verschwand im Esszimmer.
Frida machte einen Schmollmund und schaute ihr nach.
„Na, prima, jetzt hast du doch keine abbekommen.“ sagte Maja lachend. Sie nahm einige Tassen und brachte sie ebenfalls nach draußen.

„Was war das denn? Du und Miss Isabella und Maja? Wie kommt das denn?“ fragte Chris, die mit Isabella in die Küche gekommen war erstaunt.
„Naja, das hat sich irgendwie so ergeben.“ sagte Frida mit rotem Kopf und setzte Wasser für den Kaffee auf.
„Von wegen einfach so ergeben.“ Isabella war in die Küche zurück gekommen. Sie nahm einen Stapel Stoffservietten und gab diese Chris. „Hier, falt die mal bitte. Sie hat jeden Abend vor der Schlafzimmertür gehockt und sah morgens aus wie durch die Mangel gedreht. Nach zwei Wochen konnten wir das nicht mehr mit ansehen und haben sie einfach rein geholt.“
Frida schaute betreten zu Boden. „Komm schon Süße, ist doch in Ordnung.“ Isabella ging zu Frida, nahm sie in die Arme und strich ihr durch die Haare.

Gegen 15 Uhr kamen dann die ersten Gäste. Isabella hatte Frida zwar gesagt, sie brauchte heute nicht zu bedienen, dennoch nahm Frida diese Aufgabe sehr ernst. Chris, die von Maja eingeladen worden war, half Frida dabei, so daß diese sich auch mit den Anderen unterhalten konnte.

Erst in den späten Abendstunden gingen die letzten Gäste und auch Chris verabschiedete sich, da sie morgen ja in der Schule sein musste, wo sie den ersten Teil ihrer Ausbildung zur Lehrerin absolvieren sollte.

„Das war ein schöner Tag. Ich danke euch Beiden.“ sagte Maja, als die Drei endlich im Bett lagen. Sie beugte sich über Isabella die mit dem Gesicht zu ihr auf der Seite lag, gab Frida einen Kuss und legte den Arm auf ihren Rücken. Isabella zog sie noch näher zu sich heran und so schliefen die Drei eng umschlungen ein.

- - -

Die Decken rochen nach dem heutigen Tag frisch nach Seife und sie selbst fühlte sich auch sauber und frisch. Zu Beginn der Schicht waren sie nicht wie üblich mit den Transportern in den Stollen gefahren worden sondern mussten sich in einer Reihe an der Wand des Stollens aufstellen. Die Aufseherinnen hatten ihnen befohlen, sich auszuziehen und die Sachen alle auf einen Haufen zu werfen. Dann wurden mehrere Eimer und vier große Bottiche hereingebracht die die Aufseherinnen mit warmem Wasser füllten. Vier der Frauen mussten die Overalls und die Socken in diesen Bottichen waschen und vier weitere zogen die Decken von den Betten und mussten diese ebenfalls waschen. Drei weitere wurden mit Eimern und Handbürsten dazu abgestellt, die Ecke mit dem Loch im Boden zu putzen während die restlichen Frauen, ebenfalls mit Handbürsten, auf den Knien den Boden schrubben mussten. Nach und nach wurden je drei Frauen von vier Wärterinnen abgeholt und kamen eine gute halbe Stunde später zurück.

„486, 487 und 488, mitkommen.“ rief eine der Aufseherinnen. Nadine und die beiden Anderen ließen die Bürsten fallen und folgten der ersten Aufseherin so nackt wie sie waren durch den Stollen. Die drei anderen Aufseherinnen gingen mit Viehtreibern bewaffnet hinter ihnen her. Es dauerte eine Weile bis sie zu einer grauen Stahltür kamen. Sie wurden durch diese Tür geschoben und fanden sich in einem gekachelten Raum wieder. „Ihr habt jetzt zehn Minuten Zeit, euch zu duschen.“ sagte eine der Aufseherinnen. Sie gab jeder der Frauen ein Stück Seife und drehte an einem Ventil in der Wand neben der Tür und aus zwei großen Brausen an der Decke dieses Raumes strömte warmes Wasser. Sofort fingen die drei Frauen an sich gründlich zu waschen. Nachdem die Aufseherin das Wasser wieder abgestellt hatte, bekam jede ein großes Handtuch zum Abtrocknen. Dann wurden sie aus dem Raum wieder heraus geführt. Nadine schaute sich noch einmal um, zu gerne wäre sie noch unter der Dusche geblieben. Obwohl sie sich gründlich gewaschen hatte fühlte sie sich noch immer schmutzig und staubig. Die Aufseherinnen brachten sie weiter in den Stollen hinein zu drei Türen. Jede von ihnen musste durch eine dieser Türen gehen.

Die Aufseherin schob Nadine in den weiß gefliesten Raum hinein. Im hinteren Bereich gab es einen Vorhang der über die gesamte Breite ging. Was Nadines Aufmerksamkeit aber viel mehr erregte war der Stuhl in der Mitte des Raumes. Es war ein Stuhl wie es ihn beim Frauenarzt gab. Komplett mit Schalen für die Arme und Beine. Die Aufseherin schob sie zu diesem Stuhl. „Setzen!“ befahl sie. Nur zögerlich setzte Nadine sich auf den Stuhl und wurde sofort mit breiten Lederbändern festgeschnallt. Nicht nur an Armen und Beinen, die Aufsehern schnallte sie mit einem weiteren Riemen auch am Bauch fest. Einen weiteren Riemen legte sie ihr über die Stirn so daß sie sich nicht einen Millimeter mehr bewegen konnte. „Du wirst nur mit ja oder nein antworten wenn du gefragt wirst.“ sagte die Aufseherin und ging aus dem Raum.

Nadine versuchte, sich umzusehen doch das Einzige was sie sehen konnte war eine weiße Wand und die Tür.
„Deine Nummer?“ fragte eine Stimme hinter ihr.
„487“ sagte Nadine leise.
„Irgend welche Beschwerden? Tut dir irgendwas weh?“ fragte die Frau hinter ihr.
„Nein.“ antwortete Nadine.
„Gut. Dann wollen wir dich mal untersuchen. Du hast doch nichts dagegen?“ fragte die Frau die nun neben sie trat grinsend. Darauf hin sagt Nadine nichts. Selbst wenn sie nein gesagt hätte, hätte das vermutlich nichts genutzt. Die Frau begann sie am ganzen Körper abzutasten und mit einem Stethoskop abzuhorchen. Sie klopfte ihr mit einem kleinen Hämmerchen an verschiedene Stellen und pikte ihr mit dem spitzen Ende des Hämmerchens in die Handflächen und die Fußsohlen, was Nadine unwillkürlich zusammenzucken ließ. Die Frau trug einen weißen Kittel und betrachtete sich Nadine nun eingehend. Dann trat sie zwischen Nadines Beine und drückte ihr ein kaltes Gel aus einer Tube zwischen ihre Schamlippen und verrieb es gründlich bis in ihre Scheide hinein. Dann schob sie ihr etwas in ihre Scheide hinein und zwinkerte ihr zu. Nadine beobachtete die Frau die nun eine Art Fernbedienung in die Hand nahm und auf dieser herum drückte. Sofort begann es zwischen ihren Beinen heftig zu vibrieren. Nadine schaute die Frau mit großen Augen an. „Das gehört nicht zur Untersuchung. Aber wir Ärztinnen haben beschlossen, es euch etwas leichter zu machen, zumindest einmal im Monat. Also, genieß es einfach die nächste halbe Stunde. Ich mache derweil mal weiter.

Nadine fragte sich, was das alles sollte. Sollte sie jetzt hier vor dieser Frau vielleicht sogar noch einen Höhepunkt bekommen? Doch sie spürte tatsächlich daß sie bereits ziemlich erregt war. Sie schloss die Augen und versuchte einfach sich zu entspannen. Nach einer Weile gelang ihr das auch und ihre Erregung steigerte sich immer weiter bis diese sich in einem heftigen Orgasmus entlud. Wäre sie nicht festgeschnallt gewesen hätte sie sich vermutlich hin und her gewälzt und sich aufgebäumt, doch die Lederriemen verhinderten effektiv jede Bewegung. So wand sie sich nur ein wenig in den Fesseln und stöhnte ihre Lust laut aus sich heraus.

Nachdem der Höhepunkt abgeklungen war spürte sie ein leichtes Stechen im Arm. Sie öffnete die Augen und sah aus den Augenwinkeln, daß die Frau ihr Blut ab nahm. Sie hoffte, daß sie ihr den Vibrator herausnehmen würde oder ihn zumindest abschaltete, doch die Frau tat nichts dergleichen. Stattdessen ging sie aus Nadines Sichtbereich heraus. Sie spürte bereits wie ihre Erregung erneut zunahm als die Frau erneut zu ihr kam und damit begann ihr die Haare unter den Armen mit einer Maschine zu scheren. Als sie damit fertig war, trat sie erneut zwischen Nadines Beine und begann nun auch noch damit, ihre Schamhaare zu scheren. Die Berührung brachte Nadine zu einem weiteren heftigen Höhepunkt, den sie stöhnend über sich kommen ließ.

Auch nachdem die Frau damit fertig war Nadines Schamhaare zu scheren nahm sie den Vibrator nicht heraus. Satt dessen stellte sie sich neben sie und begann damit, sie am ganzen Körper zu streicheln. Besonders ihre Brüste bedachte sie sehr intensiv mit ihren Berührungen. Noch zwei mal kam Nadine sehr heftig und als die Frau endlich den Vibrator ausschaltete und aus ihr heraus zog fühlte sie sich schwach aber äußerst entspannt. Mit einem nassen Lappen wusch die Frau ihre Scham und die Innenseite ihrer Beine, trocknete sie ab und rieb sie mit einer Creme gründlich ein.

„So, gleich kommt die Aufseherin und holt dich wieder ab. Bis dahin entspann dich noch etwas.“ sagte die Frau und verschwand aus Nadines Blickfeld.

Es dauerte noch eine ganze Weile bis die Aufseherin kam, sie abschnallte und ihr befahl aufzustehen. Mit etwas wackeligen Beinen folgte Nadine ihr und wurde zusammen mit den anderen Beiden wieder in den Schlafstollen zurück gebracht. Dort musste sie sofort wieder die Bürste nehmen und weiter den Boden schrubben. Dadurch daß dieser aus nur grob geglättetem Fels bestand war das eine sehr mühselige Arbeit, aber immer noch besser als Löcher in den Fels zu bohren oder Schutt in die Wagen zu schaufeln.

Irgendwann waren die Decken und die Overalls gewaschen und getrocknet. Offenbar gab es wohl irgend wo einen oder mehrere Wäschetrockner denn als die Sachen zurück kamen waren sie noch ziemlich warm. Sofort mussten die Frauen sich wieder anziehen und die Decken auf die Betten legen. Dann war es auch schon soweit, das der Wagen mit dem Essen kam. Es gab wie üblich den Geschmacklosen Brei und eine große Flasche seltsam schmeckendes Wasser. Aber heute gab es zusätzlich für jede noch einen Apfel und einen Becher heißen Früchtetee. Nadine kam das nach den letzten Wochen wie ein Festmahl vor und genoss jeden einzelnen Bissen.

„In zehn Minuten geht das Licht aus. Macht euch Bettfertig.“ rief eine der Aufseherinnen in den Stollen hinein. Nadine hatte sich angewöhnt, vorm zu Bett gehen noch mal zu dem Loch in der Ecke zu gehen, um das nicht im dunkeln tun zu müssen. Dann legte sie sich in ihr Bett. Es dauerte nicht lange und das Licht wurde gelöscht.

Von irgend wo her hörte sie ein leises Stöhnen welches langsam lauter wurde. Ihr war klar, was hier passierte. Entweder hatte jemand mit sich selbst Spaß oder es lagen zwei der Frauen in einem Bett und schliefen miteinander. ’Sollen sie ruhig ihren Spaß haben.’ dachte sich Nadine.
Plötzlich kam jemand mit einer grellen Taschenlampe in den Raum und leuchtete alle Betten ab. Der Lichtstrahl der Lampe blieb auf eines der Betten gerichtet in dem tatsächlich zwei Frauen nackt zusammen lagen.
Die Aufseherin lachte. „Macht gefälligst leiser, der Alarm geht sonst wieder los.“ rief sie und verschwand wieder.
Kurze Zeit später ging das Stöhnen wieder los, dieses Mal jedoch ziemlich leise, fast als ob Diejenige eine Decke vor dem Mund hatte, was vermutlich sogar der Wahrheit ziemlich nahe kam.
„Psst.“ hörte sie direkt neben sich und jemand fasste sie am Arm. Sie fühlte nach der Person und tastete sie ab. Sie spürte ziemlich große und feste Brüste. Doch in diesem Moment fasste die Person ihre Hände und zog sie aus dem Bett. Sie wurde durch mehrere Türen geführt und als sie hinter sich ein dumpfes Geräusch hörte sagte Kati daß sie die Augen schließen sollte.
Dieses Mal war Nadine darauf gefasst und schloss die Augen. Langsam öffnete sie diese wieder und fand sich in dem selben Raum wieder wie vor drei Schichten. Kati war gerade dabei, sich das Nachtsichtgerät vom Kopf zu ziehen und schaute sie mit einem verlegenen Grinsen an. „Jetzt kannst du das gerne machen. Wenn du willst, ziehe ich mich auch vorher aus.“ sagte sie
„Bitte was?“ fragte Nadine verwirrt.
Statt einer Antwort kam Kati auf sie zu, fasste ihre Hände und legte diese auf ihre Brüste.
Nadine verdrehte die Augen und nahm die Hände von Katis festen Brüsten.
„Was denn? Gefallen sie dir nicht?“ fragte Kati und sah ein wenig enttäuscht aus.
„Sag mal geht’s dir zu gut? Ich denke, wenn wir hier raus wollen, haben wir wichtigeres zu tun.“ sagte Nadine. „Außerdem habe ich heute irgendwie genug bekommen.“
„Genug? Wo von?“ wollte Kati wissen.

Nadine erzählte ihr davon, was in der letzten Schicht geschehen war und von der Untersuchung durch die Ärztin.
„Ja, aus irgend einem Grund wollen die nicht, daß jemand krank wird.“ erklärte Kati. „Aber warum weiß ich nicht. Es wäre ein Leichtes einfach jemanden der nicht mehr arbeiten kann irgend wo in einen verlassenen Stollen zu stecken und verrotten zu lassen. Aber stattdessen päppeln sie alle wieder auf und untersuchen sie jeden Monat einmal. Wer weiß, was die nachher mit uns vorhaben wenn der Stollen fertig ist.“
„Wenn er fertig ist? Ich dachte die wollen irgendwelche Mineralien aus dem Gestein haben.“
„Das habe ich am Anfang auch gedacht. Aber ich habe vor ein paar Wochen ein paar der Aufseherinnen belauscht. Die Edelsteine sind wohl nur ein Nebengeschäft. Die Stollen sollen irgend wo hin führen. Und soweit ich das mitbekommen habe, sollen die in ungefähr sechs Monaten fertig sein.“
„Und wo hin bitte sollen die gehen? Was läuft hier für ein Ding?“ Nadine war nun neugierig geworden.
„Ich hab doch keine Ahnung. Die Aufseherinnen haben aber von jemandem namens Minsk geredet. Die wollen in ihrer freien Woche alle zu dem gehen.“
„Minsk? Die Stadt?“
„Eine Stadt? Das könnte auch sein.“
Nadine setzte sich. Sie erinnerte sich, irgend etwas im Zusammenhang mit Minsk gelesen zu haben. Als ihr einfiel, was das war, zählte sie eins und eins zusammen und schaute zu Kati. „Sag mal hast du denn überhaupt keine Ahnung? Liest du keine Zeitung?“ fragte sie.
„Wovon soll ich keine Ahnung haben? Und Zeitungen gibt es hier unten keine.“ Kati sah ein wenig entnervt aus.
„Vor zwei Jahren hast du auch keine Zeitung gelesen? Ich dachte im Gefängnis gibt es sowas.“
„Wieso denn? Habe ich irgend was verpasst?“ Kati schaute sie nun fragend an.
„Vier Milliarden Dollar.“ sagte Nadine. „Du hast vier Milliarden Dollar in Gold verpasst.“
Kati schaute Nadine mit großen Augen an. „Und die sind hier im Bergwerk?“
Nadine schüttelte den Kopf. „Nein, die sind ganz bestimmt nicht hier in diesem Bergwerk. Dann würden die sich sicher nicht die Mühe machen einen Stollen zu graben. Vor ungefähr zwei Jahren stand das ganz groß in allen Zeitungen. Die haben einen Teil des Goldvorrates der Europäischen Staatengemeinschaft in ein verlassenes Bergwerk in der Nähe von Minsk geschafft. Alles unter den größten Sicherheitsvorkehrungen. Angeblich kommt nicht mal eine Maus auf das Gelände.“
Nun setzte sich Kati ebenfalls und sah Nadine grinsend an. „Dann werden wir reich?“

Nadine schaute sie unverwandt an. „Reich?“ rief sie aus. „Reich? Bist du eigentlich komplett bescheuert? Wir sind tot wenn die das fertig bringen. Und zwar alle hier. Glaubst du etwa ernsthaft, die rechnen nicht damit das sich jemand dahin durch gräbt? Die werden ohne mit der Wimper zu zucken auf alles schießen, was sich bewegt.“ Nadine ließ den Kopf auf den Tisch sinken.

Sie schüttelte den Kopf und setzte sich gerade hin. „Wenn wir Pech haben, haben die schon gemerkt, daß irgend was nicht stimmt. Die werden merken wenn irgend jemand in der Nähe eines riesigen Tresors mit Sprengstoff rum hantiert. Und dann werden sie wissen wollen, wo das her kommt und irgendwann dieses Bergwerk hier finden. Verdammte Scheiße, wir müssen hier so schnell wie möglich weg.“
Kati sah Nadine betreten an. „Und was sollen wir jetzt machen?“

„Gib mir mal die Pläne her.“ sagte Nadine. „Und dann meldest du mich krank, damit die nicht nach mir suchen.“
Kati holte die Pläne aus einem der Schränke neben der Tür und legte sie Nadine hin. Diese begann sofort sich die Zeichnungen und Schaltpläne anzusehen während Kati auf dem Pad herum tippte.
„Ich habe dich für vier Tage abgemeldet. Du bist im Krankenrevier weil du dir die Hand verstaucht hast.“ sagte Kati.
„Du hattest doch Kaffee hier.“ sagte Nadine während sie die Pläne studierte. Sofort ging Kati in die Duschecke und begann auf einer Herdplatte Wasser zu kochen. Es dauerte ungefähr zwei Stunden bis Nadine sich einen Überblick verschafft hatte. „Du kannst nicht zufällig kyrillisch lesen?“
Kati, die die ganze Zeit über neben Nadine gesessen hatte, beugte sich neben ihr zu den Plänen und schaute darauf. Die Pläne selbst waren zwar in englisch verfasst aber eine menge handgeschriebener Notizen waren in kyrillischer Schrift geschrieben. Das Wort прочь stand an mehreren Stellen in den Plänen.
„Nein, tut mir leid.“
„Ich muss mir das ansehen. Außerdem brauchen wir Werkzeug. Wie lange brauchen wir bis zu dem anderen Förderschacht?“
„Alleine brauche ich ungefähr drei Stunden bis da hin. Aber du hast kein Nachtsichtgerät.“
„Hast du keine Lampen?“
„Doch, aber die benutze ich nicht so gerne. Dann hab ich immer Angst, die Aufseherinnen könnten mich sehen.“
„Wieso eigentlich nur Aufseherinnen? Wieso sind keine Männer hier?“ sprach Nadine ihre Gedanken aus.
„Ich weiß auch nicht.“ Kati war über diesen plötzlichen Themenwechsel ein wenig erstaunt. „Aber manchmal kommen auch Männer runter. Die untersuchen die Steine und vermessen irgendwas. Das hab ich mitbekommen bevor ich abgehauen bin.“

Nadine stand auf „Sag mal hast du ein Klo hier?“
„Ich hab nur einen Eimer.“ Kati deutete in die Ecke mit der Dusche.
Nadine ging in die Ecke und legte sich, als sie zurück kam in das einzige Bett auf dem einige Decken lagen.
„Hast du nicht gesagt, wir müssen so schnell wie möglich hier weg? Außerdem ist das mein Bett.“ protestierte Kati.
„Erstens bin ich müde. Normalerweise würde ich jetzt schlafen. Außerdem, wird es auf ein paar Stunden nicht ankommen. Und zweitens sind da noch Betten frei.“
„Ich habe aber keine Decken mehr.“
Nadine verdrehte die Augen. „Dann leg dich eben mit dazu.“
Kati sah Nadine eine Weile unverwandt an und legte sich dann zu Nadine ins Bett. Blieb aber ganz nah an der Kante liegen.
„Meine Güte, stell dich doch nicht so an. Vorhin wolltest du dich noch für mich ausziehen.“ Sie legte den Arm um Katis Bauch und zog sie zu sich heran. Sie deckte sich und Kati zu und schloss die Augen.

Irgendwann wachte Nadine von einem Geräusch auf. Sie öffnete langsam die Augen und sah, das Kati sich an sie gekuschelt hatte und leise weinte. Sie wusste nicht, wie sie sich verhalten sollte. Doch sie legte die Hand auf Katis Rücken und begann sie zu streicheln.
„Ich habe Angst.“ sagte Kati leise schluchzend. „Ich will hier endlich raus.“
Nadine wusste nicht, was sie sagen sollte. Ihr ging es ja selbst nicht besser. Also streichelte sie Kati einfach weiter, bis diese sich nach einer ganzen Weile ein wenig beruhigt hatte.
„Bitte helf mir, hier raus zu kommen. Ich mache auch alles was du willst.“ sagte sie leise.
„Das hast du schon einmal gesagt. Und wenn ich will, gibst du mir das sogar schriftlich.“ sagte Nadine und lachte leise.
„Wieso lachst du mich aus? Ich meine das wirklich ernst. Ich will einfach nur noch hier raus kommen. Dann kannst du alles mit mir machen was du willst.“ sagte Kati mit weinerlicher Stimme.
„Hör mal, wenn ich sowas wollte, hätte ich mir schon vor ein paar Jahren eine Serva kaufen können.“ Nadine ahnte, in welche Richtung dieses Gespräch gehen würde wenn sie jetzt nicht gegensteuerte. „Ich bin nun mal kein besonders geselliger Mensch.“

Nadine blieb noch eine Weile liegen, schob Kati aber dann aus dem Bett und stand selbst auf. „Wir brauchen Wasser und was zu Essen. Außerdem brauche ich was zum Schreiben und das Pad. Und Lampen brauchen wir auch. Hast du Werkzeug?“
Wortlos holte Kati zwei große Flaschen die sie auf den Tisch legte. Dazu legte sie eine Schüssel und zwei silbrig glänzende Beutel. Dann holte sie einige Blätter deren Rückseiten unbeschrieben waren und einen Bleistift. Dazu legte sie noch zwei kleine und eine große Zange, drei Schraubenzieher sowie ein Taschenmesser welches sie aus der Hosentasche holte und zwei Handlampen. Dann nahm sie einen großen Stoffbeutel und legte ihn ebenfalls auf den Tisch.
„Was ist das?“ fragte Nadine und deutete auf die Beutel.
„Das ist der Brei den es zu Essen gibt. Das reicht für ungefähr vier Portionen. Ich mag das Zeug eigentlich nicht. Was Anderes hab ich aber nicht was wir mitnehmen können.“
„Egal, das muss reichen. Aber das Werkzeug ist doch wohl ein schlechter Scherz, oder?“
„Leider nein. Mehr hab ich nicht gefunden.“
„Na, meinetwegen.“ Nadine nahm eine der Lampen und gab Kati den Beutel und die zweite Lampe.
Kati steckte das Pad in eine Tasche ihres Anzugs. „Wir müssen bis zum ersten Durchgang mit dem Nachtsichtgerät gehen. Danach können wir Licht machen.“
„Meinetwegen.“ sagte Nadine. „Dann los. Wenn wir noch warten, haben wir auch nichts davon.“

Kati nahm das Nachtsichtgerät welches auf einem der Stühle lag und mit einem Kabel an einer Steckdose steckte. Es zeigte das die Batterie voll aufgeladen war die für etwa 24 Stunden reichen würde. Auch die Lampen waren voll aufgeladen und würden ebenso lange halten. Sie nahm noch ein Stück Seil aus einem der Schränke und gab es Nadine.
„Was soll ich damit?“
Kati band ihr das eine Ende ums Handgelenk. Das andere Ende band sie um ihr eigenes.
„Na toll, jetzt hast du mich an der Leine.“ sagte Nadine lachend.
„Wenn du willst, kannst du mir das nachher um den Hals binden, dann hast du mich an der Leine. Aber im Dunkeln ist es besser, wenn ich dich führe.“ sagte Kati. Nadine sah ihr an, daß sie das vollkommen ernst meinte und musste grinsen.
„Ich mache jetzt das Licht aus.“ sagte Kati und setzte sich das Nachtsichtgerät auf.
Sie schaltete das Licht aus und öffnete die Tür. „Wir müssen leise sein. Weiter vorne im Stollen sitzen manchmal zwei Aufseherinnen wenn das Licht an ist.“ Sie zog Nadine hinter sich her während sie durch den Stollen ging.
Nach einer Weile hörte Nadine wie sie eine Tür öffnete. Kati zog sie durch diese hindurch und schloss sie wieder. Dann schaltete sie die Lampe an.
„Hier kommen die Aufseherinnen nie her.“ sie schob mit dem Schuh etwas Staub direkt vor der Tür zu einem Haufen zusammen.
„Gut, dann gib mir die Lampe. Du hast ja das Nachtsichtgerät.“
Kati gab Nadine die Lampe und löste in deren Schein das Seil von ihrem Handgelenk. Dann wand sie es sich um den Hals.
„Was soll das denn?“ fragte Nadine.
„Damit wir uns nicht verlieren.“ sagte Kati ernst.
Nadine schüttelte den Kopf. Sie wollte ihr jetzt nicht widersprechen und folgte ihr.

Der Stollen war groß genug das man mit einem Auto, wahrscheinlich sogar mit einem Kleinlaster hindurch fahren konnte und so kamen sie recht gut voran. Nach einer ganzen Weile, Nadine hatte die Schritte gezählt und war bei ungefähr 8000 Schritten angekommen, gabelte sich der Stollen. Der Stollen zur Rechten war etwas kleiner als der Andere. Kati ging den linken Weg.

„Sag mal, ich hab dich das letzte Mal schon gefragt, warum du ausgerechnet mich mit genommen hast.“ sagte Nadine.
Kati blieb kurz stehen und sah sie an. Dann ging sie weiter und sagte „Das war komisch. Ich hatte schon acht Frauen aus den Schlafstollen geholt. Aber niemand konnte mir bei dem Plan helfen. Und als ich dich geholt habe, da lag da die Papierblume auf deinem Bett.“
„Eine Blume?“ nun blieb Nadine stehen und sah sie an als sei sie verrückt geworden.
„Ja, eine Blume. Aus Papier gefaltet. Genau wie damals auf dem Koffer mit dem Nachtsichtgerät.“
„Was? Das war nicht in dem Schutzraum?“
„Nein, in dem Schutzraum habe ich nur die Lampen gefunden. Ich bin durch die Stollen gegangen und habe nach einem Weg nach draußen gesucht. Und als ich mich vor einer der Aufseherinnen verstecken musste bin ich in eine Nische gekrochen. Als die Aufseherin weg war, habe ich im Stollen was weißes liegen sehen. Das war auch eine Blume aus Papier. Die lag auf dem Koffer mit dem Gerät. Ohne die Blume hätte ich den Koffer niemals gesehen.“
„Du willst mich doch verarschen. Das hieße ja, jemand wollte daß du das Gerät findest. Und daß du ausgerechnet mich mit nimmst.“
„Ich weiß nicht. Aber vor dem Durchgang wo wir eben durch sind, habe ich auch so eine Blume gefunden. Sonst wäre ich nie da durch gegangen und hätte den zweiten Schacht nie gefunden.“
Nadine ging weiter und zog Kati einfach mit. Sie dachte darüber nach was es mit dieser Blume wohl auf sich hatte.

„Als du mir die Schokolade gegeben hast, war das auch wegen so einer Blume?“ fragte sie nach einer Weile.
„Schokolade?“ Kati sah sie fragend an. „Ich habe dir keine Schokolade gegeben. Ich würde sonst was tun um mal wieder Schokolade zu essen.“
„Verstehe.“ sagte Nadine. Sie fragte sich, ob es da einen Zusammenhang gab.

Irgendwann kamen sie an ein großes Tor, groß genug für ein Auto. In der gemauerten Wand befand sich neben dem Tor noch eine Tür. Kati öffnete diese und sie gingen hindurch.
„Jetzt ist es nicht mehr weit.“ sagte sie und deutete nach vorne.
Die Zwei beschleunigten ihre Schritte und kamen nach wenigen Minuten ans Ende des Stollens. Sie befanden sich mitten in einer hohen Halle wieder, die aus dem Felsen gehauen worden war.

Staunend leuchtete Nadine in der Halle umher. Direkt ihnen gegenüber befand sich ein riesiges Gestell aus blau lackierten Stahlträgern. Breite Treppen führten links an diesem Gestell entlang nach oben. In dem Gestell befanden sich in drei Etagen große Gittertüren. An den Wänden gab es zwar mehrere Lampen die jedoch nicht eingeschaltet waren. Nadine verfolgte mit dem Lichtkegel der Lampe die Kabel die zu den Lampen führten bis sie einen gelben Schaltschrank fand an dem alle diese Kabel zusammen liefen. Sie ging zu diesem und suchte nach dem Lichtschalter. Tatsächlich waren einige der Schalter mit einem Lampensymbol gekennzeichnet. Sie drückte auf einen dieser Schalter doch nicht passierte. Auch bei den anderen Schaltern passierte nichts. Sie drückte der Reihe nach auch die anderen Schalter bis auf einmal irgend wo rasselnd ein Motor anlief und ein leichter Luftstrom zu spüren war. Sie drückte den Schalter noch einmal und der Luftstrom versiegte.
„Das hab ich auch schon versucht. Aber der Fahrstuhl läuft trotzdem nicht.“ sagte Kati.
„Der wird von hier auch nicht angeschaltet. Gib mir mal den Schraubenzieher.“ sagte sie zu Kati die da stand und sie beobachtete.
„Was hast du vor?“
„Ich will Licht machen. Los, gib schon her. Und nimm endlich das blöde Seil von deinem Hals ab. Sonst erdrosselst du dich noch.“
Kati holte einen Schraubenzieher aus der Tasche und gab ihn Nadine, dann löste sie den Knoten des Seiles und nahm es sich ab. Nadine hebelte mit dem Schraubendreher die Tür des Schaltschrankes auf und leuchtete hinein. Sie fand mehrere Reihen Sicherungen, doch die meisten davon waren kaputt oder fehlten. Sie schraubte eine der ganzen Sicherungen aus der Halterung und schraubte diese in eine andere Halterung hinein. Wieder drückte sie auf die Schalter mit den Lampensymbolen und einige der Lampen gingen an. Sie tauchten die Halle in ein spärliches Licht. Sie suchte noch eine weitere ganze Sicherung und drehte sie in eine weitere Halterung. Sofort gingen weitere Lampen an.

„So gefällt mir das schon besser.“ sagte Nadine und schaute sich noch einmal in der Halle um. Sie war wirklich riesig, mindestens drei Stockwerke hoch. Und an einer Seite standen mehrere Elektroautos und sogar ein kleiner Radlader. „Warum fährst du nicht damit?“ fragte sie Kati.
Diese schaute ein wenig verlegen. „Ich hab doch keinen Führerschein.“
„Du hast was?“ Nadine schüttelte den Kopf. „Du willst mir sagen, hier stehen Autos rum und du nimmst sie nicht, weil du keinen Führerschein hast? Du hattest wer weiß wie lange Zeit, zu probieren wie man diese Dinger fährt und hast es nicht gemacht weil du keinen Führerschein hast? Wie bescheuert bist du eigentlich?“
Kati schaute sie noch immer verlegen an und nickte.
„Du hast sie doch nicht mehr alle.“ sagte Nadine kopfschüttelnd. „Wen bitteschön interessiert das hier?“

Kopfschüttelnd ging Nadine die Treppe nach oben und schaute sich alles gründlich an. Auf der obersten Etage fand sie einen weiteren Schaltschrank. Dessen Türen standen weit offen und sie konnte erkennen daß dort einige Teile ausgebaut waren. „Bring mir mal den Plan her.“ rief sie Kati zu die noch immer unten stand und zu ihr schaute. Sie kam die Treppe hinauf und gab Nadine den Plan.
„Sag mal weinst du?“ fragte Nadine als sie Katis Gesicht sah.
Diese wandte sich von ihr ab und wischte sich mit dem Ärmel durchs Gesicht.
Nadine seufzte leise und ging zu Kati. Sie drehte sie um und nahm sie in den Arm. „Sag jetzt bitte nicht, das du weinst weil ich gesagt hab, du hast sie nicht mehr alle.“
„Ich hab halt nicht dran gedacht, daß das hier egal ist.“ sagte Kati leise und schniefte.
„Komm schon, so war das doch nicht gemeint.“ Nadine streichelte ihren Rücken und versuchte sie zu beruhigen. „Komm, ist alles wieder gut. Das kommt nicht wieder vor.“

Als Kati sich endlich wieder beruhigt hatte, ließ Nadine sie gehen. Sie nahm den Plan und suchte einige Blätter heraus. Zwischendurch warf sie immer wieder einen Blick in den Schaltschrank.
„Ich weiß jetzt, was das Wort was überall im Plan steht heißt.“ sagte sie. „Das heißt sowas wie ’weg’.“
„Woher weißt du das? Ich dachte, du kannst kein Russisch?“
„Ganz einfach.“ sagte Nadine resigniert. „Weil alle Teile bei denen im Plan dieses Wort steht, weg sind.“
„Und jetzt?“
„Jetzt brauch ich ein paar Minuten zum Nachdenken.“ Nadine setzte sich aufs obere Ende der Treppe und schaute sich den Plan an. Immer wieder blätterte sie die Seiten um und fuhr mit dem Finger die Linien nach.

Irgend wann stand sie auf und ließ sich von Kati das restliche Werkzeug und das Pad geben. Dann ging sie zu dem Schaltschrank und begann damit, die noch vorhandenen Kabel heraus zu bauen. Sie warf immer wieder einen Blick in den Plan und klemmte die Kabel an anderen Stellen wieder an. „Hast du ein Kabel das man an das Pad anschließen kann?“ fragte Nadine.
„Ich hab nur das hier. Das ist zum aufladen.“
„Bestens.“ Nadine nahm ihr das Kabel aus der Hand, schnitt es mit dem Taschenmesser in der Mitte durch und legte die Enden der einzelnen Leitungen frei.
„Spinnst du? Dann können wir das nicht mehr aufladen.“ fragte Kati entsetzt.
„Stell dich nicht so an. Wenn das funktioniert, brauchen wir das Pad nicht mehr. Und wenn es nicht funktioniert, dann flicke ich es wieder. Aber dann haben wir ein ganz anderes Problem.“ Sie nahm das abgeschnittene Ende und klemmte zwei der Leitungen aus dem Kabel an einem gut fingerdicken, grünen Kabel an und steckte den Stecker in das Pad. Das Display des Pads flackerte kurz auf und zeigte dann ein neues Bild.
„VERBUNDEN“
stand nun auf dem Pad. Daneben befanden sich mehrere Auswahlfelder.
„Was ist das?“ wollte Kati wissen.
„Das sind Netzwerkknoten. Das Ganze hier ist eine verteilte Steuerung. Sowas altes hab ich zwar schon seit der Ausbildung nicht mehr gesehen aber ein Bisschen was ist noch hängen geblieben.
Sie begann damit, mehrere der grünen Kabel freizulegen und diese ebenfalls mit dem bereits zusammengeklemmten Kabeln zu verbinden, worauf hin immer mehr Auswahlfelder auf dem Pad erschienen.
„Qapla´!“ rief Nadine aus als das Pad wieder ein anderes Bild zeigte.
Kati sah sie entgeistert an. „Was war das denn?“
„Entschuldige. Das kommt aus einer uralten Fernsehserie. Ich hab doch gesagt, ich bin kein sehr geselliger Mensch. Anstatt mich mit anderen Menschen herumzuplagen schaue ich mir lieber abends solche Serien an.“ sagte Nadine entschuldigend. Sie deutete auf das Pad. „Irgend wo steht ein Knoten auf dem alle Schaltpläne gespeichert sind. Das Pad hat die automatisch bekommen als ich es angeschlossen habe.“ Sie widmete sich wieder dem Pad und tippte einige der Schaltflächen an.

„Ich kann nur hoffen, das тормоз sowas wie Automatik heißt.“ sagte sie mehr zu sich selbst.

Kati rührte während dessen in einer Schüssel das Pulver aus einer der beiden Beutel mit etwas Wasser zu einem dicken Brei an. Sie ging zu Nadine zurück und gab ihr die Schüssel. Abwesend begann Nadine den Brei mit bloßen Fingern zu essen während sie weiterhin Kabel umklemmte und auf dem Pad herum tippte. „Warum steht hier eigentlich alles auf russisch? Wollten die nicht, daß es jeder lesen kann?“ überlegte Nadine laut.
„Ich habe aber auch einen Löffel.“ sagte Kati, nachdem Nadine ihr die nur noch halbvolle Schüssel wieder gegeben hatte.
„Das sagst du mir jetzt?“
„Entschuldigung.“
„Schon gut. Schau dich bitte mal um ob du irgendwo einen Schalter findest mit dem man den Förderkorb hier runter holen könnte.“
Mit der Schüssel in der einen und dem Löffel in der anderen Hand ging Kati zu den Gittertüren und schaute sich um.

„Hier ist ein Schalter. Da steht ’rufen’ drauf.“ sagte sie als sie in der mittleren Etage stand. „Ich drücke mal drauf.“
„Nein!“ rief Nadine. Doch da war es schon zu spät. Im Schaltschrank gab es einen lauten Knall und einen Blitz und sie sprang vor Schreck einen Meter weit zurück. Vor der obersten Gittertür blieb sie liegen und hörte in der Stille ein Geräusch aus dem Schacht. Sie hörte genauer hin und hörte erst ein Rauschen, dann ein immer lauter werdendes Rumpeln. Doch plötzlich hörte sie ein anderes Geräusch. Es klang wie eine sehr sehr tiefe Klaviersaite die man unter voller Spannung durchschneidet. Die Erkenntnis was da gerade passierte traf sie wie ein Schlag. „Kati, weg da!“ schrie sie. „Lauf.“
Sie rappelte sich auf und rannte die Treppe hinunter. Im Laufen sah sie, das Kati noch immer vor der Gittertür stand und sich nicht bewegte. Sie sah Nadine an wie ein Kaninchen eine Schlange anschaut.

Nadine drehte sich um, lief die Treppe wieder nach oben und rannte zu Kati. Doch als sie gerade auf der mittleren Etage ankam wurde aus dem Rumpeln schlagartig ein ohrenbetäubender Lärm als der Förderkorb auf dem Boden aufschlug und unter lautem Kreischen zerbarst. Die Geräusche als Metall auf Metall rieb gingen durch Mark und Bein und überall flogen kleine und große Metallteile durch die Gegend. Das Gestell mit der Treppe erzitterte und Nadine wurde zu Boden gerissen. Doch sie raffte sich so schnell es ging wieder auf. Die Tür vor der sie Kati stehen sah, wurde von einem Metallteil aufgestoßen und traf Kati an der Schulter, die von dem Schlag durch die Gegend geschleudert wurde, gegen das Geländer flog und vor diesem liegen blieb. Die Geräusche verstummten langsam bis auf ein sich stetig wiederholendes Knallen und Schaben.

So schnell sie konnte lief Nadine zu Kati, fasste sie unter den Armen und zog sie gerade noch rechtzeitig vor der nun leeren Türöffnung weg. Nur einen Augenblick später schlug das zerfledderte Ende des armdicken Stahlseiles genau an der Stelle auf den Boden wo Kati eben noch gelegen hatte, riss einen Teil des Gitterrostes weg und blieb dort liegen. Das Geländer an dieser Stelle war vom Ende des Seiles einfach in zwei Hälften geteilt worden. Sie sah zu Kati und war erleichtert, diese noch rechtzeitig weggezogen zu haben. Doch als sie sie genauer ansah, stockte ihr der Atem. Katis Gesicht war voller Blut und auch an der Schulter befand sich eine blutende Wunde.



35. RE: Neue Horizonte - 2

geschrieben von *Gozar* am 16.07.17 09:12

*KREISCH*

Du kannst doch jetzt nicht aufhören!

*fingernägelkau*

Mach bloß schnell weiter!

Ähm "BITTE" meine ich

hihi
*smile*

War grade so im Lesefieber.

Aber mal ehrlich.
Die Storry ist echt klasse. Schreib bitte schnell weiter.

Gruß Gozar
36. RE: Neue Horizonte - 2

geschrieben von Friedet am 17.07.17 04:39

Hallo HeMaDo,

Da kann ich mich nur den Worten von Gozar anschließen.

Wie soll man diese Story bewerten? mir fällt nur WOW ein. Du baust eine Wahnsinns Spannung auf. Echt klasse.

Auch ich kann immer nur mit Spannung auf die nächste Folge hoffen.

Danke

Friedet

Honi soit qui mal y pense!
Kontakt hier im Forum oder [email protected]
37. RE: Neue Horizonte - 2

geschrieben von Zwerglein am 17.07.17 12:45

Ich hatte gestern Abend noch 3 mal einen längeren Kommentar geschrieben.
Aber jedesmal kam nur "ERROR"
darum mache ich es jetzt ganz kurz und bedanke mich nur für die tolle Fortsetzung.

-----
Gruß vom Zwerglein
38. RE: Neue Horizonte - 2

geschrieben von Ihr_joe am 17.07.17 22:26

Nicht KREISCH!

Das ist ja Folter, eine Kreide kratzt auf der Tafel, die Haut wird zur Gänsehaut!

Nein, das ist es nicht! Nicht für mich.
Aber spannend und schön geschrieben

Ich mag es nach wie vor, auch wenn es nicht unbedingt meine Neigungen anspricht, deshalb fühl Dich gebauchpinselt!
(Aber nur wenn du so was magst...)

Danke Ihr_joe
39. RE: Neue Horizonte - 2

geschrieben von HeMaDo am 18.07.17 19:24

Es tut mir ehrlich leid, aber der Cliffhanger musste leider sein. Ich hätte sonst diesen Teil nie fertig bekommen.

Ich hoffe doch, daß ich die Spannung noch eine Weile aufrecht halten kann. So ganz am Ende ist diese Geschichte ja noch nicht, auch wenn ich bereits einige Texte geschrieben habe, die noch in der ferneren Zukunft liegen und sogar den Epilog schon fertig habe.
(Ob ich den genau so übernehme, steht allerdings noch nicht fest)


Zitat

Ich mag es nach wie vor, auch wenn es nicht unbedingt meine Neigungen anspricht, deshalb fühl Dich gebauchpinselt!

Danke. Aber bitte mit einem nicht zu weichen Pinsel, ich bin kitzlig.

Ich muss ganz ehrlich zugeben, daß einiges was ich in meinen beiden aktuellen Geschichten schreibe, auch nicht unbedingt meinen Neigungen entspricht. Dennoch lese ich sowas gerne und schreibe auch gerne darüber. Für mich muss es halt passen. Dann macht es auch nichts, wenn ich das im realen Leben so nicht gut finden würde. Es ist eben eine Geschichte, da geht einfach mehr als im realen Leben.


HeMaDo



40. RE: Neue Horizonte - 2

geschrieben von HeMaDo am 22.07.17 10:08

„Schau nicht so ungläubig. Ich war auch mal jünger.“ sagte Julia lachend, während Mara die Fotos betrachtete.

