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Thema:
eröffnet von Mike Orca am 10.02.19 21:34
letzter Beitrag von Sir Dennis am 12.02.19 10:23

1. Rollenspiele und Alltag

geschrieben von Mike Orca am 10.02.19 21:34

Viele von uns mögen es, wenigstens ab und zu in eine andere Rolle zu schlüpfen als die, die von "der Gesellschaft" erwartet wird bzw. als "normal" empfunden wird. Ein erwachsener Mensch kann nie ein richtiger Hund, eine echte Katze oder ein Baby werden, soviel dürfte auch den konsequentesten Pet- und Ageplayern klar sein. Auch echte Sklavinnen und Sklaven gibt es in Deutschland nicht (mehr), das verhindert die Gesetzeslage - Selbsteinschätzung hin, Sklavenvertrag her. Der Wechsel in eine andere Rolle hat also immer einen Spiel-Aspekt, auch wenn es den Akteuren sehr ernst ist mit dem gewünschten Status.
Nun meine Fragen:
Wie definiert Ihr für euch den Unterschied zwischen einem Rollenspiel und einem Leben in einer bestimmten Rolle? Geht es da nur um die Zeit (ein Tag als Sissy mit KG scheint mir etwas Anderes als viele Jahre) oder auch um die Intensität, die Konsequenz, vielleicht auch ums öffentliche dazu stehen?
Zweite Frage an diejenigen, für die der Rollenwechsel nicht (mehr) spielerisch ist, sondern als ernst und real wahrgenommen wird: Gab es einen mehr oder weniger sanften, unspektakulären Wechsel vom Spielerischen zum Ernst oder seid Ihr (z.B.) als sexuell selbstbestimmter Mann aufgewacht und als keusch gehaltene Hausfrau schlafen gegangen?
2. RE: Rollenspiele und Alltag

geschrieben von private_lock am 11.02.19 01:17

Hi Mike Orca!

Ich glaube einigen ist die Trennung zwischen Rolle und Realität gar nicht so bewusst, bzw. sie versuchen es sogar aktiv zu verdrängen und reagieren geradezu unwirsch, wenn man sie daran erinnert. Das für sich sauber aufzudröseln und die Widersprüche zwischen Rolle und Realität überhaupt einzugestehen, erfordert scheinbar einiges an Selbstreflektion, wo mancher nur einen Knoten im Bauch hat und "fühlt", wie es nach aktueller Laune gerade zu sein hat. Entsprechend schwierig ist es für die Partnerin die aktuelle Gefühlslage vorherzusagen und den überzogenen Erwartungen gerecht zu werden.

Deine Frage würde ich also dahingehend verstehen den Unterschied zwischen 24/7 und dem Session-basierten Spiel betreffend?!? Sessions können ohne Frage sehr intensiv sein und ein vollkommenes Abtauchen in die Rolle / den Subspace ermöglichen. Auf der anderen Seite ist die Session eben schnell vorbei und man kann auch schon mal metaphorisch "die Luft anhalten" und einfach auf das Ende warten.

Insofern könnte der Eindruck entstehen, dass 24/7 "ehrlicher" ist, denn man muss wirklich langzeit-tauglich klarkommen. Z.B. ist es möglich mit dem Spiel-KG mit den Spikes einige Stunden durchzuhalten - Aber dann muss das Ding runter. Das ist nicht vergleichbar mit einem echten KG. Folglich spielt das Dings nur die Rolle eines KG, ohne einer zu sein!

Aber ich will den Session-Spielern nicht absprechen, "echtes" BDSM zu machen, denn die Dauer allein ist kein guter Qualitätsmesser, genauso wenig wie die Menge an Text, den jemand schreibt ein Garant für tief gehenden Inhalt ist. Auf die Spitze getrieben könnte am Beispiel KG ein "einschließen und Schlüssel wegwerfen" die langweiligste Session der Welt werden, weil ohne Schlüssel eben nix mehr geht, auch für die SH nicht.

Nicht vernachlässigen darf man bei der Betrachtung die Rolle außen stehender Dritter. Sessions finden praktisch nur unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Hingegen ist 24/7 nur auf einer einsamen Insel vor anderen zu verstecken. Und gerade dann zeigt sich, ob man voll geoutet ist und eben auch in der Fußgängerzone am Halsband geführt wird, oder ob man lieber den KG versteckt unter der Kleidung trägt, so dass niemand etwas merken soll. Manchmal gibt es ja auch Gelegenheit für die Session-Spieler das Sonnenlicht zu erblicken, etwa wenn sie bei Paraden am Chistopher Street Day mitlaufen ... in Montur versteht sich.

Um schließlich Deine Frage zu beantworten: Genau daran würde ich die Unterschiede festmachen: Wie ist das Verhalten Dritten gegenüber? Session-Spieler können sich für 14 Tage in einem Dungeon einmieten und zwei Wochen lang 24/7 simulieren, jedoch fernab des Alltages und insbesondere fernab von Familie, Freunden und Kollegen, die das "nicht verstehen würden".

LG
private_lock
3. RE: Rollenspiele und Alltag

geschrieben von Mike Orca am 11.02.19 22:33

Hallo private_lock,
wer nur ab und zu mal für die Dauer einer Session in eine andere Rolle schlüpft, weiß mit Sicherheit, ob er wirklich Hund, Dienstmädchen, Nonne oder Sträfling ist. Wer wirklich 24/7 bestimmten Rollenbildern und / oder Regeln folgt, wird auch recht genau wissen, wo er oder sie steht.
Mich interessiert vor allem die breite Grauzone zwischen 24/7 und eindeutigem Rollenspiel. Wo hört das "ICH" auf und eine gespielte Rolle beginnt? Umgekehrt: Ab wann wird "ich ziehe mir die rosa Schürze an und spiele Hausfrau" zu "in unserer Ehe hat die Frau die Hosen an und ich habe die Stellung ihrer Hausangestellten und verhalte mich immer rollentypisch, wenn es möglich ist"?
Daran schließ sich natürlich auch die Frage an, was man wann und wo für möglich hält. Es ist nicht verboten, die Herrin immer und überall zu begrüßen, indem man auf die Knie sinkt und ihr die Füße küsst. Was die Eltern, Kinder, Nachbarn oder der Chef davon halten, steht auf einem anderen Blatt...
4. RE: Rollenspiele und Alltag

geschrieben von Sir Dennis am 12.02.19 10:23

Also bei uns ist es eher das mein Mann der Häftling ist mit Sträflingskleidung und fesseln und ich sein Wärter. Eher sind es bei uns Sessions weil 24/7 was mein Mann gerne würde geht eben nicht weil wir eine Fernbeziehung haben.

Ich finde 24/7 auch schwierig weil beide Seiten sich immer in einer Rolle befinden müssten.

„Mich interessiert vor allem die breite Grauzone zwischen 24/7 und eindeutigem Rollenspiel.“

Wenn mein Mann in seiner Zelle ist dann ist er schon der Häftling, kann aber auch der Häftling mit Handschellen vor dem TV sein .

Eine Grauzone gibt es bei uns nicht so wirklich! Ich denke aber auch da ist jeder anders.

Bei Fragen lieber Mike stelle sie einfach!

Sir_Dennis


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