Es war Sonntag Morgen und die Beiden saßen am Esstisch und hatten gerade gefrühstückt.
„Damals war ich richtig gut.“ Julia tippte auf das Pad auf dem das nächste Bild erschien. Es zeigte zwei junge Frauen die auf einem Siegerpodest standen und einen großen Pokal hoch hielten. Eine davon trug ein ähnliches Geschirr wie es in Julias Laden im Schaufenster zu bewundern war. Sie hatte lange, blonde Haare und bei genauerem Hinsehen erkannte Mara, daß es sich tatsächlich um Julia handelte.
„Das war ’95. Eines der ersten Rennen nachdem das offiziell als Sportart anerkannt wurde.“
Die nächsten Bilder zeigten Julia bei verschiedenen Rennen wo sie meistens als eine der Ersten die Ziellinie überquerte. Dann erschien ein Ausschnitt aus einer Zeitung. Das Bild dazu zeigte Julia mit zwei eingegipsten Beinen in einem Rollstuhl. Die Überschrift fragte reißerisch ob daß das Ende ihrer Karriere gewesen sei.
„Tja, im Grunde genommen war es das tatsächlich.“ Julia seufzte leise.
„Was ist passiert?“ wollte Mara wissen.
„Das war ’98. Wir waren die ganze Saison über ziemlich erfolgreich gewesen. Es war das Abschlussrennen einer ganzen Serie. Ein anderes Team war die ganze Saison über andauernd hinter uns zurück geblieben. Die Jockey hieß Anna Reich.“ sie zeigte Mara das Bild einer jungen schwarzhaarigen Frau „Sie haben es nie geschafft schneller zu sein als wir. Aber in dem Abschlussrennen wollte sie es allen zeigen. Sie hat allerdings nicht Fair gespielt. Sie hat uns auf der Zielgeraden geschnitten und mich dabei mit dem Rad erwischt. Ich bin gestürzt und habe mir beide Beine gebrochen.“
„Und dann?“ fragte Mara.
„Ich habe noch zwei Jahre lang als Jockey weiter gemacht. Aber Audrey war nie so schnell wie ich. Sie war einfach zu klein und ich zu groß und schwer. Dann habe ich den Sport an den Nagel gehängt.“
Die nächsten Bilder zeigten Julia nun mit kurz geschnittenen Haaren als Jockey anstatt als Pony.
„Hier, das war Audrey vor zwei Jahren. Die Frau neben ihr ist ihre Nichte.“ Sie zeigte ein weiteres Bild auf dem drei Teams mit ihren Trainerinnen zu sehen waren und deutete auf das Team welches auf dem zweiten Platz auf dem Podest stand.
„Und die Anderen?“ Mara deutete auf die beiden anderen Team. „Sie sehen aus als würden sie sich gleich an den Kragen gehen.“
Julia lachte. „Ja, das kann gut sein. Das hier“ sie deutete auf das Team welches auf dem dritten Platz stand „ist Annas Tochter. Tamara. Sie ist genauso rücksichtslos wie Anna es damals war.“ Die kleine und zierliche Frau mit den schwarzen Reiterhosen hatte kurze schwarze Haare und eine gewisse Ähnlichkeit mit der Frau die Julia ihr eben gezeigt hatte. Mara deutete auf die Frau die als Jockey auf dem ersten Platz stand. „Die sieht ihr aber auch verdammt ähnlich.“
„Sie ist ebenfalls Annas Tochter. Ich hatte sie damals auch kennen gelernt. Im Gegensatz zu ihrer Schwester ist sie aber überhaupt nicht unfair und rücksichtslos. Sie ist ein ganz anderer Mensch.“
„Sie ist eine Serva?“ fragte Mara erstaunt nachdem sie sich das Bild näher betrachtet hatte.
„Ja und? Was spricht denn dagegen?“
„Als Pony kann ich mir das ja noch vorstellen. Aber als Jockey?“ Mara war etwas verwirrt.
„Na und? Das Ganze ist ein Freizeitsport. Mehr oder weniger jedenfalls. Auch wenn manche das ziemlich intensiv betreiben. Und wenn der Herr oder die Herrin das erlauben, was spricht dagegen? So gefährlich wie damals ist das schon lange nicht mehr. Heute gibt es Notbremsen die verhindern das das Pony unter den eigenen Wagen kommt und die Regeln sind ziemlich streng geworden. Wer andere gefährdet wird ziemlich schnell gesperrt.“

Mara trank einen Schluck Kaffee und schaute sich noch einige Bilder an. „Das würd ich auch mal gerne probieren.“ sagte sie leise, mehr zu sich selbst.
Julia schaute auf die Uhr und warf dann einen Blick aus dem Fenster. „Dann los. Ab in den Laden, ich helfe dir beim Anziehen. Den Tisch räumen wir nachher ab.“
Mara schaute sie verwirrt an. „Ich ähm… Das war doch garnicht so… Ähm, jetzt?“ Sie hatte nicht gemerkt, daß sie das laut ausgesprochen hatte.
„Klar, warum denn nicht? Das Wetter ist noch einigermaßen angenehm, frieren wirst du also nicht. Los, auf mit dir. Wenn es dir Spaß macht, machen wir das jeden Morgen anstelle deines Morgenlaufs. Dann hab ich wenigstens auch einen Grund, mit zu kommen und muss nichtmal laufen.“ sagte Julia lachend während sie auf stand. Sie wartete bis Mara ebenfalls aufgestanden war und schob sie durch die Küche, ins Treppenhaus bis in den Laden wo sie Mara sagte, sie solle sich ausziehen.
Mara protestierte zwar aber Julia sagte „Komm schon, du bist jetzt wie lange hier? Sechs Wochen? Langsam solltest du doch mitbekommen haben, daß man von draußen nur die Schaufenster sehen kann.“
Mara ergab sich in ihr selbst herbeigerufenes Schicksal und legte die Tunika ab. Die beiden Kugeln, die seit gestern Abend in ihrer Scheide steckten wollte sie lieber nicht erwähnen. Sie hatte sie gestern Abend ausprobieren wollen und war irgendwann eingeschlafen. Ihr Körper hatte sich anscheinend an diese Kugeln, die eigentlich schon recht groß waren, die Nacht über gewöhnt und erst als sie am Esstisch saß hatte sie den kleinen Silikonring welcher zum Herausziehen gedacht war wieder gespürt. Sie war froh, die Fernbedienung dafür auf ihrem Nachttisch liegen gelassen zu haben.

Julia reichte ihr aus einem der Regale ein flaches Päckchen. „Hier, die Größe sollte dir passen. Außerdem denke ich, die Farbe passt auch.“
Mara öffnete die Folie und zog einen Stretchanzug heraus der tatsächlich eine ähnliche Farbe aufwies wie ihre Haare. Schnell zog sie diesen an. An den Ärmeln und Beinen besaß der Anzug Schlaufen aus Stoff, die ein Hochrutschen verhindern sollten und die Farbe ging zu den Händen und Füßen hin in einen dunkleren Ton über. Lediglich der Kopf und der Hals blieben in diesem Anzug frei.

Dann holte Julia einen großen Schuhkarton aus einem Regal. „Die sollten dir passen, sind deine Größe.“
Mara öffnete den Karton auf dem das Logo eines großen Sportartikelherstellers prangte und fand ein Paar knielange Stiefel aus dunklem Leder. Sie zog die Stiefel an und fragte sich, wie man darin laufen sollte. Sie zwangen die Füße in eine sehr steile Haltung, noch bevor sie sie überhaupt geschnürt hatte. Dies übernahm Julia und so wurden ihre Unterschenkel langsam zusammengeschnürt und die Füße waren danach so fest fixiert, daß sie diese keinen Millimeter mehr rühren konnte.
„Und?“ fragte Julia.
„Ich weiß nicht, ich kann die Füße nicht bewegen und sie sind ziemlich eng Herrin.“
„Das soll so sein. Sonst kann es passieren, daß du umknickst. Und das tut weh.“ erklärte Julia. „Versuch mal zu gehen.“
Mara stand auf und ging ein wenig wackelig durch den Laden. Doch nach ein paar Runden hatte sie sich an die doch recht ungewöhnliche Gangart zu der sie durch die nun steifen Fußgelenke gezwungen wurde gewöhnt.
„Geht doch ganz gut.“ meinte Julia „Das sind zwar keine Stiefel für Rennen aber sie sind trotzdem gut gepolstert und gefedert. Die soll man ja schon mal den ganzen Tag anbehalten können, oder auch mal länger.«
„Die sehen toll aus.“ sagte Mara nach einem Blick n den Spiegel.
„Und sie passen sogar farblich zum Anzug. Außerdem, hast du schon mal was billiges hier im Laden gesehen? Ich verkaufe schließlich keinen Ramsch sondern nur erstklassige Qualität.“ Julia zwinkerte ihr zu „Vielleicht fahren wir ja irgend wann mal zu der Firma die sie herstellt. Meine Schwester wohnt da auf dem Gelände. Nächste Woche wirst du sie ja kennen lernen, wenn wir zu meinem Bruder fahren.“
„Zu ihrem Bruder?“ Mara war ein wenig überrascht von dieser Aussage.
„Hatte ich das nicht erzählt? Entschuldige, das ist wohl durch die ganze Aufregung die ich wegen der Klinik hatte untergegangen. Gordon hat nächsten Samstag Geburtstag. Das wird jedes Mal ein großes Familientreffen. Gordon und seine Frau sind natürlich da, einige unserer Vettern werden kommen und Andrea wird mit ihrer Serva da sein. Sie soll sehr nett sein habe ich mir sagen lassen. Rolf und Flo werden natürlich auch mit kommen. Aber die werden wohl mit ihren Frauen noch eine Woche länger da bleiben.“ erklärte Julia.
„Ich verstehe.“ sagte Mara.
Während sie sprach hatte Julia einen Haufen Lederteile aus einem Regal genommen und auf dem Strafbock welcher immer noch mitten im Laden stand ausgebreitet. Sie holte ein Teil von dem Haufen welches aus mehreren großen Lederteilen bestand, welche mit Riemen verbunden waren und legte es Mara an. Es war eine Art Korsett aus schwarzem Leder, welches so geformt war, daß es gut auf Maras Bauch lag. Unten lief es spitz zu und reichte bis über Maras Scham. Oben reichte es bis direkt unter ihre Brüste und als Julia es ihr anlegte und die breiten Lederriemen in ihrem Rücken verschloss wurden diese weit hoch gehoben. An den Seiten befanden sich mehrere stabile D-Ringe.
„Ist das nicht viel zu viel?“ fragte Mara als sie im Spiegel ihre nun weit hochstehenden und extrem betonten Brüste sah die von dem dünnen Stretchanzug kaum verdeckt wurden. Ihre Nippel standen spitz hervor und zeichneten sich sehr deutlich ab.
„Daß soll schon so sein. Das ist auch eigentlich nichts zum Laufen. Aber wenn es nirgendwo drückt, dann geht das.“ Ungeniert fasste Julia an den oberen Rand des Korsetts und ging mit den Fingern zwischen Maras Brust und das Leder. „Könnte sogar noch etwas höher gehen. Aber dann bräuchtest du eins mit Brustschalen.“
Mara fragte sich, wie das wohl aussehen würde. Doch sie fand, daß es so schon sehr gewagt aussah und fragte sich, ob sie so etwa nach draußen gehen sollte.
Julia nahm den letzten Riemen, der noch zwischen ihren Beinen baumelte, legte ihn zwischen diesen hindurch nach hinten und zog ihn fest an, so daß er stramm auf ihrer Scham saß. Mara stöhnte leise denn durch den Druck spürte sie nun die beiden großen Kugeln in ihrer Scheide sehr intensiv.
Julia schien das nicht zu bemerken und nahm zwei breite Bänder von dem Bock die sie an der Seite des Korsetts befestigte und um ihre Oberschenkel legte. „Nicht erschrecken, ich muss das Band unter dem Schrittband durch ziehen.“ sagte Julia. Sie fasste unter das stramm angezogene Schrittband und zog ein ebenso breites Lederband darunter. Die Berührung entlockte Mara ein weiteres leises Stöhnen. Mit einem schelmischen Grinsen befestigte Julia das Lederband an den Oberschenkelbändern so daß diese gerade hingen und zog diese fest.

„So, einfache Handschuhe oder lieber einen Monohandschuh?“ fragte Julia, worauf hin Mara sie fragend ansah.
„Das ist ein Monohandschuh.“ Julia zeigte ihr ein großes Stück Leder mit vielen Schnallen und Riemen. „Du nimmst die Arme auf den Rücken, etwa so.“ sie fasste Maras Arme und zog sie mit sanftem Nachdruck auf ihren Rücken, so daß die Schultern weit nach hinten gezogen wurden. „Und dann kommt der Handschuh um beide Arme und wird fest geschnallt.“ Julia drückte Maras Arme noch weiter zusammen bis ihre Ellenbogen sich fast berührten. „Tut dir das nicht weh?“
„Nein Herrin, das geht noch.“ sagte Mara.
„Du scheinst ganz schön gelenkig zu sein. Wenn es anfängt weh zu tun sag bitte Bescheid.“ Sie hielt Maras Ellenbogen zusammen und drückte ihre Oberarme langsam immer weiter zusammen bis Mara leicht stöhnte.
„Ich bin beeindruckt. Das hätte ich dir nicht zugetraut. Ich glaube, wenn du das lange genug aushältst, dann ist der Monohandschuh sicher kein Problem für dich.“ sagte sie.
Sie ließ Maras Arme wider gehen. „Ich glaube trotzdem, es ist besser, das ein anderes Mal zu versuchen.“ sagte sie nachdenklich „Wenn du fällst, kannst du dich so nicht abfangen, das ist zu gefährlich.“ Sie holte ein Paar Handschuhe vom Stapel und hielt Mara diese hin. Diese streckte die Arme aus und ließ sich die flachen Fäustlinge anziehen die ihre Finger zusammen hielten und somit komplett nutzlos machten. Dann legte sie ihr die Arme auf den Rücken und führte ihre Hände zusammen bis die Handschuhe sich berührten und mit einem leichten Ruck zusammen hielten. Sie nahm noch ein Band welches sie ihr um die Ellenbogen legte und fest anzog so daß diese sich fast berührten. Auch dieses Band schnappte mit einem leichten Ruck zusammen.
„Da sind starke Magnete drinne. Sie halten die Hände zwar zusammen aber wenn du kräftig dran ziehst, dann gehen sie auseinander.“ erklärte sie Mara.
Nun holte sie ein Geschirr aus etwa zwei Zentimeter breiten Riemen und legte dieses um Maras Kopf. Ihre Haare führte sie zwischen zwei Riemen hindurch nach hinten so daß diese in einem schmalen Streifen an ihrem Hinterkopf unter dem Geschirr hervor kamen. Im Spiegel konnte Mara sehen, daß ihre Haare nun tatsächlich aussahen wie die Mähne eines Pferdes.

„Jetzt fehlt nur noch der Schweif.“ sagte Mara grinsend als sie sich im Spiegel betrachtete.
„Oh, stimmt, den hab ich ganz vergessen.“ Julia ging zwischen die Regale und holte zwei Teile hervor. Diese sahen beide aus wie der Schweif eines Pferdes. „Welchen hättest du denn gerne? Den Plug oder den zum Anstecken an den Schrittriemen?“ fragte sie grinsend.
„Lieber den zum Anstecken. Sowas“ Mara deutete mit dem Kinn auf den Plug den Julia in der Rechten hielt „hatte ich noch nie. Ich glaube nicht, daß das was für mich ist.“
„In Ordnung. Du kannst ihn dir nachher ja mal zum probieren mit hoch nehmen.“
„Danke, lieber nicht Herrin.“
„Auch gut. Deine Entscheidung.“ Julia legte den Plug mit dem Schweif mit einem grinsen auf den Bock und heftete den anderen Schweif an den Schrittriemen, was Mara erneut ein leises Stöhnen entlockte.

Nun befestigte Julia noch eine Trense an dem Kopfgeschirr und klappte zwei Lederplatten nach vorne so daß Mara nur noch geradeaus schauen konnte. Die Trense, eine etwa fingerdicke Stange aus einem weichen Material, steckte sie Mara in den Mund und befestigte sie auf der anderen Seite. Dann befestigte sie noch Zügel an beiden Seiten der Trense. Sie zog Mara daran noch einmal vor den Spiegel. Diese betrachtete sich eingehend. Was sie sah war nicht mehr sie selbst sondern hatte tatsächlich eine gewisse Ähnlichkeit mit einem Pony. Durch die gestreckten Füße und die Hufe unter den Stiefeln war sie gute 15 Zentimeter größer und überragte Julia so ein gutes Stück. Auch ihre Brüste erschienen ihr nun viel größer. Außerdem waren diese durch die nach hinten gestreckten Schultern zusätzlich weit vor gestreckt und das Korsett zwang sie in eine gerade Haltung. Ihre zur Mähne gebundenen Haare und der Schweif der von der Farbe her fast perfekt passte vervollständigten den Eindruck eines Ponys noch. Es gab nur zwei Dinge, die sie an ihrem Anblick störten, zum Einen war das die Tatsache, daß sie durch die Trense den Mund nur mühsam komplett schließen konnte und ihr zudem das Schlucken schwer fiel, wodurch ihr bereits jetzt der Sabber aus den Mundwinkeln lief und zum Anderen ihre Sommersprossen, die sie gerne kaschiert hätte.

„Wie gefällst du dir?“ fragte Julia nachdem Mara sich eine ganze Weile im Spiegel betrachtet hatte.
Mara versuchte etwas zu sagen, doch dies gelang ihr überhaupt nicht verständlich.
„Tja, Ponys sprechen halt nicht sondern wiehern eigentlich, aber das lassen wir besser mal und du bist einfach Still.“ sagte Julia zwinkernd.
Mara versuchte den Kopf so zur Seite zu legen daß sie sich den Sabber an der Schulter abwischen konnte, was ihr allerdings auch nur schwer gelang.
„Auch das gehört dazu. Das Abwischen lass besser, das sieht so garnicht nach Pony aus.“ sagte Julia. „Komm, dann holen wir mal den Sulky.“ Sie zog an den Zügeln und zog Mara durch den Flur zur Haustür. Als diese erkannte, daß es ins Freie gehen sollte, versuchte sie allerdings stehen zu bleiben aber Julia zog unbeeindruckt weiter. Doch Mara weigerte sich nach draußen zu gehen. Es war immerhin Sonntag und am Haus kamen um diese Uhrzeit wegen des noch recht angenehmen Wetters einige Spaziergänger vorbei.

Julia hakte die Zügel kurzerhand an einen Haken in der Wand und verschwand noch einmal kurz im Laden. Sie kam mit einer langen Reitpeitsche zurück und drohte Mara mit dieser. Als sie sich noch immer weigerte nach draußen zu gehen gab Julia ihr damit einen leichten Klaps auf den Hintern. Sofort setzte Mara sich in Bewegung und ging nach draußen. Julia führte sie zur Einfahrt und hakte die Zügel an einen Pfosten des offenen Tores ein so das Mara auf jeden Fall von jedem gesehen werden konnte, der vorbei kam.

Julia streichelte ihr über den Kopf und fragte „Alles in Ordnung?“
Sofort fühlte Mara sich ein wenig sicherer und nickte.
„Gut. Wenn irgend was nicht in Ordnung ist, trittst du einfach dreimal auf, dann mache ich die Trense los, dann können wir reden. Ok?“
Wieder nickte Mara und Julia verschwand Richtung Schuppen.

Tatsächlich kamen einige Leute am Haus vorbei. Die Meisten schauten kurz zu ihr und gingen dann ohne etwas zu sagen weiter. Eine Minute später kam eine Frau am Haus vorbei und blieb stehen. Sie betrachtete Mara eingehend und kam dann zu ihr. Mara erkannte Katja wieder, die Studentin die ein paar Tage nachdem Mara hier her gekommen war beim Aufbau der Möbel geholfen hatte und nebenbei auch noch in der Disco als Bedienung arbeitete.
„Oh, was für ein schöner Fuchs.“ sagte sie und kraulte Maras Kopf. „Hast du denn auch einen Namen?“
„Sie heißt Sunrise.“ kam von hinten. Mara und Katja drehten sich um und sahen Julia mit einem leichten Sulky an kommen, den sie hinter sich her zog.
„Ein schöner Name, passt zu der Mähne.“ Katja kraulte Mara, oder besser Sunrise, weiter den Kopf. „Sie sieht hübsch aus deine Sunrise. Kann sie auch Kunststücke?“
Julia lachte. „Wir sind doch noch ganz am Anfang ihrer Ausbildung. Sie muss erst mal laufen lernen.“
„Ich verstehe.“ sagte Katja und ging um Mara, nein Sunrise, herum. Sie fasste ihr an die Arme. „Wow, so eng schafft Amber das aber nicht. Und die übt das schon ein paar Jahre.“
„Ja, da hast du Recht. Da kann Sunrise auch stolz drauf sein, das einfach so zu schaffen.“ sagte Julia während sie die Zugstangen des Sulky mit Karabinern an Sunrise Korsett befestigte. „Was hältst du denn davon, Amber her zu holen, dann können die Beiden ja ein wenig miteinander spielen.“ Sie deutete auf die Wiese hinter dem Haus.
„Ich glaube, Amber hat im Moment sowieso grad nichts zu tun. Das ist eine gute Idee.“ Katja grinste breit. „Das kann aber eine Weile dauern.“
„Das macht nichts. Wir fahren derweil eine Runde und ich zeige Sunrise wie ein richtiges Pony an den Zügeln läuft.“
„Prima, so in einer Stunde wieder hier?“
„In Ordnung. Bis später.“ Julia winkte Katja hinterher.
Mara fragte sich, wer Amber wohl sein mochte. Der Name klang auf jeden Fall weiblich. Wahrscheinlich eine Freundin von Katja.
Während Mara noch in Gedanken war war Julia zu ihr gekommen und fasste sie an der Schulter. „Alles noch in Ordnung?“ fragte sie, worauf hin Mara nickte.
„Gut. Denk dran, dreimal auftreten wenn was nicht in Ordnung ist. Und fürs nächste Mal: einmal auftreten heißt ja, zweimal nein. Verstanden?“
Mara wollte erst nicken, besann sich dann aber und stampfte einmal auf.
„Prima. Dann erkläre ich dir mal wie das mit den Zügeln geht. Wenn ich an den Zügeln ziehe, drehst du den Kopf ja in die Richtung in die ich ziehe. Und genau in diese Richtung läufst du.“
Mara trat einmal auf.
„Das hier“ sie schnalzte einmal leicht mit den Zügeln die sie noch immer in der Hand hielt „heißt schneller oder loslaufen. Und das“ sie zog leicht an den Zügeln „heißt langsamer. Wenn ich etwas fester ziehe heißt das anhalten.“
Wieder trat Mara einmal auf zum Zeichen daß sie verstanden hatte.
„Da das jetzt geklärt ist, können wir ja los.“ Julia setzte sich in den Sulky. Erstaunlicherweise war dieser so gut austariert, daß Mara nur einen leichten Zug nach unten auf den Zugstangen spürte.

Julia schnalzte einmal mit den Zügeln. Es dauerte eine Sekunde, bis Mara begriffen hatte, was Julia wollte, dann ging sie los. Doch dann zog Julia Maras Kopf nach links in Richtung Tor. Mara blieb stehen und trat zweimal heftig auf. So wollte sie nicht nach draußen auf die Straße oder gar in den Park laufen. Julia holte kurzerhand mit der Peitsche aus und gab Mara damit einen leichten Schlag auf den Hintern. Doch Mara trat wieder zweimal auf und schüttelte den Kopf. Wieder schlug Julia mit der Peitsche zu und schnalzte mit den Zügeln. Doch Mara blieb stehen. Sie wollte auf keinen Fall, daß jeder sie so sehen konnte. Sie trat dreimal auf. Sofort stieg Julia ab und kam zu ihr.

Sie sah Mara besorgt an als sie ihr die Trense aus dem Mund nahm.
„Ich kann das nicht Herrin. Da kann mich doch jeder so sehen.“ sagte Mara sofort als sie die Trense los war.
„Ist das für dich so schlimm?“
„Entschuldigung Herrin.“ sagte Mara leise.
Julia trat näher zu ihr und nahm sie in den Arm. „Ich habe das damals vor hunderten Menschen gemacht. Da hat sich niemand dran gestört. Und Amber läuft im Sommer auch ziemlich oft mit dem Sulky durch den Park. Ich weiß, das sich hier sicher niemand daran stören wird. Und ganz ehrlich? Ich würde das auch gerne mal wieder machen.“ sie ließ Mara los und legte die Hand auf ihre Wange. „Ich mache dir einen Vorschlag. Wir fahren in den Park und wenn du dich unwohl fühlst, drehst du einfach um. Ist das in Ordnung?“
Nach einem kurzen Zögern nickte Mara und öffnete den Mund.
„Brave Sunrise.“ sagte Julia lächelnd und befestigte die Trense wieder. Sie streichelte ihr noch einmal über die Wange und setzte sich wieder auf den Sulky. Sie schnalzte kurz mit den Zügeln und Mara ging langsam los, aus dem Tor hinaus und in Richtung Park. Bereits nachdem sie die Brücke überquert hatten, kamen ihnen einige Leute entgegen die hier spazieren gingen. Niemand schien Anstoß daran zu finden daß Mara hier als Pony verkleidet einen Sulky zog. Einer der Spaziergänger schaute kurz hinter den Beiden her und ging dann weiter.

Julia zog Maras Kopf nach links als der Weg sich gabelte und sie fuhren den Weg am Graben entlang. Auf diesem Weg war niemand zu sehen und Julia schnalzte zweimal mit den Zügeln. Mara begann daraufhin zu laufen und fing an, sich daran zu gewöhnen so herum zu laufen. Nach einigen Metern kamen ihnen wieder einige Leute entgegen. Sie machten Platz, sagten aber nichts. So liefen sie eine Weile und mit jeder Begegnung mit Spaziergängern oder Fahrradfahrern wurde Mara ein wenig sicherer. Nur einmal, kurz bevor sie das Ende des Grabens vor dem Schlossgarten erreicht hatten, rief ein Spaziergänger „Hey, nicht so schnell, das ist doch keine Rennbahn hier.“ hinter ihnen her. Doch Mara störte sich nicht daran. Sie überlegte, daß sie ja garnicht Schuld daran war sondern daß es Herrin Julia war, die das Tempo vorgab.

Als der Weg vor dem Schlossgarten eine Biegung machte, wollte Mara diesem folgen. Doch Julia zog sofort an den Zügeln bis Mara stehen blieb. Sie stieg ab und ging zu ihr.
„Und? So schlimm?“ fragte sie.
Mara trat zweimal auf.
„Na also.“ Julia streichelte ihr noch einmal über die Wange. „Aber jetzt muss ich mal was erklären. Du sollst einfach nur genau in die Richtung laufen, in die deine Nase zeigt, nicht dem Weg folgen. Die Richtung gebe ich vor und nicht du. Verstanden?“
Dieses Mal trat Mara nur zögernd einmal auf. Sie war sich nicht sicher ob das eine gute Idee war und warf Julia einen zweifelnden Blick zu.
„Ich kann schon verstehen, daß dir das schwer fällt. Aber so funktioniert das nun mal. Auf der Rennbahn ist das was Anderes, da erwarte ich sogar eine gewisse Eigeninitiative, aber hier sollst du dich einfach fallen lassen und tun, was ich dir vorgebe.“ Julia dachte kurz nach. „Das ist ungefähr so wie vor zwei Wochen als ich dich ausgepeitscht hab. Du sollst nicht mehr nachdenken oder entscheiden sondern dich einfach fallen lassen und das tun was ich dir sage. Meinst du, du schaffst das?“
Mara sah sie an und zuckte zögernd mit den Schultern. Auf Kommando das Denken abschalten, wie sollte das denn funktionieren?
„Pass auf, ich helfe dir dabei.“ Julia nahm das Tuch welches sie als Schal um den Hals trug ab, faltete es mehrmals längs zusammen und hielt es Mara vor die Augen. Diese schüttelte den Kopf, sie wollte nicht blind durch die Gegend laufen.
„Ich verspreche dir, ich werde aufpassen. Du musst auch nicht schnell laufen. Da kann garnichts passieren.“ versuchte Julia sie zu beruhigen. Sie hielt es Mara wieder vor die Augen. Dieses Mal ließ Mara sie gewähren. Julia band ihr das Tuch vor die Augen. Sofort war es um Mara herum dunkel. Sie spürte einen leichten Ruck als Julia in den Sulky stieg. Dann spürte sie ein leichtes Rucken an der Trense.

Mara ging ganz langsam los, wobei sie die Füße relativ weit anhob um nicht zu stolpern. Eine Weile geschah garnichts, doch dann wurde an der Trense gezogen und ihr Kopf nach rechts gedreht. Langsam ging sie in eben diese Richtung bis der Zug nachließ. So ging es eine ganze Weile. Gehen, ein Zug an der Trense, in irgend eine andere Richtung gehen, geradeaus gehen, immer weiter bis Mara die Orientierung vollkommen verloren hatte. Ein paarmal änderte sich der Untergrund, war er anfangs noch fest, so wurde er mal weicher, mal wieder fester. Die Geräusche änderten sich, mal waren die Stimmen der Menschen um sie herum klar und deutlich hörbar, mal klangen sie etwas gedämpft. Mitten im Gehen spürte sie wieder einen leichten Ruck an der Trense. Sie sollte irgend etwas tun. Aber was war das? Wieder ein leichter Ruck. Sie erinnerte sich und ging etwas schneller. Wieder ein Zug an der Trense, sie folgte dem und ging nach rechts, wieder ein leichtes Rucken, sie ging noch schneller. Der Untergrund änderte sich wieder, das gehen fiel ihr schwerer. Dann ein leichter Zug an der Trense, sie ging langsamer. Noch immer fiel ihr das Gehen schwer und auch der Sulky ließ sich nun schwerer ziehen. Noch ein Zug, dieses Mal stärker. Sie ging langsamer, blieb stehen, der Zug ließ nach. Ein Rucken, sie ging einen Schritt und sofort wieder ein Zug, sie blieb stehen. Jetzt spürte sie ein Rucken an ihren Seiten. Jemand fasste sie an der Schulter.

„Na, war das so schwer?“
Was war das? War sie gemeint? Es war eine Frage. Jemand hatte sie etwas gefragt.
„Mara?“
Das war ihr eigener Name. Langsam, fast schleichend kamen ihre Gedanken zurück. Sie schüttelte leicht den Kopf.
„Mara? Ist alles in Ordnung?“
Sie musste Antworten. Auftreten, sie musste auftreten. Sie trat einmal mit dem Fuß auf.
Die Berührung an der Schulter verschwand.

Julia löste das Tuch um Maras Kopf und nahm es ihr von den Augen. „Das hat doch prima funktioniert.“ sagte sie. Mara wandte den Kopf zu ihr und nickte.
Julia warf ihr einen zufriedenen Blick zu. „Schau mal nach vorne.“
Mara wandte den Kopf nach vorne. Keine 20 Zentimeter vor ihrem Kopf befand sich ein runder Pfosten. Wäre sie nur einen Schritt weiter gegangen, wäre sie unweigerlich genau davor gelaufen.
„Ich hab doch gesagt, ich passe auf.“ sagte Julia. „Du hast aber auch schnell begriffen.“ Sie holte etwas aus ihrer Tasche, wickelte es aus der Folie und steckte es Mara in den Mund. Das runde Stück löste sich langsam auf und sie schmeckte etwas fruchtig süßes. ’Traubenzucker’ fuhr es ihr durch den Kopf ’mit Erdbeergeschmack’. In ihrem Mund sammelte sich immer mehr Speichel den sie durch die Trense nur schwer schlucken konnte. Sie spürte, wie ihr dieser an den Mundwinkeln langsam hinaus lief, also versuchte sie so gut es ging den Mund zu schließen, was ihr allerdings auch nur schwer gelang.
„So, dann lass uns langsam mal zurück fahren.“ sagte Julia. „Meinst du, du findest den Weg?“
Mara hatte nicht die geringste Ahnung, wo sie sich befand. Der einzige Anhaltspunkt war der Sand in dem sie stand, sie schaute sich um und erkannte, daß sie auf einem Kinderspielplatz stand. Auf einem hölzernen Klettergerüst in einiger Entfernung stand ein kleines Kind und schaute gebannt zu ihr herüber. Sie trat zweimal auf um zu sagen daß sie den Weg nicht kannte.
„Na gut, dann lass uns mal los. Amber wird balde da sein.“ sagte Julia und wollte sich in den Sulky setzen. Mara trat zweimal auf.
„Was ist denn Mara?“
Mara schaute Julia an und schloss demonstrativ die Augen.
„Ich soll dir die Augen wieder verbinden?“
Mara trat einmal kräftig auf.
„Na, wenn du meinst.“ sagte Julia lachend. Sie zog das Tuch aus ihrer Tasche, faltete es wieder zusammen und band es Mara vor die Augen.

Sie spürte wieder einen leichten Ruck als Julia sich in den Sulky setzte. Dann wurde die Trense nach hinten gezogen. Sie wusste, daß sie noch vor dem Pfosten stand und ging vorsichtig einige Schritte rückwärts bis sie einen Ruck in der Trense spürte und sie langsam vorwärts ging. Der Kopf wurde nach links gezogen und sie folgte diesem Zug. Der Untergrund änderte sich, statt dem Sand spürte sie nun Gras unter den Hufen, kurz darauf war sie wieder auf dem Weg und ein erneuter Ruck an der Trense ließ sie schneller gehen.

Wieder folgte sie einfach dem Zug der Zügel und ging schnell immer weiter. Irgendwann, Mara hatte ihr Zeitgefühl vollkommen verloren, spürte sie einen Zug an der Trense. Sie ging langsamer und blieb schließlich stehen. Während der Rückfahrt hatte sich ihre Welt komplett verändert. Alles um sie herum war nebensächlich geworden und ihre Konzentration galt nur noch den Kommandos die sie durch die Zügel bekommen hatte und dem Laufen. Die Stimmen der Leute an denen sie vorbei lief nahm sie kaum noch wahr, genauso wenig wie die anderen Geräusche um sich herum.

Einfach nur laufen und reagieren, über nichts mehr nachdenken. Nur noch der Moment zählte. Ihre Gedanken verstummten und stattdessen begann sie die Kugeln zu spüren die sie seit gestern Abend tief in ihrer Scheide trug. Bei jedem Schritt schienen sie größer zu werden, nahmen mehr Platz in ihr und in ihrem Denken ein. Eine starke Erregung ging von ihrer Mitte aus und nahm sie immer mehr ein. Doch jetzt wurde an den Zügeln gezogen und sie lief langsamer, bis sie stehen blieb.

Einen Moment später wurde ihr das Tuch von ihren Augen abgenommen. Sie brauchte eine Weile bis sie wieder klar sah und ihre Gedanken zurück kehrten. Jemand streichelte ihr über den Kopf.
„Brave Sunrise.“ sagte jemand. „Das hast du ja schon ganz gut gemacht.“
Sie spürte mehr als sie sah, daß die Zugstangen von ihrem Korsett gelöst wurden. Jemand nahm ihr die Trense aus dem Mund und gab ihr etwas aus einer Flasche zu trinken. Gierig trank sie die Flüssigkeit.
„Alles in Ordnung?“ fragte jemand?
Sunrise trat einmal mit dem Huf auf.
„Möchtest du aufhören?“
Nun trat sie zweimal energisch auf. Sie wollte noch nicht zurück, wollte dieses Gefühl weiter auskosten.
Die Trense wurde ihr wieder vor den Mund gehalten, bereitwillig öffnete sie diesen und ließ sich die Trense wieder einsetzen. Sie wurde am Zügel am Haus vorbei in den Garten gezogen wo bereits ein weiteres Pony stand und in ihre Richtung gelaufen kam als es sie sah.
„Hallo Amber.“ sagte Julia zu der Frau. Sie trug einen glänzenden, schwarzen Ganzkörperanzug und darüber ein Geschirr aus knallrotem Leder. Ihre Mähne glänzte in der Sonne in einem dunklen Blond und ihr Schweif in dem selben Farbton schwang bei jedem Schritt hin und her. Julia streichelte ihr über den Kopf, worauf hin Amber sich um drehte. Sie trug keine Handschuhe und hielt die Arme demonstrativ nach oben. Darauf hin schaute Julia sich kurz um und nahm von der Bank neben der Eingangstür ein rotes Lederteil. Sie legte Amber den Monohandschuh um die Arme, legte die langen Riemen über ihre Schultern und befestigte diese hinten an dem Leder. Dann begann sie in aller Ruhe die Schnürung zu binden und langsam immer enger zu ziehen bis Amber nervös mit den Hufen zu scharren begann.

„Amber, das ist Sunrise.“ sagte Julia und zog diese am Zügel zu sich. „Sunrise, das ist Amber.“
Über Maras Gesicht glitt ein Lächeln als sie Katja erkannte. Katja, besser gesagt Amber, nickte weit ausholend, wobei ihre Mähne vor und zurück schwang.
„Dann lass ich euch mal ein paar Minuten alleine.“ sagte Julia und verschwand im Haus. Amber schaute Sunrise kurz an und begann durch den Garten zu laufen. Sunrise schaute ihr kurz hinterher und folgte ihr dann. Amber lief durch den Garten auf eine rot und weiß bemalte Obstkiste zu, die mitten im Gras lag und sprang darüber. Sunrise tat es ihr gleich und schon bald entspann sich ein regelrechtes Wettrennen über die auf der Wiese verteilten Obstkisten.

Wieder schwanden Maras Gedanken und sie ging in diesem Spiel voll auf. Die beiden Kugeln die tief in ihr steckten machten sich erneut bemerkbar und ihre Erregung wuchs langsam aber stetig an. Gerade als sie wieder über eine Kiste gesprungen war, sie hatte es gerade geschafft, Amber zu überholen, steigerte sich ihre Erregung ins unermessliche und ein heftiger Höhepunkt machte sich in ihr bereit sie zu überrollen. Sie ging immer langsamer, kreiste dabei mit dem Becken und kam kurz darauf laut stöhnend. Sie ging in die Knie und ließ ihr Becken weiter kreisen. Langsam sank sie auf die Knie und einen Moment später berührte ihre Stirn den Boden als sie sich zuckend und zitternd dem Höhepunkt hingab und ihr Becken weiter kreisen ließ.

Sie öffnete ihre Augen als sie spürte, daß jemand sie an der Seite anstupste. Sie richtete sich langsam auf und schaute zur Seite. Dort stand Amber und schaute sie besorgt an. Irgend wie schaffte diese es wortlos zu fragen ob alles in Ordnung war. Sunrise konnte im Moment nur nicken und schloss die Augen. Langsam stand sie wieder auf. Doch sie schwankte und musste sich an Amber lehnen, die anscheinend begriffen hatte, was gerade passiert war und sie mit einem breiten Grinse bedachte.

Amber lief ein Stück voraus, nachdem Sunrise sich wieder beruhigt hatte und deutete ihr mit einem Kopfschwung, ihr zu folgen. Sie liefen noch einige Runden durch den Garten, über die Hindernisse bis Julia wieder aus dem Haus kam. Sie pfiff kurz und deutete den Beiden, zu ihr zu kommen.
„So Sunrise, wie wäre es denn, wenn Amber dir mal zeigt, wie ein Pony richtig läuft?“ fragte sie.
Sunrise schaute erst zu ihr, dann zu Amber und trat dann einmal mit dem Huf auf.

Während Julia Sunrise am Zügel fest hielt nickte sie Amber zu, die mit einem gleichmäßigen Schritt die Wiese umrundete. Dabei hob sie die Beine bei jedem Schritt so weit an, daß die Oberschenkel beinah waagerecht und die Unterschenkel im rechten Winkel dazu standen. Bei jedem Schritt machte sie einen kleinen Sprung bevor sie den Huf wieder auf den Boden setzte. So kam sie zwar sehr langsam aber auch äußerst elegant voran.

„Jetzt du Sunrise.“ sagte Julia, nahm ihr die Zügel ab und gab ihr einen leichten Klaps mit der Peitsche. Sunrise versuchte genauso elegant zu gehen doch ganz gelang ihr das nicht. Julia, die neben ihr ging schlug ihr bei jedem Schritt leicht unter den Oberschenkel während sie Amber folgte. Nach einer ganzen Weile sagte Julia „Stop.“ Beide, Amber und Sunrise blieben stehen und bekamen von Julia ein Stück Traubenzucker. „Das habt ihr toll gemacht.“ sagte sie und wandte sich an Sunrise „Ich bin erstaunt, wie schnell du lernst.“ sie strich ihr mit der Hand über den Kopf.

„Trab.“ rief Julia und Amber lief los. Schneller als eben, mit ähnlich hoch ausholenden Schritten aber ohne den kleinen Sprung bei jedem Schritt sondern mit dem hinten stehenden Fuß weit ausholend. Während Amber im Kreis lief stupste Julia Sunrise mit der Peitsche an. Diese zögerte kurz, lief dann aber hinter Amber her und bemühte sich, ihre Schritte nachzuahmen. So liefen die Beiden eine ganze Weile im Kreis um Julia herum die mit der Peitsche immer mal wieder leicht unter Sunrises Oberschenkel schlug um ihr anzuzeigen daß sie die Beine höher nehmen sollte.

Nach einer ganzen Weile, Julia ließ die Beiden gelegentlich zwischen langsamen Gehen und schnelleren Laufen wechseln, kam Sunrise aus der Puste und wurde irgendwann langsamer und ließ sich auch durch leichtes Antreiben mit der Peitsche nicht mehr dazu bewegen, schneller zu laufen. Julia rief die Beiden zu sich und nahm ihnen die Trensen heraus. Sie gab beiden etwas aus der Flasche zu trinken und gab ihnen ein Stück Traubenzucker. Dann steckte sie ihnen die Trensen wieder in die Münder und legte ihnen die Zügel an. Mit diesen führte sie die Beiden zur Wand des Schuppens und hakte die Zügel in einen Haken an der Wand. Sie räumte die bemalten Obstkisten in den Schuppen und ließ die Beiden dann einfach stehen. Sunrise schaute fragend zu Amber als Julia sich in ihr Auto setzte und weg fuhr. Sie machte sich sorgen, daß sie hier bis zum Abend oder gar noch länger stehen bleiben sollte. Doch Amber blieb einfach ruhig stehen und warf ihr ein Lächeln zu. Wieder schaffte sie es Sunrise ohne Worte klar zu machen, daß sie sich keine Sorgen machen zu brauchte. Nun blieb auch Sunrise ruhig stehen und wartete einfach. Sie warf einen Blick zu dem Haken in der Wand und erkannte, daß sie sich ohne Probleme leicht hätte setzen können. Doch noch versuchte sie sich, in Geduld zu üben. Kurze Zeit später begann Amber aufgeregt mit dem Huf zu scharren und schaute zur Einfahrt. Sunrise folgte ihrem Blick und sah Julia von der Einfahrt her zurück kommen. Sie stellte eine Papiertüte auf die Bank neben der Haustür und kam dann in ihre Richtung. Doch statt zu ihnen ging sie in den Schuppen und kam kurz darauf mit einem langen Seil wieder heraus. Amber scharrte nun noch aufgeregter mit den Hufen auf dem Boden.

Julia nahm Amber die Zügel ab und hakte statt dessen das Seil in ihr Geschirr ein. Sie zog sie mit sich auf die Wiese und steckte einen langen Stab tief in den Boden an dem sie das andere Ende des Seiles befestigte. Aus der Hosentasche zog sie eine kleine Fernbedienung heraus, gab Amber einen Klaps auf den Hintern und diese lief los. Julia drückte auf der Fernbedienung und Amber machte einen kurzen Sprung, ohne jedoch ihren Lauf zu unterbrechen.

Nun ging Julia zu Sunrise und nahm auch ihr die Zügel ab. Sie begann damit, ihr das Kopfgeschirr aus zu ziehen.
„Alles in Ordnung Mara?“ fragte sie.
Obwohl die Trense nicht mehr in ihrem Mund war, trat Mara einmal kräftig auf.
„Du kannst wieder sprechen Mara.“ sagte Julia lachend. „Aber ich glaube, bis du wieder weit genug hier bist, dauert es noch eine Weile. Sie streichelte Maras Kopf als sie Maras Haare vorsichtig aus dem Kopfgeschirr zog und legte dieses bei Seite. Dann nahm sie ihr die Handschuhe und den Riemen um die Ellenbogen ab und führte ihr die Arme nach vorne. Nun begann sie damit ihr auch das große Geschirr aus zu ziehen und half ihr danach auch aus den Stiefeln.
„Komm, nimm deine Sachen und geh mal hoch, dich duschen. Scheint dir ja wirklich Spaß gemacht zu haben.“ sagte Julia und deutete auf Maras Schritt. Der Stretchanzug wies einen riesigen, feuchten Fleck dort auf. Errötend nickte Mara als sie diesen bemerkte.
Julia fasste sie am Arm und führte sie ins Haus.
Mara warf Julia einen fragenden Blick zu und sah dann zu Amber die noch immer ihre Runden drehte. Dann fiel ihr ein, daß sie ja wieder sprechen konnte. „Was ist denn mit Amber? Kommt die nicht mit rein Herrin?“ fragte sie.
„Also über deinen exzessiven Gebrauch des Wortes Herrin sollten wir bei Gelegenheit mal miteinander reden.“ sagte Julia „Nein, Amber bleibt noch eine Weile draußen. Sie hat jetzt auch erst mal eine Weile ihren Spaß bei der Sache, solange sie läuft.“ erklärte sie grinsend und wedelte mit der Fernbedienung die sie Mara vors Gesicht hielt.
„Verstehe.“ sagte Mara und musste nun auch grinsen als ihr klar war, was Julia meinte.
„So, jetzt aber unter die Dusche mit dir. Du bist ganz verschwitzt. Bei dem Wetter ist es nicht gut, so rum zu laufen. Zieh dir danach eine Tunika an und komm wieder her.“
„Ja Herrin.“ sagte Mara und knickste. Dann ging sie nach oben, duschte ausgiebig und entfernte auch mit einiger Mühe die beiden Kugeln die noch immer in ihr steckten. Es dauerte eine ganze Weile, bis sie sich wieder vollkommen menschlich fühlte. Am liebsten hätte sie noch länger Pony gespielt. Nachdem sie sich gründlich abgetrocknet hatte zog sie eine etwas dickere Tunika an und ging wieder nach unten.

Draußen roch es nach Rauch und neben der Haustür stand ein Grill in dem echte Holzkohle brannte. Auf dem Rost lagen bereits mehrere Stücke Fleisch und Bratwürste sowie einige runde Teile die wie flache Buletten aussahen, jedoch überwiegend gelblich aussahen und rote und grüne Stückchen aufwiesen. Neben dem Grill stand ein Campingtisch auf dem mehrere Flaschen, Pappbecher und Teller, zwei Schüsseln mit Salat sowie ein Korb mit Baguette standen.

„Nimm Platz und trink etwas. Das Essen dauert noch eine Weile.“ sagte Julia die auf der Bank saß und eine Flasche Bier in der Hand hielt.
Mara nahm sich einen Pappbecher und schenkte sich Limo ein.
„Was ist denn mit Katja… ich meine Amber. Wie lange soll sie denn noch weiter machen?“ fragte Mara als sie sich neben die Bank kniete.
„Sie hält sicher noch eine ganze Weile durch. Aber spätestens in einer Stunde lasse ich sie sich umziehen, schließlich muss sie morgen ja wieder zur Uni.“ sagte Julia und trank einen Schluck. „Aber ich hab sie schon mal eine ganze Woche als Pony gehalten.“ sagte Julia.
„Eine ganze Woche?“ fragte Mara ungläubig.
„Ja, sie wollte ja eigentlich drei Wochen, die ganzen Ferien über. Aber das war mir dann doch etwas zu lange. Sie war richtig enttäuscht als ich ich das Geschirr abgenommen habe.“

Die beiden saßen eine Weile schweigend da und beobachteten Amber wie sie gelegentlich langsamer wurde, auf die Knie ging und dann leise stöhnend und zuckend für einen Moment knien blieb. Doch sie richtete sich jedes Mal wieder auf und lief weiter. In ihrem Gesicht konnte man deutlich sehen, wie ihr das gefiel.
Julia stand gelegentlich auf und drehte das Fleisch welches auf dem Grill lag um.
„Wieso eigentlich so viel Herrin?“ fragte Mara und deutete auf den Grill.
„Du weißt doch, eine Stadt kann noch so groß sein, aber sie bleibt immer noch ein Dorf. Irgendwer wird auf jeden Fall balde vorbei kommen wenn er das hier riecht.“ sagte sie.

Tatsächlich fuhr eine viertel Stunde später ein Wagen auf den Hof und zwei Polizisten kamen um die Ecke. Mara stand erschrocken auf, doch Julia hielt sie an der Schulter und deutete ihr, sich wieder hin zu knien.
„Hallo Robert.“ sage sie gelassen. „Eine neue Kollegin?“
„Hallo Julia, das ist Pamela. Sie ist vor ein paar Wochen von der Polizeischule gekommen. Pamela, das ist Julia, sie begeht regelmäßig Brandstiftung und außerdem Umweltverschmutzung und Geruchsbelästigung.“ sagte der Polizist grinsend, nahm sich eine Flasche alkoholfreies Bier die er mit einer zweiten Flasche öffnete und setzte sich neben Julia auf die Bank. Die junge Polizistin schaute verwirrt zu ihm bis Julia aufstand und einen Campingstuhl holte und ihr aufstellte.
„Setz dich und nimm dir was zu trinken, unsere Pause hat gerade angefangen.“ sagte der Polizist zu seiner Kollegin und deutete auf den Stuhl.
„Ich verstehe.“ sagte die Frau, nahm ihre Mütze ab, nahm einen Becher Limo und setzte sich.
„Ich sag doch, auch eine Großstadt ist nur ein Dorf.“ sagte Julia mit einem Grinsen im Gesicht.

„Ich nehme an, die Wurst ist mal wieder von Lajos?“ fragte der Polizist.
„Sicher doch. Aber erzähl das ja nicht Amber.“ erwiderte Julia mit einem breiten Grinsen im Gesicht.
Mara hatte dem Ganzen erstaunt zugesehen und sah Julia nun fragend an.
„Ganz einfach, Lajos kommt aus einem kleinen Nest in der Nähe von Miskolc, das ist im ehemaligen Ungarn. Er macht die beste Pferdebratwurst in der Stadt. Und wenn Katja erfährt, daß ich hier Pferdewurst brate, dann wird sie ziemlich sauer. Sie isst ja nur diese Gemüsebratlinge. Solltest du übrigens auch mal probieren, die sind ziemlich lecker.“ erklärte Julia. „Übrigens, ich glaube, du solltest sie mal langsam her holen, das Essen ist gleich soweit.“

Während Mara zu Amber ging und das Seil von dem Stab los machte, schaltete Julia mit der Fernbedienung deren Freudenspender aus und Mara führte Amber zu Julia. Diese nahm ihr den Monohandschuh und das Kopfgeschirr ab und sie setzte sich auf die Bank.

Julia fragte alle, was sie essen wollten und Mara gab jedem das Gewünschte mit einem Knicks, wie sie es gelernt hatte. Von den beiden Polizisten hielt sie jedoch immer ein wenig Abstand und vermied es, ihnen in die Augen zu sehen. Als alle etwas zu Essen hatten, durfte sie sich selbst ebenfalls etwas nehmen. Sie probierte ein kleines Stück Fleisch und einen Gemüsebratling, nahm sich Salat dazu und etwas Sauce. Dann begann sie zu essen. Dabei sah sie immer wieder etwas misstrauisch zu den beiden Beamten die sich lachend mit Julia und Katja unterhielten.

„Du scheinst keine guten Erfahrungen mit der Polizei gemacht zu haben.“ sagte die Polizistin plötzlich zu Mara gewandt.
Diese druckste etwas herum und verschluckte sich an einem Bissen Salat.
„So wie du uns ansiehst, nehme ich an, du bist nicht freiwillig in der Schule gewesen?“ fragte der Polizist, was Mara mit einem Nicken beantwortete.
„Keine Sorge, wir tun dir nichts.“ sagte er. „Ich habe die Erfahrung gemacht, daß die Schule wesentlich besser ist als das Gefängnis, wenn es darum geht jemanden wieder auf den richtigen Weg zu bringen. Ich habe noch keine Serva verhaften müssen. Leute die aus dem Gefängnis kommen aber schon so einige. Ich finde die Regel, daß die alten Akten gesperrt werden garnicht so schlecht. Bei den Sozialprognosen die Serva haben finde ich es gut, das niemand sehen kann, warum eine Frau in die Schule gekommen ist. Also mir ist es auch vollkommen egal, was du mal angestellt hast. Wenn deine Zeit um ist, hast du jedenfalls bessere Chancen wieder ein normales Leben anzufangen als jemand der im Gefängnis war. Wie lange hast du denn bekommen?“
„25 Jahre.“ sagte Mara leise.
„Autsch, das ist verdammt lange, aber ich hab das Gefühl, so lange Strafen werden in den letzten Jahren immer häufiger. Ich kann mir nicht vorstellen, daß die Straftaten so viel schlimmer geworden sind, irgend was läuft da gewaltig falsch.“ sagte er. „Ich nehme an, vor zehn Jahren hättest du höchstens halb so lange bekommen.“ er schaute ein wenig verärgert aus. „Ich nehme an, einen ordentlichen Anwalt hast du auch nicht gehabt, oder?“
Mara schüttelte nur den Kopf.
„Dacht ich mir. Ganz ehrlich, sowas kotzt mich regelrecht an.“ er schaute kurz alle an. „Entschuldigung die Damen, aber sowas muss einfach mal gesagt werden. Er zuckte kurz mit den Schultern. „Irgend was läuft da gewaltig falsch. Ich wette meine Mütze, das die meisten solcher Fälle, wenn man sie mit einem ordentlichen Anwalt noch mal aufrollt, ganz anders entschieden würden.“ Er trank einen Schluck Bier und aß weiter seine Bratwurst.

Trotz des kleinen Ausbruches des Polizisten wurde es noch ein recht entspannter Nachmittag. Mara fragte sich zwar, ob er nicht vielleicht sogar recht hatte, aber sie mache sich darum keine großen Gedanken. Sie war nun mal die nächsten 25 Jahre Serva aber das machte ihr im Grunde genommen auch nicht viel aus. Es gefiel ihr hier bei Herrin Julia. Sie hatte es auf jeden Fall besser als noch vor drei Jahren als sie auf der Straße gelebt hatte. Und vielleicht sogar auch besser als zu Hause, wo sie immer hinter Kira anstehen musste. Zwar würde sie diese gerne wieder sehen, glaubte aber daran, daß das auf jeden Fall irgend wann passieren würde.

Die beiden Polizisten standen nach einer stunde auf und wollten gehen. „Pamela, ich glaube, die mündliche Verwarnung solltest du aussprechen. Wenn ich das mache, gibt das nur wieder viel Papierkram.“ sagte der Mann.
„Ich verstehe schon.“ sagte die Polizistin grinsend. Als ihr Kollege sich verabschiedet hatte und bereits auf dem Weg zum Wagen war sagte sie „Frau Gibbs, hiermit verwarne ich Sie wegen des unerlaubten Feuers und der Geruchsbelästigung.“
„Ich kann leider nicht versprechen, daß das nicht wieder vor kommt.“ sagte Julia grinsend.
„Dann werden wir uns wahrscheinlich beim nächsten Mal wieder sehen.“ die Polizistin tippte zum Gruß an ihre Mütze und verabschiedete sich freundlich bevor sie ihrem Kollegen folgte.
„Das kann ich nur begrüßen.“ sagte Julia „Es muss ja alles seine Ordnung haben. Einen schönen Tag noch.“

Nachdem die Beiden wieder weg gefahren waren, packte Julia den Grill weg nachdem sie die Kohle mit Wasser gelöscht hatte und Mara half Katja das Geschirr aus zu ziehen. Danach brachte sie das restliche Essen und das Geschirr nach oben in die Küche und half Julia beim Aufräumen.

Nachdem auch Katja sich verabschiedet hatte ging sie mit Julia ins Wohnzimmer wo sie es sich auf der Couch beziehungsweise im Sessel gemütlich machten und einen Film an sahen, bis es für Mara Zeit wurde, ins Bett zu gehen.

Sie lag noch eine ganze Weile wach und dachte über den Tag nach. Sie fragte sich, ob das jetzt ewig so weiter gehen sollte, daß sie aus irgend welchen Gründen alles um sich herum vergessen sollte, sei es nun weil sie ausgepeitscht würde oder weil sie Pony spielte. Einerseits machte es ihr irgend wie Angst. Wieso passierte ihr das immer wieder? Andererseits fand sie auch Gefallen daran. Es war als würde sie in eine ganz andere Welt abtauchen in der nichts wichtig war und sie sich keine Sorgen machen musste. War das vielleicht der Grund, warum Katja sich sogar eine ganze Woche lang als Pony halten ließ und das sogar noch länger wollte?

Es gefiel ihr hier bei Herrin Julia. Die Arbeit im Laden machte ihr Spaß, sogar in Herrin Julias Laden kannte sie sich bereits etwas besser aus und irgend wann würde sie sich sicher gut genug auskennen um alleine in beiden Läden arbeiten zu können. Sie hatte in den letzten Wochen so einige Leute kennen gelernt und außer dieser Sabine die in der Disco so ausgerastet war, waren das alles freundliche und nette Leute. Sogar die beiden Polizisten heute waren sehr nett gewesen.

Aber tief in ihrem Innern spürte sie, daß da irgend etwas fehlte. Sie konnte nicht einmal für sich selbst sagen, was das war, doch da war irgend etwas von dem sie wusste, daß es fehlte. Darüber grübelnd fiel sie irgend wann in einen tiefen schlaf.

- - -

Nadine wachte auf als sie ein leises Stöhnen hörte. Sie drehte sich um und sah daß Kati sich versuchte zu bewegen. „Bleib liegen.“ sagte sie und hielt diese an der unverletzten Schulter.
Kati hatte endlich die Augen geöffnet und schaute sich verwirrt um als sie bemerkte, daß sie wieder in dem Schutzraum waren. „Was ist passiert?“ fragte sie mit schwacher Stimme.

Nadine stand auf und holte eine Flasche Wasser. Sie half Kati, sich aufzurichten und gab ihr etwas zu trinken. „Als du auf den Schalter gedrückt hast, ist irgendwas schief gegangen. Der Förderkorb ist wahrscheinlich von ganz oben runter gefallen und das Seil ist gerissen. Das hätte dich beinah erschlagen.“ begann Nadine zu berichten. „Ich konnte dich gerade noch weg ziehen. Aber du hast die Tür an den Kopf gekriegt als der Korb unten aufgeschlagen ist. Und irgend ein Teil hat dich an der Schulter getroffen. Du hast eine Platzwunde an der Stirn und eine Schnittverletzung am Arm. Nichts schlimmes, wie es aussieht. Ich vermute, du bist ohnmächtig geworden als du die Tür an den Kopf gekriegt hast.“
Kati schaute sich noch einmal um „Und warum bin ich wieder hier?“
„Soll ich dich wieder zu dem Schacht bringen und dich da hin legen?“ fragte Nadine trocken. „Wenn es dir da bequem genug ist, wir können sofort los.“
„Nein!“ rief Kati aus und hielt sich die Hand vor die Augen. Sie kniff diese für einen Moment zusammen. „Hast du mich hier her getragen?“
„An dir ist zwar kaum was dran aber so verrückt bin ich dann doch nicht. Ich hab einen der Wagen genommen und dich bis zum Durchgang gefahren. Den Rest hab ich dich dann aber doch tragen müssen.“ Nadine war aufgestanden und schob das Bett auf dem sie gelegen hatte wieder an die Wand. Sie holte einen Stuhl und setzte sich neben Katis Bett. „Hier, iss das, dann geht es dir gleich besser.“ sie gab Kati ein Stück Schokolade und steckte sich selbst ebenfalls etwas davon in den Mund.
„Danke.“ sagte Kati leise und aß die Schokolade.
41. RE: Neue Horizonte - 2

geschrieben von Blackrubberhorse am 23.07.17 18:17

Hallo HeMaDo,

die Gefühlswelt und das Eintauchen in das ´Pony-Sein´ von Mara ist wirklich genial beschrieben- so wie die bisherigen Storys von dir. Ich freu mich jedes Mal auf das Erscheinen einer weiteren Fortsetzung von dir...
42. RE: Neue Horizonte - 2

geschrieben von Friedet am 23.07.17 18:22

Hallo HeMaDo,
Deine Fortsetzung - genial, wie immer.

eine Frage: Warum hast du die Charaktrer nicht hier gepostet? Viele verpassen sie deshalb. Ich hab das auch nur durch Zufall gefunden.

Hier der Link: http://kgforum.org/display_5_2414_95844.html

Viele Grüße
Friedet
43. RE: Neue Horizonte - 2

geschrieben von HeMaDo am 23.07.17 19:47

Zitat

Ich freu mich jedes Mal auf das Erscheinen einer weiteren Fortsetzung von dir...

Zitat

Deine Fortsetzung - genial, wie immer.

Danke.
Sowas motiviert mich, weiter zu schreiben und hier zu posten.

Zitat

eine Frage: Warum hast du die Charaktrer nicht hier gepostet? Viele verpassen sie deshalb. Ich hab das auch nur durch Zufall gefunden.

Du hast Recht. Aber wenn ich diese Liste irgend wo mitten in der Geschichte einstelle, muß man noch mehr suchen als wenn diese bei den Diskussionen steht, daher habe ich das sein lassen.


Aber ich versuche, sie in der Signatur zu verlinken, dann sollte sie unter jedem Teil schnell zu finden sein.



HeMaDo


44. RE: Neue Horizonte - 2

geschrieben von Ihr_joe am 23.07.17 20:36

Dann bleibt mir nichts anderes übrig...
Muss Dich noch weiter motivieren.
Die Pony Abhandlung, einschließlich aller Zweifel, das Wollen und die Freude, fand ich einfach genial beschrieben, da ich bei so was keine Erfahrung habe (noch?), konnte ich mich fast als solches fühlen.

Danke
Ihr_joe
45. RE: Neue Horizonte - 2

geschrieben von HeMaDo am 29.07.17 21:21

»Wie soll es denn nun weiter gehen?« Kati schaute verunsichert zu Nadine, die ihr gerade den Verband gewechselt und mit einem guten Schluck Wodka die Wunde an der Schulter desinfiziert hatte. Katis Schreie hatte sie dabei mit einem Verbandspäckchen erstickt das sie ihr kurzerhand ungeöffnet in den Mund gestopft hatte.
»Du schläfst noch eine Runde und dann fahren wir noch mal zu dem Schacht. Vielleicht gibt es da doch noch eine Möglichkeit raus zu kommen. Am ersten Schacht sehe ich keine Möglichkeit. Da wimmelt es nur so von Aufseherinnen.«
»Woher weißt du das denn so genau?«, wollte Kati wissen.
»Ganz einfach, ich hab mir deine Klamotten geborgt und war da. Mir passen sie immerhin.«
»Meine Klamotten? Hab ich deswegen nichts an?«
Nadine nickte lediglich und deutete auf die Aufseheruniform die zum Trocknen über einem Stuhl hing.
»Du hast mich ausgezogen?«, Kati schaute sie etwas verunsichert an.
»Wie hätte ich die Sachen denn sonst anziehen können?« Nadine rollte mit den Augen. »Du hättest sie übrigens ruhig mal waschen können, da war mein Overall ja nach vier Wochen noch sauberer. Die Hose stand fast von alleine.«
»Hast du… Ich meine hast du mit mir...«, druckste Kati herum.
Wieder rollte Nadine mit den Augen. »Meine Güte, was für ein Problem hast du denn? Was hätte ich denn machen sollen? Du warst bewusstlos. Denkst du auch mal an was Anderes?«
»Entschuldige bitte.«, sagte Kati kleinlaut und wollte aufstehen.
»Was hast du vor? Bleib mal besser liegen.«
»Ich wollte mich wieder anziehen.«
»Aber nicht bevor du dich geduscht hast. So wie du stinkst hast du das seit mehr als vier Wochen schon nicht mehr gemacht.«
»Entschuldige.« Kati saß auf dem Bett und vermied es Nadine anzusehen. »Aber das Wasser ist so kalt.«
»Nun stell dich mal nicht so an. Meinst du denn, mir hat das Spaß gemacht mit dem kalten Wasser? Wenn du aufstehen kannst, dann geh duschen, vorher bekommst du die Sachen nicht. Und wenn du willst, das ich dir nochmal den Verband wechsele, das mach ich vorher auch nicht.«, fuhr Nadine sie lauter als sie es eigentlich wollte an.
»Ja.«, sagte Kati kleinlaut, stand langsam auf und ging zur Dusche. ’Da hat jetzt nur noch ein Herrin oder sowas gefehlt.’, dachte Nadine. Sie schaute Kati hinterher die zur Dusche ging und fragte sich, ob ein normaler Mensch tatsächlich so viele Rippen besaß.
Während Kati unter beständigem Quieken und Prusten duschte, machte Nadine auf der Herdplatte einen Topf voll Wasser warm und bereitete einen Beutel Brei zu.

»Wie alt bist du eigentlich?«, Nadine schaute zu Kati, die sich ein kleines Handtuch vor die Scham haltend und zitternd aus der Dusche kam. »So hab ich mich nicht angestellt als ich zehn war.«
»Du hast mit zehn kalt duschen müssen?«, fragte Kati bibbernd, während sie sich versuchte, mit dem winzigen Handtuch gleichzeitig abzutrocknen und ihre Scham zu bedecken.
»Mein Vater hat als selbstständiger Softwareentwickler gearbeitet. Wir hatten entweder nicht viel Geld, und wenn mal etwas Geld übrig war, hatte er keine Zeit. Wir sind trotzdem jedes Jahr an die Nordsee gefahren. Aber entweder im Frühjahr oder im Spätherbst. Meistens weil es billiger war als in der Saison. Ich hab trotzdem immer im Meer gebadet. Und das war bestimmt kälter als das Wasser hier.«, erzählte Nadine. Währenddessen verteilte sie den Brei auf zwei Tellern und gab einen davon Kati. Diese hatte es endlich geschafft, sich abzutrocknen und zog sich die Aufseheruniform wieder an.

Nachdem sie gegessen hatten, wollte Nadine sich noch mal Katis Verletzungen an sehen. Sie setzte sich ihr gegenüber und wollte die ziemlich durchnässte Kompresse die sie mit Heftpflaster an Katis Stirn befestigt hatte ansehen. Diese zuckte zusammen und drehte sich weg, als Nadine sie ihr abziehen wollte. Nadine schaute sie kopfschüttelnd an, zog sie zu sich und hielt ihren Kopf fest. »Mund auf. So wie du rum schreist, hört uns sonst noch jemand.«, sagte Nadine und stopfte ihr wieder das Verbandspäckchen in den Mund. Sie hielt weiter Katis Kopf und zog mit einem Ruck die Kompresse ab. Kati biss fest auf das Päckchen und quiekte. Nadine schüttete etwas von dem Wodka auf eine saubere Kompresse und tupfte die Wunde aus, worauf hin Kati erneut quiekte. Erst als Nadine ihr eine neue Kompresse auf die Wunde geklebt hatte, beruhigte sie sich wieder. Nadine nahm ihr das Päckchen aus dem Mund.
»Aua.«, sagte Kati mit vorwurfsvoller Stimme. »Das hat wehgetan.«
»Das tut noch mehr weh, wenn es sich entzündet.«, gab Nadine zurück und ließ Kati wieder los. »Also stell dich mal nicht so an.«
»Und jetzt?«, wollte Kati wissen.
»Jetzt ziehst du dich wieder aus.« Nadine hatte einen der Verbandskästen aus den Wagen mit genommen. Diesen hatte sie offen auf dem Tisch liegen und holte noch ein Päckchen Kompressen heraus.
Kati schaute sie mit einer Mischung aus Entsetzen und Resignation an während sie ihre Hose aufknöpfte.
»Was wird das denn? Du sollst die Jacke ausziehen, damit ich mir deinen Arm nochmal ansehen kann. Der Verband ist ganz nass und muss gewechselt werden.«
»Oh.«, sagte Kati und schloss die Hose wieder. »Ich dachte, du wolltest...«
»Meine Fresse, du hast echt ein Problem.«, unterbrach Nadine sie.
Endlich hatte Kati die Jacke ausgezogen und Nadine konnte ihr den durchnässten Verband abnehmen. Dies ging glücklicherweise ohne größeres Geschrei und so trocknete sie die Wunde mit einer Kompresse und verband diese wieder.
»Das war’s.«, sagte sie. Sie starrte auf Katis Brüste, während diese sich wieder anzog. »Wenn du fertig bist, dann fahren wir wieder zum Schacht. Ich will mich da noch mal umsehen.«
»Ist das nicht gefährlich? Was ist, wenn da noch was runter fällt?«
»Hast du eine bessere Idee?« Nadine warf einen fragenden Blick zu Kati, die nur den Kopf schüttelte.
»Siehst du? Dann los.«, sagte Nadine und packte sich eine Stofftasche die auf dem Tisch lag, setzte sich das Nachtsichtgerät auf und fasste Kati an der Hand. Sie zog diese hinter sich her aus dem Schutzraum heraus und leuchtete mit einer Lampe den Gang entlang. Als sie die halbe Strecke bis zum ersten Durchgang gegangen waren, schaltete Nadine die Lampe aus und das Nachtsichtgerät ein. »Leise jetzt.« flüsterte sie.

Sie kamen schnell beim Durchgang an, den Nadine leise öffnete und Kati hindurch zog. Ebenso leise verschloss sie die Tür wieder hinter sich und schob mit dem Fuß etwas Staub vor die Tür. Ohne Licht zu machen, setzte sie Kati in den Wagen und schnallte sie auf dem Beifahrersitz an, bevor sie selbst einstieg, sich anschnallte und los fuhr.
»Willst du kein Licht machen?«, fragte Kati.
»Nein. So sehe ich mehr.«, erklärte Nadine.

»Festhalten.«, sagte Nadine und fuhr unmittelbar darauf um eine Kurve. Kati hielt sich schon die ganze Zeit über krampfhaft fest. Ohne etwas zu sehen war es für sie der blanke Horror. Durch die offenen Fenster fühlte sie den Fahrtwind der ihr durchs Gesicht wehte und spürte jede Kurve doch sie bemühte sich, keinen Ton von sich zu geben.

Nach einer gefühlt unendlich langen Fahrt hielt Nadine den Wagen an und stieg aus. Kati fragte sich, was jetzt passieren würde. Dann hörte sie metallisches Quietschen und ein lautes Rattern. Kurz darauf fuhr der Wagen weiter, aber blieb nach einigen Metern bereits wieder stehen. Wieder stieg Nadine aus und wieder waren diese Geräusche zu hören.
»Augen zu!«, rief Nadine von irgend wo her. Kati presste beide Hände auf die Augen. Von irgend wo her fluchte Nadine lauthals.
»Ist alles in Ordnung?«, rief Kati.
»Ja, du kannst die Augen aufmachen. Ich hab nur vergessen, das Nachtsichtgerät auszuschalten.«
Langsam nahm Kati die Hände von den Augen und öffnete diese wieder. Sie befanden sich in der Kammer mit dem Förderschacht. Das Bild welches sich ihr zeigte, war geprägt von bloßer Zerstörung. Die Hälfte des Gerüstes war zerstört, überall lagen Stahlteile herum und ein großer Haufen Schrott lag direkt am Fuß des Schachtes. Der Schacht selbst war durch das nun fehlende Gerüst als großes, dunkles Loch in der Decke zu erkennen. Einige der Lampen hingen von den Resten des Gerüstes herab, andere waren einfach abgerissen. Doch es gab noch genug Lampen um die Kammer in ein gespenstisches Licht zu hüllen.

Nadine ging die Treppen bis in die dritte Ebene hinauf und blieb vor einigen Stahlträgern stehen die auf den Gitterrosten herum lagen. Mit einer Lampe leuchtete sie in den Schacht hinein. Kati folgte ihr langsam. Sie schaute sich die Stelle an, an der sie gestanden hatte, als die Tür sie getroffen hatte. Dort fehlten einige der Gitterroste und das Geländer war an der Stelle in zwei Hälften geteilt. Das Ende eines armdicken Stahlseiles lag ein Stück tiefer auf den Resten der dicken Träger die das Gerüst bildeten.

»Also wenn wir eine Leiter hätten, und bis da oben hin kämen, könnten wir im Schacht nach oben klettern. Da gibt es sogar Tritte.«, rief Nadine.
»Wie lange brauchen wir um da hoch zu klettern?«, fragte Kati entgeistert.
Nadine schaute nach oben und dachte kurz nach. »Also wenn ich für 20 Meter fünf Minuten brauche, das hier sind 822 Meter. Verdammt, ich hab keinen Taschenrechner.«
»Drei Komma vier zwei fünf Stunden.« sagte Kati abwesend. Während sie in den Schacht schaute.
»Was?«
»822 durch 20 sind 41,1. Mal 5 sind 205,5 Minuten. Durch 60 sind das 3,425 Stunden.« sagte Kati.
»Wow. Woher kannst du das denn?«
»Keine Ahnung. Ich kann eben gut Kopfrechnen. Ich schaffe es sogar die dritte Wurzel im Kopf zu ziehen. Aber das ist auch schon alles was ich kann. Selbst zum klauen bin ich zu doof.«
»Zum Klauen?«
»Na, was denkst du denn, warum ich im Gefängnis war. Bestimmt nicht wegen einem Rechenduell.«, sagte Kati mit einem schiefen Grinsen.
Auch Nadine musste darauf hin lachen.

Noch immer schauten die Beiden in den Schacht. »Also wenn wir da drauf kommen, bräuchten wir nur eine ungefähr drei Meter lange Leiter um an die Tritte zu kommen. Und dann bräuchten wir Seile um uns fest zu machen. Sonst fallen wir runter. Und 800 Meter tief auf diesen Schutthaufen zu fallen stelle ich mir nicht sehr angenehm vor.«
»Ich weiß, wo so eine Leiter ist.«, sagte Kati.
»Wo denn? Irgendwo bei den Aufseherinnen?«
»Nein, da vorne, gleich hinter dem Durchgang.«, sagte Kati. Sie ging die Treppen herunter. Nadine schaute noch eine Minute in den Schacht und folgte ihr dann. Als Kati am Durchgang angekommen war, hatte sie sie eingeholt. Sie öffneten die Tür und gingen hindurch. Kati leuchtete mit einer Lampe an die Wand. »Da ist sie.«
Nadine folgte dem Lichtkegel und sah eine schwere Gittertür. Ein Schild über dieser verkündete ’Rettungs- und Wetterschacht 4, 822m Tiefe’. Hinter diesem Gitter konnte Nadine tatsächlich eine Leiter sehen. Diese war in einem etwa eineinhalb Meter durchmessenden Schacht befestigt der schräg nach oben führte. An der Oberseite des Schachtes befand sich eine etwa vier Zentimeter breite Metallschiene die wie ein C geformt war. In dieser Schiene hingen mehrere kleine Wagen.
»Kati.«
»Ja?«, fragte diese wegen Nadines Tonfall leicht misstrauisch.
»Du bist selten dämlich.«
»Ich weiß. Aber da kann ich auch nichts für, das ist eben so. Tut mir leid.« sie schaute eine Weile schweigend die Leiter an. »Wieso bin ich denn nun schon wieder so dämlich? Was hab ich denn falsch gemacht?«
»Ich weiß nicht? Vielleicht weil du seit wer weiß wie vielen Wochen nach einen Fluchtweg suchst, und dauernd dran vorbei gelaufen bist? Oder weil du mich an diesem blöden Förderlift hast herumbasteln lassen?« Nadine schaute sie unverwandt an »Wenn ich noch länger nachdenke, fällt mir sicher noch mehr ein.«
»Tut mir leid.« Kati schaute Nadine kurz an und wandte sich dann ab.
Nadine ging zu ihr, nahm sie in die Arme und versuchte sie zu beruhigen. Mit ihrem Ärmel versuchte sie ihr die Tränen weg zu wischen. »Komm, hör auf zu weinen. Sag mir lieber, wie lang der Schacht ist.«
»Woher soll ich das denn wissen?«, schniefte Kati. Sie hatte sich an Nadines Schulter gelehnt und begann erneut zu weinen.
»Wenn wir 822 Meter tief sind und der Schacht hier genau im schrägen Winkel nach oben verläuft, wie lang ist der dann?«, hakte Nadine nach doch Kati zuckte nur mit den Schultern.
»822 im Quadrat sind?«
»675684.«
»Ähm, ok. Mal zwei? Merk dir die Antwort. Und zieh die Wurzel daraus.«
»Eintausendeinhundertzweiundschzig Komma...«
»Die Nachkommastellen brauchen wir glaube ich nicht.«
»Und weiter?«, fragte Kati.
»Jetzt wissen wir, das wir etwas mehr als einen Kilometer weit da rauf müssen.«
»Woher denn das?«
Nadine schüttelte den Kopf. »Hast du doch gerade gesagt. Weißt du denn garnichts mehr aus der Schule?«
»Ich hab doch gesagt, das ich nur gut im Kopfrechnen bin. Formeln und sowas konnte ich mir noch nie merken.« Wieder fing Kati an zu schniefen. »Meinst du denn, wenn ich besser in der Schule gewesen wäre, hätte ich klauen müssen?«
»Du hättest Serva werden sollen. Denn wäre dir das hier auf jeden Fall erspart geblieben.«
»Vielleicht. Aber wer will schon eine Serva die so doof ist?«
»Komm schon, so doof bist du doch garnicht.«
»Hast du doch eben selber noch gesagt.«
»Tut mir leid.« Nadine löste die Umarmung und schaute sie verlegen an. »Komm, wir fahren zurück, suchen uns alles zusammen, was wir brauchen können und schlafen. Ich glaube, das da«, sie deutete auf den Schacht »wird ganz schön anstrengend werden.«
Sie gingen zurück in die Kammer mit dem zerstörten Aufzug, wo Nadine noch einmal die Elektrowagen durchsuchte. Sie fand mehrere Sicherheitsgeschirre, von denen sie zwei in den Wagen legte mit dem sie hergekommen waren. Außerdem suchte sie alle Verbandskästen und fand auch noch drei Pappschachteln mit Vakuumverpackten Notrationen Diese waren zwar schon seit mehreren Jahren abgelaufen aber das war besser als garnichts. Sie brachten alles in den Wagen. Dann schaltete Nadine das Licht aus und dann fuhren sie los.

»Was ist denn mit den Anderen?«, wollte Kati wissen, nachdem sie den Wagen am Durchgang abgestellt hatten.
»Was soll mit denen sein? Wenn wir hier raus kommen, gehen wir zur Polizei, dann sollen die sich darum kümmern.«, sagte Nadine.
Kati wollte gerade die Tür öffnen, doch Nadine hielt sie zurück.
»Was denn?«, fragte Kati.
»Hörst du das nicht?« Sie legte das Ohr an die Tür. Dann schob sie Kati bei Seite und öffnete diese vorsichtig einen Spalt. Sie schaute durch diesen hindurch und schloss die Tür leise wieder.
»Scheiße.« sagte sie leise.
»Was ist denn los?«, fragte Kati besorgt.
»Da ist die Hölle los. Ich glaube, die suchen jemanden. Da ist alles hell erleuchtet und jede Menge Aufseherinnen rennen da rum.«
»Meinst du die suchen nach uns?«
Nadine schaltete ihre Lampe an. »Wer weiß. Vielleicht haben sie den Notfallraum gefunden. Dann haben wir ein Problem.«
»Ich habe Angst.«. Wieder fing Kati an zu schniefen.
»Meine Fresse, jetzt reiß dich endlich mal zusammen. Los zurück in den Wagen.«, sagte Nadine.
Kati setzte sich wieder auf den Beifahrersitz und Nadine wollte los fahren. Sie schaute noch einmal kurz zu Kati und wollte gerade die Lampe ausschalten.
»Was hast du denn da?«, fragte sie.
Kati gab ihr das gefaltete Stück Papier welches die Form einer Blume hatte.
Nadine entfaltete es. Auf dem Papier stand etwas geschrieben. ’Wenn ihr abhauen könnt, dann ist jetzt der richtige Zeitpunkt dazu. Ansonsten versteckt euch irgendwo und hofft, das ihr nicht gefunden werdet.’
»Wo hast du das her?«, fragte Nadine.
»Das lag eben vor der Tür.«, sagte Kati.
»Kati.«, sagte Nadine langgezogen und setzte den Wagen in Bewegung.
»Ich weiß, ich bin blöd.«
»Das hast du gesagt.« Nadine schaltete das Nachtsichtgerät an und fuhr so schnell sie konnte zurück zu dem Förderschacht. Dort öffnete sie das Tor und stellte den Wagen zu den anderen. Sie lief zum Lichtschalter und schaltete das Licht ein. Sie nahm eines der Sicherheitsgeschirre und gab es Kati, eines davon zog sie sich selbst an. Dann nahm sie eine Wasserflasche und knotete sie an einen überstehenden Riemen des Geschirres. Das Selbe machte sie mit der Lampe. Eines der Pakete mit den Notfallrationen steckte sie unter die Gurte des Geschirres. Dann half sie Kati, das Geschirr ebenfalls anzuziehen die damit sichtlich Probleme hatte. Wortlos befestigte sie eine zweite Wasserflasche und die zweite Lampe an Katis Geschirr und steckte auch ihr eine der Notfallrationen unter das Geschirr. Das Nachtsichtgerät behielt sie auf dem Kopf.
»Ich hätte gerne noch mehr mitgenommen, vor Allem was warmes zum Anziehen, aber ich fürchte, darauf müssen wir wohl verzichten.«, sagte Nadine und schaute sich noch einmal kurz um.
»Und jetzt?«, fragte Kati.
»Jetzt machen wir, das wir hier weg kommen.« Nadine schaltete das Licht aus und das Nachtsichtgerät ein. Sie tippte auf die Taste die den Ladezustand anzeigte. Die Batterie hatte noch Strom für gut Sechs Stunden. Sie fasste Kati an der Hand und zog sie durch das Tor in den Stollen zurück. Sie drückte auf den Schalter der das Tor schloss und ging mit Kati zu dem Rettungsschacht. Das Gitter ließ sich mit etwas Mühe aufklappen. »Los, mach Licht an und dann rein mit dir.«, sagte sie. Nachdem Kati einige Stufen nach oben geklettert war, folgte sie ihr und zog das Gitter wieder zu. An der Schiene die an der Decke entlang lief, griff sie einen der kleinen Wagen und prüfte diesen. Sie schob ihn nach oben und hakte das freie Ende der Leine an Katis Gurt dort ein. Am zweiten Wagen hakte sie ihren eigenen Gurt ein.
»Was ist das?«, wollte Kati wissen.
»Das ist eine Absturzsicherung. Nach oben kann man sie leicht ziehen und ohne Last rollt der Wagen auch selbst wieder nach unten. Aber wenn du fällst, blockiert dein Gewicht die Bremse in dem Wagen und du kannst nicht weit fallen.«, erklärte Nadine. »So, und jetzt mach deine Lampe an und kletter los.«
Kati begann schnell zu klettern doch Nadine hielt sie auf. »Nicht so schnell. Sonst bist du zu schnell aus der Puste. Schön gleichmäßig aber nicht trödeln.«

- - -

Rebecca betrachtete sich im Spiegel. Alles in Allem fand sie ihren Körper ganz in Ordnung. Mit ihren 34 Jahren sah die trotz ihrer Narben recht gut aus, wie sie fand. Nur an einigen Stellen machten sich einige Fettpölsterchen bemerkbar. Sie fragte sich, ob sie vielleicht anfangen sollte etwas zu trainieren um diese wieder los zu werden. Zwar machte sie auch weiterhin die Übungen die sie von ihren Therapeuten gezeigt bekommen hatte, doch diese waren nur dafür da um beweglich zu bleiben und durch ihre Verletzungen nicht noch mehr eingeschränkt zu werden als sie es jetzt schon durch ihre Schmerzen war. Zum Abnehmen waren diese Übungen gänzlich ungeeignet.

Während sie sich so im Spiegel betrachtete, sie trug nichts außer dem Keuschheitsgürtel, bemerkte sie neben der Tür ein grünes Leuchten.
’Was bezweckt sie eigentlich mit diesem blöden Gürtel?’, fragte sich Rebecca. Und jetzt auch noch dieses Korsett, welches mittlerweile im Schrank stand. Was wollte sie damit bezwecken? Wollte sie sie noch mehr einsperren als sie es in diesem Gürtel ohnehin schon war? Rebecca war sich darüber im Klaren, daß sie dieses Korsett, wenn sie es einmal trug, nicht mehr selbst ausziehen konnte. War es vielleicht nur ein Vorwand, daß damit ihr Rücken angeblich entlastet werden sollte? Doch das konnte sie sich nicht vorstellen. Denn bei der letzten Anprobe gestern hatte sie tatsächlich so etwas wie eine Verbesserung empfunden. Aber selbst wenn es so war, konnte das dennoch ein Vorwand sein, sie noch weiter einzusperren.

Wollte Andrea ihr damit vielleicht zeigen, wer die Herrin war und daß sie über Rebeccas Körper und sogar über ihre Lust bestimmen konnte? Doch wenn das so war, warum begnügte sie sich dann mit den Spielzeugen, die Rebecca beinahe jeden Morgen in Andreas Bett fand? Warum sagte sie ihr nicht einfach, sie solle in ihr Schlafzimmer kommen? Oder wollte sie vielleicht, daß sie selbst darum bat? Daß sie vielleicht irgend wann sogar darum bettelte?

Rebecca war sich ganz sicher, daß es dazu nie kommen würde. Und wenn es ihr zu viel wurde, konnte sie im Gegensatz zu den meisten anderen Serva einfach kündigen und gehen.
Doch wollte sie das überhaupt? Erschreckt stellte sie fest, daß dieser Gedanke ihr auf eine seltsame Art und Weise sogar zu gefallen schien. Es gefiel ihr, daß jemand über sie bestimmte, ihr sogar vorschreiben konnte, wann sie Lust empfinden durfte, sich berühren durfte und wann nicht. Sie erschrak über diesen Gedanken. War das wirklich sie selbst, die das dachte?
Ja, sie war immer noch sie selbst. Dies war etwas, was ihr niemand nehmen konnte.

Doch stimmte das wirklich? Sie musste zugeben, daß sie sich in den letzten Wochen und Monaten verändert hatte. Sie war viel ruhiger und ausgeglichener als sie es je zuvor in ihrem Leben gewesen war. Sie war entspannter und machte sich viel weniger Sorgen als früher. Selbst die wenigen Gespräche mit ihrer Mutter regten sie nicht mehr so auf. Im Gegenteil, auch diese Gespräche verliefen ruhiger und mit viel weniger Streit. Beim letzten Gespräch hatte Sie ihrer Mutter sogar gesagt, das sie sie gerne hatte, Worte die ihr früher nie über die Lippen gekommen wären.

- - -

»Fertig?«, rief Julia von unten.
»Einen Moment noch bitte Herrin.«, rief Mara zurück. Sie betrachtete sich im Spiegel. Die Stiefel, die sie nun trug, passten zwar wie angegossen doch sie waren alles Andere als unauffällig. Über den angeformten Hufen war das Leder dunkelblau und das Logo eines großen Sportartikelherstellers prangte auf ihrem halben Unterschenkel. Auch die weißen Schnürsenkel passten so garnicht. Doch sie waren offenbar sehr gut gepolstert und es gab sogar eine eingebaute Federung die man mit einem Pumpball anpassen konnte. Die knappe Sporthose und der ebenso knappe Sport-BH trugen ebenfalls das Logo des Sportartikelherstellers. Nur das Geschirr, welches sie trug war noch das Selbe wie am Sonntag wenn man davon absah, daß sie kein Kopfgeschirr trug. Dieses brauchte sie beim morgendlichen Laufen nicht zu tragen. Sie nahm die Handschuhe und ging nach unten, wo Herrin Julia bereits wartete. Diese hatte den Sulky bereits aus dem Schuppen heraus geholt. Mara stellte sich zwischen die Anzen und Julia befestigte diese an den Ringen des Korsetts. Die Zügel befestigte sie an Ringen die sich in Brusthöhe am Korsett befanden. Sie half Mara, die Handschuhe anzuziehen und befestigte das dünne Stahlseil der Bremse an einem Ring in der Mitte des Korsetts. Dann stieg sie auf und ließ die Peitsche knallen. Mara lief sofort los. Auch ohne das Herrin Julia ihr anzeigen musste, wohin sie laufen sollte, lief sie in Richtung Park. Nach der Brücke bog sie links ab und lief dann geradeaus bis zum Schlossgarten, links am Schloss vorbei auf die Straße, um den Sportplatz herum bis zum Schloss und dort wieder in den Schlossgarten. Auf der anderen Seite des Parks lief sie bis zum Teich, umrundete diesen und lief dann den Weg am Graben entlang zurück bis nach Hause.

Heute fiel es ihr schon wesentlich leichter als gestern, diese Strecke mit der zusätzlichen Last durch den Sulky und ihre Herrin zu laufen. Sie schaffte es, die fünf Kilometer in weniger als einer Dreiviertelstunde zu laufen und war noch relativ entspannt als sie wieder zu Hause ankamen. Doch Herrin Julia zog nach rechts, als Mara in die Einfahrt zurück laufen wollte. So lief sie gerade aus weiter, über die Straße, sie Querstraße entlang bis zur Hauptstraße. Dort musste Mara nach links laufen bis zum Supermarkt. Dort dirigierte Julia sie auf den Parkplatz und stieg ab.
»Ich gehe schnell Brötchen holen. Du wartest so lange hier.«, sagte sie.
Mara überlegte kurz und trat grinsend einmal mit dem Fuß auf. Julia lachte darauf hin und ging in die Bäckerei die sich neben dem Supermarkt befand. Sie kam kurz darauf mir einer Tüte zurück, stieg auf und gab Mara das Signal zum weiter laufen. Sie umrundeten den Block und kamen dann von der anderen Seite zum Haus, wo Mara dann endlich auf den Hof lief und von Julia los gemacht wurde.

Nachdem Mara sich geduscht und angezogen hatte, deckte sie den Esstisch, wo sie gemeinsam mit Julia frühstückte. Während Mara den Tisch nach dem Frühstück abräumte, las Julia in der Zeitung.
Pünktlich um acht Uhr gingen beide nach unten und öffneten die Läden.

- - -

»Ich kann nicht mehr.«, sagte Kati erschöpft und blieb einfach stehen. Sie drehte sich um und setzte sich auf die Leiter.
»Komm schon, wir haben schon mehr als die Hälfte geschafft.«, sagte Nadine. Doch auch sie fühlte sich erschöpft und könnte sicher eine Pause vertragen.
»Ich schaffe das nicht.«, sagte Kati »Geh ohne mich weiter.«
»Soweit kommt’s noch. Wir haben das zusammen angefangen und wir bringen das auch zusammen zu Ende. Wenn ich mich nicht verschätzt habe, kommen wir balde wieder zu einer Nische, da machen wir Pause. Versprochen.« Sie ging eine Stufe weiter und schob Kati zum Weiterklettern an. Nur widerwillig drehte diese sich um und kletterte weiter.
Nadine drückte auf die Taste an der Lampe. Diese zeigte noch eine Zeit von 20 Minuten an. Danach würde auch diese ausgehen. Sie hoffte, daß sie bis dahin tatsächlich eine der Nischen erreichen würden und daß es dort eine Steckdose gab an der sie die Lampen nachladen konnten. Ansonsten gab es nur noch das Nachtsichtgerät welches noch genug Energie für ungefähr vier Stunden hatte. Aber es würde verdammt anstrengend werden, so die Leiter zu steigen und auch noch auf Katis Schritte zu achten.

Nach etwa einer viertel Stunde, die Ladeanzeige der Lampe zeigte noch genau fünf Minuten Restzeit an, erreichten sie eine Nische im Schacht. Nadine tippte Kati an und schob sie in diese Nische herein. Diese war etwa zwei Meter tief und genauso breit und hoch. Sie löste die Karabiner der Sicherheitsgeschirre von den Wagen und klemmte diese in der Schiene fest. Sie hatte herausgefunden, daß diese Wagen ohne Belastung tatsächlich von selbst nach unten rollten. Dies wollte sie auf keinen Fall riskieren. Zumal Kati bereits mehrmals abgerutscht war und nur durch die Bremse davor bewahrt worden war, mit Nadine zusammen zu stoßen.

Ein verrostetes Blechschild an der Wand gab an, daß es nur noch 200 Meter bis zur Oberfläche waren. An der hinteren Wand der Nische befand sich tatsächlich eine Lampe, doch diese leuchtete nur noch schwach vor sich hin. Dennoch schaltete Nadine die eigene Lampe aus um deren Batterie zu schonen. Es dauerte eine Weile bis sich ihr Augen an das schwache Licht gewöhnt hatten. Kati hatte sich einfach auf den nackten Felsen gelegt und war bereits eingeschlafen.

Nadine trank einen Schluck Wasser und öffnete ihre Notration. In einem silbernen Päckchen waren Kekse eingeschweißt. Sie öffnete dieses Päckchen und schaute, was noch alles in dem Beutel zu finden war. Sie fand mehrere kleine Aluminiumbehälter deren Aufschrift verkündete, das sich Marmelade, Streichkäse und sogar Schmierwurst darin befanden. Sie öffnete Wahllos einen der Behälter und brach einen der Kekse in der Mitte durch. Diesen nahm sie zu Hilfe um einige der Kekse mit Aprikosenmarmelade zu bestreichen. Satt war sie danach zwar noch lange nicht, aber sie hoffte, daß es reichen würde bis sie an der Oberfläche angekommen waren.

Ihre Augen hatten sich mittlerweile an das schwache Licht gewöhnt. Also suchte sie nach einer Steckdose zum Aufladen der Lampe, doch eine solche war nirgendwo zu finden. Das Kabel, welches zu dieser führte, kam direkt aus dem Schacht.
»Komm, scheiß drauf.«, sagte sie zu sich selbst. Sie durchsuchte Katis Hosentaschen nach dem Taschenmesser welches sie auch schnell fand. Mit dem Schraubenzieher öffnete sie die Lampe an der Wand und schaute sie sich kurz an. Sie Rollte das Ladekabel der Handlampe aus und schnitt kurzerhand den Stecker ab. Sie legte die blanken Adern frei und versuchte diese an den Anschlüssen der Wandlampe anzuschließen, ohne einen Schlag zu bekommen. Dies gelang ihr nach einigen Versuchen auch halbwegs, doch sowie man an dem Kabel ziehen würde, würde sich die lose Verbindung sofort lösen. Dies nahm sie allerdings in Kauf und stellte die Handlampe so, daß sie halbwegs sicher stand. Dann nahm sie den Karabiner ihres Sicherheitsgeschirres und hakte diesen in Katis Geschirr ein. Sie trank noch einen Schluck und legte sich dann neben Kati. Den Kopf legte sie auf ihren Arm und versuchte, zu schlafen.

- - -

Nadine wachte auf, weil etwas an ihrer Nase berührte. Sie öffnete die Augen und sah erst einmal nichts. Doch sie spürte einen leichten Luftzug an ihrem Kinn und versuchte zu erfassen, was das war, ohne sich zu bewegen. Langsam bemerkte sie, was das war. Kati war zu ihr gerutscht, hatte ihre Arme fest um sie geschlungen und das Gesicht an ihres gelehnt, so daß Katis Wange ihre Nasenspitze berührte.
’Also das geht doch etwas zu weit.’, dachte Nadine und wollte etwas zur Seite rutschen. Doch Kati hielt sie fest umklammert und sie spürte eine Bewegung die von Kati ausging. Sie fragte sich, was das sollte und schloss die Augen. Sie war neugierig, was Kati wohl jetzt tun würde.

Als Kati die Augen öffnete, kitzelten ihre Wimpern Nadines Wange.
»Danke.«, flüsterte Kati leise und löste die feste Umarmung. Sie rutschte etwas zurück und setzte sich umständlich auf.
’Wofür bedankt sie sich?’, fragte sich Nadine. Doch im Grunde genommen war ihr das im Moment auch egal. Sie streckte sich, öffnete die Augen und setzte sich Kati gegenüber an die Wand.
»Gut geschlafen?«, fragte sie Kati.
»Ja, sehr gut sogar. Danke.« Kati deutete auf die Kekse die auf dem Boden in ihrer Verpackung lagen. »Darf ich bitte was essen?«
Nadine reichte ihr die Kekse. »Schmierwurst, Marmelade oder Streichkäse?«, fragte sie.
»Den Käse bitte.«, sagte Kati. Nadine gab ihr das Schälchen mit dem Streichkäse und beobachtete sie beim Essen.

»Bereit?«, fragte Nadine und schaute sich in der Nische um. Außer einigen Folienstücken und vier Schälchen erinnerte nichts mehr daran, daß sie hier gewesen waren. Nachdem Kati die Kekse aufgegessen hatte, hatte Nadine auch die zweite Packung Kekse geöffnet und diese mit Kati geteilt. Im Gegensatz zur ersten Packung waren diese Kekse allerdings gesüßt. Zusammen mit der Schmierwurst war das eine recht seltsame Mischung, aber das machte weder Nadine noch Kati etwas aus. Danach hatten sie sich noch die kleine Tafel Schokolade geteilt die sich in dem Paket befunden hatte.
Kati kletterte auf die Leiter und wollte los klettern.
»Halt!«, rief Nadine »Erst da einhaken.« Nadine deutete auf die Absturzsicherung. Kati hakte ihren Karabiner in den ersten der beiden Wagen ein und ging los. Dabei löste sie allerdings den zweiten Wagen der mit einem leisen Rattern nach unten rollte. Nadine leuchtete mit der Lampe in die Richtung in der der Wagen verschwunden war und schaute ihm hinterher.
»Kati!«, rief sie langgezogen.
Diese hatte ebenfalls mit offenem Mund dem Wagen hinterher geschaut. Nun leuchtete Nadine ihr direkt ins Gesicht und sah, daß ihre Augen glitzerten und eine Träne ihre Wange herunter lief. »Es tut mir leid.«, sagte Kati leise.
»Wie kann ein einzelner Mensch nur so ungeschickt sein?«, fragte Nadine und hakte den Karabiner von Katis Geschirr aus dem Wagen. Sie hakte ihren eigenen Karabiner ein, nahm die Leine von Katis Geschirr und hakte den Karabiner in ihrem eigenen Geschirr ein. Dann kletterte sie los. Nachdem sie drei Stufen geklettert war spürte sie einen Zug an ihrem Geschirr. Sie drehte sich um und Kati begann nun ebenfalls zu klettern. So kamen sie etwas langsamer voran als zuvor, doch ohne Sicherung wollte sie Kati lieber nicht weiter klettern lassen. Aber auch sie selbst wollte auf diese nicht verzichten.

Schweigend kletterten die Beiden Frauen die Leiter hinauf, bis nach einer guten Stunde ein Schild mit der Aufschrift ’Tiefe: 100m’ auftauchte.
»Wir haben es balde geschafft.« sagte Nadine. Hinter sich hörte sie nur gelegentlich ein leises Schniefen.
Sie schaute den Schacht hinauf und konnte Licht erkennen.
»Es dauert nicht mehr lange. Da vorne ist Licht.«, sagte sie zu Kati. Das Licht welches sei sahen, gab den Beiden die Hoffnung balde hier heraus zu kommen und sie kletterten schneller. Doch als sie auf ungefähr 25 Meter an das Ende des Schachtes heran gekommen waren, blieb Nadine plötzlich stehen. »Du wartest hier. Wenn die herausgefunden haben, wo wir hin sind, dann könnten es sein, daß uns da oben jemand erwartet.« Sie löste den Karabiner von Katis Leine und hakte diesen in dem Wagen der Absturzsicherung ein. Den Karabiner ihres eigenen Geschirres löste sie aus dem Wagen und kletterte alleine weiter.

Als sie am Ende des Schachtes angekommen war, befand sie sich vor einem großen Lüfter, der den Schacht abschloss. Zu ihrer Linken sah sie allerdings eine Stahltür in deren Mitte sich ein großes Rad befand. Vorsichtig hob sie den Kopf und schaute durch den stehenden Flügeln des Lüfters hindurch. Was sie sah, gefiel ihr garnicht. Sie konnte einen Zaun erkennen und die Hälfte eines Wohn- oder Bürocontainers. Auf einer von Gras bewachsenen Fläche vor dem Container standen drei Männer rauchend herum. Diese trugen schwarze Kleidung, ähnlich wie die Aufseherinnen im Bergwerk. Allerdings hatten diese keine Viehtreiber oder Peitschen sondern trugen Maschinenpistolen. Was sie noch sah, war allerdings noch schlimmer. In einem Gestell standen mehrere mannshohe, gelb rot gestreifte Gasflaschen. Auf jeder dieser Flaschen prangten zwei gelbe Dreiecke mit schwarzem Rand. In einem dieser Dreiecke befand sich ein schwarzes X, in dem anderen ein Flammensymbol.
An einer dieser Flaschen befand sich am Ventil ein roter Schlauch, der in ihre Richtung führte. Sie schaute sich um und sah, daß dieser Schlauch an dem Rahmen des Lüfters vorbei führte und auf ihrer Seite endete.

Langsam und so leise wie möglich kletterte sie wieder nach unten, bis zu Kati gelangte.
»Wir haben ein Problem.«, sagte sie leise und erklärte Kati, was sie gesehen hatte.
Diese fing wieder an zu weinen. »Die wollen uns umbringen.«
»Ich glaube nicht. Ich vermute, das in den Flaschen sowas wie ein Betäubungsmittel ist. Aber so viele Flaschen wie da stehen, sind die nicht wegen uns hier. Wahrscheinlich reicht die Menge Gas, die da drinne ist um alle im Bergwerk entweder zu betäuben oder zu töten. Und so wie die da rum stehen, warten sie nicht auf uns. Und wenn doch, sind sie ziemlich schlampig.«, sagte sie leise.

Kati schaute sie fragend an.
»Ich muss einen Moment überlegen.« Sie schloss die Augen und dachte nach.
»Ich gehe wieder nach oben. Du bist so lange Still und gibst keinen Mucks von dir. Verstanden?«, sagte sie zu Kati. Diese nickte lediglich. Langsam und möglichst leise kletterte Nadine wieder nach oben und beobachtete die Männer. Sie konnte die Unterhaltung der Männer hören die sich ganz offenbar darum drehte, was diese Männer vorhatten, wenn sie wieder in die Stadt kamen.

»Ich gehe wieder rein.«, sagte einer der Drei mit einem starken osteuropäischen Akzent.
»Gute Idee. Ich geh auch wieder rein.«, sagte der zweite Mann mit akzentfreier Stimme.
Die Beiden gingen auf den Container zu und gingen hinein. Der Dritte blieb allerdings draußen stehen. Nach einer Weile fing er an herumzulaufen. Nadine hoffte, daß er auch zu dem Container gehen würde doch er verschwand aus ihrem Sichtfeld und kam kurze Zeit später wieder. Er ging weiter und verschwand erneut aus ihrem Sichtfeld, nur um einige Minuten später erneut aufzutauchen.

Langsam begann es zu dämmern. Doch noch immer ging der Mann dauernd hin und her.
Nach einer ganzen Weile, es mussten mittlerweile zwei oder mehr Stunden vergangen sein, sah Nadine wie die Tür des Containers geöffnet wurde. Einer der Männer kam mit einer Flasche in der Hand heraus.
»Hey Wassiliev komm rein. Die Chefin hat gerade angerufen. Sie haben sie gefunden.«, sagte der Mann, es war derjenige, der ohne Akzent sprach.
»Das wurde auch langsam Zeit. Ich hab doch gesagt, hier kommen die nicht hoch. Das ist viel zu weit um hoch zu klettern.«, sagte der Mann der draußen geblieben war. Er nahm die Flasche von dem anderen Mann entgegen, trank einen Schluck und ging mit ihm zusammen in den Container. Durch das gekippte Fenster konnte Nadine sehen, wie die Drei sich an einen Tisch setzten und tranken und sie konnte gedämpft Musik hören die aus dem Container kam.

Sie stieg ein paar Stufen zurück bis zu der Tür und versuchte, diese zu öffnen. Sie war ziemlich erstaunt, daß sich das Rad ohne ein Geräusch drehen ließ. Langsam schob sie die Tür auf und schaute heraus. All zu viel konnte sie allerdings nicht erkennen, da es bereits zu dunkel war. Sie klappte das Nachtsichtgerät herunter und schaltete es ein. Nun konnte sie besser sehen und schaute sich um so gut es ging. Doch wirklich heraus traute sie sich nicht.
Zu ihrer Rechten konnte sie sehen, daß die Tür sich in einer massiven Felswand befand. Der große Lüfter befand sich hingegen in einem kleinen Vorsprung aus Beton, so das sie sich in einer Ecke zwischen diesem Vorsprung und dem Fels befand. Links von sich sah sie einen Geländewagen. Nicht einen dieser Pseudogeländewagen den irgend welche Möchtegerntypen immer fuhren um anzugeben, sondern einen richtigen, geländegängigen Wagen mit großer Bodenfreiheit und Reifen mit groben Profil. Der Zaun führte im rechten Winkel von der Felswand aus einige Meter gerade aus weg, machte einen Knick nach rechts, verlief hinter dem Container her und machte wieder einen Knick bis zur Felswand. Das Areal welches von dem Zaun umschlossen wurde war ungefähr zwanzig mal zwanzig Meter groß. Sie fragte sich, wo das Tor in diesem Zaun war und entdeckte dieses hinter dem Geländewagen.

Das Tor würde sie vermutlich nicht öffnen können ohne daß die Männer die sich im Container aufhielten etwas davon merkten. Doch irgend wie mussten sie hier raus kommen. Sie wagte sich weiter vor und schaute um die Ecke des Vorsprunges herum. Dort fand sich allerdings nur die Felswand und eine freie Rasenfläche.

Ein lautes, mehrstimmiges Lachen ließ sie aufschrecken. Sie schaute zum Container und konnte erkennen daß alle drei Männer sich noch in diesem befanden. Neben dem Container sah sie einige kurze Balken liegen und hatte eine Idee. Sie schloss so leise es ging die Tür und versuchte dann den Schlauch der von der Gasflasche zu dem Lüfter führte aus diesem heraus zu ziehen. Da er nur lose neben der Umrandung durch gesteckt war, ging das ziemlich einfach. Mit dem Ende des Schlauches ging sie geduckt zu dem Container und nahm einen der Balken. Durch das gekippte Fenster konnte sie nun sehen, daß die Männer bereits die dritte Flasche öffneten und diese herum reichten. Offensichtlich waren bereits alle drei ordentlich angetrunken. Das sollte es ihr einfacher machen ihren Plan in die Tat umzusetzen, ohne in Gefahr zu geraten. So leise es ging stellte sie den Balken unter die Türklinke des Containers und drückte ihn fest. Wenn jetzt einer der Männer heraus wollte um zu rauchen oder vielleicht um auszutreten, dann hatte sie ein großes Problem.

Nun nahm sie den Schlauch und als keiner der Männer zum Fenster sah, steckte sie ihn langsam zwischen Fenster und Rahmen hindurch. Schnell lief sie zu den Gasflaschen und drehte das Ventil der Flasche an der der Schlauch angeschlossen war langsam auf. Plötzlich veränderte sich die Stimmung im Container. War diese eben noch recht ausgelassen, klangen die Männer nun eher aufgeregt, beinahe panisch. Sie drehte das Ventil an der Flasche so weit auf es ging und konnte durch das Fenster eine gelbliche Wolke sehen die von dem Schlauch ausging. Sie hoffte, daß das Gas schnell genug wirken würde, so daß die Männer keine Gelegenheit mehr haben würden, die Fenster zu öffnen. Doch dann hörte sie einen Schuss und neben sich ein leises Geräusch als die Kugel im Gras einschlug. Sie hörte noch einen Schuss und spürte eine leichte Berührung am Oberarm. Schnell versteckte sie sich hinter den Gasflaschen. Sie schaute sich ihren Arm an und erkannte ein Loch im Ärmel ihres Overalls. Sie war erschrocken aber auch erleichtert, daß die Kugel offenbar nur den Ärmel erwischt hatte. Sie erwartete noch weitere Schüsse doch als diese ausblieben schaute sie hinter den Gasflaschen hervor. Sie bemerkte sofort zwei Löcher in der Scheibe. Doch von den Männern fehlte jede Spur.
Erst als sie nah am Fenster stand, sah sie diese auf dem Boden liegen. Schnell entfernte sie sich wieder von dem Fenster und drehte das Ventil der Gasflasche zu. Dann ging sie zu der Tür in der Felswand und schaute hinein. Mit dem Nachtsichtgerät konnte sie Kati deutlich sehen die auf der Leiter hockte.
»Kati, komm rauf. Schnell. Beeil dich.«, rief sie. Eine gewisse Euphorie hatte sich in ihr breit gemacht. Sie sah Kati die Leiter hinauf klettern. Als sie endlich oben angekommen war rief sie »Los mach schnell, ich weiß nicht, wie lange das Zeug wirkt. Wir müssen so schnell es geht von hier weg.
»Was riecht hier so komisch?«, fragte Kati.
»Ich habe das Gas in den Container geleitet.«, erklärte Nadine. Sie schaute Kati grinsend an und spürte ein leichtes Schwindelgefühl.
»Ist alles in Ordnung mit dir?«, fragte Kati. Sie schien aus irgend einem Grund besorgt zu sein.
»Ja, alles in Ordnung.«, sagte sie. Dann wurde ihr schwarz vor Augen.

- - -

»Sag mal, ziehst du das Teil auch irgendwann wieder aus?« Julia schaute breit grinsend zu Mara.
»Was meinen Sie Herrin?«, fragte diese und schien ehrlich erstaunt.
Julia ging zu ihr und zog an den langen, roten Haaren, welche aus dem Bund von Maras Hose heraus schauten. »Das Teil meine ich. Du trägst es schon den ganzen Tag. Als du es heute Morgen beim Laufen getragen hast, hab ich mir ja noch nichts bei gedacht. Aber es ist Mittag.«
Mara schaute zu Julia und ihre Gesichtsfarbe glich sich langsam ihrer Haarfarbe an. Sie hatte als sie eben im Bad war, offenbar vergessen die Haare des Schweifs wieder ordentlich in die Hose zu stecken, so das einige davon oben heraus schauten.

Tatsächlich trug sie den Plug mit dem Pferdeschweif bereits seit gestern Abend. Es hatte sie einiges an Mühe und noch wesentlich mehr Überwindung gekostet, den mit zweieinhalb Zentimetern Durchmesser eigentlich recht kleinen Plug mit reichlich Gleitmittel in ihrem Hintern zu versenken. Es hatte nicht wirklich wehgetan als sie ihn gegen ihren in dieser Hinsicht noch jungfräulichen Schließmuskel gedrückt hatte und dieser sich langsam weitete. Doch es war ein sehr seltsames und unangenehmes Gefühl als dieser sich immer mehr dehnte. Als dann die dickste Stelle des Plugs überwunden war und sich ihr Schließmuskel plötzlich um das dünne Stück schloss hatte sie leise aufgeschrien. Nicht vor Schmerz sondern mehr vor Schreck und Erregung.

So etwas hätte sie vorher nie getan. Sich etwas in ihren Hintern zu stecken hatte für sie etwas verrufenes, unanständiges. Doch dann musste sie feststellen, daß vieles von dem was sie an den letzten Abenden getan hatte genauso in diese Kategorie fiel und kurzentschlossen den Plug und ihren Hintern großzügig mit Gleitmittel eingeschmiert.

Nachdem sie sich wieder beruhigt hatte, war sie nackt zum Spiegel gegangen und hatte sich eingehend betrachtet. Der Schweif hatte eine ähnliche Farbe wie ihr eigenes Haar. Eigentlich sah das garnicht mal schlecht aus, hatte sie sich gedacht. Sie hatte mit dem nackten Hintern gewackelt und grinsend beobachtet, wie der Schweif der ihr fast bis zu den Knöcheln reichte, hin und her schwang. Es war ein zwar seltsames, aber durchaus angenehmes Gefühl. Zwar hatte sie seitdem ständig das Gefühl aufs Klo zu müssen doch daran hatte sie sich erstaunlich schnell gewöhnt.

Wie eigentlich an jedem Abend der letzten zwei Wochen hatte sie die elektrische Zahnbürste genommen, die sie in ihrer Nachttischschublade verstaut hatte und sich damit befriedigt bis sie leise stöhnend gekommen war und war danach sofort eingeschlafen. Am Morgen hatte sie den Plug zwar heraus nehmen und reinigen müssen, doch nach dem Toilettengang hatte sie ihn wieder eingeführt. ’Das passt doch eigentlich ganz gut zum Laufen mit dem Sulky.’, hatte sie gedacht. Doch dann hatte sie ihn auch nach dem Duschen wieder eingeführt und unter der Hose versteckt. Offenbar hatte Herrin Julia doch mitbekommen, daß sie ihn noch trug.

»Hallo, ich habe dich was gefragt.«, sagte Julia noch immer grinsend.
»Entschuldigung Herrin, ich war gerade in Gedanken.«
»Ich habe dich gefragt, ob du den auch mal wieder raus nehmen willst.«, sagte Julia. »So ganz ohne Probleme ist das nämlich nicht, wenn du den so lange trägst.«
»Es fühlt sich gut an Herrin.«, sagte Mara abwesend. Es dauerte einen Moment, bis sie begriff, was Julia gesagt hatte. »Was meinen Sie mit Problemen?«
»Was habe ich getan?«, fragte Julia theatralisch »Ich habe ein Monster erschaffen.« Sie grinste noch immer. »Mit Problemen meine ich, daß du vielleicht besser gründlich aufs Klo gehst, nachdem du ihn raus genommen hast.«
Es dauerte einen Moment, bis Mara verstand, was sie meinte. Sie wollte sofort ins Bad gehen, doch Julia hielt sie zurück. »Am Besten wartest du, bis du wirklich musst. Und vielleicht solltest du das hier essen.« Sie holte eine Tafel Schokolade aus einer Schublade, brach diese in zwei Hälften und gab Mara eine davon. Diese nickte nur verstehend.

»So, jetzt mal ab nach unten mit dir. Heute ist nicht viel los, da kannst du mal beide Läden übernehmen, während ich schon mal meine Sachen für morgen raus suche. Wir fahren morgen um 17 Uhr los. Bis dahin möchte ich, das du deine Sachen auch gepackt hast. Bitte nur ein paar Tuniken und Unterwäsche. Und natürlich, was du sonst noch so brauchst, Duschsachen, Handtücher, Zahnbürste und so.«
»Ja Herrin.«, sagte Mara und wollte nach unten gehen.
»Warte mal. Eins muss ich dir noch sagen.«
»Ja Herrin?«
»Ich habe nichts gegen deine innige Beziehung zu deiner elektrischen Zahnbürste.« Bei diesen Worten wurde Mara erneut knallrot. »Aber wenn du nochmal einer Kundin erzählst, sie soll die mal versuchen, obwohl sie schon einige Teile in der Hand hat und damit zur Kasse kommt, dann stelle ich den Strafbock ins Schaufenster, binde dich nackt da drauf und lasse dich den stärksten Vibrator ausprobieren, den ich im Laden habe. Und zwar einen ganzen Tag lang.«
Mara schaute sie entsetzt an. »Entschuldigung.«, stammelte sie. »Ich wollte doch nicht, daß sie alles wieder zurück legt. Ich dachte, sie würde sich die zusätzlich kaufen.«
Julia schaute Mara an. Sie merkte, daß sie mit dieser Drohung zu weit gegangen war. Anscheinend dachte Mara, daß sie das wirklich ernst meinte. Schnell ging sie zu ihr und nahm sie in den Arm.
»Entschuldige Mara. Das war doch nicht ernst gemeint.«, sagte sie und wischte ihr die Tränen aus dem Gesicht. »Ich wollte dir keine Angst machen.«
Mara hob den Kopf und schaute sie mit verweinten Augen an. »Wirklich nicht?«, fragte sie leise.
»Nein Mara, wirklich nicht.«, sagte Julia »Aber tu sowas bitte nicht noch mal. In Ordnung?«
Mara nickte und löste sich aus der Umarmung. Sie wischte sich die Tränen ab und fragte noch einmal »Wirklich nicht?«
»Nein Mara, das würde ich nie machen. Wirklich nicht.«
»Sie würden mich mit der Peitsche schlagen, oder?«
Julia schaute sie an und musste lachen. »Nein, belohnen würde ich dich dafür ganz bestimmt auch nicht.«
Mara schaute sie kurz an und nun musste auch sie lachen.
Erleichtert sah Julia sie an. »Jetzt mach aber, das du nach unten kommst, der Laden sollte schon längst wieder auf sein.«
»Ja Herrin.«, sagte Mara und knickste. »Vielen Dank Herrin.« Sie ging schnell nach unten und öffnete den Laden.

Sie brach sich ein Stück der Schokolade ab und legte den Rest unter den Tresen. Während sie genüsslich die Schokolade kaute und auf Kundschaft wartete, betrachtete sie abwesend den Strafbock. Langsam ging sie auf diesen zu und legte sich darauf. Sie fragte sich, wie es wäre, hier drauf gefesselt zu sein. Herrin Julia würde das zwar ganz sicher machen, wenn sie sie darum bitten würde doch etwas an dieser Vorstellung schien ihr falsch. Wie so oft in den letzten Tage hatte sie das unbestimmte Gefühl, daß irgend etwas fehlte, ohne genau zu wissen, was das sein sollte.

46. RE: Neue Horizonte - 2

geschrieben von Friedet am 30.07.17 15:14

Hallo,

Also die Entwicklung bei Mara ist wirklich super. Aber auch bei Isabella und Frida gab es ja schon in der vorigen Folge unerwartete Neuigkeiten. Es wäre interessant, wenn die alle mal zusammenkämen.

Und Nadine? ein ganz spannender Krimi.

Und ich schaue auf den Kalender... Noch eine Woche bis zur nächsten Folge. grins

Vielen Dank

Friedet
47. RE: Neue Horizonte - 2

geschrieben von HeMaDo am 05.08.17 18:01

Da ich im Moment etwas eingespannt bin, gibt es heute mal nur hier einen neuen Teil. Trotz Problemen beim Posten ohne zu stückeln.

WEDER REGEN NOCH SCHNEE ODER DIE DUNKELHEIT DER NACHT KANN DIESE BOTEN VON IHRER PFLICHT ABHALTEN

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Nadine hatte Schmerzen. Ihr Kopf schien jeden Moment explodieren zu wollen. Außerdem fror sie. Besonders ihr Arm fühlte sich sehr kalt an. Ihre Kehle war trocken und sie hatte Hunger und vor allem Durst. Sie öffnete die Augen und sofort spürte sie einen stechenden Schmerz in ihrem Kopf. Sie stöhnte leise. Als sie die Hand hob, schmerzte ihr Arm. Doch sie zwang sich dazu, die Hand vor die Augen zu legen und diese zu öffnen. Langsam nahm sie die Hand herunter und wurde wieder geblendet. Sie versuchte eine Weile sich an das helle Licht zu gewöhnen. Es kam ihr wie eine Ewigkeit vor, bis sie ihre Augen öffnen konnte ohne daß es schmerzte.

Wo war sie? Sie wollte sich umsehen, doch ihr Kopf schmerzte bei jeder Bewegung. Dennoch drehte sie diesen ganz langsam. Sie befand sich in einem Auto.
Was war passiert? Sie war in dem Bergwerk und wollte mit Kati flüchten. Sie waren eben noch den Schacht hinauf geklettert. Wo war Kati? Wieso war sie nicht hier?
Langsam kehrte die Erinnerung zurück. Sie hatte die Wachposten mit ihrem eigenen Gas betäubt und hatte dann Kati gerufen, dann endete ihre Erinnerung. Hatten sie sie erwischt? Wollten sie sie zurück bringen? Aber warum war sie dann ganz alleine in diesem Auto?
Sie versuchte, sich aufzusetzen. Wieso lag sie auf der Rückbank? Jede Bewegung schmerzte. Wenn die Aufseher sie erwischt hatten, musste sie fliehen solange diese noch dachten, sie würde bewusstlos hier liegen. Unter großen Schmerzen öffnete sie die Tür. Sie wollte aus dem Auto klettern. Doch sie verlor das Gleichgewicht und fiel. Ihr Arm schmerzte als sie auf diesen fiel. Ein Schmerzensschrei entfuhr ihr. Sie versuchte, weg zu kriechen.

Jemand kam auf sie zu gerannt, stellte sich vor sie. Sie erkannte die schwarze Uniform der Aufseherinnen, die schwarzen Stiefel.
»Bitte, lassen Sie mich einfach gehen.«, sagte sie leise. Sie klammerte sich an die Hose der Frau und wollte sich aufrichten. »Bitte, ich sage auch niemandem was.«
»Was willst du niemandem sagen?«
Diese Stimme. Sie kam ihr vertraut vor. Langsam hob sie den Kopf.
»Warum bist du nicht im Auto geblieben?«
Wieder diese Stimme. Die Frau beugte sich zu ihr, fasste sie an den Schultern. Ein stechender Schmerz durchfuhr ihren Arm. Sie schrie vor Schmerzen.
»Komm, steh auf. Hilf mir. Du bist zu schwer.«
Langsam kam ein Gesicht in ihr Blickfeld. Sie sah kurze, braune Haare und braune Augen. »Kati?«, fragte sie.
»Wer denn sonst? Komm schon, steh auf. Du bist zu fett Frau. Mach doch gefälligst mit!«
Es kostete sie einiges an Kraft, mit Katis Hilfe aufzustehen und sich wieder in den Wagen zu setzen.

»Hast du mich vorhin fett genannt?«, fragte Nadine.
Kati hatte ihr etwas Wasser gegeben und das Päckchen mit den Keksen aus der Notration geöffnet. Nun ging es ihr schon wesentlich besser. Zwar hatte sie noch leichte Kopfschmerzen und auch ihr Arm schmerzte noch. Aus irgend einem Grund hatte Kati diesen verbunden und ein Teil des Ärmels war abgeschnitten.
»Entschuldige.«, sagte Kati verschämt. »Es war gestern Abend schon schwer genug, dich in das Auto zu zerren.«
Langsam dämmerte Nadine, was passiert war. Sie musste selbst etwas von dem Gas eingeatmet haben und bewusstlos geworden sein. Kati bestätigte ihr diese Vermutung als sie erzählte, was danach passiert war. Sie hatte es mit großer Mühe geschafft, Nadine auf die Rückbank des Wagens zu zerren und das Tor geöffnet. Als sie versucht hatte, mit dem Auto weg zu fahren, zum Glück steckte der Schlüssel, waren die Männer anscheinend aufgewacht. Kati hatte darauf hin die Gasflasche wieder aufgedreht und diese, nachdem der Mann am Fenster wieder bewusstlos geworden war, zugedreht. Danach hatte sie das Ventil nur ein kleines Stück aufgedreht, in der Hoffnung, daß das Gas die Männer so eine Weile bewusstlos halten würde.

Sie hatte es nach einigen Versuchen tatsächlich geschafft, das Auto in Bewegung zu setzten und bis hier her zu fahren. Doch die Batterie hatte nicht all zu lange gereicht. Als es hell geworden war, hatte Kati dann gesehen, daß Nadine am Arm blutete und diesen Verbunden. Dazu hatte sie den Ärmel des Overalls abgeschnitten.

Nadine ließ sich von Kati die Notration geben und sie teilten sich diese und die letzte halbe Flasche Wasser. Danach ging es Nadine bereits wesentlich besser. Sie beschlossen, den nun nutzlosen Wagen einfach stehen zu lassen und zu Fuß weiter zu gehen, nicht jedoch ohne diesen noch gründlich durchsucht zu haben. Im Kofferraum fanden sie eine Jacke und eine schwere Weste. Nadine wollte Kati die Jacke geben doch diese bestand darauf, daß Nadine diese anziehen sollte, weil ihrem Overall ja ein Ärmel fehlte.
So gingen sie den Feldweg auf dem sie sich befanden entlang und kamen kurze Zeit später zu einer Ortschaft. Ein heruntergekommenes Schild zeigte, daß dieser Ort Леоновичи hieß. Im Ort trafen sie auf eine Frau, die die Beiden ziemlich erstaunt an sah. Offenbar verirrten sich nicht viele Fremde in dieses kleine Nest.
»Entschuldigung, wir suchen die Polizei.«, sprach Nadine diese an.
Die Frau sah sie noch immer erstaunt an. Obwohl angeblich jeder Mensch auf der Welt englisch lernte, verstand diese sie offenbar nicht.
»Polizei.«, sagte Nadine langsam, in der Hoffnung, daß die Frau verstand, was sie wollte.
Noch immer schaute die Frau sie unverwandt an. »Politsiya nicht gut. Ist bestochen. Politsiya machen nichts.« sagte die Frau. Also hatte sie sie doch verstanden. Aber diese Tatsache wunderte sie auch nicht besonders. »Kommen mit zu Priester.« Die Frau winkte ihnen zu folgen.
»Wir brauchen keinen Priester. Wir leben noch und heiraten wollen wir auch nicht.«, sagte Nadine, die die Institution der Kirche noch nie richtig verstanden hatte.
»Nicht Heiraten. Reden.«, sagte die Frau und deutete ihnen nochmals mit zu kommen.
Den Beiden blieb nichts anderes, als der Frau zu folgen, bis sie an eine kleine, aber sehr schöne Kirche kamen. Diese stach aus den umliegenden Häusern heraus, da sie in einem hellen Blau angemalt war und mit ihrem goldenen Zwiebelturm Nadines Vorstellung nach genau dem Klischee einer russischen Kirche entsprach. Die Frau führte sie zu einem Seiteneingang und klopfte laut an die Tür.

Ein Mann kam heraus, der überhaupt nicht Nadines Vorstellung eines Priesters entsprach. Er trug eine weite Jogginghose, eine dazu passende Jacke und Filzpantoffeln. Er schaute zu der Frau und redete auf diese ein. Es dauerte einige Sätze bis die Frau seinen Redefluss unterbrochen hatte und ihm offensichtlich erklärte, daß die Beiden zur Polizei wollten.
»Sie wollen zur Polizei? Ich fürchte, die wird ihnen hier nicht helfen, wenn ihnen nicht gerade eine Ziege oder eine Kuh gestohlen wurde. Mehr kommt hier an Straftaten kaum vor. Was wollen Sie denn eigentlich dort?«
Die Frau nickte dem Priester zu, verabschiedete sich und ging.
Dann begannen Nadine und Kati zu erklären, was sich in dem Bergwerk zutrug und das sie geflüchtet waren. Die Tatsache, daß sie die drei Männer betäubt und deren Auto gestohlen hatten, ließen sie dabei allerdings aus. Der Mann bat sie hinein und führte sie in seine Küche in der ein großer Holzofen eine gemütliche Wärme spendete.
»Entschuldigen Sie, aber meine Frau ist gerade Arbeiten. Ich kann ihnen leider nur einen Tee anbieten, den bekomme ich gerade noch hin.«, sagte er und begann auf einem elektrisch beheizten Samowar eine Kanne Tee zuzubereiten. Er ließ sich berichten, was die Beiden im Bergwerk erlebt hatten und wie sie dort hin gelangt waren.
Er erklärte den Beiden, daß die örtliche Polizei allerdings kaum etwas unternehmen würde, wobei Nadine allerdings den Verdacht hatte, daß er etwas verschwieg. Doch er bot ihnen an, sie später, wenn seine Frau kam, sie mit dem Wagen nach Minsk zu bringen, wo sie zur Polizei gehen könnten. Doch Nadine lehnte dankend ab und bat darum, jemanden anrufen zu können. Der Mann holte ein Comm und gab es Nadine, doch sie hatte in diesem Moment überhaupt keine Ahnung, wen sie überhaupt anrufen sollte.

- - -

»Schon wieder eine langweilige Spätschicht.« Mareike, saß gelangweilt auf ihrem Stuhl und las ein Buch. Sie sah auf und schaute zu Claudia, die es sich vor dem Pult bequem gemacht hatte.
»Verstehe schon, all zu gesprächig bist du nicht.«, sagte Claudia und schaltete den Monitor vor sich auf eine andere Ansicht. Sie überlegte, ob sie die Leistung des Wasserkraftwerkes erhöhen sollte, genug Wasser dazu führte der Fluss um diese Jahreszeit. Sie schaute auf die Anzeigen, welche die gerade benötigte Leistung und die erzeugte Leistung auflisteten und entschied sich dagegen. Vielleicht später, wenn es dunkel wurde und alle das Licht anschalteten. Sonst müsste sie das mit den Technikern der Kraftwerke abstimmen, da im Moment nicht genug Leistung benötigt wurde.
In diesem Moment klingelte das Comm vor ihr. Aus Gewohnheit schaute sie auf die Nummer. Der Anruf kam nicht von hier. Im Gegenteil, der Nummer nach kam er sogar von sehr weit weg. Wahrscheinlich hatte sich wieder einmal jemand verwählt. Sie mochte solche Anrufe, da sich daraus bereits das ein oder andere Mal interessante Unterhaltungen ergeben hatten. Sie setzte die Kopfhörer auf und nahm das Gespräch an. »Leitwarte Horizons, Holtz.«, meldete sie sich.
»Claudia?«, fragte eine Frauenstimme.
»Ja, Claudia Holtz, was kann ich für Sie tun?«
»Du glaubst garnicht, wie froh ich bin, dich zu hören. Egal wie, du musst uns hier abholen. Es ist dringend.«
Zwar kam ihr die Stimme nur zu bekannt vor, doch das war unmöglich. Nadine war vor mehr als einem Monat verunglückt und vor zwei Wochen für tot erklärt worden.
»Und wen bitte soll ich abholen und wo?«
»Ich bin es, Nadine.«, sagte die Stimme.
Claudia erbleichte und begann zu zittern. »Hören sie mir jetzt ganz genau zu!«, schrie sie in das Mikrofon. »Das ist ein verdammt schlechter Scherz, den sie sich da mit mir erlauben. Wir beenden dieses Gespräch jetzt. Und sollten Sie es wagen, sich noch einmal hier zu melden, werde ich die Polizei anrufen.«
Darauf hin herrschte Stille und sie hörte nur jemanden atmen. »Claudia, ich bin es wirklich.« sagte die Frau. Du beschwerst dich dauernd darüber, daß ich immer die Füße auf den Tisch lege, von dem du noch essen willst.«
Nun war Claudia eine Weile sprachlos. »Nadine? Bist du das wirklich?« fragte sie nachdem sie ihre Sprache wieder gefunden hatte.
»Ja, ich bin es. Wirklich. Die Nummer ist die einzige, die ich mir merken kann. Claudia, egal wie, du musst mich hier abholen. Ich bin in« es gab eine kurze Pause während der sie offenbar mit jemand anderem sprach. »Ich bin hier in Leonovichi, das ist in der Nähe von Minsk. Bitte, lass dir was einfallen.«
»Minsk? Das Minsk in Sibirien oder so? Was um alles in der Welt machst du da?«
»Minsk ist in Russland. Wie ich hier her komme, das erkläre ich dir später. Ich bin hier in der Kirche. Ich schicke dir gleich die Adresse. Bitte, es ist wirklich dringend.«
»Du bist wo? In der Kirche? Was machst du denn da?«
»Was soll ich in einer Kirche wohl machen? Ich heirate und brauche dich als Trauzeugin.«
Claudia glaubte zwar Nadines Sarkasmus heraus zu hören, fragte aber lieber noch einmal nach »Du heiratest? Ernsthaft?«
»Nein, ganz bestimmt nicht.« fuhr Nadine sie an. »Aber der Priester ist anscheinend der Einzige hier, der mich versteht.« Sie klang ziemlich ungeduldig. »Ich schicke dir jetzt die Adresse. Bitte sieh zu, das du uns hier irgend wie weg holen kannst. Wenn es sein muss, klau dir eins der Flugzeuge.«
»Ich sehe zu, was ich machen kann. Ich melde mich dann bei dir.«
»Claudia, ich danke dir.«, sagte Nadine und beendete das Gespräch.

Claudia schaute noch immer ungläubig auf das Comm. Noch während sie das Comm anstarrte, piepste es. Sie tippte auf das Display und eine Adresse erschien. Gleich darauf piepste es noch einmal und ein Bild wurde angezeigt. Es zeigte tatsächlich Nadine vor einer blau angemalten Kirche mit Zwiebelturm. Sie trug einen schmutzig beigen Overall dem ein Ärmel fehlte. An ihrem Arm konnte Claudia einen Verband erkennen an dem eindeutig Blut zu sehen war.
Krampfhaft überlegte sie, was sie tun konnte.

»Wenn ihnen noch irgend was einfällt, dann melden Sie sich sofort bei mir.«, hatte die Chefin damals gesagt.
»Mareike, ich muss weg.«, sagte Claudia zu ihrer äußerst verwirrt drein schauenden Kollegin, während sie das Bild und die Adresse auf ihr Comm übertrug. »Wenn irgend was ein sollte, ruf die Bereitschaft an.« Claudia zog ihre Jacke über und verließ die Warte. So schnell sie konnte, verließ sie das Gebäude und rannte an Halle vier vorbei zum Verwaltungsgebäude. Ohne sich mit den beiden Frauen am Empfang aufzuhalten, lief sie zu den Aufzügen und drückte die Taste. Es dauerte nur einige Sekunden bis die Tür des mittleren Aufzuges zur Seite glitt. Sie drückte den Knopf für den achten Stock und wartete. Nach einer Weile glitt die Tür wieder zur Seite und entließ sie in den Flur. Hier oben war sie noch nie gewesen. Angeblich sollte hier großer Luxus herrschen, doch davon war nichts zu sehen. Auf dem Boden lag der selbe, harte Teppich wie in den anderen Etagen in denen sie bereits gewesen war. Sie folgte dem Flur bis sie an die Tür vor Kopf kam. Ein Schild zeigte ihr, daß sie richtig vermutet hatte.

’Dr. Emylia Maria Kroll, Geschäftsführerin’ stand auf dem Schild. Darunter in ebenso großen Buchstaben ’Linda Pawlak, Sekretärin’
Sie klopfte an die Tür und wartete bis jemand »Herein« rief und öffnete die Tür.
»Hallo, was kann ich für Sie tun?«, fragte die Frau mit den blonden Locken die in diesem riesigen Raum vor einem nicht minder großen Schreibtisch saß und sie fragend ansah.
»Nadine, also Frau Renger, sie lebt. Sie hat mich eben angerufen. Aus irgend einem Dorf in Russland. Frau Kroll hatte mir gesagt, ich soll ihr sofort Bescheid sagen, wenn mir noch was einfällt oder irgend etwas ist.«, sagte Claudia aufgeregt.
»Beruhigen Sie sich erst einmal. Frau Kroll hat im Moment keine Zeit. Am Besten erklären Sie mir erst einmal, was passiert ist.«
Claudia versuchte, sich zu beruhigen und erzählte der Frau dann von dem Anruf. Sie erklärte ihr, daß sie sicher war, daß dieser Anruf kein übler Scherz war, wie sie selbst zuerst geglaubt hatte.
»Und diese Frau, die sich für Frau Renger ausgegeben hatte, hat gesagt Sie sollten sie abholen? Das erscheint mir schon ein wenig seltsam. Wie können Sie sich denn so sicher sein, daß das überhaupt Frau Renger war?«
»Ich bin mir ganz sicher. Sie hat mir ein Bild geschickt. Hier.« Claudia zeigte der Frau das Bild.«
»Ich denke, das Bild sollten wir erst einmal genau untersuchen. Nicht daß es sich um eine Betrügerin handelt, jemand der einfach nur ein Bild von Frau Renger genommen und bearbeitet hat.«
»Nein.«, rief Claudia aus. »Sie hat mir etwas gesagt, was nur sie wissen konnte und niemand anderes. Ich bin mir sicher, daß sie es ist. Außerdem kenn ich ihre Stimme. Wir haben immerhin ein paar Jahren lang zusammen gearbeitet.«
»Ich kann ja verstehen, daß sie sich Sorgen machen. Und wenn es wirklich Frau Renger ist, dann werden wir alles in unserer Macht stehende tun, um sie zurück zu holen. Aber vorher müssen wir ganz sicher sein, daß sie es auch tatsächlich ist. Am Besten, Sie geben mir die Adresse und das Bild und erzählen niemandem etwas von diesem Anruf, wir wollen doch niemandem falsche Hoffnung machen. Wir werden das alles genau untersuchen und entsprechend handeln.«, sagte die Frau ruhig.
Claudia nickte resigniert, hier konnte sie offenbar wirklich nicht mehr tun. Anscheinend wollte diese Frau alles tun um sie los zu werden. Würde die Chefin wirklich Nachforschungen anstellen lassen? Da war sie sich jetzt nicht mehr so sicher. Sie legte das Comm an den Bildschirm des Computers auf dem Schreibtisch und wollte die Adresse und das Bild auf diesen wischen, als sie die Tür hinter dem Schreibtisch öffnete.
»Was ist denn hier los Linda?« fragte die Chefin erstaunt.
»Frau Kroll, ich habe eben einen Anruf von Frau Renger bekommen. Sie lebt und sie ist irgendwo in Russland.«
Während die Chefin sofort auf sie zu kam, schien ihre Sekretärin sehr verärgert zu sein. Doch das machte Claudia nichts aus. Sie erzählte noch einmal von dem Anruf und warum sie sich so sicher war, daß die Anruferin tatsächlich Nadine war. Sie zeigte Frau Kroll das Bild .

»Linda, bitte sag alle meine Termine für heute ab. Ich fliege nach Russland.«, sagte Frau Kroll. Sie fasste Claudia am Arm und zog sie mit sich zu dem Aufzug der sich direkt in dem Raum befand. ’Einen eigenen Aufzug hat auch nicht jeder.’, dachte Claudia als sie nach unten fuhren.
»Ich brauche schnell vier Frauen vom Sicherheitsdienst am Flugfeld.«, sagte die Chefin nachdem sie ihr Comm angetippt hatte.

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»Was soll das heißen, ihr wisst nicht, wo sie hin gekommen ist? Was seid ihr für Versager?«, schrie Linda in ihr Comm. »Findet das heraus und sagt den Kunden, daß sie irgend wo in Russland ist. So viele Kunden können wir da ja nicht haben.«
»Nein, ich weiß nicht, wo das genau ist. Ich konnte die Adresse nicht sehen. In dem Moment, wo mir diese blöde Kuh die Adresse geben wollte ist meine Chefin raus gekommen. Ich weiß nur, daß sie irgend wo ist, wo es eine blaue Kirche gibt.« Wütend beendete Linda das Gespräch und lief wie ein Tiger vor ihrem Schreibtisch im Kreis herum während sie angestrengt nachdachte. Dann nahm sie ihr Comm und tippte eine Nummer ein.
»Ich bin’s, Linda. Packt alles ein, ihr müsst hier verschwinden. Und zwar schnell.«
»Nein, ich bleibe hier und versuche den Schaden zu begrenzen. Die Frauen schafft nach Berlin oder meinetwegen nach Timbuktu. Hauptsache weg von hier!«
»Ja, ich weiß, wie lange sowas dauern kann. Wenn ich richtig liege, haben wir gerade mal ein paar Stunden Zeit. Alles was bis dahin nicht weg ist, bleibt hier.«
Noch immer wütend beendete sie auch dieses Gespräch, setzte sich in ihren Stuhl und schloss die Augen. Als sie sich endlich etwas beruhigt hatte, ging sie Emylias Terminkalender durch und sagte deren heutigen Termine ab.

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Seid dem sie Claudia angerufen hatte, waren bereits gute drei Stunden vergangen, ohne daß diese sich gemeldet hatte. Nadine machte sich langsam Sorgen, ob sie es wirklich schaffen könnte hier her zu kommen. Der Priester hatte ihnen zwar angeboten, die Nacht hier verbringen zu können, doch alleine hatten weder sie noch Kati eine große Chance, hier weg zu kommen. Noch wollte Nadine die Hoffnung nicht aufgeben, doch langsam wurde ihr etwas mulmig zumute.

Dann hörte sie ein Geräusch, welches immer lauter wurde. ’Ein Flugzeug’ Schoss es ihr durch den Kopf. Sie sprang auf und lief nach draußen. Tatsächlich, ein pechschwarz lackiertes Frachtflugzeug näherte sich, umkreiste die Kirche einmal und setzte denn zur Landung auf der großen Wiese an, die sich auf der gegenüberliegenden Straßenseite befand. Als vier schwarz gekleidete Frauen mit gezogenen Waffen aus der sich öffnenden Frachtluke sprangen und sich umschauten, stockte ihr der Atem. ’Aufseherinnen’, fuhr es ihr durch den Kopf und sie wollte bereits in die Kirche Laufen um zusammen mit Kati aus dem Hintereingang flüchten, als zwei weitere Frauen aus stiegen und auf die Kirche zu kamen.

Eine der Frauen, sie trug eine Jeans, schwere Stiefel und trotz des recht kalten Wetters ein schwarzes T-Shirt, hatte braune Haare die offen im Wind wehten. Die Andere, sie hatte ebenfalls Braune Haare, die allerdings zu einem Zopf gebunden waren, trug graue Arbeitskleidung und sah sich aufgeregt um.
»Claudia!« schrie Nadine erleichtert und rannte auf die beiden Frauen zu. Sie sprang ihrer Kollegin förmlich um den Hals. »Ich wusste, daß du mich nicht im Stich lässt.«, sagte sie. Tränen der Erleichterung rannen ihre Wangen hinab.

Die andere Frau umrundete sie langsam und warf einen Blick auf ihr Pad, während die vier bewaffneten sich sichtlich entspannten, sich aber dennoch weiterhin aufmerksam umsahen.
»Nadine, das ist Frau Kroll, Frau Kroll, das ist Nadine, Entschuldigung, Frau Renger. Und ich bin mir ganz sicher, daß sie es wirklich ist.« stellte Claudia sie einander vor.
»Frau Renger, jetzt würde mich aber doch mal brennend interessieren, was passiert ist und wieso sie ausgerechnet in Weißrussland wieder auftauchen.«, sagte Frau Kroll und reichte ihr die Hand, nahm ihr Pad und hielt es hoch. »Darf ich?«, fragte sie.
Nadine nickte, worauf hin ihr die Chefin das Pad an den rechten Oberarm hielt. Doch nichts passierte. Frau Kroll hielt ihr das Pad noch einmal an den Arm doch auch dieses Mal piepste es nicht. Darauf hin hielt Frau Kroll ihren Arm fest und hob den Ärmel an.
»Da hat jemand tatsächlich ganze Arbeit geleistet. Ihr ID-Chip ist entfernt wurden.«, sagte sie und ließ die Reste des Ärmels von Nadines Overall wieder los. »Dann eben auf die altmodische Art.«, sagte sie und hielt ihr das Pad hin. Auf dem Pad war eine stilisierte Hand abgebildet an deren Fingerspitzen sich gelbe Kreise befanden.

Nadine legte ihre Hand auf das Pad und einer nach dem Anderen wurden die Kreise grün. Ihr Bild erschien darauf hin auf dem Pad und auch einige andere Daten. Unter der Tabelle stand in rot das Wort ’VERSTORBEN’.
»Ich glaube, das müssen wir ändern.«, sagte Frau Kroll. Sie schien sichtlich erleichtert, als sie das sagte. »Am Besten, wir fliegen gleich los. Sie haben sicher einiges zu erzählen. Außerdem denke ich, daß sie auch gerne wieder unter die Lebenden möchten.« Frau Kroll deutete mit einer Handbewegung auf die große Frachtklappe des Flugzeuges.

»Das geht nicht. Kati muss auch mit. Sie kann doch nicht hier bleiben.«, sagte Nadine und deutete auf die Kirche.
»Kati?«, fragte Frau Kroll.
»Wir sind zusammen aus dem Bergwerk geflohen. Ohne sie wäre ich ganz bestimmt nicht da raus gekommen.«
»Dann wollen wir sie mal abholen.« Frau Kroll winkte den Bewaffneten zu, sie zu begleiten und ging mit Nadine und Claudia zusammen zu der Kirche.

»Wo ist denn Kati?«, fragte Nadine den Priester als sie in der Küche standen.
»Ihre Freundin hat mich gebeten, baden zu dürfen. Ich zeige ihnen wo das ist.«, sagte der Mann.
»Sie ist nicht meine Freundin. Jedenfalls nicht so.«, entgegnete Nadine.
»Oh, Entschuldigung. Aber ich hatte den Eindruck. Ich wollte Sie nicht beleidigen.« Der Priester führte sie durch einen kurzen Flur zu einer Tür.
Nadine klopfte an und ging ohne eine Antwort abzuwarten hinein. Kati lag tatsächlich in einer großen, modernen Badewanne in der sich jede Menge Schaum befand und nur ihr Gesicht schaute mit einem zufriedenen Lächeln und geschlossenen Augen aus diesem heraus.

»He, aufwachen Schlafmütze.«, sagte Nadine leise. Als Kati sich nicht rührte, suchte sie unter dem Schaum Katis Schulter und tippte sie an. »Aufwachen.«, sagte sie noch einmal.
»Das ist herrlich.«, sagte Kati als sie Nadine erkannte. »Das habe ich schon so lange nicht mehr gemacht.«
»Das freut mich für dich. Aber wir müssen los. Meine Chefin ist hier um uns ab zu holen und nach Hause zu bringen.« Eigentlich hatte Nadine erwartet, daß Kati sich bei dem Begriff ’zu Hause’ freuen würde, doch statt dessen meinte sie, Tränen in ihrem Gesicht sehen zu können. Bevor sie jedoch danach fragen konnte, tauchte Kati unter und kam mit tropfnassen Haaren wieder aus dem Schaum heraus. Ein Geräusch ließ erkennen, daß sie den Stöpsel aus dem Abfluss gezogen hatte und das Wasser durch diesen Floss.
»Ich bin dann draußen.«, sagte Nadine und wollte gerade gehen.
»Nein, nicht.«, rief Kati aus. Nadine schaute sie fragend an. »Ich meine, wenn du mir beim Abtrocknen helfen könntest, dann geht es sicher schneller.«
Nadine rollte mit den Augen. ’Was konnte diese Frau denn überhaupt alleine?’, fragte sie sich und musste innerlich grinsen.

Während Kati sich abduschte hatte Nadine sich höflich umgedreht, doch nun konnte sie nicht mehr umhin sie an zu sehen. Sie frottierte ihr den Rücken und half ihr, nachdem diese sich selbst die Vorderseite abgetrocknet hatte, auch mit ihren Haaren. Wie durch Zufall berührte sie Katis feste Brust mit dem Unterarm als diese sich umdrehte. Am liebsten hätte sie diese in die Hand genommen und wäre auch gerne mit den Fingern über ihre weit vorstehenden Nippel gegangen. Sie schloss kurz die Augen und schüttelte diesen Gedanken ab. Wie kam sie nur wieder darauf? Das musste sicher mit den Muskelpräparaten zu tun haben die, wie Kati sagte, im Essen gewesen waren und solche Nebenwirkungen hatten.
Schnell half sie ihr in die Aufseherinnen-uniform und ging dann von ihr gefolgt in die Küche. Doch dort war niemand zu sehen. Sie gingen nach draußen, doch vor der Tür stand nur eine der Wachen. Nadine erkannte nun, daß diese zwar bewaffnet waren, diese Waffen allerdings nur Taser waren, die einen Menschen schlimmstenfalls bewusstlos machen würden. Kati schrie laut auf als sie die Frau sah, versteckte sich hinter Nadine und klammerte sich an ihren Arm.

»Keine Angst, das ist keine Aufseherin.«, sagte Nadine zu Kati und wandte sich an die Frau. »Entschuldigung, aber die Aufseherinnen im Bergwerk hatten ähnliche Uniformen an.«, sagte sie.
»Kein Problem.«, sagte die Frau. »Die Chefin und Frau Holtz sind mit dem Priester in der Kirche.«
Nadine bedankte sich und ging, gefolgt von Kati zum Haupteingang der Kirche. Kati achtete dabei darauf, möglichst viel Abstand zu der Wache zu halten und hielt sich an Nadines Arm fest.

Als die Beiden den Hauptraum der Kirche betraten, standen Frau Kroll und Claudia zusammen mit dem Priester vor dem Altar und schienen diesen zu bewundern. Kati tat etwas, womit Nadine nicht gerechnet hatte. Sie ging langsam vor, kniete vor dem Kreuz und bekreuzigte sich. Dann stand sie auf und kam gleichzeitig mit Nadine bei dem Priester an. Kati bedankte sich bei diesem herzlich für das Bad und stellte sich wieder hinter Nadine.

»Dann können wir gehen?«, fragte Frau Kroll.
Nadine nickte und zusammen verließen sie die Kirche. Frau Kroll nahm mehrere Geldscheine aus der Hosentasche und steckte sie in den Opferstock. Zusammen gingen sie zu dem Flugzeug und betraten dieses durch die Frachtraumtür. Sie setzten sich und mussten sich anschnallen. Zwei der Wachen gingen nach vorne ins Cockpit und kurz darauf heulten die Triebwerke auf, das Flugzeug hob senkrecht ab und beschleunigte spürbar.

Während des Fluges mussten Nadine und Kati, die noch immer recht eingeschüchtert aussah, ausführlich berichten, was sich seit Nadines Entführung zugetragen hatte. Frau Kroll war offenbar sehr erbost, als sie von den geheimen Räumen erfuhr die sich offenbar unter Horizons befanden. Nachdem Nadine und Kati ihre Ausführungen geendet hatten, nahm sie ihr Comm und führte mehrere Gespräche, während die beiden Wächterinnen ihnen etwas zu Essen aus der Bordküche brachten. Da Beide seit langem schon nichts ordentliches mehr gegessen hatten, langten sie ordentlich zu und aßen mehrere Portionen des Fertigessens, welches im Vergleich zu dem Brei im Bergwerk und erst recht den Notrationen ein echtes Festmahl für beide war.

Zwei stunden später, es war bereits dunkel, erreichten sie Horizons. Aus dem Fenster konnten sie eine Unmenge an blinkenden blauen Lichtern erkennen die an mehreren Stellen des Geländes zusammen standen. Einige Bereiche waren in helles Flutlicht getaucht und auf der Zufahrtsstraße kamen noch mehr Fahrzeuge an, darunter auch einige Reisebusse. Als sie sich im Landeanflug befanden, erkannten sie mehrere Lastwagen die vor einem der Tore standen und von Wagen mit Blaulichtern umstellt waren.

Sofort als das Flugzeug gelandet war, kam ein Kleinbus angefahren der das Logo von Horizons trug. Die Wächterinnen begleiteten die Vier Frauen zu diesem Bus, der sie sofort in das Verwaltungsgebäude brachte, wo alle vier von mehreren Polizisten befragt wurden. Nadine und Kati mussten alles, was sie Frau Kroll während des Fluges erzählt hatten, noch einmal erzählen. Dann musste Nadine den Beamten den Eingang zu dem Teil des Bergwerkes zeigen in dem sie bewusstlos geschlagen worden war. Da die Stelle die den Versorgungstunnel mit dem ehemaligen Bergwerk verband zugemauert war, musste diese Mauer erst wieder eingerissen werden. Erst als es bereits Morgen wurde, wurden die Beiden in Gästewohnungen gebracht, da Nadines Wohnung bereits geräumt und ihre Sachen irgend wo eingelagert waren, wo sie endlich schlafen konnten.

- - -

Bereits gestern Abend hatte Mara ihre Sachen gepackt und die Reisetasche zu Herrin Julias Koffer in den Flur gestellt. Da es erst um 17 Uhr losgehen sollte, sollten die Läden bis 15 Uhr geöffnet bleiben. So saß Mara hinter dem Tresen des Antiquitätenladens und schaute sich wie so oft in letzter Zeit den Folianten an. Irgend etwas an diesem Buch war seltsam. Und wieso war Astrid genau dann verhaftet worden, als sie diese nach diesem Buch fragen wollte. Sie hatte das Buch aufgeschlagen vor sich liegen und betrachtete sich dieses eingehend. Irgend etwas an dieser Abbildung kam ihr bekannt vor. Sie hatte das Pad neben das Buch gelegt und ein Foto von diesem Bild gemacht. Dieses hatte sie zur Suche verwendet, kam jedoch nur auf Bilder von Zellkernen. Doch nun wusste sie wenigstens, warum ihr dieses Bild so bekannt vorkam. Es hatte tatsächlich eine gewisse Ähnlichkeit mit den Bildern aus dem Biologieunterricht in der Schule in denen der Zellkern abgebildet war.

Sie blätterte wahllos weiter und fand eine Seite auf der offenbar Jahreszahlen und Ereignisse aufgelistet waren. Einige dieser Jahreszahlen kamen ihr bekannt vor, doch wie sollte ein so altes Buch Ereignisse beinhalten die erst wenige hundert Jahre zurück lagen? Sie blätterte weiter bis sie auf eine Jahreszahl stieß, die ihr aus der Schule für Serva nur zu bekannt war. Miss Isabella hatte sie nach genau dieser Jahreszahl gefragt. 2181. Sie hatte damals vollkommen unsinnig geantwortet, daß in diesem Jahr Marvin Donant Präsident wurde, was natürlich vollkommener Blödsinn gewesen war. Doch das anschließende Gelächter hatte dafür gesorgt, daß sie diese Jahreszahl so schnell wohl nicht wieder vergessen würde.

Auch die anderen Jahreszahlen kamen ihr recht bekannt vor und so gab sie diese Wahllos in das Pad ein. Sie bekam das Bild der ersten Schule für Serva zu sehen. Ein Gruppenfoto zeigte die zwölf Frauen die als erste jemals zu Serva ausgebildet wurden. Sie betrachtet dieses Bild und stutzte. Sie legte ein Lesezeichen in den Folianten und blätterte zur letzten Seite. Das war sie, sie war sich ganz sicher. Die Frau die als Ελένη in dem Buch abgebildet war, befand sich auch auf diesem Gruppenfoto auf dem sie lächelnd und winkend in die Kamera schaute.

Auf dem Gruppenfoto standen die Namen der Frauen. Helen, stand dort. Und es war unverkennbar die selbe Frau. Sie erkannte sie mit ihrer hellen Haut, den leuchtenden Augen und den pechschwarzen Haaren eindeutig wieder. Doch konnte das sein? Sie blätterte zu der Seite mit den Jahreszahlen und fand den Namen dort wieder. Den Text konnte sie zwar nicht entziffern aber die Jahreszahl die davor stand lag gerade einmal fünf Jahre zurück. 2415, stand dort vor dem Text in dem der Name der Frau mehrmals erwähnt war. Doch konnte das sein? Wenn dieses Buch höchstens fünf Jahre alt war, wie konnte dann das Bild einer Frau mit diesem Datum in Zusammenhang gebracht werden die bereits vor mehr als 200 Jahren in der ersten Schule für Serva gewesen war? Irgend etwas an diesem Buch war einfach nur seltsam, fand sie. Sie verfluchte die moderne Technik und fragte sich, warum es für Altgriechisch keinen Übersetzer auf dem Pad zu finden gab. Man hatte ihr erzählt, daß die Pads mit der entsprechenden Zugriffsberechtigung Zugang zu allen möglichen Datenbanken und Diensten hatten. Vielleicht lag es daran, daß sie keine Berechtigung dafür hatte, einen solchen Dienst zu benutzen.

Während sie noch darüber grübelte, ob sie Herrin Julia danach fragen sollte, rief diese aus dem Flur nach ihr. Sie legte das Pad bei Seite und schloss den Laden ab, bevor sie zu Herrin Julia in den Laden ging.

»Mara, die Kundin möchte einmal sehen, wie das hier aussieht. Könntest du das bitte noch einmal anziehen?«, fragte Herrin Julia sie. Mara warf einen Blick auf das Teil. Es war bereits das dritte Mal daß sie dieses Teil vorführen sollte. Jedes Mal hatte Herrin Julia sie gefragt, ob es ihr auch wirklich recht war. Auch dieses Mal stellte sie ihr diese Frage, die sie gerne bejahte. Sie mochte dieses Teil und hätte es liebend gerne auch einmal ohne den hautfarbenen Body angezogen den sie sich aus dem Schrank holte und in der Umkleide anzog. Vorsichtshalber klebte sie eine Slipeinlage in den Schritt des Bodys, denn die Peinlichkeit daß sich an diesem wie beim ersten Mal eindeutige Flecken zeigten wollte sie sich ersparen.

So trat sie vor ihre Herrin und knickste, wie üblich. »Ich bin bereit Herrin.«, sagte sie und hob die Arme. Julia schaute sie kurz an und auf ihr Nicken hin begann diese ihr den Harness anzulegen. Zuerst waren die Arme an der Reihe. Julia zog ihr die Riemen über die Arme so daß diese von den Handgelenken an alle fünfzehn Zentimeter von einem breiten Lederriemen umschlossen waren, den Julia ordentlich fest zog. Dann kamen die Beine an die Reihe, die kurz darauf ebenfalls in einem engen Geflecht von Riemen steckten die sich im selben Abstand um ihre Beine wanden. Danach folgte das Brustgeschirr welches in Form eines Pentagramms über ihren Oberkörper gelegt wurde. Die beiden Riemen welche oberhalb und unterhalb ihrer Brüste lagen hoben diese weit an und drückten sie zudem fest zusammen. Zum Schluss kam das Unterkörpergeschirr an die Reihe, welches sich mit dem breiten Schrittgurt fest zwischen ihre Beine legte. Julia verband diese Geschirrteile mit den entsprechenden Schnallen und zog alles sehr fest an.
»Herrin?«, fragte Mara und suchte Julias Blick.
Diese verstand und holte den Knebel aus dem Schrank. Bereitwillig öffnete Mara den Mund und ließ sich den Gummiball hineinstecken. Julia pumpte diesen kräftig auf und nahm den Pumpball dann ab.

Die Kundin hatte sich alles genau angesehen und fragte nun nach den Möglichkeiten die dieses Geschirr bot. Wie das letzte Mal auch, führte Julia der Kundin die Möglichkeiten ausführlich vor. In dem Moment als Julia ihr mit nur einem einzigen Handgriff die Arme fest auf dem Rücken fixierte kam die Kundin auf Mara zu und fuhr ihr über die Seite. Mara warf einen hilfesuchenden Blick zu Julia und gerade noch rechtzeitig half diese ihr, sich hin zu knien und hielt sie an den Schulterriemen fest.

Als Mara wieder zu sich kam, lag sie an den Strafbock gelehnt auf dem Boden. Die Kundin war bereits gegangen und Julia kam zu ihr.
»Na, alles klar?«, fragte diese schmunzelnd.
Mara nickte lediglich, denn obwohl der Knebel nicht mehr in ihrem Mund war, brachte sie keinen Ton heraus.
»Die Kundin war genauso beeindruckt von den Möglichkeiten wie du auch. Sie hat zwei Stück in verschiedenen Größen bestellt.«, sagte Julia, noch immer schmunzelnd, als sie Mara die Wasserflasche an den Mund setzte. Mara trank einige Schlucke. Danach fühlte sie sich wieder kräftig genug, sich auf den Strafbock zu setzen, wo Julia ihr aus dem Geschirr half.
»Geh bitte nach oben duschen. Und danach isst du eine Kleinigkeit. Aber bitte nicht zu viel. Du kannst dann meinetwegen etwas fernsehen. Bis Flo und Rolf kommen, übernehme ich deinen Laden mit.«
»Danke Herrin.«, sagte Mara, knickste unbeholfen und ging nach oben.

Sie hatte geduscht und sich in der Küche zwei Brote geschmiert, die sie nun auf der Couch sitzend aß. Sie fühlte sich müde aber entspannt und sehr gut. Anscheinend würde sie das wohl für den Rest ihres Lebens begleiten, dachte Mara über das vorhin geschehene nach. Jedes Mal wenn sie dieses Geschirr trug oder als sie mit Katja im Garten Pony gespielt hatte, war es immer wieder passiert, aber nie wieder so intensiv wie vor einigen Wochen, als Herrin Julia sie wegen des vergessenen Abendessens ausgepeitscht hatte. Herrin Julia hatte ihr angeboten, das gerne zu wiederholen, doch davor fürchtete Mara sich etwas. Nicht vor der Peitsche und den Schmerzen, diese hatte sie bereits nach dem dritten Schlag kaum noch gespürt. Sie hatte Angst davor, was damals mit ihr passiert war. Es war so intensiv gewesen daß sie Angst hatte, daß wenn es noch einmal passierte, sie nicht mehr zurück in die Realität finden würde und sie für immer in dieser Welt gefangen blieb. Doch vielleicht wäre das ja garnicht so schlimm, überlegte sie. Dort gab es nichts, was ihr Sorgen bereitete, nichts wovor sie sich fürchten musste. Alles war ein einziges Hochgefühl, wie sie es noch nie zuvor erlebt hatte. Über diesen Gedanken schlief sie ein.

»Hey Dornröschen, Aufwachen.«, sagte jemand und schüttelte sie an der Schulter.
»Ich will nicht Dornröschen sein,«, murmelte Mara verschlafen. »der blöde Prinz hat sie garnicht wach geküsst sondern sie im Schlaf missbraucht. Sie ist erst neun Monate später aufgewacht von den Wehen als sie ein Kind bekommen hat.«
»Meine Fresse, wo hast du das denn her?«, fragte Flo lachend. »Mit solchen Geschichten bist du garantiert der Hit auf jedem Kindergeburtstag.«
Langsam richtete Mara sich auf. »Das habe ich in einem Buch gelesen in dem beschrieben wurde, wie Märchen wirklich passiert sind und was nach dem Happy End noch so alles passiert ist. Aschenputtel musste ihren Prinzen nach der Hochzeit bei den bösen Elfen suchen und retten.«
»Und sowas liest du?« Flo reichte ihr die Hand und half ihr auf. »Klingt auf jeden Fall interessant. Komm, eure Sachen sind schon alle im Taxi. Jetzt fehlst nur noch du.«
»Danke.«, sagte Mara und folgte Rolf. »Die Bücher sind unten im Laden, wenn du willst, kannst du sie sicher gerne mal lesen.«
»Na, mal sehen ob meine Mama mir das erlaubt. Ich bin doch so ein zartes und sensibles Kind.«
Mitten auf der Treppe blieb Mara stehen, schaute Flo an und begann lauthals zu lachen. Auch dieser konnte nicht mehr ernst bleiben und erst als sie am Taxi waren, schafften sie es, sich zu beruhigen.

»Worüber lacht ihr denn so?«, fragte Julia als die beiden in den Kleinbus stiegen.
Flo erzählte, was Mara ihm gerade erzählt hatte, worauf hin die anderen ebenfalls lachen mussten.

»Wo fahren wir denn überhaupt hin?«, wollte Mara wissen nachdem sie bereits eine halbe Stunde unterwegs waren.
»Da hin.« Flo zeigte auf ein großes Gebäude. Das Taxi fuhr direkt vor einen großen Eingangsbereich und hielt dort. In einiger Entfernung konnte Mara ein Flugzeug erkennen, welches sehr tief flog und hinter dem Gebäude verschwand. Mara schaute nach oben und erkannte über den Türen des Gebäudes den Schriftzug ’Flughafen’.
»Nein!«, rief sie laut aus, so das alle sich zu ihr um drehten. »Ich gehe in kein Flugzeug!«
»Mara!«, sagte Julia streng »Was soll das denn? Anders kommen wir nun mal nicht nach London.«
»Bitte nicht. Wir können doch mit dem Auto fahren.« Mara war kreidebleich geworden und krallte sich im Sitz fest.
»Das wird wohl schlecht gehen. England ist, wie du sicher weißt eine Insel.«, sagte Julia ruhig.
»Dann… dann… dann können wir doch mit dem Schiff fahren.« Mara wollte auf keinen Fall dieses Taxi verlassen.
»Komm schon Mara, was soll denn passieren?«, versuchte Anke sie zu beruhigen. »Flugzeuge sind so sicher, die fallen nicht einfach vom Himmel.«
Darauf hin wurde Maras Gesicht noch bleicher als zuvor. »Ich will nicht abstürzen.« Sie schüttelte energisch den Kopf.
»Steigt schon mal aus, ich mache das.«, sagte Julia zu den Anderen. Diese stiegen aus und holten die Koffer und Taschen aus dem Kofferraum und luden sie auf einen Gepäckwagen.
»Mara, komm jetzt bitte. Der Flug ist schon gebucht und ich kann dich doch nicht alleine zu Hause lassen.« Julia öffnete den Gurt mit dem Mara noch immer angeschnallt war.
»Nein, ich will nicht fliegen.« sagte Mara energisch. »Ich kann doch die paar Tage alleine bleiben. Ich verspreche auch, das ich nichts anstellen werde.«
»Das würde ich auch nicht von dir erwarten Mara. Aber jetzt ist es dazu zu spät. Du hättest vorher mal etwas sagen sollen.« Julia war noch immer die Ruhe in Person.
»Ich wusste doch nicht, das wir fliegen.«
Julia schloss die Augen. »Du hast recht. Ich habe vollkommen vergessen dir das zu sagen. Ich gebe zu, daß das meine Schuld ist. Aber wie gesagt ist es jetzt zu spät dazu.«
»Bitte Herrin. Wenn der Flug so viel kostet, dann geben Sie mir einfach kein Taschengeld mehr. Aber bitte nicht fliegen.« Mara war verzweifelt.
»Mara, jetzt reicht es. Es tut mir wirklich leid, daß du solche Angst hast. Und hätte ich das gewusst, hätte ich mir etwas anderes einfallen lassen. Aber nun ist es nun mal zu spät dazu. Ob du willst oder nicht, du kommst jetzt mit. Hast du verstanden?«
Mara schüttelte energisch den Kopf.
»Wir fliegen nur mit einem Flugzeug. Auch wenn du noch so große Angst davor hast, das ist nichts gefährliches. Das kann ich dir versichern. Ich bin schon so oft geflogen und lebe immer noch.«
»Bitte nicht Herrin.«, flüsterte Mara und stemmte sich gegen den Sitz als Julia ihre Hand nahm und aus dem Taxi ziehen wollte.
Julia ließ ihre Hand los. »Und wenn wir dich tragen müssen, du kommst jetzt mit. Und wenn du weiter so einen Aufstand machst, dann werde ich dich wirklich im Schaufenster auf den Bock fesseln.«, sagte Julia mittlerweile ein Wenig verärgert. »Ich verspreche auch, daß du nur dieses eine Mal mit fliegen musst. Aber dieses Mal geht es einfach nicht mehr anders. Und jetzt komm endlich raus.«
Mara schaute sie an und erkannte sofort, daß es ihr ernst war. Langsam kroch sie aus dem Taxi und folgte den Anderen mit zitternden Beinen.

Es dauerte nicht lange bis sie nach der Abfertigung zum Terminal gingen. Julia hatte in einer Apotheke im Flughafengebäude noch Beruhigungstabletten gekauft und Mara gleich zwei davon gegeben. Anke und Heike liefen neben ihr und stützten sie als sie mit den wenigen anderen Passagieren durch die Brücke liefen die an das Flugzeug heran gefahren war. Die Stewardess brachte sie zu ihren Sitzen, sie hatten drei Reihen für sich, wo Julia sich an den Fensterplatz setzte und Mara neben sich nahm, so daß diese am Gang saß. Julia hatte sich wieder beruhigt und redete auf Mara ein um diese zu beruhigen.

Der Pilot machte seine Ansage und erklärte, daß der Flug ungefähr eineinhalb Stunden dauern würde. Dann setzte sich das Flugzeug in Bewegung. Mara schaute an Julia vorbei aus dem Fenster und sah das Gras neben der Startbahn vorbeiziehen. Sanft hob das Flugzeug ab, doch als Mara erkannte, daß sie in der Luft waren, wurde ihr schwarz vor Augen.
48. RE: Neue Horizonte - 2

geschrieben von Chrissi1 am 05.08.17 20:37

Wieder ein schöner Teil.

Bitte vergiss aber nicht den Teil hier nochmal zu posten wenn es wieder geht.

Bei Pastebin werden die Texte die als Gast geschrieben werden nur 30 Tage gespeichert

49. RE: Neue Horizonte - 2

geschrieben von HeMaDo am 05.08.17 22:10

Wenn es hier wieder geht, werde ich das nachholen.
Standardmäßig werden die Texte dort nie gelöscht. Die 30Tage hab ich selbst eingestellt. So lange sollte es (hoffentlich) nicht dauern, hier wieder alles ins Reine zu bringen.
50. RE: Neue Horizonte - 2

geschrieben von HeMaDo am 12.08.17 12:09

»Es tut mir leid, daß das heute alles so umständlich ist.«, sagte die Technikerin die mit Rebecca zusammen um das Flugzeug ging. Sie schauten sich alles genau an, überprüften die Triebwerke und zogen an verschiedenen Stellen Sicherungsbolzen heraus, die mit großen roten Stoffbändern gekennzeichnet waren.
»Was ist denn eigentlich los?«, wollte Rebecca wissen. »Auf dem ganzen Gelände fahren Polizeiwagen herum und überall stehen bewaffnete Beamte.«
»Ich glaube, das hat irgendwas mit der Technikerin zu tun, die vor ein paar Wochen verunglückt ist. Aber so genau weiß ich das auch nicht. Die haben mitten in der Nacht alle Hangars durchsucht, genauso wie die Flugzeuge. Sogar meine Werkstatt haben die auf den Kopf gestellt. Ich denke in den nächsten Tagen werden wir das alles erfahren. Dann gibt es sicher ein Rundschreiben dazu.«, sagte die Technikerin.

»Soll das so sein?« Rebecca deutete auf ein Messgerät hinter einer offenen Klappe, welches anzeigte, daß die Wasserstofftanks randvoll gefüllt waren. »Für zwei Stunden reichten doch ein paar hundert Kilo.«
»Ja, das soll so sein. Anweisung von oben. Kein Flugzeug fliegt hier ab, wenn die Tanks nicht randvoll sind.«
Rebecca hakte den Punkt auf der Checkliste ab und schloss die Klappe.
»Seit eines der Flugzeuge auf Zypern notlanden musste, weil die Pilotin zu wenig Treibstoff getankt hatte dürfen die nur noch mit vollen Tanks abfliegen.«, erklärte die Technikerin.

Nachdem die beiden die Runde um das Flugzeug beendet hatten und Rebecca ein halbes Dutzend Stoffstreifen mit den entsprechenden Sicherungsbolzen daran in der Hand hielt, bedankte diese sich bei der Frau und stieg durch die Frachtluke in das Flugzeug, wo Andrea bereits angeschnallt in einem der Sessel saß.
»Ist alles in Ordnung?«, wollte sie wissen.
»Ja Herrin, es ist alles bereit.«
»Dann mach die Tür zu und lass und los fliegen.«, sagte Andrea und las auf ihrem Pad weiter.

Rebecca setzte sich auf den Pilotensessel und steckte das Pad mit der Checkliste in die dafür vorgesehene Halterung. Sie kontrollierte die restlichen Punkte der Checkliste und startete die Triebwerke. Obwohl sie schon länger nicht mehr geflogen war, den kurzen Rundflug mit einer der hier angestellten Pilotinnen vor ein paar Tagen zählte sie nicht wirklich dazu, fühlte sie sich sofort wieder heimisch in dem kleinen Cockpit. Mit einem Schalter schloss sie die Frachtraumtür und schaltete dann das Navigationssystem ein, welches die meisten Aufgaben an Bord übernahm.

Beim Tower holte sie sich die Freigabe zum Start und ließ das Flugzeug aus dem Hangar rollen. Dann drückte sie die Schubhebel weit nach vorne und das Flugzeug beschleunigte so stark, daß sie in den Sitz gedrückt wurde. Schon nach wenigen dutzend Metern hob das Flugzeug ab und stieg in den Himmel. Es war immer wieder ein überwältigendes Gefühl, zu sehen wie unter ihr alles kleiner wurde. Sie zog am Steuerknüppel und flog den Wolken entgegen. Es dauerte nicht lange, dann hatte sie die Wolkendecke durchbrochen und sie konnte im Westen die Sonne sehen die bereits tief am Horizont stand. Sie fuhr das Fahrwerk ein und schaltete das ’Anschnallen’ Zeichen in der Kabine aus.

Sie würden ungefähr zwei Stunden lang unterwegs sein. Das Einzige was ihr Sorgen bereitete war ihr Rücken. So lange Sitzen war etwas, von dem ihr die Ärzte im Krankenhaus abgeraten hatten. Sie hoffte, daß das Korsett welches sie bereits seit heute Morgen trug hielt was Johanna versprochen hatte. Der Autopilot hielt das Flugzeug auf Kurs und würde sich melden, wenn sie beim Landeanflug auf London wieder etwas tun musste. Während des Fluges musste sie lediglich das Radar im Auge behalten und gelegentlich die Instrumente kontrollieren.

Aus dem Fenster blickend sah Rebecca gelegentlich Lücken in den Wolken und konnte auf die Landschaft schauen. Früher hatte sie diesen Anblick immer genossen. Sie war gerne geflogen. Gerade nachts, wenn sie die Lichter der Städte unter sich sah oder auf dem Meer die Schiffe, fühlte sie sich frei und fern von allen anderen Dingen.

Während Rebecca aus dem Fenster sah, vor sich konnte sie bereits die Küste erkennen, klopfte es an der Cockpittür und Andrea trat ein. Sie hatte zwei Tassen Kaffee dabei und setzte sich in den Sitz des Copiloten. Eine der Tassen reichte sie Rebecca.
»Wie fühlt es sich an?«, fragte Andrea und klopfte mit den Fingerknöcheln auf das Korsett.
»Ich habe bis jetzt keine Probleme mit dem Rücken. Das scheint wirklich zu funktionieren.«
»Das freut mich. Wenn du mal aufstehen möchtest, übernehme ich hier so lange.«
Rebecca bedankte sich und trank ihren Kaffee. Danach stand sie auf und überließ Andrea das Cockpit für eine Weile. Als sie zurück kam, waren sie bereits über Rotterdam.
»Noch ungefähr eine halbe Stunde, dann sind wir da.«, sagte Andrea und deutete auf den Bildschirm mit der Kartenansicht. Ich möchte dich aber bitten, es bei der Landung etwas ruhiger angehen zu lassen als beim Start.«, sagte Andrea schmunzelnd.
»Entschuldigung Herrin. Das kommt nicht mehr vor.«
»Schon gut, ist ja nichts passiert. Ich werde noch etwas lesen.« Andrea stand auf und verließ das Cockpit wieder.

Der Rest des Fluges und auch die Landung verliefen ohne besondere Ereignisse. Nach der Landung wurde sie direkt in einen Hangar gelotst, wo sie das Flugzeug verließen. Es war vereinbart, daß das Flugzeug am Montag wieder aufgetankt bereit stehen würde. Vor dem Hangar wartete bereits ein Taxi, welches sie zu Andreas Bruder bringen würde.

Rebecca hatte früher eine Zeit lang in London gelebt und hätte gerne mehr gesehen, doch da es bereits dunkel war, fiel die Aussicht entsprechend bescheiden aus. Nach einer guten halben Stunde erreichten sie das Haus von Andreas Bruder, das sich in einem ruhigen Vorort in Osten Londons befand. Ob das noch ein Ortsteil von London war oder bereits ein eigenständiger Ort, hatte Rebecca nicht mitbekommen. Das Taxi hielt vor einem großen, zweistöckigen Haus mit einer großen Veranda. Ein breiter Fußweg führte von der Zufahrt zu dem Haus. Dieser war mit kleinen Laternen gesäumt, so das man deutlich den gepflegten Rasen erkennen konnte.

Andrea klingelte bereits an der Haustür, während Rebecca noch damit beschäftigt war Andreas Koffer und ihre Reisetasche zum Haus zu bringen. Die Tür öffnete sich und eine Mann schaute heraus. Er bat Andrea herein und hielt auch für Rebecca die Tür auf, die sich knicksend bei ihm bedankte. Andrea und der Mann begrüßten sich herzlich mit einer langen Umarmung. Eine Frau war mittlerweile dazu gekommen, die Andrea ebenso herzlich begrüßte.
»Das ist Rebecca. Ich habe euch bereits von ihr erzählt. Rebecca, das ist Gordon, mein Bruder Und das ist Julia, meine Schwester.«
»Herzlich willkommen.« begrüßte Gordon sie. Er kam auf sie zu, nahm ihr die Koffer ab und stellte sie vor eine Treppe. »Ich habe schon viel von Dir gehört. Nach dem, was meine Schwester so erzählt, kann Alice sich eine Scheibe von dir abschneiden.« Er reichte ihr die Hand und klopfte ihr freundschaftlich auf die Schulter. Rebecca war das ein wenig unangenehm, doch wollte sie bei einer so freundlichen Begrüßung natürlich nicht protestieren.
»Das hat er über Mara auch gesagt.«, lachte Andreas Schwester Julia. »Hallo Rebecca, freut mich, dich endlich kennen zu lernen.«, sagte sie und begrüßte sie ebenfalls mit Handschlag.
»Wo ist sie eigentlich?«, fragte Andrea.
»Oh, sie hat Flugangst. Rolf und Flo mussten sie aus dem Flugzeug tragen.« Julia lachte, aber es war kein Bisschen Häme in ihrem Lachen zu erkennen. »Sie ist oben, ich habe ihr gesagt, sie soll sich ausruhen, es geht ihr nicht all zu gut. Ehrlich gesagt, mache ich mir ein wenig Sorgen um sie.«
»Ist es so schlimm?«, wollte Andrea wissen.
»Leider ja. Ich weiß nicht, wie das auf dem Rückflug werden soll. Rolf und Flo wollen ja mit ihren Frauen noch eine Woche in London bleiben.«
»Schade, ich hätte sie gerne kennen gelernt. Aber ich denke, da ist morgen ja noch genug Gelegenheit.«, sagte Andrea. »Aber jetzt würde ich gerne meine Neffen begrüßen. Und natürlich meine Schwägerin.«. Andrea schaute zu Gordon.
»Natürlich. Ich nehme an, du hast dich im Flugzeug bereits frisch gemacht.«, sagte dieser.
»Selbstverständlich.«, sagte Andrea »Rebecca, bring bitte die Koffer nach oben und mach dich ebenfalls etwas frisch, dann komm auch nach unten.«
»Ja Herrin.«, sagte Rebecca und knickste.

Gordon schaute sie kurz an. »Vorbildlich muss ich sagen.« Er winkte kurz und eine junge Frau kam auf sie zu. Sie hatte bisher in einer Ecke gestanden und war Rebecca garnicht aufgefallen.
»Das ist Alice.«, sagte Gordon. »Alice, helf Rebecca mit dem Gepäck und zeig ihr das Zimmer.«
Die Frau, sie trug eine einfache Tunika, wie sie auch in den Schulen getragen wurde und ein einfaches Halsband mit vorne angebrachtem Ring, knickste. »Ja, Master Gordon.«, sagte die Frau, knickste noch einmal, nahm Andreas Koffer und ging die Treppe hinauf. Rebecca nahm ihre Tasche und folgte ihr.

Alice führe Rebecca in ein geschmackvoll eingerichtetes Gästezimmer in dem zwei Betten standen, ein großes, französisches mit geschwungenem Kopfteil welches kunstvolle Schnitzereien aufwies und komplett in weiß gehalten war und ein einfaches aber dennoch gemütlich aussehendes Bett welches nur halb so breit war und an der Wand unter einem Fenster stand.
Alice warf Andreas Koffer achtlos auf das große Bett.
»Hee, pass doch auf mit dem Koffer.« sagte Rebecca.
Alice drehte sich zu ihr und sagte »Was schert es dich denn, sind doch sicher nicht deine Sachen da drinne.«
»Na und?« gab Rebecca verärgert zurück. »Trotzdem macht man sowas nicht. Hast du sowas in der Schule nicht gelernt?«
»Scheiß auf die Schule, da bin ich zum Glück seit einem Jahr raus. Und tu du mal nicht so als ob du als Freie« Sie spuckte das Wort regelrecht aus »stolz drauf bist auf diesen Mist.«, sie fasste sich an den Hals und zerrte an ihrem Halsband als ob sie es abreißen wollte.
»Ich bin verdammt stolz darauf.«, sagte Rebecca lauter als sie es eigentlich wollte. Die Art dieser Frau machte sie wütend. »Diesen Mist wie du es nennst habe ich mir zwei Jahre lang hart erarbeiten müssen. Und bloß weil ich als freie an der Schule war heißt das noch lange nicht, das ich es leichter hatte als die Anderen. Ganz im Gegenteil.« Rebecca redete sich in Rage »Ich habe mehr einstecken müssen als die Anderen und ich bin ganz genau so behandelt worden. Also halt dich mal ein Bisschen zurück.« jetzt schrie Sie beinahe. Am liebsten hätte sie Alice gezeigt wie man als »Freie« in der Schule behandelt wurde wenn man Gleichbehandlung wollte.
»Ach lass mich doch mit dem Mist in Ruhe. Ich mache meine Arbeit und gut ist.« Alice ging hinaus und warf die Tür laut ins Schloss. Kopfschüttelnd stand Rebecca im Zimmer und sah zur Tür.
»So eine Kröte.« sagte Rebecca laut und begann Andreas Kleider ordentlich in den Schrank zu räumen. Dann nahm sie ihre eigenen Sachen und räumte auch diese ein.
»Was war denn hier los?« Andrea stand plötzlich hinter ihr. »Wir haben jemanden schreien gehört.
Rebecca drehte sich um und knickste. »Verzeihung Herrin, das war ich.« sagte Sie kleinlaut. »Diese Alice, ich kann sie nicht aus stehen. Sie hat ihren Koffer einfach aufs Bett geworfen und versucht mich zu beleidigen.«
»Das scheint ihr ja ganz gut gelungen zu sein.« Andrea lachte. »Mach dir deswegen keine Sorgen. Gordon hat anscheinend schon bedauert, sie gekauft zu haben. Sie muss ein richtiges Schätzchen sein diese Alice.«
»Der würde ich beibringen wie man sich benimmt.«, murmelte Rebecca leise vor sich hin. Sie war wütend darüber wie diese Frau sich ihr gegenüber benahm.
Wieder lachte Andrea »Das kann ich mir gut vorstellen.« Sie ging zu Rebecca und strich ihr über die Wange. »Mach dich frisch und zieh sich um, dann kommst du nach unten zum Dinner.«
»Ja Herrin.«, sagte Rebecca die noch ziemlich aufgeregt war wegen Alice.
Andrea wandte sich zum Gehen, blieb aber noch einmal stehen. »Bevor ich es vergesse,«, sie hielt auf einmal den Schlüssel zu Rebeccas Gürtel in der Hand, ging zu ihr, öffnete ihre Tunika und löste mit dem Schlüssel das Korsett vom Gürtel. »das wirst du erst Montag wieder benötigen.«
»Vielen Dank Herrin.«, sagte Rebecca. Sie legte das Korsett ab und legte die beiden Hälften in den Kleiderschrank. Dann machte sie sich frisch und zog sich eine schöne Tunika an. Sie entschied sich dagegen, Schuhe zu tragen und ging barfuß nach unten.

Sie trat aus der Eingangshalle in ein Zimmer in dem sich ein großer, ordentlich gedeckter Esstisch befand. Die Anderen saßen bereits am Tisch.
»Rebecca, komm herein.«, sagte Andrea. Rebecca knickste und ging zu ihr. »Würdest du Alice helfen aufzutragen?«
»Sehr gerne Herrin.« Rebecca lächelte. Es freute sie, so viele Leute bedienen zu können. Seit der Schule hatte sie dazu keine Gelegenheit mehr gehabt.
»Ich würde Mara auch bitten, euch zu helfen,«, sagte Julia. »aber sie liegt noch in unserem Zimmer und schläft. Der Flug war wohl wirklich nichts für sie. Wahrscheinlich wird sie bis morgen Früh schlafen.«
»Das macht nichts.«, sagte Rebecca. »Ich bin sicher, wir schaffen das auch zu zweit.« Sie knickste und ging zu Alice, die sie mit einem verärgerten Blick bedachte. Diese ging ohne auf Rebecca zu warten in die Küche und begann lieblos einen großen Braten zu zerlegen und das Fleisch förmlich auf die Teller zu werfen. Rebecca schüttelte nur den Kopf als sie sah, wie lieblos Alice die Sauce auf die Teller kippte.

Auf einer Fensterbank sah Rebecca einen Topf Rosmarin stehen. Sie zupfte vorsichtig einige Zweige ab und legte diese so ordentlich es ging, auf das in der Sauce ertränkte Fleisch.
»Na, willst dich wohl einschleimen, Freie.«, sagte Alice als sie das sah.
»Das habe ich garnicht nötig. Es ist einfach schöner so.« Rebecca versuchte trotz Alice Art ruhig zu bleiben, was ihr auch halbwegs gelang.
Als alle Teller fertig angerichtet waren, brachten die Beiden diese nach draußen an den Tisch. Alice stellte ihrem Herrn und ihrer Herrin die Teller vor, wobei sie sich einfach zwischen diese stellte. Rebecca schüttelte innerlich den Kopf und stellte die nächsten Teller ordentlich von rechts vor die Gäste, wobei sie darauf achtete, daß sich das Fleisch immer auf der rechten Seite befand. Als alle ihre Teller hatten, stellte Rebecca sich zu Alice neben die Küchentür und wartete.

Während alle aßen, winkte Andrea Rebecca zu sich und bat sie, ihr noch ein Glas Wein einzuschenken. Andreas Tischnachbarin, eine junge Frau, die der ihr gegenüber sitzenden Frau zum Verwechseln ähnlich sah, beugte den Kopf zu Andrea, worauf hin sie Rebecca bat, auch dieser nach zu schenken.

Balde bediente sie alle am Tisch sitzenden. Es war zwar etwas anstrengend aber dennoch bereitete es ihr große Freude so viele Leute bedienen zu können. Alice stand unterdessen noch immer neben der Küchentür und bediente lediglich ihre Herrschaften.

»Ihr könnt jetzt abräumen und dann auch mal etwas essen.«, sagte Gordon, nachdem alle gegessen hatten. Wieder stellte sich Alice zwischen ihre Herrschaften und nahm beide Teller auf einmal, während Rebecca darauf achtete immer von links abzuräumen. Das Abräumen ging natürlich schneller das das Auftischen von statten und balde waren wieder fast alle Teller in der Küche, bis auf die Beiden, die Alice gerade hatte fallen lassen. Mit einem Handfeger kehrte sie die Scherben zusammen, tat dies allerdings nicht besonders sorgfältig, was zur Folge hatte, daß Rebecca balde einige davon in der Fußsohle stecken hatte.

Nachdem alles abgeräumt war, bat sie Andrea, sie kurz zu entschuldigen.
»Was ist denn los?«, wollte diese wissen.
Rebecca sagte ihr, daß sie wohl einige Scherben im Fuß hatte. Auf dem Boden hinterließ sie beim Gehen einige Tropfen Blut.
»Geh schnell nach oben, ich komme gleich nach.«, sagte Andrea.
»Das ist nicht nötig Herrin, ich bin sicher gleich wieder hier.«
»In Ordnung, aber wenn etwas sein sollte, ruf bitte nach mir.« Andrea hatte das Blut auf dem Boden bemerkt. »Und zieh dir bitte was an die Füße.«
»Ja Herrin.«, sagte Rebecca, knickste und ging nach oben.

In dem Zimmer angekommen, ging sie sofort ins Badezimmer und holte sich mit einer Pinzette laut fluchend zwei ziemlich lange und spitze Porzellansplitter aus ihrer Fußsohle. Sie wusch sich die Füße und klebte Pflaster auf die Wunden. Dann zog sie ihre Sandalen an und ging wieder nach unten, wo sie in der Küche selbst etwas aß. Im Esszimmer angekommen sah sie, daß mittlerweile alle aufgestanden und ins Nebenzimmer, ein geräumiges Wohnzimmer, gegangen waren. Alice, die gerade das restliche Geschirr abräumte, sah sie an und grinste breit. Rebecca ließ sich jedoch nichts anmerken und wollte ihr helfen, den Tisch ab zu räumen. Doch Andrea kam herein und rief sie ins Wohnzimmer, wo sie sie bei Seite nahm und fragte, ob alles in Ordnung war.
»Ja Herrin, es sind nur zwei kleine Stiche. Es geht schon wieder.«
»Gut, das beruhigt mich. Stell dich am Besten dort zur Bar.«
Rebecca stellte sich neben die Zimmerbar und begann balde, den Anwesenden Getränke einzuschenken, wobei sie jedes Mal lächelnd knickste.

»Rebecca, Andrea hat gesagt, du kannst ganz wunderbar singen. Würde es dir etwas ausmachen uns etwas vorzusingen?«, fragte Gordon sie, während sie ihm einen Whisky einschenkte.
»Wenn die Herrin nichts dagegen hat, gerne.«, sagte Rebecca.
Andrea schaute kurz herüber und nickte. Sie und Gordon einigten sich auf ein Lied, welches sie gut kannte. Er nahm sie mit auf die andere Seite des Raumes und setzte sich an das Klavier welches dort stand. Er begann zu spielen und Rebecca zu singen. Die Anderen hörten aufmerksam zu und nachdem sie geendet hatte, klatschten sie laut Beifall. Es freute Rebecca, daß es den Anderen so gut gefallen hatte.

Nach und nach begannen die Anderen Rebecca in ihre Unterhaltungen mit einzubeziehen. Andrea hatte nichts dagegen und so wurde auch Rebecca langsam etwas lockerer.

Alice stand die ganze Zeit stumm neben der Tür zum Esszimmer und brachte den Gästen gelegentlich kleine Knabbereien. Jedes Mal wenn Rebecca zu ihr sah, hatte sie den Eindruck, daß diese ihr wohl am liebsten noch mehr Teller vor die Füße geworfen hätte, so war Rebecca froh, nun die Sandalen zu tragen.

Erst als es schon recht spät war, beendete Gordon als Hausherr den Abend, worauf hin sich alle in ihre Zimmer zurück zogen. Auch Andrea und Rebecca gingen nach oben, wo Rebecca ihrer Herrin beim Umziehen half und danach selbst unter die Dusche ging. Zwar war es recht ungewohnt im selben Zimmer wie ihre Herrin zu schlafen, dennoch fiel Rebecca balde in einen tiefen, festen Schlaf.

- - -

Mara wachte auf weil sie starke Kopfschmerzen hatte.
Sie war erst wieder aufgewacht als das Flugzeug zur Landung ansetzte. Als es auf der Landebahn aufsetzte und ein kräftiges Ruckeln durch die Maschine ging, schrie sie laut auf und klammerte sich an die Armlehnen ihres Sitzes. Sie schaffte es nicht, alleine aus dem Flugzeug zu gehen, so das Rolf und Flo sie zwischen sich nahmen und hinaus trugen. Erst als das Taxi vor einem großen Haus mit einem gepflegten Garten ankamen, schaffte sie es, alleine zu gehen und wurde von Herrin Julia gleich nach oben in ein Zimmer gebracht und musste sich dort ins Bett legen. Sie bekam von Julia eine Tablette, bevor diese ging. Sie dachte mit Grauen daran, am Montag noch einmal in ein Flugzeug steigen zu müssen. Über diese Gedanken war sie dann irgendwann eingeschlafen.

Nun lag sie im Bett und hörte jemanden singen. Sie kannte dieses Lied. ’Country Roads’ war eines ihrer Lieblingslieder. Als Kind dachte sie immer, das Lied hieße ’Country Rose’, bis sie irgend wann lesen lernte und den Text verstand. Von ihrer Mutter wusste sie, daß dieses Lied bereits mehrere hundert Jahre alt war. Sie kannte mehrere Versionen dieses Liedes doch die Stimme die es hier sang bewegte sie sehr. So schön hatte sie dieses Lied noch nie vorher gehört. Diese Frau sang im Laufe des Abends noch mehrere Lieder und sie lauschte gebannt dieser Stimme, bis sie irgend wann wieder einschlief.

Als sie erneut aufwachte, war es noch sehr dunkel im Zimmer. Es dauerte eine Weile bis sich ihre Augen an das schwache Licht, welches durch die herunter gelassenen Rollläden herein fiel, gewöhnt hatten und sie realisierte, daß sie nicht zu Hause war sondern in London, in einem fremden Haus, bei fremden Leuten und ihre Herrin zu alledem nur wenige Schritte entfernt in ihrem Bett lag. Bei diesem Gedanken fühlte sie sich ein wenig unwohl, doch damit würde sie die nächsten Tage wohl leben müssen.

Sie überlegte, ob sie liegen bleiben oder Herrin Julia aufwecken sollte. Doch dann beschloss sie, daß sie, wenn sie schon nicht mit Herrin Julia mit dem Sulky laufen sollte, zumindest alleine eine Stunde laufen könnte. Wozu hatte sie schließlich sonst ihre Sportsachen einpacken sollen? Sie stand leise auf und fand ihre Tasche am Fußende des Bettes auf dem Boden liegen. Natürlich hatte noch niemand die Sachen ausgepackt, immerhin wäre das ihre Aufgabe gewesen. Sie beschloss, dies nach dem Duschen zu tun, wenn Herrin Julia wach war. Nun zog sie ihre Sportsachen an. Eigentlich wollte sie auch noch den Pferdeschweif tragen aber Herrin Julias Anweisung, keine Spielzeuge mit zu nehmen, war sehr eindeutig gewesen. So verließ sie in normalen Laufschuhen, der knappen Sporthose und dem SportBH welche sie bereits in der Schule getragen hatte, das Zimmer. Sie ging durch einen Flur, von dem mehrere Türen ab gingen bis zu einer Treppe. An diese erinnerte sie sich wieder. Herrin Julia hatte sie gestern Abend sofort nach ihrer Ankunft hier herauf gebracht.

Unten angekommen befand sie sich in einer geschmackvoll eingerichteten Eingangshalle. Auf dem dunkel gefliesten Boden lagen mehrere Teppiche, die mit dem Rest der Einrichtung gut zusammen passten.

Die Haustür war nicht abgeschlossen, so verließ sie das Haus und ging den gepflegten Kiesweg entlang durch den Vorgarten bis zur Straße. Dort wandte sie sich nach links und begann zu laufen.
Auf einmal kam ihr der Gedanke, was wäre, wenn die Haustür nur von innen zu öffnen wäre. Doch dann würde sie eben klingeln müssen, dachte sie sich und machte sich keine weiteren Gedanken darüber. Aus reiner Gewohnheit achtete sie beim Laufen nicht auf die Umgebung und lief immer weiter, bis die Straße einen Knick machte. Sie folgte dieser und kam kurz darauf an einen Verkehrskreisel mit ziemlich vielen Zufahrten. Um diesen verlief der Fußweg ebenfalls im Kreis und sie nahm einfach den dritten Weg, weil hier der Fußweg besonders breit war.

- - -

Rebecca wachte auf, weil das Comm sich bemerkbar machte. Sie hatte es bisher noch nie geschafft, von selbst aufzuwachen. Sie schüttelte die Hand um das Vibrieren auszuschalten und überlegte, was sie tun sollte. Liegenbleiben kam für sie nicht in Frage. Also beschloss sie, sich frisch zu machen und wie es sich gehörte, dieser Alice in der Küche zu helfen, das Frühstück zuzubereiten, auch wenn sie keine besondere Lust hatte, dieser zu begegnen. Mit einem großen Maß an Widerwillen verließ sie das Zimmer und ging die Treppe hinunter, in das Esszimmer in dem der Tisch bereits halbwegs ordentlich gedeckt war in die Küche. Doch hier war, genau wie in der Halle und dem Esszimmer noch alles dunkel. Also beschloss sie, damit anzufangen das Frühstück auf den Tisch zu stellen. Sie fand zwar einige Gläser mit verschiedenen Brotaufstrichen, darunter auch englische Orangenmarmelade. Sie hatte diese einmal probiert und beschlossen sie genauso wenig zu mögen wie die meisten andren Köstlichkeiten der englischen Küche.

Ein wenig missmutig suchte sie in den Schränken nach anderen Lebensmitteln, wurde jedoch abgesehen von einem Schrank voller Gewürze, von denen sie auf Horizons nicht einmal zu träumen wagte, nicht fündig. Was sie allerdings fand, war Alice. Diese lag auf einer dünnen Matte in der Ecke zwischen zwei Schränken, zugedeckt lediglich mit einer dünnen Wolldecke, die bestimmt schon bessere Tage gesehen hatte. Neben ihr lag, zu einem Haufen aufgetürmt, eine ziemlich lange, eiserne Kette, deren Ende an einem Ring um ihren Fuß befestigt war. Das andere Ende ging zu einem massiven Haken der neben dem Schrank im Boden verankert war.
’Wer tut jemandem denn sowas an?’, fragte sie sich entsetzt. Alice hatte ihren Kopf auf ihre zusammengerollte Tunika gelegt und schlief noch friedlich. Ihr Ärger über Alice schwand ziemlich schnell, als sie diese so da liegen sah und sie hatte ein schlechtes Gewissen, sie wecken zu wollen. Doch so ganz konnte sie die Aktion mit den Tellern gestern Abend nicht vergessen und so überwand sie ihr Mitleid und so kniete sie sich vor sie und schüttelte sie sacht an der Schulter.

Sofort sprang Alice auf und stand nackt vor ihr. Aus irgend einem Grund musste sie an die Geschichte von Dornröschen denken, die einer von Andreas Neffen gestern Abend in einer ganz anderen, überhaupt nicht romantischen Version erzählt hatte. Alice hatte am ganzen Körper blaue Flecke, einige schon älter, andere anscheinend noch recht frisch. Außerdem konnte sie mehrere Striemen erkennen die ganz sicher von einer recht schweren Peitsche stammten oder von einem Rohrstock. Einige dieser Striemen waren aufgeplatzt und an ihren Rändern hatte sich Wundschorf gebildet.
’Wer tut einem Menschen sowas nur an?’, fragte sie sich.
»Hey, was starrst du mich so an, Freie?« Alice spuckte dieses Wort förmlich aus.
»Wer hat das denn getan?«, war alles, was Rebecca trotz dieser unfreundlichen Anrede heraus brachte.
»Da bist du doch dran Schuld. Bloß weil du nicht aufpassen kannst, wo du hin trittst.«, fuhr Alice sie an. Sofort war das meiste Mitleid welches sie eben noch für Alice empfunden hatte, wie weggeblasen. »Also, was willst du?«
»Ich wollte dir eigentlich dabei helfen, das Frühstück zuzubereiten. Aber hier gibt es ja nicht mal Brot. Und meine Herrin isst jeden Morgen frische Brötchen.«, gab Rebecca härter als sie es eigentlich wollte, zurück.
»Wenn deine blöde Herrin unbedingt Brötchen haben will, dann geh doch welche holen. Dann kannst du dich schön einschleimen.«, sagte Alice, die gerade dabei war, ihre Tunika anzuziehen.
»Wie redest du denn über andere Leute?«, fragte Rebecca aufgebracht.
»Das ist doch meine Sache, wenn es dir nicht passt, dann geh hoch zu deiner Herrin und leg dich wieder zu ihr ins Bettchen. Dann kannst du dich schön weiter bei ihr einschleimen.«, sagte Alice, streckte die Zunge heraus und machte mit dieser eine recht eindeutige Bewegung.

Rebecca schaute sie wütend an. Am liebsten hätte sie ihr jetzt eine runter gehauen. Doch dann war sie auch nicht besser, als derjenige, der ihr dies angetan hatte. Sie atmete tief durch und fragte dann »Und wo bitte kann ich Brötchen kaufen?«
»Woher soll ich das wissen? Dann musst du eben einen Brotshop suchen.«, gab Alice zur Antwort und wandte sich von ihr ab.
Rebecca wollte noch etwas sagen, ließ es dann aber lieber bleiben. Sie tippte das Wort Brotshop auf ihrem Comm ein und bekam mehrere angezeigt. Sie wählte den nächsten aus, dieser war weniger als einen Kilometer entfernt. Sie beschloss, zu diesem zu gehen und dort Brötchen zu kaufen. Als sie das Haus verließ war sie froh, Alice in den nächsten zwanzig Minuten nicht sehen zu müssen. Sie hielt sich eigentlich für einen recht umgänglichen Menschen, doch Alice hatte es innerhalb von nicht einmal einem halben Tag geschafft, daß sie ihr am liebsten eine gescheuert hätte, daß ihr Sehen und Hören vergangen wäre.

Auf dem Weg zu dem Brotshop schaffte sie es, sich einigermaßen zu beruhigen. Sie überschlug, wie viele Brötchen sie wohl brauchen würde. Da waren zuerst einmal sie selbst und Herrin Andrea, ihre beiden Neffen und deren Frauen, Herrin Andreas Schwester und deren Serva, die sie noch nicht zu Gesicht bekommen hatte sowie Andreas Bruder, seine Frau, sein Sohn und Alice. Wenn jeder zwei Brötchen essen würde, dann bräuchte sie 24 Brötchen.

Sie war jetzt schon zweimal an dem Haus vorbei gegangen, welches das Comm ihr angezeigt hatte, doch an dieser Adresse war ganz bestimmt kein Laden. Als ihr jemand entgegen kam, beschloss sie, diese Frau einfach zu fragen. Diese trug sehr knappe Sportkleidung und hatte langes, lockiges Haar welches im Schein einer Straßenlaterne feurig rot leuchtete. Als sie auf diese Frau zu kam bemerkte sie, daß diese ziemlich niedergeschlagen aussah.
»Entschuldigung, können Sie mir helfen?«, fragte die Frau, bevor sie selbst etwas fragen konnte.
Rebecca musste lachen. »Entschuldigen Sie, aber das wollte ich Sie auch gerade fragen. Ich glaube nämlich, ich habe mich hier etwas verirrt.«
Die Frau schaute sie nun noch niedergeschlagener an. »Ich hab mich auch verirrt. Ich wollte Laufen und bin irgendwo auf dem Rückweg falsch abgebogen.«
»Na prima, ich suche hier seit ein paar Minuten einen Brotshop, der hier angeblich sein soll. Ich bin Rebecca.« Sie reichte der Frau die Hand.
Diese gab ihr daraufhin die Hand. »Mara.«, sagte sie. »Einen Bäcker hab ich eben in der Querstraße gesehen.«, sie deutete auf die Straße die hier abzweigte.«
»Schön.«, sagte Rebecca und grinste. »Du hast mir geholfen und jetzt helf ich dir. Deine Herrin heißt Julia Gibbs?«
»Woher weißt du das?«, fragte Mara erstaunt.
»Weil meine Herrin die Schwester deiner Herrin ist.«, sagte Rebecca grinsend.
Erleichtert sah Mara sie an. »Dann weißt du, wie ich zurück komme?«
»Sicher weiß ich das. Ohne das Comm wäre ich nie aus dem Haus gegangen.«, sie hielt Mara das Handgelenk hin an dem sie ihr Comm trug. »Dann lass uns mal zu dem Bäcker gehen, dann können wir zurück.«
Mara nickte knapp und ging neben ihr her.

»Sag mal, hab ich dich schon mal irgendwo gesehen?«, fragte Rebecca als sie auf dem Rückweg waren und biss in ihr Milchbrötchen. Die Verkäuferin hatte den Beiden jeweils eines davon geschenkt, nachdem Rebecca dreißig Brötchen gekauft hatte.
»Ich weiß nicht.«, sagte Mara und biss in ihr Brötchen. »Aber ich glaube nicht. Ich bin erst vor ein paar Wochen zu Herrin Julia gekommen, vorher war ich in der Schule in Straßburg.«
Rebecca blieb unter einer Laterne stehen und musterte Mara eingehend. Sie betrachtete ihre Sommersprossen eingehend, welche in ihrem Gesicht kleine Inseln bildeten. »Straßburg, richtig. Ich kann mir zwar oft keine Namen merken aber Gesichter vergesse ich meistens nicht so schnell. Du hast mit einer Blondine auf der Bank im Garten gesessen als ich mir einen Ableger von Sarahs Rosenstrauch geholt habe. Und dann, als ich mit Isa am Lehrertisch gesessen hab, hast du dauernd zu mir rüber geschaut.«, sagte Rebecca grinsend.
»Miss Isabella? Du kennst sie? Dann warst du die Frau mit den Krücken und dem Gipsbein?«, fragte Mara. Sie erinnerte sich an diesen Tag und an den Blick, den diese Frau, Rebecca, ihr damals zugeworfen hatte und wie sehr dieser Blick sie fasziniert hatte.

Während sie weiter gingen, unterhielten sie sich über die Schule. Rebecca erzählte Mara, was sie während der Schulzeit alles angestellt hatte. Als sie am Haus ankamen, stand Andreas Bruder vor der Haustür und schaute zu ihnen. Als dieser ins Haus rief und Herrin Andrea und Herrin Julia heraus kamen, verging beiden das Lachen. Ihre beiden Herrinnen sahen alles Andere als glücklich aus. Beide machten äußerst verärgerte Gesichter.

»Was denkst du dir eigentlich dabei, einfach so abzuhauen?« Julia war äußerst verärgert und fasste Mara an der Schulter.
»Es tut mir leid Herrin.«, sagte Mara »Ich wollte laufen und habe mich irgendwie verirrt.«
»Was? Auch noch verirrt?« Julia schüttelte sie kräftig »Bist du denn wahnsinnig?«
»Entschuldigung Herrin.«, sagte Mara kleinlaut und mit gesenktem Kopf.

»Und was ist mit Dir Rebecca? Wir warten schon seit einer guten halben Stunde, daß ihr wieder auftaucht. Von dir hätte ich eigentlich etwas mehr Vernunft erwartet.«, sagte Herrin Andrea. Sie war bei weitem nicht so außer sich wie Julia.
»Entschuldigung Herrin. Ich hatte Brot gesucht und keines gefunden. Da habe ich im Comm nach einem Bäcker gesucht weil ich Brötchen kaufen wollte. Dabei habe ich Mara getroffen.«, erklärte Rebecca ruhig. Sie wusste, daß sie eigentlich Herrin Andrea hätte fragen müssen und war sich darüber im Klaren, daß das nicht ohne Folgen bleiben würde.
»Ich verstehe.«, sagte Andrea noch immer relativ ruhig. »Und was hättest du gemacht, wenn du kein Comm gehabt hättest?«
Rebecca schaute sie ernst an. »Wahrscheinlich Pfannkuchen.« Daraufhin lachte Andrea und auch einige der Anderen die sich mittlerweile in der Halle eingefunden hatten, fielen in das Lachen mit ein.

»Trotzdem bist du ohne mir Bescheid zu sagen, weg gegangen.«, sagte Andrea ernst. »Du weißt, was das heißt?«
Alice stand neben der Tür zum Esszimmer und versuchte vergeblich, ihr Grinsen zu verbergen.
»Ja Herrin.«, sagte Rebecca und stellte sich breitbeinig in die Mitte des Raumes, legte die Haare über ihre Schulter nach vorne und verschränkte die Arme hinter dem Nacken.

»Nicht hier.«, sagte Gordon. »Macht das bitte draußen.« Er hatte die ganze Zeit über nur still zugehört und deutete auf eine Tür die offenbar in den Garten führte.
Julia fasste Mara an der Schulter und schob sie zu dieser Tür. Rebecca, die Andrea folgte, bemerkte daß Julia offenbar recht sanft dabei vorging, was sie nicht gerade erwartet hatte.

Draußen auf einer großen Rasenfläche stand ein Gestell über dem man wohl normalerweise Teppiche ausklopfte. ’Wie passend.’, dachte sich Rebecca und ging auf dieses Gestell zu. Sie zog ihre Tunika aus, faltete sie ordentlich zusammen und stellte sich unter dieses Gestell. Sie umfasste die Querstange mit beiden Händen und stand nun etwas Breitbeinig und nur mit ihrem Keuschheitsgürtel bekleidet dort. In diesem Moment war sie recht froh darüber, den Gürtel zu tragen.
»Rebecca, es gibt nichts dagegen einzuwenden, daß du Brötchen holen wolltest. Aber weg zu gehen, ohne Bescheid zu sagen ist absolut inakzeptabel.«, sagte Andrea.
Alice, die sich ihr genau gegenüber vor einen Schuppen gestellt hatte, grinste noch immer breit.
»Ja Herrin. Ich entschuldige mich dafür.«, sagte Rebecca gefasst. Sie wusste, wenn das hier kein Wettbewerb im fest zuschlagen war, dann würde sie die Schläge leicht überstehen. Sie blickte stur gerade aus und hielt Alices Blick. Als der erste Schlag ihren nackten Hintern traf, verzog sie keine Mine. Auch bei den nächsten Schlägen riss sie sich zusammen so gut es ging. Zwar schmerzte ihr Hintern bereits nach dem fünften Schlag ziemlich stark, doch sie hatte Herrin Andrea richtig eingeschätzt. Als sie Alices Grinsen sah, rang sie sich ein Lächeln ab.

Entweder schlug Herrin Andrea mittlerweile fester zu oder es machte sich bemerkbar, daß sie immer nur auf ihren Hintern zielte und somit oft die selbe Stelle traf. Sie spannte die Arme an, versuchte den Schmerz weg zu atmen und zwang sich dazu, weiter zu lächeln. Alice war ihr Grinsen mittlerweile aus dem Gesicht gewichen und Rebecca meinte sogar, etwas wie Mitleid in ihrem Blick zu erkennen. Die letzten drei Schläge hielt sie aus, ohne das Gesicht zu verziehen, doch als Andrea zu ihr kam, fühlte sie sich etwas schwindelig.
»Gut gemacht, der hast du es gezeigt.«, flüsterte Andrea ihr zu und nickte in Alices Richtung die nun mit steinerner Mine am Schuppen stand.
»Vielen Dank Herrin. Ich verspreche, daß das nicht wieder vorkommen wird.«, sagte Rebecca leise.
»Zieh dich wieder an und stell dich neben sie.« Andrea warf ihr einen leicht besorgten Blick zu. »Und denk immer dran, stur lächeln und winken.«
Bei diesem Spruch musste Rebecca grinsen, Miss Wilhelmina hatte ihn des Öfteren gebraucht, wenn es etwas unangenehmes zu tun gab. »Ja Herrin. Vielen Dank.«, sagte sie noch einmal leise und stellte sich neben Alice, wobei sie ihr noch einmal ein breites Lächeln zuwarf. Diese schaute nun ebenfalls stur gerade aus. Andrea steckte sich einen Zigarillo an und stellte sich ebenfalls vor den Schuppen.

Nun musste sich Mara nackt unter das Gestell stellen. Ihre Hände wurden mit breiten Lederriemen an diesem fest gebunden. Sie wusste, was nun passieren würde und schaute relativ gefasst gerade aus. Doch wirklich gefallen tat es ihr nicht, daß so viele Leute dabei zu sahen.
»Entspann dich Mara.«, sagte Herrin Julia und nickte ihr zu.
»Ja Herrin.«, sagte Mara und schloss die Augen. Sie wollte wenigstens vermeiden, daß alle ihr dabei in die Augen sahen.

»Du bist weg gegangen, ohne Bescheid zu sagen. Dafür bekommst du nun zwanzig Schläge mit der Peitsche.«, sagte Herrin Julia. Mara stellte sich gerade hin und versuchte, sich so gut es ging zu entspannen.

’20 Schläge mit der Peitsche? Das übersteht sie niemals.’, dachte Rebecca und schüttelte fast unmerklich den Kopf. Sie sah, daß Julia Gordon die Peitsche gab und schaute fassungslos zu Herrin Andrea. Auch diese schüttelte den Kopf, sagte aber nichts. ’Was ist das für eine tolle Herrin, die nichtmal in der Lage ist, eine Strafe, die sie verhängt hat, auch selbst durchzuführen.’, fragte sich Rebecca.
Bereits beim ersten Schlag zuckte Mara stark zusammen und ging in die Knie. Lediglich ihre angebundenen Hände verhinderten, daß sie fiel. Auch bei den nächsten Schlägen zuckte Mara zusammen und sank jedes Mal in die Knie. Bereits beim siebten Schlag hing sie nur noch unter dem Gestell und nur die Lederriemen verhinderten daß sie zusammen sackte. Ihre Augen waren geschlossen und der Kopf war ihr auf die Brust gesunken. Rebecca hatte den Eindruck daß sie bereits jetzt nicht mehr viel mit bekam.

Gordon wartete zwischen den Schlägen nun mehrere Sekunden ab, die Rebecca wie eine Ewigkeit vorkamen. »Herrin, das übersteht sie nie.«, sagte sie leise zu Andrea ohne den Blick von Mara abzuwenden.
»Was soll ich tun? Julia hat das so angeordnet, da kann er jetzt nicht einfach aufhören.«, erwiderte Andrea ebenso leise.
»Herrin, ich kann das nicht mehr mit an sehen.«, sagte Rebecca. Sie spürte eine Träne ihre Wange hinab laufen. Ob vor Zorn oder Mitleid oder vor beidem, konnte sie sich selbst nicht erklären.
Als Mara beim neunten Schlag kaum noch reagierte, sagte sie »Entschuldigung Herrin.« Sie öffnete ihre Tunika, ließ diese im Gehen einfach fallen und stellte sich hinter Mara, fasste die Querstange des Gestells mit beiden Händen und wartete.

Gordon sah ein wenig ratlos zu Julia, dann zu Andrea. Beide nickten lediglich, also machte er weiter. Die Peitsche schmerzte viel mehr als der Stock. Doch Rebecca schaute stur gerade aus zu Andrea.

Alice schaute dem Ganzen nur noch schweigend mit zusammen gekniffenem Mund zu und schloss bei jedem Schlag die Augen. So etwas dummes hätte sie nie im Leben getan und war froh, nicht selbst dort zu stehen, so wie letzte Nacht, als sie wegen der heruntergefallenen Teller ausgepeitscht wurde und sie dann noch einige Stunden dort hängen musste.

Nach fünf Schlägen musste Rebecca sich sehr zusammen reißen um nicht laut zu schreien. Ein weiterer Schlag traf ihren Rücken und sie sackte kurz zusammen. Doch sie hielt sich eisern an der Querstange fest, da Mara sonst die nächsten Schläge wieder abbekommen hätte, die noch immer regungslos an der Stange hing. Sie biss sich auf die Zunge und hielt auch die letzten fünf Schläge durch. Andrea schaute sie ernst an und nickte, als der letzte Schlag sie traf. Rebecca glaubte, Stolz in ihrem Blick erkennen zu können. Als Gordon die Peitsche weg legte, atmete Rebecca tief durch. Sie hatte einen metallischen Geschmack im Mund und ihre Zunge schmerzte. Sie schluckte das Blut herunter, ließ die Stange gehen und stellte sich gerade hin. Langsam ging sie auf Herrin Andrea zu, hob die Tunika auf und zog diese vorsichtig an. »Herrin, darf ich bitte nach oben gehen?«, fragte sie Andrea.
»Ich komme sofort nach.«, sagte diese und nickte.
Wie in Trance ging Rebecca auf die Hintertür zu, wobei sie versuchte, gerade zu gehen. Als sie die Halle durchquerte, blieb sie stehen und ihr wurde schwarz vor Augen.

- - -

Rebecca öffnete langsam die Augen. Ihr Rücken brannte wie Feuer und auch ihre Zunge schmerzte und war geschwollen. Etwas verschwommen nahm sie ein Gesicht wahr. Sie blinzelte und schaute in ein Paar graue, von Sommersprossen umgebenen Augen die sie besorgt ansahen.
»Wie geht’s Dir?«, fragte Rebecca, als sie Mara erkannte und wollte sich aufrichten.
»Schön liegen bleiben.«, hörte sie Andreas Stimme von der anderen Seite. Sie drehte den Kopf, sah jedoch nur das Leder der Couch. Also drehte sie den Kopf wieder zurück und blickte erneut in Maras Augen. Eine Gänsehaut fuhr ihr über den Rücken, was zur Folge hatte, daß sie wieder an die Schmerzen erinnert wurde und leise stöhnte.
»Wieso hast du das getan?«, fragte Mara leise.
»Du hast schon bewusstlos in den Riemen gehangen. Wer weiß, was passiert wäre, wenn er dich weiter geschlagen hätte.«

»Denkt dran, ordentlich eincremen. Wir gehen dann mal. Ihr findet uns im Wohnzimmer, wenn etwas sein sollte.«, hörte Rebecca Andreas Stimme. Diese sagte irgend etwas, worauf hin sie ein gedämpftes, mehrstimmiges Lachen hörte, bevor eine Tür geschlossen wurde.

»Das kann jetzt etwas weh tun.«, sagte Mara und begann ihren Rücken mit einer Creme einzureiben. Diese kühlte ihren Rücken und ihren Hintern und linderte ihre Schmerzen. Lediglich wenn sie die frischen Striemen berührte, schmerzte es und Rebecca sog jedes mal scharf die Luft ein.
»Ich war nicht bewusstlos.«, sagte Mara, während sie Rebeccas Hintern eincremte.
»Ach nein? Das sah aber ganz danach aus. Du hast dich ja kaum noch gerührt.«, sagte Rebecca und war ein wenig verwundert über diese Aussage.
»Nein. Ich war irgendwie weggetreten. Aber ich hab noch alles mit bekommen.«, verbog Mara die Wahrheit ein wenig.
Rebecca hatte eine leise Ahnung . Sie stützte sich auf die Arme und schaute Mara an. »Dann war das garkeine Strafe für dich?«
Mit einem verlegenen Grinsen meinte Mara »Naja, spätestens heute Abend im Bett wird es das sicher. Aber bis dahin geht es noch.«
»Dann hätte ich mir das Ganze sparen können? Ich hatte mit wirklich Sorgen gemacht und gedacht, daß du das nicht überstehst.«. sagte Rebecca mit leicht vorwurfsvoller Stimme.
»Das tut mir leid, ich wollte das doch nicht.«, sagte Mara und deutete auf Rebeccas Rücken. »Aber trotzdem vielen Dank, daß du mir helfen wolltest.«
»Jederzeit gerne wieder.«, sagte Rebecca und grinste schief. Sie richtete sich langsam auf und setzte sich leise stöhnend hin.
»Bleib doch liegen.«, sagte Mara.
»Das geht schon.«, erwiderte Rebecca während sie sich im Raum um sah. Mara gab ihr ein Glas Wasser, welches sie trank, während sie sich im Raum um sah. Der Raum hatte in etwa die Größe des kleinen Salons zu Hause und war auch ähnlich eingerichtet, wenn auch etwas moderner. Den Tisch hatte jemand bei Seite geschoben, so daß Mara, die vor der Couch kniete, mehr Platz hatte. Sie warf einen blick auf die Uhr über der Tür und sah, daß es bereits Mittag war. Hatte sie so lange hier gelegen?

»Bist du schon öfter geschlagen worden?«, fragte Mara um das Schweigen zu brechen.
»Wie kommst du denn darauf?« Rebecca sah sie etwas erstaunt an.
»Du hast so viele Narben auf dem Rücken und vorne auch.«, sagte Mara etwas verlegen als Rebeccas Blick sie traf.
»Nein, das war was anderes. Wenn du es genau wissen willst, das war ein Stuhl.«
»Hattest du deshalb überall Gips als du in der Schule warst?« Mara betrachtete Rebecca eingehend. Irgend etwas faszinierte sie an dieser Frau. Trotz dem sie hier nackt auf der Couch saß und offenbar noch immer Schmerzen hatte, strahlte sie eine ungewöhnliche Ruhe und Selbstsicherheit aus, die sich auf sie selbst zu übertragen schien.
»Ja, ich bin aus dem Krankenhaus abgehauen um wenigstens mal einen Tag lang meine Ruhe zu haben.«, sagte Rebecca. »Also bin ich in die Schule gefahren um mich mit Isa zu unterhalten. Wir waren damals in der selben Klasse.«
»Was ist denn passiert, daß du im Krankenhaus warst?«, fragte Mara, während sie Rebecca noch ein Glas Wasser gab.
»Das ist eine lange Geschichte. Die möchte ich im Moment nicht aufrollen.«, sagte Rebecca.
»Ich verstehe.« Mara musterte Rebecca von oben bis unten.

»Und bei dir? Wenn das keine Strafe war, was war es denn sonst?«, wollte Rebecca wissen.
»Ich glaube, das war wegen dem Flugzeug. Sie wusste ja nicht, daß ich Flugangst habe. Und ich wusste nicht, das wir mit dem Flugzeug her kommen würden.«
»Und deswegen hat sie dich so bestraft?«
Mara schüttelte den Kopf. Sie ging näher zu Rebecca und redete nun sehr leise: »Ich weiß nicht wieso, aber dabei fühle ich mich frei und muss über nichts nachdenken. Es fühlt sich an wie… wie… wie schweben. Das macht mir zwar ziemlich Angst, wenn ich darüber nachdenke, und das ist auch erst das dritte Mal, daß das passiert ist aber irgendwie gefällt es mir auch.« Sie schaute Rebecca an als erwarte sie, daß sie sie als verrückt bezeichnen würde.
Doch diese nickte und sagte »Verstehe. Das schaffe ich leider nicht. Aber so lassen sich Strafen auch ganz gut ertragen nehme ich an.«
»Nicht, wenn die Herrin das weiß. Sie hat mir schon gesagt, daß sie mich so nicht bestraft.«

»Na, wieder wach?«, erklang Andreas Stimme hinter Rebecca. Sie schaffte es immer wieder irgendwo zu erscheinen, ohne daß man etwas mit bekam.
»Ja Herrin, ich glaube, es geht wieder.« Rebecca war aufgestanden und knickste vor ihr.
»Dann zieh du dir bitte mal was an und dann kommt ihr Beiden raus.«
»Ja Herrin.«, sagte Rebecca und war bereits dabei sich ihre Tunika anzuziehen, als Andrea den Raum verließ.

Die Anderen saßen und standen im Wohnzimmer und unterhielten sich als die Beiden herein kamen.
»Na ihr Beiden? Geht’s wieder einigermaßen?«, fragte Gordon.
»Danke, es geht so.«, sagte Rebecca. Ein wenig Ärger schwang in ihrer Stimme mit, doch Gordon überhörte das einfach.
»Das beruhigt mich, wirklich. Ich wünschte ja, Alice wäre ein wenig so wie ihr Beiden.« Er bemaß die Beiden mit einem leicht resignierenden Blick bevor er weiter sprach. »Aber jetzt mal was Anderes. Wir haben hier noch 25 Brötchen übrig. Zu einem full english breakfast passen die nun mal einfach nicht.« Rebecca schaute ihn verstehend an. Nun war ihr klar, warum es lediglich Weißbrot im Haus gab. Sie fragte sich, warum Alice, ihr das nicht gesagt hatte und warf dieser einen verärgerten Blick zu. »Ich würde sagen, da ihr Beiden die Brötchen besorgt habt, ist es auch an euch, sie wieder los zu werden.«, fuhr Gordon fort.
Mara schaute ihn groß an. Sie sah sich schon dabei zwölf Brötchen essen zu müssen. Selbst wenn sie diese trocken zu den Mahlzeiten essen müsste, würde das mindestens zwei Tage dauern. »Sollen wir die etwa alle aufessen?«, fragte sie.
Gordon lachte. »Das könnte dir so passen. Dann bin ich am Ende noch Schuld, wenn ihr Beiden kugelrund werdet. Nein, von hier aus sind es ungefähr fünf Minuten Fußweg bis zum Teich. Da könnt ihr die Enten füttern. Die freuen sich um diese Jahreszeit darüber.« Er erklärte den Beiden den Weg dort hin und schickte sie dann nach oben um sich etwas warmes an zu ziehen.

Als die Beiden ins Wohnzimmer zurück kamen, gab Gordon ihnen zwei Papiertüten mit den Brötchen. Die beiden wollten gerade gehen da rief Julia, die sich bisher im Hintergrund gehalten hatte, sie zurück.
»Da Rebecca ja das Comm hat, kann sie sich nicht so leicht verlaufen. Aber Mara hat ihres ja zu Hause gelassen. Daher würde ich gerne dafür sorgen, daß ihr Beiden zusammen bleibt.« Ohne eine Antwort abzuwarten ging sie auf die Beiden zu. Bevor Mara überhaupt realisiert hatte was los war, klickte es an ihrem rechten Handgelenk und sie hatte eine Handschelle an diesem hängen. Mit einem weiteren Klicken hatte auch Rebecca eine Handschelle am linken Handgelenk. Nun waren beide mit einer etwa einen halben Meter langen Kette aneinander gekettet.

»Ich hab doch gesagt, daß sie mich noch dafür bestrafen wird, daß ich ohne zu fragen weg gegangen bin.«, sagte Mara resigniert, nachdem sie über die Straße gegangen waren und den geschotterten Weg erreicht hatten, der zum Teich führte.
Rebecca blieb auf dem Weg stehen und drehte sich lachend zu Mara. »Toll, du wirst bestraft und ich muss es ausbaden.« Sie hob ihre Hand und wackelte mit dem Arm so daß die Kette klimperte.
»Tut mir leid. Ich wollte dich da bestimmt nicht mit hinein ziehen.«
»Schon gut. Ist ja nur für ein paar Stunden.«, sagte Rebecca und ging weiter. Mara blieb nichts anderes übrig, als neben ihr her zu gehen.
Nach guten zehn Minuten waren sie am See angelangt. Sie gingen ein wenig am Ufer entlang und warfen Stückchen der Brötchen in Richtung der Enten, die auf dem Teich schwammen. Nach einigen Metern kamen sie an eine Bank. Rebecca setzte sich auf diese und deutete Mara, ebenfalls Platz zu nehmen.
»Das geht doch nicht. Ich bin eine Serva.«, sagte Mara und wollte sich neben die Bank knien.
»Also erstens werde ich bestimmt nicht knien, dann kannst du einen Krankenwagen rufen weil ich nicht mehr aufstehen kann. Und zweitens, wer erzählt denn so einen Quatsch? Solange deine Herrin nicht anwesend ist, kannst du genauso sitzen wie jeder Andere auch.«
»Miss Isabella hat uns das gesagt. Eine Serva kniet sich hin, wenn es möglich ist.«
Rebecca starrte Mara einen Moment lang an. »Da ich das nicht kann, ist es dir im Moment«, sie hob ihren linken Arm »auch nicht möglich. Ich glaube, ich muss nächste Woche mal mit Isa reden und sie fragen, was das denn soll. Miss Wilhelmina hat uns das jedenfalls so nicht beigebracht.«

Sie warfen eine Weile schweigend kleine Brötchenstücke ins Wasser und beobachteten die Enten die sich um diese Stückchen stritten.
»Rufst du sie öfter an?«, fragte Mara unvermittelt.
»Was?«, fragte Rebecca, die zuerst nicht verstand, was Mara wollte. »Ach so. Nein, eigentlich nicht. Wir frühstücken ab und zu mal an den Wochenenden zusammen.«
»Wie das denn? Ich dachte, Miss Isabella ist irgendwo Schulleiterin.«
»Ja, ist sie. Die Schule ist auf Horizons, da wo auch Herrin Andrea und ich wohnen.«
»Verstehe.«, sagte Mara und wollte nach der Tüte greifen die sie zwischen sich und Rebecca gestellt hatte. Dabei berührte ihre Hand die von Rebecca. Schnell zog sie die Hand zurück. »Entschuldige.«, sagte sie.
Doch Rebecca schaute sie nur kurz an und lächelte.

Sie hatten balde die Hälfte der Brötchen an die Enten verfüttert und diese dabei beobachtet, wie sie sich schnatternd um jedes Stückchen stritten.
Rebecca schaute gelegentlich zu Mara. Sie fand deren Sommersprossen süß und schaute fasziniert zu, wie diese sich zu kleinen Inseln zusammenfanden, jedes Mal wenn Mara das Gesicht bewegte.
»Gestern Abend habe ich jemanden singen gehört.«, sagte Mara unvermittelt. Sie schaute etwas abwesend den Enten zu.
»Ja. Hat es dir gefallen?«
»Ja, das war schön. Ich mag Country Roads. Weißt du, wer das war?«
»Ja, weiß ich.«, sagte Rebecca schmunzelnd. »Vielleicht singt sie heute Abend ja wieder, wenn du sie nett fragst.«
Mara wandte den Kopf zu Rebecca und schaute ihr dadurch direkt in die Augen. »Ich kann doch nicht einfach jemanden darum bitten mir was vorzusingen. Das gehört sich doch nicht.«
Rebecca erwiderte den Blick. Diese grauen Augen faszinierten sie. »Warum denn nicht?«, fragte sie nach einem viel zu langen Moment. »Aber es reicht auch, wenn du mich fragst.«
»Dich?« Mara schaute sie etwas erstaunt an. »Das warst du?«
»Ja, das war ich.« sagte Rebecca schmunzelnd. »Ich hatte eine Zeit lang Gesangsunterricht. Und irgendwie ist das an mir hängen geblieben.«
Die Beiden warfen nach und nach die Brötchen in den Teich. Rebecca schaute gelegentlich zu Mara und stellte fest, daß diese jedes Mal den Blick verschämt auf den Teich richtete, wenn sich ihre Blicke trafen.
51. RE: Neue Horizonte - 2

geschrieben von Chrissi1 am 12.08.17 13:39

Oh, bahnt sich da etwa was zwischen Mara und Rebeca an?
Sie haben ja ein paar Tage Zeit sich kennen zu lernen.

Ich danke dir für die tolle Fortsetzung und wünsche dir ein schönes Wochenende.
52. RE: Neue Horizonte - 2

geschrieben von Friedet am 12.08.17 15:14

Hi,
Wieder eine tolle Fortsetzung. Vielleicht kann Rebecca ja Mara ihre Flugangst nehmen. Wäre toll.

Gordon scheint ein eher extremer Herr zu sein. Man sieht bei Alice, wie eine übertriebene Härte bei Alice das Falsche bewirkt. Schade.

Schreib weiter so, es ist einfach klasse.

Friedet
53. RE: Neue Horizonte - 2

geschrieben von Roger_Rabbit am 17.08.17 20:45

Die Links zu externen Hostern lasse ich aus gegebenen Anlass stehen, möchte aber um Vervollständigung der Geschichte nach der Fehlerbehebung im Forum bitten. Danke.
54. RE: Neue Horizonte - 2

geschrieben von HeMaDo am 17.08.17 20:49

Die Texte bei Pastebin werden nach 30 Tagen automatisch wieder gelöscht. Ich hoffe ja, daß bis dahin hier alles wieder läuft. Eine andere Möglichkeit sehe ich im Moment leider nicht.
55. RE: Neue Horizonte - 2

geschrieben von HeMaDo am 17.08.17 20:50

Wenn alles wieder läuft, werde ich die Links entfernen und die Texte hier wie gehabt einstellen.

HeMaDo

56. RE: Neue Horizonte - 2

geschrieben von HeMaDo am 23.08.17 19:18

Da ich im Moment ein wenig Stress habe, schaffe ich es leider nicht, meine beiden Geschichten regelmäßig weiter zu schreiben. Dennoch versuche ich, die Abstände zwischen den Teilen nicht all zu lang werden zu lassen.
Hier dann der nächste Teil mit Mara und Rebecca. Aber die Anderen werden auch balde wieder auftauchen.

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»Was hältst du von ihr?«, fragte Andrea.
Rebecca saß auf ihrem Bett und schaute abwesend auf das Pad. »Sie ist anscheinend etwas schüchtern aber nett.«
Andrea ließ die Hose, welche sie gerade ausgezogen hatte und zusammen legte auf das Bett fallen und starrte Rebecca an. »Hast du nicht heute Morgen noch gesagt, daß du sie am liebsten gegen die Wand werfen würdest?«
Nun sah auch Rebecca erstaunt von ihrem Pad auf. »Was?«, fragte sie.
Andrea grinste breit und begann zu lachen, während Rebecca sie noch immer leicht verwirrt an sah. »Ich habe gerade über Alice geredet.«, sagte sie, nachdem sie sich etwas beruhigt hatte. »So hörst du mir zu, wenn ich mit dir rede.« Sie grinste nun noch breiter als vorher.
»Oh.«, sagte Rebecca und errötete. »Entschuldigung, ich dachte Sie meinten Mara.«
»Ich habe dir eben lang und breit erzählt, daß Alice sich heute Mittag ziemlich daneben benommen hat.« Andrea schaute Rebecca vorwurfsvoll an. »So wie sie die Teller auf den Tisch wirft, könnte sie auch in einem billigen Pub fish and chips servieren.«
»Ja, ich glaube, das hat sie in der Schule nicht so richtig gelernt. Aber wenn ich angekettet in der Küche auf einer alten Matte schlafen müsste, würde ich mich wahrscheinlich auch nicht besser verhalten.«, entgegnete Rebecca, die sich wieder gefangen hatte.
»Wie kommst du denn darauf?«, fragte Andrea erstaunt.
»Ich hab sie heute Morgen in der Küche gesehen. Ich wollte ihr eigentlich beim Frühstück helfen, aber als ich sie nach Brot gefragt habe, hat sie mir erklärt, ich soll das doch gefälligst selber holen.«, erzählte Rebecca.
Andrea bedachte sie darauf hin mit einem recht seltsamen Blick.

»Sag mal, du hast doch eine Weile in London gelebt, wenn ich das richtig in Erinnerung habe, oder?«, fragte Andrea.
Rebecca war von diesem plötzlichen Themenwechsel etwas verwirrt. »Ja Herrin. Als ich für die Spedition Frachtflugzeuge geflogen habe, habe ich fünf Jahre hier gelebt.«
»Schön. Dann kennst du dich ja sicher ein wenig aus hier.«
»Ja, etwas schon. Wieso?«
»Dann kannst du morgen mal Fremdenführerin spielen.«, gab Andrea zurück.
»Ich denke, daß Sie oder ihre Schwester das sicher besser können, immerhin kommen Sie ja von hier.«, sagte Rebecca bescheiden.
Wieder stutzte Andrea und lachte dann. »Nicht für uns, das ist nicht nötig. Ich dachte eher an meine Neffen und ihre Frauen. Julia, Gordon, seine Frau und ich wollen ins Theater. Henrietta. Oder möchtest du mit kommen? Dann müssen Rolf oder Flo den Fremdenführer machen.«
Rebecca schüttelte sich als sie an dieses Stück dachte. »Lieber nicht. In der Mittelschule musste ich die Henrietta spielen. Ich habe dann erst in Straßburg erfahren, wie unrealistisch sie in diesem Stück dargestellt wird. Das muss wirklich nicht sein.«
»Ja, realistisch wird sie auf keinen Fall dargestellt. Als ich das Stück das erste Mal gesehen habe, das war kurz nachdem Henry mich gekauft hatte, er wollte mir eine Freude machen, war ich entsetzt, wie unrealistisch wir Serva in diesem Stück dargestellt werden.«, sagte Andrea schmunzelnd »Ich frage mich ja, wie viele junge Frauen wegen dieses Stückes Serva geworden sind.«
Nun musste Rebecca lachen. »So wie ich zum Beispiel. Aber ich habe mich zum Glück schnell an die Realität gewöhnt.«
Auch Andrea lachte nun. »Das kann ich mir vorstellen. Für mich war es damals ein richtiger Schock, dieses Stück zu sehen. Henry war das so peinlich, daß er sich noch eine Woche danach immer wieder bei mir entschuldigt hat. Du glaubst garnicht, wie unangenehm mir das damals war.«

- - -

Am nächsten Morgen machten sich alle bereits früh fertig. Während Gordon und seine Frau sowie Andrea und Julia noch eine ganze Weile Zeit hatten, bis das Theater begann, machten sich Rebecca, Mara, Rolf und Flo sowie die Frauen der Beiden mit dem Bus auf den Weg in die City.

Rebecca hatte sich einige der üblichen Touristenmagneten ausgesucht, die sie den Anderen zeigen wollte. Sie waren gerade aus der U-bahn gestiegen und befanden sich auf dem Weg zu den Rolltreppen nach oben.
»Was willst du uns denn als erstes zeigen?«, wandte sich Rolf an Rebecca.
»Ich hatte mir überlegt, mit der Seilbahn über die Themse zu fahren, in der Mitte hat man einen großartigen Ausblick über die City. Dann Big Ben, Westminster Abbey und dann am Trafalgar Square etwas essen, als ich vor fünf Jahren das letzte mal hier war, gab es da einen guten Asiatischen Imbiss. Aber wenn ihr lieber englische Küche probieren wollt, da gibt es auch einige gute Restaurants. Danach könnten wir uns den Palast ansehen.«, zählte Rebecca auf.
»Also auf die englische Küche verzichte ich lieber.«, sagte Flo »Mama mag die ja gerne, aber ich kann der nichts abgewinnen.«
»Da kann ich mich meinem Bruder nur anschließen.«, sagte Rolf lachend. »Aber was willst du denn am Palast? Ich dachte, es gibt keinen König mehr.«
»Nein, das nicht. Aber im Palast gibt es ein Museum. Da kann man sehen, wie die Könige damals so gelebt haben.«, erklärte Rebecca.
»Prima. Und zurück fahren wir dann mit dem Schiff.«, sagte Flo worauf hin er einen recht erstaunten Blick von Rolf erntete. Er rollte vielsagend mit den Augen und schüttelte den Kopf. Rebecca verstand nicht so recht, was das zu bedeuten hatte. Wahrscheinlich irgend ein Insider unter den Brüdern.

»Gute Idee.«, sagte er dann. »Was hältst du denn davon?«, wandte er sich an Mara.
Diese schaute ihn kurz verblüfft an. »Ja, warum nicht?«, sagte sie dann. »Immer noch besser als zu fliegen.«
Darauf hin erntete sie von den beiden Brüdern ein breites Grinsen. »Das glaub ich dir.«, sagte Rolf.

Lachend gingen die Vier zur Seilbahn die an zwei mächtigen Pfeilern über die Themse führte. Rebecca holte die Karten und sie stellten sich in der bereits um diese Uhrzeit recht langen Schlange an.
»An dieser Stelle stand vor dem Krieg ein Riesenrad, das London Eye.«, begann Rebecca zu erklären. Bein einzigen Angriff auf die Stadt ist es damals zerstört worden und lag mehrere Monate lang in der Themse. Nach dem Krieg sollte es neu gebaut werden. Ein Ingenieur hatte die Idee, es als Mahnmal liegend zu bauen, so daß man damit damit, so wie jetzt mit der Seilbahn den Fluss überqueren kann. Aber das hat niemandem so richtig gefallen und die Bauvorschriften hier haben das auch nicht zugelassen. Also ist dann schließlich die Seilbahn gebaut worden. Es hat zwei Jahre gedauert, die 60m hohen Pfeiler zu bauen und noch einmal ein Jahr bis dann die Seile gespannt waren.«, erklärte Rebecca.
»Wow. Woher weißt du das alles?«, fragte Rolf während Mara zur Spitze des Pfeilers schaute und etwas eingeschüchtert wirkte.
»Ganz einfach.«, erklärte Rebecca grinsend »Das steht da auf der Tafel.« Sie deutete auf eine große Infotafel auf der noch einige andere Daten über die Seilbahn standen.

Mara schaute immer wieder zu den hohen Pfeilern hinauf und betrachtete die Gondeln mit einem gewissen Unbehagen. Doch sie wollte nicht schon wieder solche Probleme machen wie beim Fliegen und sagte daher lieber nichts.

Nach etwa 15 Minuten waren sie an der Reihe, die Gondeln zu besteigen. Diese fuhren so langsam, daß man einsteigen konnte, ohne daß diese anhalten mussten. Rolf stieg mit Anke in die nächste freie Gondel. Als Flo mit Heike einsteigen wollte, hielt der Mann der das Einsteigen überwachte die Beiden zurück. »Tut mir leid, im Moment ist es etwas windig. Es dürfen nur zwei Leute in eine Gondel.« Als die nächste Gondel dann an kam, ließ Flo Mara und Rebecca den Vortritt und wartete mit Heike auf die nächste.

Mara und Rebecca saßen nebeneinander in der kleinen Gondel in der normalerweise vier Personen Platz hatten. Rebecca bemerkte, daß Mara sich sichtlich unwohl fühlte. »Keine Angst, daß ist ganz anders als Fliegen. Hier hängen wir an einem Drahtseil. Das ist so dick wie dein Arm.«
»Hast du denn garkeine Angst?«, fragte Mara.
»Nein, warum denn auch? Hier fahren jedes Jahr mehrere Millionen Leute mit. Und weißt du, wie viele Unfälle es hier in den letzten Jahren gegeben hat?«, fragte Rebecca und beobachtete Mara eingehend. Diese schüttelte nur den Kopf.
»Nicht einen Einzigen, seit diese Seilbahn gebaut worden ist. Dir kann also garnichts passieren.«
»Das hat Herrin Julia auch über das Fliegen gesagt. Trotzdem habe ich Angst davor. Am liebsten würde ich mit dem Schiff zurück fahren.«, gab Mara leise zu.
»Ich fürchte, das wird länger als nur drei Stunden dauern. Da seid ihr vermutlich einen ganzen Tag unterwegs.«
»Mir ist das ja egal. Aber Herrin Julia wird das sicher nicht gefallen.«
»Das könnte sein.«, sagte Rebecca schmunzelnd.

Eine ganze Weile saßen sie schweigend nebeneinander bis ein leichter Ruck durch die Gondel ging, als sie am ersten Mast ankamen. Mara erschrak und griff nach Rebeccas Hand die diese auf ihrem Bein liegen hatte.
Rebecca hielt Maras Hand fest und versuchte, sie etwas zu beruhigen. »Das waren nur die Rollen über die das Seil läuft. Es ist alles in Ordnung.«, sagte sie.

Wieder saßen sie schweigend da als auf einmal Rebeccas Comm piepste. »Wer ist das denn jetzt?«, fragte sie. Sie ließ Maras Hand los und schaute auf das Comm. Dieses zeigte an, daß Larissa sie sprechen wollte. »Muss das ausgerechnet jetzt sein?«, seufzte sie leise und nahm das Gespräch an.
»Hallo?«, sagte sie und hielt den Arm hoch, um besser hören zu können.
»Hallo Rebecca, ich soll dich von Vivian fragen, ob du mal ganz schnell zu ihr kommen kannst. Sie muss dich was ganz wichtiges fragen.«
»Du, das geht gerade nicht. Ich bin in London. Was gibt es denn so wichtiges?«, wollte Rebecca wissen.
»Du bist wo? Was machst du denn in London?«
»Im Moment mit der Seilbahn fahren.«
»Oh toll. Das würde ich jetzt auch gerne machen. Vivian lässt dir sagen, daß sie das nächste Mal mit will. Außerdem soll ich dir sagen daß du, wenn du wieder zu Hause bist, zu ihr kommen sollst. Sie hat dir was ganz wichtiges zu sagen.«
»In Ordnung. Mache ich. Aber das wird wohl erst nächstes Wochenende gehen.«
»Schade. Da kann man nichts machen. Aber mach ein paar Bilder. Und bring uns was nettes mit.«
»Mache ich.«, sagte Rebecca lachend und beendete das Gespräch.

»Entschuldige.«, sagte sie zu Mara und betrachtete diese unauffällig.
Wieder wandte sich Mara jedes Mal verschämt ab, wenn ihre Blicke sich trafen. Dann ging wieder ein leichter Ruck durch die Gondel und diese fuhr an dem Seil entlang langsam nach unten. Wieder griff Mara erschrocken nach Rebeccas Hand.
»Ich glaube, auf dem Rückweg sollten wir besser die U-Bahn nehmen.«, sagte Rebecca und hielt wieder Maras Hand bis die Gondel endlich an der östlichen Station angekommen war. Mara war sehr erleichtert als sie endlich aussteigen konnte.

Anke und Rolf, der grinsend zu Mara und Rebecca schaute, warteten bereits am Ausgang der Station. Flo und Heike kamen einige Minuten später an und auch Flo schaute mit einem leichten Grinsen zu den Beiden hinüber.
Anke ging zu ihrer Schwester und die beiden begannen kurz zu tuscheln.
»Sagt mal Rebecca, du kennst dich doch in London aus, wie kommen wir denn am Besten nach Camden Town?«, wollte Heike kurz darauf wissen.
»Was ist denn Camden Town?«, fragte Flo. Er ahnte bereits schlimmes. Dies bestätigte sich als Heike ihm erklärte, daß sie dort shoppen gehen wollten.
Rebecca lachte und erklärte den beiden Frauen mit Hilfe eines Fahrplanes den sie an der nächsten Busstation fanden, wie sie dort hin gelangen konnten.
»Ich würde sagen, das schaffen wir auch alleine. Du kannst Mara ja trotzdem die Stadt zeigen.«, sagte Rolf.
»Wieso wir?«, fragte seine Frau. »Ich glaube nicht, daß wir euch gefragt haben, ob ihr mit wollt.«
»Ganz einfach meine Liebste. Wir passen, wie es sich für echte Gentleman gehört auf euch auf.«, entgegnete Rolf.
»Wir brauchen niemanden, der auf uns aufpasst, wir schaffen das schon alleine.«, entgegnete Heike. »Ich bin mir ziemlich sicher, daß uns nichts passiert.«
»Darum geht es doch garnicht.«, wandte Flo ein. »Wir passen nicht auf, daß euch nichts passiert, sondern darauf, daß heute Abend noch genug Geld auf unseren Konten ist um nächste Woche noch etwas zu essen kaufen zu können. Schuhe und Kleider schmecken nämlich nicht so gut.«
Anke und Heike schauten die Beiden schmollend an, während Rebecca sich ein Lachen nicht verkneifen konnte.
»Ich habe so die vage Vermutung, daß wir heute nicht zum Sightseeing kommen werden. Am Besten, Rebecca macht die Stadtführung für Mara, dann bekommt sie wenigstens etwas von der Stadt mit.«, sagte Rolf.
»Aber verlauft euch nicht.«, fügte Flo hinzu.
Rolf grinste breit. »Vielleicht hätte Mama Mara wieder an Rebecca ketten sollen.«
Mara schaute ihn leicht beleidigt an.
»Ich glaube nicht, daß das nötig ist.«, wandte Flo ein und deutete zu den Beiden. »Solange die beiden Händchen halten, kann sie ja kaum verloren gehen.« Er folgte seinem Bruder und den beiden Frauen grinsend in den Bus, der kurz darauf ab fuhr.
Mara wurde so rot im Gesicht, daß ihre Sommersprossen kaum noch zu sehen waren und ließ Rebeccas Hand gehen.

»Und was machen wir jetzt?«, fragte Mara nachdem ihr Gesicht wieder seine normale Farbe angenommen hatte.
»Ich weiß nicht. Wir könnten erst mal was Essen gehen.«
»Ich hab eigentlich noch gar keinen Hunger.«, sagte Mara und schaute sich um.
»Du hast aber auch noch nichts gefrühstückt.«, entgegnete Rebecca. »Aber ich hab eine Idee. Ich denke, das dürfte dir gefallen.« Sie winkte ein Taxi heran, welches gerade vorbei fuhr.
Dieses hielt und Rebecca öffnete Mara die Tür. Diese fragte sich zwar, was das sollte, stieg aber in den Wagen ein. Rebecca folgte ihr und schloss die Tür.
»Kensington Park Road Ecke Westbourne Park Road.«, sagte sie zu dem Fahrer. Dieser setzte den Wagen in Bewegung.
»Sei froh, daß du hier nicht fahren musst. Der Linksverkehr ist grausam.«, erklärte Rebecca, worauf hin Mara, die aus dem Fenster schaute nickte.
»Das ist der Buckingham Palace.« Rebecca deutete auf den berühmten Palast, der früher der Sitz der Könige und Königinnen von England gewesen war. »Heute ist er ein Museum. Wenn du möchtest, können wir das nachher besuchen.«
»Und wo fahren wir jetzt hin?«, fragte Mara.
»Erst mal gehen wir frühstücken.« sagte Rebecca. »Ich habe nämlich wirklich Hunger.«

Während er Fahrt zeigte Rebecca Mara noch einige Sehenswürdigkeiten und gab zu diesen auch einige kurze Erklärungen. Der Taxifahrer schaute kurz in den Spiegel und zwinkerte Rebecca unbemerkt zu. Er fuhr einen etwas größeren Umweg indem er den gewundenen Weg zwischen Hyde Park und Kensington Park nahm, an der Royal Albert Hall und dem Kensington Palace vorbei fuhr. Nach einer guten dreiviertel Stunde kamen sie am Ziel an und Rebecca bezahlte den Taxifahrer.

»So, wir sind da.«, sagte sie, nachdem sie ausgestiegen waren. Als sie die Straße überquerte, folgte Mara ihr bis zu einem einfachen Wohnhaus in dessen unterster Etage sich ein unscheinbares Restaurant befand. ’Delih Princess, durchgehend geöffnet’ stand auf einem kleinen Schild über der Tür. Rebecca trat von Mara gefolgt ein. Dort bestellte Rebecca ein großes Frühstück.

Zuerst brachte die Bedienung, eine Kanne indischen Tee und zwei Tassen. Rebecca schenkte diesen ein und kurz darauf wurde ein großes Metalltablett an den Tisch gebracht auf dem mehrere gebackene Teigfladen lagen. Dazu gab es zwei kleine Schüsseln mit einer Suppe, es gab einen Brei aus Linsen, mehrere Schalen mit Masala sowie andere Köstlichkeiten der indischen Küche.

»Alles ist besser als englisches Frühstück. Aber indisches Essen kann man den ganzen Tag über essen. Das ist wirklich lecker.« Rebecca nahm einen der Teigfladen, brach ein Stück ab und steckte es einfach in eine der Schüsseln mit Masala und biss davon ab. Mara schaute erst ein wenig verwirrt, tat es ihr dann aber gleich.

So saßen sie fast eine ganze Stunde lang in dem Restaurant und aßen schweigend. Rebecca warf immer wieder einen Blick zu Mara. Nachdem sie aufgegessen hatten und noch eine Tasse Tee tranken, schaute Mara mal wieder zu Rebecca. Wieder einmal trafen sich ihre Blicke und Mara schaute verlegen in ihre Teetasse und musterte intensiv das Muster in deren innerem, was Rebecca schmunzeln ließ.
»Du redest nicht viel, oder?«, fragte sie Mara.
»Entschuldige. Aber was soll ich denn sagen?« Endlich einmal wandte Mara den Blick nicht ab als ihre Blicke sich trafen.
»Ich weiß nicht.«, sagte Rebecca eher amüsiert. »Aber ich wollte nicht die ganze Zeit den Alleinunterhalter spielen.«
Nun musste auch Mara lachen.

Sie tranken ihren Tee aus und Rebecca bezahlte. Dann verließen sie das kleine Restaurant und sie schlenderten gemächlich die Straße entlang. Als sie an der nächsten Kreuzung an kamen, verschlug es Mara die Sprache endgültig. Diese Straße war ein einziger, großer Trödelmarkt. Überall standen offene Pavillons, kleine und große Holzbuden und vereinzelt auch einfach Tische hinter denen jemand, meist mit einer Tasse dampfendem Tee in der Hand, dick eingepackt in warme Kleidung saß. An den Ständen und Buden gab es die verschiedensten Dinge zu kaufen. Kleider, Geschirr, Souvenirs, Antiquitäten, Lebensmittel, Süßigkeiten und jede Menge andere Dinge. Alleine an dieser Kreuzung gab es drei Stände an denen man die obligatorischen fish and chips kaufen konnte. Zwischen den Ständen schlenderten bereits um diese frühe Stunde ziemlich viele Menschen umher und betrachteten die Auslagen.

»Du kannst den Mund ruhig wieder zu machen.«, sagte Rebecca belustigt. »Das ist die berühmte Portobello Road. Der vermutlich längste Trödelmarkt der Welt. Wir sind hier ungefähr in der Mitte. Nach Norden«, sie deutete in die entsprechende Richtung »geht es fast einen Kilometer weiter und nach Süden eben so. Die gesamte Straße ist ein einziger Trödelmarkt. Und das jeden Samstag und Sonntag. Selbst nachts haben die meisten der Stände hier geöffnet, auch wenn dann zum Glück nicht so viel los ist wie tags über.«
»Zum Glück?«, fragte Mara erstaunt.
Rebecca musste lachen. »Ja, zum Glück. Jedenfalls für die Leute, die hier wohnen. Siehst du die Backsteinhäuser da vorne? Die mit den blauen Türen und den Treppen. Da hatte ich eine kleine Wohnung als ich hier gelebt habe. Du glaubst garnicht wie oft ich deshalb am Wochenende gearbeitet habe. Aber es hat auch einen Vorteil.«
Mara schaute sie fragend an.
»Ganz einfach, man muss nicht weit laufen um einzukaufen. Es gibt fast alles direkt in der Nähe.«, sagte Rebecca lachend.
»Was hast du denn gearbeitet?«, wollte Mara wissen.
»Ich war Liefermädchen.« Bei dieser Untertreibung musste Rebecca grinsen. Aber im Grunde genommen traf diese Bezeichnung es jedoch ziemlich genau.
»Liefermädchen? Weil du eine Serva bist?«
Rebecca schaute kurz zu Mara, schüttelte den Kopf und ging langsam Richtung Süden die Straße entlang. »Nein, ich hab lange für diesen Job lernen müssen und bin extra deswegen hier her gezogen. Nach der Schule habe ich das Halsband eine ganze Zeit lang nicht getragen.«
»Wieso denn nicht?«, fragte Mara.
»Das ist eine längere Geschichte.«, sagte Rebecca.
Eine Weile gingen sie schweigend nebeneinander her und betrachteten die Auslagen der Stände.
»Was hast du denn geliefert?«, fragte Mara um das Schweigen zu beenden.
»Alles Mögliche. Eine Kiste Tee nach Amerika, Ersatzteile für irgend welche Maschinen nach Australien, einmal sogar eine Luxuslimousine nach Südamerika. Irgend ein Schauspieler wollte wohl unbedingt mit seinem eigenen Auto in Brasilien herum fahren. Als ich wieder hier war, hab ich in der Zeitung gelesen, daß er es dort kurz nachdem ich wieder weg bin, zu Schrott gefahren hat.«
»Das dauert sicher ganz schön lange nach Brasilien, oder?«, wollte Mara wissen.
»Wir hatten ziemlich schnelle Maschinen. Das hat ungefähr zehn Stunden gedauert.«, sagte Rebecca. »Nach Sydney ist man doppelt so lange in der Luft.«
»Du bist geflogen?«
»Na, was denkst du denn?« Rebecca erinnerte sich daran, was Julia erzählt hatte und musste grinsen. »Als Pilotin bleibt sowas nicht aus.«
»Oh.«, sagte Mara. »Pilotin und Liefermädchen sind aber schon was Anderes.«
»Nein, eigentlich nicht. Ich hab ja keine Passagierflugzeuge geflogen sondern Frachtmaschinen. Und im Grunde genommen ist es doch egal, ob man ein Paket mit einem Lieferwagen oder einem Flugzeug ausliefert. Die Arbeit ist ungefähr die selbe. Man lädt die Ware ein, bringt sie zum Ziel, lässt sich den Lieferschein unterschreiben und wenn man zurück ist, gibt es die nächste Lieferung die man ausliefern muss. Aber fliegen macht viel mehr Spaß als mit einem Lieferwagen durch eine Stadt zu fahren.«
»Ich weiß nicht.«, sagte Mara. »Ich liefere Sachen lieber mit dem Auto.« Sie ging nachdenklich neben Rebecca her.

»Was machst du denn? Du kannst doch nicht einfach weiter laufen. Willst du dich noch mal verlaufen?«, hörte sie Rebeccas vorwurfsvolle Stimme hinter sich. Sie schaute sich um und sah Rebecca einige Meter hinter sich. In der Hand hielt sie eine Papiertüte und kam mit schnellen Schritten auf sie zu.
»Träumst du denn?«, wollte Rebecca wissen als sie wieder bei ihr war.
»Entschuldige, ich habe das nicht gemerkt.«
»Nicht gemerkt? Ich hab dir doch noch gesagt, du sollst mal kurz warten. Du bist doch sogar stehen geblieben.«
Mara schaute Rebecca verwirrt an. Daran konnte sie sich garnicht erinnern. »Entschuldigung. Ich hab das irgendwie nicht gemerkt.«, sagte sie mit einem verlegenen Grinsen im Gesicht.
»Also einen Sack Flöhe hüten ist wahrscheinlich einfacher als auf dich aufzupassen. Wie macht deine Herrin das denn?«, fragte Rebecca ebenfalls grinsend.
»Das ist mir doch gestern das erste Mal passiert.«, sagte Mara mit einem Schmollmund. »Und da hat sie mich ja an dich gekettet, damit ich nicht weg komme.«
»Vielleicht sollte ich das solange auch machen.«, gab Rebecca zurück und lachte als sie Maras Gesichtsausdruck sah. »Keine Angst, ich nehm dich einfach an die Hand, dann passiert auch nichts. Hauptsache du kommst mir hier nicht weg.«
Mara schaute sie groß an. Sie sollte sich wie ein kleines Kind an die Hand nehmen lassen? Da wäre ihr die Kette beinahe noch lieber. Doch schließlich reichte sie Rebecca doch die Hand und ging nun neben ihr her an den Ständen vorbei.
Schon nach einigen Schritten war ihr das garnicht mehr unangenehm. Aus irgend einem Grund genoss sie es sogar, mit Rebecca so durch diese Straße zu gehen und sich die Auslage der Stände an zu sehen.

Nach einer viertel Stunde war es ihr sogar so selbstverständlich, daß sie erschrocken stehen blieb und nach Rebeccas Hand suchte, als diese sie einmal kurz gehen ließ um bei einem der Händler ein Souvenir zu kaufen.
So liefen sie noch eine gute Stunde die Straße herunter. Rebecca kaufte noch einige Souvenirs und machte mit ihrem Comm einige Fotos der bunten Häuser in der Straße. Fast am Ende der Straße gab es mehrere Stände die eher auf einen Jahrmarkt gepasst hätten als auf einen solchen Trödelmarkt. Hier gab es gebrannte Mandeln und Erdnüsse, Zuckerwatte, es gab Losbuden, Buden in denen man mit Bällen auf Büchsen werfen konnte und sogar eine Schießbude.

»Meine Damen, wollen Sie es nicht einmal versuchen?«, rief der Besitzer der Schießbude als die Beiden vorbei gingen.
Rebecca schaute kurz zu Mara, doch diese schüttelte den Kopf. »Lieber nicht. Ich glaub nicht, daß ich das kann.«
»Ach komm schon, du hast nichts zu verlieren. Entweder du triffst, oder eben nicht.«, sagte Rebecca und zahlte dem Budenbetreiber zehn Schuss. Dieser steckte zehn Kugeln in eines der Luftgewehre und reichte es ihr. Sie gab Mara das Gewehr und sagte »Los, nur zu.«
Zögernd nahm Mara das Gewehr und zielte etwas ungeschickt auf eine Zielscheibe. Sie schoss einmal und traf prompt daneben. Die meisten der Schüsse gingen daneben, nur einmal traf sie die Scheibe. Diese Pappscheibe nahm der Mann heraus und reichte sie ihr als Trostpreis den Mara etwas enttäusch entgegen nahm.
Nun wollte Rebecca es ebenfalls einmal versuchen. Sie bezahlte erneut zehn Schüsse und schoss auf die nächste Zielscheibe. Zwar trafen alle Schüsse, doch gingen die ersten allesamt außerhalb der Mitte in die Pappe. Sie gab dem Mann noch einmal Geld und schoss auf die nächste Scheibe. Dieses Mal hielt sie das Gewehr etwas anders und traf prompt wesentlich besser. Auch sie bekam die beiden Scheiben als Trostpreis, doch nun war ihr Ehrgeiz geweckt.
»Was bekomme ich denn, wenn ich alle Enten treffe?«, fragte sie und deutete auf eine Reihe Enten, die sich hinter einer schmalen Öffnung her bewegten.
»Dann bekommen Sie diesen wunderschönen Teddybären.«, sagte der Mann und deutete auf einen gut einen Meter großen, rosa Plüschbären.
»Wie wäre es denn mit dem da?«, fragte Rebecca und deutete auf einen wesentlich kleineren, weißen Bären. »Der da ist viel zu groß, den kann ich nicht die ganze Zeit durch die Gegend tragen.«
»Wenn Sie möchten, bekommen Sie auch den kleinen.«, sagte der Mann.
Rebecca bezahlte noch einmal für zehn Schüsse und zielte. Sie schoss zehn Mal und traf auch alle zehn Enten. Der Mann klatschte kurz Applaus und gab Rebecca den Stoffbären. Diese bedankte sich, nahm Maras Hand und ging mit ihr zusammen weiter.
»Du kannst das gut.«, sagte Mara.
»Das hat mir mein Vater mal gezeigt. Er hat mir auch erklärt, daß die Budenbetreiber ganz schön Ärger bekommen, wenn sie ihre Ziele manipulieren. Statt dessen schrauben sie die Gewehre so zusammen, daß die Teile etwas wackeln, so kann man kaum was treffen. Wenn man sie an bestimmten Stellen zusammen drückt, dann schießen sie schon fast so genau wie andere Sportgewehre.«, erklärte Rebecca. »Und wenn man dann noch von Isabella dazu genötigt wird, Paintball zu spielen, bekommt man ganz schnell raus, wie das mit dem Treffen geht. Hier, der ist für dich.« Sie gab Mara den weißen Plüschbären.
»Aber den hast du doch gewonnen.«
»Ach komm schon, so musst du ihn tragen.«, sagte Rebecca mit einem Augenzwinkern »Ich muss schon die Tüte mit den ganzen Souvenirs tragen, also hab ich keine Hand mehr frei.«
Mara musste grinsen und nahm den Bären. »Danke.«, sagte sie leise.
»Gern geschehen.«, antwortete Rebecca, nahm Maras Hand und sie gingen weiter bis zum Ende der Straße.

»So, möchtest du irgend was bestimmtes sehen?«, fragte sie Mara als sie an der letzten Bude vorbei gegangen waren.
»Ich weiß nicht.«, sagte Mara etwas unentschlossen.
»Na komm schon, irgend was denkst du doch gerade, oder?«
»Naja, ich würde mir gerne mal das Wachsfigurenkabinett ansehen.«, sagte Mara schüchtern.
»Wenn es weiter nichts ist.«, meinte Rebecca.
»Aber das kostet doch sicher viel Eintritt, oder?«
»Das lass mal meine Sorge sein.«, sagte Rebecca und winkte ein Taxi heran.

Das Taxi brachte sie innerhalb von zwanzig Minuten zu dem berühmten Wachsfigurenkabinett. Die Beiden mussten in einer Schlange warten und so dauerte es eine gute viertel Stunde, bis sie endlich das Wachsfigurenkabinett betreten konnten. Sie verzichteten darauf, an der Führung teil zu nehmen und gingen gemächlich durch die Ausstellung. Rebecca machte auch hier einige Bilder mit dem Comm. Bei einer Figur von Marvin Donant überlegte Rebecca nicht lange sondern fasste Mara an den Schultern, stellte sie neben die Figur und machte einige Bilder. Das Selbe machte sie grinsend bei einigen anderen Figuren.
In der Abteilung über Geschichte gab es tatsächlich auch eine Reihe Figuren die die ersten Serva zeigten, auch hier platzierte Rebecca Mara grinsend zwischen diesen und machte einige Bilder.
»Was hast du denn mit den Bildern vor?«, wollte Mara wissen.
»Das hier schicke ich Isabella, was meinst du, wie die sich wundert, wenn du zwischen denen stehst?«
Nun musste auch Mara grinsen.
Als sie weiter gehen wollten, stutzte Rebecca. In der Gruppe gab es eine Frau die ihr recht bekannt vor kam. Zwar hatte sie längere Haare aber die Ähnlichkeit war verblüffend.
»Was hast du denn?«, fragte Mara.
»Die hier sieht fast aus wie Helen.« sagte Rebecca und deutete auf eine der Figuren.
»Wer ist denn Helen?«
»Helen ist auf Horizons Lehrerin und sowas wie die oberste Serva.«, erklärte Rebecca.
Mara schaute sich die Figur ebenfalls eingehend an, irgendwoher kam sie auch ihr bekannt vor. Doch im Moment wollte ihr nicht einfallen woher. So ging sie mit Rebecca weiter.

Am Ausgang gab es noch einen Laden in dem man einige überteuerte Souvenirs kaufen konnte. Weder Mara noch Rebecca interessierten sich besonders dafür, doch musste man durch diesen Laden hindurch um zum Ausgang zu gelangen. Hier gab es auch ein kleines Restaurant in dem man kleine Snacks und Getränke zu überteuerten Preisen kaufen konnte.
Außerdem gab es eine Kabine in der man sich scannen lassen konnte und wenige Minuten später eine gut zwanzig Zentimeter große Wachsfigur von sich selbst erhielt. Ohne groß zu überlegen gab Rebecca Mara ihre Tüte und stellte sich in die Kabine. Es dauerte nicht lange bis der Scan beendet war. Rebecca bezahlte an dem Automaten und bekam angezeigt, daß es etwa fünfzehn Minuten dauern würde, bis die Figur fertig war. Kurzentschlossen nahm sie Mara die Tasche und den Teddy ab und schob diese ebenfalls in die Kabine hinein. Der Scanner nahm kurz darauf seine Arbeit auf und als dieser fertig war, bezahlte Rebecca noch einmal an dem Automaten.
»Das ist doch viel zu teuer.«, protestierte Mara.
»Ach was. Ich hab noch so viel Geld vom letzten viertel Jahr übrig, da spielt das keine große Rolle. Ich brauche ja kaum was ausgeben.«, beruhigte Rebecca sie. Sie bestellte zwei Tassen Kaffee und zog Mara zu einem der Tische des Restaurants wo sie darauf warteten, daß die Figuren fertig waren.
Nachdem sie ihren Kaffee getrunken hatten, waren auch die Figuren bereits fertig. Sie holten diese an dem Automaten ab und verließen das Wachsfigurenkabinett.
Mittlerweile hatte es angefangen leicht zu nieseln. Also winkte Rebecca erneut ein Taxi heran. Da es mittlerweile bereits nach Mittag war, beschlossen sie eine Kleinigkeit essen zu gehen.

In der Nähe von Westminster Abbey verließen sie das Taxi und gingen in einen Pub, wo Rebecca ein paar Sandwiches bestellte. Sie aßen in Ruhe und wollten dann langsam zurück zu Gordons Haus fahren.
»Aber bitte nicht noch mal mit der Seilbahn.«, sagte Mara. Ihr Gesicht sprach Bände und so überlegte Rebecca sich etwas anderes. Trotz des leichten Regens gingen sie zu der berühmten Kathedrale und danach zum Parlamentsgebäude wo Rebecca Mara noch Big Ben zeigte.
»Big Ben ist der Name der großen Glocke, die die Stunden schlägt. Der Turm heißt eigentlich Elizabeth Tower.«, erklärte Rebecca. Da es gerade fünf Minuten vor vierzehn Uhr war, warteten die Beiden noch ab und hörten sich das Geläut der Glocken an, bevor sie weiter gingen.

Als Rebecca in Richtung der Seilbahn ging, hatte Mara bereits ein ungutes Gefühl, doch statt wieder mit dieser erneut über die Themse zu fahren, ging Rebecca zielstrebig auf einen Bootsanleger zu. Sie löste zwei Karten für eine Fahrt mit der Fähre und sie stiegen ein als diese angelegt hatte.

Die Fahrt mit dem Schiff dauerte etwas mehr als eine Stunde. Rebecca erwies sich als recht gute Fremdenführerin und zeigte Mara einige der Sehenswürdigkeiten die man vom Fluss aus sehen konnte, wie das Shakespeare Globe Theater und die Towerbridge.
»Da links ist der Flughafen. Ich nehme an, ihr seid auch hier gelandet.«, erklärte Rebecca, kurz bevor das Schiff anlegte und sie aussteigen mussten.
»Ich weiß nicht, daran möchte ich mich eigentlich auch garnicht erinnern.«, sagte Mara als sie daran dachte, noch einmal fliegen zu müssen.
Rebecca schaute kurz zu Mara und dann zum Flughafen. »Du, ich hab da eine Idee.«, sagte sie und winkte zum wiederholten Male heute ein Taxi heran.
Als die Beiden eingestiegen waren sagte Rebecca zum Fahrer »Zum Flughafen, zu den Hangars.«
Der Fahrer nickte und fuhr los. Mara jedoch schaute Rebecca nur mit großen Augen an. ’Was sollte das denn nun’, fragte sie sich. Sie wollte auf keinen Fall fliegen. Aber wo sollte Rebecca jetzt auf die Schnelle ein Flugzeug auftreiben, dieser Gedanke beruhigte sie ein wenig.

Wenig später hielt das Taxi an einem Tor welches zu einem abgelegenen Teil des Flughafens führte. Rechts konnte man den eigentlichen Flughafen mit der Rollbahn, der Landebahn und den Terminals sehen. Zur Linken befanden sich mehrere große Hangars, die meisten mit geschlossenen Toren. Zielstrebig ging Rebecca auf dieses Tor zu. Zögernd folgte Mara ihr. Am Tor angekommen kamen zwei uniformierte auf sie zu und wollten wissen, was sie hier zu suchen hätten.
»Ich wollte mein Flugzeug ansehen. Wir fliegen morgen wieder ab und da wollte ich nachsehen, ob alles in Ordnung ist.«, erklärte Rebecca. Einer der Uniformierten scannte ihren ID-Chip.
»In Ordnung. Und sie?«, fragte er und deutet auf Mara.
»Sie begleitet mich. Ist das ein Problem?«
Der Uniformierte scannte auch Maras ID-Chip. »Alles in Ordnung, zu welchem Hangar wollen Sie denn?«
»Hangar sieben.«
»Stimmt.«, sagte der Mann nach einem Blick auf ein Pad. »Nehmen sie sich einen Wagen. Zu Fuß sind Sie sonst eine viertel Stunde unterwegs.«
Rebecca bedankte sich und ging zu einer Reihe kleiner Elektrowagen die vor einem flachen Gebäude standen. Mara knickste vor dem Mann und folgte ihr.

»Was sollte das denn?«, fragte Rebecca grinsend, während sie mit dem Wagen an den großen Hangars vorbei fuhren. »Du musst nicht vor jedem Knicksen bloß weil er eine Uniform trägt.«
»Entschuldigung.«, sagte Mara.
Rebecca schüttelte grinsend den Kopf.

Kurz darauf kamen sie an einem Hangar an auf dessen riesigen Schiebetor eine große sieben gemalt war. Rebecca hielt vor einem Seiteneingang und öffnete diese indem sie ihren Oberarm an einen Scanner neben der Tür hielt. Sie betrat gefolgt von Mara den Hangar.
Als sie vorgestern hier angekommen waren, war das Frachtflugzeug die einzige Maschine die sich in dem Hangar befand. Doch nun stand noch ein kleineres Flugzeug in dem Hangar, welches mit den Firmenzeichen eines Flugzeugbauers beschriftet war. Ansonsten war der Hangar allerdings leer.

»Komm, es beißt nicht.«, sagte Rebecca und hielt ihr Comm an einen Scanner neben der Frachtraumtür des Flugzeuges. Diese öffnete sich, eine Treppe fuhr aus und Rebecca betrat das Flugzeug.
Mara trat näher, doch sie blieb vor der Treppe stehen.
»Komm schon rein.«, sagte Rebecca.
Mara schüttelte energisch den Kopf. »Ich will nicht noch mal fliegen. Das eine Mal hat mir gereicht.«
Rebecca verließ das Flugzeug wieder. Sie legte ihr Comm an und gab es Mara. »Hier, das brauche ich um die Triebwerke zu starten, solange ich es nicht am Arm habe, kann garnichts passieren.« Daß man das Flugzeug auch mit dem ID-Chip starten konnte, wollte sie Mara lieber nicht verraten.

Zögernd folgte Mara nun Rebecca in das Flugzeug. Sie schaute sich erstaunt um. Dieses Flugzeug war ganz anders als das mit dem sie selbst her gekommen war. Während die Sitze in der großen Maschine so nah hintereinander standen daß selbst sie die Beine kaum ausstrecken konnte, waren hier die Sitze in einem Halbkreis nebeneinander angeordnet so daß man jede Menge Beinfreiheit hatte. Außerdem sahen diese Sitze hier wesentlich bequemer aus, fast wie große Sessel. Außerdem gab es hier nur fünf Sitze. Aber dafür gab es eine kleine Bar und eine kleine aber gut ausgestattete Küche mit Kaffeemaschine, einem Ofen der vermutlich mehr Funktionen hatte als der zu Hause, einen Herd mit zwei Platten und sogar einem kleinen Kühlschrank. Außerdem gab es in der Decke mehrere Bildschirme die von jedem Sitz aus bequem zu sehen waren.

»Setz dich mal, die sind echt bequem. Viel bequemer als der Pilotensitz. Aber dafür darf man ja auch schlafen, wenn man hier drinne sitzt. Im Cockpit ist das ja nicht erlaubt.«, sagte Rebecca.
Mara setzte sich, noch immer zögernd, in einen der Sitze. Rebecca trat zu ihr und schnallte sie an.
»Was machst du da?«, fragte Mara und versuchte, den Gurt zu öffnen.
»Wenn du den aufmachen willst, musst du einfach vorne drauf drücken. Aber lass ihn ruhig mal zu.« Rebecca ging zu einer kleinen Konsole die sich in der Wand zwischen der Kabine und dem Cockpit befand und drückte einige Knöpfe. Die Bildschirme erwachten zum Leben und ein Film wurde abgespielt. Sie setzte sich in den Sessel neben Mara und schnallte sich ebenfalls an. So lässt es sich doch aushalten, oder?«
Mara nickte lediglich und schaute auf den Bildschirm. Doch nach wenigen Minuten öffnete Rebecca ihren Gurt und stand auf. Sie schaltete die Bildschirme wieder aus und half Mara, den Gurt zu öffnen.
»Komm.«, sagte sie und ging nach vorne. Sie öffnete die Tür zum Cockpit und schob Mara sanft hinein und dirigierte sie auf den Sitz des Copiloten. Sie selbst setzte sich auf den Pilotensitz und betätigte einige Schalter. Sofort erwachte das Cockpit zum Leben. Alle Bildschirme leuchteten kurz auf, dann erschienen die üblichen Anzeigen.
»Bitte nicht los fliegen.«, sagte Mara. Rebecca konnte sehen, wie sie zitterte.
»Keine Angst, du hast immer noch mein Comm. Ohne das geht garnichts. Das ist sowas wie der Schlüssel bei einem Auto.«, erklärte Rebecca.
Nun entspannte sich Mara ein wenig.
»Schau mal. Hiermit startet man die Triebwerke.«, sagte Rebecca und betätigte die vier Schalter zum Anlassen der Triebwerke. Doch außer daß diese rot aufleuchteten, geschah nichts. »Siehst du, nichts passiert.«
Rebecca begann Mara die Instrumente und Anzeigen zu erklären. Von der Tankanzeige über die Navigationsanzeigen, die Schubhebel, den Steuerknüppel und die Pedale für das Ruder bis zu den Hebeln mit denen man die Triebwerke so drehen kann, daß man senkrecht starten und landen kann. »Wenn man will, kann man dieses Flugzeug sogar ganz ohne Bahn starten und landen. Aber das braucht ziemlich viel Wasserstoff, deshalb ist es meistens besser auf einer normalen Startbahn zu starten.«, erklärte sie.

»Und wenn der alle ist, dann fällt man runter.«, sagte Mara.
»Das ist mir bis jetzt noch nie passiert. Aber selbst wenn alle Triebwerke ausfallen, solange man schnell genug ist, fällt man nicht einfach so runter. Man kann immer noch gleiten.«, erklärte Rebecca, auch wenn das mit so einem Flugzeug sicher nicht die beste Idee wäre.
Der Blick den Mara Rebecca zuwarf zeigte, daß sie mehr als nur leicht an dieser Aussage zweifelte.
»Da ist die Treibstoffanzeige.«, Rebecca deutete auf einen der Bildschirme auf dem vier Anzeigen auf 100 Prozent standen. »Siehst du, die sind alle vier randvoll. Damit kann man gute zwanzig Stunden in der Luft bleiben. Und nach Horizons dauert der Flug gerade mal zwei Stunden. Also selbst wenn man einen gewaltigen Umweg fliegen oder einer der Tanks leck schlagen würde, käme man noch problemlos bis dahin.«
Mara nickte, doch sie fühlte sich nicht sonderlich wohl in dem Flugzeug. »Und was ist wenn die Triebwerke kaputt gehen?«
»Das Selbe, wie wenn die Tanks leer sind. Man kann immer noch gleiten und sich einen Platz zum Landen suchen.«, versuchte Rebecca sie zu beruhigen. »Mit ein wenig Mühe kann man so ein Flugzeug sogar noch mit einem Triebwerk fliegen. Im normalen Flug sind sowieso zwei davon aus und laufen nur im Leerlauf mit. Also wenn die Beiden die gerade laufen kaputt gehen würden, dann hat man noch zwei in Reserve. Die Vier Stück braucht man eigentlich nur beim Starten, damit man schnell genug auf Geschwindigkeit kommt oder wenn man senkrecht starten oder landen will. Das geht nur mit allen Vieren.«

Langsam schien Mara sich ein wenig zu beruhigen, also erklärte Rebecca ihr nach und nach die meisten der Instrumente. »Hier mit wird das Fahrwerk, also die Räder, nach dem Starten eingezogen. Das Rumpeln nachdem das Flugzeug abgehoben hat, kommt von den Klappen die die Fahrwerkschächte verschließen. Das hast du wahrscheinlich mit bekommen, als ihr hier her geflogen seid, oder?«
»Nein,«, sagte Mara und wurde ein wenig rot im Gesicht »Ich glaube, da hab ich schon ähm, geschlafen.«
Zwar grinste Rebecca leicht bei dieser Bemerkung, vermied es allerdings, etwas dazu zu sagen. Statt dessen sagte sie »Ist doch alles nicht so schlimm, oder?«, fragte sie »Es kann wirklich nichts passieren. Und in den großen Flugzeugen ist das auch ganz genau so wie in diesem hier, nur eben alles etwas größer.«
»So ein großes Flugzeug ist aber auch schwerer und kann leichter runter fallen.«, sagte Mara zögernd.
Rebecca merkte, daß es nicht so leicht war, Mara zumindest etwas von ihrer Angst zu nehmen. Sie schaltete die Instrumente aus und erhob sich von ihrem Sitz. »Komm, ich will dir mal was zeigen.«, sagte Rebecca und verließ gefolgt von Mara das Cockpit. In der Kabine gab es einen kleinen Schreibtisch. Rebecca öffnete diesen und riss von einem Block zwei Blätter Papier ab. Eines davon knüllte sie zusammen und ging damit zur Tür.
»Schau mal. Was meinst du, was passiert, wenn ich das Papier hier gehen lassen?«, fragte sie und hielt es aus der Tür.
»Es fällt runter.«, sagte Mara.
Rebecca ließ das zusammengeknüllte Papier gehen. Wie nicht anders zu erwarten war, fiel dieses auf den Boden des Hangars. Während Mara noch hinter her sah, faltete Rebecca aus dem anderen Blatt ein Papierflugzeug. »Warum ist das Papier eben runter gefallen?«
Mara schaute sie an, sie verstand die Frage zuerst nicht. »Weil alles runter fällt, wenn man es gehen lässt.«, sagte sie zögernd.
»Und was ist hier mit?«, fragte Rebecca und hielt Mara das Papierflugzeug hin. Diese zuckte nur mit den Schultern.
Rebecca warf das Papierflugzeug locker aus der Tür. Es flog erst ein Stück weit gerade aus und machte dann eine leichte Kurve bis es vor dem anderen Flugzeug liegen blieb. »Siehst du? Kein Motor und keine Triebwerke und es fliegt trotzdem noch ziemlich weit. Und wenn man es aus einem größeren Stück Papier baut, dann fliegt es meistens sogar noch besser.«, sagte Rebecca.

»Hey, was soll das denn? Das ist doch kein Spielplatz hier.«, kam eine Stimme von draußen und das Papierflugzeug flog durch die Tür wieder herein.
Draußen standen zwei Männer und schauten zu ihnen hinauf. Einer der Beiden sah ein wenig verärgert aus.
Rebecca nahm Mara ihr Comm ab, hielt es sich kurz an den Oberarm und legte es sich dann wieder an. Dann verließ sie das Flugzeug und Mara folgte ihr erleichtert, das Flugzeug wieder verlassen zu können.
»Entschuldigung,«, sagte Rebecca »ich habe meiner Freundin hier gerade erklärt, daß ein Flugzeug auch ohne Triebwerke nicht einfach so runter fallen kann. Sie hat ein wenig Flugangst.«
Einer der beiden Männer, er trug einen grauen Overall mit dem Emblem welches auch auf dem anderen Flugzeug prangte auf der Brusttasche, lachte. »Ach so. Ich verstehe.«, sagte er. »Dann gehört ihnen das Flugzeug?«
»Nein, ich bin nur die Pilotin.«, sagte Rebecca. »Ein eigenes Flugzeug kann ich mir nicht leisten.«
»Trotzdem eine schöne Maschine.«, sagte der Mann.

»Sagen Sie, haben wir uns schon mal irgendwo gesehen?«, fragte der andere Techniker, er hatte Rebecca schon die ganze Zeit über gemustert.
»Ich weiß nicht. Gut möglich. Ich bin fünf Jahre lang für eine Spedition geflogen. Die haben eure Maschinen.«
Der Mann fragte nach dem Namen der Spedition, Rebecca nannte ihm diesen.
»Dann kann das schon möglich sein. Ich habe früher viele Frachtflugzeuge von denen gewartet.«, sagte der Mann.

»Was halten Sie davon, wir müssen ein Instrument überprüfen. Wir bauen es schnell in unserem Flieger ein und machen einen kurzen Rundflug. Wenn Sie wollen, nehmen wir sie mit. Nichts hilft besser gegen Flugangst, wenn man im Cockpit sitzt und sich alles aus nächster Nähe ansehen kann.«, fragte der erste Techniker.
Mara schaute Rebecca an und schüttelte energisch den Kopf. Sie hatte zwar durch Rebeccas Erklärungen nicht mehr ganz so viel Angst aber nur so zum Spaß wollte sie dennoch auf keinen Fall fliegen.
»Ich halte das zwar für eine gute Idee, aber wir müssen langsam wieder los, sonst bekommen wir noch Ärger wenn wir zu spät zurück kommen.«, sagte Rebecca.
»War nur ein Angebot. Aber Ärger sollen Sie deswegen auch nicht bekommen.«, sagte der Mann. Die Beiden verabschiedeten sich und gingen zu ihrem Flugzeug. Einer der Beiden öffnete mit einem Schalter das große Hangartor, während der Andere die Maschine startklar machte und die Triebwerke startete.

Rebecca schloss die Frachtraumtür und ging dann mit Mara die Seitentür heraus zurück zu dem Wagen. Draußen wurde es bereits dunkel. Die Beiden setzten sich in den Wagen und fuhren zurück zum Tor. Rebecca bat einen der Uniformierten, ihnen ein Taxi zu rufen. Dieses kam einige Minuten später und brachte sie zum Haus von Andreas und Julias Bruder zurück.

Sie kamen gerade noch rechtzeitig an und wurden von Herrin Andrea begrüßt.
»Julia hat sich hin gelegt, sie fühlt sich nicht so gut.«, erklärte sie. Mara wollte sofort nach oben gehen doch Andrea hielt sie zurück. »Bleib noch unten. Du musst sie jetzt nicht wecken. Komm mit ins Wohnzimmer. Wir sehen uns noch einen Film an.« sagte Andrea.
»Wo sind denn die Anderen?«, wollte Rebecca wissen. Ihr war aufgefallen, daß ihre Herrin ziemlich angespannt aussah.
»Rolf, Flo und ihre Frauen sind schon im Hotel. Sie wollen ja noch den Rest der Woche hier bleiben. Gordon und seine Frau sind auch schon nach oben gegangen.«, erklärte Andrea.
Rebecca hatte den Eindruck, daß irgend etwas hier nicht stimmte. Doch Andrea nahm sie und Mara mit ins Wohnzimmer wo sie sich erzählen ließ, was die Beiden den Tag über unternommen hatten. Obwohl sie aufmerksam zuzuhören schien, erschien sie Rebecca etwas abgelenkt. Diese wollte aber nicht nach dem Grund fragen und so erzählten sie und Mara ihr von ihrem Tag.

»Wie war denn Henrietta?«, wollte Rebecca wissen, nachdem sie auch erzählt hatte, daß sie beim Flugzeug gewesen waren und was dort passiert war.
»Es war wie jedes Mal.«, sagte Andrea. »Kitschig und vollkommen unrealistisch. Sie ist Serva geblieben und hat ihren Herren wie erwartet geheiratet.«
Rebecca musste lachen. »Ja, genau deswegen bin ich auf die Schule gegangen.«, sagte sie lachend.
»Ach? Wirklich? Für so naiv hätte ich dich eigentlich nicht gehalten.«, sagte Andrea schmunzelnd.
»Naja, nicht wirklich, aber es hat meine Entscheidung schon ein wenig beeinflusst.«, gab Rebecca zu.

Gegen 21 Uhr kam der Gordons Sohn Paul herein und wandte sich gleich an Andrea. Diese sah ihn ernst an. »Tut mir leid was passiert ist, Tante Andrea,«, sagte er »Sowas hätte ich nicht für möglich gehalten.«
»Schon gut, da kannst du ja nichts für.«, sagte Andrea und winkte ab. »Weiß sie Bescheid?«
»Sie ist nicht all zu begeistert davon und ich glaube, sie hat auch ein wenig Angst. Aber ich denke, es wird das Beste sein.«, sagte er.
»Ja, vermutlich. Ich danke dir Paul. Denk dran, du kannst mich und natürlich auch Julia jederzeit besuchen.«
»Danke, das werde ich auf jeden Fall mal machen. Aber im Moment ist es glaube ich besser, wenn ich erst mal hier bleibe.«
»Ja, vermutlich ist es das. Dann machen wir morgen alles wie abgesprochen?«, wollte Andrea wissen. »Dein Freund weiß Bescheid?«
»Nach dem Frühstück bringt Josh Euch mit seinem Bus zum Flughafen. Er sollte so gegen zehn hier sein.«, sagte Paul. Er verabschiedete sich und ging nach oben auf sein Zimmer.

Rebecca sah Andrea fragend an.
»Nicht jetzt. Ich werde es dir morgen erklären, wenn wir zu Hause sind.«, sagte Andrea. »Und jetzt sollten wir alle zu Bett gehen. Morgen gegen zehn bringt uns Pauls Freund zum Flughafen. Er hat einen Kleinbus in dem wir alle mit Gepäck Platz haben. Mara, du packst bitte morgen früh eure Sachen zusammen. Gegen neun frühstücken wir. Und wenn du jetzt hoch gehst, mach bitte leise und lass Julia ihren Schlaf.« Andrea runzelte kurz die Stirn »Und bitte keinen Morgenlauf.«, sagte sie und konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen.
»Ja Herrin Andrea.«, sagte Mara und stand auf. Sie knickste und wünschte Andrea und Rebecca eine gute Nacht, dann ging sie nach oben.

»Sie ist nett, nicht wahr?«, sagte Andrea und beobachtete Rebecca schmunzelnd die noch immer abwesend zur Tür schaute und nickte.
»Komm, lass uns auch nach oben gehen. Wir müssen morgen auch früh aufstehen wenn wir noch packen wollen.« Andrea stand auf und stellte sich wartend neben Rebecca.
»Was?«, fragte Rebecca und schaute erstaunt zu Herrin Andrea die sie offenbar schon eine ganze Weile beobachtete.
»Ich sagte, lass uns nach oben gehen.«, wiederholte Andrea.
»Entschuldigung, ich habe nachgedacht.«, sagte Rebecca und stand auf. Sie gingen nach oben wo sie sich umzogen und in ihre Betten legten und schnell einschliefen.

Mara war nach oben gegangen und hatte sich so leise es ging umgezogen. Sie legte sich in ihr Bett und versuchte zu schlafen, doch die Erinnerungen an den vergangenen Tag schwirrten ihr im Kopf herum. Der Tag hatte ihr Spaß gemacht, lediglich als Rebecca ihr das Flugzeug erklärt hatte, hatte sie sich nicht besonders wohl gefühlt. Sie hatte zwar die vage Vermutung daß es noch immer schwer sein würde für sie in ein Flugzeug zu steigen aber sie war ziemlich zuversichtlich, daß sie nicht wieder ohnmächtig werden würde. So lag sie noch eine ganze Weile wach im Bett und schaute aus dem offenen Fenster wo sie die Wolken beobachtete die sich, vom Mondlicht beschienen, hell vom dunklen Nachthimmel absetzten. Wieder einmal hatte sie das Gefühl, daß ihr irgend etwas fehlte. Sie hatte eine leise Ahnung, daß sie irgend wann herausfinden würde, was das sein mochte, doch aus irgend einem Grund war dieses Gefühl nun noch stärker als vorher. Auf der Fensterbank lag der Plüschbär den Rebecca vorhin gewonnen und ihr geschenkt hatte. Leise stand sie auf, ging zum Fenster und holte den Bären. Sie legte sich wieder ins Bett und nahm, diesen in den Arm.
57. RE: Neue Horizonte - 2

geschrieben von HeMaDo am 26.08.17 13:11

Als der Wecker klingelte, lag Mara bereits eine Weile wach in ihrem Bett. Sie stand auf und ging ins Badezimmer, wo sie sich duschte. Als sie heraus kam, war Herrin Julia bereits wach.
»Guten Morgen Mara.«, sagte diese.
»Guten Morgen Herrin«, begrüßte Mara sie. »Geht es Ihnen besser?«
»Ja, danke der Nachfrage.« Julia lächelte, wenn auch etwas aufgesetzt. Sie ging nun ebenfalls ins Bad und während sie sich fertig machte, packte Mara bereits die Koffer und stellte sie neben die Tür.
»Die nehmen wir am Besten gleich mit nach unten.«, sagte Julia nachdem sie aus dem Bad kam und deutete auf die Koffer. Mara nahm Julias Koffer sowie ihre Tasche und trug sie nach unten. Dann ging sie noch einmal nach oben um die Betten zu machen.
»Das brauchst du nicht, die müssen sowieso abgezogen werden.«, sagte Julia und sie gingen zusammen nach unten, wo Andrea bereits am Frühstückstisch saß. Rebecca kam gerade mit einer Kanne Kaffee aus der Küche und schenkte zwei Tassen ein, die sie Andrea und Julia hin stellte.
Mara ging mit ihr zusammen in die Küche, wo sie das Frühstück zubereiten sollten.
»Guten Morgen.«, sagte Rebecca »Hast du gut geschlafen?«
»Guten Morgen. Ich glaube schon. Und du?«, fragte Mara.
»Wie ein Bär.«, sagte Rebecca, worauf hin Mara sie ein wenig verlegen an sah.
Rebecca bemerkte den Blick und fragte sich, was dieser bedeuten sollte. »Lass uns Pfannkuchen machen, ich hab ein schnelles Rezept.«, sagte sie.
Während Mara den Tisch deckte, Julia hatte ihr gesagt, sie solle für vier Personen decken, trennte Rebecca acht Eier, gab einige Löffel Zucker zu dem Eiweiß und rührte Mehl und Milch zu dem Eigelb bis dieses eine leicht dickflüssige Konsistenz hatte. Dann schlug sie das Eiweiß mit dem Zucker bis es einen festen Schaum bildete und hob diesen vorsichtig unter die restliche Masse. Diese gab sie Löffelweise auf zwei große Pfannen und buk sie mit ein wenig Öl zu etwas Handtellergroßen Pfannkuchen aus, die sie zum warmhalten in den Backofen stellte.

Sie fragte sich, wo Alice wohl sein mochte. Sie hatte diese weder gestern Abend noch heute Morgen gesehen. Als sie die Pfannkuchen an den Esstisch brachte waren aber auch Gordon und seine Frau nicht anwesend. Auch ihr Sohn glänzte durch Abwesenheit.
»Setzt euch.«, sagte Andrea zu Rebecca und Mara und deutete auf die beiden freien Plätze.
Etwas erstaunt setzten die Beiden sich zu ihren Herrinnen an den Tisch und begannen, nachdem diese angefangen hatten, ebenfalls mit dem Essen.

Die Pfannkuchen schmeckten allen sehr gut und machten auch ziemlich satt. Nachdem alle gegessen hatten, tranken sie noch einen Kaffee. Mara und Rebecca wollten den Tisch abräumen, doch Andrea und Julia hielten sie auf. »Das braucht ihr nicht zu tun.«, sagte Julia.
»Entschuldigung, aber das gehört sich doch so, nachdem man in einem fremden Haus Essen gemacht hat, sollte man auch alles wieder aufräumen.«, gab Rebecca zurück.
»Normalerweise würde ich dir da vollkommen Recht geben, doch dieses Mal lasst es bitte einfach, wir haben unsere Gründe dafür.«, sagte Andrea ernst.
»Ja Herrin«, sagte Rebecca etwas verwirrt.

In diesem Moment klingelte es an der Tür. Sie standen auf und gingen in die Halle, wo Paul gerade einen anderen Mann mit einem Kuss begrüßte.
»Sie sind Josh, nehme ich an.«, sagte Andrea. »Freut mich, Sie kennen zu lernen. Danke, daß Sie uns zum Flughafen fahren wollen.«
»Das mach ich doch gerne.«, sagte der Mann. »Sie sind vermutlich Tante Andrea, dann müssen Sie Tante Julia sein. Freut mich ebenfalls, Sie kennen zu lernen, auch wenn die Umstände nicht gerade angenehm sind.«
»Ja, sehr bedauerlich. Aber leider nicht zu ändern.«, sagte Julia.

Josh half Mara und Rebecca das Gepäck in den Kleinbus zu bringen der in der Auffahrt stand. Die Beiden sollten sich gleich in den Bus setzen, während Josh noch einmal ins Haus ging um sich von Paul zu verabschieden. Er kam mit Julia und Andrea heraus und als alle saßen, brachte er sie zum Flughafen. Er fuhr allerdings nicht zum Terminal sondern gleich zu den Hangars, wo Mara und Rebecca das Gepäck in das Flugzeug bringen sollten, was diese reichlich erstaunt auch taten.
»Rebecca, du machst das Flugzeug startklar. Wir werden Julia und Mara nach Hause bringen und dann gleich weiter fliegen.«, sagte Andrea mit einem Tonfall, der keinen Widerspruch zuließ. Sie schien etwas unter Stress zu stehen und sprach mit jemandem über ihr Comm.

Rebecca machte die Runde um das Flugzeug und kontrollierte alles nötige, wobei sie die Sicherungsbolzen mit den roten Fahnen abnahm und diese dann mit ins Cockpit nahm wo sie sie in die vorgesehenen Halterungen steckte. Das Kabel welches zur Stromversorgung diente, wenn das Flugzeug am Boden stand hatte sie ebenfalls abgezogen und die Klappe verschlossen hinter dem dieses angeschlossen war.
»Was machst du denn hier im Cockpit?«, fragte sie erstaunt als sie sah, das Mara auf dem Sitz des Copiloten saß.
»Ich weiß auch nicht. Deine Herrin hat gesagt, ich soll mich hier hin setzen und nichts anfassen.«, sagte Mara, die genauso erstaunt darüber war wie Rebecca. »Weißt du, was das alles soll?«
»Ich habe keine Ahnung.«, antwortete Rebecca. »Aber wenn du hier mit fliegen sollst, dann schnall dich bitte an und fass nichts an. Und falls du ohnmächtig werden solltest, ich kann nichts machen. Also fall bitte nicht auf irgend welche Instrumente. Unter dem Sitz sind Spucktüten, am Besten nimmst du dir schon mal eine. Ich habe keine Lust nachher schon mal gegessene Pfannkuchen hier weg zu putzen.«
Mara nickte lediglich und beobachtete mit steigendem Unbehagen Rebeccas Vorbereitungen für den Flug. Sie beugte sich vor und suchte unter dem Sitz nach den Tüten von denen sie eine nahm und auch gleich öffnete.

Gerade als alles fertig war für den Start, kam Andrea herein und fragte ob alles in Ordnung sei. Rebecca bestätigte dies.
»Ich sage dir Bescheid, wenn wir fertig sind.«, sagte Andrea und verließ das Cockpit. Die Tür schloss sie hinter sich, so daß die Beiden nicht mehr sehen konnten, was in der Kabine vorging.

Kurze Zeit später hörten sie aus der Kabine jemanden schreien. »Ich fliege nicht. Ich bin doch nicht Lebensmüde.« Die Stimme kam beiden irgend wie bekannt vor.
»Noch jemand mit Flugangst?«, fragte Rebecca und sah grinsend zu Mara. Diese wurde etwas rot im Gesicht und zuckte mit den Schultern.
»Dann wollen wir mal sehen, wen wir da als Passagier haben.«, sagte Rebecca leise. Sie betätigte einige Schalter und auf einem Monitor vor Mara tauchte das Bild der Kabine auf. Doch sie konnten lediglich einen blonden Schopf in einem der Sitze sehen.
»Wer ist das denn?«, fragte Mara erstaunt. »Ist das eine Entführung?«

»Wer fliegt das Flugzeug überhaupt?« hörten sie eine Stimme aus dem Lautsprecher, den Rebecca ebenfalls eingeschaltet hatte.
»Das ist Rebecca.«, hörten sie Andreas Stimme sagen.
Darauf hin begann die blonde Gestalt in dem Sitz heftig zu zappeln. »Nein, die hasst mich. Ich will hier raus. Die wirft mich mitten über dem Meer aus dem Flugzeug. Ich will das nicht.« Als die Gestalt sich hin und her bewegte, konnte man kurz deren Gesicht sehen. Es war Alice, die dort in dem Sitz saß und verzweifelt versuchte, diesen zu verlassen.
Mara schaute fragend zu Rebecca.
»Niemand hier hasst dich. Rebecca ist etwas sauer auf dich wegen der Scherben und weil du dich so daneben benommen hast. Aber sie wird dich ganz sicher nicht aus dem Flugzeug werfen.«, klang Andreas strenge Stimme aus dem Lautsprecher.

»Etwas sauer? Soll das ein Witz sein?«, fragte Rebecca mehr sich selbst.

»Wir sind fertig Rebecca. Ich weiß das du die Kamera an hast. Du kannst starten wenn du die Freigabe vom Tower hast.« hörten sie Andrea.
Rebecca drückte einen Knopf »Ja Herrin. Wenn Sie sich bitte anschnallen wollen.«, sagte sie »Alice, ich werde dich ganz sicher nicht raus werfen. Aber wenn du dich nicht benimmst, dann werde ich dich barfuß über glühende Kohlen laufen lassen.« Rebecca ließ verärgert den Knopf gehen und schaltete die Kamera und den Lautsprecher aus.

Es dauerte nur etwa zehn Minuten bis die Freigabe vom Tower kam, die Triebwerke zu starten und zur Rollbahn zu fahren. Rebecca atmete tief durch und schluckte ihren Ärger herunter.
»So, jetzt geht’s los.«, sagte sie so ruhig es ging. Sie löste die Bremsen und gab etwas Schub, bis das Flugzeug sich in Bewegung setzte.
»Wir rollen jetzt zu unserer Warteposition.«, erklärte sie Mara. Eine Hand hatte sie an den Schubhebeln und die andere an dem Hebel für die Bremsen des Fahrgestells.
Mara schaute etwas beängstigt drein weil sie keine Hand am Steuerknüppel hatte.
»Keine Angst, das muss so sein.«, sagte Rebecca die Maras Blick bemerkt hatte. »Ich lenke mit den Pedalen für die Ruder. Wir müssen jetzt erst mal zu einer Warteposition in der Mitte der Startbahn fahren. Der Flughafen hier ist etwas eng gebaut und wir müssen nach Westen starten, weil der Wind von da kommt. Wenn die Startbahn frei ist, dann fahren wir ans östliche Ende der Startbahn und drehen da.

Die Fahrt zur Warteposition war ein wenig holprig und Maras Gesicht wurde bei jedem Ruckler etwas blasser. Als sie endlich an der Warteposition angekommen waren, war ihr jede Farbe aus dem Gesicht gewichen und ihre Sommersprossen hoben sich dadurch stark von ihrem restlichen Gesicht ab.
Rebecca schaute zu ihr herüber und sah sie besorgt an. »Keine Angst, alles in Ordnung. Das Ruckeln kam von den Fugen zwischen den Betonplatten.«, sagte Rebecca. Sie ließ die Schubhebel gehen und strich Mara mit der Hand über die Wange. Darauf reagierte diese damit, daß ihre Gesichtsfarbe schlagartig von weiß auf rot wechselte.

Vor ihnen flog in nur knapp hundert Metern Entfernung ein Flugzeug von rechts entlang welches gerade gestartet war. Es dauerte noch eine Minute bis Rebecca vom Tower die Freigabe erhielt zur Startposition zu rollen. Sie beschleunige das Flugzeug nun etwas stärker und rollte über die Landebahn bis zu der Wendestelle, wo sie noch eine landende Maschine abwarten mussten. Dann durften sie zur Startposition rollen.
»Bereit?«, fragte Rebecca zu Mara gewandt.
Diese schüttelte energisch den Kopf, obwohl sie wusste, daß es nun kein Zurück mehr gab.
»Na, dann mal los.«, sagte Rebecca. Sie nahm Maras Hand und legte diese auf die Schubhebel. Als die Startfreigabe kam, legte sie ihre eigene Hand auf Maras und drückte sie Schubhebel sacht bis ganz nach vorne. Die Maschine begann erst langsam, dann immer schneller zu rollen. Kurz vor der Mitte der Startbahn zog Rebecca den Steuerknüppel zu sich heran und die Maschine ging in einen recht steilen Steigflug über. Als sie die Hand von den Schubhebeln nahm, zog auch Mara ihre Hand schnell zurück.
»Weist du noch, wo der Hebel für das Fahrwerk ist?«, fragte Rebecca.
Mara nickte und deutete auf den entsprechenden Hebel.
»Prima. Dann nimm den Hebel in die Hand, zieh ihn nach oben und dann ganz nach hinten, bis er einrastet.«
Mara schüttelte nur den Kopf. Rebecca schaute schmunzelnd zu ihr und betätigte den Hebel dann selbst. Mit einem leichten Ruck fuhr das Fahrwerk ein und die Klappen die die Schächte in denen die Räder verschwunden waren schlossen sich mit einem weiteren Ruck.

Nachdem sie in einer Kurve, die viel weiter war als eigentlich nötig gewesen wäre auf Kurs Richtung Osten waren und ihre angestrebte Flughöhe erreicht hatten, schaltete Rebecca das ’Bitte Anschnallen’ Schild aus und die Sprechanlage ein. »Wir haben jetzt eine Flughöhe von 8300 Metern erreicht und werden etwa in einer Stunde landen.«, sagte sie und schaltete die Sprechanlage wieder aus.

»Kannst du mir bitte einen Kaffee holen?«, fragte sie Mara.
Obwohl sie lieber sitzen geblieben wäre nickte Mara und wollte aufstehen. Doch sie hatte vergessen, den Gurt zu öffnen, was sie nun nachholte und dann aufstand. Mit etwas wackeligen Beinen verließ sie das Cockpit.

Statt Mara kam Andrea mit zwei Tassen Kaffee ins Cockpit und setzte sich neben Rebecca. Sie reichte dieser eine Tasse Kaffee und schaute sie eine Weile lang an.
»Darf ich fragen, was das vorhin sollte? Der armen Alice androhen, sie über heiße Kohlen laufen zu lassen war ja wohl das letzte. Vielleicht sollte ich dich das mal selber machen lassen.«, sagte Andrea.
Rebecca trank einen großen Schluck Kaffee bevor sie antwortete. »Entschuldigung Herrin, aber wieso denn auf einmal die arme Alice? Und wenn es sein muss, werde ich das auch machen, wenn ich sie mal erwischen sollte. Sie soll froh sein, daß sich mein Fuß nicht entzündet hat und nicht mehr so weh tut wie gestern.«
»Das Wieso werde ich dir erklären, wenn wir wieder zu Hause sind. Und wenn du ihr noch einmal mit so etwas drohst, dann wirst du das vorher selber machen. Ich erwarte nicht, daß du mit ihr Brüderschaft trinkst aber etwas vernünftiger kannst du dich ihr gegenüber benehmen.«, sagte Andrea vollkommen ruhig.
»Ich werde es ihr gerne vor machen wenn wir uns das nächste Mal sehen. Aber ich hoffe doch sehr, daß ich sie, nachdem wir sie wo auch immer abgeliefert haben werden, nicht mehr wieder sehen muss.«
»Da muss ich dich leider enttäuschen. Sie wohnt ab sofort bei uns.«
Rebecca schaute Andrea mit offenem Mund hinterher als diese das Cockpit verließ und die Tür schloss.

- - -

Angesichts der Tatsache, daß Mara wieder ins Cockpit gekommen war, nachdem Andrea dieses verlassen hatte, schluckte Rebecca ihren Ärger herunter und versuchte sich wieder zu beruhigen. So verärgert kannte sie sich selbst nicht einmal. Aus irgend einem Grund schaffte es die bloße Anwesenheit von Alice, sie zu verärgern. Und nun sollte sie auch noch bei ihnen wohnen? Das konnte nur Ärger geben. Und wieso hatte Andrea sie vorhin die arme Alice genannt? Sie hoffte, nachher noch zu erfahren, was genau los war.
»Jetzt bist du aber selber ganz schön still.« Maras Worte rissen sie aus ihren Gedanken.
»Entschuldige. Mir will nicht aus dem Kopf, daß Alice bei uns wohnen soll. Einerseits tut sie mir ja echt leid, so wie sie aussieht, aber andererseits hat sie es schon als wir angekommen sind in nicht mal fünf Minuten geschafft, mich richtig wütend zu machen.«
Mara schaute eine Weile aus dem Fenster. So schlimm fand sie das Fliegen garnicht mehr. Aber ihre Lieblingsart zu Reisen würde es dennoch nie werden. »Was meinst du denn damit, wie sie aussieht?«, fragte sie nach einer Weile.
»Hast du sie dir mal genauer angesehen? Sie ist total abgemagert und hat überall blaue Flecken und Narben von einer Peitsche. Wahrscheinlich genau die selbe, die wir auch abbekommen haben. Und die war ja mal wirklich ziemlich heftig.«
»Wann hast du denn das gesehen?«, fragte Mara. »Ich hab nur gesehen, daß sie immer die Selbe Tunika an hatte.«
»Am Samstag Morgen in der Küche. Sie hat da in einer Ecke zwischen zwei Schränken geschlafen. Sie war nackt und außerdem war sie angekettet.« Rebecca erzählte Mara von der Begegnung in der Küche.
Mara wusste darauf nichts zu sagen und schaute schweigend aus dem Fenster. Doch das Schweigen gefiel ihr nicht. »Fliegen wir auch über Wiesbaden?«, fragte sie, um das Schweigen zu brechen.
»Nein, gerade sind wir über Dortmund. Der Fluss den wir eben überflogen haben, war der Rhein. Wiesbaden ist ungefähr 200 Kilometer weiter südlich. Wieso fragst du?«
»Ach nur so.«, wich Mara der Frage aus.
»Nur so? Wieso glaube ich dir das gerade nicht.«? Rebecca merkte, daß Mara ein wenig bedrückt aussah. Doch diese zuckte nur mit den Schultern.
»Komm schon, ich verrate es auch niemandem.«, sagte Rebecca und strich Mara über den Arm.
»Naja, da hab ich früher gewohnt. Meine Eltern und meine Schwester wohnen da ja noch.«
»Ich verstehe. Und über eurem Haus hätte ich hupen sollen wie wenn man mit dem Auto bei jemandem vorbei fährt, den man kennt?«, fragte Rebecca.
Mara schaute sie einen Moment lang verdutzt an. »Das hört doch niemand, wenn wir so weit oben sind.«
»Ach nicht?« Rebecca tat erstaunt.
Wieder schaute Mara sie kurz an und begann zu lachen. »Ich glaube nicht.«, sagte sie lachend. »Hat so ein Flugzeug überhaupt eine Hupe?«
Rebecca war froh, Maras Laune etwas gebessert zu haben. »Ich glaube nicht, jedenfalls hab ich noch nie eins hupen gehört.«

Eine halbe Stunde später meldete Rebecca sich über Funk beim Flughafen an. Sie schaltete das ’Bitte anschnallen’ Schild an und sagte über die Sprechanlage »Wir landen in ungefähr zehn Minuten.«

Sie flog eine Warteschleife und über einem kleinen Waldstück geriet das Flugzeug in eine leichte Turbulenz und sackte etwa zwanzig Meter durch. Aus der Kabine hörte man einen lauten, panischen Aufschrei der eindeutig von Alice kam. Rebecca schaltete die Sprechanlage ein. »Entschuldigung, das war eine leichte Turbulenz. Da kann noch mehr kommen.«, sagte sie und schaltete die Sprechanlage wieder aus.
Sie wandte sich mit einem schmunzeln zu Mara. Doch sie sah, daß diese beinahe grün im Gesicht war. »Nimm bitte schnell die Tüte.«, sagte sie. »Keine Angst, das war nichts schlimmes. Ich würde dir ja gerne erklären, was das war, aber dazu ist im Moment keine Zeit.«
»Ich glaube, es geht schon wieder.«, sagte Mara etwas durch die Spucktüte gedämpft, die sie sich vorsichtshalber vor den Mund hielt.

Nach nicht einmal fünf Minuten bekam sie vom Tower die Freigabe zur Landung. Sie beendete die Schleife und steuerte auf die Landebahn zu. Keine fünf Minuten später setzte das Flugzeug sanft auf der Landebahn auf. Sie rollte zum Terminal und schaltete die Triebwerke aus.

»So, wir sind da.«, sagte Rebecca und schnallte sich ab. »War es so schlimm?«
»Es geht so.«, sagte Mara deren Gesicht mittlerweile wieder eine normale Farbe angenommen hatte.
»Jetzt bin ich aber etwas beleidigt. Ich bin extra wegen dir vorsichtig geflogen.«, sagte Rebecca lachend. Sie stand auf und half auch Mara aus dem Sitz.
»Entschuldigung. So hab ich das nicht gemeint.«
»Das weiß ich doch. Ist doch in Ordnung. Wenigstens bist du nicht ohnmächtig geworden.«

Die Beiden verließen das Cockpit und gingen in die Kabine. Dort verabschiedeten sich Andrea und Julia gerade. Auch Mara verabschiedete sich mit einem Handschlag von Rebecca. Doch diese zog sie zu sich heran und umarmte sie zum Abschied noch einmal herzlich.

Mara nahm das Gepäck und verließ hinter Julia das Flugzeug. Die Beiden stiegen in einen Zubringerbus der sie zum Terminal brachte. Es dauerte einige Minuten bis die nötigen Formalitäten erledigt waren und dann durften sie den Sicherheitsbereich verlassen. Mara ging sofort zu einem der großen Fenster und schaute zu dem Flugzeug, welches noch immer auf dem Vorplatz stand. Zehn Minuten später setzte es sich in Bewegung und rollte zur Startbahn. Dort blieb es einen Moment stehen und Mara glaubte, im Fenster des Cockpits Rebecca winken zu sehen. Obwohl das vermutlich nur eine Täuschung war, winkte sie zurück und schaute dem Flugzeug, nachdem es rasend schnell auf der Startbahn vorbei gerollt war und erst auf Höhe des Terminals abgehoben hatte hinterher, bis es in den Wolken verschwunden war.

»Komm, wir wollen langsam nach Hause.«, sagte Julia.
»Mhmm.«, machte Mara ohne den Blick vom Himmel abzuwenden.

»Mara?«, fragte Julia so laut durch die Halle so daß Mara sie trotz der Leute die vielen Menschen die sich in dieser befanden auch hören konnte.
Mara drehte sich um und sah Julia einige Meter entfernt auf einem der Sitze, das Gepäck neben sich stehend und die Füße übereinander geschlagen. Sie hielt ein Pad in der Hand in dem sie gerade gelesen hatte.
Julia kam zu ihr und legte die Hand auf ihre Schulter. »Komm schon, wenn du noch eine viertel Stunde da stehst, denken die Leute noch, du gehörst zur Einrichtung.«
»Entschuldigung Herrin. Aber so lange wollte ich nicht hier stehen bleiben.«
»Ach? Also zwanzig Minuten waren das jetzt bestimmt.«, sagte Julia und schob sie mit sanftem Nachdruck zu dem Stuhl wo das Gepäck stand.
»Zwanzig Minuten?«, fragte Mara verwirrt.
Julia nickte. »Vielleicht waren aus auch 25.« Sie deutete auf ihren Koffer.
Mara nahm diesen und ihre Reisetasche und folgte Julia zum Ausgang. Dort stiegen die Beiden in ein Taxi, welches sie nach Hause brachte. Dort angekommen räumte Mara erst Julias Koffer aus, dann ihre eigene Tasche. Den weißen Plüschbären, der zu oberst in der Tasche lag, stellte sie auf ihren Nachttisch. Beim Ausräumen fand sie die Wachsfigur die Rebecca im Wachsfigurenkabinett hatte machen lassen. Doch sie stellte fest, daß es garnicht ihre eigene war sondern die von Rebecca. Sie fragte sich, wann sie die beiden Figuren wohl verwechselt hatten. Wahrscheinlich war das bereits geschehen, als Rebecca sie gestern Abend aus dem Beutel geholt hatte.

Sie beschloss, die Figur balde zu Rebecca zu schicken. Herrin Julia hatte bestimmt die Adresse ihrer Schwester. Bis dahin stellte sie sie auf das Regal in ihrem Wohnzimmer, wo sie vor der Sonne geschützt sein würde.

Als es Zeit zum Abendessen wurde, machte Mara eine einfache Suppe aus den noch im Kühlschrank vorhandenen Resten, die sie vor der Abreise nicht entsorgt hatte.
Als sie zusammen aßen, verzog Herrin Julia ein wenig das Gesicht, worauf hin Mara schnell zum Schrank ging um Salz zu holen. Sie reichte es Herrin Julia mit einem »Entschuldigung, ich glaube, da hab ich wohl zu wenig dran gemacht.«
»Danke, ich brauche wirklich keins mehr.«, sagte Julia und schaute etwas verwirrt zu Mara, die ihre Suppe ordentlich nachsalzte. »Mara, ich denke, in der nächsten Zeit solltest du das Salz besser weg lassen. Ich mache mir das dann lieber selbst aufs Essen.«, sagte sie.
Mara schaute sie etwas erstaunt an und fragte sich, warum Herrin Julia nicht nachsalzte, wenn das Essen doch so fade schmeckte. »Ja Herrin.«, sagte sie nur und aß weiter.

Nachdem Mara die Küche nach dem Essen wieder aufgeräumt hatte, ging sie ins Wohnzimmer und wünschte Herrin Julia eine gute Nacht. Dann ging sie nach oben in ihr Zimmer, duschte sich und legte sich dann ins Bett. Den Plüschbären nahm sie in die Arme und schlief in Gedanken an das vergangene Wochenende balde ein.

- - -

Der Flug nach Horizons dauerte nicht einmal eine Stunde und verlief ohne besondere Ereignisse. Rebecca wollte gerade die Koffer nach oben bringen um sie aus zu räumen, doch Andrea sagte ihr, sie sollte eine Kanne Tee machen und dann in den Salon kommen. Die Koffer sollte sie später ausräumen.

Mit einer Kanne Tee und drei Tassen kam Rebecca in den Salon, wo Andrea und Alice bereits saßen. Alice saß in einem Sessel und machte den Eindruck, sich nicht wirklich wohl zu fühlen. Rebecca konnte es ihr nach ihrer Drohung sie über glühende Kohlen laufen zu lassen nicht einmal verübeln. Sie schenkte den Tee ein und stellte die Tassen auf den Tisch. Auf ein Zeichen Andreas setzte sie sich und schaute erwartungsvoll zu ihrer Herrin.

»Rebecca, du fragst dich sicher, was das zu bedeuten hat.«, sagte Andrea, worauf hin Rebecca nickte. »Gut, dann will ich es dir erklären. Alice, steh bitte auf und zieh die Tunika aus.«
Alice stand auf und sah eingeschüchtert zu Andrea. Sie ließ die Tunika einfach fallen und stand nun nackt im Raum. Ohne daß es ihr gesagt wurde präsentierte sie sich.
»Wer hat dir das angetan?«, fragte Andrea.
Zögernd schaute Alice sie an und erst nach einem ermunternden nicken von Andrea sagte sie »Das war die Mistress.«
»Was?«, entfuhr es Rebecca. Sie hätte erwartet, daß Andreas Bruder Alice das angetan hatte.
»Danke Alice, du kannst dich wieder anziehen und setzen.«, sagte Andrea.
Während Alice sich wieder anzog trank Andrea einen Schluck. »Alice, bitte erzähl Rebecca, was vorgestern Abend passiert ist.«, sagte sie dann.

Rebecca schaute erwartungsvoll zu Alice. Diese schluckte und begann zu erzählen. »Die Mistress hat mich geweckt als alle schon geschlafen haben und hat mich in den Garten gebracht. Dann musste ich mich unter die Stange stellen und sie hat mich angebunden. Dann hat sie mich ausgepeitscht, weil ich die zwei Teller fallen gelassen habe.«, sagte Alice stockend.
»Wie hat sie dich geweckt und nach draußen gebracht?«, fragte Andrea.
Wieder schluckte Alice. »Sie hat mich getreten bis ich aufgestanden bin. Dann hat sie die Kette vom Haken abgemacht und mich nach draußen gezogen. Als ich hingefallen bin hat sie weiter gezogen und ich musste hinter ihr her krabbeln weil ich nicht so schnell aufstehen konnte. Dann hat sie mich an die Stange gefesselt. Mit den Händen ganz oben an der Stange.«
Rebecca schaute ungläubig zu Alice. Diese war gute zehn Zentimeter kleiner als sie selbst und sie selbst hatte schon Probleme gehabt, an die Stange zu kommen um sich fest zu halten. Alice musste demnach regelrecht an der Stange gehangen haben.
»Was ist dann passiert?«, hakte Andrea nach.
»Die Mistress hat mich ausgepeitscht wegen den Tellern. Und dann ist sie ins Haus gegangen.«
»Und wann hat sie dich wieder los gemacht?«
»Das war gestern Morgen, bevor alle runter gekommen sind.«

Rebecca sah entsetzt abwechselnd Andrea und Alice an. Diese saß in dem Sessel und eine Träne lief ihre Wange herab. Obwohl sie sich in dem Sessel ganz klein machte, konnte Rebecca auch so etwas wie Erleichterung in Alices Blick erkennen.
»Wie oft ist sowas passiert?«, wollte sie wissen.
»Jedes Mal wenn ich einen Fehler gemacht habe.«, sagte Alice leise und mit matter Stimme.
»Und wie oft?« Rebecca hatte unwillkürlich die Hände zu Fäusten geballt.
»Ich weiß nicht. Einmal im Monat, manchmal mehr.« sagte Alice leise.

»Hat das denn niemand mitbekommen?«, fragte Rebecca. »Was war denn mit deinem Herren? Hat der das nicht gesehen?«
Alice schüttelte den Kopf. »Die Mistress ist immer erst gekommen, wenn schon alle geschlafen haben. Sie hat mir immer etwas in den Mund gesteckt damit ich nicht schreie.«

»Rebecca, wo willst du hin?«, fragte Andrea. Rebecca war aufgestanden und zur Tür gegangen.
»Ich nehme das Flugzeug und fliege nach London. Dann kann diese Frau ihre eigene Medizin schmecken.«, sagte Rebecca aufgebracht.
»Rebecca, setz dich!«, sagte Andrea nachdrücklich.
Rebecca schloss kurz die Augen und versuchte sich zu beruhigen. Anstatt sich zu setzen ging sie zu Alice und nahm diese in den Arm. Diese schaute Rebecca kurz an und lehnte sich dann an ihre Schulter. Eine Träne lief ihre Wange herunter, dann noch eine und noch eine. Zitternd lag sie in Rebeccas Arm und weinte. Es dauerte eine ganze Weile, bis sie keine Tränen mehr hervorbrachte und nur noch schluchzte.
»Setz dich bitte wieder Rebecca.«, sagte Andrea.
Rebecca ließ Alice los und setzte sich wieder in den Sessel. Sie nahm einen großen Schluck Tee und saß dann mit zusammen gekniffenen Lippen eine Weile so da.
»Es wird nicht nötig sein, daß du noch mal nach London fliegst Rebecca. Gordon war außer sich vor Wut als er mitbekommen hat, wie seine Frau Alice behandelt hat. Und ich fürchte, das, was wir gestern nach unserem Theaterbesuch alles erfahren haben, war nur die Spitze des Eisbergs. Er hat Roxane vor die Wahl gestellt. Entweder er ruft die Polizei, zeigt sie an und reicht die Scheidung ein oder sie bleibt als Serva bei ihm.«
»Als Serva?«, fragte Rebecca und Alice schaute Andrea erstaunt an.
»Wenn eine Frau Serva werden will, muss sie dazu nicht unbedingt in die Schule gehen. Es reicht auch eine Erklärung, daß man alle Rechte aufgibt und sich jemandem als dessen Eigentum gibt. Wer dies macht, hat zwar nicht die Ausbildung die man an einer Schule bekommt, die aber anscheinend auch nicht immer das gelbe vom Ei ist, wie man bei Alice sieht, aber man hat dann genau die selben Rechte und Pflichten wie jede andere Serva auch.«, erklärte Andrea. »Und ich glaube, Gehorsam kann sich Gordon auch selbst verschaffen.«

»Sollten wir deshalb alles stehen und liegen lassen?«, fragte Rebecca, nachdem sie einen Schluck des mittlerweile nur noch lauwarmen Tee getrunken hatte.
Andrea bestätigte dies.

Alice hob zögernd die Hand.
»Ja?«, fragte Andrea.
»Was passiert jetzt mit mir Mistress?«
»Du gehörst ganz offiziell mir. Wir werden in den nächsten Tagen die Registrierung vornehmen. Dann lässt du bitte dieses Mistress. Wenn du mich anredest, dann bitte als Herrin. Und da Rebecca in der nächsten Zeit deine Lehrerin sein wird, wirst du sie mit Miss anreden.« Diese schaute Andrea mit offenem Mund an »Rebecca wird mit dir morgen die selbe Runde machen die sie selbst machen musste, als sie hier her gekommen ist. Ich werde alles nötige morgen früh veranlassen. Du wirst neue Kleider bekommen und alles andere, was notwendig ist. Dann wirst du zu einer Ärztin gehen, ich fürchte allerdings, das wird eine ganze Weile in Anspruch nehmen. Und ab Mittwoch oder Donnerstag, je nachdem wie lange es dauert, bis die Formalitäten erledigt sind, wirst du hier ganz normal anfangen deinen Dienst zu verrichten. Rebecca wird dich dabei unterstützen und dir helfen eine anständige Serva zu werden. Ich glaube nämlich, daß du mit etwas Anstrengung und lernen eine ganz gute Serva werden kannst, so wie Rebecca es ist. Und soweit ich weiß, hat sie in der Schule einen großen Teil ihrer Zeit damit verbracht, irgend welchen Unsinn anzustellen.«

Rebecca sah sie an und verschluckte sich an ihrem Tee, den sie gerade trank.
»Miss Isabella hat mir so einiges erzählt, was ihr so angestellt habt.«, sagte Andrea. »Und vieles davon w